kjr. 65 U, 13. Nov. 1897. Die Passiv der heiligen Afra. Von Dr. Bernhard Sepp. Die Verehrung der hl. Märtyrin Afra in Augsburg ist bis iu's 6. Jahrhundert hinauf beglaubigt. Denn schon Venantins Fortunatns sagt in seiner metrischen Vita s. Llsrtini, die noch zu Lebzeiten des hl. Germanus, Bischofs von Paris (gest. 28. Mai 516), verfaßt ist: „l?arAis sä gnrciv Viräo et liivvs ünontant, lilie os8a saeras vensrabsrs nncrt^ris l4krao."0 Auch in der ältesten Recension des hlsrt. klioronvin. (entstanden im Jahre 627/28) ist wiederholt von ihr die Rede?) Eine so innige Verehrung ist aber kaum denkbar ohne eine Legende, welche über die Art ihres Martyriums helleres Licht verbreitete. Wenn daher unsere Handschriften der ?s8sio 8. ^krso bis in's 8. Jahrhundert zurückreichen, 2) so dürsten nur schwerwiegende Momente uns bestimmen, dieselbe als eine „Erfindung des karo- lingischen Zeitalters" zu bewachen, zumal Ruinart (a. a. O. S. 400 s.) sie in seine Sammlung der sots mar- t^rnm mnoc-rs aufgenommen hat. Solche schwerwiegende Momente vermag ich aber in ocn Einwänvcn, die Krnsch gegen ihre Echtheit erhoben hat (a. a. O. S. 42 f.), nicht zu erkennen. Es sind folgende: I. „^ctio in ^lrsin instituta aliens 68t all omnikuo uati8 Aönuinia parseeutionis iilins. Iki nnllu8, cprocl seium, inäox prsonomino vocstur, nt 6siu8 iucsi x Fkrso." Wie schade, daß Krnsch keine Vorlesung über die vorjustinianischen Institutionen des römischen Rechts gehört hat, er würde sonst erfahren haben, daß sie von einem Juristen Gains herrühren. Sicherlich ist ihm aber ein römischer Kaiser, ein Papst und ein Kirchenschrift- stcller dieses Namens bekannt, welche den Beweis liefern, daß das Pränomen „Oains" im Zeitalter der römischen Kaiser auch als „noinon" gebraucht wurde?) II. „6aiu8 autsin illü c^uam mslo egit parto3 IncliaiZ Hamani! Lostulavit, ut c^us68tu8 moiktrikü osn88s äÜ8 Luarisiearat Mra, nsMv oomvaamorsvit iu88g, impörntorum, czuso osisarvurs coZösiantur okristisni; c^uin imnro tsntnm skorst, ut Aontilom 8k Zvreret, ut 6tisin elirisiiauorum prokitatom st- t^uk doueatutLM pnklioo UFvosLarst? Die Befehle der Kaiser waren gegen die Christen ergangen. Gains kann sich aber nicht überzeugen, daß eine lusretrix sich den Christen beizählen dürfe, wie Afra that. Hierin spricht sich weniger seine hohe Achtung vor der Sittenreinheit der Christen — die auch von den Heiden anerkannt wurde — als seine Geringschätzung des Gewerbes der Afra aus, denn die morstrieos galten bei den Römern für „kdminsk infamst und ^uuüiorss kaiuosuk". 0 S. dl. 6t. 4uot ant. IV, 1 p. 368 (11b. IV v. 642 sg.); vgl. Vaul. äiao. II, 13 (8er rer. LanK. p. 80). Aus diesen Versen dürfen wir schließen, daß sich bereits im 6. Jahrhundert eine Kirche über dein Grabe der hl. Afra erhob. °) Am 5., 6. u. 7. August und am 9. (eoä. Lxtsrnao.: 8.) Oktober, s. Lall. H.. 88. Rov. II, 1 p. siois 8g. und k>. ( 130 ). b) So (nach Krnsch) eoä. Llontspsssnlauas L n. SS, eoä. ksrisisnsis Ist. n. 10861, eoä. Llonaesnsis tat. n. 4SS4 (— Lenoäietobnrsnns n. 84, Geschenk der L^sila. vgl. Obb. Archiv m S. 338 f.). H Vgl. VoreeUiui im Onomastikon unter OaiuL. III. (I'alaarillg) „ ism po8t ootsvsm uclinoni- tiousm patikntism ruxit iuciicsiuguö voluit ex» Llaina8ss: Lsorikioa, ^nonisin iniuris 68^ miki tot Korso tooum oortaro, kutissstus uimirum ip86 8uis iueptiio, uam cpmrta Korso pscte eomruoäk sZi xotuioseut, guae sets 6880 kinxit". Der Ausdruck tot Korso ist eben eine Hyperbel, die sich aus der Indignation des Gains erklärt Uebrigens versteht es sich von selbst, daß die Akten der Märtyrer nicht das ganze Protokoll der Verhandlung enthalten, sondern uns nur die wichtigsten Fragen und Antworten überliefern. Die Verhandlung kann also wirklich mehrere Stunden gedauert haben. IV. „Osiucis csusöstioukw in oooiss F,krso kskitaiu tsm rsptim traotsvit, ut vsl Velserus stupost: tzuis, iuguit, korst cismusri sk- 86Ut08 6SU83S uou OOAnits; immo 00» Auitiouoru 6t exkoutionom oimu! militikug äomsuäsri." Da Hilaria und ihre Sklavinnen (sueillse) Digna, Enmenia, Euprcpia, in kisgrsnti ertappt wurden, als sie die Leiche Afra's bestatteten, war ein Verhör un- nöthig, und die bloße Weigerung zu opfern genügte, um sie des Todes schuldig erscheinen zu lassen?) V. „18 U6 8iki vsuiäöin oouotst mououta ooäom Velsero. ^krsm eniiu ooiukustsm 63Zo oklitus Paulo post rettulit 6iu3 oorpu8 iutegruur invantum 6886, itacsUk raonckseis 8US ip86 proäiciit Mkuäsx? Gewiß haben die Henker nicht gewartet, bis der Körper der Afra zu Asche verbrannt war — dies hätte viele Stunden Zeit erfordert — sondern sie entfernten sich wohl, nachdem sie sich von dem Tode der Märtyrin überzeugt hatten. Unter diesen Umständen war es Digna, Enmenia und Euprcpia leicht, das Feuer zu löschen und den Körper zn, bergen, der auch verkohlt immer noch als iutezrum d. h. als ganz bezeichnet werden konnte. 6) VI. „Lormo Istiuu8, cpio suotor utitur, uegsuo suticsuus uecsuo ustivuo 68t, sock io Huom sovo OsrolinZieo in sokolis äisoskaut; stur um suiu cliesro pot68 8oriptor6ma6c1i ckoiirompsit." Die Barbarismen, welche der von Krusch edirte Text anflvcist, fallen nicht dem Autor, sondern wohl eher dem Abschreiber znr Last. Auch der Satz „gnani notam staffodat kaeios pndlioa." ist kauni richtig überliefert,') und es muß daher dahingestellt bleiben, ob „furios iiudlieu" hier irrthümlich in der Bedeutung von „vuIZus" gebraucht ist. Was vollends den Ausdruck „cmtomis cuecioro" anlangt, so.brauchte ihn der Verfasser nicht aus der Irist. porsoeut. Vuuclul I, 9 des Victor Vitcnsis (verfaßt im Jahre 486) zu entnehmen, sondern er konnte ihn auch in einer Legende finden/) so z. B. in der Legende des hl. Vitus, s. Voll. ä. 88. llun. II, 1021 und 1022. VII. „Lruotorou stuviuw, czui sticou u I^ortunuto äiotus est, I^ooeliuo nomino uxpolluvit iäeo^uo onva soriptoribns saoouii VIII oonvoirik." Wie wenig aus der Form der Eigennamen in den Handschriften auf die Lesart des Originals geschlossen werden kaun, habe ich schon im ersten Artikel gezeigt. Die Folgerung Kruschs „Faire igitur Fl>ao manisostum ost uovo clcinnm Oarolingioo composita osso" läßt sich daher im besten Falle auf die Oonvorsio 8. Florre anwenden/) deren Verfasser unsere kussio überarbeitet und mit Zusätzen versehen hat.'") Hieraus ergibt sich aber nur, daß wir die älteste Recension der kassio s. Fkrao nicht besitzen, nicht aber, daß es keine ältere, die dieser Zusätze entbehrte, gegeben habe.") Wäre der Verfasser der Oonversio mit dem der kussio identisch gewesen, so würde er gewiß beide nicht getrennt behandelt, sondern zu einem zusammenhängenden Ganzen verarbeitet haben.'') ') Rttinart liest mit Weiser: kama pudliea, was einen besseren Sinn gibt („welche die öffentliche Meinung für verrufen hielt"). °) Auch ein alter Kommentator des Juvenal führt