24 Ieilsge M Ailgsömger Weiimg.» Mlli 1897. Hansen und der Hypnotismus. Von Charles Saint-Paul. Der Vorkämpfer und Wiedererwecker des Magnetismus und Hypnotismus, Karl Hansen, ist vor Kurzem in Mona gestorben. Seine letzten Lebensjahre haben sich für ihn zu einer schweren Leidenszeit gestaltet, da bet den vielen Verdächtigungen, die er erfuhr, und bei der oppositionellen .Haltung der Behörden gegen öffentliche hypnotische Schaustellungen ihm sein früheres Wirken unmöglich gemacht wurde und auch seine Körperkraft unter den drückenden Verhältnissen zu sinken begann. Es tvar ihm vor seinem Lebensende durch ein Lnngenleiden auch die letzte Möglichkeit des Erwerbes, Vortrüge über seine Wissensgebiete ohne die üblichen Experimente, noch genommen worden, so daß seine Gesinnungsgenossen einen Aufruf zu seiner und seiner Familie Unterstützung veröffentlicht haben. Anderseits hatte er noch die Anerkennung gefunden, daß in letzter Zeit die wissenschaftlichen Kreise Deutschlands zugestanden haben, daß er durch sein Auftreten den ersten Anstoß zu ernster Beschäftigung mit den hypnotischen Fragen gegeben, die Aufmerksamkeit dec Aerzte und Laien auf die bereits fast vergessenen Erscheinungen des Magnetismus und Hypnotismus gelenkt hat. Während des letzten Aufenthaltes Hansens in München im Jahre 1892 hatte ich Gelegenheit, diesen Mann, der so reiche Erfahrungen auf dem Gebiete der modernen Experimeutalpsychologie in allen Wcltgcgcnden gesammelt hat, näher kennen zu lernen und einen genauen Einblick in seine Erfahrungen zu gewinnen. Es war zu dieser Zeit auch bereits in Süddeutschland seine frühere Anfeindung als Schwindler und Charlatau der Anerkennung seiner umfassenden praktischen Thätigkeit auf dem neuen experimcntalpsychologischen Gebiete, das auch er nur mehr mit Vorsicht betreten wissen wollte, gewichen. Die veränderte Anschauung der gelehrten Kreise über die hypnotischen Experimente trat insbesondere auch in München zu Tage. Es hatten sich in dieser Stadt hervorragende Fachmänner, wie Or. mecl. ot pfiil. Gcrstcr, Or. Baron von Schrcnck-Notzing, I)r. Baron du Prel sowie die Gesellschaften für psychologische Forschung und wissenschaftliche Psychologie, dem theoretischen und praktischen Studium des Hypnotismus und der verwandten Gebiete gewidmet. Hansen hat nicht geglaubt, daß die Bewegung, die er durch seine populären Schaustellungen in Deutschland einzuleiten bestimmt war, sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit so gewaltig ausbreiten würde. Er hatte selbst das Gefühl, daß die neuesten Forschungen der psychologischen und medizinischen Fachgelehrten den Hypnotismus und Magnetismus in einer von ihm nicht vorausgesehenen Weise erhellen. Deßhalb bemerkte er auch in seinen Vortrügen, daß er die psychologische Fortbildung und Erklärung andern überlassen müsse, während er selbst für sich nur das Verdienst in Anspruch nehme, in langen Jahren der Kämpfe und Anfeindungen unentwegt zur Anerkennung des Hypnotismus vorgearbeitet zu haben. Für weitere Kreise dürfte es von Interesse sein, einen Einblick in das Wirken Hansens und in die Ergebnisse seiner Forschung zu gewinnen, sowie speciell auch diese in ihrem Verhältnisse zu den sonstigen umfassenden hypnotischen Forschungen der Gegenwart beleuchtet zu sehen, und ich versuche deßhalb, in Kürze das mir hierüber zur Verfügung stehende Material im Folgenden zu verwerthen. Ehe ich in die Resultate der Beobachtungen Hausens näher eingehe, möchte ich seinen humoristischen Bericht über seine ersten hypnotischen Versuche und die Veranlassung seines ersten Auftretens in der Oeffeutlichkeit wiedergeben. Als er ein junger Mensch von etwa 15 Jahren war,') kam in seine Familie häufig ein Onkel, Justiz- rath Jakobsen, der hypnotische oder magnetische Versuche — damals unterschied man ja noch nicht genau zwischen Hypnotismus und Magnetismus, und der Experimentireude erzeugte den Schlafzustand durch das Streichverfahren der Magnetiscnre — machte und speciell auf ein Mädchen einzuwirken suchte, welches sehr leidend war und wirklich durch die magnetische Behandlung bald besser wurde. Der junge Hansen verfolgte nun diese magnetischen Experimente mit großem Interesse, und als der Onkel eines Tages ausblieb, beschloß er, selbst einmal den Hypnotiseur zn spielen. Es gelang vortrefflich; auch die Wiedererweckung des Mädchens machte keine Schwierigkeiten. „Papa", meinte der Junge, als sein Vater Abends nach Hause kam, „soeben machte ich Onkel das Magnetismen nach; frage nur Aunie, wie gut es ging!",. „So", sagte der entrüstete Vater, „Du hast magnetisirt! Dann kannst Dn auf Dein Zimmer gehen und oben bleiben, bis Du wieder gerufen wirst." Der junge Hansen wäre hierüber beinahe vor Schreck selbst in .Hypnose gerathen. Wußte er ja, was diese Worte zu bedeuten hatten. Mindestens 24 Stunden Stubenarrest! Schweigend und tiefbetcübt fügte er sich dem Befehle, innerlich gelobend, nie wieder zu experimcntircn. Doch derartige Gelübde werden oft gebrochen, und auch Hansen brach das seine, als er mit 19 Jahren auf die Akademie kam. Er fand daselbst einen Collcgen, von dem er wußte, daß er schon mehrmals magnetisirt worden war. Derselbe tvar sehr sug- gestibel und wurde deßhalb zum Opfer auserlestii, Bald darauf magnctisirte er schon vielfach zn Heilzwecken. Er ließ sogar die Patienten selbst im Schlafe die Heilmittel finden, ein Bestreben, das häufig,: wie er behauptet, mit Erfolg gekrönt werden soll. Bekanntlich haben auch Dr. Baron du Prel und Dr. Gerster ähnliche Experimente mit einem ihnen.befreundeten höheren Offizier, der im Feldzuge von 1870 schwer verwundet wurde und in Folge dessen sehr leidend war, angeblich mit Erfolg angestellt, du Prel berichtete hierüber in seiner Broschüre „Moderner Tempelschlaf" und in mehreren Zeitschriften.") ') Nach seiner Autobiographie (Zöllner, Wissenschaftl. Abhandlungen III. 556) wurde er in Odense in Dänemark im Jahre 1833 geboren. ") Wie Hansen behauptet, kam er durch eigene Erfahrung auf die Idee, das Suchen nach Heilmitteln in der Hypnose anzuordnen. Er hielt sich. ehe er seine großen Reuen machte, eine Zeit lang auf der Insel Aeroe bei Danemark auf. Daselbst lernte er eine Somnambule kennen, welche häufig, wie man sagte, hellsehend wurde und dann Heilmittel sowohl für sich wie für andere fand. Dieselbe soll nun einmal, als Hansen wegen einer Erkrankung sie besuchte, ihm den Rath ertheilt haben, einige Schritte von der Thüre des Gartens aus ins Feld hinaus zu gehen, wo .er dann ein Zwiebelgewächs finden werde, von dem er sich einen Trank bereiten und in bestimmten kleinen Dosen nehmen müsse. Anfangs will er über diesen Rath gelacht, spater aber gedacht haben, daß man es ja einmal versuchen köynte. woraus er aufs Feld ging. die. Hansen reiste nun später nach Australien und ex- periinentirte daselbst viel und mit großem Erfolge, — aber immer nur in Bekanntenkreisen. Da sollte er plötzlich zu öffentlichem Auftreten veranlaßt werden. Es geschah dies zu Ballarat in Australien. Daselbst leitete ein sehr schlauer Dankee das Theater. Derselbe hatte nun einmal Gelegenheit, die Versuche Hansens zu beobachten, und kam, da er ein Muster von „8martne88" war, hicdurch auf eine Idee, die er sogleich zu realisiren beschloß. Zu seinem Erstaunen erhielt Hansen eines Tages seinen Besuch und wurde gebeten» öffentlich gegen hohes Honorar als Magnetiseur aufzutreten. Der junge Hansen überlegte eine