kin. 66 25. Sept. 1897. Das Cönaculum. Von K. Oberländer. Jerusalem liegt auf sechs Hügeln, von denen einer sich von Süd nach Ost erhebt und der Sion ist. Er ist zum großen Theil bebaut und macht so die Weissagung des Jeremias und Michäas wahr: „Sion wird wie ein Feld gepflügt" (26, 18; 3, 12). Er ist ohne Zweisel der geheimnißvollste, heiligste und berühmteste Berg der Welt, da sich auf ihm die lieblichsten Erinnerungen des alten und neuen Testamentes zusammenfinden; mit Recht ist er daher das Capitolium oder der Parnaß Israels genannt worden. Er hieß anfangs Zebus, von den Jebusitern, welche ihn zuerst bewohnten und die Akropolis oder Festung Sion erbaut hatten, welche David eroberte. Er erbaute dort aus Cedernholz, welches ihm Hiram, König von Tyrus, gesandt hatte, einen Palast, befestigte die Burg noch mehr und nannte sie Stadt Davids (2 Könige 7,6; 1 Paralip. 11, 4—7). Auf diesen Berg verbrachte David die Bundcslade (2 Könige 6, 12; 1 Paralip. 15). In dem von David erbauten Königspalaste wohnten auch Salomo und die anderen Nachfolger (3 Könige, 7). Dort waren die Königsgräber (1 Könige 2, 10), und wir wissen, daß dasjenige von David noch in den ersten Zeiten des Christenthums vorhanden war. Nach Josephns hatte Salomon dort große Schätze niedergelegt, wovon der Hohepriester Hyrkauus 132 v. Chr. eines erbrach und ihm 3000 Talente Goldes entnahm. Der hl. Petrus weist (Apostelgeschichte 2, 29) darauf hin mit den Worten: „Sein (Davids) Grab ist bei uns bis aus den heutigen Tag.", Aus dem Briefe des hl. Paula und Enstachium an Marcella sehen wir, daß man an ihm wie an anderen heiligen Stätten seine Andacht verrichtete. Dort sehen wir noch immer die von Salomo so gepriesenen Ccdern wachsen (Eccl. 24, 47), wie man noch den unteren Theil des Thurmes Davids sieht. Dort hatte Herodes der Große seinen Palast mit den drei Thürmen Hippikus, Phasael und Mariamne, von welchem Josephns so Wunderbares orzählt. Seine größte Berühmtheit aber verdankt der Berg dem, was sich im neuen Testament von ihm findet. Auf dem Sion war der Palast der Hohenpriester Annas und Kaiphas, wo Jesus vom Synedrium gerichtet wurde; da war das Cönaculum, der Saal, in welchem der Heiland das letzte Osterlamm mit seinen Aposteln aß und das heiligste Altarssakrament einsetzte. Hier erschien er am Tage seiner Auferstehung und acht Tage später den Aposteln, hier kam über sie der heilige Geist am Pfingst- feste herab, hier als auf einem neuen Sinai wurde das neue Gesetz feierlich verkündet oder vielmehr dem alten die Ergänzung und Vollendung gegeben und so die Weissagung Jsaias' (2, 3) erfüllt: „von Sion wird das Gesetz ausgehen". Hier endlich nahm die Kirche Jesu Christi ihren feierlichen und öffentlichen Anfang; von ihm hatte Jsaias (46, 13) gesagt: „ich will in Sion Heil wirken," nämlich in der Kirche, die hier entstand; von ihm sagt David (Ps. 86, 2): „es leite der Herr die Thore Sions über alle Hütten Jakobs"; von ihm sagt Johannes (Apok. 14, 1): „ich sah, und siehe, ein Lamm stand auf dem Berge Sion und mit ihm 144,000, die seinen Namen und seines Vaters Namen auf ihren Stirnen geschrieben hatten". Rufen wir uns, um die Bedeutung des Cönaculum recht zu würdigen, das ins Gedächtniß, was das Evangelium sagt: „Gehet in die Stadt zu einem und saget zu ihm: Der Meister spricht: meine Zeit ist nahe, wo ist mein Speisezimmer, in dem ich das Osterlamm mit meinen Jüngern essen kann? Und er wird euch einen großen, mit Polstern versehenen Speisesaal zeigen, daselbst richtet für uns zu!" Nach der Tradition gehörte das Haus dem Joseph von Arimathäa. Das Cönaculum wurde schon zu Zeiten der Apostel in eine Kirche umgewandelt, welche der hl. Jakobus, der erste Bischof von Jerusalem, die Mutter aller Kirchen nennt. Der hl. Epiphanias erzählt, daß auf dem Berge Sion neben andern Gebäuden „die kleine christliche Kirche, die an dem Orte stund, wohin die Jünger nach der Himmelfahrt des Heilandes vom Oelberg aus sich zurückzogen, indem sie in das Cönaculum hinaufgingen," von den Ruinen der Belagerung durch Titus übrig geblieben sei. Unmittelbar nach der Zeit der hl. Helena gedenkt der hl. Cyrillus dieser Kirche und nennt sie ooolooiL Lpootoloruiu, eoelosia, 8uporior. Von ihr spricht der hl. Hieronymus und sagt, daß die Säule, an welcher Jesus gegeißelt wurde, dort sei, um die Säulenhalle zu stützen; von ihr sprechen Beda, Wilhelm von Tyrus, Johannes Damascenus und andere. Als die Kreuzfahrer Jerusalem einnahmen, waren von der Kirche des Cönaculums nur noch wenige Ruinen übrig, sie bauten sie in derselben Gestalt, wie die alte gewesen war, wieder auf, es ward ein Augnstinerstift angebaut, und die Mönche blieben dort bis 1187, wo das lateinische Kaiserthum aufhörte und auch die Kirche des Cönaculums zerstört ward. Bald wurde dort ein großes Kloster gebaut» das von syrischen Mönchen bewohnt wurde, bis 1219 sich der hl. Franziskus mit seinen minderen Brüdern niederließ, welche anfangs in einem armseligen Quartier wohnten und dann im Jahre 1239 in derselben Abtei, welche ihnen Melek es-Saleh Jsmael, Sultan von DamascuS, dessen Bruder ein Freund des hl. Franziskus war, überlassen hatte. Die gegenwärtige Kirche wurde von den Franziskanern im Spitzbogenstile im 14. Jahrhundert auf Kosten von Sancia, der Königin von Sizilien, neu erbaut. Allein die Kirche ist heutzutage keine christliche mehr, sondern eine Moschee. Gegen Ende des Jahres 1551 wurde sie mit den anliegenden Gebäuden den Franziskanern entrissen und den türkischen Derwischen übergeben und erhielt den Namen Naby Darnd oder Prophet David, weil die Türken glauben, es sei hier das Grab Davids. Zum Cönaculum führt links von der Thorhalle eine Treppe von zwanzig Stufen hinauf. Es ist ein zwei- schiffiger Obersaal, 20 Meter lang und 9,15 Meter breit, dessen Spitzbogengewölbe von acht Wandsänlen und zwei in der Mitte freistehenden Säulen getragen werden, welche den Saal in zwei Hälften theilen; er ist von drei in der südlichen Wand angebrachten Fenstern beleuchtet. An derselben Wand ist das Mihrab oder die Gebetsrichtung nach Mekka angebracht, bezw. die ehemalige Kapelle der Geistes- ausgießung. Rechts von dieser Kapelle zeigt man den Ort, wo der Apostel Thomas seinen Finger in die Wunden des Herrn legte, und wieder rechts von diesem die Kapelle, in welcher nach der Tradition der heilige Johannes das hl. Meßopfer in Gegenwart der seligsten Jungfrau feierte. Kehrt man in den Abendmahlssaal 386 ' zurück und nähert man sich der Thüre, so sieht man eine Treppe, welche in einen unteren Saal hinabführt, wo nach der Ueberlieferung die Fußwaschung der Apostel stattfand; allein man darf nicht hinunter steigen, weil da ein Harem, die Wohnung der türkischen Frauen, ist. Heute noch führt der Guardian der Franziskaner im heiligen Lande zur Erinnerung an den einstigen Besitz den Titel „Guardian vom Berge Sion". Am Pfingstfeste dürfen die Katholiken das hl. Meßopfer um theures Geld darbringen; früher durften sie auch jedes Jahr die Fußwaschung dort halten. Möge die auf der Katholikenversaminlung in Landshut kürzlich von der Reife unseres Kaisers ins heilige Land erhoffte Rückgabe des Cönacnlnm an die Katholiken glücklich erfolgen! Gaetauo Donizetti. Zu seinem hundertsten Geburtstag geschildert von A. G. (25. Septbr. 