kir. 66 20. Nvv. 1897. Zeilkgk W Kligsklgn ^chkitMg. Suggestion und Hypnotismus ini Recht. Von Rechtsanwalt Dr. Then-Traunstein. Suggestion und Hypnotismus sind in der neueren und neuesten Zeit zu einer Zeit- und Streitfrage geworden. mit welcher man sich in allen Zweigen der Wissenschaft mit gleich hervorragendem Interesse beschäftigt. Theologen wie Psychologen, Professoren der Medizin und praktische Aerzte, bedeutende Theoretiker in der Jurisprudenz, wie Richter und Rechtsanwälte in der Gerichtspraxis, alle bekunden eine gleiche Autheilnahme an der Lösung dieser Tagesfrage, und für alle ist die Lösung in ihrer Weise von der weittragendsten Bedeutung. Der Theologe und Moralist wird vor die doppelte Frage gestellt: sind Suggestion und Hyvno- tismus geeignet, die freie Verantwortlichkeit des Menschen für sein Thun ganz oder theilweise auszuschließen, und ist die Anwendung des Hypiiotismus vor dein Forum der Religion und Moral erlaubt oder nicht? Die moderne Schule der Psychologen, welche auf dem Standpunkte der monistischen Weltauffassung stehen, sinken in den Ergebnissen der Anwendung des Hypiiotismus einen Beweis für ihre Theorie, das; die Seele nichts anderes ist, als ein Spiel der Natnrkräfte. Der Arzt steht vor einem Mittel, welches von hochbedentenden und in der medizinischen Disciplin vielgenannten Autoritäten als novum gepriesen und als Radicalhilfsmittel für eine Unzahl von Krankheiten und krankhaften Erscheinungsformen in bisher für unknrierbar gehaltenen Fällen angesehen wird. Und auch der Jurist muß das lebhafteste Interesse haben an einer Frage, von deren Beantwortung die Grundlagen allen Rechts, der Rechtswissenschaft und der richterlichen Entscheidungen abhängen. Das Fnnda- ment aller Rechtshandlungen ist die Voraussetzung eines freien, verantwortlichen menschlichen Thuns. Auf der menschlichen Verantwortlichkeit war zu allen Zeiten und ist heute noch das ganze Nechtssystem aufgebaut. Das Recht und sein Inhalt, allseitig eindringend in alle Nuancen und Constellationen menschlicher Lebensverhältnisse, wird mehr und mehr zum Gemeingut Aller. Die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen, das Recht der freien Meinungsäußerung, eine freie Presse, die zunehmende allgemeine Bildung tragen dazu bei. Es bedarf dann nur eines besonderen Anlasses, um alle jene Kreise, welche „mitlcben" in der jeweiligen Entwicklung der Menschheit, auch für Fragen zu interessiren, die mehr oder weniger einer Fachwissenschaft angehören. Zu diesen Fragen zähle ich die angeregte, und aus den genannten Umständen schöpfe ich die Berechtigung, nachstehend eine Skizze darüber zu geben, wie sich die Wissenschaft und die juristische Praxis gegenüber dem Hhpnotisinns und der Suggestion verhält, und welches die Bedeutung dieser Erscheinungen für das praktische Nechtsleben ist. Wenn ich einleitungsweise auf die Lehre von Suggestion und Hypnotismus eingehe, so erscheint mir dies als eine unvermeidliche Voraussetzung für meine Darlegungen. Die Literatur der letzten Jahre über Hypnotismus und Suggestion ist eine immense. Man kann nicht sagen, daß dadurch die Begriffe geklärt und die Uebersicht erleichtert worden wäre. Noch fehlt ja jeder feste Boden, und wer weiß, ob je es menschlichem Scharfsinne gelingen wird, das geheimnißvolle Dunkel zu lichten und eine sichere Bahn zu eröffnen? Eine Uebersicht über den derzeitigen Stand der Theorie und der Lehre von Suggestion und Hypnotismus kann zum vollen Verständnisse der für das Recht hieraus zu ziehenden Konsequenzen nicht umgangen werden. I. Vorbemerkungen über Suggestion und Hypnotismus.') Hypnotismus ist diejenige Wissenschaft, welche sich mit der Gesammtheit der Erscheinungen befaßt, die mit der bewußten und unbewußten Suggestion zusammenhängen. (Forel.) Der Hypnotismus ist keine neue Erscheinung; neu ist lediglich der Name. Bereits die alten indischen Fakire beschäftigten sich damit. Im 19. Jahrhundert lenkte sich die Aufmerksamkeit hierauf durch die Lehren des Magnetismus. Insbesondere Männer wie Mesmer, Braid, Hansen haben sich auf diesem Gebiete einen Namen gemacht. Wissenschaftliche Behandlung erfuhr die Lehre vom Hypnotismus erst durch Charcot und seine Schule in Paris und durch die Schule von Nancy, mit ihren Häuptern Liögeois und Beruhen». An diese beiden Schulen schließen sich im Wesentlichen alle dermaligen Autoritäten an. Nach der Schule Charcot's unterscheidet man drei Zustände der Hypnose, von denen jeder sich selbstständig entwickeln, aber auch einer aus dem andern hervorgehen kann. 1) Katalepsie. Ihre Wirkung äußert sich in lln- beweglichkeit und Nnempsindlichkcit. Der Kataleptische führt nur die Bewegung aus, deren Vorstellung in ihm künstlich erweckt worden, ohne den geringsten eigenen Willcusantrieb. Dieser Zustand kann nicht lange bestehen, ohne zn einem hysterischen Anfall oder zu Krampfcrscheinnngcn zu führen. Derselbe geht leicht über in den zweiten (lethargischen) Zustand. 2) Lethargie: eine Ueberreizbarkeit der Nerven und Muskeln. Sie haben die Fähigkeit, sich unter dem Einfluß einer unmittelbaren mechanischen Reizung zusammenzuziehen und die auf diese Weise eingenommene Stellung beizubehalten. Das Bewußtsein ist gänzlich aufgehoben; der Patient ist völlig unempfindlich. 3) Somnambuler Zustand. Aeußerlich wenig von dem lethargischen Zustand unterschieden. Der Muskel- sinn, Sehvermögen, Gehör, Geruch und Geschmack sind sehr stark entwickelt. Das Gedächtniß ist zu außerordentlichen Leistungen befähigt. Die merkwürdigste und wichtigste geistige Eigenthümlichkeit ist die Fähigkeit und Geneigtheit, fremden Suggestionen Folge zu leisten. Gegen diese Eiutheilung wendet sich die Schule von Nancy, welche 5—6 Stufen annimmt. Bernheim stellt neun Stufen auf, welche mehr oder minder in einander übergehen oder übergehen können. Der Somnambulismus nimmt erst die fünfte oder sechste Stelle ein. Forel geht von der Suggestibilität aus und nimmt drei Stufen derselben an: 1) Somnolenz. Der nur leicht ') Ich beschränke mich auf die Anführung der Literatur aus den letzten-Jahren: Forel, Der Hypnotismus, 3. Anst. 1895; Hirsch William, Die menschliche Verantwortlichkeit und die moderne Snggestionslehre, 1896 : derselbe, Was ist Suggestion und Hypnotismus: Lilienthal, Hypnotismus im Strafrecht, Zeitschrift f. d. ges. Straf- rechtswisscnschaft, 1886 (auch separ.): Schutze, Der Hypnotismus, Philos. Jahrbuch 1896 S. 32 ff.: Zeitschrift f. Hypnotismus, Leipzig, Verlag von Barth, 5 Bde. Ueber die Geschichte siehe die Cit., insbesondere Schütze, Lilienthal. auch Strohmeyer. Die hypn. Therapie vor dem Forum der Moral, in der Passauer Theologischpraktischen Monatsschrift 1837. 1. Heft S. 1 ff. 458 Beeinflußte kann mit Anwendung seiner Energie der Suggestion widerstehen und die Augen öffnen. 2) Leichter Schlaf oder HyPothaxie. Der Beeinflußte kann die Augen nicht aufmachen, muß überhaupt einem Theil der Suggestion bis asten Suggestionen gehorchen, mit Ausnahme der Amnesie. 3) Tiefer Schlaf oder Somnambulismus. Charakterisirt durch Amnesie nach dem Erwachen und posthypnotische Erscheinungen. Durch Dressur können in nicht seltenen Fällen die einzelnen Grade in einander übergeführt werden. Diese Ein- theilnng nimmt auch Schrenck-Notzing („über Suggestion und suggestive Zustände", Scp.