ihn an, ein Beweis, daß er allgemein verständlich war, vgl. Oueanxco s. v. cmtomus und 1'oreeIIini s. v. eatomi- äiaro, welches Wort dieselbe Bedeutung hat. °) Da die Handschriften der Ooworsio bis in's 8. Jahrhundert zurückgehen und doch nur Abschriften eines älteren Textes find, dessen Verbreitung in Gallien und Germanien gewiß längere Zeit in Anspruch nahm, so ist der Terminus -,Lovo OarolinKieo" sehr übel gewählt und mindestens durch „asvo NsrmvinAioo" zu ersetzen. Ich meinerseits zweifle nicht, daß auch die vonversio noch in der Römerzcit entstanden ist, wenn auch später als die Vassio. '°) Solche Zusätze sind das Wörtchen llano in lumo gnam notam babobat k. p." und der (bei Mombritius fehlende) Satz vt 8imvl a 8. Xaroisso episoopo oaptiLarice, woniit auf das in der (vorausgehenden) Oonvorsio Erzählte hingewiesen ist. Später würde noch das von Keusch N. A. XIX S. 13 f. besprochene ockäita- monlnni (das im cock. I^arisiensis n. 5306, im coä. ülona- consis 4554 und bei Mombritius fehlt) hinzugefügt. ") Man beachte nur den Ausdruck meivori» für Grabmal, der nur von allchristlichen Schriftstellern gebraucht wird. Auch die Angabe, daß dieses Grabmal ssemnlo milinrio (beim zweiten Meilensteine) 8, otvitg-tö Anrüstn lag, deutet auf die Römcrzeit hin. Der erste Meilenstein stand auf den« Forum (beim Dome, der gerade eine römische Meile von der Ulrichskirche entfernt ist). ") Auch Rettberg (a, a. O. S. 145) war der Meinung, daß der Verfasser der couvsrsio die passiv schon vorgefunden habe und einzelne Umstände derselben moti- viren wollte. Ein arabischer Aristoteles und was uns derselbe aus dem Wunderlande Indien erzählt. Von vr. Widder. Nicht bloß das alte Hellas hatte seinen Aristoteles, auch Arabien kann sich eines Mannes rühmen, welcher dem griechischen Universalgenie ebenbürtig zur Seite steht. Dies ist Alberuni, oder, wie ihn seine Mitbürger nannten, Abu Rai hLn, der Sohn des Abunad Alberuni, welcher im Jahre 973 n. Chr. im Gebiete des heutigen Kbiva (das alte ChoraSmia) geboren wurde. Schon frühzeitig hervorragend durch Kenntnisse und Wissenschaften, wurde Alberuni von den Fürsten seines Vaterlandes häufig zu Rathe gezogen, eine Hof- oder Staats- stclle scheint er jedoch niemals bekleidet zu haben. Der noch mehr gold- als ländergierige König Mahmud zu Ghazna (997 — 1030) benütztc einen im Jahre 1017 n. Chr. in Khiva ausgebrochencn Militäraufstand als längst ersehnten Vorwand, um in dieses bisher unabhängige Gebiet mit Heeresmacht einzufallen und dasselbe zu einer Provinz seines Reiches zu machen. Unter den Geiseln, die Mahmud mit nach Ghazna schleppte, befand sich auch Alberuni, und so kam derselbe an den Hof dieses Königs. Seinen unfreiwilligen Aufenthalt zu Ghazna, dem damaligen Sammelplatz aller Schöngeister, benützte der arabische Gelehrte, der am königlichen Hofe auch als Lehrer der Sternkunde wirkte, zu umfassenden indischen Studien. Nach dem Tode des Königs Mahmud (etwa nur 1030), den Alberuni, obwohl er ihm geneigt war, einen Verwehter des Wohlstandes Indiens nennt, kam Mahsnd, der Sohn Mahmuds, welcher seinen Bruder Muhammed in dem um die Thronfolge entbrannten Streite besiegt hatte, an die Regierung. Mahsnd, ein Mäcenas im vollsten Sinne des Wortes, entband Alberuni nicht nur aller persönlichen Dienstleistungen, sondern stattete ihn auch mit einem Einkommen aus, das ihm ermöglichte, sich frei von allen Nahrnngssorgen, wie sie ihn unter König Mahmud gedrückt zu haben scheinen, völlig den Wissenschaften widmen zu können, weßhalb er sich auch in überschwänglicheu Lobeserhebungen des neuen Herrschers ergeht. Uebrigens war Alberuni ein offener, gerader Charakter, er war Monotheist, Anhänger des Islams und streng conscrvativer Richtung. In der Einheit zwischen Thron und Altar erblickte er das denkbar höchste Ideal der Entwickelung der menschlichen Gesellschaft. Sein für alles Gute und Edle empfänglicher Sinn vermochte auch der Erhabenheit des evangelischen Gebotes, welches befiehlt, Demjenigen, der uns auf die eine Wange geschlagen, auch die andere darzureichen, für den Feind zu beten und ihn zu segnen, die Bewunderung nicht zu versagen. Die Gcschichtsschreiber theilt Alberuni, dem nichts verhaßter ist, als das Lügen, bezüglich ihrer Nnwahr- haftigkeit in mehrere Klassen. Die Einen, sagt er, lügen ihres Vortheiles halber, indem sie entweder das Volk, dem sie angehören, loben, oder das ihres Gegners tadeln, um dadurch ihren Zweck zu erreichen, Andere lügen zu Gunsten einer gewissen Volksklasse, weil sie derselben verpflichtet sind, oder aus Haß gegen eine bestimmte Klasse, weil sie sich mit derselben verfeindet haben. Wieder Andere lügen infolge der Gemeinheit ihres Charakters, der sich hievon Nutzen erwartet, oder aus Feigheit, die Wahrheit zu sagen. Andere hinwiederum lügen weil ihnen das Lügen zur zweiten Natur geworden ist 451 so daß sie gar nicht mehr anders können, denn ihr innerstes Wesen ist verderbt. Endlich gibt es auch Solche, die aus Unwissenheit die Unwahrheit sagen, weil sie der Erzählung Anderer blindlings folgen. Nur der Mann verdient Lob, fährt Alberuni fort, der vor einer Lüge zurüclschreckt und stets der Wahrheit treu bleibt. Ein Solcher genießt selbst bei den Lügnern Vertrauen. Die Wahrhaftigkeit ist eine Eigenschaft, die wegen ihrer inneren Schönheit um ihrer selbst willen geliebt und geschätzt wird, außer etwa von solchen Leuten, die ibre Anmuth niemals gekostet haben und die Wahrheit absichtlich fliehen, wie jener allbekannte Lügner, der auf die Frage, ob er jemals die Wahrheit gesprochen habe, zur Antwort gab: „Würde ich mich nicht scheuen, die Wahrheit zu sagen, so sagte ich .Nein!'" Die eiserne Willenskraft und der unermüdliche Eifer Alberuni's überwand siegreich alle Hindernisse, welche sich ihm bei der Erlernung der indischen Sprache sowohl infolge der im Sanskrit selbst liegenden Schwierigkeiten, als auch wegen der Unzugänglichkeit der Hindus entgegenstellten, denn ihre religiösen Anschauungen verboten ihnen jeden Verkehr mit den Fremden, den „Mlecha" d. i. den Unreinen. Alberuni scheute weder Mühe noch Kosten, um sich indische Bücher zu verschaffen, Lehrer und Schüler zu gewinnen und sich so eingehende Kenntnisse, nicht nur in wissenschaftlicher Beziehung, sondern auch hinsichtlich der Sitten und Gewohnheiten der Hindus, zu sammeln. Um sein Wissen zu bereichern, nahm er auch keinen Anstand, selbst die ungebildetsten Jndier über ihren Glauben, ihre Rcchtsbegriffe, Sitten und Gebräuche auszuforschen. Die schriftstellerische Thätigkeit dieses universellen Geistes umfaßte nicht nur fast die gcsammte Naturwissenschaft, als Mineralogie, Chemie, Physik, Optik, Mechanik, Mathematik, mathematische Geographie und Astronomie, sondern er schrieb auch über Chronologie, verfaßte 20 Bücher über Indien, schrieb auch