1797). Wer kennt sie nicht, die „Regimentstochtcr", die graziöse Oper mit der schneidigen, „feschen" Marie, mit dem schlichten und natürlichen Antonio, welche heute noch eine Lieblingsoper des kunstsinnigen Publikums ist und über die Bretter der alten und neuen Welt heute noch geht, wie bei ihrem Entstehen? Hätte der Componist Donizetti nur dies «ine Werk verfaßt und uns hinterlassen, schon dieses einen wegen wäre er würdig, daß sein Andenken bei der Wiederkehr seines hundertsten Geburtstages aufgefrischt würde. Er hat aber weit — weit mehr gearbeitet und hinterlassen, fast zu viel, er ist entschieden einer der vorzüglichsten und tonangebenden italienischen Komponisten der neuesten Zeit, der neben Rossini und Belliui lauge Zeit an der Spitze aller Opernproduetion stand — sein Leben gestaltete sich zudem so bewegt und mannigfaltig, daß sein Andenken auch nach dieser Beziehung wachzuhalten sich lohnt. Gaetauo Donizetti wurde geboren am 25. Septbr. 1797 zu Bergamo und erhielt den ersten musikalischen Unterricht an dem dortigen Lyceum. Der erste Lehrer des sehr talentvollen und gelehrigen Schülers war der berühmte Componist Simon Mahr, der ihn zu weiterer Ausbildung, nachdem ihn auch Salari und Gonzales unterrichtet hatten, nach Bologna schickte und ihn dorten besonders dein Pater Matte! und Pilotti, welch letzterer Kontrapunkt dozirte, angelegentlichst empfahl. Drei Jahre war er in der strengen Schule dieser Meister und nützte seine Zeit auf das gewissenhafteste aus. Schon damals im Alter von siebzehn bis zwanzig Jahren schrieb er Ouvertüren für Orchester, Cantatcn und Kammermusik. Im Jahre 1816 kehrte er in seine Vaterstadt zurück mit dein Entschluß, sich der kirchlichen Tonkunst zu widmen, er fand aber bei diesem Entschluß einen starken Gegner an seinem eigenen Vater, der ein Feind der musikalischen Laufbahn seines Sohnes war und aus Gaetauo entweder einen Advokaten oder einen Maler — reimt, sich wohl nicht gut zusammen — machen wollte. Zu beiden Plänen seines Paters konnte der Sohn nicht Ja sagen, und er entrann dem Dilemma dadurch, daß er Soldat wurde, als Freiwilliger in ein österreichisches Regiment eintrat und mit demselben nach Oberitalieu zog, wo er in Venedig statiouirt wurde. Schon auf der Reise dorthin studirte er verschiedene Opernbühuen und schloß mit verschiedenen Künstlern Freundschaften. Bald guittirte er den Militärdienst, um ganz sich auf die Musik zu werfen» und alsbald ließ er seine erste Oper „Enrico" von Stapel, welche, auf einem kleinen Theater in Venedig aufgeführt, als Erstlingswerk immerhin einen Achtungserfolg errang. Bald folgten weitere Opern für Mantua, Mailand und Neapel, für welch letztere Stadt er die meisten seiner italienischen Opern schrieb. Aus dieser Zeit ist hervorzuheben seine „Anna Bolena", ein Werk von großer Schönheit. Zwei Sterne leuchteten damals am Opernhimmel Italiens und Frankreichs, Rossini und Bellini, ersterer durch seinen „Barbier von Sevilla", letzterer durch feine „Norma" und die „Puritaner". Der „Barbier" ist entschieden eine echte Perle der italienischen Opera Buffa voll leichtbeschwingter Grazie und sprudelnder heiterer Laune, voll graziös einschmeichelnder Melodien. Die „Norma" von Bellini enthält dergleichen ohne Zweifel recht viel Schönes und wahrhaft Bedeutendes, aber auch viel Triviales. Kaum sollte man es glauben, daß der gleiche Maestro, der das große Recitativ der „Norma" und das darauffolgende „oasta ckivu,", der das „Fluch den Römern" und das letzte Finale geschaffen, daß der gleiche Meister Dinge schreiben konnte, wie die meisten Arien und Enscmbleschlüssc, welche der gewöhnlichen Gassenmusik Concnrrenz machen. Diesen genannten Meistern wollte Donizetti nachfolgen, wollte sich mit ihnen — besser gesagt — messen. Den „Puritanern" wollte er den „Marina Falicro" entgegensetzen, der Versuch mißlang. Doch ging es sehr bald besser, einerseits ging Bellini mit Tod ab, anderseits that Donizetti in Neapel mit seiner „Lucia von Lammermoor" einen vorzüglichen Griff, das herrliche Werk wurde in ganz Italien begrüßt, der Componist sehr gefeiert. In und mit diesem Werk hat der Meister einen so vollen Griff in die Tiefen menschlicher Liebes- und Leidensfähigkeit gethan und die Musik zu einem so beredten Dolmetsch der stärksten Seelenempfindungen gemacht, daß man dem prächtigen Werk nur mit dem Empfinden eines Genusses lauschen kann. Sein Ruhm war begründet, seine Existenz nicht minder. Er war jetzt nach Rossiui's Verstummen und Bellini's Tod der gefeierte Liebling seiner Landsleute geworden, der Autokrat der italienischen Opcrnbühne; die Theater nicht nur Jtulieus, sondern auch Frankreichs und Deutschlands brachten seine Werke und erbaten sich neue Partituren. Im Jahre 1834 wurde er zum Kapellmeister und Lehrer der Komposition am k. Konservatorium zu Neapel ernannt, bald darauf znm Professor des Contra- punkts und stellvertretenden Direktor, und nach dem Tode Zingarelli's im Jahre 1838 znm wirklichen Direktor, trotzdem nngemein gegen ihn intriguirt wurde. Aber schon ein Jähr darauf legte er alle diese Aemter nieder, um vorerst nach Paris zu gehen und von da an überhaupt ziemlich ruhe- und rastlos umherznwaudeln. In Paris hatte er mit seinen Opern theils Glück, theils mitunter großes „Pech", er schrieb eben zu viel, allzu viel, und das war auch für den gewiß genialen Meister ungesund. Seine „Regimentstochter" wurde der Liebling aller Theater Europa's, seine „Favoritin" erzielte speciell in Paris einen Erfolg, wie ihn kaum selbst ein französischer Componist je errungen hatte. Dieser Erfolg stachelte den Komponisten an, er arbeitete wenigstens eine Zeit lang wieder mit größerer Sorgfalt, erfaßte das dramatische Element schärfer und verwandte deßhalb auf die Recitative eine höhere deklamatorische Kraft. Im Jahre 1842 finden wir den Meister in der österreichischen Hauptstadt, wo er neben Orden und Auszeichnungen auch den Titel eines k. k. HofkapellmeistcrS und Kammercomponisten mit einem Gehalt von dreitausend Gulden erhielt. Seine Opern, die er hier componirtc, gefielen sehr, besonders „Linda di Chainouy" mit ihrer sehr eleganten Instrumentation, nicht weniger gefielen auch die kirchlichen Compositionen aus damaliger Zeit, besonders ein „Miserere" und ein „Ave Maria". Drei Jahre später ist er wieder in Paris zu treffen und schrieb dorten seinen „Don Sebastians" und für Neapel seine „Caterina Cornaro"; beide Opern fanden an den Plätzen, für welche sie geschrieben wurden, anfangs gar keine gute Aufnahme, so zwar, daß er nach der Aufführung der erster» zu einem Freunde sagte: „von LobnZtion ins tue": später errangen sie gute Erfolge. Letztgenannte Oper ist zugleich die letzte der 64 Opern, die Donizetti schrieb. Allzngroße Anstrengung, ununterbrochenes Schaffen, mitunter ungeregeltes Leben führten in Paris unerwartet eine Geisteskrankheit herbei, der Meister wurde irrsinnig, stumpfsinnig, seine Arbeitshand war gelähmt, die Kunst der besten Aerzte versagte. Hiezu Gehirnerweichung, Schwinden des Gedächtnisses, Abnahme der Sprache; Donizetti vegetirte nur noch in Paris, in Nizza, in einer Irrenanstalt. Ein klein wenig hoffte man noch vom Aufenthalt in seiner Heimath; auch in Bergamo, wohin ihn treue Liebe der nächsten Anverwandten brachte, blieb der Geist verschleiert, obwohl die Körperkräfte etwas zunahmen, und am 8. April 1848 starb der Meister eines ruhigen Todes. Viel, fast zu viel hat er der Mit- und Nachwelt hinterlassen, viel, sehr viel Schönes und Gediegenes auf dem Gebiete der geistlichen und weltlichen Musik. Hätte er nicht so fieberhaft schnell gearbeitet, er