-Abdr. aus der Allg. Ztg-, München 1893) an. Nach Bern heim ist die Hypnose ein besonderer psychischer Zustand, den man hervorrufen kann und in welchem die Suggcstibilität erhöht ist, allgemein ausgedrückt: ein Zustand, bei welchem die Willcnsthätigkeit eine Hemmung erführt und oft eine deutliche Störung des Bewußtseins besteht. Suggcstibilität ist die individuelle Empfänglichkeit. Suggestion bedeutet nichts anderes als eine Einwirkung auf das Vorstellungsleben, welche sich ohne Vermittlung des Bewußtseinswillens vollzieht oder vollziehen kann. Autosuggestion ist die Suggestion, welche der Mensch bewußt oder unbewußt bei sich selbst erzeugt. Die Beeinflussung durch Suggestion unterscheidet sich wesentlich von jener durch Vernunfrgründe; bei ihr spielen Gefühle und Phautasiebilder die Hauptrolle. Grashey') n. a. dcfinirt „suggeriren" lediglich als einreden. Allein gewöhnlich faßt man darunter nur jenes Einreden, welches ohne Rücksicht auf logischen Zusammenhang ohne eigene Ilrthcilskraft und ohne Willensvermögen wirkt. (Hirsch, meuschl. Verantwortlichst S. 49.) Die verschiedenen Schulmeinungcn gehen also sehr weit auseinander und erschweren es daher dem Juristen, für seine Argumentationen und Schlußfolgerungen einen festen Ausgangspunkt zu gewinnen. Die wichtigsten Fragen für das Recht sind die: Inwieweit ist der Mensch suggestionsfähig? inwieweit wird durch die Suggestion seine bewußte Thätigkeit ausgeschlossen? welches sind die Mittel, welches die Wirkungen der Hypnose? Zu Anfang nahm man an, daß hysterische und überhaupt geistig nicht normal veranlagte Personen der Suggestion am meisten zugänglich seien; allein die überwiegende Anschauung ging und geht dahin, daß gerade bei solchen Personen die meisten Autosuggestionen vorkämen und deßhalb dieselben sich Fremdsuggestionen gegenüber weniger empfänglich zeigen. Jeder körperlich und geistig normale Mensch ist mehr oder weniger suggestions- fähig und hypnotisirbar. Nur gewisse momentane Zustände der Psyche sind es, welche die Hypnose verhindern können. (Forel, Bernheim.) Besonders leicht kann man den schlafenden Menschen durch Suggestion beeinflussen und, ohne ihn zn wecken, hypnotisircn, wie denn überhaupt eine unverkennbare Verwandtschaft zwischen Schlaf und Hypnotismns besteht. Ueber die Wirkungen der Hypnose sagt Forel: „Man kann sagen, daß man durch Suggestion in der Hypnose sämmtliche bekannte subjektive Erscheinungen der menschlichen Seele und einen großen Theil der objektiv bekannten Funktionen des Nervensystems produziren, beeinflussen, verhindern kann." Es können gewisse körper- ') Grashey. Gutachten im ..Prozeß Cznnski". Stutt- ,art. F. Enke, 1896, S. 46. liche Zustände hervorgerufen und wieder zum Verschwinden gebracht werden. Eine einfache Versicherung daß die betreffende Person nicht mehr gehen, hören, sehen kann, genügt, um diese Erscheinung hervorzurufen. Ebenso können Sinnestäuschungen jeder Art hervorgerufen werden. Die Einwirkungen des Hypnotiseurs auf Willensentschlüffe des Hypnotisirten sind oft unbeschränkte. Jeder beliebige Gedanke, alle möglichen Einfälle können eingegeben werden. Bei alledem ist aber nicht zu vergessen, daß diese Wirkungen je nach der Individualität mehr oder minder stark durch Autosuggestionen beeinträchtigt werden können. Selbst falsche Vorstellungs- bilder und Sinnestäuschungen werden durch Autosuggestion hervorgerufen. Von besonderer Bedeutung sind die posthypnotischen Erscheinungen. Die Suggestion kaun auch dahin gehen, daß etwas nach dem Erwachen zu geschehen habe. Umgekehrt kann aber auch Amnesie suggerirt werden, d. h. vollständige Erinncrungslosigkeit. Eine weitere Art ist die Suggestion L öestöarxw, die Eingebung auf bestimmten Termin, ferner die Wachsu ggestiou, welche nach Forel bei sehr suggestiblen Menschen im vollen Wachen erfolgreich angewendet werden kann, endlich die suggerirte Erinnerungsfälschnng an nie Erlebtes. Die in vorstehender Uebersicht angeführten Resultate sind keineswegs unbestritten, wie bereits zn Anfang bemerkt. Gleichwohl muß zugegeben werden, daß die Kenntniß vom Hypnotismns und die Ueberzeugung von seinen weitgehenden Wirkungen immer weitere Kreise erfaßt. Benedict erklärte noch auf dem internationalen Congreß für Kriminalanthropologie im Jahre 1892 zn Brüssel die meisten Fälle als Täuschungen unbewußter, manchmal auch bewußter Art. Der eifrigste Gegner des Hypuotismus zur Zeit ist Professor Fuchs in Bonn, welcher die Hypnose geradezu als eine Komödie bezeichnet.^) Allerdings muß dieser Gelehrte zugestehen, daß er selbst niemals praktische Versuche vorgenommen hat. Dadurch gewinnen seine Darlegungen, welche meines Erachtens der wissenschaftlichen Gründlichkeit überhaupt entbehren, keineswegs an Glaubwürdigkeit. Zu den jüngsten Aeußerungen über den Hypuotismus gehört die Diskussion über dieses Thema auf dem 12. internationalen medizinischen Con- grcß zu Moskau im August heurigen Jahres. Interessant war vor allem der Vortrag Beruh eim's, welcher ausführte, daß ein „Hypuotismus" eigentlich nicht existire, sondern daß der hypnotische Zustand nur das Jnsleben- treten der dem menschlichen Gehirn eigenen Empfänglichkeit zur Jdeenanfuahme (Suggestion), also eine Aeußerung der Suggcstibilität sei. Es ist nicht Sache des Juristen, auf die theoretische Bcgründetheit der einen oder anderen Schule einzugehen; es muß ihm geistigen, die Grundlagen der Meinungsverschiedenheiten zu erkennen und festzustellen, daß — mag man im klebrigen der oder jener wissenschaftlichen Richtung folgen — durch Suggestion und Hypnotismns jedenfalls Zustände eintreten können, welche in einer ganz mächtigen Weise auf den Willen und die Zurechenbar- keit irgend einer rechtlich bedeutsamen Thatsache von Einfluß sein können. Damit ist sein hohes Interesse an dieser Frage von selbst gegeben. (Fortsetzung folgt.) i) Fuchs, Bedeutung der Hypnose in forensischer Hinsicht, Bonn 1895, S. 7. 459 Ein arabischer Aristoteles und was uns derselbe aus dem Wunder-lande Indien erzählt. Von Dr. Widder. (Fortsetzung.) Nach der indischen Lehre gibt es drei Welten, eine höhere, das ist das Paradies, eine mittlere, das ist die Erde, und eine untere Welt, die Welt der Schlangen, das ist die Hölle. Wer noch nicht reif ist für den Himmel, aber doch zu gut für die Hölle, muß in Pflanzen- und Thiergcstalten den Reinignngsprozcß der Seelcnwandcrnng durchmachen. Die Jndier nehmen nach Alberuni's Bericht 88,000 Hüllen an. Für jede Art von Sünden gibt es eine besondere Hölle. In die unterste Hölle — Sandamsaka genannt — kommen die Gesetzes-Verletzer und die Verächter der Gewohnheiten und Vorschriften. Eine eigene Hölle gibt es dann für die Fürsten, die sich um ihre Unterthanen nicht kümmern, für Diejenigen, welche die Edelsteine nicht ehren, sondern bloß als gewöhnliche Steine betrachten, für Diejenigen, welche gegen ihre Lehrer nnehrerbietig sind u. s. w. Der höchste Grad der Vollkommenheit besteht nach indischer Anschauung in dem vollständigen Aufgeben seines eigenen „Ich", so daß man um seiner selbst willen weder leben noch sterben will. Die größten und gefährlichsten Feinde des Menschen, sagen die Jndier, sind die Begierlichkeit und der Zorn, denn sie verleiten ihn znr Genußsucht und zur Rachsucht, stürzen ihn dadurch in Leiden und Verbrechen, machen ihn den wilden Thieren und dem Vieh ähnlich, ja sie