yn. 36. M AIIgSWlgkl l M M Die St. Michaels-Hofkirche in München. Eine Studie zur 3. Säcularfeier der Einweihung der Kirche vom 27.-29. Juni 1897. Von I. M. Förster. Da in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Bayern in Gefahr stand, vom heiligen katholischen Glauben abzufallen, erbat sich der für Erhaltung desselben eifernde Herzog Wilhelm IV. vom Papst Paul III. drei gelehrte Theologen, zunächst für die Universität, welche sich damals in Jngolstadt befand, wo die von Luther veranlaßte Glanbensneuerung bereits Eingang und Anhänger gefunden hatte. Der Papst übertrug dieses Geschäft dem Cardinal Alexander Farncsius, welcher mit dem Stifter des Ordens von der Gesellschaft Jesu, dem (später heilig gesprochenen) Jgnatius von Loyola, sich dahin einigte, den bereits von dem im Jahre 1541 zn WormS abgehaltenen „Religions- gespräche" (mit den Protestanten) in Deutschlands katholischen Kreisen bestens bekannten Claudius Jaius aus- Savoyen, ferner den Spanier Alfvns Salmeron und den Niederländer Peter de Hondt — als Verfasser eines Katechismus unter seinem latinisirten Namen Cauisius') noch heute berühmt — an den Herzog abzusenden. Die genannten drei Jesuiten trafen am 13. November 1549 in Jngolstadt ein und eröffneten alsbald ihre Vorlesungen über Theologie. Die Professoren Jaius und Salmeron aber wurden bereits im folgenden Jahre zur Anfrechthaltnng des katholischen Glaubens anderswohin berufen und durch den Holländer Nikolaus Gardanns (für Theologie) und. Peter Schorichins (für Philosophie und klassische Sprachen) ersetzt, während Canisins zum Nector der Hochschule erwählt wurde. — Vorher aber traf die Jesuiten noch ein harter Schlag, indem Herzog Wilhelm IV., welcher die Absicht hatte, ihnen durch den Van eines Kollegiums (nebst Kirche) einen festen Sitz im Lande zu begründen, und zu diesem Zweüe nicht nur die päpstliche Genehmigung zur Erhebung einer Declination von den geistlichen Gütern erwirkt, sondern auch durch den Exekutor Btoritz van Hütten, Fürstbischof zu Eichstätt, bereits 20,000 Goldgulden eingebracht hatte, am 6. März 1550 mit Tod abging. Hiednrch schien das Werk gefährdet, umsoinchr, als auch die Laienprofessorcn in Jngolstadt auf die zu rascher Beliebtheit gelangten Jesuiten mißgünstig waren, weßhalb Letztere, dem Auftrage ihrer Oberen folgend, die nun ungastliche Stadt verließen, indem sich Canisins zunächst nach Augsburg zu dem dortigen Cardinal-Fürstbischof ') Der selige Peter van Hondt oder Canisins, wie er seinen Namen latinisirte, war am 8. Mai 1521 zn Nym- wcgen geboren, trat 1544 in die Gesellschaft Jesu und ward 1546 Priester. Rasch nach einander lehrte er auf oen Hochschulen zu Köln, Jngolstadt und Wien. war als Volksmissionär thätig, wohnte als Theologe des Cardinal- bischofs zu Augsburg, Otto von Truchseß, dem Concil von Trient bei, war Hofrath des Kaisers, Domprediger zu Augsburg und Wien, verwaltete die Erzdiöcese Wien. das Ordensprovmzialat in Deutschland wirkte zur Erhaltung des katholischen Glaubens in Oesterreich, Bayern, Schwaben, Böhmen, Elsaß und der Schweiz, verschmähte den ihm angebotenen Bischofsstab wie den Cardinals- purpnr und starb an den Folgen eines Schlaganfalles am 21. Dezember 1597. — Papst Pins IX. versetzte ihn am 24. Juni 1864 unter die Zahl der Seligen. Otto (von Truchseß) begab, dann aber seinen beiden Gefährten, welche Kaiser Ferdinand nach Oesterreich berufet» hatte, folgte. Aber der Mangel glaubensfester Lehrer machte sich in kürzester Zeit wie auf der Hochschule, so namentlich im Lande geltend, in welches die protestantischen Prädi- canten nicht ohne Erfolg einzudringen versuchten, weßhalb es Herzog Albrecht V. als eine Nothwendigkeit erkannte, denselben einen festen Damm entgegenzusetzen, wofür er die Jesuiten am geeignetsten fand. Zu diesem Zwecke beschloß er nicht nur die Wicder- berufung der Jesuiten, sonder« er faßte auch den Bau eines Colleginms in Jngolstadt fest in's Auge und trat deßhalb mit dem Stifter und ersten General der Jesuiten in Verbindung, au welchen er zum Abschlüsse eines Vertrages sogar seinen Geheimsetretür Johann Schweiker absandte. Der hl. Jgnatius, über die geneigte Gesinnung des Herzogs hocherfreut, ordnete seinerseits als seinen Bevollmächtigten den (seligen) k. Canisins, welchen er gleichzeitig zum Pxovinzial von Oberdeujschland, Böhmen und Oesterreich ernannte, au den Herzog ab, welcher Mit demselben verhandelte. Am 7. Dezember 1555 wurde ein aus 15 Artikeln bestehender Vertrag abgeschlossen, welcher die Errichtung eines Kollegiums in Jngolstadt, dessen Unterhalt und die Berufung von Lehrern und anderen Angehörigen der Gesellschaft Jesu betraf und in dessen Vollzug am 7. Juli 1556 sechs Priester und zwölf sogen. Minister in Jngolstadt eintrafen. — Allein da sich mit den andern Lehrern der übrigen Fakultäten, namentlich den Philosophen und Philologen, abermals Differenzen ergaben, genehmigte Herzog Albert V. den von dem inzwischen an Stelle