öil-, 64. MNg. e rw iM „Die Katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener — in Wort nnd Bild." * Wir haben bereits wiederholt die Aufmerksamkeit Unserer Leser auf dieses bedeutsame Werk gelenkt, welches von der österreichischen Leogesellschaft herausgegeben wird und dessen Verlag der Allgemeinen Verlagsgesellschaft in Berlin übertragen wurde. Heute, da das 1. Heft des Prachtwerkes uns vorliegt, müssen wir darauf zurückkommen und zunächst noch einige Daten allgemeineren Inhalts nachtragen. Die Redaction des ersten Bandes („Nom — das Oberhaupt, die Einrichtung nnd die Verwaltung der Ge- sammtkirche") liegt in den Händen des aus nachbenanuten Herren zusammengesetzten Redactionscomiüs: Msgr. Paul Maria Baum garten, k. Salvatore Brandt 8. ll., Msgr. James A. Campbell, Msgr. Charles Daniel, k.PiedeLangogneO. Lliu. 6app., Dr. John Prior, Dechant R u s ch e k A n t a l, Msgr. Franz M. Schindler, Msgr. Charles de T'Serclaes, Msgr. Anton de Waal. Den Redactions-Ausschuß bilden die Herren k. M. Baumgartcn, Ch. Daniel und A. de Waal. Für das Werk ist das beste und feinste Papier, der schönste, tadelloseste Antiqua-Druck, die vollendetste Original-Illustration gewählt worden. Die Firma W. Büxenstein-Berlin, welche den Druck besorgt, ist eine der leistungsfähigsten auf dem Gebiete des Kunstdruckes und der Illustration. Für den Bilderschmuck arbeitet .schon seit vielen Monaten rastlos ein hervorragender Maler, Ph. Schumacher in Nom, und ein eigener Photograph, G. Felici, ist im Dienste dieses Werkes beschäftigt. Mit der Lieferung des letzten Heftes des ersten Bandes erhält zudem jeder Abonnent als Gratisbeilage ein vom Hl. Vater selbst als zu seiner „Allerhöchsten Zufriedenheit ausgefallen" bezeichnetes, für dies Werk eigens vom Hofmaler des Papstes, Car. Ugolini, entworfenes und in Farben ausgeführtes großes Porträt Leo's XIII. Dem für die deutsche Ausgabe verantwortlichen Mit- gliede des Redactions-Ausschusses, Msgr. Paul Maria Baumgarten, ist von Sr. Eminenz dem Cardinal Jacobini das nachstehende gnädige Schreiben zugegangen: Nom, den 13. August 1897. Sehr verehrter Mousignore! Sie haben mir den umfangreichen Plan des Werkes „Die katholische Kirche" auseinandergesetzt, das von der Leo- Gesellschaft zur Förderung der katholischen Wissenschaft in Oesterreich herausgegeben wird. Der erste Band, dessen Titel lautet: „Rom. Das Oberhaupt, die Einrichtung und die Verwaltung der Gesammtkirche", ist soweit gefördert, daß man mit dem Drucke begonnen hat. Ich habe das Verzeichniß der Gelehrten durchgesehen, die mit ihrer gereiften Wissenschaft Beiträge für das großartige Unternehmen liefern, und ich bin mit der Wahl dieser Männer zufrieden. Auch habe ich die zahlreichen Illustrationen, die Sie vorbereitet haben, gesehen, Illustrationen, unter denen das große Portrait Sr. Heiligkeit hervorragt, und ich kann nicht umhin. Ihnen meine Bewunderung aus- zusprechen sowohl wegen der Auswahl der Objekte wie wegen der technischen Ausführung der Clichös. Ich wünsche, daß das so zeitgemäße Werk, das mit so großem Ernste vorbereitet ist, von unseren braven Katholiken günstig aufgenommen werde, daß es aber auch das Interesse derjenigen erwecke, die zwar unseren Glauben nicht theilen, aber doch ein offenes Auge haben für die größte Institution dieser Welt: die katholische Kirche. Mit größter Freude segne ich das Unternehmen nnd ermnthige Sie; auch wünsche ich, daß Sie einen vollen Erfolg haben mögen. Ich habe die Ehre. mein sehr verehrter Mon- signore, mich zu nennen Ihren ergebensten Diener D. Card. Jacobini. Der erste Band befaßt sich, wie schon erwähnt, mkl Rom und der Centralregierung und der Verwaltung der Gesammtkirche. Einem bereits im ersten Hefte vorliegenden theologisch und stilistisch meisterhaft ausgeführten einleitenden Aufsätze über den „Papst nnd die Kirche" vom berühmten Redacteur der „Civilta cattolica", k. Brandt 8. ^., folgt sofort die von Monsignor de T'Serclaes nach neuen Quellen- und Archivstudien ausgeführte Biographie Leo's XIII., die auch eine Fülle neuer intimer Details aus des Papstes Leben enthält. Diese Biographie ist im vorliegenden ersten Hefte noch nicht abgeschlossen. Aber nach dem Beginn darf man auf eine höchst interessante Skizze wirklich gespannt sein. Es folgt sodann der Abschnitt über die katholische Hierarchie, die Cardinäle, Patriarchen, Erz- bischöfe, Bischöfe, Aebte und Prälaten mit bischöflichen Jnsignien, Orden nnd religiösen Genossenschaften. Der folgende Theil behandelt die sogenannte päpstliche Familie, d. h. die Hailsangehörigen des Vaticans: die Palastcardinäle, Palastprälaten, geistlichen wirklichen geheimen Kammerhcrrcn des Vaticans, Hansprälaten, Kammerherren aus dein Laicnstande, Corpsstab und Stabsoffiziere der Nobelgarde u. s. w. Ein weiterer Abschnitt handelt von der sogenannten „päpstlichen Capelle", d. h. von den verschiedenen Amts- und Würdenträgern in der Verwaltung der Kirche. Es folgen die weiteren Abschnitte über die Palastverwaltungen, über die hl. Con- grcgationen der Cardinäle, über die