tti-. 39. 10. Juli 1897. * ^ 0> vf ^ ^5 r> ^/sv r) E s Aus Zeitwinkel und Perspektive. Von Cölest. Schmid. (Fortsehrrng.) Wer aus der laugen „Homerforschung" thatsächlich bis jetzt rühmlichen Nutzen gezogen und wirkliche, greifbare Ehrenrettung geerntet hat: das ist bezeichnenderweise statt des göttlichen Sängers der große alexan- driuische Universitäts-Schulmeistcr Aristarch. Wie noch der Schatten des gefallenen Achill den Griechen erfolgreich gegen die Troer kämpfen half, so hat Aristarch, kann man fast sagen, sogar einen unserer modernsten und echtesten Universitätsphilologen gemacht — eben weil dieser, manchmal mit mehr Geschrei als Geist, die Homer- forschnng zur aristarchischen Ehrenrettung umzustempeln gewußt hat. Und doch hatte dieser Philologe, dessen Blüte in das Ende der 70er und dann in die 80 er Jahre fällt, für seine Zeit einen nicht so ganz unrichtigen Instinkt. Wer allenfalls auf den Gedanken kommen sollte, die Blütezeit des modernen, liberalen ProfessorentumS, hauptsächlich philologischer Richtung, zu vergleichen mit der Blütezeit des wissenschaftlichen Alcxandrinertums, wie sie im 3. Jahrhundert vor Christus einsetzte, der könnte da die schönsten Parallelen finden und schließlich entdecken, daß auch die scheinbar originalste Zeit, wenn man genauer zusieht, doch nur eine vermehrte Auflage von irgend etwas schon einmal Dagewesenem bedeutet. Nur daß jenes hochgelehrte Alexaudrincrthum, dessen wahre Verdienste durchaus nicht geschmälert werden sollen, denn doch wenigstens bedeutend temperamentvoller und offener war, als unser heutiges: fast könnte man zu dem hinkenden Vergleich mit Jsar und Würm versucht sein. War es doch, trotz aller neuläudischen Kultur, wie sie Wilamowitz so treffend gezeichnet hat, wenigstens mit einem vollen Tropfen echt griechischen Oeles gesalbt. Aber auch um so glatter und selbstherrlicher glaubte man die so durch und durch intime Homerfrage aus der Zeit heraus anfassen zu dürfen, nnd wenn wir, die Götter seien gelobt, einen rechten und echten Wildcnbruch haben, so genierte man sich damals auch nicht, aus dem Homer so eine Art ptolemäischen Wildenbruch machen zu wollen: auch nicht davor, gelegentlich daraufhin, wenn es nicht klappen wollte, Verse umzusetzen oder auch, wie es Zeuodot noch viel skrupelloser als Aristarch that, die berühmte und gepriesene Athetcse anzuwenden: d. h. Vers oder Verse einfach für unecht zu erklären. Und das war das große und berühmte Gesetz der Analogie! Ich kenne in der inneren Weltgeschichte keine größere Ironie und Komödie, als wenn in den sogen. Schotten, den aus encyklopädischen Sammlungen der Philosophenschulen, hauptsächlich der Stoa, redigierten und dann immer wieder mit neuen Zuthaten versehenen Schul- erläuterungen zu Homer, auch so ziemlich die ganze Etiquette des ausgeprägten alexandrinischen Hoflebens als Kriterium an die alten homerischen Nationalgesänge angelegt wird, um sie je nachdem rühmlich bestätigt zu finden oder auch dem alten, blinden Sänger aus der achäischen Urzeit den entsprechenden Tadel nicht zu ersparen. Daß man nicht doch auch schon bei uns, wenigstens in dem slavistischen Nordosten, trotz aller schlagenden Paralellcn, auf so etwas gekommen ist? Nun da fehlt es, abgesehen von Anderem, doch am Temperament: und dann an aller lebendigen Verbindung mit Homer selber. Homer ist tot, konnte Milamoivitz meinen, nur die Homerforschuug ist modern und vielleicht sogar populär. Unterdessen scheint übrigens auch die Homerforschung nicht nur ganz unpopulär, sondern auch unmodern geworden zu sein. Nirgends vielleicht kann man den Entwicklungsgang der deutschen Gelehrsamkeit in so interessanter, intensiver Beleuchtung verfolgen, als gerade hier. Als man am Ende des 18. Jahrhunderts, durch Rousseau angeregt, durch die Engländer, vor allem Wood, aufgerufen, auch tu Deutschland die Homerforschung aufgriff, da war noch heißblütiges Leben darin. Es waren aber auch Dichter wie Goethe nnd Schiller, dichterische Naturen wie Wiuckel- mann, Herder nnd vielleicht insgeheim sogar Wolf, die im Vordergrund standen. Der letztere griff, an dem antiquirten Zünftler Heyne vorüber, als der einzige deutsche Philologe ein: für die Homerscholicn ebenso wie für die Homerkritik. Sein Räsonncment war glänzend, aber hitzig »erstürmt und lief in zwei große, eigentlich seitab liegende, Aenßerlichkeiten aus, die allerdings seitdem zäh auf dem Plan geblieben sind: das Alter der Schrift und die Frage vom rhapsodischen Vortrag. In den Schotten aber bannte er alles, was über den Horizont philologischer Akribie damals hinausging und auch jetzt noch hinausgeht, alles unmittelbar Suchende, alles philosophisch und künstlerisch zu fassen Suchende mit dem ebenfalls bis heute noch ungezählte Male nachgclallten Anathem: oomnia armAOgiea ot allaZorioa. Gewiß: die drei Schottensammlungen nnd L in Venedig, st in Oxford), in ihrem Kern auf gemeinsame Urquellen zurückgehend, enthalten nicht nur interessante Zeitrcflexe aus der alexandrinischen Gelehrsamkeit und aus ptole- mäischem Hofleben, sondern bieten neben sehr viel Guten« auch ein geradezu monströses Beispiel dafür, in welcher Weise sich eine alte sinkende Kultur in ihrem Niedergänge an die traumhaft schön und kräftig gewordene Jugendzeit anklammert und an deren kräftigste oder auch kräftigsten Vertreter — wie an einen rettenden Balken, der vor dein Ertrinken retten soll. So wird denn auch der verschollene alte Sänger aus der Wende der Zeit, da sich im Kreise des ägäischen Meeres Europa mit Asien um die künftige Herrschaft stritt, nicht nur zum allverehrten idealen Uebermenschcu, sondern auch zum Allmenscheu der gesainten griechischen Kultur: vom hieratischen Tempelvers der ältesten Zeit bis herab zu dem blasierten, sportssüchtigen und doch wieder manchmal in den tiefsten Herzensgedanken hochreaktionären Spät- hellenismus. Als wenn ungefähr, um abermals einen stark hinkenden Vergleich zu gebrauchen, das heutige Parks sich iin Rolandslied wieder finden und dessen gewaltsam aus dem Dunkel gezerrtem Säuger einen Tempel errichten wollte: als dem ersten Heros der französischen Nation. Solche Ideen liegen freilich den Franzosen himmelweit ab — nebenbei doch immerhin ein Zeichen, daß dieselben trotz aller Reaktion wenigstens wirklich und ehrlich modern, nicht in wahnwitzigen Hallucinationen befangen sind. Wohl aber haben wir Deutsche so manches» was uns eigentlich als recht temperamentlos unmodern erscheinen lassen könnte. Doch dafür sind auch, kann man sagen, die Deutschen, das Volk der Mitte, die ideale Nation x. L., nicht da, gottlob nicht berufen. Gewiß. 