Erzählungen und Sagen und eine (verloren gegangene) Geschichte seines Vaterlandes. Mit seltenem Freimnthe spricht er sein Urtheil über die Schriften der indischen Gelehrten aus, ein Feind einerseits ihres Wortgepränges und Phrasengeklingels, zollt er anderseits ihren Geisteserzeugnissen die gebührende Anerkennung und hebt rühmend Alles hervor, was er in ihren Werken oder im praktischen Leben Edles und Großes fand; so bezeichnete er z. B. die kunstvolle Einrichtung der heiligen Teiche und Badeorte der Jndier als „einzig und unerreichbar". Uebrigens selber nicht frei von Eitelkeit und Selbstbewußtsein, fühlt sich Alberuni hoch erhaben über die Jndier, welche er als hochmüthig, eitel bis zum Wahnsinn, voll von Selbstüberhebung und dumm schildert, und erzählt stolz, daß er zuerst ihr Schüler, dann aber ihr Lehrer gewesen sei, daß sie sich von allen Seiten um ihn geschaart, ihn bewundert, von ihm zu lernen verlangt und ihn gefragt hätten, bei welchem indischen Meister er seine Weisheit eingesogen hätte. „Sie hielten mich, sagt der arabische Gelehrte, fast für einen Zauberer, und wenn sie von mir mit ihren Oberen in ihrer Muttersprache redeten, nannten sie mich einen See, oder ein Wasser, so sauer, daß der Essig im Vergleiche damit süß sei." — Den wissenschaftlichen Theorien der Hindus wirft Alberuni große Verworrenheit, Mangel aller logischen Ordnung und stete Vermengung mit den einfältigen Ansichten des gemeinen Haufens vor. Die mathematische und astronomische Literatur der Jndier vergleicht er mit einem Gemisch von Perlmuscheln und herben Datteln, oder von Perlen und Dünger, oder auch von kostbarem Krystall und gemeinem Kiesel. Alberuni starb im Jahre 1048 n. Chr. — Lassen wir uns nun etwas von den Anschauungen, den Sitten und Gebräuchen der Hindus des Mittelalters von unserem Gelehrten erzählen, was um so mehr von Interesse sein dürfte, als die Jndier als ein hochgradig conservatives Volk noch einen großen Theil der Sitten und Gewohnheiten ihrer Vorfahren bis auf den heutigen Tag, namentlich was die vornehmste Kaste, die der Brahmanen betrifft, bewahrt haben, und hören wir einige interessante altindische Legenden und Sagen, die uns Alberuni überliefert hat. Die Gebildeten unter den Jndicrn glaubten schon damals an Einen, lebendigen, ewigen Gott, ohne Anfang und Ende, mit freiem Willen begabt, der allmächtig und allweise ist, Leben spendet, die Welt regiert und erhält, einzig ist in seiner Herrschaft und erhaben über Alles, dem nichts gleicht und der mit nichts verglichen werden kann. Das gemeine Volk, sagt Alberuni, hat allerdings verschiedene, zuweilen sehr vcrabschcunngswürdige Anschauungen von Gott. Einige z. B. glauben, Gott sei zwölf Finger lang und zehn Finger breit. Dies kommt daher, weil einmal ein Schüler der Brahmanen sagte, Gott sei ein Punkt, womit er nur ausdrücke» wollte, daß Gott keinen Leib habe. Ungebildete Leute stellten sich deßhalb Gott so klein vor, wie einen Punkt, und weil sie einerseits nicht begriffen, was das Wort „Punkt" in diesem Falle eigentlich bedeuten sollte, und anderseits bei diesem für das höchste Wesen beleidigenden Vergleiche auch nicht stehen bleiben wollten, so kamen sie zu dieser ungeheuerlichen Anschauung, indem sie Gott viel größer zu schildern suchten. Die Hindus haben fünf Elemente: Himmel, Wind, Feuer, Wasser und Erde, und zwar sinnbildeu diese die Thätigkeiten der fünf Sinne: der Himmel das Gehör, der Wind das Gefühl, das Feuer das Gesicht, das Wasser den Geschmack und die Erde den Geruch. Um die Verbindung der Seele mit der Materie, dem Stoffe, d. h. dem Leibe, anschaulich zu machen, bedienen sich die HinduS eines eigenthümlichen Gleichnisses. Sie vergleichen nämlich die Seele mit einer Tänzerin, welche in ihrer Kunst sehr geschickt und sich der Wirkungen wohl bewußt ist, die jede Bewegung und Stellung ihrer Füße hervorbringt. Sie tanzt vor einem Lebemanne, der vor Begierde brennt, sich an ihrer Kunst zu ergötzen. Unter der staunenden Bewunderung ihres Gönners produzirt sie der Reihe nach ihre verschiedenen Kunststücke, bis ihr Programm erschöpft und das Verlangen ihres Zuschauers befriedigt ist. Dann hört sie plötzlich auf, weil sie nichts Neues mehr bieten, sondern nur das Alte wiederholen könnte, was nicht gewünscht wird, und ihr Verehrer entläßt sie. Auch durch folgende, in anderen Wendungen wohlbekannte Parabel suchen die Hindus die Verbindung der Seele mit dem Leibe und die Wechselbeziehungen zwischen beiden zur Anschauung zu bringen: Eine Karawane wurde einst in der Wüste von Räubern überfallen. Die Reisenden flüchteten sich nach allen Richtungen, nur ein blinder und ein lahmer Mann konnten nicht entfliehen, sondern beide blieben, an ihrem Entkommen verzweifelnd, hilflos auf dem Platze zurück. Nachdem sie sich einander genähert und sich gegenseitig erkannt hatten, sprach der Lahme zum Blinden: „Gehen kaun ich zwar nicht« aber ich kam 452 Dir den Wcg zeigen. Bei Dir ist es umgekehrt. Nimm mich daher auf Deinen Rücken und trage mich, ich will Dir dann den Weg zeigen, und so kommen wir beide aus dieser Verlegenheit." Der Blinde willigte ein, und auf diese Weise kamen beide wieder glücklich aus der Wüste heraus. Die Jndier betrachten nämlich die Seele nicht als das handelnde, sondern nur als das belebende Element. Die Seele wird nach ihrer Ansicht wieder durch die Intelligenz geleitet, die ihr von Gott eingeflößt wird und mit welcher man die Wirklichkeit der Dinge erfaßt, die den Weg zur Erkenntniß Gottes zeigen. — (Fortsetzung folgt.) Theososthie und katholischer Glaube. Von Charles Saint-Paul. (Fortsetzung.) Einer der stärksten Verdachtgründe der Gegner der Blavatskh war bekanntlich der sogenannte „Kiddle-Vor- fall". Ein Brief, den angeblich Koot-Hoomi geschrieben hatte, enthielt „Lehren", die einem 1880 von Mr. Kiddle vor amerikanischen Spiritualistcn bei Lake Pleasant gehaltenen Vortrage entnommen waren. Diese Begebenheit nun soll der Theosophic, wie der Gewährsmann Harrisons weiterhin erklärt, „zuerst die Augen über den Streich geöffnet haben, der ihr gespielt worden war". Dagegen soll Koot-Hoomi sich später in Adyar mit den Coulombs eingelassen haben, „aus Rache über die Abwehr seiner Ränke". Dieses Ehepaar Coulomb, das im Hause der Blavatskh angestellt war, soll dem Dele- girten der „Looiatx kor I^otiicai ÜWoaroü" in London, Mr. Hodgson, aus Rache Enthüllungen über den Schwindel der Blavatskh gemacht haben und ihm im Hanse angebrachte Vorrichtungen zur Hervorbringnng der „Phänomene" gezeigt haben. Graf Leiningen allerdings sagt in einer Anmerkung im Anschlüsse an die Behauptungen in Sinnett's „Oooult IVoilä", Herr Coulomb habe die Fallthüren und Apparate selbst herstellen lassen. Abschließend behauptet Harrisons „Okkultist", daß die Blavatskh sich zum zweitenmale nach ihrer Rückkehr