öl,-. 57, 8. M. 1897. Der moderne Darwinismus und seine Gegner.*) Von Dr. O. Sp. Woher das erste Menschenpaar? — Diese hochwichtige Frage findet in den verschiedenen Zeiten von den verschiedenen Gelehrten verschiedene Beantwortung. Viele wollen den Menschen zunächst aus den niedrigeren Organismen entstanden wissen, also aus dem Thiere; andere halten fest an einem ursprünglichen, bereits in der Bibel berichteten, speciellen Schöpferakte bezüglich des Menschen. Dies die sich gegenüberstehenden modernen Hanpt- theorien! Ihnen gelte unsere Betrachtung! Wollen wir untersuchen, worauf sich erstere Ansicht gründet, so haben wir die moderne „Entwicklungslehre" (Evoiutions- und Descendenztheorie) einer näheren Würdigung zu unterziehen. Zuerst ihre geschichtliche Entwicklung! Als die ersten Vertreter dieser wissenschaftlichen Richtung erscheinen wohl zunächst Bnffon und der ältere Geoffroy, mehr Aufsehen erregte schon Lamarck mit seiner 2 ocüoAi" — „Aus dem Eie alles Leben". , Ja Darwin selbst schreibt im Jahre 1870: „Was auch die Zukunft noch enthüllen mag, die Wissenschaft auf ihrem gegenwärtigen Standpunkt begünstigt nicht die Meinung, daß lebende Wesen jetzt aus organischer Materie neu entstehen." Erfolglos sind bisher alle Bemühungen der Natur- ^ forscher, einer Urzeugung auf die Spur zu kommen. In dieser Hinsicht macht Bischofs ein ihn als Forscher nur ehrendes Zugeständniß: „Bei unseren Forschungen nach dem Anfang der Dinge kommen wir immer wieder auf ein letztes Glied, über das wir nicht hinaus können. Wie die ersten organischen Wesen auf die Erde gekommen sind, ist uns ebenso unbekannt, wie der Uranfang der Dinge überhaupt." Gerade die Vernunft also fordert, wenn man sie aufrichtig sein läßt, den Schöpfer. ,j Was den allmähligen, fast unmerklichen Uebergang der einen Art organischen Lebens in die andere betrifft, so findet für's erste diese Uebergangslehre keine Stütze durch die aus den Schichten der Erdrinde zu Tage geförderten Reste organischen Lebens. Im „Archiv der Geologie" finden wir die Arten und Gattungen scharf 394 begrenzt nebeneinander. Und „wo wir ein und dieselbe Species sowohl in historischer Zeit (Mumienthiere) oder in geologischer bis vor die Eiszeit, ja Muscheln selbst bis in die „oligocäue" Zeit verfolgen können, den Specicscharaktcr finde» wir unverändert und nur in ganz bestimmten Graden schwankend". Diesen Mangel der von seiner Theorie unbedingt geforderten Ucbcrgangsforincn fühlte auch Darwin recht wohl, nicht aber seine weniger „feinfühlenden" Schüler. Wenn er aber meinte, gerade die Uebergangsformen könnten durch Zufälligkeiten geologischer Prozesse zu Grunde gegangen sein, so ist dies nach dem Zeugnisse von Geologen eine Annahme von immenser Unwahrscheinlich- keit. Ebenso ist die vielfach gehegte Hoffnung unbegründet, man werde die Ilebergänge schon noch finden. Wenn auch nur Bruchstücke jedes geologischen Terrains bekannt sind, so besitzt man doch solche Brnchtheile auf allen Contincntcn und Inseln der Erde, und es wäre ein höchst launenhaftes Spiel des Zufalles, wenn die bekannten Fragmente gar überall fertige Speciesformen und gar nirgends werdende oder Uebergangsformen aufbewahrt hätten. Jenen „Hoffnnngsseligcn" gegenüber ist nur die Präcision des Spatens zu bedauern, der, so oft sie ihn ansetzen und umwenden, ihnen stets ein gleiches, vernichtendes Urtheil spricht. Paläontologie, Geschichte, Erfahrung stehen also gegen diese „Theoretiker". Wie bereits angedeutet, haben sich Darwin und- noch mehr seine Anhänger auf ungeheure Zeiträume berufen, welche ihr System ermöglichen sollen. Jenen „Zeitmillionärcn" halten wir aber nur entgegen, ihre Forderungen sind höchst willkürlich und nicht auf cxpcrimcntcller Basis fnndirt; denn die neuesten Ergebnisse der Physik, wonach seit Uranfang des organischen Lebens auf der Erde kaum mehr als hundert Millionen Jahre verflossen wären, widersprechen der Annahme so ungeheurer Zeiträume. Das Urtheil Kant's, „die Evolutionstheorie sei- ein gewagtes Abenteuer der Vernunft," ist auch das nnsrige. Weit eher ist anzunehmen, der „Schöpfer" habe eine Zahl Urtypen organischer Wesen ins Leben gerufen und ihnen die Kraft der Wcitcrzengnng gegeben. Und nun zur Stammbanmsfrage! Zu stützen suchte man diese Hypothese bezüglich der Abstammung des Menschen von einer Affenart mit dem Hinweis anst eine angeblich ganz außerordentliche Uebereinstimmung des menschlichen Körpers und seiner Entwicklung mit der körperlichen Organisation meuschcn- iihnlichcr Affen. Dagegen führen wir nur an die Worte I. Nanke's: „Wir brauche!» nicht zu bcstrciten, daß höher stehende Wirbelthicre und der Mensch mit Organen leben und sich bewegen, die einander ähnlich sind. Wir geben zu, baß ein neues, im Thierreich unerhörtes Organ beim Menschen nicht auftritt und daß im letzteren alle wesentlichen im Thicrreich vertheilten Organe und Einrichtungen vereinigt erscheinen." So Ranke. Ucbrigcus legt die Thatsache, daß Mensch und Thier aus derselben chemischen Materie, aus der Mutter Erde sich zusammensetzen, von vornherein klar, daß Mensch und Thier die gewöhnlichen niederen Lebensbedürfnisse und die Physische Lebensart gemeinsam haben.müssen. Aber berechtigt diese Thatsache schon znm Schlüsse, daß der Mensch einfach aus einer anthropoidischen Thierform hervorging? Ist die altehrwürdige Lehre von der Erschaffung des Menschen durch Gott, ist ein specieller Schöpfungsakt wirklich durch unumstößliche Resultate exakter Forschungen znm Märchen gestempelt? Das ist die Frage! Für die rein „Wissenschaftlichen" existirt dieselbe freilich nicht. Es gehört ja heutzutage zur „wahren" Wissenschaft die unbedingte Lengnnng des Schöpfers, und erst sie macht den, der wissenschaftlich so viel wie gar nichts leistet, in gewissen Kreisen zum „geistreichen, auf der Höhe der Zeit stehenden, aufgeklärten Mann". Es wird sich aber zeigen, daß die Lehre von der Abstammung des Menschen vom Affen nichts weniger als bewiesen ist. Voraus schicken wir das Urtheil Darwins, daß zwischen dem Menschen und den Anthropoiden „eine große Unterbrechung in der organischen Stnfenrcihe bestehe, die von keiner ausgestorbenen oder lebenden Species überbrückt werden könne". Und nun znr Vergleichnng selbst! Der hagere, behaarte, faßförmige Affenlcib ohne Gesäß, die bis an die Kniegelenke herabreichcndcn Arme, die kurzen, wadenlosen Beine desselben, der bei vielen Arten vorkommende Schwanz .und