Ni-. 34 r » nklgk zur AiigMger IoßzMg. 19. Juni 1897. Hans Holbein der Jüngere. Ein Gedenkblatt zu dessen 400jährigem Gebnrtstagsjubiläum von A. Zottmann. „Alles zeugt dafür: Hans Holbein der Jüngere war ein künstlerisches Genie von einer Allseitig- keit, wie Wenige vor und nach ihm aufgestanden." (I. Sighart, Gesch. d. bild. Künste im Königr. Bayern ps. 599.) Die alte, glänzende Reichsstadt Augsburg barg um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine ganze Reihe be- mcrkenswerther Künstler innerhalb ihrer Mauern, denen aber allen der Vorrang abgelaufen wurde von den beiden Malerfamilien Burkmaier und Holbein. Vorzüglich letztere hat in ihrem Gliede Hans Holbein dem Jüngern einen Meister hervorgebracht, der mit Dürer auf der Höhe deutscher Kunst steht, einen Maler, dessen Werke auch neben denen eines Raffael noch zu »«getheilter Bewunderung hinreißen, und der immer zu den ersten Künstlern aller Zeiten und Länder gezählt werden wird. Ihm sollen die folgenden Zeilen zu seinem 400- jährigen Geburtstagsjubiläum gewidmet sein,') und sind die werthen Leser gewiß damit einverstanden, daß die „Augsburger Postzeitung" dem Gedenkblatt für ihren weltberühmten Landsmann ihre Spalten öffnet. Im Hause „zum Dippold" war die Wohnung Gnrkmaier's und auch, wenigstens für längere Zeit, des alten Hans Holbein, wcßhalb man hieher die im Jahre 1497 erfolgte Geburt des jüngeren Hans Holbein verlegt.?) Letzterer hatte noch zwei Brüder, Ambros und Bruno, und alle drei wurden vom Vater, der selbst ein geachteter Künstler war, zur Malerei erzogen. Selbst- ständig hat hier während des Augsburger Aufenthaltes der junge Künstler keinesfalls gearbeitet, wenigstens ist nach der neuesten Holbeinforschung nichts erhalten, was ihm allein zuzuschreiben wäre;") seine Thätigkeit wird ganz in der Beihilfe zu den Werken des Vaters aufgegangen sein. Aber es läßt sich leicht denken, daß es ein so frühreifes und umfassendes Künstlertalent, wie es dem jungen Hans Holbein beschicken war, mächtig drängte, nicht mehr nach den Principien und Vorschriften Anderer ') Benützte Literatur: A. Woltmann, Holbein und feine Zeit (2 Bände. Leipzig 1866); Ed. H,s-Heusler. Die neuesten Forschungen über H. Holbein des Jüngeren Geburt rc. (in Beiträge zur Geschichte Basels VIII. Bd. ps. 347 ff.): Reber, Geschichte der Malerei v. Anf. des 14. Jahrh. (München 1894 PA. 255—261): A. Bayers- dorffer, Der Holbeinstreit (München 1872); R. 8. ^Vornuiu, soms s-oeount ot tlrs lils anä ^vorlc8 ok 8. klolboiv (London 1864); Ed. Hies, Einige Gedanken über oie Lehr- und Wanderjahre Hans Holbein des Jüngeren (im Jahrb. der k. preuß. Kunstsammlung XII. Bd. pZ. 59 ff.); C. v. Lützow. Holbeins Madonna des Bürgermeisters Meyer (Separatbeil. zur Chronik der vervielf. Künste, Wien 1888, Nr. 1); Springer. Handbuch der Kunstaesch. 1896, IV, px. 112—124; Franz, Geschichte der Malerei, 8, 897 ff. u. A. 2) Wie bei andern großen Männern, war man über Zeit und Ort unseres Künstlers lange Zeit nicht einig. Er sollte in Basel, im pfälzischen Grünstadt oder in Augsburg geboren fein. Nach dem jetzigen Stand der Kunstgeschichte aber ist er zweifelsohne zu Augsburg 1497 geboren. ') Die verschiedenen Arbeiten, welche Woltmann aus dieser Periode ihm zuschreibt, gehören mehr dem Vater, dem ältern Holbein. an. zu arbeiten, sondern auf eigene Füße sich zn stellen und ganz Selbstständiges der Welt zu bieten. Das erklärt uns, warum Hans so frühzeitig dem Vaterhaus Lebewohl sagte und nach Basel in der Schweiz sich begab, wo damals der Bücherdruck und die Bücherillustration i» hoher Blüthe waren und einem strebsamen Künstler reiche Gelegenheit zur Ausübung seiner Kunst bieten mußten. Bereits vom Jahre 1515, also von seinem 18. Lebensjahre an kann Holbeins Aufenthalt in dieser Stadt nachgewiesen werden. Da er aber erst 1519 in Basel zünftig wird, so muß man, wie Ed. His calculirt, annehmen, daß er während der ersten Jahre bei einem ander« Meister lernte und arbeitete, und dieser dürfte der auS Augsburg stammende Hans Herbster gewesen sein, „indem aus mehreren Zeugnissen hervorgeht, daß beide Bruder Holbein zu demselben in näherer Beziehung standen, wie z. B. Hans i. I. 1516 dessen Bildniß malte. . . . Auch war Herbster damals der angesehenste Maler in Basel." Aus dieser Zeit stammen von Holbein neben dem angeführten Porträt Herbsters noch fünf große auf Leinwand gemalte Passionsbilder, der lange Zeit verborgene und erst 1871 von Professor Vögelin in verwahrlostem Zustand wieder aufgefundene sogen. Holbeintisch mit Darstellungen des von einem Affen ausgeraubten Krämers und des traurigen St. Niemand, auf den alle Schuld geschoben wird; ferner das Doppelbildniß des Bürgermeisters Jakob Mayer und seiner Ehefrau, damr 62 Federzeichnungen zu der Schrift des Erasmus „Lob der Narrheit" — scherzhafte kleine Zeichnungen von verschiedenem Werth, „aber meist reich erfunden und mit so genialer Freiheit der Hand ausgeführt, daß man gern der Versicherung glaubt, Erasmus selbst habe sich daran ergötzt"; außerdem ein Schulmeister - Aushäugschild mit entsprechenden Scenen; Adam und Eva, zwei Bilder mit häßlichen Köpfen, die eher einen Rückschritt als Fortschritt bezeichnen, Und endlich eine reizende Federzeichnung auf dunkelgrau grundirtem Papier mit weißen Lichtern, welche die sitzende jugendliche Madonna darstellt, wie sie dem Kinde behilflich ist, die ersten Schritte zn »rächen. Im Allgemeinen offenbart sich schon in diesen Jugend- werken ein scharfes Auffassen der thatsächlichen Verhältnisse, ein stark hervortretender Realismus ohne viel ideale Erhebung, theilweise auch ein gewisser Uebermuth und volksthümliche Derbheit. Im Jahre 1517 verließ unser Künstler Basel und taucht bald darauf in Luzern auf, wo er das HauS des Schultheißen Jakob von Hertenstein innen und außen mit Wandgemälden versieht; außen mit Ornamenten, Wappenschildern und Scenen aus der altgriechischen und römischen Sage und Geschichte, innen mit den heiligen 14 Nothhelfern, der Stifterfamilie, dem Jungbrunnen. Die Gemälde sind leider zu Grunde gegangen und nur flüchtige, unzureichende Abzeichnungen davon erhalten. Ein gewisser Herr Knörr, der größte Banquier Luzerns, hatte das großartige Kunstverständniß (??), daß er das bis 1824 wohl erhaltene Hertensteinische Haus niederreißen und damit eines der bedeutendsten Werke von einem der größten Maler aller Zeiten zerstören ließ. Obwohl Carel van Mander, der älteste Biograph Holbeins, ausdrücklich bemerkt „Nooit reisde H. Holbein naar Italic" (Niemals reiste H. Holbein nach Italien), so sind sich jetzt die Kunsthistoriker doch darüber einig, daß sich verschiedene Werke des Meisters nnr erklären 238 lassen, wenn man annimmt, er habe Italien gesehen, und setzen deßhalb in diese Zeit von Luzern aus eine Reise Holbeins in die Lombardei, da seine Gemälde vorzüglich lombardischen Einfluß verrathen. „Zeugen doch dafür, sagt Ed. His, nicht allein