1 Aber dafür beweisen sie mit ihren« immer dringlicheren 274 Sichanklammern an Goethe, mit der wachsenden Verätzung des „Dichtcrgcnies" Goethe, daß sie auch ihren wirklichen Beruf zu vergessen im Begriffe sind. Und das ist der: dem hochmodernen, sich überstürzenden Zeitdrängen das nützliche und notwendige Gegengewicht in der entsprechend reaktionären Selbstbesinnung zu stellen, in den grellenden Dythyramben-Tänzen einer gewalt- thätigen Jnsichselbstherrlichkeit einerseits und eines charakterlosen Kosmopolitismus andererseits umsomehr nach den alten unvergänglichen Idealbildern aus dem Wandel der Zeiten zu suchen und die Resultate aus diesem tief innerlich gesammelten Sichselbstbesinnen als neue Wegweiser und Leuchttürme in die noch dunklen Zeitläufte hinanszustellen. Je elementarer und zügelloser das Suchen und Tasten nach der Zukunft im Zeitwandel auftritt, mit je tieferen und kräftigeren Mitteln die Zeit nach neuen, souveränen Entwicklungen strebt: um so weiter» universeller ausholend mutz die ideale Reaktion, um so grandioser müssen die Idealbilder sein, die da noch wirksam sein können sollen! Damit wäre ich ungefähr wieder zum Anfang zurückgekommen. Gewiß: Shakespeare, eines der ewig giltigen ErdengenieS, hat ernsteste oder auch temperamentvoll hitzigste (vgl. den Shakespeare-Bacon-Streit) Pflege und Erforschung gefunden. Dante, das Genie des in feiner Universalität aufblühenden Nomanismus (Cervantes ist die Genialität des ideal sinkenden Romanismus), hat längst eine ernste» andächtige Gemeinde von Forschern und Genießenden um sich gesammelt. Aber es sind eben nur, soweit sich nicht doch manch kleinliche Eitelkeit oder gar Charlatanerie eingeschlichen hat, nur stille, weltverlorene Zirkel. Goethe aber ist und wird thatsächlich immer mehr der herrschende Olympier, der dichterische Gnade verleiht, Befähigungsnachweise vertheilt: und vielleicht in den nächsten Zeiten noch mehr privilegiertes Monopol haben wird. Die christlich-germanische Romantik aber ist versandet: und mit ihr die innerlich verwandte Homerforschung, zu der Wolf so glühende Anregung, die bewußten oder unbewußten Halbromantiker Hermann und Lachmann so schöne Anfänge gegeben hatten. Wilamowitz aber ist nochimmer eine angewunderte und mehr gescheute als geliebte und beachtete Kassandra. Und, soweit wir heute wirklich Romantik haben, wie bei Knötel und bei dem Indogermanisten Elard Meyer, der am liebsten die ganze Jlias in ein indogermanisches mythologisches Handbuch auflösen möchte, ist es brutales Pleiuair oder groteske Nacht- und Nebelromantik. Und doch müssen wir, um die Zukunft, wenigstens zunächst die Ideale der Zukunft, zu finden, gerade da hinaus, gerade in jene Landschaft zurück, die uns einstweilen der goethische Hain mit dahinter sich anstürmender Pagode versperrt: müssen wir trotz Goethe über Shakespeare und Dante zurück zu dem Griechen Homeros, dem Vielgeprüften, Vielgeliebten und Vielmißhandelten. Wenn Shakespeare die oben angegebene Synthese darstellt, so gibt Dante ein Weltbild, dessen tragende Säule, mit Ausscheiden des tragischen Humors, das sowohl der goethischen Synthese als dem großen Shakespeare fremde und dabei mit der Phantasie wunderbar vermählte christliche Ethos bildet. Homer aber vereinigt die goethische Synthese mit dem tragischen Humor Shakespears sowohl als mit einem vielfach christlich anklingenden, jedenfalls erhabenen Ethos: und steht sonach immer noch auf der höchsten Stufe der Kunst! Daß dieser Rückschlag trotz alles Trachtens und Sinnens noch lange nicht oder wenigstens bei Weitem noch nicht in der entsprechenden Weise eingetreten und im Uebrigen vielleicht sehr schwierig ist, können uns unter Anderem auch gerade die weit voraus- und rückschauenden Genialitäten Shakespeare und Goethe selbst zeigen. Denn, wenn bei Dante von einer Anknüpfung an Homer selbstverständlich keine Rede sein kann, so konnte und hat Shakespeare wenigstens auf die troische Sage, Goethe aber direkt auf die wiedererweckten homerischen Dichtungen zurückgeschlagen. Was aber Shakespeare in einzelnen seiner Historien aus der troischen Sage bietet, das gehört nicht gerade zu den besseren Auswüchsen derselben: und Goethe ist es da, wo er sich mit Homer direkt in Verbindung zu setzen suchte, fast ergangen wie dem ungeschickten Zauberlehrling. Wenn er je Fiasko gemacht hat, so hat er Fiasko gemacht mit der Fortsetzung der mit einer Achilleis verwechselten Jlias und mit dem Versuch zu der Dramatisirung der Nausikaa-Märe aus der Odyssee! Uebrigens kein Wunder: unsere große, kosmopolitisch ideal fühlende Musik hat auch bis jetzt, soweit sie Aehnliches gewagt hat, noch viel mehr daneben gefühlt. Das haben, wenigstens für die Jlias, die „Trojaner in Karthago" von Berlioz bewiesen und scheint auch die Dilogie: Achill-Klytaimestra des neuen Dresdener Heros Bungert beweisen zu wollen. Der geniale Tragöde Kleist gar, eine der Leuchten vöni beginnenden Jahrhundert, hat in seiner „Penthesilea" auch von der Achillsage ein fast abschreckendes Zerrbild geboten. Da sind wir mit Hebbels „Nibelungen" und mit verschiedenen der R. Wagncr'schen Mnsikdramen doch immerhin noch bedeutend weiter ins Germanische znrückgedrnngen. Wann diese beiden indes endlich einmal auch ernst und wahrhaft auf unsere Talent-Cultur wirken oder gar zu Rückahnnngen des deutschen VoWbewnßtscins führen werden und können, ist eine andere Frage, die, glaube ich, vielfach noch zu sehr optimistisch angeschaut wird. In der wiedererweckten Honierfrage selber aber schwankte Goethe, so rühmlich er vortrat, samt Schiller wie Pinien im Sturm. Doch für eine wahre altgriechische Reaktion fehlt es vor Allem von Seiten des Volkes und der Gebildeten vorläufig noch an allen Bedingungen. Nur in den höchsten, vielfach Volks- und auch bildnngsgetrennten (ich meine die Durchschnittsbildung) Regionen, wo man aus kräftig ringender Individualität heraus zu ahnen, sowohl die Vergangenheit als aus ihr die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Zukunft zu ahnen begonnen hat, vollziehen sich in aller Stille manche Vorbedingungen für künftige heilsame Einflüsse aus der Vergangenheit. Und manches, was man vielfach noch als gar nicht oder nur halb verstandene Modesache und Tändelei oder auch, von modernen Alfgespenstern geschreckt, betreibt, könnte, richtig gefaßt und entwickelt, dazu führen, auch einmal breitere, gesündere Fundamente für die notwendigen Entwicklungsgänge zu finden. Und fast glaube ich, daß es einstmals zwei durchaus extreme Erscheinungen sein könnten: das elementare Volkserwachen, das durch die socialistische Massenentwiülnng und -Organisation immer mehr herausgetrieben wird, und die hohe Jndividnalitäts- knltnr, die durch Verseichinng der Dnrchschnittsbildnng immer tiefer und zugleich mehr verbreitet werden muß, die den Hemmstein jeder größeren Entwicklung, unsere breite, verflachte Durchschnittsbildnng, entweder zerreiben oder die notwendigen, guten Elemente assimilierend in sich aufnehmen und so zu den neuen Entwicklungen mit- sortreißcn würden. Thatsächlich liegt hier eine Ent- 275 scheidung: und durch das Säkular-Genie Bismarck ist ja, wo sie noch nicht am Ruder war, überall die bildungs- tüchtige Mittelmäßigkeit ans Ruder gekommen: so hat es neulich erst Paul Garin, trotzdem ein Würdiger Bis- marcks, in seinen „Dulcamara" gesagt: und Goethe ist znm Idol und zum Palladium der bildungstüchtigen Mittelmäßigkeit geworden: so sagt es jetzt auch der modern denkende Scrvaesi (Schluß folgt.) Die St. Michaels-Hofkirche in München. Eine Studie zur 3. Säcnlarfeier der Einweihung der Kirche vom 27.