32. Beilage zm Dgsömger Weitung. s. Illllk 1897. Luis Coloma's „Lappalien".*) Dem Volke an wahr und frisch gezeichneten Bildern zu zeigen, was Wahrheit, was Lüge, was Tugend, was Laster, was wirkliches Glück, was Unglück sei — das schwebt als ideales Ziel wohl jedem katholischen Romanschreiber vor, der sich seiner Verantwortung bewußt ist. Wer sich für eine gedeihliche Entwickelung dieser Sparte unserer Publicistik interessirt — und das wird wohl jeder, dem die ungeheure Bedeutung einer guten Unter- haltnngsliteratur kein Geheimniß ist —, der wird an den „Lappalien" seine helle Freude haben. Zahllose Klippen hat der zu meiden, der mit allem Ernste dem gekennzeichneten hohen Ziele zustrebt. Manche lassen sich abschrecken, sie bleiben am friedlichen Strande und begnügen sich damit, ihrem Leserkreise eine sogen, anständige Unterhaltung zu bieten. Wir wollen sie nicht tadeln, solange sie nicht diese Strandidylls als Weltmeerscenen gelten lassen möchten, m. a. W. wer den Leser blos angenehm unterhalten will, der sage es auch klipp und klar, daß es sich nur um eine amüsante Spielerei handelt. Tritt der Erzähler aber auf als Lehrer und Erzieher, als Uihrer und Warner, so gedenke er seiner heiligen Pflicht: die Wahrheit, die volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen. Sie mag oft bitter schmecken — gut, er kleide sie in eine süße Schale, so wird sie accepiirt. Dieses Princip, nur Wahrheit, oft tief beschämende Wahrheit zu bieten, aber in einer Form, die sie dem verwöhntesten Gaumen schmackhaft macht, hat Coloma mit beivundernswerther Consequeuz festgehalten. Coloma ist Priester der Gesellschaft Jesu. Eine Zeit lang sah er das vornehme Madrid um seine Kanzel versammelt; er sagte indeß den hohen Herren und Damen die Wahrheit mit solcher Aufrichtigkeit, daß er bald wieder entfernt wurde. Coloma war nicht der Mann, der sich in gekränktes Schweigen gehüllt hätte; er besteigt kurz entschlossen eine andere Kanzel, von der herab seine Bußpredigt nur um so lauter und durchdringender ertönt. „Wie in früheren Zeiten der Mönch auf öffentlichem Platze einen Tisch bestieg und von da aus den Indifferenten, die nicht ins Gotteshaus kamen, in der kräftigen Sprache jener Zeit kräftige und handgreifliche Wahrheiten sagte, so errichte ich meine Kanzel auf den Blättern eines Romanes. Und von da aus predige ich zu denen, die mich niemals anhören würden, wenn ich zu ihnen anders spräche. Ich sage ihnen in ihrer eigenen Sprache Wahrheiten, die unter den Gewölben einer Kirche sich niemals in ähnlich wirksamer Weise vorbringen ließen" (p>. XIII). Im gesellschaftlichen Leben darf keine andere Moral gelten, als jene, in welcher auch der Einzelne die Norm seines Denkens und Handelns zu erkennen hat: die Moral der 10 Gebote, des Christenthums; jeder Versuch, diese Nothwendigkeit zu umgehen, ist ein Angriff auf die Gesellschaft selbst: — dies das Thema, welches Coloma bis in seine kleinsten Nüancen durchführt, dessen unanfechtbare Wahrheit er handgreiflich beweist. Wie Donnerschläge tönt sein quott ernt äovaorwtranäum, so oft er ein Glied dieses Beweises, eine seiner mit allem modernen Raffinement ausgestatteten Episoden, wahre psychologische Kabinetstückchen, znm Abschlüsse bringt. ) Autorisirte Uebersetzung von Ernst Berg. Berlin vgl'.viL der Romanwelt. Preis 3 M. Es ist die Madrider Aristokratie, welche ihm seine Charakterfiguren bieten muß: entschieden eine glückliche Wahl. Denn was beleuchtet Heller die Abscheulichkeit des Grundsatzes, der für das gesellschaftliche und öffentliche Leben eine andere Moralwährung beansprucht, als die „hausbackne" christliche Moral —, was beleuchtet, sag« ich, die Verabscheunngswürdigkeit dieses so verbreiteten Grundsatzes beller, als der grelle Gegensatz zwischen blendenden aristokratischen Formen und bodenloser Gemeinheit in ein und derselben Persönlichkeit? Erstere, die bestrickenden Formen, sind schuld, besser Anlaß, daß man die letztere tolerirt, entschuldigt, ignorirt, ihr die Salons, die öffentlichen Aemter nicht verschließt. Coloma malt dieses elegante Exterieur in seinem ganzen zauberischen Glänze, aber er malt es in Farben, die uns seinen wahren Charakter sofort erkennen lassen: schillernde, an sich wcrthlose Lappen sind es, hinter denen schmutzige Verworfenheit, mitleiderregeude Thorheit sich verbirgt. Mit so unbarmherziger Rücksichtslosigkeit geißelt Coloma die Thorheiten und Laster der Aristokratie, daß er den Vorwurf hören mußte, er habe sich eines Pamphlets, einer politischen Schmähschrift schuldig gemacht, er „verläumde den edelsten und besten Theil des spanischen Volkes" rc. Coloma verwahrt sich dagegen: „Ich will . . ausdrücklich versichern, daß ich in dieser Erzählung nicht Porträts zeichne, sondern sociale Typen zu schaffen suche. Denn dieses ist nicht etwa eine boshafte Schmähschrift, sondern ein Buch mit hohen moralischen Zwecken" 522 Aum.). Aber auch seinen „socialen Typen" kann ein unparteiischer Leser keinerlei tendenziöse Schwarzfärbung nachweisen. „Madrid ist kein Sumpf. Du und ich und noch viele andere anständige Frauen gehören zu Madrid, und wir stehen, Gott sei Dank, in keinem Sumpfe" — es ist die Marquise von Villasis, die edelste Charaktergestalt des Romans, welcher Coloma diese Worte in den Mund legt, dieselbe, an welche sich auch die versöhnende Lösung des Coufliktcs anknüpft, — „aber es gibt in Madrid einen Sumpf, das ist keine Frage, einen sehr tiefen Sumpf. Doch wer es ernstlich will, kann ihn umgehen... Das Unglück ist nur, daß dieser Sumpf aus kölnischem Wasser zu bestehen scheint; er macht sich von weitem vortrefflich, und nicht viele können seinem verführerischen Dufte widerstehen" (pag. 399 f.). Er stellt also die Gesellschaft keineswegs als hoffnungslos verdorben hin, wie unsere Zuknnftsstaatler es so gerne thun; er bezeichnet aber unverblümt die ergiebigste Quelle ihres Verderbens, die Toleranz gegen das Laster, diese unbegreifliche thörichte Nachsicht, mit welcher die sogenannte gute Gesellschaft so leicht sittlich bankerotten Elementen ihre Kreise öffnet, wenn ihnen nur Parfüm und Glaces und eine gehörige Portion Unverfrorenheit zur Verfügung stehen; mit seichten Phrasen kommt man da au den gröbsten Verirrungen vorbei, deren officielle Sanktion gleichbedeutend wäre mit dem Ruin der Ehe, der Familie, der Gesellschaft. Solche „Pequeüeces", Bagatellen, Lappalien, sind eben keine Lappalien! Coloma liefert auch den handgreiflichen Beweis, daß ein katholischer Erzähler durchaus nicht genöthigt ist, jede Aeußerung spezifisch katholisch-religiösen Lebens ängstlich