i^>'° 89 22. Mai 1897. Der KimneUten - Orden in den bayerischen Stammlanden. I. Die Karmeliten, welche ihren Ursprung auf den Propheten Mas am Carmel in Palästina und die von ihm begründete Einsiedler-Genossenschaft zurückführen, blieben Jahrhunderte hindurch auf den Carmel und das hl. Land beschränkt, bis die zunehmenden Bedrückungen seitens der Ungläubigen um das Jahr 1240 sie zwangen, sich im Abendlande um Niederlassungen umzusehen. Sie zogen nach Chpern, Sicilien, Frankreich und England und wurden überall auf's beste aufgenommen, waren sie doch aus der Zeit der Kreuzzüge nicht mehr unbekannt. Schon 1245 konnte zu Aylesford in der Grafschaft Kent ein Generalcapitel gehalten werden — das erste, welches im Abendlande stattfand, wobei nach dem Tode des bisherigen Ordensgcnerales Alarms der Engländer Simon Stock zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Von Paris aus, wo ihnen 1260 Johannes Prior von St. Eligius ein Haus anwies, verpflanzte sich der Orden auch nach Deutschland. Köln wurde der erste deutsche Ordenssitz. In Bahcrn war Regens bürg am frühesten zu einer Niederlassung derselbe» gekommen. Im Jahre 1319 hatte Papst Johannes XXII. an die Bischöfe von Salzburg, Regensburg und Passau ein Schreiben gerichtet, den vielfach bedrängten Karmeliten beiziistehen. Ob nun erst in Folge dieses Schreibens, das allgemein gehalten war, Regensbnrg zu einer Niederlassung der „weißen Mönche" kam, wie man sie ihrer weißen Mäntel wegen nannte, welche sie über den braunen Habit trugen, im Gegensatze zu den Augustinern und Benediktinern und Minoriten rc., oder schon früher, ist nicht erwiesen. Erst in einem Protektorium Kaiser Ludwigs des Bayers vom 21. März 1330 wird das Negcnsbnrger Haus des Ordens der seligsten Jungfran vom Berge Carmel genannt. In demselben Jahre empfahl auch Bischof Nikolaus auf einer Diözesansynodc die Karmeliten dem Klerus seiner Diözese. Ihr Aufenthalt in Regensbnrg war jedoch von kurzer Dauer. Ihr Wohnsitz bei St. Oswald litt sehr durch das Hochwasser der Donau, und auch andere Umstände mögen ihnen den Aufenthalt ^verleidet haben. Herzog Albrecht von Bayern, welcher zii Straubing 1856 sich eine neue Residenz (gegenwärtig Kaserne) gebaut hatte und vielleicht um ihre bedrängte Lage wußte, lud sie ein, nach Straubing überzusiedeln, und wies ihnen einen Platz zur Niederlassung an. Papst Nrban V. bestätigte die Stiftung unterm 6. April 1367 auf Bitten des Pro- vinziales Heinrich. Der Bürger und Lehenspropst des zu Straubing begüterten Augsbnrger Domstiftes, Albert Stcinhanff, schenkte den Brudern zum Klosterbau sein Haus nebst Hofraum, weßwegen er auch gewissermaßen als Mitstifter betrachtet werden kaun. Im Jahre 1371, als die Brüder gerade am Kloster bauten, kam Albert selbst nach Straubing, bestätigte durch Urkunde vom 22. Januar 1371 die gemachte Schenkung, verlieh ihnen das Anrecht auf alle Immunitäten und Freiheiten, deren ihr Orden anderswo genießt, auch in seinem Lande. Zugleich gewährte er ihnen die Freiheit, in Niedcrbayern sammeln zu dürfen. 1374 stiftete Herzog Albert mit seiner Gemahlin Margaretha in seiner Hofburgcapclle eine ewige Messe und eine Schloßcaplanet, welche doppelte Stiftung er 1386 an das Kloster überwies. In der Folge erfreute sich diese Stiftung Alberts I. der Gunst verschiedener Sprossen des Wittelsbacher- Hauses; Herzog Albert III., Wilhelm V., Maximilian I. und Ferdinand Maria nahmen sie in ihren besonderen Schutz. Bayerns Herzog Albert III. ließ die Gebeine der unglücklichen Agnes Bernauer aus ihrem ursprünglichen Grabe in der Capelle auf dem St. Petersfriedhofe in die von ihr selbst in ihrer Lebenszeit auserwählte Grabstätte bei den Karmeliten in der St. Nikolaus- Seitencapelle bringen, allein bei dem Umbau der Klosterkirche verschwand diese Capelle sammt dem Grabsteine. Hingegen hat sich das steinerne Hochgrab Herzog Alberts II. (-j- 1397) auch in der neuen Kirche erhalten. Bei der Säkularisation der Klöster in Bayern t. I. 1803 wurde das Karmelitenkloster zu Straubing als Centralkloster dieses Ordens erklärt und das Abensberger Kloster damit vereiniget. Peter Heitzer, geboren zu Straubing 6. April 1777, der Jüngste im ganzen Convente, ein Mann von vielseitiger Bildung, wurde 1815 zum Prior gewählt. Seinem Eifer verdankte das Kloster, daß es der Zerstörung entging und daß König Ludwig I. die Erlaubniß seines Fortbestandes gab. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß gerade zur Zeit der Klosteraufhebung (1603) ein Mitglied dieses Ordens, k. Wcndelin Zink, gebürtig von Mougolding bei Eglofs- heim, in Abensberg einstiger Mitnovize des späteren Priors Peter Heitzer, von der Propaganda in Rom auf den Missionsposten zu Stralsund bestimmt wurde, in welcher Stellung er 37 Jahre lang wirkte, bis er am 29. Mai 1840 einem Schlagflnsse erlag. Kaum daß das Kloster neuverjüngt aus dem Säculari- satioussturme hervorgegangen, wurde das Ordensreis auch schon nach Amerika verpflanzt, k. Cyrill Knall, geboren zn Schellmberg, Diözese Regensburg, 8. Oktober 1813, und am 3. Juli 1838 zum Priester geweiht, seit 1850 Profeß des Karmeliten - Ordens in Straubing, kam am 8. Juni 1864 nach Amerika, begründete 1868 in Cumber- land, Erzdiözese Baltimore, eine Missionsstelle, welche in der Folge die Kapuziner übernahmen. Er wurde sodann 1882 Prior des Klosters Leaveuworth in Kansas und wirkt gegenwärtig als Pfarrvorstand an der St. Bouifaz- kirche in der Stadt Scipio, Diözese Leaveuworth, an der Seite von drei Mitbrüdern, während drei andere in der Stadt Pittsburgh thätig sind. In Straubing versehen die Karmeliten auch die Seelsorge am nahen Wallfahrtsorte Soßau. Wahrscheinlich von Straubing aus erhielt das Karmelitenkloster zu Abensberg seine ersten Bewohner. Gründer desselben ist Graf Johannes. Am 27. März 1389 übergab derselbe den Karmelitenbrüderu eine Hofstätte sammt Baumgarten als Bauplatz, sowie einige Einkünfte, und empfahl die Stiftung seinen Geschlechts-An- gehörigen. Bereits am 7. September 1391 ratihabirte Bischof Johann I. von Regensburg die Bulle des Papstes Bonifaz IX., worin ihnen die kirchliche Erlaubniß für die Niederlassung gegeben ward. Im gleichen Jahre bestätigten auch die Herzöge von Bayern die klösterliche Siedelung. 1485 betrauerten die Klosterbrüder in ihrer herrlichen dreischiffigen Kirche den Tod des letzten Abcus- 198 berger Grafen Nikolaus, welchen Herzog Christophs Kämpe Seitz Frauenbcrger bei Freistng am 28. Februar meuchlings niedergestreckt, dafür, daß er zur Gefangennahme des Herzogs seinerzeit mitgeholfen. Seine Grab- capclle sowie der gothische Kreuzgang mit seinen Denksteinen erregt noch heute tünstgeschichtliches Interesse. Mit dem Kloster ivar auch eine Schule verbunden, und hier legte der am 14. Juli 1477 geborene Johann Thnrmaier, Bayerns berühmter Geschichtsschreiber, die Anfangsgründc seines Wissens. Die Klöster Abensberg und Straubing gehörten der ältern Regel vom Berge Carmel an, welcher in der Folge, besonders seit Papst Eugen IV., große Milderungen zugestanden waren. Durch die hl. Theresia (st1582) und den hl. Johannes vom Kreuze (st 1591) wurde die ursprüngliche Regel in ihrer ganzen Strenge wiederhergestellt, und der neue Aufschwung, den der Carmel-Orden nahm, kam auch Bayern zu Gute. Im Jahre 1620 begann der Krieg Oesterreichs und Bayerns gegen das protestantisch resp. calvinisch gewordene Böhmen, das der sogenannte „Winterkönig" Churfürst Friedrich von der Pfalz in Besitz genommen hatte. Maximilian I., Herzog und nachmaliger Churfürst von Bayern, hatte sich im Jahre 1619 von Papst Paul V. den wegen seines hl. Lebenswandels berühmten Barfüßer- Karmeliten - Ordensgcneral k. Dominikus a Jesu zur glücklichen Führung des böhmischen Krieges erbeten. Dieser mit seinem Geschlechtsnamen Domingo Ruzzola, geboren zu Calatajud in Aragonien am 16. Mai 1559, hatte in Spanien und Italien überaus segensreich gewirkt, als er 60 Jahre alt aus Gehorsam gegen das kirchliche Oberhaupt nach Bayern reiste. Jin Oktober 1620 zog Dominikus a Jesu mit Maximilian von Schärding aus nach Böhmen und erschien, Alles begeisternd, auf einem Schimmel reitend, mit einem Crnzisix in der Hand und das zu Strakowitz gefundene Bild der Geburt Christi, an dem die Calvinisten den Figuren Jesu und Maria die Augen ausgekratzt hatten, auf der Brust, mitten unter den Streitern in der Schlacht am weißen Berge bei Prag (8. Novbr. 