Ui-. 70. 11. Dez. 1897. M Geschichte des deutschen Volkes seit dem 13. Jahrhundert bis zum AuSgang des Mittelalters von Emil Michael 8. ck.*) -ick. Das Mittelalter ist eine Zeit der aufsteigenden Cultur in großen, weltbewegenden Kämpfen, eine Periode machtvollen Ringens um die höchsten Güter der Menschheit, die glänzendste Entfaltung der Energie des kirchlichen Lebens. In solche Zeit sich zu vertiefen, sie in sich selbst gleichsam nochmals zu erleben und sie in ungeschminkter Wahrheit zu schildern, mag für den Freund seines Volkes die erhebendste Beschäftigung sein. Darum war das Streben der edelsten Geister der Nation von jeher auf eine würdige Geschichte des deutschen Volkes gerichtet. Daß das bisher nur für Theile der deutschen Geschichte gelungen ist, die Schuld daran liegt nicht allein an denen, welche einen Versuch gemacht haben. Jeder Mensch ist ein Kind seiner Zeit, nicht sich allein gehört der Mensch an. Niemand vermag die Schranken der Erkenntniß mit einem Satze zu überspringen. Erst die Arbeit von Generationen ermöglicht einen klareren Blick, gewährt ein treueres Bild der Vergangenheit. Mit gerechtem Stolze dürfen wir es sagen, daß die deutsche Geschichtsforschung seit Dezennien' rastlos arbeitete und mit wachsender Objektivität den Zeugnissen der Vergangenheit gegennbertritt. Die Arbeit des Einzelnen ist freilich nur soviel werth, als sie zur Aufführung des großen, herrlichen Gebäudes der Menschheitsgeschichte beitrügt. Einer der gebannten Söhne Deutschlands, der Jesuit vr. Emil Michael, unternimmt es, dem deutschen Volke in einem groß angelegten Werke einen Spiegel seines Seins und Werdens vom 13.—16. Jahrhundert vorzuhalten. Daß der Verfasser einem Bedürfnisse abhalf und das gebildete Publikum die Gabe mit dem gebührenden Danke aufnahm, zeigt klar der beispiellose Erfolg des Buches, welches innerhalb weniger Monate dreimal neu aufgelegt wurde! Aenßerlich wie innerlich gibt sich das Werk als echtes Geisteskind Jansscns, unseres großen Geschichtschreibers, zu erkennen. Die Darstellung Michaels ruht auf der breiten Basis einer umfassenden Kenntniß der einschlägigen Arbeiten — das Verzeichniß der vollständigen Titel der wiederholt in bedeutend gekürzter Form citirten Werke füllt allein 23 Seiten — und einer Sicherheit des Urtheiles, das deßwegen nicht weniger werth ist, weil es meist mit den Worten Anderer ausgedrückt ist. Unternehmen wir es nun, dein Autor auf dem von ihm gebahnten Wege zu folgen, erfreuen wir uns mit ihm an den Schöpfungen der eigenen nationalen Vergangenheit, und vielleicht gelingt es uns sogar, die eine oder andere stehen gebliebene dornige Ranke zu beseitigen. Wahrlich, nicht Lust am Tadeln, sondern Freude über die herrliche Gabe bestimmt uns, da oder dort eine Aenderung vorzuschlagen. Das Gcsammtbild erleidet dadurch keine wesentliche Aenderung, und das Einzelne — dort Licht, dort Schatten — kann dabei nur gewinnen. Die Einladung des Autors im Vorwort (S. VIII) lautet einschmeichelnd genug: Trotz aller dunklen Erscheinungen, die sich stets im Gefolge schwerer Umwälzungen einstellen, hat das Licht sehr überwogen. ") I. Band. Frciburg i. B.. Server, 1697; 8°; XX, 368 S.: M. 5.-. geb. M. 6.80. I. LandwlrtWaft und Mauern. 1. Die Land wirthschaft. Die Deutschen waren seit ihrer Niederlassung in den wald- und sumpfreichen Gegenden Germaniens ein ackerbautreibendes Volk. Dem freien Germanen ziemte Krieg und Müßiggang, Arbeit aber den Weibern und Unfreien. Die christlichen Glaubensboten lehrten, indem sie selbst arbeiteten und in dem weithin mit Wald bedeckten Lande in ihren Stiftungen von den Deutschen angestaunte wirth- schaftliche Mittelpunkte schufen, die Trägheit überwinden, die ehrliche Arbeit achten und lieben. S. 7—8. An dem Stifte Bcuediktbcucrn wird die gesegnete Cultur- thätigkeit der Söhne des hl. Benedikt so recht klar, ihr volles Verständniß für Zeit und Menschen, ihre liebevolle Sorgfalt für die von ihnen geschaffene Gemeinde Jachcnau. S. 8 — 9. Zeigt dies eine Beispiel den glänzenden Sieg der geistig überlegenen Culiurarbeiter in der Kutte, so haben die Orden der Cisterzienser und Prämonstratenscr eine noch glänzendere Aufgabe gekost in den ostclbischcn, slavischen Gebieten. S. 10. Der Ackerbau stieg, je mehr er emporblühte, in der Werth- schätzung der Zeitgenossen, war er ja eine göttliche Institution. , In diesem Sinne läßt Wernhcr der Gärtner, ein süddeutscher Dichter des beginnenden 13. Jahrhunderts, den alten Helmbrecht zu seinem entarteten Sohne sprechen: „Bebau das Feld, bleib bei dem Pflug, Dann nützest du der Welt genug. Von dir dann Nutzen haben kann Der arme wie der reiche Mann. . . » , Drum treibe nur den Ackerbau. Denn sicher manche edle Frau Wird durch des Bauern Fleiß verschönet. Manch König wird gekrönet Durch des Ackerban's Ertrag. Wie stolz wohl mancher sein auch mag. Sein Hochmuth müßt' zu Schanden werden, Gäb's nicht den Bauersmann auf Erden." Unwillkürlich vergleichen wir die Thatsache, baß der österreichische Herzog Albrecht I. die unter seinen Fahnen dienenden österreichischen Bauern zur Zeit der Ernte heimziehen ließ, mit den gänzlich verschiedenen Erscheinungen der Gegenwart. S. 10—11^ Es ist begreiflich, daß Arbeitskräfte sehr gesucht waren, daß mau den fremden Ansiedler unter sehr leichten Bedingungen als Grnndholden aufnahm. S. 12. Der Landmanu tauschte also um billigen Preis theure Waare ein ; denn das Getreide, worin zumeist die Abgabe drS Grnndholden bestand, stand verhältuißmäßig hoch im Preise. Ebenso wurde der freie Taglohn außerordentlich günstig berechnet; nie war die wirthschaftliche Lage der laudarbcitenden Klassen günstiger als im 13. Jahrhundert. S. 12—13. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts erfuhren mit dem Getreide auch die Bodcnpreisc in manchen Gegenden eine 17fache Steigerung, während die Naturäl- lieferuugeu der Hörigen dieselben blieben, so daß also den landbauenden Klassen volle ^ der Grundrente zufielen — das glänzende Resultat der letzten großen Node- epoche in Deutschland. S. 13—14. Die jugendliche Energie jenes kraftstrotzenden Geschlechtes scheute aber auch vor keiner Schwierigkeit zurück: Sümpfe und Moräste, auch Seen wurden in Ackerland umgewandelt, weniger wohl zu menschlichen Wohnungen, wie M. auch beifügt; Teiche wurden auf Bcrgeshöhen angelegt, damit die Niederschlüge in ihnen sich sammeln 486 könnten und durch Befruchtung der Felder wie durch Treiben von Mühlen eine Quelle des Segens wurden für das Thal. Insbesondere die Muster-wirthschaften der Cisterzieuser wurden Ackcrbauschulen für die weltlichen Großen, und noch heute zeigen Deutschlands schönste Wald- landschaften von: Rhein bis Danzig die Trümmer der Cisterzieusercultnr. Kurz, allenthalben erblicken wir eine hochentwickelte Bodeucultur und eine intensive Bewirth- schaftung des Landes. S. 14—15. Der Thatendrang in An- und Ausbau während der Stanfcrzeit überstieg nicht selten die Leistungsfähigkeit des Bodens, indem sich da und dort in Deutschland Orte nachweisen lassen, die als minder glückliche Rodungen und tzofanlagen wieder aufgegeben werden mußten. So geschah es auch mit der Cultur der Traube. S. 15—16. Der Weinbau war seit der Karolinger-zeit stark entwickelt: besonders waren es die geistlichen Grundherr-schäften, durch welche die Pflege und Verbreitung der Traube wesentlich gefördert wurde, „da diese ebenso dem Geheimnisse des Altares, wie dem täglichen Gebrauche diente". Obwohl man versteht, was gemeint ist, ist die Ausdrucksweise wenig glücklich. Wein wurde in ganz Deutschland gebaut, auf der bayerischen Hochebene, in Brandenburg und Pommern, auf Rügen, selbst in Kurland. Der Ertrag war begreiflicherweise ein so geringer, daß der Weinbau deni Garten- und Ackerbau wieder weichen mußte. S. 16, 24—26. Diesen Wechsel der Culturen nennt Lamprecht (Wirthschaftsleben I, 132. 129) nicht „Nachlässigkeit, sondern eine zu weit gehende Energie im Anbau". Endlich darf nicht vergessen werden, daß die geistliche und weltliche Macht nicht ermangelten, dem Landmann und dem Ackerbau ihren Schutz zu verleihen. Friedrich II. erließ 1220 unter Androhung schwerer Strafen, selbst der Acht, strenge Vorschriften zum Besten der Bauern. Verletzungen des kaiserlichen Gesetzes mögen wohl stattgefunden haben. Der Geschädigte rettete in solchem Falle, soweit möglich, seine Habe in das benachbarte Gotteshaus, um sich innerhalb der Kirchhofmaner gegen die Friedensstörer zu wehren. S. 17. Folgen wir nun mit M. dem Bauern des 13. Jahrhunderts in seine Wohnung, seinen Garten, auf das Feld, in den Wald, und vergegenwärtigen wir uns seine Besitzverhältnisse. Die Gehöfte der hörigen Bauern umgaben den Herren- oder Fronhof, wenn sie sich nnt diesem in derselben Dorfmark befanden. Sie waren das Bild des Herrenhofes im kleinen. Das Gehöfte der mittelrhcin- ischcn Franken wurde die herrschende Form bis tief nach Polen und Ungarn hinein. Es waren Bedürfnißbauten, meist aus Holz, wie sie in abgelegenen, zmneist Gebirgsgegenden noch zu finden sind. Im Hofe befand sich der Brunnen, auf dem Dache wurde fast regelmäßig Hanslauch gepflanzt, der die Stelle unseres Blitzableiters versehen sollte. S. 17-18. Nicht selten lebte auch das Vieh unter demselben Dache wie der Bauer. Nicht der unentwickelte Hausbau allein, sondern die hohe Werthschätzung des Viehes spricht sich darin aus. Daß es „mit großer Rücksicht" behandelt wurde, können wir dem Verfasser nicht glauben. Man sehe sich nur die Behandlung des Viehes in der Jetztzeit an: die Herzensbildung der bäuerlichen Bevölkerung, heute wie damals, weiß sich frei von den Sentimentalitäten der modernen Thierschutzvereine, das Vieh wird eben als Vieh behandelt, und das rauhe Leben im steten Kampfe Mit den feindlichen Naturgewalten, nach dieser Richtung wenig beeinflußt von dem sittigenden Geiste des Christenthums, weist oft eine abgrundtiefe Rohheit und Brutalität auf. — Das Wergeld der Hausthiere war nach dem Sachsenspiegel ein ziemlich bedeutendes. Die Zahl der gehaltenen Hansthiere zu ermitteln, ist unmöglich. Die Pflege des Viehes war nach den Ortsverhältnissen verschieden, im allgemeinen der heutigen sehr ähnlich. Großer Werth wurde auf das Weiden gelegt; wer selbst keine eigenen Triften besaß, hatte gegen Entschädigung Zutritt