Cardinalscommissionen und verwandten Einrichtungen, über die Palastsecretariate, über die diplomatische Vertretung des hl. Stuhles bei den Mächten, über das beim hl. Stuhl beglaubigte diplomatische Corps, über das römische Vicariat (Pfarrver- waltung Ronis) und über die römischen päpstlichen Universitäten nnd Institute. Welch reicher, hochinteressanter, für Viele mehr oder weniger noch unbekannter Stoff, namentlich, wenn derselbe durch eine so reiche Illustration geschmückt ist! Das erste uns vorliegende Heft des ersten Bandes eröffnet somit das Werk in verheißungsvollster Weise. Um den Lesern einen Begriff zu geben von dem, was die Illustration des Werkes verspricht, so wollen wir zum Schlüsse noch dem Bilderschmuck dieses ersten Heftes einige Worte widmen. Demselben ist zunächst der künstlerische Prospect des Werkes vorgedruckt mit dem Tafelbilde des Kardinals Staatssekretärs Ram- polla, mit dem Leistenbilde Sanct Peter und der Petersplatz, mit der Titclkirche Rampolla's 8antA Oacilia, des Klosterhofes der Kirche 8. knolo kuvri Is uaura, mit einem Madonnenbilde aus der Basilika 8. Llaria, Llag- Fioro von Mino, mit der Ansicht des Vaticans mit der sixtinischen Capelle. Es folgt das Porträt des Major- domus des Papstes della Volpe, des Maestro di Camera Sr. Heiligkeit de Azevedo nnd des Sacristans (Beichtvaters) des Papstes ?. P!ffcri aus dem Angnstincrorden, endlich Ansichten vom Innern der Kirche von Sän Lo- renzo in Lncina mit dem Crucifix von Guido Neni am Hochaltar, nnd des Cortille della Pigna mit der Denkfaule des vatikanischen Concils. Das erste Heft zeigt uns zunächst die Abbildung eines kreisrunden Elfenbein- 442 bechers (Pyxis) aus dem 4. Jahrhundert aus dem Berliner kgl. Museum, von der Mosel stammend, in Elfenbeinschnitzerei darstellend: Jesus auf dem Throne im Kreise der zwölf Apostel, Petrus allein auf einen» Stuhle zu Füßen Jesu sitzend, mit Abrahams Opfer als Schlußstück. Ein ganzseitiges Tafelbild führt uns einen herrlichen idealen Christuskopf vom Gemälde der Verklärung von Raphael aus der vatikanischen Pinakothek vor Augen. Demselben folgt ein Christnsmonogramin aus dem 4. Jahrhundert. Ein weiteres Bild ist eine Copie des Gemäldes „Die Trennung der Apostel nach dem Concil von Jerusalem" vom Dichter und Maler Gleyre in der Kirche von MontargiS in Südfrankreich. Dem schließt sich das ausgezeichnete ganzseitige Porträt des Cardinals Ledo- chowski, des Präsecten der Propaganda, an. Es folgen zur Illustration der Biographie Leo'S XIII. Ansichten von Carpineto, dem Geburtsorte Leo's XIII., von Viterbo, wo er seine ersten Studien verlebt, und vom OaUogium Rvmrrnum und der Xocaäemin äei nodili Loclesiastioi, wo er seine Studien vollendet hat. Wir finden da das Geburtszimmer des Papstes, ein Gemälde, seine Taufe vorstellend, die Ansicht des Palastes der Pecci in Carpineto, die Porträts des Großvaters, des Vaters, der Großmutter und der Mutter Pecci's, von welch' Letzterer wir erfahren, daß sie ein Nachkomme des berühmte» italienischen Volkstribnns Cola di Ricnzi ist. Dazu macht Mous. de T'Serclaes die Bemerkung: „Der Papst der socialen Frage stammt aus einem früher revolutionären Blute, das durch den Lauf der Jahrhunderte sich beruhigte, obschon es heute noch belebt ist durch einen Hauch volksthnmlicher Kühnheit." Wir finden weiter das Porträt seines von sechs Geschwistern einzig verheirateten Bruders Johannes Pecci (ch1882), endlich eine herrliche Gcsammtanficht Carpineto's, das Facsimile eines Briefes des Papstes als neunjährigen Knaben an seine Mutter, einer von ihm eigenhändig als Jüngling eingegrabencu Inschrift zu Ehren Maria u. s. w. Aus diesen Andeutungen schon ergibt sich die Ahnung der Fülle des Interessanten und Denkwürdigen, welche dieses Prachtwerk enthalten wird. Es wird nicht nur ein Denkmal für die Kirche, sondern auch ein Denkmal für die katholische Wissenschaft und Kunst, sowie für die österreichische Leogesellschaft sein. Nun bleibt nnS nur noch der Wunsch und die Aufforderung an alle unsere Leser: „Nehmet und leset!" * » * Eine Probe der ausgezeichneten Illustrationen, welche das Werk schmücken, werden wir den Lesern in dem übernächsten illusirirten Unterhaltungsblatt vorführen. Ansprache des k. Lycealdirektors vr. Diendorfer, gehalten an die Herren Candidaten des kgl. Lyceums zu Passau, beim Beginn des Studienjahres 1897/98. Meine Herren! Es war am 3. November 1891. als ich mich in der glücklichen Lage befand, den damaligen H. H. Candidaten des hiesigen k. Lyceums die mit höchster Entschließung vom 1. Juni 1891 promulgirten neuen Satzungen für die Studirenden an den k. b. Lyceen bekannt zu geben und diese Bekanntgabe mit einigen erläuternden und ermunternden Bemerkungen zu begleiten. Gehobenen Gefühles betonte ich damals, daß durch diese Entschließung der bei der Errichtung der k. b. Lyceen durch die Alterh. Verordnung vom 30. Nov. 1833 proklamirte Grundsatz: „Die kgl. Lyceen sind Specialfchulen für das philosophische und das katholisch-theologische Studium, und stehen als solche auf gleicher Linie