Weile und willigte dann ein. — Wider Erwarten erzielte er die größten Erfolge. Die „Hansensuggestion", welche durch die „smartneW" einesHankee in Australien hervorgerufen wurde, verpflanzte sich bald nach Europa, speciell nach England, wohin sich Hansen später begab. Dort wie in allen andern Ländern Europas, die er besuchte, fanden sich für seine Vorstellungen meist mehr Besucher, als die Säle fassen konnten. Nach und nach sammelte er seine Erfahrungen, allerdings nicht ohne vielfache Anfeindung und Opposition von Seite solcher, welchen die neuen Experimente nicht in ihr System paßten. Er wußte jedoch diesen, wie seinerzeit in Berlin, wo er den Aerzten und Vertretern der Presse durch gelungene Versuche an ihnen selbst bewies, daß Suggestion und Hypnose möglich wären, mit viel Humor und Umsicht entgegenzuwirken. Während seines Auftretens in Wien im Jahre 1880 hatte er vielen Angriffen zu begegnen. Mehrere Personen erklärten bei einer Vorstellung, daß seine „Medien" mit ihm im Einverständniß und bezahlt wären. Unter andern kam auch der Assistent der Chemie an der Technischen Hochschule, Heinrich Fischer, zu ihm auf die Bühne und rief, als Hansen ihm ohne Erfolg suggerirte, die Augen zu schließen: „Herr Professor! Sie sind ein Schwindler; bei der Probe habe ich nur auf Ihren Wunsch die Augen geschlossen, um Sie später entlarven zu können." Hierauf entstand im Theater eine so große Aufregung, daß die Vorstellung abgebrochen werden mußte, und Hansen stellte gegen Fischer Beleidigungsklage. Er setzte aber die Vorstellungen im Ringthcater noch einige Wochen fort, wobei es aber immer zu stürmischen Auftritten kam, da das Publikum theils für, theils gegen Hansen Partei ergriff. Wegen der Beleidigungsklage wurde ein großer Prozeß geführt, der mehrere Tage dauerte und in dem die Ge- richtSpsychiater Dr. Ferroni und I)r. Rüben sehr rcservirte ind skeptische Gutachten abgaben. Er endete mit Fischers Freisprechung, worauf Hansen nach Budapest ging, um dort noch größere Opposition zu finden. Es hatten aber anderseits bedeutende Gelehrte, die allerdings vom Materialismus nichts mehr wissen wollten, wie die Professoren Zöllner und Fechner, auch Geheimrath Professor Dr. Thicrsch, sich entschieden auf seine Seite gestellt und seine Rechtfertigung unternommen, ehe durch die endgültige Anerkennung des Hypnotismns durch die moderne Wissenschaft auch die endgültige Lösung der Frage, ob Hansen ein Schwindler sei, erfolgte. Das; man aber aus hygienischen und psychologischen Rücksichten seinen öffentlichen Experimenten entgegentrat, ist mit den Pflanze fand und sich ein Decoct davon machen ließ, das, wie er behauptet, seine Genesung herbeiführte. Hiedurch will er zu den Versuchen veranlaßt worden sein, auch andern auf ähnliche Weise zu helfen. Forschungen über die Gefahren der Hypnose in Zusammenhang zu bringen. Die Zahl seiner Experimente ist die höchste, die bisher von einem Hypnotiseur erreicht wurde. Hansen hypnotisirtc circa 35,000 Personen, während Vernhcim nur cira 20,000 Fälle beobachtet haben soll. Hansen unterscheidet drei Arten von Hypnose. Erstens nimmt er eine spontane Hypnose an, welche Wochen hindurch, aber auch nur einige Minuten lang dauern kann. Für sie kann man scheinbar keine äußere und innere Ursache finden. Eine solche muß aber doch vorhanden sein. Wie eine äußere z. B. bei der Kataplexie (Schrecklähmung) sich erweisen läßt, müssen bei näherer Nachforschung gewiß besonders innere psychologische Vorgänge sich als Veranlassung ergeben. Die zweite Art Hansens, die Autohypnose, d. h. diejenige, welche selbst hervorgerufen wird, kann vor allem durch anhaltende Gedankcnconcentration verursacht werden. Die natürlichen Somnambulen vieler Völker, z. B. die indischen Jagis (die übrigens die Hypnose auch durch Starrenlaffen in die Sonne oder in den Mond herbeiführen), sowie die mohammedanischen Fakire, sind hiefür Beispiele. Die dritte Art sodann, welcher Hansen einen eigenen Namen gab, ist die „inducirte" (eingeführte) Hypnose. Es ist diejenige, welche durch anhaltende Frcmdsuggestiou oder magnetische Einwirkung erzeugt wird. ^) (Fortsetzung folgt.) Christliche Knnstintereffen. Kirchenrcstaurirungen in Bayern.) (Schluß.) P. k. Es fehlt heutigen Tages freilich für kirchliche Kunstzwccke immer an den nothwendigen Geldmitteln. Am meisten soll aber stets an den Aufgaben für Werke der bildenden Kunst gespart werden. Daher greift man selten nach den ctivas theurern (oder auch nicht theurern) bessern Kräften, und wenn es geschieht» verlangt man nur dekorative Schnellarbeit, so daß der Architekt, wenn er auf solide Durchführung dringt, mit dem ausführenden Künstler ins Gedränge kommen muß. °) Ich lasse hier die genaue Unterscheidung der hyp- nosigenen Mittel folgen, die Gerster in der „Psychologie der Suggestion" vorgenommen hat. Er theilt sie folgendermaßen ein: I. Rein psychische Beeinflussung durch Real- und Verbalfuggestionen. II. Somalische Mittel, welche theils an sich die Hypnose erzeugen, theils die psychische Beeinflussung unterstützen. 1. Mittel, welche reizend, ermüdend, lähmend auf ein oder mehrere Sinnesorgane einwirken, und zwar auf a) den Gesichtssinn (Starrenlaffen mit oder ohne Objekt), b) den Gehörsinn (Metronom, Uhrticken, Rauschen, Tropsenfallen, eintöniges Vorlesen), e) den Geruchssinn (Chloroform, Aether, Moschus. Parfum), ä) den Geschmacksinn (Psefferminzzeltchcn)(?), e) den Hautgcfühlsinn (Streichen oder Reiben einer Hautpartie). 2. Mittel, welche die Funktion der Sinnesorgane von vornherein ablenken. (Verdunkelung des Zimmers, Schließen der Augen, schalldämpfende Vorrichtungen, Schließen der Gchörgänge mit Antiphoncn. 3. Mittel, welche toxisch eine für die Erhöhung der Sug- gestibilität (und damit für das Eintreten der Hypnose) günstige psychische Stimmung hervorrufen. (Alkohol, Narcoiiea in kleinen Dosen.) Principielle Gründe aber für rein typisch-dekorative Behandlung historischer Bildnisse, und seien es auch kirchlich-religiöse, wenn diese als Statuen und Standbilder gleichsam auf sich selbst gestellt und dem Auge so nahe gerückt sind, können wir keine entdecken, und zwar Weber in allgemein künstlerischer Hinsicht, noch im Hinblick auf die Aufgaben einer speciell zeitgemäßen kirchlichen Kunst. Daß sich das Bilduiß durch statuarische Geschlossenheit und stilvolle Zeichnung der Architektur anschließe, resp. unterordnen müsse, versteht sich von selbst. Als Kunstwerk hat es doch auch in sich selbst einen Zweck, und hat nicht einzig und allein rein äußerlichen ästhetischen Abstehlen, wie Belebung, Unterbrechung und Ab- rundung der Architektur, zu dienen. Es soll sich vielmehr auch an Geist und Gemüth des Beschauers wenden, um ihn durch die charakteristische Darstellung einer individuell ganz bestimmten geschichtlichen, d. i. wahrhaft lebensvollen, Persönlichkeit wenigstens einigermaßen Verständniß- und wirkungsvoll anzusprechen. Ferner hat es in unserer Zeit nicht mehr die vornchmliche Aufgabe, sich in rein symbolischer Absicht, als bloßes Wortzeichen oder kunstsprachlicher Begriff au unser Gedächtniß zu wenden, um uns zu erinnern, daß es einen St. Petrus und Paulus, einen hl. Laurentius, Sebaldns, Frauziskus gegeben, oder daß diese und jene religiöse Wahrheit als Dogma und Glanbensinhalt festzuhalten sei. Das alles lernt und liest heutigen Tages bereits das Kind in seinem Katechismus, biblischer Geschichte und seinem