machen die Menschen sogar zu Teufeln und bösen Geistern. Namentlich neun Gebote muß der Mensch beobachten, um tugendhaft zu sein. Er darf nicht todten, nicht stehlen, nicht lügen, nicht huren, keine Schätze aufhäufen, muß stets rein und heilig leben, die vorgeschriebenen Fasten ohne Unterbrechung halten, sich gering kleiden und endlich Gott ständig loben und ihm Dankgebete darbringen und stets das Wort „öm" d. i. das Wort der Schöpfung im Geiste behalten, ohne es aus- znsprechen. — Als strenger Moslem ist Albernni ein Feind aller bildlichen Darstellung religiöser Gegenstände und deßhalb auch ein Gegner der christlichen und jüdischen Religion und insbesondere des Manichäismus. Nach seiner Ansicht ist der Götzendienst auch nur dadurch entstanden, daß man zuerst Denkmäler zu Ehren besonders hochgeachteter Personen, z. B. von Propheten, Weisen u. s. f., errichtete, um ihr Andenken auch noch nach ihrem Tode zu erhalten. Nachdem aber viele Geschlechter dahingeschwunden und Jahrhunderte vergangen waren, vergaß man den Grund der Errichtung dieser Denkmäler, ihre Verehrung wurde znr Gewohnheit und allgemeinen Regel, und die Gesetzgeber des Alterthums benutzten, wie Albernni meint, diese in der menschlichen Natur tiefwnrzelnde Neigung, wohl wissend, daß das Volk, abstrakten Ideen abhold, nur an bildlichen Darstellungen Gefallen finde, zu ihrem Vortheile, um Einfluß auf das Volk zu gewinnen, und machten ihm deßhalb die Verehrung der Bilder und Denkmäler zur Wicht. Die Gebildeten, fährt unser Gelehrter fort, fröhncn freilich keinem solchen Götzendienste, sondern verehren Gott allein und lassen es sich auch nicht im Traume einfallen, jemals ein Bildwerk, das Gott darstellt, anzubeten. Bei dieser Gelegenheit erzählt Albernni folgende Geschichte: „Ein König, Namens Amberisha, besaß ein Reich, gerade so groß, als er es sich wünschte. Plötzlich aber fand er keinen Gefallen mehr daran, zog sich von der Welt zurück und beschäftigte sich lange Zeit ans- schließlich mit dem Lobe und der Verehrung Gottes. Endlich erschien ihm Gott in der Gestalt des Engel- fürsten Jndra, reitend auf einem Elephanten, und sprach zum Könige: „Verlange, was Du nur immer willst, und ich werde es Dir geben." Der König erwiderte: „Ich freue mich, Dich zu sehen, und bin Dir dankbar für das große Glück, das Du mir zu Theil werden lässest, und die Hoffnung, die Du mir eröffnest; allein von Dir verlange ich nichts, sondern nur von dem, der Dich erschaffen hat." Da sagte Jndra: „Du beabsichtigest durch Deine Gottcsverehrung einen hohen Lohn zu erhalten. Du sollst Deine Absicht erreichen, empfange deßhalb hicmit den Lohn aus den Händen desjenigen, der Dir bisher das Verlangen gegeben hat; sei nicht so heikel und wählerisch und wolle die Erfüllung Deines Wunsches nicht von einem Andern, sondern von mir empfangen." Der König aber entgegnete: „Die Erde fiel mir als mein Loos zu, allein ich kümmere mich nichts um Alles, was auf der Erde ist, bei meiner Gottesverehrung beabsichtige ich einzig und allein, den Herrn zu sehen, und diesen Wunsch kannst Du mir nicht erfüllen, wie könnte ich daher seine Erfüllung von Dir verlangen." Diese hartnäckige Weigerung des Königs machte jedoch Jndra doch etwas die Galle steigen, und er sagte deßhalb: „Die ganze Welt, und was darauf ist, gehorcht mir. Wer bist Du, daß Du es wagst, mir zu widerstehen?" Der König aber, dem die Audienz ohnehin schon zu lange gedauert hatte, beharrte auf seinem Widerstände, wurde unhöflich und wies dem Himmelsfürsten die Thüre mit den Worten: „Ich höre wohl und gehorche, allein ich verehre den, von dem Du Deine Macht empfangen hast, dieser ist der Herr des Weltalls, laß mich daher thun, was ich will, geh! und lebe wohl!" Jetzt riß aber auch Jndra die Geduld, und er sagte: „Wenn Du Dich mir durchaus widersetzen willst, so werde ich Dich tödtcn und vernichten." Aber der König ließ sich auch dadurch nicht schrecken, sondern erwiderte: „Man sagt, daß das Glück Neider schafft, nicht aber das Unglück. Wer sich von der Welt zurückzieht, wird von den Engeln beneidet, und deßhalb suchen sie ihn irre zu führen. Ich bin einer von denen, die sich von der Welt zurückgezogen und ganz der Verehrung Gottes gewidmet haben; ich werde dies auch nicht lassen, so lange ich lebe. Ich bin mir keines Vergehens bewußt, um desscntwillen ich verdient hätte, von Dir getödtet zu werden. Tödtcst Du mich, ohne daß ich Dich irgendwie beleidiget habe, so ist das Deine Sache. Was willst Du von mir? Wenn meine Gedanken ganz Gott geweiht sind, ohne daß ich an irgend etwas Anderes denke, so kannst Du mir kein Leid zufügen. Mir genügt die Andacht, mit der ich beschäftiget bin, und ich kehre nun zu ihr zurück." — Als sich der König nunmehr zum Gebete begab, erschien ihm Gott selbst in der Gestalt eines Mannes von der Farbe des grauen Lotus, vierhändig und reitend auf dem Vogel Garuda, in der einen Hand hielt er eine Seemuschcl, auf welcher mau zu blasen pflegt, wenn man auf einem Elephanten reitet, in der anderen hatte er das „oallra.", d. i. eine kreisrunde, scharfe Waffe, die Alles gerade durchschneidet, in der dritten Hand hielt er ein Amnlet und in der vierten den rothen Lotus. Als Ambarisha des Gottes ansichtig wurde, erbebte er vor Ehrfurcht, warf sich zu Boden und stieß einige Gebete hervor. Der Gott beruhigte ihn jedoch und versprach ihm alle seine Wünsche zu erfüllen. Der König entgegnete jedoch: „Ich 460 besitze ein Reich, das unr Niemand streitig macht, ich war in meinem Leben niemals von Sorgen nnd Krankheiten heimgesucht, die ganze Welt schien mein Eigen zn zn sein, allein ich wandte mich davon ab, als ich einsah, das; das, was der Welt als ein Gut erscheint, zuletzt in der That schlecht ist. Ich wünsche gar nichts, als was ich zur Zeit besitze, mein einziger Wunsch ist, von diesen Banden befreit zn sein." Da sagte der Gott: „Dies wirst Du erreichen, wenn Du Dich von der Welt ferne hältst, allein bleibst in beständiger Betrachtung und Deine Sinne iu Dir zusammenhältst." — „Gesetzt auch, erwiderte der König, das; ich dies zu thun im Stande bin, infolge der Heiligkeit, welche sich Gott mir zu verleihen würdigte, wie sollte dies aber irgend jemand Anderer zu thun vermögen, denn der Mensch bedarf der Nahrung und Kleidung, wodurch er mit der Welt zusammenhängt, wie kaun er auf etwas Anderes bedacht sein?" — „Verwalte Dein Reich so gut Du kannst, mit Geradheit und Klugheit, antwortete hierauf der Gott, richte Deine Gedanken auf mich bei Allem, was Du thust, sei es, daß Du mit der Civilisirnng der Welt oder mit dem Schutze ihrer Bewohner, mit Almosen- spenden oder mit irgend etwas Anderem beschäftiget bist, und wenn Dich menschliche Vergeßlichkeit befällt, so mache Dir ein Bild, wie das ist, in welchem Du mich siehst, opfere ihm Weihrauch und Blumen und mache es zu einem Denkmal für mich, damit Du mich nicht vergessen kannst. Bist Du in Sorgen» so denke au mich, sprichst Du, so sprich in meinem Namen, thust Du etwas, so thue es für mich." — Der König, mit dieser langen Belehrung noch nicht zufrieden, sagte: „Jetzt weiß ich wohl, was ich im Allgemeinen zu thun habe, allein würdige Dich, mich auch im Einzelnen zn unterrichten." Der Gott erwiderte jedoch: „Dies habe ich bereits gethan. Ich habe Deinen Richter Aasistha über all das genau belehrt, was Dn zu wissen