mit den betreffenden Fakultäten der Landes-Universitäten". daß. sage ich, dieser Grnndsatz, welcher durch die Ungunst der Zeitströmung etwas war verdunkelt worden, durch die erwähnte Entschließung „eine neue feierliche Bestätigung und praktische Verwirklichung erhalten habe. wodurch, wie ich beifügte, den Bestrebungen gewisser Kreise, die k. b. Lyceen des Ranges von Hochschulen zu entkleiden, . . hoffentlich auf lauge Zeit hinaus ein entschiedenes Halt geboten sei". Sechs Jahre find seitdem verflossen, und von Seiten der k. b. Staatsregierung wird, ich spreche das unumwunden und mit Dank als meine persönliche Ueberzeugung aus, diesen Special-Hochschulcn noch dasselbe Wohlwollen entgegengebracht, von welchem dieselbe bei der Erlassung der mehrerwähnten Entschließung vom 1. Juni 1891 ausging. Das zeigte sich, um von Anderem zu schweigen, nicht undeutlich im Laufe des heurigen Jahres, als durch höchste Entschließung vom 7. Mai Nr. 7134 eine Neu- rcgulirung bezw. eine Reducirung der Herbst- und der Weihnachtsferien verfügt wurde. Die im ersten Augenblick des Bekanntwerdens dieser Entschließung gehegte Befürchtung, es möchte dies wieder ein erster Schritt fein zur Herabdrücküng der k. Lyceen unter das Niveau der betreffenden Universitäts-Fakultäten, erwies sich sofort als grundlos, indem unter demselben 7. Mai -Mb Nr. 7133 an die Senate der drei bayerischen Landes-Universitäten eine analoge Verfügung hinsichtlich der Universitätsferien erging. Mit ungetrübter Berufssreude und gehobenen Gefühles können Sie daher, meine Herren Candidaten, auch Heuer wieder als vollberechtigte akademische Bürger in diesen allerdings gegenüber der vollen Umvcrsität sehr bescheidenen Räumen des kgl. Lyceums an ihre akademischen Studien herantreten. Diese Berufsfreude sollen Sie sich auch. meine Herren, nicht verkümmern lassen durch die Vorwürfe, welche in jüngster Zeit von einer Seite, von welcher man es am wenigsten hätte erwarten sollen, gegen die Lyceen und bischöflichen Lehrseminarien erhoben worden sind. Es kann nicht meine Aufgabe sein, an diesem Orte nnd in der kurzen mir gegönnten Spanne Zeit all die schiefen, theils übertriebenen, theils unwahren nnd deßhalb gänzlich unberechtigten Behauptungen, welche der derzeitige Rektor der ^Ima ckulla in Würzbura, deren akademischer Bürger gewesen zu sein auch ich mich rühme, gerade über diesen Punkt in seiner bekannten Broschüre ohne Beweise aufgestellt hat, zu ividerlcgen oder auch nur vorübergehend zu beleuchten. Angesichts der gediegenen Ausführungen unseres geehrten Herrn Collegen Dr. Haas in der Augsburger Postzeitung, sowie der mehr oder minder eingehenden Beleuchtungen dieses Punktes von Seite der Herren Dr. Braun, 1)r. Höbler, Dr. Hubbert. Dr. von Hertling ist dies auch nicht nothwendig. Es ist dies um so weniger nothwendig, als Herr Dr. Schell selbst in der neuesten Auflage seiner Schrift eine Art Rückzug anzutreten scheint, indem er Seite 96 „Zur Abwehr" Absatz 2 schreibt: „Der Werth der Seminarien und Lyceen.galt mir dabei (bei meiner Erörterung) als selbstverständlich — trotz aller Kritik." Leider ist die hier zum Ausdruck kommende Werth- schätzung rein platonischer Natur. Denn dieselben Vorwürfe, welche in der ersten und zweiten Auflage hinsichtlich der Lyceen und Seminarlehranstalten enthalten sind, kehren in der 6. Auflage unverkürzt und ohne Milderung,') aber auch ohne thatsächlichen Beweis wieder. Denn auf subjektive Airffassiuigen gestützte Verdächtigungen, Deklamationen und Exllamationen sind, meine Herren, noch keine Beweise. Angesichts dieser Sachlage können wir dem Würzburger Iteotor ma^niüLUs mit Recht zurufen: „tzuoä Arati« ssssrltur, Z-ratis nsZatur." In der That wird es dem gelehrten Herrn Rcctor und Professor schwer fallen, den Nachweis zu liefern, daß die an den bayerischen Lyceen (um mich auf diese zu beschränken, da ich diese allein näher kenne) gebildeten Theologen hinter den an den Universitäten gebildeten in wissenschaftlicher oder in religiös-sittlicher Beziehung oder in ihrer späteren Berufs-Wirksamkeit irgendwie zurückstehen. Die Synodal- wie die Pfarrconcurs-Prüfungeu beweisen vielmehr evident, daß Beide einander ebenbürtig, um nicht mehr zu sagen, gegenüberstehen, und die spätere Wirksanl- keit Beider wird schwerlich zum Nachtheil der katholischen ') Vergl. S. 18—21 der zweiten mit S. 23—33 der sechsten Auflage. 