kip. 25 W, 8. Mai 1897. Hansen und der Hypnetisinns. Von Charles Saint-Paul. (Fortsetzung.) Hansen glaubt aus seinen Erfahrungen schließen zu dürfen, daß zur Herbeiführung der induzirten Hypnose zumeist eine vom Hypnotiseur auf die Versuchsperson wirkende Kraft, die „korcs nsurnzus", angenommen werden muß. Er behauptet, daß bei mindestens 300 Personen, die zu ihm auf die Bühne kamen, mit der festen Absicht, sich nicht hypnotisiern zu lassen, die also der Suggestion allen Widerstand entgegensetzten, es ihm gelungen sei, Hypnose und die Befolgung hypnotischer Suggestion zu erzielen, und daß also in diesen Fällen nur eine von ihm ausströmende Kraft, die „torosnsuricius", wie er sie nennt, thätig gewesen sein könne. Letztere Behauptung wird wohl dahin zu ergänzen sein, daß auch zugleich seine eigene große Willenskraft und Suggestiousgeschicklichkeit zur Erklärung in Betracht zu ziehen sind. Hausen vertritt seine Annahme insbesondere mich zur Aufklärung der Möglichkeit der Mentalsuggestion und Hypnotisirnng aus der Ferne. Dieselbe wird, wie er sagt, speciell dann vorgenommen werden können, wenn eine Versuchsperson schon mehrmals hypnotisirt worden ist. Sie schläft dann ein, sobald der Hypnotiselw seine Gedanken und seinen Willen auf sie concentrirt, ohne daß Mvor die Hypnose zu einer bestimmten Zeit verabredet Wurde, und wenn sie auch weit vom Hypnotiseur entfernt stst. Hansen sagte, daß ihm ähnliche Experimente häufig gelungen seien, jedoch stets nur mit großer Willensanstrengung. Bekanntlich glaubte man vor einigen Jahren noch nicht an die Möglichkeit dieser Phänomene und verhielt man sich speciell in Deutschland noch dieser Frage gegenüber negireud (gewisse psychologische Kreise, z. B. die Gesellschaft für wissenschaftliche Psychologie in München, in welcher Dr. du Prcl mit dem hypnotischen Medium Lina .einschlägige Versuche machte, ausgenommen), als man im Auslande, in Frankreich und England bereits affirmativ entschieden hatte. In London hatte speciell die „Losietx kor kosoaroü" sich durch ihre Forschungen hervorgethan. Sie veröffentlichte das umfassendste Material über dieses Gebiet, welches man in den Werken: „Gurncy, Telepathie: Eine Erwiderung auf die Kritik des Herrn Pros. W. Prcyer, Leipzig, Friedrich 1887", sowie „I'lmntnsnm ok tbs I-ivinZ. 11^ L. Omrnszc, ll. IV. 8. anä 8. I'oclmoro (lüüdnsr nnä 6o. lwnäon 1886), finden kann. Nunmehr haben sich bereits viele berühmte Gelehrte, z. B. Beaunis, Encausse, Liöbault, Lnys, Lom- broso, Ochorowicz, Richet, Wetterstrand, für die Möglichkeit der Hypuotisirung aus der Ferne mid der Mental- snggestion ausgesprochen?) ') Beaunis, Professor in Nancy, berichtet, daß ein junges Mädchen, welches leicht hypnvtisirbar war, aber nicht von selbst in Schlaf verfiel, mehrmals von ihm, ohne daß es den Versuch ahnte, von einem andern Zimmer aus, und zwar auch anf größere Entfernung, in Schlaf versetzt wurde. Dasselbe vermochte auch Lisgeois innerhalb 8 Minuten durch bloße Gedankencoucentration. — Pros. Richet behauptet ebenso, seine Versuchsperson aus der Ferne in Schlaf versetzt zu haben. Er befahl ihr, zu ihm zu kommen, und diese Willensübermittlung wirkte derart, daß mau sie in den Gängen seines Hauses im somnambulen Zustande fand, wobei sie die Absicht aus- Die Mentalsuggestion und Hypnotisirnng aus der Ferne ist aber keineswegs eine neue Entdeckung. Dies bewies Baron I)r. du Prcl in seiner Studie „Die psycho, magnetische Kraft", welche sich in seinem Buche „Die Ent, dcctung der Seele" (Leipzig, Günther) und in der Monats, schrift „Sphinx" (Oktober und November 1893) findet. Schon Mcsmer magnetisirte ohne directe Berührung, was, wie du Prel richtig bemerkt, ja auch eine Fcrn- wirkung ist, und seine Schüler beschäftigten sich mit der Frage, bis zu welcher Entfernung magnetisirt werden kann. Dieselbe ist jetzt noch ungelöst. Die Fachmänner, welche zuerst auf größere Entfernungen magnetisirten, sind Marquis Ehastenet de Puysögur (Llornoirsv, 186) und Liitzelburg (8ouvennx Lxtraits äu.journal ä'un M3ZN8N86ur, 62). Der Magnetiseur und Arzt Du Potet stellte im Jahre 1820 ähnliche Experimente an, für deren Beweiskraft eine größere Anzahl von Aerzten mit ihren Unterschriften eintrat, und im Jahre 1831 bestätigte sodann die von der Pariser Akademie eingesetzte Unter» suchungscommisston die Möglichkeit der Magnetisation und Hypnose ohne Berührung und auf größere Entfernung, (öuräiu st vudois, kistvirv Lvuäönniius fiu ranAnö- tismo auinaal, 439.) Hinsichtlich der Möglichkeit einer psychisch-magnetischen Verbindung und Einwirkung hat um die Mitte dieses Jahrhunderts speciell der bekannte Baron Reichcnbach in seinem Buche „Der sensitive Mensch" eine Fülle von Material zusammengestellt, durch welches er seine Lehre von der ausstrahlenden und verbindenden Kraft des „Od" zu stützen suchte. Andere, z. B. der englische Psychologe Mayo, sind dann gleichfalls mit der Vermuthung aufgetreten, daß zuweilen die Odkraft die dynamische Brücke ist, über welche die exoneurale geistige Thätigkeit nach sprach, zu ihm zu gehen. (Oeborovieri, äs !a suZAsstion. 417—419.) — Siehe auch: Experimentelle Studien auf dem Gebiete der Gedankenübertragung von Eh. Richet. Deutsch von Dr. Frhr. v. Schrenck-Notzing, 1891. Stuttgart, Gute. — Ochorowicz ließ eine Stunde durch das Loos bestimmen» in welcher eine Magnetisation aus 1—10 Kilometer Entfernung vorgenommen werden sollte. Der Magnetiseur wurde erst im letzten Augenblick davon in Kenntniß gesetzt, daß er das Experiment beginnen solle. Niemand sonst erhielt davon Nachricht: einige der Experimentatoren befanden sich im Hailse der Versuchsperson (jedoch nicht in ihrem Zimmer), mit den Erfolg sogleich feststellen zu können. Die Versuche gelangen zu großer Zufriedenheit. — Or. Dusart hppnotlsirte gleichfalls aus der Ferne; nach einiger Zeit konnte er durch den Vater seiner Patientin ersetzt werden. (Oebvrcnvier!, äs 1a snsssstioa. 131—44; 425—438; 417—419; Rsvus äs l'b^pvotisMS, II. M —209; 225 — 240.) — Schmidkunz bringt in seiner „Plychologie der Suggestion" ein an ihn gerichtetes Schreiben des schwedischen Arztes und Schriftstellers anf hypnotistischem Gebiete, Wetterstrand, vom 5. Dezember 1890, in welchem dieser unter anderm sagt: Es ist mir kein Zweifel mehr, daß es eine directe Uebertragnng der Gedanken eines Menschen auf einen andern Menschen gibt. Ich habe nämlich augenblicklich eine 33jährige Dame in Behandlung, die ununterbrochen drei Wochen hindurch geschlafen hat. Ich kann sie von meiner Wohnung aus mit einem festen Gedanken aus dem Schlafe erwecken und nachher einschläfern, ich kann sie die und die Bewegung ausführen lassen, und wenn ich sie dann frage, warum sie diese Bewegung ausführt, so antwortet sie immer: „Weil Du es willst." — Wie Wetterstrand weiter bemerkt, hat Livbanlt in Nancy ihm geschrieben, daß er beweisen könne, es gebe „uns kores vsnrigus ä'bommes ä bommos?. außen tritt. Wie Schmidümz ") bemerkt, ist in neuerer Zeit die bisher nicht anerkannte Odlehre Reichenbachs durch die Untersuchungen des Pros. Hertz näher gerückt worden, da dessen ermittelte elektrische Welleuwirkungen in ihren räumlichen Bestimmungen auffallend zahlenmäßig mit Neichenbachs Messungen der Odkräfte zusammenfallen. Sehr merkwürdige Forschungen über die magnetische Verbindungskraft haben in Paris Dr. Luys, Mitglied der französischen Akademie