Gcbetbuche. Vollendet ist ferner die architektonische Erneuerung des nördlichen Schiffes der Kirche. Das in späterer Zeit eingefügte Pultdach wurde entfernt, die Fenster des Mittelschiffes sind dadurch freigelegt und wurde dem Seitenschiffe seine alte Gestalt mit der Maßwerkgallerie in einfachen schönen Motiven zurückgegeben. Fertig ist hier der neue Logenaufgang neben der Brautportalhalle. Es ist dies ein alter Einbau zwischen zwei Pfeilern mit zwei großen Fenstern, die mit Wimpergen bekrönt sind. Auch hier waren in späterer Zeit die obern Theile abgehauen und mit einem Pnltdache alle Schäden überbrückt worden. Dieses Dach ist nun glücklich entfernt und der Einbau in Conscqucnz mit dem klebrigen horizontal mit Maßwerk nnd Zinnengallerie abgeschlossen. Dieser kleine Ban trägt nun hier viel zur ganzen Stimmung bei, denn es ist alles so einheitlich und doch zugleich sehr mannigfaltig. Dieser äußere Aufgang an der Frauenseite führt in ein inneres nettes Chörlein. Dasselbe hat fünf einfache Wandflächen mit drei vergitterten Spitzbogenfcnstern, zierlicher Zinuenbekrönung und birncu- förmigem Dache. Nach unten wird es von einem reichen, mit Blnmenbändern umgürteten Korbe getragen, der auf einem Mauerknäuflein aufsitzt. Das nordwestliche Marienportal hatte vordem ebenfalls ein Pultdach, welches nun entfernt ist; es erhielt auch einen horizontalen Abschluß mit Maßwerkgallerie und macht nunmehr wieder einen intimen architektonischinteressanten Eindruck. Dieses Portal hieß eigentlich die „Anschreibthüre", weil an ihr die mit den Namen der Verstorbenen beschriebene Tafel aufgehängt wurde. Nach Rettberg wurde es zur Zeit des nördlichen Thurmbanes, um 1345, erneuert. Es ist durch ein guterhaltenes Spitzbogentympanon von hoher künstlerischer Feinheit ausgezeichnet, das oben die Darstellung der Krönung Mariens, darunter die ihres Todes und Begräbnisses darstellt. Es ist ein Bildwerk veredelter Gothik, spätestens vom ersten Anfange des XIV. Jahrhunderts, verständnißvoll com« ponirt, geschmeidig in der Behandlung der Form. Wie lebendig und poetisch fein empfunden ist nicht der Tod Mariens, wie dramatisch-effektvoll ihr Begräbniß dargestellt: Apostel tragen den Sarg, über ihnen schweben die Rauchfaß schwingenden Engel, und neben ihm stürzen die ungläubigen spottenden Juden zu Boden. Die Figuren der Verkündigung zu beiden Seiten sind aus derselben Zelt, ebenso die netten Sibyllen an den Kapitellen. Schon diesen ältern Arbeiten gegenüber stehen die neuen Sculp- turcn sehr ab. Die Südseite des alten Schiffes sammt Thürmen harrt noch der Ausbesserung. Der noch romanische Wcstchor (Löffelholz-Kapelle), zum Theil im XIV. Jahrhundert umgebaut, ist intakt. So gewährt denn die bereits vollendete und freigelegte Partie (Nord-, Ost- und halbe Südseite) des alt- ehrwürdigen und auch kunstgeschichtlich instrnctivcn christlichen Cultusbaues wieder den ächten architektonisch-originellen und malerischen Anblick zur Erhöhung des so historisch-stimmungsvollen Eindruckes der ganzen benachbarten Oertlichkeit. Diese erstreckt sich von der in feiner italienischer Renaissance sich prüscutireuden Langseite des Nathhauscs. zwischen Sebalduskirche und Morizkapclle (mit angehängtem „Bratwurstglöckle"), über den malerischen Albrecht-Dürer-Platz mit seinem ausdrucksvollen Standbilde des größten deutschen Malers (vom -st Pros. Rauch in Berlin), sowie dem Scbalder Pfarrhofe mit reizend gegliederten und reich gezierten Chörlein vom Jahre 1318. Als beachtenswerthestcs Kunstwerk des ganzen Aeußern der Sebalduskirche soll hier das am Ostchor hinter einem Eisengitter befindliche „Seünld Schreiers Begräbniß", eines edlen, durch manche Kunstfördernng verdienten „Kirchcnmeistcrs" (Vorstandes) Grabdenkmal, erwähnt werden. Dieses steinerne Hochbild mit etwa vier Fuß hohen Figuren hat eine Länge von 34 Fuß und Höhe von 9 Fuß, nnd wurde im Jahre 1492 2) vom Steinmetz Adam Krafft als eines seiner besten Werke ausgeführt. Das Bild auf dem Pfeiler rechts stellt die Krcuztragung, daneben links auf der Zwischenmauer die Kreuzigung Christi dar. Dann folgt die Grablegung, das künstlerisch werthvollste, weßhalb man das Ganze vielleicht mit diesem Namen gewöhnlich zu benennen pflegt. Es ist noch mit tieferer Empfindung und größerer dramatischer Kraft des Ausdrucks ausgestattet, als die Grablegung unter Krafft's weltberühmten „Stationen". — Joseph von Ariamathia und Nikodemus halten den Leichnam Jesu über dem Grabe, im Begriffe, ihn in dessen Tiefe zu betten; der wahrhaft rührende Schmerz der verlassenen Getreuen, von einigen mit erhabener Kraft bcmcistert, bricht in andern mit unaufhaltsamer Gewalt hervor, am leidenschaftlichsten in Magdalena, die mit gerungenen Händen am Fuße des Grabes uiedcr- kniet, am tiefsten in der hl. Mutter, die, in unnachahmlich inniger Auffassung in die Knie gesunken und ihren Arm unter den des Sohnes gelegt, mit erhobenem nnd zurückgebeugtem Haupte ihre Lippen auf die todcskalte Wange des geliebten Sohnes drückt. Auf dem linksseitigen Pfeiler sehen wir den aus dem Grabe steigenden Heiland von anmuthig edler Erhabenheit des Ausdrucks. Das Grabmal, wenn auch grauschwarz gedunkelt, ist sehr gut erhalten und zeigt Spuren früherer Polychromirung.' Das Relief über der südlichen „Schauthüre", das 2) Joh. Nendörsfer, Nachrichten von den Künstlern rc. in Nürnberg 1546 u. 1828. 168 jüngste Gericht darstellend, wurde, ebenfalls gewöhnlich dem Adam Krafft und zwar als sein erstes (bekanntes), zugeschrieben. Zu dieser Annahme, meint Professor Wanderer, -I führte wahrscheinlich die bestechende Zierlichkeit des stark an Manierirtheit streifenden Stückes. Mehr Aehnlichkeit hat es mit Veit Stoß'scher Art. Das folgende südwestliche Portal zeigt ebenfalls eine (ältere) Darstellung des jüngsten Gerichts, von besserer Abrundnng der Formen und sprechenderem Ausdruck als das am Lorenzportal, wenn es ihm auch sonst ähnlich ist. Christus, Maria, Johannes, die Engel und Abraham, mit den Seelen der Gerechten im Schoße, sind milde, anniuthige Gestalten; die Verzweiflung der Verdammten ist von naivem Effekt. Wohl aus etwas früherer Zeit stammen die beiden großen Figuren des hl. Petrus und St. Katharinas von schlanker Haltung und edler Bewegung. Einen durchaus neue», eigenartigen Charakter zeigt der mit einer gewissen idealisirendcn Naturalist!! behandelte, geradezu herkulische, überlebensgroße Crncifixus am Westchor. Er ist in Erz gegossen, wurde 1482 von den Brüdern Hans und Georg Stark gestiftet und brachte, im Laufe der Jahre dnnkelschwarz geworden, den Nürn- bcrgeru den Namen der „Hcrrgottsschwärzer" ein. Denn das Volk meinte, der früher vergoldete Christus sei in Kricgszcit schwarz angestrichen worden, um die Raublust der Soldateska abzulenken. Man kann es kaum begreifen, wie dieses auf dem genauesten Studium der Natur beruhende, durch die Wucht seiner realistisch mächtigen und zugleich klassisch vollrnndigcn Formen des energisch gestreckten Körpers sich hervorthuende Bildniß in die Zeit vor 1500 fallen soll. Lübkc möchte es gern auf jenen Eberhard Bischer zurückführen, der 1459 Meister wurde und 1488 starb, und vielleicht ein Bruder des ältern Hermann (Söhne des berühmten Erzgießers Peter Bischer) sei, und darin den Beweis eines realistischen Ucbcrgangsstadinms für die Vischer'sche Werkstatt noch vor den berühmten Grabmälern derselben erblicken. Ein Werk Hans Dcckcrs vom Jahre 1447 ist der steinerne