des wieder nach Wien berufenen k. Canisins getretenen Provinzial Paul Hoffäus gemachten Vorschlag, die theologische Fakultät in Jngolstadt zn belassen, den philosophischen Kurs mit dem Pädagogium aber nach München zu versetzen, wo die Jesuiten am 21. November 1559 eintrafen; es waren dies: Nikolaus Lanojus als Rector, Theodor Peltanns und Dominikns Mengin als Professoren und Martin Stewart für die kirchlichen Funktionen. — Dieselben erhielten ihre Wohnung in dem Gartentheile des Klosters der Lk. Augustiner und in deren Kirche auch einen Altar angewiesen, um auf demselben zu eclcbnren. — In dem nahen, uralten Kirch- lein „St. Nikolaus auf dem Haberfeld" ?) ertheilten sie ') Das älteste München, vor Heinrich dem Löwen „Altheim" genannt, besaß schon einen reichen Kranz von Gotteshäusern: im Osten die Wieskapelle, daneben eine Nikolanstapelle. später der „Congreaationssaal" genannt, im Süden die Jakobskapelle, an welche nm 1222 das ältere Franziskaner- (Anger-) Kloster angebaut wurde, die Basilika zu Altheim (jetzt Haus Nr. 19 am Althcimcr- ecc), die St. Johanniskapelle (südlich der sehe»».) Augustiner- kirche), die Marienkirche (jetzt 11. L. Frauen ehrwürdigen Dom) und eine Kapelle „St. Nikolaus im Haberfeld", gegenüber der Johanniskapelle. also aus der Stelle der letzigen St. Michaelskirche. Anfangs ein armes, unbedeutendes Kirchlein, welchem 1309 der Meßner und seine Ehefrau ihr Häuschen vermachten, wurde dasselbe später zn erner ziemlich bedeutenden Kirche erweitert, welche fünf Altäre besaß. (Die Erweiterung der Kirche dürste auf Kosten der Stadt erfolgt sein, weil im Jähre 1447 Papst Nikolaus v. der Stadt das Patronat über die Kirche verlieh, welches aber in der Folge, unbekannt wie, auf die Herzoge überging.) — Der Hochaltar war dem hl. Nikolaus geweiht und sollte nach der den Abbruch der St. Nikolai- , (und der ihr benachbarten, dem Kloster Schäftlarn ge- l hörigen, 1585 ebenfalls abgebrochenen St. Michaels»! 254 der Jugend Unterricht, zunächst in der Religion, bald aber auch in anderen Fächern, und versammelten bald an 300 Schüler um sich, weschalb der Herzog auch ein Gymnasiums gründete, das zu Ostern 1560 in Gegenwart des Herzogs, der herzoglichen Familie, der Beamten und Bürger in feierlicher Weise zunächst mit vier Klassen eröffnet wurde, denen sich nach Vollendung des Gebäudes die weiteren Klaffen anschlössen. Fast gleichzeitig kamen auf erneutes Ansuchen des Herzogs weitere 10 Jesuiten nach München, unter welchen sich k. Theodorich de Hondt, ein Stiefbruder des oben mehr genannten k. Petrus Canisius, befand, welcher als Rector des Kollegiums fun- girte und im Jahre 1561 gleich seinem Mitbruder Th. Pcltan vom Herzoge zum Büchercensor ernannt wurde. Da sich jedoch die Zahl der Jesuiten, namentlich in Folge der 1574 erfolgten Errichtung des Seminars, °) fortwährend mehrte, erwies sich das gemeinschaftliche Leben zweier Ordenscorporationen, von denen die eine sich mehr der Beschaulichkeit, die andere aber hauptsächlich der Lehrtätigkeit widmete, als mißlich, umsomehr als unter Leitung der Jesuiten im Jahre 1577 die alsbald taufende von Mitgliedern zählende „Marianische Kongregation"«) entstand. Es dachte darum schon Herzog Albert V., ihnen auch in München ein Kollegium nebst Kirche zu erbauen — aber einerseits bildeten die politischen Vcr- Kapelle erlaubenden Urkunde des Bischofs Ernst von Freising am 3. Febr. 1585 an Stelle des Hochaltars in der neu zu erbauenden Kirche eine Erinnerungssäule errichtet werden. Bei dem Abbrüche der Nikolauskapelle, welcher nicht vor dem Frühjahre 1585 erfolgt sein kann. wurden die Altäre in verschiedenen Kirchen vertheilt: so kam der Hochaltar in eine Seitenkavelle der (neuen) St. Michaels- krrche, ein Seitenaltar der heiligen 14 Nothhelfer nach Weng bei Kranzberg, der Andreasaltar in die hiesige Frauenkirche, die Paramente aber zu den Augustinern. — Vor der Nikolauskirche wurde der alljährliche Nikolausmarkt — aus welchem sich die jetzige Christkindldult entwickelte — abgehalten, aber 9. Mai 1597 wegen zu befürchtender Störung des Gottesdienstes rc. rc. aufgehoben. — Eine zweite (bezw. im Stadtbezirke dritte) Nikolauskirche stand etwas nördlich von der eben beschriebenen, welche Herzog Wilhelm V. nach Niederlegung der „Ni- kolauskirche im Haberfeld" neben dem zu einer Einsiedelei eingerichteten Garten der (jetzigen) Herzog Maxburg erbaute, 1629 den eben berufenen Karmeliten angewiesen und gegen das Jahr 1660 abgebrochen wurde. °) Das jetzige Wilhelmsgymnasium. *) Damals umfaßte der Lehrplan, da bereits in den Stadtschulen Latein gelehrt wurde, nur 6 Klassen, welche folgende Namen führten: 1) Ruäimonta; 2) Orammattca; 3) 8zmtaxis rninor; 4) L^ntaxi's mojor; 5) Humaniora (oder koe5iL); 6) Kbetorica, °) Das dem heil. Gregor dem Großen gewidmete Seminar, darum auch Oomus 8. OroKorii genannt, befand sich da, wo jetzt die Stnlberger'schen Häuser Nr. L1 und 22 an der Neuhanserstraße sind, und ging