manche Merkmale in seinen Werken von 1519 an, welche in ihren ornamentalen und architektonischen Beiwerken auf Kenntniß der lombardischen Renaissance schließen lassen, sondern auch manche seiner Gesichtsformcn verrathen seine Hinneigung zu deni eigenthümlich leonardesken Tyypus. . In Luzern „wird erwähl von den Wundern jenseits der Alpen gehört haben. Wie konnte er bei der Nähe dem Drang widerstehen, einen Blick hineinzuthun? Hat man doch in mehreren seiner Zeichnungen Anklänge an den malerischen und wildschauerlichen Weg, der dahin führt, erkennen wollen." . .. „Es scheint mir nicht unwahrscheinlich, daß Holbein bereits im Jahre 1517 . . diese Wanderung unternahm." Nach Base! kam Holbein jedenfalls wieder im Jahre 1519, weil aus diesem Jahre das Porträt des gelehrten Bouifazius Amerlach, späteren Basler Nechtsprofessors, eines Freundes des Künstlers, stammt. Im Juli 1520 wurde Holbein Bürger von Basel und empfing im darauf- solgenden September auch das Zunftrecht zum Himmel. Somit ist er ein richtiger Basler geworden, und alsbald trägt ihm auch der Rath der Stadt auf, das Rathhaus auszumalen. Das betreffende, von His-Heusler im Basler Archiv entdeckte Dokument vom Jahre 1521 trägt folgenden Wortlaut: „Holbein, Moler. Ze wissen, daz Meister Hannsen Holbein dem Moler von minen Heren, den Bnwheren vnd lonheren in namen eins Rats, den sal yff dem Richthuß ze malen verdingt ist nach lutt zweyer verding Zedlen deßhalb gemacht vnnd gibt man im für solich sin Arbeitt Hundert vnnd XX gülden. . ." Weiter folgt die Mittheilung, wann die einzelnen Raten dieser Summe ausgetheilt wurden. Die Gemälde, welche in längerer Unterbrechung vollendet wurden und Thaten uneigennütziger Vaterlandsliebe, strenger, selbstloser Gerechtigkeit oder Warnungen vor Tyrannei und despotischem Uebermuth vor Augen führten und wohl das Hauptwerk des Meisters bildeten» find leider nur mehr in Skizzen und Zeichnungen vorhanden. „Aber auch in dieser Gestalt, sagt Springer, erscheinen sie für die Beurtheilung der Künstlernatur Holbeins überaus lehrreich. Sie offenbaren ein tiefes Eindringen in das Wesen des Ereignisses, ein scharfes Erfassen des Kernhaften in Stimmung und Charakteren, eine Begeisterung für das Historische, wie sie in gleichem Maße bei. keinem seiner Kunstgenossen beobachtet wird. Holbein schreckt vor dem Herben und selbst Häßlichen nicht zurück, wenn es ihm für die Wahrheit der Schilderung dienlich erscheint." Und der allerdings gern im Superlativ redende Woltmann meint bezüglich derselben: „Der Maler steht auf der Höhe der geschichtlichen Auffassung, und das Ganze bietet überhaupt das größte Beispiel ächter Historienmalerei, welches je vorgekommen ist in der deutschen Kunst," und wir dürfen „uns nicht scheuen, sie neben dem Größten zu nennen, was die Kunst überhaupt kennt. . Mit einer andern, lebensvollen Wandmalerei, die auch nur mehr in einer Durchzeichnung vorhanden ist, versah der Künstler das nach einem der Bilder benannte „Haus zum Tanz". Den Hauptgegenstand bildet ein Bauerntanz: „ein Fensterchen über der Hausthür schneidet in einen Streifen ein. Daraus ist ein Tisch gemacht, auf welchem Bier- krug und Becher stehen und gegen den die beiden Musikanten sich lehne». Mit -dem Dudelsack spielen sie auf. Zu dieser Musik dreht sich Alt und Jung, lauter derbe, kurze, kräftige Gestalten in stürmischer Bewegung. Das jubelt und tummelt und jagt sich, weiß sich vor Neber- muth gar nicht zu lassen. Die Hüte der Burschen, die Haare der Mädchen sind mit Blumen bekränzt. Im lustigen Neigen fehlt auch der Narr mit der Schellenkappe nicht; er trägt sie Einer für Alle. An ein paar Stellen wird der Scherz etwas ausgelassener, als man es heutzutage passend fände auf offener Straße." Auch Aufträge zu Tafelbildern stellten sich ein. So erhielt sich die Folge von acht Passionsbildern und eine dazu gehörige Predella, Christus im Grabe, von 1521. Auf diese gemalten Passionsscenen folgen 10 vielleicht als Entwürfe für Glasmalerei gedachte derartige Motive in Tuschzeichnung, beginnend mit Christus vor Kaiphas. Gegen frühere Arbeiten ist hier die Formbehandlung größer und freier, der Naturalismus schonungsloser. Er versucht darin, sagt Woltmann, „seinen Geist und seine Richtung allein walten zu lassen, alle kirchliche Ueberlieferung, alle Gewöhnung von sich zu weisen und die Leidensgeschichte des Herrn zu behandeln nicht im kirchlichen, sondern im historischen Geiste. . . Erbauungsbilder zu geben, das kommt ihm jetzt nicht mehr in den Sinn; es sind Gesch ich tsbilder. Das rein Menschliche ist herausgegriffen, dies allein trägt, motivirt und bestimmt Alles, was vorgeht. Hier sind lauter menschliche Leidenschaften, menschliche Thaten, menschliche Charaktere, und die Thaten sind aus den Leidenschaften, die Leidenschaften aus den Charakteren herausentwickelt. . ." Besonders derb und abstoßend realistisch ist das oben erwähnte Staffelbild: Christus im Grab. „Es ist nichts Anderes und will nichts Anderes sein, als das Abbild eines gewaltsam Getödteten, so wahr, wie nur möglich, und so gräßlich, wie hier die Wahrheit sein muß(?), vor uns hingestellt... Hingestreckt auf ein weißes Tuch in einem grünen Steinsarg liegt die erstarrte Gestalt. Der Kopf, gegen hinten zurückgesunken, mit hinabfallendem Haar und starren, halb geöffneten Augen, hager, mit stark vortretenden Backenknochen, ist in der Bildung höchst gewöhnlich; von jedem Christustypus ist abgesehen, auch die Züge sind ganz aus der Natur genommen. Alle Schrecken des Todes sprechen aus diesem grün angelaufenen Gesicht, diesen verwesenden Händen und Füßen, diesen Wundenmalen, den blutigen Löchern, die man tief in die Glieder sich einbohren sieht. Entsetzlich dürr ist der Körper ; desto mehr fällt die treffliche Behandlung der Muskeln usw. in die Augen...." Daraus sehen wir zur Genüge, daß Holbein mit der gläubig-idealen Richtung des Mittelaltes ziemlich gebrochen und zum guten Theil auf dem Boden der für idealen Schwung wenig Verständniß zeigenden Renaissance steht. Das beweisen mehr oder weniger auch seine andern in dieser Zeit entstandenen Bilder, wie der zweiflügelige Altar im Don: zu Freibnrg mit Geburt Christi und Anbetung der Könige, Flügelbilder in Karlsruhe mit St. Ursula und Georg, die Madonna von Solothurn. ^ein derb realistisches Werk ohne lieferen Inhalt", u. A. (Schluß folgt.) Kirchemestllttrirttngen in Bayern. III. Angsbnrger Domportale. Der aus dem XI. Jahrhundert stammende Kern des Augsburgcr Domes ist eine doppclchörige, romanische 239 Pfcilerbasilika mit schmalem westlichem Querschiff und Altarrund. Dieselbe wurde im Jahre 1321 in eine» gothischen Gewölbeban mit verdoppelten Seitenschiffen umgewandelt. Die Ostpartie wurde zwischen 1356 und 1431 und später abermals bis zum Jahre 1484 völlig erneuert, so daß von ihren ursprünglichen Verhältnissen nichts Sicheres mehr bestimmt werden kann. Sie bildet einen Chorumgang mit Kapellenkranz