nun vor allem der scheußliche, fratzcnartige Thierschädel, der in seiner gewöhnlichen Lage. nach vorne überhängt und zur Erde starrt, das ranhthicrartige Gebiß, die fast fehlenden Lippen, die plattgedrückte Nase, die boshaft blickenden, tief liegenden Augen, die hervorstehenden Augenwnlsten, die gänzlich fehlende Stirne: all diese Merkmale müssen als gegensätzlich znm Körperbau des Menschen aufgefaßt werden. Und während der Mensch „mit erhobenem Auge den Blick zu den Sternen richtet, ist dem Affen der aufrechte Gang nicht eigen". Seine Hinterfüße, oder eigentlich besser gesagt, seine Hinterhand befähigt ihn nicht zum aufrechten Gang. Fehlen bei- ihr ja doch, wie bereits erwähnt, die Waden und die zum aufrechten Gang erforderlichen Sohlen. Auch ist das schmale Becken absolut nicht geeignet, beim aufrechten Gang den schweren Körper nur unvollkommen zu tragen, und wie Brehm sagt, ist es dem Affen nur möglich, mit eingeknickten Knien mühsam dahinznwanken. Außerordentlich treffend ist bezüglich dieses Punktes die Aeußerung I. Rankc's: „Die Anthropoiden werden in Beziehung auf den aufrechten Gang vom ,Tanzbärc>st weit übertrofsen," — für einen findigen Darwinisten vielleicht ein Anhaltspnnkt, den Menschen sür's XX. Jahr> hundert vom „Tanzbären" abstammen zu lassen. Wie bereits angedeutet, ist der GcsammtcindrNck „menschenähnlicher" Affen im Gegensatze zum „Ebenbildc Gottes" der des Thierischen, oder, wie O. Hermes sich ausdrückt über den „Stammvater" Orang-Utan, gibt alles an diesem Thiere demselben so etwas Diabolisches, daß die kühnste Phantasie Mühe hätte, sich ein größeres Scheusal vorzustellen. Auch wir schließen uns gerne diesem Urtheil au bei dem uns znr Zeit gebotenen Anblick von den 300 Orailg-Utan-Schädclii, welche durch die Güte des Herrn Professors Dr. Selenka dem anthropologischen Seminar „München" , zur Verfügung gestellt sind. Sehr bezeichnend für den Bau des Schädels ist der sogenannte Eampcr'sche Gesichtswinkel. Während derselbe beim Menschen zwischen 70" und 85" schwankt, sinkt er beim erwachsenen Schimpanse aus 35°, beim Orang-Utan auf 30° herab. Eine Vergleichnng der Gchirnmasscn begründet, ebenfalls einen nicht zu hebenden und mit allem Darwinismus und Lamarclismus nie zu vermittelnden Unterschied zwischen Menschen und Affen. I. Rauke hat den Jnnenraum von 100 männlichen Schädeln in Altbayern auf durchschnittlich 1503 oain berechnet, bei weiblichen auf 1335 ccm. Nach Tropinard ist der mittlere Inhalt der europäischen Schädel 1410 ccm. Und nun znm Affen! Schon der Anblick des Schädels selbst zeigt uns einen ungleich kleineren Gchirnranm, und denken wir uns das Gesicht, das fast nur durch ein riesiges Gebitz gebildet wird, weg, so bleibt uns ein Köpfchen, wie das eines neugeborenen Kindes, mist seine Kapacität ist berechnet auf ein Mittel von 498 oom beim männlichen Gorilla, für Weibchen auf 458 ccm. Eine von uns. selbst vorgenommene Untersuchung an dem größten Oraug-Utan-Schädel, stammend von einem männlichen..Exemplar, aus Berantau, und an einem ver- hältnißmäßig kleinen menschlichen Kopf ergab folgende Resultate: für den Affcnschädel fanden sich 440 ccm, für den Kopf des Menschen 1343 ccm; wir haben mithin nicht weniger als 903 ccm Capacitätsuntcrschied; für den größten uns bei unsern Untersuchungen untergekommenen Kopf fanden sich 1719 ccm, mithin ein Unterschied von nicht weniger als 1279 ccm! Bilde und arbeite also Natur und überbrücke solche Differenzen'. Gerland hat recht, wenn er behauptet, daß ein menschliches Gehirn von so mächtiger Größe aus einem äffischen nicht entstehen konnte. Wir selbst aber sagen: „Auf Grund dieser Differenzen liegt der Schluß weit näher, der Affe stamme vom Menschen, als jener des modernen Darwinismus, der Mensch stamme vom Affen." Selbst Pros. Schaaff- hauscn, ein eifriger Verfechter der Desceudenzlehre, erklärt: „Der wesentlichste Unterschied zwischen Mensch und Thier liegt in der Größe des Gehirns." Wir könnten nun noch betonen die Verschiedenheit der inneren Gehirnstrnktur, die Lage des Schädels, die Verschiedenheit der Dornfortsätze, die verschiedene Stellung des Ohres, die Platyknemie u. a. m. Wir glauben jedoch, daß das bereits angeführte Material genügen wird, um ein Urtheil über die Berechtigung oder Nichtberechtigung des modernen Darwinismus zu ermöglichen. Unser persönliches Urtheil geht dahin: Der moderne Darwinismus ist eine wissenschaftlich erscheinen wollende Modethorheit, welcher besonders die Atheisten huldigen, um ungestraft vom Gewissen Atheisten fein zu können. — Mögen sie stolz auf ihren Stammbanm sein! Martin Greifs religiöse Lyrik. Ich all dem tollen Getriebe der jungen, jüngeren und jüngsten Dichterschnlen ist mit wenigen andern seinen ruhigen Weg seitab gegangen unser engerer Landsmann Martin Greif. Und die einen klatschten den aufprasselnden Rakctengeistern überschwenglich Beifall und träumten schon, zumeist in gegenseitiger Selbstbeweihräucherung, von einem Neuland der Poesie — die andern wandten sich, angeekelt von dem widerlichen Tamtam- schlagen der Gegenwart, ab und versenkten sich mit desto hingehenderem Eifer wieder in die alten, junggebliebenen Geister der großen Epochen. Und nur ganz wenige verfolgten den Lauf der Gegenwart mit Besonnenheit und schieden die Spreu vom Weizen —: so kam es, daß ein Bayers- dorfcr, Bodenstedt, Meißner den „unbekannten" Greif auf den Schild hoben, daß Victor Hehn begeistert ausrief: „Jetzt ersehe ich, daß ich eiu Genie ersten Ranges, dessen Werke noch die Bewunderung künftiger Jahrhunderte finden werden, verkannt oder übersehen habe." Da wurde es denn allmählich so manchem Professor auf seinem Unfchlbarkcitsgcstühle bang, und es kam jenes famose „Vertrauliche Rundschreiben" zu stände, in dein der Literaturbonze W. Scherer seine Freunde zur Unterdrückung des, „aufdringlichen Martiu-Greis-Cultus" aufrief — der wichtigste Beleg, für das literarische Cliqucn- nnwcsen unserer Tage. Und nun suchte man den litcrar- ischen Einsiedler entweder lächerlich zu machen oder todtzn schweigen — und warum? Wir finden nur einen Grund: Greif huldigt nicht dem materialistischen Zeitgeist; er macht in seiner Poesie der jüdisch-liberalen Richtung keine Zugeständnisse; er folgt nicht der reltgton- nnd sittcnzersetzenden Schaar der Jungen —: er ist ein positiv gläubiger Christ, der auch mit seinem Glauben nicht hinter den Bergen hält. Das zeigt er uns in seiner ganzen