Die Aussprüche Jesu von Behnesa. Im vergangenen Winter nahncen die Engländer Grenfell und Hunt im Auftrage des Egypt Exploration Fund bei dem Dörfchen Behnesa, das am Rande der libyschen Wüste auf den Ruinen des alten Oxyrhynchus, der Hauptstadt des 19. NomoL des alten Aegypten, liegt, Ausgrabungen in größerm Stile vor. Die Ausbeute übertraf alle Erwartungen. Man fand 150 meist com- plete Papyrusrollen und 280 Kistchcn Papyrus-Fragmente. Die erster» gingen in das Eigenthum der ägyptischen Regierung über. Sie sollen durch den Egypt Exploration Fund publieirt werden. Die letztem sind nach England gebracht. Ueber sie werden schon jetzt einige interessante Einzelheiten bekannt. Die betreffenden Handschriften sind, mit geringen koptischen, lateinischen und arabischen Ausnahmen, griechisch geschrieben und entstammen der Zeit vom 1. bis 8. oder 9. nachchristlichen Jahrhundert. Es befinden sich darunter Fragmente des Evangeliums nach Matthäus aus einer Handschrift des 3. Jahrhunderts, und vor allem ein Blatt aus einer Sammlung von Aussprüchen Jesu, welches noch mehr als jene das Interesse der Theologen wecken wird. Aus dem Gebiete der klassischen Literatur finden sich Theile uralter Handschriften des Homer und Aristophanes, des Thukydides und Demosthenes, wahrscheinlich auch der Sappho. Historisch von Bedeutung ist ein Theil eines chronologischen Werkes, die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. G. enthaltend. Als erste Veröffentlichung aus dem Funde liegt seit einigen Tagen das erwähnte Fragment einer Sammlung von Aussprüchen Jesu vor. (LoZis, lleau, ok Our 4>orci, äiseovoroä anä eäitsä bzc L. k. Orankell anä tl. 8. Hunt, I-onäon 1897.) Das Fragment bildete ein Blatt eines Buches im Format von fünf zu drei Zoll. Es trägt die Zahl elf in griechischen Buchstaben. Nach der Darlegung der Herausgeber wurde es wahrscheinlich um das Jahr 200, sicher aber zwischen 150 und 300 n. Chr. Geburt geschrieben. Da das Blatt gelitten hat, ist nur ein Theil des Inhaltes lesbar, nämlich sechs von acht Aussprüchen, zwei allerdings auch nur zum Theil. Der kurze Text lautet in wörtlicher Uebersetzung aus dem Griechischen: „.... 1. und dann magst du sehen, den Splitter in dem Auge deines Bruders herauszuziehen. 2. Jesus sagt: Wenn ihr der Welt nicht entsaget (wörtlich ,fastest), so werdet ihr das Reich Gottes nicht finden; und wenn ihr den Sabbat nicht haltet, so werdet ihr den Vater nicht sehen. 3. Jesus sagt: Ich stand mitten in der Welt und erschien ihnen im Fleische, aber ich fand alle trunken und fand keinen, der dürstete, unter ihnen, und meine Seele ist betrübt über die Menschenkinder, weil sie blind sind in ihrem Herzen.... 5. Jesus sagt: Wo immer.... einer allein ist, bin ich bei ihm. Hebe einen Stein auf, so wirst du mich finden, spalte einen Baum, so bin ich da. 6. Jesus sagt: Kein Prophet ist angenehm in seiner Vaterstadt, und kein Arzt vollbringt Heilungen bei denen, die ihn kennen. 7. Jesus sagt: Eine Stadt, die auf der Spitze eines hohen Berges erbaut und gegründet ist, kann weder fallen noch verborgen bleiben." Das vierte und das achte Logion sind nicht mehr lesbar. Der erste dieser Aussprache stimmt genau mit Luc. 8, 42; der 6. in seiner ersten Hälfte mit Luc. 4, 24, während die zweite Hälfte neu ist; der siebente, dem Inhalte nach, mit Matth. 5, 14. Ganz neu sind dagegen der zweite, dritte und fünfte Ausspruch. Auch unter den seither bekannten nichtcanonischen Herren-Worten finden sie sich nicht. Unser Fragment wird sicherlich sogleich der Gegenstand eingehender Detailforschnng werden. Diese wird es hoffentlich klar stellen, ob wir es in dem Werke, dem daS Fragment entstammt, mit einer auf Grund der canon- ischcn Evangelien und anderer verloren gegangener Quelle» unternommenen Sammlung von Aussprüchen Christi aus der Urzeit des Christenthums zu thun haben, oder mit einer selbstständigen Schrift. (Köln, Volksztg.) Cardinal Otto Trmhscß von Waldbnrg, Bischof von Augsburg (1543—1573). Von Dr. Thomas Specht. (Schluß.) Die Reformation in seiner Diöcese oder, wie wüt vielleicht besser sagen, die katholische Restauration wurde von Otto mit allem Eifer betrieben. Es ist nicht mit Unrecht gesagt worden, daß Otto für die Diöcese Augsburg war, was Karl Borromäns für Mailand gewesen. Als er das bischöfliche Amt antrat, fand er die Diöcese in einem traurigen Zustande. In Augsburg und in einem guten Theile des weiten Sprengels war die neue Lehre eingedrungen und hatte bereits festen Fuß gefaßt. Viele Gemeinden waren ihrer Kirchen und ihres Vermögens beraubt, die kirchliche Disciplin erschlafft, der Klerus zum Theil vertrieben, zum Theil abgefallen, und dem noch vorhandenen Klerus fehlte es vielfach an dem nöthigen Wissen und der standesgemäßen Tugend und Frömmigkeit. Auch in den Klöstern war die Zucht gesunken. Daß es unter solchen Verhältnissen im Volke und in den höheren Ständen auch nicht gut aussah, läßt sich denken. Die Mittel, deren sich Otto zur Erhaltung und bezw. Wiedereinführung des katholischen Glaubens und zur Verbesserung der Kirchenzncht bediente, waren Visitationen, die Abhaltung von Synoden, die Durchführung der Re- formdekrete des Concils von Trient, die Heranbildung eines tüchtigen Klerus u. a. m. Die Visitationen hatten den Zweck, über den Zustand der Diöcese in religiöser und sittlicher Beziehung Kenntniß zu erlangen und die Beseitigung der entdeckten Mißstände entweder sofort zu bewerkstelligen oder doch vorzubereiten. Die erste Synode hielt Otto noch in dem Jahre ab, in welchem er Bischof wurde, woraus hervorgeht, mit welchem Eifer er in der That das Reformationswerk betrieb. Er versammelte sich 1543 mit seinem Klerus zu Dillingen. Es wurden dabei vornehmlich die Statuten früherer Synoden erneuert, aber auch einige andere, den Zeitumständen entsprechende erlassen. Zum zweiten Male versammelte Otto seine Diöcesan- geistltchkeit um sich im Jahre 1548, wiederum zu Dillingen. Es erschienen Acbte, Pröpste, Decane und Kämmerer in großer Zahl. Am ersten Tage der Synode zogen die Mitglieder um 7 Uhr in feierlicher Procession in die Pfarrkirche, wo der Cardinal selbst die Messe äs Lpiritu sanoto celebrirte. Hierauf begab man sich ins Schloß, in dessen oberen Saale die Berathungen ge« 374 'pflogen wurden. Es wurden heilsame Bestimmungen getroffen in Betreff des Welt- und Ordensklerus, der Spendung der Sakramente u. s. w. Eine Commission nahm auch die Beschwerden der Geistlichen und Laien entgegen. Otto, der fromme und demüthige Bischof, forderte, es solle ein Ausschuß von Shnodalzeugen seine eigenen Sitten prüfen und ihm im Namen der Synode heilsame Ermahnungen geben. Darauf wurde ihm geantwortet, man habe keinen weiteren Wunsch, als daß er die