wäre wohl älter als 50 Jahre geworden und hätte noch Gediegeneres hinterlassen, aber z. B. in drei Stunden oft die Partitur zu einem großen Werke schreiben, das ist für Geist und Körper wohl aufreibend, für die Kunst wohl auch oft zu schnell. Donizetti ist mit Mercadaute der letzte der dramatischen Komponisten der italienischen Schule. Mehrere seiner Werke werden sicher noch recht lange sein Genie der Welt verkünden, daS Genie eines Mannes, der sich an große Vorbilder anlehnte und doch wieder originell für sich war, eines Mannes, der gern lernte und aber auch die größte Freude hatte, Talente selbst wieder zu lehren und heranzubilden, eines Mannes, von dem ein Zeitgenosse sagte: „groß war er als Künstler und als Mann". Ein paar Worte noch über die geplanten Jnbiläums- feierlichkeiteu, besonders in Italien, speciell Bergamo. In erster Linie werden seine Hauptwerke aufgeführt, jedenfalls wird dießbeznglich in jeder großen Stadt sein Name gefeiert werden, ein Denkmal wird ihm errichtet, eine Ausstellung von Erinnerungen an ihn wird in Bergamo veranstaltet. Ein recht interessantes Stück in derselben wird das Klavier des Meisters sein, von dem er u. a. an einen Schwager schrieb: „um keinen Preis darf es verkauft werden, ich habe seinen Klang in meinen Ohren, dort murmeln Anna, Marin, Faustn, Lucia, laß es leben, so lange ich lebe! Es hörte meine Freudenrufe, es sah meine Thränen, meine Enttäuschungen, meine Ehren" u. s. w. Solche Worte beweisen sicher: Donizetti hat nicht nur, wie jeder Künstler es wohl erfahren hat, erfährt und erfahren wird, Lorbeeren geerntet, sondern er mußte auch erfahren, daß auf dem Künstlerweg auch Dornen gedeihen. Mittelalterlicher Brirgenbau gegenüber römischer Befestigung in Deutschland. Von Gg. Hock. (Schluß.) Von den Castelleu des Dekümatenlandes Rätiens und Vindeliciens ist bekannt, daß sie vor allem die Durchlässe des Limes sowie die Straßen zu decken hatten, höchstens auf die Nähe von Wasser und genügendem Futter Rücksicht nahmen, sonst aber selten dem Gebäude sich anzupassen suchte», günstige Lage oder Aussicht oft förmlich verschmähten; Abweichungen lassen sich meistens auS ganz besonderen Terrainverhältiiissen erklären. So gehört das Castell bei Pfünz an der Altmühl, welches ungefähr 40 m über dem Flusse liegt, zu den seltensten Ausnahmen. Mit Recht glaubt Herr Limescommissär Winkelmann aus Grund von Untersuchungen behaupten zu können, daß sich bereits ein früheres Castell weiter unten am Ufer befand, dann aber wahrscheinlich wegen Ueberschwemmungsgcfahr auf die Höhe verlegt wurde. Zu allen Castelleu führten Straßen, in der Regel gut unterhalten. Der Zugang zur Ritterburg mußte so schwierig als möglich sein, und dem Gegner mußten schon beim Ausstiege vielfache Hindernisse sich entgegenstellen. Diese unumstößlichen Thatsachen erregten schon frühzeitig Bedenken gegen die Ansicht, daß die deutsche Burg sich von Römerwerken herleite, und wir können im allgemeinen uns jetzt an die Worte von Cohansen halten: „Wer auf einer schön gelegenen Bcrgspitze, weil sie ihm gefällt, eine römische Befestigung sucht, kennt eben die römischen Castelle nicht, und was dem entgegen behauptet worden ist von Mone und Krieg und allen, die ihnen nachgetreten sind, sind nur hübsche Phantasien."^) Im Gegensatz zu der Höheuburg steht die bereits erwähnte Nieder- oder Wasserburg. Als ihr charakteristisches Merkmal möchte ich die nassen Gräben betrachten, welche an römischen Anlagen fehlen. Ein Beispiel in verkleinertem Maßstabe dürfte sich etwa in Nieshofen bei Eichstätt finden. Dortselbst steht außerhalb deS Dorfes, hart an der Altmühl, ein als „Hunger-" oder „Römerthnrin" weithin bekannter Steinkoloß. Bei einer genaueren Betrachtung des Terrains bemerkt mau ganz deutlich die Spuren eines halbmondförmigen Grabens, welcher durch seine zwei Arme mit dem Flusse in Verbindung stand. Innerhalb dieses Grabens, der jedenfalls »och durch Wall, Mauer oder Zaun verstärkt war, zeigen sich die Fundamente von verschiedenen Bauwerken, welche den Thurm von drei Seiten umgaben. Hier haben wir offenbar den ehemaligen befestigten Wohnsitz eines mittelalterlichen Grundherrn vor uns. In der That erscheint nach den Regesteu der Bischöfe von Eichstätt schon im Jahre 1283 ein Konrad von Rngshoscn oder Nieshofen als Besitzer dieser Feste. Auch hier ist also die Annahme einer Erbauung durch Römerhand völlig ans der Luft gegriffen. Es bleibt uns nur mehr noch ein kleiner Vergleich übrig zwischen römischer und mittelalterlicher Mauertechnik. Gerade diese soll nach Krieg und seinen Freunden einen wichtigen Anhaltspnnkt in unserer Frage bieten. Auch der Römer unterschied zwischen Ziegel-, Stein- und gemischten Mauern. Das römische Ziegelwerk trägt nach Uebereinstimmung vieler Fachleute wirklich charakteristische Merkmale an sich. Abgesehen davon, daß nicht ") v. Cohansen: „Der röm. Grenzwatt" S. 335. 388 selten der Lcgionsstempel den einzelnen Stücken aufgeprägt ist, zeichnen sich dieselben meistens durch Dauerhaftigkeit, reines Material und eine eigenthümlich dunkel- rothe Färbung aus. Die Eimnanerniig der Ziegel sowie anderer Gestcius- artcn finden wir bei alten Bauten des öfteren in schräggestellten Lagen bethätigt, und zwar bald in der Mauer, bald auf den Außenflächen, so daß diese Art wegen ihrer Aehnlich- keit mit Fischgräten „Häringsgrätenbau" oder auch „vxus spioatum" „ährenförmig" genannt wurde (von sxiaa. — Aehre). Ueber den Zweck des vxus oxioatum hat man sich schon mehrfach gestritten. Das „statistische Motiv", welches auch Piper geltend zu machen sucht, dürfte wenig begründet sein, und es scheint die Ansicht die richtigere zu sein, daß man hier eine „technische Spielerei"^) vor sich habe. Einen Aufschluß über die betreffende Bauzeit kann diese Technik kaum gewähren; sie ist bereits von den Römern ausgeübt worden, kam nach Cori gegen „Ende des zehnten Jahrhunderts an den nördlichen Abhängen der Alpen zuerst vor" und ist höchstens ein Kennzeichen von frühmittelalterlichen Burgen. Zu größeren Schwierigkeiten besonders in der Unterscheidung führte der eigentliche Steinverband, namentlich das Quadermauerwerk mit Füllwerk, das schon von den Griechen ausgebildet worden war, von Vitrnv als LftTrXexro; „das Verbundene" bezeichnet wird, weil längere Bindsteine durch die ganze Mauer hindurchlicfen. Die Römer vereinfachten es etwas und gaben ihm eine Gestalt, deren Beschreibung uns von Vitrnv gegeben^) und von Mutzel folgendermaßen übersetzt ist: „Die Unsrigen verwenden auf die Stirnmanern allen Fleiß, indem sie senkrechte Schichten übereinander legen, und füllen den Zwischenraum mit getrennt liegenden Stücken von Steinen und mit Mörtel. So entstehen bei dieser Bauart drei Krusten: die zwei der Stirnwände und eine mittlere, die der Gußmauer." ^) Nach außen sind die Steine entweder glatt gemeißelt, es ist dies das eigentliche Quaderwerk, oder, wie in vielen Fällen, ist die rohe Bruchfläche hie und da mit einigen Correctnren beibehalten; so entsteht die bekannte ,iu8tioa>°, auch Buckelquader, Bosfenquader oder Kropfsteine genannt. Gewöhnlich findet sich an den Kanten ein mehrere Ccntimetcr breiter „Nandschlag", eine glatt gemeißelte Borde, welche bekanntlich das erste und nächste Ziel des Steinmetzen bei der Arbeit ist. Obwohl wir nun aus dem Alterthume von der rustiou eigentlich gar nichts erfahren, so ist sie doch mit dem obigen Verbände als identisch aufgefaßt worden und ist in den Augen der Romanisten das Charakteristikum eines römischen Bauwerkes. Krieg von Hochfelden sagt rundweg: „Römisch ist die Rustika mit oder ohne glatten, glcichbreiten Naud- beschlag, aber mit glattgemeitzelten Borden au den genau ^) Siehe Piper: „Burgenkunde" S. 112. ") S. „Repertorium für Kunstwissenschaft" S. 197, 1896. XIX, 3. Cori: „Bau und Entwicklung der deutschen Burgen im Mittelalter" S. 21. ") Die Stelle lautet: „Xostri srsctos eboros loeanteg Ironttdus sorviunt et in wsclio karciuut kraetjs se- psratim eum mstsria eaemsatis. Ita tres snseitantur in es strnetur» erustas: ckuas kronttuin st uns msäia tartnras." ^."