St. Christoforns an der Ecke des südlichen Thurmes, der zwar etwas derb behandelt, aber gut,'durchgeführt ist. Als vorzügliche Arbeit aus der Krafft'schen Schule erweist sich das Relief im Bogenfelde desselben Thurmes, die Kreuzprobe der hl. Helena dastellend. lieber die reiche Ausstattung des Innern, deren allerprächtigstes Stück das Peter Vischer'sche Grabdenkmal des hl. Sebaldus ist, wird später einmal, wenn die Re- tzanrirnngsarbeiten abgeschlossen sein werden, berichtet. Das Richthaus des Pilatns am Hügel Sion. Von vr. Sepp. Aus Anlaß des Artikels „Zur Geschichte des Kreuzweges" (Beilage 16 ff.) sendet uns Herr Professor Dr. Sepp eine Entgegnung, in welcher er ausführt: Wir nehmen von dem Vorwürfe, den jetzt gütigen Leidensweg zuerst wissenschaftlich angefochten zu haben, Anlaß zur Rechtfertigung und überzeugenden Belehrung aller Leser, insbesondere des gelehrten Referenten in der „Postzeitnng" über den Kreuzweg. Gilt es doch, eine hochwichtige biblische Frage endgiltig erledigt zu wissen. Von Pilatns bezeugt Philo, der Zeitgenosse *) Wanderer. Adam Krasst und seine Sehnte. Nürnberg, Soldans Verlag. Christi, ausdrücklich (leZat. sei Onjnm pgF. 38), daß er in der Königsburg des Herodes Residenz hielt. Also die Finger davon! Der König baute, indem er den Asmonäer-Palast am Sion verließ, auf der Höhe der Oberstadt, wo frische Luft und Gärten mit springenden Brunnen, genährt vom Gihon oder Maccilla- teichc, ihn der schwülen, dumpfen Unterstadt vollends entrückten, sich ein neues Herrscherschloß im 13. Jahre seiner Regierung, 24 Jahre vor Christus. Herkömmlich nahmen die römischen Statthalter und Landpfleger von den Residenzen der verdrängten KLnigsgcschlechtcr Besitz; ivir erfahren dies auch aus Cicero's Rede gegen Verres II, 5.- Der Prätor in Sicilien hatte den Palast des Königs Hierome; dasselbe lvar der Fall in Syrien und Palästina. Im Prätorium des Herodes zu Cäsarea wird Paulus in Begleitung von 200 Legionären in Verwahrung gebracht und dann den Landpflegern Felix und Festus vorgeführt. Apostelgesch. XXIII, 35. Der Herodespalast am Burghügel Sion schloß einen prachtvollen Augnstus- und Agrippasaal ein; nach feinem Tode nahm -darin sofort der syrische Statthalter Sabinns Wohnung; , da aber die „Juden ihn angriffen, bestieg der Prokurator -die höchste Spitze der Davidsburg, den Thurm Phäsael, nm dem Straßenkampse zuzusehen, und als der Königspalast unhaltbar geworden, zog die Besatzung sich in die nahen drei noch heute stehenden Thürme" zurück. Der Civil-Gouverncur commandirte ja die Truppen nicht selber (Joscphus stall. II. 3, 1). Der „Stuhl des Landpflegers" kommt als be- ' stimmte Oertlichkcit schon bei Nchemias III, 7 vor. Er hieß Gabbatha oder stha-x und lvar von Stein mit Stufen sestgerammelt in den Boden, wie auch der Talmud Lstocla, aara. I, 7 meldet. Ihn bestieg Pilatns, wie sein späterer Nachfolger Florus, und setzte sich auf das Tribunal der Davidsburg oder heutigen Citadelle gegenüber, nach der Angabe des jüdischen Geschichtsschreibers stall. II. 14, 8. Von hier aus ließ Florus sogar Ritter geißeln und aus Kreuz schlagen. Die Gei Helling ssänle stand auf der Hauptwache am Forum oder Obermarkte, und kommt, in die Sionskirche versetzt, noch in den ältesten Pilgerschriftcn vor. , , Beini Beginn des jüdischen Krieges, 65 n. Chr., steckten die Kikarier den Palast des Agrippa und der Berenice in Brand, nämlich die alte Makkabäer» Burg, wo Christus vor dem Vicrfürsten Herodes, seinem Landesherr», stand, im weißen Kleide verspottet und mit Dornen gekrönt wurde. Aber die Königlichen flüchteten mit dem Hohenpriester Ananias in den „oberen Palast", ja Berenice brachte die Nacht auf der Wache» austoäin, zu und stand andern Morgens bloßfüßig vor dem Richterstuhl des Florus. Dieser beeilte sich, aus dem Königshof nach dem Castcll zn entkommen, fand aber die engen Gassen mit Barrikaden versperrt und mußte wieder zurück. Hier nahmen 1800 Personen ihre Zuflucht, so groß waren die Räume, abgesehen vom Hofgarten; indeß rückten Kohorten aus Cäsarea zum Entsetze heran. Bei der Eroberung Jerusalems setzten die Römer sich in den „königlichen Thürmen" fest und pflanzten ihre Batisten und Katapulte znin Ansturm gegen die Königsbnrg auf. Die Sturinwidder stießen die Mauern über den Haufen und demolirten den Prachtbau, daß kein Stein auf dem andern blieb (stell. VI. 7» 1. 8) und noch Cyrillns Onteost. 39 von der Wüstclegung des Nichlhanscs Pilati „durch die Macht des Gekreuzigten" spricht. Von dcr Antonio steht noch «in Thnrm mit Naudfttgenguadcrn aus ältester Zeit, sie wurde nicht untergraben. Unter Karl dem Grasten ist von einem Kirchlein am Platz des Prätorinms auf dem Sionhügcl die Rede, auch fanden die Kreuzritter sich wohl Anrechte und traten den Kreuzweg von da durch die nun tief in die Erde gesunkene „Gartenpforte" Gen noth, den heute fo genannten Pctersbogcn nach der heiligen Grabkirchc an, obwohl das Richthaus des PilatuS als eigentlicher Ausgangspunkt nicht mehr cxistirte. Wann und wie konnte aber die Tradition, sich nach der Tcmpclkaserne verirren, welche, obwohl wir den Sachverhalt schon seit 50 Jahren wiederholt klar gelegt, noch heute so lebhafte Vertheidiger findet. Dieser Wechsel der Ueberlieferung am Ende der Krenzzüge hängt mit der Verlegnng der Statthalterei zusammen. Die Burg Antonio wurde zum Serail erhoben, und der sogenannte Teich Bethesda davor hcistt hievon Wirket es Serail (nicht Israel!). Der kicas Iiomo - Bogen steht an.,der. Stelle der Pforte Benjamin, und die Gerichtsverhandlung gegen Jesus mutzte außerhalb der Stadtmauern stattgefunden haben, wo nicht unten auf dem Tcmpclplatze, wo auch das Pflaster Lithostratos hieß, wie in dcr Oberstadt vor dem Prätorium. Die Annahme scheint absurd, aber steht es besser mit.dem Vorgeben, der Stellvertreter des Kaisers, dcr gewöhnlich nur zur Ostcrzcit nach Jerusalem kam, habe nicht im königlichen Palastc auf Sio» mit seiner Gemahlin Wohnung genommen, sondern ihn das ganze Jahr über leer stehen lassen und sich in dcr am Paschafestc vollgepfropften Kaserne einquartiert, wo regelmäßig eine Eohorte lag, die aber auf das Fest durch Herbei-. ziehen des Hauptcorps von Cäsarea unter ihrem Chiliarcheu oder Oberst verstärkt ivurdc (Jos. ^.ntig. XVIII, 0, 1), um die der Stadtbcvölkcrnng gleichkommenden Pilger- massen in Ordnung zu halten. Mau denke: Pilatus' Gemahlin Claudia Pcrcula, aus deren Geschlechte der nächste Kaiser hervorging, soll mit den Marktfrauen und Soldatenweibern zusammengewohnt, den Wäscherinnen guten Morgen gesagt und den Geruch der Garküchen eingeathmet haben, statt im Lustgarten auf Sion Hof zu halten und die vornehmen Besuche in Empfang zu nehmen! Denn in der unruhigen Kaserne Antonia wurde nach Josephus offener Markt gehalten. Gegen diesen Thatbestand kommen alle späteren Pilgcrangabcn und die allmählichen Sanctuaricn an der sogenannten Via. ckolorcwu nicht auf, wo immerhin Kaiser Hcraklius, aber nicht Christus das Kreuz nach Golgatha geschleppt hat. Bewiesen ist nur, daß nicht zuerst die Franziskaner als Hüter des heiligen Grabes von der auf unbestreitbaren Urkunden beruhenden Ueberlieferung abgewichen sind, sondern schon Federn von Zeitgenossen der Zurück-Eroberung Jerusalems für den Islam durch Sultan Saladin. Der gewissenhafte Historiker hat Niemand zu lieb die Wahrheit zu verhehlen und durch Nichtbeachtung der den Gegenstand erledigenden Werke unwillkürlich die Leser irre zu führen. Damit genug, hoffentlich für immer! Toblerhat sich übrigens mit dcr Frage gar nicht befaßt. Die Vorbildung des Clerus zunächst in Bayern. 