—29. Juni 1697. Von I. M. Förster. (Schluß.) Kurze Beschreibung der Jubilciums-Feierlich- keiten von 169??°) Zur würdigen Begehung hatte man schon früher den Anfang gemacht durch Restaurirung der Kirche» ihrer Kapellen und des Kollegiums: Erneuerung der Orgel, Vergrößerung einzelner Fenster, Neu-Anfertigung von acht Altären, „deren zween auß köstlichem Marmel, sechs miß Stuckador, dem Marmor ähnlich seynd." — An den Wänden des Collegiums und Gymnasiums waren drei „Ehrenbögen" errichtet, und zwar der erste, dem Herzog Wilhelm und dessen durchlauchtigster Nachkommenschaft gewidmet, von der Gesellschaft Jesu, der zweite und dritte, mit gleicher Widmung, theils von neun Bruderschaften, theils von der studirenden Jugend aufgestellt. Für die Dauer des Jubiläums hatte Se. Heiligkeit Papst Jnnocenz XII. einen vollkommenen Ablaß verliehen. Die Feier selbst wurde am Vorabende, Samstag den 6. Juli, durch einstündiges Geläute mit allen Glocken eingeleitet, worauf der Regensburger Wcihbischof und Bischof von Laodicea i. p. i. Albrecht Ernst Graf von Wartenberg die Vesper hielt; nachdem er vorher das Allerheiligste in einer Monstranz, „so wegen puren Gold, häuffigen Kleynodien vnd Edlgestainen allein einen Schatz machet", zur Anbetung ausgesetzt hatte. Am Sonntag den ?. Juli wurden früh halb 5 Uhr mit dem ersten Glockenschlage von den beiden Thürmen der (damaligen) Haupt- und Stifts- (jetzt Metropolitan-) Kirche U. L. Frau zwölf kleine Stücke gelöst, denen alsdann 24 schwere Stücke auf den Wällen beim Neuhauser- thor antworteten. Um halb 8 Uhr hielt obengenanuter Bischof Wartenberg das Hochamt, „bey welchem sich ein unzählbares Volck sehen lassen, nit allein von der Statt München, sonder auch auß dem übrigen Bayrland, Saltzburg, Oesterreich, Tyrol vnnd Schwaben": während des Hochamts hielt Abt Balduin des Cistercienserklostcrs Fürstenfeld die (erste) Predigt, wie auch Nachmittags in pontiüoalibua die Vesper. Zur Anbetung des den ganzen Tag über ausgesetzten Allerheiligsten hatten die verschiedenen Bruderschaften, die studireude Jugend und andere fromme Vereinigungen der Stadt die Stunden unter sich vertheilt und zog „zu jeder Stund ein andere Schaar der Bettenden mit vorgetragenen heiligen Creutz vndt Wappen - Schildten in dem vorderen Kirchen Chor aufs". Die für diesen Tag projectirte Procession mußte wegen Negenwettcrs auf den Dinstag verschoben werden. °°) Vergl. darüber: „Erstes Jubeljahr oder hundertjähriger Wcltgang von dem hochlöblichen LolloZüo der Gesellschaft Jesu im Jahre 1697". S. 265-281. Die Litanei um 8 Uhr Abends dagegen wurde im Freie» abgehalten und das Allerheiligste auf dem Ehrenbogen vor dem Gymnasium ausgesetzt. Am Montag riefen, wie an den folgenden Tages, die Glocken schon um halb 5 Uhr früh zur Fortsetzung des Festes. Um halb 8 Uhr hielt Abt Balduin von Fürstenfeld das Hochamt, während desselben k. Leopold Gramiller Augustinerordens (in München) die Predigt. Um 1 Uhr begann die „Comödi: der hl. Erzengel Michael, der Erzfeldherr, der gegen Gottlosigkeit, Götzendienst und Ketzerei kämpfenden Kirche", welche an 5 Stunden dauerte. Am Dinstag hielt das Hochamt Abt Eliland von Benediktbcuren, die Predigt k. Amadeus Hamilton aus dem Theatinerorden: um halb 11 Uhr wurden im Hofe des größeren Gymnasiums 72 alte Männer ausgespeist, von denen nach dem Essen, „bey dem ihnen einer auß unfern katribuo auffgewartet", jeder 1 Gulden rh. auf die Hand bekam. Um halb 3 Uhr hielt Abt Eli.'and die Vesper, nach derselben fand feierliche Procession statt. Dieselbe war anfänglich nur für den Umkreis der Kirche und des Collegiums beschränkt gedacht, nahm aber wegen des überaus großen Antheils, den Klerus und Volk an der Jubelfeier nahmen, und namentlich auf besondere» Wunsch des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln Josef Clemens (Bruders des Kurfürsten Max Emauuel) ihren Weg durch die Hauptstraßen der Stadt, in welcher „die ehrsame Burgerschafft in dem Gewöhr (Spalier) stunde, vnd, da man bey der Kirchen 8. Mcllaelis widerumb angelangt vnnd das Ambrosianische Lobgesang angestimmet, mit dreymahligem 8alvo ein annehmlich brummende Glück- wünschuug abgelegt. Auff den Musquetten-Gruß folgten 12 klainere von bayden vnser lieben Frauen Thürmen vnd viervndzwaiutzig große Stuck ab den umbligeuden Wällen bey der Neuhauser Pforten." Abends 8 Uhr war auf dem Gymnasiumsplatz, wie alle Tage während der Festoctave, gesungene Litanei. Am Mittwoch hielt Abt Bernhard von Tegerusee das Pontifikalamt, k. Paschalius Stozinger Franziskaner- ordens die Predigt. Um 11 Uhr wurden 72 arme Frauen ausgespeist und je mit 1 st. beschenkt. Um halb 3 Uhr war Vesper, nach derselben theophorische Procession der Congregationen der Herren und Bürger, der Junggesellen und der Lehrjuugen, wobei Abt Bernard das Allerheiligste trug. Das Pontifikalamt am Donnerstag celebrirte Mt Quiriu von Andechs, die Festpredigt hielt k. Claudius vom hl. Joses Carmeliterordens; am Freitag celebrirte Abt Cölestin von Kloster Scheyern, während k. Naphael Giuding Kapuzinerordens predigte. An diesem Tage fand die „Hauptcomödi" statt, welche fast 6 Stunden dauerte, weil an deren Ende die Preisevertheiluug an die studirende Jugend stattfand. — Am Samstag celebrirte der Propst Valerins von Polling das Hochamt und predigte k. Johann Pleyer Paulanerordeus. Am Sonntag den 14. Juli erfolgte der feierliche Schluß der Festoctave, wobei die Beichtstühle schon von halb 5 Uhr an belagert waren. Das Pontifikalamt hielt der iufulirte Propst von U. L. Frau, Josef Max Emauuel Neichsfreiherr von Ow, die Predigt k. Ferdinand Schöu- wetter 8. 