443 Priester, die an den Lyceen ihre Studien vollendet haben, voneinander unterschieden werden können. Angesichts dieses Thatbestandes kann man es den Vertretern der bayerischen Lyceen nicht verdenken, wenn sie den in der Schell'schen Schrift unverblümt enthaltenen (wenn auch nicht mit nackten Worten ausgesprochenen) Vorwurf, als würden dieselben an der von deren Verfasser behaupteten Jnfcriorität der Katholiken in Deutschland mit Schuld sein, als gänzlich unbegründet entschieden zurückweisen. Nicht Animosität gegen die Universitäten, deren geistige Söhne zu sein ja wir Professoren der k. Lyceen uns mit Stolz rühmen, und deren hohen Werth wir sämmtlich dankbarst anerkennen, nicht Animosität hat mir, meine Herren, diesen entschiedenen Protest eingegeben, sondern das tiefste Bedauern, daß von einer Seite, von welcher die Lyceen, wenn nicht Anerkennung und Förderung, so doch eine gerechte Beurtheilung erwarten zu dürfen glaubten, denselben Mißkennnng und Verdächtigung öffentlich ent- gegengeschlcudert wird, und zwar von einem Manne, dem als geborenen Nichtbaycr wir nicht die genügende Kenntniß und unbefangene Würdigung der bayerischen Verhältnisse zutrauen, um in der Werfe, wie geschehen, über bayerische Einrichtungen, die ein großer bayerischer König geschaffen hat, die sich seit mehr als 60 Jahren bewährt haben, und die das Vertrauen der kgl. bayer. Staatsregierung sowohl wie des bayer. Episkopates wenigstens zur Zeit besitzen, absprechen zu dürfen. Eine Lehre aber wollen wir. meine Herren, nach dem Grundsätze: „visoses st ab üosts" aus diesen Vorkommnissen für uns ziehen, die Lehre nämlich, mit allen uns von Gott hiezu verliehenen Kräften dahin zu streben, das Ideal eines katholischen Studirenden, insbesondere eines Studirenden der Theologie, zu verwirklichen. Dieses Ideal ist aber, Sie kennen es, meine Herren, kein anderes, als die harmonische Verbindung einer ernsten vernünftigen Frömmigkeit mit einem ebenso ernsten Streben nach gründlicher wissenschaftlicher Ausbildung. Es ist das, meine Herren, eine allbekannte Wahrheit, in der Theorie geläufig jedem vernünftigen Menschen, ge- läufiginsbesoudere jedem gewissenhaften gebildetenChristen, eine Wahrheit aber, die wegen der Schwachheit des einzelnen Menschen und wegen der Verderbtheit der ihn umgebenden Welt von Zeit zu Zeit immer wieder, besonders in unserem Jahrhundert, in ernste Erinnerung gebracht zu werden verdient. Denn zutreffend und wahr ist, wenigstens zu zwei Dritttheilen, die Charakteristik, welche der Dichter des Trompeters von Säkkingen von unserer Zeit entwirft mit den Worten: „Die Welt von heut' ist dienstbar falschen Götzen, Die Wahrheit schweigt, die Schönheit seufzt und klagt. Nur Unnatur und Lüge schafft Ergötzen; Gott ist vergessen, Mammons Standbild ragt! Wer da noch singt, der sollte den Propheten Nacheifernd zürnen — strafen — trauern — beten!" — Als eine der traurigsten und für die nachwachsenden Generationen folgenschwersten Verirrungen unserer Zeit aber muß bezeichnet werden die in weiten Kreisen gerade der gebildeten Welt verbreitete Ansicht, welcher leider auch von so vielen Lehrern und Erziehern wenigstens praktisch gehuldigt wird, man könne die Jugend ohne Rücksicht aus Gott, ohne Rücksicht auf die ewige Bestimmung des Menschen, mit einem Worte ohne Mitwirkung der positiven Religion, zu edlen, brauchbaren und tugendhaften Menschen, oder, wie man sich ausdrückt, zur vollen edlen Humanität heranbilden. Allen Diesen, die sich einer so verhängnißvollen Ver- blenduiig hingeben, möchte ich einzig und allen: die Worte in die Erinnerung zurückrufen, welche einst ein großer protestantischer Gymnasialpädagog. der ehemalige Gym- nasialrector von Nürnberg und später von Stuttgart, Herr Dr. Karl Ludwig Roth, beim Aistritt des Gymnäsial- Rectorates in Nürnberg am 5. Januar 1822 unter Berufung auf Christenthum und Vernunft ausgesprochen hat, die Worte nämlich: . . . „Alles Bemühen um neue Erziehungs- und Lehr- künste wird überall eitel und vergeblich sein, wo die Erzieher durch den Grundsatz, ihre Zöglinge für das Leben bilden zn wollen, sich gleich den ersten und einzig rechten Standpunkt muthwillig verrücken. Für das Leben" so schließt der für das wahre Wohl der Jugend so warm fühlende Mann, „für das Leben wird nur der gebildet, welcher für die Ewigkeit erzogen wird." 2) Doch, meine Herren, was bemühe ich mich, Ihnen, die Sie alle gläubige, katholische Studirende sind, eine Wahrheit einzuschärfen, welche der Lehrmeister aller Lehrmeister in die ebenso einfachen wie inhaltsschweren Worte gekleidet hat: „tzimsrits priumin re§num Del ststistltiaw ejns, st eastsra »äiioientur vobis!" Meine Herren! Ich will mich hier in keine Exegese dieser die ganze Lebensweisheit des Christen umfassenden Worte des göttlichen Lehrmeisters einlassen. Ich sage nur, daß Derjenige diese Worte gänzlich mißverstehen würde, welcher daraus die Berechtigung zn einer einseitigen Pflege der Frömmigkeit, die sich egoistisch auf sich allein beschränkte, folgern wollte, und auf welche daher der sarkastische Ausruf des hl. Hieronymns anwendbar wäre: ,,O Laust» Liwplieitas, guas solui» sibi prostest." Denn Christus, der Herr, sagt allerdings: Suchet zuerst das Reich Gottes, suchet zuerst das Eine Nothwendige, Eure ewige Bestimmung sicher zu stellen: er setzt aber sofort bei: „und seine Gerechtigkeit". Diese Gerechtigkeit des Reiches Gottes aber verlangt, daß jeder einzelne Mensch nlit den Talenten, welche ihm der gütige Schöpfer mit in die Wiege gelegt hat, wuchere, d. h. daß er die ihm verliehenen Fähigkeiten nach allen Richtungen hin ausbilde, um in jenem Berufsstande, auf welchen Neigung, Fähigkeit und ernste Erwägung oder auch der vernünftige Wille der Eltern