begehrst. Verlass' Dich daher auf ihn in allen Dingen." Dann verschwand die Gestalt vor Ambarisha's Augen. Der König kehrte in seine Residenz zurück und that, wie ihm befohlen war. Seit dieser Zeit, sagen die Hindus, macht sich das Volk Götzenbilder, bald mit 4, bald mit 2 Händen. Die Götzen- bilder mußten übrigens, wie uns Alberuni berichtet, nach einem bestimmten Maße gesertiget werden. Die genaue Einhaltung dieses Matzes brachte dem Verfertiget des ^Götzen Heil und Segen, hatte er aber das richtige Maß verfehlt, so trafen ihn nach dem Volksglauben verschiedene Uebel, ja selbst der Tod. Je kostbarer das Material war, aus welchem das Götzenbild gesertiget wurde, um so größer war auch der Segen, den dasselbe demjenigen brachte, der es hatte herstellen lassen. Die alten Jndier trieben auch schon Alchemy, sie nannten ihre Kunst: rasL^anL — von rasL — Gold — und Alberuni sagt, daß die Goldgier der indischen Fürsten so groß gewesen sei, daß, wenn einer von ihnen wirklich ein System um Gold zu machen erfunden und man ihm gesagt hätte, er müsse zu diesem Zwrcke eine Anzahl schöner kleiner Kinder umbringen, dieses Ungeheuer vor solch einem Verbrechen nicht zurückgeschreckt wäre, sondern die Kinder ruhig verbrannt hätte. Dem Geheimmittel rgLZFLvL schrieben die Jndier auch die Kraft zu, unsterblich, siegreich und unüberwindlich zu machen, wie urS der arabische Gelehrte durch nachstehende rührende Sage zu beweisen versucht. „In der Stadt DHLva, der Hauptstadt von Mlllava, berichtet er nämlich, sieht man am Thore des königlichen ' Palastes ein längliches Stück gediegenen Silbers liegen, in welchem die Umrisse der Glicdmaßcn eines Mannes sichtbar sind. Damit soll es aber folgende Bcwaudtniß haben: Vor alten Zeiten kam einmal ein Mann zu einem Könige, brachte ihm das Zanbcrmittel rLsaxana, das ihn, wie der Mann sagte, unsterblich, siegreich, unüberwindlich und fähig machen würde, Alles zu thun, was er nur wünschen könne. Der Mann bat den König, allein au einen verabredeten Platz zu kommen, was der König auch versprach, und er gab zugleich Befehl, Alles bereit zu halten, was der Mann verlangte. Dieser kochte nun mehrere Tage lang Oel in einem Kessel, bis es schließlich dick wurde, dann sprach er zum Könige: „Spring' jetzt hinein, und ich werde den Prozeß beendigen." Der König aber erschrak über das, was er sah, und hatte nicht den Muth, in den Kessel zu springen. Als der Mann die Furcht des Königs bemerkte, sagte er: „Wenn Du Dir selber nicht getrau'st, in den Kessel zu springen, so gestatte mir es zu thun." Der König entgegncte: „Thu', was Du willst." Nun brachte der Mann verschiedene Päckchen mit Spezercien herbei, und sagte zum Könige, er solle, sobald sich gewisse Erscheinungen zeigen würden, die er dem Könige näher bezeichnete, dieses oder jenes Päckchen auf ihn hineinwerfen. Dann sprang der Mann iu den Kessel mit Oel und sogleich war er aufgelöst, und in Brei verwandest. Jetzt that der König, wie ihm geheißen war, als er jedoch seinen Auftrag nahezu erfüllt hatte und nur mehr ein Päckchen übrig war, wandelte ihn plötzlich eine Angst an, denn, dachte er, was wird zuletzt aus meinem Reiche werden, wenn der Mann wirklich wieder lebendig wird und dann unsterblich, siegreich und unüberwindlich ist. Deßhalb hielt er es für gerathener, das letzte Päckchen nicht mehr in die Masse zu werfen. Die Folge davon war nun, daß der Kessel kalt wurde und der ausgelöste Mann in ein Stück Silber verwandelt war." — Daß die alten Hindus auch an Zauberei nnd Hexerei glaubten, ist selbstverständlich, ebenso glaubten sie, wie Alberuni erzählt, der nichts auf Zauberei hält, daß die Zauberer Schlangenbisse heilen können. (Fortsetzung folgt.) Theosophie und katholischer Glaube. Von Charles Saint-Paul. (Schluß.) Kurze Zeit nachher muß der „Koot-Hoomi"-Wahn aufgetaucht sein, wie auch Harrisoir annimmt, denn wir sehen ihn 1879 Briefe an Herrn Sinnest „prä- cipitiren" und denselben iu den Anfangsgründen des „esoterischen Buddhismus" unterrichten, welcher plötzlich in der Theosophischen Gesellschaft Annahme fand und „beinahe eine Spaltung zwischen den östlichen und westlichen Zweigen verursachte". Thatsächlich war aber die Theosophische Gesellschaft, wie aus Olcotts „Old Diary Leaves" hervorgeht, vornehmlich zur Verbreitung eben dieses „esoterischen Buddhismus" gegründet worden. Frau Blavatsky war nach dem „Kiddle-Zwischcnfall" im Anfange des Jahres 1883, wie Harrisou bemerkt, „vollkommen iu Freiheit", die Breschen wieder auszubessern, die „Koot-Hoomi" gemacht hatte. Die „Erinnerungen" enthalten (S. 114) einen Auszug aus dem „Patl" (der amerikanische», früher von W. Jndge redigirteu theosophischen Zeitschrift), iu welchem zwei gcheimnißvolle Zeugnisse in Bezug auf die Autorschaft der „Geheimlehre" mitgetheilt werden. 461 Harrison hat gewiß richtige Ahnungen, wenn er diesbezüglich schreibt: „Es ist nicht sehr schwer, zwischen den Zeilen des Berichtes von Dr. Hübbe-Schleiden zu lesen, daß ,Koot- Hoomi' beansprucht, einen Finger im Spiele zn haben. Doch ist die Thatsache, daß Dr. Schleiden ,viel von der wohlbekannten blauen Koot-Hoomi-Handschrift sah', während ,die Geheimlehre' im Gange war, noch keineswegs ein Beweis dafür, daß Frau Blavatsky noch unter seinem Einfluß stand. Jeder Spiritualist weiß, daß Identität der Handschrift nicht nothwendigerweise Identität des Leiters in sich schließt. Die ganze Sache ist sehr verwickelt, und es ist zweifelhaft, ob Frau Blavatsky selbst zu allen Zeiten zwischen dem unterscheiden konnte, was ihr eigen und was eingegeben war, und noch viel weniger wußte, in wie weit .John King' oder die Mahatmas' für letzteres verantwortlich waren." „Wenn wir jedoch in Betracht ziehen, daß eine der Bedingungen, unter welchen ihre Entlassung aus der Gefangenschaft' erwirkt wurde, die war, daß die indischen Brüder der Linken, welche sich ihrer zu bedienen wünschten, sich nicht mit dem befassen sollten, was bereits stattgefunden hatte, können wir verstehen, daß der Mddlc-Fiasco' nur die Wirkung haben konnte, sie zn ihrer ursprünglichen Kontrolle' zurückzutreiben. Sie mochte noch an die thibetanische Quelle ihrer Eingebungen glauben, und über diesen Punkt konnte sie nach den Bestimmungen des Vergleiches nicht aufgeklärt werden, wenngleich es für ihre indischen Freunde Galle und Wermnth gewesen sein muß. Es war demnach für sie nur nothwendig, .John King' umzutaufen und dem ,Spirit° ihrer alten Kindsfrau Marya den Bestallungsrang zn verleihen, welcher später als Mahatma Mona' gekannt war, wie Smith zum ,Smythe' wird, wenn er sich in der Welt emporschwingt. Inwieweit Frau Blavatsky selbst für diesen Betrug verantwortlich war oder ob sie überhaupt in der That verantwortlich gewesen, ist schwer zu sagen, (?) und die Frage ist noch verwickelter, wenn wir die deutlichen Zeichen der Doppelten Persönlichkeit' in Rechnung ziehen, welche sie an den Tag legte. Es bedarf keines Gespenstes (oder Mahatma), um g. B. ihren plötzlichen Sinneswechsel in Würzburg hinsichtlich des Besuches der Gräfin Wachtmeister zn erklären. Frau Blavatsky würde ihr Zimmer deren Gesellschaft vorgezogen haben, aber .,11. k. L." (die Abkürzung ihres Namens für theosophische Schriftsteller«, der Name für ihre .mystische' Persönlichkeit) konnte ohne sie nicht fertig werden." Man sieht schon, die Verbreitung der Theosophie durch gewisse Frauen kann nicht nur zn argen „Mißverständnissen" und „Mystifikationen", sondern auch zu Tollheiten führen, welche mit der alten Weisheitsrcligion weniger vereinbar sein dürften. „Die indischen Brüder der Linken", welche derart unterlagen, müssen doch in gewisser Hinsicht weniger erleuchtet gewesen sein. Von Interesse ist es übrigens, im Vergleiche mit diesen Erörterungen der „Mahatma"fragc, ein Urtheil in Betracht zn ziehen, das der berühmte Orientalist Professor Max Müller, vielfach im Gegensatze zn seinen früheren skeptischen Äußerungen über mystische Phänomene, über indische „Mystiker" im allgemeinen gelegentlich einer Lebensbeschreibung des „echten Mahatma" Ramakrishna Paramahansa in der Augustnnmmcr der Müiatsantk Eanturz?" 