3., „der Kirchen 8. Mastaalis Orlliimri Prediger". Nach der von genanntem Propste gehaltenen Vesper war öffentliche Procession, bei welcher die hochadelige Nitterbruderschaft St. Georg (welche erst vor. JS. in der Hof- und CollegiatsiiMirche St. CajetaL. ihr 276 400jähriges Jubiläum gehalten), die kurfürstl. Erzbruderschaft der Abgestorbenen im Alten Hof (jetzt Allerseelenbruderschaft, ebenfalls bei St. Cajetan) und die drei Studentencongregationen das Allerheiligste geleiteten. Nach dem Einzüge in der Michaelskirche war 1?6 Donna, an dessen Ende „die kleinern Stuck von den unser lieben Frauen Thürmen vnnd daraufs 24 von den Wällen ge- löset wurden". — Am Montag und Erchtag wurde die „Com'ödt" noch zweimal aufgeführt und wohnte der letzten Aufführung auch der Kurprinz an. Während der Festoctave empfingen allein in der St. Michaelskirche 24,000 Personen die hl. Communion und wurden über 1200 hl. Messen gelesen. » Die heurige dreihundertjährige Jubelfeier bewegte sich in bescheideneren Grenzen, umsomehr, als die Jesuiten, welche damals die freundlichen Hausherren waren, infolge der bekannten Verhältnisse nicht einmal als Gäste erscheinen konnten. Das Jubiläum nahm die Tage vom 27. mit 29. Juni in Anspruch. » » » DieHeilthümer und der (frühere)Kirchenschatz der Michaelskirche. Der Reichthum der Michaelskirche an Reliquien war außerordentlich groß: ihre Zahl betrug über 500 Einzelstücke von zusammen 266 Heiligen und heiligen Orten, zu deren Aufbewahrung 17 Tabernakel, 31 Schädelkisfen, 24 Reliqmenkästchen, 34 Monstranzen und Osteusorien, sowie 12 Crucifixe dienten. Die hauptsächlichsten dieser Reliquien sind: ein großer und einige kleine Kreuzpartikel: ein großer Dorn von der Krone Christi mit Blutstropfen, etwas von den Kleidern, dem Schleier und den Haaren der hl. Maria; letztere, welche Bischof Benno von Osnabrück aus Jerusalem gebracht hatte, schenkte der spätere Besitzer. Albrecht Ernst Graf von Wartenberg, Dompropst zu Köln und Weihbischof von Regensburg. ,.J. 1678 an den damaligen Rector des Collegiums, Wilhelm Gumppen- berg; je 2 Partikel der beiden Apostelfürsten; ein Zahn des hl. Jgnatius und ein Stückchen Fleisch vom Leibe des hl. Franz Xaver, an den Büsten der Heiligen auf deren Altären; endlich fast die ganzen Leiber der hl. Märtyrer Cosmas und Damian. Die Leiber hatte Erzbischof Ädaldag von Bremen 965 von einer Romfahrt dorthinge- bracht, wo sie jahrhundertelang in gebührender Weise verehrt wurden. Als aber die Reformation dort eindrang, wurden sie sammt dem kunstvollen Schranke, der sie umschloß (und aus dem Jahre 1400 stammte) in einer Truhe in einen finstern Winkel des Domes gesteckt, wo mau ihrer ganz vergaß. Kurfürst Max I. aber erinnerte sich ihrer, bewarb sich um sie, erhielt sie von deni Verwahrer der Reliquien in Norddeutschland, dem Bischof Franz Wilhelm zu Osnabrück, Münster. Werden nud Regens- bnrg, und ließ sie, nachdem ihre Echtheit coustatirt worden war. nach München verbringen, wo sie im Frühjahre 1649 ankamen. Hier erfolgte nun die Vereinigung der heiligen Leiber mit den Häuptern, welche Kaiser Heinrich II. bei seiner Krönung von Papst Benedikt VIII. zum Geschenke erhalten und seinerseits wieder der Domkirche zu Bam- bcrg geschenkt hatte. Als nun der dortige Bischof Johann Gottfried von seinen protestantischen Unterthanen stark bedrängt wurde, brachte ihm Herzog Wilhelm V. Schutz und Hilfe, und zum Tanke hiefür verehrte ihm der Bischof die Häupter der Heiligen Cosmas und Damian, welche nun 1649 mit den Leibern wieder vereint wurden. Am 26. September 1649 wurden die sorgfältig geordneten Reliquien in ihrem kunstvollen Schreine aus der Residenz- (jcht alten) Kapelle in die Kirche des (jetzt dcmolirten, au, dein jetzigen Maximiliansplatze befindlich gewesene'.:) KapuzinertEsters verbracht, wo die ehrm. Vater die Nacht über Ehrenwache hielten. Am Eediichtnisstage der Heiligen feinst erfolgte dann in feierlicher Weife die Ucbertragung ch'.cr Reliquien in die Michaelskirche, wo sie auf den hl. Kren a!wr ni'-dexgcse.ck wurden und ausgesetzt blieben bis WW.JMe 1V19 . m welchem Jahre derselbe, welcher sich unten an den Chorstufen befunden hatte, entfernt wurde, was die Transserirnng der Reliquien auf den Peter- Paul-Altar — der oft irrthümlich auch Cosmas-Damian- Altar genannt wird — zur Folge hatte. Was den eigentlichen Kirchenschatz betrifft, der theils bei Aufhebung der Jesuiten, hauptsächlich aber zu Anfang dieses Jahrhunderts — in die Münze wanderte, so kann man sich daraus einen Begriff machen, daß zur Zeit der Säcularisation derselbe auf nicht weniger als 37 Pfund reines Gold und 62 Centner Silber geschätzt wurde, der Edelsteine und anderer Kostbarkeiten unge rechnet. Galt doch die Monstranze. welche die Kurfürstw Maria Anna im Jahre 1665 in die Kirche stiftete, wegen «puren Goldes, häufiger Kleinodien und Edelgesteine allein für einen Schatz" und wurde damals auf 16,000 fl. (mindestens 150,000 Mark) bewerthet. Ein Verzeichniß der Kirchengerätbe aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts zählt an Silber 26 Kelche mit Patenen, 30 Kännchen, 7 Platten und Schüsseln. 5 Hostienbüchsen, 44 Leuchter, 2 Crucifixe, 5 Rauchfässer rc. rc. auf. — Dazu kamen dann die Geschenke im 17. und 18. Jahrhundert, die kostbaren, von den Landesherren, ihren Gemahlinnen und Verwandten. Adeligen und reichen Bürgern gestifteten kunstreichen und werthvollen Ornate, so daß die Diöcesan- beschreibung von 1738 «von dem ungeheuren Schatze der Kirche an Gold nnd Silber und dem großen Werthe der in reichlichem Maße (adunäanter) vorhandenen werth- vollen Statuen. Paramente" u. A. spricht. Die ehemalige Stiftskirche zum heiligen Geist und die LibliotLsea Platina in Heidelberg. Von Frz. Jac. Schmitt. Architekt in München. Die heute noch bestehende Kirche zum heiligen Geist in Heidelberg ist mit der ursprünglichen Bestimmung errichtet, die Universitäts-Bibliothek aufzunehmen, und dürfte dadurch wohl das älteste der Aufstellung einer öffentlichen Bibliothek gewidmete Bauwerk in Deutschland bilden. Wohl reichen die Kloster-Bibliotheken sehr weit in unserer Zeitrechnung zurück, doch waren diese eben keine öffentlichen» und dadurch fiel auch für die Mönche die Nothwendigkeit weg, eigens dafür bestimmte Bauten herzustellen. Im Jahre 1239 geschieht die erste urkundliche Erwähnung der Kirche zum heiligen Geist in Heidelberg beim nahen Cisterzienser-Kloster zu Sauet Maria ii> Schönau; damals war sie noch eine Tochterkirche der Heidelberger St. Peters-Pfarrkirche. Höchst wahrscheinlich ifi es, daß die Heidelberger erste Heiliggeist-Kirche in Verbindung mit einem Hospitale stand, wie dies für Mainz seit 1145, Bingen seit 1167, Pfnlleiidorf in Baden seit 1220, Oppenheim am Rhein seit 1280, Villingcn im Schwarzwalde seit 1280, Frankfurt am Main, Pforzheim in Baden, Freiburg im Breisgau, Waldshnt am Rhein, sowie München nnd Landshut an der Jsar urkundlich feststeht. Zu Ende des 12. Jahrhunderts stiftete Guido von Montpellier einen klösterlichen Convent für Männer und Frauen unter der Regel des heiligen Alignstiims, zur Pflege der Kranken nnd zur Ehre des heiligen Geistes. Papst Jnnocenz III. bestätigte nicht nur 1198 diese Stiftung, sondern ließ auch in Rom die Kirche und Gebäude bei Santa Maria in Sassia zu einem solchen Hospitale einrichten und berief dahin den Stifter und dessen Bruder von Montpellier. Diese Art Hospitäler verbreitete sich bald in Deutschland, das zu Rom blieb aber das Mutterhaus. In diesen Hospitälern war nicht allein für die leibliche, sondern auch für die Seelenpflege gesorgt, indem mit diesen Anstalten Kapellen und selbst Kirchen, deren Altäre von einer entsprechenden Zahl von Geistlichen versorgt wurden, verbunden waren. Sehr wohl 277 möglich ist es daher, daß die erste Heiliggeist-Kirche in Heidelberg, nebst zugehörigem Hospital, bereits durch den ersten Pfalzgrafen bei Rhein, Konrad von Hohenstanfen (1155 — 1195), den Bruder Kaiser Friedrichs I., der auf