ihn hinweisen, zu seinem eigenen und seiner Mitmenschen Wohle zu wirken, bis der Herr ihn abruft von diesem irdischen Leben mit den tröstlichen Worten: ^Wohlan, Du guter und getreuer Knecht, weil Du über Weniges getreu warst, will ich Dich über Vieles setzen, gehe ein in die Freude Deines Herrn." Sie, meine Herren, haben sich nun den schönsten, aber auch den verantwortungsvollsten Beruf als das Ziel Ihres Strebens und Ihres Lebens gestellt, den Beruf, Lehrer und Erzieher der Menschheit zu werden. Ihnen und uns allen, die wir bereits in diesem Berufe thätig sind, gilt daher vor Allem das Wort des Lehrers der Welt: «Vos estis ssl tsrrae . . . Vos sstis lax muuäi" k Beides verlangt derselbe von uns, nicht das Eine ohne das Andere, oder wie Neivman^) so treffend sagt: „Der wissenschaftlich gebildete Weltmann soll fromm, der Geistliche aber gläubig (fromm) und wissenschaftlich gebildet zugleich sein." „Der Jüngling insbesondere bedarf", um mich der Worte desselben ebenso frommen wie gelehrten Mannes zu bedienen/) „einer männlichen, vernünftigen Frömmigkeit, wenn sie ebensowohl die ruhelose Thätigkeit seiner Einbildungskraft zügeln und den regellosen Verstand gefangen nehmen, als sein empfängliches Herz rühren soll." Ist es nun auch vollkommen wahr, daß Geistliche ohne frommen geistlichen Sinn, oder wie Möhler so treffend sagt: „Geistliche ohne Geistlichkeit Invaliden von Haus sind"?) so ist es ebenso wahr. daß Geistliche ohne gründliche Bildung zunächst in ihren Berufs-, dann in den damit zusammenhängenden Wissenschaften Blinde sind und Führer der Bänden, welche sie aus dem Zustande ihrer geistigen Blindheit zum Lichte der ewigen Wahrheit und dadurch auch zur Freiheit der Kinder Gottes zu führen berufen wären. So entschieden daher die Kirche die Pflege der Frömmigkeit bei den heranwachsenden Klerikern sowohl wie bei Denjenigen, welche die Schwelle des Priesterthums bereits überschritten haben, in ihrer Gesetzgebung betont, so entschieden betont sie auch bei Beiden die Pflege der Wissenschaft. Es hieße in der That, meine Herren. Wasser in die Donau tragen, wollte ich Ihnen aus der Fülle der hier einschlägigen Concilienbeschlüsse und Dekretalen der Päpste aus alter und neuer Zeit auch nur ein paar vor Augen führen. Nur auf einen ebenso kürzen wie be- ^ °) Kleine Schriften pädagogischen und biographischen Inhalts . . von vr. Karl Ludwig Roth, Stuttgart 1857, Bd. 1 . S. 16. 2 ) Vortrüge und Reden, zumeist an der katholischen Universität Dublin gehalten von Or. T. H. Neivman» übersetzt von Schändeten. Köln 1860, S. 14. ') Ebenda S. 14 in der Mitte. Vergl. Historisches Jahrbuch Bd. 1S. S. S7S. 444 zeichnenden Ansspruch sei mir erlaubt, hinzuweisen, auf den Aussvruch nämlich Papst Leo's I. des Großen, der an den Klerus und das Volk von Koustantinopel schreibt: „8i iv I-aiois vix tolorabilis viästur insoitia, ciuauto Maxis iu iis, gul xrassuvt, ueo exousatious äixua est, veo vevis."°) Deir tieferen Grund aber, warum besonders bei Klerikern und Geistlichen Frömmigkeit und Wissenschaft harmonisch mit einander verbunden sein sollen, hebt so schön PapstGrcgorius der Große hervor, wenn er schreibt:') »klvlla sst seisutia, si utilitatem xistatis von üabst, quia clvm bova ooxiiita exegui vexlixit, seso all zuäiolum srctius strivxit. Lt valäs iuutilis est pistas, si seäeatik« äiseretions oaret, quia, äuw uulla bavo soiovtia lllumivat, guomoäo rmsorsalur, ixnorat." Dieses strenge Verdikt des großen Papstes über die von der Wissenschaft nicht erleuchtete Frömmigkeit ist begreiflich in deni Munde eines Mannes, der die Hauptaufgabe der Geistlichen, die Erziehung und Leitung der Seelen, als die höchste Kunst bezeichnet mit den bekannten Worten: ,,-^rs srtium röximsn auimarmn." Aber nicht bloß die Rücksicht auf diese spätere so wichtige Wirksamkeit gegenüber seinen Mitmenschen soll den studirendcn Jüngling veranlassen, sich mit allem Eifer und unter gewissenhafter Benützung der so schnell enteilenden Zeit in den ihm zugänglichen oder gar durch den gewählten Beruf vorgezeichneten Wissenschaften auszubilden, sondern auch die Rücksicht auf sich selbst, auf seine geistige und, ich füge bei, sogar auf seine körperliche Gesundheit. Denn Thätigkeit ist Leben» unthätigkeit aber und Müßiggang ist zunächst geistiger Tod und führt auch früher, als es sonst bei einer vernünftigen und geordneten geistigen oder körperlichen Beschäftigung der Fall gewesen wäre, zum körperlichen Srechthnm und znm früheren körperlichen Tode. Erlassen Sie mir, meine Herren, Sie zum Beweise hiefür hinzuweisen auf so manche traurige Vorkommnisse dieser Art an unseren Hochschulen, damit ich nicht Böses mit Bösen: zu vergelten Gefahr laufe. Hinweisen aber möchte ich Sie, meine Herren, und hiemit eile ich zum Schlüsse, auf die ebenso wahren als kurzen, hieher bezüglichen Aussprüche von zwei hervorragenden Männern, denen ein warmes Herz für die heranwachsende Jugend gewiß nicht abgesprochen werden kann, der Eine ein Heiliger und Lehrer der Kirche im vorigen Jahrhundert, der Andere ein Humanist