kip. 69. 9. OKI. 1897. Aus den Briefen Jaussens an Pfarrer Andreas Schneider in Berngau. G In der weitem Ocffcntlichkeit dürfte es weniger bekannt sein, daß der am 30. Dezember des vorigen Jahres gestorbene Pfarrer von Berngau, Herr Andreas Schneider, zn des seligen Janssen vertrautesten Freunden zählte. Im Jahre 1869 weilte derselbe mit einer kurzen Unterbrechung, während deren er den Pfarrconcnrs machte, mehrere Monate, vom 7. April bis 21. November, iu Frankfurt und betrieb hier unter der unmittelbaren Leitung des berühmten Geschichtschreibers historische Studien. Er beschäftigte sich neben der allgemeinen Geschichtswissenschaft eingehender mit dem Zeitalter Kaiser Maximilians I. und dem Josephinismus und verfaßte außer einigen kleinern Arbeiten eine größere Abhandlung „Der Klostersturin in Oesterreich unter Joseph II.", die als Broschüre 1869 iu Frankfurt erschien. Verschiedene Artikel veröffentlichte er in der damals vonDr. Nieder- mehcr herausgegebenen „Kath. Bewegung", im „Katholik" u. s. w. Janssen scheint ihn, nach dem vorhandenen Briefwechsel Jaussens und den schriftlichen Aufzeichnungen Schneiders zu schließen, recht lieb gewonnen zu haben, und ergeht sich in den anerkennendsten Ausdrücken über den strebsamen Kaplau. Er hielt große Stücke auf ihn und hoffte, in ihm eine Stütze für seine zahlreichen Arbeiten zu finden, einen Berather, mit welchem er seine historischen Werke besprechen konnte. Während der kurzen Spanne Zeit, die Schneider in Frankfurt zubrachte, entwickelte sich zwischen beiden ein inniges Freundschaftsverhältniß, das bis zum Tode Jaussens währte. Ende November 1869 kehrte Schneider wieder in seine Diöcese Eichstätt und zur praktischen Seelsorge zurück. Janssen ließ ihn allerdings nur ungern ziehen und machte mehrere Versuche, seinen „lieben, treuen Freund" wieder in seine Nähe zn bringen. Sein Wunsch war es besonders, er möchte als Pfarrer von Niedcrrad bleiben, wo sich Janssen während der Sommermonate gerne aufhielt. Doch dieses sein Verlangen scheiterte an dem Willen Schneiders, der es vorzog, in der eigenen Diöcese Zu wirken. Allein ganz scheint auch ihn selbst die Erinnerung an Frankfurt und seinen dortigen Freund, oder vielmehr die Liebe zum Gcschichtsstudinm, nicht verlassen zu haben; wenigstens drückt Carl Bansa in einem Briefe an Schneider vom 29. Januar 1872 seine Freude darüber aus, daß er sich, dem Verlangen Jaussens folgend, um die durch das Ableben von Professor Dr. Niedermeyer erledigte Stelle eines Administrators des Deutschen Hauses in Frankfurt gemeldet habe. Da jedoch aus der eigenen Diöcese nicht weniger denn 8 Bewerbungen einliefen, trat Schneider zurück; Janssen gab jedoch seine diesbezüglichen Versuche nicht auf, freilich ohne sein Ziel zu erreichen. Schneider lehnte ab, zumal in Preußen die Dinge anfingen, weniger gemüthlich zn werden, und der Cnltnrkampf seine schönsten Blüthen trieb. Wie enge nun Schneider während seines Aufenthaltes in Frankfurt seinem Freunde aus Herz gewachsen war, zeigt sich in den Briefen Jaussens an ihn. Wiederholt brückt dieser den Gedanken aus, welch großer Verlust sein Weggang von Frankfurt für ihn gewesen und wie gerne er ihn wieder in seiner Nähe hätte. „Es ist schade, lieber Schneider", schreibt er ihm am 1. Juni 1870, „daß Sie nicht mehr hier sind und wir unsere historischen Werke nicht gemeinsam mehr besprechen können." „Wie oft", heißt es in einem Schreiben vom 9. August desselben Jahres, „sprechen wir (Bansa, Steinle. . .) von Ihnen und wünschten, daß Sie nicht von hier weggegangen wären. Die Freunde fragen oft nach Ihnen, insbesondere auch Familie Bansa. Wären Sie doch nur hier geblieben als Pfarrer von Nieder- rad." Am 30. April 1871 schreibt er ihm: „Wenn Sie hörten, wie oft ich von Ihnen spreche, und wüßten, wie sehr ich Sie hicher zurückwünsche, so gäben Sie doch Ihren Glauben an diese Freundschaft keineswegs auf. Wirklich, lieber Schneider, ich wünsche Sie sehnlichst hieher zurück und mache nur noch immer Gedanken, ob es denn nicht möglich wäre, daß Sie die Stelle in Niederrad, die noch immer unbesetzt ist, annähmen." Diese Sehnsucht Jaussens läßt sich leicht erklären, wenn man weiß, wie vereinsamt sich Janssen fühlte, da er fast niemanden besaß, niit dem er über seine Arbeiten conferiren konnte. „Unser guter Professor Wsdewcr ist nach langem, schwerem Leiden am 16. April gestorben," schreibt er im nämlichen Brief, „für mich eine neue Lücke, da ich ihm seit 17 Jahren nahe stand. Ich bin hier wirklich ein Vereinsamter. Wie gerne ich Sie hier in meiner Nähe hätte, kann ich Ihnen nicht genug sagen." Am 7. Juli 1872 spricht er sich folgendermaßen aus: „Seien Sie versichert, daß ich Ihnen treu ergeben bleibe und oft an Sie denke. Mit Dankbarkeit erinnere ich mich noch an die Zeit Ihres Aufenthaltes in Frankfurt, wo mir erfrischender und anregender Umgang, wie Sie richtig herausgefühlt, besonders was meine historischen Studien betrifft, so vielfach gebricht, manches mir auch mit jedem Jahre fremder wird." In einem M'iefe vom 30. April 1874 heißt es weiter: „Ich habe ein inniges Verlangen nach Ihnen und nach Ihrem wohlthuenden Verkehre." Jaussens mittheilsame Natur wollte eben einen lieben Freund, der die Sorgen um seine vielen Arbeiten theilen, mit dem er sie besprechen und dem er sie vorlesen konnte. Zn diesem Zwecke war ihm Herr Schneider in kurzer Zeit sehr werthvoll geworden. „Hier stehe ich geistig sehr isolirt", schreibt er wiederholt, „fast mit niemand kann ich über meine Arbeiten sprechen. Wie oft habe ich gesagt, wäre doch mein lieber Hanskaplan noch hier." Als Janssen erkannte, daß Schneiders Rückkehr nach Frankfurt kaum mehr möglich sein werde, schrieb er ihm: „Ich habe oft ein rechtes Verlangen nach Ihnen, doch das ist ja nicht mehr zu ändern, und wir wollen wenigstens im Geiste und im Gebete treu mit einander verbunden bleiben." Sie sind es auch geblieben. Ueber seinen Aufenthalt in Frankfurt hat Schneider ein genaues Tagebuch geführt, das sich noch unter seinen hinterlassenen Papieren vorfand. Auch die Briefe, welche Janssen im Laufe der Zeit an ihn schrieb, hat er genau und sorgsam aufbewahrt. Das Interessanteste aus ihnen wollen wir demnächst mittheilen. Die Passiv des hl. Flvnan und einige andere Legenden. Von Dr. Bernhard Scpp. Dies also ist das neueste Resultat moderner Lcgenden- kritik, daß die Passiv des hl. Florian, welche selbst ein 406 NettbcrgJ „och für echt hielt, eine Fälschung ist. Bruno Krusch in Hannover hat es bewiesen/) Professor A. Ehrhard in Wiirzbnrg bestätigt und Laudcsgerichts- rath I. Strnadt in Kremsninnstcr nicht st orsti verkündet?) Damit ist diese Passio begraben — wenigstens für die Leser der Münchner Allgemeinen Zeitung. 