zur Weide „seines" Grundherrn, nicht, wie M. sagt, „eines d. i. irgend eines" Grundherrn. — Die Schweinezucht war so ausgedehnt und geschätzt, daß die Waldungen oft nicht nach ihrem Holzwerthe, sondern nach der Anzahl Schweine taxirt wurden, die sich darin sättigen konnten; die Eichenwälder hatten für die Schweinemast den Vorzug; das Schwein war im Mittelalter bei reich und arm das beliebteste Fleischthier. — Wegen seines Fleisches wie wegen seiner Wolle geschätzt war das Schaf. Ziegen wurden meist nur an Bergwcrksorten gehalten, weil man gefunden hatte, daß ihre Milch den schwindsüchtigen Grubenarbeitern sehr zuträglich sei. — Hühner, Enten und Gänse hatten geringes Wergeld; außerdem kommen auch vor Tauben, Pfauen, Fasanen und Schwäne. S. 30—33. Große Bedeutung hatte die Bienenzucht sowohl wegen des Wachses wie des Honigs. Das Recht des Bienenfanges war unbestritten: wer im Wald einen Bienenschwarm fand, war dessen Eigenthümer., Die mittelalterliche Bienenwirthschaft hatte eine staunenswcrthe Ausdehnung. S. 33. Wir hätten darum gehofft, Ausführlicheres darüber zu vernehmen, die 11 Zeilen auf S. 33 werden der Bedeutung für den mittelalterlichen Haushalt wie für den Gebrauch der Kirche sicherlich nicht gerecht. — In der Nähe der Wohnung und ferne in der Flur lagen die eingefriedeten Gärten, deren Anlage und Pflege seit dem 8. Jahrhundert durch die Benediktiner in Deutschland eingeführt wurde, indem sie römische Culturpflanzen in großer Menge über die Alpen brachten. Es gab Zier-, Heil-, technisch verwendbare Pflanzen, Pflanzen des Gemüsegartens und Obstbänme, welche sämmtlich Albert der Große in seinen „sieben Büchern von den Pflanzen" eingehend und verständnitzvoll beschrieben hat. Mehr verbreitet als heutzutage war der Anbau des Hopfens, -noch mehr aber, wie schon erwähnt, die Cultur des Weines. Dadurch, daß die Mönche, welche zur Gründung eines neuen Klosters auszogen, einerseits die Pflanzen des Mnttcrklosters für die neue Stiftung mit sich nahmen, anderseits wohl auch einmal ein unbekanntes Gewächs aus der Fremde mit heimbrachten, hatten die Klostergärtcn ein gleichartiges Aussehen. Aus ihnen gelangten neue Pflanzen in die Gärten der benachbarten Dörfer. Cisterzieuser brachten von Morimnnd die graue Renette in das Kölnische und nach Thüringen; wir kennen sie — und wer sollte sie nicht kennen! — als Borsdorfer Aepfel. — Auch Treibhäuser treten um die Mitte des 13. Jahrhunderts im Norden auf. Die Gärten erfreuten sich endlich auch der Aufmerksamkeit der Reichsgesetzgebung (Friedrich I. und Otto IV.) und der Rechtsbllcher (Sachsenspiegel und Stadtrechte). Vgl. S. 20—24. Zu jedem Dorfe gehörte eine Feldmark, die getheilte und die ungstheilte. In der ersteren besaß der freie und hörige Bauer eine bestimmte Anzahl von Feldern, Wiesen und Weinbergen. Die letztere, die All- mcndc, umfaßte alles andere zum Dorf gehörige Land. 487 Die Grenzen der Marken, wie der einzelnen ausgeschiedenen Theile, waren sorgfältig abgesteckt; die Beschädigung eines Grenzsteines oder Malbaumes, sowie dessen eigenmächtige Berrückung wurden nach dem Sachsenspiegel schwer bestraft, auch die eigenmächtige Setzung solcher war verboten. S. 19—20. Getrcidearteu waren Weizen, Spelz, Roggen, Gerste, Hafer und Hirse. Seit Karl dem Großen war das System der Dreifelderwirtschaft immer mehr in Uebung gekommen. Für die Bereitung des Brodes diente das Hafermehl zumeist, Weizenbrod aßen nur die besseren Stände. — Bei Herstellung der Ackerwerkzeuge kam durch den Aufschwung des Bergbaues und der Gewerbe das Eisen schon zu häufigerer Verwendung. Nach der Bestellung des Feldes im Frühjahre wurden Aecker und Wiesen, vermuthlich nur soweit sie einer Beschädigung ausgesetzt waren, mit Zäunen umgeben oder „umfangen", auf deren Verletzung hohe Strafe stand. Die landwirtschaftlichen Arbeiten vollzogen sich in derselben Reihenfolge wie heute noch in den von der Natur stiefmütterlich bedachten und bei der Dreifelderwirthschaft älterer Ordnung stehen gebliebenen Gegenden. S. 26—28. Ein Hauptbestandteil der alten Marken war der Wald. Da die weite Ausdehnung des Urwaldes eine höhere Cultur unmöglich machte, so war man Jahrhunderte lang auf die Lichtung und Rodung desselben bedacht. Der starke Verbrauch des Holzes für die Bauten von Häusern und Kirchen, sowie iür landwirtschaftliche Zwecke ließ manchen Orts schon ani Ende des 12. Jahrhunderts an den Schutz deS Waldes denken durch Begrenzung der Holzbcrechtigungen. Was heutzutage vielfach im parteipolitischen Kampfe gegen die Kirche ausgeschlachtet wird, die Festlegung der Holzbcrechtigungen, war eine der nothwendigsten und nützlichsten Maßregeln zum Schutze des Waldes, zur Vorbeugung des Holzmangels. Sämmtliche Rechtsbücher des 13. Jahrhunderts enthalten bereits znm Theil scharfe und weitgehende Schutzbestimmungen für den Wald. S. 29—30. Der Inbegriff aller Nutzungen des Bauern in der getheilten und ungeteilten Mark, einschließlich des Hofes und der Hofgebäude, hieß Mausns, Hübe oder Hufe. Die einzelnen Bauerngüter waren der Größe nach in verschiedenen Ortschaften verschieden, aber in ein und demselben Dorfe