nach England von einem abtrünnigen Juden täuschen ließ, der von einer Brüderschaft des Coutinents wegen Ausübung böser Künste ausgestoßen worden war. „Es wurde beschlossen, sie nicht vor diesem Individuum zu warnen, weil es sie am Leben erhielt. In ihrem elenden Gesundheitszustände wäre der Entzug seines stimulirenden Einflusses verhängnißvoll gewesen. (!) Der Mann wartete, bis sie den zweiten Band ihrer „Geheimlehre" vollendet hatte, und überließ sie dann ihrem Schicksal. Sie unterlag dem nächsten Anfalle und starb im Jahre 1891, ohne Argwohn (soweit bekannt), bis zum Ende heiter, dessen unbewußt, daß sie ihr ganzes Leben lang ein Werkzeug in den Händen hinterlistiger Personen war, von denen Wenige intellektuell auf ihrer Höhe standen, (?) und welche schändlichen Mißbrauch von ihrer außerordentlichen geistigen Thätigkeit und ihren einzig in ihrer Art dastehenden Gaben machten." Wenn Harrison meint, daß „dies beträchtliches Licht auf eine bisher in Geheimniß gehüllte Sache werfe", insofern Frau Blavatskh gegen die Anklage gemeinen Betruges gerechtfertigt und zu gleicher Zeit die Mahatmatheorie abgeschafft werde» so müssen wir mir bedauern, daß sein Gewährsmann selbst, indem er sich in mystisches ^Dunkel hüllte und auch seine Mittheilungen mitunter in bedenklicher Weise verschleierte, die Beweiskraft derselben abgeschwächt hat. Sie wären von großem Werthe nicht nur für die Erkenntniß moderner Theosophie, sondern auch des Treibens geheimer mystischer Gesellschaften, L vn sie in anderer Form gegeben worden wären. Wenn übrigens der Verfasser behauptet, daß die Blavatsky ein Medium ganz außergewöhnlicher Art war, daß sie schon frühzeitig das „zweite Gesicht" besaß, so wollen wir das gar nicht in Frage stellen, anderseits ihm aber auch in der Annahme beistimmen, daß sie keiner' „hohen" Intellekt und keine logische Befähigung besaß, dagegen neben ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, sich Kenntnisse anzueignen, auch noch „die Gewandtheit hatte, dieselben zu verdrehen, um sie ihren eigenen Zwecken anzupassen". Das Wiederaustanchen der Frau Blavatsky als Thibctaner Buddhistin und Prophetin einer neuen Religion hatte, wie Harrison behauptet, einen gänzlichen Umschwung in der seither befolgten Politik der Geheimhaltung nothwendig gemacht. „Ob es gut oder schlimm war, sie hat eine ungeheure Menge von Mittheilungen in Betreff von Gegenständen veröffentlicht, von welchen bis vor ganz Kurzem niemals außerhalb gewisser Gesellschaften gesprochen wurde, die aber solcher Art sind, daß sie sich denkenden Personen durch ihren eigenen Werth empfehlen, sie mögen aus welcher Quelle immer kommen. (?) Denn es ist der größte Irrthum der Welt, anzunehmen, daß die Theosophie vom Beweise für die Acchtheit der „Wunder" der Frau Blavatsky oder der Existenz der Mahatmas abhängig fei.(?) Seit dem Tode der Frau Blavatsky im Jahre 1891 ist es in der That die Politik der leitenden Theosophen gewesen, die „Mahatmas" so viel als möglich im Hintergründe zu halten." . . . . . . Der Autor übersieht gänzlich, daß die Lehren einer Persönlichkeit, die nur ein Werkzeug zweifelhafter Personen war, schwerlich als wahre Gottweisheit und Religion Anerkennung finden können. Und er weist doch noch wiederholt auf diese vernichtende Thatsache hin, z. B. wenn er abschließend schreibt: „Es steht außer Frage, daß Frau Blavatsky ihr umfassendes Wissen auf dem gewöhnlichen Wege des Studiums nicht erlangt hat. Ich glaube, sie sprach die Wahrheit, als sie sagte, es sei ihr in außergewöhnlicher Weise mitgetheilt worden. Sis war thatsächlich das Medium in der Hand einer unbekannten Person, oder mehrerer solcher, welche aus persönlichen Gründen vorgezogen haben, sich hinter ihr zu verbergen. Es kommt wirklich sehr wenig darauf au, woher sie ihr fast encyklopädisches Wissen erlangt hat. Was wir zu thun haben, ist, es sorgfältig im Lichte der Erkenntniß, die wir bereits besitzen, zu prüfen. Denn es kann nicht geleugnet werden, daß, während die „Entschleierte Isis" wenig enthält, was nicht vorher bekannt war, die „Gehcimlehre" sehr werthvolle Nachrichten über prähistorische Civilisationen und Religionen bringt (an anderer Stelle hat der Autor die „Enthüllungen" des Werkes sehr abfällig beurtheilt!) und auf gewisse Geheimnisse anspielt, deren Dasein selbst nicht vermuthet wurde. Einige derselben sind durch einen den Okkultisten bekannten Vorgang geprüft und richtig befunden worden. (Wie „mystisch" l) Und wenn gleich außerhalb der Theo- sophischen Gesellschaft vielleicht nicht Einer von Tausend die „Geheimlehre" liest nnd Einer von Zehntausend fähig ist, den Weizen von der Spreu zu sondern, wird man sie mehr und mehr beachten, wenn sich der religiöse Gedanke allmählich vom lateinischen Einflüsse nnd die 453 wissenschaftliche Forschung von atomistischen Täuschungen freimacht." Wir fürchten nur, daß sich der Autor in dieser Hinsicht „okkultistischen" Täuschungen hingibt. Die verworrenen mediumistischen Produkte der sonderbaren Prophetin würden wahrscheinlich auch in „antiromanischen" Kreisen keinen Eingang finden, wenn der „lateinische Einfluß" und damit die praktische Bethätigung christlicher Mystik schwinden könnte, von welcher unser sonderbarer „Okkultist", wie er so häufig in seinem Werke beweist, nichts versteht. Auch in den Erinnerungen von H. P. Blavatsky, die „von der Gräfin Wachtmeister und andern" herausgegeben wurden (liewinisaeiiLW ob 8. k. Cvuutsss IVaesttinaistsr and otbsrs), wird die Ansicht ausgesprochen, daß sie durch verschiedene Personen zu verschiedenen Zeiten ausgebeutet wurde. Die Gräfin (S. 57) erzählt, wie sie in einem kleinen Büchlein mit verblichener Schrift, von 1851 datirt, einige auf die erste Zusammenkunft mit dem „Meister" bezügliche Zeilen in der Handschrift der Mine. Blavatsky sah. Sie lauteten: 8uit msnwrastla oortaiirs nuit xur un olsir 6s Irma, hin 86 oouedait n liuuwArrts (vicisliast 8)äs karlr) 12ltz 1851, — IvrsHus ze roncoutrai ls LIaitre äo mes reves. Nach Gräfin Wachtmeister scheint dieser „Llrntrs äes rvv68" ein „unendlich langer" Inder gewesen zu sein, von dem sie sich erinnert gehört zu haben, daß er in diesem Jahre einige indische Fürsten auf einer „wichtigen Mission" nach England begleitet habe, vermuthlich zum Besuche der großen Ausstellung. Derselbe forderte ihre Mitwirkung zu einem Werke, das er zu unternehmen ini Begriffe war, und suggestionirte sie, die Theosophisch» Gesellschaft zu gründen. „Er sagte zu ihr, daß sie drei Jahre in Thibet verbringen müsse, um sich für ihre bedeutende Ausgabe vorzubereiten, und H. P. Blavatsky entschloß sich, das ihr gemachte Anerbieten anzunehmen, und verließ kurz darauf London, um nach Indien zu gehen, offenbar, um in die Geheimnisse der „alten Weisheitsreligion" eingeweiht zu werden." Ob es „Koot-Hoomi" oder