zu übergehen. Es gehört das im Gegentheil znm nothwendigen Inventar einer HnltmWldernilL. die ein ka/ 222 tholisches Volksleben zum Hintergrund hat, sonst ist das Bild nicht wahr und nicht vollständig. Das Gesagte läßt erkennen, an welchen Leserkreis der Verfasser hauptsächlich sich wendet. Wer aus freier Wahl oder unter dem Drucke der Verhältnisse sich viel auf dem Parquet zu bewegen hat, und namentlich wem die Erziehung oder Leitung solcher Persönlichkeiten anvertraut ist, soll das Buch nicht ungelesen lassen, soll es studiren. Für solche scheint es in erster Linie geschrieben zu sein. Doch kein Gebildeter, in welcher Stellung er auch lebt, wird das Werk ohne großen Nutzen lesen, sei's auch nur, um am Schlüsse mit dem Verfasser sich eins zu wissen in dem schönen Bekenntnisse: „Ueber das Liebcs- werk, das im Almosengeben besteht, stelle ich dasjenige, das die menschlichen Schwächen zu begreifen und zu heben sucht" (xag. XV). Irr. Hie Christus! Hie Buddha! Religionsgeschichtliche Studie. 6. 8. In verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften ist vor einiger Zeit mehrfach kurz darauf hingewiesen worden, wie der Buddhacult im christlichen Europa immer wettere Kreise zu ziehen beginne, und wie man schon nicht mehr zurückscheue, öffentlich zur Nachahmung Buddha's aufzufordern. Es sind bereits nicht mehr vereinzelte Stimmen, welche dem wahren Licht der Welt das Irrlicht des Buddhismus anpreisend gegenüberstellen. Ja, es sind bereits auch in Deutschland Stimmen laut geworden, welche den Buddhismus als die wahre Religion der Zukunft anpreisen und als „gelehrter Forschungen" Resultate verkünden, daß die christliche Religion nur eine, nicht einmal sonderlich gelungene, Copie des „herrlichen Originals" des Buddhismus sei. Zum Beweis für ihre Behauptung werden gewisse Einrichtungen, Gebräuche, Regeln und Vorschriften angeführt, welche dem Buddhismus wie dem Christenthum gleicherweise eigenthümlich seien. Es ist aber doch einleuchtend, daß man von einer engen Verwandtschaft zweier Religionen nicht reden kann wegen einiger äußerlicher Aehnlichkeiten, die in letzter Linie schließlich allen Religionen gemein sind, da sie ihren tiefsten Grund in der „von Natur aus christlichen" Menschenseele haben. Nimmt man aber eben die wesentlichen Forderungen der einzelnen Religionen, speciell des Christenthums und des Buddhismus» zur Forschung näher her, so tritt deutlich der himmelweite Unterschieb zwischen beiden hervor. Eine nur kurze Ver- glelchung beider Religionen hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer Glaubens- und Sittenlehre und ihrer sittlichen Ergötze wird darthun, wie Christus in seiner hl. Religion ist das wahre Licht der Welt, während dagegen Buddha's Werk kaum mehr den Namen einer Religion verdient. Werfen Nstr zuerst einen vergleichenden Blick auf die Geschichte Buddha's und Christi, sowie ihrer Religionen. Ueber Buddha's Leben haben wir so dürftige Nach- richte», daß schon die Behauptung aufgestellt wurde, Buddha habe überhaupt gar nie existirt. Schon daraus läßt sich ermessen, daß wohl viele Züge aus seinem Leben» so wie sie von buddhistischen Schriftstellern uns überliefert werden, in's Reich der Fabel zu verweisen and als nachträgliche Ergänzungen nach dem Leben Christi aszssehen sind. Buddha, so berichten uns die Schrift- steLer, dessen ursprünglicher Name Siddharta war, stammte M> dem Geschlechte Sakya und ward geboren in der Svbt KapilavM. Seine. Geburt, heißt es, sei durch wunderbare Ereignisse angekündigt worden. Seine Mutter sei eine unversehrte Jungfrau mit Namen Maja aus königlichem Geschlechte gewesen. Am achten Tage nach seiner Geburt sei dem Knäblein der Name Siddharta gegeben worden. Der Knabe habe schon im zarten Alter seine Lehrer weit an Weisheit übertreffen. Gar viele wunderbare Züge aus Buddha's Kindheit werden uns überliefert, ähnlich denen, welche wir in den sogenannten apokryphen Evangelien über den Jesusknaben finden. In seinem 29. Lebensjahre, so heißt es in seinen Lebensbeschreibungen weiter, floh Siddharta in die Wüste, woselbst er siegreich verschiedene Versuchungen überwand. Sechs Jahre hernach nahm er die Würde und den Namen Buddha an, sammelte Schüler um sich, verkündete öffentlich seine Lehre und bekräftigte sie durch viele Wunder. Er starb mit großem Gleichmuth, beseelt von der frohen Zuversicht, daß seine Lehre alle Hindernisse überwinden werde. Als sein Todesjahr wird von den einen das'Jahr 543, von andern 477 genannt. In dieser Schilderung von Buddha's Leben finden wir manche Züge, die eine gewisse Nehnlichkrit mit Ereignissen aus dem Leben Jesu ausweisen, wie z. B. die Vorbereitung auf die öffentliche Thätigkeit in der Wüste, die siegreiche Ueberwindung der Versuchungen u. And. Allein diese Aehnlichkeiten lassen sich leicht aus den allen orientalischen Völkern gemeinschaftlichen Anschauungen und Gebräuchen erklären und sind zudem, wie oben schon hervorgehoben, rein äußerliche. Mögen zwischen Christi und Buddha's Lebensbeschreibung auch noch so viele Aehnlichkeiten bestehen, ein gewaltiger unausgleichbarer Unterschied zwischen beiden Relkgionsstiftern besteht und wird bestehen für alle Zeiten: Buddha, wenngleich als ein Held in der Tugend von seinen Anhängern gepriesen, erhält von ihnen in seinem Leben niemals den Namen, den Christus von den Seinen in Wahrheit bekommt, den Namen Gott. Das ist eine unüberbrückbare Kluft zwischen beider Leben. Was die Geschichte beider Religionen anbelangt, so läßt sich unschwer die Unrichtigkeit der Behauptung erweisen, das Christenthum habe seine erhabenen Anschauungen und Lehren dem Buddhismus entnommen. Ist es ja doch erwiesen, daß der Buddhismus niemals die Grenzen des römischen Weltreiches überschritten, innerhalb deren das Christenthum seinen Anfang und seine erste Ausdehnung nahm. In Wirklichkeit stellen auch alle Gelehrten, welche sich mit dem Studium orientalischer Sitten und Gebräuche besassen, einen Einfluß des Buddhismus auf das Christenthum ganz entschieden in Abrede. Ebenso sehr wie in ihrer Geschichte weichen auch beide Religionen in ihrer Lehre von einander ab. Beginnen wir bei dieser Darstellung mit der Glaubenslehre. Was lehren hier die beiden Religionen über die wichtigsten Fragen, nämlich über Gott, über die Seele und über das Ziel des Menschen? Der Fundamcntalsatz unserer christlichen Glaubenslehre lautet für uns Christen: Der Mensch ist von Gott dazu geschaffen, daß er ihm diene und dadurch die ewige Seligkeit erlange. Was lehrt nun in dieser Beziehung das „Licht Asiens"? Buddha hat vor allem gar keine klaren