der Stelle des jetzigen alten Schlosses seine Burg hatte, erbaut worden ist. Im Jahre 1386, zur Zeit Kaiser Karls IV., ward unter Pfalzgraf und Kurfürst Ruprecht I. (1353—1390) die Universität in Heidelberg gestiftet, und es fand die kirchliche Eröffnungsfeier am 18. Oktober in der vormaligen Heiliggeist-Kirche durch den Magister und Doctor der Theologie Reginaldus, Cisterzieusermönch aus der Abtei Alva im Bisthum Lüttich, statt. Die unter Anrufung des göttlichen Segens eröffnete Hochschule erfreute sich während der trefflichen Leitung ihres ersten Rectors» Magister und Dr. tüaol. Marsilins ab Jnghem, bald eines solchen Zulaufes, daß man schon nach wenigen Jahren mehr als 500 Studenten zählte. Die Stiftungsurkunde von 1386 ertheilte auch den Buchhändlern, Bücherabschreibern, Pergamentbereitem und Illuminatoren große Freiheiten und nahm sie mit in die Privilegien der Universität auf. Kurfürst Ruprecht II. (1390—1398), der Neffe Ruprechts I., ließ 1390 die Juden vertreiben, welche durch Wucher den Haß der Bevölkerung anf sich geladen hatten, schenkte ihre Häuser der Universität, ihre Schule wurde zu einem Auditorium gemacht und ihre zum Theil sehr kostbaren orientalischen Codices der Universität gleichfalls als Eigenthum übergeben. Pfalzgraf Rnpprecht III. kam 1398 zur kurfürstlichen Regierung (von 1400—1410 war er deutscher Kaiser); alsbald faßte er den Entschluß, zum Besten der neugegründeten Hochschule ein Collegiatstift in der bestehenden Kirche zum heiligen Geiste zu errichten, und auf seinen Antrag willigte Papst Bonifacius IX. ein, daß im Jahre 1399 zu diesem Zwecke zwölf ansehnliche Pfründen von den Stiften zu Worms, Speyer, Neuhausen bei Worms, Mosbach und Wimpfen im Thale genommen und der Heiliggeist-Stiftskirche einverleibt wurden. Der genannte Papst hob auch durch eine besondere Bulle die bisherige Verbindung der Heiliggeist-Kirche mit der Heidelberger Sanct Peters-Pfarrkirche auf und erlaubte, daß von den 16 Präbeneu, womit der Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz das von ihm errichtete Collegiatstift zu Sanct Aegidius in Neustadt an der Haardt versehen, noch vier genommen und damit die Einkünfte des neuen Stiftes zum heiligen Geiste gebessert würden. Ruprecht III. starb 1410, sein Nachfolger in der Kur, Ludwig III., führte des Vaters Lieblingsidee voller Pietät weiter und war im Jahre 1413 mit der Einrichtung des Stiftes fertig, was er durch eine feierlich erlassene Urkunde bekannt machte. Der Kurfürst ernannte dazu von den Mitgliedern der Universität 12 Canouiken und ebensoviele Vicarien; davon wurden den ersteren ob- genannte Pfründen und letzteren die Einkünfte besonderer Altäre ertheilt. Nunmehr sprach man nur noch vom Königlichen Stifte, znr Ehre seines fürstlichen Gründers, Ruprechts von der Pfalz, welchen man auch mit seiner Gemahlin Elisabeth, Bnrggräfin von Nürnberg, im Chöre des Kirchen-Neubaues beisetzte. Leider ist von dem Sandstein-Denkmal nur der Deckel mit den beiden Figuren im Hochrelief erhalten und heute im Chorumgange der Heiliggeist-Kirche eingemauert. Die historischen Nachrichten über diesen Neubau sind leider überaus spärlich, und dadurch ergibt sich die nothwendige Folge, aus dem Baudenkmale selbst, dessen Geschichte zu entziffern. Im jetzt existircnden Kircheuban zum heiligen Geist ist von dem älteren Baue nichts mehr erhalten; doch läßt sich annehmen, daß dies eine kleine romanische Kirche vom Ende des 12. Jahrhunderts gewesen sein mag, welche mit der Benediktiner-Klosterkirche zu St. Michael auf dem nahen Heiligcnberge wohl die dreischiffige Basilikenform dürfte gemein gehabt haben. Der im Stile der Gothik erfolgte Neubau der Heidelberger Heiliggeist-Kirche steht in baulichem Zusammenhange niit der ehemaligen Liebfrauen-Stiftskirche in Worms und mit der ehemaligen St. Aegidien-Stiftskirche in Neustadt an der Haardt. Die Dompröpste von Worms waren gleichsam eo ipso Kanzler der Universität „Rupertina" in Heidelberg; so hat denn bereits 1396, also 10 Jahre nach Gründung der Universität, Conrad von Gelnhausen, Dompropst zu Worms, seine Bibliothek der Hochschule vermacht. Schon im Jahre 1298 wurde an der Liebfrauen-Kirche zu Worms ein Collegiatstift gegründet; eine Inschrift im nördlichen Seitenschiffe gibt 1468 als das Jahr der Weihe an, doch bezieht sich dies offenbar auf die gänzliche Vollendung der heute noch existirenden dreischiffigen, kreuzförmigen, gewölbten Basilika, der zwei mit Hausteinhelmen versehenen Westthürme und vorgelegter, nach drei Seiten offener, gewölbter Vorhalle, des dreischiffigen Chores nebst Chorumganges. Dieser Wormser Liebfranen-Chor hat genau dieselbe Grundriß«' form, wie die Heiliggeist-Kirche in Heidelberg, einen a/g geschlossenen Umgang um den ^ geschlossenen inneren Chorranm. Wohl sind uns historische Daten überliefert, wonach der alljährliche Zusammenfluß von Wallfahrenden so zugenommen habe, daß die Wormser Bürgerschaft und namentlich die Zünfte 1467 beschlossen hätten, eine noch größere Kirche beim Liebfraueu-Stifte zu erbauen; doch darf man wohl annehmen, daß sich dies nur auf Langhaus und Querschiff bezogen hat, nicht aber auch auf den Chor, der sicherlich bald nach der 1298 erfolgten Errichtung des Collegiat-Stiftes seine heute noch vorhandene Disposition erhalten haben wird. So erklärt es sich denn auch sehr leicht, daß der Wormser Dom- propst, welcher zugleich Propst beiin dortigen Liebfrauen- Stiste war, als Kanzler der Universität Heidelberg dem Kurfürsten von der Pfalz für den Neubau der eben gegründeten Collegiat-Stiftskirche zum heiligen Geiste die in Worms bereits existirende Anlage, welche sich bewährt hatte, zur Nachahmung empfahl. Da das Collegiatstift zu St. Aegidien in Neustadt a. d. Haardt bereits 1354 gegründet wurde, so fand hier die Bauthätigkeit für die Stiftskirche früher als in Heidelberg statt, und dies beweisen denn auch die Bau- formen beider Anlagen. Neustadt lieferte die Baumotive für die Behandlung der Architektur; das Langhaus ist hier als dreischiffige, gewölbte Sänlen-Bastlika angelegt, die Kapitäle haben runde Form, wie in der Liebftauen- Kirche zu Trier, doch fehlt der hier angebrachte Blättcr- kranz, so daß nur glatte Plättchcn mit Nnndstäbchcn und Hohlkehlen abwechseln. Ganz die gleichen ornament- losen Kapitälkämpfer, wie St. Aegidien in Neustadt, zeigt der Chor der Heiliggeist-Kirche zu Heidelberg bei der Gestaltung in Hallenform. Der Chor der Wormser Liebfrauen-Kirche hatte die Basilikenform erhalten, der über gleichem Grundrisse errichtete Chor der .Heidelberger Heiliggeist-Kirche hat die Hallenform, und zwar um deßwillen, weil das Langhaus behufs Aufnahme der Uni- versitäts-Bibliothck drei gleich hohe Schiffe mit eingebauten gewölbten Emporen erhalten mußte. Wie die Ausführung beweist, ist dies Bauprogramm ursprünglich 278 aufgestellt und auch ganz logisch und consequent zur Durchführung gekommen. Hatte man aber ein Langhaus mit drei gleich hohen