aufgestellten Statuten streng gewissenhaft durchführe und gleichsam als lebendiges Gesetz (vvlut lex aiürnnta) allen ein gutes Beispiel gebe (Braun B. 3 S. 403). Eine dritte Synode fand statt 1567, gleichfalls in Dillingen. „Der Zweck derselben war, nach den Dekreten des Concils von Tricnt den Klerus und das Volk zu resormiren, die Mangel und Mißbrauche zu heben, und was zur Erhaltung und Belebung des Glaubens und der Sitten dienlich wäre, zu verordnen" (Braun S. 469, 470). Wie in seiner Diöcese, so suchte Otto auch in seinem Stifte Ellwangen die Reform im Geiste und nach den Vorschriften der Kirche durchzuführen. Uebrigens vergaß Otto bei seinem Rcformations- werke sich selbst keineswegs. Wir haben bereits gesehen, welche Forderung er an die Synode von 1548 hinsichtlich seiner Person stellte. Ich führe noch Folgendes an. Die geistlichen Uebungen des hl. Jgnatins, die als ein vorzügliches Mittel zur Förderung eines wahrhaft geistlichen Lebens anzusehen sind, empfahl er nicht bloß anderen, sondern machte sie als einer der ersten deutschen Prälaten auch selbst mit, das eine Mal 1542 bei dem seligen k. Faber, ein anderes Mal unter dem k. Le Iah, und zwar im Kloster zu Ottobenren (Hist. Jahrb. B. 7 S. 388, 389). Die Reform des sittlichen Lebens suchte Otto auch in den höheren Ständen der Gesellschaft durchzuführen. Besonders war er bestrebt, dem Laster der Trunkenheit entgegen zu wirken, welches im 16. Jahrhundert gerade unter dem Adel, vorn untersten bis zum obersten, auch an den fürstlichen Höfen weit verbreitet war und vielen einen frühzeitigen Tod brachte. Um diesem Laster und seinen schlimmen Folgen zu steuern, errichtete er zwei Jahre nach seiner bischöflichen Erhebung, 1545, mit 42 Grafen und Freiherren zur Abschaffung des üblen Zu- trinkens eine Verbindung unter dem Titel „Johannesgesellschaft", deren Mitglieder als Abzeichen ein silbernes St. Johannesbild trugen. Wer die Statuten übertrat, mußte sich selbst anzeigen und das Bild zurückstellen. Der Erfolg scheint ein guter gewesen zu sein. Wenigstens dankt Abt Gerwick von Weingarten dem Cardinal für die Aufnahme in die Gesellschaft mit dem Bemerken, hätte die Einrichtung schon vor 30 Jahren bestanden, so würde es jetzt mit seinem armen Kopf und Magen besser stehen, denn es leider wirklich steht (Hist. Jahrb. B. 7 S. 192). Als ein geeignetes Mittel zur Verbesserung des kirchlichen Lebens betrachtete Otto die Einführung des Ordens der Gesellschaft Jesu, deren Seeleneifer nild Reinheit er in Rom keimen gelernt hatte. Es gelang ihm zwar noch nicht, dem Orden in Augsburg eine klösterliche Niederlassung zu bereiten, aber er hatte doch die Freude, in jener Stadt einzelne Mitglieder zu sehen. Dazu gehörte der selige Petrus Canisins und Le Jay. Canisins wirkte als Domprediger auf der Kanzel und gls Seelsorger mehrere Jahre ungcmein segensreich. Ihm ist, soweit die menschlichen Mittel in Betracht; kommen, die Zurückführung eines großen Theiles der' Augsburger Bevölkerung zum katholischen Glauben vornehmlich zuzuschreiben.* Le Jay stand als gelehrter Theolog unserm Bischof zur Seite, wie er denn auch von ihm als Concilsthcologe nach Trient geschickt wurde. Gegen Canisins bewies Otto stets eine hohe, man möchte sagen unbegrenzte Verehrung. Selbst die scharfen Mahnungen, welche Canisins an Otto wegen seiner oftmaligen und langdauernden Abwesenheit von seiner Diöcese und der daraus entstehenden Nachtheile richten zu müssen glaubte, konnte diese Verehrung nicht mindern, >va3 gewiß beiden zur höchsten Zierde gereicht. Ein Hauptmittel der Reform erblickte Otto endlich in der Heranbildung eines seeleneifrigen, gebildeten und frommen Klerus. Zu diesem Zwecke gedachte der weitschauende Mann eine Anstalt ins Leben zu rufen, in welcher der Klerus der Zukunft die nöthige wissenschaftliche und moralisch-ascetische Bildung erhalten sollte. Zn diesem Zwecke gründete er 1549 in Dillingen eine Schule, welche sowohl unser heutiges Gymnasium als auch die philosophische und theologische Fakultät in sich schloß. Zugleich errichtete er daselbst ein Internat, nämlich das Seminar oder Convict zum hl. Hierouhmus. Die Anstalt wurde auf Bitten Otto's von Papst Julius III. 1551 zum Range einer Universität erhoben und mit den entsprechenden Privilegien ausgestattet. Im Jahre 1564 übergab Otto die Universität und das Kollegium (Seminar) dem Orden der Jesuiten zur Leitung. Durch die Gründung dieser Lehr- und Erziehungsanstalt hat Otto nicht bloß für seine Diöcese, sondern für ganz Süddentschland am meisten zur Erhaltung und Belebung des katholischen Glaubens und zur Heranbildung eines tüchtigen Welt- und Ordcnsklerns und damit zur Reform des kirchlichen Lebens gewirkt. Ich komme nun dazu, das Lebensende unseres Kardinals zn schildern. Im Jahre 1569 begab sich Otto wiederum nach Rom — zum siebenten Male. Die Gründe der Abreise waren pecnniärer Natur. Dieser Umstand veranlaßt mich, vorerst noch einiges über die Finanzen Otto's zu bemerken. Als derselbe Bischof von Augsburg geworden war, gerieth er mehr und mehr in Geldverlegenheiten. Die Ursachen waren verschiedene. Fürs erste litt das Hochstift und Otto persönlich sehr schwer durch zivei Kriege, den schmalkaldischen und den durch den Kurfürsten Moriz hervorgerufenen Krieg. Sodann pflegten die Neichsfürsten der damaligen Zeit großen Aufwand zn machen, und bei Otto kam noch die persönliche Neigung zu Repräsentation hinzu. So war derselbe auf dem Reichstage zu Augsburg 1547/48 von einem aus 50 Personen bestehenden Gefolge, Grafen, Baronen, Edlen, Juristen und Theologen, umgeben. (Vgl. Chronik II, 88; Hist. Jahrb. B. 7 S. 88.) Ein anderer Fall. Im Anfang des Jahres 1568 begab sich der Cardinal von Augsburg mit einem großen Staat von mehr als 100 Pferden nach München, um der Hochzeit des Herzogs Wilhelm mit der Prinzessin Renata von Lothringen beizuwohnen. Uebcrhanpt verschlangen die vielen Reisen, die Otto unternahm, sei es zu den Reichstagen oder nach Rom oder anderswohin, viel Geld. Des weiteren zeichnete sich Otto durch eine großartige Freigebigkeit aus und war auch nicht frei von gewissen Liebhabereien, die ihn theuer zn stehen kamen. Ein großer Freund der Musik, hielt er in Rom Anfang der 60er Jahre eine eigene Kapelle für Kirchenmusik und wahrscheinlich auch 375 für Privatzwecke, welche er erst 1665 in Deutschland beurlaubte. Das tägliche Opfer wurde von ihm nie ohne Musik dargebracht: sinnig Zensris s^nipstonias oon- ssntu (Hist. Jahrb. B. 7 S. 186). Die größten Ansprüche aber stellte an ihn die (Ärichtung und Unterhaltung der Universität Dillingen. Es mußten in der oberen Stadt Bauplätze erworben, Häuser angekauft, abgerissen oder adaptirt oder auch neu gebaut, die ganze Anstalt