Dichtung, besonders in seiner re» ligiöseu Lyrik. Die deutsche Literatur besitzt allerdings religiöse Gedichte genug, auch von ganz Ungläubigen. Aber wenn dieselben nur einer künstlich erzeugten Stimmung entspringen, lassen sie kalt wie jede nüchterne Reflexion. Greif ist wahrhaft religiös: kein Wunder; bittere Er-! fahrungen hatten ihn gar früh zu einem ernsten, stillen ^ Denker geschaffen; zu dem kommt sein angebornes, sin-^ ntges, in sich gekehrtes Wesen: im Wechsel der flüchtigen Erscheinungen, in der Einsamkeit der Wälder, der Wild- niß der Berge, im Umlauf der Gezeiten lernte er bald zu dem die Blicke lenken, der alles lenkt und leitet. Dem Wirken der Natur spürt Greif mit wundersamer Fein- fühligkcit nach: das zitternde Laub, die einsame Föhre,/ das dunstige Moor — Blühen und Welken, alles erweckt in ihm die alten Gefühle der Menschheit: aber sie erscheinen uns durch ihn in immer neuen, tiefsinnigen Gedankenreihen. Aber nicht in verschwommenem Pantheismus betet er die Mutter Natur an, sondern zu ihm schaut er auf, der da schuf „der Ordnungen Sinn". Mit weniger Rhetorik als Klopstock, mit der seelischen Begeisterung des Psalmistcn lobpreist er den Herrn, der da „nahet in Gewittern". (S. 67.)') „Wer wohl ruft mir im Gewittersturm? Seine Stimme kenn' ich, — Nicht erbeb' ich vor ihr. Er ist's, der mein Schicksal lenkt, Der den Lebenshauch mir gab Und mir setzt die Todesstunde. Ihm vertrauen will ich, wie immer. So auch jetzund. Da mit berstendem Krach Fährt ein prasselnder Blitz hernieder. Jählings neben mir Schlägt er ins bange Gehölze. Taumelnd steh' ich da. Doch im nächsten Augenblick schon Knie' gefaßt ich. Stammelnd, Deiner Allmacht. Vater, Kindliche Laute." Mit gleichem Schwung, mit den Tönen eines Jesaias besingt unser Dichter Gott als Lenker der Schlachten im' „Lobgesang auf den Sieg von Sedan". (S. 293.) „Kämen sie zahllos wie die Wogen des Meeres. Ihre Rosse zerstampften alle Halme des Feldes, Ihre Gespanne tränken die Fluth aus den Bächen, Es ständen auf die Krieger dreier Samen, ') Gesammelte Werke, Leipz., Amelangs Vcrl. 1695. 396 Und sie hätten alle Völker zu Bestärken» Und alle Erdenkönige zu Freunden: Sämmtlich seien sie wider uns; Dennoch hälfe sie nichts ihr Prahlen: — Der Herr streitet wider sie. Mit einem Hauch seines Mundes Verweht er sie Hin auf immer. Ich will sie werfen, spricht der Herr, Ich will sie strafen, spricht der Gerechte. Und er recket seinen Arm, Hält an seinen Odem ein wenig — Vernichtet liegen am Boden die Feinde." „Der Herr redet: Hört, ihr Völker allumher! Ich will nicht, das; einer kriege mit Muthwill' Und trachte nach des andern Land und Eigen!" Gott zu Ehren will er wirken: so gelobt er, als er seinen Soldatenbernf verlaßt, unschlüssig wegen der Zukunft (S. 42): „O Herz, vom Schlummer anferwacht. Wie willst dn's weiter führen? Hier oben in des Parkes Pracht Die Hirsche nach dnrchäster Nacht Im Grase kaum sich rühren. Doch unten im bewohnten Thal Hörst du Gepoch erschallen Von harter Arbeit allzumal. So triff denn du auch deine Wahl, — Doch lass' sie Gott gefallen!" Ihm ist gewiß, daß das Leben nicht auf Rosen bettet: aber er ergibt sich nicht dem feigen Pessimismus oder verzweifelndem Skepticismus, sondern vertraut und hofft auf den alten Gott (S. 156): „Der Gott, der Sonnen kreisen läßt Und hält den Halm im Sturme fest, Dir nah', doch nie zu schauen. Er wird nicht immer betten dich. Doch aus der Noth erretten dich. Du darfst ihm wohl vertrauen." Und als er sich nun endgiltig dem Berufe des Dichters ganz hingibt, da tastet er nicht nach dem Geschmacke der Zeit, feilscht um die Gunst der Mode, sondern ruft zu Gott vm Weihe und Kraft der Wahrheit. Aber Greif wendet sich nicht bloß in einzelnen Gedichten an Gott: seine Lyrik ist durchwoben mit gläubigen Stoffen; Ostern, Pfingsten, Weihnachten erwecken in ihm fromme Gedanken; wir können kein Kirchenlied neuerer Zeit, das Greifs „Ncujahrsgesang" (S. 154) an Einfachheit und Innigkeit gleichkäme. „Preis dem Starken in der Höhe, Der aus sich da§ Schicksal lenkt. Alles Glück und alles Wehe Gnädig uns voraus bedenkt. Er bestimmt das Maß der Zeiten. Und er ordnet Fahr für Fahr, Was die Monde vorbereiten. Macht er keinem offenbar. Nnhmgewaltig herrscht er morgen, ^ Wie er Heine hochgeoent. Nichts besteht, daS ihm verborgen,. Und kein Werk hat ihn gereut." ... Anstatt ferner in süßlichstnnlichcn Strophen aber- taiistndmal die „ferne" Geliebte zu apostrophiern oder ras Elend der Gasse und Hütte in den sattesten Miß- ! färben breit auszumalen, liebt es Greif, die religiösen Worstelluügcn, Bräuche und Sagen des Volkes dichterisch »s verlcmicheii. So singt er von der Martcrnng der! hl. Barbara, dem Pilatusthurm, von dem Knaben, der vor einem Bildstöcklein mit Jesus und Maria Tollkirschen opfert: ^Du magst den Willen haben. Wenn sie auch giftig sind; Die Herzen, nicht die Gaben Sieht an das Jesuskind" — und so noch genug. Wollten wir den religiösen Dichter in seinen Dramen verfolgen, würden wir noch genug der schönsten und zartesten Stellen hersetzen müssen. Greif ist eben auch hier der offene, rückhaltlose Mann, der auch der Bühne keine Concessionen macht. Daher verfolgt ihn auch auf diesem Gebiete Mißachtung und Uebergehnng. Wir führen nur noch das schöne Gebet der Agnes Bern au er aus dem gleichnamigen Trauerspiel (1894) als Probe an: „Ich grüße dich, Maria, dich, du Magd des Herrn, O Mutter voller Gnaden! Du gleichst im Thau dem Morgenstern, Wann Thränen mich beladen. Ich grüße dich herzinniglich, Maria, dort, ich grüße dich! Ich grüße dich, Maria, dich zu jeder Zei'. Du seligste der Frauen! Du scheuchest allen Kummer weit, Drumm will ich dir vertrauen. Ich grüße dich, Maria, dich, wo ich auch bin. Äü Königin der Milde! Ich weiß, mein Ruf dringt zu dir hin, Knie' ich vor deinem Bilde." „Greif hat als Lyriker von den jetzt in Deutschland schaffenden die kräftigste, die einzige an Genialität reichende Begabung", gesteht Aveuarius, einer der ehrlichsten und feinsinnigsten Kritiker unserer Tage, unumwunden zu. Es ist an uns, einen solchen Dichter allen Aufgeklärten und Modernen zum Trotz zu hegen und zu fördern. vr. St. Die deutsch-französischen Allianzen im 18. und 19. Jahrhundert.