6 Die Studienordnung für die Gymnasien in Bayern hat unter den Ministerien Lutz, Müller und Landmann verschiedene, zum Theile ziemlich weittragende Abänderungen erfahren. Die bedeutendste Neuerung, welche tief in die Entwicklung des gesummten Bildnngswesens eingegriffen hat, war ohne Zweifel die Einführung einer Vorbereitungsklasse mit Latcinunterricht. Man bezeichnete diese Klasse, da sie zu unterft angefügt wurde und den bis dahin nothwendigen „Vornntcrricht" entbehrlich machen sollte, eine Zeit lang als „erste Latcinklasse", wozu noch vier weitere Lateinklassen kamen. Heutzutage bildet diese unterste Klasse die erste Klasse des Gmnnasiums, die „erste Gymuasialklasse", denn das bayerische Gymnasium setzt sich nicht mehr aus vier, beziehungsweise fünf Latciu- und vier Gymnasialklasscn zusammen, sondern aus nenn (Gymnasial-) Klassen — bis auf Weiteres. Im Grunde stand, wie manch andere Verordnung des Ministeriums Lutz, vielleicht auch diese „organisatorische Veränderung" des bayerischen Gymnasiums nicht ganz außer Zusammenhang mit dem „stillen Kulturkampf". Die „Höschen- Studenten", wie die Schüler dieser ersten Klasse nicht ganz unzutreffend genannt wurden, die „Erstgymnasiastcn". wie sie sich selbst im Bewußtsein ihrer socialen Stellung zuweilen nennen, sollten dem Einfluß des Geistlichen entzogen werden, der, auf dem Lande wenigstens, den Vorunterricht — meistens um Gotteslohn — ertheilt hat. Auch in anderer Beziehung wurde durch die Einführung einer Vorbcrcitungsklassc mit Lateinuutcrricht die Kirche getroffen. Der Klerus rekrutirte sich bis dahin zum größten Theil bekanntlich aus den Söhnen der Bauern, welche, von ihrem geistlichen Jnstructor tüchtig in den Anfangsgründeu der lateinischen Grammatik geschult, an das Gymnasium kamen und mit den aus den Stadtschulen hervorgegangen«» Knaben meist in erfolgreiche Concurrenz traten, ja diese oft weit überflügelten. Wurden nun letztere bereits in einer Vorbereitungsklasse von einem Fachlehrer, einen, Philologen unterrichtet, so konnten sie nicht nur den Kampf mit den ländlichen Elementen aufnehmen, sondern diese zum Theil auch aus dem Felde schlagen, denn es läßt sich nicht bestreiten, daß die städtischen Schulen infolge einer Reihe für sie günstiger Umstände (erste Lehrkräfte, geweckteres Schülermaterial. nur einklassige Schulen, entsprechende häusliche Nachhilfe) namentlich im Teutschen bessere Resultate erzielen können als die ländlichen. Das frühere Nebergewicht der Bauernknaben war durch die Einführung der Vorbcreitungs- klasse beseitigt; die Waage neigte sich sogar auf die Seite der städtischen Knaben infolge der größeren Fertigkeit in der deutschen Sprache, dcr man fortan erhöhte Bedeutung zumaß. Es ist anch kein Zweifel, daß so mancher Banernsobn, der sich für den geistlichen Stand berufen glaubte, infolge dieser Umstände sein Ziel nicht erreichte; er mußte, nachdem er vielleicht schon einen Theil dcr Stndienlaufbahn zurückgelegt hatte, den Humaniora Lebewohl sagen: das Deutsch, die eigene Muttersprache, oder vielmehr die Vor- bereitnngsklasse mit Lateinunterricht, hat es ihm angethan. Anderseits führte diese Vorbereitungsklassc den bayerischen Gymnasien riesige Mengen von Schülern zu. Geiviß ist das große Wachsthum der Gymnasien und Universitäten auch der Zunahme der Bevölkerung zuzuschreiben, aber doch nur zum geringen Theil. Bald waren die Lehrsäle zu klein, es wurden Vergrößerungen vorgenommen und mehrere neue Gymnasien errichtet, so zu Würzburg, Bam' bcrg und Regcusbnrg; in München entstanden sogar zwei neue Gymnasien. Es folgten Entschließungen, mit Strenge bei Aufnahme- und sonstigen Prüfungen zu verfahren; seitdem ist bei mehreren Gymnasien eine gewisse Stabilität, bei einigen sogar ein kleiner Rückgang, was die Schülerzahl betrifft, zu constatircn, während bei andern der Zugang sich gleichwohl noch steigerte. Aus den Gymnasien gingen soviele Abiturienten hervor, daß der Staat, um nicht ein gelehrtes Proletariat heranwachsen zu sehen, auch für dre Universitäten neue, strengere Prüsungs-Ord- nnngen schaffen mußte. Nur ein einziger Stand zog in dcr Folge aus der Einführung dcr ersten Lateinklassc Nutzen, jener Stand, den, diese Neuerung Verderben bringen sollte : der klerikale Stand. Die Bischöfe sorgten für Errichtung, beziehungsweise Vergrößerung von Kuabenseminaricn, wozu opferwillige Laien und Geistliche nach Kräften beisteuerten. Dank dcr trefflichen Leitung dieser Seminarien wandten sich allenthalben zahlreiche Studirende — und nun auch bei Weitem mehr als früher solche aus der Stadt — dem Studium dcr Theologie zu. Zwar ist uoch kein Ueberllnß 170 ^on Geistlichen vorhanden, in der Diocese Speyer macht sich ncnestens der Mangel an Priestern wieder stärker .leitend, m andern Diöccsen ist noch da und dort eine Coadjutorenstelle unbesetzt, auch wird in München und in Nürnberg, ferner auch in der Diaspora in Zukunft manch neuer Katecheten- und Scelsorgeposten zu besetzen sein; aber der ärgsten Noth ist wohl überall so ziemlich gesteuert, was schon daraus hervorgeht, das? man in jüngster Zeit ernstlich an die allgemeine Einführung eines vierten theologischen Curses gedacht hat, eine Frage, welche freilich auch eine nicht zu unterschätzende materielle Seite hat. Ehe die Einführung eines vierten theologischen Jahres allgemein angeordnet wird, dürfte es sich empfehlen, die Bedingungen, unter denen eine solche Neuerung nach Lage der Verhältnisse sich am zweckmäßigsten erweist, ja sich allein segcnsvoll gestalten kann. auch öffentlich zu erörtern. Jegliche Neuerung, welche an sich eine Verbesserung ist, kaun unter Umständen nicht erwartete schlimme Folgen haben. So muß auch dieses Falls mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die allgemeine Einführung eines vierten theologischen Curses entweder nicht den gewünschten Erfolg in wissenschaftlicher und asketischer Hinsicht nach sich zieht, oder aber, was namentlich für kleine Diöcesen schwer ins Gewicht fällt, dem Zugang zum geistlichen Stande selbst nicht unerheblichen Abbruch thut. Eure gerechte, nach allen Seiten erschöpfende Würdigung dieser Frage dürste indeß unmöglich sein, ohne aus die ganze philosophische und theologische Vorbildung des Klerus wenigstens in der Hculptsache einzugehen, um daraus die nothwendigen Voraussetzungen für eine objective Beurtheilung jener Frage zu gewinnen und zugleich die Bedingungen für eine Möglichst ersprießliche Durchführung der Sache selbst abzuleiten. Daß eine gediegene theologische Bildung eine gründliche philosophische zur Voraussetzung hat, ist noch niemals bestricken worden. Wenn irgend eine Aussicht anf Erfolg vorhanden wäre, würde ich geradezu der Einführung eines zweiten philosophischen Jahres das Wort reden; nach der Studieuordnung der Gesellschaft Jesu geht dem vierjährigen theologischen Cursus sogar ein dreijähriger philosophischer voraus; so hoch wird seitens dieses Ordens die philosophische Bildung angeschlagen. In Bayern ist für den Candidaten der Theologie ein einjähriger philosophischer Cursus vorgeschrieben; wer Theologie studiren will, hat meines Wissens sowohl am Schlüsse des Winter- als des Sommer-Semester wenigstens in vier ordentlichen philosophischen Fächern ein Examen zu bestehen. Neben der