mit den nöthigen Einrichtungen versehen, der Unterhalt der Professoren und Zöglinge bestricken werden u. s. w. Dazu wurde von ihm die Summe von 100,000 Gulden aufgewendet. Die Sache gestaltete sich für ihn um so schwieriger, als das Domcapitel vorerst der Uliiversitätsgründuug sehr kühl gegenüberstand und sich zu einer finanziellen Unterstützung nicht geneigt zeigte. Zu den Ausgaben Otto's für Bauten muß auch die Wiederherstellung und Ausmalung seiner Titularkirche in Rom (St. Sabina), die Restauration der fürstlichen Residenzen zu Dillingcn und Ellwangcn, die Wiederherstellung mehrerer Schlösser in feinen: Bisthum u. a. in. gerechnet werden (vgl. Chronik II, 17; Steichele, Das Bisthnm Augsburg III, 63). Ueberhanpt war Otto ein großer Bauliebhaber. In der Mitte der 50er Jahre scheinen die Schulden zu einer großen Höhe angewachsen zu sein, so daß das unzufriedene Domcapitel sogar mit dem Plane umging, den Bischof abzusetzen. In dem hiewegen 1555 zu Staude gekommenen Vergleich, der 27 Punkte enthält, wurde festgesetzt, daß Otto als regierender Bischof zwar die Administration des Stiftes Augsburg im Geistlichen, sowie die Regierung und Verwaltung der Justiz in: Weltlichen behalten, daß hingegen der größte Theil der Finanz- verwaltung der Oberaufsicht des Domcapitels unterstellt und so eine regelrechte Schuldentilgung ermöglicht werden sollte (Braun B. 3 S. 496 f.). Die Geldverlegenheiten, um das auch zu erwähnen, erklären das Streben Otto's nach neuen Benefizien. Im Jahre 1569 reiste Otto, wie schon erwähnt, nach Rom, um seinen Gläubigern zu entgehen und Ersparnisse zu machen. Letzteres war ihm dort leichter möglich als in der Hcimath. In Rom verweilte er bis zu seinem Tode. Im Jahre 1573, also nach vierjährigem Aufenthalte, schickte sich Otto an, nach Augsburg zurückzukehren, um mit den von ihm selbst und seinen Beamten gemachten Ersparnissen seine Gläubiger zu befriedigen. Da fiel er plötzlich in eine tödtliche Krankheit, welcher er am 2. April erlag. Gregor XIII. richtete an das Dom- capitel in Augsburg ein Beileidschreiben (Histor. Jahrb. B. 7 S. 207). Ueber die näheren Umstände des Todes Otto's wird uns nichts berichtet. Von dein Verlaufe seiner Krankheit in ihrem ersten Stadium erstattete er regelmäßig Bericht au Herzog Albrecht. Darnach litt er an einem Mageuübel, welches er nach dem Urtheile der Aerzte sich dadurch zugezogen hatte, daß er im Sommer in Eis gekühlten Wein trank. Dazu kam dann noch ein Steinleiden, dieselbe Krankheit, die auch Herzog Albrecht hatte. Otto scheint viel gelitten zu haben. Eine Mittheilung an Albrecht schließt mit den Worten: katcksntia, ich leid's mit Geduld (Wimmer S. 132). Die Ueberreste Otto's wurden in der deutschen Nationalkirche L. Ll. äs amina. beigesetzt, dem Papste Hadrian VI. gegenüber, dem letzten Papste deutscher Abkunft. 40 Jahre nachher, 1613, wurden seine Gebeine von Johann Gottfried, Bischof von Bamberg, Gesandter des Kaisers Mathias, nach Augsburg, im Jahre darauf, 1614, nach Dillingen gebracht, wo sie tn der akademischen oder Jesnitenkirche neben dem Altare des hl. Hieronymus ihre Ruhe fanden. Bischof Sigmuud Franz, ließ im Jahre 1657 seinem erlauchten Vorgänger ein Monument setzen mit einer lateinischen Inschrift. Die Trauer um den Cardinal war namentlich in Dillingen eine große. Das Diarium der Akademie sagt, Otto sei gestorben zum großen Schmerze aller Guten (inagno donorum oinniurn äolors). Die Akademie hielt zwei Tranergottcsdienstc, am 17. April und 2. Mai. Das erste Mal wurde eine, das zweite Mal zwei Trauerreden gehalten. In der Folge hielt die Akademie alljährlich am Todestage ihres Stifters einen Gedächtniß- gottesdienst. Zum Schlüsse möchte ich noch eine allgemeine Charakteristik Otto's geben. Ich will das weniger mit meinen eigenen Worten als mit den Worten und Urtheilen derjenigen thun, welche als Zeitgenossen unsern Cardinal gekannt oder mit seinem Leben und seiner Wirksamkeit eingehend sich beschäftigt haben. Es wird sich dabei Gelegenheit bieten, einiges kurz zu berühren, was im bisher Gesagten keine Erwähnung gefunden.hat. Die Pappenheim'schc Chronik (I, 116) und der Verfasser der Geschichte der Bischöfe von Augsburg, Placidus Braun (III, 515), stimmen darin überein, Cardinal Otto sei ohne Widerrede eine der größten Zierden der katholischen Kirche und des Reiches gewesen, welchen er unter mehreren Päpsten und drei Kaisern mit Aufopferung von Hab und Gut und seines eigenen Lebens von Jugend auf bis an sein Ende treu gedient, wcßhalb er von jedermann in und außer dem Reiche, sogar von seinen Feinden, hochgeschätzt, von den römischen Kaisern aber, den Erzherzogen von Oesterreich und den Herzogen von Bayern durch ausgezeichnete Gnaden und Vertrauen geehrt worden sei. Selbst in Italien, Spanien, Frankreich und den Niederlanden sei sein Name, seiner Tugenden und Talente wegen, mit Achtung genannt worden. Braun und Dnhr führen eine Reihe von Zeugnissen über Otto an, die von Zeitgenossen stammen. Es sind berühmte Männer, solche, die in Kirche und Staat oder in der gelehrten Welt sich einen Namen gemacht haben. In diesen ehrenden Zeugnissen wird an Otto gerühmt sein großer Eifer für die Religion, seine Klugheit und Weisheit in der Regierung seines Bisthums und in der Ausführung der ihm von den höchsten Persönlichkeiten übertragenen Geschäfte, seine Liebe zu den Wissenschaften und seine Hochschätzimg der Freunde der Wissenschaft und der Gelehrten, sein wohlthätiger Sinn und seine Freigebigkeit in der Unterstützung Hilfsbedürftiger oder in der Förderung gemeinnütziger Einrichtungen, seine Frömmigkeit, Demuth, Herablassung und Sittenreiuheit (vgl. dazu Hist. Jahrb. B. 7 S. 207). Das glänzendste Zeugniß hat unserm Cardinal Herzog Albrecht V. von Bayern iu, einem Schreiben an Papst Pins V. ausgestellt. Er,' schildert ihn darin als Bischof und Staatsmann und hebt§ seine Anhänglichkeit an Papst und Kaiser, seine Verdienste' um das Reich, die Kirche und besonders sein eigenes Bisthum, sowie seine persönlichen Tugenden und Vorzüge in den ehrendsten Ausdrücken hervor. Namentlich gedenkt er der Verdienste, die sich der Cardinal durch die Gründung der Universität Dillingen weit über die Grenzen seines Bisthums hinaus erworben hat. Daß an Otto nicht alles vollkommen war, wer wollte das bestrickten? Gleichwohl war er ein bedeutender Mann. Dieses Lob kann ihm die Nachwelt so wenig verweigern, als es ihm die Mitwelt in den edelsten Männern vorenthalten hat. Darum dürfte auch von ihm das Wort des Dichters gelten: „Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten." Dillingen. Von Hugo Arnold. (Fortsetzung.) lieber die sonstigen Gebäude der Stadt ist vom geschichtlichen oder künstlerischen Standpunkte