in die Hcrzogspital- (damals Nöhrensbäcker-) Straße zurück. °) Die Marianische Kongregation theilte sich alsbald m mehrere Zweige: 1597 erfolgte die Trennung in die größere (lateinische) und kleinere (deutsche), von welch' letzterer sich 1610 wieder die deutsche Marianische Kongregation der Herren und Bürger absonderte, die 1709 die Graf Lerchcufeld-Häuser in der Ncuhauscr- straße erkaufte und zum „Bürger-(Bet-)Saale" umbaute, der 1710 consecrirt wurde. — Im Jähre 1635 entstand die wg. „mittlere" Marianische Kongregation speciell für Gymnasiasten, während die „kleinere" für jüngere Leute aller Art bestimmt ward und sich in der Folge zur „Kongregation der Lchrjungen" umbildete, welche später in die Damenstiftskirche verlegt wurde und ein klägliches Dasein ferstet, obwohl auch die 1643 gegründete „Kongregation der ledigen Mannspersonen" mit ihr vereinigt wurde und 'M als „Kongregation der Juugherrn" den Namen lieh. hältnisse, andrerseits sein am 24. Oktober 1579 eingetretener Tod unüberwindliche Hindernisse. Dagegen blieb es seinem Sohne und Nachfolger, dem Herzog Wilhelm V., überlassen, diese Frage in würdigster Weise zu lösen. Dieser hatte die Jesuiten schon in frühester Jugend als die treuen Rathgeber seines Vaters kennen und bei seiner am 22. Februar 1568 stattgehabten Vermählung') mit der Prinzessin Renata von Lothringen auch lieben gelernt, weßhalb er ihnen, namentlich weil der Zndrang zum Orden so stark war, daß der General Lainez schon 1569 einen eigenen Novizenmeister hieher schicken mußte anfänglich Kloster und Kirche der Augustiner überlassen diesen aber ein von ihm am Neudeck in der Vorstadt Au neu erbautes Kloster ") zuweisen wollte. Letztere aber waren nicht geneigt, diesen Tausch einzugehen, sondern nahmen sogar die Intervention des Papstes (Gregor XIII.) in Anspruch, welcher dem Herzog bei Strafe des Kirchenbanns gebot, die Augustiner an ihrem alten Sitze zu belassen, worauf derselbe beschloß, den Jesuiten in München ein eigenes Kollegium mit Kirchk zu erbauen. Doch stieß die Durchführung dieses Beschlusses aus verschiedene Schwierigkeiten, deren hauptsächlichste der Mangel an Geld und an einem geeigneten Bauplatz waren. Letzterer fand sich in dem, dem Kloster Schäft- larn gehörigen Gute Konradshof °), in dessen nächster Nähe die oben erwähnte St. Nikolauskapelle und einige kleine Häuser standen, welche für den auszuführenden Bau um 6650 fl. erkauft und nebst der einen Nikolauskapelle und den Ockonomiegebäuden bis zum Herbste 1582 abgebrochen wurden, wobei der Herzog durch Brief an die Bürgermeister vom 12. August den bisherigen Besitzern zur Erzieluug eines geringeren Verkaufspreises erlaubte, „die Ocfen, und was denselben anhängig, Fenster, Fenstcrstöck, gefälzte Thüren und Thürgerichte- Schloß, eingemauerte Kästl, saubere Thüren und Dielen rc. rc." mitzunehmen.'") Bereits vorher waren Pläne und Kostenvoranschläge") gefertigt worden. — Die Grnndanlage des Planes dürfte wohl auf den damaligen Rector des Münchener Kollegiums, k. Otto Eisenreich, zurückzuführen sein, dessen Idee der ') Zur Verherrlichung der VermühlungZfeier führte» die Jesuiten die Tragödie „Samson" von ihrem Mitglieds Andreas Fabricius auf, in welcher die Heiligkeit der Ehe und die Unzulässigkeit einer solchen mit Andersgläubigen zum Ausdrucke kommt. °) Dasselbe kam indeß erst 1628 zur Ausführung; es wurden nämlich in das 1622—23 erbaute Kloster bei der St. Karl Borromäuskirche zuerst Basilianer berufen, welche jedoch nicht entsprachen, worauf im folgenden Jahre Paulaner berufen wurden, deren Konvent schon 1799 aufgelöst, das Kloster 1800—1801 als Feldspital benützt und 1807 in ein Strafarbeits- (jetzt Zucht-) Haus umgewandelt wurde. °) Das Gilt „Konradshof" basirte auf einer Schankung vom Jahre 782, auf Grund deren ein religiöser Mann Namens Apolt und sein Sohn ihren Besitz in Sendlina und Schwabing dem Kloster Schäftlarn schenkten. — Noch im 17. Jahrhundert entzifferte dieser Besitz an nahezu 150 Tagwerk (ca. 54 da). ^ ^ „ >°) Bei Gmelin: „Die St. Michaelskirche in München Seite 5. ") Der Kostcnvoranschlag des damaligen ?. Rcctors des Kollegiums lautete auf 30,000 fl., setzte aber bereits „aushülse mit Steinen" voraus; später sprach man gar bloß von 20,900 fl., während der Bau der Kirche allem 143,000, jener des Kollegiums 57.000 fl. erforderte. (Gmelin a. a. O. S. 6, 21. 41, 42. 