und zwei Prachtportalen. Diese ganze ruinenartig erscheinende östliche Chorpartie verdiente wohl nach dem Vorgänge der Kirchen- rcstanratiouen in Nürnberg eine stilgerechte Erneuerung. Ain schreiendsten drängte sich aber allen durch jenes nördliche und südliche Portal (zwischen Ostchor und Schiff), als die beiden Hanpteingänge, in die Kirche Tretenden das Bedürfniß der gründlichen Ausbesserung des Figurcn- schmnckes sammt der Architektur eben dieser alten Pracht- portale auf. Am nördlichen stehen die ältern, aus der Zeit der ersten Umwandlung des BaueS stammenden Figuren. Die zwei gekrönten hl. Frauen auf der rechten Seite, mit den etwas rundlichen Köpfen und dem stereotypen Lächeln, zeigen in ihren reichfaltigen, oben eng anliegenden, von den Hüften in weichen Falten lang Herabwallenden Gewändern noch den Stil des Xlll. Jahrhunderts. Aus etwas späterer Zeit stammen die zwei linksseitig stehenden Statuen: des hl. Bischofs Ulrich mit dem Fisch, dessen Kopf mit dem gelockten Bart, sowie der stark gebogenen Körperhaltung schon spätgothisch manierirt ist; sodann die fast ebenso alt erscheinende St. Magdalena mit dem zierlichen Gewände des entwickelten Stiles vom XIV. Jahrhundert. Bereits dem XV. Sä- culnm wird die reich gewandete Madonna mit den schon porträtartigen Zügen des etwas breiten Antlitzes angehören, die in statuarisch-hoheitsvoller Haltung am Mittelpfeiler steht. Gut erhalten sind die Nelicfbilder des Spitzbogen- thmpauons. Auf drei einfachen Gesimsen stehen die Figuren derselben in dürftiger Anordnung und cou- ventioneller Haltung mit etwas großen Köpfen, gedrehten Bärten und zierlichem Faltenwürfe ältern Stiles, der sich aber durch schönen leichten Linienfluß und einheitliche Durchbildung auszeichnet, in Zwischenräumen nebeneinander, die Verkündigung, Geburt Jesu, Anbetung der drei Weisen, Mariä Tod und Krönung darstellend. Der obere Rand des Portalbogens ist, statt mit den gewöhnlichen Krabben, in humoristischer Weise mit sich beißenden Löwen besetzt. Ueber dem Portale erhebt sich eine zweite flache Fa§adennische, die, von einem hohen Bogen mit geschweifter Spitze umrahmt, noch weitere Bildnißgruppen enthält: zwei sitzende Könige sammt weiblichen Figuren mit Spruchbändern; darüber wieder die thronende Himmelskönigin zwischen zwei weiter» weiblichen Gestalten (Si- byllcn?). Diese meist dekorativen Figuren mit schon sehr abgestumpften und abgewaschencn Formen, sammt der verstümmelten und abgebrochenen Architektur, fordern nicht weniger als das Südportal zur Erneuerung und zum neuen stilgerechten Ausbau heraus! Der aus der Spätzeit des XIV. Jahrhunderts stammende Fignrenschmuck des Südportals ist bereits — leider so unglücklich erneuert, daß es besser ganz unterblieben wäre. Den Mittelpunkt der Thorskulpturen bildet, wie fast immer in jener Zeit, die Himmelskönigin mit dem göttlichen Kinde. Sie erscheint in würdevoller königlicher Haltung, von imposanter, fast üppiger Gestalt, mit einem weich- und reichfaltigen Gewände angethan. Das Antlitz des mächtigen Kopfes zeigt regelmäßige Züge von vornehm-freundlicher Gelassenheit, ist aber vom Wetter schon stark abgewaschen, so daß es wie das der meisten übrigen größer« Figuren mehr nur noch wie skizzirt aussieht. Die andern sie umgebenden Gestalten der Apostel und Heiligen an den Scitenwänden und Strebepfeilern zeigen den gleichen, theils schön entwickelten, theils mehr handwerksmäßig und schwerfällig gehaudhabten Stil. Ganz links vom Beschauer steht eine Madonna, die als Patronin der Christenheit deren Vertreter in je einer beiderseits herabgehenden breiten: Falte ihres Mantels birgt, mit einem feinen, sehr unmuthigen Jdealkopf und nobler Haltung; neben ihr eine ebenfalls schöne Statue der hl. Elisabeth. Auch die Madonna der Verkündigung auf der andern Seite ist eine vorzügliche Arbeit. Die besten dieser größern Figuren, besonders dke zwei erstgenannten Madonnen, verdienten dem National- oder Maximiliansmuseum übergeben und so dem baldigen völligen Ruine entrissen zu werden. Natürlich müßten sie durch möglichst ebenbürtige Copien von fähiger Künstlerhand ergänzt werden. Geben doch die bereits genannten Exemplare, neben andern in jenem Angsburger Museum aufbewahrten, den sichtbaren Beweis von der hohen künstlerischen Entwicklung der alten schwäbischen Bildneret, deren Schule zu Augsburg neben der Bamberger. sächsischen und Nürnberger Schule zu den bedeutendsten im deutschen Mittelalter zählt. Wie man aber jenen meist künstlerisch vorzüglichen, zum Theil in ihrer Art hochvollendeten Gebilden altdeutscher Plastik am Ende des XIX. Jahrhunderts zur Unzierde eines altehrwürdigen Domes eine solche Gesellschaft verkommener Gestalten, wie den dickköpfigen St. Christophorns, die unübertrefflich plumpe Heilige mit der Lilie und andere verklärte Freunde Gottes darstellen sollende Figuren, wie bereits die sechs neuen an den Chorstreben neben dem Portale aufgestellten, anzureihen vermochte, ist uns schier unbegreiflich. Das heißt denn doch den Spott und das Hohngelächter geradezu herausfordern, die um so begründeter sind, als diese ziemlich großen Figuren in ihrem neuen leuchtenden Kalksteiukleide ihre ganze unwürdige Unschöne auch dem weniger Scharfsichtigen recht augenscheinlich bloßstellen. Wo sind denn die Originale (?), nach denen diese ganz und gar unverstandenen und stümperhaften Gestalten mit ihren Grimassen und wulstigen Draperien fabricirt wurden? Der Steinmetz oder Bildhauer wollte offenbar mit seinen unmöglichen Motiven, die gegen seinen Willen einen modernen Zug verrathen, etwas Alterthümliches schaffen, konnte es aber nicht fertig bringen. Wir sind nun einmal aus der Zeit heraus, da der Steinmetz, Architekt, Bildhauer und Künstler identische Personen waren, und werden auch, trotz aller Versuche der Alterthümler und ihrer Freunde unter den Architekten mit improvisirten Bauhütten und Selbstzüchtung von „selbstständigen Meistern" aus bloßen Handwerkern und Technikern, so bald nicht wieder in jene Zeit zurückkommen. Dazu fehlen alle Vorbedingungen. Und ein Künstler läßt sich nicht so im Handumdrehen erzeugen. — Daß das nicht so geht, ist ja freilich zu bedauern, schon wegen der etwas geringern Löhne, mit welchen die Handwerk-Künstler für ihr Kunstwerk sich bescheiden würden'.? Die Darstellung des letzten Gerichtes, ebenfalls aus 240 der Spätzelt des XIV. Jahrhunderts, wurde auch in ihren kleinern Figuren, die unter einem Spitzbogen mit reichem Maßwerk oberhalb des Portales an der Mauer aufgestellt waren, erneuert. Besonders die in der Mitte fitzende plumpe Gestalt des Richters, sodann die für- bittenden Heiligen und Engel zeigen so ziemlich dasselbe handwerksmäßige Gepräge wie die vorigen und haben nicht den künstlerischen Zug der ältern, wenn auch oft mehr dekorativ behandelten Sculpturen, wenn sie auch — außer der größern Christusfigur — aus der weitern Ferne das Auge weniger beleidigen als jene großen Seitenfiguren. Im Tympanon der Thüre ist noch das Leben der seligsten Jungfrau Maria in eng aneinandergereihten Reliefgruppen (aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts) von lebendiger Bewegung dargestellt, während die Archivolten mit den sitzenden Figuren von Propheten vnd Königen ausgefüllt sind. * » So gehören auch die Augsburger Domportale zn den noch vorhandenen Resten jener steinernen Bildergallerten, die schon den Eintretenden auf den noch größern Reichthum an echten Knnstschöpfungen im Innern der Kirchen vorbereiteten und uns heute noch von der hohen und vielseitigen Kunstfertigkeit der alten Meister und der tief gegründeten Knnstfreudigkeit des mittelalterlichen christlichen Volkes erzählen. Diese, zum Theil fast übermäßig reichen und mannigfaltigen Summen ikonograph- ischen und religiös-historischen Figurenschmnckes an den Portalen, Fanden und im Jnnem der Kathedralen» welche in der Zeit vom XIII. bis zum XV. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland wie anderswo entstanden, führen uns auf die unübertroffene Höhe christlicher Kunstblüthe, die in ihrer ersten Periode wohl den Gipfelpunkt kirchlich-idealer Form, wie an ihrem Abschluß um die Wende des XV. Säcnlums die Vollendung meisterlicher Technik im Verein mit lebensvoller seelischer Durchdringung erreichte. Pietät und historischer Sinn fordern Schutz und Schonung, resp. verständnißvolle Jntakthaltung jener sprechenden monumentalen Dokumente des christlich-idealen Geistes, der die germanische Nation zu ihrem ewigen Ruhme Jahrhunderte lang durchdrang. Denn nachdem dieser Geist aus den Kirchen und Klöstern in die breiten Schichten des Volkes gedrungen und in der deutschen Volksseele als dem unverbrauchten, noch urkräftigen Fruchtboden Wurzel geschlagen hatte, da strebten auch bald in dem wolkenlosen Glänze der siegreichen, die Wälder lichtenden und die Sümpfe austrocknenden Sonne des Christenthums alle die naturwüchsigen religiös- poetischen Keime des deutschen Gemüthes aus helle Tageslicht und entwickelten die schönsten und duftigsten Blüthen sowie die gesündesten und geschmackvollsten Früchte, die je auf dem Boden der Poesie und Kunst gezeitigt wurden. Die bürgerlichen Meister traten auf den Plan, um den mönchischen Künstlern beizuspringen, ja sie nach und nach ganz abzulösen. Vollzog sich doch mit diesem Auftreten bald ein solcher Fortschritt in der immer reichern und vielseitiger» Ausgestaltung der christlichen Kunst, daß der Mönch und Kleriker schon in Folge seines specifisch geistlichen, kirchlich beschränkten Berufes dem bürgerlichen Meister auf seinen vordringenden Künstlergängen durch Welt und Natur nicht mehr zu folgen Im Stande war. Die Architektur erhielt durch die Gothik ihre ideell wie technisch kühnste Ausgestaltung und wurde mit reichstem dekorativem wie figürlichem Schmucke ausgestattet. Wenn auch als schmückendes Moment der Architektur untergeordnet, entwickelten sich die Werke der bildenden Knust, in Folge des sich stetig klärenden Verständnisses und der sich steigernden volkstümlichen Begeisterung, gerade in Absicht ihrer Bestimmung zu einem immer würdigern Schmucke als in sich selbst vollendete und auch für sich allein schon selbstständige, bedeutungsvolle Kunstwerke, die heute noch die Bewunderung und Nachahmungslust hervorragender Künstler erregen. Am frühesten und zugleich am großartigsten tritt uns dieser christlich-germanische Stil im nördlichen Frankreich entgegen. Die lebensvollen kräftigen Gestalten mit ihren freien und kühnen Bewegungen, ihrer reichen, mannigfaltig drapirten Gewandung zeigen nichts mehr von der Befangenheit der Haltung und der rein mönchisch-ascetischen Innerlichkeit des Ausdrucks jener des XII. Jahrhunderts. Der Künstler richtet nun kühn und freudig den Blick auf das ganze reiche Leben mit seinen bunt wechselnden Gestalten und Erscheinungen. Ja mit dem ihm angebornen unverwüstlichen Naturgefühl durchstreift er Wald und Feld, um sein Auge an des Lenzes Laub- und Blumenpracht zu erfreuen und durch den klaren prüfenden Anblick sich zu deren freier künstlerischer Nachbildung zum reichern Schmucke seiner Werke zu befähigen. Dem naturalistischen formen- und farbenreichen Blüthenschmuck, direkt den heimischen Fluren entlehnt, niuß das streng stilisirte, vom antiken AkanthuS abgeleitete Blattwerk der romanischen Zeit weichen, während die luftig aufstrebenden Gewölbe von den schlanken, eichenlaubgeschmückten Säulenbnndeln, wie von ebenso vielen Waldbaumstämmen, an Stelle der steinmassigen Pfeiler getragen werden. So wurde in dem versteinerten Hymnus des mittelalterlichen Tempels die christliche Idee des Reiches Gottes, auf Erden, das da die weite Welt, Geist und Natur, Religiöses und Profanes umschließt und unter die klärende und segnende Beleuchtung der Sonne der Wahrheit und Gnade bringt, in der ergreifenden Sprache des technisch vollendetsten und künstlerisch zier- und bedeutungsvollsten MonumeutalwerkeS der ahnenden Seele vermittelt. Und heute noch hat diese monumentale Kunstsprache der gothischen Kathedralen, wo sie noch intakt dastehen, auch für den modernen Menschen, sofern er noch von dem echten christlich-idealen Geiste erfüllt ist, nichts von ihrer alten Kraft und Eindringlichkeit verloren. Abgesehen von der Bedeutung jener Kathedralen als vornehmlich«! Cnltstätten, fordert schon die allgemeine Rücksicht auf die Gegenwart wie auf die deutsche Vergangenheit, daß diese altehrwürdigen Zeugen und monumentalen Deuter des innern tiefgehaltigen Geisteslebens unseres Volkes, die zugleich die schönsten Denkmäler seines nationalen Aufschwunges und seiner politischen Macht und Größe darstellen, durch sorgfältige Schonung und würdige, ebenbürtige Instandhaltung in Ehren gehalten werden. Wenn jährlich Tausende aus Staatsmitteln für oft fragwürdige Tagesleistungen der jeweilig „Modernen" zur prahlerischen Ueberfüllnng von Residenz- oder großstädtischen Gallerien, weniger zur umfassenden und unparteiischen geschichtlichen Beleuchtung der Kunst der Gegenwart, ausgegeben werden, dann ist es unverzeihlich, daß man da, wo es sich um Erhaltung oder Erneuerung von alten Domen oder anderen kunstgeschichtlich merkwürdigen 241 Bauwerken und ihres Bilderschmnckes handelt, auf einmal das Princip der Sparsamkeit zur Geltung bringen will. Oder tragen hier wieder Architekten, Conservatoren und Archäologen als Kunstkenner und Vertrauensmänner die Hauptschuld an dem Unglück der Domportalernenerung? Von Ersteren kann man es am wenigsten begreifen, daß sie, selbst Künstler, die Schmuckstücke romanischer und gothischer Bauten meist nicht genug „alt und echt" — in Wirklichkeit „wüst und schlecht" — bekommen können und sich deßhalb mit kunstlosen Handwerkern und bloßen Technikern begnügen. Zur Hebung der christlichen bildenden Kunst trägt man leider in ihren Reihen im Allgemeinen am allerwenigsten bei. Möge nun aber das Nordportal