aus wenig zu sagen, denn sie bieten nicht viel Hervorragendes. Wo sich die Architektur über das Niveau nüchterner Einfachheit und Schmucklosigkeit erhebt, zeigt sie an Kirchen wie an Privathäusern, namentlich an den zahlreichen Häusern und Palästen der ehemaligen Würdenträger des bischöflichen Hofes, den Stempel der Spätrenaissance oder des Barock, der für die weltlichen und geistlichen Residenzen Süddeutschlands ein kennzeichnendes Merkmal bildet. Am besten hat mir noch der im französischen Seignenrialstil des vorigen Jahrhunderts gebaute Pfarrhof gefallen, wenngleich die Phhsiognomie eines Herrschastsschlosses für den Sitz des Scelenhirten nicht paßt und die würdigen Pfarr- herren bitterlich über die Kostspieligkeit ihrer Wohnung Nagen. Die Pfarrkirche zu St. Peter stammt in ihrer jetzigen Gestalt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und ist ein einfacher, freundlicher Bau; ihr gothischer Thurm hat sich einen achteckigen Aufbau mit wälscher Kuppel gefallen lassen müssen. Die ehemalige Jesuiten-, jetzt Studicnkirche ist ein großer, schöner Ban mit reicher Zier an Deckengemälden, Stnkko und Goldglanz im Geschmacke des vorigen Jahrhunderts. Zu nennen sind ferner: das Hospital, welches vom Grafen Hartmann IV. und seinem Sohne Hartmann V., dem Bischöfe von Augsburg, 1257 gestiftet wurde und im Laufe der Zeiten ein beträchtliches Vermögen erwarb; das Kapuzinerkloster, das nach der Säkularisation 1803 zum Central-Kloster für die übrigen aufgelösten Kapuziner- Convente aus Schwaben und Bayern bestimmt worden war; das Frauenkloster von der dritten Regel des heil. Franziskus, genannt das „große" Kloster, welches seine Stiftung ebenfalls auf die Grafen Hartmann IV. und V. zurückführt und von welchem aus eine ganze Reihe von Filial-Klöstern und Klösterlein in Süddeutschland gegründet wurde, sämmtliche für Unterricht und Erziehung. Von Frauen des Ordens wird auch die in vorzüglichem Rufe stehende, von Lyccalprofessor Loh. Ev. Wagner gegründete Lehr- und Erziehungsanstalt, sowie die Kreis- erziehungsanstalt für taubstumme Mädchen geleitet. In einem stattlichen Renaissancebaue hat das kgl. Lyceum, die Bildungsanstalt für die jungen Priester der Diöcese Augsburg, seinen Sitz. Dasselbe ist der Nachfolger einer Hochschule, die sich Jahrhunderte hindurch seines hohen Ansehens erstellte und zu wiederholten Malen «ine beträchtliche Blüthe erreichte. Ihre Wiege stand im ^Benediktinerstifte Ottobeuren, wo Abt Leonhard Wider Mann 1543 eine öffentliche Lehranstalt für morgenländische ^Sprachen und mit Unterstützung des Fürstabtes von Kempten ^tllü> der Aebte der schwäbischen Benediktinerklöster Ochsen- -Hausen, Zwiefalten, Weingarten, Elchingen, Donauwörth, Wiblingen eine förmliche Akademie errichtete, deren Studten- plan nicht nur die niederen Vorbereitungsklassen, sondern auch die höheren Wissenschaften und Künste, Naturkunde m»d die gesammte Theologie umfaßte. Bet der Ungunst ^» Zeit en Konnte sich diese Ans talt nu r 2'/» Jahre in Ottobeuren halten, wanderte dann 1545 nach Elchingen aus, mußte sich jedoch 1*/z Jahre später in Folge des schmalkaldischen Krieges und der Einäscherung der Klostergebäude auflösen. Glücklicher Weise erstand sie bald s wieder in größerem Maßstabe, indem der Cardinalbischof .Otto das Gymnasium des Stiftes Elchingen 1549 nach ' Dillingen verlegte und hier noch ein geistliches Seminar, das Collegium des hl. Hieronymus, gründete, das Papst Julius III. durch einen jährlichen Beitrag von 2250 Dukaten unterstützte; die übrigen Fonds wurden durch den Cardinal und aus den Einkünften einiger verödeter Klöster beschafft. Auf Bitten des Kardinals erhob der Papst die Anstalt zur Universität; aber kaum war die betreffende päpstliche Bulle eingetroffen (1552), als der Ueberfall des Kurfürsten Moriz von Sachsen eine bedenkliche Störung herbeiführte. Lehrer und Schüler flüchteten sich nach Jngolstadt und Landshut und von da nach Salzburg und Friesach. Erst 1554 konnte, nachdem auch die kaiserliche Bestätigung der päpstlichen Privilegien erfolgt war, die feierliche Eröffnung der Universität stattfinden, wobei aber innerhalb derselben das Collegium des heil. Hieronymus als eigentliches Seminar fortbestehen blieb. 1657 ließ der Cardinal ein neues Univerfitäisgebäude mit Aula erbauen, eben das heutige Lyceum. Da der häufige Wechsel der Lehrer dem Unterrichte nicht förderlich war, berief er die Jesuiten, welche trotz des kurzen Bestehens ihres Ordens bereits einen ganz außerordentlichen Aufschwung genommen hatten. Im Herbste 1563 traf der berühmte Ordcnsprovinzial Peter Canisius mit 20 Patres ein, und im August 1564 wurde die Universität und das Collegium des heil. Hieronymus den Jesuiten förmlich übergeben. Rasch mehrte sich der Zudrang von Studenten, deren Zahl sich durchschnittlich auf 4 — 600 belief, und mit Vorliebe schickten der Adel und die Klöster Oberdeutschlauds ihre Söhne und Novizen in das Col- legium, das den Namen Convict nach dem Zusammenleben der weltlichen und geistlichen Zöglinge erhielt. Zum Unterhalte von 25 Alumnen überwies Papst Gregor XIII. monatlich 100 Goldscudi. Es gab somit Fluwvi xou- tikoii und tzxisvvxalW, dann Oonviotoras röliZiosi und saecularas; die vom Collegium unterstützten armen Stadtstudenten aber hießen kauxeres 8. Ilierovxmj oder OUarn. Durch den Tod des Kardinals (1573) wäre der Bestand der Universität fast in Frage gestellt gewesen, wenn nicht seine Nachfolger ihr ebenfalls reichliche Unterstützung gewährt hätten. Unter ihnen darf Heinrich V. von Kuöringen (1598 — 1646) als ihr zweiter Gründer betrachtet werden. Dieser, einer der größten Staatsund Finanzmänner aus dem Stuhle des hl. Ulrich, vermochte den Widerstand zu brechen, welchen das Domcapitel bisher theils offen, theils latent gegen die Ueber- gabe der Universität und ihre Leitung durch die Söhne des hl. Jgnatius Loyola geleistet hatte, indem er dasselbe vermochte, die vom Cardinal Otto gemachten Schenkungen zu bestätigen, den weiteren Bestand der Anstalten zu gewährleisten und die gesammte Leitung nebst der Besetzung der Lehrstühle vollkommen den Jesuiten zu überlassen. Damals erreichte die Universität ihren blühendsten Stand. Sie zählte zwischen 6—700 Studenten, das Convict des hl. Hieronymus 120—150 Zöglinge, und die Hochschule zu Dillingcn war neben der Jngolstädter Universität das süddeutsche Hauptbollwerk des katholischen Glaubens gegen den Protestantismus. 