und bestimmten Anschauungen über die Existenz Gottes. Das ist die Ansicht aller Buddha- Forscher. So sagt Max Müller: „Es ist nicht zu leugnen, daß Buddha keine Kenntniß von Gott gehabt habe." Diese Uukeuutniß Buddha's und seiner Lehre über Gottes Dasein rührt wahrscheinlich daher, daß Buddha gar nie 223 ernstlich sich mit dieser wichtigsten aller Fragen befaßt hat. Er begnügte sich mit dem Ausspruch, der Mensch hänge in keiner Weise von Gott ab. Das ist Bnddha's ganze Gotteslehre! Wie hier, so ist aber Buddha auch mit allen anderen höheren übernatürlichen Wahrheiten, die dem Christen in seiner Religion in so reicher Fülle geboten werden, gleich fertig, indem er einfach erklärt, solche vermöge der Mensch nicht zu fassen, darum brauche er auch keine solchen zu wissen. Fürwahr, viel verlangt Buddha vom Menschen! Er soll nach einem letzten und höchsten Ziele streben, ohne ein solches überhaupt nur zu kennen! An Stelle eines lebendigen allgütigeu und allheiligen Gottes, der unser letztes Ziel und Ende ist, setzt Buddha eine todte und finstere Leere. Nichtsdestoweniger ist Buddha „das Licht Asiens" k Gehen wir Wetter und über zur Schöpfungslehre beider Religionen! Wie einfach, groß und erhaben ist hier die Lehre der christlichen Religion, die enthalten ist in dem ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses: „Ich glcnlbe an Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde". Was lehrt nun Buddha dieser Wahrheit gegenüber? Er erkennt als Schöpfer der Welt den blinden Zufall. Wie die Atomisten lehrt er, die Welt sei aus unendlich vielen feinsten Theilchen der Luft gebildet und falle am Ende der Zeiten wieder in das Nichts zurück. Dieser kalte und leere Atomksmus unterscheidet sich von der erhabenen Lehre des Christenthums ebensoviel wie der Tag von der Nacht. Nächst diesem Problem beschäftigt den Menschengeist keines so sehr wie das über seine Seele. Hier sagt uns unsere hl. Religion, daß der Mensch eine unsterbliche, von Gott ihm gegebene Seele besitzt. Was lehrt dagegen Buddha? Auch hier scheut „das Licht Asiens" ein näheres Eingehen auf die Frage, ja er verbietet sogar seinen Schülern, sich damit zu befassen. In seinem Buche „Sutta Nigata" lehrt er einfach, nach dem Tode bleibe vom Menschen nichts als der Name übrig. So verwirft also der Buddhismus ein unsterbliches bewußtes Lebens- princkp des Menschen und setzt sich damit in einen direkten Gegensatz zur christlichen Religion. Gründlich lernen wir Bnddha's Licht als ein Irrlicht kennen, wenn wir unsere Untersuchung ausdehnen auf die Frage: Welches ist für die Schüler Christi und welches ist für Bnddha's Anhänger das höchste Gut und Endziel alles Strebens? Auf diese Frage gibt uns der Christenglaube die hehre Antwort: Das höchste Gut und letzte Ziel des Menschen ist die ewige Seligkeit, und diese wird dadurch erreicht, daß die Seele mit Gott in seiner Anschauung und Liebe vollständig und unzertrennlich vereinigt wird. So Christus! Wie Buddha? Letzterer kennt, wie wir gesehen, weder einen persönlichen Gott, noch hat er klare und richtige Anschauungen von der Menschenscele, also kann er auch keine Seligkeit, wie das Christenthum sie verheißt, kennen. Das Gut und der Lohn, denn Buddha seinen Gläubigen für ein gut vollbrachtes Leben in Aussicht stellt, ist eine ewige Ruhe, das „Nirwana". Da mag man nun entgegenhalten: Sehnt denn nicht auch der Christ nach der Unruhe dieses Lebens sich nach nimmer endender Ruhe, und betet nicht die Kirche um ewige Ruhe für die Abgestorbenen. Gewiß, aber diese Ruhe nach dem Tode ist für den Christen eine Ruhe in Christus, in Gott und in dessen Anschauung und Liebe, eine Ruhe in un- geschwächter Lebensfrische. Keine solche RlM. gewährt Bnddha's Nirwana. Worin besteht denn nun eigentlich dieses Nirwana? In erster Linie wird mit diesem Wort ein Erlöschen des Lichtes bezeichnet. Ist nun aber das Nirwana eine vollständige Vernichtung des Lebens? Ist es die Vernichtung jeglicher Existenz? Einige Lobredner Bnddha's suchten das schon zu leugnen. Doch vergebens! Denn Buddha selbst sagt uns, was das Nirwana ist, mit folgenden Worten: „Wie die von gewaltigem Wind bewegte Flamme schließlich erlöscht und dann nicht mehr cxistirt, so erlischt auch jeder weise Mann, seines Namens und seiner Gestalt entledigt, und ist dann als nicht mehr existirend anzusehen." Darin besteht nach Buddha das hohe Gut des Nirwana. Aber wie gelangt denn der Mensch zu diesem höchsten Glücke? Das beste Mittel, es zu erreichen, besteht nach Bnddha's Lehre in der beständigen Meditation, weil man durch sie zur vollkommenen Seelenruhe gelangt. Beachten wir hier wieder den diametralen Gegensatz zwischen Buddhismus und Christenthum! Der Christ erwirbt sein ewiges Heil durch Eifer in guten Werken, denn das erhabene Ziel seines Lebens und Strebens ist eine möglichste Verähnlichung mit Gott. Gott aber ist das vollendete Leben und Wirken, daher ist auch für den Christen Arbeit und Wirksamkeit der Weg zur Vollkommenheit. Für Buddha's Schüler ist das höchste Ziel des Lebens jenes Nirwana, das aber gerade im Mangel jeder Thätigkeit und jeden Lebens besteht; daher muß auch der wahre Buddhist, will er sein Ziel erreichen, jede Arbeit meiden. Zum gleichen Resultate gelangt Buddha durch folgende Schlußfolgerung: Alle Gemüthserregungen sind zu bekämpfen und zu unterdrücken, denn sie sind die Ursachen des menschlichen Elends. Es erhalten aber jene Erregungen Nahrung durch Arbeit und Anstrengung, daher ist diese vollständig zu meiden. An deren Stelle setzt Buddha träge und leere Meditation, die nicht wie die christliche Contemplation Früchte für das Leben zu bringen vermag. Ein wahrer Sohn und Nachfolger Buddha's arbeitet niemals, sondern er gibt sich immer und überall, wo es ihm möglich ist, der Meditation hin. Die Meditation ist aber nach Buddha's Begriff die vollkommenste, bei der die Verschiedenheit zwischen dem Meditirenden und dem betrachteten Gegenstand aufgehoben wird. Damit ist dann der Zustand der vollkommensten Weisheit erreicht. Das ist das Nirwana auf Erden. Da nun aber solchem Meditiren nur die Weisen sich widmen können, so steht auch diesen nur der Zugang zum Nirwana offen. Den Kindern und denen, die ihnen gleichen, sind Buddha's Arme verschlossen. Welch' diametraler Gegensatz wieder zur Lehre Christi, der den unvergleichlich schönen Ausspruch gethan: Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen! Bei wem ist nun Licht und Leben? Bei Christus oder bei Buddha? Wer das nicht sieht, ist mehr als blind. Nesümiren wir kurz Bnddha's Glaubenslehre l Buddha kennt keinen persönlichen Gott, keine unsterbliche Seele, keine andere Seligkeit, als Untergang und Vernichtung. Und dennoch gibt es Leute, und sie nennen sich noch Weise, die den Buddhismus dem Christenthum vorziehen. Das können eben nur die, denen Christi Lehre eine unerträgliche Last geworden, nicht zum wenigsten wegen deren Sittcngesetze. (Schluß folgt.) 