1i. 1.Ich Aber — welches sind denn eigentlich die Argumente, die Br. Krusch für seine Behauptung beigebracht hat? Ich will sie mit seinen eigenen Worten anführen. I. „Hass (8o. 8. Irena« Lirmisnsm aeta) lAori- ani bioZrapIius ita sxpilavit, nt initiv utra s. Irsrmsi tritt uns ein jugendlicher Bischof griechischen Namens entgegen, der Weib und Kind hat und, weil er sich zu opfern weigert, erst — wie Bischof Quirinus von Siscia — mit Knütteln geschlagen, dann auf Befehl des Präses Probns von Nicderpannouicn mit dem Schwerte durchstochen wird, ehe mau seinen Körper über die Brücke in die Bossnth ') Kg. D. I. 157. , H Ll. 6. 8er. rsr. LIsrov. III, 65 8g. (1896). ch Ocstcrr. Lit.-Bl. d. Leo-Gesellsch. Nr. 15 S. 150 f. (1. Aug. 1897). ch Beil. z. Allg. Ztg. Nr. 202 S. 1 f. (7. Scpt. 1897). ch S. Ruinart H,eta LIart. (Verona 1731) x>. 356. Der griechische Text des Prologs lautet ganz anders s. Roll. 88. Nart. III, Nachtrag p. 23, Dambsoin8, domm. cls bibl. dass. Vivckob. t. VIII (Wien 1782) p. 436 f. °) Wie ein echtes Protokoll begann, beweisen die Akte des Märtyrers Enplus bei Ruinärt x>. 361: Dioelotiavo ooviss st Llaximiavo oetiss oou8vUbu8 xrickio läus rk.ci- xrrbti in datanonÄum eivitats oto. ^) S. Ruinart p. 482: lempoi's perseentioicks gnancko glorios» oei-tamiva Lckslibns oblata psrpstua xromissa ex8povtabavt aeeixoro, tnuo eomprohoo8U8 llulius ote. ch Er lautet (ebenda x. 483): Llart^ri 2 atv 8 S8t antom vonorabills Dei kämulns Inliiis apnck provinvi'am Zloesiam in eivitats Doro8toron8s äis VI Lal. luv. aASirtoLIaximoprsoicks roZ-navts Domino uootro ckoouddriotoeuiAloriaivZaeeulaoasouIornm. ^mon. Die gesperrt gedruckten Worte stehen auch in der lall Dassio s. Irenasi; in der Dassio s. Dloriavi dagegen heißt es am Schlüsse: „Leta sunt antom Hase", ebenso in den Akten des hl. Pollio (bei Ruinart x. 360) und in der griech. Version der Dassio s. Ireuaei. (La.8sutr3),b) die bei Sirminm in die Save mündete, hiuabwirft. In der ?L88io 8. küorirwi dagegen begegnet uns ein alter Soldat gntröniischcn Namens, der xriuosxm 1s§ioui8 ^) gewesen war, aber den Kriegsdienst verlassen und in Ostium") sich angesiedelt hatte, von wo er auf die Nachricht, das; in Imuriacmm?") eine Christenver- folgnng ausgebrochen sei, herbeieilt, um sich ebenfalls als Christ zu bekennen. Nachdem er zweimal mit Knütteln geschlagen ist und seine Schultern mit eisernen Nageln durchbohrt sind, befiehlt der Präses Agnilinus von biori- eum riponss,") ihn zu ertränken. Schon binden ihm die Soldaten einen Stein um den Hals, aber noch zögern sie, den Befehl an ihrem alten Wafsengefährten zn vollziehen. Da — nachdem er etwa eine Stunde lang gebetet hat — eilt ein junger Offizier erzürnt herbei und stößt ihn über die Brücke in die Enus hinab. Aber das Wasser wirft die Leiche an's Land, und eine Matrone Namens Valeria bestattet sie in der Nähe.") In der That, der Fälscher hatte eine wunderbare Phantasie'5) und wußte seine Quelle geschickt zu verbergen; man müßte höchstens eine Spur derselben noch darin finden, daß hier wie dort der Präses einen Nichtersprnch fällt (sententinm cint) und Florian, wie Jrenäns, vor seinem Tode die Hände zum Gebet (wie die Orantcn auf altchristlichen Fresken) zum Himmel emporhebend (sxtsnclens rnnnus 8uas acl soelum)") seine Seele Gott empfiehlt. Wie merkwürdig! II. ,0n8tri, ubi stiorianus MZ8U8 6886 isrtur, in Diorlco rixonbi sttt nowsn Imvorinsuiir acl ms- cliuin asvunr rsksrsncluin sst." Ein ganz wcrthloses Argnnient, denn jeder, der mit Handschriften sich befaßt hat, weiß, daß die Eigennamen darin selten unverändert gelassen, sondern meist nach der Aussprache der Zeit umgeformt sind. So z. B. lautet ch Lei Plinius imt. di.-zt. III, 28, 2 lautet der Name des Flusses: Daeuntiv8; vgl. aä Lohnte, lab. Denll; Do88g.nti8, Viion. Itav.; daput Dossnsis, Hot. ckiAvit. 'ch Vgl. Mommseu d. I. D. ID, 1 ll. 3501 gefunden bei Pesth: lt. InI. Llaseulu« Drill(eop8) lls^(ioiiis) II ^cli(uti-ioi8). Gemeint ist der erste Centurio der Legion (— primipjlns s. Vo^ot. cko ro mil. II, 8), welcher der nächste nach dem Tribun war und zum Rittterstande zugelassen wurde. ") Das ehemalige römische Municipium Helium ds> Lvw ist (nach Mommseu O. I. D. DI, 2 x>. 684) in Mäulern bei Krems zu suchen. 'ch Dauriaonm (h. Lorch) war der Standort der Ds§. II Itcrliea Dia Dläslis, vergl. Mommseu a. a. O. u. 5671, 5681, 5682. 'ch Diokletian hatte kurz vorher (i. I. 297) die Provinz Aorioum in Xoricmn i-ixsv8o und Diorieum msät- isrianoum getheilt. Woher wußte dies der Fälscher? ") Nämlich am linken Ufer des Jpfbaches, wo seit unvordenklichen Zeiten eine Kirche des hl. Florian steht, s. unten. 'ch Anderer Meinung war Wattenbach, der (D. G. 6. Aust. 1. Bd. S. 42) von einer Dürftigkeit der Phantasie des Mittelalters spricht und mit derselben kühnen Sicherheit, wie Krusch, die Legende des hl.,Florian für eine Nachbildung der I'assio 8. tzuiriui erklärt, die schon Hieronymus in seinem dkronieon benützt hat (s. Mignc ü. D. 27 ool. 667, vgl. Ruinart p. 439). Und doch kann es bei dem Wasser-reichthum der Süddonaulande nicht auffallen, wenn Florian, wie Quirinus und Jrenäns, ertränkt wurde. ") Derselbe Ausdruck findet sich in den aota s. DoU liouis, Dup!>, .lulii (a. a. O.); er gehört schon dem klassischen Sprachgebrauch an, s. Div. 8, 20; 23, 3. ") Vgl. die Sera s. Lnxli a. a. O. 407 der Name des hl. Nupert im Salzburger Verbrnderilngs- buch Iiroclxörhtiw, im ältesten Salzburger Martyro- loginm, dem inclianlus ^.rnouis, der eonvsrsio IInF. st Oar. und in der Grazer vita: Iirockbertna, in den Corlixnti d. I. 1120, 1165, 1186: Ikonctdertns, Rnclbsrtu3, Ruoäbertus, die merowingische Naincns- form dagegen war: Oiiroäoixzrektns (vergl. I'grt?, AI. O. Vixlvn». n. 36, 66, 82). Hieraus folgt, daß aus der Namensform höchstens das Alter der betreffenden Handschrift, nicht aber die Lesart des Originals erschlossen werden kann. Uebrigens lautet der Name im Berner Codex des Ala-rtyroloxinm Ilioronvminnun» (verfaßt ca. 770), dessen Schreiber nach Krusch a. a. O. S. 66 den Text unserer krrssio 8. 