vor dem Unglücke der Erneuerung durch dieselben Künstlerhände, welche sein Pendant erneuerten, verschont bleiben! Möchte dagegen bald die gründliche, echt künstlerische Wiederinstandsetzung des Aeußern des ganzen Ostchores mitsammt seinen Portalen in Angriff genommen werden! F. Festing. Wo in Niederösterreich ist das Hauptkloster beati Lovsriui und die römische Flottenstation I'aviana zu suchen? Von I. N. Seefried. Nicht leicht sind die Ansichten der Gelehrten über Irgend eine merkwürdige Oertlichkeit so sehr getheilt, wie über die Lage des Hauptklosters des sehr einflußreichen, frommen christlichen Lehrers und Abtes Severin im Norikum nach dem Tode des Hunnenkönigs Attila. Und doch hat schon im Jahre 511 n. Chr. Eugippius, der Schüler und Biograph des seligen Dieners Gottes, ein ganz zuverlässiges und bestimmtes Zeugniß dafür abgegeben, daß Severin seine Hauptniederlassung vor den Mauern der Römerstadt k'aviunis (butiurüs, kasti- Lnio), welche 100 Millien und darüber von Loiotro (Loioäuruw, Jnnstadt - Passau) entfernt war, sich ausersehen hatte, weßhalb ein Streit über die Lage dieser festen Stadt und Severins altes, großes Kloster daselbst niemals hätte entstehen und aufkommen sollen. Aber welche Musterkarte von Hypothesen und Vermuthungen haben die Gelehrten seit Bischof Otto I. von Freising aus dem Hause der Babenberger bis auf Mommsen und Jung herab nicht schon aufgestellt. Ein Autor widerspricht dem andern, und der Haupt- beweis dafür, daß die richtige Fundstelle und Fundstätte für Stadt und Kloster heute noch nicht entdeckt ist, kann in der schlagendsten Weise darin gefunden werden, daß sich noch keine der vielen Hypothesen allgemeiner Anerkennung zu erstellen hatte. Wo lag nun aber das 100 Millien und darüber von Jnnstadt-Passau flußabwärts au der Donau situirte k'avia.nis des Eugippius, so hatte mau schon vor 700 Jahren gefragt und von Bischof Otto I. von Freising, welcher Wien* *) hicfür ausgegeben hat, eine unrichtige Antwort erhalten; so fragen wir auch heute noch, und die Gelehrten antworten uns: 1. in Langeuleben bei Tulln (Immstsesius), 2. zwischen Melk und Schönbüchel (Tillemont), 3. zu Großpöchlarn (Mannert und Forbiger), 4. an der Enusmündnng (Eichhorn), 5. in Treismaner (Asbach), 6. in Mautern (Huber, Kremier u. Andere), 7. zwischen Mauer an der Url und Jps an der Donau (Mommsen), 8. in Jps (Jung). Wien und acht andere Städte und Orte Nieder- Lsterreichs haben sich demnach bisher um die Ehre gestritten, circa 452—482 n. Chr. Severins altes, großes Kloster außerhalb ihrer Mauern gehabt und den seligen Diener Gottes beherbergt zu haben. Forscht man jedoch etwas tiefer nach der Begründung dieser hypothetischen Annahmen und Angaben, so ergibt sich, daß zufolge der genauen Berechnung des Eugippius alle Orte ausgeschlossen werden müssen, welche weniger als 100 oder mehr als 105—110 mills xassus von Paffau entfernt liegen, sohin alle Donaustädte oberhalb des Marktes Wallsee und unterhalb der Stadt Jps in Niederösterreich. I. Identität von kavis-nis und kaviana des Eugippius mit der Flottenstation I'ukiuvs in der Reichsnotiz circa 400 n. Chr. k's.vianis, welches bei Eugippius sap. 3 und 4 eine Stadt (eivitas)/) sonst nur eine Beste (oxxiäuw cap. 40, 42 und 44 in 6ns) genannt wird, war ohne Zweifel eine bedeutende Niederlassung der Römer an der Donau. Ist sie ja doch identisch gewesen mit der Flottenstation kakiana, in der dlotitia cliZmtatuin utrirmgus Im- xsrii, nach welcher ein Präfekt der Liburnarier der ersten norischen Legion um 400 n. Chr. daselbst in Garnison b) stand. Hier lüg demnach eine Abtheilung von Soldaten, welche dazu bestimmt waren, das Römerreich nicht bloß zu Land, sondern auch zu Wasser, d. h. auf dem Grenzstrome, zN vertheidigen. Hier befehligte noch in den Tagen Severins der Tribun (Oberst) Mamertin/) welcher allerdings nur mehr sehr wenige Mannschaft unter sich hatte, deßungeachtet aber die räuberischen Feinde zwei Millien von lsaviavis an der 'l'iountia (Isigaotia,, am Tiefenbach?) in die Flucht schlug, ihnen die Waffen wegnahm und was nicht entfloh in Gefangenschaft brachte. Die Identität von Kalmus, und kÄviavig und die hohe Bedeutung dieser Stadt als Garnisonsplatz noch im 4. und 5. Jahrhundert ist bisher nicht bestritten worden und wegen der häufigen Verwechslung der Buchstaben st, v und t durch die mittelalterlichen Abschreiber älterer Werke des Alterthums allgemein zugestanden. Wenn trotzdem in einer offenbar jüngeren Kapitelüberschrift des Eugippius aus I'uvianis eine sivitutula, ein kleines Städtchen, gemacht und der oivitus in cax. 3 und 4 der vita st. Lsvsrini kurzweg unterschoben werden will, so haben wir Gründe genug, hie- gegen mit aller Entschiedenheit zu Protestiren. Schon der Umstand, daß die Ueberschrift des dritten Kapitels in doppelter Fassung vorhanden ist und jene des Ooäsx L-ateranus bei Kerschbaumer °) dem *) Ll. O. 88. 370 . . Visuis, guoä olim a komarus inbabitLtum, Laviavig ckievbatur. Diese falsche Anschauung, Wien hieß Viuckoboua, ist erst seit Friedrich Blumberger in Göttweih aufgegeben. Archiv für österr. Geschichtsguellen. Wien 1849 III. Bd. S. 355-366. '0 Lockern teinpors eivitaism uomius Laviauis saeva t'awss opprssserat. . . Vergl. die Kapitelüberschrift Anm. 5 und eo-p. 4 ivoussterium bauä provu! » eivitats eoustrusret. *) Lraelsotus Le^ionis . . Liduruariorurn Lrimoruin Rorioorum Lakiauae. Böcking Ist 98-103. ') Vita. b. 8everini nach Eugippius eap. 4; Leveriuus vero Namertinum xereontatus v8t, tuuv tri« du nun» etc. °) Vita 8. 8everiui Schaffhausen 1862 x»s. XV. O« 242 Kapitelinhalte besser entspricht, als die Überschrift, welche Knüll °) ans der Turiner Handschrift in seine Ausgabe aufgenommen hat, liefert den Beweis, daß die erstere Ueberschrift sachgemäßer und getreuer, mithin der Ausdruck „oivitas" der Bezeichnung „oivitatuia" für I'a- vianis vorzuziehen ist. Woher hat man denn in Co- lnmbans Kloster Lobio oder in Turin gewußt oder in Erfahrung gebracht, daß kavianis zur Zeit des Eugippius nur eine oivitatula, ein kleines Städtchen, nicht eine oivitas, ein großer Stadt- und Verwaltungsbezirk, im Sinne der Zeit des Eugippius, gewesen? Nach Jung hat zwar jedes mit Mauern umgebene Nest n a ch Diokletian munioipium, oivitas, oastollum, oppiäum und nrbs geheißen?) allein ob wir dieses allgemeine und Alles sozusagen über einen Kamm scheerende Urtheil in jedem besonderen Falle unbedingt unterschreiben dürfen, steht denn doch noch sehr in Frage. An einer andern Stelle sagt derselbe Autor b): „ka- vianas, in byzantinischer Zeit eine bedeutende Militär- und Flöttillenstation, hat man mit Paphos auf Cypern in Verbindung bringen wollen usw." MNg hat hier die Bedeutung der Stadt laviana in doppelter Hinsicht zugestanden, und wir müssen nach der Darstellung des Eugippius daran festhalten, daß die noch uncntdeckte Stadt und Beste in Niederösterreich eine ver- hältnißmäßig sehr bedeutende gewesen sein muß. Als Scverin circa 474/5 von Loiotro (Beiderwies neben Jnnstadt-Passan) nach llavianis zurückkehre» wollte, baten ihn die Bürger derJunstadt flehentlich, er möge ihnen nach seiner Rückkehr nach I'a- viana beim Rugenkönige Handelsfreiheit erwirken. Hier ist nun vor Allem wohl zu beachten, daß die Texte der Handschriften in oap. 22 sehr weit auseinander gehen. So haben nach der sehr schönen und alten s. Em- meramer Ausgabe des Eugippius, welche wir dem um die bayerische Geschichte hochverdienten Augsburger Patricier Markus Weiser verdanken?) die Bürger der Junstadt den seligen Mann inständig gebeten, er möge nach I'aviana zurückkehren (und) ihnen (vom) Rugenkönige die Erlanb- oivitate opxrsss» käme et mulisro oeonltante kru- menta st äe aäventn navium. Ebenso Hermann Sanppe ülou. Oerm. llistorios. Berlin 1877 xaK. 4. °) Vita 8. 