43.) AngSburger Architekt Wendel Dietrich und der Maler und Baumeister Friedrich Sustris theils als Plan auf dem Papiere, theils als Modell ausführten. Als Maurermeister fnngirte in der ersten Baupcriode bis 1590 der Münchener Bürger Wolfgang Müller"), während den Ausbau der Kirche unter der speciellen Aufsicht des Architekten Sustris ein Andreas Gnndelfinger zu Ende führte. Nachdem der Herbst des Jahres 1582 zur Aus- hebung der Baugrube für die Kirche, für welche der Herzog in frommer Erinnerung an seinen Geburtstag, den 29. September 1518, den hl. Erzengel Michael als Patron bestimmte, verwendet worden war, begann im folgenden Jahre der Bau selbst und ward am 18. April 1583 die feierliche Grundsteinlegung zur Kirche vorgenommen, wobei der päpstliche Legat Felickan in Gegenwart dreier anderer päpstlicher Legaten: des Bon- homius am Kaiserhofe, des Malaspina in den Niederlanden und des Ninguarda am Münchener Hofe, die kirchlichen Ceremonien vollführte. Herzog Wilhelm fügte den aus Marmor gerichteten Grundstein tn Gegenwart feiner Gemahlin, feiner Mutter, der Herzogin-Wittwe Jakobäa (von Baden), seiner jugendlichen Söhne Maximilian und Philipp, seines Bruders Ferdinand, umgeben von Adeligen, Beamten und Bürgern, und legte in denselben die von dem Maler Jakob Delle ausgeführte Urkunde und eine goldene Schaumünze, deren Avers fein Brustbild zeigte, während der Revers folgende Inschrift trug: vso vptimo maximo, matri blarias ao 8. bliestasli LrestanZsIc, saarum. Knus kuwanas 8alutl8 1583 äis 18. Aprilis, dregorio XIII. kou- tifios Llax., Ruäolpstv Lsounäo Rom. Imp. av Rs- vsrsnciiss. Dom. Relioiano ^postolioaa Lsäis Huutio osrsmoniis opsranls, duilislmüs stnzus Hvmiuis tzuintus, Osi gratia Comss Lalatinus Rstoni, utrius- ^us Lavarias öux primum stuno ttmäamsuti lapiäsm xo3uit, ckum in tiae sua blstropoli Nonasbio 8osis- bati llssu in lwuorsur Lanoti Niofiaslis omuiumgus 8anotorum aausa LoliZivnis astsrnuva sibi postsris- tzuo blonumsutuw pousrst. ^) — Nach Beendigung »->) Die laug umstrittene Frage hinsichtlich des Baumeisters der Kirche ist nunmehr längst eudgiltig zu Gunsten des Augsburger Kunstfchreiners Wendel Dietrich entschieden, der in den Hofzahlamtsrechnungen schon von 1587 als Baumeister mit 300 fl. (jährl.) Gehalt figurirt. Früher war die Frage strittig und wurden außer dem architekturverständigen Maler Friedrich Sustris genannt: Albrecht Octavian. Jakob Menzinger, Oeckhel und Valiento. Daß die Jesuiten selbst bauknndige Leute unter sich hatten und deren Meinungen nicht ohne Einfluß auf Dietrich blieben, ist selbstverständlich. Von Dietrich stammen der Hochaltar und die Gypsumrahm- ungen des Gewölbes. Nach dem Einstürze des Thurmes scheint auch Dietrich in Ungnade gefallen zu sein. denn es wurde Sustris mit der Anfertigung eines neuen Planes betraut. — Wolfgang Müller, der lange Zeit als Baumeister galt auf Grund der Inschrift eines noch heute in der Sakristei befindlichen Bildes, lautend: „1585 hat Wolfgang Müller, ein Steinmetz, seines Alters 48 Jahr, die Kirche und das Kollegium erbauet". war nur Palier und hatte als solcher — von verschiedenen Gratifikationen abgesehen — einen Wochenlohn von anfänglich 2 fl., später von 2 fl. 30 kr. (die Maurer und Zimmerleute einen Taglohn von 15 kr., die Mörtelrührer und Taglöhner von 6—7 kr., die Buben von 4—5 kr.). Diese nach jeder Richtung hin falsche Bezeichnung Müllers als Baumeister verursachte sogar die Aufstellung seiner Büste in der Ruhmeshalle! '°) Zu deutsch: Dem allgütigen, allmächtigen Gott, der bl. Mutter Maria und dem hl. Erzengel Michael geweiht. Im Jahre 1583 am 18. April, als Gregor XIII. Papst und Rudolf II. Römischer Kaiser war. legte Wilder kirchliche» Feier gab der Herzog den Theilnehmeru an derselben ein Mahl im Collegium (bei den Augustinern), wobei die Schüler des Gymnasiums zur Feier des Tages ein Schauspiel aufführten, während den betheilkgten Arbeitern Bier gespendet wurde. Nun schritt der Kirchenbau stetig voran, und rasch erhoben sich die Hauptmauern. — Da das Collegium direct an die Kirche angebaut werden sollte, wurde zu ersterem am 10. Januar 1585 der Grundstein gelegt, wobei der herzogliche Rath Ludwig Müller als Stellvertreter des Herzogs erschien und der Gencralvtkar Ludwig (Schrenck von Notzing) des Fürstbischofs Ernst zu Freising *°) die Episkopalfunktionen besorgte. Hiebei wurden goldene und silberne, mit den Brustbildern der bayerischen Fürsten geschmückte Schaumünzen, dann eine silberne und eine vergoldete (kupferne) Platte in den Grund gelegt. Die silberne Platte hatte folgende Inschrift: 1113. Omilislwus V. v. 6. Ooms8 kalat. Rsts. Iltriusg. Lavarias Lux st Renata Lotstar. ejus eovzunx stoo 8ovistatl8 Issu tomplum st LoIlsZium pro sua in Oatfiolieam Religiösem st Oräivsm illum pietats a innäamsntig sxstrux. ao äotar. Kuno 8al. ttura. 