1'Ioriniri bereits vor sich hatte,") ganz richtig Lmurinonm, ein Beweis, daß Imvoriaeum nur eine Entstellung des Copisten") ist. III. „Do 8. ffioriono in Priors wart^roloZii Hisrvnz'iniani rocensioiiö altum ost kilontnim sia- guli^uo postsrioris eoäices cio eo ininims intsr 86 convoniunt." Dieser Einwand tvärc schwerwiegend, falls er begründet wäre. Dem ist aber nicht so. Krusch hat nämlich übersehen, daß der Passus des Martyrologiums, der von Florian handelt, in der Externacher Handschrift, die noch zu Lebzeiten des hl. Willibrord (gest. 739) verfaßt ist, unter dem vorausgehenden Tag (V non. Nai.) berichtet w!rd,-°) ein Versehen, das in discin Codex, wie in dem Weisseubnrger (geschrieben 772), wiederholt begegnet. Abgesehen von diesem Verstoße herrscht unter den genannten drei ältesten Handschriften dieses Martyrologiums der schönste Einklang, und es steht daher außer Zweifel, daß der Name des hl. Florian schon in der erstell Recension desselben, die nach Krnsch im Jahre 627/28 in Burgund entstanden ist,-H vorhanden war?-) Diese Thatsache ist aber von der größten Tragweite, denn das AIartg'ro1o§inm Ilieronz wiavuill lag in dieser Form, wenn wir von den deutlich erkennbaren Einträgen aus den Calcndarien von Lyon, Auxcrre und Antun absehen, sicherlich schon Gregor d. Gr.-H und Cassiodor-°) vor und ist durch seine Uebereinstimmung mit dein aa- laväariurn Romnnnm und dem syrischen Martyrologinm vom Jahre 412-°) auf's beste beglaubigt. Aber die Erwähnung des hl. Florian in der ältesten Recension des Alartvrolo^iuin Iliaronvinlnnnm ist ") .Krusch nimmt daher au, daß uu>ere Pcmio um die Mitte des 8. Jahrh, entstanden sei. Wer in alter Welt mag in dieser Zeit der ärgsten Sprachverwitderung ein so gutes Latein geschrieben haben! ^) Die Form Vavoriacnm ist nur dadurch entstanden, daß dem u später ein o überschrieben und der Diphthong an dumpf wie ao gesprochen wurde. Dieselbe Namensform steckt in dem verderbter! Wort svswboriselsaco der tob. l?ent., und dennoch wird kein Vernünftiger bestreiken, daß die tab. Laut. auf ein römisches Original zurückgehe. -°) S. voll. V. 88. Xov. II, 1 p. Mt. 2') S. Neues Archiv XX S. 438. '*) Von einer späteren Interpellation im Wcisscn- burger Codex kann keine Rede fein; der Name Llorünms ist hier nur in die falsche Zeile gerathen. "y S. voll. a. a. -O. st. sXVIs 8g. "ö S. Vp. VIII, 29 (Llismo 77 col. 930 f.), Jasfe- Wattcnbach 1517 aus d. I. 698. Vergl. Oo in8tit. cliv. lii. eap. 32 (DIi§no 70 col. 1147) aus d. I. 544. -°) S. voll. a. a. O. x. sXvVIll) 8g. und p. svlis 8g. Es ist undenkbar, daß das Material zu dieser großartigen Compilation rn Gallien vorhanden war. keineswegs das einzige Zeugniß für die Thatsächlich^ seines Martyriums, auch die Grabinschrift jener Valeria, welche einst den hl. Florian laut der Passiv bestattete' und sich nach altem Brauche an der Seite des hl. Märtyrers beisetzen ließ, ist noch heute an Ort und Stelle vorhanden. Allerdings behauptet Krnsch a. a. O. S. 70 Nr. 2, daß diese Inschrift erst im 13. Jahrhundert entstanden sei, und er beruft sich hiefiir auf Friedrich Kenner, der sie im Archiv für österreichische Geschichte Bd. 38 S. 175 f? ausführlich besprochen hat. Aber er macht sich dabei einer groben Verdrehung der Worte dieses Gelehrten schuldig/ Denn Kenner sagt über den Stein vielmehr Folgendes: „Die Inschrift ist in ihrem wesentlichen Theile bisher das einzige altchristliche Denkmal in Obcrösterrcich und mit Ausnahme der Grabsteine von Agnileja wohl das älteste derartige in der gesammten Monarchie, soweit man ihrer bisher kennt und soweit man sie datiren kann. Sie lautet in der ursprünglichen Tcxtirnng: vH0X48 VI4I VLL08IOI6 VVI,LML - VII) VI'. Die schlichte Einfachheit des Textes ist genau von der Art, wie man sie auf den altchristlichen Grabsteinen in den römischen Cömeterien findet. Allein die äußere Form ist abgeändert worden, und zwar sowohl durch spätere Zusätze als auch in Rücksicht aus die Buchstabeii- sorm. Als Zusätze sind zu betrachten: ein kleines Kreuz am Eingang der ersten und ein 8 (snnotao) am Eingang der zweiten Zeile." (Nun folgt der Nachweis der Echtheit der Charaktere aus clo Ho88i Irmvr. cüirwt. irrst. Itomaa I; dann fährt Kenner fort:) „Alle diese Charaktere treffen zusammen auf die Jahre 340 — 350 n. Chr. Sei es, daß Valeria in diesem Jahre starb, oder daß damals ihr Grabmal gearbeitet wurde. In späterer Zeit ist die Inschrift rcstaurirt worden; es blieb dabei die ursprüngliche Form des H gewahrt, alle Buchstaben erhielten aber das Aussehen von gothischen Majuskeln, wobei die schon ursprünglich runden Formen des AI und L völlig in gothische Lettern übergingen. Der berühmte Epigraphiker Kavaliere de Rossi erkennt daher die Echtheit des Steines in seiner ursprünglichen Fassung an, versetzt aber die Zusätze und die Ausstattung, in der sie noch erhalten ist, in das XIII. Jahrhundert.-^) . .. Sicher aber hat man damals die Inschrift nicht erfunden; denn in jener Zeit würde man weder die römische Datirnngsweise befolgt, noch den Text so schlicht abgefaßt haben, man würde vielmehr die Verbindung Valeria's mit der Legende vom hl. Florian hervorgehoben und ihre Frömmigkeit gepriesen haben." Da de Rossi ein besserer Kenner altchristlicher Inschriften war, als Mommsen ist, so wird die Echtheit dieses Steins wohl kaum mehr in Abrede gestellt werden können. Sie verbürgt aber zugleich die Echtheit der Grabstätte deS hl. Florian, der Stift und Markt St. Florian in Oberösterreich ihre Entstehung verdanken. Doch Herr Strnadt bestreiket ja, daß mau im '0 Wie Kenner wahrscheinlich »nacht, hängt die Ucber- arbeituug der Inschrift mit der Transferirnng des Sarges der Valeria nach dem Kreuzaltar und mit der Nen-Ein- weihung der Kirche i. I. 1291 zusammen. Heute befindet sich der Stein ebenso wie der Sarg und die Reliquien der Valeria in einer Kammer »leben der Krypta (feit 1751). .... 408 Mittelalter die Grabstätte des Heiligen gewußt habe. Zwar lesen wir schon in einer der ältesten Passauer Traditlonsurtnnden ^) eines iiresk^tor RoZinoIk^") p;- Worte: in loco nunLupanto ad kuoolio, nsti xrs- eio8N3 rnart^r I^Iorinnns corpors rec^nissoit, aber diese Notiz bringt nach seiner Meinung nur „die persönliche Ansicht des Schreibers (im 9. oder 10. Jahrh.) zum Ausdruck" — gleich als wenn eine „persönliche Ansicht" nicht auch richtig sein könnte. Zudem kehrt dieselbe Nachricht in einer Urkunde Ludwigs des Kindes vom 19. Januar 901 (s. Llon. Loioa XXXI, 1 S. 162 n. 80, vgl. Mühlbachcr IköA. Ilri-rol. n. 1942) wieder: „ad supra-rcrixtuin snaro- oanotuM locnm — 8v. snnoti k'Ioriani inart^ris monL8t6rinm — in hno oiusdein h>oLtis8iini raar- t^ris eorpug vönoiabüitsr üuwatum äst." Schon in einer Urkunde Ludwigs d. Fr. vom 28. Juni 823 (vgl. Mnhlbacher a. a. Ö. n. 753) ist von einer eeltuia, 8. li'ioriani die Rede, die sein Vater, Karl d. Gr., an Passan geschenkt hatte, und Avcutin annnl. I-oior. IV, 9 versichert, daß er in Münchsmimster ein Buch gesehen habe, das !m Jahre 819 in St. Florian geschrieben war. Also schon zu Anfang des 9. Jahrhunderts bestand eine Art klösterlicher Niederlassung in St. Florian, die sich später zu einer „aonZraZatic» oleriLorurn ibidem in loco dis iwotuguo sarviantium" erweiterte, s. Älon. Loica, XXVIII, 2 n. 36, vgl. I. Stnlz, Gcsch. d. rc- gulirten Chorhcrrnstifts St. Florian, Linz 1835 S. 203 n. III „in sastentationam Irntrum ibidem domino lawulnntinm". Diese Zeugnisse beweisen klar, daß sich der Cult des hl. Florian ebenso gut, wie der des hl. Maximilian (s. indio. ^rnon. VIII, 1 8y. brev. not. Lalwb. III, 1 ke;.), über die Zeiten der Völkerwanderung hinaus lebendig erhielt, dank den christlichen Romanen, welche ihre Grabstätten niemals aus dem Auge verloren hatten. Denn „am festesten haftete immer die Erinnerung am Grabe der Heiligen" (s. Wattenbach a. a. O. S. 43)?