Kirchenschiffen unter einem gemeinsamen Satteldache, so konnte man unmöglich, beim Fehlen eines Querschiffes, den Chor anders wie als Hallenkirche bilden. Wenn man das Innere der Heidelberger Hciliggeist-Kirche besichtigt, so erscheint uns das Langhaus mit drei Schiffen von gleicher Breite, was nur geschah, um den auf den zwei Emporen angelegten Bibliothek-Räumen eine möglichst große Grundfläche zu bieten. Da aber der Gottesdienst des Collegiat-Stiftes ein derart gewonnenes schmales Mittelschiff als unzweckmäßig nicht gebrauchen konnte, so hat man vom Triumphbogen an das Hauptschiff deS Chores entsprechend verbreitert, dort hat es 6 Meter und hier 8 Meter 50 Centi- meter zur lichten Weite. Ein unten viereckiger Thurm von der Mittelschiffbreite schließt das Langhaus nach Westen ab; ehedem spannte sich eine äußere, auf zierlichen Hausteinrippen gewölbte Vorhalle zwischen den zwei westlichen Thurmstreben ein und bildete vor dem Hauptortale der Kirche eine offene Laube nach Art der- euigen, welche wir heute noch an St. Sobald in Nürnberg als sogenannte Brautthür bewundern. Auch an oer Nordseite war eine ähnliche offene Laube vor einem der Seitenportale, angelegt; die Ansätze der Sandstein- rippen des Gewölbes sind an den betreffenden zwei Strebepfeilern heute noch zu sehen, das Portal selbst ist aber verschwunden, wie denn jetzt das ganze Bauwerk kein einziges Portal gothischen Stiles mehr besitzt; die heutigen gehören sämmtlich einer späteren Zeit an und sind in schlicht klassischen Formen hergestellt. (Schluß folgt.) Die Bildung der Theologen. -s- Aus Bayern. Professor Dr. Schell spricht sich an mehreren Stellen seiner vielgenannten Broschüre wegwerfend über die Seminarien und Lyceen aus, nimmt die Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit des Unterrichts für die theologischen Universitätsfacultäten allein in Anspruch und sieht offenbar die an solchen „weltabgeschiedenen" Anstalten gebildeten Theologen als solche zweiten und dritten Ranges an. Die „Mediocrits seminaristischer Systematik", von welcher S. 20 die Rede ist, kann wohl nicht anders verstanden werden. Seite 24 wird von Theologen gesprochen, die sich in „soliden Lehrseminarien ihre correcte Glaubenswissenschaft nach ganz bewährten Lehrbüchern und approbirten Collegheften tüchtig einprägen müssen". Auch sonst wird mit einer sehr vernehmlichen Anspielung von einer „herrschenden Schultheologie, von bestgemeinter Ascese" gesprochen (S. 52) und werden die Seminarien mit „geistiger Genügsamkeit" in Verbindung gebracht (S. 73). Die Universitäten allein sind erfüllt mit dem germanischen Nationalgeist gegenüber „der romanischen Rlchtmm, welche seit Jahrzehnten in der Anreola echtester Kirchlichkeit unserem deutschen Klerus vom Seminar aus empfohlen und gepriesen wird". „Glaubt man etwa, die weltlichen Fakultäten hielten die Lehrseminarien sowie die Lyceen für wissenschaftlich sich und auch den Uni- versitätsfacultäten gleich- oderuahestehende (!) Hochschulen Z" ' ; (Seite 21.) i Schell schreibt für Deutsche und über deutsche i Verhältnisse. Wir wissen wohl, daß die Auffassung z. B. ) französischer Bischöfe über die theologische Bildung des ^ Klerus nicht alleweg auf der Höhe sichi, obwohl auch hier bei uns sehr gerne dort beobachtete Uebelstände verallgemeinert werden; aber wir glauben, es sei für die deutschen Bischöfe, welche mit so vielen Opfern und Sorgen sich Seminarien eingerichtet haben und dieselben von Jahr zu Jahr nach Möglichkeit zu heben und zu vervollkommnen sich bemühen, der Vorwurf unberechtigt» sie wollten ihren Klerus in „geistiger Genügsamkeit" absichtlich erhalten. Schell nenne doch Namen oder Thatsachen! Es ist ja richtig, daß diese Anstalten (Seminarien und Lyceen) Mängel haben, aber die theologischen Universitätsfacultäten haben sie auch. Schell sieht die Splitter im Auge Anderer — er möge nur die Balken im eigenen Auge nicht übersehen, sonst müßten ihn Andere darauf aufmerksam machen. Es kommen von den Universitäten Theologen an die Lyceen und Seminarien, und von diesen solche an die Universitäten. Es werden von ihnen Vergleiche gemacht über die hier und dort gehörten Collegien, und diese fallen nicht immer zu Un- gunsten der „abgeschiedenen" Anstalten aus. Seminarund Universitätstheologen machen vielerorts gemeinsam dieselben Prüfungen — können die Ersteren nicht concurriren, oder sind sie immer die letzten? Schell docirt an einer bayerischen Universität und sieht auch mit mitleidigem Blick auf die bayerischen Lyceen herab. Es darf jedoch sehr bezweifelt werden, ob Schell je sich davon überzeugt hat, welcher StudienLetrieb dort herrscht, denn sonst könnte er wohl nicht das Monopol der Wissenschaftlichkeit und der „tieferen Ausbildung" für die theologischen Universitätsfacultäten allein in Anspruch nehmen. Wir wollen im Nachfolgenden hiervon eine Skizze geben und weisen noch besonders auf die philosophischen und naturwissenschaftlichen Fächer hiu, bemerken auch, daß vor ein paar Jahren Schell's Naine ' auf dem Neclamezettel für naturwissenschaftliche Exkurse eines Dilettanten stand, dessen Leistungen uns in Fachkreisen nur compromittiren konnten. Der Theologe eines Lyceums macht folgenden Bildungsgang: I. Philosophischer Curs. 1 . Philosophie (Logik, Noötik, allgemeine Metaphysik, Naturphilosophie, Psychologie, Theodicee) in wöchentlich 8 Stunden. 2. Experimentalphysik in wöchentlich 6 Stunden. 3. Chemie (anorganische) wöchentlich 4 Stunden. (I. Sem.) 4. Botanik wöchentlich 4 Stunden. (II. Sem.) 5. Profangeschichte wöchentlich 4 Stunden. 6. Philologie (Lectüre eines heidnischen oder christlichen Klassikers) wöchentlich 2 Stunden. I. Theologischer Curs. 1. Dogmatik wöchentlich 6 Stunden. 2. Kirchengeschichte wöchentlich 3 Stunden. 3. Biblische Hermeneutik wöchentl. 2 Stunden. (I.Sem.) 4. Biblische Archäologie wöchentl. 2 Stunden. (II. Sem.) 5. Hebräisch (Grammatik u. Lectüre) wöchentl. 2 Stund. 6. Geschichte der Philosophie wöchentlich 2 Stunden. 7. Moral- und Socialphilosophie wöchentl. 2 Stunden. 8. Geologie wöchentlich 3 Stunden. (II. Sem.) 9. Zoologie und physische Anthropologie wöchentlich 3 Stunden. (I. Sein.) 10. Kunstgeschichte wöchentlich 2 Stunde». 11. Patrologie wöchentlich 2 Stunden. II. Theologischer Curs. 1 . Dogmatik wöchentlich 6 Stunden > 279 2. Moraltheologie wöchentlich 4 Stunden. 3. Kirchenrecht wöchentlich 4 Stunden. 4. Kirchengerichte wöchentlich 3 Stunden. 5. Exegese wöchentlich 3 Stunden. 6. Einleitung in's Alte Testament wöchentl. 2 Stunden. (I. Sem.) 7. Litnrgik wöchentlich 2 Stunden. 8. Homiletik (Theorie) wöchentlich 2 Stunden. III. Theologischer Kurs. 1. Dogmatik wöchentlich 6 Stunden. 2. Moraltheologie wöchentlich 4 Stunden. 3. Kirchenrecht wöchentlich 4 Stunden. 4. Exegese wöchentlich 3 Stunden. 5. Einleitung in's Neue Testament wöchentlich 2 Stunden. (I. Sem.) 6. Litnrgik wöchentlich 2 Stunden. 7. Pädagogik wöchentlich 1 Stunde. 