kür. 45° 7. Aug. 1897. 8 - Em Urtheil über derr Protestantismus. ll. 8. Zu dem hochgelehrten, bis jetzt auf zwei stattliche Bände gedichenen Werke des Präger Universitüts- professors Dr. Otto Willmann „Geschichte des Idealismus" (Braunschweig, Bicweg u. Sohn, 1896) finden wir Band II, 574 ein Urtheil über die „evangelische" Kirche, das wir der Oeffentlichkeit unterbreiten möchten. Der Gelehrte schreibt dort im Anschluß an die „Verdienste" des „Reformators" Wycleff um die Philosophie: Der Protestantismus kehrt auf allen Gebieten seine Spitze gegen die Mittelglieder. Er will auf der Bibel fußen, aber er verwirft die Autorität der Kirche, welche insofern vermittelnd zwischen den einzelnen Gläubigen und der Schrift steht, als sie die Glanbcnssubstanz auf Grund dieser fixirt und mit der lebendigen Tradition umkleidet; er will am Christenglauben festhalten, aber nennt alles, was aus diesem organisch im geschichtlichen Leben der Kirche erwachsen ist, hinzngekommenes Menschenwerk; er sucht in der gläubigen Gesinnung die christliche Vollkommenheit, verwirft aber die Werke und die mit ihnen zusammenhängende äußere Gestalt, welche sich jene Gesinnung gegeben hat und welche die Vermittelung ihrer immer neuen Erzeugung bildet; er will die apostolische Christengemeinde erneuern, indem er die historischen Vermittelungen überspringt, durch welche die Gegenwart mit der Vergangenheit zusammenhängt; er will die christliche Gemeinde, aber er schreckt davor zurück, ihr Princip als Gesetz zu fassen; er fordert die Nachfolge Christi, aber er verwirft die Vorbilder des Wandels, welche uns die Heiligen, diese lebendigen Früchte der Erlösung, vorzeichnen; seine Theologie ist wesentlich Schrifterklärnng, aber es ist ihr verwehrt, autoritative Erklärungen aufzustellen; sie geht auf den Offenbarnngsgehalt der Schrift aus, aber sie läßt deren Weisheitsgehalt, der das Bindeglied zwischen ihr und der Theologie-bildet, ungenutzt. Mit dieser Verwerfung der Mittelglieder ist aber eine Abwendung von der idealen Grund- anschauung gegeben; die Begriffe des Gesetzes, des Vorbildes, der organischen Ausweichung sind, wenn sie auf dem Gebiete des Glaubens preisgegeben werden, auch für die Speculation verloren. Man pflegt nun zwar Luther einen Idealisten zu nennen, weil er eine unsichtbare Kirche an Stelle der sichtbaren gesetzt und den Realismus der Werkheiligkeit bekämpft habe; aber es ist nicht jede Ansicht Idealismus, welche die Wirklichkeit überfliegt und das Innere dem Aeußern gegenüber stellt. Die ideale Weltanschauung beruht darauf, daß, wie ihr Name es sagt, die Welt ideal angeschaut wird, also im Sichtbaren das Unsichtbare erkannt, in der Auswirkung das Gedankliche verfolgt, das Außen durchsichtig gemacht wird für das Innen. Der Idealismus überfliegt aber nicht das Reale und snbjectivirt nicht das Aenßere, sondern läßt sich durch die Dinge zum Jntellegiblen in ihnen und über ihnen leiten und kann darum ebensogut Realismus heißen. Der aus der Weisheit der Schrift erwachsene Idealismus kennt die Gefahren jenes Ueber- fliegens und dieses Subjektivirens, die zu monistischen und nominalistischen Ansichten führen müssen. Nur bei ihm sind die idealen Principien, als bei ihrem berufenen Hüter, hinterlegt. Von einem andern Gesichtspunkte aus schreibt Will- mann später (y. 633) weiter: Die mannigfachste Forderung erhielt die nomlnalist- ische Gesellschaftsauffassung durch den Protestantismus. Zwar drängten die theologischen Fragen, welche die Glanbensnenernng in den Vordergrund stellte, das politische und sociale Interesse zurück, aber der Umsturz der alten Ordnung machte es unerläßlich, auf Principien für eine neue Bedacht zu nehmen. Von Luther selbst sagt Erdmann („Grundriß der Philosophie"): „Der mystische Zug in seinem Wesen läßt ihn oft diese Fragen, als den äußern Menschen betreffend, in einer Weise behandeln, die es erklärlich machte, daß der wcltverachtende Jacob Böhme so vieles ihm entlehnen konnte, und wieder läßt der tiefe Respekt vor der von Gott eingesetzten Obrigkeit ihn Aeußerungen thun, welche Staatsvergöttcrer mit Freuden citirt haben; dies ist einmal das Loos in sich reicher Naturen, die nicht Eines sind, sondern viel." Der Widerspruch liegt nun nicht in dem Ueberreichthnm der Naturen, sondern in der Sache: der Abfall von der Kirche war ein Akt des Individualismus, der sich über jede menschliche Gemeinschaft hinaussetzte, dagegen der Kampf mit der Kirche machte die Bundesgenosscnschaft des ihr entfremdeten Staates nöthig; ein und dieselbe That war die Quelle der Staatsvcrachtnug und der Staatsvergötternng. Mit der Zerstörung des christlichen Rechtes mußten alle Rechtsbegriffe ins Schwanken kommen. Wie die Neuerer stenerlos auf den Wogen der Zeit trieben, zeigt Melanchthon: „Er stellte 1523 den Grundsatz auf, daß der Fürst seine Gewalt vom Volke habe, und daß er gegen den Willen seiner Landschaft nichts unternehmen dürfe; freilich im Angesichte der Schrecknisse des Bauernkrieges neigte er sich wieder mehr zur Theorie von dem unbedingten Gehorsam gegen die Obrigkeit, gab aber diese später wieder auf, durch bittere Erfahrungen über die Nichtigkeit der Behauptung von der fürstlichen Uutrüglichkeit zur Genüge aufgeklärt." (Kaltenborn, Die Vorläufer des H. Grotius, 1848, p. 216.) Von den beiden Grundformen, in denen die Glaubcns- neuerung im XVI. Jahrhundert auftritt, bringt der Calvinismus mehr das individualistische Element zur Geltung, während das Lutherthum und der ihm nahestehende Anglikanismns mehr das Staatskirchenthnm entwickelt. Die Theorie vom „Gesellschaftsvertrag" (Rousseau) ist calvinistischcn Ursprungs, der „Lcviathan" (Hobbes) ein Erzeugniß der andern Denkweise, beides Hauptleistnngen der nominalistischen Gesellschaftslehre dieser Richtung. Das Materialprincip des Protestantismus, dke Lehre, daß der Glaube allein selig macht, verweist die Werke, das Gesetz, die Lebensordnung in die Sphäre des rein Aeußerlichen; es löst den innern Zusammenhang von Religion und Sittlichkeit und schneidet der Socialethik den Nerv durch. Mit der Leugnnng des Gesetzes Christi und der Kirche schwindet auch das Verständniß für die Vollendung des alttestamentlichen Gesetzes durch das Evangelium; bei dieser saxuratio Isgis ob evauAetü bleibt als Basis des Rechts der Dekalog allein übrig; die Gesellschaftslehre wird angewiesen, ihre Principien aus der Vorhalle und den Außenwerken des Glaubens zu entnehmen. — Nicht minder tief schneidet das Formal Princip des Protestantismus ein: die Lehre von der Sufficienz der Schrift und die Verwerfung der Tradition. Mit der letzteren fällt zugleich die Geschichte der Kirche uud das christliche Ethos: die 314 Ethik verliert damit ihre organische Geschlossenheit. „Ihr Inhalt besteht nun bloß aus Geboten über die isolirten Handlungen der Einzelnen." (Stahl, Geschichte der Rechtsphilosophie III. Anst. p. 