°) (Wird fortgesetzt.) Die Schmähungen Luthers. O In dem achten Hefte der „Neuen kirchlichen Zeitschrift", welches am 1. August d. I. ausgegeben wurde, ist zu lesen: „Kurz vor Veröffentlichung der Bulle hatte Miltitz --) S. blau. Loio. XXVIII. 2 S. 35 n. 38. Auf ein sehr hohes Alter dieser Urkunde weist schon die Ausdrucksweise hin: „lu so vero dis moueutibus Otlmrio Vooato exiseopo uua> oum kidstibus suis", wozu sich nur noch in u. 78 eine Parallele findet: „in pLta-ia eivi- tate, guando erebantridus (Vorgänger des Oktarius) vo- oatus 6PI8L0PU8 oum suis kidslidns ibidem kuisset." ") Nicht Eginolf, wie Strnadt schreibt. Er kann daher auch mit dem Donator Eginolf d. I. 772 — der übrigens nur in der Phantasie des Herrn Strnadt existirt! — nicht identisch sein. Nebenbei geben wir diesem Herrn den Rath, sich ja mit der Legendenkritik nicht mehr zu befassen, denn es fehlt ihm eine gewisse Akribie und barmt alles, was zur Prüfung der Echtheit einer Legende nöthig ist. °°) Wie berühmt der hl. Florian war, beweist nichts besser, als der Umstand, daß ein späterer Ueberarbeiter der Legende des hl. Florentius seinen Heiligen der Namens- Khnlichkeit wegen für einen Bruder des hl. Florian ausgibt und an dessen Passiv anknüpft — eine Entdeckung, welche bereits die Bollandisten gemacht hatten (s. X. 88. Usi. ti. I p. 462 v. 8 8ext. t. IV v. 412 II. 11). Auch wurde seine Passiv auf einen anderen klm-larms übertragen. doch wieder Luther zur Milde gestimmt, und Luther hatte versprochen, an den Papst zu schreiben; er stand aber davon ab, als die Bulle veröffentlicht war. Auf vieles Zureden des Miltitz und der Vermittlungspartei schrieb Luther schließlich doch an den Papst Leo X. Der Brief muß nach dem 13. Oktober 1520 geschrieben sein; Luther setzte aber das Datum vom 6. September darunter, um die Bulle unberücksichtigt lassen zu können. Er fügte dem Schreiben seine mildeste reformatorische Hanptschrift (seine dritte: ,Von der Freiheit eines Christen- meuscheM) bei. Trotz aller Milde und Unterwürfigkeit im Briese bleibt er doch in Bezug aufs Schriftprincip fest. Nicht gegen die Person des Papstes habe er etwas Böses vorgenommen, sondern nur den „Römischen Hof" habe er angetastet, und „umb des göttlichen Wortis Wahrheit willen" sei er angetreten. In allen Dingen wolle er jedermann gern weichen, aber „das Wort Gottis will ich und mag ich auch nicht verlassen noch verleugnen". Er vergleicht Papst Leo mit Daniel in der Löwengrube und Ezechiel unter den Skorpionen: Dem römischen Hof sei nicht zu helfen, darum .hab ich ihn veracht, ein Urlaubsbrief gcschcukct und gesagt: Ade, liebes Nom, stink fortan, was da stinkt, und bleib unrein für und für, was unrein ist (Offenb. 22, II); hab mich also begeben in das stille gerügt Studieren der Heiligen Schrift, damit ich forderlich wäre denen, bei wilchen ich wohnet? Kolde steht in dem Hange Luthers, den Wünschen der Vermittler und Freunde soviel als möglich Rechnung zu tragen, mit Recht etwas „Melanchthonisches". Sicherlich wird einiges von Luthers Milde und Nachgiebigkeit in dieser Periode wie auch später auf die Rechnung von MelanchthonS Einfluß zu schreiben sein, mit dem Luther ja immer inniger befreundet wurde; denn wie konnte er an den Papst so schreiben, wo er doch wenige Tage vor-, her in einem Brief an Spalatin sagt, daß der Papst der Antichrist und der Sitz Satans (!I) sei. Luther ist eigentlich nur zu entschuldigen, wenn wir bedenken, daß er das Datum um fast zwei Monats zurückrückte und sich gewissermaßen in seine damalige Anschauungsweise hineinzuversetzen suchte. Daß Luthers Forderung eigner Schriftsorschuug auch von den Laien und seine eigne rastlose Thätigkeit in Schrift und Wort schon damals segensreiche Früchte getragen, beweist sein aus jener Zeit stammender Brief an Hicron. Mühlpfort, Stadtvogt in Zwickan. Leos gegen Luther erlassene Bannbulle Lxsui-Ao Vowinv enthält übrigens eine schlagende Bemerkung über Luthers Stellung zum Concil: „trnstra. otiarn Loiigilii auxilium iviploiavit, ebensoviel von der Schrift als die Gans vom Psalter". Zugleich erneuerter seine Appellation an ein Concil (vom Jahre 1518) am 17. November 1620: Durch die Schrift wolle er sich überwinden lassen, denn „des Papstes Gewalt steht nit übir noch wider, sondern für und unter der Schrift" — das kann er nicht genugsam betonen. Wenn man es so macht, wie der päpstliche Stuhl es bisher gethan, dann dürfe bald niemand mehr Christum bekennen, denn der Papst Leo X. fliehe und verleugne Gott und Gottes hl. Wort, mache sich unerhörter Gotteslästerung schuldig und sei ein .verstockter, irriger, in aller Schrift verdammter Ketzer und Abtrünniger', ,ein Feind und Widersacher der ganzen heiligen Schrift'. Darum überläßt er ,den Papst und allen päpstlichen Haufen dem jüngsten Gericht'. — Damit schließt die Appellation. (Im lateinischen Text, der im ganzen etwas milder gehalten ist, fehlt der Schluß.) Schärfer konnte Luther kaum noch gegen den Papst vorgehen." Die „Neue kirchliche Zeitschrift" erscheint in Erlangen und Leipzig; sie wird herausgegeben von Gustav Holzhäuser, Gymnasialprofcssor in München, in Verbindung mit Oberconsistorialrath v. Buchrnckcr in München, den Universitäts-Professoren Caspari, Ewald, Sccberg, Schling, Zahn in Erlangen, dem Kirchcnrath Schlier in Hersbruck, dem Consistorialrath Stählin in Bayrenth u. a. Wir werden kaum irren, wenn wir annehmen, daß Pastor O. Uudritz in Reval, der Verfasser der Abhandlung, welcher der mitgetheilte Abschnitt entnommen ist, mit den angeführten Aeußerungen Luthers nicht allzu unzufrieden ist. Diese unsere Annahme stützt sich darauf, daß er die „unterstrichenen" kräftigen Stellen „unterstrichen" hat, wohl zu dem Zwecke, die Aufmerksamkeit des Lesers darauf besonders zu lenken. Wir wollen ihn deßhalb nicht tadeln, wohl aber müssen wir rügen, daß er das Schreiben Luthers an den Papst durch Ver- > schweigen so sehr „gemildert" hat, daß er uns das Ehe- ' recht, welches Luther in seiner „mildesten reformatorischeu ' Hanptschrift" aufstellt, nicht bekannt gibt. Die „Milde und Nachgiebigkeit", die Demuth und Wahrheitsliebe Luthers, die Reinheit seiner Lehre und ihre Uebereinstimmung mit der Heiligen Schrift wäre dann noch sichtbarer zu Tage getreten. Doch begnügen wir uns einstweilen mit dem Gebotenen. Die Gegner Luthers sind „römische Buben", der Papst der Antichrist, Leo X. ein „verstockter, irriger, in Waller Schrift verdammter Ketzer und Abtrünniger", „ein Feind und Widersacher der ganzen Heiligen Schrift". Luther ist zu entschuldigen, weil er das Datum um fast »zwei Monate zurückrückte! Und wenn er anders au Spalatin und anders au den Papst schrieb, so wollte er eben damit darthun, daß er wirklich auch „anders könne"! Er handelte da ähnlich wie der „milde" Mclanchthou. Am 6. Juli 1530 sagte er dem päpstlichen Legaten Campcggio in Augsburg: „Wir haben kein Dogma, welches von der römischen Kirche verschieden ist". Fünf Wochen später nannte er in einem mit den anderen sächsischen Theologen abgefaßten Gutachten für den Kurfürsten von Sachsen den Papst „einen Antichrist". Es ist kein Zweifel, Luther und Melanchthou verdienen die höchste Anerkennung! Die Schristwortc dürfen nur im Sinne Luthers verstanden werden; seine Gegner '„wissen von der Schrift ebensoviel wie die Gans". , Luther „saß in der Schrift", seine Gegner aber draußen, außerhalb der Schrift, deßhalb war ihm der Brief des hl. Jakobns so verhaßt; denn in diesem stehen die Worte: „Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er todt an ihm selber". Wie trefflich weis; er Offenb. 22, 11 anzuwenden! Warum hat uns Undritz die Schriftgrnnde nicht mitgetheilt, mit welchen Luther sich vertheidigt hat? Wir wären ihm so dankbar dafür. Vielleicht möchte einer oder der andere bei sich fragen, weßhalb wir jetzt diese Dinge zur Sprache bringen. Hierauf haben wir zu antworten: vor wenigen Tagen glaubte sich das hessische Oberconsistorium über Schmähungen Luthers beklagen zu müssen; dem Beispiele desselben folgte sofort die Gcneralsynodc in Bayrenth. Die „Allgemeine Zeitung" vom 23. ds. Mts. erwartet von der hessischen Staatsregiernng die Zurechtweisung eines „bischöflichen Fanatikers". Nach lutherischem Bekenntniß ist der Papst der Antichrist, sind seine Glieder oder Anhang des Antichrists Reich und zu verfluchen! Hierin liegt selbstverständlich keine Schmähung des Papstes, der katholischen Kirche vor! Sollten die Mitglieder des hessischen Oberconsistorinms, der bayerischen Gcneralsyuode die Schriften Luthers, die lutherischen Bckenntuißschrifteu nicht kennen? Au die „Allgemeine Zeitung" möchten wir die Bitte richten, sie möge nachweisen, daß die Beschuldigungen, welche „der bischöfliche Fanatiker" gegen Luther erhoben hat, der Wahrheit entbehren. Mit bloßen Schmähungen werden Anklagen nicht widerlegt. Die deutsch-französischen Allianzen im 18. und 19. Jahrhundert. (Fortsetzung.) Einem solchen Mann - trat die polnische Erhebung entgegen, ihm, der eine Autokratie repräsentiern wollte, die nicht einmal in Persien und China ihre? Gleichen haben sollte und auch hatte! Man sagt, daß au der Newa, Wolga und Moskwa heute noch Dinge sich ereignen, die in Europa „unmöglich" gewesen wären. Die Mißhandlung und Niederwerfung des aufständischen Polen bietet das „Unmöglichste", das, nm nur vom Araktschcjew- schen Systeme der Militärkolonicn zu reden, an die Institutionen der Baktrer und Meder erinnert. Die Kriegführung lag in den Händen des Großfürsten Constantin, dessen Nohheit schon den Erfurter Congreß in Erstaunen gesetzt hatte, und der sich — offenherzig genug — selbst für unfähig zur Regierung eines modernen Staates erklärte! Wie rasend durch das fließende Blut wüthete er mit pathologischer, an Iwan den Schrecklichen erinnernder Grausamkeit, deren Schilderung das 19. Jahrhundert cr- röthcn macht. In diesem Verwüstnngskampf fand Polen die volle Sympathie Frankreichs, während Preußen sich fast feindlich erwies und Englands Sympathie, wie immer, so groß war als der Prozentsatz von den Erzeugnissen des polnischen Landes und die Furcht, daß diese Abnahme- quelle von den Feinden Polens vernichtet werde. In Paris dagegen organisirie sich sofort unter lebhafter An- theilnahme des katholischen Klerus eine Polenpartei, welche sich der Protektion des Franziskaner-Priesters Fcrro, des Bischofs Dupanlonp, des Grafen Monta- lembert und nicht minder der französischen Jesuiten erfreute. Mitglieder des freien polnischen Comitos, dessen Zweck in Geldsammlnngeu sür die polnischen Emigranten 410 bestand» waren: Herzog d'Harcourt, Lafayctte, der Held zweier Welten, Marquis Noailles, Titlet nnd Graf Branicki. Schon 1831 begannen auch die französischen Logen, so die Prinitv inckivisiblo in Paris nnd Voritrm zu Rauch, sich lebhaft der armen Polen anzunehmen. Die Loge „Orient" zn Poitiers stellte unter dem Vor- wand manrerischer Bruderpflicht den polnischen Emissären, die nach Rußland gehen wollten, falsche Pässe aus. Auch der Prätendent Napoleon nahm das Anerbieten der Polen- führer Soltyk, Ostrowski nnd Lcdowicki an, sich an die Spitze der polnischen Armee gegen Rußland zn stellen; aber soeben — war Warschau gefallen?) Auch Lucian Bonaparte war nebst dem polnischen Aristokratenführer Czartoryski und dem edlen Dndley Stnart, einem Engländer, zum polnischen Throncandidaten ansersehen. So konnte schon 1833 ein polnischer Reichstag in Paris abgehalten werden. Auch die meisten polnischen Revolnttons- schriften wurden in Paris gedruckt, so 1861 noch die Schrift: „Exerciren des Sensenmanns" (bei Renou L Maulde). Ein großer Schlag für die Hoffnungen der Polen war der Tod Lafayette's, der seine Epauletten nnd sein Vermögen der polenfrenndlichen Loeiütv äaa ökuclcw hinterließ. Daß Paris, das Asyl der hingeschlachteten Polen, für den Zaren Nikolaus ein Stein schweren Anstoßes war, ist begreiflich; fast noch mehr regte ihn die Nachricht von der Julirevolution (1830) in Paris auf. Einige Tage fürchtete man für den Verstand des Wüthenden. Es erging eine Rnstnngsordre an die Armee, die bald widerrufen, dann wieder erneuert wurde. Der Kaiser war in unbeschreiblicher nervöser Aufregung; eine harmlose Französin, Vorleserin der Großfürstin, die ihm in jenen Tagen zufällig in den Weg kam, mißhandelte er thätlich und schrie sie an: „Ihre Landslente machen schöne Sachen. Diese verdammte Rasse will wieder die Ruhe der Welt stören!" Als er hörte, daß die Grenadiere der k. Garde tapfer kämpfend der Revolution Widerstand geleistet hätten und gefallen seien, rief er aus: „Ich wollte jedem von ihnen ein goldenes Standbild errichten!" Das Heer, das er in diesen Tagen