1585 .") — Auf der Kupferplatte standen die Namen der damals im (Münchener) Collegium befindlichen Jeslüten. (Fortsetzung folgt.) Zur jüngst erschienenen Schrift Nector Dr. Schellv. (Schlich.) Mit der ungerechtfertigten „Scheu vor dem Weltlichen" bringt ferner Rector Schell es in Zusammenhang, daß „die Candidaten der Theologie so viel als möglich in weltabgeschiedenen Seminar-Lehranstalten von den weltlichen Facultäten getremst und von den Universitäten fast ausnahmslos ferngehalten werden". Da haben freilich unsere Seminaristen gelächelt, über die „weltabgeschiedenen" Seminarien. Was ist denn Wahres an dieser Darstellung Schells? In Bayern z. B. sind zwei Seminarien am Orte einer Universität, das der Diöcese Wllrzburg in dieser Stadt, und das herzoglich bayerische Georgianum, das insbesondere von Candidaten aus den Diöcesen München und Augsburg besucht wird, tn München. Die übrigen Seminarien sind in den „weltabgeschiedenen" Städten Regensburg, Bamberg, Dillingen, Passau, Eich- stätt, Freising, und ihre Inwohner besuchen die ebenso „weltabgeschiedenen" theologisch-philosophischen Hochschulen jener Städte. Es ist nun klar, daß man die Candidaten Helm V., voir- Gottes Gnaden Psalzgraf bei Rhein. Herzog von Ober- und Nicderbayern. diesen ersten und Grundstein. wobei der hochwürdigste Herr Felicianus, des Apostolischen Stuhles Nuntius, die hl. Ceremonien vollführte, um in seiner Hauptstadt München der Gesellschaft Jesu zu Ehren des hl. Michael und aller Heiligen aus Religion für sich und seine Nachfolger ein ewiges Denkmal zu errichten." ") Bischof Ernst zu Freisinn, geb. 17. Dez. 1554 als jüngster Sohn des Herzogs Albert V., wurde in Folge Resignation des Bischofs Moritz (von Sandizell) schon im Jahre 1567 postulirter Bischof zu Freising. 1573 solcher zu Hildesheim, 1581 auch zu Lüttich und 1583 Erzbischof und Kurfürst zu Köln und starb 17. Febr. 1612 auf der Rückreise von Nürnberg nach Köln, wo er im Dome beim Altare der hl. drei Könige begraben ist. ") 188. Wilhelm V. v. G. G. Pfalzgraf rc. rc. und Renata von Lothringen, seine Gemahlin, haben Kirche und Collegium der Gesellschaft Jesu aus Liebe zur Religion und jenem Orden von Grund aus erbaut und begabt im Jahre des Heiles 1535. 256 vou den Universitäten nicht fernhält um der Universitäten willen, sondern um der Seminarien willen; nicht um sie der Universität zu entziehen, sondern um ihnen im Seminar die geistliche Heranbildung zum pricsterlichen Leben zu geben; wäre es möglich, so viele Seminarien in den zwei Universitätsstädten zu unterhalten als die 8 Diöcesen Bayerns bedürfen, so hätte man kein Bedürfniß nach Lyzeen. Schell erhebt hier sehr unbegründete Vorwürfe gegen die deutschen Bischöfe und Ordinariate. Wenn dieselben ihre Theologen „fast ausnahmslos von den Universitäten fernhalten", woher kommt es dann, daß z. B. das Gcorgianum in München immer gefüllt ist? Treten die Candidaten dort mit oder ohne Erlaubniß ihres Bischofs ein? Woher kommt es dann, daß an den theologischen Fakultäten in München und Würzburg z. B. außer den Seminaristen noch je 40—60 Studenten sind? Und glaubt nicht Herr Rector Schell selbst, daß das Gcorgianum, wenn es statt 90 etwa 180 Theologen beherbergen könnte, dennoch immer vollbesetzt wäre? Schreiber dieses weiß Candidaten, welche ihre Theologie am Lyzeum vollenden wollten und von Vorgesetzten an die Universität gesandt wurden. Uebrigens weiß man nicht, was Dr, Schell eigentlich an den Seminarien tadeln will: daß sie sind, oder daß sie nicht in den Universitätsstädten sind? Tadelt er die Trennung der Theologen voni Studenten- und weltlichen Verkehr durch die Aufnahme in Seminarien überhaupt, oder tadelt er die Trennung der Seminarien selbst von den Universitäten? Uns scheint, er tadle Beides. Aber, dies vorausgesetzt, ist zu fragen: hält Professor Schell die Zurückgezogenheit der Theologen für nothwendig zur geistlichen Heranbildung? Hat das Tridentinum nicht gerade deßhalb die Seminarien vorgeschrieben? Und hält die Kirche jetzt die Seminarien nicht aus den nämlichen Motiven fest, aus denen das Concil sie vorgeschrieben hat? Wir dürfen ja von der Vorschrift des Concils gar nicht abgehen, so lange nicht die allgemeine Kirche diese Vorschrift aufhebt! Und nicht etwa, weil wir fürchten, die Candidaten könnten am Glauben Schiffbruch leiden, entziehen wir sie der „Welt", sondern weil wir überzeugt sind, daß sie sich in der „Welt" jene sittliche nnd priesterliche Bildung nicht aneignen können, die ihr Beruf erfordert. Wir wissen sehr wohl, daß freie Gedanken nnd Anwandlungen an den Mauern des Seminars nicht zurückprallen. Wenn sich Schell auf Hettingers Schrift über „Deutsche Universitäten nnd französische Seminarien" beruft, so muß er doch bedenken, welch wesentlicher Unterschied zwischen deutschen und französischen Seminarien besteht. Ich erlaube mir, denselben durch einen kurzen Zug anzudeuten. Als uns im Seminar zu München eine Beschreibung des Lebens in einem französischen Seminar vorgelesen ward (in der Biographie von Albert Hetsch), war der Eindruck auf uns großentheils der, daß wir sagten: „Dort hätten wir's alle nicht ausgehalten." Wenn aber Nector Schell nicht die Seminarien an sich, sondern die Thatsache bedauert, daß deren Mehrzahl nicht au Univcrsitätsorten ist, so übertreibt er einerseits die Bedeutung des Verkehrs der Theologen mit den Studenten der anderen Fakultäten; andererseits aber verdächtigt er die Lyzeen bezw. Semiuarlchrkräfte einer wissenschaftlichen Jnferiorität, die er nicht begründet. Seine Worte von der „Mediocrita seminaristischer Systematik" sind schon, wie viele andere Aeußerungen Schells, von Pxof. vr. Haas in der Beilage zur „Augsb. Postztg." richtig beleuchtet worden. Wir fügen nur hinzu: Entweder beweise Herr Rector Schell diese „Medio- critö" der Seminarien, oder er nehme die Beleidigung, die er in die Welt geschleudert, zurück! Die Vertreter der Seminarien haben das Recht zu dieser Forderung. 