123.) Die Verkeunnng des organischen Charakters der Kirche sührt zu jenem Eifern gegen das „Menschcn- wcrk" in ihr, und unvermeidlich wird daunt auch das „Menschenwerk" außer ihr, die positive Gesetzgebung, herabgesetzt. Bei Luthers Lehre, daß der Mensch ganz und gar verderbt ist, toius irmlus, müssen ja auch seine Schöpfungen für nichtsnutzig gelten; bei seiner Behauptung von der Unfreiheit des Willens, sorvum arbitrium, müssen die Gebilde der sittlichen Welt zum Range von Naturprodukten Herabsinken. Walther von der Vogelweide. . Her >Valtber von äsr VvAsUvsiäe, swer äos verMe^s äer tuet mir Isirls. (Herr Walther von der Vogelweide — wer deß vergäße, der that' nur leide.) Hug v. Trimberg. sl. Lein. „Walther von der Vogelweide mutz als Klassiker deutscher Poesie gelten. Erst. Goethe hat die Weise wieder gefunden, in der einst Walther gesungen hatte, und über die Fluth der Zeiten spannt sich die Brücke von dem einen zum andern, von dem größten deutschen Lyriker der neuen Zeit zu dem größten der alten, der auch, wer immer noch kommen möge» einer der ersten Dichter unseres Volkes bleiben wird." Mit diesen Worten charakterisirt A. Schönbach in seinem vortrefflichen Büchlein „Walther von der Vogelweide" (Dresden 1890, 2. Auflage 1896) diesen Dichterstern erster Größe für alle Zeiten. „Er M der einzige deutsche Dichter des Mittelalters, der uns an sich heranzieht und über die Jahrhunderte weg zu uns spricht, dessen Leid und Freude wir mit ihm durchleben, der uns mitreißt in seiner Begeisterung und die Kraft seines hochbeschwingten Idealismus auch in unsere Herzen flößt." Diesen Mann, dessen Lieder der niederen Minne, den schönsten Ausdruck der Empfindung, dessen die Sprache damals fähig war, der Gegenwart, unseren Lesern etwas näher zu rücken, ist der Zweck nachstehender Zeilen; wir folgen bei unseren Ausführungen neben dem oben angegebenen Werke demjenigen von Hermann Paul „Die Gedichte Walthers von der Vogelweide" (2. Anst. 1895), Willmanns „Walther von der Vogelweide" (2. Anfl. 1883) und Fässer „Walther von der.Vogelweide" (1885). Der „Aufklärung" war das Mittelalter der . tiefe, düstere Abgrund, in welchem sich die Cultur des klassischen Alterthums bei ihrem Sturze begraben hatte, und aus welchem die Menschheit nur mühsam wieder zum Lichte emporklomm. „Mittelalterlich" und „albern, unwissend, beschränkt", das sind für den Sprachgebrauch der Aufklärung gleichbedeutende Wörter; wenngleich irgend eine Thorheit ganz jung und neu war, so wurde sie als mittelalterlich abgestempelt und in der Raritätenkammer des Aberwitzes im „Mittelalter" aufbewahrt. Auch dein modernen Urtheil über das Mittelaltcr fehlt es, trotz der fast vollständigen Erschöpfung der Quellen, durchaus an Klärung. Dem großen Publikum der Gebildeten ist es noch immer die finstere Zeit des Faustrechts, der Fcndal- gewglt, der Ketzergerichte und neuerdings der Judenverfolgungen. Weiter pflegt man im allgemeinen wenig von ihm zn wissen. Hat es doch vor etlichen Jahren ein Nector der ersten deutschen Universität über sich gebracht, in feierlicher Rede zn behaupten, das christliche Mittelalter sei „die Zeit tiefer Erniedrigung der Menschheit". Wahrlich, es gedeihen manche Früchte einer reichen Geistesthätigkeit und methodischer Forschung, aber auch erstaunlicher Bornirtheit im Schatten der akademischen Hallen! In manchen Lehrbüchern der Weltgeschichte wimmelt es von Angriffen auf das abergläubische Mittclalter; dieses ist aber für sie eine Empfehlung.. Einzelne Forscher streben selbst in den germanischen Studien darnach, das geistige Vermögen der Deutschen alter Zeit möglichst niedrig einzuschätzen, wie es zn ihrer Vorstellung von der Barbarei dieser Epoche sich schickt. Dabei hilft noch ein anderes: sehr viele deutsche Protestanten mit Durch- schnittsbildnng, überzeugt von der geistigen Jnferioritüt ihrer katholischen Zeitgenossen, können sich diese, sofern sie gläubig sind, nur als Dummköpfe vorstellen oder als unehrliche Heuchler, verkappte Freidenker und Atheisten. Das beeinflußt dann auch ihre Ansicht von einer Zeit» welche vor der Kirchenspaltung, liegt: das Mittelalter, entbehrte des Protestantismus, es kann nicht anders als stumpfsinnig und blöde gewesen sein. Das Wesen der Menschen des Mittclalters kaun nur aus dem Mittelalter selbst verstanden werden. Das Geistesleben in jener Zeit aber war ganz und gar von der Religion durchdrungen und geleitet; sie umschloß nicht nur das Wissen von Gott, das Verhältniß zwischen Gott und den Menschen, der Pflichten der Menschen gegen einander, es wurde auch alle Kenntniß von der Welt überhaupt durch die Religion vermittelt; das Wissen über die Dinge der Welt war im Grunde nur ein Wissen von Gott und feinem Werke; das Universum war von Gott erfüllt, und darum war die Religion der Athem des mittelalterlichen Lebens. Zn diesem Urtheil kommt Schönbach. Es ist dieses nicht neu; denn andere, wie Maser und Franz Pfeiffer, haben einen ähnlichen Standpunkt für das Studium mittelalterlicher Literatur gefordert. Letzterem ist auch „der tiefste Gründ, in dem die Poesie des Mittclalters wurzelt und aus dem sie ihre beste Nahrung gesogen hat, der religiöse Glaube und die Gottbegcisteruug. Wer bis zu diesem Grunde nicht vorzudringen sucht, der erfaßt das Mittelalter und seinen Geist nur halb und kaum das". Diese leitenden Gesichtspunkte hat.zuerst und in. herrlicher Weise thatsächlich und praktisch Schönbach an unserem größten Lyriker der älteren Periode durchgeführt. Wie ganz anders steht jetzt Walther da! Während andere ihn als einen Vorläufer Luthers und als Vorkämpfer protestantischen Geistes darstellen, weist. Schönbach auf überzeugende Weise nach, daß Walther von der Vogel- weide. ein Christ in vollem und ganzem Sinne seiner Zeit lvar. Obwohl der brave Schulmeister von Bambcrg, Hug von Trimberg, des Logelweiders Lieder und vornehmlich seine Sprüche mit einem so dankbaren Gemüthe zu würdigen verstand, daß er das Lob des Dichters in die um ihrer Schlichtheit wegen schönen Verse aus- sprach, die wir an die Spitze unserer Abhandlung stellten, so würde er doch lange Zeit vergessen. Mit dem 15. Jahrhundert schwindet seine Spur» mit dem ganzen geistigen Leben des Mittclalters ist für die Geschlechter der Renaissance, des Humanismus und der Reformation auch Walther versunken. Wenn auch im 17. und 18. Jahrhundert hin und wieder der Versuch gemacht wurde, die altdeutsche Literatur zn erwecken und damit Walther von der Vogel- weide von neuem vortreten zn lassen, so war der Erfolg jedesmal nur ein sehr geringer; denn die Zeit war dafür noch nicht reif, andere Aufgaben lagen näher und waren dringender. Erst die Romantik, die Nachbliithe unserer neuen klassischen Dichtung, hat zur Zeit der Knechtschaft und Zerrüttung des Vaterlandes das Herz zu stärken gesucht durch die Aufhellung des deutschen Mittelalters. Die deutsche