An. 27 M Kiigskmger I-ßzeiimg. ^»- E Sonntagsbuchstabe und Coufusilinsjahr. Von Al. St anal. Bmcficiat in Tuntenhausen. Im Feuilleton der „A. Postztg." vom 10. April lfd. Js. war zu lesen, wie auf Bemühungen des Pros. und Directors der Berliner Sternwarte W. Förster hin bezüglich einer Einschränkung der Beweglichkeit des Osterfestes Papst Leo XIII. schon vor mehreren Jahren den damaligen Director der Vatikanischen Sternwarte, I>. Denza, beauftragt habe, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Diese Bereitwilligkeit des Heiligen Vaters setzt uns nicht im Geringsten in Erstaunen. Auch wir halten jetzt die Zeit für eine Beschränkung für gekommen. Aber das glauben wir schon jetzt bestimmt voraussagen zu können, das; die vorgeschlagene Woche vom 4.-11. April nicht als Osterwochc acceptirt werden wird, und zwar darum nicht, weil sie ganz willkürlich herausgegriffen wäre und absolut keine historische Berechtigung hat. Die einzig richtige Osterwochc ist jene vom 28. März bis 3. April, also eine Woche früher. Man beachte übrigens, wie Ostern im Jahre 1899 fallen wird. Da wird sich die Nicänische Osterregel von selbst aufheben. Sie wird nämlich nicht mehr angewendet sein. Man wird da die goldene Zahl 19 haben und die Epakte XVIII zählen, in Wirklichkeit wird sie aber XX sein, denn der Neumond wird im Jahre 1899 am 11. März eintreten, Vollmond aber wird am Samstag den 25. März sein. Weil nun das Frühlingsäquinoktinm in jenem Jahre noch am 20. März sein, 1900 aber auf Pen 21. März vorrücken und dann dort verbleiben wird, so ist offenbar jener Vollmond Imna xaseftalis, und sollte daher nach der Nicänischen Regel am 26. März Ostern gefeiert werden. Es wird aber erst am 2. April Ostersonntag sein, und das ganz mit Recht, denn am 26. März wäre Ostern verfrüht. Wir haben den Grund dieser Abweichung in der st'aliula pasoftalis zu suchen, die uns sagt, daß mit der I-itsra Vormnieaiis I- und der Epakte 18 Ostern am 2. April gefeiert wird, während es mit der richtigen Epakte 20 am 26. März sein würde. Man sieht, der Mond selbst protcstirt sozusagen gegen eine längere Fortdauer der Osterregel des Nicännms. Denn der 26. März des Jahres 785 II. 6. oder 34 der Lsra vuIZ. ist der Todestag des göttlichen Heilandes, folglich der 28. März der Tag seiner glorreichen Auferstehung, das erste christliche Ostern. Demnach sollte Ostern nie vor dem 28. März, sondern am Sonntage der dem 27. März folgenden Woche sein. Es ergibt sich das aber auch schon aus der Ostcr- regel des Concils von Nicäa von selbst. Der früheste Ostervollmond ist jener, der auf den 21. März fällt, und ist dieser Tag ein Sonntag, dann wird Ostern am nächstfolgenden Sonntage, also am 28. März, gefeiert. Läßt "man daher die Rücksicht auf den Mond bei Seite, so bleibt immer noch der erste Theil der Regel aufrecht und könnte nur dahin lauten: Ostern wird jedes Jahr gefeiert am 28. März, wenn eS ein Sonntag ist, oder am Sonntage der folgenden Woche. Damit wäre der Osterkreis auf eine Woche beschränkt und entspräche der historischen Wahrheit. Eine andere Frage ist: wie kam das Nicänum zur Aufstellung seines Ostercanons, oder wann war Ostern im Jahre des Concils? Es läge sehr nahe, nach den Erläuterungen des Oalsnäarinw. Ikoirrannm Ds aims st SM8 partilnm, nach der laftnla pasostaiis antigua rskormata sich zu richten, und man erhielte für das Concilsjahr nach bisheriger Rechnung den Svnntagsbnch- staben 6, die goldene Zahl 3 und die Epakte *, dem« nach Ostern am 18. April. Damit würde man aber der Wahrheit bös in's Gesicht schlagen. Es muß einleuchten, daß der in der l'adnla eingesetzte Epaktencyklus wohl nicht weiter zurückweichen kann, als bis dahin, da er eingeführt wurde, und das war im Jahre 153 der Aera Diokletians — 437 n. Chr. Er begann also erst über 100 Jahre nach dem Concil. Darum läßt sich mit dieser stlabula nichts Sicheres erniren. Wenn wir nun aber in Zweifel ziehen würden, ob wir das richtige Concilsjahr haben, und wenn wir sagen würden, die Beschlüsse des Concils von Nicäa datiren vom Jahre 326 nach Christus, so wissen wir, daß die ganze Gelehrtenwelt über nns herfallen und sagen wird: Es ist doch eine allgemeine und unbestrittene Thatsache, daß jenes Concil im Jahre 325 stattfand. Wir aber sagen: Nein, denn wir bestreiken es. Uns imponirt diese Allgemeinheit gar nicht. Von jenem Concil bis zur Einführung der christlichen Aera vergingen mehr als 200 Jahre. Man lebte damals in der diocletianischcn Aera» und wer bürgt nns dafür, daß das Concilsjahr dieser Aera richtig in die Lsra vul§. übertragen ist? Es ist das so wenig richtig als das allgemein angenommene Jahr 33 der Lora vnig. als Todesjahr Christi und als die Behauptung, Dionysius ExignuS habe das Jahr 754 II. 6. als erstes der christlichen Aera gerechnet. Wir machen uns anheischig, obige Frage genau und erschöpfend zu beantworten, indem wir sagen: Der bestehende Osterfest-Canon wurde vom Concil von Nicäa aufgestellt im Jahre 1078 II. 6. — 42 Lsrao Dioolotiani — 354 der attischen oder ncnäghptischen Aera ---- 326 Laras vui§. Neumond war in jenem Jahre am 11. März, Vollmond am 25.; Sonntag war am 20. und 27. dieses Monats, also Ostern am 27. März. Daher stammt wohl auch die Tradition, welche in den mittelalterlichen Kalendarien bis ins 13. Jahrhundert sich findet, und worin der Todestag des Herrn auf den 25. März, der Tag seiner Auferstehung aber auf den 27. dieses Monats angesetzt ist. Woher wir das Alles so bestimmt wissen? Wir verdanken unser Wisse», welches hinsichtlich der Zeitrechnung jetzt nngemein ausgedehnt, weitumfassend und sicher ist, zum Theile wirklich historischen Angaben, deren nicht sehr viele, aber hinreichend genügende sind. Hiezu rechnen wir: 1) den Beginn des Jnlianischen Kalenders im Jahre 708 II. 0., des Jahres 709 mit 1. März und einer Dauer von 365 Tagen, des Jahres 710 mit 1. Januar und seiner fortlaufenden Reihenfolge; ferner die bald darauf eintretende unrichtige Einschaltung mit einer zur Ausgleichung dienenden zwölfjährigen Periode ohne Schalttag. 2) Ist hieher zu rechnen die Existenz einer römischen Woche von acht Tagen mit einer neben ihr herlaufenden siebentägigen Woche mit Planctcnnamen, wobei äiss 8aturni — Samstag der erste (a) und clios Loiia (k) der zweite Wochentag ist. Die achttägige Woche ist von größter Wichtigkeit. 3) Ist historisch bekannt der Beginn der attischen Mr nenägyptischew Aera mit 29. August des Jahre« 724 II. 6., welcher die Aera Nabonassars vorausging mit lauter Jahren von 365 Tagen. 4) Wissen wir den Beginn der ^vrg. Oiooletiani am 29. August des Jahres 1036 II. 6. (284 ^oru vulx;.) für den alcxandriuischen und am 25. Dezember desselben Jahres für den lateinischen Kalender; ferner den Anfang eines lateinischen 84 jährigen Cyklus mit dem 12. Jahre dieser Aera. 5) Ebenso ist bekannt der Anfang der Zahlung eines jeden lateinischen Jahres mit 25. Dezember (statt 1. Januar) vom Beginne der dioklctian. Aera bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts nach christlicher Zeitrechnung. 6) Gibt nns Dionhsius Exignns genau an den Beginn des Mondcyklus 8. (Drillt mit 153 Oioelek. und seine Umwandlung des Jahres 248 dieser Aera in das Jahr 532 a, Mtivikaks voinini. 7) Endlich ist allgemein bekannt der Beginn des Gregorianischen Kalenders mit dem 15. Oktober 1582. Das ist Alles, was man Zu wissen braucht, aber es genügt vollständig. Alles. Uebrigc haben wir erforscht aus der Naturosscnbarung Gottes. Wir verstehen darunter die genaueste Anwendung der vom Schöpfer vorgeschriebenen Bewegnngsgcsctze jener Gestirne, die er nns ausgesprochener Weise zum Zeitmaße gegeben hat, wie solche sich darstellt in einer richtigen cyklischcn Jahresrcchnnng. Ja, ist den» das nicht auch bisher schon geschehen? Wir sagen: Nein. In allen Kalendern finden wir für das laufende Jahr 1897 als Cykluszahl für das Souuen- jahr angegeben die Zahl 2 und den Somiiagsbnchstaben 6. Womit soll die Cyklnszahl 2 begründet sein, da sich doch seit 1582 in jedem Säcnlum der Cyklus ändert? Der gegenwärtige Cyklus hat mit 1801 begonnen, und die richtige Cyklnszahl wäre daher 13. Aber abgesehen davon fragen wir: Seit wann läuft dieser Cyklus, dessen Zahl gegenwärtig 2 sein soll? Man sagt, Diouysins habe seinen 28 jährigen Sonntagsbnchstabcu-Cyklus im Jahre 9 vor Christus begonnen, also mit dem Schalt- jahrsbuchstabcn 61?. Darauf haben wir zu entgegnen: Dionysius Exignns ist wohl der Begründer der christlichen Aera, aber eine vorchristliche war ihm gänzlich unbekannt. Mit obiger Annahme fehlt man nicht weiter als um 449 Jahre. Der Erfinder des Sonntagsbuchstaben ist kein anderer als Cyrillus von Alexandrien, der im Jahre 156 vioclat. — 440 n. Chr. denselben für die lateinische Kirche zu dem Zwecke einführte, damit man nach beiden Kalendern gemeinschaftlich Ostern feiern konnte. Zn diesem Zwecke hatte er 3 Jahre vorher jenen Epaktcncyklns, der mit a. ii. 1, Igiaata VIII begann, gleichfalls „erfunden", d. h. um 2 höher angesetzt, als er für den römischen Kalender astronomisch richtig war. Doch darüber wollen wir nns hier nicht weiter verbreiten. Eine astronomisch - mathematisch richtige Cyklus- rechnung muß mit dem ersten Jahre einer Aera beginnen. Da nun das Jahr 156 keine neue Aera einleitete, so war der Sonntagsbnchstabe auch nicht für eine cyklische Jahrrcchnnng bestimmt, oblvohl er selbstverständlich alle 28 Jahre sich wiederholen mußte. Daraus ist aber auch leicht zu ermessen, daß mit einer solchen Cyklnsrcchmmg unmöglich Nichtiges gefunden werden kann. (Schluß folgt.) Beata Stilla, Gräfin von Abenberg.*) Von I. N. Seefried. (Fortsetzung.) II. Die Legende der seligen Gräfin Stilla von Abenbcrg im Besonderen. Die Legende der gottseligen Jungfrau und Gräfin Stilla, welche in ihren Lebzeiten das Schloß Abenbcrg bewohnt hat, erzählt Pfarrer Vitus Koch von Schönfeld 1641 nach Hirschmann (5, 33) in einer Weise, daß Jedermann sofort erkennt, daß es sich hier um keine reine Volks Überlieferung, sondern lediglich nm eine Compositivn aus Aventin und Agricola, mithin nm eine ge» lehrte humanistische Mache» nicht aber um eine einfache und ursprüngliche Volkstradition handelt und gehandelt hat. „Man liefet in glaubwürdigen Historien, heißt es da, daß der wohlgeborne Herr Babo Graf zn Abensperg 32 Söhne und 8 Töchter beisammen im Leben gehabt, darunter einer Wolframus genannt; denselben begnadete Kaiser Heinrikns der heilige als seinen Vetter mit der Grafschaft Abensperg; allda zeuget er 3 Söhne als Othonem, Wolfram» in den andern dieses Namens und Conradum, einen Bischof zu Salzburg. Wolframus der ander erzeuget Graf Zelchum; GrafZelchus erzeuget mit Sophia, einer Gräfin von Hohen - Truhen- dingen, 3 Kinder als Rapotonem, Conradum und die gottselige Stilla." Aus glaubwürdigen Historien, mit anderen Worten aus Aventin, hat Vitus Koch seinen Babo und dessen Nachkommenschaft bis Wolfram II. entnommen. Wolfram II. aber hatte, wie wir gesehen, urkundlich nicht einen Zelchus, sondern den Bamberger Domherrn Ad albert zum Sohne und wahrscheinlich auch Ratz oto I. aus seiner Gemahlin GerhildeJH Der angebliche Gras Zelchus ist entweder eine Erfindung Wolfgang Bauers (Agricolas) oder eines gelehrten Genealogen seiner Zeit gewesen und aus dem Lehenwesen insbesondere den Zöllen oder aus den Worten „L xutrs auo loeo inooinxotenti" in der Urkunde 1149/50, wie Snttner dafür gehalten, hcrübergenommen bczlo. gebildet wordenJH Zelchus (Zölch, Solchns) ist an sich kein Personenname, und läßt sich derselbe in der beglaubigten Genealogie der Grafen von Abenbcrg sonst nirgends mehr auffinden. Ich habe diesen Namen mit der Negulirung der Zölle unter Kaiser Friedrich dem Rothbart (1152 — 1190) zu erklären versucht,^) wurden *) Nach neuerer Mittheilung Dr. Lindauers ist in der kgl. Hof- und Staatsbibliothek eine l'/chundert Jahre ältere vita Okunracki »rebiaxweopi LatisburAsrisw im Buche der Grebnuß zu Raitenhaslach (Oock. Avrw. 1823) vorhanden, welche Tachler 1612 bloß abgeschrieben bat. Die beiden vitao sind bei ?. Bernhard Pez und Professor Wattenbach noch nicht benutzt worden. Aventin, welcher am 21. Septbr. 1517 in Raitenhaslach war, scheint keine derselben gekannt zu haben. Im Briefe, den 1719 Abt Emanuel an Beruh. Pez geschrieben, ist von beiden Lebensbeschreibungen die Rede. Sie stimmen am meisten mit der ältesten Salzburger Handschrift in dl. O. 88. XI, 63 überein. Nach meinem Manuskripte: „Die Grafen von Abenberg rc." 1890 u. Beilage der Angst». Postztg. 1894 Nr. 24. 187. ") Grasen von Abenberg 1869 S. 27. ") I. o. S. 25—27. Vielleicht haben die Stillalegenden 187 ja dock) gerade um 1869 herum heftige Kämpfe um das Zollparlament geführt. Der Oberzollinspektor und General- zolladministrator und die in scherzhafter Weise angeführten Zollnäre Wolframs von Eschenbach -°) sind doch nur ziemlich unschuldige und harmlose Vergleiche gewesen; wenn dagegen der gestrenge Kritiker von der Altmühl meint, (1897, 6, 46): „wir haben keine Veranlassung, dieser Combination einen höheren Werth beizulegen," weil der Autor selbst darauf wenig Vertrauen setzt, so mag man es ja um Pappenheim herum damit halten, wie mau will, die hübschen Bilder unseres Landsmannes auf Wildenbcrg"^) bei Altenmnhr, jetzt Wehlenberg, dem Scherz, Ironie und Satire im eminentesten Grade zn Gebote standen, bleiben auch dann noch zutreffend und für die Grafen von Abenberg besser verwendbar als die gefälschte Legende Stilla's gegen dieselben. Mit der herkömmlichen verbrauchten Phrase „Combination", „Wcrthlosigkeit" und dergleichen die Kinder des Scherzes und gesunden Humors umbringen zu wollen, ist stets mißlungen. Aventin ist für die Genealogie der Grafen von Abenberg keine gute Quelle, Graf Zelchns, der angebliche Vater der seligen Stilla, ist eine Erfindung des jüngeren Spalatinns (Bauers, Agricolas), am allerfchlimmsten aber waren die Gewährsmänner Hirschmauns, Koch und Priefcr, über die Geschlechtsfolge dieser Grafen und die Dedikationsverse der Cistcrzienser zu .Kloster Heilsbronn berathen. Hier muß ich vor Allem den Umstand rügen, daß f7, 50) die metrische Uebersetznng der Verse znm Wand- und Wcihcgemälde in der Klosterkirche zn Heilsbronu nach den Grafen von Abenberg 1869 S. 12 gegeben wurde und nicht bemerkt worden ist, daß statt „8oains" bei Falkenstein „loons" zu lesen sei, wonach ich Falkeustein und mich selbst schon damals berichtigt habe."«) Nach der Uebersetznng aus dem Jahre 1881, welche Hirsch- mann wahrscheinlich nicht gekannt hat, lauten die Verse 6 und 7 wie folgt:-") „Tausend einhundert, o Christ, und zwei und dreißig im Jahre Wurde gegründet das Stift Heilsbronu, das recht so genannt wird." Soviel zur Kenntnißnahme und künftigen Beachtung. Nach Hirschmann (8, 61) soll ich mir die Sache so zn Recht legen und zn Recht gelegt haben, daß ich der Stilla von Abenberg zwei Brüder Rapoto und Konrad zuweise. Eine solche Eigenmächtigkeit und Willkür ist mir völlig fremd. Ich urtheilte über Stilla's Bruder Konrad vom Anfange an wie folgt: Ist Stilla, verderber autieigamko einen Grafen Zockern als Vater Stilla's angenommen und aus diese Weise den Grafen Zelchus von Abenberg geschaffen. Gewiß ist, daß die Hohenzollernforscher z. V. Falkeustein Burggraf Kourad I. (1165 — 1191) für einen Grafen von Zollern ausgegeben haben. OrKeluso. X (531, 12) im Parcival, Ausgabe von Lachmann, Berlin 1854. 2') Vergl. meinen Aufsatz in der Beilage zur Allgem. Zeitung voni 8. Nov. 1866 Nr. 312. Wolframs Obilot (Gesang VII) soll ja von keiner der Franengestalten Göthe's erreicht sein. Dr. K. Simrocks Einleitung zn Varcival und Titurel. Stuttgart 1862, II. Bd. S. 511. -°) Grafen von Abenberg 1869 am Schlüsse Berichtigungen zu S. 12 u. 13. °") Augsb. Postztg. 1881 Beilage 73, 2. Beiträge zur Genealogie der Grafen von Abenberg und Burggrafen von Nürnberg des 12. u. 13. Jahrh. wie die Tradition will, eine Gräfin von Abenberg gewesen, so kann sie nur als Schwester Ounrnt juniorja aus der jünger», seit der Umstellung der Glieder älteren Linie, das heißt, nur als Kourad des jünger» Schwester aufgefaßt werden. „Nur Konrad der jüngere, schrieb ich 1869, war ein Bruder Stilla's, Na- poto von Abcnbcrg-Frensdorf bloß ihr Vetter.-"*) Diese Ansicht, welche ich auch jetzt noch festhalte, theilte schon vor l'/ghllndert Jahren das Cisterzienserklostcr Ebrach, die Mutter des Klosters Heilsbronn, wenn der ungenannte Autor (Abt Dr. Gnillelinns Soelncr) der brovis Mtitiu Nonasterii Iioataa Vir^. stlariao in ll'ran- oonin 1738/9 schreibt:"") „Der selige Rapoto von Heilsbronn wurde vom Abte Adam zn Ebrach um 1132 nach Heilsbronu zur Gründung des dortigen Cisterzienserklostcrs abgeordnet; er war ein Sprößling der in der Geschichte überaus gefeierten Familie Abenberg und Bruder Konrads, des Stifters dieses Klosters, und der hl. Stilla, einer Gräfin von Abenberg, welche im Angustlneriiinenklosier zn Marienbnrg begraben ist." Nicht ich handle eigenmächtig und willkürlich, sondern die Gewährsmänner der Hirschmann'schen Tradition haben die Genealogie der Grafen von Abenberg eigenmächtig gefälscht, wenn sie Rapoto, den Grafen und Laien, als Bruder Ounrnt junior: 8 nnd der seligen Stilla erklärt haben. Graf Rapoto (1130—1172) hatte allerdings einen Bruder nnd eine Schwester, allein der Bruder geistlichen Standes hieß nicht Konrad ,sun., sondern Reinhard, und ihre Schwester nicht Stilla, sondern Hcdwig. Mir ist Stilla nicht bloß die Schwester Oiiunrati .suniorw, sondern auch ffa)>otonis, des I.. III. und VI. Abts von Heilsbronu nnd zweiten Abts von Ebrach 1164—1170. Die Gründe dafür, daß der erste Abt von Heilsbronn ein Graf von Abenberg gewesen, habe ich schon in den Beilagen der „Angsbnrgcr Postzeitnng" 1881 Nr. 73, 3 des Weiteren ausgeführt, wohin ich der Kürze wegen verlvcise wie auf das eben angeführte Zeugniß aus Kloster Ebrach. Der von Agricola gefälschten Stillalcgendc ist allerdings die Abtswürde Napoto's in Heilsbronu nnd Ebrach völlig fremd, weil sie eben der ursprünglichen Stillalegende im Peterstirchlcin zu Marien- burg die aus Kloster .Heilsbronn herübergenommenen Verse unterschoben hat. Am Grabe der seligen Sulla waren vor nnd nach Spalatinns dem jünger» die Worte zn lesen:"') „Hier liegt begraben die heylige Jungfrau Stilla, die zweyer grasen Schwester ist gewesen von Abenberg und viel großer wundcrzcicheu gethan hat." Diese Nachricht, daß Stilla zweier Grafen Schwester von Abenberg gewesen, halte ich für die ursprüngliche und echte Ueberlieferung; im Volksmnnde mögen auch die, Namen der Grafen fortgelebt nnd gegen Ende des 16. / Jahrhunderts Veranlassung dazu gegeben haben, die' gleichnamigkn Grafen aus Kloster Heilshronn, die jedoch keine Brüder waren, herüberzunchmen nnd in -"*) Grafen von Abenberg S. 28. ") Vergl. den definitiven Uebergang der Burggraf-, schaff Nürnberg von den Grafen von Netz an die Ärafeik^ von Abenberg um 1177/78. Beilage zur Angsb. Postztg.s 1895 Nr. 12. 90 A. 14 (Separalabdrnck S. 8 u. 9 nebst' gcnealog. Tabelle.) ") Grafen von Abenberg 1869 S. 24 nnd Kalcndev für kath. Christen, Sulzbach 1857, S. 99, 188 die malte, echte und wahre Tradition fälschlicher Weise zu verflechten. > Nach der Ueberlieferung, Legende und Sage hat Stilla im Schlosse zn Abenberg gewohnt und die Peterskirche zu Marienburg (so wurde die Oert- lichkcit später genannt) gestiftet. Dieselbe war demnach reich und kann nach diesen Umständen zu schließen nur (wie die Legende will) eine Grafentochter oder die Tochter eines adeligen Castellans oder Burghüters (Burgvogts) von Abenberg gewesen fein, und wenn es wahr ist, daß sie zweier Grafen Schwester gewesen, so kann sie nur den ca. 1175 gestorbenen Abt von Heilsbronn beatmn kspotonem und Konrad juniorem, den ersten Burggrafen von Nürnberg abenbergischer Abkunft, den Gemahl der Erbburggräfin Sophia, eonn- tissa. in RaZirs, zu Brüdern gehabt haben, weil eine andere Möglichkeit chronologisch, genealogisch und traditionell ausgeschlossen erscheint. Geschichte und Legende würden sich in unserem Falle nur dann widersprechen, wenn man die Grafen Rapoto und Konrad junior im Weihegemälde zu Heilsbronn einerseits für Bruder unter sich, anderseits für Bruder Stilla's ausgeben wollte, wie dieses von Agricola in Spalt, Generalvikar Priefer in Eichstätt und Pfarrer Koch von Schönfcld geschehen ist. Den Grafen Adalbert und seinen Bruder Konrad (H. 7, 51), von welchen Bischof Otto I. von Bamberg Halesprunen erworben hat,^) halten wir mit Pfarrer Muck auch jetzt noch für Abkömmlinge der Grafen von Abenberg, ja noch mehr, Konrad der ältere ist uns z. Z. noch der Vater der seligen Stilla, und wir haben nichts gegen die Ueberlieferung zu erinnern, daß ihre Mutter eine Truhen dingen war. Das; Konrad .junior, der Bruder Stilla's, bei der Klosterstistnng zu Heilsbronn nicht betheiligt war, versieht sich der Chronologie zufolge sozusagen von selbst; daß aber Graf Adalbert und sein Bruder Konrad, der Vater Stilla's, und Graf Rapoto von Abenberg-Frens- dorf ebenfalls nicht betheiligt gewesen sein sollen, entspricht weder der Stiftnngsnrknnde voni 21. April 1132 noch den übrigen thatsächlichen Verhältnissen, wovon sich die Gegner Professor vr. Schmid in Tübingen ^") und Pfarrer Hirschmann in Schönfcld durch ein etwas genaueres Studium der Stiftuugsnrkunde leicht hätten überzeugen können. Betrachtet man nämlich den Stiftungsbrief ohne Voreingenommenheit (8, 61), jedoch mit der gebotenen nöthigen Umsicht, so wird man finden, daß in demselben nicht blos; der prciswürdige Ankauf des Gutes .Halesprunen beurkundet ist, sondern auch bezüglich der Advokatie über das Kloster von Bischof Otto 1. von Bamberg in feierlicher Weise Verfügung getroffen worden war. „Wir bestimmen, heißt es da, ^) dem Kloster speciell keinen Bogt, sondern bekräftigen feierlich, daß An die Grasen und Burggrafen von Netz in Nürnberg könnte man allenfalls denken, nicht an die Hohen- lohe oder ein anderes Geschlecht. (H. 7, 51.) Die Könige von Preußen sind Hohcnzollern rc. Tübingen 1888, III. Bd. S. 44 u. 242 A. 5. Hanlßbronnischer Antiqnitätcn-Schat; S. 58 und Supvl. Seite 59 von Hocker, dann ^ntigniiates Unrck- xe.viauLöL 1793 von Falkenstein tom. II. PNK. 352. „8ano -rclvoeatum Kickern Oosnobio unlknm spseialiter clentzrni-nns, soll Lckvooatnni aktnris bsati kotri priueixiajiseovkosias sin8clein Ociknobii äs- t'vosorkm ssse Lnuekmus." der Vogt des Altares des hl. Petrus in unserer Hauptkirche der Schirmer dieses Klosters sei." Nun waren aber die Grafen von Abenberg, seit wir sie unter diesem Namen kennen, ja schon vor 1071 die Vögte der Kathedralkirche von s. Maria, 8. Peter und 8. Georg in Bamberg, und seit dem 3. April 1130 war Graf Rapoto seinem Vater Otto II. (Wolfram III.?) in dieser Eigenschaft und Würde snccedirt, Graf Na- poto von Abenberg war demnach der oben angeführten bischöflichen Sanktion zufolge der stiftungs- mäßige Vogt der Cisterztenserabtei Heilsbronn vom ersten Tage ihres Bestandes angefangen bis an sein Lebensende (22. Mai 1172), und wurde dieses Vogteirecht von seinem Sohne Friedrich I. (senior) und wohl auch noch von seinem Enkel Friedrich II., dem jungen Helden von Abenberg im dritten Kreuzznge Kaiser Rothbarts (1189/90), bis gegen Ende dieses Jahrhunderts ausgeübt. Traditionsgeniäß war auch der erste Abt von s. Maria in Heilsbronn ein Graf von Abenberg, nämlich Rapoto, den das Mutterkloster Ebrach wohl auf Verlangen des Bischofs Otto I. dahin abgeordnet hattet) Daß übrigens auch abcnbergische Vasallen bei dem Stiftnngsakte zugegen und betheiligt waren, das beweisen die Namen der Zeugen Adalbero von Tage steten (Ober- und Mitteldachstetten) ^°) an erster Stelle und Dietmar von Hohenekke. Ein anderer Hohcnckke Namens Ramunch war als Ministeriale des Grafen Friedrich II. von Abenberg-Frens- dorf in der Urkunde von 1189 zum Geldempfange von dem Grafen an das Domkapitel von Bamberg delegirt, und bald nach 1200 erscheinen die Hohenekke im Dienste der Burggrafen von Nürnberg abenbergischer Abkunft. Die Grafen von Abenberg waren demnach bei der Klosterstistnng in Heilsbronn nicht ganz unbctheiligt (8, 62). Allerdings war Bischof Otto der Heilige von Bamberg der eigentliche Stifter, aber die Grafen Rapoto und Konrad junior von Abenberg haben sich durch sehr reichliche Vergabungen den Ehrentitel „Mitstifter des Klosters" sehr wohlverdient, welcher ihnen von den Cistcrzicnsermönchen auch nicht vorenthalten worden ist. Seitdem das Klösterlcin 8. Jakob in Abenberg (so heißt die Hanptkirche daselbst heute noch) durch die große Schanknng Napoto's 1149/50 mit Heilsbronn verbunden worden ist, hat die Klosterkirche Heilsbronn den combinirtcn Titel sanota Llaria und 8. Jakob angenommen und fortgeführt. Lefflad hat sich durch den urkundlichen Nachweis des Abtes Ondalric von Abenberg,^ welcher wegen der Verbindung der beiden Mannsklöster „Aben- berg und Heilsbronn" 1149/50 wohl keinen Nachfolger mehr gehabt hat, gewiß ein großes Verdienst erworben, wenn er aber (H. Nr. 8, 63) zum Jahre 1199 einen Grafen Heinrich von Abenberg kennen will. Nebergaug der Vurggrafschaft Nürnberg von den Grafen von Netz an die Grafen von Abenberg um 1177/78. Beil. z. Angst». Postztg. 1895 Nr. 12 u. Separat- abdruck A. 16. °°) Wie hier als Mittelsmann Bischof Otto's I. vo» Bamberg treten Adalbero und Konrad von Tagesteten zwischen 1132—1165 wiederholt neben den Grafen von Abenberg auf. Regelten der Bischöfe von Eichstätt Nr. 215. Die Urkunde ist sicher nicht 1192, sondern nach 1138 ausgestellt worden. (H. 8. 69.) 189 »- so wäre dieser Fund allerdings für meine Untersuchungen im höchsten Grade interessant; allein eS dürste hier bloß ein Schreibversehen oder eine Verwechslung vorliegen, weil in den Regesten der Grafen von Abenberg, welche ich im Laufe vieler Jahre gesammelt habe, dieser Name, der bei den Grafen von Abenberg nicht üblich war, fehlt und bei mir die Zeugen der Urkunde vom 14. September 1199 „k'riäsrious Lomes äs übender« und Hoivrious Lomss äs Ortsobsrs" heißen.^ Damit sind wir an der Grenze des uns zugemessenen Raumes angekommen. Wir hätten freilich noch Vieles zu sagen und zu beanstanden, allein ein guter Advokat pflegt in der Replik nicht Alles zu sagen, was er weiß, sondern Einiges noch für die Duplik zu reserviren; wir schließen deßhalb unsern Protest mit der entschiedenen Erklärung, daß wir die allerdings nicht durch Urkunden, wohl aber durch die übereinstimmende Ueberlieferung, Legende und Sage sehr wohl beglaubigte Abstammung der seligen Stilla von den Grafen von Abenberg nach wie vor ausrecht halten und mit Herrn Stadtpfarrer Müller in Eschenbach z. Z. noch fest davon überzeugt find, „daß die ganze Legende der Seligen mit allen ihren Einzelheiten auf dieser Abstammung beruht". ^) Der bloßen Negation können und wollen wir die selige Gräfin nicht aufopfern. Dieselbe ist wohl mit dem Gedanken umgegangen, neben dem in Abenberg bestehenden Männerkloster auch ein Frauenconvent zu errichten, das war ja damals säst allgemeine Uebung. Wenn es aber auch zur Frauenklosterstiftung nicht mehr gekommen ist, so lebte Stilla der Legende zufolge auf Schloß Abenberg wahrscheinlich doch nach der Regel des hk. Augustin, für deren Einführung im Erzstifte Salzburg Erzbischof Konrad I. von Abenberg Alles in Bewegung gesetzt hat.") Stilla war für die Armen, Kraulen und Bedrängten sozusagen eine barmherzige Schwester oder, wenn man das lieber hört, eine Diakonissin; zum lieben war sie da, nicht zum hassen. Ihr Glaube war ein in Liebe thätiger Glaube nach der Lehre der katholischen Kirche und des hl. Apostels Jakobns.") Im werkthätigen Christenthume suchte und fand Stilla die selige Vereinigung mit Gott, welcher die Liebe selbst ist. In der Liebe Gottes, nicht im Hasse, haben auch die hadernden Bruder Fcirefiß und Parcival die gesuchte und erwünschte Verständigung") wieder gefunden: „Treu' und Lieb' schied ihren Streit." (Schluß folgt.) I. v. Nr. 336, Hirschmann Nr. 10, 74; siehe dagegen Llon. Uvie. XXIX, 1. 488 — 490 und UeZ'. doic. l, 381 nach v. Lang. °°) Nicht einverstanden sind wir mit dem Titelbilde, den Wappen und einigen Besonderheiten des Verfassers des Gebetbuches „Die selige Jungfrau Stilla, Gräfin von Abenberg", Regensburg und Amberg, bei Habbel, 1885. ^) Vita Öbunrsäi LI. 6. 88. XI, cap. 12. Nach Leff- lad entstand unter Gebhard II. 1125—1149 in Abenberg auch ein Frauenkloster (durch s. Stilla.). ") Brief des Apostels eüp. 2, 14—26. ") Wolfram v. Eschenbachs Parcival XV. 748,10-12. Berichtigung. In der „Beilage zur Angsburger Postzeitung" Nr. 25 Seite 175 2. Spalte 6. Zeile von unten lies Abenberg statt Abensberg; S. 176 1 . Spalte 3. Zeile von oben Adensberg statt Abenberg; S. 176 1. Spalte Zeile 14 von unten von statt vor. Die Vorbildung des Klerus zunächst in Bayern. (Schluß.) s Für die Kirchengeschichte sind vier Semester mit fünf Wochenstunden anzusetzen, wozu noch zwei Stunden des ersten Semesters für Provädeutik der Kirchen- aeschichte kommen, ferner eine Wochenstunde durch vier Semester für das kirchenhistorische Seminar. Die Erfordernisse, welche an den Kirchenhistariker überhaupt zu stellen sind, gelten selbstverständlich auch für den Lehrer der Kirchengeschichte. Vor allen: eine gute Disposition. Sodann Unparteilichkeit oder Objectivität; die Darstellung muß auf die Quellen selbst zugehen, welche in richtiger Weise zu verwerthen sind; Hauptsachen dürfen nicht Übergängen. minder wichtige Begebenheiten nicht zu breit dargestellt werden, die Kirchengeschichte ist keine Cultur- geschichte. Sodann Gründlichkeit in dem Sinne, daß der Vortragende den ganzen Stoff versteht und durch- dringt, ferner die geschichtlichen Begebenheiten wie nach ihrem inneren Grunde so nach der sie beherrschenden höheren Idee und in ihrem ursächlichen Zusammenhang erkennt und darstellt, die Kirchengeschichte muß «pragmatisch" und „religiös" sein. Endlich lichtvolle und originelle Darstellung. Es dürste indeß zu weit gehen, zu sagen, auch das Studium der Kirchengerichte, wenn es aus Gründlichkeit und Nachhaltigkeit Anspruch machen wolle, müsse sich auf die Quellen stützen, so daß die Lehr- und Handbücher Hiebei nur als Hilfsmittel zu benutzen wären. Allerdings muß der Lehrer der Kirchengeschichte zuuchäst in der Einleitung und ausführlich m der Pro- pädeutik die wichtigsten Quellen der Kirchengeschichte besprechen, ferner stets auf die Quellen und deren Werth aufmerksam machen; deren Einsichtnahme indeß wird den Schülern in der Regel nur im klrchenhistorischen Seminar zu ermöglichen sein. Klippen, welche der Lehrer zu vermeiden hat, sind: die Kirchengeschichte. darf nicht Papstoder Heiligengeschichte sein; will der Lehrer seinen Schülern ein Hilfsmittel zum leichteren Studium der Kirchengeschichte an die Hand geben, so dienen hi^n synchronistische Tabellen am besten. Die Kirchengeschichte darf auch nicht altchristliche Literär- oder Resormationsgeschichte sein, es sollen vielmehr alle Abschnitte derselben, und zwar in gleichmäßiger Weise, zur Behandlung kommen, auch die neueste Kirchengeschichte nicht ausgenommen. Einen weiteren Jahrcscursus mit fünf bis sechs Stunden wöchentlich bildet die Pastoraltheologie, welche, wenn sie auch hauptsächlich praktische Anweisungen für die Ausübung des Seelsorgeramtes bietet, doch den wissenschaftlichen Charakter niemals verläugnen darf. Wichtige Theile dieser Disciplin bilden die Kaiechetik, die Homiletik und die Lehre von der Verwaltung des Buß- sakramentes, welche ihrer hohen Bedeutung halber gesondert zum Vortrage gelangen, so daß sie in den Vorlesungen iiber Pastoraltbeologie nur berührt zu werden brauchen, ^soweit dieses der Zusammenhang erfordert. Ueber Kütcchetik und Homiletik wäre vieles zu sagen; im ganzen wird wohl zu wenig Zeit auf diese beiden Disciplinen verwendet. Unsere Zeit stellt neue Anforderungen an den Katecheten und an den Prediger. Es dürfte die Ansicht kaum einem Widerspruch begegnen, daß der Katechet in der Erklärung der Glaubenslehre nicht nur manche apologetische Fragen erörtern, sondern auch auf die Unterschcibungslehren gebührende Rücksicht nehmen muß. Die immer zahlreicheren gemischten Ehen mit akatholischer Kindererziehung sind ja gewiß zum großen Theile aus dieMusliche Erziehung in religiöser Hinsicht zurückzuführen, aber es wäre zuviel, wenn auch nur eine einzige solche Ehe auf den Conto einer mangelhaften kate- chetischen Unterweisung zu setzen wäre. Es würde zu weit führen, all die Mittel, welche einer Förderung der homiletischen Ausbildung dienlich sind — ich rechne selbst das Auftreten auf der Bühne hieher (Schnldrama der Jesuiten) — hier aufzuzählen und zu erörtern. Daß in dieser Beziehung mehr denn bisher geschehen muß. wird ohnehin ziemlich allgemein zugestanden. Ich will mich auch nicht über den Werth der Leichenrede verbreiten, über welche schon genug geschrieben wurde, und weiß die Verlegenheiten und Schwierigkeiten wohl zu würdigen, welche, zumal in großen Städten, die Leichenrede dem Seelsorger bereitet: aber ich lasse mir die Meinung nicht nehmen daß, wo sie abgeschafft wurde, man sich eines Mittels beraubt hgi, an rechtem Ort ein rechtes Wort zu. sagen. L das; ma» dort. wo sie nicht besieht, eines oft nicht unwichtigen Mittels der Seelsorge entbehrt. Der protestantische Pastor hat in dieser Äezrehnng unläugbar etwas vor dem katholischen Priester voraus. Noch manch andere Disciplinen sind. soll die Vorbildung deS Klerikers eine allseitige sein. auf das Lehrprogramm der theologischen Unterrichtsanstalten zu setzen. Nicht zu reden von Rubricistik, von Psarrverwaltnng und geistlichem Gcschäftsstil. von theologischer Encyklo- pädie und Methodologie, von Patrologre und Lectüre einzelner Vätcrwerke. von Pädagogik und Geschichte derselben. Volksschulivesen und Volksschulrecht. von Armenrecht; auch die christliche Archäologie und die christliche Kunst, Kirchenmusik, ferner die sociale Frage, endlich die Dogmengeschichte und die Symbolik, sowie die Geschichte der Theologie werden je eher, desso besser auf das Ver- zeichniß wenigstens der facultativen Fächer gesetzt werden. In den Vorlesungen über sociale Frage können auch unsere neuen Gesetze aus dem socialen Gebiete zum Vortrage gelangen, vielleicht auch eine Einführung in das Wesen und die Leitung der nützlichen Naiffeisenvereiue damit verbunden werden, was schon deßhalb angezeigt ist, weil der Seelsorger oft um seinen Rath oder um Auskunft in diesbezüglichen Fragen gebeten wird, zuweilen auch die Gründung eines Raiffeiscnvereins oder einer ähnlichen Genossenschaft selbst in die Hand nehmen Muß. Nun ist ja gewiß nicht in Abrede zu stellen, daß es über all die aufgeführten Disciplinen eine Reihe trefflicher Handbücher gibt, in denen sich der Priester orientiern kann, aber am besten wird der Unterricht hierin doch durch einen Lehrer ertheilt, und schon der angehende Seelsorger muß einen gediegenen Fonds solcher Kenntnisse in die Praxis Hinausbringen, weil er am ersten Tage ihrer bedarf. Ist schon während des theologischen Studiums der Grund für all diese Kenntnisse gelegt worden und hat der Lehrer es verstanden, in den Kandidaten Liebe, vielleicht Begeisterung für die eine oder andere dieser Disciplinen zu erwecken, so kann und wird der junge Priester mit Freuden auf diesem Grunde sortbanen und in freien Stunden etwa einen Kirchenvater und scholastischen Theologen oder ein Werk über die christliche Kunst u. s. w. zur Hand nehmen und dadurch sich selbst, aber auch anderen, ja der Kirche selbst, Nutzen verschaffen. Auch in dieser Beziehung gilt: „Jung gewohnt, alt gethan." Die Kollegienhefte, beziehungsweise die Kompendien der Dogmatik, der Moraltheologw, des Kirchcnrechts rc. fleißig in die Hand zu nehmen, werden den jungen Priester das sogenannte Curaernmen. sodann die Pastoralconferenzen und insbesondere der Pfarrcon- curs nöthigen, wenn letzterer anders in der Weise vorgenommen wird. daß außer der hl. Schrift, den; Trideu- tinum und dem kanonischen RechtSbuch keine weitere Literatur benützt werden darf, und auch die feelsorgliche Praxis wird ihm oft genug Anlaß geben, sich über diese oder jene Frage wieder anfs neue zu orientiren. Daß sich der Priester aber darüber hinaus in der Theologie fortbildet, das muß der Lehrer durch oftmalige Anregung und Ermunterung sowie durch entsprechende Anleituirg fertig bringen. Namentlich wird zu diesem Behufe der Lehrer auf unsere vorzüglichen wissenschaftlich-theologischen, praktisch-theologischen und historischen Zeitschriften (Jnnsbrucker „Zeitschrift für katholische Theologie', „Stimmen aus Maria-Laach". Tübinger „Theologische Qnartalschrift", „Katholik": Passauer „Theologisch-praktische Monatschrift", Linzer „Theologisch-praktische Quartalschrift", „kastor bcmusJ „Der katholische Seelsorger"; „Historisch-politische Blätter". „Historisches Jahrbuch") aufmerksam machen. Ein höchst geeignetes Mittel zur Fortbildung des Priesters sowie ein jederzeit erwünschtes Nachschlagewerk bildet auch unser „Kirchen- lerikon", dessen Artikel selbst nach gegnerischen; Zeugnisse fast ausnahmslos auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung stehen. Zur Fortbildung in der Exegese dienen der große lateinische Kommentar zur gesummten heiligen Schrift, welchen mehrere deutsche Jesuiten herausgeben, sowie die in Freiburg erscheinenden „Biblischen Studien": zur Fortbildung in der Dogmatik die „Straßburger theo- logischen Studien": in der Kirchengeschichte die „Kirchen- geschichtlichcn Studien" von Knöpfler, SchrörsundSdralek, das „Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte des Mittelalters", die im Auftrage und mit Unterstützung der Görresgesellschaft herausgegebenen „Quellen und Forschungen auf dein Gebiete der Geschichte": zur Fortbildung im Kirchenrecht das „Archiv für katholisches Kirchenrecht"; in der Philosophie das „Philosophische Jahrbuch" und Commer's „Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie"; in der Apologetik „Natur und Offenbarung"; in der christlichen Archäologie die „Römische Quartalschrift", welche auch zahlreiche kirchenhistorische Abhandlungen enthält' in der christlichen Kunst die „Zeitschrift für christliche Kunst". Ueber die literarischen Erscheinungen überhaupt und speciell in theologischem Betreffe werden den jungen Priester unsere beiden trefflichen Litera- tnrblätter „Literarische Rundschau" und „Literarischer Handweiser" auf dem Laufenden erhalten. Der Priester wird, je nach Bedarf und Neigung und soweit es der Etat gestattet, nicht nur selbst die eine oder andere der aufgeführten Zeitschriften halten; in jeder größeren Stadt sowie in jedem Landbezirke mögen sich aus den Geistlichen „Lesezirkel" bilden, unter deren Mitgliedern mehren der genannten Zeitschriften wöchentlich nach einer bestimmten Reihenfolge circuliren. Aus diesen Zeitschriften soll sich der Priester Excerpte machen, die ihn; nicht nur für Predigt und Katechese, sondern auch zu Vortrügen in Arbeiter- und Männeroercinen, wie sie allerorts bestehen sollen, geeignetes Material liefern. Worauf der Lehrer der Theologie noch weiter bei gegebener Gelegenheit aufmerksam machen soll, ist die „Görresgesellschaft zür Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland", ferner die „Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst" und der „Verein für christliche Kunst in München". , Ich habe oben eine. ganze Reihe theologischer Disciplinen namhaft gemacht, welche für die Vorbildung des Klerus entweder unumgänglich nothwendig oder wenigstens höchst nützlich sind. Die Unterweisung in denselben nimmt eine geraume Zeit in Anspruch. Rechnet man noch dazu die für eine gründliche ascctische Vorbildung erforderliche Zeit, ferner die liturgischen Uebungen, den Unterricht im Choralgesange, die kätechetifchen Uebungen in der Volksschule selbst, die Zeit, welche das Studium der vorgetragenen Disciplinen, die Vorbereitung auf die Examina u. ?. w. erfordert, so ergibt sich hieraus einerseits, daß drei theologische Jahre nicht ausreichend sind, um den ganzen Stoff zu bewältigen, daß es selbst innerhalb eines vierjährigen Kursus der weisesten Ausnutzung und Ver- theilung der Zeit bedarf, um all die aufgeführten Gegenstände zum Vortrage zu bringen; anderseits aber, daß an die Lehrer selbst, um die Vorbildung des Clerns möglichst allseitig und gedeihlich zu gestalten, hohe Anforderungen zu stellen sind. Jeder Lehrer wird noch die eine oder andere Disciplin als Nebenfach übernehmen müssen. Ein wesentlicher Gewinn an Zeit kann dadurch erzielt werden, daß jene Gegenstände, welche nur ein oder wenige Semester beanspruchen, auch nur alle vier Jahre, beziehungsweise, wo vorläufig nur ein dreijähriger Kursus besteht, nur alle drei Jahre zum Vortrage gelangen. Eine weitere Erleichterung bietet dem Lehrer das Institut der Privat- doccnten, denen freilich, damit sie tüchtig eingeschult werden, zuweilen auch das Hauptfach selbst Überträgen werden soll, für das sie sich vorbereitet haben, ferner das Institut der sogenannten Repetenten, welche innerhalb des Klerikal- seminars verschiedene der angeführten Disciplinen in geordneter Folge zum Vortrage bringen können. Was ich weiter betonen will, und ich glaube auch hiedurch nur der Sache zu dienen, ist dieses: die meisten Kandidaten kommen sichtlich übermüdet aus dem Seminar, und manch neugeweihter Geistlicher, der aus dem Priesterseminar getreten ist, um nunmehr einen Seelsorgeposten anzutreten, ist körperlich so herabgekommen, daß er alsbald, ohne eigentlich schon ein Emeritus zu sein, die Hilfe des Emeritenfonds in Anspruch nehmen muß. Nun zweifle ich nicht, daß in den Seminarien eine genügende und kräftige, gntbürgerliche Kost verabreicht wrrd (ferne sei jedes Experiment in dieser Beziehung!), und daß auch sonst nichts mangelt, was zum körperlichen Gedeihen des jungen, heranwachsenden Mannes dienlich ist: die Ueber- müdung bezw. die Krankheit ist vielmehr meistens einer geistigen Ueberanstrengung zuzuschreiben. Vielleicht kann diesem Mißstaude schon dadurch vorgebeugt werden, daß kür die Ablegung der vorgeschriebenen Examina dem Kandidaten ein größerer Spielraum offen steht, was die Zeit betrifft, innerhalb deren die Examina zu bestehen sind: ferner soll die Zahl der Examina in jedem Semester wenigstens auf die ordentlichen Vorlesungen beschränkt sein. Am Schlüsse des dritten theologischen Jahres ein 191 schriftliches und mündliches Examen über alle Hauptfächer (Dogmatik, Exegese, Moraltheologie, Kirchenrecht und Kirchengeschichte) abzuhalten, dürfte sich aus mehreren Gründen empfehlen. Das vierte theologische Jahr könnte dann ausschließlich für die Pastoraltheologie, für Nubri- cistik, für homiletische, katechetische und liturgische Uebungen, Pfarrverwaltung und das eine oder andere gerade im Turnus treffende untergeordnete Fach. ferner für die asketische Vorbildung auf das Priesteramt verwendet werden. . Mögen nun diese Vorschläge für eine Forderung der Vorbildung des Klerus allseits eine wohlwollende fachliche Würdigung finden! Ein viertes theologisches Jahr. dieses das Resultat, ist für die Ausbildung des Klerus nicht nur in hohem Grade wünschenswert!), sondern geradezu nothwendig. Eine Schädigung der Sache wäre indeß darin zu erblicken, wenn, statt neue zeitgemäße Fächer in das Lehrprogramm einzufügen, lediglich die bisherigen ins Angemessene ausgedehnt würden. Eine Vertiefung dieser, wo es nothwendig ist. und die Einführung neuer Disciplinen, deren Kenntniß für jeden Gebildeten und insbesondere den Priester wünschenswerth, ja nothwendig ist, das dürfte die erhabene und lohnende, freilich auch zuweilen nicht leicht durchzuführende Aufgabe unserer theologischen Bildungsanstalten sein. Münchner anthropologische Gesellschaft. In der Versammlung am 12. März sprach Herr Hofrath Dr. Martin, da er die der k. Staatssammlung geschenkten Waffen nicht mehr zur Demonstration bringen konnte, nur über den zweiten Theil des unter dem Titel „Demonstration von malayischen Waffen mit Besprechung psychopathischer Zustände bei den Malayen" angekündigten Themas. Im malayischen Archipel kommen bei den Eingeborenen psychopathische Zustände vor, die unter dem Namen Amok und Latak bekannt sind. Im ersteren Falle sucht der Erkrankte, mit einem Schwerte bewaffnet. Jedermann, der ihm in den Weg kommt, zu tödten oder zu verwunden. Die zweite Krankheit trifft meist Frauen über 30 Jahre; sie verlieren den Willen, machen alles nach, was sie sehen. An der anschließenden Diskussion bethciligten sich die Herren Paster, Kühn und Oberhummer. Hierauf legte Herr Pros. vr. Eugen Oberhummer neue ethnographische Karten vor von Mittel- europa, insbesondere über die Verbreitung der Deutschen in Europa, nämlich die große Karte von Nabert und den Atlas von Langhans. Vor der Tagesordnung der Versammlung vom 30. April wurden der Gesellschaft die gegenwärtig in München weilenden Singhalcsenzwerge von H. Hagenbeck vorgestellt. Die Truppe besteht aus sieben Personen: einem normalen Singhalesen, einer erwachsenen Zwergin und der normalen 7 jährigen Tochter der Beiden, sowie vier weiteren Zwergen. Theilweise zeigen die Zwerge den sogenannten rhachitischen Zwergentyvus, indem die Entwicklung der Extremitäten besonders stark zurückgeblieben ist, theilweise sind aber die Körperproportioneu ganz normal. Sie stammen von der Insel Ceylon und wurden von der berühmten Firma Hagenbeck für eine Rundreise in Europa engagirt. Ihre Stammesgenosscn sind stattliche Leute. Professor Ranke dankte Hrn. Hagen- bcck und Herrn Hammer, dem Director des Münchener Panoptikums, für die Vorführung der so interessanten Truppe. Hierauf theilte Herr Professor Kühn Einiges über die Geschichte und Abstammung der Singhalesen mit. Das Wort erhielt sodann Hr. Hauplmann a. D. E- Seylcr zu seinem Vortrage: „Die Verschanzungen am Gleissen- ihate — eine Vertheidigungsstellung des Drnsus im Jahre 15 v. Chr." Die etwas animirte Diskussion fand erst nach dem interessanten Vortrage des Herrn Dr. R. Mnch. Privatdocent an der k. k. Universität zu Wien, correip. Ehrenmitglied der Gesellschaft: „Die Anfänge des bayerisch-österreichischen Volksstammes", statt. Much spricht von den Bayern nicht im politischen, sondern ethnographischen Sinne. Woher stammen sie § Im 6. Jahrhundert bewohnten die Bajuwaren ein großes Gebiet. Sie grenzten im Süden an die Langobarden, welche bis Meran herauf reichten: im Westen reichten sie als Nachbarn der Schwaben bis an den Lech: die Nordgrenze bildeten wahrscheinlich Regen und Naab. Der Grenzfluß im Osten zwischen Bajuwaren und Avaren war die Gnus. Die Abstammung der Bajuwaren von den Markoinanen nimmt Much als sichergestellt an. Bis zum 5. Jahrhundert saßen die Markomancn in Böhmen. Für die germanische Besiedlung sprechen verschiedene Orts- und Flußnamcn, so stammt z. B. Moldau von dem altgcrmanischen ^Valv agug, — Waldbach. Die Vorfahren der Markomancn in Böhmen waren die keltischen Bojer, die zur Zeit Cäsars auf der Wanderung in neue Gebiete begriffen waren. Da die Markoinanen erst um 8 v. Chr. Böhmen besiedelten, war Böhmen 50 Jahre fast unbewohnt. Vorher saßen die Markomancn zwischen Rhein, Main (nur südlich) und Donau, daher auch ihr Name — Männer der Mark, ähnlich wie der Schwarzwald „silva Llareiuna" hieß. Ihre Vorgänger in dieser Gebend waren die Hclvetier, welche identisch sind mit den Teutonen und den ?'»- des Strabo. In den Jahren 110—150 v. Chr. zogen die Hclvetier mit den Cimbern südlich, damals sind dann die Markomancn in das verlassene Land eingezogen. Die Markoinanen gehören zu dem großen Volksstamme der Sucven. Während sie aber im westlichen Gebiete eine untergeordnete Rolle spielten, haben sie im Osten (Böhmen) die Führung übernommen. Der bayerische Volksstamm existirt als selbstständiger Stamm seit 2000 Jahren, er läßt sich historisch weiter zurück verfolgen als irgend ein anderer germanischer Stamm. An der Diskussion über dieses Thema betheiligten sich Professor Oberhummer und Landgerichtsrath Vierling. Im Laufe derselben führte Mnch aus, daß der Name Bayern von dem Worte Daj.j-nvurzi d. h. Bewohner eines Landes, das früher von den Bajj — Bojj besiedelt war, stammen muß. Bei der Vorstands- wahl wurden gewählt als Vorsitzender Pros. Dr. I. Ranke, als dessen Stellvertreter Pros. Rückert, als Schriftführer vr. Mollier, als dessen Stellvertreter Dr. Birkner, als Kassier Oberlehrer Weismann. Recensionen nnd Notizen. Bilder-Atlas zur Geographie von Europa mit beschreibendem Text von vr. Alüis Geistbeck und 233 Holzschnitten nach Photographien und Zeichnungen. Leipzig und Wien, Bibliograhisches Jn- ^ stitut. Im natürlichen Zusammenhang mit den Naturwissenschaften hat auch die Geographie in unserer Zeit ungeheure Fortschritte gemacht. Und aus wie leichte und anschauliche Weise schon die studierende Jugend in die Länder- und Völkerkunde eingeführt wird, davon zeugt der geographische Unterricht besonders an unseren realistischen Mittelschulen. An Landkarten, Wandtafeln rc. stehen da Hilfsmittel zu Gebote, von denen wir auf unseren Schulbänken vor zwei Decennien noch keine Ahnung hatten. Was ist uns überhaupt in dieser Beziehung geboten worden? Wenig, fast nichts. Die Erde blieb uns eine ksrra iueoKuita. Daher denn auch vielfach das geringe Interesse an der Natur, daher die große Unkenntnis) rn geographischen Dingen, welche so manche von der Studienanstalt mitgenommen haben. — Als ein neues Hilfsmittel nun, sich und andere geographisch zu bilden, begrüßen wir mit ganzer Freude das vorliegende Werk von vr. Alois Geistbeck, der als Geograph nnd Forscher ja rühmlichst bekannt ist. Nicht auf den alten, längst ausgetretenen Wegen, sondern auf Pfaden, welche neue und weite Gesichtspunkte eröffnen, führt er uns in die verschiedenen Länder Europas. Er redet ganz die Sprache dcr Natur, uud naturgetreu sind auch die herrlichen Illustrationen. Das Werk ist sowohl für geographische Fachleute als gebildete Zeitgenossen geschrieben. Darm» gehört es in die Hand aller, welche überhaupt einen Sinn haben für den Continent, den sie bewohnen. Durch den geringen Preis von 2 Mk. 25 Psg. wird dieses auch leicht ermöglicht. — In einer weiteren Serie ist uns eine ähnliche Beschreibung der übrigen Erdtheile in Aussicht gestellt. Glück auf zu dem Unternehmen! Max Äisle. Jahrbuch der Naturwissenschaften 1896—1897 12. Jahrg. Herausgegeben von vr. Max Wildermann. Verlag von Herder, Frciburg. Preis 6 M. * Dieses Werk, dessen 12. Jahrgang in einem stattlichen. Band von 560 Seiten (incl. Register) vorliegt, hat sich längst Anerkennung in weitesten Kreisen verschafft Es bietet aus der Feder berufenster Mitarbeiter in klaren 192 Darstellungen, die durch eine Reihe von Illustrationen unterstützt werden, ein umfassendes Bild der Fortschritte auf dem weiten Gebiete der Naturwissenschaften (Astronomie, Physik, Chemie, Mineralogie und Geologie, Medicin und Physiologie, Länderkunde rc.). Es würde zu weit führen, nur die interessantesten Abhandlungen anzuführen. Erwähnt mögen nur sein die Abschnitte über die Wahrnehmung des Achtes, Kinematograph, den heutigen Stand unseres Wisiens von den Röntgenstrahlen, Erforschung der höheren Schichten unserer Atmosphäre, Serumtherapie u. s. w. . 1) Die wahre Kirche Jesu Christi. Sechs Fasten- vorträge von Pfarrer H. Hansjakob. 2. Austage. Herder. Freiburg 1897. Preis 1 M. SO Pf. 2) Meßopfer. Beicht und Communion. Sechs Vortrüge, gehalten in der Fastenzeit 1891. 2. Allst. Herder. Freiburg 1697. Preis 1 M. 30 Pf. v. Eine 2. Auflage in dem verhältnißmäßig kurzen Zeitraum von 5—6 Jahren ist für ein Predigtiverk von vornherein ein empfehlendes Zeugniß. Und in der That kann auch die Kritik vorliegende Cyklen mit gutem Gewissen empfehlen. Was ivir da zu hören bekommen, sind nicht äußerlich schön gedrechselte, inhaltlich aber leere Phrasen, nicht kühn aufgestellte Behauptungen ohne die Stütze von Beweisen, nicht endlos moralisirende Ergüsse ohne die unentbehrliche Unterlage dogmatischer Wahrheit: hier sind die Worte nur die körperliche Erscheinungsform tiefer und umfassender Gedanken, und die Anwendungen sind die mit zwingender Kraft sich ergebenden und mit-, feinfühliger Beziehung auf die Zeitbedürfnisse gezogenen^ Consegnenzen großer, entwickelter Wahrheiten.' Die Sprache ist im Einklang mit der poetischen Veranlagung des Verfassers immer schön und edel, voller Mark und voller Herzenswärme, ohne aber dabei jemals ins Weichliche zu verfallen. Geeigneten Ortes weiß Hausjakob auch die Affekte des menschlichen Herzens zu wecken und zu einer gewaltigen Höhe zu steigern, wie z. B. im Schlußwort seiner Predigten über das Meßopfer. — Alles in Allem werden diese Predigten jedem lernbegierigen jungen Prediger wc, der Fülle des Beweismaterials, wegen der Logik der Beweisführung und wegen der angegebenen sprachlichen Vorzüge hochwillkommen sein, wie sie auch für gebildete Laien eine vorzügliche apologetische und ascetische Lektüre bilden. Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Verlag von Herder, Freiburg r. Br. Erscheint, 16 Seiten stark, je am 1. des Monats. Abonnementspreis jährlich 3 M. Inhalt von Nr. 5 des II. Jahrgangs: Valls äi Lompsji. — Eine Fabrikküche. — Wesen und Aufgaben der freiwilligen und der Zwaugs-Armenpflege, mit besonderer Rücksicht auf größere Städte. II. (Schluß.) — Ein beachtenswerther Vorschlag zur Lösung der socialen Frage. — Kleinere Mittheilungen. (Behütet die Kinder vor Alkoholgenuß. — Zum katholischen Mädchenschutz im Auslande. — „Katholische Krankenpflege." — Exercitien für Ladnerinnen und Dienstmädchen. — Wie in München die Papiersammlung organisirt wurde. — Organisation der Armenpflege in Mainz. — Kathol. Volksbibliothek von Seyfried (München). — Charitas-Verband für das katholische Deutschland. — Fragekasten, Zusendungen an die Redaction. — Katholische Mäßigkeitsblatter. (Beilage zur „Charitas".) Nr. 2: Der Kapuzinerpater Mathew, der Mäßigkeitsapostel Irlands. — Medicin- isches pro und oontl-a Alkohol. — Arbeiterschuh und Alkoholismus. „Zum Schutze der Missionen" lautete die Pa- role^welche die Regierung ausgegeben hatte, um die für die Marine geforderten Kreuzer durchzudrücken. In diejern Momente mußten auf einmal unsere Missionen herhalten: es half aber nichts. Nie erfahren wir sonst etwas vom grünen Tische arrs über die Thätigkeit unserer Missionäre, Ipecrell unserer katholischen Ordensleute. Darüber zu berichten, ist Aufgabe des Afrikavereinsorgans „Gott will es! , von den: Heft 3 und 4 des neuen Jahrganges uns vorliegen. Die Berichte und Aufsätze sindffehr interessant, lind können «vir unsern Abonnenten den Rath geben, sich die interessante Zeitschrift, die jährlich nur zivei Mark kostet, zu halten. Jeden Monat erscheint eil, 32 Seiten starkes, illustrirtes Heft, und nimmt sowohl die Post unter Nr. 2957 als auch jede Buchhandlung Bestellungen entgegen. Probehefte versendet die Verlagshandlung A. Rif- sarth in M.-Gladbach (Rheinl.) gratis! Literarischer Hand weiser, begründet, herausgegeben und redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskarnp in Münster. 24 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für M. 4 pr. Jahr. 1896. Nr. 24. Kritische Referate über Poggel 2. u. 3. Johannesbrief (Blndau), "I or Haar Ooininsn- tarius in lüttsras enez'cl. 8. OonKr. Lpp. supor saera ?rasckieations (Deppe), Schuen Katcchismllspredigten, Wolfgarten Gelegenheitsreden und Meindl Neue Fastenpredigten (Deppe), Stumpf Tafeln zurGesch. der Philosophie (Stölzle), Oobbott-Oasgust krotestant Rskorination in Lnalanä anet llrslanck u. 8 almon Lneiont Irisb Obureb (Bellesheim). Coloma Lappalien (Keiter), Bertram Hildesheims Domgruft (Graön). Runge Alte Lieder-Handschriften von Colmar und Donaueschingen (Bäumker). — 9Notizen über verschiedene Nova (Hüls- kamp). — Zeitschriften-Jnhalt. — Novitäten- Verzeichniß. Miscelle. * Von der Leo-Gesellschaft wird ein neues großes Unternehmen geplant, welches den Gesammttitcl „Apologetische Studien" führen soll. In einem Aufruf zur Mitarbeit vou Msgr. vr. Äug. Fischer-Cotbrie heißt es u. a.: „Unsere Zeit ist die Zeit der Apologie des Christenthums, wie kerne andere, ausgenommen die ersten Jahrhunderte, vor Constantin. Wir haben nicht mehr nur einzelne Glaubenswahrheiten zu vertheidige» gegen Jrrlehrer, die sonst Christen sein wollen; wir haben es nrit einer ganzen Cultur zu thun, die sich in bewußtem, vollständigem Gegensatze zum Christenthum befindet, die dem Gottesglauben des Christenthums die absolute Menschheitsreligion des Materialismus und Pantheismus entgegenstellt und auf widerchristlicher Grundlage ein vollständiges System theoretischer Wissenschaft und praktischer Lebensführung construirt. Der 8umma tbeoloZios der Kirche hat man eine 8umma oontra voum entgegengestellt, und Tausende und Abertausende der maßgebenden Gesellschaftskreise gehören zu ihren Anhängern. Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichte. Literatur, Kunst, Politik, Pädagogik — alles trachtet man vom Christenthum zu emancipiren und ohne Christenthum oder gegen das Christenthum zu bearbeiten. Auf allen Gebieten menschlichen Wissens wird das Christenthum angegriffen oder, was beinahe noch schlimmer ist, ignorirt: auf allen Gebieten soll es seine Vertheidigung finden. An der Lösung dieser Riesenaufgabe der christlichen Wissenschaft unserer Tage wünscht auch die Leo-Gesellschaft theilzunehmen und wendet sich diesbezüglich an alle wissenschaftlich thätigen Freunde der christlichen Wahrheit lind Cultur mit dem Plane der Apologetischen Studien. Das Unternehmen soll in zwangloser Reihenfolge Einzelstudien bringen, welche besonders wichtige Punkte der im weitesten Sinne verstandenen katholischen Apologetik in gediegen wissenschaftlicher Form für weitere akademisch gebildete Kreise besprechen sollen. Von dem strengen Maßstab wissenschaftlicher Originalität soll nur in den Fällen abgegangen werden, in welchen es sich um besonders actuelle Fragen handelt, deren neuere knappe Besprechung ein praktisches Bedürfniß der gebildeten katholischen Leserwelt ist. Die Hefte sollen zwanglos im Umfange von je vier bis sechs Bogen erscheinen. Je 6 Hefte sollen einen Band bilden. Das Unternehmen will kerne Concurrenz zu den schon bestehenden bilden. Es will sich von den Ergänzungsheften zu den Stimmen aus Maria-Laach, den Straßburger theologischen Studien und den Frankfurter zeitgemäßen Broschüren durch viel engere Begrenzung seines Gebietes und auch durch den Umfang der einzelnen Studien unterscheiden, der ja im Vergleich zu den zwei erstern als kleiner und zu den letztern als größer gedacht ist. Ebenso sollen sich unsere Studien in wenigstens zum großen Theile andern: Arbeitsgebiete bewegen als die Biblischen Studien." Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.