ursprünglich immer gleich. Das kleinste ursprüngliche Hufenmaß ist das von 30 Morgen oder Tagwerk, gleich 1 sehr reinliches, ganz weißes Haus. Vor kurzen: erst war es mit einen: neuen Kalkkleide beschenkt worden. Kräut- chen und Blümchen bedeckten sein Dach, gleich als ob ein mit Laubwerk durchwirkter Schleier darüber geworfen worden wäre. Durch sein offenes Thor sah man in den Hosraum (patio), der sich zu einem Blumenkörbe gestaltet hatte. Der schöne Anblick, den das Haus bot, konnte mit einen: aufrichtigen Menschen, der unverhohlen ein Herz poll^Nntchuld und Fröhlichkeit zeigt und sehen läßt, verglichen werden. Mau schaute dort Rosen in ihren Farben, weiße, rothe und gelbe, wie Schwestern in verschiedenem , Gewände. Die Lilie — diese deutsche Blume, die so frühe blüht — verneigte sich unempfindlich und traurig in ihrem bescheidenen Kleide. Die zarten Veilchen deckten sich unk , °) Fernan Caballero's Eltern verehelichten sich im Frühlinge 1796. Vergl. Kölnische Volkszcitung von: 15. Sept. 1897, ksir. 673, drittes Blatt. o) RolLvioiws vor Ikermm Caballero, Brvckhans, Leipzig 1876. S. 151 7 . weiß sie den kindlichen Ton jener echten Romantik, welche sich von der tröst-, that- und hoffnungslosen Weinerlich- keit des in die moderne Literatur cingeschlicheucn Pessimismus frei erhält, zu treffen. Verletzender Spott und beleidigende Satire war nie ihre Sache. Die Geißel der Satire schwingt sie stets nur mit einer gewissen Heiterkeit und Freundlichkeit. Wie köstlich z. B. nicht ist die Per sisiage, mit welcher sie durch eine alte Matrone den aufgeklärten Don Narciso in der „Ella" in die Enge treiben und zurechtweisen läßt. „Tenor Narciso," sagte die strengconservalive Assistentin, „ich sehe, daß Sie keine Religion haben, lassen Sie doch börcn. Glauben Sie an Gott:" „Aber Senora," erwiderte der Pbilosoph, „mir scheint diese Prüfung wenigstens nicht an: Platze." „Anlworten Sie," versetzte die Assistentin lebhaft, „denn ich bin neugierig wie eine Alte, die ich bin, und eigenwillig wie eine Schöne, die ich nicht bin. Glauben Sie also an Gott?" «Ja, ja, Senora, ich glaube au ein höchstes Wesen." 490 „Unbestimmter- Ausdruck. Aber weiter, glauben Sie an den Himmel?" „Ich glaube an einen Aufenthalt der Gerechten." „Vages Wort! Aber weiter, glauben Sie an das Gebet und seine Wirksamkeit?" „Ich glaube daran: wir sollen den Schöpfer preisen, wie es die Vögel bei Sonnenaufgang thun!" „Schöne Muster der Andacht! Aber die Wirksamkeit?" „Ich glaube nicht an einen unmittelbaren Erfolg; es ist eme Anmaßung, zu glauben, daß die Gottheit sich soviel mit uns beschäftige und an unseren individuellen Interessen Antheil nehme." „Weßhalb beten Sie denn?" „Ich bete, ohne kindische Anforderungen zu machen; mein Cult ist ein Dank- und Lobhymuus . . „Gewiß," sagte die Assistentin, „Ihr Katechismus ist von neuer Erfindung, und ich lasse mir die Ohren abschneiden, wenn Sie ihn dem Volke verständlich mache» können, und die Nase, wenn Sie ihn selbst verstehen." Wann die Dichterin in künstlerischer Vollendung die revolutionäre, antikatholische Verpestung ihres heißgeliebten Volkes schildert, so unterläßt sie es niemals, auch diesem düstern Bilde einen heitern Hintergrund zu verleihen. Ich erinnere hier unr an das Gespräch der vorhin erwähnten Assistentin in der „Ella" mit ihrem Neffen Carlos über die lange Nase König Ferdinands VII. und die vcrheirathcteu Bischöfe Englands. Ein nicht zu unterschätzender Vorzug der ltterarischen Erzeugnisse Fernan Caballero's ist ferner der keusche, züchtige Geist, der durch dieselben weht. Ebenso ist allen ihren Werken, selbst denen des späteren Alters, eine gewisse natürliche Frische und anregende Lebendigkeit eigen. Es liest sich alles so leicht und fesselnd, so daß, hat man einmal eine ihrer Erzählungen zu lesen angefangen, man nicht eher mit der Lektüre derselben aufhören will, als bis man zu Ende gekommen. Für volksthümliche Redewendungen, spanische Sprichwörter, andalusische Sagen und Legenden sind Ca- ballcro's Schriften eine unerschöpfliche Fundgrube; denn die auftretenden Personen sind sämmtliche aus dem wirklichen Leben genommen, darum paßt aber auch vollständig auf ihre Dorfgeschichten das spanische Volkslied: tomilla z? romvro Lls buslss, vina," ...,Oomo vsvAo äsl oampo Xo es waravllla."'-*) (Schluß folgt.) Historisches Jahrbuch. XVIII. Band. x.y. Nach den Ideen der Gründer der Görres- gesellschaft sollte dieselbe zunächst bestimmt sein, die Wissenschaft im katholischen Deutschland zu pflegen. Znr Durchführung dieses großen Planes wurde u. a. auch ein eigenes Organ für die geschichtlichen Studien geschaffen, indem gerade auf historischem Gebiete seit den Magdeburger Centurien die Angriffe gegen die von Christus gegründete Kirche fast znr Tagesordnung zu gehören scheinen. Daher kann es nur freudig begrüßt werden, wenn das „Historische Jahrbuch", welches im Auftrage der Görres- gescllschast und unter Mitwirkung von Hermann Graucrt, Ludwig Pastor, Gustav Schnürer, Carl Weyman von Joseph Weiß herausgegeben wird, seinen XVIII. Jahrgang glücklich abgeschlossen hat. Unter den größeren Aufsätzen sei vor allein erwähnt: „Der geistige Entwicklungsgang Joh. Ad. Möhlcrs" aus der Feder des Uni- versitälsproseffors Ritter v. Schmid in München, worin klar gezeigt wird, wie sich der reich veranlagte, gemüths- tiese Verfasser der Symbolik mehr und mehr empor arbeitete und losriß von den Anschauungen einer sogen. *) „Rosmarin und Thymianstrauch Trägst Du. Kind, im Kleide." „„Wunderst Dich? Ich komm' ja auch V'rade von der Heide."" aufgeklärten Theologie, welche im Cultus das Lehrhafte allzusehr betonte, die historische Entwicklung dagegen außer Betracht ließ. Als Jubiläumsgabe mag betrachtet werden die Arbeit Dnhrs über die Wirksamkeit des ersten Jesuiten auf deutschem Boden, nämlich des Petrus Faber, welcher durch die geistlichen Uebungen den Petrus Canistus für den neu gegründeten Orden der Gesellschaft Jesu gewann (8. Mai 1543) und so den Boden bereitete für die umgestaltende Thätigkeit des zweiten Vonifatins. Grauerts „Neue Dante-Forschungen" sind leider nicht abgeschlossen: denn auf den Aufsatz S. 58, mit l versehen, folgte im laufenden Jahrgange kein II oder III. Und doch sollte es redaktionell vermieden werden, ein Thema über mehrere Jahresfolgen hinaus zu vertheilen. Daß aber Granert gerade in der Dante-Literatur sehr reichen Stoff zur Verfügung hat, beweisen seine gehaltvollen Ausführungen in den Historisch-politischen Blättern. Einen principiellen Kampf führt Schnürer gegen Lamprechts evolutionistische Geschichtsauffassung, gemäß welcher es einen Endzweck der menschlich-freien Entwicklung nicht gibt. Im Interesse der katholischen Weltanschauung hätten wir gewünscht, daß Schnürer Seite 111 seinem Gegner näher auf den Leib gerückt wäre mit der Gegenfrage: Wenn die katholische Kirche nur eine menschliche Einrichtung ist, wie Lamprecht in seiner Deutschen Geschichte behauptet, wie kommt es denn, daß diese Kirche alle Stürme des Mittelalters, der Glaubensspaltung und der französischen Revolution glücklich überdauert hat, während es nach demselben Forscher „zu den verhängniß- vollsten geschichtlichen Irrthümern der Gegenwart gehöre, zu glauben, daß wir heutzutage noch mit der Geistes- cultnr der Reformationszeit durch unmittelbare Zusammenhänge verbunden seien"? — Wohl den größten Reiz üben auf den Leser des Historischen Jahrbuches die Auszüge aus den verschiedensten Zeitschriften des In- und Auslandes, welche einen Ueberblick gewähren über den Stand einer historischen Frage und zu weiteren Nachforschungen anregen. In nicht zu unterschätzender Verbindung damit steht die No- vitätenschau, welche alle neuen Publikationen auf dem umfangreichen Gebiete der Kirchen- und Staatsgeschichte, der Cultur- und Kunstgeschichte u. s. w. anzeigt, oft auch den Werth oder Umverth eines Buches kurz charakterisirt. So bietet das Historische Jahrbuch in 1006 Seiten deS XVIII. Jahrganges ein sehr reichhaltiges Material, und ist es im Interesse der katholischen Wissenschaft nur zu wünschen, daß die Zahl der Abonnenten sich steigere. Im Jahre 1895 betrug dieselbe 362, im Jahre 1896 trat eine kleine Minderung auf 359 ein. Unangenehm berührt hat uns im letzten Baude der Name eines altkatbolischen Professors aus Bonn als Mitarbeiter. Das Historische Jahrbuch soll doch nach seiner Grundidee ein Sammelplatz für kathol. Historiker sein; die Mitglieder der Görres-Gesellschaft haben vor allem den Nachwuchs jüngerer kathol. Kräfte im Auge, wenn sie durch ihre Jahresbeiträge die Wissenschaft rm kathol. Deutschland pflegen und tördern wollen. Entschiedenheit muß herrschen, wenn es gilt, dein Vorwürfe geistiger Jnferiorität der Katholiken die Spitze zu bieten! Neceusrvuen und Notizen. Petrus Canisiu Z. Oratorium in sieben Bildern. Für Solo und Chor mit Klavierbegleitung. Deklamation und Lieder gedichtet von B. Wörner. Compo- sition von A. Hämel. vp. 12. Regensburg, Fr. Pustet. 1897. Preis: Partitur und Textbuch 4 M. 40 Pf. Stimmheste ä 60 Pf. Die Dichtung dieses schönen Werkes stützt sich auf sieben Hauptmomente aus dem Leben des seligen Petrus Canisius, der so erfolgreich in Deutschland für die Erhaltung des katholischen Glaubens zur Zeit der Reformation gewirkt hatte. Darnach gestalten sich auch die lebenden Bilder, welche folgende Szenen bieten: I. Petrus CanisinS nimmt Abschied von seinem Vater. II. ») Canisius kniet betend vor dein Grabe des hl. Petrus: I>) Christus mit den zwei Aposteln erscheint Canisius. III. Canisius lehrend imnitte der Kinder. IV. Canisius beim Neligionsstreit. V. Canisius vor den: Bayernherzog Albrecht, umgeben von den Bischöfen von Regensbnrg und Augsburg. VI. 491 Canisins vor dem Kaiser Ferdinand. VII. Canisins in der Verklärung. — Wenn in dem Gedichte an einer Stelle die Stadt Straubing mehr hervorgehoben wird, so hat dies seinen Grnnd darin, daß die ganze dichterische und musikalische Schöpfung in erster Linie zu einer besondern Centenarfeier des Seligen in dieser Stadt bestimmt war, in welcher er auch längere Zeit mit außerordentlichem Segen gewirkt hatte. Auch Dichterin (Ll. Bernarda Wörner, Nonne des Ursuliueriuucnklosters) und Componist (Lehrer und Stadtvsarr-Organist A. Hämel) gehören Straubing an. — Die Dichtung bewegt sich in edler, schwungvoller Sprache, ist von tiefer Empfindung getragen und reich an herrlichen Ideen. Ebenbürtig steht ihr die Musik (20 Nummern) zur Seite. Der Componist verstand es, die in die Deklamation eingeschalteten Lieder und Gesangstexte init entsprechendeil und die Stimmung gut inter- pretirenden Melodien und Harmonien zu umkleiden. So ist prächtig und höchst wirksam Z. B. das Obcrquartett ,,Kindesunschuld, Kindesglaube", das Tenorsolo ,,Und wenn rch zu ihm ging", und mächtig ergreift der gewaltige Schlußchor /I'u 68 kktnw" mit Alleluja. Die erste Aufführung erfuhr dieses Oratorium am 16. November zu Metten durch den Stndienchor, bloß mit Klavierbegleitung und Streichguintett, und mit vorzüglich arrangirten lebenden Bildern. Die Ausführung gelang sehr gut und die überaus zahlreichen Zuhörer waren des Lobes voll. Den größten Erfolg errang das Werk in Straubing selber, wo die Centenarfeier am 22. November unter außerordentlicher Theilnahme von nah und fern begangen wurde. Personen aus allen Ständen und Berufsklassen hatten sich zusammen- um eine würdige Vorführung des Werkes zu ereil. 140 Sänger und Sängerinnen, darunter eine Elite von Solisten und Solistinnen, nebst einem 60 Mann starken Orchester betheiligten sich daran und halfen unter der Direktion des Componisten zur vorzüglichen Ausführung. Wie bekannt wurde, wird das Werk auch bald in Würzburg und in Nymwegen, dein Geburtsorte des sel. Canisins, zur Aufführung gebracht werden. 8. U. Kornmüller. gethan, möglich DerenglischeFamilienbrief.—Der französische Familienbrief, beide von W. Ulrich. — Der italienische Familienbries, von Professor RomeoLovera. Stuttgart, 1697. JosephRoth'fche Verlagshandlung. Preis elegant in Ganzleinen gebunden L 1 M. 50 Pfg. 8. Wer die oft geradezu lächerlich unpraktische Methodik des neusprachlichen Unterrichts an unseren humanistischen Lehranstalten kennt, wird uns verstehen, wenn wir offen bekennen, daß wir zwar fast ein halbes Dutzend von Jahren auf der Schulbank Französisch getrieben hatten, und dies sogar mit Interesse, daß wir aber trotzdem unfähig waren, einen ordentlich stilisirten Brief nach Frankreich zu schicken. Und war es auch nur eüle kurze Bitte per Postkarte, es war uns nie gelehrt worden. Gewiß haben sich auch andere schon in derartigen Verlegenheiten befunden, und da die betreffenden Grammatiken über den Briefstil entweder nichts oder, ivie die der Methode Gaspcu-Otto-Sauer, nur Ungenügendes enthalten, dürfte mancher Leser für einen Hinweis auf die citirten, ebenso geschmackvoll ausgestatteten, wie praktisch angelegten Bändchen dankbar sein. Sie geben eine (restliche Anleitung, Billete und Briefe in den genannten Sprachen schreiben zu lernen. Die 70 bis 80 ganz dem Leben abgelauschten Briefe jedes Bündchens sind sprachlich durchaus corrsct und edel: für Anfänger sind schwierigere 'Ausdrücke am Schluß der Briefe kürz erklärt: der Inhalt ist ganz aus dem Gesichtskreis eines Eingeborenen des betreffenden Landes genommen. Letztere Eigenschaft bemerken wir besonders an dem soeben ausgegebenen Büchlein Lovera's „Der italienische Familienbries". Durch dessen Schilderungen über italienische Eigenthümlichkeiten und Reiseorte (Weinlese, Vogelfang, Venedig u. ähnl.) lernt der noch Ungeübte neben dem Briefschreiben auch noch ein Stück fremder Anschauungsweise kennen. Uebcrhaupt verräth die Auswahl pädagogische Fachmänner und Lehrer. Die Briefe berühren so zahlreiche Anlässe des Familien- und gesellschaftlichen Lebens (nur erotische und Handelsbricfe sind ausgeschlossen), sind so fein und elegant stilisirt, daß die Büchlein nur bestens empfohlen werden können. Nicht zum mindesten bilden sie ein recht praktisches Weihnachtsgeschenk für Schüler und Schülerinnen, und auch Lehrer werden diese Büchlein nicht ohne Stutzen für ihren Unterricht verwenden. Dr. Karl Storck, Deutsche Literatur-geschichte. Für das deutsche Hans. Stuttgart, Vertag von Jos. Roth. 1898. XVI -ft 504 S. Preis 3,20 M„ eleg- geb. 4,20 M. 8. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur zu schreiben und dabei nicht trocken und langweilig werden, ist gewiß eine Kunst. Storck, der junge vielversprechende elsässische Gelehrte versteht sie und liefert den Beweis in obiger „Literaturgeschichte für das deutsche Haus". Sie ist ausgezeichnet durch lebendige Darstellung, durch flüssige Sprache, und dabei durch gewissenhafte Forschung, und eignet sich so sehr wohl für die deutsche Familie. Üin so mehr, als der Verfasser auf christlichein, katholischem Boden steht, ohne daß er deßhalb Andersgläubige schief beurtheilt (man vergl. nur, was er über die „wichtigste Geistesthat Luthers", die Bibelübersetzung, sagt S. 136 ff.). Einen besonderen Werth scheint uns Storcks Werk zu haben durch die Darlegungen der geistig treibenden Kräfte, die auf ganze Zeitalter und einzelne Gruppen bestimmend einwirkten. Storck faßt seine Aufgabe tief, er begnügt sich keineswegs mit Aufzählung von Namen und Daten, sondern zeichnet feine Gestalten auf ihrem kulturhistorischen Hintergründe. Das thut er besonders in den trefflichen Uebersichten und Einleitungen, von den ältesten Zeiten bis zu den „Modernsten" dieses Jahrzehnts. Vielleicht dürfte da der Verfasser manchmal sogar etwas zu viel gethan haben, so z. B. sind die SS. 147 ff. (Zerrüttung durch den 30jährigen Krieg) doch eigentlich ein kleb ergriff in die Culturgeschichte. Sonst hätten wir noch auszusetzen, daß die „Heroen" Goethe u. s. w. zu günstig taxirt sind; einen Menschen wie Goethe, der in Leben und Dichtung jenseits von Gut und Bös war, braucht man nicht eben so zimpfcrlich anzufassen, und Schiller niag der „erste dichterische Führer seines Volles" sein, wahr ist aber anch, was Böhmer einmal aussprach, daß er unserer Literatur viel geschadet hat. Die Mystiker am Ende des Mittelalters sind etwas kurz vorgenommen; die Abhandlung über altfranzösische Literatur S. 55 ff. ist unseres Erachtens zu ausführlich. Die alt- uud mittelhochdeutschen Versformen wären durch Beispiele passend illustrirt worden. Wielauds Heimath Oberholzheim liegt nicht bei Biberach, wenn es auch noch vielmal so gedruckt wird, sondern eher bei Ulm. Doch das sir^ schließlich weniger gewichtige Ausstellungen. Jni übrigen ist das Buch bestens zu empfehlen. Nicht zum mindesten wird es ein wegkundiger Führer sein in der Literatur der letzten Jahrzehnte. Es bildet ein recht praktisches und hübsches Weihnachtsgeschenk. Ausstattung und Druck sind ausgezeichnet, der Preis wäre bei einer anderen großen Verlagshandlung Snddculschlands mindestens um 1 M. höher. IH Mit dem vorliegenden Hefte beendet die Miss! ons- Zeitschrist „Kreuz und Schwert" ihren 5. Jahrgang. Dieser letzte Jahrgang zeichnet sich besonders durch Vermehrung der Illustrationen aus. Wer ein Jahr lang die vielen interessanten Original-Berichte aus unserem Kolonialgebiete gelesen hat, muß Interesse gewinnen an der so fruchtbaren Culturarbeit unserer katholischen Missionäre. Alle Missionen, die uns interessiren, bedienen sich dieser Zeitschrift, weßhalb sie sich mit Recht als das Centralblatt für die gesammtc Missionsthätigkcit auf dem deutschen Gebiete betrachten kaun. An milden Gaben für Missionszwecke hat der Herausgeber wieder rund 20,000 Mk. gesammelt und damit abermals die große kulturelle Bedeutung der Zeitschrift bewiesen. Möge der neue Jahrgang dem Herausgeber neue Freunde bringen! (Man abonnirt für 1,60 Mk. bei jeder Post und Buchhandlung. Herausgeber: W. Helmes, Münster i. W.) Die Encyklika über die Arbeiterfrage. Festspiel für kathol. Arbeitervereine von I. E. G. H. Augsburg, Kranzfelder'sche Buchhandlung. 52 S. 50 Ps. b. Der Gedanke, diese hochbcdeutsame Encyklika auf die Bretter zu bringen, ist originell und neu. Die Verfasser fühlen warm für die Vereinssache und das christliche Arbeiterprogramm Leo's. Die edlen Gedanken sind 492 schön gefaßt, die Sprache ist bewegt, der Zweck ist ein lobenswerther: Organisation und Presse auch um der Arbeiterkinder willen. Es fehlt nicht an .Handlung. Die Ausführung, die einfachste Scenerie und Kostüme fordert (9 Personen), ist nicht schwer. Deßhalb sei das Büchlein zur Aufführung in Arbeitervereinen bestens empfohlen. Horns ckiurna« Ursviarii romani. Pustet, Regens- bnrg. 5. Auflage. 32°. ' Wie alle Ausgaben liturgischer Bücher im Pustet- scheu Verlage, ist auch das Diurnale durch einen außerordentlich sauberen und klaren Druck ausgezeichnet. Die neueste Gabe in 32° trägt die Druckerlaubnis; des Hoch- würdigsten Herrn Bischofes Jgnatins von Negensbnrg und für das Proprinm jeder Diöcese die Approbation der jeweiligen kirchlichen Behörde. Als besonders praktisch möchten wir hervorheben, daß die Psalmen der kirchlichen Tageszeiten noch in Separatdrnck im gleichen Formate beigegeben werden, so daß sie vom Buchbinder begncm gesondert geheftet und in das Buch eingelegt werden können. _ Entwurf eines Besitzstener-Gesetzcs. Zugleich ein Nachtrag zu des Verfassers Schrift: „Mittelstand und Besitzsteiier". Von Gg. Killer- mann, kgl. Landgerichtsrath a. D. in München. I. Schweißer Verlag (Jos. Eichbichlcr) München 1897. Gr. 8". 3 Bogen. Preis 6v Pfg. (Gegen Einsendung von 65 Pf. franco unter Streifband.) Der Verfasser geht auch in dieser seiner Schrift von den Gedanken aus, daß eine den Wünschen der Bevölkerung entsprechende gerechte Besteuerung vor Allem die Schulden der Steuerpflichtigen und die Familienvater mit unversorgten Kindern zu berücksichtigen habe, das un- fnudirte Arbeitcreinkommen geringer als das fnndirte Ncnteneiukommen belasten mäste, jedem physischen Steuersubjekte den sogen. Nolbbedarf steuerfrei belassen und zugleich die Krankheits-, Arbcits- und Geschäftsvcrhältnstse, resp. die dadurch bedingten Verdienst- und Einkommens- verhältnisse der Steuerpflichtigen ins Auge fassen soll und tritt nun den Beweis, daß alles dieses durch die, alle gegenwärtigen direkten Stcnerartcn in sich schließende und daher entbehrlich machende, trotzdem aber äußerst einfache, leicht einsührbgre, nicht kostspielige, unabwälzbare und elastische Besitzsteuer erreicht werden kaun, dadurch an, daß er als Nachtrag zu seiner oben genannten früheren Schrift für ein Besitzstcnergesetz die bezüglichen Paragraphen entwirft und durch Vorführung mehrerer aus dem Leben