Philosophie hat der Candidat noch Philologie und Geschichte, Physik, Chemie und Naturgeschichte zu hören. Es wäre gewiß zu beklagen, wenn eine einzige dieser Disciplinen aus dem Verzeichniß der Vorlesungen gestrichen würde, welche jeder Candidat der Philosophie zu besuchen hat; jede rst wichtig und interessant, und wer zu den Gebildeten zählen will, muß sich in all diesen Fächern, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, unterrichtet zeigen. Aber es ist nicht recht begreiflich, warum der Candidat in all diesen Fächern oder in fast allen auch eine Prüfung ablegen soll, eine Prüfung, nachdem er eine solche in Philologie und Mathematik, in Geschichte und Naturgeschichte schon am Gymnasium bestanden hat? Dazu kommt, daß den meisten Candidaten. soweit sie sich nicht mit Vorliebe für eines dieser nicht rein philosophischen Fächer interessiren, doch später einzelne dieser Disciplinen, besonders die Chemie, ziemlich fernliegen werden. Candidaten. welche Theologie nicht studiren, haben überhaupt kein Examen zu machen. Dies ist zu beklageii, sie sollten wenigstens in der Philosophie geprüft werden, welche für jeden Gebildeten von höchster Bedeutung ist. Um so mehr muß die Philosophie, welche die Basis für ein richtiges Verständniß der Theologie bildet, für den angehenden Candidaten der Theologie betont werden. In ihr muß die Stärke des Candidaten liegen, in ihr muß er zunächst (am besten schriftlich und nündtich) geprüft werden; die übrigen bisher vorgeschriebenen Examina aus den nicht streng philosophischen Disciplinen beschränke man wenigstens auf das eine oder rudere Fach, etwa in der Weise, daß der Candidat in zedem Semester, außer den rein philosophischen Examina, noch ein weiteres Examen aus einer anderen Disciplin, nn besten nach freier Wahl, zu bestehen hat. Welch eine Wichtigkeit hat für den Priester als Lehrer des Volkes und Richter desselben im „Richterstuhle Gottes" nicht schon die Logik, dieses Fundament der Philosophie und aller Wissenschaft, dieses Organon der Philosophie, wie Aristoteles sagt; welch eine Bedeutung sodann die Erkenntnißlehre, nicht zu reden vom wichtigsten Theile der Philosophie, der Metaphysik, welche sich auch mit dem erhabenen Gebiet der Gotteserkenntniß selbst befaßt! Nicht zu unterschätzen, namentlich für die heutigen Zeitbedürfnisie, ist auch die Ethik, die Social- und die Rechtsphilosophie, welche man, freilich (ivie mir scheint) nicht ganz zutreffend, die „praktische Philosophie" genannt hat. Soviel ist unbestritten, daß der Candidat der Theologie in all diesen Theilen der Philosophie einen gründlichen und gediegenen Unterricht erhalten muß, einen Unterricht, der jedem dieser Theile den ihm an sich gebührenden Raum zuweist. M. a. W., der Unterricht in der Philosophie darf nicht hauptsächlich oder ausschließlich eine Unterweisung etwa in der Logik sein, er muß vielmehr die meiste Zeit jenem Theile der Philosophie widmen und das Hauptgewicht auf jenen Theil legen, der den Mittel- und Höhepunkt der Philosophie bildet, die Metaphysik. Zum Vortrage der Philosophie wird der Lehrer mindestens 160 Stunden benöthigen, so daß etwa auf jede Woche des Wintersemesters fünf, des Sommersemesters sechs Stunden treffen würden. (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizen. Michelitsch Anton, Atomismus, Hylemorphismus uud Naturwissenschaft: Naturwissenschaftlich-philosophische Untersuchungen über das Wesen der Körper. 8°. VIII -st 104 Seiten. Graz, Selbstverlag 1897. Preis 1 M- 40 Pf. -> Unter allen Zweigen der Philosophie übt auf den denkenden Menschen keiner einen solch unwiderstehlichen Reiz aus, als die Naturphilosophie, welche die letzten und höchsten Gründe des physischen Daseins ergründen will und zur Genossin die Naturwissenschaft hat, unter deren Zauberbann das moderne wissenschaftliche Streben in hervorragender Weise sich äußert. Hat uns doch die jüngste Zeit auf dem Gebiete der Physik, die keine neuen Erscheinungen zu bieten schien, mit den weittragendsten, ganz neue Bahnen eröffnenden Entdeckungen überrascht. Leider hält die Vertiefung unserer Kenntniß e nicht gleichen Schritt mit der Erweiterung des Wissens. Die Frage nach dem Wesen der Körper und der physikalischen Grundbegriffe finden wir selbst in den besten Lehrbüchern der Physik und Chemie oberflächlich behandelt, oft genug widersprrchsvoll, für den logisch denkenden Leser ganz und gar unbefriedigend erörtert; es zeigt sich da eine Un- beholfenheit und Verworrenheit, daß wir gerne die ersten Blätter überschlagen. Anderseits bekunden die Lehrbücher der Philosophie vielfach allzuwenig Vertrautheit mit den Resultaten der Chemie und Physik, als daß man es den Vertretern dieser Wissenschaften zu hoch anrechnen dürfte, wenn sie in vornehmer Geringschätzung dem Philosophen das Recht mitzusprechen versagen. Eine glückliche Vereinigung philosophischer Durchbildung mit physikalischchemischen Kenntnissen hat den Verfasser obigen Buches in den Stand gesetzt, die uns bekannten Schriften ähnlichen Inhaltes von Schneid, Hertling n. s. w. bedeutend zu übertreffen. Die Frage nach der Konstitution der Körper, eine der interessantesten und schwierigsten, thut die moderne Naturwissenschaft im Sinn des Ätomismus ab; derselbe ist ein Beispiel, wie eine Hypothese, die zur Vereinfachung der Erklärung von Naturerscheinungen angenommen wurde, allgemach eine Theorie, ja sozusagen ein Dogma des Physikers werden konnte. Es kann in der That nicht geleugnet werden, daß die moderne Atomen- lehre etwas Blendendes und Bestechendes hat, so daß auch der Philosoph sie nicht lassen will und muthlos (wie Tongiorgi) ausruft: ,,^-etum S8t äs obimioa soioutia, si peripsiotieam tlisorirnn eseipsrs eoKamur". Anders Michelitsch. Er zeigt in überaus klarer und überzeugender Darlegung, daß die Chemie selbst trotz ihrer Atomenlehre gewisse unerklärliche Reste bestehen lassen mich, die dem tiefer Blickenden nicht entgehen, und daß gerade diese für den Hylemorphismus sprechen, für die Aristotelische Lehre von Materie und Form, die auch sonst nirgends den ge- 171 sicherten Ergebnissen der Naturwissenschaft widerspricht. In dem Sinne handelt der Verfasser, wohl ausgerüstet mit Einzelkenntnisscn in der Chemie, von der merkwürdigen Erscheinung der Allotropie der Körper (z. B. Ozon und Sauerstoff), die er lieber Allusie nennen möchte, ferner von der Jsomerie und Polymerie (z. B. Stärkemehl und Cellulose — Traubenzucker und Essigsäure), welche die Chemie auf atomistischer Grundlage durch den verzweifelten Ausweg der jeder experimentellen Basis entbehrenden Strukturformeln erklären will. Es folgt dann die Erörterung des bestimmten Volum- und Gewichtsverhältnisses. In all diesen Erscheinungen sieht der Verfasser Beweise für die wirkliche Wesensverändernng an den Körpern. Der zweite Theil enthält vorzüglich (Seite 47 — 62) die Begründung des Hylemorphismus, dessen Werth und Bedeutung für die Physik (Ausdehnung, Verdünnung, Verdichtung, Schwerkraft, Cohäsion, Adhäsion, Elasticität u. f. w.) un dritten Theil ausgeführt wird. Zum Schlüsse bringt der Verfasser noch eine geschichtliche Rundschau über die beiden Systeme des Atomismus und Hylemorphismus. Die Eintheilung der kurzen, aber inhaltreichen Schrift ist klar und übersichtlich, die Darlegung lückenlos und scharfsinnig. Daß der Verfasser auf diesem überaus schwierigen Gebiete das letzte Wort nicht gesprochen, ist selbstverständlich; daß aber sein „bescheidener Versuch" mit erfreulicher Conseyuenz durchgeführt ist, um die physikalischen und chemischen Erscheinungen im Sinne des Hylemorphismus zu erklären, wird der Leser mit Genugthuung wahrnehmen. Wir können dem Verfasser, der jüngst zum Professor der Apologetik an der Grazer Universität ernannt wurde, zu dieser höchst interessanten Schrift nur gratuliren, und wünschen, er möge fernen Versuch im Laufe der Zeit zu einem Lehrbuch der Naturphilosophie ausbauen, das die Ergebnisse der physikalischen Forschung eingehender, als bisher, berücksichtigt, um auch die Naturforscher mit der tiefen Auffassung der alten Philosophie zu befreunden, die mit der neuen Wissenschaft im vollen Einklang steht. Kaufmann C. M., Die Jcnseitshoffnungen der Griechen und Römer nach den Sepulcral-Jnschristen: Ein Beitrag zur monumentalen Eschatologie. 