der Mahatma M ..., aus der „Oeoult IVorlä«, den man angeblich inzwischen als Namensvetter der alten Kindsfrau der Blavatsky identifizirt hat, war, wird nicht berichtet. Merkwürdigerweise behauptete Oberst Olcott, der Präsident der indischen Theosophischcn Gesellschaft, in seinem Buche »keoplo irom tsts otiivr VVvrlä", daß im Jahre 1874 der „Meister" der Blavatsky sich dazu bekannte, der „Spirit" eines kühnen Seeräubers, John King genannt, zu sein, der im 17. Jahrhunderte in Ansehen stand und sich im neunzehnten die Zeit damit vertrieb, Briefe zu präcipitircn" und „Ehrenmedaillen aus dem Sarge" des Vaters der Blavatsky herbeizubringen (S. 355). Das ist um so wichtiger, da ja ein „John King" so häufig in spiritistischen Sitzungen als controllirender Geist genannt wird. Olcott glaubt übrigens, daß dieser „John King" kein verstorbener Seeräuber, sondern das Geschöpf eines „Ordens sei, der, während er in Betreff seiner Erfolge von unsichtbar Wirkenden abhängig sei, aus Erden unter den Menschen existire" (?) (S. 454). (Schluß folgt.) Cardinal Manniugs letzte Schrift: „Nenn Hindernisse u. s. w." übersetzt nnd ergänzt von Gerhart Wahrmut. —oft. Wenn Jemand kein Talent zum Baumeister hat, so kann er vielleicht doch ein guter Schreiner werden. Das aber können wir von dem Verfasser obiger Broschüre nicht sagen; denn indem er sich als Gcschichts- baumeister anfthun will, vermag er nicht einmal als Schreinerlehrling so zu leimen nnd zu fügen, daß die einzelnen Bretter zusammenhalten. Wer so kühn an die Oeffcntlichkeit tritt, der muß sich auch begründete Kritik gefallen lassen: 1. Was den Leim bildet für sein Werk, das er schaffen wollte, so ist das doch wohl vor Allem die Glaubwürdigkeit seiner Gewährsmänner. Aber Pseudonym Wahrmut leistet Alles, um dieselbe zu Grunde zu richten. Purccll, die Hauptgnelle, wird uns vorgeführt als ein Biograph, der nicht nur „Widersprüche, Zweideutigkeiten, Unbestimmtheiten" sich muß vorwerfen lassen, sondern der auch wider besseres Wissen die Hauptschuld dem unschuldigeren Theile zuschiebt; als ein Berichterstatter, der die Hauptfrage der Broschüre in geheimnißvolles Dunkel hüllt, indem er nach dem Sprichwort: „Im Dunkeln ist gut munkeln," nach beiden Seiten hin zu ungerechten Vermuthungen Anlaß gibt; als ein Gehcimnißkrämer, der aber vor Scrnpeln über seine Handlungsweise bald so, bald so schreibt und doch nichts gesagt haben will! Von dem Spectator der „Allgcm. Zeitung", der dazu herhalten muß, das Bißchen Leimkraft noch zu verderben, wollen wir lieber schweigen. Wo liegt die Kraft ihrer Autorität? Und doch soll das Publikum denselben Alles glauben? 2. Und wie hat der Herr die Bretter, das Material seines Werkes, jämmerlich verschnitten! und das ist das Lebens- und Charakterbild des Kardinals, dessen Schrift ja durch dasselbe recht in Kraft gesetzt werden soll! O armer Cardinal! Nachdem Purcell denselben recht unglücklich auf dem Paradebette für das Publikum ausgestellt hatte, wird er nun von dem Uebersetzcr seiner letzten Schrift mit Hilfe seiner Assistenten noch öffentlich secirt. Schon jener Act hat ihm die Glieder verrenkt in lauter Widersprüchen: „Mangel historischer Kenntniß, starkes Vornrtheil, gewisse Eifersucht, Uebertreibung der bischöflichen Machtbefugnisse, Irrthum, Mschließung gegen jeden Rath, den er sogleich als Tadel und Eingriff betrachtet, Mißtrauen, Machinationen hinter dem Rücken seines Vorgängers, hartnäckiger Eigensinn" u. s. w. leiten ihn bei seinem abweisenden Verhalten besonders gegen die Jesuiten, so daß darunter eher die geplante kathol. Universität scheitern mag, — und doch wird er nur von hohen Ideen geleitet! Ein sonderbarer Heiliger! Aber, um die Widersprüche zu lösen, wird er secirt und dabei so böse versähest, daß die Theile beim Zusammenfügen vollends zerbrechen: „anglikanische Vornrtheile, Einfluß von Ordensfeiudcu, sogar Ideen Rosminis" werden zugestanden; dabei gewinnt man den Eindruck, daß er die wichtigsten Fragen überspannt und gern greift, so in seinem Glauben, in seinen Anforderungen an Klerus und Volk, in seiner Ascese, in seinem Tn- tiorismus; aber Gott sei Dank, er „lernt um", bekommt anders Anschauungen, besonders bezüglich der weltlichen Macht des Papstes, die er nun für ein Verderben betrachtet, bezüglich der römischen Curie, bezüglich der Grenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit: und zwar ganz 454 besonders dann, wenn ihm etwas nicht nach dem Kopf geht; nnd zwar lernt er zum Glück soweit um, bis er mit seinem Geschichtsbaumeister zusammenstimmt! Zur vollen Harmonie aber darf er nur in Einem Punkte nicht „umlernen", nämlich in der Abwehr der Jesuiten. 3. Die Krone des ganzen Werkes ist aber gewiß der fatale Umstand, daß zuletzt der Kopf verkehrt eingesetzt wurde: Nachdem das „Umlernen" geschildert ist, ruft der Cardinal sogar „Wehe" über einen Bischof, der von irgend welcher Partei sich leiten läßt. Das klingt (gegen das Ende seines Lebens) wie ein Ausruf allzuspäter Erkenntniß und der Neue. Was muß das wohl für eine Partei gewesen sein, von der sich Manuing leiten ließ? Ach da hat der geniale Ergänzer und Corrigirer des Biographen es ganz vergessen, daß er bewiesen hat, wie Manning schon unter seinem Vorgänger Wiscman und während seines ganzen Pontificats „wie ein Cherub mit flammendem Schwerte" die Jesuiten abwehrte; ferner daß er gerade in den Fragen, in denen er früher mit den Jesuiten übereinstimmend gedacht, nun „umgelernt" hatte. Wenn er also zuletzt bereute, dann kann gewiß nicht die Jcsnitenpartei Gegenstand dieser späten Erkenntniß und Rene sein; aber ausgeschlossen wäre es nicht auf Grund der versuchten Beweisführung, daß er bereute, der Partei der Gegner derselben zu viel Einfluß gewährt und so gar Manches verdorben zu haben. Zum Schluß mache ich nur noch aufmerksam auf die Schärfe seiner Scctionsmcsscr. Wie gewandt er ist, an der Kirche Leib zu schneiden und zu scheiden, beweist er auf Seite 88 oben, 89 unten. Aber die Erinnerung wird man bei Bewunderung dieser Kunstfertigkeit nicht los, daß die heutigen „Auchkatholiken" dieselbe Kunst verstehen, mit derselben, was sie nur »vollen, verneinen, und daß sie, indem sie auf den Sack schlagen, ettvas Anderes treffen »vollen. * -sr * Einer weiteren Einsendung entnehmen wir noch folgende Sätze: Da es auch uns um die volle Wahrheit zu thun ist, so ersuchen wir den Herrn Uebcrsctzer, uns bezüglich der durchschossen gedruckten Stellen seines Vorworts xa§. X genauer zu bezeichnen, was Marke „Wahrmut" etwa, und was Marke Purcell ist? Sie sind so starke Kritik, daß der Leser ein Recht hat, seine Leute zu kennen. In seiner Brochüre sind nämlich nach den Anführungszeichen die Schlußzeichen vergessen. Mag nun diese Nachahmung der Broschüre Schell von England oder von dem jungen Gelehrten in Würzburg stammen, jedenfalls beweist sie, daß zur Ausbildung von Priestercandidaten noch etwas Anderes als „Freiheit der Wissenschaft" und „Uni- oersitätsbildung zu Würzburg, Oxford oder dgl." recht nothweudig ist, und mögen darum die, welchen diese sehr nöthige Eigenschaft mangelt, das von Herrn Wahrmut lobend erwähnte Büchlein: „Das ewige Priesterthum" von Cardinal Manning, recht betrachten, uin wahre Priester, und nicht bloße Räsounirer zu sein, besonders in ihrem so wichtigen Berufe! .... Aber selbst dann, wenn die Jesuiten absolut getroffen werden mußte»», wozu kamen denn die „Neun Hindernisse" in die Debatte? Mit Ausnahme von IX „8. sind die Verhältnisse so verschieden, daß es die Lösung einer unlösbaren Preisaufgabe bedeutet, dieselben auf Deutschland und auf den deutschen Klerus anzuwenden. Dadurch aber wurde der deutsche Klerus in der ungerechtesten Weise verdächtigt. Was bleibt denn „mu- tntia rnutnuäis" davon übrig? Erklärung. Herr Lycealdirektor Dr. Diendorfer in Passau hat in Nr. 64 der Augsburger Postzeitungsbeilage eine Ansprache veröffentlicht, »n der er mit Entrüstung die „Mißkennuna und Verdächtigung" zurückweist, welche ich „öffentlich den kgl. bayerischen Lyceen (nnd Lehrscminarien) „ent- gegengeschleudert" haben soll, und zwar in meiner Schrift „Der Katholizismus als Princip des Fortschritts". 2. Anst. 13-21: 6. Allst. 28-33. 1. Jilsbesondere sagt der Herr Lycealdirektor Dr. Diendorfer folgendes: „In der That wird es dein gelehrten Herrn Rektor und Professor schwer fallen, den Nachweis zu liefern, daß die an den bayerischen Lyceen . . . gebildeten Theologen hinter den an den Universitäten gebildeten in wissenschaftlicher oder in religiös-sittlicher Beziehung oder in ihrer späteren Bernfswirksamkeit irgendwie zurückstehen." Eine derartige Behauptung habe ich in obiger Schrift überhaupt nicht aufgestellt, insbesondere »licht in dein näher bezeichneten Abschnitt: folglich brauche ich auch keinen Beweis dafür zu liefern. 2. Ferner erklärt der Herr Lycealdirektor von Passau: „Angesichts dieses Thatbestandes kann man es den Vertretern der bayerischen Lyceen nicht verdenken, wenn sie den in der Schell'schen Schrift unverblümt enthaltenen (wenn auch »licht nut nackten Worten ausgesprochenen) Vorwnrf. als würden dieselben an der von deren Verfasser behaupteten Jnferiorität der Katholiken in Deutschland mit Schuld sein. als gänzlich unbegründet entschieden zurückweisen." Ich erwidere hierauf: Einen derartigen Vor- wurs habe ich in meiner Schrift gegen die bayerischen Lyceen nicht erhoben; auch nicht in der Weise, daß er „unverblümt darin enthalten" wäre. 3. Der Herr Lycealdirektor spricht außerdem noch „von all den schiefen, theils übertriebenen, theils unwahren und deßhalb gänzlich unberechtigten Behauptungen", welche ich in genannter Schrift „ohne Beweise" über die Lyceen (und Lehrseminarien) aufgestellt habe. Ich ersuche den Herrn Lycealdirektor vr. Diendorfer eindringlich, mir diese „unwahren Behauptungen" über die Lyceen zu nennen: denn was er mir nicht namentlich als unwahr bezeichnet, könnte ich beim besten Willen nicht zurücknehmen, da mir selber solche Behauptungen völlig unbekannt sind. . 4. Der Zusatz zu xa§. 96 der 6. Anst. bedeutet weder einen Rückzug noch den „rein platonischen" Ausdruck meiner Werthschätzung für die Lyceen und Seminarien. Dieser Zusatz soll vielmehr das Mißverständinß fernhalten, als hätte ich durch meine Ausführungen die Mono- polisirung der Theologie zu Gunsten der Universitäts- facultäten gefordert, mit Allsschluß der Lyceen nnd Lehrseminarien, und n»it Verkennung der Gründe, welche sie nothwendig machen. Was ich bekäinpfte, war die in neuerer Zeit nicht undeutlich hervortretende Hinneigung zum französischen Seminarsystem — mit all seinen bedenklichen Folgen, nicht bloß für die theologischen Universitätsfacultäten. Würzburg, 7. November 1897. Dr. Schell, Universitätsprofessor. Recensionen und Notizen. „Dichterstimmen der Gegenwart." Poetisches Organ für das kathol. Deutschland. Herausgegeben von Leo Tepe van Heemstede. Verlag von Peter Weber in Baden-Baden. Jährlich 12 Hefte. Mit 12 Kunstbeilagen (Portraits und Biographien zeitgenössischer Dichter und Dichterinnen). Preis halbjährlich 2 M- 25 Pfg. 3. L. llh Von Zeit zu Zeit steigt die goldene Loreley vom weithinschauenden Rheinfelsen herab und gleitet im blumengeschmückten Nachen auf den grünen Fluthen des rauschenden Rheins. Allmonatlich, wenn von den reden- 455 umkränzten Sahen die altersgrauen Burgen vergoldet iiu Abendsonnenscheine grünen, sendet sie ihre Sängcrboten, die unter dem Namen „Dicht er stimmen" herzliche Gäste sind, hinaus, überallhin, wo Deutsche wohnen, mit dem holden Grütze: „Was irdischer Jubel und Schmerz hat gesponnen. Was Seele voll Lieben und Sehnsucht gesonnen. Die mich zur stillen Vertrauten erkor. Und der ich mein blühendes Scepter lieh: Das trag' ich empor." Zum zwölften Male treten sie mit liederreicher Gabe ihre gewohnte Runde an. Im letzten Jahre haben sich die Abonnenten der „Dichtcrstimmen" um nahezu ein Viertel vermehrt; immer melden sich noch neue an. Der gediegene Inhalt, der vornehme Ton, die geschmackvolle Form, die kunstsinnige Ausstattung ziehen Leser an, die noch Sinn für das Edle und Erhabene bewahrt haben. Nicht zuletzt reizen zum Abonnement auch die mit vielem Beifall aufgenommenen Lichtdruckbilder, die die Bildnisse zeitgenössischer Dichter darstellen. Auf diese Weise haben die Leser nach etlichen Jahren eine ganz hübsche Porträts- sammlung. Der neue Jahrgang verspricht ausserdem als Beigabe eine Photo Heliogravüre am Schlüsse des Jahres. Der Grundton des neuesten Heftes ist poetische Herbststimmung. Wir machen die freudige Wahrnehmung, daß es im katholischen Deutschland gute Dichter gibt. — Franz Eichert preist als unerschrockener Sänger „Freiheit, Wahrheit, Recht". Die Westfalin Ferdinande von Bracke! besingt „Des Herzens gewaltige Mächte" und „von der Liebe Gebot", und von „des Lenzes Lust", die drinnen tief im Busen erglüht, wenn ein Weib uns naht mit der „Liebe Gewalt", ein Lied wie aus „Des Knaben Wnnderhorn" mit volksthümlicher Weise, eine Muse, die wie ein geisterhaftes Schattenbild um die Dämmerstunde leicht und leis an uns vorüberhuscht. Fräulein Minna Freeriks ergießt „Den Born liebe- mächtiger Poesie — Bis zum Himmelssaum". Ihr melodisch sanftes „Ave Maria" stimmt zur großen Symphonie von Mittag-Läuten, Abendglockenklaug und Nachtigall-Lied in: Morgenthau und Lenzesdust. „Die christ- liche Kunst" ist ein prächtiges allegorisches Gemälde, das uns anmuthet wie ein Klang aus der Zeit der Romantik. Hoffentlich wird der wackere Sohn Apoll's aus seiner stillen Klause heraustreten, um seiner Mitwelt hie und da etwas vorzusingen. Denn, erinnern wir uns recht, sahen wir den Namen Josef Auffenberg hier zum ersten Mal. Soll ich sie weiter nennen all die Namen der frohen Sänger: A. Jüngst, Esser, den kindlich heitern Ambrosius Schupp, der in seinem „Liedcr- strautze" singt „ob so, ob so" in der Welt es zugebt; Elise Miller, die fromme Schwäbin aus Württemberg; auch ihr Landsmann Karl Hagenmaier läßt sich nach langem Schweigen wieder vernehmen; die Freunde der „D." befürchteten, die herben Bernsssorgen hätten seine Sängerstimme erstickt; Franz Niederberger, der Messiassängcr des 19. Jahrhunderts I. W. Helle. Viele Namen haben schon einen guten Klang. Nicht vergessen dürfen mir den Meistersinger am Rheine mit immer neuen Weisen, der sich uns als der unermüdliche, stets saugeslustige Herausgeber der „Dichtcrstimmen" vorstellt: Leo Tepe van Heemstede. „Durch Meinungsstreit und Schwerterklirren" tönt sein Lied „Am Born des Lebens". In einer Lebensskizze von Jos. Südländerin Rom kommt ein hochbedeutender, glaubensbcgcisterter Dichter zu Wort, der sich nach Fug und Recht einer gleichen Berühmtheit wie der Dreizehnlindendichter erfreuen sollte, nannte ihn — Edmund Behringer — doch der geistvolle Hettiuger den „deutschen Dante". Die in den „Dichtcrstimmen" einheimische Rhcinländcrin MargarethaMirbach bringt „Ein Herbstmärchen" für Jung und Alt zu lesen, geschildert im zartesten Ton farbenfrischer Sprache, belebt vom Hauche inniger Poesie. Recht anziehend ist die Studie über den geistreichen Mönch von Heisterbach, Cäsarius, der der erste Rheinromantiker sein soll. Die Aufnahme ähnlicher Studien in den „Dichterstimmen" sähen wir gerne öfters. Unter „Alte und neue Bücher" werden die neuesten Erscheinungen auf schöngeistigem Gebiete von sachkundiger Feder abgeurtheilt, wobei niemals Gnade für Recht ergeht. ^Mosaik" bietet literarisches Allerlei. Die „Literar- rsche Tafel" gibt allen Bücherfreunden einen willkommenen Fingerzeig. Müssen wir auch manchmal dem einen oder andern Sänger in den „Dichterstimmen" Striche auf die Tabulatur machen, das erste Heft oes 12. Jahrganges befriedigt uns znm Entzücken. Ja, was ist dagegen auch die „Waschermadelpoesie" vieler unserer „Jüngst- deutschen"? Ihre Muse ist die Priestern: der gemeinlüsternen Venus, so daß hier Heine's Wort zutrifft, das er von Hamburg gebrauchte, „H_ genug, aber keine Musen!" Sehr oft ist es nur minderwerthiges poetisches Lallen in Reim und Rhythmen gezwängt*,'-nur mit der Feder, nicht auch mit dem Kopfe geschrieben. Diese Muse ist ein entartetes Mädchen mit vergrämtem blassem Gesicht und übernächt'gcn Augen, aus denen die Sünde grinst. Die Muse nach Art der „Dichterstimmen" ist eine frische Wiesenblume,wachgeküßt vom erwärmenden Sonnenstrahl. Sie läßt uns fühlen, daß wahre Poesie die Tugend nur noch liebenswürdiger macht, indem sie unsre Seele erfüllt und zu edlen Thaten begeistert. Mögen daher Gönner und Jünger echter Poesie diesem schönen Rheinkind hold sein; die Mitgift, die es heischt, ist leicht erschwinglich. „Jakob Bälde als Mariensängcr." Gesammelte Maricngedichte in freier Ucbertragung herausgegeben von?. Peter Baptist Zierler, 0. Oap., Lektor zu Sterzing. München, 1897. Verlag von I. Pfeiffer. H. Die Oden aus die jungfräuliche Gottesmutter, welche Bälde, der bayerische Horaz, je nach seiner seelischen Stimmung zn verschiedener Zeit in seine unsterblichen Lyrica eingestochten hat, erscheinen hier znm erstenmal in vortrefflicher Ucbertragnng sämmtlich aneinandergereiht. Aber man braucht nicht zu fürchten, daß deßhalb die Lectüre ermüdend werde. Denn, selbst von dichterischer Begabung, weiß der Verfasser durch reiche Intuition sowie durch seltene Beherrschung der poetischen Sprache auch auf die heutige Leserwelt, insoweit sie überhaupt Boldes Geist und Phantasie zn würdigen versteht, eine mächtige Wirkung hervorzubringen. Die Ucbersetznng, die sich weder nach Wortlaut noch Versform krampfhaft an das lateinische Original anklammert, gestaltet sich gn Folge dessen zu einer freien, aber höchst gelungenen Nachdichtung. Ob indeß bei einigen wenigen Oden in dieser Freiheit nicht zu weit gegangen ist, überlassen wir dem Urtheil compe- tenter Richter. Uns wenigstens will es bedünken, daß das wahre Colorit der Balde'schen Poesie zuweilen darunter etwas gelitten habe. Im Ganzen aber müssen wir der bochverdicnstlichen Arbeit freudige Anerkennung zollen und können nur wünschen, daß das zierlich ausgestattete Büchlein, das sich auch als Geschenk besonders eignen dürfte, recht viele Leser und Freunde finden möge. Des ehrw. l?. Martin von Cochem Meßbuch, enthaltend zweiunddreißig vollständige Mcßandachten für jeden Tag der Woche, für die Sonn- und Festtage und für besondere Veranlassungen und Anliegen. Neue vermehrte und verbesserte Ausgabe von U. Osdorne. 8°. VIII, 574 Seiten. Preis gebunden M. 2.—. Dülmen i. W-, A. Lanmann'sche Buchhandlung. Das vorstehend angezeigte Werk enthält: 1) einen erbaulichen Unterricht über die Bor-trefflichkeit, die Geheimnisse und die andächtige Bciwohnung der heiligen Messe, 2t sieben Mcßandachten für die Wochentage, drei für die Sonntage, sechzehn für die heiligen Zeiten und Feste, sechs für besondere Veranlassungen, 3) scchzehnLitancicu, 4) einen reichhaltigen Anhang mit Gebeten für die gewöhnlichen und mich manche außergewöhnliche Andachtsübnngen einc-Z katholischen Christen. Fast der ganze Inhalt ist aus dem gottliebcnden Herzen des seligen U. Martin von Cochem geflossen und übertrifft an religiöser Weihe und Innigkeit, wie auch an Gediegenheit und Kraft eine unübersehbare Reihe von Erzeugnissen ähnlicher Art. Hübner's Geographisch-statistische Tabellen Ausgabe 1897. Herausgegeben von Hofrath Pros. Fr. v. Jurasch ek. Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. Die Hübner'sche Tabelle hat in allen Kreisen bereits eine Verbreitung gefunden, wie selten ein ähnliches populäres Unternehmen, und es wird immer mehr erkannt, daß sie jedermann auf das bequemste und billigste in die 456 wirthschaftlichcn und geographischen Verhältnisse aller Länder der Erde einführt. Für die Bearbeitung dieser neuen Auflage sind wiederum die besten, tbeilweife offiziellen Quellen benutzt worden. Dieses Schriftchen erspart lästiges Aufschlagen in größeren geographischen Werken und man gewinnt durch dessen Anschaffung Zeit, tonnt Geld. Alle Notizen darin sind in jeder Beziehung zuverlässig. Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß der Umfang des Heftes — ohne Erhöhung des Ladenpreises — gegen die Vorjahre um 3 Seiten vermehrt worden ist, wodurch zur Aufnahme einer Tabelle über die Ergebnisse der Volkszählung im Russischen Reiche vom 28. Januar 1897, sowie einer sehr interessanten Uebersicht: „Statistische Daten einiger Großstädte", der Raum geschaffen wurde. Preis der elegant gebundenen Buch- Ausgabe M. 1.20, der Wandtafel-Ausgabe 60 Pfg. Raich I. M., Die innere Unwahrheit der Frei' maurcrei. Zweite Ausgabe. Mainz 1897, Frz. Kirchheim. (IV n. 179 Seiten.) M. 1,50. Wir kennen kein Buch, welches so kurz und zuverlässig über Ursprung, Grundgesetze, Zweck und Tendenz und vornehmlich über das Wesen der zahlreichen Systeme der Hochgrade orientirt, wie die angezeigte, früher unter dem Pseudonym Dr. Otto Beuren erschienene Schrift. Aus jeder Seite läßt sich erkennen, daß der Verfasser sem Gebiet vollkommen beherrscht und nur authentische Quellen zu Rathe zieht. All die Schriftsteller, welche bei Mangel zuverlässigen Materials ins Blaue hineinschreiben, bleiben ohne Ausnahme in die Ecke gestellt. Selbst Findet, der geschätzte Historiograph der Maurerei, hat diesen Vorzug anerkannt und die Lectüre dieses Buches seinen Brüdern empfohlen mit dem Bemerken, daß mancher Bruder daraus Aufschluß über manrerische Dinge schöpfen könne, deren Erkenntniß ihm bisher verschlossen war. Das im Titel angedeutete Thema beweist der Verfasser nach allen Seiten hin und bietet zugleich eine gedrängte Geschichte des Logcn- wesens. Selbstverständlich behält er bei seiner Arbeit vornehmlich die'Freimaurerei im Auge, wie sie in unteren Tagen und namentlich in Deutschland „leibt und lebt". > Eine Ausnahme macht das durch conscgncntc Entschiedenheit hervorragende Masonenthum in Belgien, welchem ein besonderes Kapitel gewidmet ist. Unter anderem werden wir auch mit einer Reihe von Betrügern bekannt gemacht, die aufs Haar einem Leo Taxil gleichen, mit dem Unterschiede jedoch, daß dieser die „Profanen", jene aber die „Eingeweihten" am Narrenscil führten. Gegen solche Gefahren kann unsere Schrift als sicheres Schutzmittel gelten. Stimmen an? Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang )897. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände ä M. 5.40). Freiburg i. Br., Herder'sche Verle.gSbandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 9. Heftes: Warum gibt es nicht mehr Konvertiten? (L. v. Hammersteiu 8. 9.) — Vier Meiswrwcrke kirchl. Baukunst in Florenz. I. (M. Meschler 8. .>.! — Brun von Querfnrt, Bischof der Heiden. II. (Schluß.) (O. Psülf 8. 9.) — Die zu Madaba entdeckte Mosaik-Karte des Heiligen Landes. (L. Font 8. .1.) — Die Familie der Panischen. I. (E. Wasmann 8. I.) — Glaube oder Liebe? (W. Kreiteu 8.0.) — Recensionen. — Einvfchlenswcrthe Schriften. — MiScellen. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiund- zivanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M.9.—. Freiburg i. Vr. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt Nr. 10: Llauäslksru, Vstsris tsstamsuti Oou- ooräautigs Ilsbraioas gtgus Obaläaioas. (Hoberg.) — "Weiss, ckuclas Llabbabueus. (Peters.) — Drauät - Daubmuuu, I/. Oasli Dirmiairi Daetauti opsra omuia. (Weyman.) — ^.ualsota Drauoisoaua etc. (v. Funk.) — LisrliuA, Da Lässig et lo 8aiut-8iöAs. (Paulus.) — de Waal, Der Campo Santa der Deutschen zu Rom. (Künstle). — Güttler, Eduard Lord Herbert von Cherbury. (Offner.) — Larmsutisr, Listoiro äs I'Läuoatiou sn ^.uslstsrrs. (Zimmermann 8. I.) — Blaß, Grammatik des Neutesta- mentlichen Griechisch. (Rückert.) — liotbs, Iraitö äs äroit nntursl. (Bastien.) — Rühl, Chronologie des Mittelalters und der Neuzeit. (Spähn.) — Vetter, Der heilige Georg des Reinbot von Durne. (Albert.) — Riezler, Geschichte der Hexeiwrocesfe in Bayern. (Diefenbach.) — v. Lettow- Vorbeck, Der Krieg von 1806 bis 1807. (v. d. Mengen.) — Dsbautoourt, OgmpgAus äs l'Dst sn 1870—1871. (v. d. Mengen.) — Detzel, Christliche Ikonographie. (Künstle.) — Uhde, Baudenkmale in Spanien und Portugal. (Kühn.) — Zardetti, Westlich! Müller-Simonis, Vom Kaukasus zum persischen Meerbusen. (Ruhle.) — Kutter, Clemens Alc^andrinus und das Neue Testament. (Dansch.) — Emmerich, Der heilige Kilian. (Albert.) — v. Bischossshausen, Das höhere kath. Untcrrichtswesen in Indien. (Metzger.) — Streifzüge durch das Reich der Freimaurerei. (Franz.) — Nachrichten. — Vüchertisch. Philosophisches Jahrbuch der Görresgesell- fchaft. Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei in Fulda. X. Jahrgang. Das IV. Heft enthält u. And.: F. lk. Pfeifer, Ueber den Begriff der Auslösung und dessen Anwendbarkeit auf Vorgänge der Erkenntniß. — V. Frins 8. I-, Zum Begriffe des Wunders. (Schluß.) — B. Ädlhoch 0. 8. L., Der Gottesbeweis des hl. Anselm. (Schluß.) — G. Grupp, Die Grundlage des Glaubens. — Ed. v. Hartmann, Kategorienlehre, von Al. v. Schmid. — I. Jörgenfen, Lebenslüge und Lebenswahrheit, von C. Gutberlet. — Snrbled, Ds tsmxöramsut, von demselben. — R. v. Wich ert, Natur und Gent, von demselben. — E. Wasmann 8. l., Instinkt und Intelligenz im Thierreich, von L. Schütz. — Al. Otten, Apologie des göttlichen Selbstbewußtseins, von C. Gutberlet. — Zur Kriteriumsfrage, von C. Th. Jsen krähe. — Zeit- schriftenfchau. — Miscellen und Nachritten: Nochmals der Ditbsoautbropus ersotus Dubais. — Gehirn und geistige Fähigkeit. — Die Reden und Gespräche Buddha's. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben von Dr. Ernst Commer, Professor an der Universität Breslau. XII. Bd. 2. Heft. Paderborn 1897, Schöningh. Inhalt: I. Der Urstoff oder die erste Materie. (Fortsetzung folgt.) Von L. Gundisalv Feldner, 0. Lraeä. — II. Aus Theologie und Philosophie. (Fortsetzung folgt.) Von Kanonikus Dr. M. Gloßner. — III. Der hl. Bona- ventnra und die thomistisch-molinistische Coutroverse. Von Docent Dr. B. Dörholt. — IV. Literarische Besprechungen. Divus Ibomas Oommsntarium iussrvisus Jeaäsmüs st D^easis 8obolastioam seotautibus. Vun. XVIII — Vol. VI. 8ummarium Dasoiol. 13—20 iuol. D.: Verba proosmialia iu arm. 18. Lamslliui: Dommsut. iu tzuasst. 27 sgg. 3»° Dort. 8umw. Ibsol. „Ds lll^stsrüs X9" iu lsotiouss äistributa. Ds Wulf: Disssrtatio bistorioooritiea äs spsoisbus iutsutioualibus. D r. 8^uäisus 0. Dr. läsalismus bistorios illustratus st a 8. Iboma ooukutatus. I.. 1b.: Domra, iu Duopol. „Ds stuäiis 8aoras 8erixturas." 8 obo1.1 beoI. llloraI.: Ds Asuniuo 8^stsmats 8 . Vlpbousi DiZu. Oasus Lloralss. VsspiAuaui (Dpisoop.): Iu Dibsrabsmuru uuivsrsum Dootors Auxslioo äuos st Loutiüos 8ummo Deous XIII. trutiua. Viuati: Ds priueipio oausalitatis auimaä- vsrsiouss oritisas. Dr. LI.: Dostriua 8. Ibomas äs ua- tura Ibsoloxias 8psoulativas. O.: Verbum orals seu vivsus maZistsrium priuesps st ssssutials orZauou rs- vslativuis vbristiauas. lause u: Ds oritsrio vsritatis. Viuati: Ds rsosuti iuvsutious tsxtus primiZsuii Do- clssiastioi. — Lslatiouss ciosäsmiarum iu bouorsm 8 . Ibowae ^gnioatis. — LiblioAiapbia. — Duzus Lsrioäioi altsruis msusibus kasoiouli äuo säuutur eoutiusutss 16 x>a§iuas guatsruarias mgAui kolii. 36 kasoiouli Volumsu voustituuut. LiuAula Volumina inäissm aualMoum kaba- - Verantw.Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druckn. Verlag desLit.Instituts von Haas LGrabherrin Augsburg.