Philologie entstand, und seither haben die bedeutendsten Forscher in dieser Wissenschaft ihre Aufmerksamkeit von Wallher nicht mehr gelassen. Einer der edelsten deutschen Dichter, der letzte große Sänger der Romantik, der bedeutendste Kenner zugleich des altdeutschen Minnegesanges, Ludwig Nhland, hat 1822 zuerst das Leben und Wirken Walthers von der Vogelweide beschrieben, ein Bild entworfen, das wohl in einzelnen Zügen die historische Kritik nicht entbehren kann, aber in seiner Gesammtheit durchaus lebenswahr und in anziehender Wärme geschrieben ist. Als Uhlands frische, mit poetischem Zauber ausgestattete Schrift die Gestalt des- großen Minnesängers an das Licht zog, erwachte ein allgemeines und lebhaftes Interesse sowohl für die Person als' für die Dichtungen des beinahe sagenhaft gewordenen Walther. Namhafte Forscher, wie V. v. Hagen, M. Riegcr, R. Menzel, W. Willmanns rc. rc., bemühten sich mit großem Eifer die Lcbensumstände des Dichters zu erforschen. Man veranstaltete sorgfältige Ausgaben seiner Gedichte und übersetzte sie ins Hochdeutsche. Die Lieder Walthers sind wie die der übrigen Minnesänger in der Regel zuerst einzeln oder in kleinen Gruppen von gleicher Strophenform und Melodie (mittelh. äon oder wkso) verbreitet, einerseits durch mündliche Ueberlieferung, anderseits durch Aufzeichnung aus einzelne Blätter, die neben dem Text auch die Melodie zu enthalten pflegten. Es haben sich dann Sammler gefunden, welche eine Anzahl von Liedern theils des gleichen, theils verschiedener Verfasser in ein Liederbuch vereinigten. Aus diesen Liederbüchern endlich sind gegen Ende des 13. und im 14. Jahrhundert größere Sammlungen entstanden. Von diesen sind uns mehrere erhalten, während die Einzel- aufzeichnungen und die kleineren Liederbücher verloren gegangen sind, und bilden nun die Hanptquellen für unsere Kenntniß Walthers wie der übrigen Minnesänger. Die drei wichtigsten sind die Heidelberger Handschrift, die Weingartner, jetzt Stuttgarter, die Pariser, auch als Manessische bezeichnet, jetzt in Heidelberg. Die erste kritische Ausgabe von Walthers Gedichten erschien im Jahre 1827 von K. Lach mann, die Grundlage für alle späteren Ausgaben und noch immer die einzige, die den vollständigsten kritischen Apparat bietet. Eine vollständige Ilebersetzung hat zuerst Simrock geliefert (1833); sie ist bis jetzt auch die beste, denn er hat bei der Ueber- tragung ins Neuhochdeutsche den Dichtungen Walthers die Zartheit wie die Kraft auch in der neuen Form zu erhalten verstanden. Andere Uebersctzungen sind die von Koch (1848), Weiske (1852), Pannicr (1876); die von Ad. Schröter (1881) bietet manche Gedichte, namentlich Minnelieder, in ansprechenderer Gestalt als Simrock, verwischt aber in hohem Grade die Eigenthümlichkeit des Originals. Das Schwierigste bezüglich unseres Dichterheros ist die Feststellung der Lebensnmstände desselben. Die einzigen Quellen, aus denen man schöpfen kann, sind die Andeutungen in seinen Gedichten. Nur wenige zerstreute Aeußerungen von Zeitgenossen stehen uns noch zu Gebote, ein unzureichendes Material, um bestimmte Behauptungen über sein Schicksal aufzustellen, dagegen ein weites Feld für uferlose Combinationen. Und an solchen hat es nicht gefehlt; der Ort seiner Geburt ist so ziemlich allen süddeutschen Stämmen zugedacht worden. Ließen sich solche Dinge durch Volksabstimmung entscheiden und finge mau heute damit in Tirol an, so bliebe kein Zweifel, daß Walthers Vaterhaus der Vogclweidehos im Layener Ried gewesen sei. unweit der schnellfliehendcn Eisak, am südlichen Abfalle der Brennerstraße, in einer der schönsten Gegenden Südtirols. Allein bewiesen kann dieses nicht werden; es ist dieses eben eine Vermuthung. Wenn unter den möglichen Gebnrtslanden Walthers heute in der öffentlichen Meinung Tirol die erste Stelle einnimmt, so verdankt es dies nur dem Eifer und der Betriebsamkeit seiner Vertreter (namentlich I. Zingcrle's), aber keineswegs der besseren Beschaffenheit der Gründe; von einem Beweise kann überhaupt nicht die Rede sein. Alle Schlüsse, die man für Tirol vorgebracht hat, hängen völlig in der Luft, alle historischen Erörterungen verdichten sich nirgends zu etwas Greifbarem. Nicht ein einziger Aufenthalt Walthers in Tirol ist nachgewiesen. Wenn auch Niederösterreich noch den besten Anspruch hat, als die Heimath des Dichters angesehen zu werden, so wird doch kein Verständiger den Tirolern ihre Freude an Walther von der Vogelwcide, dessen Jdcalgcstalt von Meister Heinrich Natter aus dem Johannisplatz zu Bozen aufgerichtet wurde, mißgönnen wollen. Niemand hat mehr dazu gethan, das Andenken Walthers aufzufrischen und den Sinn der Gegenwart dafür wach zn halten, als die Tiroler. Und ist dem Standbilde eines anderen Dichters eine schönere Stätte beschert, als demjenigen Walthers auf dem Markte der malerischen Kaufherrnstadt, bei ihren Rebcngehängen und Frnchtkörben, im Nahmen der wundervollen Berge, unter dem blauen Himmel, umweht von der weichen, warnten Luft? Wenn lvir so eingestehen müssen, daß wir über die Heimath des Dichters nichts wissen, so sind wir etwas besser über die Zeit seiner Geburt unterrichtet. Nach Angaben, die der Dichter in einem seiner späteren Lieder macht, kann er nicht lange vor 1170 geboren sein (1168) und muß etwa in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre sein poetisches Lebenswerk begonnen haben. Walther stammte aus einem ritterbnrtigen Geschlechte. Das beweist der ihm übereinstimmend von seinen Zeitgenossen und den jüngeren ihm der Zeit nach noch nicht zu fern stehenden Dichtern und Handschrifteuschreibern beigelegte Titel der. Daß er auch wirklich die Ritterwürde erworben hat, ist an sich nach der Sitte der Zeit wahrscheinlich. So sicher Walther der Sprosse eines edlen Geschlechtes war, so gewiß ist er auch arm gewesen. Er war auf die Gnade anderer angewiesen. Sein Bildungsgang wird der gewöhnliche eines Ritters gewesen sein. Es ist nicht wahrscheinlich, daß er schnlmäßig in der Gelehrsamkeit seiner Zeit unterrichtet ist. Einem jungen Manne von seiner Abkunft und seinen Verhältnissen standen damals nicht allzuviele Wege offen. Am nächsten lag es, in den Dienst eines größeren Herrn zu treten, mit dessen Geschick das eigene zn verflechten, seine Fehden zn schlagen und sein Brod zn essen. Wir wissen nicht, welche Lebenspläne Walther hegte; aber es scheint, daß der Ruf von dem Glänze und der Herrlichkeit des Hofes der Babenberger bis in seine entlegene Heimath gedrungen war und er durch irgend eine Verbindung nach Wien an den Hof Herzog Leopolds V. gekommen, wahr- 316 scheinlich als Beiläufer eines vornehmen Herrn oder in § dem Edelgesinde des Herzogs selbst. Hier halte er, wie Walther selbst sagt, Gelegenheit, die höfische Sangesknnst, das „Singen und Sagen", zu erlernen. Eine ganze Schaar von Dichtern hatte die Huld des edelgesinnten