8. Pastoraltheologie wöchentlich 6 Stunden. (II. Sem.) 9. Homiletik (Uebungen) wöchentlich 1 Stunde. IV. Theologischer Curs. 1. Dogmatik wöchentlich 6 Stunden. 2. Pastoraltheologie wöchentlich 6 Stunden. 3. Katechet!! wöchentlich 2 Stunden. 4. Rubrizistik wöchentlich 2 Stunden. Facultativ für sämmtliche Curse ist die Thomas- lectüre, wöchentlich 1 bis 2 Stunden. Alle anderen Fächer sind obligatorisch, und es muß aus denselben in jedem Semester ein Examen, das nicht bloß zum Schein abgenommen wird, bestanden werden. Der Collegien- besuch ist strenge vorgeschrieben und ist der regelmäßigste. Hoffentlich wird dies und das Examen in den Augen Schells nicht eben ein Mangel sein. Da die Ferien kürzer sind gegenüber den Universitäten, steht ein Monat mehr Zeit jährlich zur Verfügung. Sämmtliche Fächer werden von Professoren gelesen, welche die akademischen Grade sich erworben haben. Sie lesen auch alle nach eigenen Heften oder nach von ihnen verfaßten Lehrbüchern. Wir haben hier den Studiengang- eines bestimmten bayerischen Lyceums skizzivt. Es bestehen unter den verschiedenen Lyceen Abweichungen, aber sie sind untergeordneter Natur. Die obige Skizze kann als Typus des Studiengangs an den bayerischen theologischen Fachschulen bezeichnet werden. Es wird gut sein, wenn weitere Kreise — wir bitten die katholische Presse darum, die obige Skizze unverkürzt weiter zu verbreiten — Kenntniß erhalten von diesen Dingen. Man darf sich damit vor aller Welt sehen lassen. Die Anklagen Schells richten sich gegen die Seminarien und Lyceen als solche, sie treffen auch die Kirche, welche die Errichtung dieser Anstalten bis auf den heutigen Tag vorschreibt und die Bischöfe beim Amtsantritt unter Eid dazu verpflichtet, sie zu erhalten. Diese Lyceen haben Resultate erzielt, die hinter jenen der Universitäts-Facul- täten nicht zurückstehen; sie brauchen sich also auch nicht vor aller Welt als Winkelanstalten, an denen ein armseliger Unterricht von theologischen Fachhandwerkern betrieben wird, hinstellen zu lassen. Es ist von ihnen noch kein Angriff erfolgt gegen die theologischen Facultäten, sie dürfen also auch bitten, von jener Seite in Ruhe gelassen zu werden. Mit den Lyceen und Seminarien ist auch der an ihnen gebildete Klerus, als wäre er wissenschaftlich zweiter oder dritter Qualität, herabgewürdigt. Herr Professor Schell möge angeben, an welcher deutschen Universität der Theologe eine intensivere und eine allseitigere Ausbildung erhält. Sein specielles Fach (Apologetik) fehlt ja in obiger Skizze, aber er weiß auch, daß, wo Philosophie, Dogmatik und Natnrwissenschaft gründlich docirt und studirt werden, die Apologetik wegfallen kann. Dafür ist aber im obigen Plan gesorgt. Ob Schell seine Anklagen zurücknehmen will, wissen wir nicht. Aber der Ueberzeugung sind wir, daß weder der Jurist, noch der Mediciner sagen kann, er habe für seinen Beruf an der Universität eine tüchtigere und allseitigere Bildung empfangen, als der Theologe am Lyceum oder Seminar. Es ist nicht die Aufgabe der Seminarien, gelehrte Fachtheologen zu bilden, sondern die, eine solide Ausbildung zu geben für den Beruf und eine sichere und feste Grundlage für spätere theologische Weiterbildung. Können die theologischen Facultäten Anderes leisten? Sie haben auch Anfänger vor sich und müssen ihnen die Elemente vermitteln, sehr häufig sogar in kürzerer Zeit und unter manch anderen ungünstigeren Verhältnissen. Ob die weltlichen Facultäten die Lyceen als sich und den theologischen Universitäts-Facultäten gleich- oder nahestehend ansehen wollen oder nicht, kann gleichgültig sein. Auf eine objective Würdigung der Dinge verzichten sie, wenn sie es nicht thun. Wenn Schell auf deren allerdings übliches Herabsehen Gewicht legt, so können wir ihm verrathen, daß sie auch vielfach die theologischen Facultäten nicht als ebenbürtig betrachten, sondern als ein häßliches Anhängsel, das sie abschütteln werden, sobald sie Aussicht auf Erfolg haben. Wir wünschen das keineswegs. Unser eine Wunsch wäre der, daß die theologischen Facultäten nicht durch die Lage der Verhältnisse gezwungen wären, die theologischen Elemente zu tradiren, sondern daß sie die Seminarien und Lyceen nach oben hin ergänzen würden, so daß der an diesen elementar gründlich Gebildete und ascetisch Gereifte sich dort zum gelehrten Fachtheologen unter tüchtiger Leitung und Schulung weiterbilden könnte. Das ist gegenwärtig nicht der Fall zu unserem lebhaften Bedauern. Hier wie dort wird derselbe Stoff gelehrt, hier wie dort von guten oder schlechten Professoren. Schell wird nicht leugnen, daß es auch an den Universitäten solche gibt. Ersprießlicher wäre es sicher gewesen, wie dies jüngst irgendwo bemerkt wurde, wenn Schell die wissenschaftlichen Kräfte der theologischen Facultäten, Lyceen und Seminarien zu gemeinsanier, ernster wissenschaftlicher Arbeit aufgerufen hätte, daniit Vorkommnisse, wie wir sie jüngst erleben mußten, nicht wieder eintreten. Zu vervollkommnen und zu verbessern gibt's überall. Auch die weltlichen Facultäten müssen dies aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen — wenn sie aufrichtig sein wollen. Die hochmüthige Selbstgenügsamkeit können wir ihnen andernfalls überlassen. ueecenslonen uns Notizen. Katechismus und Leben. Von bisch, geistl. Rath Reger. 4. Auflage. Verlag von Fr. Pustet in Regensburg. Preis geb. 2 u. 3 M. " Die neue (4.) Auflage dieses Erbauungsbuches ist mit so vielen Vermehrungen und Verbesserungen erschienen, daß es nun als ein „vollständiges Gebet-, Lehr- und Betrachtungsbuch" mit Recht sich bezeichnen darf. Die Veranlassung zur Abfassung eines Katechismus-Gebetbuches war, wie schon im Vorwort zur 2. Auflage angegeben wurde, die Wahrnehmung, daß gar viele Christen den Religionsunterricht, den sie m der Schule genossen, in kurzer Zeit so ziemlich wieder vergessen, weil sie eben nach ihrer, Schulentlassung einen Katechismus kaum mehr zur Hand nehmen und wenig daran denken, die Lehren ,280 I > i. r. desselben in ihrem Leben in Ausführn»« zu bringen, woher dann die «rosse Unwissenheit vieler m religiösen Dingen und ihr oft so unchristliches Leben trotz alles früheren Unterrichtes und so vieler Belehrungen und Ermahnungen kommt. Diesem Uebel abzuhelfen ist allerdings auch von andern Seiten vielfach schon versucht worden.' z. B. durch Herausgabe von mitunter trefflich geschriebenen und ausgestatteten „christlichen Haus- und Familienbüchern", welche die Glaubens-. Sitten- und Gnadcnlchre des Christenthums stistematisch erklären, (s die Glaubens- und Sitteulehre der kathol. Kirche von Dr. H. Rolfus und Fr. I. Brändle u. A.). Aber eines- theils sind diese Bischer meist zu theuer, um in Masse unter das Volk zu dringen, anderseits auch zu voluminös, als daß sie zum bequemen Handgebrauch dienen könnten. Hiezu aber dürfte eil» Katechismus -Gebetbuch sich eignen. Ein Gebetbuch wird ja überhaupt lieber und leichter benüht. und wenn in einem solchen, wie es hier im „Katechismus und Leben" geschieht, die Lehren des Katechismus (meist in dessen nämlichen Worten) m Form von Gebeten. Belehrungen und Erwägungen enthalten sind und wiederholt werden, und Hiebei gezeigt wird. wie . ud zu welchen Zeiten und Gelegenheiten sie im Leben i geübt werden können und sollen, so ist dadurch gewiß r t mehr des Guten zu erzielen. üas pro üot'uuetis aä oommocliorem eeelesiarum U8um ex missali romano ckeoumptae. L.ovsckit rittw absolutiovis pro äskuuatiz ex rituali st pontiüoali ronmno. 