8°. IV -s- 85 SS. Freiburg i. Br., Herder, 1897. 2 M. 4 Der Verfasser betritt mit dieser dankenswcrthen Abhandlung ein neues Gebiet der klassischen Alterthums- wisscnschaft, das uns interessante Einblicke ins religiöse Leben der Griechen und Römer eröffnet. Das Ergebniß der Untersuchungen ist in folgenden Worten zusammengefaßt: „Die bei rein semitischen Völkern vergebens gesuchte Ueberzeugung, daß das Dasein des Menschen mit dem Tode nicht schlechthin aufhöre, liegt tief im griechischen Geiste befestigt. Kein Zweifeln und Wanken, sondern würdevolle und hoffnungsreiche Ergebung haben seine ältesten Epitaphien gelehrt. Sie begnügten sich damit, ihre Hoffnungen auf besseres Nachleben anzudeuten und im aufgeklärten nachperilleischen Zeitalter dein Jenseitsbilde einige scharf-charakteristische Striche beizufügen. Diese wohlthuende Sicherheit nimmt mit dem Untergänge der Selbstständigkeit der griechischen. Staaten ein Ende, und erst als die römischen Eroberer griechischen Geist, griechische Weisheit und Sitten in ihre Lande einführten, begann Trostlosigkeit und Zweifelsucht sich des epigraph- ifchen Formulars zu bemächtigen .... Die ganze Kaiser- zeit hindurch tritt rieben die krasseste Leugnung jeglichen Daseins nach dem Tode das heitere Bild einer „vita bsata" im Elysium." — Die Apologetik wie die vergleichende Neligionsgeschichte wird, wo sie vorn Unsterb- lichkeitsglauben der Völker handelt, diese wichtige Abhandlung nicht ignorircn dürfen. Loreuzelli Ben., kbilosopliiae tbsorelieas iustituiäoues seeunäum äoetrloam äi-istotslis st s. ll'llomao -X.guinatis. Ratisbonas, k'r. Unstet. 1896. (II.) 8°. 2 voll. pp. XXVIII -s- 330: XX -si 628. Ures. 14.50. V Dieses begueme, treffliche Lehrbuch der Philosophie, das sich auch durch seinen mäßigen Umfang vortheilhaft empfiehlt, hat zum Verfasser den gelehrten derzeitigen apostolischen Nuntius in München, welcher vormals Nector des böhmischen Collegs in Rom war und als solcher die Fähigkeiten wie dieBedürfuisse strebsamer junger Theologen praktisch kennen lernte. Das Buch zeigt ebenso eine hervorragende Gewandtheit der Darstellung, wie eine mit reicher Literatur-kenntniß verbundene sichere Beherrschung des Stoffes. Die Eintheüung hält sich an die herkömmliche und wohlbcwährte Ordnung. Die Logik und Nostik umfaßt sechs Abschnitte: von den Begriffen und Wortzeichen, vom Urtheil und Satz. vom Syllogismus u. s. w. Es folgt dann die allgemeine Metaphysik in drei Abschnitten. Daran schließt sich die Naturphilosophie, die Psychologie und specielle Metaphysik. Der Standpunkt ist streng thomistisch auch da, wo andere katholische Denker aus gewichtigen Gründen alte Theorien (Hylemorphismus) verlassen zu müssen glauben. Man braucht durchaus nicht mit allen Ansichten des Verfassers übereinzustimmen, um dennoch das Werk als eines der besten Handbücher loben und eindringlich empfehlen zu können. Normallehrplan für die württembergischcn Volksschulen. Mit Erläuterungen herausgegeben von P- Frick, Stadtpfarrer und Schul- inspektor, unter Mitwirkung von Oberlehrer I. Stärk und Lehrer A. Schneiderhan. Stuttgart. Jos. Roth. 1897. kl. 8°. vm -i- 287 S. Brosch. 2,80 M., geb. in schmiegsame Leinw. 3.20 M. X Der Verfasser schreibt im Vorwort: „Das Buch. das wir allen Schulmännern überhaupt, zunächst aber den Lehrern und Geistlichen beider Konfessionen Württembergs, nicht am wenigsten den Schulinspektoren, anbieten, stellt sich als eine Erläuterung der amtlich maßgebenden Vorschriften und als eine Verglcichung dieser amtlichen Winke mit den methodischen Grundsätzen eines gesunden Unterrichtsverfahrens und der christlichen Pädagogik dar." Diese Verglcichung bei jedem Fach macht das Bnch auch in anderen Ländern sehr brauchbar. Die Gegenüberstellung von Falschem und Richtigen, ist auch für Männer, die längst schon im Schuldienst stehen, und vielleicht gerade für solche, äußerst interessant und meistens auch überzeugend. Daß bei tüchtigem Studium dieses Buches, das oftmals einen viel rascheren und klareren Einblick in die richtige Methode gewährt, als dickleibige Didaktiken, viele Stunden im Unterricht, auch im Religionsunterricht, nicht verschwendet würden, steht uns fest. Für jedes Fach sind Winke für Abhaltung der Prüfungen gegeben, die verkehrte Art zu prüfen wird der nach des Verfassers Ansicht richtigen gegenübergestellt; die Vorschläge Fricks gerade in diesem Punkt finden indeß nicht allgemeine Anerkennung (z. B. „der Visitator bezeichne in der Prüfung in Religion dem Katecheten einen ganz bestimmten Stoff", oder was er vom „schülerhaften Abfragen" in der Christenlehre sagt u. ähnl.). Doch da kann ja jeder Schulinspektor seine eigene Methode befolgen; wenn wir vielleicht noch in diesem Jahrzehnt Kreisschulinspcktoren im Hauptamt erhalten, ivird es auch mit der Prüfungsmcthode wohl „strammer" werden. Das Buch ist auch sehr gut ausgestattet, Druck und Einband tadellos. Wir möchten es auch den Schulinspektoren, Geistlichen und Lehrern unseres Nachbarlandes empfehlen, denn der Geistliche imponirt heutigentags nicht mehr durch bloße Kenntniß der didaktischen Principien, sondern durch genaues und gründliches Wissen über deren Anwendung in den täglichen Schulfächern. Dazu bietet Fricks Buch ausgezeichnete Gelegenheit. Oer, ?. Sebastian«., Benediktiner der Benroner Cou- grcgation, Ein Tag im Kloster. Bilder aus dem Benediktinerlcbcu. Mit zahlreichen Illustrationen eines Beurouer Künstlers und oberhirtlicher Druckgenehmigung. Negensbnrg 1897, Nationale Vcr- iagsanstalt. 8. Preis 2 M. 80 Pf., in elegantem Origiualleinenbaud 4 M. Der Verfasser des Büchleins hat es sich zur Aufgäbe gemacht, in das Verständniß des monastischen, vorwiegend beschaulichen Klosterlebens einzuführen, dessen Bedeutung unserer mehr auf greifbar praktische Thätigkeit gerichteten Zeit fremder geworden ist. Die Anschaulichkeit, mit der uns der erfahrene Führer das Ideal einer Benediktiner- Abtei zeigt, indem er uns alle Räume einer solchen mit ihrem Leben und Treiben erschließt, dürfte weitere Kreise interesfiren und wird das Buch gewiß auch Ordensleuten zur Anregung und Erbauung dienen. Zahlreich eingefügte, von einem Künstler der Benroner Schule gezeichnete Illustrationen verleihen dem schönen Werkchen einen besonderen Werth lind stellen es mit in die erste Reihe der katholischen Geschenksliteratnr. Reidelbach, Dr. Hans, Die frommen Sagen und Legenden des Königreichs Bayern. Mit zahlreichen Illustrationen. Regcnsburg 1897. Nationale Verlagsanstalt. 