8. Wir kommen auf die heiklen Anklagen Schells gegen den „Ring" der streng-kirchlichen Theologen, bezw. Schriftsteller und Gelehrten überhaupt. Man muß vielleicht Herrn Rector zugestehen, daß es manchen von uns ergeht, wie den Pharisäern, welche, um ja das Gesetz sicher zu hüten, einen Zaun um das Gesetz machten; daß sie in ähnlicher Weise, um ja nicht in irrthümliche Lehren und unkirchliche Gesinnungen zu gerathen, hyper- kirchlich, um so zu sagen, in Lehre und Denkweise werden, darum mißtrauisch sind gegen Alles, was ihnen dem Anßerkirchlichen näher zu stehen scheint, daher geneigt, manches als häretisch oder unkirchlich oder bedenklich hinzustellen, was dies in der That nicht ist. Wir gestehen auch, daß sich manchmal katholische Schriftsteller, minder im Stande, ihre Thesen sachlich innerlich zu begründen, allzuviel und für oft zweifelhafte Dinge auf die kirchliche Auktorität berufen, ja zuweilen in der Hitze des Streites sich zu Verdächtigung des Glaubens und der Gesinnung des katholischen Gegners hinreißen lassen. Wir gestehen auch, daß die katholischen Schriftsteller, fortwährend bedrängt durch die Schmähungen und Verleumdungen der Gegner gegen alles Katholische, zuweilen in der Vertheidigung und im Lobe desselben des Guten zu viel thun; daß sie in der Absicht, Gesinnungsgenossen zu ermuntern und zu empfehlen, manchmal zu viel loben und zu wenig kritisiren; wird man doch des ewigen Kampfes herzlich müde, den man mit den Nichtkatholiken zu führen hat, mit Lüge, Entstellung und Haß, so daß man sich gerne der Polemik und Kritik gegen Leute aus den eigenen Reihen einschlägt. Wir schließen uns vollständig der Warnung Schells vor derartigen Fehlern an; wenige Fehler erscheinen uns so gehässig und schlimm in ihren Folgen, als Engherzigkeit und Mißtrauen und Verdächtigung gegen Glaubens-, Gesinnungs- und Standesgenossen; übertriebenes Lob aber und Mangel an Kritik unter uns ist ein Schaden für die katholische Wissenschaft. Aber welche Thatsachen berechtigen Herrn Schell, von einem „Ring" der kirchlichen Theologen zusprechen? Ist etwa ihm dergleichen widerfahren? Ist seine Dogmatik, wenn auch scharf, nicht dennoch überall maßvoll uild rein sachlich recensirt worden? Es ist rwtorisch, daß die katholische Gelehrtenwelt überhaupt, wie speciell die katholische Theologie und Philosophie, eine Vielheit von Nuancen in Lehre und Richtung umfaßt. So muß es selbstverständlich sein. Die Nüancen betreffen theils die theoretische, theils die praktische Seite der Lebens- und Weltauffassung. Hier erhebt nun Schell den Vorwarf der Einseitigkeit gegen eine Gruppe, eine Richtung von Theologen, welche völlig an der altüberlieferten Theologie und Philosophie festhalten, von den modernen Gelehrten aber nur soviel annehmen wollen, als ehrenhalber unvermeidlich ist. Er meint im Besonderen, wie es scheint, jene Aristoteliker bezw. Thomisten, welche sich gegen moderne Richtungen ablehnend verhalten. Wir wollen davon absehen, daß Herr Nector Schell die Behandlung, welche Thomas von Aguin der Theologie augedeihen ließ, ganz irreführend eine „formal-juristische" nennt, daß er die Aristotelik 12 Jahrhunderte laug um ihre Anerkennung in den katholischen Schulen kämpfen läßt» was historisch völlig unrichtig ist. Aber darin ist ihm beizn- 257 stimmen, daß die katholische Wissenschaft auch die moderne Philosophie nicht rundweg ablehnen darf. Dies wäre gegen ihre Natur als Sucherin der Wahrheit, gegen ihre Aufgabe als Lehrerin der Klugheit, und gegen ihre Eigenschaft als katholische Wissenschaft; es wäre auch gewiß gar nicht thomistisch. Der wahre Weise nimmt das Wahre, wo er es findet, der Kluge verschmäht auch das Kleine in der Wahrheit nicht, der Katholik kommt Anderen mit Liebe, nicht mit Stolz entgegen; Thomas von Aquin hat es nicht verschmäht, von Griechen» Arabern und Juden zu lernen. Der Heilige Vater Leo XIII. hat uns, hat den Katholiken, welche Theologie und Philosophie lernen oder lehren, befohlen, den hl. Thomas von Aquin vor Allem zum Lehrmeister und Vorbild zu wählen. Aber er hat uns, was selbstverständlich ist, weder das Studium anderer großer Meister der Wissenschaft vor und nach Thomas, noch den Gebrauch dessen verboten, was in der modernen Philosophie Wahres und Nützliches zu finden ist. Und solches ist darin zu finden, wenn anders es wahr ist, daß kein Mensch in allen > Dingen irrt, daß jede Hauptrichtung des Denkens und Forschens uns die Dinge von einer äscheren, neuen Seite ansehen und erkennen läßt. Man muß auch hier die rechte Mitte wahren zwischen Verachtung des Alten und Ablehnung des Neuen, zwischen principiellem Traditionalisinus und eitler Neuerungssucht. Aber gewiß ist jene Strömung des exklusiven Festhaltcns am Alten in Deutschland weder so stark noch so verbreitet, wie Schells .Darstellung meinen lassen könnte. 