4° mi. pp. II -s- 48. Ratisdonse, I?r. kustst, 1896 (III). Ll. 4,20 Ii§. s. Das „Nissals äskunotorum" init Singnoten, ge- uauest nach allen Regeln der Rubriken hergestellt, beweist. wie alle andern Veröffentlichungen der berühmten Verlagsfirma, von neuem, mit welch peinlicher Sorgfalt in stets zunehmender Vervollkommnung dafür gesorgt wird, daß die liturgischen Texte der Kirche uns in muster- giltigen Ausgaben geboten werden. Gewisse Unebenheiten der Orthographie (zu häufige Verwendung großer Anfangsbuchstaben bei Hauptwörtern) sind Dinge, die wir dem Verlage nicht zum Vorwurf machen können, solange von autoritativer Seite alter Gewohnheit zu Liebe eine vernünftigere Handhabung nicht gestattet wird. Der nebenbei bemerkt in allen Brevier- und Missale-Ausgaben (auch bei Pustet) konsequent falsch betonte Genetiv ,,»Iteriu8" (statt „alterlus", ebenso wie „solliio, unlv8") von „alter" kommt in diesen Texten zufällig nicht vor: die Beibehaltung des durch die Sprachwissenschaft wohl begründeten Buchstaben „j" können wir nur billigen. Es ist lediglich eine „Mode-Caprice", ihn überall durch „1" zu ersetzen: so wird es aber jetzt in allen Schulen gemacht, ja auch in den neueren päpstlichen Aktenstücken (wenigstens im Druck). Der Christ im Weltleben und seine kleinen Unvoll- kommenheiten. Herausgegeben von Tilman Pesch, 8. (4. Auflage). Verlag von I. P. Bachern in Köln. ; Ein wahrhaft köstliches Büchlein, das von einer tiefen Kenntniß der Menscheuseele zeugt und eine treffliche Anleitung zur möglichsten Vollkommenheit katholischer Christen im Weltlebcn gibt. Der Verfasser des Büchleins ist der Franzose A. Bandon, ins Deutsche übersetzt und für Deutsche bearbeitet hat es der Tilman Pesch, ohne der Eigenartigleit des Originals im Wesentlichen Abbruch zu thun. Der Umstand, daß binnen eines Halbjahres schon wieder eine neue Auflage nöthig wurde, spricht allein schon für den Werth des Werkchens, das wir in den Händen aller gläubigen Katholiken, namentlich aber der Gebildeten, zu sehen wünschten. Es würde zu weit führen, auf den Inhalt genauer hier einzugehen. Nur eine Probe, die ahnen läßt, wie sehr der Verfasser aus dem Vollen des Lebens schöpft! Unter den kleinen, in ihrer Entwicklung und Folge aber doch recht häufig sehr bedeutungsvollen „Uuvollkommenheiten" behandelt der Autor „die Kleinlichkeit" und schreibt u. A.: „Wird nicht die kleinste Meinungsverschiedenheit, selbst über unbedeutende Dinge, Veranlassung zu übler Laune, zu Ver- druß zu Zank und Zwist zwischen Mann und Frau? Und doch handelt es sich in den «leisten Fällen um weiter nichts als um einen Zeitvertreib, den der eine gern hätte, der andere aber nicht mag: um einen Spaziergang, der mehr oder weniger nach dem Geschmack des einen oder anderen Theiles ist: um eine Ansicht bei Erziehung der Kinder oder bei der Behandlung der Dienstboten: um die Stunde der Mahlzeit: um eine an sich ganz gleichgiltige Aufstellung der Zimmergerathe" rc. Vortrefflich sind die Abhandlungen über „Die Anhänglichkeit an das liebe Ich", die „Tafelsreuden", die „Empfindlichkeit", die „Ueblen Launen", die „Jnconscquenz". „Oberflächliche Frömmigkeit" u. s. w. Volle, leZe! „DieWeisheit auf derGasse". Neue Sprichwörter- Sammlung. Herausgegeben von Heinrich Leineweber. Verlag von Fd. Schöningh in Paderborn. ; Der Reichthum der deutschen Sprache an Sprüch- wörtern ist eine bekannte Thatsache; man ist aber doch überrascht von diesem Reichthum, wenn man ihn schwarz auf weiß in einem solchen Umfang vor sich hat, wie es in dem oben angezeigten Buche der Fall ist. Der Herausgeber will, wie er schreibt, in diesem Werkchen dazu beitragen. daß die Sprichwörter immer mehr bekannt und gewürdigt werden (I. Theil) und dazu verhelfen, daß die landläufigsten sprichwörtlichen Redensarten und Wendungen (deren er nicht weniger als 315 behandelt) richtig aufgefaßt und mit Verständniß gebraucht werden. In beiden Beziehungen scheint uns seine Behandlung des Stoffes durchaus zweckentsprechend zu sein. Auch verdient die systematische Anordnung des Stoffes ebensoviel Lob als die Erklärungen, mit denen er eine große Anzahl von Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten versehen hat. Das Werkchen dürfte sich zur Anschaffung besonders auch für die studirende Jugend empfehlen. Die Herrlichkeiten der göttlichen Gnaden. Von Professor Dr. Scheeben. 6. Auflage. Verlag von Herder. Freiburg. Preis 2 M. 80 Pfg. I Die Grundlage dieses Buches, das nunmehr in 6. Auflage vorliegt, bilden des spanischen (aus Deutschland stammenden) Jesuiten Nierenberg Abhandlungen „cke prstio üiasstiwakili cklvinas Arstis-e", deren Original im Jahre 1890 in Madrid wieder zum Druck gelangt ist. Um dem Mangel eines populär dogmatischen oder asketischen Werkes, das ex prokeoou ausführlich und gründlich von den'Herrlichkeiten der Gnaden handelte, m der religiösen Literatur abzuhelfen, verfaßte — anlehnend an das Werk k. Nierenbergs, aber zum weitaus größten Theil ganz selbstständm — Scheeben das oben angezeigte Buch, dessen 5. und 6. Auflage nach Scheebens Tod der bekannte Dominikaner Albert M. Weiß besorgte. Die neueste (6.) Auflage stellt sich als eine Neubearbeitung dar. bei welcher der Herausgeber hauptsächlich den Zweck verfolgte, die geistreichen, aber manchmal dunkel gefaßten Gedanken vr. Scheebens in volles Licht zu rücken, überschwängliche, mystische Ausdrücke, die eine irrige Auslegung nahelegten, zu rektisiziren und den Stil des Ganzen auf die Höhe des Inhaltes zu bringen. Das Brich ist allen ernsten, auf höherer Stufe des religiösen Lebens stehenden katholischen Christen bestens zu empfehlen. tiVsbsr, 6 6 orKV., MLAwtsr okori eoolsoias oatbeärLlt» NvAllutinae, Äanuals oantuo soolssiaotiv« iuxta ritum 8. Romauss Lools8iae. Lickitio 8eeuuäg. Oum approbatious. 8". 9 Bogen. Preis gebunden in Callrco Mk. 1.—. Mainz. Franz Kirchheim. Der Zweck dieses außerordentlich handlichen Auszuges aus dem römischen Graduale ist: die Einführung des lateinischen Choralgesanges beim Hochamte zu erleichtern. Alle Feiertage und privilegirten Sonntage und fast das ganze Oommuvo Lauotornm sind berücksichtigt. In Fußnoten sind alle lateinischen Texte in's Deutsche übersetzt. Der Notendruck ist exakt ausgeführt. Endlich ist das Handbuch mit kurzen Anweisungen über die Ausführung der hier gebotenen Gesänge und mit einer übersichtlichen Inhaltsangabe versehen. Vcrantw. Redacteur : Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.