-Mutzel: „Die römischen Wartthürme in Bayern." senkrechten Kanten des Baues;" ^) man kam schließlich soweit in dieser Manie, daß, wo überall ein Bosfenquader sich fand, auch ein römischer Bau vorhanden sein mußte. Nun ist die Rustika und das „Füllwerk" allerdings von den Römern vielfach angewendet, besonders in Italien, aber auch bei uns; man denke nur an die xortg, pi-us- toria in Regcnsburg. Allein die obige Ansicht Kriegs hat sich längst als unhaltbar erwiesen. Es zeigen eine Menge mittelalterlicher Burgen, selbst solche, über deren Bauzeit wir gar keinen Zweifel haben können, genau dieselbe Anlage, wie die besten italischen Bossagen. Es wird, um nur ein drastisches Beispiel anzuführen, niemand den Burgthurm von Nürnberg für römisch halten, ein Ort, den doch kaum die Römer betreten, ganz sicher aber nicht befestigt haben. Cori3°) und Mutzel") wollen zwar noch einen Unterschied wissen zwischen römischen und mittelalterlichen Kropfsteinen, indem die letzteren „durchweg die Spur des Meißels" zeigten. Allein wenn Mutzel (unter anderem) die Kanalschleusen zu Riedenburg oder die neue Donaubrücke zu Donauwörth als Beispiele anführt, so beweist das nicht mehr, als daß man in späterer oder besser in neuester Zeit mehr Sorgfalt auf diese Construktion verwendet, um dem Ganzen nicht einen allzu rohen Anstrich zu geben. Cohauscn behauptet in dieser Frage sicher nicht zu viel, wenn er meint: „Kurz, die meisten deutschen Neichs- burgen sind mit Füllwerk und Rustika gebaut."") Auch das Mittelalter wird die Vorzüge der Bossen- quader haben würdigen können, welche das Emporschieben von Leitern verhinderten, und an denen die Niederschlüge nur die hervorragenden Steintheile treffen können, um dann an diesen wie an den Wetternasen eines gothischen Baues hcrnnterzugleiten, ohne die Fngenvcrbindnngen zu ^berühren und zu schädigen". Ucbrigcns gibt die Rustika, wie Esscnwcin^ sagt, der Erscheinung der Bauwerke eine gewisse Kraft, die entschieden dem Charakter der Kriegsbaukunst entspricht, sie verkündeten gleichsam nach den Worten Nähers die „physische Urkraft des Deutschen, und ein solch massiger Bau war wohl geeignet, die Macht und das Ansehen des Burgherrn zur Schau zu tragen".") Schauen wir zum Schlüsse noch einmal aus das Gesagte zurück, so läßt sich das Ganze kurz recapitnliren in dem Resultate, zu welchem Piper in dieser Frage gekommen ist, und dessen Ansicht ungefähr in Folgendem besteht:") „Die älteren, bei der ersten Occupation unseres Landes von den Römern angelegten Castclle" ziehen gewöhnlich so wenig Vortheil aus dem Gebäude, daß ihre Lage „zumal für Höhenburgcn nicht geeignet erscheint", — Gegensätze, welche vor allem in dem Offcnsivverhält- nisse des Römers und dem Dcfensivverhältnisse des Burgherrn ihren Grund haben. Die Schildmauern, Zwinger, Vorburgen kommen bei den Einstellen nicht, höchstens bei späteren, mehr außerdeutschen Befestigungen vor. Die regelmäßige Gestalt des Lagers, seine „Dnrch- schueidung" von zwei Straßen „ist den Burganlageu *°) „Geschichte der Militärarchitektur" S. 132. Cori: „Bau und Einrichtung der deutschen Burgen" S. 22. ") Mutzest: „Die römischen Wartthürme besonders in Bayern" S. 10. ") v. Cohauscn: „Der römische Grenzivall". ") Esscnwcin: „Kriegsbaukunst" S. 53. ") v. Näher: „Die deutsche Burg" S. 15. ") Vcrgl. Piper: „Burgenkunde" S. 114 u. 115. fremd", welche sich meistens in unregelmäßigen Umrissen genau dem Terrain anpaßten. Was die Besetzung von militärisch günstig gelegenen Punkten anbelangt, so beobachteten die Römer eine den späteren Zeiten fremde Taktik. Auch die Römer haben Wartthürme errichtet, welche aber viel geringere Maße ausweisen, als die mittelalterlichen Berchfrite. Bei der Aehnlichkeit des römischen und mittelalterlichen Mauerbanes kann die Mauertechnik nur in seltenen Fällen „römischen Ursprung" wahrscheinlich machen; Bnckelquader mit Randschlag insbesondere finden sich im Mittelalter so häufig, daß dadurch jeder Schluß auf römischen Ursprung vernichtet wird. So haben wir uns vielleicht im Geiste ein kleines Bild entworfen von jenen imposanten, oft Bewunderung und Achtung verdienenden Wehrbantcn unserer Vorgänger. Ich sage: im Geiste, denn die Gegenwart bietet uns ver- hältnißmäßig wenig Wirklichkeit. Längst sind die römischen Legionen und Kohorten aus Deutschland gewichen, Franken, Alemannen, Gothen und Sachsen setzten den zerstörenden Fuß auf die Anlagen ihrer Unterdrücker, die Kastelle und Thürme sanken in Schutt und Asche, der Zahn der Zeit vollbrachte das Uebrige, und über vielen denkwürdigen Stätten geht jetzt der Pflug des Landmannes. Aber auch der tapfere Ritter konnte sich auf seiner Burg nicht halten. Mit der Erfindung des Pulvers mußte eine andere Befestignngsart in Anwendung kommen, unsere heutigen Bomben und Granaten würden mit Leichtigkeit die einst unüberwindlichen Mauern in Trümmer legen. Diejenigen Burgen, welche durch die zerstörende Macht des Krieges noch nicht gefallen waren, wurden meist ihrem Schicksal überlassen, später vielleicht des Steinmatcrials wegen mit Bedacht verwüstet oder um ein Spottgeld „aus Abbruch verkauft". Selten ist der Fall, daß liebevolle, noch seltener, daß verständige Hände die Mittel nicht scheuten, um ein solches Denkmal unserer Zeit zu erhalten. Traurig-ernst blicken die Ruinen so vieler Burgen hernieder in das Tha; noch trotzt vielleicht der mächtige Bcrchfrit, doch Stein um Stein löst sich los, die moderne Welt kennt meistens kein Erbarmen, bald kommt auch für ihn der Tag, wo er Einsturzes halber abgetragen werden muß, und der letzte Rest der einst so stolzen Feste ist verschwunden. Die Bedeutung der christlichen Kunst gegenüber dem Naturalismus und Jndiffereutismus. (Stenogramm der Rede des Lycealprofcfforsvr. Schlecht- D i l li n gen, gehalten auf dem Katholikentag in Landshut.) Ew. Excellenz Hochivttrdigster Herr Erzbischof! Hochansehnliche Versammlung! Es wird schwer, auf die außerordentlich kernigen und sachkundigen Worte meines Herrn Vorredners Sie setzt auf ein ganz anderes Gebiet zu führen. Allein ich gebe Ihnen das Versprechen, möglichst praktisch und auch. so gut ich es vermag, möglichst kurz mich zu fassen. Wie Sie wissen, ist es eine löbliche Gepflogenheit unserer Generalversammlungen, mit denselben eine Aus-- stellung christlicher Kunstgcgenstände zu verbinden und in der Regel auch einige Worte über die Bedeutung der christlichen Kirnst zu sprechen. Ist sie doch die edelste Tochter der Kirche! die vornehmste Dienerin unserer heiligen Religion! Seit vier Jahren ist nun darüber auf unseren Generalversammlungen nicht mehr gesprochen worden, und ich glaube, daß es gerade auf dieser Generalversammlung passend ist, die im schönen Bayerlande tagt. wo einstmals ein hochsinniger König eine neue Aera der Kunst geschaffen hat. (Beifall!) einer hohen, hehren und heiligen Kunst, die selbst da heilig war. wo sie profane Werke hervorbrachte. Nun gehen ja allerdings in unseren Tagen die Auffassungen über Kunst bedeutend auseinander, und vor kurzem erst hat Se. Excellenz der Herr Cultnsminister von Bayern treffend bemerkt, daß in den letzten Jahrzehnten der Kunstbegriff selber ins Schwanken gerathen sei. Wenn also irgendwie und irgendwo, so gilt auf diesem Gebiete meines Erachtens der Grundsatz: im Nothwendigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in Allem brüderliche Liebe. (Beifall.) Bei der großen Ausdehnung dieses Gebietes bin ich dem Lokalcomitö sehr dankbar, daß es vorsorglich gewisse Grenzen abgesteckt und mir die Aufgabe zugewiesen hat. die Bedeutung der christlichen Kunst ins Auge zu fassen gegenüber dem Naturalismus und Jn- differentismus. Darin, meine Herren, erkenne ich auch in der That die zwei schlimmsten Feinde, welche sich einer wahren, von: Geiste des Christenthums erfüllten Kunst in den Weg stellen. Auf der einen Seite hören wir die Künstler klagen über die Theilnahmslosigkeit des Publikums, womit sie zu kämpfen haben, selbst dann, wenn sie noch so sehr von ernstem Willen beseelt sind, ihre Talente der heiligen Kunst zu widmen, eine Theilnahmslosigkeit, die sich gerade in diesem Falle und für unsere christlichen Künstler am schlimmsten geltend macht, werk der Schaden ein doppelter ist; auf der einen Seite werden sie von den Fachgenossen als Nazarener, Heiligenmaler, Herrgottschnitzer, und wie die liebenswürdigen Titel sonst noch heißen, über die Achsel angesehen, und auf der andern Seite laufen sie Gefahr, ihre Werke unverkauft in ihrem Atelier für immer aufzubewahren. Das ist der Jn- differentismus des Publikums. Airs der anderen Seite dagegen ertönt der Vorwurf, es sei heutzutage in die Kunst ein Geist eingedrungen, der gebrochen habe mit den großen Traditionen, der fast feindlich gegenüberstehe der Lehre der Kirche, der Werke schaffe, die vielleicht technisch gnt, realistisch wahr, von einem tüchtigen Studium der Natur zeugen mögen, die jedoch des christlichen Gehaltes ganz und gar entbehren, das ist die Klage über den Naturalismus der Künstler, zu der ich mich zuerst wende. Meine Herren, ist dieser Vorwurf berechtigt? Wenn wir unsere Museen und Ausstellungen durchwandern, wenn wir unsere Kunstschriften, unsere illnstrirten Blätter durchgehen, wenn wir die Art und Weise betrachten, wie heutzutage an den meisten Akademien Kunst gelehrt und gelernt wird, so muß ich darauf antworten: „Leider ja". Die Kunst unserer Tage hat unter dem Druck des modernen Geistes, so scheint es, den hohen Flug nach den Sternen, der ihr angeboren war. verlernt und vergessen, und ihr Auge den Niederungen dieser Erde zugewandt, unbekümmert darum, daß sie dabei in Sümpfe geräth, in deren Schlinggewächsen sie sich verstrickt und in deren trüben Fluthen sie zu Grunde zu gehen droht. Es ist das eine Tendenz, meine Herren, die sich allerdings zunächst bei unserer profanen Kunst geltend macht, allein es ist doch nicht zu leugnen, daß auch die religiöse Kunst bis zu einem gewissen Grade von ihr beeinflußt wird, namentlich dann, wenn einer jener Künstler, die in der Mythologie besser Bescheid wissen als in der Hciligen- geschichte, sich aus den: Olymp, wo sie sich natürlich am liebsten in Tamengesellschaft bewegen, in den christlichen Himmel verirrt und sich daran macht, anstatt einer Ariadne, Psyche, Bacchantin, die Mutter des Herrn oder einen Engel oder gar Christus den Herrn selbst uns vor Augen führt. Meine Herren, ich weiß recht wohl, daß es ohne gründliches Studium der Natur kein gediegenes Kunstwerk geben kann. Die Kunst hat nun einmal die Aufgabe, das Schöne in sinnfälligen Gebilden darzustellen, und wo tritt uns diese Form der Kunst anders entgegen, wenn nicht in den Werken der Natur, die nach unserer festen Ueberzeugung allerdings nicht das Spiel eines blinden Zufalls, sondern aus Gottes Hand hervorgegangen rst, ein Abglanz seiner Schönheit und ein Abbild seiner unendlichen Vollkommenheit, eine Offenbarung aus einer andern Welt, die uns ein immerwährendes „8NI-SUM corcks," zuruft! Meine Herren, der Künstler muß diese Natur studiren, auch dann, wenn er Uebernatürliches, Geistiges und Himmlisches uns erzählen und vorführen will. Denn die Sprache, in der er zu uns spricht, sind Farbe und Licht, wie es draußen schillert und fluthet, sind die Dinge, die uns umgeben, die Lebewesen, der Mikrokosmos. der Mensch. Und, meine Herren, ohne gründliches Naturstudium gibt es kein gründliches Kunstwerk. 390 und die Zeiten, die ihre Annen verschlossen gegenüber der Natur, die bestimmte Schablonen hatten, nach denen jede Linie zu führen, jede Farbe aufzutragen war, die ein Bild immer wieder vom andern copirtcu, das sind die traurigsten Zeiten für die Kunstgeschichte. Dieser Weg wäre der Untergang der wahren Kunst. Deßwegen will ich unserer modernen Kunst gerne das Zugeständnis; machen, daß fie auf diesem Wege des Studiums der Natur in gewisser Beziehung zu einer hohen Vollendung gediehen ist, z. B. auf dem Gebiete der Landschaftsmalern, des Porträts, in gewissen Zweigen der Skulptur; aber zugleich liegt daB» eine große Gefahr für den Künstler, namentlich dann, wenn es sich um höhere Probleme handelt, wenn er klebersinnliches, Ewiges, Göttliches darstellen soll. Da droht dann die Idee, die doch die Seele des Kunstwerkes sein muß, und für welche die sinnliche und körperliche Form nur das Kleid bildet, zu verkümmern und der Gewalt des Körperlichen zu erliegen. Es gehört ein starker Sinn und eine geübte Meisterschaft dazu, um über das Stoffliche Herr zu werden, so daß es in Harmonie der Idee sich anschließt und unterordnet. Dieser Kampf ist besonders deßwegen schwer, weil auf unseren Akademien und in unseren Lehrbüchern der Aesthetik ein Sah Geltung hat, auf den fast alle unsere Künstler eiugeschworen zu sein scheinen, und der da lautet: „Die höchste Schönheit ist die des unbekleideten menschlichen Körpers." Ja, wenn wir diesen Satz einmal zugeben, meine Herren, dann allerdings gibt es keinen höheren Vorwnrs für die Künstler, als diesen menschlichen Leib immer wieder zu studireu, zu malen und zu meißeln. Und so geschieht es auch heutzutage. Es ist in unseren Tagen leider Gottes so weit gekommen, daß gar manche Menschen sich unter Kunstwerk nichts anderes denken können als eine Nndität, und künstlerische Schönheit für manchen identisch geworden zu sein scheint mit Schamlosigkeit. In unseren Ausstellungen, in unseren Kunsthandlungen begegnen uns immer wieder deßwegen diese vollständig unbekleideten Buben und Mägdlein, diese ganz toiletteloscn Frauen und Fräuleins, diese Burschen und Männer, gezeichnet, gemalt, geschnitzt, oder in Gold >ind Silber getrieben, oder auch in gemeinem Thon und Gyps geknetet, in allen möglichen und unmöglichen Situationen; stehend, sitzend, liegend, kauernd, schwimmend, fliegend; es ist immer dasselbe, niag im Katalog stehen: Nymphe, Eva oder Psyche, nur daß gar oft nicht sehr viel Psychisches daran zu sehen ist. (Heiterkeit.) Gewöhnliche Menschenkinder können sich nun diese Erscheinung kaum erklären, selbst mit dem Princip des Realismus und Naturalismus kommt man da nicht mehr zurecht, weil ja doch die Leute so ganz costümlos nicht spazieren zu gehen pflegen. Allein der Künstler gibt uns Aufschluß, indem er sagt: Das ist eben die enthüllte höchste Schönheit, die Schönheit des menschlichen Leibes! Und wenn wir daran zu zweifeln wagen, so ruft er uns zu: „Ist denn nicht der Mensch die Krone der Schöpfung? Findet sich irgendwo in der Natur ein vollkommeneres Organismus, feinere Linien, schönere Verhältnisse, mehr Harmonie und Rhythmus als am Leibe des Menschen?" Das geben wir zu, aber der Satz ist dennoch falsch. Meine Herren, diese Aesthetikcr und Künstler könnte jedes Christenlehr- kind wohl zu Schanden machen, wenn es ihnen sagen würde : Mehr als der Leib ist die Seele, sie ist das Göttliche im Menschen, sie prägt ihm jene höhere geistige Schönheit auf, durch welche er alle anderen körperlichen Wesen überragt, durch sie wird der Mensch zum Ebenbilde Gottes. Und darum gibt es eine Schönheit, die Höher ist als die leibliche, die körperliche Schönheit, das ist die sittliche, die geistige, die ewige Schönheit. (Bravo!) und noch ein zweites könnte dieses Kind dem Künstler und dem Aesthetikcr sagen, nämlich ein Wörtlein von der Erbsünde, durch welche der menschliche Leib ein Object des ungeordneten Begehrens geworden ist, ein Wörtlein von dem Schamgefühl, das Gott dem Menschen zum Schutz gegen diese Begierde gegeben hat, und dem auch der Künstler unterworfen ist, selbst wenn er es leugnet. (Bravo!) Sie fragen mich, verehrte Herren, was hat das Alles zu thun mit der christlichen Kunst? Sehr viel. Eine solche Kunst ist eben unchristlich in ihrem Princip, weil sie über die Gesetze der Zucht und Schamhaftigkeit sich hinwegsetzt. Eine Kunst, welche auf diesem Boden emporgewachsen ist, ist nicht im Stande, wirklich Religiöses zu schaffen, die wird nie hinauskommen über Vertreibungen aus dem Paradies, badende Susannen, büßende Magdalenen und aus Kreuz gebundene oder geschlagene weibliche Heilige. Meine Herren, diese Sache ist ivohl der Mühe werth, daß man uns darum kümmern. Dieser derbe Naturalismus wirkt geraden! zerstörend aus den religiösen Glauben, er verletzt uns in unseren heiligsten Gefühlen, indem er das, was wir gewohnt sind, im Schimmer erhabener Heiligkeit und höchster Würde zu sehen, in den Staub der Straße herunterzieht. Meine Herren, wir müssen uns dagegen verwahren, daß man uns die nächstbeste Modellsteherin als die Mutter des Herrn vorführt (Bravo!), daß wir uns irgend einen von der Straße aufgelesenen Vagabunden als Apostel prä- sentirt (Bravo!), daß man Christus den Herrn uns darstellt wie einen Hingerichteten, elenden Verbrecher, denn er ist und bleibt unser Gott und Herr, anbetungswürdig, auch wenn er am Kreuze hängt oder im Grabe ruht. (Bravo!) Wir haben aber auch ein Recht, zu protestiren gegen den Naturalismus auf dem profanen Kunstgebiete. Ich bin nicht der Ansicht, daß unsere Kunstausstellungen Bildungsanstalten seien für die unreife Jugend, daß man Kinder hineinführen soll, wie es leider geschieht, aber sie gehören nun einmal zu unseren Cultureinrichtungen, der Staat gibt große Summen für diese Zwecke, und deßwegen, meine ich, sollte es möglich sein, daß ein christlicher Familienvater mit seiner Gattin, seinen erwachsenen Töchtern und seinen Studenten sie ohne Aergerniß besuchen könnte. (Sehr wahr!) Wiederholt wurde in den gesetzgebenden Körperschaften, sowohl im Reiche, als auch in den Einzelstaaten, hingewiesen auf den in den Schaufenstern der Kunsthandlungen sich breitmachenden Naturalismus, und es ist anch Abhilfe geworden. Die Polizei trägt Sorge, daß da, wo allzustarke Auswüchse sich zeigen, solche beseitigt werden; das verdient gewiß unseren Dank. Aber was nützt diese Maßregel, wenn man alle diese Dinge zu den öffentlichen Ausstellungen zuläßt, wo man sie schön beisammen findet und mit Muße betrachten kann und betrachten muß, so aufdringlich treten diese Sachen einem in den Weg. (Sehr richtig!) (Schluß folgt.) Recensionen »nd Notizen. Papst Leo XIII. und die hl. Beredsamkeit. Erläuterungen zu dem auf päpstlichen Befehl von der 8. 0. Lxp. st Rs». erlassenen Rundschreiben an die Bischöfe Italiens und die Ordensoberen über die hl. Beredsamkeit, mit einer ausführlicheren Nutzanwendung für unsere Verhältnisse. Von Dr. Leopold Ackermann. Priester der Diöcese Würzburg. Mit kirchlicher Approbation. München. Verlag von Rudolf Abt. 1897. (88 Seiten.) 0. L. So betitelt sich ein kleines Schriftchen, vom Verfasser, der uns bereits mit einem Beitrag zur Homiletik, nämlich mit einer Arbeit über „Die Beredsamkeit des hl. Joh. Chrysostomus" erfreut hat, „dem seligen Petrus Canisius, dem zweiten Apostel Deutschlands, zum 300- jährigen Gedächtnisse seines Todes als kleine Jubiläums- gabe in dankbarer Verehrung geweiht". Nach einem einleitenden Vorwort über die Wichtigkeit des Predigtamtes auch für unsere Zeiten werden uns zuerst die fragliche Encyklica selber im lateinischen Texte sowie mehrere darauf bezügliche und deren Verständniß erleichternde Aktenstücke mitgetheilt; hieran schließen sich recht instruktive Erläuterungen zur Encyklica. zuerst über die Person des Predigers, dann über die Eigenschaften der Predigt und dann über die in dem betreffenden Rundschreiben erlassenen Verfügungen. In sehr geschickter und interessanter Weise sind zu diesem Commeutar die Ausführungen des gefeierten Apostels von Andalusien, Juan de Avila, verwerthet, wobei nur zu wünschen wäre, daß die betreffenden Auslassungen auch mit praktischen Beispielen aus den Predigten Avila's belegt wären. Von besonderem Interesse ist der 3. Abschnitt, welcher zum Theil schon im diesjährigen Jahrgang der „Passauer Monatsschrift" veröffentlicht wurde: „Ausführliche Nutzanwendung für unsere Verhältnisse, insbesondere die Darlegungen des Verfassers über die thematische Unterweis- ungs-Predigt, die „eigentliche Rede" und den sogenannten „Avis". Recht beherzigenswert!) sind auch die Bemerkungen Seite 79 f. und 87 f. — über die Mittel, das Volk zur fleißigeren Anhörung der Predigt zu bringen —, sowie die Seite 84 und 85 („Rück- und Ausblick") gegebenen Anregungen zur Hebung der so wichtigen geistlichen Beredsamkeit. Möchte doch das Büchlein recht viele Leser finden; keiner wird es, ohne großen Nutzen daraus geschöpft zu haben, aus der Hand legen! — Druckfehler, die bei einer Neuauflage zu entfernen wären, finden sich, abgesehen von einigen Jnterpuuktionsfehlern, Seite 8 Zeile 14 von unten »xlaäsatis." statt nplaoeutia", Seite 11 Zeile 10 von unten „bariut" statt „bauriat", Seite 15 Zeile 7 „diesen" statt „diese", Seite 17 Zeile 11 von oben „ein" statt „eine". Seite 23 Zeile 19 von oben „Ändalusions" statt „Andalusiens", ib. Zeile 26 „Seneke" statt „Seneka", Seite 24 Zeile 15 von oben zweimal „ihren" statt „Ihren", Seite 30 Zeile 19 von unten „Schleininger" statt „Schleimger. Sprachlich hart ist der Satzbau Seite 13 Zeile 16 von rucken, der Ausdruck „ich kann mich nicht verwinden", für „kaun ich mir nicht versagen". Sachlich möchte ich noch zu Anm. 4 aä Seite 14 bemerken, daß Hettinger in seinen „Aphorismen" die lateinischen Schrift- texte vertheidigt. Baumann Fr. L-, Der bayerische Geschichtsschreiber Karl Meichelbeck (1669—1734); Festrede, gehalten in der öffentlichen Sitzung der kgl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München, zur Feier ihres 133. Stistungstages am 27. März 1897. München, Verlag der k. b. Akademie (G. Franz), 1897. 4°, 54 Seiten. Preis 1 M. 50 Pfg. -> Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß in dieser akademischen Rede das Andenken eines Mannes der drohenden Vergessenheit entrissen wurde, den wir Bayern mit Stolz zu den unsrigcn zählen dürfen: es ist der berühmte Verfasser der „Listoris, ^risivZ-snÄs", ein Mitglied der Benediktbeurer Kongregation, des um die historische Wissenschaft hochverdienten Benediktinerordens. Nach einer Zeit des Verfalles, bedingt durch die schrecklichen Heimsuchungen, die der 30jährige Krieg über Bayern gebracht hatte, trat Meichelbeck auf historischem Gebiete als Stern erster Größe auf, ihn; gebührt das Verdienst, im südlichen Deutschland das erste Geschichtswerk verfaßt zu haben, das den Anforderungen der Kritik Stand hält; dasselbe machte (1. Band 1724) seinen Namen in ganz Europa mit Recht berühmt. Nur in Freising. das m der Historiographie doch eine so große Vergangenheit hatte, wußte allein der Fürstbischof den Mann zu schätzen, nicht aber die Herren des Capitels. Ueberhaupt hatte Meichelbeck gerade genug zu kämpfen gegen Anfeindungen, Verdächtigung und Stumpfsinn im eigenen Lager. Daß Meichelbeck auch ein Schalk sein konnte, zeigt ein Vorfall, den Baumann (S. 45) aus Meichelbeck's Schriften mittheilt: Die Kanoniker von St. Andreas in Freising wollten ihren Gründer, den Bischof Ellenhard, zu einem „Heiligen" machen und öffneten 1723 sein Grab, um etwa Anzeichen der Heiligkeit zu entdecken, von der nun Meichelbeck ganz und gar nicht überzeugt war: da öffnete unser Historiker heimlich ein Büchschcu mit scharfriechendem Balsam, und die Kanoniker sogen mit Entzücken den paradiesischen „Wohlgeruch der Heiligkeit" ein, bis ihnen Meichelbeck hohnlachend das Balsamgefäß vor die Nase hielt und der Freude ein jähes Ende bereitete. Meichelbeck war von einer staunenswertsten Arbeitskraft; seine Hauptwerke schrieb er lateinisch, und sein Latein ist einfach, klar und elegant, so daß man wirklich mit Genuß seine Schriften in die Hand nimmt, die sich leicht und angenehm lesen. Weiteres wollen wir über Meichelbeck aus Baumanu's verdienstvoller Rede, die überall in unserem Vaterlande Interesse wecken wird. nicht anführen, nachdem die „Post- zeitung" bereits in Beilage Nr. 33 ausführlicher über Meichelbeck gehandelt hat. VIachos Ang., viotionnairo Aroc-tranoais. 8". XIV -j- 1000 pp. ^töünss, LakollariM 1897. 1?r. 25.—. v Für die heutige hochgriechische Sprache der Bücher und Zeitungen reicht ein altgriechisches gutes Wörterbuch zur Noth aus; sobald es sich aber um das gesprochene Griechisch (und auch die Gebildeten gebrauchen dre Volkssprache) oder um vulgäre Texte handelt, da versagen selbst die wenigen neugriechischen Wörterbücher, die wir haben, nue Contopulos oder Legrand. Obiges Werk ist, wenn gleich nicht absolut lückenlos, doch weitaus das beste und ausführlichste dieser Gattung; es enthält nicht nur etwa einen doppelt so großen Wortschatz, wie die erwähnten anderen, sondern namentlich eine ausgedehnte Phraseologie der Schrift- und Umgangssprache, woran es die bisherigen Lexika fast gänzlich fehlen ließen. Die Ausstattung ist sehr gut, die Anordnung und Ausarbeitung zufriedenstellend; solang man noch nichts Vollkommenes hat, muß man auch für das relativ Beste dankbar sein, mögen ihm auch noch Mangel anhaften. Grammatische Angaben (z. B. über Genetivbildung u. s. w.), so wie wir es bei unsern klassischen Wörterbüchern gewohnt sind, wären erwünscht;, es scheinen aber alle derartigen Handbücher mehr für den Griechen berechnet, der eine fremde Sprache lernt, als für den, der nach dem Griechischen forscht. Es wäre jedoch leicht, beide Theile vollkommen zu befriedigen; vielleicht geschieht es bei einer zweiten Auflage oder deutschen Bearbeitung. Zur Beschaffung des Werkes bedient man sich am besten der Buchhandlung von M. Spirgatis in Leipzig, die auch sonst für Lieferung griechischer Bücher empfohlen sei. Hertkeus I., Die Reliquien von den Sandalen Jesu Christi in Prüm. Pilgerbüchlein nebst Andachten und Gebeten. 12°. 72 Seiten. Prüm, I. Schuth, 1896. Preis 25 Pfg. s In der kleinen Eifelstadt Prüm waren im vorigen Jahre (vom 11. bis 25. Oktober) die angeblichen Sandalen der Herrn zur Verehrung ausgestellt und von überaus zahlreichen Wallfahrtszügen aus Nah und Fern besucht. Das veranlaßte vorliegende Schrift, welche der frommen Sage bis auf den Frankenkönig Pipin nachgeht, der die Sandalen von Papst Zacharias zum Geschenk erhalten haben soll. Die Echtheit läßt sich nicht darthun, da so späte Quellen keine Beweiskraft haben, und frühere Quellen, die von Werth wären, eben nicht angeführt werden können. Solche Literatur-Erzeugnisse beweisen nur zu deutlich, wie berechtigt Schell's Klagen über die „exquisiten Culte" der modernen Frömmigkeit sind. Angesichts derartiger Andachtsformen fragt man sich unwillkürlich, ob der Glaube an die sakramentale Gegenwart des Herrn in allen unseren Pfarrkirchen in den Gläubigen unseres Jahrhunderts so schwach ist, daß neben ihn: ganz zweifelhafte Reliquien einen solchen Anziehungspunkt bilden können. Die Verantwortung jener, die solche Tendenzen unterstützen, obwohl sie der: Trieb des Volkes auf gesündere Bahnen lenken könnten, ist keine kleine. Petraris K., Taschenwörterbuch der neugriechischen und deutschen Sprache. 16° 2 voll. 430 und 554 Seiten. Preis 6 Mark. Leipzig, Otto Holtze, 1897. k Dieses billige, hübsch ausgestattete und reichhaltige Wörterbuch wird gewiß von allen Freunden der neugriechischen Sprache mit umso größerer Freude willkommen geheißen werden, als ein derartiges, unentbehrliches Hilfsmittel auf dem deutschen Büchermarkt bisher gänzlich fehlte, denn das im gleichen Verlag früher (1841, zuletzt 1881) erschienene Wörterbuch von Theodor Kind ist vollständig werthlos und von Fehlern, sowie willkürlich gebildeten Wörtern wimmelnd (vgl. darüber Jeanarakis, Neugriech. Gramm. S. V), und die neueren brauchbaren Lexika von Contopulos, Legrand, Vlachos sind in französischer Sprache abgefaßt oder enthalten, wie das treffliche von Jeanarakis, nur den deutsch-griechischen Theil. Der Verfasser, ein Grieche, dem wir bereits eine ganz tüchtige neugriechische Grammatik (Heidelberg. Groos, 1895) verdanken, gibt uns Gewähr dafür, daß wir in vorliegendem Buch keine selbst erfundenen Vokabeln (wie bei Kind), sondern den echt griechischen Sprachschatz der modernen Sprache in ziemlicher Vollständigkeit haben, und zwar enthält das Buch neben der Schriftsprache auch die (mit Stern bezeichneten) Wörter der Umgangssprache, deren sich in Griechenland auch der Gebildete bedient und die der Reisende kennen muß. Wir können das Buch nur empfehlen. v. Steichele-Schröder, Das Bisthum Augsburg historisch und statistisch beschrieben. 44. Heft. Augsburg, Schmid, 1897. -s. Während die beiden vorausgehenden Hefte wahrscheinlich für manchen Abonnenten ein wahres Aergerniß 392 gebildet haben mögen, namentlich wenn nicht beachtet wurde, daß sie nicht nur die für die wissenschaftliche Benützung des groben Werkes unentbehrlichen Register enthalten, sondern daß das 43. Heft auch bereits ein gut Tbeil Text zum Kapitel Kaufbeuren bietet, wird hoffentlich das neu erschienene Heft wieder alle Abonnenten mit dem ganzen mühseligen Unternehmen aufs beste aussöhnen. Denn gerade das gegenwärtige Heft ist wieder besonders geeignet, die Vorzüge der Fortsetzung der Äisthumsbeschreibung: umfassende Benützung des einschlägigen archivalischen und lrterarischen Materials, eine erquickende übersichtliche Darstellung der verschiedenen Verhältnisse in den einzelnen Pfarreien, z. B. des Ortsadels, des Grnndeigenthums, der Gerichtsbarkeit rc., ins beste Licht zu setzen. Manches Detail, man braucht nur zu erinnern an das Hereinspielen des Protestantismus m die Geschichte einzelner Pfarreien, verleiht dem Hefte ein über lokale Grenzen weit hinausreichcndes, allgemeines Interesse. Behandelt sind die Pfarreien Dösingen. Emmenhausen und Bronnen, Euris- hofen und Schwäbishofen, Ober- und Unter- Germar in gen. Guten berg.Hirschzell, Ho nsolgen und Jen gen. Don dem alten Ursin (Jrsee) lernen wir noch einen Theil der Geschichte seines ehemals bedeutenden Adelsgeschlechtes, der Freiherren. Grafen und späteren Markgrafen von Ursin-Nonsbcrg, kennen. — Möge der Augsburger Diöcesanklerus seiner herrlichen Visthums- hcschreibung ein stets wachsendes Interesse entgegenbringen! Dss XibslunAsn: Doöms traäuit äs l'allsmanä par L. äs Davsls^s. Dä. Llxsvir in 16" 2 voll. vp. IV -s- 260; 236. Daris, D. I'Iammarion, 189S. l?r. 7. rsl. k. Das Nibelungenlied ist das einzige große Epos der Völker Europa's seit dem Abschluß der alten Geschichte. Mit Recht bemerkt Schopenhauer, es sei geradezu eine Blasphemie, dasselbe etwa mit Homers Jlias und Odyssee zu vergleichen, so roh und ungeschlacht ist das deutsche Werk. gleichwohl aber verlohnt es sich der Mühe, es kennen zu lernen, zumal für den Deutschen. Es ist nicht bloß ins Neuhochdeutsche übertragen worden (so von Simrock und ganz und gar schlecht, unerträglich ungeschickt von Jordan), sondern es ist auch in fremde Sprachen übersetzt worden, und da nimmt es sich seltsam genug aus. so vorzüglich ins Ungarische von Karl Szasz und ebenso meisterhaft in italienische Verse von Jtalo Pizzi (Milano, Hoepli). Vor uns liegt nun auch eine wortgetreue französische Prosaübersetzung, die an sich keinen höheren künstlerischen Werth hat, sondern nur den Inhalt dem französischen Leser vermitteln will, und dieser Zweck wird auch erreicht. Die schmucken Bündchen, zur „Ool- Isoticm äes spopäss nationalss" gehörend, sind mit echt französischer Eleganz ausgestattet und in vorzüglichem, dem Auge wohlthuendem Drucke ausgeführt. Um eine Probe zu geben, setzen wir die Anfangszeilen, die im Original jeder gebildete Deutsche im Gedächtniß hat, her. „Des suoisnuss traäitious N0U8 rapportsut äes iusrvsills8 st nou8 parlsnt äs äöbors äi^nes äs louauZss, ä'sxploits auäavisux, äs ktztss joxsusss, äs plsurs st äs Aömisss- wsnts. Naiutsuant vous xouvsr sntsnärs rsäirs l'bistoirs insrvsillsu8s äs ess Husrrisrs valsursuss". Man sieht aus der langathmigen Wiedergabe: die Sprache des modernen Salons ist deutlich, die Poesie aber ist ihr freilich gründlich ausgetrieben. sondern mrch das irdische Dasein ihrer Kinder erträglicher zu gestalten. Der erste Abschnitt bespricht das religiöse «heiligende) Leben unter Einwirkung der Kirche, wie es sich äußert in der regelmäßigen Seelsorge, in frommen Vereinen, Bündnissen, Bruderschaften, Missionen, Andachten: der zweite Abschnitt gibt ein Bild der erziehlichen Thätigkeit der Kirche in theologischen Lehranstalten, Diöcesan-Knabenseminarien, Schulen, Asylen für Blinde und Taubstumme, Stiftungen zu Schulzwecken, sowie in der katholischen Presse. Der dritte Abschnitt behandelt Die kirchliche Armenpflege, der vierte die Krankenpflege durch Ordenscongregationen; der fünfte Abschnitt führt uns ein in jene Veranstaltungen, die die Kirche zur Hilfeleistung in besonderen Bedürfnissen einzelner Klassen getroffen hat, und dazu gehören katholische Bauern-, Arbeiter- und Haudwerkervereine, die in gegenwärtiger Zeit von eminenter Bedeutung sind. Der sechste Abschnitt erörtert im Besonderen das sociale Wirken der fünf steir- ischen Stifte: Seckau, Rein, St. Lambrecht, Vorau, Ad- mont. Genaue Tabellen, welche eine statistische Uebersicht über die socialen Anstalten in jeder einzelnen Pfarrei bringen, sowie ein ausführliches Jnhaltsverzeichniß erhöhen den Werth des Buches, den man erst dann zu schätzen weiß, wenn man erwägt, wie mühsam, welche Opfer an Zeit und Geduld erheischend eine derartige Arbeit ist. Die Gewissenhaftigkeit und der Bienenfleiß des Verfassers verdient alles Lob. Etwaige Lücken und Mängel, die bei einem solchen Werke unvermeidlich sind, zu verbessern und zu ergänzen, sind zunächst diejenigen berufen, die ihren priesterlichen Wirkungskreis in der Diöcese Seckau haben und den Dank des Verfassers für jede berichtigende Zuschrift erwarten dürfen. ÜSASv llo. O. (8. ä.), Inäsx vxsrum Dsoumäi Lrcksri. 8" pp. VIII -st 80. Lsroliui, §sl. I,. Domes, 1896. Ll. 2,00. jU. Virorum äs rs matbsmatiea dsns msritorum (Llauss, llaoobi, Orassmaim, Ltsinsr, Dssss, )Vsisrstrass, Xronsoüsr sto.) opsra omnia eoUscta possiäsmus ab aeaäsmiis säita. Ljus aulsm, gui sst omuium ksrs matbsmatieorüm priuesps ao maxistsr, svlsbsrrimi aäamavtini Dsonaräi Lulsri opsra sruäitions nsonou inAsnii aeumius prasolara aäbue ässiäsramus ints§r» in unam ssrism sollsota so novitsr säita, quamvis stiam nuuo tsmporis Dulsri soripta m»Koo soisntias pro^rsssu von abstaute onm summa utüitats non minus a tironibus guum a sorutatoribus psrlsZautur. Xuuo saltsm babsmus sura st stuäio rsv. 6. UnAsu (s soo. llesu), gui sst DeorKio- politaui obssrvatorii in l4msriea äirsetor, viri in rsbus matbsmatiois optims vsrsati (ok. sjusäsm „Lzmopsiu subU- mioris matbsssos" Rsrol. 1891—94, I. D) inäiesm ooin- plstum omnium Dulsri librorum ao äisssrtatiouum, säi- tionis opsrum Lulsri vsrs äiZuam prolusiousm, sx gus, quanta tüsrit Lulsri assiäua iuäsksssa amxla iuäustris, racils äiZnosvi potsst: Ultra 800 snumsrantur Lulsri Opera st opuseula. blau msäiooris sssst DaZenü Aloris, si kavsnts aliguo LIasosuats xost boo prasambulum säitionsm opsrum Dulsri aZKreäi atgus aäjuvantibus aliis viris kslieitsr xsrüosrö possst. Lpsramus! Der Marienbote. Jllustrirte Monatsschrift für Marienkinder und Töchter katholischer Familien. Verlag von Carl Aug. Seyfried u. Comp., Wiünchen. Preis des Jahrgangs (12 Hefte) 1,80 M. Stradner Al„ Das sociale Wirken der katholischen Kirche in Oesterreich. II. Band. Diöcese Seckau. 8°. X-st 264 Seiten. Wien. Mayer L Co., 1897. Preis 2 fl. 60 kr. s Unter den Schriften, die im Auftrage der Leo- gesellschaft in Oesterreich herausgegeben worden sind. ragen die Bände, welche das „Sociale Wirken der katholischen ; Kirche in Oesterreich" quellenmäßig behandeln, an sich und namentlich in Rücksicht auf unsere Zeitbedürfnisse v durch besonderes Interesse, das sie erregen, hervor. Der Kz vorliegende II. Band befaßt sich mit der Diöcese Seckau L; und zeigt, wie die Kirche immer und überall mit thätiger M Hand eingegriffen hat, nicht nur um ihre Gläubigen nach- P drücklich aus den zu weisen, der über den Sternen thront. Stern der Jugend. Jllustrirte Zeitschrist zur Bildung von Geist und Herz. Jährlich 26 Hefte. Preis . 4 M. Verlag der Buchhandlung L. Auer in Donauwörth. Im gleichen Verlag erscheinen „Lourdesrosen". Monatszeitschrift, Prers halbjährlich 80 Pf. „Nothbürga". erscheint alle 14 Tage, Preis halbjährlich 50 Pf. „Ra- phael", jllustrirte Zeitschrift für die reifere Jugend und das Volk, jährlich 52 Nummern, Preis Halbjährlich 1L5M. Monika", Zeitschrift für katholische Mütter und Haus- clich 52 Nummern, Preis mit der Gratis- sährl frauen. ^.. ..— .- , ^ beilage „Schutzengel" halbjährlich I Mark. „Knerpp- blätter". Alle 14 Tage eine Nummer. Preis halbjährlich 1,25 M. „Katholische Schulzeitung". Jährlich 52 Nummern. Preis halbjährlich 2 M. Mrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas H Grabherr in Augsburg.