8everini nach Pius Knüll, Wien 1886 pa^. 7. tznock baditatoribus oinitatulas kauianis cli» käme laborantibus miro moäo cksns ssus orations subveuerit. 0 Römer und Romanen. Innsbruck 1877 S. 150. °) I. o. S. 85. Die oivitas mird nicht kavianas, sonoren kaviana (as) geheißen haben. Das von Eugippius fast ausschließlich gebrauchte kaviauis ist der Vocativ von oastra kaviana. Ob man bei der Leseart kabianis an das alte. berühmte Römergeschlecht der Fabier oder an die milites I'adiani Komas des Oornslius Xspos (Ipkioratss oap. 1) denken darf, steht dahin. Zu kabianis des Textes bei 8urius und Ivaruus hat schon Weiser die Bemerkung gemacht: tzusm ckitkersntiam tanti nou aestimem, not um g nippe L et V vioissim vom- wutari. Opera omnia 1682 p. 667. °) I. Ausgabe Augsburg 1595; II. Nürnberg 1682. In der letzteren heißt es: intsrsa beatmn virum eivss oppicki memorati snpplioitsr aäiernnt, ut per^oret aä kauianam, kuAorum prinoipem, meroanäi eis liosntiam postularst (p. 681 e. XXII der Opera omnia). Gerade so liest die älteste Münchener Handschrift (Fragment) in oap. 22, Oock. bav. 44, Oock. lat. 1044, bei Sanppe mit O bezeichnet. Vcrgl. LLirchengeschichte Deutschlands von Dr. I. Friedrich. Baniberg 1867. S. 433. niß erwirken, Handel treiben zu dürfen. Hält man die Ortsbezeichnung aä ^avianam fest, so müssen alle einheimischen älteren Texte als defekt und die italienischen jüngeren Interpretationen mit aä b'odanum und aä I'sdansm als Fälschungen erklärt werden. Daß der Emmeramer Codex defekt war bezw. ans einem schon defekten Codex abgeschrieben hat, sieht auch ein Nichtphilologe auf den ersten Blick ein, weil den Prädikaten psrgsrst und postularst die Verbindungspartikel st oder Hus mangelt. Die Handschrift aus dem Lateran suchte nach Kerschbanmer "y diesem Mangel dadurch abzuhelfen, daß sie statt por§srot „xorZsns aä Fadian am" schrieb, RuZorum prinvipsm aber stehen ließ, da doch postulars niit aliyuiä ab aliqno construirt wird, mithin a HuZorum prinoips hätte gesagt werden sollen. Die Melker Handschrift und die italienischen Abschreiber, welche die fehlerhafte Construktion bemerkten, machten frischweg aus kaviana einen Personennamen kadanus, kodanss und I'sdanus, erklärten Kugorum prinoipsm als Apposition, welche neuere Jnterpretatoren schulgemäß zwischen zwei ' Komma stellten, und der neue Rugenkönig labanus und I'sdanss war fertig, den schon Kerschbaumer und nach ihm Sanppe für b'ava und I'sva ausgegeben haben, ohne Welsers zu gedenken, welcher ihnen dieses Kunststück schon vor 300 Jahren vorgemacht hatte.") Der Buchstabe i, sagt Kerschbanmer,'^) ist bei aä I'akianam des 6oäsx I-atsransnsis ausradirt und unter k'adiana (kadana) vielleicht die nämliche Persönlichkeit zu verstehen, welche sonst mit bava und I'sva bezeichnet worden ist. Sehr fein hat sich I. Heinrich v. Falkenstein um seinen lateinischen Text (nach Pez in Melk) herumgedrückt, wenn er „ab psrZsrst aä ksdanum kugorum prinoipsm sto." verdolmetscht niit"): „Severin möge nach k'abiana sich begeben und allda bei dem Könige der Rugier anhalten um Freiheit dorthin zu handeln." Wir sehen, die Lesarten sind sehr verschieden und ist vielleicht keine der Abschriften richtig genommen und hinterlegt worden, weil wir wohl annehmen dürfen, daß im Originale des Eugippius ursprünglich in oap. 22 nur die Ortsbezeichnung I'avianam oder aä kavianam vorgekommen ist, etwa analog wie in oap. XXXI aä I-auriaoum.") Der ursprüngliche Text dürfte demnach wahrscheinlich gelautet haben: „Intsrsa bsatum virum oivss oppiäi memorati '") I. o. (A. 5) o. XXII p. 47. Oock. ist. Llonaoeusis 12104 aus «. Veit in Prül bei Regensburg hat: „at per- Aerst ack kavians ru^oram prinoips meroanäigus eis liosntiam postnlarst." Ebenso Oim. 18512/2. Nach prinoips ist mit rother Tinte ein Punkt und bei meroancki über dem i ein g (roth) d. h. gus angebracht worden. (Textcorrecturen der Benediktiner.) ") Zu der Stelle „acl kavianam kuKorsm prin- oipsm" hat derselbe die Aufforderung: Ksstitus kaväm kuAornm! Opera omnia p. 671. '-) I. o. A. 7. Vergl. Sauppe S. 19, welcher ver^ens ack ksbansm gibt, die verschiedenen Lesarten anführt und die Bemerkung hat: vickstur ksnam sivs ksbam soridsnckum esse. K n ö l l hat ebenfalls kebanem angenommen, Weiser und die Münchener Handschriften, welche aä kaui- anam haben, werden ignorirt. ") Geschichte des Herzogthnms Bauern I, 102. Dr. Sebastian Brunner in Wien hat den Rngierfürsten ebenfalls kedanus (o. 23), 1)r. Rodenberg in Berlin k'eba genannt (oap. 22). ") Vergl. Sanppe Oapitula XXXI pa». 6. Xnöll 1. o. p. 10. (jaomoäo kevas, reZi kuAorum, aä I-au- riaonm oum exsreitu voutsutt ooonrrortt. 243 (i. e. Lstavini) suxxlioitsr säisrunt, ut psi-Zons Pavisnam (sä Paviansm) u Kugorum xrinoips mor- osuäi 6i8 licentiain xostulsröt"; oder „ut xergorst Pavisusw (sä Psvisnsm) «t a RuZorum xrin- oixo sto." Nicht der Name des Rugenfürsten war den Bürgern und Kaufleuten von Passau-Jnnstadt die Hauptsache, sondern die benöthigte und nachgesuchte Handelsfreiheit. Sie standen mit Pavians wahrscheinlich schon früher in Handelsverbindung und wollten, nachdem die Stadt dem Rugenkönige tributpflichtig") geworden war, dieselbe nunmehr erneuern bezw. wieder erlangen. In oap. 8, 31 und auch sonst") wird in der vita kissti Lovsrini dem Rugenkönige Poletstons der Beiname Psva (Pava) gegeben, weßhalb es fast den Anschein gewinnt, es sei in csp. 22 statt der Ortsbe- zeichnung Pavianana oder aä Pavisnain unter Berücksichtigung des Beinamens Pg-va und Psvs. der Name Psbanus und Psbsnss erst später geschaffen und in die jüngeren Texte aufgenommen worden. Weiser hat in feiner Genealogie der Rugenkönige (Oxvrs. o innig. 1682 pa§. 674) von Polstsus gesagt: c^ni 6t Psvs, sivs Pöbsnns. Möge sich die Sache übrigens wie immer verhalten haben, soviel ist gewiß, das; die älteste Handschrift, welche in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München aufbewahrt und von Nniv.