1896 fällt. In derselben äußert er sich unter andern!: „Man hat oft die Frage aufgeworfen, was eine Mahatma und was ein SanuyLsin sei. Mahatma ist ein vielgebrauchtes Sanskritwort, das einen Menschen mit großer erhabener Seele, einen Hochsimiiaen. Vornehmen bedeutet. Es wird als eine Höflichkcitsformcl gebraucht . . . aber auch als tsrmtnns teotmiens bei einem Menschen, der nach altindischem Sprachgebrauche SanniMin genannt wurde. SaimyLsiu ist ein Mensch, der allem entsagt und alles niedergelegt hat, d. h. einer, der von allen irdischen Leidenschaften frei ist. . . . Die Periode des SannnLsin ist die vierte im Leben eines Brahmancn. Ein anderer Name für diese freien Männer des Geistes ist Avadutha,wörtlich einer,deralleBerührungenmitweltlichen Dingen aufgegeben hat. Solche Avaduthas gibt es heute noch: sie werden oft einfach SLdhus genannt, d. i. gute Leute. . . . Daß es SannMins gegeben hat und noch heute gibt, die wirklich alle Fesseln des Besitzthums abgestreift haben, welche ihren Körper sorgfältig erzogen und ihrem Geiste in einem wirklich ans Wunderbare grenzenden Grade unterworfen haben, kann gar nicht bezweifelt werden. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß seit den frühesten Zeiten in Indien ein vollständiges System ausgearbeitet war, nach welchem ein Mensch durch die verschiedenen Arten des Ein- und Ausathmens, durch Einnehmen gewisser Stellungen, durch Starren der Augen anf bestimmte Punkte, durch Fasten, durch Gift- zufuhren es zu einem solchen Grade nervöser Erregung bringen konnte, daß er in seinem Trancezustande (ekstatischen Zustande) keine Schmerzen fühlte und fähig war, Dinge zu thun und zn leiden, welche kein gewöhnlicher Sterblicher ausführen konnte. Wenn wir von mehr oder weniger beglaubigten Fällen lesen, ivo Menschen in solchem Zustande Dinge gesehen haben, die der gewöhnliche Mcnsi, nicht sieht, wo sie die Gedanken anderer gelesen haben, — ja, wo sie sich sogar ohne sichtbare Stütze in die Luft erhoben haben, so werden wir natürlich mit unseren: Glauben zurückhalten; aber daß einige von diesen viele Tage lang ohne Nahrung sein können, daß sie unberührt die größte Hitze und Kälte aushalten können, daß sie lange Zeit todt fein können, — wie im Trance, ja, daß sie begraben werden können und wieder zum Leben zurückgerufen nach drei oder vier Tagen, das sind Thatsachen, die von so vielen englischen Offizieren und Medizinern in jeder Weise bestätigt werden, daß sie anerkannt werden müssen, auch wenn wir sie uns nicht erklären können." Diese Aeußerungen mögen im Anschlüsse an die gelegentlichen Bemerkungen des großen Görres über indische „Ekstatiker" nicht ohne Interesse sein. Es ist uns hier unmöglich, anf die Ausführungen einzugehen, welche sich in den einzelnen Vortrügen Harrisous zum Beweise seiner aufgestellten drei „großen okkultistischen Ursätzc" finden, welche lauten: 1) „Sieben ist die vollkommene Zahl", — eine in allen Theosophen- werken aufgestellte Behauptung; 2) Der Mikrokosmos ist das Spiegelbild des Makrokosmos, — ein bekannter okkultistischer Grundsatz — und 3) Alle Erscheinungen haben ihren Ursprung in Wirbelbewegungen. Wir wollen nur constatiren, daß Harrison die Entwicklung des Gottes- begrisfes im „doppelten Wirbel oder der Lemnis- kadc"(!) sich als Ansgang vom „Neutralen Punkt" im Polytheismus, esoterischen Pantheismus, Anthropomorphismus, Theomorphisnins, christlichen Pantheismus und christlichen Polytheismus, — die gegenwärtige und fünfte Stufe, — bis zur theomorphischen Religion und pan- theistischen Wissenschaft denkt,-die er als wahrscheinliches Ergebniß des Kampfes.zwischen Wissenschaft und Religion bezeichnet- Wir sehen schon, daß der Kritiker des bla- vatskosophischen Gottesbegriffes selbst anf Abwege ge- räth. Unter christlichem Polytheismus versteht er natürlich die „Heiligeuanbctuug", — ein Beweis für seine intuitive Wahrheitserkeuntniß. Von Interesse ist auch seine gelegentliche (x>. 63) Behauptung, daß wir im englischen Christenthum viel mehr als im lateinischen Christenthum die fernere Entwicklung des Gottesbegriffes suchen müssen. 462 Ferner möchten wir noch die Bemerkung des gegen den Fatalismus der Blavatsky ankämpfenden Autors verzeichnen: „Der freie Wille" ist ein iZnia katuus, ein Irrlicht, und Jene, die ihm folgen, werden sich früher oder später in der Sackgasse des Fatalismus oder in der Fallgrube des Dualismus befinden (pux. 91). Später aber tritt merkwürdigerweise unser Antitheosoph wieder für den freien Willen ein. Wir hatten uns wirklich schon darauf gefreut, nach so vielen verworrenen theosophischen Produkten ein recht vernünftiges Werk eines kritischen Vertreters der „wahren Gnosis", möglichst für weitere Kreise verständlich, lesen zu können, und können nur bedauern, daß so viele „mystische" Stellen in dem neuen Werke für „grobstofflichcre" Autoren ohne „Intuition" und „sechsten Sinn" unfaßbar bleiben. Dazu gehören auch die Behauptungen über das Verhältniß des Anglikanismus zum Okkultismus und „lateinischen Christenthum". Vielleicht finden die „theoretischen und praktischen Okkultisten" der Bereun Loeiet^ noch einmal Zeit, auch tiefer in die Mystik des letzteren einzudringen, um zu erkennen, daß die Vorschule für die wahre Mystik und „Thcosophie", die von gewissen reformatorischen Kreisen seit dem „Manncsalter der europäischen Nasse" nicht mehr aufgesucht wurde, in jenem „katholischen Glauben" noch zu finden ist, der einen geraderen und näheren Weg als die Nachfolge zweifelhafter Mahatmas in der Nachfolge Christi bietet zur Heiligung und Verklärung, zur wahren Weisheit in Gott. Recensionen und Notizen. „Predigten über das Vaterunser." Ein Cyklus Predigten für alle Sonn- und Festtage von Allerheiligen bis zum Feste des Apostel- fürsteu Petrus und Paulus, gehalten in der Allcrheiligen-Hofkirche zu München von Joseph Hecher, kgl. geistl. Rath, Hofprediger und Stiftskanonikus. Mit Approbation der hochwürdigsten erzbischöflichen und bischöflichen Ordinariate München-Freising und Rottenburg. Stuttgart. Jos. Roth'sche Verlagshandlung. 