an der Wende des 14. und zu Anfang des 1b. Jahrhunderts und Zeitgenosse Petrarca s. Der Erstere, der hl. Alphons von Limwri, schreibt an seinen Neffen in Neapel, bedauernd, daß in dem Institute, in welchem er lebe, so wenig Fleiß im Studium gezeigt werde, die ernsten Worte: „Die Unwissenheit und der Müßlgang sind die unversieglichen Quellen der Sünde und der Laster." °) Der Andere aber, der Humanist Paul Vergerius der Aeltere, ermähnt einen ehemaligen Schüler, der schon in sehr jugendlichem Alter sich auf ein Landgut zurückziehen und dorr einer behäbigen Ruhe lind Beauemlichkeit pflegen wollte, daß dies noch zu früh sei, mit folgenden bedeutsamen Worten: „Wenn Du schon heute an geistige Schonung denkst, zu einer Zeit, wo man gerade am meisten in Schweiß und Staub ausharren soll, so befürchte ich, daß Du nicht eben gut für die Frische Deines Geistes sorgest, da Unthätrgkeit für ihn Siechthum bedeutet und das Sich- rrgeben in eine beschäftigungslose Muße der Gesundheit nicht nur nicht zuträglich, vielmehr recht schädlich ist. Dem jungen Mann steht nichts übler an als Müßiggang, nichts ziert ihn mehr als Arbeit."^ Wohlan denn, meine Herren Candidaten, erhaben ist das Ziel, das in der Rennbahn des Lebens zu erringen Sie sich vorgenommen haben, mögen Sie nun als Priester und Lehrer, oder mögen Sie als öffentliche Beamte einst im Leben zu wirken berufen sein. Mühsam zwar ist oftmals der Weg zu demselben, aber das Ziel selbst des Schweißes der Edlen werth. Darum ") vooret. 6rat. o. 3. Oist. 36. 'I Llorallum I. I. o. 32. n. 45. H Vgl. Histor.-pol. Blätter Bd. 116, S- 411 aus der Briefsammlung des Heiligen. ") Lpistol. u. 20. vergl. Histor. Jahrbuch Vd. 18. ß. vss. waffnen Sie sich mit ernstem Eifer und mit ausdauernder Geduld, mit andern Worten, schreiben Sie sich ins Herz und befolgen Sie den goldenen Mahnsprnch. welchen einer der größten Pädagogen Deutschlands, der Schulrath Dr. L.,Kellner, jedem studirenden Jüngling in's Stammbuch geschrieben wissen will, den Mahnsprnch nämlich: „Freund, hoffe nicht, daß bloß im leichten Spiele, Was einst Gewinn sein soll für all' Dein Leben, Anmnthig tändelnd Dir und schnell gedeihe: Verlangt Dein Sinn nach einem edlen Ziele So binde an Geduld ein eifrig Streben, JuGottundArbcitsuch'dierechte Weihe."'") Und damit, meine Herren. Gott befohlen für das neue Studienjahr! Die praktische Bedeutung des Thomasstudiums, Von M. Grabmann, Eichstätt. (Schluß.) Innig verwandt mit der Erziehung, um nicht zu sagen eine spezielle Form derselben, ist die Ascese. In dieser Beziehung sind die Schriften des hl. Thomas, welchen Bessarion den „Heiligsten der Gelehrten und den Gelehrtesten unter den Heiligen" genannt hat, wahre Quellenwerke von unverwclklichem Werthe. Der hl. Thomas und der Ascet, der Prediger! Der hl. Thomas, der, wie Labbö sagt, zuvor Engel war, bevor er der englische Lehrer ward, ein solch heiliger Mann, dessen Wissenschaft nach eigenem Geständnisse mehr Himmelsgnadengabe als die Frucht seines Genius und Niesenfleißes gewesen, St. Thomas konnte in seinen Schriften vom ascetischen Standpunkte gewiß nicht absehen. „Der hl. Thomas", sagt Morgott?) „spricht nicht zum Herzen und zur Einbildungskraft, sondern zum Verstände, er liebt nicht glänzende Bilder, sondern klare, durchsichtige Begriffe. Vergebens sucht man in seinen Schriften jenen poetischen Aufschwung der Phantasie, jene oratorischen Ausbrüche des Gefühles, die uns in den Werken seiner Zeitgenossen so vielfach begegnen." Dieses Eigenthümliche an den Werken des großen Lehrers verleiht seinen ascetischen Ausführungen großen Werch, insofern dieselben jeglicher Uebertreibung und jeglichem Uebermaß von Affekten gänzlich fremd sind und folglich dem vernünftigen Willen große Sicherheit und Festigung geben. Das ganze christliche Leben ist eine Vorbereitung, ein xraeambuluru zur himmlischen Seligkeit. Christus, der da ist vsritas, via, vita, ist das Vorbild des Christenlebens. Weist uns nicht die Lehre des hl. Thomas von Gott (I. pars — voritas) hin auf das, was wir im Himmel schauen werden, läßt uns nicht die Darstellung des Lebens in Christo durch die Sakramente, wie St. Thomas in der III. xars (vita) gegeben hat, das himmlische Leben in Gott und mit Gott in ewiger Seligkeit schon hienieden ahnen? In der Loouucla aber (via) sehen wir den ganzen christlichen Tugendbau sich himmelwärts heben auf dem Felsenfundamente der drei göttlichen Tugenden und auf den vier Grundpfeilern der Cardinaltugenden, und wir nehmen es staunend wahr, wie dieses Tugendgebäude in der vita crouteruplativa, im Status parkeetionis (Ordensleben) sich in himmlischen Höhen verliert. Ja Labbö und Mamling haben recht, wenn sie sagen, nach der Lumina des hl. Thomas erübrige nur noch das luiuou gloriao. Die theologische Summe ist ein ascetisches Werk von '°) Lebcusblätter, Wahrspruch unmittelbar nach dem Titelblatt. °) Mariologie, S. 4. O 445 eminenter Bedeutung. Auf ihr bafiren die klassische» Werke von Rodriguez und Scaramelli. Stellen von ascetischem Werthe finden sich in reicher Auswahl in den Schristerklärungen des hl. Thomas, vornehmlich in seinem Commentar zu Matthäus 19, 21 ff., Coloss. 