-Professor Dr. Friedrich in seiner Eugippius-Ausgabe benutzt worden ist, mit Weiser und Kerschbaumer und den andern Münchener Handschriften aä Pavianarn liest und darunter wohl nur der Ort bezw. die Stadt gleichen Namens verstanden werden kann. — Allein wenn auch die Identität der Ortsbezeichnungen Pgvisnis und Pavians bei Eugippius und Psfisna in der Reichsnotiz feststeht und anerkannt ist, so läßt sich doch die wirkliche Lage von Pavians (ich nur dann beiläufig näher bestimmen, wenn wir die römischen Jtinerarien zu Hilfe nehmen und vergleichen, da nur das vergleichende Studium, wie anderwärts so auch hier, zu einem annehmbaren Resultate führen und uns die Stelle zeigen kann, wo wir die oivitas Pavians. suchen müssen. Severin, sagt Eugippius, bestieg zu Loiotro (Loioclurum) ein Schiff und fuhr die Donau hinab nach seinem alten Kloster, welches das größte von allen war und hundert und mehr Meilen entfernt neben den Mauern von Pavianis lag. (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Geschichte des Liwultansum reliZionis «xsr- eit'ium im vormaligen HerzogthumSulz- b a ch. Von Georg Neckermann, Cooperator in Frontenhäuscn. Regensburg 1897. Habbel. 157 Seiten. L.. H. Ganz eigenthümliche Verhältnisse finden sich in etwa 30 Kirchen des ehemaligen Herzogthnms Sulz- bach, indem dieselben sowohl den Katholiken als auch den Protestanten zur Feier ihrer Gottesdienste znr Verfügung stehen. Dieser sonderbare Zustand, von weltlichen Fürsten ohne M itwirkung der Bischöfe von Regensburg und Eich- ") ill' oxpiclw sib! (k'svas) tributariis atgns vi- emis (ex guibus nuuiu erst Paviauis) cap. 31 u. 42. '°) Vergl. eap. 40, 42 u. 44. .") eap. 22 ack avtigunm itagns et ornnibus mafus mouastsrium suum, inxta Muro8opxicki Pavtanis, guock esntnm st Ultra millibu8 äderst, Danudii, nsviKstiono cks8osnüit snsviastioindv8 ckssoencksdat OIw. 12104 st 18512/2). stätt, in deren Sprengel das sulzbachische Gebiet lag. herbeigeführt, bericht auf dem sog. Kölner Vergleich vom 22. Februar 1652. Es ist nun gewiß von hohem Interesse der Entwickelung dieses Kölner Vergleiches nachzugehen und die Gestaltung der Dinge darzulegen. Darum begrüßen wir die Arbeit des Herrn Cooperators Necker- mann mit Freuden; ist ja doch auf katholischer Seite dieses Gebiet noch sehr wenig in Untersuchung genommen worden. Im Jahre 1542 war in Ncuburg und Sulzbach durch den tiefverschuldeten Ottbeinrich die neue Kirchen- ordnung eingeführt worden. In Folge der Konversion des Herzogs Wolfgang Wilhelm 1613 zur katholischen Religion wurde jedoch im Neuburgischen das fus rst'ormsnili zur Anwendung gebracht und der kath. Gottesdienst wieder hergestellt. In Sulzbach regierte unter neubnrg. Oberherrschaft Wolfgangs Bruder August, welcher sich jedoch der Durchführung der Rekatholisirung widersetzte. Sein Sohn Christian August führte 1632 den Kampf um die Erhaltung des Lutherthums fort. Als Landesherr war Wolfgang Wilhelm formell völlig berechtigt, wie auch Sperl (Geschichte der Gegenreformation 1,36) ausdrücklich anerkennt, auf Grund des Augsburger Religionsfriedens den evangelischen Glauben in den Aemtern seiner Brüder zu unterdrücken. Auch der westfälische Friede, welcher das Normaljahr 1624 statuirte, bot den Protestanten keine Handhabe zur rechtlichen Weigerung, das fus rskormsncki anzuerkennen, ebensowenig führten dieNürnberger Friedens- Exekutions-Verhandlungen 1650 und 1651 eine Einigung herbei. Herzog Wolfaang Wilhelm war indessen nicht abgeneigt. ein interimistisches Simultaneum anzuerkennen. Hinter dem Rücken des Vaters schloß nun der Erbprinz Philipp Wilhelm mit seinem Vetter Christian August den Kölner Vergleich, welcher für die Lebensdauer der beiden Fürsten das Simultaneum festsetzte. Am 16. Jan. 1656 trat der Herzog Christian August von Sulzbach selbst zur katholischen Kirche über, aber merkwürdiger Weise ist das Simultaneum bis au f den heutigen Tag beibehalten worden. Wenn wir an der Arbeit Neckermanns, welcher die einschlägigen Archivälien im Reichsarchiv zu München und im Kreisarchiv zu Nürnberg fleißig benützt hat, etwas auszusetzen haben, so ist es der Umstand, daß er der Vorgeschichte des Kölner Vergleichs in Abschnitt I, S. 7—36 zuviel Aufmerksamkeit geschenkt, den Wirkungen desselben dagegen zu wenig Beachtung gewidmet hat. Neckermann schildert die historische und rechtliche Seite der Einführung des Simultaneums, aber nach dem Titel des Werkes hätte man auch die weitere Entwickelung der kirchlichen Verhältnisse, die Streitigkeiten und Beschwerden der beiden berechtigten Confessionen erwartet. In dieser Beziehung bietet Theodor Lauter eine interessante Ergänzung in Kolde's „Beiträgen zur bayerischen Kirchen- geschichte II. Band (1886) S. 8—25". Zu der Erzählung Neckermanns' S. 27 von der bekannten Ohrfeige in Düsseldorf wäre zu vergleichen Räß, Die Convertiten IV. 224. Auch das Citat S. 19 aus Döllinger ist nicht ganz richtig; es muß heißen I, 148. Diese Bemerkungen sollen jedoch der Airerkennung für den Fleiß und die Klarheit m der Darstellung keinen Abbruch thun. Denn für einen Seel- sorgspriester ist es sehr schwer, die erforderlichen Materialien zu historischen Arbeiten zu gewinnen. Kirstein Ant., Entwurf einer Aesthetik der Natur und Kunst. 8°. vm -si 324 SS. Preis 4 M. 80 Pst Paderborn, F. Schöningh. 1896. -> Die mit großem Beifall aufgenommene „wissenschaftliche Handbibliothek" des Verlegers, welche ganz bedeutende literarische Leistungen ausweist, bringt außer theologischen Lehrbüchern auch Arbeiten aus anderen Zweigen gelehrter Forschung: diese Aesthetik bildet dett vierten Band der dritten Reihe und orientirt den Jünger der Wissenschaft, ohne tiefer einzudringen, in genügender Weise über einen Gegenstand, der eigentlich vom „Geschmack" abhängt und darum, dem Sprichwort ganz entgegen, so viel umstritten ist. Der Verfasser thut gut daran, die Grundsätze für die Beurtheilung der Schönheit in Natur und Kunst mehr historisch referirend zu beleuchten, denn in einer solchen Sache ist Absprechen wie Zustimmen gleich gefährlich, Sicherheit wird sich in vielen Punkten überhaupt nicht erreichen lassen. Die einschlägige Literatur ist in ausreichender Meüge lind mit verständiger Auswahl benützt und dem weitere Aufklärung Suchenden mitgetheilt 244 Der erste Theil des Werkes handelt von den nothwendigen Voraussetzungen, den verschiedenen Abstufungen und Gegensätzen der Schönheit im Allgemeinen, der zweite Theil bringt die Naturschönheit zur Darstellung, der dritte umfangreiche Theil beschäftigt sich mit der Schönheit der menschlichen Kunstwerke im Allgemeinen und Besonderen (Architektur, Plastik, Malerei, Dichtkunst, Musik). Das Buch hat uns viel Genuß und Anregung geboten, auch ist es in fließendem Stil geschrieben. Wir wünschen ihm eine Aufnahme, die den Verfasser ermuthigt, dieser Skizze bald eine ausführliche, kritische Aesthetik folgen zu lassen, was ja laut Vorwort sein Wunsch und Plan ist. Unsere Liebe Frau von Lourdes. Von H. Lasserre. Aus dem Französischen übersetzt von M. Hoffmann. Verlag von