1620), wo Maximilian I. den vollkommensten Sieg an eben dem Sonntage, da es im Evangelium heißt: „Data Oaosari, gnoä Osovaris," gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, über Böhmen gewann. In dankbarer Erkenntniß der großen Hilfe, welche durch das Gebet und das mnthige Eingreifen des heilig- mäßigen Mannes Bayern und Oesterreich zu Theil geworden, wetteiferten die Fürsten beider Länder, die Dankesschuld dem Orden abzutragen, welchem Dominikus a Jesu angehörte. Sowohl in Wien in der Leopoldstadt, als auch in Prag erhoben sich auf Veranlassung Kaiser Ferdinands Niederlassungen der rcformirten Barfüßer- Karmeliten. In München kam eine solche Ansiedlung erst im Jahre 1629 nach dem Friedensschluß von Lübeck zu Staude. Am 1. November trafen aus dem Kloster an der Kleiuscite zu Prag die ersten zwei Karmeliten, k. Felizian a S. Bartholomäo und ?. Dominikus a S. Nicolao, sowie zwei Laicnbrüder ein. In dem herzoglich Wilhelminischen Palaste, der sogenannten Herzog Maxburg, wurde ihnen eine Jnterimswohnung angewiesen und ihnen das nahe gelegene St. Nikolanskirchlein für gottcsdienst- liche Funktionen eingeräumt. Doch dauerte es bis zum Jahre 1650, bis die Karmeliten zu einem Klostcrbau schreiten konnten. Nachdem ihnen Churfürst Maximilian zwei kleine Häuser sammt Hofräumen, 8 Stefften Wasser rc. am Ecke der St. Nikolauskirche und des Churfürsten Bruder Herzog Albert VI. den Anbau an seinem Palaste und den östlich gelegenen Garten an der Maxbnrg geschenkt, so daß das ganze Quadrat, wie wir es jetzt sehen, den Karmeliten gehörte, wurde mit dem Abbruch des St. Nicolauskirchleins begonnen und Kirche und Kloster von Grund aus neu aufgeführt. Churfürst Max I. starb unerwartet am 27. September 1651, und da dessen Sohn Ferdinand Maria noch nicht großjährig war, verzögerte sich der Bau um einige Jahre. Endlich legte der Oheim desselben am 3. Mai 1654 den Grundstein zum Kloster und Churfürst Ferdinand Maria zur Kirche am Magdalenentage 22. Juli 1657. So hatten nun die Barfüßer-Karmeliten in München einen festen Wohn» sitz gefunden, und 142 Jahre lang sollten sie im Genusse desselben verbleiben. Bis zum Jahre 1729 befand sich hier auch das Provinzial-Noviziat, in welchem Jahre es nach Schongau verlegt wurde. Im 17. Jahrhunderte wollten auch die „beschuhten Karmeliten", welche in Altbayern nur in Straubing und Abensberg bestanden, in München ein Kloster begründen, ein Project, das sie noch einmal im Jahre 1780 aufgriffen, wo sie das Baron Hörwarth-Hans auf dem jetzigen Promenadeplatze ankauften und bereits 2 Patres in demselben wohnten; allein ihre Sache hatte hier kein Gedeihen, während die »»beschuhten Karineliten bei den Münchnern alles Vertrauen genossen. Im Jahre 1802 brach der Säcularisationssturm auch über dieses Kloster herein. Unter dem Prior k. Thomas a S. Bernardo standen 31 Patres und 4 Fratres; sie wurden, soweit sie nicht dem Weltklerus sich einreihen ließen, in das Franziskaner-Kloster zu Straubing zum Absterben versetzt, die Klostergebände aber für Studienzwecke in Anspruch genommen und das sogenannte alte Gymnasium und Lyceum in dieselben verlegt. Die herrliche Kirche wurde durch Baudirektor Niklas von Schedl und Banrath Vorherr „entklöstcrt", die schöne Fcnzade ihrer Statuen und Inschriften beraubt, das Innere pnritanisirt, die Klostergruft, in welcher auch der bayerische Geschichtsschreiber und chnrfürstliche Kanzler Johann Adlzreiter (st 1662) seine Ruhestätte gefunden, in rohester Weise entleert. Dreizehn schöne Gemälde, welche die Klostergründung und Wunderthaten des gottseligen Dominikus a Jesu darstellten und einst die Klostcrräume schmückten, wanderten in die Schleißhcimcr Gallcrie und kamen erst im verflossenen Jahre 1895 wieder nach München zurück — aber nicht, wie zu erwarten stand, in ihr ursprüngliches Heim, in das nunmehrige kgl. Erziehungsinstitutsgebäude, sondern in die neue Tanbstummen-Anstalt durch die Bemühungen ihres vortrefflichen Leiters. (Fortsetzung folgt.) Vergessene Audechser. F. Jauncr hat in seiner vortrefflichen Geschichte der Bischöfe von Negensburg Band I Seite 425 ff. die Vermuthung ausgesprochen, daß Bischof Gebhard I. von Negensburg (reg. 995 — 1023) der Familie der Audechser angehört habe. In der That lohnt es sich, seine Argumentation näher zu betrachten. Sie ist in Kurzem folgende: Bischof Gebhard I. hatte nach Thicimar V, 16 einen Bruder Namens Otto, der Ende 1002 durch seine 199 Flucht am Passe Ongara im Brcntathale die Niederlage einer deutschen Heeresabtheilung unter Herzog Otto von Körnten verschuldete (siehe Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, 5. Anst. II. Bd. S. 31). Dieser Otto darf nicht mit dem von Thietmar als Theilnehmer an demselben Zuge erwähnten gleichnamigen Sohn') des fränkischen Grafen Hcribert (Bruders des Herzogs Konrad von Schwaben, gestorben 997) verwechselt werden, dessen Bruder Gebhard bereits im Jahre 1016 starb (siehe Thietmar VII, 34, der sein Vetter war) und darum mit dem Bischof Gebhard nicht identisch sein kaun. Vielmehr deutet alles, was wir sonst von ihm und Bischof Gebhard wissen, auf bayerische Abstammung hin. Im Nekrologium von Thierhaupten wird Bischof Gebhard neben seinem Bruder Rapoto als zweiter Gründer dieses Klosters bezeichnet.2) Aus einer anderen Urkunde, die leider nicht ihrem Wortlaut nach bekannt ist, erhellt, daß er mit eben diesem Rapoto das Kloster Prül bei Regensburg im Jahre 997 neu fnndirte/) Die Namen Otto, Gebhard, Rapoto sind aber gerade in der Familie der Andechser hergebracht. Dazu kommt, daß Bischof Gebhard erweislich Erbgut in Tirol und zwar im Nork- thal besaß, wo die Andechser reich begütert waren. Nach einer Urkunde nämlich, die zwischen 1006 und 1023 anzusetzen ist (s. Meichelbeck Ihn. 1170), tradierte Bischof Gebhard dem Bischof Egilbert von Freising (reg. 1006 bis 1040) zum Besten der Kanoniker dieses Stiftes alles- was er inro üoroäiturlo im Orte Uogian (Layen südlich von Klausen) besaß, unter der Bedingung, daß ihm sowohl IwZian als die umliegenden Ortschaften karxiun (Barbian), Lutsis (Tschutsch), lioreo (Tiers), Aldiun (Albions), Bunurois (Tanirz), Bsevis (Tschöfas), l'susis (Tschötsch), 8eZ63 (Seis) und ein Wald im Grödner- thale (der sogenannte Pontifeserwald, benannt nach den Bischöfen von Freising) mit allen Nutzungen, wie sie von Graf Otto seligen Angedenkens den obengenanten Kanonikern übergeben worden wareiU), zum lebensläng- ') Dieser ist der bei Thietmar V, 21 (zum I. 1003) erwähnte Bruder der Gerberga, der Gattin des Markgrafen Heinrich von Schweinfnrt, der v. O. II, 98 (975), 208 (979), 284 (982); v. O. III, 334 (999), 361 (1000); 21. 8. 28 a S. 304(1002), 390(1008). 458 (1016), wie sein Bruder Gebhard - s. 21. 8. 28 a S. 427 (1010) - als Graf im fränkischen Grabfeld (und in der Wetteran) bezeichnet wird. Sein Vater Heribert war Graf im Kinziggau, s. v. O. II, 128 (976). Der 21. 8. 31a S. 294 (1019) erwähnte Graf Otto im Engcrisgan ist Otto von Hammerstein, den Thietmar VIII, 5 ebenfalls seinen Vetter nennt, er ist also wohl eine und dieselbe Person mit dem obigen. Sein Sohn Udo starb im Jahre 1034 (s. ^nnal. Tllläss- keim. zu diesem Jahr), seine Tochter hieß Hicila; s. 21. 8. 28 a S. 510 (1024). ") S. 21. <4, UsoroloK. Oorm. I, 38 u. 39. b) S. Mausoleum (Ratisbona monastiea) Slusg. 1752 S. 236; vgl. Lxoorpta HUabsnsia z. I. 998 (21. O. 8er. IV, 36), Lvn. Oarstsnsss, ^ämuutouseo, 8. Uuclbsrti 8sUsbui-K6N868 z. I. 1003 (21. 6. 8er. IX, 567, 574, 772). <) S. Meichelbeck Ib n. 1153 (vor 6. Mai 1006 dem Todestag des Bischofs Gottschalk von Freising), wo außer den genannten Orten auch noch Vkkirieba (Aufkirchen bei Erding) und Lxarmr68lni8a (Ebertshausen bei Brück a. d. A.). ferner Höfe im Stubaithale (intor alpoo aä 8tn,,sw) und am Terrenterberg im Pusterthale (in monto Torsnto) und ein Weinberg bei Bozen genannt werden. Eine weitere Aufzeichnung in Freising (s. Obb. Archiv Äd. 34 S. 302 f. Nr. 151) führt noch Höfe in valls Vintulla (Ober- und Nieder-Vintl im Pusterthal am 'Ausgang des Pfunders- thals) an. Zum Ersatz hicfür wurde Otto vom Stifte Freising die enrris (lorollisdaeit (Gerolsbach im Landgerichte Schrobcnhansen) aus Lebenszeit zum Nutzgeuuß überlassen. lichen Nießbrauch überlassen würden. Erst »ach seinem Tode sollte das Ganze an die Frcisingcr Kirche zurückfallen. Hieraus dürfen wir wohl schließen, das; Bischof Gebhard gewisse in naher Verwandtschaft begründete Ansprüche auf diese ehemaligen Besitzungen Otto's hatte, oder mit anderen Worten: Jener Graf Otto seligen Angedenkens war eben kein anderer als der (vor dem Jahre 1023 verstorbene) Bruder des Bischofs Gebhard, der vielleicht gerade wegen seiner schimpflichen Flucht und nicht so sehr wegen begangenen Jncests (unerlaubter Ehe), wie es in einem Diplome König Heinrichs III. (Neubnrg a. D. 10. Dez. 1055F) heißt, noch vor 1006 (s. Anmerk. 4) dem Strafgerichte verfiel. Näheres über ihn erfahren wir aus Brixencr Dokumenten, in welchen er als Graf im Norithal und Pusterthal (und Untcr- innthal) aufgeführt wird/) Neben ihm tritt in denselben Gauen ein Graf Rapoto auf,') in welchem wir wohl den oben erwähnten zweiten Brnder deS Bischofs Gebhard zu suchen haben, wie deßgleichen in jenem Rapoto, der durch Nichterspruch seiner Besitzung Ufchiricha in der Grafschaft Arnolds von Diessen verlustig ging/) Hatte etwa auch er an jener schmählichen Flucht theilgeuoinmen? Vermuthlich gehört auch der nodilis üoiao Ilatpot mit dem. Beinamen Tassilo hicher, der dem Kloster Tcgernsee unter Abt Bereugar (1008 — 1017) alles, was er väterlicherseits als Erbe in den beiden Dörfern (Kirch-) Stockach und (Ober-) Haching (zwei anerkannt andechsischcu Besitzungen) inne hatte, überwachte/) Zwar fochten Ekkehard und Jakob als nächste Erben diese Verfügung an, doch ließen sie sich durch Zureden bestimmen, gegen eine Entschädigungssumme von 5 Talenten von ihren Allsprüchen zurückzutreten, wie die Grafen Friedrich, °) S. 21.8.29a S. 123. Hier wird er (wohl irrthüm- lich) als Markgraf bezeichnet; vgl. S. Riezler in Forschungen z. d. G. Bd. 18 S. 532 f., der an Otto von Scheuern denkt. Aber der 21.8. 28» S. 451 u. 13 S. 352 in Urkunden aus dem Jahre 1014 und 1040 als Graf im Kelsgau aufgeführte Otto ist, wie schon Oefele in Sybel's histor. Zeitschrift Bd. 43 Jhrg. 1880 S. 136 bemerkt hat, kein anderer als der bekannte Otto von Schweinfurt, vgl. 21. 8. 23» S. 361 (1007), wo für in l>» 8'0 llorsvun offenbar in poxo XortMv oder Xortgsw zu lesen ist (es handelt sich um Holzheim im Nordgau, südlich von Burg- lengenfeld). Der 21. 8. 15 S. 160 z. I. 1036 als Graf im Donaugau bezeichnete Otto ist ein Sohn des Burggrafen Ruvert von Regensburg, der im Jahre 1060 Bischof von Regensburg wurde (gest. 1089). °) S. Resch, Ann. 8abion. II S. 650 f. ooä. äiplom. 8rix. sub. 8 . Alvnino (reg. 976—1006) n. 11 (zw. 982 u. 987), 13, 25, 47. 51. 71 (zw. 1002 u. 1006). ') S. Resch a. a. O. n. 15, 47. 67. 68. 69 (hier wird auch ein Sohn Rapoto's, Namens Konrad. erwähnt, der aber vor ihm starb). Schon unter Bischof Wisunt (gest. 956) ist Rapoto an erster Stelle Zeuge, als Irininlint (seine Mutter?) alles was sie in Vsi'AL im Öuosigan (in x»8o bno8i) in Bauern hatte, an das Bisthum Säben schenkt; desgleichen bei der Erneuerung dieser Schenkung unter B., Richpert (vor 962) s. Resch a. a. O. S. 457 f. Eben diesem Bischof (gest. 976) übergab Rapoto zum Besten der Kanoniker in Brixen zwei Huben in Tülls (— Tils oberhalb Brixeu) aus seiner väterlichen Erbschaft s. Resch a. a. O. S. 522 f. Vgl. auch den oomss Uatpoto in v. O. II, 165 und v. 0. III, 1. Jener Rapoto, der in einem Diplome Ludwigs des Kindes 21. 6. 28» S. 125 (901), s. Mühlbachcr, 8eA. Xarol n. 1945. als Graf im Norithal erscheint, war wohl sein Großvater. «) S. 21. 8. 28» S. 464 f. Am 28. April 1017 schenkte. K. Heinrich II. dieses confiscirte Gut an das Bisthum Bambcrg. ^ ^ ^0f.: vgl. Meichelbeck Id v. 1182b und o. Obb. Archiv B. 34 S. 309 Nr. 176. 200 Meginhart,'") Razo (— Rapoto),") lauter Andcchser, bezeugten. Trifft diese Combination zu, so dürften Otto, Geb- hard, Rapoto als Bruder des Grafen Arnold von Liessen anzusehen sein. B. Scpp. Alte Glasmalereien am Bodensee und seiner Umgebung. v. Wir haben unter obigem Titel vor einigen Jahren über alte Glasmalereien berichtet (vergl. „Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensce's und seiner Umgebung", 20. Heft, Lindau 1891, S. 52 ff., und „Archiv für christliche Kunst", Stuttgart 1891, Nr. 8 S. 74 ff.), Welche sich im ehemaligen Kloster Höfen bei Friedrichshafen, jetzigem Sommer - Nesidenzschloß des Königs von Württemberg, in der benachbarten Kirche von Eriskirch am Bodensee und in der Frauenkirche zu Ravensburg befinden. Unterdessen ist uns in letzter Zeit eine weitere Sammlung bekannt geworden, welche sozusagen neu entdeckt und zugänglich geworden ist und die hier zum erstenmale weiteren Kreisen in eingehenderer Weise pnblik gemacht werden soll. Es ist die Collection alter Glasgemälde — über 50 Stück —, welche sich in dem dem Grafen Douglas gehörigen Schlosse Langenstein, eine Stunde von der Eisenbahnstation Nenziugen bei Stockach (Baden), befinden. Die Scheiben sind hochinteressant nicht allein wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihrer Technik und ihrer Herkunft. Um gleich bezüglich ihrer Provenienz das Nöthige zu sagen, ist es schon kunstgeschichtlich von hohem Interesse, constatiren zu können, daß es meistens Kirchenfenster waren, welche einstens in der Karthänser-Kirche zu Klein-Basel standen, das bekanntlich bis 1802 zum Bisthnm Konstanz gehörte und welche von elsässtschen, Baseler und Breisgauer Adelsfamilien gestiftet worden sind. Als die Bilderstürmer in Basel 4527—29 diese Kirche protestantisch machten nnd die Altäre herausschafften, haben die genannten Adelsfamilien und Stifter diese Fenster aus der Kirche herausgenommen Ünd sie nach der hochberühmten Benediktiner-Abtei St. Blasten im Schwarzwald transportiern lassen. Dort wurden sie wieder als Kirchenfenster eingesetzt und aber, stm paffend verwendet werden zu können, an den Rändern gestutzt, während die Figuren selbst bis auf einzelne .Scheiben vollständig intakt geblieben sind. Später kamen sie auch wieder aus dieser Kirche heraus und wurden, jedenfalls seit 1698, auf dem Speicher des St. Blasianer Gymnasiums aufbewahrt. Dort wurden von Studenten des Gymnasiums vielfach ihre Namen in die schwarz- schattirten Theile der Figuren und Umrahmungen, allerdings ganz klein und für die Ferne unsichtbar, einge- ' - - Ein Meginhart wird in Brixener Urkunden unter Bischof Album als Vogt des Stiftes Brixen aufgeführt, f. Resch a. a. O. v. 83 und 36; vgl. v. 47, 48, 58. Er ist wohl identisch mit jenem Meginhard von Giltichingen, der im I. 1011 ein von Graf Ernst und dessen Gattin Adelheid an Kl. Tegernsee geschenktes Gut m iprentas l-- LrenS südl. von Sterzing) für sich beanspruchte, s. Ll. V. 6 S. 9 f. Oefele, Gesch. d. Gr. v. Andechs S. 12 u. 4; vgl. Obb. Archiv Bd. 34 Nr. 69. 102, 121, 181. V Vergl. Ueorolos. s. Luäb. Salisd. zum 18. Juni (dl. T Aoerol. Sonn. U, 1. 144, XIV Kai. (ckul.) Ratxoto ob.: Roorol. vissssnss zum 19. Juni (a. a. 0.1.20) lal.) Rsrs oow. ob. cmj osuobiuw in V7orcks k: Oefele. Gj" ' d. Gr. v, Andechs S. 12 v. 3; kritzelt. Die älteste dieser Einkritzeluugen trägt die Jahreszahl 1698. Nach der Aufhebung der Benediktiner-Abtei St. Blasien 1807 kamen die Glasgemälde nach Schloß Langenstein, blieben aber hier unbeachtet bis in die neueste Zeit in einem Gelasse stehen. Wir wollen die Scheiben in der Reihenfolge besprechen, wie sie zusammengehören, und es lassen sich dann fünf Serien unterscheiden. 1. Die erste Serie hat zur Darstellung die Kreuzigung Christi, ein sogenanntes Misericordienbild und eine mator äolorosa. Die Kreuzigungsgruppe ist in drei Abtheilungen gegeben: das Mittelfenster enthält Christus am Kreuz, dessen Fuß von der hl. Magdalena umfaßt wird, die wehklagend zum sterbenden Heiland hinaufschaut. Als weitere Persönlichkeit in dieser unmittelbaren Nähe des Kreuzes sehen wir die zwei Kriegsknechte, von denen der eine, Longinus, die rechte Seite des Herrn öffnet, der andere, Stephaton, ihm den mit Essig gefüllten Schwamm reicht. Oberhalb des Kreuzes lesen wir die Inschrift: Hoäis meouin eris in xaraäiso. Die beiden Seiten- theile zeigen die zwei Schacher, deren Kreuze etwas niedriger und ll'-förmig gestaltet sind; sie sind nicht wie Christus an das Kreuz angenagelt, sondern ihre gewaltsam verrenkten Glieder sind mit Stricken angebunden nnd zwar in der Weise, daß die Querbalken zwischen dem Rücken und den Händen hindurchgehen. Der rechte Schächer wendet flehentlich sein Angesicht dem Heilande zu und ruft, wie die große, von seinen: Haupte ausgehende Vandrolle besagt, die Worte aus: memonto naei Vviuins 8i vanaris in koZnuin 7'num. Unten steht, aufblickend zu ihrem sterbenden Sohne, die heilige Jungfrau mit Johannes, der selbst in tiefster Betrübniß doch in zartester Weise für ihre aufrechte Stellung besorgt ist. Das Fenster zur linken Seite des Herrn hat den verzweifelnden Schächer, der seinen Blick vom Erlöser abwendet, den Typus der verstockten Sünder; er ruft eben die Worte aus: si tu es Lllristus salvn uos et ts. Unten sieht man den heidnischen Hauptmann in ritterlicher Rüstung zu Pferd, der betheuernd ausruft: Vers Äius cisi ernt iste, während auf dem Boden sitzend oder knieend eine Gruppe von Kriegsknechten um den Rock des Herrn würfelt. Die zweite Darstellung dieser Serie zeigt einen sogenannten Schmerzensmann oder, wie das Sujet auch genannt wird, ein Misericordien- oder Erbärmde- bild. Das Mittelalter hat nämlich, außerdem daß es den Heiland in den verschiedensten Phasen seines Leidens abgebildet hat, noch ein Bild erfunden, in welchem wie in einem Compendium die gesammte Passions- und Todesgeschichte des Heilandes gleichsam noch einmal zusammengefaßt nnd in einem Bilde dargestellt wird. Wir könnten es das Porträt des leidenden Heilandes nennen. Dieses Porträt kehrt in verschiedenen Variationen wieder und war besonders im Mittelalter, aber auch noch bis in .die neuere Zeit beliebt. Das Bild ist dem Laas doiuo! in mehrfacher Hinsicht ähnlich, aber nicht mit ihm zu verwechseln. Man sieht auf ihm Christus mit den Wundmalen, entweder im Mantel frei oder am Fuße des Kreuzes oder in halber Figur im Grabe stehend, die Hände übereinander gelegt oder auf seine Seitenwnnde zeigend, umgeben von den Marterwerkzeugen. Hier sehen wir ihn mit ausgebreiteten Armen vor dem Kreuze stehend, an dessen Querbalken die Eeißclwerkzenge hängen. Er trägt die Dornenkrone, und in seinem Angesichtc erkennen 201 wir den freiwillig leidenden, vollständig Gott ergebenen Heiland, eine Auffassung von hohem, erhabenem Ernste. Das Gegenstück von diesem Bilde ist eine runter äoIvEL, die, ein Schwert in ihrem Herzen und die Hände kreuzweise gefaltet, dasteht, freiwillig theilnehmend an dem göttlichen Opfer, eine Anffassungsweise, die so sehr der Würde und Standhaftigkeit der hl. Jungfrau entspricht. Der Schmerz, der ihre Seele dnrchdringt, ist auch in ihrem Angesichts mit unsagbarer Erhabenheit und Größe gegeben. Dem Bilde ist der Vers Jacoponc da Todi's beigegeben: Ltnbnt runter ttolorosn etc. Unten kniet in meisterhaft gezeichnetem Porträt der Donator, vor ihm der Buchstabe mit drei Sternen. Was die technische Ausführung dieser und mich der drei folgenden Serien der Glasgemälde anlangt, so gehört diese noch ganz der zweiten Periode der Glasmalerei an und finden wir auch nur die Errungenschaften dieser Periode, das Knnstgelb und das Ausschleifen des sogenannten Ueberfangglases, angewendet, obgleich, wie wir sehen werden, die Fenster schon dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts angehören. Diese zweite Periode der Glasmalerei wurde nämlich durch zwei wichtige Erfindungen eingeleitet, welche ungefähr gleichzeitig um die Mitte des 14. Jahrhunderts gemacht wurden und die einen großen Umschwung in der Glasmalerei, zwar nicht plötzlich und auf einmal an allen Orten, aber doch nach und nach überall bewirkten. Während man bisher als einzige Schmelzsarbe, d. h. als eine Farbe, die man auf Glas aufmalen und mit demselben unzertrennlich und unzerstörbar durch Einbrennen vereinigen konnte, nur das Schwazloth kannte, so erscheint jetzt neben diesem das sogenannte Knnstgelb (Silbergelb), eine gelbe Malfarbe, aus Schwefelsilber bestehend, welche man ebenfalls auf den Gläsern durch Einbrennen befestigen konnte. Es hatte dieses Kunstgelb zudem noch die Eigenschaft, daß es die einzige Malsarbe ist, die, auf weißes Glas aufgetragen, dieses zwar gelb färbt, aber vollkommen durchsichtig läßt, so daß die Brillanz des alten Kathedralglascs nicht verloren geht. Eine weitere Erfindung dieser Periode war sodann das Aus- schleifen des sogenannten Ueberfangglases. In den Fenstern aller Perioden ist nämlich, wie auch heute noch, das rothe Glas Ueberfangglas d. h. weißes Glas mit einem aufgeschmolzenen Häntcheu rother Glasmasse. Man nahm nämlich zuerst weißes Glas auf die Pfeife, tauchte dieses in den Tiegel mit der geschmolzenen, roth gefärbten Glasmasse und blies dann eine Scheibe, in späterer Zeit einen Cylinder, der auf dem Streckherde zu einer Tafel ausgestreckt wurde. Die gefärbte Masse geht mit, d. h. sie breitet sich gleichmäßig über die weiße, dickere Glastafel aus, und man hat jetzt eine Scheibe, welche durchaus die bezügliche Farbe zu haben scheint, in der That aber nur mit einem dünnen Ueberzug der Farben bekleidet, „überfangen" ist. Diese Operation mußte deßhalb vorgenommen werden, weil eine weiße Scheibe in ihrer ganzen Stärke roth zu färben zu schwierig ist: das einzubringende Metalloxyd, in geringem Verhältniß zugesetzt, hat nämlich die Eigenthümlichkeit, sich einer gleichmäßigen Vertheilung in der Glasmasse zu widersetzen. Das Ausschleifen des rothen Ueberfangglases geschah nun dadurch, daß auf der roth überfangenen Scheibe das farbige, rothe Häntchen stellenweise weggenommen wurde, was bewirkte, daß auf rothem Grunde eine weiße Stelle, sei es eine Zeichnung u. dgl., erschien. Von diesen beiden Erfindungen, dem Silbcrgelb und der Technik des Ausschleifens, ist nun gerade bei unsern Scheiben auf Schloß Langenstcin ein so merkwürdiger Gebrauch gemacht worden, daß man bezüglich der Technik hier wohl die höchste Stufe der Vollendung erreicht sieht. Nur allein durch diese beiden technischen Mittel nämlich brachte der Glasmaler eine solch vollendete Modellirung der Figuren, solche Niiancirnngen und scheinbaren Reichthum in der Farbe hervor, wie man sie sonst nur an der späteren Kabinetsglasmalerci, die mit Emailfarben aller Art zu arbeiten im Stande war, oder an Gemälden auf Leinwand gewohnt ist. Und doch ist noch keine weitere Schmelzsarbe angewendet als das Silbergelb, während alle andern Farben aus in der Fritte gefärbten Gläsern hergestellt sind. Dazu kommt die weitere Merkwürdigkeit in der Technik dieser Fenster, daß, obgleich nur in der Masse gefärbte oder überfangene Hüttengläser angewendet sind, wir doch Scheiben in so großen Tafeln finden, wie sie der Glasmacher auch des spätern Mittelalters noch nicht herzustellen vermochte. Kurz, wir haben in technischer Beziehung wohl fast ein Unicum in der Kunst der Glasmalerei hier: die noch mosaikartige Behandlung der zweiten Periode der Glasmalerei bringt hier Einzelbilder und ganze Compositionen mit allen Niiancirnngen der Farbe, mit möglichster Natnrwahrheit und vollem Realismus in allen Formen hervor. Nun aber drängt sich die Frage auf: wo sind wohl diese Kunstwerke ausgeführt worden, und wer mag wohl der Meister sein, der die Kartons zu diesen Fenstern gezeichnet hat? Im Mittelstücke der Kreuzigungsgruppe lesen wir in einer später unten eingefügten Inschrift die Worte: „Lerubnräo Lotestcümo ab. Eartbusins xntr» Ouiieliuus VVoIkgauZrw et 6ournclu3 Zerrunuo t'ratrr ao Lerubaräus Lotrsteiiuus zuris utriusyus äootor patruo das x>in8 iruagiues nvitne Aeuti8 uobilitntie mZuuiu et nriun xosuit. äuuo 1563." Das Fenster war ursprünglich von Johann von Botzheim, Domherrn in Augsburg, für die Hanskapelle im Botzheimer Hof zu Konstanz gestiftet. Nach dem Abfalle von Konstanz kam es nach St. Blasien und wurde laut obiger Inschrift von 1563 von den Botzheimer Erben dem Kloster geschenkt. Wir werden also die Glasmalereianstalt wohl auch in der Nähe des schwäbischen Meeres, etwa im Kloster Salem, vielleicht in St. Blasien selbst, zu suchen haben. Bezüglich der künstlerischen Darstellung der drei besprochenen Bilder läßt sich nur das eine als gewiß und sicher hinstellen, daß derjenige, der diese Compositionen entworfen und gezeichnet hat, ein Künstler von ganz bedeutendem Range sein muß. Die Krenzigungsgruppe ist ein großartig herrlicher Entwurf; klar, symmetrisch zeigt das erhabene Drama neben einem edlen Realismus eine große religiöse Vertiefung in den Gegenstand. Wenn man die Tongebung, besonders in der Carnation der einzelnen Figuren, die Darstellung der Kriegsknechte und die ganze Anffassungsweise des Hauptbildes der Passion mit den diesbezüglichen Darstellungen von Holbein dem Aeltern vergleicht, wie sie die betreffenden Bilder und Zeichnungen in Augsburg, Basel und an andern Orten zeigen, so würde es für uns keine Ueberraschung sein, wenn diese Vermuthung früher oder später einmal durch eine litcrarische oder zeichnerische Notiz zur Gewißheit ! würde. (Schluß folgt.) 202 Nedei vr.Sepp's „Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Palästinafahrt". Professor Dr. Sepp hat in Beilage 10 und 11 auf meine Besprechung seines Buches replicirt. Da die verehr!. Redaction es mir freigestellt hat, darauf zu erwidern, so will ich von dieser Erlaubniß auch Gebrauch machen. In Beilage 10 vertheidigt Sepp aufs Neue seine Gleichung Mnrieh — Kapharnaum. Wesentlich Neues bringt er nicht bei. All' das stand bereits in seinem Buche zu lesen, der Wiederabdruck der alten Gründe hat mich nicht mehr überzeugen können, als die erste Lectüre. Die Frage, wo Kapharnaum zu suchen sei, ist noch immer nicht entschieden und kann mit dem vorhandenen Material auch nicht sicher entschieden werden. Den Stand der Frage, die Gründe pro und contra Minieh und Tellhum hat bereits 1878 Dr. Philipp Schaff, Professor in New-Uork. in der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins (WDV) paß-. 216 u. ff. ganz objectiv dargelegt, und 1879 hat Furrer- Zürich in derselben Zeitschrift paff. 63 n. ff. dieselbe Frage in den: für Tellhum günstigen Smne behandelt. Ich empfehle jedem, der sich für die vorwürfige Frage interessirt, das Studium dieser beiden Abhandlungen, er wird dann mit mir zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Lage Kapharnaums noch nicht kritisch sicher bestimmt werden kann, daß aber Tellhum mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Minieh. Diese meine Ueberzeugung ist auch durch die in Beilage 10 aufgeführten Gründe nicht ins Wanken gekommen, ja ein Grund, welchen Sepp gegen Tellhum erwähnt, scheint sogar für Tellhum zu sprechen. Sepp schreibt Seite 71 triumphirend: «Ich helfe auch unsern abgeneigten Nachbarn (so. den Franziskanern) hinaus, indem ich ihre Station 8sn LIattso in tslovio benenne und durch Christi Gegenwart geheiligt erkläre". Sepp sucht also zu Tellhum (das er, nebenbei bemerkt, fälschlich Telum schreibt, wohl infolge eines Hörfehlers) die Zollstätte des hl. Matthäus, Kapharnaum aber circa 1 Stunde südlicher. Wer aber das 9. Kapitel des Evangelisten Matthäus liest, gewinnt den Eindruck, als ob die Zollstätte des Matthäus vor den Thoren Kapharnaums gewesen wäre. Schegg, Feiten (im Kirchcnlexikon), Kaulen, Cornely und wahrscheinlich noch viele andere, deren Werte ich nicht zur Hand habe, bezeichnen Kapharnanm als die Wohustätte des Matthäus. Cornely 8. >1. schreibt in seiner kistorios, st oritica intioäuotio in utriusgus ll'sstamsnti lidros «serös volumsn III psK. 16: ^.uts vooationsm suam Nsttbasum Oapbar- naum bsbitasss, mstz-na oum vsri similituckins sx vooatiouis nsrrations oouiioimus; psrslz-tioum snim, cks ouins sanstions immsäists autes ssrwo sst, in oppiäo Ospbsr- nanm esse sauatum, clisertis vsrbis trsclit Llsrous st von obsours insinuat Llsttbasus. Lrat sutsm Oapbarnaum emxorium von lAnobils, guock, guum all insrs Oenssarstb in knibus blspbtbsli st 2sbu1on in via, gnas Osmaseo sä LIsäiterrsnsum