1898. VIÜ. 366 S. Preis M. 3,—. Die hohen Erwartungen, mit welchen wir an die neueste homiletische Publikation des durch seine herrlichen Fastenpredigten „Die sieben Kreuzesworte Jesu Christi" (1893) und „Das Lanim Gottes" (1897) rühmlichst bekannten Münchener Hofpredigers herantraten, wurden in vollem Maße befriedigt. Hecher ist es gegeben, sich ein großartiges Thema zu setzen, dasselbe in Cykluspredigten zeit- und sachgemäß zu theilen und bis ins feinste Detail hinaus kunstgcmäß durchzuführen, ohne sich zu wiederholen, ohne zu langweilen, ohne zu ermüden. Sind es auch naturgemäß die alten christlichen Wahrheiten, welche Hecher vorträgt, nie werden sie in seinen! Munde trivial, stets erfahren sie eine originelle Fassung und neue Beleuchtung. Dies trifft auch bei den vorliegenden Predigten über das Gebet des Herrn zu, über welches bereits eine umfangreiche homiletische Literatur vorhanden ist. Dieselben wurden in der Allerhciligen-Hofkirche, „der Haus- kavcllc der kgl. Residenz in München", vom Feste Allerheiligen bis Peter und Panl 1896/97 gehalten und jetzt auf vielfach und lebhaft geäußerten Wunsch der Oeffent- lichkcit übergeben. In 46 Vortrügen wird das erhabenste und gedankentiefste Gebet erläutert, „jedoch so, daß Hiebei die einzelnen Zeitabschnitte des kirchlichen Jahres, die Gedanken, welche uns jede Periode der weihevollen Zeit an jedem Sonn- und Festtag nahelegt, stets ihre Berücksichtigung finden". In der That werden in ungezwungener geistvoller Weise die leweiligenPerikopen,Heiligengestalten, Feststimmungen in den Cyklus hineinverwoben, so daß sich das Ganze als eine gelungene Synthese von Cyklus- und Perikopenpredigten darstellt. Bei- Ivielsliglber sei verwiesen aus die zu den Einleitungsvor- trägen gehörende Predigt vom 24. Sonntage nach Pfingsten, wo das Vaterunser als himmlisches Samenkorn eingeführt wird. welches in der Menschenwelt zahllose gute Früchte erzeugt hat und bis zum Ende der Welt solche hervorbringt; am 25. Sonntage nach Pfingsten wird Eingangs eine auf die hl. Elisabeth von Thüringen sich beziehende Vaternnser-Legende verwerthet; am hl. Weihnachtsfeste schlingt sich die Behandlung der Anrede „Der Du bist in dem Himmel" schön zusammen mit den Gedanken an das ewige Wort, das im Anfange bei Gott war und Gott selber ist (Joh. 1. 1 u. 2) und das Fleisch geworden ist und unter uns Menschenkindern Wohnung genommen hat (Joh. 1, 14), wie am darauffolgenden Tage mit der Erinnerung an den hl. Erzmartyrer Stephanus, der inmitten seiner Leiden betheuerte: „Ich sehe den Himmel offen und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen" (A.-G. 7,55); ähnlich am Josephsfeste, an Ostern, Pfingsten und anderen Festtagen. Hecher ist ein Sänger der Liebe und weiß in begeisterten und begeisternden Worten die echte Gottes- und Nächstenliebe zu feiern, was in unserer Zeit des Egoismus und der Lieblosigkeit gewiß noth thut. Wenn, wie eine gesunde Homiletik stets betonen muß, der biblische Gehalt einer Predigt das beste Kriterium ihres inneren Werthes ist, so müssen Hechers Predigten in die erste Reihe gestellt werden; denn seine Art, die heilige Schrift zu verwerthen, ist einfach meisterhaft. Etwaige Ausstellungen können sich höchstens auf den ausgefallenen 8. Dezember, einige stehengebliebene Druckfehler, wie leider gleich auf dem Titelblatt „des" Apostelfürsten Petrus und Paulus statt „der" Apostel- fürsten, wie es S. 358 richtig heißt, u. Ae. beziehen. Hecher bietet nicht bloß dem geschulten Prediger eine Fülle von Gedanken, sondern auch dem Lernenden und Weiterstrebenden treffliche Muster der Komposition und Ausarbeitung guter und wirkungsvoller Predigten. Daher tolle IsZe! 1. Dr. 8. L. HellerJoh. Ev. (s.ck.). Das nestorianische Denk» mal in Sing an Fu. 4°, 64 SS. m. 2 Tafeln. Budapest, Druck des Franklin-Vereines. 1897. 7 Vorliegende Abhandlung ist ein Sevaratabdruck aus dem II. Bande des Werkes: „Wissenschaftliche Ergebnisse der Reise des Grasen B. Szöchenyi in Ostasien (1877 bis 1880)". Die in: Kreise der Sinologen viel besprochene syro-chinesische Inschrift, deren Echtheit jetzt außer allem Zweifel steht, wird hier von einem gelehrten Kenner beider Sprachen einer eingehenden Durchforschung unterzogen, die sich auf genauere Copien, als es bisher gab, gründet. Nach den Vorbemerkungen, die sich unter andern! auch mit der Frage der Transkription befassen, folgt das Literaturverzeichniß, das schon erkennen läßt, welches Interesse das berühmte Denkmal bei Philologen wie Kirchenhistorikern von jeher hervorgerufen hat. Auf den folgenden Seiten (10—29) gibt der Verfasser eine ausführliche und genaue Geschichte der Auffindung, Veröffentlichung und Erhaltung des nestorianischen Denkmals. Daran schließt sich die Beschreibung der Inschrift, sowie deren Wortlaut in chinesischen und syrischen Zeichen mit Uebersetzung. Die nun folgenden Erläuterungen zum Text der Inschrift (SS. 472—492) bringen eine Fülle von philologischen, kirchen- und cnlturgeschichtlichen Notizen, in denen wir den Scharfsinn, wie die ausgebreitete Belesenheit des Verfassers anstauuen. Der Nachtrag bringt noch einige Ergänzungen. Zrvei Tafeln stellen das Denkmal dar, und die Zeichen der zweiten Tafel sind groß genug, um mit freiem Auge gelesen werden zu können. Die Abhandlung, welche für Alle, die sich mit Sprachwissenschaft oder Kirchengeschichte befassen, ganz hervorragendes Interesse hat, ist das vollkommenste, was wir bis jetzt über dieses wichtige Denkmal aus altchristlicher Zeit!n China besitzen. Eine weitere Arbeit steht uns von einem Ordensgenossen des Verfassers, von?. Heinrich Havret (8. ck.) in Shaughai nächstens in Aussicht. Die Spuren der Jesuiten finden wir in der alten wie neuen Geschichte des Christenthums in China auf Schrift und Tritt. Sie haben nicht nur das Evangelium unter Lebensgefahr verkündet, sondern auch sich der Erforschung chinesischer Sprache und Literatur mit einem Eifer hingegeben, der ihre Namen unzertrennlich mit der Sinologie verknüpft. Dafür findet der Leier auch in dieser Schrist in vielen berühmten Beispielen Bestätigung. Wenn 463 (S. 21) der Jesuit Aleni, der 25 Schriften in chinesischer Sprache schrieb, von den Chinesen mit dem Ehrennamen des europäischen Confucius ausgezeichnet ward, so weiß man, was das sagen will. KeiserH. Al.. Heinrich Bon e. Lebensbild eines deutschen Schulmannesu. Schriftstellers. Mainz 1897, Franz Kirchheim. gr. 8. (SO Seiten) M. 0.60. Das erste Opfer des Kulturkampfes in Hessen war Heinrich Baue, Direktor am Grobherzoglichen Gymnasium in Mainz. Dieser ausgezeichnete Schulmann und Schriftsteller wurde 1873 plötzlich und in schroffster Weise aus seiner Stellung entfernt, obwohl ihm noch kurz vorher die volle Anerkennung seiner Behörde zu Theil geworden war. Im Juni 1893 starb Bone und fand seine Ruhestätte in dem Familiengrabs auf dem Friedhose zu Mainz. Dort soll ihm auch ein einfaches Denkmal gesetzt werden. Bone verdient aber sicher auch ein literarisches Denkmal, eine eingehende Darlegung seines Lebens und Schaffens. Diese Biographie wird leider nicht so bald zu erwarten sein. Umsomehr werden die zahlreichen Schüler, Freunde und Verehrer Bone's über die Nachricht erfreut'sein, daß ein Schulmann des Auslandes, H. A. Keiser, Rector in Zug, eine kurze Biographie veröffentlicht hat. Dieselbe erschien dieser Tage bei Kirchheim in Mainz unter dem Titel: Heinrich Bone. Lebensbild eines deutschen Schulmannes und Schriftstellers. Unter Benutzung der Werke Bone's, der erschienenen biographischen Aufsätze und der ihm brieflich gewordenen Mittheilungen hat Keiser ein anziehendes Bild des verehrten Meisters gezeichnet. Wir empfehlen die schöne Schrift auf das beste. Sie enthält nicht bloß eine kurze Darstellung der äußeren Lebensverhältniffe Bone's, sondern gibt auch einen lehrreichen Ueberblick über das Schaffen und Wirken auf literarischem Gebiete. Die Gegner haben ihm gewaltsam die liebgewordcne Stellung ain Gymnasium genommen: seine Stellung in der deutschen Literaturgeschichte und den Ehrenplatz im Herzen seiner Schüler- werden sie ihm nicht nehmen können. * „Riffarths Mädchenbibliothek." Diese im rührigen Verlage von A. Riffarth in M.