377 War ihr Lehrplan zwar hauptsächlich auf das Studium der Theologie zugeschnitten, so wurde er doch noch durch Errichtung von zwei Lehrkanzeln für Rechtswissenschaft erweitert (1625 und 1629), als bereits die Flammen des dreißigjährigen Krieges loderten. Bald griffen diese auch nach Süddeutschland herüber, und die Universität hatte darunter ebenso zu leiden wie Stadt und Land. Die Jesuiten geriethen mehrmals in Gefangenschaft und wurden wegen eines angeblichen Schatzes von einer Million hart bedrängt, bis sich die Schweden mit einer Brandschatzung von 1600 spanischen Dukaten begnügten, für die ein protestantischer Bürger Augsburgs Bürgschaft leistete. Nachdem die Zeiten ruhiger geworden, bestand die Universität noch anderthalb Jahrhunderte, ohne jedoch die frühere Bedeutung wieder erreichen zu können, bis sie nach Aushebung des Jesuitenordens unter der unmittelbaren Aussicht des Domcapitels dem Weltklerus übergeben wurde, eine Vermehrung der Lehrkräfte (es wirkten an ihr u. a. Sailer, Weber, Zimmer) und einen erneuten Aufschwung erfuhr. Lange dauerte derselbe allerdings nicht, weil nach der Besitznahme des Bisthums Augsburg durch Bayern die Universität 1803 in das heute noch bestehende Lyceum umgewandelt wurde. Wenn wir einen Blick auf die Geschichte der Stadt werfen, so sehen wir, daß dieselbe auf das innigste mit dem Herrschaftssitze, mit Burg und Schloß verwoben und verknüpft ist. Sie entstand aus den Ansiedlungen der kleinen Leute, welche ihre Interessen vor den Mauerring der Burg führten, in der nämlichen Weise, wofür wir Beispiele aus den ältesten Zeiten und aus den modernen Tagen besitzen: die bürgerlichen Niederlassungen (eurmlme) vor den Thoren der römischen Castelle und die Stadtviertel der Umgebung der Kasernen. Wie sich in diesen all' der kunterbunte Troß und die mannigfachen Anhängsel, die sich nun einmal von der Truppe nicht trennen lassen, sammelt und wohnhaft macht, so zogen auch in der Periode des Ritterthums die Bedürfnisse eines dynastischen Hofhalts und seines Gefolges Weiber und Kinder, Händler, Handwerker und Wirthe herbei, und aus deren Hütten und Baracken erwuchs die heutige Stadt. Sie mag bereits beim Ausgange der Grafen einen beträchtlichen Umfang erreicht haben, wie die bereits geschilderten ältesten Ringmauern beweisen; später dehnte sie sich selbstverständlich noch weiter aus, als die Bischöfe hier ihren Aufenthalt nahmen. Anfänglich theilten sie ihn noch zwischen ihrer alten Pfalz zu Augsburg und dem jetzigen Schlosse. Doch als die Zustände in der immer blühender und mächtiger sich entwickelnden Reichsstadt für die Bischöfe mehr und mehr unbehaglich sich gestalteten, weil das Selbstgefühl der aufstrebenden Bürgerschaft sich mit den Ansprüchen der geistlichen Fürsten nicht vertrug und sich in Augsburg dieselben Erscheinungen wiederholten, wie in anderen Städten, über welche die dort wohnenden Bischöfe nicht als Landesherren geboten, als die Zerwürfnisse in den Feindseligkeiten der Stadt gegen den Bischof Anselm von Nenniugen im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichten, als im folgenden Säculum die Religionskämpfe begannen und schließlich die Reichsstadt sich völlig der Reformation zuwandte, da zogen die Bischöfe vor, die Stadt Augsburg möglichst zu meiden, und verlegten ihre ständige Residenz in das Schloß an der Donau. (Schluß folgt.) Mittelalterlicher Bnrgenbau gegenüber römischer Befestigung in Deutschland. Von Gg. Hock. (Fortsetzung.) In dem erwähnten Streite, der übrigens jetzt so ziemlich mit der Niederlage der „Romanisten"") geendet hat, dürfte es neben der bereits besprochenen allgemeinen Anlage sich hauptsächlich um drei Punkte handeln, die bei genauerer Betrachtung manchen Aufschluß zu geben vermögen: das ist der Zweck, die Oertlichkeit und die Manertechnik. Beginnen wir mit dem Zwecke: Die Castelle in Deutschland, speciell im Dekumatenlande, sind weitaus zum größten Theile Grenzcastelle und meist in unmittelbarer Nähe des Limes. Sie und alle übrigen römischen Anlagen hatten also zunächst den Zweck, die kleineren Feldwachen ") sowie die Thurmwächtcr an der Grenze auszustellen und abzulösen, den Verkehr zu regeln, v. Cohausen geht sogar soweit, daß er sie nur „Zollerhebungsstellcn" nennt. Ich für meine Person möchte in ihnen vielfach den Typus einfacher Garnisonen erblicken, die darauf eingerichtet waren, den Truppen Wohnung und Unterkunft zu bieten, zugleich aber auch vor einer plötzlichen Neber- rumplung hinlänglichen Schutz gewährten. Anders mußte der Zweck der Ritterburg sein. Sie konnte zwar auch in vereinzelten Fällen die Aufgabe haben, eine Stelle zu überwachen, aber ihre Hauptbestimmung ist nach Piper: „der mittelalterliche befestigte Einzelwohnsitz eines Grundherrn." ") Der Burgherr ist auf sich selbst angewiesen, mit einem kleinen Häuflein seiner Knechte muß er zusehen, toie er sich halten kann gegen die wilden Schwärme der Ungarn, gegen seine Nachbarn, ja, wenn ihn die Ritter- tugenden nicht gerade sonderlich schmücken, sogar gegen seinen Landesherrn und später besonders gegen die Städter. Bei den römischen Schntzbauten findet sich wenig Analoges. Die letzteren ordnen sich alle zusammen zu einem wohl organisirten Ganzen. Kein Theil ist auf sich allein angewiesen. Die Posten auf den Thürmen signalisiren in kurzer Zeit eine weite Linie, das bedrohte Castell kann sicher auf den Beistand seiner Nachbarn rechnen, das Defensiv - Verhältniß braucht bei den römischen Bauten schon aus diesem Grunde nicht so sehr betont zn sein, der Römer hat keine hohen Schildmancrn» Bastionen oder Berchfrite nöthig, hinter denen er sich verstecken könnte. Ein Graben mit einer dahinter liegenden mäßigen Mauer genügte, um den ersten Anprall des Feindes zu hemmen, dann bildeten die römischen Soldaten hinter der Brustwehr die beste lebendige Mauer. Der Zweck der Ritterburg, eine Blokade lauge auszuhalten und womöglich zu überstehen, bedingte noch eine Anlage, welche sich mit der römischen Castraksorm in unseren Gegenden gar nicht vereinbaren läßt. Es ist dies die Einrichtung, welche es dem Vertheidiger ermöglicht, daß er sich im Laufe der Belagerung auf immer engere, kleinere, aber um so festere Punkte ") Bezeichnung Pipers für die Monc-Krieg'sche Schule: ") S. Nr. 43 dieses Blattes. ") v. Cohausen: Der röm. Grcnzwalt S. 348. ") Piper: Bmgenkunde S. 3. 378 zurückziehen kann, während er dem Feinde die Außcn- wcrke nach und nach überläßt. Das sehen wir vor allem in den Vorburgen und Zwingern beabsichtigt. Cohausen") hält zwar den Zwinger für ein vorbereitetes Kampffeld, welches den Vortheil gewährte, „dem dort schon eingedrungenen Angreifer mit bewaffneter Hand in die Flanken zu fallen". Dieser doch etwas zn idealen Ansicht gegenüber bemerkt Piper mit Recht: „In der Regel werden doch die Vertheidiger vorgezogen haben, von gesichertem höheren Standorte aus die Eingedrungenen mit Schuß und Wurf zu bekämpfen, anstatt selbst in den engen Zwinger zu einem Kampfe mit bewaffneter Hand hinabzusteigen." In einem etwas ähnlichen Sinn spricht sich auch Essenwein aus, wenn er als „Hauptzweck dieser Anlage (den Umstand) erachtet, daß der Belagerer nicht so leicht mit Sturmb'öcken oder Nollthürmen an die eigentliche Mauer gelangen konnte, sondern schon an der niedrigeren äußeren Mauer Halt machen mußte". Der Umstand, daß die „Hintere" oder „Hauptmauer höher" war, hatte noch den weiteren Vortheil, „daß den herannahenden Feind zwei Reihen Bogenschützen hinter- und übereinander empfangen konnten".