6. Sehr weit über das Maß gehen die Worte vr. Schells, so oft er auf die „geistige Hegemonie des Ordensklerus gegenüber dem Weltklerus" und die daraus dem letzteren drohende Gefahr „der geistigen Unfähigkeit, Unselbstständigkeit und Knechtung" zu sprechen kommt. Die meisten katholischen Leser haben solches sicherlich mit der größten Verwunderung gelesen, an die Stirne gefühlt und sich gefragt: Wo habe ich dergleichen je beobachtet? Schell beruft sich auf Manning; warum nicht auf eigene Erfahrung, auf die allgemeine Erfahrung? Es ist möglich, daß der katholische Weltklerus Englands zu Manuings Zeit einigermaßen zur Selbstthätigkeit erwachen mutzte, weil er in anderen Verhältnissen war; aber es ist auch möglich, daß Manning sich getäuscht hat. Aber man beobachte doch die Dinge, wie sie für den deutschen Klerus liegen. Wie weit gibt sich denn dieser der geistigen Leitung der Orden, des Capuciner-, Franziskaner-, Benediktiner-, Jesuiten - Ordens hin? Findet Schell das, was er so nennt, in dem Aufsuchen der geistlichen Exercitien bei Ordensmünuern? in der Berufung von Ordensvätern für die Exercitien in Priesterseminarien? zur Abhaltung von Volksmissionen? in dem Gebrauch von wissenschaftlichen Werken, die von Ordensmännern verfaßt sind? Soll darin die geistige Hegemonie bestehend Da scheint doch Schell Gespenster gesehen zu haben. In Mannings Ausführungen, denen sich Schell anschließt, liegt der Fehler einer principiellen Gegenüberstellung von Welt- und Ordensklerns. Der Fehler liegt darin, daß Manning das Mißberständniß einstießen Läßt, als komme das Priesterthum dem Weltklcrus insbesondere zu. In der That nehmen beide Stände in gleicher Weise am Priesierthnme theil. Wenn man Weltpricster und Ordensmann verglichen und ersteren der Würde nach dem letzteren, den letzteren in Bezug auf den Lebens- paud dem ersteren vorgesetzt hat, so kann man bestreiken, daß die Vergleichnng glücklich gewesen; auf leinen Fall hat der Wcltklerus es verschuldet, daß Gnry sagt ^ Üts,tu8 vaaorclotrrlw, liaot rliAnitats praestantissimris 8it, rations kamen poiksotionio vita religioniv lonAS ceäit. Gnry fehlt dadurch, daß er vitao religionis und 8acmräotirmr in gleicher Weise als 8taku8 nebeneinanderstellt. Dies ist unrichtig. Man kann dem 8tatus reli^ionm nur den 8trr.tu8 saooulario, und andererseits den Priester dem Nichtpricster vergleichend gegenüberstellen; ersteres ist ein Vergleich der religiösen Lebensart, letzteres ein Vergleich der Wirksamkeit im Reiche Christi. Wenn dann nicht erst Gnry, sondern schon Theologen des Mittelaltcrs lehrten, daß zwischen 8trrkn8 reliZionm und 8Mouinri8 ein Unterschied in der Vollkommenheit der Lebensart bestehe, der selbst dadurch nicht aufgehoben wird, daß ein vir aaeoniarip zugleich das Priesterthum besitzt, so sind das grundsätzliche Ansichten, welche von dem faktischen Verhalten des Wcltklerus ganz unabhängig sind. Wenn aber Manning-Schell die Theilnahme am Priesterthume so darstellen, als habe der Ordensklerus das Priesterthum des Geistes und der persönlichen Vollkommenheit am sich gerissen, dagegen der Wcltklerus sich mit dem Priesterthttm der Sakramente und der amtlichen Regierung zufrieden erklärt, so ist das eine maßlose Uebertreibung der Thatsache, daß der Ordensmann infolge seiner völligen Entsagung, seiner Regel und Ascesc in der Regel persönlich vollkommener leben und darum in der Christenheit besonderes Ansehen genießen, dem Weltpricster aber als Vorbild dienen wird. Das wünscht Niemand von uns zu ändern» es sei denn dadurch, daß wir Weltpriester auch ohne völlige Entsagung, ohne Regel und Gelübde uns eines möglichst vollkommenen Lebens befleißen. Unter den Orden bezeichnen Manning-Schell besonders den der Jesuiten als eine Gefahr für die geistige Höhe des Weltklerus! Und wodurch soll er dies sein? Schell spricht von exklusiver Intoleranz der Ordensmitglieder, mit der sie alles verdächtigen, was nicht mit der jesuitischen Theologie übereinstimmt! Was soll man hierauf sagen? Daß bei den Jesuiten viel weniger als bei anderen Orden von einer Ordenstheologie die Rede sein kann, daß gerade dieser Orden der individuellen Pflege der Wissenschaft den weitesten Spielraum laßt, daß gerade in ihm die profanen Wissenschaften sehr umfangreiche Pflege finden; daß Jeder, der sich über den Vorwurf Schells bezüglich der deutschen Jesuiten vergewissern will, die Abhandlungen und Recensionen ihrer beiden Zeitschriften „Stimmen von Maria-Laach" und „Junsbrucker theologische Zeitschrift" von Jahrgang zu Jahrgang prüfen möge; daß wir nie bemerkten, es seien Werke von Jesuiten ihrerseits in der Welt marktschreierisch oder anmaßlich verkündet, Werke anderen Ursprungs herabgesetzt worden. 