*) Lange bevor Rußland, heute noch ein Zwitlcrstaat aus Asien und Europa, sein starres Chineseiithnm zu mildern begann, erregte sein rapides Wachsthum und seine conseqncnte Politik die Besorgniß der Nachbarstaaten. Kaiser Maximilian I. schrieb an den deutschen Ordensministcr: „Die Integrität Lilihaucns ist nothwendig zum Wohle Europas; die Größe Rußlands ist eine Gefahr." Z Achnlich äußerte sich Herzog Alba in einem Schreiben am 18. Juli 1571 an den Reichstag zu Frankfurt. Aber erst mit der Kaiserin Katharina II. nnzüchtigcii Angedenkens, deren despotischer Herrscher- glanz sich an Lcichenfackeln entzündete, erst mit ihr, der Henkern; Polens, entstand die akute russische Gefahr für den europäischen Westen. Die Nachfolger Peters des Großen, zumeist schwächliche, im Geiste finsteren Kal- mückcnthnms befangene Regenten, verhüllter die Barbarei und trostlose Unwissenheit ihres Volkes dem Auslande gegenüber in einem Schleier echt orientalischen Dünkels und stolzer Jsolirnng. Katharina II., dieser zweite Band von Messalina und Locnsta, der römischen Massenmörderin, dieses Weib ohne Weiblichkeit, diese Christin ohne Christenthum, die wohl auch, wenn sie die orthodoxe russische Geistlichkeit düpiren wollte, barfuß von Moskau nach *) Nachdruck verboten. ') Brückner „Enrop. Rußland". 397 Troltza wallfahrtete, war die erste, welche kühn Europa in die Schranken forderte. Um Polen zu vernichten» spielte sie mit Oesterreich und Preußen die Rolle der Schlange im Paradies. Der verbotene Unglücksapfel war Polen, das bemitleidenswertheste aller modernen Länder, und Friedrich II., der Held von so vielen Schlachten, spielte die Rolle des lüsternen Weibes und besiegelte damit das Schicksal Polens, eine That, an deren Folgen heute Europa vielleicht unheilbar krankt. Die einzige bedeutende Macht, die gegen diese frevelhafte Politik „der drei Geier des Nordens" Widerspruch erhob, war — Frankreich. Der Staatsmann Duc de Choi- seul — ein zweiter Hannibal — suchte selbst Schweden und die Türkei gegen Rußland aufzustacheln, wie er auch Holland, wo Katharina II. die meisten Anlchen aufnahm, zu boykottircn suchte. Diesen lobenswiirdigen Bestrebungen secundirte die polenfreundliche Fraktion der 'ranzösischen Philvsophcnschnle: Noussean und Mably, während Voltaire, dessen geradezu pathologischer Geiz von seiner Charakterlosigkeit noch bedeutend übertroffen wurde, von Rußland durch Geld gewonnen war, von Diderot und den armseligen deutschen Duodezschriftstellcrn Hippel, Schlözer und Biisching zu schweigen. Der französische Hof selbst gab das Schauspiel kläglicher Zerfahrenheit und Verständnißlosigkeit. Von 1750 an sank die Residenz Versailles (nicht Paris, wie heute, sondern Versailles gab damals den Ton an) unter das Niveau des gewöhnlichsten Zustandes. Man braucht hierüber nur die Schilderungen der Herzogin v. Chaisenl zu lesen, derselben, welche auch Voltaire öfter seinen schmählichen Nussencultus zum Vorwurf machte. Im I. Ba, > ihrer gesammelten Schriftennennt sie Katharina eine Verbrecherin, die Knust und Wissenschaft nur ant Eitelkeit protegire, und deren gepriesene Reformen um so wohlfeiler seien, als Rußland, dieser Ricsenkoloß, der in der That nicht mehr öffentliche Meinung und Stimme hat als ein Walfisch, ein gefügiges, wie Thon leicht zu knetendes Object dafür sei. Die gesammelten Briefe dieser geistreichen Französin enthalten daneben so viele geniale politische Gedanken, daß man ihr wohl einen bescheidenen Platz neben der viel gefeierten Amazone Madame de Staöl gönnen dürfte. So schwärmt sie auch — das große Wort sei ausgesprochen! — für eine Allianz zwischen Frankreich und Deutschland. Und merkwürdig! Diese Allianz bestand unter Friedrich II. in der That. Nur znm Scheine wurde auch von Frankreich im 7jährigen Kriege ein Heer gegen den Preußen- könig gesandt; Prinz Sonbise bekam gerade für die Schlacht bei Roßbach, in der er sich glänzend hatte schlagen lassen, den Marschallstab; Richelieu hätte bei einigermaßen gutem Willen Friedrich vernichten können; verhinderte ihn daran nur französischer Edclmnth und Galanterie? Die französischen Offiziere nahmen durch ihre bewundernden Reden über Friedrich schon auf dem Anmärsche den Soldaten allen Muth und sagten offen, daß Friedrich - und sein Bruder Heinrich gute Franzosen seien.-') Ja, Friedrich der Große von Preußen war ein guter Franzose; er sprach, schrieb, philosophirte französisch, er ließ deutsch geschriebene, frcigeistige Abhandlungen verbrennen und schickte deren Verfasser nach Spandau, so den Verleger Gebhard's, während er die französischen Neligionsspöttcr königlich belohnte und ehrte. Er berief *) Band I S. 100 vont Juni 1767. Oorrosx. oomplvte eck. Kt. .-lnwii's. Gäderß „Friedrich der Große". französische Offiziere in seine Arnicc und lud französische Großindustrielle ein, nach Berlin zu kommen. Das Merkwürdigste aber erzählt uns General Chasot, ein geborener Franzose; er mußte aus Frankreich wegen Raufhändcl fliehen; Friedrich nahm ihn gastlich auf, ja er zog ihn an die königliche Tafel und überhäufte ihn mit Liebenswürdigkeiten, nannte ihn sogar den Matador seiner Jngendjahre und begnadigte auf seine Fürbitte einen zum Tod vernrtheiltcn Pagen, für den sich selbst seine Mutter vergebens verwendet hatte; nur durfte Chasot 8 Tage lang nichts von diesem Vorfalle erzählen, um seine Mutter nicht zu beleidigen. Friedrich schrieb später an Ludwig XVI., ihm auch die Söhne Chasots für seinen Dienst zu überlassen, was dieser mit den verbindlichsten Ausdrücken gestattete. Nicht minder waren die Wortführer, selbst der „kerndeutsche" Möser, im Banne französischer Cultur, selbst der Dichterheros Goethe schätzte die „westlichen Cultureinflüsse" höher als Lcssing, der in seinen literarischen Anfängen von Voltaire, bei dem er Sekretär gewesen war, auf einer Unredlichkeit ertappt worden war und deßhalb die französische Literatur überhaupt später bitter bekämpfte. Ebenso nnhistorisch als die Keuschheit der Liieret!« und die des Königs Ludwig Xlll., das Ei des Colninbiis und Schwcppermanns oder die Opferung der 100 Ochsen durch Pythagoras ist der Wahn, Goethe habe je irgend welchen gesteigerten nationalen Empfindungen sich zugänglich gezeigt. Der Apollo vom Belvcdcre oder eine andere schöne griechische Statue waren für seinen ausgeprägten Schönheitssinn werthvoller als der Held, welcher Napoleon 1. aus Deutschland vertrieben hat. In seltsamer Wechselwirkung waren die russischen Publicistcn zur Zeit der zweiten Katharina von einer merkwürdigen Abneigung, ja theilweise Idiosynkrasie gegen Frankreich ergriffen, so v. Wisin, der bedeutende Satiriker, dem eine scheinheilige Entrüstung über die französischen lettras cie oaostet schlecht ansteht, ebenso der an schwärmerischem, melancholischem Wahnsinn leidende Dichter Karamsin, welcher die Gcßner'schen Idyllen in's Russische übersetzte, alle Reliquien, die auf Klopstock und Hallcr Bezug hatten, in ganz Europa sammelte und bei deren Anblick stundenlang weinen konnte, oder Kntnsow, der Klopstock's höchst langweilige Messiade mit rührender Ausdauer übersetzte. Von der französischen Literatur beeinflußt zeigte sich nur der Begründer der russischen Literatur, Kantcmir, ein geborener Türke, und Lomonosoff. Nach der zweiten Theilung Polens wurden die Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich immer gespannter. Agenten der französischen Jacobiner, so der unglückliche Charles Roqnct, den das russische Ma- dalinski'sche Corps gefangen nahm, verbreiteten Pamphlete gegen Rußland allenthalben in Polen, forderten zu Revolution und Attentaten auf, so in der Broschüre „Xil äesparamäriirE; ja im November 1795 entwarfen Ellas Treno und Casimir de la Röche, geborene Franzosen, den Plan einer polnischen Legion unter französischer Trikolore, ohne damit Erfolg Zu haben; die bei den polnischen Wirren gefangenen Franzosen, so früher Chossy und Salibcrt, wurden schonungslos massacrirt; den beiden letzteren vermochte auch Voltairc's Fürsprache nicht zu helfen. Die nun folgende Geschichtspcriode, solvcit sie hier intcressirt, wird gekennzeichnet durch zwei Namen, Napoleon I. und den russischen Zaren Alexander I., die glänzenden Verfechter von Principien, die sich dia- 398 metrcil entgegenstanden: der eine der Vertreter des modernen CultnrstaatcS, der andere der Vertreter orientalischer Despotie an der Spitze eines Riesenstaatcs, dessen Elend in 100 Sprachen zum Himmel schreit. Daß zwei solche Männer sich auf's Blut bekämpfen mußten, ist klar, und es kann nur einem Geschichtsforscher wie Vandal, der jener Species von Gelehrten anzugehören scheint, die noch beweisen werden, daß die Sonne grün, der Mond blau ist, im Ernst einfallen, zu behaupten, Napoleon I. und Alexander I. seien gute Freunde gewesen, natürlich im .Herzen; nach außen habe man dies nicht gezcigt^--was allerdings richtig ist. Denn der vernichtendste Schlag traf Rußland gerade durch Napoleons Fcldzug, wenn er auch unglücklich verlief; er verpflanzte die revolutionären Ideen der französischen Soldaten und Offiziere nach Rußland, wie auch wiederum in Frankreich gefangen gehaltene Russen später die neuen Theorien mit der Begeisterung frischgewounener Adepten in Rußland verbreiteten. Wie groß allein mag der Antheil des französischen Geistes an dem Decabristenaufstaud in Rußland gewesen sein? — Schon die beiden Eharaktcrc schließen in sich die größte» Gegensätze. AleMider I., der Federball von Ministern und Hofschranzen, der mit alten Weibern betete und mit jungen buhlte, der ewigen Frieden zwischen den Fürsten haben wollte, aber ewigen Krieg zwischen den Völkern stiftete, der eine heilige Allianz gründete, die eine sehr schein- und nnheiligc zn nennen war, der gerne für Europa den Vormund spielen wollte als Nnivcrsal- monarch, ohne jedoch im geringsten ein Universalgenie zn sein, außer in der Anwendung des Knnteiisysieins; Alexander I., ein maßlos jähzorniger, ausschweifender, krankhaft reizbarer Monarch, der schon in Wuth gerietst, wen» er an Napoleon I. erinnert wurde und unter andern deßhalb seinen Günstling Oberst von Bartholoma't in Ungnade fallen ließ, derselbe Alexander I. wurde wegen seiner Siege über die Franzosen von den Russen genannt: »der Gesegnete", der „weiße Engel", der die „Gallier sammt den 22 verbündeten Nationen von der Erde des heiligen Rußland vertrieben habe". Die Preisgabe und Einäscherung Moskau's durch die Russell selbst, dieser Akt von stupidestem Patriotismus, wurde noch lange als nationales Fest in Rußland gefeiert. An allen russischen Poschäusern konnte man bis 1860 und später Scenen aus deut Franzosenkriege sehen: Franzosen spießen Kinder auf und braten sie am Wachtfeuer und ähnliche Barbareien, die im Gegentheil den irregulären russischen Truppen, welche die Regierung wider alles Völkerrecht 1812 gegen Napoleon aufstellte, nachgesagt wurden. Die erbeuteten französischen Fahnen waren noch 1830 in den russischen Kirchen zu sehen, weßwegen auch der französische Gesandte in Petersburg, Herzog von Äortemart, da er sich deßwegen weigerte, die Aasam'fchr Kirche zu besuchen, bei Zar Nikolaus in Ungnade fiel. Nach neuesten historischen Forschungen kann übrigens für die Einäscherung Moskaus, mit welcher der National- - russe sich heure noch brüstet, nicht einmal der Entschuldigungs- grund der Vaterlandsliebe angeführt werden. Moskau war damals das liberale Centrum Rußlands, die Hoffnung Napoleons I , die unbotmäßigste Stadt des russischen , Reiches.*) So waren die Bauern des benachbarten Fleckens Star« ja Rogatschef bereit, die Franzosen Babel E. „Rußland in der neuesten Zeit". im Triumph zn empfangen, welche Ovation indessen vereitelt worden war. Um die liberalen Ideen in Rußland zu Boden zu schlagen, war ein Schlag gegen Moskau seit langem geplant. (Fortsetzung folgt.) Die Bedeutung der christlichen Knust gegenüber dem Naturalismus und Judifferentismus. (Stenogramm der Rede des Lycealprosessors Dr.Schlecht- Dillinge n, gehalten auf dem Katholikentag in Landshut.) (Schluß.) Gestatte» Sie, meine Herren, daß ich dem Studium der Natur ein anderes gegenüberstelle, das meines Er- achtcnZ in unseren Tagen viel zu sehr vernachlässigt wird: es ist das Studium unserer großen alten Meister, unserer deutsche» Künstler, die so innig empfunden, die so gläubig gedacht, die so keusch und fromm gemalt, so daß, wenn wir vor einem solchen Bilde stehen, wir die Hände falten möchten und niederknien zum Gebete. Gar oft suchen nur vergeblich den Namen dessen, der das Werk geschaffen hat. so daß man ganze Cyklen von hervorragenden Tafelbildern nur so benennen kann, daß man sagt: Es ist vom Meister des Todes Marin, oder eS ist von: Meister der Lyversberger Passion. Aus diesen Werken klingt es jetzt noch: uon uobü, ckomiuo, uon nodi«, sock nowini tuo clei xflorimn! Wie ganz anders heutzutage! Die Bescheidenheit der Künstler steht oft in umgekehrtem Verhältniß zu ihren Lcistnngen, und bei manchen modernen Bildwerken ist der mit großer Sorgfalt in Lapidarschrift angebrachte Name des Künstlers das einzige, aus dem man klug werden kann. (Bravo!) Meine Herren, ich könnte nun fchließen, und Sie würden sagen: „Der hat nun einmal eine tüchtige Strafpredigt gehalten für unsere Künstler, die wir ihnen von Herzen gönnen," allein das verehrliche Lokalcomitck scheint nicht dieser Ansicht zn sein, denn es hat mir den Auftrag gegeben, zu sprechen auch über den Jndifferentis- ums, die Theilnabmslosigkcit des Publikums. Es bekundet damit wobt die Meinung, daß es mit dem bloßen Räson- niren nicht abgethan ist: es soll auch auf diesem Gebiet besser werden, und wie, Gott sei Dank, in den letzten Jahren die christliche Wissenschaft angefangen hat, Siege zu erringen, so soll auch der katholische Gedanke das Gebiet der Kunst zurückerobern. (Bravo!) Auf welchem Wege ist nun aber das zn erreichen? Etwa dadurch, daß man Gottes Wasser über das Land laufen läßt und sich denkt: Mögen diese Künstler schaffen, was sie wollen, die gehören zn den Unverbesserlichen, und wir können sie nicht bekehren. Nein. meine Herren, auch das ist ein Cultur- gebiet der Kirche, ihr zugesprochen durch tausendjährigen Besitz und verbrieft durch die herrlichsten Urkunden, und wenn ihr Einfluß hier geschwunden ist, so müssen wir ihn zurückzugewinnen trachten. Meine Herren, wer die künstlerischen Bestrebungen der Neuzeit mit Interesse verfolgt, wird in denselben manchen gesunden Gedanken finden, der sich wohl in den Dienst der ewigen Wahrheit stellen läßt. Es wäre vollständig verkehrt, sich ihnen gegenüber ablehnend zu verhalten, und ich sehe — im Vertrauen gesagt — gar keine so große Tugend darin, wenn mancher Herr Confrater sagt: In Kunstausstellungen gehe ich principiell nicht hinein, da ist ja nur Schund darin. Meine Herren, so ein Urtheil ist ja recht fromm, allein es zeugt nicht von rechtem Verständniß für die Bedürfnisse unserer Zeit, im Gegentheil möchte ich dringend auffordern, die Werke und Ateliers und Ausstellungen unserer Künstler zu besuchen, namentlich derer, die auf religiösem Boden schaffen, denn Sie werden selber davon gewinnen, und die Künstler werden großen Dank dafür wissen. Es hängt das zusammen mit einer anderen Ansicht, die heutzutage sehr verbreitet ist, daß Kunstkenntniß und Kunstverständniß jedem Menschen angeboren sei. Die Kunst ist Sache des Geschmacks, und niemand will schlechten Geschmack haben. Wer aber den Künstler bei seinem Schaffen betrachtet. der wird recht bald finden, welch' eindringendes, aufmerksames Studium dazu nöthig ist, um dem todten Stein Leben einzuhauchen, um das Ungeahnte, das Hohe. kaum Aussprcchliche zum (Ausdruck zu bringen. Wenn wir uns mit dem Künstler persönlich benehmen, wenn 399 wir die Ideen keimen lernen, die ihn beschäftigen, die Mittel, mit denen er arbeitet, wenn wir sehen, unter welchen Bedingungen ein Kunstwerk entsteht, dann bekommen wir allmählich künstlerischen Blick und künstlerisches Urtheil, dann werden wir keine Anforderung an den Künstler stellen, wie es thatsächlich geschehen ist von einem Auftraggeber, der ein großes Kreuz bestellte mit dem Kruzifix vorne und hinten, damit die Leute auf beiden Seiten beten können. (Heiterkeit!) Deswegen, meine Herren, haben unsere Generalversammlungen seit vielen Jahren immer und immer wieder dem Klerus, der sich vor allem dieser Aufgabe erinnern muß, nahegelegt, die Kunst und die Geschichte derselben gründlich zu studiren. Wenn das von jeher geschehen wäre — in unseren Tagen wird ja darauf Sorge gelegt —, wären gewiß so manche Restaurationen nicht zu dem geworden, was sie sind, nämlich wahre Verwüstungen in den Kirchen, indem im Interesse einer falsch verstandenen Stileinheit, eines einseitigen Purismus alles Alte einfach beseitigt worden ist, was man an anderen Stellen gewiß doch recht gut hätte verwenden können als ein Denkmal frommen Sinnes unserer Vorfahren, das uns sagt. daß vor Jahrhunderten an dieser Stelle Menschen gebetet und Gott verehrt und ihm das hl. Opfer dargebracht haben. (Bravo!) Es ist richtig und gereicht besonders dem Klerus zur Ehre, daß in unseren Tagen so außerordentlich viel geschieht für Erneuerung, auch für Neubauten und Neuanschaffungen in den Kirchen: es sind riesige Summen, welche für diesen Zweck in der letzten Zeit ausgegeben wurden. . Wie kommt es nun, daß trotzdem die christliche Kunst hievon keine kräftigen Impulse erhalten, daß gerade die religiöse Kunst bis vor kurzem sich nicht im Aufschwung, sondern im Niedergang befunden hat? Meine Herren, daran ist zum guten Theil Schuld die kapitalistische Produktionsweise unserer Zeit. Alan hat die Bauten und Restaurationen sozusagen ohne die Künstler ausgeführt, man hat sie einseitig ganz in die Hand von Unternehmern gegeben, die Alles zu machen versprachen, vom Kircheuban bis zum gemalten Fenster und Altartnche, während sie vielleicht nicht einmal die Flügel eines Engels an die Wand malen können, die sich Kräfte cngagiren und dafür entsprechend oder auch nicht entsprechend entlohnen und sodann den Künstler hcrabdrücken zum Lohnarbeiter; denn welches Interesse hat er an einem Werke, von dem er vielleicht gar nicht weiß, wohin es bestimmt ist, nie wird sein Name dabei genannt, und seine Persönlichkeit kommt dabei iu keiner Weise zur Geltung. Künstlerisches Schaffen setzt aber doch voraus die höchst freie, selbstständigc Thätigkeit der Personen. (Bravo!) Ebenso ist es, wenn man etwas bedarf für eine Kirche. Man geht zu diesem vielseitigere Mann, denn er hat die Sachen schon fertig auf Lager. Da stehen Altäre, Leuchter, Statuen, Bilder, Fenster, Paramente, man sucht sich das Passende oder auch Unpassende heraus und sieht natürlich auch daraus, daß man für wenig Geld möglichst viel erhält. Daß es au Ort und Stelle nicht zusammenstimmt, daß es nicht zum Stil der Kirche paßt, daß es gewöhnliche Fabritwaare aus elendestem Material ist, das bedenkt man in der Regel erst nachträglich, wenn mau das Geld ausgegeben hat und nicht mehr zu helfen ist. Das sind Mißstüilde, die schon seit vielen Jahren beklagt werden. Es ist ja in unseren Tagen namentlich Dank dem Drängen unseres unvergeßlichen Reicheusperger, der fast aus allen Generalversammlungen diese Uebelstände brandmarkte, auch ans diesem Gebiete erfreulicher Weise besser geworden. Aus der Generalversammlung in Mainz wurde die deutsche Gesellschaft für christliche Kunst gegründet, und ist dieselbe auch m erfreulichem Aufblühen begriffen. Meine Herren, in ihr sind Künstler vereinigt, die noch etwas Höheres kennen als den öden Naturalismus, die von den- edelsten Bestrebungen durchdrungen sind, sich ihre Ideale zu bewahren, die Ideale des Christentlnuns. Diese Männer verdienen nicht bloß die Unterstützung, daß mau ihrer Gesellschaft beitritt, sondern auch noch eine andere Förderung. Sie wissen, daß mitdcn Generalversammlungen in München und Dortmund Ausstellungen der Gesellschaft verbunden waren, die Kunstwerke jeglicher Art repräsentirten. Sie zeugten von wirklich künstlerischer Begabung und origineller Kraft, sie bewiesen die Möglichkeit, die Fortschritte der heutigen Technik und Methode mit christlicher Auffassung zu vereinigen, sie wurden bewundert, gelobt und sind dann unverkauft wieder in die Ateliers zurückgewandert, aus denen sie gekommen. Das ist nicht sehr ermuthigend, meine Herren. Ein vielgenannter neuester Maler wirst auf ein Strcifcheu Leinwand einen übermüthigen Bacchantenzug, hängt ihn in die Ausstellung und erhält 10,000 Mark, unsere Künstler decoriren mit Arbeiten voll heiligen Ernstes nach jahrelanger Mühe ihre Wände. Haben wir wirklich unter uns keine Leute, welche die Mittel besitzen, ein christliches Kunstwerk zu erwerben? Ich habe nur eine Erklärung dafür, das mangelnde Verständniß und die Theilnahmslosigkeit des Publikums. Da wird für ein junges Paar die Aussteller mit großem Geschmacke ausgewählt, für Schränke und Tische theures Geld ausgegeben, japanische Schirme und Fächer, chinesische Nippsachen, indische Teppiche und iveiß Gott was sonst noch gekauft; aber fällt es diesem Pärchen ein, für ein Heiligenbild oder eine Madonna ein vaar- hundert Mark daranzusetzen? Vielleicht erinnern sie sich in letzter Stunde, daß doch auch ein Kruzifix in's Wohnzimmer gehöre — das lassen sie sich im Ausstattnugsgeschäft als Dareingabe schenken, oder kaufen es für ein paar Mark beim Porzellanhändker! In jedem besseren Bürgershausc, auch bei uns Katholiken, muß auf dem Tische irgend ein illnstrirtes Prachtwerk liegen. Aber was finden Sie da? Schiller und Goethe, Scheffel und Hamerling iu den bekannten Prachtausgaben ; aber Sie dürfen 100 Familien besucht haben, ehe Sie etwas Katholisches treffen. Doch ich komme da in ein Gebiet, das ja gestern Herr vr. Huppert gestreift hat. Ich mächte seinen Worten nur beifügen, daß es für katholische Jllustrationswerke nicht an tüchtigen Künstlern und Zeichnern fehlt, wohl aber an Verlegern. Die Verleger jedoch schieben die Schuld wiederum auf die Theilnahmslosigkeit des Publikums. Meine Herren, wenn wahre religiöse Kunst wieder eingezogen sein wird, nicht bloß in die Kirche, sondern in das christliche Haus, — dann erst werden diese Klagen und Anklagen verstummen. Meine Herren, ich komme zum Schluß! Ich möchte die Aufforderung und herzliche Bitte au Sie Alle richten, sich warm der Interessen der christlichen Kunst anzunehmen, die Kunstfreunde dadurch, daß sie, soweit möglich, die Künstler unterstützen, die Künstler, indem sie ihre Kunst in den Dienst des Allerhöchsten stellen. Wenn man heutzutage sagt: I'art pour l'art, d. h. die Kunst ist sich selbst Zweck, ihre Bestimmung ist lediglich zu ergötzen und zu zerstreuen, so sagen wir dagegen: Nein, sie ist zu Höherem berufen. Meine Herren, jene Worte,.die in großen Lettern über unserer Festhatte stellen, sie sind auch die rechte Inschrift über den Tempel der Kunst: Omnia aä maiorom äei xloriam. (Bravo!) Auch die Kunst soll wirken zur Ehre Gottes, sie soll einstimmen in das Lob, das ihm alle Kreatur darbringt, oder wie der unvergeßliche Overbeck es ausdrückt: „Mir ist die Kunst gleichsam eine Harfe Davids, ans der ich allzeit Psalmen möchte ertönen lassen zum Lobe Gottes." Möchte jeder Künstler diese Worte zu den seinigcn machen und sich losringen vom Niedrigen und Gemeinen, vom geist- und zeitlosen Naturalismus, und vor dem Thron des Allerhöchsten emporheben und die Geheimnisse, die er da geschaut, mit lauter Stimme der Menschheit verkündigen, ein jeder in seiner Zunge, in seiner Weise, in seiner Eigenart. Ihre unerlchopfliche Gestaltungskraft, ihr überquellendes Leben offenbart sich gerade in der Mannigfaltigkeit der künstlerischen Stile. Der Mönch aus der Zelle mag dem Jünger Albrecht Dürers die Hand reichen zum Bunde, aber in allen lebe ein Geist, der Geist des Glaubens und der Andacht: Omni» all maiorom clei tzloiäam. Jeder, der mitwirken will hiezn, ist uns herzlich willkommen: der gottbegnadetc Künstler mit seinem Werke, der Laie mit seine.:: Interesse für Unterstützung der christlichen Kunst. Wenn nur in brüderlichem Vereine zusammenwirken, die chri'fti i e ft-Mc zu fördern und zu unterstützen, dann wird auch »>,s tststm Gebiete die Cnlturmacht der Kirche zur Geltung lammen, und tvic für die Wissenschaft eine neue, bessere Feit bereits angebrochen ist, so wird bis zur Wende des Jahrhunderts sicher auch die Morgenröthe einer neuen Aera der christlichen Knust erglühen. (Lebhaftes Bravo!) 400 Literarisches zur Canisins-Feier. 8 Die Canisius-Fcier hat schon eine stattliche Zahl literarischer Erscheinungen zu Tage gefördert. Sie alle bringen Schilderungen über das Leben und die Tugenden des Seligen und leisten hierin recht Erfreuliches. Wenn sie jedoch daran gehen, das berühmteste und segensreichste Werk unseres Helden zu besprechen, nämlich seinen im Jahre 1554 zum ersten Male erschienenen großen Katechismus (Summa ciootrinas vkrtstirmas), so beschränken sie sich darauf, das Lob Leo's XIII. über denselben zu wiederholen, seine Gediegenheit und theologische Reinheit, seine Zeitgemäßheit und Nothwendigkeit im 16. Jahrhundert, seme schnelle und weitgehende Verbreitung u. dgl. zu ermähnen. Ist aber schon jemand mit dem Gedanken oder Vorschlag aufgetreten, den inneren (materiellen) Werth der Canisischen Summa, wie für alle Zeiten, so besonders für die unsrige, zu untersuchen und den Gründen nachzuspüren, aus welchen der Canisische Katechismus dem Gebrauch zurückgegeben werden soll? Kaum! Dieser Gedanke ist in einer Schrift angeregt, welche uns soeben zu Gesichte kommt, nämlich in der Schrift: Die Wiederbelebung der Canisischen Katechese. I. Theil: Die Fundamentirung des Glaubens in Verstand und Willen, von vr. Stephan Lederer, Pfarrer in Rodalben (bayer. Pfalz). (Selbstverlag des Verfassers sVII. 202 Sch Preis 2.20 M.) Was bietet diese Schrift? Nach dem Vorwort verfolgt sie als Hauptziel, das in der Canisischen Summa „gebotene ausgezeichnete Lehrmaterial in neue, den Formen der