inspizirte, rief ihm zu: „Paris! Paris!" Einen Beamten, der die Gedichte des Franzosen Victor Hugo übersetzt hatte, setzte er ab. Allen russischen Reisenden ward bei schwerer Strafe der Aufenthalt in Paris untersagt?") Um den König Louis Philippe persönlich zr reizen, plante er, seine Tochter Olga mit dem Herzog von Bordeaux zn vermählen, der den Titel eines Herzogs von Moldau bekommen nnd in Petersburg wohnen sollte. Das Projekt zerschlug sich jedoch und störte nicht im mindesten die Gemnthsruhe Louis Philippe's, der wohlgemuth mit seinem philiströsen Regenschirm in Paris herumspazirte nnd die Wonne der Banquiers und der Großfinanz genannt wurde. „Redet diesen Leuten nicht von Ehre," rief Chateaubriand; „die Rente würde um 10 Centimes fallen!" Bald war auch die letzte Fieberhitze der Julirevolution „calmirt" worden, nnd eitel Friede herrschte überall; in Preußen und Frankreich tanzten die reizenden Füße der berühmten Taglioni alle leidige Politik hinweg. Es war eben in Deutschland jener colossale Umschwung in der politischen Anschauung eingetreten, der in so wenigen Jahren selten in der Geschichte der letzten beiden Jahrhunderte zu beobachten war. Der körperlich nnd geistig etwas mich Vertheidignugsrede Laity's dem Gerichtshof zu Paris. Koschelew's Memoiren. vom 9. Juli 1838 vor saubere Turnvater Iahn hatte noch gelehrt, der bloße Unterricht in der französischen Sprache sei eine Sünde gegen den hl. Geist, zwischen Deutschland und Frankreich mühe man einen Urwald, bevölkert mit Elenthieren und Auerochsen (!), pflanzen; Deutschland und Frankreich dürsten sich nnr wie zwei wilde Thiere hinter Menageriegittern ansehen. Freilich wurde, der dies schrieb, der „gereinigte Eulenspiegel" des (fast verschollenen) Arndt von seinen Anhängern genannt; lachend geht die Weltgeschichte über ihn zur Tagesordnung über. Eine Sage geht, er habe sogar ein Haar von Blüchers Schimmel als Talisman gegen die bösen Franzosen bei sich getragen. Und wenige Jahre darauf! Welcher Umschwung in Deutschland! Paris ist das Mekka der Revolution, der Dichter, Künstler, Musiker und Schriftsteller. Mit welchen Lobcshynmen überschüttet Heine die Franzosen, und mit welch' plumpem Ungeschick secnndirt ihm Börne l Wenn es damals in Paris regnete, spannte man in Deutschland allenthalben die Regenschirme auf. Die Jenenser Universität schickte eine Deputation au Louis Philippe, tönende Artikel im „Westbotcn" und der „Rheinischen Tribüne" erschienen. Das in Polhpcuschlaf versunkene deutsche Volk rieb sich schlaftrunken die Augen und schaute verzückten Blickes nach Paris. Freilich war der preußische Hof, von Nikolaus I. aufgestachelt, etwas unschlüssig, wie er sich zur Juli- revolution verhalten sollte. Friedrich Wilhelm III. liebte, wie der marmorkalte Dichtergreis Goethe, das Vornehm- Ruhige, Aesthetisch-Gclänterte; alle Bewegung und Unruhe, jedes Echanffement war ihm verhaßt. „Calmiren" war sei» Lieblingswort; „calmirt" wurde aber auch der noch sehr jugendliche preußische Kronprinz, der einen Toast auf Frankreich ausgebracht hatte?') Auf Vorhalt des Königs sagte er, er gäbe 10,000 Thaler darum, wenn er geschwiegen hätte. Ungewiß ist, ob das Project des Herrn v. Nagler, welcher aus Anhängern des vertriebenen Karl X. in Saarlouis, Köln, Trier nnd anderen rheinischen Städten ein eorpo ä'espiouaZs mit Neuigkeits- bureaux errichtete, wo Briefe nnd andere Sendungen der französischen Regierung erbrochen wurden, die Billigung Preußens hatte. Jedenfalls bestand es nicht lange. Die französischen Stimmfnhrer jener Periode — wir nennen nur den früheren Samt-Simonisten Charles Dnveyrier oder den ritterlichen Sohn Louis Philippe's, welcher deutsche Schriftsteller im Original las — waren große Deutschenfreunde, so daß Edgar Qninet, selbst seinem Temperament nach ein Deutscher, ein Buch „I,a, Bontomanis" schreiben konnte. Heine nnd der gespenstische Amadens Hoffmann, der die romantische Poesie auf den Gipfelpunkt des unheimlich Grauenhaften und daneben mystischer Verzücktheit trieb, ein Mann, der wie Heine au erotischem Wahnsinn litt, waren damals die beliebtesten Modeschriftsteller der französischen feinen Lesewelt. Die Minister Louis Philippe's waren alle deutschfreundlich, so besonders der etwas philiströse, grundgelehrte Guizot. Nur einmal zeigte er sich gegen die russische Regierung schwach, als nämlich Graf Orlow den Antrag stellte, den „Vater der Nihilisten", Baknnin, den Fanatiker der Revolution, der auch 1847 auf dem Polenbankett in Paris eine große Rede gehalten hatte, aus Frankreich auszuweisen; Guizot gab nach. Es war dies derselbe Baknnin, der durch seine an Wahnsinn streifenden Theorien alle Verschwörnugs- bünde, die ihn aufnahmen, in Verlegenheit brachte, der ") Rochow, Briefe S. 38 (Leipzig 1871). 411 von seinen Anhängern verlangte, sie müßten den Tenfel im Leibe haben, — dasselbe, was ein anderer Nüsse, Rubinstein, von dem Musiker verlangte — der 1870 die socialdemokratischen Arbeiter aller Länder zum Schutze gegen Frankreich aufrief. Um zum Abschlüsse eclatant zu beweisen, wie groß damals in Deutschland das Entgegenkommen gegen Frankreich war, citiren wir nur die „Halle'schen Jahrbücher" unter Arnold Ruge's Redaktion; auch Bakunin war uuter dem Pseudonym „Jules Elizard" Mitarbeiter. „Alles Heil kommt von Westen, kommt von der Metropole Paris", so lautet ein Artikel; „wir Deutsche müssen den theoretischen Hochmuth ablegen und — wahre Franzosen werden." Die Artikel waren sehr gut gemeint und noch besser aufgenommen. Zu keiner Zeit im 19. Jahrhundert umgab Paris und die Franzosen ein höherer Nimbus. Selbst Componistcn, die in Frankreich keinen Anklang fanden, wie Berlioz, der geniale Vorgänger Wagners, der unerhörte Meister der Instrumentation, kamen nach Deutschland, um berühmt zu werden, und — Berlioz gelang es. Umgekehrt fühlten sich alle deutschen, an Weltschmerz und vielfach auch an Talcntlosigkeit leidenden Prätendenten auf den literarischen oder künstlerischen Parnaß nach dem „Seinebabel" hingezogen. Selbst Richard Wagner, den man für einen Teutomanen halten möchte, wenn er nicht selbst in einem Briefe als sein höchstes Ideal die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich bezeichnet hätte, selbst Richard Wagner, der jedenfalls der Pariser Oper und Pariser Einflüssen mehr verdankt als mystischem, urgermanischem Götterzauber und den Riesenochsen der Göttin Freya, selbst Richard Wagner pilgerte nach Paris, und lange war er in diesen Venus- berg gebannt. In der Gegenwart sucht umgekehrt die recht alt gewordene Sarah Bernhardt in Paris ihren vergilbten Ruhm dadurch wieder aufzufrischen, daß sie, breitspurige chauvinistische