^ Nach dem Falle dieser Vorwerke war jedoch die eigentliche Hauptburg selbst noch gegliedert. War einmal die Ringmauer mit ihrem Wehrgange erstiegen, so bildete oft der „wehrhafte Palas" ein sicheres rakuginm, und wenn die Noth am höchsten stieg, so war endlich der mächtige, hohe Berchfrit noch da, welcher nach Wegnahme der Leiter zu seinem hochgelegenen Eingänge oder nach Abbruch des leichten Steges, der ihn mit dem Palas verband, geradezu unüberwindlich war. Ja, die einzelnen Stockwerke, welche gewöhnlich durch starke Gewölbe getrennt waren, konnten wiederum einzeln vertheidigt werden. Der Zweck einer successiv sich enger schließenden und zurückweichenden Vertheidigung war dein römischen Lager absolut fremd. Trotzdem haben es die Romanisten versucht, auch den Castellen einen sogen, „inneren Abschnitt" beizulegen und wehrhafte Gebäude innerhalb derselben nachzuweisen. Schon Vegetius") soll nach Krieg und seinen Anhängern diesen „inneren Abschnitt" als praktisch befürwortet und empfohlen haben, was jedoch nur auf einer falschen Interpretation dieses Schriftstellers beruht; denn da, wo Vegetius die Belagerten darauf hinweist, wenn der Feind bereits eingedrungen sei, die stärkeren und höheren Orte, Gebäude und Thürme besetzt zu halten, von da aus den Angreifer mit Geschossen zu überschütten und ihm einen sehr gefährlichen Straßenkampf zu liefern, ist jedenfalls eine größere Anlage, eine Stadt gemeint; dafür sprechen ja ganz deutlich die Ausdrücke: „hui in- vasarint oivitatam" und „ox>xickg.ni". Die Beispiele, welche man trotzdem für die Gegenansicht zn erbringen suchte, gründen sich meist auf dem Irrthume, daß man einen mittelalterlichen Bau für römisch hält oder auf wirklich römischen Fundamenten eine natürlich nie dagewesene Anlage reconstruiren will. So findet sich die bekannte Feste Steinsberg in Baden noch jetzt in vielen Kunstgeschichten als Typus ") v. Cohausen: Alterthümer im Rheinland S. 89. '°) Piper: Burgenkunde S. 12. ") Handbuch der Architektur: II. Theil 4. Band. v. Essenwein, 1. Heft S. 192. Vegetius 4,25. einer „Ritterburg römischen Ursprunges" abgebildet, und den Glauben, daß ihr Berchfrit sowie das eigenartige polygonale, doppelt und dreifach angelegte Zwingerwerk auf die Römer zurückzuführen sei, konnte man immer noch nicht ganz aus der Welt schaffen, obwohl schon Dekan Wilhelm: und der Engländer James Aales bereits vor vierzig Jahren davon überzeugt waren, daß die Burg ein Werk des Mittelalters sei.") Von Thürmen oder anderen Bollwerken, welche nach Krieg und Monc") „frei in der Mitte" eines Lagers standen, hat man bis jetzt noch keine Spur entdecken können. So wird z. B. der viereckige, aus der Rückseite des Saalburg-Prätoriums hervorspringende Bau, welchen man noch heute als „Thurm" deutet, viel richtiger durch Cohausen als vornehmster Theil des römischen Hauses, als VS0U3 bezeichnet, 2') indem ja überhaupt die ganze Anlage des Prätoriums nach den Worten v. Cohausens „dem normalen römischen Hause, wie wir es namentlich im Hause des Pausa in Pompeji dargestellt finden, selbst in den Maßen gleicht.") Der total verschiedene Zweck der Castralanlage und die Unmöglichkeit ihrer Verquickuug mit der alten Burg zeigt sich endlich in den beiden Seiteuthoreu des Castells, welche doch offenbar der Besatzung dienten, im geeigneten Momente einen Ausfall zu machen und den Feind aus dem Felde zu schlagen, denn „darin, sagt mit Recht Marggraff, gipfelt die römische Verthcidigungstaktik".") Wenn man auch heutzutage nicht mehr so leicht eine ganze Bnrg auf römischer Grundlage entstanden sehen will, so muß doch vielfach wenigstens der Berchfrit noch römisch sein. Er ist, wenn alles andere nichts mehr hilft, eine „alte römische Warte", die mit so und so viel anderen corrcsponditte. Wir haben besonders in Süddeutschland eine Menge von Beispielen am Nheine, im Odenwald, am Maine, am Neckar und an der Altmühl. Dem Besucher von Nassenfels, Altmannstein, Arnsberg, Kipfenberg, Hirschberg u. s. w. verkünden noch heute in Stein gehauene Inschriften, daß diese Thürme „wahrscheinlich aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammen", der sonst geistreiche und vortreffliche Führer durch die „Altmühlalp" von Kugler läßt fast von jeder Burg und Höhe einen solchen „unverwüstlichen" Nömerbau mit stolzer Majestät und Würde in das Thal blicken und macht sich geradezu lustig über „einen Engländer", der vor einigen Jahren behauptet habe, diese Thürme seien erst im Anfange des Mittelalters errichtet worden. Es ist hier jedenfalls James Aates gemeint, der wohl zuerst (bereits im Jahre 1857) mit echt britischer Kaltblütigkeit seinen Gegnern das Wort an den Kopf zu schleudern wagte, er für seine Person halte „eher eine chinesische Pagode für römisch, als einen solchen Thurm".^) Die Anlage und Gestalt dieser Bauwerke, ebenso im Gegensatz dazu die der notorisch römischen Wartthürme haben wir bereits oben kennen gelernt. Ohne allen Zweifel haben auch die Römer Warten angelegt, und ") Nach den neuesten Untersuchungen fällt die Bauzeit des ältesten Theiles etwa in das Ende des 12. oder den Anfang des 13. Jahrhunderts. 20 ) Mone: „Urgesch. des badischen Landes" S. 188. ") v. Cohausen: „Röm. Grenzwall" S. 112. ") v. Cohausen: „Röm. Grenzwall" S. 342. '°) Marggraff: „Die römische Reichsgrenze in Germanien." ") Abhandlung im Jahrbuch des histor. Vereins für Schwaben und Neubnrg. Jahrg. XXm. 379 zwar nicht nur am Limes, sondern auch an den Straßen .und in der Richtung gegen das Innere der Provinz zu. Aber dies waren doch offenbar keine solchen Bollwerke wie unsere Berchfrite. Die Wächter waren ja hinlänglich gedeckt durch die großen Lager mit den Grenztruppen, welche sich alle noch vor ihnen befanden, und wichen einmal diese Cohorten zurück, so wäre es sicherlich Thorheit gewesen, wenn die einzelnen Wächter in ihren Thürmen noch hätten Widerstand leisten wollen. (Fortsetzung folgt.) Grundlegende Gesichtspunkte für Beurtheilung der Währnngsfrage. Von Dr. Schw. (Schluß.) Wenn der Preis einer Waare sich ändert, so weiß man nicht, ob der Grund dieser Veränderung auf Seiten des Geldes oder der Waare oder beider zugleich liegt. Wenn wir jedoch die Beobachtung machen, daß eine große Anzahl