224 Der Kimneliten - Orden in den bayerischen Stammlanden. (Schluß.) VI. Den ersten Gedanken, auch den weiblichen Ordenszweig vom Berge Carmel in Bayern einzuführen, faßte die Churfürstin Maria Anna, Gemahlin des Churfürsten Maximilian I. Es waren deßhalb bereits im Jahre 1657 Unterhandlungen mit dem Fürstbischöfe Albrecht Sigismund und dem Proviuziale der Carmeliten in Gang, doch zerschlug sich die Sache. Ihr Sohn, Herzog Maximilian, welcher mit Mauritia Phcbronia, einer geb. Herzogin von Bouillon und Auvergne, vermählt war, griff den Plan neuerdings auf. Diese Herzogin hätte zwei Schwestern, welche in Paris im Karmclitenorden lebten und war selbst Mitglied des drittes Ordens, somit dem Carmel von Herzen zugethan. Das herzogliche Paar bestimmte seine Villa Laufzorn bei München zu einer solchen Niederlassung, wurde aber an der Verwirklichung .seiner Lieblingsidee durch den Tod verhindert. (Herzog Maximilian -j- 20. März 1705, Mauritia Phebronia 2. Juni 1706.) In ihrem Testamente hatten sie noch 60,000 fl., liegend auf der Herrschaft Angelberg in Schwaben, hiefiir bestimmt. Mittlerweile war auch einer in München lebenden einfachen Jungfrau, Namens Anna Maria Lindmaier, welche sich des größten Ansehens bei Hoch und Nieder erfreute, der Wunsch gekommen, ein Karmelitcnkloster ins Leben zu rufen; zu diesem Zwecke hatte sie bereits 1710 das gräflich Arco'sche Hans neben dem Altomünster-Hans erworben, so daß das Projekt nunmehr greifbarere Gestalt gewann. Indeß fehlte es nicht an Gegnern, und reichte der Münchner Stadtrath am 4. Dezeinber 1710 bei Kaiser Joseph I. (es war die Zeit, wo München unter österreichischer Occnpation sich befand) eine langgedchnte Vorstellung ein. Der ver- wittweten Kaiserin Eleonora war es zu danken, daß die Vorstellung wirkungslos blieb und der kaiserliche Administrator, Graf Carl von Löwenstein, den Auftrag erhielt, sich nicht nur der Karmelitinnen anzunehmen, sondern auch den Stiftungsfonds des Herzogs Max Philipp auszufolgen, was mit Urkunde vom 1. August 1711 geschah. Am 16. September 1711 langten die 4 ersten Ordensschwestern aus Prag in München an und wurden in feierlicher Weise empfangen. Niemand war mehr darüber erfreut, als Anna Maria Lindmaier, welche ihre Bemühungen mit fast wunderbarem Erfolge gekrönt sah. Nachdem sie noch alle ihre zeitlichen Geschäfte in Ordnung gebracht, trat sie selbst ani 22. Mai 1712 in das neu erstandene provisorische Kloster und widmete demselben auch fernerhin ihre Dienste. Nachdem Churfürst Maximilian Emannel von Luxemburg aus am 12. August 1711 die Bewilligung zum Baue eines neuen Gebäudes gegeben und. am 27. August auch der Consens des Fürstbischofes von Freising eingetroffen war, fand am 23. Oktober die Grundsteinlegung in Stellvertretung des Fürstbischofes durch den Abt Plazidns von Ettal statt. Den Grundstein selbst legte die Gräfin von Löwcnstcin. Das ganze Kloster baute der Karmelit k. Domiuicus a St. Euphrosyna. Um die Baukosten zu bestrciteu, wurde mit Erlaubniß des Kaisers Karl VI. im Jahre 1712 alles Tafel- und Silbergcräth aus dem Nachlasse der Herzogin Mauritia Phebronia zu Geld gemacht. Am 8. Oktober 1714 konnten die Karmelitinnen den Neubau beziehen. Zwei Tage vor der Grundsteinlegung zniu Klosterbane war die Grundsteinlegung zur Kirche erfolgt, welche nach den Plänen Viscardi's gebaut werden sollte. Dieselbe kam aus eigenthümliche Weise zu Stande: die drei bayerischen Stände hatten 1704 gelobt, wenn Gott der Bedrängniß, in welcher sich damals München und das bayerische Land in Folge der österreichischen Occupation befand, abhelfen würde, eine Kirche zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit zu bauen: Gott fügte es, daß dieselbe neben dem Klostergebäude zu stehen kam und gleichsam einen würdigen Schlußstein des ganzen Unternehmens bildete. Sie sollte auch die Stiftung selbst überdauern. Im Jahre 1802 mußten die Nonnen ihr Kloster räumen, das sofort in ein churfürstliches Pfand- und Leihhaus umgewandelt wurde. Ja nicht einmal die in der Gruft liegenden zweinndvierzig Leichen der verstorbenen Nonnen durften verbleiben: mit barbarischer Nohheit wurden dieselben Nachts auf den allgemeindn Friedhof verbracht und vergraben. — Niemand weiß wohin. — Auch der Leichnam der um die Einführung der Carmelitinnen in Bayern so hochverdienten Anna Maria Lindmaier (f- 6. Dez. 1726), welcher mit Wnnderzeichen leuchtete, fand in den Augen der Klosterstürmer keine Gnade. - 'Als Stiftsdccan Darchinger am 20. Januar 1803 in der Klostergruft sich einfand, um gegen die Pro- fanirung derselben zu Protestiren, fand er sie schon theil- weise geleert und das bischöfliche Amtssiegel, welches im Jahre 1784 im Auftrage des Fürstbischofes Johann Theodor sein Vorgänger Stiftsdechant Ottinger am Grabe der Seligen angelegt, weggerissen. Das Einzige, ivas er noch retten konnte, war das ebenfalls mit dem fürst- bischöflichen Siegel versehene Gefäß mit Blut von der Verlebten, welches die Oberin bei ihrem Abzüge nach Neubnrg an der Donau mit sich nahm. Während ein Theil des zu einem Leihhause herabgewürdigten Klostergebäudes in der Rochnsstraße unverändert bis jetzt erhalten blieb, wurde der Hanptstock in der Pfandhausstraße Nr. 7, obwohl im besten baulichen Zustande, auf Betreiben des bekannten Bürgermeisters Erhardt 1877 gänzlich niedergerissen, an seiner Stelle ein großes dreistöckiges Miethgebäude ausgeführt, in welchem gegenwärtig eine Weinrestanration sowie ein Verkaufsladen für Lnxusgegenstände (Knnstgcwerbc-Ans- stellung) untergebracht sind. Als Centralkloster für die Karmelitinnen von München und Nenburg an der Donau wurde das ebenfalls aufgehobene Cistercienserklofter Pielenhofen, 3 Stunden von Regcnsburg, bestimmt. Dort nimmt eine gemeinschaftliche Grabstätte nun jene auf, welche rohe Gewalt aus ihrem Heim vertrieben. Zwei Marmorplatten erhalten der Nachwelt die Namen der 29 Opfer des damalige» Cultnrkampfes. VII. Pfalzgraf Wolfgang Philipp von Neubnrg war im Jahre 1613 zur katholischen Religion übergetreten und hatte sich mit der Schwester Maximilians I. von Bayern vermählt. Von gleichem Glaubenseifer wie dieser beseelt, trachtete er in seinen Landen die katholische Religion wieder in Aufnahme zu bringen und