und Chef der Salpetriöre, sowie der bekannte Psychologe Oberst de NochaS, in Verbindung mit dem Chef des hypnotherapeutischen Laboratoriums der Charits, Dr. Gerald Encausse, gemacht. Nochas behauptet u. a., daß die „Od"kraft der magneti- sirten Versuchsperson von dem Experimentator auf gewisse Gegenstände, z. B. Wachs oder Wasser, später auf ein nach Art der alten Zauberer verfertigtes Wachsbild (!) übertragen wurde; wenn man nun diese berührte, so habe die Versuchsperson jede Berührung, wie wenn man auf sie selbst eingewirkt hätte, und zwar auch dann, wenn sie in einem andern Zimmer sich befand, empfunden. (Siehe: Os Itoesiss, K'Kxteriorisation eis In Lsnsi- dilita. Karls, Ostamuel, 1895. Kaolins, I/Knvoüto- mont. Karls, ibici., 1893.) In anderer Hinsicht ist mit Bezug auf magnetische Fernwirknng auch noch von Interesse das Werk: „Du transtort L äistancs L l'niäo äss conronnos nironntoos par Dr. Oornrä Lnonusso on coUadorntioil aveo 1o Dr. Knz-s. (Karls, 1893.)" Ich entnehme hieraus folgendes Beispiel: Einem Hypnotisirtcn wird ein magnetisirter Eisenreif auf den Kopf gesetzt, den vorher ein an Verfolgungswahn Leidender getragen hatte. Die Versuchsperson, die bis zu diesem Augenblicke ganz glücklich und vernünftig zu sein schien, wird nun Plötzlich traurig und ängstlich und schreit, sie werde verfolgt und gequält und könne nicht mehr entrinnen. Kaum ist aber der Eiscnreifen wieder abgenommen, so wird sie wieder vollkommen ruhig. (?) Wie vr. Lnys versichert, können solche Ideen in einem magnetischen Eisenring monatelang aufbewahrt werden. (?) Er behauptet ferner, daß er das Ningexperimeut in anderer Art bei seinen Kranken auch zu Heilzwecken mit gutem Erfolge benützte. Humoristisch fügt er bei, — was für Ehemänner von höchster Wichtigkeit ist, — daß man einem Weibe durch solche Experimente die Gefühle der Liebe und Anhänglichkeit einverleiben und diese trefflichen Eigenschaften von der ersten Frau auf die zweite übertragen könne. (I) Die Möglichkeit der magnetischen oder psychomagnet- ischen Uebertragnug durch einen Stoff, der mit dem Magnetismus einer Person, eines Thieres oder einer Pflanze geladen wird, ist in mesmerischen Kreisen übrigens bereits früher behauptet worden.") °) Psychologie der Suggestion, Stuttgart, Erike. °) Dr. Luys erwähnt übrigens noch einige ganz merkwürdige Fälle der Wirkung von Flüssigkeiten auf Hypnoti- sirte, die bei einiger Neigung zur Zweifelsucht unglaublich erscheinen dürften. Hier zwei Beispiele derselben: Einer Hypnotisirtcn wird eine sorgsam verschlossene Phiole mit Alkohol aufgelegt, und sehr bald zeigt sie alle Erscheinungen der Trunkenheit. Sie wird nun veranlaßt, einem hypnotisirtcn Manne die Hand zu reichen, und es wird mit einem Magnet von ihr zu letzterem hingestrichen. Da stellen sich auch bei diesem alle Anzeichen eines Rausches ein.(!) Einem Hypnotisirtcn wird ein versiegeltes Fläsch- «yen mit,Baldrian auf den Hals gesetzt, und sofort zeigt sich jn seinem Gesichte große Bestürzung. Er wirst sich In der erwähnten Studie du Prels wird nun die Frage nach der „Koroo nourlHus", der psychomagnetischen Kraft, mit der nach der Lösung des schwierigen Problems, inwiefern Suggestionismus, Hypuotismus und Magnetismus verwandt sind, verknüpft. Dasselbe ist von größerer Wichtigkeit, zumal auch Hansen es nicht genügend aufklären konnte. du Prel weist vorerst darauf hin» daß, wenn der Magnetismus in der That sich in Suggestion auflösen würde» d. h. wenn die Suggestion der einzige Wahrheitskern des Magnetismus wäre, nur solche Objecte magneti- sirt werden könnten, die für Suggestionen empfänglich sind, also bloß lebende Menschen, welche eine Vorstellung aufnehmen können und es wissen, daß ihnen eine Vorstellung eingepflanzt wird. Nun sei es aber Thatsache, daß nicht nur Schlafende magnetisirt werden können, sondern auch Thiere, Pflanzen und leblose Gegenstände. Von Suggestion könne dabei offenbar keine Rede sein, sondern es liege ein magnetisches Agens vor. Ferner findet er» daß schon zur erfolgreichen Suggestion selbst eine Kraft, offenbar identisch mit der des animalischen Magnetismus, nothwendig sei. Er schreibt: „Was ist Suggestion? Zunächst nichts anderes, als eine im Gehirn des Patienten erweckte Vorstellung. Als solche bleibt dieselbe offenbar auf das Gehirn beschränkt. Soll sie innerhalb des Organismus physiologisch wirken, z. B. zunächst den hypnotischen Schlaf erzeugen, so muß sie zu diesem Behufe erst eine Kraft auslösen, die nur wieder am Gezweige des Nervensystems sich fortpflanzen und die von der Suggestion bezeichneten Aenderungen herbeiführen kann. Die Vorstellung als solche ist also noch keine physiologische Dynamide, es bedarf noch einer von ihr ausgelösten Kraft, und diese Kraft ist eben identisch mit dem animalischen Magnetismus. Der Hypnotiseur, welcher den animalischen Magnetismus leugnet, leugnet also damit die Voraussetzung seines eigenen Systems. Hypnotismns und Magnetismus bilden kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl—Als auch. Der Magnetiseur benützt seine eigene Kraft und läßt sie auf den Patienten überströmen, der Hypnotiseur setzt die im Patienten selbst liegende, mit jener wesentlich identische Kraft in Bewegung. Die Suggestion ist also nur der Hebel für Automagnctisation." In seinen weiteren Erläuterungen bemerkt er sodann noch: „Man könnte sagen, daß in gewissen Fällen die mit Gedankenübertragung verbundene Suggestion das Resultat herbeiführe. Gewiß; aber die Gedankenübertragung kann doch nicht darin bestehen, daß der Gedanke als solcher die Wanderung durch den Raum antritt. Wir brauchen noch ein Vehikel, eine Kraft, und zwar eine im Agenten (Wirkenden) liegende, von seiner Psyche beeinflußbare Kraft, und damit stehen wir wieder vor dem Magnetismus. Daß diese fernwirkcnde Kraft mit der magnetischen identisch ist, zeigt sich in der Identität der Wirkung: der Patient wird eingeschläfert, und zwar tritt nicht der gewöhnliche Schlaf ein, sondern der magnetische, in welchem der Patient solche Fähigkeiten zeigt, die nur dem Somnambulismus angehören." (Fortsetzung folgt.) sodann auf den Boden, kriecht auf allen Vieren und beginnt zu kratzen, zu springen, zu pfauchen und zu miauen, indem er den Anwesenden im Zimmer folgtet?!), kurz, er glaubte, in eine Katze verwandelt zu sein. Nach der Hypnose konnte er sich aber an nichts mehr erinnern. 175 Beata Stilln, Gräfin von Abcnberg. Von I. N. Seefried. Aus dem erlauchten Hause der Grafen von Aben- berg im einstigen schwäbischen Sualafeldgau (jetzt Reg.