von Waaren oder alle die wichtigsten Waaren ungefähr nach der gleichen Richtung und im gleichen Maße ihren Preis verändern, so werden wir berechtigt sein, anzunehmen, daß der Werth des Geldes sich geändert habe, wenn wir nicht beobachten, daß eine die Produktionsbedingungen aller in Betracht gezogenen Waaren beeinflussende Thatsache vorhanden ist, wenn wir auf Seite der Waaren keine Aenderung im Angebot und den übrigen preisbestimmenden Faktoren zn erkennen vermögen. Umgekehrt werden wir zur Erklärung der Preisänderung keineswegs die Geldwerthänderungen dann heranziehen, wenn wir auf Seiten der Waaren und deren Produktionsbedingungen so wichtige Veränderungen wahrnehmen, welche uns die Preisverschiebnng erklärlich machen. Ein Rückschluß auf den Geldwerth ist also nur dann gestattet, wenn die Preisbewegung eine ganz allgemeine und gleichmäßige ist und allenfallsige Ausnahmen und Abweichungen wieder in specifischen Ursachen ihre Erklärung finden. Insbesondere muß auch der Preis der Arbeit, der Nutzung der Arbeitskraft, also der Arbeitslohn mit in die Beobachtung eingezogen werden. Auch die Arbeitskraft ist nach unserer heutigen Wirthschaftsorganisation eine Waare, weßhalb die eben gemachten Ausführungen auch für sie Geltung besitzen. Allein sie hat ihre besondern Eigenthümlichkeiten, die eine getrennte Behandlung rechtfertigen. Die Arbeitslöhne haben nämlich eine gewisse Beharrungstendenz; sie bleiben oft noch eine Zeit lang auf der gleichen Höhe, wenn schon die weitgehendsten Veränderungen in den Produktionsbedingungen eines Zweiges oder des ganzen Erwerbslebens eingetreten sind. Macht nun der Arbeitslohn die Bewegung der Waaren- preise, wenn auch sozusagen in einem gewissen Abstand, mit, so kann ein Schluß auf den Geldwerth gemacht werden, während ein solcher Schluß ohne weiteres ungerechtfertigt erscheint, wenn der Arbeitslohn die Bewegung nicht mitmacht oder gar in einer andern Richtung sich bewegt. Um Beobachtungen anzustellen, hat man eine Reihe der wichtigsten Waaren ausgewählt, deren Preis in einem gegebenen Zeitpunkte gleich 100 gesetzt und darnach die Veränderungen berechnet. Auf diese Weise ist man zu sogen. Indexziffern gekommen, welche für die Frage der Geldwerthveränderungen immerhin eine große Bedeutung besitzen, hier aber nicht weiter in Betracht gezogen werden können. Das größte Ansehen haben die sogen. Sanerbeck'schen Ziffern, ferner die Soetbeer'schen Zahlen und insbesondere die Indexziffern der englischen Wochenschrift „blocmoinist? erlangt. Die dritte Erkenntnißguelle für die Geldwerth- veränderungen bilden die Discontobewcgnngcn. Auch beim Gelde wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Da nun sozusagen beim Kaufe einer Geldsumme (Aufnahme eines Darlehens, Wechseldiscontirnng ic.) zunächst den Leistnngsgegenstand auf beiden Vertragsseiten die gleiche Geldsumme bildet, tritt der Werth des Geldes insbesondere in der Höhe des Zinsfußes, des Discont- satzes in die Erscheinung. Die Wechseldiscontirnng insbesondere ist eine der vor- nehmlichsten Thätigkeiten der Banken. Diese haben überhaupt den Verkehr mit dem nöthigen Gelde zu speisen. Tritt ein Geldmangel ein, steigt also die Nachfrage nach Geld, so toird die Bank, um den nöthigen Baarvorrath zur Deckung der Noten zu bewahren, die Discontirnng von Wechseln durch Erhöhung des Discontsatzes erschweren. So zeigt also auch das Steigen und Fallen des Discontsatzes ein Steigen und Fallen des Geld- werthes an. Gerade die Frage der Geldwerthänderung spielt im Währungsstreite eine besondere Rolle. Mit Rücksicht hierauf und insbesondere auch mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung dieser Aenderung auf das ganze Wirthschaftsleben halten wir es für unerläßlich, noch kurz die Wirkungen der Geldwerthverändernng, sowohl der Gcldent- werthung wie der Geldwerthsteigernng, kennen zn lerne». Beide sind in gleicher Weise von den unseligsten Wirkungen. Durch die Geldentwerthung erfahren alle diejenigen Personen, welche gleichmäßige, auf längere Zeit im vorhinein festgesetzte Bezüge genießen, erheblichen Nachtheil. Die Gehälter und Pensionen verlieren an Werth, der Werth aller Forderungen sinkt, insbesondere auch der Arbeitslohn, der sich nur langsam den geänderten Verhältnissen anpaßt. Die Lebenshaltung der arbeitenden Klasse muß dadurch gedrückt werden. Die Waarcnpreise steigen, der Werth der eingekauften Rohstoffe wächst während der Verarbeitung, der Unternehmergewinn steigt, jedoch zum großen Theile auf Kosten des Arbeitslohnes. Geldentwerthung ist immer zugleich die Folge von Geld- überfluß. Darnach sucht das Geld gierig nach Anlage, die sicheren Papiere steigen, der Zinsertrag schwindet; man sucht Ergänzung für den Ausfall in unsichern Werthen, welche einen höhern Zinsfuß versprechen. Es wird durch diese Nachfrage nach Anlage ein scheinbarer Aufschwung erzielt, es erfolgen Nengründungen, Ucber- produktion, und schließlich platzt die Blase. Das Jahr 1873 bietet uns ein treffliches, wenn auch trauriges Beispiel. In entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Wirkungen der Geldwerthverthenernng; sie sind aber um nichts erfreulicher. Die Schulden werden drückender; denn der Schuldner muß in theurerem Gelde das heimbezahlen, was er in billigerem Gelde erhalten hat. Die festen Bezüge gewinnen an Werth. Die Waarcnpreise sinken; der Unternehmergewinn wird vermindert. Der Arbeitslohn bleibt noch eine Zeit lang derselbe. Er repräscntirt bei gleicher Summe einen höhern Werth. Wir haben einen allmähligcn allgemeinen wirthschaftlichcn Niedergang, dessen Endergebniß im ganzen dasselbe ist, wie das der Geld- entwcrthung. Diese unerfreulichen Folgen lassen es neuerdings als wichtiges Postulat erscheinen, daß der Geldstoff ein 380 Stoff von möglichster Constauz des Werthes sein soll. Wenn auch vorübergehende Aenderungen des Werthes des Währungsmetalls auch nnr von vorübergehender Bedeutung sind, so bringen sie doch mehr oder weniger erhebliche Störunge u hervor, die wenn möglich vermieden werden müssen. Damit erwächst für die Währungspolitik die wichtige Aufgabe, Aenderungen des Geldwerthes mit allen Mitteln zu verhindern oder wenigstens auf ein Minimum zu reduciren. Diese Ausführungen, wie sie im Vorstehenden gemacht wurden, mögen genügen, um in die brennendsten Punkte der Währuugsfrage einigen Einblick zu bekommen. Sie werden nicht hinreichen, ein volles Verständniß der Frage zu ermöglichen, insbesondere deßhalb nicht, weil zum eigentlichen Währungsstreite nicht Stellung genommen werden wollte. Immerhin aber sind die Gesichtspunkte betont, auf welche es hauptsächlich ankommt und über welche man sich deßhalb vor allem Klarheit verschaffen muß. Insbesondere soll nochmals