berief zu diesem Zwecke Jesuiten nach Nenburg und Düsseldorf. Außerdem fanden auch andere Ordensgenossenschaften an ihm einen großen Gönner, darunter die Karmelitinnen von Antwerpen, denen er in Düsseldorf 1643 zu einer Niederlassung verhalf. Sein Sohn und Nachfolger Philipp Wilhelm, welcher 1653 — 1685 in Nenburg residi'rte, in welch letzterem Jahre er den pfälzischen Chnrstuhl bestieg, wandelte in denselben Bahnen wie sein Vater; er errichtete in Neubnrg den Franziskanern ein Kloster und ließ von Düsseldorf Karinelitinnen in eben diese Stadt kommen (1661). Es kamen ihrer 6 Schwestern, sämmtliche, die Priorin mit inbegriffsn, vornehmer englischer Abstammung. Da nämlich König Heinrich VIII. von England die Kloster in seinem Lande sämmtlich aufgehoben hatte, so waren Jene, die den Ordensberuf in sich fühlten, genöthiget, außer Landes zu gehen. So kam es, daß die Karmelitinnenklöster in Düsseldorf und Neubnrg von Antwerpen aus deren viele auszuweisen hatten. Die erste Priorin des neugegründeten Klosters, M. Magdalena, vom hl. Joseph zubenannt, aus dem uralten Adelsgeschlechte der Bedingfelds, war zuerst 11 Jahre Subpriorin im Düsseldorfer Convent. ehe sie nach Neubnrg berufen wurde, eine Frau von heiligmäßigem Wandel; sie scheint auch mit prophetischem Geiste begabt gewesen zu sein, da sie dem Fürsten Philipp Wilhelm wiederholt ans Herz legte, auf sein achtes Kind, den kleinen Prinzen Alexander Sigismund (geb. 1663), sorgfältig zu achten, mit der Versicherung, daß derselbe einst'Bischof von Augsburg, sonnt ihr geistlicher Oberer werde, was auch !n der Folge eintraf. M. Magdalena starb, 64 Jahre alt, den 16. März 1684 im 48. Jahre ihrer Profeß. Die Subpriorin Anastasia von Jesu, eine geborene Gräfin von Weckmann, starb am 10. Dez. 1669 im 35. Jahre ihres Alters und im 19. der Profeß. Beide hatten ihre Gelübde im Kloster in Antwerpen abgelegt. Luzia vom hl. Jgnatius aus dem adeligen Geschlechte der Splinter von Gent in Brabant, starb im 56. Jahre ihres Alters, im 36. ihrer Profeß, den 26. November 1691. Diese drei vorzüglich waren es, die durch den Geruch der Heiligkeit den Ruf des Klosters auf lange Zeit hinaus begründeten und heute noch bei den Einwohnern Neubürgs nicht vergessen sind. Bei der Säcularisation am Ansauge dieses Jahrhunderts wurde das schöne und große Kloster gleich sovielen anderen Stätten der Gottseligkeit aufgehoben, die Klostergruft wurde geräumt, die drei Leichen der soeben Genannten, welche man unversehrt fand, nebst denen ihrer Mitschwestern in den allgemeinen Friedhof St. Georg überbrückst, die Gebäulichkeiten abgebrochen und der gewonnene Platz zu Neubauten verkauft. Anfangs hatte es noch den Anschein, als ob das Kloster erhalten bleiben sollte, da man auch die Karme- litinnen von München in demselben untergebracht; aber bereits am 23. August 1804 wurde den Schwestern eröffnet, daß sie stimmlich nach Pielenhofen überzusiedeln hätten, womit das Todesnrtheil über Kloster Neubnrg gefällt war. VIII. Hatten die beiden Fürsten von Pfalz-Neubnrg sich durch Gründung zweier Karmelitinnenklöster verdient gemacht, so erwarb sich eine andere Linie des wittelsbach- ischen Stammes nicht weniger Verdienste um diesen ehrwürdigen Orden. Im herzoglichen Schlosse zu Sulzbach residirte (1632 — 1708) Pfalzgraf Christian Anglist, welcher im Jahre 1656 zur katholischen Kirche zurückgekehrt war. Zwei Gräfinnen Snlzbachs hatten einst die mächtigsten Throne der Welt bestiegen: Bertha, auch Irene genannt, wurde Kaiserin in Konstantinopcl (1145), während ihre Schwester Gertrud als Gemahlin Kaiser Konrads im Abendlande herrschte. Der erlauchten Tochter des Pfalz- grafen Christian Namens^tmalia schwebte ein höheres Ziel als ein irdischer Kaiserthron vor Augen: 1683 trat sie zu Köln a. Rh. in das dortige Kloster zu Maria Lorcto und brachte sich somit selbst dem Herrn znm Opfer. Ihr Bruder Theodor Enstach, welcher seinem Vater in der Regierung folgte, war mit Maria Eleonora, einer Landgräfin von Hessen-Rheinfcls vermählt. Nenn Kinder (vier Prinzen und fünf Prinzessinnen) beglückten diese Ehe. Noch lebt im Volksmnude die Sage von „Eleonora's Traume" fort: Kurz vor ihrem plötzlich erfolgten Hinscheiden soll sie eine Vision gehabt und freudig staunend ein- über das anderemal ausgerufen haben: „Ich sehe den Stamm der Pfalzgrafen, und unter demselben einen herrlich glänzen vor allen übrigen — höher denn alle!" Von ihren Töchtern trat die älteste, Amalia Angnste, bewogen und angeeifert durch das Beispiel ihrer erlauchten Tante, 1714 zu Köln in das Karmelitinnenklostcr, in welchem sie unter dem Namen M. Eleonora Theresia a S. Cruce als Subpriorin am 18. Jänner 1762 selig verschied. Ihre Schwester Franziska Christina nahm 1733 im Karmclitiimenklostcr zu Düsseldorf den Schleier und starb, nachdem sie als Priorin wiederholt dasselbe geleitet, 1776. Gerne wäre auch die dritte Tochter Eleonora's, Ernestine, in zarter Jugend dem Beispiele ibrer beiden Schwestern gefolgt, aber. ihrem edlen Vorhaben stellten sich Hindernisse über Hindernisse, in den Weg. In kindlichem Gehorsame zu ihren Eltern reichte sie dem Grafen Wilhelm dem Jüngeren zu Hessen- Rhcinsels die Hand znm ehelichen Bunde. Die Ehe blieb kinderlos, und als ihr Gemahl am 25. März 1731 starb, erwachte in ihr von Neuem die Sehnsucht nach dci» Ordenslebcn. Nachdem sie vergeblich zuerst in Köln, dann in Neubnrg an der Donau um Aufnahme in den Karmclttcn- Orden nachgesucht, wurde ihren inständigen Bitten an letzterem Orte nachgegeben und dieselbe am 31. Oktober, am Feste des heiligen Wolfgang, 1747 eingekleidet. Um den damaligen Churfürsten von der Pfalz, Karl Theodor, zu ehren, wurde der hohen Caudidatin der Name Maria Theodor« beigelegt. Als „Schwester Theodor«" begann dieselbe nun mit einem Eifer und Ernste ihre neue Laufbahn, daß ihr Name bald von Allen nur mit Hochachtung und Ehrfurcht ausgesprochen wurde. Nach zehn Jahren gelegentlich einer Oberin-Wahl fiel dieselbe auf sie, und das Ncnbnrger Kloster hatte dies nicht zu bereuen. Wie sie den Schwestern mit Hellem Tugendbcispiele voran- leuchtete, so war sie auch für das zeitliche Emporkommen des Klosters bedacht, und kam ihr das Wohlwollen ihrer hohen Verwandten dabei zu Gute. So war es Churfürst Karl Theodor, der den gelegentlich eines Brandes zerstörten Glockcnthnrm wieder herstellen ließ, während ihre Schwester, eine Fürst-Aebtissin von Thor», durch Spcndung einer beträchtlichen Geldsumme ihren Lieblings- wnnsch verwirklichte, nämlich der unbefleckten Gottesmutter im Klostergartcn eine Kapelle zu errichten, damit die Schwestern bei ihren Rckreationen ab und zu der Hoch- gebcnedcitcn ihren Huldignngsgrnß darbringen könnten. Achtnndsiebzig Jahre war „Mutter Atari« Theodor«" alt, als der Augenblick kam, daß sie ihre Seele in die Hände des Schöpfers zurückgeben sollte. Kurz vor ihrem Tode (14. April 1775) hatte sie noch ihr geliebtes Kloster der Huld Karl Theodors empfohlen. „Unterstützen Euer Durchlaucht auch nach meinem Tode dieses HanS, in Ansehen meiner, und erinnern Sie sich, r lieb mir diese Gemeinde gewesen, zu der Zeit, als ich unter ihr gewohnt, sowie daß meine Gebeine uo«) allda 226 ruhen.- Ihr Wunsch, auch nach dem Tode unter ihren Schwestern zu ruhen, fand nur kurze Zeit Gewähr. Bei Zerstörung des Neuburger Klosters 1807 wurde ihre Leiche in einem eichenen Sarge um Mitternacht in die Fürstengruft der Hofkirche zu Neubnrg übertragen: dort harrt dies edle Reis aus wittelsbachischem Stamme, eine Zierde des Berges Carmel, noch heute der ewigen Urstände. IX. Geraume Zeit hatte es gedauert, bis aus den Ruinen, welche der Klostersturm Anfang dieses Jahrhunderts in Bayern schuf, neues Leben erwuchs. Aber während der männliche Orden vom Berge Carmel so glücklich war, wenigstens drei seiner einstmaligen Niederlassungen in den altbayerischen Stammlanden (Regensbnrg, Reisach, Straubing) zu retten, blieb dem weiblichen Orden dieses Glück versagt. Wiederholt hatten in den letzten Jahrzehnte» bayerische Landeskinder in den benachbarten österreichischen Karmelitiunen - Couventen, zu Graz, Baumgarten und Meyerling bei Wien, um Aufnahme nachgesucht und sie auch erhalten. Was lag näher als der Gedanke, den bayerischen Orbcuscandidatiunen in ihrem eigenen Lande eine Heimstätte zu erwerben. Zum Glücke fand sich eine solche in dem einsam, aber herrlich gelegenen Wallfahrtsorte Auf- kirchen am Starnbergersee. Daselbst hatten einst die Augustiner von München 1688 ein Hospitium errichtet und bis zum Jahre 1803 die Seelsorge bet der Kirche versehen. Nach ihrem Abzüge verfielen die Klosterräumlichkeiten immer mehr, da nichts mehr darauf verwendet ivurde, und eine Veräußerung derselben behufs Erbauung eines neuen Pfarrgebändes war zur dringenden Nothwendigkeit geworden. Ein wackerer Münchener Bürger erhielt davon Kunde, und mit seltenem Opfermuthe ging er daran, dieselben an sich zu bringen und es so den Karmelitlmleu, bei welchen sich eine Tochter von ihm befand, zu ermöglichen, endlich in Bayern wieder Fuß zu fasten. Nachdem mit großem Kostenaufwande die nothwendigsten Reparaturen und Auswechslungen vorgenommen waren, konnten am 18. September 1896 die hiezu bestimmten Klosterfrauen von Meyerling bei Wien ihren Einzug halten. Es waren ihrer sieben. Die Ankömmlinge waren geführt von einem Karmelitenpater (Lukas) und von einer hochadeligen Meyerltnger Schwester, der verwittweten Gräfin EsterhLzy von Galantha (gebornen Fürstin Lobkowitz), Mutter des ungarischen Katholikenführers Nikolaus Moriz Esterhäzy, deren Tochter Bertha mit dem Fürsten Emil Oettingen-Spielberg, einem eifrigen glaubenstreuen Katholiken, in München verehelicht ist. Zugleich war auch die ehrwürdige Oberin von Meyerling, Maria Euphrasia, mitgekommen, um die nothwendigsten Anordnungen zur Einrichtung des neuen Carmels vorzunehmen. Diese beiden kehrten sodann wieder nach Meyerling zurück, so daß der neu begründete Conveut, zur Zeit aus fünf Mitgliedern besteht. Die neue Ansiedelung ist zu einem Carmel nicht nur ihrer gesunden und herrlichen Lage wegen, sondern auch zufolge der Stille und des hl. Friedens, der an diesein vom Verkehre abseits gelegenen Wallfahrtsorte waltet, zu einem beschaulichen Leben, wie es die strenge Ordensregel vorschreibt, geschaffen, wie kaum eine andere, und entschädigt mehr als hinreichend den Verlust so manches früheren Klosters in volkreicher Stadt. Mehr als Zufall scheint es auch zu sein, daß die neue Niederlassung in nächster Nähe des einstigen Lieblingssitzes des verstorbenen Königs Ludwig II. sich befindet, woselbst er auch seinen traurigen Tod gefunden. Wiederholt waren wittelsbachische Fürsten in nahen Beziehungen zum Karmeliten-Orden gestanden, von der Zeit an Herzog Albcrts II., Churfürst Maximilians I., bis herab zu Karl Theodor, und hatten bayerische Prinzessinnen es als ihr größtes Glück geschätzt, dem Karmeliten-Orden anzugehören. Durch die neue Stiftung soll das Band, welches Wittelsbach und Carmel verknüpfte, ueugefestiget und dadurch dem Hanse und Lande Bayern eine Quelle reichen Segens werden. Duplik und Schlußwort über Kapharnaums Lage Die Aufmerksamkeit, welche mein liebenswürdiger Gegner meinen vieliährigen Palästina-Forschungen widmet, erfährt eine Tragweite, wovon er sich schwerlich eine Vorstellung macht. Die Artikel kommen natürlich den Vorständen und Mitgliedern des katholischen Vereins für das heilige Land zu Köln-Aachen in die Hand. von wem immer eingesandt, und machen diese stutzig — ich würde sonst nicht mehr darauf antworten. Es handelt sich eben jetzt um die Erweiterung unsererdentschen Kolonie am West»fer des Sees Gennezaret durch den Ankauf von 400 Morgen Landes, welche die Drusen von Name aus momentaner Geldnoth uns anbieten. Kommt derselbe nicht zu stände, so drohen Juden, Russen und wer sonst noch uns zuvorzukommen, eine unangenehme Nachbarschaft! Und gerade gilt es das Weichbild von Minieh, der Stadt Christi und der Christen, für welche ich bald nicht mehr allein eintrete, denn ich habe in Palästina nicht bloß die Mönche vom Berge Carmel, die deutschen Franziskaner, überhaupt die Deutschen, aus meiner Seite, welchen ich auch am Berge Sion zwei Vortrage hielt. Ich erwarte den, der mich aus dem Sattel hebt, wo ich so fest sitze, daß ich von Anfang die Erklärung abgab, wenn Chörbet Minieh mit dem dazu gehörigen Chan nicht Kapharnaum sei, so wolle ich ebensoviel an Mark bezahlen, als dafür Franken erlegt wurden. Ich verpflichte mich immer von neuem, möge mein gegnerischer Freund dem Beispiele folgen, und ebenso für Tel- hum sich opfern. Es gilt jetzt den geweihten Landstrich zu erobern, wovon der Heiland bei Markus 1,38 spricht: „Auf! laßt uns in die benachbarten Flecken gehen, daß rch da predige, denn dazu bin ich gekommen." Leider macht die protestantische Kritik, welcher man zum Vorwürfe macht, daß sie Advokatenkünste anwendet und vor lauter Negation zu keinem positiven Ergebnisse gelangt, mehr lind mehr auch bei uns Propaganda. Das könnte ich auch, wenn ich den festen Boden verlassen wollte, ich will so ein Kunststück probiren. Auf dem Oelberg liegt bekanntlich el Azarieh mit mächtigen Ruinen aus der Kreuzritterzeit. damals hieß es