- Bez. von Mittelfrankeu) glänzen am Himmel der Kirche des Bayerlandes zwei liebliche Sterne aus dem angeblich sehr finstern Mittelalter in die überaus helle Gegenwart herein: Konrad I., Erzbischof von Salzburg (1106 — 1147), und die gleichzeitige selige Gräfin Stilla von Abcnberg. Gegen die letztere ist neuerlich in diesen Blättern (5 — 12) Herr Pfarrer Hirschmann in Schönfeld aufgetreten. Derselbe stellt unter Aufwand eines großen kritischen Apparats Stilla's Abstammung von den Grafen von Abcnberg geradezu in Abrede und fordert sämmtliche Vertheidiger dieser Abstammung vor seinen historischkritischen Nichterstuhl. Ich halte mich nun nicht bloß für berechtigt, meine 1869 ausgesprochene Ansicht über die Gräfin Stilla gegen die negative Kritik Hirschmanns aufrecht zu erhalten, sondern hiezu um so mehr verpflichtet, weil der Gegner aus meinen Grafen von Abcnberg *) Sätze herausgenommen und verwendet hat, welche ich entweder sofort berichtigt oder später (1881) modifizirt habe, und aus meinem Buche aus dem Jahre 1869 Schlüsse zieht, die ich schon 1881 und 1890 nicht mehr anerkannte und 1896/9? noch weniger anerkennen kann. Ich erlaube mir deßhalb einige Behauptungen Hirschmanns bezüglich der Grafen von Abcnberg im Allgemeinen und der seligen Gräfin Stilla im Besonderen zu beleuchten, auf ihren Werth zu prüfen und, wo es geboten erscheint, auch zu berichtigen. I. Die Genealogie der Grafen von Abcnberg im Allgemeinen. Hirschmann hat 1897 Nr. VI, 45 der Postzeitnngs- Beilage den Stammbaum der Grafen von Abcnberg, wie ich ihn vor fast 30 Jahren aufgestellt und veröffentlicht habe, im Allgemeinen zwar richtig, jedoch nicht ganz genau reprodnzirt und dazu bemerkt, daß ich denselben im Jahre 1895 berichtigt habe. Warum ich diese Berichtigung vornehmen und die Reihenfolge in den bekannten zwei Linien umstellen mußte, das hat er verschwiegen und nur angeführt, daß ich Stilla's Geschlechtsabfolge durch Konrad I. und Napoto I. (ca. 1122-1127) von Wolfram II. (1071-1108) abgeleitet habe. Meine Untersuchungen, sagte ich ain 15. Februar 1894 (B. 24, 187)-), h^ten mich schon 1879/80 zu der Ueberzeugung geführt, daß Gräfin Gerhilde (die Gemahlin nicht Wolframs I., sondern Wolframs II., ch am 22. Juli nach 1108) die Mutter des Bamberger Domherrn Adalbert gewesen, welcher nicht schon 1108 oder bald darauf mit Tod abging, sondern damals noch in dem besten Lebensalter stand. War nun aber die von Hirschmann weggelassene Gerhilde die Gemahlin Wolframs II. und der Kanonikus Adalbert an der Kathedralkirche bei 8. Georg zu Bamberg beider Sohn, so konnte Wolfram II. ') Die Grafen von Abcnberg fürstl. baper.-welf. Abkunft die Ahnen des preußischen KönigZhanses und der Fürsten von Hohenzollern. München 1869. G. Franz'fche Buch- und Kunsthandlung (Ed. Lotzbeck). 2) Die Könige von Preußen und die Fürsten von Hohenzollern sind Abenberg-Zollern, nicht Zollern-Aben- berg. Separatabdruck. Augsburg bei Haas u. Grabherr 1894 S. 3. nicht mehr als Vater Otto's II., Wolframs III. und Erzbischofs Kourad I. von Salzburg bezeichnet werden. Die clarissiwi viri Otto (II.) und Wolfram (III.), des Erzbischofs Brüder, mußten schon aus diesem Grunde als Söhne Otto's I. erklärt und die Reihenfolge verändert und umgestellt werden, noch mehr aber im Hinblick darauf, daß Bischof Otto I. von Bamberg, der Pommeruapostel und Hauptgriinder des Cisterzienserklosters Heilsbronn (1132), und sein Bruder Friedrich nicht der hochgräflich abcnbcrgischcn Familie (wie man früher angenommen hatte), sondern den Edelherren von Mistelbach bei Pleinfeld, k. bayer. Bezirksamts Weißenburg a./S., angehört haben und von mir längst aus der Genealogie der Grafen von Abcnberg entfernt worden find. (Belege siehe Beilage 1894, 24. 187). 3) Nach dem gleichzeitigen Biographen des ErzbischofS Konrad I. von Salzburg war Napoto I., welcher urkundlich zwischen 1122—1127 öfter erscheint, kein Bruder Konrads, er muß deßhalb ein Sohn Wolframs II. und Bruder des Domherrn Adalbert gewesen sein, weil ein anderer Graf von Abcnberg, der sein Vater sein könnte, z. Z. weder mir bekannt ist, noch jemand Anderem bekannt sein dürfte.*) Wenn Wattenbach nach Hirschmann (6, 46 A. 10, in Deutschlands Geschichtsqnellen (II, 5, 269) den Erz- bischof Konrad „aus der vornehmen bairischen Familie der Grafen von Abensberg" abstammen läßt, so befindet er sich in dieser Beziehung noch immer in dem fast vierhnndertjährigen Irrthum, in welchen Hans Tnrmair von Abensberg uns hineingeführt hat?) „Der Patriarch der älteren bayerischen Geschichte hat in seinen Jahrbüchern, sagt Westenrieder?) sich keineswegs ftei von häßlichen Irrthümern, Lücken und Mißverständnissen gezeigt," was auch seine Biographen, die vvr. Theodor Wiedemann und Wilhelm Dittmar (1858 und 1862) zugestanden haben und jeder zugestehen muß, welcher die Werke dieses überaus belesenen und vielsammelnden Mannes und Meisters nicht bloß dem Namen nach kennt, sondern nachgelesen und nachgeprüft hat. Eines sehr argen Mißgriffes und Mißverständnisses hat sich derselbe aber mit seinen Babonen schuldig gemacht, wenn er den angeblichen Dynasten Babo II. von Abensberg und Rohr (Ror) für einen Sohn des Schiren- fürsteu Babo und Bruder Otto's I. aus dem Hause der Grafen von Scheyern, dann als Haushofmeister der hl. Kaiserin Knnigunde und als Burggrafen der Stadt Regensbnrg ausgegeben und schließlich mit den Grafen von Abensberg in eine Verbindung gebracht hat, welche geradezu als geschlechts- und geschichtswidrig bezeichnet werden muß. So soll der vielkinderreiche Babo den Grafen Wolfram von Abensberg (einen solchen hat es nie gegeben) neben 29 bezw. 31 Söhnen und 8 Töchtern 2) Separatabdruck 1. o. S. 5; insbesondere Familie des heiligen Otto und die Edelherren von Mistelbach im 54. Jahresberichte (1892) des historischen Vereins von Bamberg. ") Vita Olluvracki eap. 1. dl. E. 88. XI, paZ. 63. b) Unvales Loiorum (1524) PE. 314 vergl. mit VII, 829. Die neue Ausgabe von Dr. Riczler konnte ich nicht bcnützen. °) Beiträge znr vaterländischen Historie, Geographie rc. 9. Bd. S. 1—115. Denkschrift auf I. Nep. Meoerer mit dessen Brustbild. Westenrieders gesnmmelte Werke. Kempten bei Köiel. 15. Bd. S. 65 u. 66. erzeugt haben.?) Von Wolfram sollen Konrad I., Erz- bischof von Salzburg, Otto von Ambsperg und Wolfram von Abenberg entsprossen sein und von dem letzteren wieder Rapotho vom Ambsperg, der Vogt Bambergs, und Gebhard von Aüensberg abstammen. Sieht man sich dagegen die vita Olninrafii arofii- episcopi Lalisbnrgensis in den vorhandenen Ausgaben von Pez und Wattenbach sowie in der neuerlich von vr. Lindauer am k. Luitpoldsgymnasinm in der k. Hof- und Staatsbibliothek aufgefundenen Raitenhaslacher Handschrift des Cisterziensers Jo. Konrad Tachler aus dem Jahre 1612 etwas näher an, so resultirt aus der Erzählung des Erzbischofs und seines Biographen dasjenige durchaus nicht, was uns Aveutin daraus beweisen bezw. plausibel machen wollte. Die Nachrichten und Daten über den Urgroßvater des Erzbischofs mütterlicherseits, welcher auS mehreren (nach Avcntin zwei) Frauen dreißig (nach Aventin ut 6r,mu retort 32) Söhne und 8 Töchter erzielt hatte, will der vielgereiste Magister in Welten- burg und Salzburg aufgefunden und zusammengelesen haben; es kann auch nach dem Texte seiner Annalen kein Zweifel darüber bestehen, daß er eine der Salzburgcr Handschriften, wie sie Pez ^ und Wattenbach b) veröffentlicht haben, eingesehen und excerpirt oder vielleicht ganz abgeschrieben hat; allein das Phantasiegebilde, welches er über die Genealogie der Grafen von Abinberg und Babo, den mütterlichen Ahn und Urgroßvater des Erzbischofs, entworfen und zum Besten gegeben, hat man bisher in den Urkunden, in der vita Odunraäi selbst und in den Nekrologien von Weltenburg vergeblich und ohne allen Erfolg gesucht. Erzbischof Konrad I. von Salzburg leitete seine Abkunft von dem erlauchten Stamme der Fürsten des Bayerlandes her,") da er der Bruder Otto's und Wolframs, der überaus berühmten Männer und Grafen gewesen, von denen der eine ohne Kinder verstorben ist, der andere den Grasen Rapoto von Abinperch, den Vogt des Bisthnms Vamberg, von der Schwester des Markgrafen Diepold als Erben hinterlassen hat. Von Rapoto II. erscheint 1127 und 1129 urkundlich ein Graf Otto als Vogt der Kirche von Vamberg; ich habe deßhalb und wegen des Sprachgebrauches, dessen sich der Biograph des Erzbischofs mit alter und alter an einer andern Stelle bedient hat, angenommen, daß Wolfram III. ohne Kinder gestorben und Rapoto II., der Sohn Otto's II., die Erbschaft seines Vaters im Jahre 1130 angetreten hat. Mag nun Otto II. oder Wolfram III. der Vater Rapoto's II. gewesen sein, jedenfalls weiß die beglaubigte Geschichte nichts davon, daß Rapoto (II.) von Abinberg und Graf Gebhard von Abensberg Bruder gewesen, wie solches Aventin behauptet hat?') Otto II. war mit Hedwig, der Schwester des ?) Hinwies Loioi'nm (1554) I. o. A- 5 oben. IV oIt- ramo orli Oouraäus Primas, ^rollim^stes äuva- vsusis, Otto UmbsporK'OQsis, VVolkraiuus Xdu- Linus. iVd Ime nasenntur KapotIio LamderZas ourator st Osdliaräus ^bnsinus. *) WIiesLnr. aiiseäot. tom. II part. HI p. 219/20. °) lU. O. 88. XI, 62. '") Xx illnstri priiwipum Oavanas proviuoias stsm- matv oriKinsm clnxit. Vita Olmnraäi o. 1. Der Raitcn- haslachcr vita fehlt stsmmats, am Rande hat Tachler pro,»eiiis beiaescfit. ") Siehe A.'7. Markgrafen Diepold von Vohburg (nicht Banz), vermählt, und ihrer Ehe sind entsprossen Rapoto II. (1130—1172), Hedwig und Bischof Reinhard von Wnrzburg (1171-1194). Ich habe die urkundlichen und traditionellen Nachweise für alle diese Positionen in dem Manuskripte „Die Grafen von Abenberg rc. 1890" beigebracht,") kann sie aber, weil sie zuviel Raum in Anspruch nehmen, hier nicht wiederholen; es dürfte übrigens genügen, wenn ich auf die Grafen von Abenberg aus dem Jahre 1869 sowie auf die berichtigte Stammreihe dieser Grafen am Schlüsse verweise und dazu bemerke, daß der Name Reinhard in der noch immer arg vernachlässigten älteren Genealogie der Grasen von Vohbnrg vorkommt und wahrscheinlich von der Markgräfin Hedwig nach Abenberg übertragen worden ist. Diese urkundlichen und den besten Schriftqnellen entnommenen Nachweise nennt Hirschmann in wegwerfendem Tone „genealogische Vermuthungen" (1897, 6, 45) und erwartet wohl gar, daß ich meine schweren genealogischen Sünden renmüthig bekennen und nach den traditionellen Aufzeichnungen der Lokalforscher Priefer und Koch über die selige Stilln verbessern d. h. nach Skriptoren Correctur eintreten lassen solle, welche eigentlich nur Aventin und den jüngeren Spalatin (Wolfgang Bauer—Agricola von Spalt) ab-und nachgeschrieben haben. Kehren wir nicht zu Aventin und Spalatin dem jüngeru, sondern zu dem Biographen des Erzbischofs zurück, so muß als Mutter Konrads. Otto's II. und Wolframs III. eine ungenannte Burg- gräfin von Negcnsburg") schon deßwegen festgehalten werden, weil der Biograph als Sohn des Oheims der genannten Grafen d. h. als Mnttcr- bruderssohn derselben den Präfckten Otto senior von Regensburg und als Mutterschwestersohn den Grafen Heinrich von Lechsgemünd, den Vater jenes Heinrich, welcher 1170/76 (Abfassungszeit der Vita) noch am Leben war, bezeichnet hat. Burggraf Otto senior von Regensburg, Heinrich Graf von Lechsgemünd, der Stifter des Klosters Kaisersheim (Kaisheim), und die vorhin genannten Grafen von Abenberg waren demnach Geschwisterkinder und bildeten unter sich die nächste Anverwandtschaft. Wenn der Biograph des Erzbischofs, anknüpfend an diese edelste Blutsverwandtschaft, sodann noch davon gesprochen hat, daß der Erzbischof mütterlicherseits d. h. auf Seite seiner wiederholt betonten Cog nation auch einen Ahn (avuw) gehabt habe Namens Babo,") der zwar etwas niedriger gestellt, gleichwohl eine leuchtende und glänzende Nachkommenschaft gehabt habe, welche in Folge ihrer großen Anzahl nicht allein Bayern und Körnten, sondern auch Ost- und Rheinfranken in Besitz genommen, so kann hierunter nur der Urgroßvater des Erzbischofs mütterlicherseits, mithin nur ein Graf Babo von Nüdeuburg-Stcfaning-Abensberg ") Leider hat sich zur Herausgabe derselben noch kein LIaessuas oder Verleger finden lassen. ") Vita Oliunraäi eax. 1. krasksotus guogue Uatispoususis Otto 8enior ^vuuouli ejus kilius t'uit. Lsnrious guogus äs I-sodss- As mun äs, pater illius Usurioi, rpii aätiuo supsrsst, «x inatsrtsra ejus iispos sxtitit. Die Biographie wurde nach Riezler (Gesch. Bayerns 1,798) zwischen 1170 u. 1176 abgefaßt. ") Lvum Iiaduit Lada nein uomins, äs eujus Innidis exeermit triKiota ütü st ovto üliao, vuuies ex libsris inatridus Aenitas. Vita Olinuraäi. 177 oder vorn Lhiem- und Zeidlarugau verstunden werden.'°) Jener Grus Babo, von welchem der Erzbischof selbst erzählt, daß er 30 Söhne und 8 Töchter aus freien Frauen erzielte, gehört ohne Zweifel zu der landgräflichfn Familie der Rcgensburger Grafen, ob sich derselbe aber nach Abensberg *°) genannt hat, geht aus der Vita 6stun- raäi nicht hervor. Daß Lvus in der vita Odunracü mit „Ahn" oder „Urgroßvater" übersetzt werden muß, dürfte schon daraus zu entnehmen sein, daß als mütterlicher Großvater des Erzbischofs nur Burggraf Heinrich I. oder dessen Bruder Babo II. von Regensburg-Stefaning angenommen werden kann, die beide circa 1070 bereits gestorben waren, eine so zahlreiche Nachkommenschaft aber nicht gehabt haben, wie sie von dem Erzbischof behauptet worden ist. Dem verdienten Verfasser der bayerischen Geschichte, vr. Andreas Büchner, welcher von mehreren Con- cubinen Babo's gesprochen, und ^dem Herrn Ritter v. Lang,") welcher die Erzählung des Erzbischofs und seines Biographen für eine Fabel erklärt hat, bin ich mit einiger Ironie unter Bezugnahme auf die Germania des Tacitus, die Schilderung mittelalterlicher Frauen bei Wolfram von Eschenbach und einen saftigen Ansspruch unseres größten Juristen des vorigen Jahrhunderts, Kreittmayrs, entschieden entgegengetreten,") und habe ich hier nicht bloß alle namhafteren bayerischen Geschichtsforscher (Scholliner, Nagel, Koch-Stcrnfeld u. s. w.) auf meiner- Seite, sondern vor Allen und an erster Stelle den großen Erzbischof und dessen Biographen, welche an die uugemein zahlreiche Nachkommenschaft des markigen Recken nicht bloß geglaubt, sondern sie ausdrücklich bestätigt haben. Der Erzbischof sowohl wie sein Biograph (Gero Aucr?, der erste Abt von Naitcnhaslach?), beide haben zwischen den Agnaten und Cognaten des erlauchten Grafenhans es Abcnberg genau unterschieden, was Aventin und sein Gefolge leider nicht mehr gethan hat, so daß man über 3^/zhundert Jahre lang seinem Geleise folgend in der Irre umhergcwandelt ist und seine Pfade heute noch nicht ganz verlassen hat, weil man sich von seinem Baun- und Zauberkreise eben nicht mehr loslösen und befreien konnte oder es nicht wollte. Der Lokalpatriotismus hat unsern vielgcehrten und gepriesenen Geschichtschreiber von Abeusbcrg verleitet, zwischen Abenberg und Abensberg d. h. zwischen den nach diesen Orten genannten Grafen eine Geschlechtsgemeinschaft anzunehmen, die niemals bestanden hat. Man wird dagegen mit dem Erzbischof Konrad I. von Salzburg und dein Biographen desselben zwischen Agnaten und Cognaten der Grafen von Abcnberg wieder genau unterscheiden müssen. Geschieht dieses, dann werden sich die Contro- versen, welche Aventin veranlaßt hat, sofort beilegen lassen und keine weiteren Preisfragen mehr zu lösen sein. Loh. Ev. Ritter von Koch-Sternfeld, der letzte namhafte Vertheidiger der aventinischen Tradition, hat in seiner '°) Vergl. Grafen von Abenberg 1869 S. 3 ff. ") Der Eintrag im Kloster Weltenburg (beim Oz'elus des Jahres 1058) III Kon. Nnrtii (5. März) Lnbo Oomoo eum XXX tiliis et VII tlliabus und im Nekrologe des Klosters s. Lmmeram zn Regensburg II Xoims Llartii (6. März) nennt Abensberg nicht. ") Karl Heinrich von Lang über die Fabel von des Grafen Babo von Abensberg dreißig Söhnen. München 1813. ^) Grafen von Abenberg 1869 S. 4 n. 5. altgefeyerten Dynastie des Babo von Abensberg bemerkt: *") „Das älteste Manuskript des LioZraphug Eonracii I. araüiexmcopi hatte B. Pez zu Raiten- haslach aufgefunden. Das war auch die letzte Stiftung des Erzbischofs (1146) und seiner Stammgenosscn;" allein hiegegen ist zn bemerken, daß k. Bernhard Pez allerdings Wissenschaft davon gehabt hat, daß das Cistcr- zienserklostcr Naitcnhaslach bei Burghausen die vita Oon- rucii besitze, 20 ) daß jedoch seine Ausgabe einer Handschrift des Beucdiktinerklosters o. Peter in Salzburg entnommeu ist, hat er uns am angeführten Orte selbst bezeugt. Die sehr interessante neue, von Dr. Lindauer aufgefundene Naitcnhaslacher Handschrift der vita, Obunracki befindet sich in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München in dem Ooä. M8?>) Lnnalcw Raittenlirwlg,- 0611818 M0llU8t6rii 6X cckartaeeo 6a.2ophxIaoio eruti a I?. flv. Ovnr. 'I'aclilvr anno ÄIO6XII Lara primn xriA. 15 — 39. Dieselbe ist sehr schön und zierlich in continuo und ohne Capiteleinthcilung geschrieben, mitunter, jedoch nicht sehr häufig, sind Correcturen daran von dem Abschreiber vorgenommen worden. Ich habe sie mit den Ausgaben von Pez und Wattcnbach genau verglichen und sehr viele Abweichungen und bessere Lesearten gefunden, weßhalb sie den früheren Ausgaben nach Salzburger Handschriften vorzuziehen sein dürfte. Die Veröffentlichung mit guter deutscher Uebersetzung, etwa in den monumentm Loicio, würde Vieles zur Klärung des wirklichen Sachverhaltes und Sicherstellung der Genealogien der Grafen von Abenberg und Lcchsgemünd, der Markgrafen von Vohburg und der Burggrafen von Ne- gensburg beizutragen vermögen. Die Ansicht Avcntins aber, welche Hansiz^ und unzählige Andere nachgeschrieben und weiterverbreitet haben, muß endlich aufgegeben werden, weil sie dem Biographen des Erzbischofs und der Wahrheit nicht entspricht. (Fortsetzung folgt.) Die Vorbildung des Klerus zunächst in Bayern. (Fortsetzung.) 6 Dem Studium der Philosophie muß ergänzend an die Seite treten das Studium der Geschichte der Philosophie, lind welch umfassendes Gebiet schließt nickt auch diese ein! Zwei große Perioden hat der Lehrer zu durchwandern, die eine beginnend im grauen Alterthum, die andere abschließend mit unseren Tagen. Was ist nicht alles zn sagen von Aristoteles und Plato allein, von diesen beiden größten Denkern der vorchristlichen Zeit, welche ihrerseits wieder die christlichen Philosophen beeinflußt haben! Aristoteles und Plato und ihre Schulen sind auf dem Wege des discursiven Denkens zu vielen Wahrheiten vorgedrungen, aber gerade auf dem Gebiete der höchsten Wahrheiten fehlt es auch bei ihnen nicht an mannigfachen und weitgehenden Irrthümern. Was ist nicht alles zu sagen von der Philosophie der Kirchen- väter, dieser Periode der Genesis der christlichen Philo- ") Regensburg 1857 bei Gg. Jos. Mauz S 6. Ich habe diese Notiz in meine Grafen von Abenberg 1869 S. 6 A. 15 hernbcrgenommcn. "") Pez hatte diese Nachricht der Netropolio Salis- burg'cmsis unseres Hund entnommen. Vergl. vissortatio isaM^iea, in tom. II. ^ueollot. blov., wo sich auch der interessante Brief des Abtes Emanuel vorn 6. Dezember 1719 findet. -') (lock. bav. 916. voll. lat. 1912. ") Oeiinania, «acra II, 202. 0 riKc> generis er Lrineipibns Leb^reusidns, gnibns Lollie snpor- snnt IVittelspaobii Rnvsrias lluees. H.bavus Oonralli knit, Labs Lelrznornm krinceps. Xvu« trillern Laba et Rorae llxnasts. . . . 178 ! ^ i ! k sophie! Was nicht alles zu sagen von den arabischen und den indischen Philosophen, von der Philosophie der scholastischen Zeit,, von einem Scotns Erigena, von Nomina- lisinus und Realismus, vorn hl. Anselm, von den Victor- incrn, von Alexander von Hales, von Albert d. Gr., von Perer dein Lombarden, vom hl. Thomas, der von Leo XIII. 'sts vmnnun princsxs ot maAistsr, als Fürst und Führer aller Lehrmeister der scholastischen Philosophie bezeichnet wurde, vom l/.. Bonaventura, von Duns Scotns, von den Tbünusten und oen Statisten, vom neueren Nominalisnius und der neueren Philosophie überhaupt! „Was halten Sie von Herbart?" soll die Frau eines bayerischen Regierungspräsidenten einen jungen Priester gefragt haben, der dem Präsidenten einen Besuch machte. Was halten Sie von Positivismus? was halten Sie vom idealistischen Akosmismns, vom Skepticismus, vom Sensualismus, vom Locke'schen Empirismus, vom neueren Ontologismus. vom Monismus, vom Rosminismus u.s. w., u.s.w.? Soviele Rainen, soviele irrige Systeme, aber sie beherrschen da und dort die Anschauungen weiter Kreise und beeinflussen selbst oie Gesetzgebung. Welch einen Einfluß die neuere Philosophie aus die Pädagogik zu gewinnen suchte und sucht, ;u bekannt. Sollen all diese Richtungen dein Priester unbekannt bleiben dürfen? Wenigstens in den Hanpt- zügen wird er sie kennen lernen müssen, so daß iin Lehr- programin für die Vorbildung des Klerus auch für die Geschichte der Philosophie mindestens zwei Wochenstunden in jedem Semester anzusetzen sind. Rechne ich sechs bis acht Wochenstunden für Philologie und Geschichte, fünf für Naturgeschichte und Chemie, so bleibt .. wie für Physik, sechs für. immerhin noch einige Zeit für facultative Fächer zugt ch mit der ischen Dis- auf ihren Resultaten fortbauen, welche Philosophie die Grundlage der übrigen theologis ciplinen bilden. Daß der Apologetik oder, wie sie meist genannt wird, der Generaldoamatik heutzutage eine besondere Bedeutung zukommt, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Sie ist geradezu von größter Wichtigkeit und iinifaßt zahlreiche und schwierige Materien. Sind die Candidaten der Theologie gründlich in der Philosophie unterwiesen, so dürste es für sie indeß unter gewöhnlichen Umstände!!, d. h. wenn der Lehrer mit der Thatsache rechnet, daß seine Schüler nur einen einjährigen philosophischen Cursns hinter sich haben, daß ferner die Speculationsgabe mr selten einem Jünger der Wissenschaft zu Theil wird. nicht besonders schmierig sein, den Vortragen zu folgen und den Gegenstand zu erfassen. Zudem sind mehrere wichtige, in die Apologetik und Dogmatik einschlägige Fragen, welche besonders die Schöpfung und die Bestand- theile der menschlichen Natur betreffen, theils in der Metaphysik, theils in der Naturgeschichte (Anthropologie) zur näheren Darstellung gekommen. Bei dieser Sachlage dürfte der einschlägige Stoff innerhalb eures Semesters bei fünf Wochenstunden zu bewältigen sein. Im nächsten Semester wird sich bei ebensovielen Wochenstunden die Lehre von der Kirche daran schließen, und an diese die specielle Dogmatik, für welche mindestens 200 Lectionen anzusetzen sind. Verfügt der Lehrer noch über eure längere Zeit, um so besser; hat er vielleicht für die specielle Dogmatik zwei Jahre zur Verfügung, so weiß er die Zeit auszufüllen etwa mit Disputationen oder mit dogmatischen Uebungen, etwa auch mit der Erklärung des viel zu wenig Literaturgeschichte, Astronomie, griechische und römische Alterthümer, Aesthetik, Landwirthschaftslehre rc., welche indeß nicht alljährlich zum Vortrage gelangen sollen, sondern so auf mehrere Jahre zu vertheilen sind. daß auch Candidaten der Theologie, wenn sie hiefür Interesse haben, diese Vorlesungen belegen und hören können. Insbesondere wäre auch zu empfehlen, daß die Candidaten über Archivlehre, über die Quellen der Geschichte, über die Geschichte der Diözese und ihrer Bischöfe orientirt, daß sie fernerhin angewiesen wurden, wie sie selbst später eine Pfarr- oder Localchronik anlegen oder fortführen sollen. Ebenso wäre es eine schöne und lohnende Aufgabe für einen Lehrer, die Candidaten in die Werke unserer christlichen lateinischen Dichter, der altchristlichen stowohl (Damasus, Pru- dentius :c.) als der späteren (Bälde rc.), in etwas wenigstens einzuführen, auf daß sie später zuweilen einen dieser Autoren zur Hand nehmen zur Belehrung, zur angenehmen Zerstreuung. Wenden wir uns den theologischen Fächern zu. so ist es zunächst die Apologetik und die Dogmatik, welche sichrem die Philosophie unmittelbar anschließen und leich mit gewürdigten Oompsnännn tbooloZia« des heil. Thomas von Aguin, das, so kurz es ist. doch ein relativ vollständiges theologisches System darstellt. Oder er wird die eine oder andere einschlägige Materie, unter Umständen auch eine theologische Controverse, vielleicht an der Hand eines Suarez, der SalmanticenseS re., eingehend erörtern. Jedenfalls ist beim Vortrage der speciellen Dogmatik eine Klippe zu vermeiden, wodurch der Unterricht zuweilen unnöthig ins Breite wächst, nämlich die Berührung mit der Moraltheologie und dem Kircheurecht, namentlich in Fragen, welche die Praxis betreffen, also insbesondere in tue Lehre von den Sakramenten einschlägig sind. Daß in dieser Beziehung auch der Lehrer für Moraltheologie, jener für Kircheurecht und jener für Pastoraltheologie oft allzusehr einander berühren, kann man aus den Lehrbüchern ersehen. Auf die Kirchen- geschichte- freilich wird der Dogmatiker oft ganz unvermeidlich verweisen und zur Erklärung einer These wenigstens in Kürze vortragen müssen, was der Kircheugeschichts- tehrer ausführlich darzustellen hat. Reihen wir an die Dogmatik die Exegese mit der Einleitungswissenschaft und den übrigen Hilfswissenschaften der Bibelforschung, so dürfte der Satz keinen Widerspruch finden: Je mehr in der hl. Schrift gelesen wird, desto besserest es. Manche wichtige Stellen der hl. Schrift werden auch in der Dogmatik, andere in der Moraltheologie erklärt. Zudem bildet die hl. Schrift jenes Buch, das der Priester das ganze Leben hindurch neben dem Brevier am öftesten zur Hand nehmen wird: bei der Schriftlesung, bei der Vorbereitung für die Predigt und die Katechese: jenes Buch, von dem es schon in den sogenannten Hippolytscanones heißt: „Am Morgen sehe die Sonne das Buch auf deinen Knieen!" Aber das Selbststudium wird in der Regel den mündlichen Vortrag des Lehrers nicht ersetzen. Zu eifriger und gründlicher Erforschung der hl. Schrift muß den katholischen Theologen auch das Beispiel der protestantischen Eregeten ermuntern, welche entsprechend der Bedeutung, welche der Protestantismus der Bibel zuweist, insbesondere auf dem Felde der Eregese gearbeitet haben und arbeiten. Da es unmöglich ist. die gesammte hl. Schrift mit den Schülern durchzunehmen, muß sich der Lehrer auf die Erklärung der wichtigsten Theile beschränken. Es dürfte sich empfehlen, drer Jahre hindurch bei vier Wochenstunden die eigentliche Bivellesung zu betreiben, etwa im Wintersemester die hl. Schrift des Alten, im Sommersemester die des Neuen Testamentes. Zu den wichtigsten Theilen, welche der Lehrer vortragen soll, sind zu rechnen: die Genesis» die Psalmen und die wichtigeren Partien aus den Propheten, ferner die hl. Evangelien, der Nömerbrief und der Hebräerbrief. Da innerhalb der angegebenen Zeit nicht alle vier Evangelien, sondern wohl nur eines zum Vortrage gelangen können, muß es dem Privatfleiße des Candidaten überlassen bleiben, auch die nicht vom Lehrer erklärten Evangelien an der Hand eines guten Commentars durchzunehmen, in jedem Jahr eines. Der Lehrer wird die Anleitung hiezu geben und beim Examen die Erfolge dieser „kursorischen Leetüre" controliren. Steht noch weitere Zeit zur Verfügung, ist der eine oder andere der kleinen Propheten, ferner die übrigen Briefe des hl. Paulus und der Jakobusbrief ins Auge zu fassen. Die Hilfswissenschaften der Eregese vertheilen sich also: im ersten Jahre bei drei Wochenstunden des Wintersemesters und zwei des Sommersemesters hebräische und chaldäische Sprache und Lectüre; im zweiten Jahre biblische Hermeneutik und Einleitung' im dritten Jahre im Wintersemester biblische Archäologie in drei Wochenstunden, so daß für das Sommersemester noch zwei Wochenstunden für die Eregese selbst übrig bleiben. Für die Moraltheologie sind, einen zweijährigen Cursns vorausgesetzt, vier Stunden im Winter- und fünf im Sommersemester anzusetzen, dazu im Wintersemester dreimal wöchentlich Kasuistik. Noch günstiger gestaltet sich die Eintheilung und der Unterricht selbst erfolgreicher, wenn zunächst die allgemeine Moraltheologie in einem Wintersemester zur Erledigung gebracht wird, und sodann dem Vortrage der speciellen Moraltheologie in drei weiteren Semestern die Kasuistik parallel zur Seite tritt, wöchentlich zweimal. Hat der Lehrer nicht so viele Stunden zur Verfügung, so muß er sich freilich auf das Wichtigste beschränken. Die Begründung der ethischen Principien ist ohnehin Aufgabe der Philosophie. Worauf 179 der Lehrer der Moraltheologie besonders achten soll, ist dieses, seinen Gegenstand zeitgemäß zu gestalten; er muß deßhalb auf die Gesellschaftswissenschaft gebührende Rücksicht nehmen und manche Fragen in den Kreis der Erörterung ziehen, welche selbst einem hl. Alphons noch nicht actuell waren, nunmehr aber tief in das sittliche Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft einschneiden. Daß auch die praktischen Fälle wirklich das sein sollen, was das Wort „praktisch" besagt, braucht nicht besonders bemerkt zu werden: die Linzer „Theologisch-praktische Quartalschrist", welche eben in den fünfzigsten Jahrgang eingetreten ist, bietet ein wahres Arsenal lehrreicher praktischer Fälle. Was von der Moraltheologie gesagt wurde, gilt auch von einer weiteren theologischen Disciplin, dem Kirchen- recht, das gewöhnlich in einem einzigen Jahrescurse bei fünf bis sechs Wochenstunden erledigt wird. Der Lehrer soll auf diesen Gegenstand seiner hohen Wichtigkeit wegen allen Fleiß verwenden, soll den innern Zusammenhang zwischen den einzelnen Rechtssätzen und den Dogmen, die Wechselbeziehungen zwischen dem jus äivinnm und dem ZU8 buwanum der Kirche darlegen, soll auf die zahlreichen neueren kirchlichen Erlasse, auf die staatliche Gesetzgebung, nunmehr auch auf das neue bürgerliche Gesetzbuch gebührende Rücksicht nehmen, soll möglichst viele und gründliche kirchenrechtliche Uebungen mit fernen Schülern vornehmen, Disputationen über die jeweils vorgetragenen Materien abhalten und schriftliche Aufgaben hierüber stellen. In anderen Ländern wird auf Kirchenrecht meines Wissens viel mehr Zeit verwendet, und nach einer Privat- äußerung des Ministers Dr. Frhrn. v. Lutz zu schließen, wollte er noch mit den Bischöfen ins Benehmen treten, um eine neue Regelung der Behandlung des Kirchenrechts auf breiterer Basis in die Wege zu leiten, doch Krankheit und Tod vereitelten die Absicht des Ministers, der eine Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Wenn man bedenkt, welch breiten Raum die Behandlung des Eherechts allein einnehmen muß, welch eine praktische Bedeutung z. B. die Lehre vom Pfründewesen und von der kirchlichen Baupflicht hat, wie es zum richtigen Verständniß mancher Materien nothwendig ist. auch auf die geschichtliche Entiwcklnng des canonischen Rechts, des Eherechts u. s. w.. feMer auf das protestantische und orientalische Kirchenrcch? einzugehen, so dürfte auch ein zweijähriger Cursus mit mindestens vier Wochenstunden nicht zu hoch angeschlagen sein. Die Folianten eines Franziskaners Reisfenstuel, eines Jesuiten Schmalzgrueber und Pirhing, eines Benediktiners Böckhe u. s. w. sollen dem Kandidaten der Theorie nicht völlig unbekannt bleiben. Diese monumentalen Werke beweisen zugleich, eine welch hohe Wichtigkeit die frühere Zeit dieser Disciplin beigemessen hat, wie auch die älteren Compendien des Kirchenrechts im allgemeinen viel umfangreicher als die späteren sind. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Logik- Als Lehrbuch dargestellt von Dr. Ernst Commerz o. ö. Pros. an der Kgl. Universität Breslau. Paderborn 1897. Schöningh. Gr. 8°. S. XIII. 345. Preis M. 5.—. chß Die aristotelische Logik liegt vor uns, kurz und übersichtlich dargestellt nach der conseguenten Entwickelung, welche ihr Albert der Große und Thomas von Aquin gegeben hatten. Nach den Grundsätzen dieser Erklärer der aristotelischen.Schriften sind die psychologischen und metaphysischen Fragen und somit auch die sogen. Erkenntniß- lehre von der Logik ausgeschlossen. Die beigebrachten Stellen (Kleindruck) sind meist den einschlägigen Werken des Aristoteles und der beiden genannten großen Erklärer entnommen. Sie begründen trefflich die knappen Textworte (Großdruck) und sind bestgecignet, den Leser in das Quellenstudium allmählich einzuführen- Das ausgedehnte Verzeichniß der mehrmals angeführten Werke, sowie die Literaturangaben an der Spitze der einzelnen Paragraphen und in den Anmerkungen sollenzu weiteremStudium anleiten und zugleich Fingerzeige für die Geschichte der aristotelischen Logik geben. Mit Umsicht findet sich auch die neuere kritische Forschung verwerthet. Als maßgebende Erklärer sind jedoch nur Vertreter derjenigen Schule gewählt, welche sich von nominalistischen Einflüssen ganz frei gehalten hat. Als Zeugen der stetigen Tradition sind vor allem solche ausgewählt, welche die Geschichte der logischen Streitfragen ausführlich behandeln. Den Uebergang vom Agninätcn auf seinen so bedeutenden Commentator Kaictan vermitteln Soncinas und Savonarola. Kaictans Lehre ist wieder vertreten durch seinen Schüler Javcllus, sowie durch Johannes a 8. 'lAomu und Giovi. Die Ansichten des Dominikus Soto sind wiederzufinden bei Masius, Sanchiez, Lcrma und Ortiz. Javellus, Masius Und Zanardus sind auch wegen ihrer Verdienste um die Erklärung der aristotelischen Texte besonders herangezogen worden. — Zum leichteren Verständniß der Logik gibt die Einleitung eine vorläufige Erklärung von Philosophie und Logik und beschreibt kurz die sogenannten Werkzeuge des logischen Denkens, sowie die zugehörige Methode. Der 1. Theil dann handelt vom Begriff. In 6 Kapiteln werden der Reihe nach auseinandergesetzt die Natur und Eintheilnng des Begriffes, das Wort, die Allgemeinbegriffe (Gedanken- ding, die logischen Gedankengebilde, das Allgemeine), die Prädikabilien (5 höchsten Allgcmeinbegriffe im allgemeinen und einzeln), die Kategorien (obersten Gattungsbegriffe der Dinge, xrakäicamenta — und deren Eigenschaften, die Nachkategorien, xoetpiaeäleamsuta). Der 2. Theil: vom Urtheil. Die 4 Kapitel erklären das Urtheil an sich (Natur. Arten und wesentliche Eigenschaft — logische Wahrheit), die logische Rede, die Aussage (insbesondere die Aussage des Allgemeinen, praeäieatio loAioa, attributio — Natur, Eintheiluug, Regeln), den Satz (Natur, Arten, Bestandtheile: Form, Materie, Quantität, Qualität, Modalität; Eigenschaften der Satztheile und des Satzganzen). Der 8. Theil: von der Folgerung. Die 8 Kapitel behandeln die Folgerung im allgemeinen (Natur, Arten, Gesetze), die beiden Hauptarten: Schluß (Principien, Natur, Theile, Arten) und Induktion (Natur, Gesetze) den beweisenden, apodiktischem Schluß (Principien, Natur, Arten), die nicht beweisenden Schlüsse (Wahrscheinlichkeitsund sophistischen Schluß), die Topik (Auffindung des Mittelbegrisfs, Quellen für Form und Stoff der Folgerung). als Wirkung des beweisenden Schlusses die Wissenschaft (Natur, Gegenstand, Zweck, Unterordnung, Eintheiluug), schließlich die Logik (Bedeutungen, Gegenstand, Natur, Zweck, Nothwendigkeit). — Der Verfasser, hinlänglich bekannt als Herausgeber des Jahrbuchs für Philosophie und spekulative Theologie, sowie durch gediegene philosophische Schriften (z. B. System der Philosophie, 4 Bündchen, 1683/86) bietet auch hier wieder eine gründliche Arbeit. Das Lehrbuch empfiehlt sich durch große Klarheit und Uebersichtlichkeit. Letztere wurde insbesondere dadurch erzielt, daß am Kopfe der einzelnen Absätze deren Inhalt durch markirten Schwarzdruck kurz bezeichnet und die Hauptbegriffe innerhalb des Textes- durch Sperrdruck hervorgehoben sind. Da ein Eingehen auf die älteren kontroversen und eine Auseinandersetzung mit den neueren Logikern über die Grenzen eines Lehr buchs hinausgeht, soll diese Aufgcwe in eigenem Werk'' gelöst werden. — Der Verfasser hält im Einklang mit den Anschauungen Papst Leo's XIII. eine getreue Darstellung der perivatctischen Ueberlieferung in der seit mehr als 600 Jahren bestehenden Schule für das beste Mittel, mit den Vertretern anderer Richtungen in der Philosophie eine Verständigung anzubahnen. Insofern ergänzt das Buch in philosophiegeschichtlicher Hinsicht eine Lücke und liefert zugleich einen anerkennenswerthen Beitrag zur Erkenntniß der fMIosoxüia persmris. Weiß, vi. B. von, k. k. Hofrath, Weltgeschichte, 3. verbesserte Auflage. Lieferung 162—169. Graz und Leipzig 1897. Verlagsbuchhandlung „Styria". Preis der Lieferung 50 kr. — 85 Pf. Der vorliegende Band 21 beginnt mit dem für Preußen unglücklichen Feldzuge von 1806 und reicht bis 1809, eines für die österreichische Armee ruhmvollen Jahres. . Eine Menge wichtiger Ereignisse liegt in diesem kurze» Zeitraume. Der Krieg, in den sich im Spätfahrc 1806 Preußen stürzte, war gerecht und geboten; es zog aber zu spät oder zu früh sein Schwert aus der Scheide und mußte gegen den allgewaltigen Napoleon unterliegen. Dann kämpft Spanien mit Macht und Erbitterung gegen die Einsetzung eines fremden Herrschers. Im Jahre 1809 versucht es Oesterreich, sich der drückenden lleber- macht zu erwehren, und wenn das Ziel auch noch nicht erreicht wurde, so bewies doch die zweitägige Riesen» i 180 Macht bei Aspern, daß der bisher Unbesiegte besiegt werden konnte. Die eingeflochtenen anziehenden Episoden über Generale wie Lannes, Moore, Marinont, La Romaira, Blücher, Gneisenan, Fürst Johann Liechtenstein, über Bolkshelden wie Andreas Hofer, Palafox rmd Schilt, über Geschichtschreiber wie Johannes von Müller und Qormayr, über einschlägige grosse Ereignisse wie den Aufstand in Schweden, die Fahrt der Engländer nach Kopenhagen, anschauliche Schilderungen von Ländern und Völkern, fesselnde Charakteristiken von Staatsmännern wie Stein, Jovellanos, Urguijo, Tallenrand, Caulaincourt, Schwarzenbcrg, Stadion und dem scharfblickenden Metternich, kurz von großen Männern und edlen Frauen, wie die Königin Louise von Preußen und die Kaiserin Ludovica von Oesterreich, machen diesen Band zu einer äußerst interessanten und spannenden Lectüre. Wir empfehlen dieses großartig angelegte Werk allen Freunden der Geschichte anfs neue. Instinkt und Intelligenz im Thierreich. Von Erich Wasmann 8. I. Verlag von Herder in Freiburg. M. 1,30. ? Diese Abhandlung bildet ein Ergänzungsheft zu den „Stimmen aus Maria-Laach" und bietet einen von umfassendem Wissen und scharfer Unterscheidung Zeugniß gebenden Beitrag zur vergleichenden Psychologie. Der Verfasser, der schon früher auf diesem Gebiete mehreres publizirt hat und in vorliegender Schrift vielfach den Einwendungen seiner Kritiker entgegentritt, behandelt ex pi !,t's88u die Begriffe Instinkt und Intelligenz, aus deren Bestimmung und Anwendung die wesentlichsten Differenz- punkte zwischen der älteren und neueren Tbierpsychologie sich ergeben. Die mit großer Klarheit und in vorzüglichem Stil geschriebene Studie Wasmanns wird sicher großem Interesse begegnen. _ Aus dem Tagebuch Kaiser Wilhelms I. Berlin, Verlag von Hugo Stemitz (Charlottenstraße 2). - Dieses Büchlein enthält eine Reihe von bemerkens- verthen Aufzeichnungen Kaiser Wilhelms. Er pflegte nämlich jeden Abend auf einem Blatt Papier Alles zusammenzufassen^ was ihm Wichtiges unter Tags vorgekommen, und diese Blätter mußten andern Tags säuberlich in Reinschrift auf ein Blatt mit dem vom Kaiser gewählten Wahlspruch copirt werden. Einige dieser Auszeichnungen, die sich als letztmilliges Vermächtniß cha- rakterisiren, hat der „Neichsanzeiger" im August 1838 publizirt. Das vorliegende Schriftchen bringt nun einige weitere Aufzeichnungen, die theilweise recht intimer Natur sind. Dabei verfolgt die Schrift eine zum Greifen erkennbare Tendenz: durch die mitgetheilten Aufzeichnungen Parallelen nahezulegen zwischen Wilhelm I. und Wilhelm II., zwischen dem alten und neuen Curs. Dabei fällt alles Licht auf den ersten Kaiser und Bismarck. Es waltet also große Einseitigkeit ob; aber interessant zu lesen ist das Schriftchen immerhin. Der geistliche Mai und geistliche Herbst. Ausgelegt auf das auswendige und inwendige bittere Leiden unseres .. Herrn... Zwei uralte, schöne, auserlesene Büchlein. . . Erneuert durch v. Frz. S. Hattler 8. I. Freiburg i. B., Herder 1897. 12", XII -s- 324. 1,80, geb. 2.50 M. s. Ein recht sinniges Betrachtuugsbüchlcin über die äußeren und inneren Leiden des Herrn, überall mit kern- bafter Nutzanwendung verbunden. Der Text des Büchleins stammt von zwei Verfassern, welche um die Wende des Mittelalters gelebt haben. Es eignet sich für innige chrrstusliebende Seelen, welchen ein Versenken in die Einzelheiten des leiblichen und seelischen Leidens des Herrn an der Hand von Bildern aus der Natur und allegorischen Gestalten keine allzu große Schwierigkeit bietet. Die äußerliche Eintheilung ist in der Weise durch- Zeführt, daß für jeden Tag des Monats Mai und für 35 Tage im Herbst je eine Betrachtung geboten wird. Sehr anerkennenswert!) ist der bildliche Schmuck, be- Das Maifest. Musikalisches Festspiel, gedichtet von G. Pirkl, für Soli, stimmigen Kinderchor und Pianoforte comp. von Ä. Maier. Op. 78. Aner- Donauwörth. Compl. 0,80 M., Stimmen apart 20 Pfg. v. Unter obigem Titel birgt sich ein religiöses Festspiel, eine Weihe jugendlicher Herzen an die Maien- Königin. Der duftige Hauch der Musik, der herzens- warme Ton der Liedertexte in Verbindung mit der Handlung — Bekränzung eines Muttergottesbildes und Fest- zug — werden zweifelsohne unverdorbenen Kinderseelen aufrichtige Freude und innere Erhebung bieten. Dabei ist alles mit den einfachsten Mitteln ausführbar und die Klavierbegleitung selbst von einem ganz mäßigen Spieler ohne besondere Schwierigkeit zu bewältigen. Wer Kindern zum Maimonat reine Freude bereiten will, dem sei das Festspiel angelegentlichst empfohlen. — Zwei stehen gebliebene Druckfehler aus S. 3 und 4 corrigiren sich leicht von selbst. _ Leichen- und Begräbnißpolizei. Von Lor. Aug. Grill, kgl. Bezirksamts-Assessor. Verlag von I. Schweißer (Eichbichler) in München. * Die in Bayern geltenden Bestimmungen in Bezug auf Leichen- und Begräbnißpolizei nebst Dienstanweisung für die Leichenschauer ist der Inhalt dieses Schristchens, das einem Bedürfniß praktisch abhilft, da eine derartige Zusammenstellung der geltenden Bestimmungen auf dem Gebiete der Leichen- und Begräbnißpolizei nicht vorhanden ist. Das Schriftchen wird allen aus diesem Gebiete wirkenden Personen gute Dienste leisten. Es ist gest ausgestattet und kostet nur 75 Pfg. Philosophisches Jahrbuch der Görresgesell» schaft. Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei in Flllda. X. Jahrgang. Das II. Heft enthält u. And.: V. Frins 8. I., Zum Begriffe des Wunders. -- L. Sch ü tz, Der Hypnotismus (Forts.) — I. Uebinger, Die mathematischen Schriften des Nik. Cusanus (Schluß). — A. Lins meier 8. I., Inhalt der chemisch-physikalischen Atomhypothese. — Recensionen und Referate: N. Seeland, Gesundheit und Glück, von C. Gutberlet. — I. Hontheim 8.1., Der logische Algorithmus, von I. Pohle. — E. Wasmann 8. I., Zur neueren Geschichte der Entwickelungslehre in Deutschland, von X. Pfeifer. — Br. Petro- nievics. Der Ontologische Beweis für das Dasein des Absoluten, von C. Gutberlet. — I. Sachs, Grundzüge der Metaphysik, von F. Schmid. — I. Frantz, Das Lehrbuch der Metaphysik für Kaiser Joseph II-, von dems. — I. Thill, Die Eigenthumsfrage im klassischen Alterthum, v. V. Thielemann. — A. Kirstein. Entwurf einer Aesthetik der Natur und Kunst, von A. Pfeifer u. s. w. _ „Studien und Mittheilungen aus dem Benediktiner- und dem Cistcrcicnser-Ordcn." Verlag des Stiftes Raigern (bei Brünn, Oesterreich). Preis per Jahrgang (4 Hefte ca. 48 Bogen) 8 M. — 4 Gulden. Das I. Heft 1897 enthält u. a.: Plaine Bcda (0.8.8. Silos): vs initiia IiowitibiiS mirabilibu8guo per 8ooula inorswsutw 0ultu8 L. Llarias Vir§inis. Vi8gui8itto bisto- rioo-Iitnr§iea. (I.) — Veith, Jldefons (0. 8. L. Seckau): Die Martyrologien der Griechen. (III.) — Ponschab Bernard (0. 8. L. Metten): Das Pontificalbuch Gun- dacar II. und des sel. Utto von Metten. (I.) Willems, D. Gabriel (0. 8. L. Asflighem): 8ebolas Bsusüietiuas 8ivo: Os 8oisntÜ8, opsru Llovavboruw OrPnw 8. Lsve- äieti auetis, oxoulti8, propaxatis st oon8orvati8 ; Inbri guatuor a v. Oäons Ornnbisr, monaoüo /Aüi^eniöQsis Llona8terü Orckinis e.juMom 8. Lsnsäioti. (IV.) — Gaffer, k. Vincenz (0.8. L. Gries): Das ehemalige Benedictiner- stift Scharnitz-Jnnichen in Tirol. — Wagner, Phil., vr. (Berlin): Gillon le Muisi, Abt von St. Martin in Tournai. (II.) — Leistle, vr. David (Dillingen): Wissenschaftliche und künstlerische Strebsamkeit im St. Magnus- stifte zu Füssen. (VII.) — Wittmann, vr. PiuZ (München): Johannes Nibling, Prior in Ebrach (0. (!i?t.), und seine Werke. (II.) — Renz, G. A. (München): Beiträge stehend ,n 19 Vollbildern nach den überaus ansprechenden, ,. .. ...... ^ , innigen Zeichnungen von A. u. L. Seitz. Auch die übrige ! zur Geschichte der Schottenabtei St. Jacob und des Ausstattung ist des berühmten Verlages würdig. _Pr iorates Weih St. Peter (0. 8. K.) in Negensburg. (IX.) Sftrautiv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.