3, 14, I. Joh. 18, 1; auch in vielen Artikeln der Hnocilistskalss und in der Lumina, contra. Osntss III. Das OMsonlnm äs xsrksckions vikas kpiritunlis (ox. 18) n. a. bieten dem Asceten und Prediger eine Fülle der anregendsten Gedanken. Die gesammte matsria, uscstica, in den Schriften des hl. Thomas ist im Laufe der Zeiten ausgehobcn und systematisch zusammengestellt worden: so in der mit Eleganz und Wärme geschriebenen N^stica. tsteologia, O. Pstomas des spanischen Dominikaners Thomas a Valgornera/) in der freilich mitunter etwas polcmisirenden kstsoio^ia. msntis st coräis des Vincentius Contenson, in der kstsoloZis astsctivs des Dr. Louis Bail und anderen Werken. Ueberhaupt basiren die späteren Darstellungen der mystischen Theologie durch die Carmeliten Joannes a Jesu Maria und besonders Philippus a Trinitate, durch den Benediktiner Schräm auf den Principien des hl. Thomas. Der asketische Werth der Werke des hl. Thomas geht auch daraus hervor, daß gerade die größten Kenner der Werke des Aqninaten, wie Seraphinus Capponi und Banez vorzügliche Lehrer des geistlichen Lebens gewesen sind und auch aus dem Umstände, daß im Prediger- orden die christliche Mystik ein besonderes Heim gefunden hat. Die großen Prediger innerhalb und außerhalb des Predigerordens haben sich gebildet an den Schriften des hl. Thomas, der selbst ein großer Prediger gewesen ist, gui tam rsvsrsntsr anclisstakur a poxulo yuasi sna, xraeäioLkio xroäirst s, Oso. (Bolland.)') Hat er ja selbst ssrmonss und opsra, eoncronatoria, uns hinterlassen. 2) Der Prediger braucht große Gedanken; er findet sie beim heil. Thomas. Dr. Ceslaus Maria Schneider bemerkt deßhalb mit Rechts) „Niemand wird es gereuen, Thomas in allem zum Leitstern genommen zu haben. Manche Geldausgabe für Predigt- und asketische Werke wird jener nicht zu machen haben, der gelernt hat, aus Thomas zu schöpfen." Die Werke des hl. Thomas sind von besonderem praktischen Werthe in den Händen des Priesters und Predigers, aber auch der Jurist und Social- °) Neue Ausgabe durch k. Berthier bei Marietti, Turin 1891. ') Die homiletischen Schriftsteller des PredigerordenZ, wie Bromiard, Holkot, Perazzo, Ludwig v. Granada, Petrus de Palude, Brienza u. a. schöpfen durchgehends aus Tbomas. °) Neue Ausgabe: O. Idowas Lermones st opsra coueioiurtoria kansiis axnä Lloucl st Lara!. Hier kommt auch in Betracht der sogenannte Katechismus des hl. Thomas, welcher zunächst das dem vecretum pro H-rwerüs des b'Iorentinums zu Grunde liegende opusenlum äs artieulis 6äei st saeramentis, dann auch die Commentare zum katsr nostsr, Lkaria und Orsäo in sich schließt. Das von Nikolaus v. Cusa besuchte Provinzial- concil von Mainz 1451 bestimmte dieses libsllns utilis st instrustivus als Grundlage des katcchctischcn Unterrichtes. °) Schneider, Einleitung zum Werke: Die christliche Wahrheit, pa§. I,XXIII. lieber das Verhältniß des hl. Thomas zur christlichen Mystik ctr. Dr. Pfeifer, Psychologische Lehren der Scholastik, bestätiget und beleuchtet durch Thatsachen der katholisch-religiösen Mystik. Jahrbuch v. Commer, V S. 468. Politiker kann viel lernen aus den Werken des Doctor Angelicus. „O. 'I'stomns contra Instsralismum catcholicas vsritatis invictus asssrtor." Als solchen hat Con- stantin v. Schätzler in einer 1874 erschienenen wahrhaft goldenen Schrift den hl. Thomas gefeiert. Ja in den Schriften des hl. Thomas ist die im Begriff „Liberalismus" beschlossene Reihe von kirchenpolitischen und social» politischen Irrthümern rmticipanäo gerichtet und zurückgewiesen, wenigstens ihrer Wurzel nach. Ja auch in dieser Beziehung ist der hl. Thomas, wie ihn sein großer Kommentator Sylvestris von Ferrara nennt, der stomo oirmium storarum. Der Jurist findet in der theologischen Summa die beste Grundlage seiner Wissenschaft, einen eingehend entwickelten Rechtsbegriff und eine ausführliche Gesetzeslehre. Das H-äSo; moderner Rechtsphilosophie, d. i. die Negation eines Naturrechtes, findet hier eine glänzende Widerlegung. (8. Mr. 1 II, SO 8M.) Der Staatsmann und Nationalökonom findet in dem schönen Opnscnlum äs rs^imins priucipum vortreffliche Maximen und Belehrungen. Es sind dies Hcrzensgedanken, die einer der größten Denker aller Zeiten einem befreundeten Fürsten, dem Könige von Cypern, innig und gutuicinend nahelegt. Es ist hier die Stellung des Papstes charakterisirt (I. I eax. 14 ckr. tu II. Lsnk. ässk. 44 Josef Grimm sel. Andenkens (j- 1. Jan. 1896) hat sein großes, verdienstvolles, in der katholischen Wett mit Recht bestens anerkanntes Werk „Das Leben Jesu", ursprünglich auf 6, dann auf 7 Bände berechnet, wovon der 1. Band „Die Geschichte der Kindheit Jesu", die 4 folgenden „Die Geschichte der öffentlichen Thätigkeit Jesu" und die zwei letzten „Das Leiden Jesu" behandeln. Von 1876 bis 1894 hat Grimm die 6 ersten Bände veröffentlicht, von 1890 bis, 1895 die 3 ersten in zweiter Auflage herausgegeben. Die Bearbeitung des Schlußbandes, dessen Manuskript aus der Feder Grimm's nur bis zur Scene des Leos Mater reicht, hat Dr. Zahn übernommen, und ') Harrison bemerkt diesbezüglich (x>. 