gegriffener Beispiele und Bezugnahme auf die einzelnen Paragraphen deren praktische Anwendung zeigt. Da dieser Entwurf gleich den gewählten Beispielen sich nicht nur auf die Landessteuern, sondern auch auf die Kreis-, Distrikts- und Gcmeiudeumlageu erstreckt, so ist er sowohl höchst praktisch, als auch zur nun möglichen Beendigung der stets wiederkehrenden und aufregenden Steucr-Revjsjonen und selcht zur endlichen Verwirklichung der allgemein ersehnten Steuerreform geeignet. Durch die Wichtigkeit der Sache und die objektive, klare und überzeugende Behandlung derselben dürfte sich somit die höchst zeitgemäße Schrift wohl empfehlen. Der selige Petrus Canisius. zweiter Apostel Deutschlands. Bearbeitet von A l. Knüppel, Hauptlchrer in Rheydt. Mit kirchl. Approbation. 8. (X u. 236 S.) Mainz, Verlag von Frz. Kirch- heim. 1897. Preis geh. 2 M. Das VII. Bündchen der von Dr. W. E. Hubert herausgegebenen Sammlung „Lebensbilder katholischer Erzieher" gibt eine sehr zeitgemäße Biographie des sel. Petrus Canisius. Zwar hat uns das Jahr 1897 aus Anlaß der 300jährigen Wiederkehr des Todestages des Seligen eine ganze Reihe gediegener Darstellungen seines Lebens gebracht. Allein, „weil Canisius ein Erzieher von Gottes Gnaden war", wie der Verfasser mit vollsten» Rechte in der Vorrede sagt, darf sein Leben in der vorgenannten Sammlung nicht fehlen. In klarer, einfacher, aber warmer Sprache wird sein Leben in 5 Büchern dargelegt, von denen das erste, die Jugendzeit des Seligen, das folgende seine Wirksamkeit in Bayern und Oesterreich und das dritte seine ausgedehnte kirchenpolitische Thätigkeit behandelt. Das vierte Buch ist der Thätigkeit des sel. Canisius für die Ausführung der Beschlusse des Concils von Tricnt gewidmet, während das fünfte Buch uns mit dessen Lebensabend und schriftstellerischer Thätigkeit bekannt »nacht. Daran schließt sich ein Rückblick, der in drei Kapiteln die pädagogische Bedeutung des Seligen und seine Bedeutung für Deutschland und jeden Christen schildert. L. 8. Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft. Herausgegeben von V»-. Jos. Weiß. Commissionsverlag von Herder u. Cie. in München. (Jährlich 4 Hefte, zns. 12 M.) XVIIl. Jahrgang. 4. Heft. Inhalt: Aufsätze. L auch ert. Der Dominikaner Wigaud Wirt und seine Streitigkeiten. Duhr, Der erste Jesuit auf deutschem Boden, insbesondere seine Wirksamkeit in .Köln. Weiß, Der Streit über den Ursprung des Siebenjährigen Krieges. II. Roth, Adolf von Breithart, .Kanzler zu. Mainz, j- 1491. Müller, Zur Geschichte Jamnitzers. — Recensionen und Referate. Vardcn- hcwer, Patrologie (Ehrhard). Zöcklcr, Askese und Mönchthnm Bd. 1. (Ehrhard). Klopp, Der 30jährige Krieg bis z. Tode Gustav Adolfs 1632. Bd. 3. (Fischer). Kehrbach, lstouvm. Osrmav. UaöckaKvZstea Bd. 12, 14, 16(Orterer). — Zeitschriftenschau.— Novitäten- s ch a u. — Na ch r i chten. Erstkommuuionglöcklein von Pros. G. M. Sommer, Benestciat u. Gymnasiallehrer in Bcnsbeim. Erwägungen, Belehrungen und Andachtsübnngen für fromme Erstcommunionkinder. Zweite verbesserte Auflage. Mainz, Verlag von Frz. Kirch- beini. 1893. Preis in Callicobänd mit Nothschnitt M. 1.-. Ein praktisches Büchlein für die Hand des Kindes, das sich gut znr ersten hl. Communion vorbereiten will. Aus dem Büchlein weht eine große Wärme und Hingebung für die Jugend; die Ausstattung ist sehr nobel und der Preis niedrig. (Pädag. Monatshefte, Stuttgart 1896.) Cochem, k. M. v., Orck. vap., Goldener Himmelsschlüssel. Neu bearbeitet von 8. Benedict von Calcar,' Orä. 6ax. Mit kirchlicher Approbation. Mainz, Verlag von Frz. Kirchheim. 1897. Sechste Auflage. Preis geh. M- 2.—. Der Verfasser schreibt in der Vorrede: „Ich zweifle gar nicht, daß Du Dich bei fleißigem Gebrauche dieses Buches zur wahren Andacht ermuntert und in Deiner Seele getröstet fühlen wirst. Vorzüglich aber habe ich dieses Buch aus Mitleid für die leidenden Seelen im Fegfeuer und aus Verlangen, ihnen in ihre»» Qualen zu Hilfe zu kommen, geschrieben, weßhalb ich denn auch fast alle Gebete und Andachten ganz besonders zur Hilfeleistung imd Erguickung der armen Seelen eingerichtet üabe. Ich bin fest überzeugt, daß der fleißig gebrauchte Himmelsschlüssel mancher gefangenen Seele ine Pforte des Fegfeuers erschließen und das goldene Himmelsthor zur ewigen Freude eröffnen wird." . ' Waldesrauschen. Geschichten aus den» Volke. Von Otto v. Schachtn«. Mit zwei Photogravüren und dem Bildniß des Verfassers. Regensburg, Nationale Verlagsanstalt (früher G. I. Mauz) 1897. Laderwreis brosch. 3 M., geb. 4 M. * In zwei Erzählungen schildert der Verfasser das Leben und Treiben, Sinnen und Denken, die Sitten und Gebräuche der Landbewohner der Oberpfalz, theiliveise im Dialekt. Die Erzählungen sind sehr spannend geschrieben und halte»; das Interesse des Lesers von Anfang bis zum Schlüsse wach. _ Soldatengcschichten von Ludwig Diehl. Stuttgart, Verlag von Strecker u. Moser. " Das Bündchen enthält Ernstes und Heiteres aus dem Soldatenlcben und bereitet dem Leser viel angenehme Unterhaltung. . Veranlw. Redacteur: Ad. Haas i»; Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabberr in Augsburg.