Politik treibend, Deutschland meidet, dagegen Rußland mit ihren hysterischen, nn- küustlerischen Fratzen in Entzücken zu versetzen sucht. Es ist dies, wie gesagt, kein Symptom der Zeit, sondern nur gewissenloser Gcschästskniff. Auf diese Art gänzlich isolirt, von Frankreich gehaßt, von Deutschland beargwohnt, sah Nikolaus I. seine Riesenpläne scheitern, und um das Maß seiner Enttäuschungen voll zu machen, mußte er noch den Krimkrieg erleben — oder vielmehr daran sterben. Ja, Nikolaus I. ist ani Krimkrieg und an Napoleon III. gestorben ! Nicht an Gift oder Dolch oder Arzneien — sein Leibarzt von Mandt galt zwar als sein gedungener Mörder — nicht an einer unsichtbaren Krankheit, wie man in Rußland meinen sollte, dem klassischen Lande unerklärlicher und seltsamer Todesfälle, wo selbst die feste Erde nichts ist als ein beweglicher Theaterboden mit unsichtbaren Fallthüren, durch die man verschwindet, nein, Nikolaus starb aus Groll über die Niederlage der russischen Waffen. Der Krimkrieg war aber nicht nur der Nagel zum Sarge des Zaren, er war, wie die napolconische Invasion 1812 der erste, nun der zweite, erneute Impuls für die neu erwachende nihilistische Bewegung, die nun keck ihr Haupt erhob. Man kann also die beiden gekrönten Napoleons als die unbewußten Urheber des russischen Nihilismus bezeichnen, jener chronischen Krankheit, welche den russischen, ohnehin von Krcbsgeschwürcn zerfressenen und von tiefgreifenden Leiden durchtobten Riescnleib zu zerfressen droht. Wer war Napoleon III., der Nikolaus I. zu Fall brachte? Nach dem Republikaner Victor Hugo, dem großen Dichter mit den kurzen Sätzen und cnriosen Skd- jektiven, der ein Buch „Napoleon der Kleine" schrieb, „ein Missethäter der scheußlichsten und niedrigsten Art, der 40,000 Bürger proscribirte, 10,000 dcporlirte, 60,000 rninirte, der 25 Millionen aus der Bank stahl, der Meineide schwor, wie ein Gauner sein Mandat erschlich, das Scrntininm fälschte, der einen mysteriöseil Antheil an einer Goldstangenlotterie hatte, Schacher mit Eisenbahnconccssionen t»eb, das Budget durch Ukase regelte, alle Gesichter schamroth machte, eine knabenhafte, theatralisch eitle Persönlichkeit, ein Hundsf.. ., der sich benimmt wie eine linkische Somnambules!), ein Enmich, Trödler, mittelmäßiger Flüchtling (sie!), die moralische Cholera, ein kothbeschmntztes Ferkel, der Mann der Fallstricke, ein Zigeunerkönig." So meint Victor Hugo; die Weltgeschichte ist maßvoller, kann aber nicht viel Besseres von ihm sagen; denn die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hat dieser Mann gemacht. (Fortsetzung folgt.) Recensionen und Notizen. Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen IX. Jahrgang. 1896. Das Interesse, das den bisherigen „Jahresberichten" des Historischen Vereins Dillingen entgegengebracht wurde, wird durch die Publikation vorliegenden „Jahrbuches" jedenfalls noch gesteigert werden. Ueber 250 Seiten desselben sind aus historische Aufsätze und die Berichte über prähistorische Funde aus den vom Verein veranstalteten Ausgrabungen verwendet. In den „quellenmäßigen Beiträgen" behandelt Dr. Dürrivächter nach Dilliuger Manuskripten die Frühzeit des Jcsuitendramas. Mit Recht betont der Verfasser, daß es ein Irrthum ist, wenn man dieses Gebiet der Literaturgeschichte, wie es meistens geschieht, für öde und unfruchtbar hält. Eine gute Vorarbeit für eine Geschichte der Universität Dilliugen bietet die von K. M. Mayer zusammengestellte ssriss rsetorum der Anstalt im ersten Jahrhunderte ihres Bestehens. In das kunstgeschichtliche Gebiet führt uns A. Wagner in seinem Aus; atze über den Lauinger Maler Mathis Gernng c. 1500 bis c. 1569 (mit 2 'Bildern desselben in Autotypie und Lichtdruck). Nach Manuskripten der Münchener Staatsbibliothek und der kgl. Bibliothek in Stuttgart veröffentlicht M. König die bisher ungedruckte, von Stadtpfarrer Heinrich Lur in Dillingen gehaltene Gedächtnißrede auf den Cardinal Peter von Schaumberg. I. Baulicher gibt einen Neberblick über die ehemalige Benediktinerabtei Echeubrunn. 1672—1773 war Echen- brunn eine Filiale des Jesuitencollegiums in Dillingen. Dankbar wird von den Historikern der ReformationsPeriode begrüßt werden die von Dr. Schröder veranstaltete Veröffentlichung der Correspondenz über die Verkündigung der Bulle „UxnrKs Domino" durch Bischof Christoph von Augsburg. Aus dieser Correspondenz von Ende Oktober bis Ende November 1520, die sich im Augsburger Ordiuariatsarchiv befindet, ergibt sich, daß nicht der Bischof, wohl aber das Domcapitel, besonders die beiden Brüder Adelmann, principielle Bedenken (Parteinahme für Luther) gegen die Veröffentlichung der Bulle wider Luther hatten, und daß von letzterer Seite die Verzögerung der Publikation, herrührt. Bei Bischof Christoph war für seine Stellungnahme weder eine Hinneigung zu Luther (Strichele, Roth) noch Eifer für die Reinerhaltung des Glaubens (Veith, Wiedemanu, Haas, Licr) irgendwie maßgebend; sein Standpunkt war vollständig der eines Realpolitikers. Unter den „Llisesllanon" finden sich meist Mittheilungen zur Geschichte der Universität Dilliugen. Was die Ausgrabungen betrifft, so tonnten diese, Dank der finanziellen Unterstützung von mehreren Seiten, in größerem Umfange als bisher vorgenommen werden und ergaben dieselben sowohl auf dem fränkisch-alamanischen > Gräberfelde bei Schretzheim und in den Hügelgräbern bei > Kicklingen als auch in der römischen Kolonie zu Faimingen 412 reiche Fuudergebnisse (vgl. die Lichtdrucktafeln 3 und 4). Ein Theil der im Museum des Vereins aufbewahrten Gegenstände wurde zur Ausstellung prähistorischer Gegenstände in Nürnberg geschickt und zogen dort besonders die großen Bronze-Cisten das allgemeine Interesse auf sich. Das Museum, die Bibliothek und Münzsammlung erfuhren werthvolle Bereicherung. Das Vereinsleben war ein reges: die Mitgliederzahl ist gewachsen (ca. 270 Mitglieder), als Ehrenmitglied ist Se. bischöfl. Gnaden Herr t)r. Petrus von Höhl in Augsburg beigetretcn: die acht während des Jahres in den Versammlungen gehaltenen Vortrage behandelten meist lokalgeschichtliche Themata. So ist der Dillinger Historische Verein blühend und erstarkt und auf allen Gebieten seiner Aufgabe gewachsen in sein 10. Arbeitsjahr eingetreten. Leider hat derselbe am Schlüsse des Wintersemesters 1897 seinen trefflichen 1. Vorstand, der den Verein aus allen seinen Arbeitsgebieten sehr gehoben hat, den Herrn Lycealprofessor Dr. Schlecht, verloren. Möge der Verein auch unter der neuen Vorstandschaft des Herrn Gymnasiallehrers Harbaucr in der bisherigen schönen, harmonischen Weise weiterblühcn! Rckw. Der Zerstörungsgeist der staatlichen Volksschule. MaiiiZ 1897, Franz Kirchheim. (Hill und 231 Seiten.) Peis geheftet 1 M. 80 Pfg. Dieses Buch wendet sich, wie es im Vorwort heißt, an die gläubigen Christen beider Konfessionen und will „nichts anders, als klar und unumwunden jene Grundsätze sammt deren logischen Forderungen darlegen, welche vom christlichen Standpunkte aus für die Beurtheilung der Volksschule maßgebend sind: Grundsätze, in welchen alle gläubigen Christen einig sind und sein müssen, wofern sie ernstlich über die Sache nachdenken". Mit einem ungcmein klaren, anziehenden Stil verbindet der Verfasser einen staunenswerthen Reichthum origineller Gedanken, deren zwingenden scharfen Logik sich Niemand entziehen kann, der noch an die Gottheit Christi glaubt. Mit diesen Zeilen möchten wir unsere Leser, vorab den bochw. Klerus, Eltern und Erzieher auf das lcsenswerthe Buch aufmerksam machen. Glücklicherweise haben wir in Deutschland noch nicht die religionslose Volksschule wie in Frankreich und Italien, die schon jetzt ihre fluchwürd- ^ igen Früchte zeitigt. Die deutschen Staatsmänner haben " den Socialdemokraten und Anarchisten noch nicht den Gefallen erwiesen, damit ihren Tendenzen vorzuarbeiten. Aber in deni unseligen Culturkampf ist nach dieser Richtung ein gewaltiger Schritt geschehen. Darum hat der Verfasser auch die den Ausschlaa gebende Frage des deutschen Reichskanzlers Caprivi: „Christlich oder atheistisch?" als Motto an die Spitze seines Buches gesetzt. Der Kamps um dieSchule steht fast in allen christlichen Ländern der Welt auf der Tagesordnung. Es ist nothwendig, über die Tragweite dieses Kampfes wohl orientirt zu fein. Zu diesem Zwecke kann die angezeigte Schrift empfohlen werden. vr. R Elster O., Die Unterleibsbrüche und ihre Behandlung mit besonderer Berücksichtigung der socialen Gesetzgebung, gemeinverständlich dargestellt. Berlin, Steinitz, 1897. 8", 60 SS. Preis M. 1,50. Knapp und doch eingehend und klar bespricht der Verfasser die Bruchschäden, ihre Verhütung und Heilung, und kommt bei dem sehr häufigen Auftreten dieses Leidens in allen Klassen der Bevölkerung einem starken Bedürfniß entgegen. Besonders verdienstlich ist die besondere Berücksichtigung der socialen Gesetzgebung und der Entscheidungen des Ncichsversichernngsamtcs gegenüber den Ansprüchen vor: Bruchleidenden auf gesetzliche Entschädigung. Das Büchlein zerfällt in fünf Kapitel, von denen das erste Wesen, Arten und Ursachen der Untcrleibsbrüche, das zweite Verhalten in Diät der Bruchkranken, die Bruchschäden und die sociale Gesetzgebung, das dritte die Behandlung der beweglichen Brüche mittels Zurückbringen und Bruchband, das vierte Kapitel unbewegliche, verwachsene und eingeklemmte Brüche und ihre unblutige Behandlung, das Schlußkapitel endlich die operative Behandlung der Bruchschäden mittelst Brnchschnitt und Nadikaloveration bespricht. Die Angaben des Büchleins entsprechen dem heutigen Standpunkt der wissenschaftlichen Medizin und chirurgischen Technik und können allen Bruchleidenden empfohlen werden. Kolberg I., Die Einführung der Reformation im Ordens lande Preußen. Mainz 1897, Frz. Kirchheim. gr. 8°. (IV u. 65 S. M. 1,—. Das Werkchen bietet auf Grund der neuesten Forschungen ein interessantes Bild der großen religiös-politischen Umwandlung, welche sich in Preußen zu Anfang und in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts vollzog. Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. oder 80 S. gr. 8". Preis ganzjährig 5 Mk. In Commission der Buchhandlung Gg. Kleiter in Passau. Inhalt des 10. Heftes 1897: Zur Lebensver- sicherung der katholischen Geistlichen. — Die Ansspender der Geheimnisse Gottes vor dem Tridcntinum. — Kirch- weihfesttage zu Niederalteich im Jahre 1727. — Der Klerus und die Tagespreise. — Das Beichtgebot vor der Oolsbiaüo missas. — Der Seelsorgsklerus und die Volks- gcbetbücherfrage. — Wie ist das Litanei-Verbot der Riten« eongregation zu verstehen? — Pfarrchronik und Pfarr- beschreibnng. — Amtlicher Verkehr der Lokalkaplaneien (Erposituren). — Stolgebühren der Katholiken in protestantischen Pfarreien. — Wieviel Unterschriften erfordert ein Umpfarrungsgesuch? — Verwendung Schulpflichtiger zum Aufspielen bei Tanzunterhaltungen. — Ein musterhafter Kindergottesdienst. — Eintritt in den Priesterstand ohne Berief. — Die Liturgik nnd die Muttersprache. — Deutsche Bibel. — Beachtenswerthe Kleinigkeiten. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen nnd Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Congregationen- — Literarische Novitätcnschau. Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Verlag von Herder, Freiburg r. Br. Erscheint, 16 Seiten stark, je am 1. des Monats. Abonnementspreis jährlich 3 M. Inhalt von Nr. 8 des II. Jahrgangs: Der heil. Johannes, der Almosengeber, Patriarch von Alexandricn. — Zum Kapitel Mädchenfchutz. (1. Mädchenschutz auf dem Lande. 2. Der Mariamsche Mädchenschutzverein. 3. Zum kathol. Mädchenschutz im Auslande.) — Oertliche Organisation der freiwilligen Armenpflege für sich und in ihrem Verhältnisse zur Zwaugsarmenpflege. II. — Eine protestantische Stimme über die Bestrebungen der „Charitas". — „Der freiwillige Erziehungsbeirath für schulentlassene Waisen." — Einige Bemerkungen zu Uhlhorns Geschichte der christlichen Liebesthätigkeit. — Kleinere Mittheilungen. (Zweiter Charitastag. Die Thätigkeit der Waisenräthe. Katholische Mäßigkeitsschriften. Der Verein der schlesischen Malteser-Ritter.) — Charitas-Verband für das katholische Deutschland. — Fragekasten, Zusendungen an die Redaction. — Katholische Mäßigkeitsblätter. (Beilage zur „Charitas".) Nr. 3: Medicinisches pro und contra Alkohol. II. — Alkoholgenuß n. Schüler- verbindungen. _ Literarischcr Handweiser, begründet, herausgegeben nnd redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 18 Nrn. L 2 Bogen Hochquart für M. 3 pr. Jahr. 1897. Nr. 8. Kritische Referate über InKold Dornet et!o lanxcnisws (Sauer), Arendt Apolo^stioas ds Aso niprcli abilisw o Alpbonsisno dis8ortatic>ni3 a ?. ds OaiAnz? exaratas Orisis (Deppe), Hammer Der Rosenkranz und Barthel Ablässe des Rosenkranzes (Deppe), F u n k Gesammelte kirchcugeschichtl. Abhandlungen (Wurm), Pfeilschifter Theoderich der Große (EM. Kaufmann), öasguet old LnAlizü Lible and otbsr L8sav8 (Bellesheim). Zcißberg Erzherzog Karl, Mein ecke Feldmarschall v.Boyenu. Vandalklnxolöon st Alexandre (Zimmermann), Bau- und Knnstdenkmäler Oldenburgs Heft I (Bröring), Messer Reform des Mainzer Schulwesens 1763—74 (Scidenbcrger). —8 Notizen über verschiedene Nova (Hülskamp). — Novitäten-Verzeichnis;. Werantiv. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.