l,ararimu. Weit gefehlt, sage ich, daß wir dieses länger für das Dorf des Lazarus halten diirfen: man trenne vom heutigen Lazarieh den Anfangsbuchstaben als arabischen Artikel, so bleibt Azarieh. Dieß ist aber Azal, wovon unter andern der Prophet Zacharias XIV. 4 f. spricht: „Des Herrn Füße werden stehen auf dem Oelberg gegen Morgen von Jerusalem, und der Oelberg wird sich mitten entzwei spalten von Ansgang gegen Niedergang. Das Thal zwischen den Bergen wird nahe hinreichen an Azal, und ihr werdet fliehen wie vor Zeiten beim Erdbeben unter König Mas." Der Name wiederholt sich I Chron. VIII, 38. IX. 44. Rcsch und Lamed wechseln so oft, wie Ezech. XIX, 7 bei Alma- nutha, womit man Dalmanutha vergleichen wollte. Dem Alabarchon von Alexandria steht Arabarch gegenüber, und Bethgibrin lautet ebenso Gibetin, die Heldenstadt Eleuthero- polis u.s.w. Versuche unser Freund mit seiner hyper- kritischen Methode mich zu widerlegen, wenn ich so Bethanien von seiner jetzigen Stelle am Oelberg verschwinden lasse, ja mich noch dazu auf Lukas XIX, 29 stütze, wo er Jesum von Jericho nach Bethphage und Bethanien am Oelberg gelangen läßt. und XXIV, 15 schreibt: „Er führte die Elfe hinaus nach Bethanien und fuhr gen Himmel." Da aber nach der Apostelgeschichte I. 12 die Entfernung von Jerusalem nun einen Sabbatwcg betrug, so müßte Bethamen nicht ,m Hintergründe, sondern anf der Bergspitze zwischen Beth- phage und der hl. Stadt gelegen haben? So argumentirt man einem orientalischen Schriftsteller gegenüber nicht. Es ist gegebenen Falls große Verantwortung mit so widersprechenden Artikeln verbunden. Monelia brauchte einst das Motto: Do voutum «st nt owni» tut» tiinsa-ruus, gui» oNuet» pervertors inulti woliuutur. So meint mancher, man kann nicht sicher genug gehen, und tadelt an allem, wie der Schuster am Bilde des Apelles. In der Paulskirche brachte ein lang verewigtes Mitglied, Wedekind, bei jeder Berathung seine Bedenken auf die Tribüne und erntete dafür den Titel Reichszweifel.r. Doch genug! Ich meine, mein gelehrter Gegner solle die Aufmerksamkeit würdigen, die ich im heiligen Interesse an der Sache ihm widme, und von seinem Prirrhonismus abstehen. Durch die falschen Ortsbestimmungen ist das ganze Leben Jesu zerrüttet worden! Um die wahre Lage all der durch Christi Gegenwart geheiligten Stätten sicher zu erforschen, habe ich zweimal Palästina bereist und vor- und nachher die zugängigen Schriften in allen Sprachen durchgenommen, auch die Pilgerschristen nicht übersehen, um ja die Tradition festzustellen. Die Hauptfrage dreht sich um Kavharnaum, und ich kann nicht dulden, daß man die seit fünfzig Jahren verfochten« Position mir länger streitig macht. Eigentlich müßte die Christenheit sich schämen, wenn sie die Stätte der mehrjährigen Wirksamkeit Christi ganz aus den Äugen verlor. Soll ich nochmal auf den Guardian vom Berge Sion, Queresmius. verweisen, welcher 1620 darauf besteht: „Ich halte die alte Ueberlieferug sehr in Ehren und habe fast alle Bibelgelehrten und in der Geschichte der heiligen Stätten bewanderten Männer durchgesprochen. An der Stelle von Kavharnaum liegt ein Chan. und zivar sechs Millien vom Jordaneinfluß, und heißt arabisch Menieh." Seine Rathgeber konnten auf den Venetianer Sanuto sich berufen, welcher genau drei Jahrhunderte früher Kaphar- nanm zwei Stunden von der Jordanmündung in den See Gennezaret ansetzt. Es ist doch nicht gleich- giltig, wohin man unsere Pilger führt. Mein Freund diskreditirt mein „Jerusalem und das heilige Land" und die „Hochwichtigen Entdeckungen auf der zweiten Palästinafahrt." und belehret mich. die Zollstatt des Matthäus sei gleich „vor den Mauern Ka- pharnaums" gelegen. Wie konnte aber Markus II. 18 dann schreiben: „Jesus ging von Kapharuaum hinaus, dem Meere entlang und kam nach Er braucht dabei dasselbe Wort, wie VII, 31 e'L-zSlü»- bei der Auswanderung nach Tyrus. Der Name bestand fort, Baluze kennt das zur Festung Saphet (1238) gehörige Oa-sale aä tbeloneum, der Guardian Burchard (1283) stößt abwärts vom Berge Saphet am Seeufer auf telovium, der Missionär Ricold nennt die Station -Ibootovinm: wohin ist sie gekommen? Pococke trifft 1738 an derselben Stelle in mundartlicher Form Telhewa für Telhum, wie aus Kydonia — Kandia. aus Posidonium — Pästum ward. Es ist Ein Wort, der Araber faßte aber das ihm unverständliche Tel für Teil — Hügel auf nnd mußte die zweite isolirte Sylbe mit dem Spiritus lenis oder asxsr beginnen; also entstand Tellchum. Das weiß jeder, der arabisch versteht, und nun mußte Chum der Ueberrest von Kapharnachum sein (?), obwohl Matthäus IV, 13 dieses an die Grenze von Zabulon und Nephtali verlegt, die weit südlicher vorlief. Mein Gegner hat ebenso das Evangelium gegen sich, wenn Johannes VI, 19 die Entfernung von Bethfaida (Mesadieh) zn 25 bis 30 Stadien angibt. Die Synoptiker nennen dafür die Ebene Gennezaret. Mein strenger Kritiker ist schnell fertig und läßt die Apostel erst in der Ebene landen, dann aber mit dem Herrn nach Telhum zurückgehe«. Dieß ist, mit Verlaub, als ob jemand von Beruried nach Seeshaupt verlangt, aber deßhalb nach Arnbach fährt und nun zurückgeht. Zu Fuß kam das Volk auch schneller dahin, urtheilt mein Widersacher, wozu schifften sie dann beim Seesturm sich ein? Noch mehr! Josephus erreicht über die obere Jordan- brücke Kapharnome und den Fluß Kapharua u m. Wie rennt sich das mit Telhum zusammen? Der Fluß liegt ja eine halbe Stunde südlicher, wie konnte er davon sprechen? auch wird aus Nome oder Raum nie Chum. es müßte Telnum beißen. Doch kommt es immer besser. Mac Gregor nennt (llüo Hob Koi 1874 pE 312) Tellhoom statio male tiäa variuis — wegen der regenden Stürme aus dem Hanran. Schadet nichts, meint mein Censor, man zog dann die Schiffe auf den Sand und brauchte keinen Hafen; allem man konnte auch einen Molo bauen! — Davon müßte sich doch heute noch eine Spur finden, und warum sollten die Schiffer und Fischer nicht der: vor Augen liegeudeunatürlichen Hafen von Minieh als steten Landungsplatz und Zufluchtsort benützt haben? All die nur gemachten Einwände sind künstlich! Ein Mtbayer, Lorenz Hartinger, schildert die Erlebnisse auf seiner Pilgerfahrt 1883 S. 218 gerade zu Telhum: „Da der See Untiefen hat. so liefen unsere Fahrzeuge auf den Strand. Bei dem Tiefgang der Barken konnte nicht jeder, der nicht Stiesel trug, ans Land waten. Die Boötsknechte sprangen in den See nnd trugen die Unbebilflichen, insbesondere die Damen, nach Art, wie man kleine Kinder auf den Armen trägt, ans Land." — Was sagt unser gelehrter Doktor dazu? Man höre! „Damals war