7. Im Anschluß an Manning zählt Schell e8 in Iwnclon. . ." (und ein großes Pestilenz-Sterben herrschte in London). Wir können diese Skizze passend abschließen mit den zusammenfassenden, im Ganzen genommen treffenden Worten Sigharts: „Hans Holbein war eine kräftige, frische, lebensfrohe Schwabennatnr, wie schon sein Bild zeigt. . '. . Er lebte mit den gebildetsten und gelehrtesten Männern der Zeit in freundschaftlichem Verkehr, wie Erasinntz, Amorbach, Frobenins und Thomas Morns, muß also auf höherer Stufe der Geistesbildung gestanden haben. Schon dadurch unterscheidet er sich wesentlich von den beschränkteren Handwerksmeistern der früheren Zeit. Auch ist seine Universalität in der Knnstiibung zu bewundern. Er malt in Oel, Fresko und in Leimfarben, macht Miniaturen, Kupferstiche und Holzschnitte, er schafft Heiligeugestalten und Scenen der Bibel, Genrebilder, humoristisch-satirische Bilder, Thatsachen der römischen und griechischen Geschichte, allegorisch-symbolische Gemälde und endlich Porträts mit gleicher Virtuosität. Er war es, der deutschen Ernst und deutsche Wahrheit mit italienischer Formenschönheit zu verbinden gewußt hat, er huldigte den Grazien der Renaissance und blieb doch frei und deutsch, während die Nachfolger bald zu Sklaven der Fremde herabsankeu." Necensionen und Notizen. -s- Die St. Michaels - Hofkirche, nächst der Frauenkirche Münchens monumentalstes altes Banwerk und von Lübke als „die gewaltigste kirchliche Schöpfung der deutschen Renaissance" gepriesen, hat zur Feier ihres in den Tagen vom 27.-29. Jum stattfindenden dreihnndertjährigen Jubiläums aus der Hand des kgl. Hofpriesters und Subdiakons Adalbert Schulz ein würdiges. Angebinde erhalten, eine 133 S. starke und vom Verlage I. I. Lentner (E. Stahl jun.) gediegen und geschmackvoll ausgestattete, illustrirte Festschrift. Seine kgl. Hoheit der Prinzregent geruhte die Widmung des Buches anzunehmen, welches die Geschichte und Beschreibung des durch frommen und kunstbegeisterten Sinn eines edelen Wittelsbacher-Fürstcn gestifteten Gotteshauses weiteren Kreisen zugänglich machen will. In Ergänzung zu Gmelins 1890 als 16. Band der Bäuerischen Bibliothek erschienener Monographie legt Schulz den Nachdruck auf die Darstellung des kirchlichen Lebens. Bezüglich der Bangeschichte sucht er mit annehmbaren Gründen in Friedrich Sustris den Baumeister der Kirche, nicht in Wendel Dietrich, dem Angsbnrgcr Kunstschreiner, hauptsächlich wegen des unverkennbaren Einflusses italienischer Renaissance. Ausführlich verweilt Schulz ,bei der Beschreibung des verlorenen Kirchenschaßes bei dem Abschnitte über die Kirchenmusik, welche ja bis heute in St. Michael eine hervorragende Pstcgestätte gefunden hat. Die Geschichte der Kirche ist chronikalisch erzählt und sehr detaillirt von 1583 bis 1897. Ueber die Disposition der ganzen Schrift (Baugcschichte und Beschreibung der Kirche: das kirchliche Leben bezw. Gottes- dienstordnnng, Bruderschaften und Kirchenmusik: Chronik der Kirche: Anhang: die Sargiuschriften der Fürstengruft; Quellennachweise) rann man wohl anderer Meinung sein als der Verfasser: speciell wird man es nicht angenehm empfinden, daß die Quellennachweise oder Anmerkungen: sämmtlich erst am Schluß des Buches aufgereiht sind, so daß man bei der Lektüre des Textes immer hin- und Herblättern muß, lind ebenso hätten naturgemäßer die Sargiuschriften in dem vorhandenen Abschnitt „Die Fürstengrnft" untergebracht werden sollen. Allein das sind nur äußerliche Bemängelungen, die Solidität der populär-wissenschaftlichen, auf urkundlichem und handschriftlichem Quellenboden vielerorts beruhenden Schrift wird dadurch nicht geschmälert, und alle Verehrer des herrlichen Tempels, welchen einst die Dichter als achtes Weltwunder priesen, sollten sich diese treffliche Jubiläumsgabe zu eigen machen! Messer, Dr. August, Lehrer am Großherzogl. Gymnasium zu Gießen. Die Reform des Schulwesens im Kurfürstenthum Mains unter Emmerich Joseph (1763—1774). Nach unge- druckten amtlichen Akten dargestellt, gr. 8". (XII und 173 Seiten.) Preis M. 2,50. Mainz, Franz Kirchheim. Die Reform des gesammten Schulwesens von der Dorfschule bis zur Universität, die unter Emmerich Joseph im Kurfürstenthum Mainz angebahnt wurde, wird hier aus reichfließenden handschriftlichen Quellen dargestellt. Diese Reformen haben weit über die Grenzen des Mainzer Knrstaates hinaus gewirkt und beanspruchten daher für die Geschichte des Unterrichts eine mehr als lokal- historische Bedeutung. Ueberdies sind manche der hier auftauchenden Fragen von aktuellem Interesse, z. B. Hebung des Lehrerstandes und ihrer Ausbildung, Herstellung einer Einheitsschule in Verbindung mit der Zurückdrängung der klassischen Sprachen, der Kampf um den Einfluß auf die Schule zwischen den staatlichen und kirchlichen Behörden sowie zwischen der christlichen Tradition und den Forderungen der neuen Aufklärung rc. Auch das Schulsystem der Jesuiten wird sins ira et stuckio erörtert. Eerantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.