8". Preis 3 M. Die Sage, welche wunderbare und seltsame Schicksale, abenteuerliche Begebenheiten von geschichtlichen Personen und merkwürdigen Orten berichtet, hat unendlich viel Anziehendes, insonderheit für die Jugend. Nicht minder ist die Legende, welche die segensreiche Wirksamkeit christlicher Helden vorführt, das jugendliche Herz zur Bewunderung und Nacheifernng anregt, geeignet, dem heranwachsenden Geschlecht zur Belehrung und Erbauung zu dienen. Darum dürfte vorliegendes Buch, welches unseres Wissens zum erstenmal eine Sammlung der schönen frommen Sagen und Legenden des Königreichs Bayern m Wort und Bild, für die Jugend mit Fleiß und Geschick zusammengestellt, bringt, sich allseitig einer freundlichen Aufnahme erfreuen und als speciell bayerisch-nationalcS opns in erster Linie von allen Schulbibliolheken Bayerns angeschafft werden._ Heckner, G., Praktisches Handbuch der kirchlichen Baukunst einschließlich der Malerei und Plastik. Zum Gebrauche des Klerus und der Bautechniker. Mit 186 in den Text gedruckten Abbildungen, gr. 8". (XVl und 424 S.) Dritte, gänzlich umgearbeitete und vielfach ergänzte Auflage. Freising, Verlagsanstalt und Druckerei Dr. Franz Paul Dattercr. Der hochw. Herr Verfasser, zuletzt Pfarrer in Nen- stift bei Freising, welcher kurz vor Vollendung des Druckes mit Tod abging, legte in der dritten Auflage all die Er- 'ahruugen nieder, welche zur Ergänzung und Bereicherung eines weithin verbreiteten Buches nothwendig erschienen. Die Grundsätze, welche den Herrn Verfasser leiteten, entsprechen den Vorschriften einer vom christlichen Geiste getragenen Aesthetik nicht bloß in Malerei und Plastik, sondern auch in der Architektur. Außer der Aesthetik kommen aber auch die Technik und bei Kirchenbauten die kirchlichen Vorschriften in Betracht. Das Buch soll allen jenen dienlich sein, welche in die Lage kommen, eine Kirche zn bauen oder restanriren zu müssen. Der praktisch gegliederte Inhalt wird durch 186 in den Text gedruckten Abbildungen unterstützt. Papier, Druck und Ausstattung sind vorzüglich, der Preis billig (M. 4.—). Das .Hochstift Freising, seine Domkirche und seine Bischöfe 720—1603. Geschichtliche Erinnerungen für das Volk in der Stadt und Diözese von Jgnaz Riedlc, em. Pfarrer in Freising.' 4 Bogen stark, mit dem Porträt der Hochw. Herren Erzbischöfe: Autonius II.. Lothar Anselm, Karl August und Grcgorins. Als Vorbild ist noch bei- gegcben das Innere des Domes zn Freising. Taschen- bnchformat. Freising, Verlagsanstalt u. Druckerei Vr. Franz Paül Datterer. Das Büchleni stellt das Wissenswerthe über das Hochnist Freising, seine Domkirche und über seine Bischöfe zusammen und bildet einen schätzenswertsten Beitrag zur Geschichte Freisings. Den» kleinen, aber inhaltsreiche»,. rller Beachtung werthen Schriftchen möchten wir die weiteste Verbreitung wünschen. Papier, Druck und Ausstattung sind vorzüglich, der Preis billigst. (60 Pf.) — Oesterreichisches Literaturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wie»,. redig»rt von vr. Franz S chnürer. (Adiiiinistration: Wien, I., Anna- gasse 9.) Inhalt der Nr. 7 n. N.: Zenner I. K., Die Chorgesänge in, Buche der Psalmen. (Ikniversitäts-Prof. vr. Bernhard Schäfer, Wie»,.) — Meyer Ed., Die Entstehung des Judentstums. (Theol.-Prof. Othm. Mussil, Brünn.) — Jlligens Ev., Geschichte der lübeckischcn Kirche 1530 bis 1896. (v. Jld. Vcith. Seckau.) - Jamar C. H- T., Maria, d»e Mutter Jesu. (Theol.- Prof. Jos. Schindler, Leitmeritz.) — Willy» an,, Otto. Pädagogische Vortrüge, (vr. Rud. .Hornich, Wien.) — Struck, W., Das Bündniß Wilhelms von Weimar mit Gustav Adolf. (Hofrath Onno Klopp, Wien.) — Stüve C., Annalss monastsrü 8l. Olsmsntis ia Ibiirs. (Kgl. bayer. Reichsarchivrath vr. P. Wittmann. München.) — Vymazal Fr.. Die Kunst, die bulgarische Sprache... zu erlernen. — Ad. Strausz u. Em. Dugovich, Bulgarische Grammatik, (vr. M. Murko, Prrvatdocent an der Universität Wien.) — Mühl brecht O., Die Bücherliebhaberei. (vr. Fr. Schnür er, Wien.) — Dippe O., Die fränkischen Trojanersagen. — Das Waltharilied, übersetzt vor» Hm. Althof. — Ebe Gust., Abriß der Kunstgeschichte des Alterthums. (Univ.-Prof. vr. W. A. Neumann, Wien.) — Becker Th.i Einführung in die Psychiatrie. (Primarins vr. Tst. Bogdan, Leiter der n.-ö. Landesirreuanstalt Lange»,lois.) — Winkt er B., Unterleibskrankheiten. U. s. w. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben von vr. Ernst Commer, Professor an der Universität Breslau. XI. Bd. 4- Heft. Paderborn 1897, Schöningst. Inhalt: I- Alberto varbsri.?. vortrait. II. Päpstliches Handschrciben an den Heransgeber. III. Uittoras Apostolioae, guibus eonstitntiones Loeistatw 9ssu äs äoetrino 8. Ilioinas Agninatis proütsnäa oonürmaolnr. IV. Päpstlicher Erlaß, durch welchen jene Ordensregeln der Gesellschaft Jesu, in welchen die Lehre des hl. Thomas von Aguin vorgeschrieben .wurde, neu eingeschärft werden. Deutsch übers. von Pros. vr. v. Thomas Wehofer, Orä. vrasä. in Rom. V. Anordnungen des Papstes Leo XIII. über das Thomasstndium. Zum Apostolischen Schreiben JÄravissims Uos." Von demselben. VI. Albert Barberis. Eine biograpbisch-literarischc Skizze. Von Kanonikus vr. Michael Gloßner. VII. Probat»,listische Beweisführung. 2. Von Professor I. L. Jansen, O. 88. Rsä. in Holland. VIII. Kinder in Polizei- und Gerichtsgcfängnisscn. ForA Von vr. ?. Rayinitnd Fastiera, Orä. krasä. in Wien- Sti»nmen a»»s Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1897. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zivei Bände ü M. 5.40). Freib»»rg i. Br., Herdersche Verlagshandlnng. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 4. Heftes: Die Sonnenflecke im Zusammenhang mit dem Copernicanischen Weltsystem. (A. Müller 8. .1., — Lolnrvcrtrag nnv gerechter Lohn. IV. (H. Pesch 8.9.) — Maria Novclla in Florenz. (M. Meschler 8.9.) — Livlands größter Öerrmcister. 111. (O. Pfülf 8.9.) — Des Allelnja Leben, Begräbniß und Sluferstehung. (C. Blume 8. 9.) Recensionen: 8a88S, Institntiones tbeoloKieas äs «aeramsntis Lools«ias (A. Lehmluhl 8. 9.): Vaosnt, vtiiäes ll'bsoloAiguss »nr ls« Ooustil atlons än vonoils äu Vatiean (Th. Graitderalh 8. 99: Valois, Vo Ikrones st Is Vranä 8ebi8ws. ä'Oooiäsin (F. Ehrle 8. 9.): Müller-Simonis, Von» Kaukasus zum persischen Meerbusen (I. Schwärz 8. 9.); 1. Börsch, Das Kreuz am Wege. 2. Kuno, Thomas Münzer (W. Kreiten 8.9.). — Empfeh lensiverthe Schriften. — Miscellen: Das Siveating-System in Englaitd: In» Lande des Bachschisch einst und jetzt: Kloster- und Ordensleben bei den englischen Ritnalisten. Deutsche Rnndscha»» für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben vor, Pros. vr. Fr. Umlauf t. . XIX. Jahrgang 1897. (A. Hartleben's Verlag in ' Wien, jährlich 12 Hefte, 85 Pf.) Das.7. Heft des XIX. Jahrganges enthält u. a.: Die Insel'Kreta. Von vr. Franz Ritter v. Le Monnier. Mit 1 Karte und 4 Abbildungen. — Die Jungfra,»bahrn Von I. Wottitz, Ingenieur. Mit 1 Abbildung. — Die Flora des Congostaates. Von E. Koll brunn er. — Skizzen aus Wladiwostok, Von G. Rom an off. — Ueber die Bewegung, der Oberflächen,nassen des Jupiters. — Groß-Berlin nach dem statistischen Jahrbuche von 1896. Die Handelsflotte Frankreichs. Die Bevölkerung des Königreiches SÜchsen. — Porträt: vr. E. A. Bielz und F. Tisserand. — Kleine Mittheilungen aus allen , Erdtheilen. — Kartenbeilage: Insel Kreta. Maßstab > 1 : 1 , 000 , 000 . Veranty). R.ehgeteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas K Grabherr in Augsburg.