-Gladbach ^ vor Jahresfrist herausgekommene Bibliothek für junge Mädchen ini Alter von 12—16 Jahren wird bekanntlich unter Mitwirkung unserer bedeutendsten Jugendschriftstellerinnen von Rektor Karl Om- merborn (Schriftstellerpseudonym-. Remmo) besorgt und bat in der ganzen deutschen katholischen Leserwelt lebhafte Anerkennung gefunden. Es sind von dieser Bibliothek weitere 4 Bändchen in schmucker Ansstattnng, mit hübschen Bildern versehen, erschienen. Jedes zum Preise von M. 1,20. IV. Bändchen: Dorlie Werner. — Rosels Geheimniß. Von Anna Hilden. Mit drei ganzseitigen Tonbildern und 10 Textillustrationen von O. Herrfurth. Die anmnthige Erzählung „Dorlie Werner" führt uns in ein von Klosterfrauen geleitetes Pensionat, welchem der verwittwcte Baron von Werner- sein zartes Töchterchen Dorlie zur Erziehung anvertraut hat. Die handelnden Charaktere sind so recht nach dem wirklichen Leben gezeichnet; die jugendlichen Leserinnen werden mit immer wachsendem Interesse den freuden- und schmerzensreichen Erlebnissen ihrer Ältersgefährtin Dorlie folgen und derselben zu eigenem Gewinn innigste Antheilnahme nicht versagen können. Das Ganze ist von einer durch und durch kmdlich-religiösen Auffassung getragen. Das Gleiche gilt von der kürzeren Erzählung „Rosels Geheimniß", die vor allem veranschaulicht, sich schon in früher Jugend in der Ausübung christlicher Nächstenliebe zu üben. — V. Bändchen: Aus Marfas Jugendzeit. Von E. M. Hamann. Ein blüthcn- reicher Kranz von Ereignissen aus dem Leben eines 14jährigen Mädchens, dem der unerbittliche Tod zu einer Zeit die Mutter raubte, als es ihrer Stütze für die Jahre der Gefahr so recht bedurfte! Marfa findet aber im Hause ihres Onkels zu Petersburg eine treffliche zweite Heimath und im Umgänge mit gleichaltrigen edlen Mädchenherzen passende Gelegenheit, ihre reichen Geistesund Gemüthsanlagen zu bester Entwicklung zu bringen. Trefflich Angeflochtene geographische Schilderungen, namentlich über Petersburg und seine Umgebung, die erkennen lassen, daß die Verfasserin alles mit eigenen Augen geschaut, erhöhen den Werth des Ganzen. — VI. Bändchen: „Aennili". Von Carola vonEynattcu. Die geschätzte Verfasserin führt ihre jungen Leserinnen in Begebenheiten hinein, die in einer Zeit socialer Spannung vor allem geeignet sind. hier und da sich noch hervorwagende Standesvornrtheile zu beseitigen. Die kleine Streichholzverkäuferin Aennili erregt das Mitleid nicht nur christlich denkender, sondern auch christlich handelnder Damen, die sich ihrer gegen eine hartherzige Pflegemutter, die nur auf die Ausbeutung des schwachen Mädchens bedacht ist, mit Erfolg annehmen. — VII. Bändchen: Neue Lebenswege. — In der Fremde. Von Erna Velten. In vorliegendem Bändchen kommt so recht die praktische Seite für den Frauenberuf zu ihrem Rechte. Im Gewände anziehender Erzählungen aus dem Leben einer mit mehreren Töchtern gesegneten Beamtenfamilie zeigt die Verfasserin, wie jedes der dort auftretenden Mädchen zu einem Lebensberufe kommt, der sich streng in dem von Gott gewallten Wirkungskreis der Frau bewegt. Die jugendlichen Leserinnen empfangen dadurch Winke und Rathschläge bedeutsamster Art für ihr eigenes Leben. Die in ihrer Art klassische Lektüre wird für die Mädchenwelt hervorragenden Nutzen stiften! — Dbss u?'ork8 ok Viov^siu8 tb« ^rsoxa§its, no tlret travAkttsä ivto LvAlwb Irow tbs oriZival Ereok b^ tbo Rsv. llobv ttarlcsr. ttovilcm auä Oxkorci, 1687, lames ttacksr anä Oc>., paK. XVI, 208. Trotz aller hyperkritischen Proteste erhebt sich auch in unserm aufgeklärten Jahrhunderte immer wieder eine Stimme für die Echtheit des Werkes des bl. Dionysius des Areopagiten. Allerdings hat der Verfasser vorliegen« den Werkes nicht das Glück, sich als Theilhaber der so gerühmten modernen deutschen Wissenschaft vorstellen zu können. Aber Sachverständige kennen ihn bereits aus seinen beiden früheren Schriften: „vionz'snw tlw ^rso- 8srmcm xrsaebsll in ttari». Iwuäon 1993", und ,/Ibs Oslsstisl anä DoolosiastiogI ttierarob^ ok I)ic>- nz-sins tbs ^.rsopaxito, I-onäon 1894", als begeisterten, aber nüchtern kritischen Verfechter der Echtheit der Areo- pagitischen Werke. Hier bringt er des heil. Dionysius' Schrift über die göttlichen Namen, dessen mystische Theologie, 11 seiner Briefe und seine Liturgie. In der treff- i lichen Einleitung bringt der Autor interessante Neuig- ! keiten. Unter andcrm erkennen wir durch einen jüngst im > ttritisb LIussum zu London (Nr. 12151—2) entdeckten Ans- i zug aus einem Briefe des Dionysius von Alexandrien, ! daß die Schriften des Areopagiten dortselbst gegen Ende ^ des 2. Jahrhunderts wohl gekannt und geschätzt waren, i Dasselbe bezeugen die Schotten des Alcxandrinischcn Dio- i nysius zu der Äreopagitischen Schrift über die göttlichen ! Namen. Das Chronikon des Imetas VM-vim Osxter (vgl. ! LliAns I°c»v. 31) bekundet deutlich, daß die Schrift über ! die göttlichen Namen vor den: Jahre 98 n. Chr. geschrieben > wurde. Die Griechische Kirche hat die Echtheit der Werke des Areopagiten nie bezweifelt (Hs8öinani Libttotti. Oiisntt row. 4, PK. 399). Schäfer Jak., Das Reich Gottes im Lichte der Parabeln des Herrn wie im Hinblick auf Vorbild und Verheißung. Eine exegetischapologetische Studie. Mainz, Franz .Kirchheim, 1897. gr. 8°. (XVI u. 288 S.) M. 3,50. Im dreizehnten Kapitel seines Evangeliums überliefert der hl. Matthäus sieben Parabeln des Herrn über das von ihm zu stiftende Reich Gottes. Mit wunderbarer Weisheit hat der Heiland den Plan und die Verfassung dieses künftigen Reiches seinen nicht bloß nnge- ehrten, sondern zudem - noch mit Vorurthcilen erfüllten Zuhörern in diesen ebenso anziehenden als leicht verständlichen Parabeln erklärt. Dem Verfasser ist es trefflich gelungen, die tiefe Bedeutung dieser Parabeln sowohl rückwärts als Deutungen des wahren Sinnes der Weissagungen des Alten Testamentes über das Reich des Messias, wie vorwärts als Weissagungen der künftigen Gestaltung der Kirche Jesu Christi wissenschaftlich in einer Weile darzulegen, daß sein Buch auch dem praktischen Bedürfnisse des Seelsorgers entgegenkommt, indem er es nicht an Fingerzeigen fehlen läßt, „wie man in einer glaubensarmen Zeit an die evangelischen Parabeln 464 glaubenswarme Worte anknüpfen kann". Das apologetische Moment seiner Studien fasst der Verfasser im Schlußwort in die Frage: „Wo ist das Bauwerk, das in allen seinen Theilen mit dem Bauplan harmonirt? Dieser Bau nämlich muß die wahre Kirche Christi sein." Die Antwort lautet: „Keine einzige Religionsgesellschaft paßt in das vom Heiland gezeichnete Bild, als nur die katholische Kirche. Die katholische Kirche allein ist die Kirche der Parabeln und darum die wahre Kirche Jesu Christi." Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, um die Tragweite dieser gründlichen, von katholischem Geiste getragenen Arbeit zu charakterisiern. F-r. L. Wetzet. Die Lektüre. Ein Führer beimLesen. 2. Auflage 1897. 