auf die Bedeutung der Valutaschwankungcn und der Geldwerthveränderung hingewiesen werden. Gerade von der letzter» hängt wesentlich die Stellungnahme zur ganzen Frage ab. Während die Goldwährnngsauhängcr davon ausgehen, daß das Gold im wesentlichen seinen Werth unverändert erhalten habe und das Silber im Preise gesunken sei, suchen die Gegner unseres Währnngssystems darzuthun, daß nicht eine Silber- entwerthung, sondern eine Goldvertheuerung eingetreten sei, welche für eine Reihe bestehender wirthschaftlicher Mtßstände verantwortlich zu machen sei. Ob das eine oder das andere zutrifft, mag hier unentschieden bleiben. Wenn die vorstehenden Zeilen Einiges zum Verständniß der allgemeinen Fragen beigetragen, insbesondere das Interesse für die Währungsfrage in diesem oder jenem vielleicht neu geweckt oder angeregt haben, so ist der beabsichtigte Zweck vollkommen erreicht. Ein tieferes Eindringen in die Frage selbst hängt von einem auf den allgemeinen Voraussetzungen, wie sie hier gegeben werden sollten, fußenden tieferen Studium ab, wozu htemit ein neuer Impuls gegeben sein möchte. Recensionen und Notizen. I. Krieg, Zacharias Werner. Episches Gedicht. '^N^rkorn'sche Buchhandlung, Fulda. 1897. Brosch.' ; Vor 'etwa Jahresfrist ist des Verfassers „Ratis- bonne" erschienen, dem in einer stattlichen Reihe von Recensionen reichliches Lob gespendet wurde. Dadurch mochte er sich ermuthigt fühlen, mit einem neuen poetischen Geistesprodukt vor die Oeffentlichkeit zu treten. Er hat sich dieses Mal als Vorwurf die Bekehrnngsgeschichte des Zacharias Werner gewählt, damit aber eine Ausgabe übernommen, welche der Schwierigkeiten manche bot. Schwer war es, das Vorleben des Helden mit geschichtlicher Treue zu schildern und der sittlichen Mangel desselben zu gedenken, ohne das Gemüth des katholischen Volkes, in welchem der Verfasser zunächst seine Leser sucht, das er zu belehren, zu erbauen und zu unterhalten sucht, irgendwie zu verletzen. Schwer war es. die nicht immer wohl genießbaren geistigen Erzeugnisse Werners durchzuarbeiten und ihren zuchalt ui die Darstellung zu verweben. Beides dürfte ihm recht wohl gelungen sein. Noch mehr als bei „Ratis- bonne" Nr? Dichter es hier vermocht, ein Werk zu schallen, bis zuletzt den Leser in Spannung hält. Das Wert bedienet Werner von der Freimaurerloge zu Königsberg nach Warschau, dann an das Sterbebett der Mutter, weiter auf seinen Irrfahrten nach Berlin, Köln, Frank- lurt und Weimar (zu Goethe), dann nach der Schweiz und nach Italien. Wir lernen den Inhalt der Werke des unstat umherirrenden Mannes kennen, der schließlich in Rom durch seine Bekehrung zum Katholicismus die überall vergebens gesuchte Herzensruhe findet. Nun strebt er einem höheren Ziele entgegen. Zu Rom macht er seine theologischen Studien, in Äschasseuburg vollendet er seine Ausbildung für den geistlichen Stand und wird von Dalberg in die Reihen der Priester aufgenommen. Jetzt beginnt er zu Wien gemeinsam mit ?- Hoffbaur ein seeleneifriges Wirken. Sein Plan, in den Nedemptoristen-Orden einzutreten, scheitert an seiner schwachen Gesundheit. Verfolgt und angefeindet von seinen ehemaligen Freunden, nachdem er gesühnt, was er gefehlt, stirbt er. — Indessen ist es dem Teufel gelungen, sich einen Ersah zu verschaffen. Ein ungläubiger Priester, Raphael Bock, mit dem Werner zu Königsberg befreundet geworden ivar, fällt in die Schlingen der Sinnlichkeit, und von Gewissensqualen gefoltert. setzt er selbst seinem Leben ein Ende. dkors zusti — Llors pooeatoris: mit diesen ergreifenden Gesängen schließt das Gedicht. — Wir hoffen und wünschen, baß die edle Absicht des Verfassers, dem katholischen Volke zu nützen, dadurch verwirklicht wird, daß recht viele sich m den Besitz des Werkes setzen und dasselbe lesen. Reiß C., Die Naturheilmethode bei Magen» und Darmkrankheiten. 8", 71 SS. Berlin, Steinitz, 1897. (II.) M. 1,00. Das vorliegende Buch über die Natur-Heilmethode bei Verdauungsstörungen war ein zeitgemäßes und hat eine Lücke in der populär-medizinischen Literatur ausgefüllt. Die neue Auflage weist wesentliche Ergänzungen und Bereicherungen aus. Sie gibt ein abgeschlossenes Bild der hierher gehörigen Erkrankungsformen und schildert auf das eingehendste und genaueste die Technik, die Wirkungsweise und die Erfolge aller derjenigen Maßnahmen, welche bei der Naturheilbehandlung der Magen- und Darmkrankheiten in Betracht kommen. Dabei ist das Blich auf jeder Seite gemeinverständlich im vollen Sinne des Wortes; die Darstellung ist lichtvoll und klar. der Stil gut lesbar. Allen Leidenden, die mit Verdauungsstörungen behaftet sind, allen denen, die Hilfe, Rath und Belehrung suchen, kann das Buch mit gutem Gewissen empfohlen werden. _ Schmid Andr., Oasremonmle für Priester, Leviten und Ministranten zu den gewöhnlichen liturgischen Diensten. 8°, XVI -st 560 SS. mit 60 Figuren. Kempten, I. Kösel, 1897. (II.) M. 3,00. A. Der Hauptvorzug dieses Buches, das erst vor Jahresfrist zum ersten Mal erschien und unzweifelhaft noch viele Auflagen erleben wird. besteht darin, daß es. ohne an wissenschaftlicher, quellenmäßiger Genauigkeit etwas vermissen zu lassen, überaus praktisch ist und den mit dem Gegenstand ganz und gar vertrauten Kenner auf jeder Seite verräth. Auf die Rubricistik werfen sich manche Theologiecandidaten mit besonderer Vorliebe, ja mit Uebereifer; sie finden in dem Buche reichlich Befriedigung ihrer Wißbegierde und können auch nach dem Seminar, wenn sie einmal erfahren haben, daß man „draußen" nicht viel auf dergleichen Sachen gibt, sondern die größte Willkür herrscht, nachlesen, wie die gottes- dienstlichsn Verrichtungen mit Ernst und Würde geschehen könnten. Vor allem aber dürfte ältlichen Pfarr- herren das Buch eine werthvolle Lektüre bieten. Die Ausstattung ist bei billigem Preis vorzüglich, die Abbildungen sind von kunsthistorifchem Interesse. Einzelne sprachliche Unebenheiten haben wir bemerkt. So z. B. sagt man richtig das (nicht der) Tabernakel: so schreibt man richtig nicht easrsmouia, sondern osrimoui» (vasri- movis),* ähnlich wie querimorü», alimoma, sauetimouia u. s. w. -Das Wort (von der Wz. Kar „machen" abgeleitet, wie Oeres, creo'und viele andere) heißt „Verrichtung". Vergl. Vanicek, Etym. W.-B. d. lat. Spr. (Lpz. 1881) S. 52. Tabernakel-Wacht. Monatsblätter zum Preise des allerheiligsten Altars-Sacraments. Unter Mitwirkung von Mitgliedern des eucharistischen Priester-Vereins herausgegeben von Joseph Blum, Pfarrer. 1. Jahrgang. Jährlich 12 Hefte. Preis M. 2.40. Dülmen t. W. A. laumamr'sche Buchhandlung, Verleger des hl. Apostol. Stuhles. Lerantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druck». VerlagdeZLit. Instituts von Haas L Grahherr in Augsburg.