wt>. 46. Anlöge W Sirgsßmger WMüilg."»« Wie ist das Osterfest zu verlege»? Voll I. V. Ach ah. Die Frage bezüglich einer Einschränkung der Beweglichkeit des Osterfestes wurde schon in früherer Zeit mehrfach berührst ohne daß man indes; näher auf die Sache eingegangen isst und dies wohl hauptsächlich deßhalb, weil eine Losung dieser Frage ohne jede Aussicht auf Verwirklichung zu sein schien. Wenn jedoch in gegenwärtiger Zeit diese Frage neuerdings angeregt und geprüft wird, so ist dem eine wesentlich höhere Bedeutung beizumesseu, weil nunmehr verschiedene Faktoren der Sache günstig stehen. Das bevorstehende Säknlarjahr 19 00 bietet einmal einen sehr günstigen Zeitpunkt für die thatsächliche Einführung der geplanten Neuerung. Ebenso kommt die für jenes Jahr in Aussicht genommene Einführung des Gregorianischen Kalenders seitens der Russen der Sache wohl zu statten. Und ivas sodann am meisten ins Gewicht fällst ist man jetzt auch von Seite des päpstlichen Stuhles der Frage näher getreten und hat eine eingehende Prüfung derselben eingeleitet. Die Vortheile, welche eine zweckmäßige Lösung der Osterfragc zur Folge hätte, sind sowohl in kirchlicher als bürgerlicher Beziehung nicht unbedeutend und ioerden auch allseitig als solche anerkannt. Wir halten für nnnöthig, auf dieselben näher einzugehen, weil sie ohnedies jedem Kundigen klar vor Augen liegen. Zudem geht der Zweck dieser unserer Abhandlung dahin, zunächst einen Weg zu zeigen, auf welchem in einfacher, natürlicher Weise mit Berücksichtigung des christlichen Charakters der zu behandelnden Sache das angestrebte Ziel erreicht werden könne. Wir brauchen dabei kaum zu bemerken, daß unsere Ausführungen dem Urtheile kompetenter Kreise keineswegs vorgreifen wollen. Um die Frage der Festlegung des Osterfestes richtig würdigen zu können, ist es vor allem nothwendig, daß wir uns klar werden über die Bedeutung der heute geltenden Bestimmungen der Osterfcicr und deren geschichtliche Grundlage, sowie über die Principien, nach denen eine Festlegung des Osterfestes zu geschehen hat. Für die heutige Praxis, die Zeit des Osterfestes zu bestimmen, ist maßgebend die Bestimmung des allgemeinen Concils von Nicäa (325), wonach Ostern jedesmal am Sonntag nach dem ersten Vollmond, welcher auf das Frühlings ägninoktinm (21. März) folgt, zn feiern ist. Demgemäß kann Ostern innerhalb der Zeit vom 22. März bis 25. April auf 35 verschiedene Tage fallen. Denselben zeitlichen Spielraum von 35 Tagen haben auch alle Zeiten und Feste, die dem Osterfestkreise angehören oder demselben sich anschließen. Diese große Bcweglichkeit der kirchlichen Festzeiten bietet zwar einerseits eine mannigfache Abwechslung, aber anderseits verursacht sie auch wieder mancherlei Unregelmäßigkeiten und Kollisionen von Festen. Aber auch auf die derzeitigen bürgerlichen Verhältnisse ist sie nicht ohne fühlbaren störenden nnd nachtheiligcn Einfluß. Ja, gerade darin dürfte vielleicht ein Hanptmoment liegen, das eine Festlegung des Osterfestes wünschenswert!) macht. Es fragt sich nun, ob und in wie weit das Nicännm eine solche Aenderung seiner Bestimmung zuläßt. Da das ni- cänische Oster-Dekret nicht einen dogmatischen, sondern einen rein präceptiven Charakter hat, so kann diese Vorschrift jederzeit von der zuständigen kirchlichen Behörde wieder aufgehoben ioerden. Das nicänische Dekret hatte zunächst den Zweck, den ehemals ansge- brochenen Öfterstreit zu schlichten nnd eine einheitliche Ostcrfeicr unter den Christen herbeizuführen. Es wurde zwar einerseits an dem traditionellen jüdischen Gesetze des Öfter Vollmondes im allgemeinen festgehalten, aber anderseits bestimmt, daß Ostern nicht mehr am Tage des Vollmondes selbst, sondern immer am nächstfolgenden Sonntage gefeiert werden soll, so daß das jüdische nnd das christliche Osterfest nie auf den gleichen Tag zusammenfallen könnten. Dadurch nun, daß das Nicännm ein Zusammentreffen des jüdischen nnd des christlichen Osterfestes zn verhindern suchte, ist schon angedeutet, daß man die Gemeinschaft mit den Juden bezüglich der Osterfcter nnd das Festhalten an jüdischen Ceremonie,!-Gesetzen ausgeschlossen wissen wollte, daß somit die Beibehaltung des jüdischen Ostervollmondes keine wesentliche, sondern nur höchstens eine konventionelle Bedeutung für die christliche Ostcrfeier hat. Daraus erklärt sich von selbst, daß nach dem Nicännm ein Abweichen von den jüdischen Ritualvorschriftcn bezüglich der Zeit der Öfter - fcier nicht bloß möglich, sondern vielmehr con- venirend ist. Nachdem wir jetzt nicht mehr nach Mondmonaten, sondern nach Sonnenmonaten rechnen, hat überdies für uns der Ostervollmoud jede Bedeutung verloren, nnd zudem ist es keineswegs schade, wenn wir den großen Ballast der complicirten. vielen unverständlichen, sog. EPakten- oder Monds- Berechnnng znr Bestimmung unserer christlichen Fest- zeiten preisgeben. Dasselbe mag füglich auch vom Frühltngsägninoktin m gelten. Durch die nicänische Zeitbestimmung des Osterfestes werden, wie bereits erwähnt, auch die modernen bürgerlichen Verhältnisse vielfach beeinträchtigt. Daran ist aber nicht das Nicännm schuld, sondern andere Umstände, die im Laufe der Zeit eingetreten. Die Juden hatten in dieser Beziehung wesentlich günstigere Verhältnisse, nnd namentlich scheint ihnen das Mondjahr gute Dienste geleistet zn haben. Denn von ihnen wurde bei Bestimmung des Osterfestes hauptsächlich anf das bürgerliche Leben und insbesondere anf die bevorstehende Ernte Rücksicht genommen, deren Beginn für die Bestimmung des Frühlings monats nnd des Osteril, o „des maßgebend war. Die Juden feierten nämlich ihr Osterfest stets am 14. Nisan, d. h. am 14. Tage des Frühlingsmonats, ohne Rücksicht darauf, welcher Wochentag es immer sei. Das jüdische Osterfest war demnach insofern schon ein fixes, immobiles Fest. Als beweglich erscheint es nur insofern, als der Frühlingsmonat bald früher, bald später begann, je nachdem der Neumond einfiel, da die Juden, wie schon erwähnt, nach Mondmonaten rechneten. Der Frühling s- nenmond, mit welchem der Monat Nisan begann, bildete zugleich den Frühlingsanfang, der jedoch nicht identisch ist mit unserem Frühlingsäqni- noktinm. Da das Osterfest zn Beginn der Ernte zu feiern war, wohl damit die Ernte nicht durch die Osterfcicr nnd die Osterfeicr nicht durch die Ernte gehindert wurde, so wurde der Frühlingsnenmond immer so gewählt, daß der Frühlingsanfang mit dem Beginn 322 der Ernte möglichst zusammenfiel. Zu diesem Zwecke besah man gegen Ende des 12. Mondmonats die Felder^ um zn erkennen, ob bis znr Mitte des nächsten Monats die Gerste reif werde» möge, so daß man am Osterfeste, welches am 14. Tage des neuen Monats zn feiern war, mit Opferung der ersten Garbe die Ernte eröffnen konnte. War die Reife weit genug vorgeschritten, so wurde mit dem nächsten Neumonde der Frühlingsmonat Nisan begonnen; war dagegen die Reife noch zurückgeblieben, dann wurde das alte Jahr noch um einen (13.) Monat verlängert und erst mit dem darauffolgenden Neumonde der Frühlingsmonat und das neue Jahr begonnen. Der Frühlingsanfang der Juden war also ein ganz unsicherer, schwankender Zeitpunkt und für die Bestimmung des Osterfestes nur insofern maßgebend, als er gleichbedeutend war mit dem gleichzeitigen Beginn der Ernte, von dem eigentlich die Osterfeier abhängig war. Diese jüdische Praxis der Osterfeier gibt uns zweierlei zn bedenken: einmal, das; jene alttesta- mentlichen Verhältnisse und damit auch die Zeitberech- nungcn nach Mondlanf und Frühlingsanfang unseren christlichen und modernen, kirchlichen und bürgerlichen Verhältnissen in keiner Weise mehr entsprechen, daß also auch der aus dem Jndenthum, herübergenommene Theil unserer Festrcchnnug einer Reform bedürftig äst. Ferner zeigt uns die. jüdische Osterfeier, daß auch bei Festsetzung des christlichen Osterfestes eine Berücksichtigung der bürgerlichen Verhältnisse nach Möglichkeit geboten erscheint, die aber hauptsächlich durch eine zweckmäßige Einschränkung ^>er Beweglichkeit des Osterfestes bethätigt würde. Aus der Betrachtung des gegenwärtigen Standes der Zeitbestimmung des Osterfestes und seiner historischen Grundlage und Entwicklung müssen wir znr Erkenntniß gelangt sein, daß ein Abweichen von der bisherigen Praxis der christlichen Festrechumig im Sinne einer Beschränkung der allzngroßcn Beweglichkeit des Osterfcstkreiscs nicht mir zulässig, sondern auch zeitgemäß und somit wohl gerathen sei. Die weitere Frage ist nun die: Nach welchen Principien hat die neue Ostcrzeitbestimmung zu geschehen S Bei Lösung dieser Frage ist zunächst darauf zu achten, daß dem Osterfeste ein solcher Platz angewiesen werde, der es möglich macht, daß eine Concurrenz kirchlicher Festtage möglichst vermieden werde. Es wird also Ostern nicht zn früh und nicht zu spät, sondern am besten etwa in der Mitte des gegenwärtigen zeitlichen Spielraums anzusetzen sein, d. i. in der ersten Hälfte des Monats April. Dadurch wird verhindert, abgesehen voll etwaigen rein bürgerlichen Vortheilen, daß einerseits die Feste des hl. I oscph und Mariä Verkündigung mit dcrOster- feicr (Charwoche) und anderseits die Feste des heil. Johannes des Täufers und der hl. Apostel Petrus und Paulus mit der Fronleichnamsfeicr in Concurrenz treten, und daß auch die Marknspxo- cession mit der Feier der Ostcrwoche in Kollision kommt. Die Festsetzung des Osterfestes wird aber gleichwohl nicht in der Weise geschehen können, daß es auf ein bestimmtes Datum fixirt wird, wie das beim Weih- nnchtsfestc der Fall ist. Im Gegensatze zn dem jüdischen Osterfeste, das immer am 14. Nisan gefeiert wurde, ohne Rücksicht auf den einfallenden Wochentag, hat nämlich das nicänische Concil entschieden, daß das christliche Osterfest jedesmal an einem Sonntag zu feiern sei. Von dieser Entscheidung kann wohl nicht abgegangen werden, da sie eine specifisch christliche Einrichtung betrifft, ähnlich wie bezüglich der Feier des Sonntags statt des Sabbaths. Wird aber das Osterfest stets am Sonntag gefeiert, so ist eine Fixirung auf einen bestimmten Monatstag nicht möglich, weil die Wochentage nicht immer auf dasselbe Mouatsdatum fallen. Es ist aber auch eine solche Fixirung auf ein bestimmtes Datum gar nicht nothwendig, ja sie wäre nicht einmal gut. Denn sie würde dem Osterfeste und den davon abhängigen Festen jede Beweglichkeit und damit dem Kirchenjahre jede Abwechslung benehmen, was weder schön noch gut wäre. Die angestrebte Festlegung des Osterfestes bedeutet also nicht eine direkte Fixirung desselben auf ein bestimmtes Datum, sondern nur eine Beschränkung der Beweglichkeit auf 7 Monatstage, mit denen der Reihe nach cyklnswcise der Ostcrsonntag zusammenfallen kann. Die Ursache, welche die übermäßige Beweglichkeit der kirchlichen Feste bewirkt, ist, daß- deren Zeitbestimmung von dem Monde abhängig gemacht ist. Der erste Frühlings Vollmond, nach welchem das Osterfest zn feiern ist, kann vom 21. März bis 18. April auf 28 verschiedene Tage fallen. Und da vom Tage des Vollmondes bis znm nächstfolgenden Sonntag allenfalls auch noch ein Zeitraum bis zn 7 Tagen verstreichen kann, so ergibt sich ein zeitlicher Spielraum der beweglichen Feste von 3 5 Tagen oder 5 Wochen. Um diese öwvchcniliche Mobilität auf 1 Woche zn beschränken, muß das Abhängigkeitsverhältnis; der Feste vorn Blonde aufgehoben und die kanarische Fest- rechnung fallen gelassen werden. Statt dessen muß ein anderer zeitlicher Anhaltspunkt gewählt werden, von dem aus eine günstige, zweckentsprechende Zeitbestimmung des'Osterfestes ermöglicht wird. Es sind nun allerdings schon Vorschläge in dieser Richtung gemacht worden. Dieselben suchen aber meist auf willkürlich gewähltem Wege in mehr mechanischer Weise ohne tiefere, innere Begründung ihren Zweck zu erreichen. Von den mir bekannt gewordenen Vorschlägen geht der eine dahin, das Osterfest aus den 3. Sonntag nach dem Frühlingsanfang zn verlegen. Der Zweck würde dadurch allerdings erreicht; denn Ostern fiele dann stets in die Zeit vom 4. bis 10. April incl. Allein diesem Vorschlage möchte ich entgegenhalten, daß einmal die Annahme des 3. Sonntags nach den: Frühlingsanfang ziemlich willkürlich gewählt ist ohne Rücksicht auf andere bedeutsame Momente. ' Außerdem ist noch die Frage offen, ob unter Frühlingsanfang der nicänische (21. März) oder der astronomische zn verstehen ist. Das astronomische Frühlingsäqninoktium würde sich schon deßhalb nicht eignen als zeitlicher Änhaltspnnkt, weil dasselbe veränderlich und die Bestimmung desselben wieder von einer complicirten, astronomischen Berechnung abhängig ist. Aber auch der nicänische Frühlingsanfang ist kein passender Zeitpunkt für die Bestimmung des christlichen Osterfestes. Nachdem wir einmal'die jüdische Nechnungswcise bezüglich des Frühlings Vollmond es haben fallen lassen, hat auch der Frühlingsanfang keine weitere wesentliche Bedeutung mehr, und wird derselbe gleich dem Blonde am besten gänzlich aus der christlichen Fcstrcchnnng gestrichen. Dadurch, wird dann auch jener naturalistischen Richtung, welche das Osterfest gerne als ein Frühlings- oder Anferstehnngsfcst 326 der iviedcrerwacheilde» Natur betrachten möchte, einigermaßen der Baden in's Schwanken gebracht, indem zwischen dem Frühlingsanfang und dem Osterfeste kein äußerer Zusammenhang mehr besteht. (Schluß folgt.) Generalversammlung der Leo-Gesellschaft. Der Empfangsabend in Klagenfurt am 26. Juli verlief glänzend. Se. Excellenz Graf Hoyos begrüßte märmstens die Erschienenen. Prälat Schindler antwortete und constatirte, daß das erwähnte Bangen des Local- comitös und Präsidiums gehoben, der Erfolg des Tages gesichert sei. Namens der Wiener sprach, begeistert aufgenommen, der Abgeordnete Weißkirchner, und besonders schwungvoll auch Professor Dr. Haun, Mitglied des Ge- fchichtsvereines, hervorhebend, daß Alle, welche die Wahrheit suchen, die nur eine ist und sein kann (Lebhafter Beifall) zusammengehören. Professor Dr. Neumann aus Wien erwiderte mit herzlichen Wünschen auf das Gedeihen aller wissenschaftlichen Vereine Klagenfurts. Kaiserlicher Rath Dr. Truxa toastirte auf die Damen. Professor Dr. Keck begrüßte die Generalversammlung Namens der floveuischen Leo-Gesellschaft, welche bereits 200 Mitglieder zählt. Alle Völker mögen vereint katholische Wissenschaft betreiben. Eine Regimentscapelle concertirte. Nach einer Pontificalmesse, die vom hochw- Herrn Fürstbischof Dr. Kahn am 27. Juli gelesen wurde, hielt Vormittags die.Philosophisch-theologische Sec- tion im Sitzungssaale des Landhauses eine Sitzung. Professor Dr. Cigoi hielt einen Vertrag über den Apostel Paulus und wies nach, daß die Apostelgeschichte in genauer Uebereinstimmung stehe mit den zeitgenössischen Profanschriftstcllern. Professor Dr. Müller empfahl, bei dem katcchetischen Unterricht in den Mittelschulen derlei Uebereinstimmungen und innere Gründe für die Authenticität der Kirche heranzuziehen, als für die Jugend besonders anziehend. Professor Swoboda zeigte Gyps- abgüsic von den ältesten Darstellungen der Apostelfürsten, abgenommen von einer vatikanischen Bronzeplatte aus dem zweiten Jahrhundert und einem Reliquiar aus Pola (früher Aguileja), welche Porträttrcue ausweisen, während die Darstellungen aus der Rcnaissancczeit nicht authentisch sind. Den zweiten Vortrag hielt Professor Heg gen 8. ,1. über „Das aristotelisch-thomistischc Moralprincip und dessen neueste Gegner". Nicht das eigene Wohl oder das Wohl des Nächsten sei das letzte Ziel der Sittlichkeit, sondern Gott. Mit dieser Anerkennung erst lösen sich die Probleine der Moral. Der bloßen ethischen Culturanschauung gelingt dies nicht, der kategorische Imperativ Kant's ist nicht die zureichende Grundlage der Moral. Redner kennzeichnete die unabhängige Moral der neueren Philosophie bis zu Hartmann, welcher , in widerlicher Weise gegen die „Pfaffenmoral" hetzt. Auf diesem Wege werde die Hebung und Erhaltung der Sittlichkeit nicht gelingen. Die katholische Wissenschaft müsse den wahrhaften Fortschritt auch in der Ethik anstreben und hier Triumphe feiern, wie solche gefeiert wurden in der Bibelforschung, in der Bekämpfung des Materialismus, in Vertheidigung der Gottheit Christi, in der Geschichtsforschung und Socialpolitik. Der eingeschaltete, sehr anregende Vortrag des Professors Dr. Nößler: „Ueber die Aufgaben der Theologie in der Gegenwart" nöthigte die Rechts- und Social- Section, nur den angekündigten Vortrag des Professors Dr. Joseph Bieder lack „Ueber die Strafrechtstheorie" zuzulassen, welcher sich über die Besscrungs- und Ab- schreckungszwcckc der gerichtlichen Strafe und über den Charakter derselben — ein Mittel für Verwirklichung des Staatswohles — verbreitete. Prälat Schindler verwies auf die Wichtigkeit, Ordnung zu bringen in das Chaos der strafrechtlichen Theorie: nur auf dem Wege, welchen der Vortragende angegeben, sei dies möglich. Baron Mandorff's vorbereitete Abhandlung „Ueber die Sonntagsruhe und deren gesetzliche Regelung" wird im Jahrbuche der Leo-Gesellschaft, gleichwie die obigen Vortrüge, veröffentlicht werden. Nächmittags sprach in der Section für Literatur und Kunst der k. k. Cvnservator Dechant Grösser von Guttaring über die dortigen Kunstdeukmäler als Spiegelbild der kuustgeschichtlichen Entwicklung im Kleinen. Redner gab ein anschauliches Bild derselben in seinem Forschungsgebiete von der Römerzeit und Ehriftianisirnugs- epoche an durch die verschiedenen Epochen des Mittel- alters bis in die neuere und neueste Zeit. Die liebevollen Detailschilderungen des kunstfreundlichen Seelsorgers weckten lebhaftes Interesse. Der Vortrag des Dr. Richard v. Kralik „Ueber Entstehung und Tendenz des sophokleischen Ocdipns auf Kolonos" mußte wegen vorgerückter Zeit entfallen. Auf allgemeines Verlangen sprach jedoch Dr. v. Kralik kurz über die Grundgedanken des beabsichtigten Vortrages, die eigenthümlich conservative Parteitendenz des altgriechischen Theaters in jener Zeit einer oligarchischen Verschwörung und die darauffolgenden politischen Processe. Redner- schloß die leider sehr abgekürzten Ausführungen mit dem Hinweise auf die Bestrebungen der Leo-Gesellschaft für die Verchristlichnng des Theaters. Professor Dr. Alois Hart! aus Ried in Oberösterreich empfahl die Förderung der Herausgabe der kirchcn- musikalischen Werke Joh. Ev. Habert's; Dr. Klinisch (Klagenfurt) bat um mittelbare Unterstützung der Bücherbruderschaft in Klagenfurt durch die Leo-Gesellschaft und die anwesenden Schriftsteller. Diese Anregung wurde beifälligst angenommen, und der Vorsitzende sagt die gegenseitige Einvernahme in dieser Sache bereitwillig zu. Der ersten der vorgenannten Sectioncn präsidirtc Prälat Schindler, der zweiten . Abg. Dr. Weis- kirchner, der dritten Professor Dr. Gitlbauer. Letzterer ermunterte besonders zur Mitarbeit an der Literatur- und Kunstsection unter Hinweis auf deren bisherige Thätigkeit, insbesondere die Aufführung der Auto in Wien und ncucstens die Bücherei, welche die Leo-Gesellschaft veranstaltet. Die Theilnchmerlisten wiesen 70 bis 80 Besucher aus. Der Ausflug aus dem Wörthersee in der zu der Rundfahrt gemietheten kleinen Dampfbarcasse „Loretto" war vom Wetter sehr begünstigt. Nach der Pontisical-Neguiemmesse sprach am 28. Juli in der Sitzung der Section für Geschichtswisse n- schaften der Archivar Dr. Albert Starzer über die Organisation der innerösterreichischcn Ländcrvcrwaltnug nach der Theilung vom Jahre 1564 und die seitherigen Wandlungen bald im Sinne des Centralismus, bald der ständischen Autonomie. Professor Dr. Hann regte au, die Leo-Gesellschaft solle die Alterthumsforschung in Kärnten fördern: erbittet Se. Excellenz den Vorsitzenden Frhrn. v. Hclfcrt als Präsident der Ceutralcommission für Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, unter Anderem auch dahin Einfluß zu nehmen, es möge bei Bestallung der philologischen Lehrstellen der hiesigen Mittelschulen auf Persönlichkeiten Bedacht genommen werden, welche in Ferialcursen auf Staatskosten etwa für Schulung eines guten Nachwuchses für historische Forschung wirken könnten. Frhr. v. Helfert dankte für die sehr fruchtbare Anregung, er werde im Sinne derselben Einfluß zu nehmen versuchen, in seiner doppelten Eigenschaft als Präsident der Central - Commission und der Leo- Gesellschaft. Dr. Alfred Schnerich lenkte in einem anziehenden Vortrage die Aufmerksamkeit der morgigen Ausflügler nach Gurk auf die dortigen Werke der Renaissance. Es folgte die geschlossene Generalversammlung. In der geschlossenen Generalversammlung erstattete Prälat Schindler den Geschäftsbericht und verwies auf die Veröffentlichung desselben und der Rechnungen im Jahrbuch. Es sind bei 1700 Mitglieder, wovon 509 in Wien, während die übrigen sich auf die Kronländer vertheilen: 12 sind in Rom, einzelne auch im weiteren Auslande, sogar in Amerika -und Japan. Der Berichterstatter hob die Wichtigkeit der Diöcesancomitös und des Literaturblattes hervor. Professor Gitlbauer empfiehlt nochmals die neueste Unternehmung der Gesellschaft, die Büchereien. Die Herausgabe von Lehrbüchern (Erziehungskunde, philosophische Propädeutik und andere) ist gleichfalls in Angriff genommen. — An der Discussion betheiligten sich Msgr. Nagl, Professor Dr. Hammer, Realschnlkatechet Hnber. Professor Neu m ann. Professor Swoboda, 324 Professor Hartl und Fürstbischof Dr. Kabn. DaS Werk über das sociale Wirken der Kirche ist bis zum dritten Bande gediehen. Prälat Schindler begrüßt auch die selbststäudige Gründung der slovemschcu Leo-Gesellschaft in Laibach mit aufrichtigster. Sympathie. Se. Excellenz Baron Helfcrt bemerkt dazu, das; eine ähnliche Schöpfung für die Katholiken czcchischer Zunge ebenso zu begrüßen märe. Die Wahl des OrteS der nächsten Generalversammlung wird. da Olmütz und Bndweis abgelehnt haben, dem Directorimn überlassen. Ueber Antrag des Professors Dr. Gitlbauer wurde das Directorimn beauftragt. die Schaffung eines Organs zur Veröffentlichung von Abhandlungen der Mitglieder in Erwägung zu ziehen. Nach Beantwortung einer Interpellation des Dr. Waitz aus Brixen über die Veranstaltung von socialen Cursor wurde durch den kaiserlichen Rath Dr. Trura der Dank dem Vorsitzenden und den Mitgliedern des Direktoriums abgestattet und die Generalversammlung nach dritthalb- stündiger Dauer geschloffen. DieFestvers amin lung im dichtgefüllten, geschmackvoll deeorirtcn Wappensaal des Landhauses war unter Anderen besucht von den hochiv. Herren Fürstbischöfen von Gurt und von Lavant, von Hofrath von Kozaryn in Stellvertretung Sr. Excellenz des Landesprästdenten, vorn Landeshauptmann Grafen Zeno Goeß. von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Heinrich Rosenbcrg. GM. von Birst, von den Ministerresidenten Baron Reger rrnd von Pilat, voirr Bürgermeister der Landeshauptstadt Julius Neuner, von Sr. Ercellenz dem Grafen Honos. vorn Obmann des Localconritös Msgr. Nagl aus Rom, von Cvnte Veith, Hofrath Schwab, HandelSkaimnerpräsidentenvonHillinger, Berghauptmann Gleich und zahlreichen angesehenen Persönlichkeiten. vielfach mit ihren Damen. Am Präsidcntentische waren Se. Excellenz Baron Helfcrt und Generalsecretär Prälat Schindler und zunächst Se. Excellenz Graf Brandts. Landeshauptmann von Tirol und Präsident des Tiroler ZwcigvereineS, Mid die Directionsmitglieder. Nach der mächtig wirkenden Festhriliine. gedichtet und verlont von Dr. Richard von Kralik, sprach nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden der hochw. Herr Fürstbischof Dr. Kahn über die erhabenen wissenschaftlichen Aufgaben der herzlichst zu begrüßenden Leo-Gesellschaft, über welche er den Segen des Himmels herabsiehst. Es folgte sodann der Bericht über die VereiirZtbätig- kcit durch den Generalsecretär Prälat Schindler: er gedachte der Zunahme der Mitglieder, zu welchen fünf Angehörige des allerhöchsten Kaiserhauses zu zählen sind (Lebhafter Beifall), rrnd der diesjährigen Leistungen besonders auf dem Gebiete der Literatur und Kunst. Das reiche Bild dieser fruchtbaren Thätigkeit in Schrift und Wort wurde mit allgemeinem Interesse aufgenommen und die Schlußworte über das dein Lande zu erhaltende christliche Gepräge und die cultnrgeschichlliche Aufgabe, zu welcher auch die Leo-Gesellschaft ihre Beiträge liefern wolle, weckte lebhaften Beifall. Die Gesellschaft wuchs im Jahre 1897 auf 1730 Mitglieder und Thcilnehmer: darunter befinden sich 11 Mitglieder des allerh. Kaiserhauses. Spenden liefen rn diesem Jahre u. A. ein: vom k. k. Unterrichtsministerium für die Herausgabe der „Quellen und Forschungen zur Geschichte und Literatur Oesterreichs und seiner Kron- länder" im Betrage von 400 fl., für das Oesterreichische Literaturblatt 300 fl.. vom hochiv. Fürsterzbischos Dr. Kohn von Olmütz zur Unterstützung junger Gelehrter für wissenschaftliche Reisen 300 fl., von Prälat Dr. Franz in Gmiiirden 200 fl.. von einer Dame in Wien 500 fl. Der Vermögoisstand belauft sich auf 22,500 fl. Die Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Literatur in diesem Jahre sind besonders folgende: Das „Jahrbuch der Leo-Gesellschaft" mit wissenschaftlichen Abhandlungen von Wehofer, Weichs-Glon, Stentrup. Fil- kuka. Hirn; das „Sociale Wirken der katb. Kirche in der Diöccse Seckan" von Stradner: die „altdeutschen Passionsspiele aus Tirol" von Wackcruell; der 5. Jahrgang des „Oesterr. Literatnrblatt" von Schnürer; „Armenpflege einer Großstadt" von Weißkirchner: „Die Gegenreformation in Bruck a. d. Leitha" von Pröll; das Lehrbuch der Erzieh,lngskunde" von Grinnnich; die „Allgem. Bücherei*. (> Hefte mit Werken von Caldcron, Annette von Droste- Hülsdoff, Stifter, Hvrtt, Shakespeare, Sophokles: dazu kommt eine große Reihe von Werken, die in Vorbereitung stehen, u. A. ein großes itkustr. Prachtwerk „Die kathol. Kirche unserer Zeit in Wort und Bild" und „Apologetische Studien". Außerdem wurden zahlreiche Vortrüge über wissenschaftliche und litcrarische Gegenstände gehalten, darunter namentlich eine Reihe socialwiffenichafllicher von Bcrger, Schmiedland, Klopp, Kienböck. Gorski. Auf dem Gebiete der Kirnst ragen besonders hervor, die Aufführung des Brncker Requiems in der Kirche „Am Hof" durch JiilinS Böhm, des Oratoriums „Christus" von Liszt im Mnsikvereinssaal durch die Chöre des Schnbertbuudcs und der Wiener Singakademie unter Leitung Fcrd. Lowe's: des Calderon'schen Autos „Das große Weltthcastr" im Nrcadeuhofe des Wiener Rcsth- hauses. — Gewiß ein herrliches Bild segensreichen Schaffens! Der meisterhafte Vortrag des Festredners, Professors Dr. Hann, kennzeichnest die vollste Blüthe der christlichen Kunst in Körnten, welche trotz der Verwirrungen des Investitur-streites Berg und Thal mit Hunderten von Denkmalen übersäet hatte. Redner machst Fremde wie Einheimische auf den Reichthum an Schützen aufmerksam, an welchen so Viele achtlos vorübergehen. Seine Schlußworte über den in den KunstschätzcU ausgedrückten Geist des christlich-germanischen Zeitalters wurden von stürmischem. begeistertem Beifall begleitet. In den Schlußworten gab der Vorsitzende auch bekamst, daß der erste Mcepräsident, der hochw. Armee- bischof Belopotoczk», durch die Taufhandlung im allerhöchsten Kaiserhanse diesmal ferne gehalten, seine herzlichsten Grüße telegraphisch entsendet habe. Der Vorsitzende schloß: „DaS Wort hat sich verwirklicht: .Die Generalversammlung der Lep-Gesellschaft gestaltet sich zu einem vollen Erfolge'". „Vastrld." Recensionen und Notizen. Der selige Petrus Canisius, eindeutscherGlanbeus- held. Zunl 300jährigeu Gedächtnisse seines Todes. Nach den besten Quellen bearbeitet von Präses I. B. Mehler. Mit oberhirtlichcr Druckgenehmigung. 6. Verb. Anst. 12. 136 S. Preis 40 Pf. Bereits in 6. Auflage erschien soeben aus der gewandten Feder Mehlers das Lebensbild des scl. Canisius, welches in seiner volksthümlicheu Weise wie kein anderes zur Verbreitung unter das katholische Volk geeignet erscheint. Gerade uns Bcmern steht der selige Canisius. der Glaubensretter Deutschlands, hauptsächlich unseres engeren Vaterlandes Bauern, besonders nahe. Der Verfasser weist anf die Verdienste des Seligen für Bayern ausführlich hin, der ja auch die Liebe und Verehrung der Bcmernfürsten genoß. Die ganze Schrift ist von einem patriotisch-bayerischen Geiste durchweht, was sie uns besonders empfehlenswert!) macht. Sie hat auch allseits die gebührende Anerkennung gefunden. So erhielt der Verfasser Anerkennungsschreiben aus der Gehcimkanzlci Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregenten Lnitpold, des Prinzen Ludwig und der Prinzessin Arnulf, ferner von Sr. Eminenz Cardinal Dr. Stcinhuber. von dem Präsidenten der Regierung in Freibnrg (Schweiz), den hochw. Bischöfen von Cichstütt und Wnrzbnrg n. s. f. Gesänge und Andachtsübnngen zu Ehren des seligen Petrus Canisius. componirtvonM. Haller. Als Anhang zu vorstehendem Canisius - Küchlein. Mit oberhrrtlicher Druckgenehmigung. 32 Seiten. Einzeln 10 Pf., das Dutzend 90 Pf., specielle Orgetbegleitung 40 Pf. Im Selbstverläge des Herausgebers (Präses Mehler) und durch alle Buchhandlungen. Diese sechs deutschen Lieder in Noten, componirt von dem berühmten Meister M. Haller (eines von M. Mauer), ein-, zwei- und vierstimmig, für das Volk und Vereine, werden zur Verschönerung der kirchlichen und weltlichen Canisius-Jubilänmsfeiern wesentlich beitragen. Veraistw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabtiere in Augsburg.