cluxit, situm esset, inter suos inoolas publiosnos uou paueos viästur kabuisse. Daraus scheint doch hervorzugehen, daß diejenigen nicht weit abirren von der Wahrheit, welche die Zollstatt hei Kapharnaum und umgekehrt suchen; daher beweist dieses Argument Sepp's so ziemlich das Gegentheil von den«, was Sepp damit beweisen will. Das nächste Argument gegen 1°. — L. lautet: „Es gibt im ganzen Umkreis des Sees keine Oertlichkeit. die ungeschickter für einen Schiffptatz wäre, und das war doch der dreijährige Wohnsitz Christi. Telum .... hat nicht einmal einen Landeplatz, geschweige Hafen, und es fällt selbst den Laien auf, daß die Bootsknechte ihre Fahr- gäste auf dem Rücken hinaustragen müssen, wenn diese nicht vorziehen ihr Gewand bis an die Huste aufzuschürzen und binauszuwaten." Aus Johannes 21, 7 wissen wir, daß man damals mcht so wasserscheu war, wie Sepp es voraussetzt. Denn Petrus war nackt im Schiffe; als er vernahm, der Herr sei es, zog er seine Tunika an und warf sich angekleidet ins Meer. Petrus hatte also keine Angst vor dem Naßwerden seiner Kleider, er wußte eben aus Erfahrung, daß die Sonne am See Gencsareth genügend Wärme entwickele, um ein nasses Gewand in kurzer Zeit zu trocknen. Es ist doch als ein. falscher Schluß anzusehen, wenn man aus dem jetzigen Zustand Telllmms auf dessen Zustand vor bald 2000 Jahren schließt. Wenn auch jetzt die Landung unbequem ist, so folgt daraus nicht, daß es zur Zeit Christi ebenso gewesen ist; damals herrschten die Römer, denen Hafenanlagen nicht unbekannt waren, und nicht die Türken. Welcher Hafen im ganzen mittelländischen Meere ist weniger zum Landen geeignet als der sogenannte Hafen von Jaffa? Und doch ist Jaffa der Hafenplatz für Jerusalem. Auch die Annahme einer Zollstätte am See schließt doch die Annahme eines Landungsplatzes fast mit Nothwendigkeit ein. Weiteres Argument gegen Tellhum ist nach Sepp die Angabe der Bibel, daß Kapharnaum 25—30 Stadien (1 Stunde 15 Min. bis 1H, Stunden) von Bethsaida entfernt gewesen sei. An der angezogenen Stelle (Job. 6,19) rst jedoch der tsrmiuus a gno und der tsrmiuus aä gusm nicht so klar als Sepp es darstellt. Hicbei ist ein Fehler Sepp's zu berichten. Tellhum liegt nicht 1h, Stunden nördlich von Minieh, sondern höchstens 1 Stunde. Ferner wird der Scesturm ms Feld geführt. Tellhum sei den Winden zu sehr ausgesetzt. Wenn aber dort zur Römerzeit eine künstliche Hafenaulage bestanden hat (man braucht nicht gerade an den molo von Portsaid zu denken), dann waren die Stürme nicht zu fürchten. Wenn man übrigens die Fischerboote aus den Ufersand zog und sie erst vor dem Gebrauch in das Wasser zurückbrachte, dann war kein Hafen nöthig und die Schiffe waren trotzdem außer Gefahr. Tellhum habe Stunden weit rechts und links kein Wasser, als das aus dem See, daher könne es nicht Kapharnaum sein, da Josephus bei Kepharnome einen Fluß Kapharnaum erwähnt. Richtig ist vielmehr, daß 2 Kilo- meker südlich von Tellhum Am et Tabra der Kapharnaum des Josephus, in den See mündet. Diese Entfernung war vielleicht ursprünglich noch geringer. Wie sich in Tiberias das Stadtbild nach Norden verschob, so kann das Gleiche bei Tellhum der Fall gewesen sein. Livvin III, 141 macht übrigens daraus aufmerksam, daß die Quelle Ain Akab nur 5 Minuten von Beitin, dem alten Bethe!, aber von Kefr Akab zivei Lienes entfernt sei. Da eben von Josephus Flavius die Rede war. so sei gleich hier auf eine Stelle in seiner Vita sei. üsbsr tz 72 Nr. 403 u. ff. hingewiesen. Hier erzählt Josephus von seiner siegreichen Schlacht gegen Agrippa am Jordan bei Bethsaida. Durch einen Sturz vorn Pferde verletzte er sich die Handwurzel und wurde nach Kepharnome gebracht und erst in der Nacht nach Tarichäa geschafft. Demnach muß Kapharnaum der Jordanmündung sehr nahe liegen; denn man schafft einen Verwundeten in der Regel in das nächste Asyl. Da die Feinde in die Flucht geschlagen waren, so brauchte man auf seine Sicherheit- nicht bedacht sein und konnte das nächste Dorf gewählt werden, und dieses ist Tellhnm und nicht Minieh. Was die Tradition betrifft, welche nach Sepp bis vor 200 Jahren für Minieh gesprochen hat, so kann ich auf das bereits in meiner ersten Besprechung Gesagte verweisen. Doch sei auf Eines hingewiesen. Ungefähr 30 Jahre, nachdem Quarcsmius sich für Minieh entschieden, berichtet ein französischer Reisender (Voz-sKs äs Oslilss bei Noroff in Dslsrinoxs äs Daniel p. 107), daß die beim Chan Minieh lebenden Araber Tellhum als Kapharnaum bezeichnet haben. Auch die jüdische Tradition, welche die Gräber des Propheten Nahum und des Rabbi Tanchum nach Tellhum verlegt, begünstigt letzteres gegen Minieh. Es bleibt uns noch der verhältnißmäßig gewichtigste Eiuwurf Sepp's zu besprechen über. Kategorisch schreibt Sepp: „Schon wer die Stadt Christi (Matth. 9, 1) in anderthalbstündiger (?) Entfernung von der Ebene Gennezaret sucht, hat die Bibel gegen sich". Dieser Ein- wurf läßt sich noch am ehesten hören. Aber bei näherer Betrachtung ist er nicht so entscheidend als die Minieh- Anhänger glauben. Was Professor Schaff (2V?V 1878 S. 217 u. ff.) darüber geschrieben hat. ist heute noch giltig: „Die Vertheidiger von Chan Minje behaupten nun zuversichtlich, daß Kapernanm zur Ebene Genezareth gehört habe.während Teil Hnm weiter nördlich liegt. Allein das ist nirgends ausdrücklich gesagt, sondern nur ein Schluß aus dem Umstände, daß Jesus uach dem Speisewunder, das unweit voni nordöstlichen Ufer des Sees stattfand, nach dem synoptischen Bericht (Mt. 14, 34; Mk. 6, 53) in Genezareth. nach dem genaueren (?) Johanni'schen Bericht (Joh. 6. 17. 24.59) in Kapernanm landete. Diese beiden Berichte sind allerdings am ein 203 fachsten durch die Annahme zu verneinen, daß Kapernaum in jener Ebene lag. Auf der anderen Seite aber erfahren wir. daß das Volk von Kapernaum vor dem Speisewunder schneller zu Fuß an das entgegengesetzte Ufer gelaugte, als Jesus mit seinen Jüngern zu Schiffe (Mark. 6, 33). Das ist viel leichter begreiflich, wenn der nähere Tell Hüm der Ausgangspunkt war, als wenn man denselben nach dem mehr (?) als 1 Stunde weiter entfernten Chan Minje verlegt. Vielleicht lassen sich die verschiedenen Berichte der Evangelien durch die Annahme vereinigen, daß Jesns am Morgen nach dem Wunder zunächst in Genezareth landete (nach Matthäus und Markus) und dann. sei es zu Land oder zu Wasser, nach Kapernaum reiste und in der dortigen Synagoge die geistige Bedeutung des Speisewunders erklärte (Joh. 6. 59). Der Bericht des Markus (6, 56) deutet an, daß Jesus auf dem Wege nach Kapernaum durch mehrere Orte in der Ebene Genezareth passirte." Also auch dieser Beweis hält nicht, was er verspricht. Ich habe alle Gründe, welche Scpp in seiner Replik pro Minieh und contra Tellhum anführte, durchgesprochen und komme wieder zu keinem anderen Resultate als: Auch nach Sepp's Deduktionen ist die Frage über die Lage Kavharnaums eine offene. Keiner seiner Beweisgründe entscheidet die Frage: man muß sich gedulden, bis weiteres Material zur Lösung derselben aufgefunden wird. Was die Identifikation von Dalmanutha, Ephrem, Magdala, Emmaus rc. anlangt, so habe ich das Nöthige schon in meiner ersten Besprechung erwähnt, und haben mich die Gegenbemerkungen Sepp's nicht überzeugen können, daß jetzt diese Orte sicher identifizirt seien. Was Ephrem betrifft, so wird soeben im Aprilhefte der „Revus bibligus iutsrnatioimlc" (Paris, Lecoffre) eine Mosaikkarte Palästinas aus der Zeit Justinians, welche von den Griechen im letzten Herbst bei ihrem Kirchenbau in Madaba entdeckt wurde, von den Dominikanern veröffentlicht. Diese Karte weist nun Ephrem bei Jerusalem und hat die Legende: xv(>,or. Demnach spricht eine sehr frühe Tradition unzweideutig gegen Sepp. Leider ist der Theil der Mosaikkarte, welcher Galiläa darstellte, bis aus minimale Bruchstücke zerstört. Niko- polis ist angegeben, der Name Emmaus dagegen findet sich nirgends. Soll das vielleicht andeuten, daß der Künstler Emmaus — Nikopolis setzte. Kana Galil ist nach Sepp das biblische Kana. Der Ort heißt jetzt Chirbet Kana oder auch KanLt el DscheUl und wurde zur Zeit der Kreuzzüge für Kana gehalten. Der gelehrte Dominikaner Zanecchm, dem man keine Voreingenommenheit für die Franziskaner-Tradition vorwerfen kann, schreibt in I-g. Dalcstina ck'oM, Roms 1896 II, 168: „Es ist jedoch die Meinung der modernen Pa- lästinologen sehr wahrscheinlich, welche das 6alilaoas mit Kefr Kenna identificiren; denn die alten Pilqerberichte verzeichnen bei der Erwähnung des Cana, wo Jesus sein erstes Wunder wirkte, Entfernungen und Umstände, welche weder zu Kana im Stamme Ascher noch zu Chirbet Kana, sondern nur zu Kefr Kenna passen." Demzufolge verdankt also das Sanktuarium zu Kefr Kenna solideren Gründen seine Entstehung als dem, „um den Pilgern den weiten Umweg zu ersparen". Sepp bezeichnet irriger Weise den Bergabhang, an welchem Kefr Kenna liegt, als wasserlos. In Wirklichkeit besitzt der fragliche Ort eine gute Quelle, welche zahlreichen Obstbäumen die nöthige Bewässerung liefert. Somit wäre ich am Ende meiner Erwiderung. Es handelte sich darum, zu untersuchen, ob Sepp's Gründe für seine Behauptungen stichhaltig sind und ob seine Ansicht, verschiedene geographische Fragen cndgiltig gelöst zu haben, richtig ist. Ich glaube genügend dargethan zu haben, daß die Punkte, welche ich in meiner ersten Besprechung als kritisch unsicher bezeichnet habe, auch nach der Entgegnung Sepp's an kritischer Sicherheit nicht gewonnen haben. Das .jurars in verba maxistri hat man mir auf den Universitäten, welche ich besticht habe, gründlich ans- gctrieben und dafür den Grundsatz aller Wissenschaft eingeprägt: Ikmicus midi Illgta, moZ'is amica vsritas. Ottmarshansen, am Osterdinstag 1897. Dr. Scb. Euriugcr, Pfarrer. Recensionen und Notizen. Raymund v. Fuggcr, „Die christliche Familie*. VIII, 50 Seiten, 30 Pf. brosch. Südd. Verlags« anstalt (Dan. Ochs) Stuttgart. U. Ein für unsere Zeit sehr bedeutsames Thema wird hier dem Leser in formvollendeter Darstellung vorgeführt. Eingangs nennt Verfasser die Familie eine Grundlage der religiösen und socialen Ordnung, von deren Blüthe und Zerrüttung die Blüthe und der Verfall der Kirche und der Staaten abhängt. Verfasser gibt dann einen historischen Rückblick über das Familienleben bei den alten Römern und Griechen, verbreitet sich alsdann über die moralische und rechtliche Stellung der Frau bei den alten heidnischen Deutschen, bei den Chinesen, Japanern, Türken. Russen rc. Ueberall bietet sich uns. mit einziger Ausnahme unserer deutschen Vorfahren, ein trostloses Bild der Zerrüttung des Familienlebens dar: Der Mann ist Tyrann, die Frau Sklavin, das Kind eine Waare. Nicht viel besser sind die beiden modernen Familiensysteme, das socialistische und das liberale. Nach der Lehre des „Evangelisten" Bebe! tritt im Zukunftsstaat an die Stelle der Ehe die „freie Liebe": die Kinder aber werden vollständiges Eigenthum des Staates u. s. w. Der andere große Hauvtfeind der Familie ist der Liberalismus, und leider hat das liberale Familiensystem durch das Gesetz über die obligatorische Civilehe die staatliche Sanktion erhalten, der gegenüber der kirchliche Standpunkt entschieden zu wahren ist. Der Liberalismus raubt den Eltern ihr unveräußerliches Recht auf die konfessionelle Schulerziehung der Kinder durch den Ruf nach Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht. All das widerspricht dem Ideal der christlichen Familie. Das einzige wahre Ideal derselben ist die hl. Familie von Nazareth, deren Grundlagen Christus wieder geheiligt und verklärt hat. Die christliche Familie hat sowohl äußere wie innere Feinde. Verfasser versteht es, den Familienvater im Kamps gegen diese, namentlich gegen Genuß- und Vergnügungssucht, zu ermuntern und zu begeistern. Das alles wird uns in gewandter, herrlicher Sprache vor Augen geführt. Vorliegende tiefgreifende, überaus praktische Broschüre sollte in keinem katholischen Hause fehlen. In Anbetracht des überaus billigen Preises eignet sie sich ganz besonders zur Massenverbreitung. Banr o. Dopt. (o. cap.), ^rxumonts, contra oriontalom ecols8iam o.snsgus szwockieam cnez-elicmn anni ND600X0V. 8" pv. VI -s- 100. Ooniponts, Hauch 1697. ü. 1. s Die getrennten Orientalen zur Einheit der kathol. Kirche zurückzuführen, ist bekanntlich eine Herzensangelegenheit des greisen Papstes Leo XIII. und eine seiner kühnsten» freilich allzu optimistischen Hoffnungen. Seine Eucyklica wurde in griechischen Blättern mit giftigenr Spotte beantwortet und für die Union schwärmen nur diejenigen Orientalen, die sich davon Besserung in socialer und politischer Hinsicht versprechen, um später, wie die Geschichte lehrt, wieder abzufallen. Auch der schismatische Patriarch von Konstantinopel erwiderte auf das päpstliche Rundschreiben mit einer Encyklica, die hier zum Ausgangspunkt für die Erörterung der konfessionellen Unter- scheiduugslebren genommen ist, über welche im Abendland bei uns Katholiken leider eine ganz merkwürdige Unwissenheit herrscht; daß selbst katholische Zeitungen mit der selbst gemachten, nirgends officiellen Bezeichnung „griechisch-katholisch" nichts anzufangen wissen und sie bald für die Schismatiker (die sich selbst Orthodoxe nennen), bald für die (uuirten) Katholiken des griechischen Ritus gebrauchen, sei nebenbei erwähnt. Das Buch ist sozusagen eine Symbolik der griechisch-orthodoxen (schisma- tischen) Kirche und insofern dogmatisch wie historisch sehr dankenswerth. als wir über den Gegenstand keine reiche Literatur haben. Auch ist der Verfasser ein verläfsiger Führer, da er als Lektor der Theologie am apost. oricntal. Lehrinstitute in Budjah (bei Smyrna) selbst auf dem Kampfplatz steht. Er bekämpft die „orthodore" Lehre mit ihren eigenen Waffen, denn in thurmhohcn Widersprüchen haben die Griechen von je her Unnachahmliches geleistet. Mit Geschick werden die haltlosen und oft mich unehrlichen Angriffe der Griechen auf die katholische Lehre zurückgewiesen. Die Quellen, aus denen geschöpft ist, sind griechische Schriftsteller alter und neuer Zeit: die wörtlich 204 citirten Stellen sind auch in lateinischer Uebersetzung beigefügt. Für Solche, die mit Orientalen im persönlichen Verkehr stehen, hat das Buch auch einen nicht zu verkennenden praktischen Nutzen. Was wir bei allen ähnlichen Schriften vermissen, ist die freimüthige Anerkennung dessen, was die Griechen vor uns voraushaben: es betrifft das freilich nur Unwesentliches, an dem aber der Mensch gerade mit der größten Zähigkeit hängt; es sind einzelne Punkts der Disciplin, Eigenheiten des Ritus, worin die Geschichte den Griechen den Vorzug des Ernstes, des ehrwürdigen Alters und eines wohlthuenden Con- servatrsmus zugestehen muß, während Nieniand leugnen wird, daß in der römischen Kirche der kleinlichen erfinderischen Modesucht und der Gründungswuth zu viel Spielraum gelassen ist, ein Unistand, der den draußen Stehenden den Eintritt in unser Haus nicht einladend macht. Hagemann Ge., Psychologie: Leitfaden für akademische Vorlesungen. 