Babenbergers hergezogen, welche in kunstvollen Gesängen, in ernsten und heiteren Weisen wetteiferten; sie alle pflegten den höfischen Minnegesang als eine Kunst, welche der geselligen Unterhaltung diente: da ist ein Herr Dietmar von Aist aus Oberösterreich, da ist die prachtvolle ritterliche Erscheinung des Kaiser Rothbart vertrauten Freundes, Friedrich von Hausen, der Niederländer Heinrich von Veldeke, der Bayer Albrecht von Johannsdorf, die glänzende Gestalt des schwungvollen und leidenschaftlichen Thüringers Heinrich von Morungen. Unter all diesen ist einer für Oesterreich besonders wichtig geworden, Herr Neinmar, den man den Alten nennt, um ihn von dem späteren Sprnchdichter Neinmar von Zweier zu sondern. Er entstammte einem edlen Geschlechte, wahrscheinlich aus Hagenau im Elsaß, wie einige rühmende Verse zu schließen gestatten, welche sein Landsmann Gottfried von Straßburg ihm, „der Leitefrau der deutschen Nachtigallen", nachruft. Er wird um 1160 geboren sein und muß schon um 1180 eine Stellung am Wiener Hofe bei Herzog Leopold V. gewonnen haben. Neinmar war ein welcher und feiner Mensch, von seltener Zartheit und Reinheit des Gemüthes. Takt und Geschmack, der Sinn für die Zierlichkeit der Form gehörten zu seiner ursprünglichen Begabung, sowohl im Spiel der Gedanken als im Bau des Verses und den Verschlingnngen der Reime. Mögen sich auch die jugendlichen Lieder Neinmars nicht mit der Feinheit, Glätte und Liebenswürdigkeit der späteren vergleichen lassen, sie rühmen doch bereits den Meister der Sprache und des Wohllautes, den klugen Herzenskündiger, der die Lust des Liebesschmerzes tiefer erforscht hat als sonst einer unter den deutschen Minnesängern. Dieser Mann war der Lehrer Walthcrs von der Vogelwcide; an einen förmlichen Unterricht werden wir allerdings nicht zu denken haben. Wir haben von Walther keine Lieder aus einer Zeit erhalten, die vor seiner Bekanntschaft mit der Poesie Nernmars läge. In den ältesten Stücken bereits schlägt der Einfluß des Lehrers mächtig durch, und es ist nicht uninteressant, daß vielleicht das erste der uns bewahrten Gedichte Walthers über die Dürftigkeit und Oede der Welt klagt. Das sind nur leere Formeln, die da zusammengetragen wurden, die Erfahrung fehlt, Mißmuth spricht aus dem Jüngling, weil die Welt ihm keinen Raum gönnt, seine Bemühungen, emporzukommen, sind erfolglos, überall steht ihm seine Acrmlichkeit im Wege. Auch die nächstfolgenden Gedichte entbehren der Frische des wirklichen Lebens; es ist angelernt, schmeckt nach der Schule und ist gemacht. Bald aber tritt ein frischerer Ton in seinen Liedern zu Tage, so in dem Liede: Lumer undo dinier bsids sink Zuotss Mannes tröst, der tröste« Zert. In munter springenden Daktylen rühmt Walther den rothen Mund der Frau, welche ihm freundlich lächelnd begegnet ist: „IVol inieli der stunde, das toll sie erkunde, diu mir den lix und den inuot Kat bst^vnnZen." (Fortsetzung folgt.) Aus der Hinterlassenschaft des Lxsrollus kaslieus. Von Hugo Arnold. (Nach Vortrügen in der Anthropologischen Gesellschaft und im Historischen Verein von Obcrbayern zu Münchens (Schluß.) Aus den römischen Festungen und den vor ihren Thoren gelegenen Lagerstädtcn (eanaliae) sind eine stattliche Reihe bedeutender Städte und ansehnlicher Ortschaften erwachsen. Eine beträchtliche Anzahl der Castelle und der Lagerstädte ist freilich in den Stürmen der Völkerwanderung völlig vernichtet worden und derart verschollen, daß wir ihre Lage vorläufig nicht bestimmen können, und zwar am Limes, an der Teuselsmauer: Lextemzaoi, l-osocUen; an der Donaulinie: Venaxa- moänro, karra-äuno (vielleicht Aislingcn?), I'ebianis, Rips, krimu, kinianis, ^ugustanis; an der Jller- linie: Vimnnin, Oassilinenra. Für zwei erst in jüngster Zeit am Limes ausgegrabene Castelle bei Dambach und bei Nuffenhofen kennen wir die Namen nicht, wenn wir sie nicht mit den soeben erwähnten I^osoäieg, und Zextemzaoi belegen dürfen. Etwas interessanter gestaltet sich die Sache bet folgenden Ortschaften, bei denen zwar die römischen Namen ebenfalls zu Verlust gegangen sind, Lei denen aber ihrer Lage wegen anzunehmen ist, daß sie ihren Ursprung auf die Lagerstädte zurückführen oder mit diesen wenigstens in Zusammenhang stehen, nämlich am Limes: Gunzenhausen (ein kleines namenloses Castell), Gnotzheim (bei Neäiams), Thcilenhofen (leimneo), Lirieiains (Wcißenbnrg), Psünz(Vetovig,nis), Kösching (6ermar>ieo), Oeleuso (Pföring); an der Donau: komone (Faimingcn), Lsrvioäuro (Straubing) und vielleicht auch das Dorf Manching (Vallato). Stärker treten jene Ortschaften hervor, welche ihre römischen Namen bis in unsere Tage erhalten haben, wenn auch in einer durch die Zunge der Jahrhunderte abgeschliffenen und verballhornten Form. Das sind am Limesanfang die beiden Donaubrückenköpfe Jrnsing (^rnssna) und Einstig (^stusina), an der oberen Donau: Druishestn (Orusomagus), an der untern Donau: .Künzing (Huintnnis), am Jun: Beidcrwicse (Lojoäuro), an der Jller: Onmstoärmo (Kempten), OAio oder Oälius moiig (Kellmünz). Und das meiste Interesse rufen wohl jene drei Donaustädte hervor, die nicht aus Lagerstädtcn entstanden, sondern in die ehemaligen römischen Bollwerke selbst eingebaut sind: Günz- burg (duntin), Onstrn Hsginn (Ncgensburg) und Ln- tnvis (Passan). Zu ihnen tritt noch Augsburg, das aus der glänzenden Hauptstadt Nätiens, Lugnsia. Vinäeli- eornm, sich zu seiner heutigen Blüthe entwickelt hat. Wie vielfach in anderer Weise, sobald sonstige historische Quellen versagen, dienen uns diese Ortsnamen nach der positiven wie nach der negativen Seite hin als Führer. Wenn bei den Orten der letztgenannten Kategorie sich der römische Name erhalten hat, der mcistentheils selbst wiederum aus vorrömischer, aus keltischer Wurzel entsprossen ist, so liegt darin doch sichtlich ein sprechender Beweis dafür, daß an diesen Stätten, ungeachtet aller durch die Einfälle und Verheerungen der Germanen verursachten Bevölkerungsmindernngen, ein constanter Stock von Romanen seine Existenz gerettet hat. Romanen sind dauernd hier oder in der nächsten Umgebung wohnen geblieben, haben die Ortsnamen ebenso fortgepflanzt wie die gleichfalls romcmisirten keltischen Flnßnamen und sie 317 den Deutschen überliefert. Und der Sachlage nach können diese Romanen keine anderen Leute gewesen sein, als die Nachkommen der Insassen der «anadno, der Lagerstädte, deren Einwohnerschaft ihre Ahnherren und Vater, ihre Onkel und Vettern in den Soldaten der Besatzungen zu suchen und die während der stürmischen Kriegsläuste sich hinter die Mauern der Castelle geflüchtet und schließlich dort ihre Hütten aufgeschlagen hat. Die armen Teufel sind von den einwandernden Germanen auch keineswegs mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, denn das frühzeitige Auftauchen christlicher Gemeinden in Augsburg, Kempten und Künzing kann nur auf diese Romanen zurückgeführt werden; in Kempten kommen außerdem noch im 12. Jahrhunderte Leute mit romanischen Personennamen vor, und zu Negensburg trägt die Wahlen- (d. i. Maischen-) Gasse an der Westfront des einstigen Castells vielleicht nicht von den mittelalterlichen lombardischen Kaufleuten, sondern von dem fortlebenden Reste der Romanen ihren Namen. Unter solchen Umständen ist gewiß auch ein Niederschlag der romanischen Bevölkerung unter den Germanen geblieben und sicher begegnen uns dessen Spuren unter der schwarzhaarigen, dunkeläugigen, brünetten Menschenschichte, welche die Aufmerksamkeit der anthropologischen Forscher von jeher so stark auf sich gezogen hat. Ursprünglich stammten ja weitaus die meisten römischen Soldaten, sowohl der Legionäre wie der Auxiliaren, aus südlichen Ländern oder aus Nationen, denen dunkle Haut- und Haarfarbe heutzutage noch als besonderes Kennzeichen eigen ist, und die Vererbung der dunklen Koloratur liegt bei der Zähigkeit dieser Schattirung in der Natur der Dinge. Ich habe seiner Zeit Jahre hindurch zu Negensburg in Garnison gestanden, und wenn ich an den liebreizenden, schwarzbezopftcn und schwarz- kirschäugigen schönen Töchtern ethnologische und ästhetische Studien anstellte — in allen Züchten und Ehren natürlich, wofür ich mich auf das Zeugniß des Stadtvaters Herrn von Stobäus berufen kann, — da ist mir gar oft Leim Anblick des Mandelschnittes der Angen, des Gesichtsovals und der Färbung von Haut und Haar das Dichterwort durch den Kopf gefahren: Wo sich das Strenge mit dem Zarten. Wo Starkes sich und Mildes paarten. Da gibt es einen guten Klang — und wenn die Herzen dieser Schönen wärmer für das zwiefärbige Tuch schlugen, so fand ich, daß die Wahlverwandtschaft im Blute liege, weil ihre Urahnen sicherlich auch den Fahnen folgten — im rätischen Armeecorps. Ich kann nicht schließen, ohne im besonderen noch der Wirkung zu gedenken, welche das römische Heer an den Grenzen, also auch das Heer in Rätien, in ewiger Dauer auf die Germanenwelt und damit auf die Gestaltung der gesummten Weltgeschichte ausübte. Als die Germanen auf die Römer stießen, waren sie in einer fortschreitenden Verschiebung, im Zuge nach Westen begriffen und trieben die im Herzen Deutschlands sitzenden Kelten vor sich her. Das Entgegentreten des römischen Heeres gebot ihnen Halt, vor dem mächtigen Grenzwall mit seinen dräuenden Festungen, an den bollwerkbehnteten Ufern des Rheins und der Donau stauten sich die mit Kind und Kegel wandernden germanischen Völkerzüge, sie wurden gezwungen, aus einem halben Nomadenleben schweifender Hirten und Jäger zu fester Ansiedlung und damit zum Ackerbau überzugehen; sie verwandelten sich ül ansässige Bauern, die ihre Heerden weideten und hinterm Pfluge gingen. Dadurch wurde der Boden zu sicherer Cultur auch bei ihnen gelegt. Gleichzeitig veranlaßte aber der gewaltige Druck des Nömerthums, daß die vielen kleinen Stämme und Völkchen sich zu gemeinsamem Handeln enger zusammenschlössen und die Grundlage bildeten für die mächtigen Vereinigungen, aus denen die großen Stammesverbände der Alamanen, Franken, Thüringer und Bayern erwuchsen. Im Kampfe des Schwertes und des Pfluges gegen die Römer wurde das deutsche Volksthum geboren, in harten Nöthen erwachte das nationale Bewußtsein, unter ihren neuen Namen griffen die Stämme handelnd und thätig in die Geschichte ein. Als neue politische Einheiten wurden sie den Römern gefährlich und fingen an, die Grenzen dauernd zu überschreiten, als Vorkämpfer die Franken und Alamanncn voran. An der Bildung des deutschen Volksthums, an der Entstehung unserer Nation hat somit seinen vollgemessenen Theil gehabt der am Limes und an der Donau auf der Wacht stehende Lxeroiius Rnatious. Culturgeschilhtliche Bilder aus Bayern. L. Die Gerichtsverhandlungen beim kurfürstlichen Pfleggericht Reichenhall vom Jahre 1685-1799. (Schluß.) 6i. b'. Ein besonders wachsames Auge hielt man, um in der Polizeiordnung fortzufahren, aus die Fremden- polizei; alle im Gerichtsbezirk sich aufhaltenden Personen waren controlirt, alle Fremden mußten dem Pfleg- > gcricht gemeldet werden. Ein Bauer zu Fager wird 1717 ^ mit 1 Tag Amtshaus und Androhung noch größerer Strafe belegt, weil er, ohne daß er dies der Obrigkeit angezeigt, „einen fremden Pechler beherbergt", und 1722 erhielt ein anderer Bauer 1 T dl. Strafe „wegen Be- herberung fremder Leut". 1744 hatte unter dem Betreff „mießiges herumgchn in hiesiger Statt" der Rath der Stadt beim Pfleggericht Beschwerde geführt über eine Frauensperson, die, obwohl vor 5 Wochen „wegen mießigen Aufenthalts" stadtverwiesen und jenes Mal dem Amtmann, als er sie im Gerichtsauftrag „auf dem Platz carbätscheu wollte", entsprungen war, nun gleichwohl wieder hier sei. Sie erhält wiederum „15 Oardütsasi-Ltraieir", kam jedoch zum dritten Mal in die Stadt, was ihr „90 Eardätsoü-Ltra.ivlr's eintrug; wegen „mießigen herum- schlenzens in der Statt" erhält eine andere Person eine Schandstrafe. Die Polizeistunde mußte pünktlich eingehalten werden, und beim Ueberschreiten derselben wurden die Gäste und der Wirth bestraft. „Spates Zöchcn" wurde mit 1 Tag Wasser und Brod im Amtshans geahndet. Die Thore der Stadt wurden zu einer bestimmten Stnnde geschlossen, und ohne Controle und Namensangabe konnte Niemand mehr hinaus- noch hinciugelangen. Nach 11 Uhr Nachts durfte sich überhaupt Niemand mehr in den Straßen sehen lassen. Wer nach dieser Stunde noch angetroffen wurde, ohne einen triftigen Grund angeben zu können, hatte 1 Tag bei Wasser und Brod im Amtshaus zu verbringen; Frauenspersonen jedoch, die nach 11 Uhr auf der Gasse sich herumtrieben, mußten 1 Stunde laug „in der Geign auf dem Platz" stehen. — „Aus ihre Töchter uit genugsam Aufsicht haben", brachte einem Elternpaare 24 Stunden Arrest bei Wasser und Brod. 318 Diese strengen, ja manchmal rigorosen Polizeiverordnungen aber machten auch viele uralte Volkssitten und -Gebräuche verschwinden, welche im Laufe oer Jahrhunderte allerdings ausgeartet haben mochten, aber doch meist auf einem ethischen Grunde basirt waren, oer zwar wieder in der Folge seine Bedeutung verlor. „3 ledige Pauernknecht haben sich unterfangen", heißt es in einem Verhör von 1788, „am hl. 3 König Abent sein vermumten Pertteulaussen "h zu obliegen", wcßhalb ihnen die „nachdrucksamfte Gewährung gemacht" und Jedem 4 ß dl. Strafe diktirt wurde. Ebenso war „das Wcynachtschießen" durch General-Mandat vom 1. Dezember 1770 verboten, weßhalb ein Bauer, der 1793 wieder „Weynachtschießen ausgeübt", mit 34 kr. 1 dl. bestraft wurde. Um nun auch über die Gerichtskosten ein paar Worte zu sägen, so finden wir, daß für die gewöhnlichen Fälle — wenigstens in der 2. Hälfte unserer Periode — 1 fl. 10 kr. „Abschiedgeld" zu bezahlen war, das die Beamten uud Amtsdiener beanspruchen konnten, und außerdem noch, wenn ein solcher ausgesprochen wurde, ein Straff atz in Geld, der gewöhnlich „aä oassuva xauportatis" abgeliefert wurde, es, müßten denn für besondere Fälle auch besondere Verwendungen getroffen gewesen sein, z. B. die „Ehebrnchstraffgelder" zur Ansbauuug des St. Egidien-Thnrmcs, wie wir oben schon gehört. Daß die „Gerichtsnnterthanen" bei ihrem eigenen, zuständigen Gerichte eine viel mildere Beurtheilung fanden, wie die sogenannten „Ausländer", d. h. diese Letzteren eine viel höhere Strafe zu gewärtigen hatten, als die Erstcrn, das ist eine Thatsache, auch auf jener hohen Idee begründet, die man damals für jedes Gemeinwesen und für jede feste Zusammengehörigkeit trug, wobei auch an den Tag trat, welch mächtigen Rückhalt man au dem Heimathsrechte besaß und welch Vortheilhaften Schutz der heimathliche Boden gewährte, eine Thatsache, die gewiß nicht wenig beitrug zur Stärkung der Heimaths- und Vaterlandsliebe, denn nirgends erging es Einem besser wie dort. Ein „Ausländer", der laut Gerichtsverhör von 1698 seine Schwägerin beschimpfte, die zu Neichenhall lebte, mußte, weil sich gerade dortselbst aufhaltend und also von diesem Gerichte abgewandelt, 5 T dl. Gerichtswandel erlegen und außerdem, „weil ein Ausländer", 6 Reichsthaler Strafe — einen enorm hohen Satz! Was nun die gewöhnlichen Gepflogenheiten der Einwohnerschaft Neichenhalls in dieser Periode betrifft, so ergibt sich aus den Urkunden vor Allem eine große Einfachheit ihrer Lebensweise. Die Familie war ihr Hort und ihr liebster Aufenthalt. Der Familien- *°) Perttenlaufen. — Wenn wir bei Hübner (Beschreibung des Erzstistes und Neichsfürstenthnms Salzburg 1796) lesen, daß im Pinzgau in den Rauchnächten bei 100—300 Bursche am hellen Tage in den vossirlichsten Masken, mit Kuhglocken und knallenden Peitschen versehen, umherziehen, und daß man dieses „Berchtenlaufen" oder den „Berchtentanz" nennt, so dürfen wir wohl vermuthen, daß es lnebei an Unfug, Rügen und Beleidigungen nicht fehlte, und Gewährsmänner sind der Meinung, daß dieser Gebrauch aus altersgrauer Zeit herübergenommen ist, wo die Frau Bercht. allerdings die „Glänzende", später auch als „Unholdm erschien, um faule Mägde und ungehorsame Kinder zu strafen — also wäre das „Berchtenlaufen" eine Art Rügegcricht, dem etwa das sogen. „Saberfeld- treiben entstammen könnte (siehe Bavaria I, Schmeller's ^ayer. Wörterbuch, Hübner u. A.). vaicr, der den größten Respekt genoß, schaltete und waltete als ein Patriarch in seinem Hanse, versammelte Frau und Kinder, sowie Gesellen und Lehrlinge an seinem Tische nnd hielt streng auf Zucht und Ordnung der Seinen in und außer dem Hanse. Sonn- und Feiertags durfte Niemand versäumen, den Gottesdienst zu besuchen, und nach dem nachmittägigen Kirchenbesuch begab sich daS Familienhaupt zur feiertäglichen Erholung nicht selten in ein nahegelegenes Bräuhans, deren es damals nicht wenige gab, oder, wenn es weit ging nnd die Jahreszeit schön war, etwa mit Kind und Kegel znr klösterlichen „Hoftafcrne nach Froschham" (jetzt Hofwirth in St. Zeno), wo noch das reine Klosterbier von den Augustinern herüber verzapft wurde, oder gar zum „Kaltl" und „Moser" nach Fager, Wirthshäuser, die sich einer besondern Beliebtheit erfreuten. Der Hausvater war eifrigst besorgt für das geistige und leibliche Wohl der Deinigen, die aber auch an ihm, als einem „Bürger", einen bedeutenden Rückhalt bei jeder Gelegenheit hatten. Wir mächen deßhalb vielfach die Bemerkung, daß „Ehehalten" lange Jahre hindurch, ja nicht selten bis zu ihrem Lebensende im gleichen Hause dienten, obwohl die Lohnverhältnisse nach unsern Begriffen schlecht, waren. Um eine Durchschnittszahl z. B. 1696 zu nehmen, so können wir folgende Lohnsätze annehmen: ein Hausknecht (Knecht) erhielt jährlich 8—12 fl., eine Köchin 5—6 fl., eine „Viechdirn" 4—5 fl., ein „Dicnstmensch" 2—3 fl., ein „Kindsmenfch" durchschnittlich 4 fl., ein „Knchlmensch" 3—5 fl., ein „Preuknecht" wöchentlich 20 kr., ein Geselle wöchentlich 10—24 kr., ein erster Mühljung brachte es sogar auf 50 kr. per Woche. 1717 hatte ein Dienstknecht 13 fl. Lohn im Jahre, das „Drangeld" war 2 fl., für eine Schicht bei Nacht erhielt er 15 kr. Also sehr bescheidene Lohnverhältnisse, und doch waren die Leute zufrieden, denn sie hatten im Hanse ihres Brodherrn eine zweite Heimath gefunden. Eine andere Heimath aber war dem jungen Arbeiter seine „Zunft", deren mehrere sich häufig auch zu „Bruderschaften" zusammenschlössen — auch hier Halt und Stütze, auch hier Beistand mit Rath und That, aber auch hier Autorität und Gehorsam. Trotz einer strengen Disciplin aber und einer sorgsamen Beaufsichtigung auf allen Lebenswegen sollte man doch des Vergnügens nicht entbehren nnd wollte man vorab die Jugend heiter wissen. Scheibenschießen, Kegel- und Kartenspiel waren damals gebräuchlich wie heute, und Tanzmusik in der Stadt nnd Umgebung gab eS ab und zu, wovon wir besonders als eine Specialität den sogen. „Weit- wiesentanz" erwähnen, eine uralte Tanzmusikgerecht- same, welche jährlich zwischen „Kaltl" und „Moferwirth" abwechselte und wohl noch auf die alte Schloßherrlichkeit von Karlstein zurückreichte, wozu die Weitwiese früher stets gehörte. — Musik wurde viel geübt, und die „Thurner" waren die Hauptrepräsentanten derselben. Die „Thurnergesellen" (Thurn — Thurm), Thurmbläser, standen unterm „Thurnermeister" (Thürmer- meister) und hatten in früheren Zeiten vom Thurme 1 herab mit einem Horn Zeichen zu geben und zugleich Thuruuvächtcr vorzustellen, später waren sie dann überhaupt die Stadtmusiker ex oltisio. Aber auch die Kirchenmusik stand in unserer Periode im Flor, wobei allerdings wieder die „Thurner" besonders mitwirkten, aber es gab damals außerdem auch einen eigenen „Chorregcnt" und einen „Organisten". Für die Tanz- und improvisirte Wirthshausmusik war man gewöhnlich auf ein paar Geiger oder Pfeifer auf der „Schwegcl" (das erste Stadium der Klarinette) angewiesen. — Merkwürdiger Weise ist niemals die Rede und gar kein Anhaltspunkt gegeben in dieser ganzen Periode von hundert Jahren — über Volkslieder oder überhaupt nur über den Gesang. Dürfen wir daher annehmen, daß man dortselbst das sogen. „Ansingen" durch Trutz- und Spottliedcr, wie dies heute im Gebirge üblich, nicht übte? Denn bei der damaligen Empfindlichkeit gegen Beleidigungen wäre vielleicht in den Verhandlungen während dieser 100 Jahre doch irgend einmal davon die Rede. Das Wirthshausleben war ungefähr in derselben Weise ausgebildet wie heute, nur mag gesagt werden, daß es in früherer Zeit mehr „Weinschenken" gab wie heute, in denen besonders „Oetsch"- und „Oster"- Wein zu haben war (Oster-Wein — österreichischer Wein), denn die Zeit des „Bayerweins", wo man wie in so vielen altbayerischen Orten auch in Non Weinberge unterhielt, war längst vorüber, ohne daß Jemand sich darnach wieder zurückgesehnt hätte. Die Schuld erhältnisse waren durchaus nicht ungenügende, denn es gab damals in Ncichcnhall einen lateinischen und zwei deutsche „Schnclhaltcr", denen sich dann noch ein dritter anschloß, während auch der „Kaplan am Salzbrnnn" die Kinder der „Offiziers" (d. i. der Salinenbeamtcn) und der „Salz Aerzt Leute" zu unterrichten und besonders ihnen „Katechismnsstnndcn" zu geben hatte — es gehörte dies zu seiner Dienstobliegcn- heit. — Als Beweis von der damaligen Bildung möchte angeführt werden, daß im Jahre 1721 noch der Ober- schreiber beim Gericht, der Kammerdiener des Prälaten von St. Zeno, der Chorrcgent von Reichenhall und ein Student in einem Gasthause einen lateinischen Disput hatten, der sogar zu einer Gerichtsverhandlung führte. Auch Kuust und Kunstgcwerbe waren in Neichcn- hall nicht fremd; 1696 bezahlt laut Steuerbüchern „der Bildhauer Hans Schwaiger von Neichenhall" seine Steuer, und ebenfalls zu Ende des 17. Jahrhunderts begegnen uns dortselbst Joseph Plaimb und Martin Peck, die Maler, und 1733 baute Andreas Mitterreither von Neichenhall die Orgel in der Salinenkapclle dortselbst. Verschiedene Techniker und technische Institute (Kunstschlosscrci) waren durch die Saline von selbst bedingt. Die Verkehrsmittel waren für die damalige Zeit genügende; gute Straßen führten nach allen Richtungen hin und Neichenhall selbst hatte eine Poststation mit einem „Postmeister" schon seit Ausgang des 16. Jahrhunderts. So sehen wir denn in diesen „Vcrhörsprotokollcn" em nicht unerfreuliches Bild eines Gemeinwesens damaliger Zeit entrollt und eines ganzen Gcrichtsbezirkes, dessen „Unterthanen", recht und schlecht, wie sie eben waren, im großen Ganzen, wenn auch natürlich mit Fehlern behaftet, doch ehrlich, bidcrb und gottesfürchtig vor uns erscheinen. Neceusioneri und Notizen. * Der durch eine Reihe streng wissenschaftlicher Forschungen und Arbeiten rühmlich bekannte Franziskaner- Pater H. Anton Hammerschmid, Lector der Philosophie und Theologie in Tölz, hat jüngst ein höchst gediegenes botanisches Werkchen herausgegeben, welchem aus Fachkreisen sofort die wärmste Anerkennung zu theil wurde. So äußert sich darüber der kgl. Ncallebrer für Chemie und Naturwissenschaften, Sr. Christ. Kestler, irr nachfolgender Weise: „Mit der soeben iin Hochnedcr'schen Verlag zu Landshut erschienenen „Excursions - Flora für Tölz und Umgebung, Walchensec, Kochel- see, Tegernsee, Schliersee und die angrenzenden bayer. Alpen" von Ant. Lammerschmid liegt ein nicht nur dem Fachmann durch seine gründliche und gewissenhafte Durchführung stnpouircndes, sondern auch dem Touristen und Laien wegen seiner Uebersichtlich- keit, Genauigkeit, leichten Faßlichkeit und Handlichkeit hochwillkommenes Werkchen vor uns. Der Verfasser hat mit unermüdlichem Fleiße und zäher Ausdauer seit Jahren die Standorte der Pflanzen in der erwähnten Gegend erforscht, und sind Belegexemplare hiefür in Herbarien niedergelegt. Man hat also hier das Produkt ehrlicher Arbeit vor sich. Die Standorte der einzelnen Pflanzen sind in dem Büchlein in genauester Weise angeführt. Die Bestimmungstabellen zeichnen sich durch große Klarheit und Einfachheit aus und sind auf ihre Brauchbarkeit erprobt. Unter anderem ist die dem Anfänger so unangenehme Bestimmung der Pflanzen nach den Früchten fast ganz vermieden, ebenso ist die Nomenklatur höchst einfach, und ist außerdem dem Werkchen noch ein erklärendes Verzeichniß der botanischen Begriffe beigefügt. Auch eine Tabelle zur Bestimmung der ÄäuMe und Sträucher nach dem Laube, sowie eme solche für diejenigen Pflanzen, welche selten blühen oder deren Blüthen sehr klein und schwer erkennbar sind, fehlen nicht. Die in kleinerem Druck vorgenommene, in den Floren meist schmerzlich vermißte Aufführung der häufigeren Zierpflanzen erhöht den Werth des Buches. Kurz und gnt, das Büchlein ist jedenfalls eines der besten seiner Art und ist jedem Naturfreund, der in die Berge wandert und der „schönen Wissenschaft" nicht abgeneigt ist, um so mehr aufs wärmste zu empfehlen, als es auch für andere alpine Gegenden brauchbar erscheint und sich auch für den Anfäimcr und den Dilettanten wegen der schon geschilderten Vorzüge zum Bestimmen der Pflanzen in ganz hervorragender Weise eignet. Möge diese neue Flora der Wissenschaft recht viele neue Freunde zuführen, möge sie insbesondere auch in Fachkreisen die Beachtung finden, die das Werk in vollem Maße verdient." — Ein anderer hervorragender Botaniker, Hr. Dr. H. in M., schreibt uns über die „Flora" Hammerschmids u. a.: „Was mir besonderes Vergnügen macht, ist. daß die Arbeit wirklich aus den Händen eines Berufenen hervorgegangen ist und allerseits auf der Höhe der derzeitigen siistcmatischen Forschung steht. Daß die fleißige und gewissenhafte Arbeit auch von fachmännischer Seite günstig beurtheilt werden wird, bezweifle ich keinen Augenblick." — Der Preis des fein ausgestatteten und. sehr handlichen Werkcheus beträgt sinn 3 M. Die geistige. Bewegung im Anschluß an die Thoinas - Eucuklika Leo 's XIII. vorn 4. August 1879. Von Dr. ü. Thomas M. Wehofcr o. krasä. Professor am Oolleuüun äivi llbonmo äs Urbo in Rom. Wien 1897, Leo-Gesellschaft. 8°, 20 SS. K Der Vortrag bildet eine der Abhandlungen aus dem Jahrbuch der Leo-Gesellschaft. In kurzen Zügen verbreitet er sich sicher Ziel und Beweggründe und praktische Durchführung der Ncnbclebung der thomistischen Philosophie, wie solche das päpstliche Rundschreiben angibt. Darauf werden die schönen Erfolge der päpstlichen Mahnung vorgeführt, zunächst in Rom und im übrigen Italien, dann in Spamcn, Frankreich, Belgien, Holland. Großbritannien, Amerika, Deutschland und Oesterreich-. Ungarn. Als um die thomistische Bewegung besonders' verdiente Männer lernen wir kennen 1?. Libcratore 8. .7.. Cardinal Zigliara O. Urasä., Cardinal Gonzalez O.Urasä., U. Dummermnth O. Urasä., das Dreiblatt Morgott- Schueid-Stöckl, Commer, Ccslaus M. Schneider. Kiß. 320 I>. Grimnnch 0.8.8. n. a. Ehrend ist auch der iRilmoplüa IiLoousis und des Onrsus püiloso^üillus der deutschen Jesuiteiwatres gedacht. Als für die thonnstische Beweg- ung bemühte Zeitschriften sind erwähnt Divers lüomus, üovuo Iliomists, Rsvus uöo-sebolastigus, das Commer'sche Jahrbuch u. a. Manches ist bereits geschehen; aber sehr vieles bleibt noch zu thun. Darum ladet der Verfasser mit marinen Worten ein, thatkräftig beizutragen zum grossen Werke der Ncubelebung der thomistischen Philosophie. So will es auch unser Heiliger Vater, Papst Leo XIII. Das Schriftchen ist wohl geeignet, einschlägige schiefe Urtheile zu berichtigen und Vorurtheile zu zerstreuen. Philosophisches Jahrbuch der G örresgesell- schaft. Verlag der Fuldaer Mtiendruckerei in Fulda. X. Jahrgang. Das IU. Heft enthält u. And.: B. Adlhoch 0. 8. D., Der Gottesbeweis des hl. Anselm. (Forts.) — L. Schütz, Der Hypnotismus. (Schluß.) — I. Sträub, Gewißheit und Evidenz der Gottcsbeweisc. (Schluß.) — A. Lins- meier 8. I., Inhalt der chemisch-physikalischen Atomhypothese. — H. Gomperz, Zur Psychologie der logischen Grnndthatsachen, von AI. von Schmid. — M. Wentfcher, Ueber physische und psychische Kausalität und das Princip des psycho-physischen Parallelismus, von P. Schanz. — E. Melzer, Die Unsterblichkeit auf Grundlage der Schöpfungslehre, von demselben. — I. Kleekamm, Die menschliche Seele, von dems elben.— A. Michelitsch, Atomismus, Hylemorphismus und Natur-wissenschaft, von C. Forch. — A. Otten, Der Grundgedanke der Cartesianischeu Philosophie, von C. Ludewig 8. I. — Dr. Albert Stöckl, Domeapitular und Lycealprofcssor in Eichstätt, von C. Gutberlet.— V. Grimmig) 0.8.U., Lehrhuch der theoretischen Philosophie, von I. D- Schmitt. — Zur Kriteriumsfrage, von C. Th. Jsenkrahe. — Zeitschriftenschan. — Miscellen und Nachrichten: Zur physiologischen Gefühlstheorie. Ueber den Lichtsinn augenloser Thiere. Abhängigkeit der Farbe und Zeichnung der Raupen von der UnMbung. Die menschliche Schwimmhaut als pithe- koides Merkmal? Zur Frage über die Vsrerbbarkeit. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiundzwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M. 9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshaudlung. Inhalt von Nr. 7 u. a.: Ooruelz-, Oommsutm-ius tu 8. Uauli opistolas I. (Schäfer.) — Gatt, Die Hügel von Jerusalem. (Rückert.) — Nsroati, Llirueula b. 1?io- spori. (Euringer.) — Luuclrillart, Du Kranes oln-stisvvs äau8 I'Ui8toirs. (Hauviller.) — Bertram, Die Bischöfe von Hildesheim. (Ebner.) — Gsny, Die Jahrbücher der Jesuiten zu Schlettstadt und Nufach. I. u. II. Bd. (Müller.) — Schund, Die Wirksamkeit des Bittgebetes. (Rösler.) — Schmid, Die Sacramentalicn der kathol. Kirche. (Rösler.) — DkrsusborAsr, Dibri liturKioi bibliotbsvao ^postolieas Vstioauas manusoi-iM. (Franz.) — Otten, Der Grundgedanke der Cartesianischeu Philosophie. (Kappes.) — Heinemann, Das sogenannte Katharinenbuch vom Jahre 1877. (Orterer.) — Grimme, Grundlinien der hebrärschen Akzent- und Vokallehre. (Dornstetter.) — Dr. Johannes Bumüllers Lehrbuch der Weltgeschichte. Bearb. von Dr. Widmann. UI. Theil. (Hauthaler.) u. s. w. — Nachrichten. — Büchertisch. _ „Studien und Mittheilungen aus dem Benediktiner- und dem Cistercienser-Orden." Verlag des Stiftes Raigern (bei Brünn, Oesterreich). Preis per Jahrgang (4 Hefte ca. 48 Bogen) 8 M. — 4 Gulden. Das II. Heft 1897 enthält u. a.: Veith, Jldefons (0. 8. L. Scckau): Die Martyrologien der Griechen. (VI.) — Weikert, Dr. Thomas Ag. (0. 8. L. v. St. Mein- rad. Am.): Meine Orientrcise. (VI.) — Pauschal) Ber- nard (0. 8. L. Metten): Das Pontificalbuch Gundacar II. und des sei. Utto von Metten. (Schluß.) — Willems, D. Gabriel (O. 8. ü. Afflighem): 8obolas Lsnoäiotiuas sivs: Do soientüs, opora Llonaoborum Orclluis 8. Lsus- Üioti auotis, oxoultis, propuAutis ot ooussr vatis; Dibri « guatuor a D. Ocions Oambior, monaobo ^.tüiAsnieusis « UovustoriiOräiuis chusclsm 8. Bsnoäloti. (V.) — Wagne». Phil., vr. (Berlin): Gillon le Muisi, Abt von St. Martin in Tournai. (III.) — Renz, G. Ä. (München): Beiträge zur Geschichte der Schottenabtei St. Jacob und des Primates Weih St. Peter (0. 8. L.) in Negensburg. (Schluß.) — Plaine Beda (0. 8. D. Silos): ds iuitiis bomiiidus mirubiiibusgus xsr soeula inoromsutis Oultus D. Lluriuo VirZiins. Disguisitio bistorioo-IiturZioa. (II.) — Leistle, Dr. David (Dillingen): Wissenschaftliche und künstlerische Strebsamkeit im St. Magnusstifte zu Füssen. (VIII.) — Wittmann, Du Pins (München): Johannes Nibling, Prior in Ebrach (0. Oist.), und seine Werke. (III.) — Grillnberger, Dr. -Otto (Orä. Ölst. Wilhering): Kleinere Quellen und Forschungen zur Geschichte des Eist.-Ordens. (XI.) — Daniels, Augustin (O. 8. L. Maria-Laach): St. Thomas von Äguin als Lehrmeister derPhilosophie. — Bollenrücher,I. (Tarnen, Schweiz) -j- Leo Fischer, O. 8. L., Eine Blume aus dem Kloster- garten. (Ü.) — Neueste Benediktiner- und Cister- cienser-Literatnr. — Literarische Referate. — Literarische Notizen. — Ordensgeschichtliche Rundschau u. s. w. _ Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Pros. Dr. Fr. Umlauft. XIX. Jahrgang 1897. (Ä. Hartleben's Verlag in Wien, lährlich 12 Hefte, L 88 Pf.) Das 11. Heft des XIX. Jahrganges enthält u. a.: Die Bahn auf den Wiener Schneeberg. Von Friedriche Umlauft. (Mit 3 Illustrationen.) — Fortschritte der geographischen Forschungen und Reisen im Jahre 1896.' 2. Amerika. Von IM I. M. Jüttner. — Die Insel Kreta. Von Dr. Franz Ritter v. Le Monnier. — Das chilenische Magallanesterritorium mit Punta Arcnas und das Feuerland. Von I. Greger. — Mondphotographie. (Mit einer Tafel.) Leuchtende Nachtwolken. — Karten-- beilage: Mondphotographien. Novellenstranß von Clara Maria Thiele betitelt sich ein elegant ausgestattetes Werkchen, das soeben im Verlag der Fuldaer Aktrendruckerei-Fulda zum billigen Preise von 1,50 Mark erschienen ist. Es enthält sieben anmuthige Erzählungen, die, nach einem Handschreiben des hochw. Herrn Bischofs von Kulm. der „Erguß tief religiöser Gefühle eines in Gottesliebe erglühenden Herzens" sind. In einem weiteren der Verfasserin (einer in Weißensee bei Berlin thätigen katholischen Lehrerin) zugegangenen Handschreiben Sr. Eminenz des hochw. Herrn Kardinals Kopp finden sich die empfehlenden Worte: „Möge Ihre Arbeit in den Herzen der Jugend die Gesinnungen und Grundsätze fördern und befestigen, denen Sie in Ihren Erzählungen Ausdruck geliehen haben!" — Diesen: Wunsche schließen auch wir uns gerne an. Das hübsche, für Jung und Alt passende Geschenk» werkchen ist in reder Buchhandlung zu hahen. Rosenkranz-Büchlein, enthaltend Gebete und Andachtsübungen für alle Verehrer der hl. Rosenkranzkömgin. Münster i. W. Verlag der Alphonsus» Buchhandlung. Preis geb. 60 Pf. n. Der hl. Rosenkranz ist eine Ändachtsübung zur lieben Muttergottes. Unser Heiliger Vater Leo hat durch eigene Rundschreiben die Christen aufgefordert, doch eifrig den hl. Rosenkranz zu beten. Es wird deßhalb jedeni Katholiken angenehm sein, einiges über den hl. Rosenkranz zu hören, was er in diesem Büchlein, das noch sehr schöne Beicht-, Kommunion- und Meßgebete enthält, rv ausgezeichneter Weise fin det. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben von Dr. Ernst Commer, Professor an der Universität Breslau. XII. Bd. 1. Heft. Paderborn 1897, Schöningh. Inhalt: I. Zur neuesten philosophischen Literatur. (Forts.) Von Kanonikus Dr. Mich. Gloßner. H. Die „richtige Mitte" in der mittelalterlichen kontroverse über die unbefleckte Empfängnis). Beleuchtet von II Jos. a Leon. 0. L1. Oap. III. Kinder in Polizei- und Gerrchtsgefäng- nissen. (Schluß.) Von Dr. zur. Raym. Zastiera, Orch' Draoä. IV. Literarische Besprechungen. V. Zeitschriften» schau u. s. w. Berantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit.Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.