man nicht so wasserscheu, wie Sepp es voraussetzt. Petrus war Joh. 21, 7 nackt im Schiffe ; als der Herr kam. warf er sich angekleidet ins Meer. Er wußte eben aus Erfahrung, daß die Sonne am See Gennesareth genügend Wärme entwickelte, um ein nasses Gewand in kurzer Zeit zu trocknen." Das riecht nach der Studirlampe! Woher soll noch neues Material kommen, um die ,,offene Frage" über Telhum und Minieh zu lösen? Weil rch nicht mehr daraus zurückkommen will, berühre ich noch kurz die andern angefochtenen neutestamentlichen Stätten. Kana Galil nennt der Syrer den Ort des ersten Wunders (Joh. II, 1). wie die Stätte noch heute heißt und früher 4 Stunden nördlich von Nazareth bestimmt wurde. Ich habe nach Jahrhunderten als der erste Europäer 1846 es wieder aufgesucht; aber wie die Kara- wanenstraße von Telhum her. ist auch die Station verödet. Cana bedeutet im Hebräischen wie Latein die Rohrstadt, gelegen am Sumpfe Battof, woraus ich Schildkröten aufhob. Der Widerspruch ersinnt heute: es ist Kefr Kenna; man läuft den Griechen nach nnd verbraucht die meist aus der Tasche armer Leute für das hl. Land gesammelten Gelder zum Anbau eines Sanktuariums (?) in dem jüngst erst entdeckten Hanse des Bartolo- mäus von Kana. Mein Einwand: weder Name noch örtliche Lage passen bei Kenna, will illusorisch gemacht werden durch den Witz. es sei doch eine Quelle in dem Bergdorf! Da die Juden ein Manifest gegen Jesus erließen, ihn zu tödten, machte er sich von Jerusalem fort „in eine Gegend nahe der Wüste, in eine Stadt Ephrem* (Joh. XI, 63 f.). Ich suche diese Wüste in der Dekapolis zu Ephraim im Walde (ckearim, -. „Wichtig für Jedermann!" heißt es ober der Titelüberschrift, die dann noch weiter erklärt wird: „Wesentliche Mithilfe der sogenannten willkürlichen Muskeln zur Entstehung des geistigen Lebens lind dessen Wirkung auf Gesundheit, Stärke, Gestalt, Schönheit und Lebensdauer. Wir gestehen freilich, schon lange keine so sonderbare Zchrift in der Hand gehabt zu haben. Die Wechsel- virkung zwischen Leib und Seele ist von jeher anerkannt «orden; manche scharfsinnige Bemerkung müssen wir dem Verfasser danken, aber im Ganzen geht er doch zu weit, wenn er der Muskelthätigkeit sozusagen eine Nniversal- bedeutung zuschiebt und wenn er sich zu so ungeheuerlichen Sätzen versteigt, wie: „Unser Geist entsteht und wirkt unter geheimer Mitarbeit der sogenannten willkürlichen Muskeln. Richtige Geistesthätigkeit erzeugt körperliche Gesundheit, Kraft, Schönheit. Geistesfrische, langes Leben mit den edelsten Freuden. Alle Krankheiten lassen sich auf geistige Ursachen zurückführen. Bringt ein Mensch starke willkürliche Muskeln (namentlich am Halse) zur , Welt, so besitzt er Anlage zu starkem Gefühl, kräftigem ' Willen, großer Intelligenz und lebendigem Gemüth. Derartige Proben, die sich noch vielfach vermehren ließen, überheben uns der Mähe einer Beurtheilung, und überlassen wir es dem Leser, sollte er etwa Lust haben, ins geheimuißvolle Dunkel dieser neuen Psycho-Physiologie einzudringen, in der die Schatten der alten Phrenologen bedenklich herumgeistern. Chable Flor., Die Wunder Jesu in ihrem inneren Zusammenhange betrachtet. 8°, XII -s- 106 SS. Freiburg im Br., Herder, 1897. Preis M. 2.00. Vorliegende Monographie, die Promotionsschrift eines jungen, leider inzwischen verstorbenen Gelehrten, bildet einen Bestandtheil (II. Bd.. 4. Heft) der gediegenen „Straßburger theologischen Studien". Nachdem die kecken Leugner der Wunder Jesu mit ihren geradezu unverständigen Angriffen neuen Feinden, den Vertretern mystisch-physiologischer Umdeutnng (Suggestion rc.) Platz gemacht haben, ist es jedenfalls kein überflüssiges Unternehmen, die Wunder des Herrn einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Dies geschieht in befriedigender Weise in vorliegender Schrift. In fünf Kapiteln handelt sie mit Berücksichtigung der neuesten Einwendungen von der Wunderthätigkeit Jesu im Allgemeinen, von dem wunderbaren LiebeSwerre Jesu, von den Wundern zur positiven Gründung des messianischen Gottesreiches und zur Ueberwindung des Satans (Teufelsanstreibung und Todtenerwecküng) und von den wunderbaren Realweissag- ungen Jesu. Ein chronologisches Verzeichniß der Wunder Jesu beschließt die lesenswerthe, interessante Abhandlung. Musterbeispiele für das Briefschrciben für Werktags-, Sonntags- und Fortbildungsschulen. Von Hauptlehrer Fink in Haigerloch. Verlag der H. Christian'schen Verlagsbuchhandlung in Horb (Württemberg). Preis 40 Pf. * Ueber dieses Büchlein schreibt ein hohenzollern'scher Schulmann: Wir machen hiermit auf genannte Frucht langjähriger Schulpraxis die Lehrer und ihre Vorgesetzten ganz besonders aufmerksam. Es sind im ganzen 104 Briefe m vollständiger Ausarbeitung, von religiös-sittlichem Geiste durchweht. Die Themata sind allen Fächern der Volksschule entnommen nnd den Zeitbedürfnissen entsprechend ausgewählt. Die Form der Darstellung erinnert an den unübertroffenen Volksschriftsteller Alb an Stolz. Es ist erfreulich, daß in einer Zeit, in der so viele Schul- schriften seit 20 Jahren vom „grünen Tische" aus auf den Büchermarkt gebracht wurden, ein erfahrener Volks schullehrer zur Feder gegriffen hat. Möge sein Erstlingswerk seitens der Schulmänner und Schulfreunde die wohlverdiente Beachtung lind Verbreitung finden. Lli ssa s pro ä s tu n v ti 8 sx misssli romano cksprowptas: aoesäit ritU8 adsolutionis pro ässmicdis 6x rituali st pontiüoali roivLno. 2°, pp. II -s- 52. Ratis- bonae, UuL'tst, 1897. (IV.) S Xova üase mizsalis äotunotormn eckitio irmAlns t>pis msMiZgue notarum ivusiosrum korinis exousa oanäem oruatus oxtsri vitiäateiu, toxtnnm rsetituäinsm pras 56 kort, gnas in oinnibus osloberriinas tz-poKrapbias Uu8tstiana6 Itbris IiturZiois lsuckaro conLusviwus. lW aliuck aäcksnäum 68t, gnam ut, gno saepins eckitioues bujus Ksv6ri8 procioavt, eo majori ctiliK-ontia ao bplenllore ro» voZnitae axparoant. Krieg, Max., Die Ueberarbeitung der platon» ischen „Gesetze" durch Philipp von Opus. 8». 40 SS. Freiburg i. Br.. Herder 1696. M. 1L0. Die „Gesetze" sind das letzte Werk des greisen Plato gewesen. An ihrer Echtheit wird jetzt nicht mehr gezweifelt, ein interessantes Problem der Literaturgeschichte ist es aber. zu erörtern, wie sich der von Plato's Schüler Philipp von Opus überlieferte Text zu des Meisters, eigenen, ursprünglichen Meinungsäußerungen verhält. Das geschieht hier nach Vorgang vieler anderer Philologen in klärender, lichtvoller Darstellung. 5 Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Perlgg des Ljt. Instituts von Haas 8- Grabkerr in Augsburg.