8°, VIII -s- 210 SS. Freiburg im Breisgau. Herder 1897 (VI.) M. 2.80. -x Durch Hagemann's Lehrbücher macht der mmehende akademische Bürger, namentlich der künftige Theologe, seine erste Bekanntschaft mit der Philosophie. Sie verdienen in der That die Beliebtheit, deren sie sich in weite» Kreisen erfreuen, vollauf. Ohne tiefer einzudringen, als es die Zwecke der Schule fordern, wozu sie geschrieben sind, geben sie in einfacher, verständlicher Darstellung die Lehren der philosophischen Disciplinen, mit gesundem, sicherem Takte das Wahre vom Falschen, das Sichere vom Zweifelhaften scheidend. Unter den deutsch geschriebenen philosophischen Elementarbüchern verdienen die von Hage- maun den Vorzug vor vielen andern, namentlich vor den vielgebrauchten von Alb. Stöckl, der zum Trost der Wissenschaft seine allzu geschäftige Feder endlich weggelegt. Hagemann's Psychologie liegt nun bereits in sechster Auflage vor; Plan und Inhalt ist der gleiche geblieben, wie in den früheren Ausgaben. Ein Cyklus von Zeitpredigten zu Ehren der „Mutter von der immerwährenden Hilfe" von ?. Frz. Tav. Franz 0. 8s. U. Münster, Verlag der Alfonsus-Druckerei. Preis 1 M. 50 Pf. ' Wie der Verfasser in der Vorrede sagt, soll dieser Cyklus von Predigten „ein Blatt seiir in dem Kranz von Schriften, die fromme Schriftsteller der hehren Gottesmutter unter dem Titel „Unsere liebe Frau von der immerwährenden Hilfe" im Laufe der letzten drei Jahrzehnte gewunden haben". Bei der Herausgabe war der Gedanke maßgebend, eincstheils den Seelsorgern passenden Stoff zur Anfertigung vonPredig- ten über die seligste Jungfrau, insbesondere über sie als Mutter von der immerwährenden Hilfe, zu liefern: dann aber auch allen Marienverehrern „eine Lektüre zu überreichen, welche die Liebe und das Vertrauen zu Maria beleben und die Nachahmung ihres Lebens und ihrer Tugenden im richtigen Geleise erhalten soll". Diesen Zwecken hat der Verfasser mit wahrer Begeisterung nachgestrebt und sie in befriedigendster Weise erreicht. Das Strand- und Badeleben an der belgischen Küste ist nicht nur wegen der reizvollen Naturschauspiele, sondern auch ivegen des großen internationalen Treibens der Badegäste von schier unversieglichem Interesse. Unter diesem Gesichtspunkt wird der Aufsatz im neuesten Hefte (Mai) von „Alte und Neue Welt" sicher mit Freude begrüßt werden. Cüppers, der durch seine Dichtungen und Romane ja hinlänglich bekannt ist, erweist sich hier als ein trefflicher Schilderer und Plauderer. Prächtige Illustrationen schmücken den Text und machen diesen Aufsatz zum hervorstechendsten dieses illustrativ auch sonst ganz vorzüglichen Heftes. Dasselbe enthält drei größere Erzählungen, wovon Mariquita von Alinda Jakoby einen interessanten Fortgang verspricht. Fesselnd durch die Handlung ist die historische Erzählung aus der französischen Revolution: „Das Geheimniß auf Schloß Meudon" von A. Keßler, von großer Eigenart die wunderliebliche Novelle „Frühling" von A. Brauer, illustrirt von Th. Brauer. Nächst dem erstgenannten Aufsatz enthält das gleiche Heft u. a. noch eine sehr werthvolle, gediegene Abhandlung über „Das Volksthümliche der Sprache in Hebels Schatz- kästlein" von I. P. Mauel. die Fortsetzung des hochaktuellen historischen Aufsatzes „Aus Griechenlands schweren Tagen" von P. Friedrich, einen reich illustr. Artikel über denBauder höchsten deutschenBrücke bei Müngsten, ein Lebensbild des hl. Ambrosius von Mailand anläßlich des fünfzehnhundertsten Todestages von vr. ?. Th. Äoffart O. 8. L. und schließlich eine Betrachtung über „DieBedeutunng des Lichtes in der Pflanzenwelt". Von vr. Siebe!. Die Frauen- beilage und die zeitgeschichtliche Rundschau sind in diesem Hefte besonders reich, das überhaupt durch seine geschmackvolle Ausstattung und hübschen Bilder eines der schönsten im Jahrgang ist. _ Atlas der Himmels künde auf Grundlage der cöle- stischen Photographie, 62 Kartenblätter (mit 135 Einzeldarstellungen) und 62 Foliobogen Text mit ca. 500 Abbildungen. Mit besonderer Unterstützung hervorragender Astronomen, sowie seitens zahlreicher Sternwarten und optisch-mechanischer Werkstätten. Von A. v. Schweiger-Lerchenseld. In 30 Lieferungen zum Preise von 60 Kr. — 1 Mark — 1 Fr. 35 Cts. ----- 60 Kop. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Ein astronomisches Prachtwerk wie dieses hatte der Buchhandel bisher nicht zu verzeichnen.. Die erste uns vorliegende Lieferung zeigt, was auch auf diesem Gebiete geleistet werden kann, wenn unermüdlicher Eifer ein ganzes Heer von Hilfsarbeitern in Bewegung setzt. Zum erstenmale entrollt uns die Himmelsphotographie m ihrem ganzen Umfange all das Ueberraschende und Bedeutende, das sie in relativ kurzer Zeit geschaffen. Die vielen prächtigen Text-Abbildungen, Instrumente aller Art, große uiid kleine Himmelsphotographien, verbunden mit dem stattlichen Format und dem reichen, fließend und anregend geschriebenen Text, vereinigen sich hier zu einem Werke von ebenso reichem Inhalt als vornehmer Erscheinung. Es genügt zu erwähnen, daß das ganze Werk auf Kunstdruckpapier gedruckt ist. Die unmittelbare Antheilnahme vieler hervorragender Astronomen und Sternwarten an diesem Prachtwerks bietet die Bürgschaft, daß hier etwas Außergewöhnliches geboten wird. Unter solchen Umständen kann der Erfolg nicht ausbleiben. Das Werk ist in jeder Beziehung einzig in seiner Art. Der Katholik. Ncdigirtv.Joh.Mich.Raich. 12Hefte. M. 12. Mainz, Kirchheim. Inhalt von 1897, Heft IV. April: vr. Englert. Der Zusammenbrach der Entwickelungstheorie auf dem Gebiete der Gesellschaftslehre. — Aufruf zur Ueberwindung der religiösen Trennung. Von einem evangelischen Geistlichen. — vr. Jos. Kolberg, Die Einführung der Reformation im Ordenslande Preußen. — vr. A. Bei lesh ei m. Charles Cardinal Lavigerie, Erzbischof von Karthago und Primas von Afrika (1825-1892). U. s. w. Liter arische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von vr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiundzwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M.9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 5 u. Ä.: Die kath. Literatur Englands im Jahre 1896. Schluß. (Bellesheim.) — Lettner» Die prophetische Inspiration. (Dausch.) — Bollert, Tabellen zur neutestamentlichen Zeitgeschichte. (Kirsch.) — Sägmüller, Die Thätigkeit und Stellung der Cardiuäle bis Papst Bonifaz VIII. (Wurm.) — viat, V'^po1o»ötiguo äs l'abbö äs LroAÜö. (Bach.) — viat, ^.bdö äs VroAlio: Rsligion st vrittgus. (Bach.) — LliZnov, Vss Orisiuss äs I» 8oolastigus st LuZuss äs 8aivt-V1otor. (Gietl.) — Heinrich-Gutberlet, Dogmatische Theologie. (Atzberger,) — Rolfes, Die substantiale Form und der Begriff der Seele bei Aristoteles. (Offner.) — Commer, Logik. (Gloßner.) — Wundt, Grundriß der Psychologie. (Brmg.) — Simonsfeld. Neue Beiträge zum päpstl. Urkundenwesen. (Baumgarten.) — Hüffer, Der Äastatter Gesandtenmord. (Albert.) — Nachrichten. — Büchertisch. Derantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.