34—35): „Es gibt eine gewisse Verrichtung ccremonieller Magie, durch welche eine Mauer psychischer Einflüsse um ein gefährlich gewordenes Individuum herum aufgeführt werden kann, was die Wirkung hat, die höheren Fähigkeiten zu lahmen und das herbeizuführen, was die ,Zurückwerfung des Strebens' genannt wird. Die Folge davon ist ein durch phantastische Gesichte bezeichneter, geistiger Schlaf. Es rst eine Verrichtung, zu welcher selbst die Bruder der Linken selten ihre Zuflucht nehmen und die im Falle der Frau Blavatsky von fast allen europäischen Okkultisten mißbilligt wurde. Die Verantwortlichkeit für Alles, was seitdem geschah, lastet allein auf der amerikanischen Brüderschaft. Ich glaube, der verstorbene Herr Oliphant wußte mehr um die Sache, als irgend ein Engländer." — Was mag das für eine Brüderschaft sein. Von „Oliphant", dem früheren Parlamentsmitglied und Verfasser der Werke „Sxmpusumata" und „Lciontiüo reli^ion" (j- 1888 ) wurde eben nicht angenommen, daß er derart „hexen" würde. die von ebendemselben besorgte, soeben erschienene zweite Auflage des 4. Bandes bekundet, daß die Vollendung des Ganzen in besten Händen ruht. Selbstverständlich hat der Neu-Heransgeber keine wesentliche Umgestaltung des Werkes vorgenommen, aber fast jede Seite zeigt deutlich, mit welcher pietätsvollen Sorgfalt Zahn die neue Auflage verbessert hat, indem er stilistische Härten beseitigte, manche Ausführungen kürzer faßte, dafür häufig Ergänzungen und Zusätze einfügte, so daß trotz jener Kürzungen die Seitenzahl um 15 zunahm; zu begrüßen sind besonders auch die öfteren Hinweise auf alte und auf neueste Ausleger. Die neue Auflage darf vollauf eine wirklich verbesserte genannt werden. Sehr erfreulich ist es darum, daß Zahn den Schlnßband schon für nächstes Jahr in Aussicht stellt (Vorwort VIII). Gewiß wird Grimm's „Leben Jesu" wie bisher, so auch künftighin sich viele Freunde erwerben. Das verdient Grimm's geistvolle, Wissenschaft und Gelehrsamkeit mit wohlthuender Wärme und Begeisterung glücklich vereinigende Art der Darstellung, und der Netz-Bearbeiter versteht es, die Vorzüge des Werkes treu zu bewahren und mit Geschick zu erhöhen. Belser Joh., Beiträge zur Erklärung der Apostelgeschichte auf Grund der Lesarten des Codex v und seiner Genossen. Frei- burg i. Br., Herder. 1897. 8°. xx. VIII -f- 170. M. 3,50. » Der Verfasser unterzieht die Blaß'sche Theorie von einer zweifachen Tertüberlieferung der Apostelgeschichte einer eingehenden, selbstständigen Nachprüfung, welche den gewandten Philologen nicht verkennen läßt. Ohne uns über das Ergebniß seiner Untersuchungen im einzelnen ein entscheidendes Urtheil anzumaßen, müssen wir uns aufrichtig freuen, daß nun auch auf katholischer Seite die Zahl derer wächst, welche in den Wettkampf der besonnenen Bibelkritiker mit Entschlossenheit eingreifen und nicht bei dem für „unheilig" gehaltenen Wort „Bibelkritik" glauben, gleich in nervöse Krämpfe fallen zu müssen, als ob damit der Bestand der katholischen Kirche bedroht wäre. Gegenüber dem gewaltigen Material, das Fleiß und Scharfsinn auf protestantischer Seite trotz mancher Verirrung aufgehäuft hat, können wir erst mir bescheidenen Anfängen aufwarten, doch ist der Geist gesunder Kritik erwacht und wird uns hoffentlich noch mit mancher Untersuchung beschenken, die sich gegenwärtigem trefflichen Werke würdig anreiht; zunächst eröffnet uns der Verfasser selbst die Aussicht aus eine Erörterung der Harnack schen altchristlichen Chronologie. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 18 Nrn. L 2 Bogen Hochguart für M. 3 pr. Jahr. 1897. Nr. 9 u. 10. Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (Hülskamp) und deren Jahresmapve für 1897(Frhr.v.Lochner). —Weitere kritische Referate über Rolf es Form und Begriff der Seele bei Aristoteles (Kirschkamp), Boügaud Kirche Christi. Faber Das Leben, v. Hammerstein Controvers-Katechismus und Das Glück, katholisch zu sein (Deppe), Sporsr-Lisr- baum 1lleolo§ia moralis, IlirobborA Os voto, ?iAbi Oo iuckioio saoramsntali, van kossum contra kiAlli und Hollweck Kirchliches Bücherverbot (Deppe), Wirrkler Traditionsbegriff des Urchristenthums, Wieland Altchristliche Entwicklung der Oräincs minorcs, Wehofer Justin's Apologie und Eisenhofer Procopius v. Gaza (CM. Kaufmann), Oonksrsncs ok ilnAlioan Lisboxs (Bellesheim), Uranckiäisr Wuvrss inöäitss (Sauer), Oarclinsr Oronnvclls plaec in bistor^ (Zimmermann), Böhme Deutsches Kinderlied und Kinderspiel (Bäumker), Gebetbuch für die Männerwelt, Seeböck Ehrcnkranz der christl. Jungfrau. Seraphisches Opfer und Maria-Jmmer- Hilf-Büchlein (Deppe). — Notizen über Hoffmann Geschichte der Verehrung des Altarssal'ramcnts, Beck Handbuch znr biblischen Geschichte, das 6orpus Scriptorum Hwtoriae L^antiuas und' 12 Kirchheim'sche Novitäten (Hülskamp). — Novitäten.-Verzeichnis Verantw. Redacteur: Ad.Hcras in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.