Einfachheit und Kürze mehr entgegenkommende Formen zu gießen". (S. I.) Sie tritt nun im ersten Artikel des 1. Abschnittes sofort mit dem Beweis hervor, daß die katholische Gelehrienwelt im Unrecht war, den Katechismus des sei. Canisius als für die Zukunft unbrauchbar zu bezeichnen, weil er in seiner allerersten Aufstellung als Fundamentobjeet, mit dessen Erfassung und bereitwilliger Annahme alles übernatürliche Erkennen und Wollen beginnt, statt der Wahrhaftigkeit Gottes und der Offenbarungsthatsache die übernatürliche Vorstellung des ewigen Heiles und weiter die Vorstellungen von Gott als dem Urheber des Heiles und der Heilsmittel und von der Kirche als der Führerin zu diesem Ziele aufgestellt habe. Weiter geht nun die Untersuchung unserer Schrift zur Frage über. weßhalb diese übernatürlichen Vorstellungen zur Annahme in einem über- natüriichen und unmittelbar-freien Erkenntnißakt gelangen. Die Antwort lautet: Wegen der unendlich -vollkommenen und himmlischen Zweckmäßigkeit ihres durch die Kirche vorgelegten Inhaltes für das vollkommene Glück des Menschen. Das oberste Princip der Katechese ist nach dem Verfasser deßhalb im Worte des göttlichen Heilandes ausgesprochen: „Predigt das Evangelium aller Kreatur" (Mark. 16,15), oder auch inr Worte des hl. Paulus: „Der Glaube kommt aus dem Hören, das Hören aber durch das Wort Christi" (Röm. 10,17). Und durch eine Katechese, bei welcher die Glaubensgeheimnisse von der Kirche als Botschaften des ewigen Heiles stets in erster Linie aufgefaßt und dargestellt werden, wird nach demselben gerade auch dem Willen des Menschen genügt, indem er in den Heilsbotschaften die zu allererst nothwendigen Heilsgüter (zur Herstellung der Heilserkenntniß) erwirbt, gemäß dem Worte des heil. Paulus: „Mit dem Herzen glaubt man" (Röm. 10, 10). Das eigentliche Glaubensmotw besteht also dem Verfasser nicht in der Wahrhaftigkeit Gottes und in der Offenbarungsthatsache, sondern in dem Merkmal der absoluten Vollkommenheit (vsrtt»8 prima), welches dem himmlisch heilsamen Inhalt der Glaubensobjecte eigen ist und den Menschen durch Predigt und Katechese wahrnehmbar gemacht werden soll. Es würde zu weit führen, hier noch eine Skizzirung aller in das Problem des Glaubensmotives einschlagenden Nebenfragen und ihrer von Dr. Lederer gegebenen Lösungen mittheilen zu wollen. Bemerkt möge nur noch werden, daß der Verfasser nicht wie so viele Autoren auf dem Gebiete des Glaubensprocesses den Schwierigkeiten aus dem Wege geht, sondern sie aufsucht, um sie dann auf.'einfache, nüchterne Weise zu lösen, wobei ihm Schrift, Thomas von Aguin, Lehre der Concilien mit dem Wortlaut ihrer Aussprüche oft in schlagender Weise zn Hilfe kommen. Hier ist kein unsicheres Tasten und Suchen, keine dunkle, den Wortlaut drehende und mühsam pressende Erklärung der Autoritäten, sondern kurze, einfache, nüchterne Beweisführung, die überrascht und befriedigt. Dabei ist die gegnerische Anschauung (die neufcholastische Lehre vom Glaubensmotiv) mit Ernst und Ruhe behandelt, nicht um völlig abgethan zu werden, sondern um das Urtheil zu erfahren: Die Wahrhaftigkeit Gottes und die Offenbarungsthatfache haben im Glaubensakt zwar nicht die Stellung des primären oder eigentlichen, sondern die des sekundären Glaubensmotivs, d. h. sie kommen im Glaubensleben des Christen besonders dann zur Verwerthung, wenn es sich bei diesem darum handelt, die schon geglaubten Heilsgeheimnisse gegen den Vorwurf der Jrr- thümlichkeit oder Lügenhaftigkeit, der meistens seine Wnrzel.in einem verdorbenen Willen hat, in Schutz zu nehmen. Wir zweifeln nicht, daß das Werk Lederer's in allen kirchlichen und pädagogischen Kreisen große Aufmerksamkeit erregen wird. Ein kräftiger Anstoß zur Wiederbelebung der Katechese mit dem Geiste des sei. Canisius ist es jedenfalls und verdient deßhalb die Aufmerksamkeit der katholischen Welt. Recensionen nnd Notizen. Dr. zur. Albrecht, Der Inhalt giltiger Testamente. Verlag von Curt Stäglich in Leipzig. Preis 2 Mark. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß sich der Verleger entschlossen hat, im Anschluß an Albrecht, Formen der Testamente, auch den Inhalt derselben nach gemeinem, preußischem, französischem, sächsischem und zukünftigem deutschem Recht bearbeiten zu kassen. Dem Autor ist es mit großem Geschick gelungen, das Buch in einer Weise abzufassen, daß es von Jedermann verstanden und benutzt werden kann. Gewinnt dasselbe schon dadurch an großem Werth, so wird derselbe noch durch die angeführten Beispiele wesentlich erhöht. Mit dem 1. Januar 1900 tritt das zukünftige deutsche Recht in Kraft, auch diesem trägt der Verfasser reichlich Rechnung, indem er sehr eingehend in Bezug auf den Inhalt der Testamente berichtet und diesen durch Beispiele ergänzt. Die Errichtung eines Testaments gehört zu den wichtigsten Rechtshandlungen im menschlichen Leben und empfiehlt sich deßhalb obiges Buch von selbst. HaKsn ck o. 6 o. (s. ll.), H-tlas stsllarum variabiliuw- Lsrolini, Lsl. Oamso 1697 sgg. /U Lsv. ?. USASN, oovistatis lls8u, gMS rs8 matüs- matioas st astrouomioas ssmpsr psouliari stuäio st 8uo- oossu kovsbat, sockalis tsbulas stsllarum sckituru8 est, gualss in bao intsArttats uuuguam s xrsla prockisrnnt. Os groxosito autor ipss clisssruit in vonArsssu S8tro- nomivo anno suxsriors LambsrAso kabtto. 6k. „Visrtsl- zs,bi88obrikt kür ^.strouomis" XXXI, 4 (p. 278—283), ubi plura. ütlas oomprsboncket omns8 stsllas variabilso U8- gus ack 25. Araäum insr. äsolin., i. s. numsro viroiter 250 stollas. Atlantis pars prima e»8 sxbibsbit 50 U8gns 60 variabile8 otsllao, guas nuäo ooulo bons obssrvart pv88nnt st zam apuä D. Hsia (^.tlas oosls8ti8. Lonnae 1872) st Listn (Ltsrnatlao. I>ip8ias 1888) cks8oribuntur; opsris osouncka st tsrtia xars stsllas ooutinsbit ksrs 200 vartabtlso, guas nonnim ooulo tslseooxio armato oon- 8piotuntur. Opu8 8uo awbitu intsZrum guingus 8srÜ8 ckwtributum eckstur; incksx oomttano uotas dabsbit ns- os88aria8 aä ooinxutations8 astronomioao. Jugendlaube. Bibliothek für die Jugend. Herausgegeben von Hermine Proschko. Wien 1897. Verlagsbuchhandlung „St. Norbertus'V Preis des Bündchens 70 Pf. Bei der Ueberfülle des Lesestoffes, der heutzutage den Kindern geboten wird, aber mitunter sehr wurmstichig ist, ist eine Gabe von tadelloser Gediegenheit wie die „Jugendlaube" von Herrn. Proschko mit Freuden zu begrüßen. Verantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.