425 Seiten in 12°. Ravensburg, Dorn'sche Buchhandlung (F. Alber). Preis brosch. M. 2,40, gebd. M. 3.-. L. Die Produktivität Wctzels könnte nachgerade unheimlich erscheinen, denn alle Jahre erscheinen mehrere größere und kleinere Broschüren und Bündchen. Unheimlich wenigstens dem, der nicht weiß, daß der Schwerer Decan schon seit Jahren seine Büchlein ausgearbeitet hat und darum jetzt so prompt an die Öffentlichkeit treten kann. So legte er erst ganz kürzlich dem Publikum ein Gesundheitsbüchlein vor: „Bleib' gesund", in dem bekannten Gala-Umschlag der „Wctzelbroschüren" zu nur 35 Pfg., ferner eine neue Auslage seines „Entweder kalt oder warm", zu gleichem Preis. Seine Schriften alle, so z. B. „Laienapostolat", „Brave Kind", „Weg zum Glück", „Mann", „Frau", „Phrasen", „Daheim", „Sparen macht reich" usw., gehören bei ihrem klaren Gedankengang, vorzüglichen Stil und brillanten Inhalt zu den besten Preßerzeugnissen der letzten Jahrzehnte, wurden sie ja von bekannter, sicher unterrichteter Seite sogar über die von Alban Stolz gestellt. Wenn nun Wetzet auch nicht über ein so tiefgründiges Gemüthsleben verfügt, wie Stolz, so ist dieses Urtheil jedenfalls insofern richtig, als Wetzet ein jedesmal abgegrenztes Thema aufs Korn nimmt, was bei Stolz nicht der Fall war. Innerhalb dieser Grenzen schreibt aber Wetze! dann trefflich, taktvoll, edel (was von Stolz nicht immer gilt), zart, mit poetischem Anhauche, und ziert seine Büchlein mit werthvollen Äussprüchen und Erfahrungen fremder Geister. Das ist auch zu sagen von dem vorliegenden Buche über die Lektüre. Führen wir kurz seinen Inder vor: „Lesewuth, Auswahl der Bücher, Die richtige Lesemethode, Der hohe Nutzen der guten Lektüre, Gefahren schlechter Lektüre für den Glauben, für die gute Sitte, für Familie und Staat, Bedeutung der Zeitungen und Zeitschriften. Das Lesen der deutschen Klassiker, Die größten Dichter der Weltliteratur." Also die gesammte Hreßfrage! Wer sich je unterrichten will über Romane, Colportage, Bibel, Legende. Werthschätzung der Bücher, Excerpte u. ähnl., findet nichts besseres als dieses Buch, das auch für Vortrage nicht bloß Material, sondern vielfach die nöthige interessante Form darbietet. Auch als Geschenk ist es sehr zu empfehlen. „Das kirchliche Bncherverbot." Ein Commentar zur Constitntion Leo's XIII. „Oküeiornin ao mn- nsrum" von Oi'. Joseph Holt weck. 2. verbesserte nnd vermehrte Auflage. Mainz, Kirchheim, 1897. VIII u. 77 S. M. 1.-. v Mit Recht sagt das Vorwort zur neuen Auflage: „In überraschend kurzer Zeit war die starke erste Auflage dieses Commentars vergriffen, ein Beweis, welch' lebhaftes Interesse unserem Gegenstand entgegengebracht wird." Eine Vermehrung gegenüber der ersten Auflage hat sich ergeben durch Erweiterung des historischen Theiles, durch nähere Begründung der für die Interpretation wichtigen allgemeiner: Gesichtspunkte, sowie durch einläßlichere Besprechung einzelner Fragen (in den Anmerkungen) behufs erleichterter Anwendung des Gesetzes auf einzelne Fälle. Es besteht kein Zweifel, daß diese Vermehrung, namentlich in letztgenannter Richtung, es auch iU rechtfertigt, die neue Auflage als eine „verbesserte" zu be- I zeichnen. Möge die Schrift viele Leser finden, auch in der gebildeten Laienwclt, und überall solche, die lesen — zur Darnachachtung! Die drei Verschollenen vom „Sirius". Von G. Pries. Mit 24 Originalillustrationen von Ed. Zier. Stuttgart, Jos. Roth'sche Verlagshandlung. — Preis eleg. brosch. M. 3,20; in Hochs. Originaleinband mit farbigem Deckenbild M. 4,20. Unwillkürlich erinnert uns der „Sirius" an die schönsten Erzählungen des Kapitäns Marrqat oder Jules Vcrnes. Hier wie dort finden wir herrliche Seebilder, packende Schilderungen der Stürme und Gefahren, die den Seemann auf Hoher See bedrohen. Gleich der Beginn der prächtig aufgebauten Erzählung führt uns an Bord eines Admiralschiffes, das im Piräus vor Anker liegt. Mit hochgespannter Erwartung folgen wir dann dein Kurs des nach Osten in See gehenden „Sirins" bis zu dem schreckliche!: Zusammenstoß mit der englischen Nacht. Jetzt concentrirt sich unser ganzes Interesse auf die drei Helden der Erzählung. Es sind das der tapfere Commandant des Kanonenbootes, der wackere Schiffsarzt und der stets zu lustigen Streichen aufgelegte Matrose Jean Quosch der selbst in den gefährlichsten, ja oft verzweifelten Situationen den Muth nicht verliert. Schöne Illustrationen, von Künstlerhand entworfen, veranschaulichen den dramatisch belebten Gang der Handlung. Das Buch selbst präsentirt sich in hochfeiner Ausstattung und farbenprächtigem Deckenbild. Wir kennen nicht leicht eine interessantere und unterhaltendere Lektüre, als gerade den „Sirius". Als Festgabe wird er namentlich der jungen Welt ein hochwillkommenes Geschenk sein. 1. Raphael, von P. Frick. Stuttgart, I. Roth, 1893. Preis gebd. 45 Pfg,: 2. Nachfolge des göttlichen Kindes Jesus, von P. Raidt. 7. Aufl. 1898. Stuttgart, Süddeutsche Aerlagsb. Preis gebd. 35 Pfg- 3. Neues Meßbuchlein von P. Raidt. Stuttgart 1897, Süddeutsche Verlagsb. Preis gebd. 30 Pfg.; 4. Meßbüchlein von G. Mev. Freiburg, Herder. 17. Aufl. 1897. Preis gebd. 40 Pfg. L. Vier Kindergebetbücher auf einmal sollen hier angezeigt werden. Die ersten zwei sind mehr für Kinder vom 9. Jahre an, die letzten zwei, besonders das von Raidt, für die Unterklassen berechnet. Nr. 3 und 4 sind auch illnstrirt. Die Illustrationen bei Nr. 3, von I. Bissinger-München, sind pädagogisch jedenfalls denen bei Nr. 4 vorzuziehen, weil sie nicht so zahlreich sind und daher die Kiirder nicht verwirren, und besonders weil sie sich mehr an die Vorgänge beim Meßopfer und an die trefflichen kurzen Gebete anschließen. Weiter darauf einzugehen, ist hier nicht der Platz. Nr. 2 hat seinen Weg bereits zu Tausenden von Kindern gemacht, es ist gut angeordnet, die Gebete schließen sich wie bei Nr. 1 an den Nottenburger Diöcesankatechismus an und find ganz dem Gesichtskreis der Kinder angepaßt. Das neue Büchlein von Frick, splendid ausgestattet (XII u. 196 S. in ganz Leinen L 45 Pfg.!), wird dem Büchlein Nr. 2 Con- currcnz machen. Jeder Katechet, der es prüft, dürfte es als eine willkommene Unterstützung seiner Thätigkeit begrüßen. Wir meinen dabei besonders die ausgezeichnete Beicht- und Communionandacht. Letztere lassen die Anschaffung eines eigenen Erstcommunionbuches entbehrlich erscheinen. Auch stören nicht zahlreiche Verweisungen, , wie bei Nr. 2. Mögen die hochw. Herren Geistlichen die Büchlein eiirer Durchsicht unterziehen und einen solchen „Raphael" ihren Katechumenen als einen Geleiter durch die Jugendzeit mitgeben! Monika. Zeitschrift für katholische Mütter und Hausfrauen. Verlag der Buchhandlung von L. Auer in Donauwörth. Jährlich 52 Nummern. Preis mit der Gratisbeilage „Schutzengel" halbjährlich 1 Mark. Zu bestellen durch jede Postanstalt und Buchhandlung. - Deir katholischen Müttern und Hausfrauen, denen das Wohl ihrer Familie am Herzen liegt, kann die Monika nicht warm genug empfohlen werden. Sie bringt ihnen Unterhaltung m den Musestunden, Belehrung in vielen wichtigen Fragen, Anregung und iAufmunterung in den Geschäften des Hauswesens und Trost in Widerwärtigkeiten, Krankheiten und Leiden. Aeranlw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. —^ Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas