Zum hundertjährigen Todestage des Or.Benedikt Stattler. Ein Gcdenkblatt von Pros. vr. Silbernaal. . (Schluß.) Während des Druckes der erwähnten Schrift kam ihm der siebente Band der Reisebeschreibung des Buchhändlers Nikolai von Berlin in die Hand, worin die Protestanten gewarnt werden, sich von der jetzigen Toleranz der Jesuiten, wie eines Sailer oder Stattler, nicht täuschen zu lassen. Sogleich schrieb Stattler an denselben einen Nachtrag zu seinem wahren Jerusalem, in welchem er sagte, daß er den ganzen Inbegriff seiner hier weitläufig geäußerten Toleranz schon in seiner Demonstrativ oarliolioa ausgekramt habe. und im Z 78 seiner Dom tkooloZioi den Satz drucken ließ, daß auch gelehrte Protestanten unschuldig irren und folglich auch noch mit ihm in den Himmel kommen könnten. Schließlich bemerkt Stattler: Die Zerstreuung hat den Jesuiten sonder allem Zweifel mehr von Wcltkcnntniß beigebracht, hat sie mehr zum Selbstdcnken angeregt,' hat sie in näheren Umgang und Bekanntschaft mit manchen rechtschaffenen und liebenswürdigen protestantischen Gelehrten gebracht, und ganz gewiß würden die künftigen Jesuiten in vielen Stücken mäßiger denken und handeln, wenn sie wieder vereinigt würden, als es die vorigen gethan haben, während Nikolai meinte, daß sie im Sinne hätten, nach nnd nach Weltbeherrscher zu werden. Da die Kant'sche Philosophie bei vielen katholischen Gelehrten und Geistlichen Anklang fand, so verfaßte Stattler im Jahre 1788 einen Anti-Kant in drei Bänden, in welchen er alle Theile der Kant'schen Kritik der Vcr- nnnft der Ordnung nach widerlegt und zugleich einen kurzen Entwurf einer wirklich allgemeinen Metaphysik und eine Skizze seiner Logik gibt, nnd in einem Anhange zu diesem Werke, der auch als eigener Band erschien, beschäftigte sich Stattler mit einer Widerlegung der Kant'schen Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, weil dieselbe ebeiiso eine Umwnhlnng aller Gründe einer statthaften und kraftvollen Moral sei, wie dessen Kritik der Vernunft eine Zerstörung aller Logik, Metaphysik und Religion. Stattler legte hierauf seine Pfarrer nieder und begab sich nach München, wo er Mitglied des geistlichen Raths- und des Censnr-Colleginms mit einem Salär von 300 fl. wurde. Durch seinen Anti-Kant aber ward er in eine heftige literarische Fehde verwickelt. D. Matern Reuß, Professor der Logik, Metaphysik und praktischen Philosophie zu Würzbnrg, der die Hanpttheile des Systems von Kant's Kritik der Vernunft lateinisch unter dem Titel nDoZioa, umvorsalis et Lnal^kioa, kaoultsckis coZnosoonäi xurns" herausgab, warf dem Anti-Kant vor, daß er den großen Kant nicht verstehen könne. Stattler schrieb im Jahre 1791 gegen ihn einen kurzen Entwurf der unausstehlichen Ungereimtheiten der Kant'schen Philosophie sammt dem Seichtdenkcn so mancher gutmüthigen Hochschätzer derselben. In einer kleinen Schrift unter dem Titel „Der Anti-Kant im Kurzen" widerlegte Stattler die vom kgl. Hofprediger und Professor der Mathematik zu Königsberg, Johann Schulz, im ersten Theile seiner Prüfung vertheidigten entscheidenden Hauptsätze der Kant'schen Kritik der reinen Vernunft. Gegen zwei Schriften: 1) Abhandlung über die Unmöglichkeit eines Beweises vom Dasein Gottes aus bloßer Vernunft (Nürnberg 1791) und 2) Versuch, die harten Urtheile über die Kant'sche Philosophie zu mildern durch Darstellung des Grundrisses derselben mit Kant'scher Terminologie, ihrer Geschichte, der verfänglichen Einwendungen, dagegen sammt ihren Auflösungen und vornehmsten Lehrsätze derselben ohne Kant's Schnlsprache von Joseph Weber, Professor der Philosophie an der Universität zu Dillingen, schrieb Stattler zur Widerlegung: Meine noch immer feste Ueberzeugung von dem vollen Ungrunde der Kant'schen Philosophie nnd von dem aus ihrer Aufnahme in christliche Schulen unfehlbar entstehenden äußersten Schaden für Moral nnd Religion gegen zwei neue Vertheidiger ihrer Gründlichkeit und Unschuld. Stattler war ein unversöhnlicher Gegner der Kant'schen Philosophie. Er bewirkte als Ccnsurrath ein geheimes Verbot an die Buchhändler in München die Kant'schen Schriften zu verlegen und zu verkaufen und hielt sogar die Approbation der zweiten Auslage von Sailer's Vernunft-lehre für Menschen, wie sie sind, ein ganzes Jahr zurück, weil er darin Kant'sche Ideen witterte. Auch andere Themata, welche in der Literatur damals behandelt wurden, ließ Stattler nicht aus den Augen. So verfaßte er im Jahre 1791 einen Plan zn der allein möglichen Vereinigung im Glauben der Protestanten mit der katholischen Kirche und den Grenzen dieser Möglichkeit, worin er unverhohlen die in der katholischen Kirche bestehenden Mängel aufdeckt nnd sich insbesondere mit dem Benediktiner-Pater Beda Mayr zu hl. Kreuz in Donanwörth beschäftigt, welcher in seinem dritten Theile der Vertheidigung der natürlichen, christlichen nnd katholischen Religion einen neuen Vorschlag zur Vereinigung der Protestanten mit der katholischen Kirche gemacht hatte. Hier spricht sich Stattler bezüglich des Cölibates gegen ?. Beda dahin aus, daß es in der katholischen Kirche nie zur Aufhebung des Cölibates, sondern viel eher dazu kommen werde, den ganzen Seelsorgsklerns in einen regulären Körper wieder zu versammeln und zur ganzen evangelischen Vollkommenheit zn verbinden, weil nur auf diese Weise für das Seelenheil genügend gesorgt werden könne. Denn nur zwei Orden billigt Stattler, einen der regulären mit der Seelsorge und Schule bcladencn Priester und einen für die religiösen Laien, welche die Handarbeit nach Gebrauch der ersten Mönche, zum Theil aber auch die deutschen Schulen sammt dein Kirchendicnste wieder ergreifen. Unauflösliche Gelübde sollen nirgends vor einem schon ziemlich reifen Alter abgelegt werden. Stattler wollte also die katholische Kirche ähnlich wie die Gesellschaft Jesu organisiren?) Im August 1792 übergab Stattler zwei vom bischöft lichen Ordinariate Eichstätt approbirte Vcrtheidignngs- schriften Wider die Angriffe, die seine Demonstrativ ca- tftolioa. erfahren hatte, dem Nuntius in München mit der Bitte, sie nach Rom zu schicken, wo im Jahre 1791 auch sein Gegner, der Benediktiner-Pater Wolfgang Ausführlich hierüber handelte er in einer von ihm anonym zu Ulm im Jahre 1791 herausgegebenen Schrift „Wahre und allein hinreichende Reformationsart des katholischen gesummten Priesterstandes nach der ursprünglichen Idee seines göttlichen Stifters von einem thätigen Freunde der reinen Wahrheit und des allgemeinen Besten." Frölich, angekommen war. Das gab nun Veranlassung, die Verhandlungen über die bereits von der Jndex-Con- gregation censurirte Dginvnstrntiv ontbolioa wieder aufzunehmen, zumal auch der Gönner Stattlers, Fürstbischof Naymund Anton von Strcffold, gestorben war. Im Februar 1793 wurde nun dem Stattlcr durch den Sekretär des apostolischen Nuntius mündlich mitgetheilt, daß seine Verurteilung zu Atom vorbereitet und vom Papste bestätigt sei, wenn er nicht durch Widerruf zuvorkommen wolle, worauf Stattlcr erwiderte, daß, solange zu Nom so verkehrt mit ihm verfahren würde, er nichts widerrufen werde. Der Sekretär entgcgncte, daß Stattlcr voni Nuntius werde gerufen werden, wenn derselbe vom Podagra genesen. Da aber mehrere Wochen vergingen, ohne daß eine Berufung stattfand, so begab sich Stattlcr selbst zum Nuntius und übergab dem Sekretär desselben ein offenes Schreiben an den Papst und eines an die Jndcx-Eoiigrcgcitiou. Im ersteren versprach er, sich mit innerer Zustimmung dem Urtheile des Papstes zu unterwerfen, wenn dieser irgend eine seiner Lehre entgegengesetzte Thesis zum Dogma erkläre, im andern beschwert er sich über die Art und Weise, wie mit ihm verfahren werde. Ende Dezember schickte der erste Minister des kurfürstlichen Hofes einen Abgesandten zu Stattlcr, der ihm bedeuten sollte, daß ihm zu Nom eine Verurtheilnng wegen mehrerer Häresien bevorstehe und die Sentenz baldigst pnblicirt werde, infolge dessen der Kurfürst genöthigt würde, ihn mit Infamie aus dem geistlichen Rathe und dem Ccnsnr-Colleginm zu entfernen, man möchte ihm darum rathen, um die Entlassung aus beiden Stellen zu bitten. Diesem Winke folgte Stattlcr sogleich, aber die römische Sentenz erwartete er fast drei Monate. Von diesem Vorfalle gab er auch dem jetzigen Bischöfe von Eichsiätt, Grafen Joseph von Stnbenberg, sowie seinem Ordinarius, dem Bischöfe von Freising, Nachricht. Der Erstere schrieb sofort an den apostolischen Nuntius, er möchte die Verkündigung des Urtheils über das von seinem Vorgänger apprvbirte Buch verschieben, bis eine neue Entscheidung von Rom gekommen wäre, und richtete einen langen Brief über diese Sache nach Nom. Auch der Bischof von Freising schickte eine von einem Schüler Stattlers verfaßte Apologie an den päpstlichen Stuhl. Stattlcr selbst richtete am 11. Jänner 1795 eine weitläufige Apologie an den Papst, worin er seine wissenschaftliche Thätigkeit besonders hervorhebt, sich auch gegen die Vorwürfe, welche ihm bezüglich einiger theologischen Lehren gemacht werden, vertheidigt und um die Gunst bittet, welche Papst Benedikt XIV. in der Bulle cita, no xroviäa," den Schriftstellern von Ruf gewährt hat. Am 18. März 1795 schickte Stattlcr eine ausführliche Erklärung über zwei Behauptungen, welche, wie er meinte, zunächst die römische Censur seines Buches hervorgerufen haben, an die Jndex-Congregation. Er schrieb nämlich dem Papste keine unmittelbare Jurisdiktion über die Untergebenen der Bischöfe zu und verlangte für die päpstlichen Gesetze, die bloß zum Nutzen und nicht zum Seelenheils abzielen, den Consens der Bischöfe. Diese beiden Behauptungen suchte er als mit dem Evangelium und der Tradition übereinstimmend darzulegen. Auf das Schreiben, welches der Bischof von Eichstätt am 1. April wegen der Publication des gegen Stattlcr erlassenen Dekretes an den Papst gerichtet hatte, antwortete dieser dem Bischöfe am 9. Mai 1795» daß das Dekret nicht eher veröffentlicht werden sollte, als bis, er das päpstliche Schreiben erhalten, woraus er das Verlangen des Papstes ersehe. Diesem Schreiben seien einige Blätter beigefügt, welche mehrere aus dem Buche „vs- inoiwtrntici cmtüolioa." ausgezogene Sätze enthalten, die Stattlcr einfach widerrufen solle. Was die andern der Prüfung unterstellten Werke des Verfassers, die loci tüsoloZioi, DüooloZia, cüristiana, tlisorstion und spistoln Mi-aenötioa, an Dr. Bahrdt betreffe, so sei dieselbe noch nicht beendigt, und wenn darin der gesunden Lehre widersprechende Sätze enthalten feien, so werden sie gleichfalls dem Bischöfe zugeschickt werden, damit sie Stattlcr widerrufe. Daraus möge der Bischof ersehen, in welcher Achtung er bei ihm stehe. Der Bischof theilte hierauf dem Stattlcr die beigelegten Sätze mit und dieser suchte nun in einer langen Erklärung vom 7. Juni dieselben zu vertheidigen und nahm nur weniges zurück. Stattlers Erklärungen schickte der Bischof am 11. Juli an den Papst, welchen sie nicht befriedigen konnten, und so schrieb Papst Pins VI. am 23. Jänner 1796 dem Bischof, daß, wenn Stattlcr nicht innerhalb drei Monate sein Buch ganz und absolut verwerfe,das Dekret pnblicirt werden solle. Der Bischof möge ja nicht fürchten, daß ihn oder seinen Vorgänger deßhalb ein Vorwurf treffe, da es hinlänglich bekannt sei, daß das, was hier verworfen werde, aus ihrer Duelle nicht geflossen. Dieses Schreiben des Papstes wurde dem Stattlcr voni Bischöfe am 21. Februar mitgetheilt und Stattlcr richtete am 25. März ein ausführliches Schreiben an den Papst, worin er sich besonders über die beiden Behauptungen, daß der Papst eine ordentliche unmittelbare Jnrisdiction über die den Bischöfen unterworfenen Gläubigen nicht ausüben könne, und daß die mit dem bischöflichen Amte verbundene Jnrisdiction die Bischöfe unmittelbar von Gott selber haben und nicht erst vom Papste erhalten, verbreitete. Und nun, sagt Stattlcr, soll er ein Werk, das in 2000 Exemplaren abgesetzt und zweimal schon in Compcndienforin von einem ausgezeichneten Theologen herausgegeben wurde, das von vielen Theologen, Professoren und Lektoren in den Schulen gebraucht werde, das von tüchtigen bischöflichen Censoren approbirt wurde, worin mit Ausnahme eines Franziskaners und Benediktiners andere deutsche Theologen nichts irrtümliches gefunden haben, einfach und absolut verwerfen/) Dazu konnte sich Sattler nicht entschließen. Schon am Schlüsse der beigelegten Sätze hieß es: Unzählbar beinahe sind die Sätze, welche in diesem Buche der Censur würdig sind. Das ganze Werk hinkt an jedem Fuße, so daß nacht nur einige Säge, sondern das ganze System des Widerrufes bedarf. Es ist merkwürdig, wie sich Stattlcr in den allerdings etwas gemäßigten Gallikanismns hineingearbeitet hatte. Seine Demonstrativ eatboliea sollte noch eine dritte Abtheilung erhalten, welche aber das Imprimatur nicht erhielt. Sie ist handschriftlich einem Eremplar der von Sailer in Compendiensorm 1777 herausgegebenen Demonstrativ svanAsIiea an der Münchner Universitätsbibliothek beigefügt. Diese Lootio III handelt: Ds ax- tissimo nexn sveistatis soelssiatieas ebristianas onm soeistats vivili st statu politiov. Stattlcr statuirt hier eine wesentliche Differenz zwischen der kirchlichen und weltlichen Gewalt, beschränkt die erstere nur auf das Spirituelle, und erklärt die weltliche Gewalt in ihrer Sphäre für ganz unabhängig von der kirchlichen. Er behauptet, durch kein Kirchengesetz kann der weltliche Fürst gehindert werden, das anzuordnen oder zu verbieten, was er für die Bürger seines Staates für heilsam oder schädlich hält. Da die Ehe auch eine staatliche Institution ist, so schreibt Stattlcr auch der weltlichen Gewalt das Recht 335 und so wurde das Dekret vom 10. Juli 1780 in das Jndexdekret vom 11. Jänner 1796, worin noch vier Werke von anderen Autoren verworfen wurden, aufgenommen, dasselbe am 29. April vom Papste bestätigt und am 23. Mai in Nom pnblicirt. Durch ein Dekret vom 10. Juli 1797 wurden dann die I^ool tkieologioi, die ItiooloZta, ehristinvo, ttmorstiou und die erwähnte Lxistokn xarasnotioa Stattlers und zugleich die authentischen Aktenstücke wegen dem zu Nom theils betriebenen, theils abzuwenden getrachtcten Verdammnngs- urtheil über das Stattler'sche Buch Oarnoimtrntio err- tüoltoa, die Stattler anonym 1796 im Drucke herausgab, auf den Index gesetzt. Einem weiteren Vorgehen gegen Stattler bezüglich der Unterwerfung unter die Entscheidungen der Jndexcongrcgation machte der bald darauf in Folge eines Schlagflnsses eingetretene Tod Stattlers ein Ende. Lippert — ein Anti-Jansscu. (Fortsetzung.) L. II. Eine merkwürdige Erklärung gibt Lippert S. 20 für das Erscheinen der Wiedertäufer, welche 1533 bis 1535 vereinzelt in der OLerpfalz sich zeigten: „Ihr Entstehen war bei der ganz verknöchert gewordenen römischen Kirche in falschem Subjektivismus zu suchen, sowie im Widerwillen gegen den verdorbenen Klerus." Männer, welche mitten in der religiösen Bewegung ihrer Zeit gestanden haben, wie Professor Fr. Naphylus, sind der Anschauung gewesen, die Wiedertäufer seien aus Luthers Lehre hervorgegangen; denn Luther hatte ja behauptet, es sei besser, daß man die Taufe an jungen Kindern unterlasse, denn daß man sie ohne ihren Glauben taufe. (Vcrgl. Näß, Die Konvertiten I, 355.) Wie konnte denn Luther aus der hl. Schrift allein die Kindertanfe und deren Nothwendigkeit erhärten? Er stützte sich hier auf die Tradition, die er sonst verwarf. Thomas Münzer hatte die Conseqncnz auf seiner Seite, wenn er nur Erwachsene taufte. Im Jahre 1538 baten die acht Bezirksstädte Am- bcrg, Ncnmarkt, Chain, Weiden, Nabbnrg, Nennbnrg, Anerbach und Kemnath den Kurfürsten Ludwig V., der selbst katholisch blieb, um Aufstellung lutherischer Prediger und der Fürst gab unter gewissen Verwahrungen seine Zustimmung. Der 8. Oktober 1538 wird von Lippert S. 23 als der Geburtstag der evangelischen Reformation der Obcrpfalz gefeiert, indem nach der Resignation des katholischen Pfarrers Joh. Mvdler Wolfgang Straßcr als erster evangelischer Pfarrer an der unteren Gemeinde in Amberg aufgestellt wurde. Doch in Amberg lebte auch noch der „streng katholisch gebliebene Franziskancrguardian Koch und der katholische Pfarrer Helbling, welcher seine Rechte gegenüber dem neuernngssüchtigen Rathe der Stadt vertheidigte, bis er 1553 starb. (Lippert S. 42.) Zu einer völlig evangelischen Kirchenordnnng konnten die Amberger und Obcrpfälzcr erst unter Ottheinrich übergehen. Dieser Fürst, nach Lippert S. 43 „der Liebling des Volkes", erließ am 16. April 1556 ein Mandat „zur Abstellung des Papstthums nach heiliger Schrift und Angsburger Confession und führte damit erst die volle Reformation in der Obcrpfalz ein". (Lippert S. 43.) Zur Charakterzeichnung Ottheinrichs sei nach den Annalen des Priors zu, trennende Ehehindernisse zu statuiren, wie er denn überhaupt bei dem Verhältnisse zwischen Kirche und Staat ganz dem GMkaner Fleury folgt. Kilicm Leib von Nebdorf bemerkt, daß er in Folge seiner Bauten und seiner Verschwendung (um nichts schlimmeres zn sagen) eine Schuldenlast von einer Million Gulden seinem Ländchen an der Donau aufgeladen hatte. Den Nürnbergern verpfändete er die Aemter Hilpoltstein, Heideck und Allersücrg, welche 1542 in die neuen Besitzungen lutherische Prediger schickten; den Augsbnrgern verkaufte er seine Geschütze; schließlich verschacherte er auf Anrathen seines Finanzministcrs Gabriel Arnold aus Rain seinen und seiner Unterthanen Glauben, um sich aus aufgehobenen Klöstern seiner Schulden zu erwehren. (Döllinger, Beiträge znr politischen, kirchlichen und Cultur- geschichte der letzten sechs Jahrhunderte II, 608, 609. Winter, Geschichte der Schicksale der evangelischen Lehre in und durch Bayern II, 107.) Wie angesichts des gewaltsamen Vorgehens Ott- heinrichs Lippert S. 60 sagen kann: „Der gediegenen Predigt allein hatte die Reformation den Siegcszng zn verdanken; sie hatte keine andere (?!) Gewalt als die der Ueberzeugung durch die Predigt" ist historisch unbegreiflich?) Warum sind denn die katholischen Pfarrer, wenn auch mit Pension, wie Lippert S. 44 angibt, abgeschafft worden? Warum sind die Klöster eingezogen worden? Uebrigcns dauerte Ottheinrichs Herrschaft in der Ober- pfalz nur bis zum Jahre 1559. Ihm folgte Friedrich III. (1559 — 1576), welcher katholisch erzogen worden war, auf Betreiben seiner Gemahlin Maria, einer Tochter des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Knlmbach znr lutherischen Lehre übergetreten war, bis sie schließlich beide 1557 den Calvinismus annahmen. Nicht ohne Interesse liest man bei Lippert S. 84 den Unterschied zwischen Calvinismus und Lnthcrthum. „Der Romane dringt mit unerbittlicher Dialektik in die Dinge ein, der Deutsche betrachtet sie mit Verstand, Gemüth und Gewissen. . . . Calvins „iimtitutionas" sind die logischste Dogmatik; der Heidelberger Katechismus ist ein Denk- werk, das die halbe protestantische Welt erobert... Mochte der Nhcinpfälzer, dem Romanen mehr nahe und verwandt, sich immerhin eine calvinische Reformation gefallen lassen, der Oberpfälzer, ein Gebirgsländer, sah in dem sinnigen Luther seinen Mann und blieb bis zum Untergänge der evangelischen Kirche der Oberpfalz bis in die Knochen lutherisch, wenn auch vier Kurfürsten an ihm leider Gottes ihren doktrinären Calvinismus versuchten." Friedrich III. handelte nach demselben Grundsätze, als er die Lehre Calvins einführte, den Ottheinrich befolgt hatte, als er den katholischen Gottesdienst abschaffte: Wessen das Land, dessen die Religion. Aber Lippert mißt beide nach einem verschiedenen Maßstabe: für Ott- heinrichs Vorgehen hat er kein Wort des Tadels, dagegen erscheint ihm Friedrich III. „als Fürst über dem beschränkten Untcrthancnverstand" (S. 85), „als Absott Vergl. die Angaben der Klosterfrauen von Bergen bei Neuburg, denen Ottheinrich durch den Hofprediger Adam Bartlme, Meister Matches Vetter, Dechant zn Neuburg, Christoph Arnold, obersten Secretari, solange zusetzen ließ, bis 25 es vorgezogen, ihr friedliches Heim zu verlassen, um Unterkunft in Mariastein zu suchen. Bei ihrem Abzüge gab man denen, welche 3—400 sl. eingebracht hatten, 30 oder 20 sl., etlicher: gar nichts, nur die Aebtissin Eupheinia Pirkheimer erhielt 1200 sl. (wob! wegen ihrer Beziehung zn Nürnberg) Past.-Äl. 1860. 125 ff. Den Klosterfrauen in Gnadenberg, welche ihres Gewissens halber das Kloster verlassen wollten, wurden nur 15 fl. und ihr Gerüche ausgeworfen: 30. April 1553 (Binder, Gesch. der bayer. Brigittenklöster S. 99). 336 Intist, der in Neligionssachcn allein zu befehlen hätte" (S. 87, 122) als „eigensinniger Fürst" (S. 116). „Im Jahre 1574 erfvlgte die längst verlangte Gcncralvisitation. Sie war aber weniger eine Kirchen- visitation als ein Mittel zur Einführung detz Calvinismus" (Lippcrt S. 115). Nur in Anibcrg, Nabbnrg und Weisscnohe gelangte die neue Kirchenorduung zur Einführung. In den Adelspfarreicn, 35 an der Zahl, dem Gebiete der Königin Dorothea und dem Gemcinschafts- gebiete Parkstcin konnte die Visitation nicht ausgeführt werden. Von den Adelspfarreien waren viele noch ganz katholisch. (Lippcrt S. 72.)^) Friedrich III. starb am 26. Oktober 1576, „ohne jemals die Herzen und die Freiheit seines oberpfälzischen Volkes verstanden zu haben". (S. 122.) Ihm folgte sein lutherisch gesinnter Sohn Ludwig VI. (1576—1583). „Unter ihm, sagt Lippcrt (S. 123), durfte die geängstete lutherische Volksseele wieder froh aufathmen; unter ihm war die schönste Periode der evangelischen Oberpfalz: — deutsch und lutherisch sein, war Ludwig VI. und seinen Oberpfälzern ein und dasselbe." Freilich nach Lippcrt war auch unter dem calvinischen Rcgimente „das Volk sammt seinen Pfarrern ,crzlntherisckst geblieben, es hielt Zwinglianismns und Calvinismus nur für eine Sek- tircrci und Ketzerei, von der man sich fern zu halten hätte." (S. 123.) Für den Historiker dürfte es doch sehr schwer zn bestimmen fein, in wie weit der Calvinismus Friedrichs III. bloß an der Oberfläche haftete. Ludwig VI. starb am 12. Oktober 1583; sein Nachfolger Casimir „durfte leider nur allzusehr nach dem Grundsätze handeln: cuiju3 rsgicg osns roligio. Trotzdem er, wie sein Vater, Friedrich III., die Gewissensfreiheit betonte, ward er ein Gewisseustyrann und ging rücksichtslos vor". (S. 142.) „Die Pfarrstellen wurden mit calvinischen oder möglichst abgeschwächt lutherischen Geistlichen hcsetzt, was aber durchaus nicht zur Folge hatte, daß das Volk auch nur irgendwie calvinisch geworden wäre." (S. 156.) Einen Beweis für diese Behauptung bringt Lippcrt nicht bei; das Volk mußte ja bei dem fortwährenden Wechsel jegliche positive Ueberzeugung verlieren; der Jndiffcrcntismns war Wohl die naturgemäße Folge solcher Gewisscnskucchtuug seitens der Fürsten. Auch unter Friedrich IV., welcher 1592 selbst- ständig die Regierung übernahm, dauerte die Besetzung der Stellen mit Calvinistcn fort; ein lutherisches Kirchen- rcgiment ward nicht gewährt, indem es Pflicht der Unterthanen sei, in der Religion der Obrigkeit zu folgen. (Lippcrt S. 174.) War dem Volke das lutherische Regiment genommen, sagt Lippcrt S. 185, so hielt es doch fest an der lutherischen Lehre; mit den ZZ 10 und 12 des Nenmarkter Landtagsabschiedcs von: 12. März 1598 ließ sich immer noch durchkommen, und machten faktisch viele Geistliche noch vor dem calvinischen Kirchcnrath ein lutherisches Examen, wenn auch mit Zurückhaltung betreffs der Ubiqnität. Wenn Lippcrt glaubt, hiemit für das Lnthcrthnm eine ruhmreiche Eroberung gemacht zu haben, so wollen D 1669 war,zn Salzburg den Bischöfen befohlen worden, jährlich die Diöccsen zn visitiren; 1573 mußte der Bischof von Regensbnrg constatiren, daß noch keine einzige Visitation gehalten worden fei. So gibt Lippcrt S. 66 an; S. 224 Anm. 3 berichtet er jedoch, daß schon 1558 eine katholische Visitation im Regensburgischen vorgenommen worden sei. wir die Freude an den halb calvinischen, halb lutherischen Predigern nicht rauben. Friedrich V. war erst 14 Jahre alt, als sein Vater 1610 starb. Ueber die Vormundschaft stritten sich der „gut calvinische" Johann II. von Zweibrücken und der „streng lutherische" Philipp Ludwig von Neuburg. Der Streit vor den Gerichten zog sich bis über vier Jahre, bis über die Volljährigkeit Friedrichs V. hinaus, und di» gequälte Oberpfalz war „um ihre gut lutherische Hoffnung durch die miserable Rechtspflege jener Tage ärmer geworden." (Lippcrt S. 186.) Friedrich V. beließ das Neligionswesen im bisherigen Zustande. 1619 nahm er die Königskrone Böhmens an, am 8. November 1620 verlor er die Schlacht am weißen Berge bei Prag und damit alle seine Länder. Die Oberpfalz kan: an Bayern, welches von dem gas retorumuäi Gebrauch machend, die katholische Religion wieder herstellte. Daß somit die Oberpfalz 100 Jahre lang bis auf den letzten Mann evangelisch gewesen sei, hat Lippcrt nicht erwiesen. Die lutherische Kirchenorduung Ottheinrichs gelangte erst 1556 zur Einführung, konnte sich nur unter Ludwig VI. (1576 — 1583) ungehindert entfalten, indem Friedrich III. (1559 — 1576), Friedrich IV. und Friedrich V. dem Calvinismus huldigten und demselben auch in der Oberpfalz. amtliche Geltung verschafften. Unsere zweite Frage bewegt sich dahin: Hat Lippen „Janffens Geschichtslügen widerlegt"? Wohl zur Entschuldigung oder vielmehr zur Herabwürdigung des Frankfurter Historikers fügt Lippcrt in der Einleitung bei: „Janssen, welchen die Katholiken für den größten Geschichtsschreiber der Neuzeit halten — hat nicht einmal seine Schmähungen selbst aus den Quellen erforscht, er hat sie aus einer älteren Schmähschrift: „Geschichte der Reformation in der Oberpfalz, Augsburg 1847, von Dr. Wittmann" einfach und kritiklos abgeschrieben." Die Aufhebung des Klosters Waldsaffen gibt Lippcrt die erste Gelegenheit, eine Geschichtslüge Janffens zu entlarven. S. 45 lesen wir: „Trotzdem wagt es Janssen Bd. III, zmZ'. 39 feiner „Geschichte d. deutsch. Volkes" hier, rein aus der Luft gegriffen, die schmutzigste Ee- schichtslüge gegen die Reformatoren zu schlendern, die je geschlendert worden ist. Er sagt: . „Ottheinrich, welcher in seinem hastigen Eifer für Verbreitung und Festigung der neuen Lehre vor keiner Gewaltthat zurückbcbte, wenn die gewöhnlichen Mittel sich als unwirksam zeigten, und aller Verbindlichkeit gegen das Reich und dessen Oberhaupt sich für entäußert hielt, verbot den Gottesdienst, nahn: die Kircheuornate weg, bestellte lutherische Prädikantcn, und, um die Mönche zur Annahme der Nenlehre zn verleiten, wurden gemeine Weiber zu ihnen in die Zelle gesperrt." „Diese niederträchtige Verleumdung gegen den Stammvater des bayerischen Königshanscs hat der kgl. Sekretär des kgl. Neichsarchivs und außerordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Dr. Wittmann, in seiner „Geschichte der Reformation der Oberpfalz" (Augsburg 1847, Mg-. 20) dem kritiklosen Janssen zur gefälligen Verwendung rein vorgelogen." Also perorirt mit sichtlich patriotischer Entrüstung der königl. Pfarrer von Amberg gegen Wittmann und Janssen?) °) Das Eitat Lipperts: Janssen Bd. III, pag. 39 kann nach der mir vorliegenden 12. Anst. (Frcibnrg 1883) nicht 337 Aber wie der kinderlose Ottheinrich, wit welchem die ältere Kurlinie, von Ludwig III. begründet, 1559 erloschen ist, der „Stcmnnvciter des bayerischen Königshauses" genannt werden kann, ist für jeden besonnenen Historiker unbegreiflich. Ueber den „feinfühlenden" Ottheinrich wollen wir kein Wort verlieren; denn aus den Angaben Wittmanns kann nicht stringent erschlossen werden, daß auf direkten Befehl des Kurfürsten hin Weiber in die Zellen der Mönche gesperrt worden seien; die Aufhebungsconimissäre haben ja auch 1802 bei der Säcülarisation ihre Befugnisse oftmals überschritten. Lippert sucht auch den Nachweis zu liefern, wie Diese „Lüge" entstanden sei. In den amtlichen Anf- hebnngsprotokollen findet sich kein Anhaltspunkt zu diesem Borgange; in der Ordensgcschichte des P. Sartorins (Prag 1700) steht die allgemeine Bemerkung: aärnissi viri Isvainaegns proiniLons in reliZivsa elamstra.. Männer und Weiber wurden ohne Unterschied in die klösterliche Klausur zugelassen. Aehnlich heißt es im Snmmarium, aus welchem Sartorins geschöpft hat. Woher hat nun Wittmann seine Nachricht genommen? Hat er sie frei erfunden? Lippert gesteht selbst zu, „daß das Aktenmaterial oft zu lückenhaft sei für eine ausreichende Schilderung der kirchlichen Zustande". Daß Wittmann seine Auszüge aus Urkunden nicht mit genauer! Quellennachweisen und Fundorten versehen hat, ist sicherlich ein Mangel seiner Darstellung; allein daraus folgt noch nicht, daß er „rein gelogen" habe. In der „Politik Bayerns 1591 - 1607" II. Bd. S. 591 Anm. 1 bemerkt Felix Stiebe zum Ncligions- gcspräch von Ncgensbnrg 1601, daß er die von Wolf (Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit, München 1807 I. Bd. S. 440 ff.) benutzten Akten nicht gefunden habe; Schreiber dieser Zeilen dagegen erhielt vorn kgl. Reichs- arch.iv München die daselbst hinterlegten, von Wolf bemühten, von Stiebe nicht gefundenen Urkunden und Briese zur Durcharbeitung im Januar 1897 ausgehändigt. So ist es nicht ausgeschlossen, daß die von Wittmann seiner Zeit excerpirten Akten neuerdings wieder aufgefunden werden können; jedenfalls aber zieren weise Mäßigung und abwägende Ruhe einen Historiker bester als derartige Ergüsse eines Deklamators: „Woher kommen die Weiber, die gemeinen Weiber, die von der Regierung geschickten Weiber? Die Weiber, welche die Reformation befördern mußten?! °) Am Ende haben wir die Reformation noch dem Untcrrock zu verdanken!" (S. 47.) Die Aufhebung des Brigittenklosters Gnadcnbcrg im November 1556 haben nach Lippert S. 53 Wittmann und Jansscn (IV, 40) als Beispiel „unerhörter Härte" hingestellt. Bei Jansscn heißt es nach der 12. Auflage richtig sein; Bd. III, x. 39 bespricht Janssen den Reichstag zn Spcyer 1526; es muß heißen Bd. IV, xa§. 39, 12. Aufl. 1885. °) Hat Lippert vergessen, was er S. 19 „von der edlen Urgula in Dietsnrt gesagt? Warum haben die neu- gläubigen Fürsten so sehr auf Verheirathung ihrer Prediger gedrungen? Vielleicht bloß nur das Concubinat zn beseitigen? Vor allen Dingen, sagt uns Lippert S. 75, gab es nach der Einführung der Kirchenordnung von Ottheinrich „kein Concubinat mehr, sondern eine evangelische Ehe und ein gesegnetes evangelisches Pfarrhaus". Aber gerade durch diese „evangelische Ehe" waren auch die aus katholischer Zeit stammenden Geistlichen in die Unmöglichkeit verseht, ihre Verbindung mit dem Protestantismus zu lösen. Vgl. Past.-Bl. d. Bisth. Eichstätt 1868, 123 ff. „Auch gegen die oft hochbctagten Klosterfrauen begann ein erbarmungsloses Verfahren, zum Exempel in Gnaden- berg." Welches Recht hatte denn die Commission, gebildet aus dem Prädikanten Ketzmann, den Landrichtern von Sazenhofen und von Fcilitzsch, Gelübde zu lösen, die Meßfeier zu verbieten? Keine der Nonnen wollte das Kloster verlassen; „aber diese Rechtfcrtignngsschrift ist vielmehr ein Beweis ächter deutscher Treue in den alten Frauenherzen und wahrer Heimathsliebe, als ein Hängen arn Papstthum." (S. 55.) Lippert muß wirklich ein Gedankenleser sein! Janssen gibt an, daß der Beichtvater des Klosters, ein kranker Greis, sofort in harter Winterkälte dasselbe habe verlassen müssen. Lippert nennt das „schwindeln". Er selbst weiß zu berichten, daß der Beichtvater nach einigen Tagen, als die Commission abgereist war, 25. Nov. 1556, zweispännig mit Hab und Gut des Klosters frech davongefahren sei und sich nach Eichstätt begeben habe. Allein nach anderen Angaben ist ?. Hieronymns von Segen, das war der Name des Beichtvaters, bis 1560 noch in Gnadcnbcrg verblieben/) wenn auch der katholische Gottesdienst verboten war und der lutherische. Pfarrer Erasmns .Händel von Sindclbach den Klosterfrauen das lautere Wort Gottes verkündete. Für die Haltung der Anfhebungscommissäre spricht die Thatsache, daß der Prediger Ketzmann aus dem Sakra- mentshänschen zn Gnadenüerg die consecrirtcn Hostien entfernte, und sie dem lutherischen Pfarrer in Sindclbach zur Verwendung zustellte; die HI. Oelc wurden ebenfalls mitgenommen! (Schluß folgt.) Walther von der Vogelweide. (Fortsetzung.) st. Lobn. Zn dieser Zeit trat Walther von der Vogclweide auf den Plan und redete über das Geschick des Reiches in feinen Sprüchen, zuerst an den Höfen der Fürsten und von diesen aus zum deutschen Volke. Walther war ein Oestcrreichcr oder hat wenigstens lange und oft am österreichischen Hofe gelebt; Leopold, der Nachfolger Friedrichs des Katholischen, wurde im Jahre 1198 Allein- herr der österreichischen Lande und war ein treuer Anhänger der Stanfer. Das mag auch Walther beeinflußt haben, daß . er sofort als Partcimann für Philipp auftrat. Ohne Schwierigkeit erhielt Walther bei Philipp Zutritt und gütige Aufnahme, ja er wurde geradezu unter das Hofgesinde Philipps aufgenommen. Mit Trauer aber blickte unser Dichter auf Wien zurück, wo der heitere, sangessrohe und milde Herzog Friedrich dem harten und der Kunst wenig freundlich gesinnten Leopold den Platz räumte. Der Hof des Staufcnkaiscrs war ein ausgezeichneter Platz, um einen Ueberblick der Lage Deutschlands zn gewinnen. Zwei große politische Mächte mit weiten Jntcressenkreisen standen jetzt gegen einander: in Süddentschland das stanfische Königthum mit seinem durchaus aristokratischen Anhange, im Norden die Welsen, deren Hauptstütze die Stadt Köln mit ihrem großen cng- I Past.-Bl. d. BiZth. Eichstätt 1870, 210. G. Binder (Gesch. der bayer. Brigittcnklöstcr S. 98) schreibt: Nach zwei Jahren (1558) starb die ehrwürdige Äebtissm Ursula Breunin. Sie schließt würdig die Reihe der Aebtissinnen von Gnadenbcrg, denn ihre Nachfolgerin durfte sich nnr- mehr Verwalterin nennen. Es war. ein edles, reiches Kämpferleben. Hieronymns von Segen harrte als eifriger , Glaubenskämpser noch zwei Jahre ermunternd und stärkend I bei den Nonnen aus, bis er endlich vertrieben wurde. lischen Handel war. Ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und Trauer über die verworrenen Zustände des Reiches bemächtigte sich aller, und Walthcr verlieh dieser Stimmung trefflich Ausdruck in seinem berühmten Gedichte: Ich saß auf einem Steine und kreuzte Bein mit Beine, darauf der Ellenbogen stand: es schmiegte sich in eine Hand das Kinn und eine Wange. So sann ich tief und lange wohl über Welt und Leben nach, und kein Gedanke wurde wach, wie man drei Dinge würbe, doch keines nicht verdürbe. Ich meine Ehre und Gewinn, die sich befehden mit hartem Sinn, dann Gottes Gnade, im Vergleich zu ihnen Werthes überreich. Die wollt ich gern in einen: Schrein. Vergeblich, ach! Es kann nicht sein, daß je Gewinn und Gotteshnld und weltlich Ehre ohne Schuld im Herzen sich verbinden. Kein Pfad ist zu ergründen, der dahin führt. Im Hinterhalt Untreue lauert und Gewalt, verwundet Recht und Frieden. Und kranken die hienieden, stehn Ehre, Gut und Gottesscgen des Schuhes bar auf allen Wegen. In einem andern Gedichte wendet sich der Sänger an den „süßen jungen Mann", wie er Philipp in seinen Liedern nennt, selbst, indem er znm Deutschen Reiche spricht: „Die kleinen Fürsten verderben dein Glück; Herrn Philipp setz' die Krone auf, die andern weise du zurück!" Der Wunsch des Dichters ging nicht sofort in Erfüllung; dein: während der nächsten Jahre schwankte das Kriegsglück. Am schlimmsten war die Lage Philipps im Jahre 1203. Walther erkennt die Ursachen der Wendung zum Ueblen und theilt sie in drei Sprüchen dem Könige mit. Dem Sänger geht die Lage des Reiches zu Herzen, er klagt, es sehe so schlimm aus, als wenn das Ende der Welt schon vor der Thüre stünde. Walther sieht ganz klar, welche Macht besonders der staufischen Sache schadet, und er versäumt nicht, sie offen zu nennen; es war Papst Jnnocenz III., der im Januar 1198, erst 37 Jahre alt, den römischen Stuhl bestiegen hatte. Diesem gelang es, die beiden Thronbewerber zum Verzicht zu bewegen, worauf er die Entscheidung in die eigene Hand nahm und Otto anerkannte. Zugleich setzte er auch alle schon bewährten Mittel der kirchlichen Gewalt für die Sache der Welsen in Bewegung, wodurch sich die Erbitterung des Kampfes noch steigerte. In einer Art Vision sprach Walther, all das Unheil überschauend, voll tiefen Schmerzes: Mit meinen Augen sah ich klar, was aller Welt Geheimniß war, so daß ich merkt' an jedem Ort der Menschen Handeln und ihr Wort. . . Das war ein Noth ob aller Noth, Denn Leib und Seelen lagen todt. . . Mit dieser Strophe beginnt eine ganze Reihe von Dichtungen, welche alle Handlungen des Papstes und der Geistlichkeit mit grimmigem Höhne übergießen und mit eiserner Conseguenz den strengsten staufischen Standpunkt vertreten; Walthers feuriger Geist war eben ganz erfüllt von der großartigen Kaiseridee der Staufen und von: unbedingten Glauben an die Rcchtmäßigkeit seiner Fürsten. Bis znm Jahre 1204, in welchen: die große Wendung eintrat, die Philipp znm Herrn von Deutschland machte, I finden wir Walthers Verbindung mit dem König Philipp in seinen Sprüchen bezeugt. Walther war nun in die Dienste des Landgrafen Hermann von Thüringen getreten, aber nicht dauernd, er schweifte im Süden umher. Da ergriff ihn, während all der Wirrnisse, all des Schwankens der Geschicke, die Sehnsucht nach der theuren Heimath. In jener Zeit starb Ncinmar, des Herzogs Sänger, und Walther feiert in zwei tief empfundenen Sprüchen das Andenken des Meisters, vielleicht belebt von der stillen und nicht unbescheidenen Hoffnung, daß für ihn nun eine bessere Stätte in Wien sich werde finden lassen. „Ach, daß Weisheit, frohe Jugend, des Mannes Schönheit, seine Tugend, doch niemand erbt, wenn ihm der Leib erstirbt! Jetzt klagt wohl manch' erfahrener Mann, der den Verlust ermessen kann, welch' feine Kunst, Reinmar, mit dir verdirbt..." Aus der Zeit, in welcher Walther wieder nach Oesterreich zurückgekehrt ist, haben wir in den neuerdings aufgefundenen Rciserechnungen Wolfgers von Ellenbrechis- kirchen, Bischofs von Passnu, seit 1204 Patriarchen von Aguilcja, eine Urkunde, die sich 1874 im Stadtarchive zu Cividale fand. Nach derselben erhielt Walther von der Vogelweide, offenbar nach einen: Vortrage, im November 1203 fünf Solidi zur Anschaffung eines Pelz- kleides. Am Hofe zu Wien trat Walther zuerst als Gaben Heischender auf, die er denn auch in reichend Maße erhielt; denn er rühmt den Wiener Hof, den Reichthum, der bei den Festen dort sich ausbreitet: Silber wird geschenkt, als ob man es auf der Straße fände, Rosse, als wenn sie Lämmer wären. In diesen frohen Tagen war es wohl auch, wo Walther das herrliche Preislied auf Deutschland sang, das einen Höhepunkt seiner höfischen Kunst bezeichnet und mehr als ein anderes seiner Gedichte dazu beitrug, seinen Namen in allen Gauen des Reiches bekannt zu machen. Noch heute ergreifen uns die vollen Harmonien dieser Verse, begeistert uns die Vaterlandsliebe des Dichters und macht unser Herz höher schlagen. „Reich an Ländern ist die Erde, deren beste ich geschaut: doch vor ihnen ist das werthe Vaterland nur lieb und traut. Seht auf mich mit tiefstem Höhne kündet je des Athems Hauch, daß ich liebe fremden Brauch: Deutscher Zucht gebührt die Krone! Züchtig ist der deutsche Mann, deutsche Frau'n wie Engel rein, und wer anders sprechen kann, der muß wohl von Sinnen sein. Heilige Minne, hohes Streben und rief innerstes Gemüth nur aus deutscher Erde blüht: möcht' ich lauge auf ihr leben." Das ist der Meister des Deutschen Liedes, welcher sich losgemacht von Tradition und Kunstnbung, erfahren und von: Schicksal geprüft, gehoben von edelstem Stolze aus Deutschland, als dessen Bürger er sich fühlt. Geleiten wir unsern Walther nun an den Sängerhof des Landgrafen Hermann von Thüringen, nach Eisenach. Hier war die Wartburg ein Mittelpunkt für Kunst und Poesie. Und mochte auch unter den Schaaren von Fahrenden, welche die Freigebigkeit des Landgrafen ^ anzog, manch ein schlechter Mann und elender Gaukler sein, so befanden sich doch auch die besten Dichter dabei, 339 > welche Deutschland in jener Blüthczeit seiner Literatur besaß. Es gab in Thüringen selbst eine Gruppe adeliger Minnesänger, an deren Spitze Herr Hug von Salza und in ihrer Mitte der herrliche Heinrich von Morungcn stand. Am Hofe des Landgrafen vollendete Heinrich von Veldeke, der größte deutsche Dichter des Mittelalters, sein Werk, Wolfram von Eschenbach, trug die 16 Bücher feines Epos ,Parzival" vor, wie sie entstanden, Herbart von Fritzlar Gearbeitete für seinen Fürsten das „Lied von Troja", Mrecht von Halbcrstadt dichtete auf der Jcchabnrg Ovids Metamorphosen in deutsche Verse um, u. a. Wenn Walther auch das erstemal am Hofe von Thüringen nicht sofort nach feinem Werthe erkannt wurde — zu groß war der Zulauf fahrender Sänger —, so gelang es ihm einige Zeit später doch so gut, daß er sich schon „des milden Landgrafen Ingesinde" nennen darf, dessen Freigebigkeit stets gleich bleibe. Er schließt mit dem schönen Bilde: „Wer Heuer spendend prahlt, und wieder karg wird übsrs Jahr, dem grünt und dorrt sein Lob wie Somincrklee. Thüringens Blume leuchtet aus dem Wintcrschnee, sein Ruhm blüht fort und fort und jetzt wie da es jung noch war." Walther hat hier viele Anregungen erhalten, namentlich durch die gewaltige Persönlichkeit Wolframs, der ungefähr 1220 starb.' Wir finden die Einwirkung dieses großen Geistes in Walthers Bildern und Gleichnissen, in seinem Ernste, feiner gefestigten Sittlichkeit, aber auch in seinem Humor, in seiner volkstümlich heiteren Weise und Schalkhaftigkeit, nicht minder jedoch in seiner Humanität und in der stärker hervortretenden religiösen Gesinnung. Der große Dichter Wolfrain hingegen empfing von feinem österreichischen Sangesgenossen unmittelbare Frische und ausdauernde Jugendlichkeit als Ansporn zur Fortsetzung und Vollendung seines unsterblichen Werkes. Unterdessen war in der politischen Lage eine plötzliche Aenderung eingetreten. Ein finsteres Geschick traf das Haus der Staufen und warf es von dem erreichten Ziele zurück, stürzte das Reich in Verwirrung; an: 21. Juni 1208 wurde Philipp in der Pfalz zu Bamberg durch Otto von Wittelsbach ermordet. DaS ganze deutsche Volk, ja die Welt schüttelte ein Entsetzen ob der ungeheuren Frevelthat. Wie Walther das Furchtbare aufgenommen, wie er sich davon ergriffen fühlte, wissen wir nicht, denn sein diesbezügliches Gedicht ist, wie so manches andere von ihm, nicht aus uns gekommen. Während allüberall im Reiche Klagen erschollen über den plötzlichen Tod des Königs Philipp, stieg der Stern der Welsen rasch wieder empor. Da er der einzige Thronbewerber und schon gekrönt war, die Gunst des Papstes sich ihm wieder zuneigte, so wandten alle Fürsten sich dem noch kurz vorher gedcmüthigtcn Otto zu, der dieser Gunst der Umstände die unbestrittene Gewalt als deutscher König und bald die Kaiserkrone (1209) verdankte. Nicht lauge jedoch dauerte das friedliche Verhältniß. Otto hielt sein dem Papste durch die feierlichsten Eide bekräftigtes Versprechen bezüglich der Gebiete Mittelitaliens nicht. Verblendet von der Idee der Weltherrschaft und beeinflußt von der Tradition feiner Stellung brach Otto 1210 in Unteritalien ein, worauf Junocenz am 18. November den Bann über ihn aussprach und die deutschen Fürsten zum Abfall von ihm reizte. Eine Fürstcnvcrsammlung zu Nürnberg beschloß im September 1211 die Erhebung Friedrichs von Sicilicn zum deutschen Könige. Otto's Rückkehr brachte die Aufrührer zunächst rasch wieder zur Unterwerfung; aber als Friedrich, der an ihn ergangenen Aufforderung folgend, im September 1212 in Deutschland erschien, fiel ihm rasch ein großer Theil der Fürsten zu. Am 5. 'Dezember wurde er zu Frankfurt gewählt und am 9. Dezember zu Mainz gekrönt. Der Krieg entbrannte von neuem und währte zwei Jahre; Otto's Glück jedoch nahm stätig ab, und am 27. Juli 1214 war mit der großen Niederlage Otto's IV. gegen Philipp August von Frankreich bei Bouviucs die deutsche Krone für ihn verloren, für Friedrich gesichert. Walther vertritt in dem Kampfe der beiden Parteien energisch die Sache des Kaisers gegen den Papst. In seiner Erregung schlenderte er seine kecksten Sprüche gegen den Papst. Zwar macht er zuvörderst die Gesinnung der Fürsten verantwortlich in dem trefflichen Spruch: „Von Frankreichs Seine bis hin nach Steicrmark zur Mnr, vom Po zur Travc kenn' ich aller Menschen Spur; die meisten kümmcrts' nicht, wie ihnen zukommt ihr Gewinn. Thät ich wie sie, dann lebe wohl, geh' schlafen Edelsinn! Geld war willkommen stets, jedoch es ging die Ehr' dein Gelde doch voran; jetzt ist das Geld so hehr, daß es selbst zu den Frauen vor der Ehre geht und mit den Fürsten bei Königen sich beräth. Wie schlecht das römische Reich um Geldes willen steht! Du bist nicht gut, o Geld, an Schande hängst du dich zu sehr!" Dann aber sondert Walther den Papst von den übrigen Herrschaften der Welt aus und greift ihn für sich an mit einem solch tödlichen Haß, so intensiver Glnth und geharnischter Entrüstung, daß dadurch alles frühere weit überboten wurde. Es gehört wohl zu dem Stärksten, was im Kampfe zwischen Kirche und Staat je gesagt wurde, wenn Walther den Papst wegen des Wechsels in seinen Ansichten über Otto mit Namen benennt, wie sie in L. 33, 11 vorkommen. Nicht bloß dieses; gegen den ganzen Klerus richtet der Sänger seine scharfen Anklagen. Am bekanntesten sind die zwei Sprüche Walthers, in denen er dem großen Papst vorwirft, er vertuende die Almosen, welche zu dem von ihm im Jahre 1213 ausgeschriebenen Krcuzzugc beigesteuert wurden, für sich. — In all diesen Strophen weiß Walther die Menschen bei ihren schwächsten Seiten zu fassen, und eben darum wirkten die Sprüche so einschneidend. Man hat ja ganz richtig gesagt: Walther übertreibt ins Ungcmessene, er mußte die guten Absichten des Papstes kennen, mußte wissen, wie Junocenz sich bemüht hatte, die zweckmäßige Verwendung der gesammelten Gelder zu sichern, er verführt also mit Bewußtsein ungerecht. Aber man muß eben bedenken, daß Walther Politiker und Partcimaun ist. Walther war hier so ungerecht, wie später Martin Luther. Auch dieser hat im Dienste seiner Sache den Fehler gemacht, die Sache des Gegners als durchaus schlecht zu betrachten. Aus der Einseitigkeit entspringt die Leidenschaft, und wem die Leidenschaft recht ist, der sollte die Einseitigkeit nicht tadeln. Viele mißbilligten das Vorgehen des Dichters durchaus und beklagten es tief, daß er Tausende bcthört und dem Papste Unrecht gethan habe. In unserer Zeit werden diese Sprüche Walthers, namentlich vom modernen Liberalismus, oft genug als klassische Zeugen für Meinungen angerufen, mit denen er nie etwas zu schaffen hatte. Begreiflicherweise kümmert sich ein moderner Parteimann nicht um die geschichtlichen Bedingungen jener alten Kämpfe zwischen Kaiser und Papst; er müßte ja sonst einsehen, daß die alten und die neuen Proportionen dieser Mächte sich aus Verhältnissen ganz verschiedener und unter sich unvergleichbarer Art zusammensetzen. Auch Walthers Sprüche dürfen nicht als Beweis dafür an- 340 geführt werden, er sei kein nberzengnngstreuer Christ, das heißt Katholik, gewesen. In jenen Jahrzehnten ist es von den Deutschen kaun: als Sünde betrachtet worden, den weltlichen, auf das Regiment der Staaten bezüglichen Maßregeln des Papstes zn widerstehen. Wäre es Sünde gewesen, dann hätte sich fast jeder der damaligen Fürsten und Bischöfe, überhaupt der Herren, welche an politischen Dingen betheiligt waren, mindestens in: Leben einmal derselben schuldig gemacht. Sehr selten war es, daß ein Kirchcnfürst sein Gewissen z. B. durch Aufnahme des gebannten Königs beschwert fühlte. Weiche Gemüther, wie der Bischof Gardolf von Halbcrstadt, mußten freilich unter dem Zwiespalt ihrer Pflichten gegen .Kaiser und Papst unsäglich leiden. (Fortsetzung folgt.) Recensionen nnd Notizen. Los. Raph. Kröll, Kreuzdorn und Siousroseu. Kanzelreden für die Fastenzeit. 666 SS. M. 5. Kempten, Kofel. O „Lasst» Lomim blostrt Issu Obristist — sseunäum savots, Lvanxslia, das ist wiederum: das nie zu erschöpfende große Thema all dieser 60 Fastenpredigten. Auch dieser Band enthält viel mehr, als sein TitA eigentlich verspricht. Welch herrliche Fasteneyklen lanen sich daraus eutnehmcu: Der schmerzhafte Rosenkranz; im nächsten Jahr etwa: Die sieben Worte; im dritten: Die bekannten Typen (Judas, Petrus, Pilatns, Herodes, Maria, Jesus). Druck und Correctur sind, wie wir dies bei Kroll gewohnt sind, tadellos: höchst selten ist ein Schreib- oder Druckfehler stehe:: geblieben. Aber, wie gesagt: Viel mehr liegt hier Predigt-Material fürs ganze Kirchenjahr, als der T:tel verspricht, so findet sich eine herrliche Vaterunser- Auslegung, eine Herz-Jesu-Predigt, sodann eine durch prachtvolle Originalität ausgezeichnete Erstcommnnion- rede auf den Weißen Sonntag (Nr. 49): „Liebe Kinder! Ihr seid Schwabenkinder, Württembergerkinder! Also: Furchtlos und treu erscheinet heut' vor eurem Heiland: 1) dankend! 2) bekennend! 3) gelobend! 4) betend!" Darum muß ich den Wunsch wiederholen: Möge der reiche Stoff bald in einen: Separathcftlein auf die Sonn- und Festtage vertheilt und in einem alphabethischen Register leicht zugänglich gemacht werden? Wie hat der h L. Pins Gams O. 8. 8. einmal gesagt? „Ein alphabetischer Index ist die Noblesse des Autors gegen seine Leser." Er hatte recht. In unsern: Fall können wir noch beifügen: „und erst der Schlüssel zur vollen Werthschätzung und Hebung des gediegenen homiletischen Goldes, das in den Schachten der Kröll'schen Predigtbände liegt." LsssivaL., Oarminum libri novsm. 6", pp. VIII-st 320. Lridurxi Hslv., Iz'poxr. catb. 1894. Lr. 6,00. Llaxnitieus die tomus s tz-poxrapbis, splsuäiäs sxornatus posmats, contivst latinn ob sximiam ao psr- politam äiesnäi artsw sninmis bincubns äixva. lAitorsm zamäuckum ooxvoseiwus vatsn: l^uminis aKatn ivsiKni- tum, posssos xsvio kautuw; saopius in osrtawins soeis- tatis latinss chmstsloäamsnsi palwain mann vietriei äs- xortavit. bluno guas supsrioridus anvis ab illo ssorsam säita sunt earmina, saäsm in uvnm volumsv eollsots, st aoonratiors lima smsnäata antor proponit Isetori sls- xantia, suavitats, vi a« moliitis linAnas latinas tanta virtuts traotatas xaviso. Vsl olassieis, ut üienntnr, soriptoribus tali» posmata von ssssnt äsäseori; ntlnam maxis äivulxarsntur, Isxsrsntur, asstimarsntur. D.rsn- msuta oarminum äs variis rsbus äisssrnnt, ut titnli äs- monsteant: Lidzäla, 7näas lllaobabasus. 8usanna, Lstbsr, 7uäitbu, Lobiss zunioris psrsxrinatio, LIisrisr aä tXdra- Imm sxistola, Urania, Oilia, Llusa, Via ksrrata, tlkrieaua ssrvitus, 8atiras aä.juvsnsm, in mnllsrss swaneipatas, Luliess ste. Opus oonolnäit oäa aä snmmnm pontiüosm, gni st ipss spistolav: soripsit aä autorsm toini paxivis praoviam. Omnibus latinas livxuas amatoribus — raris natantibus — volumsn enixs eommsnäamus. Baläü st Larbisvii tomporibus sruäitionsm sanam av soliäam Maxis oolsntibus Iksssivas oarmina ubigus kuisssnt lsotas st lauäatas; nune paueos invsniunt gui xrato animo st apprstations, gua xar sst, lsxant. blorum numsrus ut »äauxsrstur, basees soripsimus. Heft 16 des Dcutschen Hauss chatzes beginnt eine außerordentlich spannende Novelle: Z:v:fchen Ja und Nein von F. v. Lindenburg. Der historische Roman von Flodatto: Durchgerungen, der, wie wir hören, mit so großem Beifall aufgenommen wird, eilt seinem Höhepunkte zu. Von demselben talentvollen Verfasser bringt das Heft die prächtige militärische Humoreske Richtige Wege. Von den belehrenden Artikeln darf die Plauderei über militärische Titel von Dr.H. Graevell besondere Beachtung beanspruchen. Professor Dr. B. Schäfer, bekanntluh einer der besten Kenner des hl. Landes, schildert Palästinas Thierwelt einst und jetzt und liefert so ein wertlwolles kulturhistorisches Material. Präses I. B. Mehler entwirft ein inhaltreiches Charakterbild des fel. Petrus Canisius, dessen Gedenktag allmählich heranrückt. Den zahlreichen Freunden von Karl May dürfte eine neue Composition des Ave Maria! von I. Schildknecht besondere Freude machen. Daneben laufen wiederum zahlreiche kleine Notizen, die für jeden Leser etwas Interessantes bringen. An künstlerisch hochstehenden Illustrationen ist dieses Heft besonders reich. Stimmen aus Maria-Laach. .Katholische Blätter. Jahrgang 1897. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände ä M. 5.40). Freibnrg i. Br., Herder'sche Verlagshandlung. -- Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 6. Heftes: Flavius Joscpbus über Jesus Christus. I. (C. Ä. Knellex 8. .7.) - Der Buddhismus und die vergleichende Religionswissenschaft. I. (I. Dahlmann 8. .7.) — Triumph der Kälte. (L. Dressel 8. .7.) — Concurrenz im Welthandel. (I. Schwarz 8. ,7.) — Friedrich Wasmann, Künstler und Convertit. 1- (O. Pfülf 8. .7.) Recensionen: Obauvin, 7,'Ivsxiration äss äivinss Leriturss (I. Knabenbauer 8. 7.): Eisenhoser, Procopius von Gaza (I. Stiglmayr 8.7.); Kappen, Clenwns August, Erzbischof von Köln (O. Pfülf 8.7.); Geikie-Harper-Walter, Bildergrüße aus dein hl. Lande (L. Fonk 8. 7.); Happe, Stimmungen nnd Gestalten (W. streiten 8. 7,). —- Empfehlenswertste Schriften. — Miscellen: Kritisches über die Hirtenbriefe des hl. Paulus; Die künftige Hauptstadt Brasiliens. Litterarischer Handweiser, begründet, herausgegeben nnd redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 18 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für M. 3 pr. Jahr. 1897. Nr. 4 u. 5. Die Geschichte der altchristlichen Kunst von F. . 4 . Kraus (Ehrhard). — Weitere, kritische Referate über Marty Was ist Philosophie (Stölzle), Kurth Sainte Elotilde und Hatzfeld St. Augustin (Zimmermann), V/allsbaw Ivtroäuotion to tbs bistorz- ok tbs Oburob ok Dnxlauä (Bellesheini), Gaduel Exercitienbüchlein für Priester und Bernard Handbüchlein für Priester in Sachen des III. Ordens (Deppe), Ecker Theophila, Freund Früchte des Geistes, Chambaud-Cstarrier Eu- charistische Betrachtungen, Schieler Bedenk es wohl, Ott Die heiligen Nothhelfer, Scheer Rosenkranzbüchlein und Kaulen Ewige Anbetung (Deppe), Wildermann Jahrbuch der Naturwissenschaften für 1896/97 (Plaßmann), Wacker Deutsches Lesebuch f. kath. höhere Mädchenschulen (E. Brockmann). — 12 Notizen über verschiedene Nova (Hülskamp). — Lections- katalog der Universität zu Frei bürg (Schweiz) für das Wintersemester 1897/98. — Novit äten - Verzeichnis. Verantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L CNbherr in Augsburg.