Herder in Freiburg. Preis 8 M. I Lasserre's Geschichte der Erscheinung von Lourdes hat bekanntlich ungemein dazu beigetragen, den internationalen Ruf des berühmten französischen Wallfahrtsortes zu verbreiten. Sie ist noch heute die bedeutsamste Schrift über die Entstehung des Cultus der „Madonna von Lourdes". zu welcher seit Jahren Schaaren von frommen Betern aus allen Weltgegenden gezogen kommen. Die Uebersetzung von Lasserre's Buch durch M. Hoffmann ist sehr gelungen, und die mit einer hübschen Abbildung der prächtigen Votivkirche von Lourdes versehene Ausstattung des Buches tadellos. Die deutsche Uebersetzuug liegt bereits in 7. Auflage vor. Erinnerungen eines Jerusalem-Pilgers. Von Pfarrer Gerh. Lücken in Vechta. Verlag von A. Rlffarth, München-Gladbach. Preis 1 M. 50 Pfg. * An Schilderungen einer Palästinafahrt fehlt es zwar nicht. Doch darf auch die vorliegende Schrift Beachtung beanspruchen, da sie gut geschrieben ist und manches Detail enthält, welches das Interesse des Lesers erregt. Auch ist die 242 Seiten umfassende Schrift mit sehr hübschem, reichlichem Bilderschmuck ausgestattet, und kommt der Ertrag einem Geselleuhospiz zu Gute. Der Verfasser machte die Pilgerfahrt im Jahre 1896 als Mitglied der Pilger- gesellschaft. welche vom Deutschen Palästina-Verein in- scenirt wurde und sich mit einer großen Anzahl Italiener vereinigte. Ehrenpräsident des ganzen Pilgerzuges war Monsignor Graselli, Erzbischos von Colossi und Präfekt der Collegien der Propaganda in Rom, eigentlicher Leiter der geistliche Herr Vicim aus Saluzzo. Die ganze Reise dauerte ab und nach Köln vom 19. April bis 7. Juni. Molitor, W., Die Blume von Sicilien. Dramatische Legende in fünf Akten. Zweite Auflage. Mainz, Franz Kirchheim. N. 152 S. Preis 2 M. Unter dem Titel „Die Blume von Sicilien" besingt der feinfühlige Dichter Molitor den jugendlichen Märtyrer Vitus, dessen Fest die Kirche am 15. Juni feiert. Mit Spannung verfolgt der Leser den in tadellosen Versen geschilderten Kampf zwischen heidnischem und christlichem Denken und Handeln. Da nur männliche Personen in dem Fünfakter auftreten, eignet sich das Stück ganz besonders für Jünglingsvereme zur Aufführung auf der Bühne. Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. oder 80 S. gr. 8". Preis ganzjährig 5 Mk. In Commission der Buchhandlung Gg. Kleiter in Paffau. Inhalt des 6. Heftes 1897: Die Entstehung und Bedeutung der Bodenzinse.—Oekolampadius im Birgitten- kloster in Ältomünster. — Bibel und Wissenschaft. (Schluß.) — Pastorelles von der Reise. — Die Volksexercitien nach Ständen, Alters- und Berufsklassen. — Verehelichung ausländischer. insbesondere österreichischer Staatsangehöriger in Bayern. — Kirchliche Entscheidung bezüglich des Oonuna llosnnsum. — Eigenthumsrecht und Ersatzanspruch bezüglich nachgepflanzter Bäume im Pfarrgarten. — Einschreiten gegen Concubinat der Eisenbahnbauarbeiter. — Das Uora- tölspkors. — Böller oder Donnermaschine? — Bierführen an Sonn- nnd Festtagen. — Katechismusstreit. — Schulunterricht äs matrimvllio. — Die Unterscheidungslehren m der Schule. — Persönlicher Charakter und die Äuk- torität des Priesters. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Kongregationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Literarische Novitätenschau. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiundzwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M.9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 6: Literatur über die Vereinigung der Kirchen. — Schulte, Der Brief an die Römer. (Barden- hewer.) — Rauschen, Jahrbücher der christlichen Kirche unter dem Kaiser Theodosius dem Großen. (Funk.) — Albert, Die Geschichte der Predigt in Deutschland bis Luther. (Keppler.) — Fischer, Geschichte der neuern Philosophie. (Braig.) — Melzer, Die Unsterblichkeit auf Grund der Schöpfungslehre. (Bach.) — Zimmermann, Die Universitäten in den Ver. Staaten Amerikas. (Ratzinger.) — Delitzsch, Assyrisches Handwörterbuch. (Nikel.) — Iahn, Stbawaihi's Buch über die Grammatik. (Hoberg.) — Streitberg, Sammlung von Elementarbüchern altgermanischer Dialekte. (Jostes.) — Michael, Geschichte des deutschen Kolkes. I. Band. (Zimmermann.) — Kampcrs. Die deutsche Kaiseridee in Prophetie und Sage. (Schulte.) — Ibirria, Haxolvcm III. »vant I'Lwpirs. (Reinhardt.) — Freybe, Faust und Parcival. (Kampers.) — Paul, Deutsches Wörterbuch. (Hellinghans.) — Gaedertz, Aus Fritz Reuters jungen und alten Tagen. (Hellinghaus.) — Gaedertz, Aus Fritz Reuters jungen und alten Tagen. Zweite Folge. (Hellinghaus.) — Schell, Der.Katholicismus als Princip des Fortschritts. (Franz.) —v.Weech, Romfahrten. (Pastor.) — Llarei Viavoul VitakorpüMl. (Künstle.) — Nachrichten. — Büchertisch. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1897. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände ü M. 5.40). Freiburg i. Br.. Herder'sche Äerlagshandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 5. Heftes: Der Werth Afrikas. 111. (Schluß.) (I. Schwarz 8. 9.) — Lohnvertrag und gerechter Lohn. V. (Schluß.) (H. Pesch 8. 9.) — Die neueste Messung der Gravitationsconstante durch k. Karl Braun 8.4. (L. Dressel 8. 9.) — Livlands größter Herrmeifter. IV. (Schluß.) (O. Pfülf 8. I.) — Der Sänger von Kyrenaika. (G. M. Dreves 8. 9.) Recensionen: Osuvrss äs 8aint Ill-sugois äs 8alss, loms III—VIII (L. Schmitt 8. ll.); OttiKsr, llAsoloAi» kunäamsntaUs (F. X. Wernz 3. I.); Michael, Geschichte des deutschen Volkes feit dem dreizehnten Jahrhundert bis zum Äusgang des Mittelalters (O. Pfülf 8. I.); Ehses, Festschrift zum elfhundertjährigen Jubiläum deS deutschen Campo Santa in Rom (I. Braun 8.I.); ksuss, Oarrnins 8oera 8. ^Ipbonsi Llarias äs Illsorio (W. Kreiten 8. ll.). — Emvfehlenswerthe Schriften. — Mis- cellen: Die Russen in Palästina; Zum Briefe des Negus Menelik au Leo XIII.; Die Auswanderung aus dem einigen Italien 1876—1895. Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaf't. Commissionsverlag von Herder u. Cie. in München- (Jährlich 4 Hefte. zus. 12 M.) XVIII. Jahrgang. 2. Heft. Inhalt: Kopp, Petrus Paulus Vergerius der Aeltere I. Weiß, Der Streit über den Ursprung des Siebenjährigen Krieges I. v. Schmid, Der geistige Entwicklungsgang Johann Adam Möhlers I. — Weyman. ^imlscta IV. R e i ch e r t, Acht ungedruckte Dominikaner- briefe aus dem 13. Jahrhundert. Eubel, Zu Nieolaus Minorita. — Recensionen und Referate: Vene- tianische Depeschen vom Kaiserhofe. Band 3. Bearb. von Turba. (Schwarz.) Nunttaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Aktenstücken. Abthlg. 3, Bd. 2. bearb. von Hansen, und dasselbe Bd.3, bearb. v. Schell haß. (Schwarz.) Wagner. Einführung in die gregorianischen Melodien. (Kornmüller.) — Zeitschristenschau.— Novitätenschau. — Nachrichten: F. A. v. Kraus, Ueber die Neubegründung einer deutschen Dante-Gesell- schüft. U. s. w. SergfltV. Uedacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.