Die Abteikirche zn Kastl. Kunstgeschichtliche Skizze von F. Mcrder. Es war vor einigen Jahren, da durchwanderte ich zum erstenmal das schöne Thal der Lanterach, um die altehrwürdige Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei Kastl zn besuchen. Dieser Besuch flößte mir dauerndes Interesse ein für dieses merkwürdige Baudenkmal: es ist wohl der bedeutendste frühmittelalterliche Kirchenbau, der in der Diöcese Eichstätt erhalten blieb. Es mag deswegen für weitere Kreise interessant sein, einige kunstgeschichtliche Notizen über die Peterskirche in Kastl zu erfahren. Eine Wanderung durch das Lauterachthal — es liegt zwischen Amberg und Nenmarkt i. d. Oberpf. — lohnt sich schon wegen der landschaftlichen Reize, die dieser stillen, weltfernen Gegend eigen sind, und die jeder Besucher anerkennen wird, sofern er nicht etwa sein Herz für ewig den Gletschern und Schueefeldcrn des Hochgebirgs verschrieben hat. Wir passiren das malerisch gelegene Dorf Pfaffen- hofen; zu Klosters Zeiten war es die Pfarrei von Kastl. Ueber dem Orte auf felsiger Höhe erhebt sich die Schwcppermannsburg. Sie ist halb Ruine: der ritterliche Held ruht in der Klosterkirche zu Kastl. In Pfaffen- hofen hat sich ein sog. Karner aus spätromanischer Zeit erhalten; wir dürfen an dieser etwas heruntergekommenen Kapelle nicht vorbeigehen, ohne sie besucht zn haben: nur wenige dieser mittelalterlichen Bauten sind in Bayern erhalten geblieben. Der Karner zu Pfaffenhofen ist ein doppelgeschossiger, in beiden Geschossen mit Kreuzgewölben versehener Bau: oben die Kapelle zur Feier des Gottesdienstes, unten der Raum für die Todtengebeine. Die Apsis der Kapelle trat als Erker aus der Ostwand hervor: doch ist leider nur der feinprofilirte Sockel erhalten, auf dem sie ruhte. Interessant ist auch ein an der Nordwand außen befindliches Erkerchen; es war ein Armenseelenlicht-Häuschen, bestimmt zur Aufnahme eines Lichtes, wie es im Mittelalter auf den Friedhöfcn gebräuchlich war. Wir wandern die Straße weiter. Kaum haben wir Pfaffenhofen verlassen, da macht das Thal eine scharfe Biegung, und das Ziel unserer Wanderung, Kastl, liegt vor uns. Das Bild äst überraschend: Auf der Höhe des Klosterberges erhebt sich die ehemalige Abtei mit ihren Befestigungen, Thürmen, malerischen Gebäuden; dazwischen prächtige Baumgrnppcn, und alles überragt der ausdrucksvolle Thurm der Klosterkirche. Die Patina ehrwürdigen Alterthums verleiht dem Bilde seinen eigenen Reiz. Um den Fuß des Klosterberges grnppirt sich der Markt Kastl: das Charaktervolle des obigen Bildes fehlt auch ihm nicht. Die Benediktinerabtei zu Kastl, besonders die Klosterkirche sind aber nicht bloß als landschaftliches Motiv für Künstler und Touristen interessant, sondern diese Kirche nimmt auch in der deutschen bezw. bayerischen Kunstgeschichte eine bedeutsame Stellung ein, und nur die Abgelegcnheit Kastls vom großen Verkehrsweg macht es erklärlich, wie vn. B. Niehl bemerkt, daß dieser merkwürdige Ort bisher in der Kunstgeschichte nicht diejenige Beachtung gefunden hat, die ihni gebührt. Wenn man heute die Nbtcikirche besucht, so findet man allerdings nicht mehr jenen Ban und jene innere Ausstattung, wie es zu den Zeiten war, wo ein Schwepper- maun in den ehrwürdigen Hallen der Peterskirche auf dem Klosterberge zn Kastl betete, oder lvie es Kaiser Ludwig der Bayer vorgefunden, als er am 8. Januar des Jahres 1323 in dem Kloster zn Kastl das Dankfcst feierte für den Sieg, den er bei Mühldorf über Friedrich den Schönen errungen hatte: die wechselvolle Zeit hat oft mit rauher Hand in diesen heiligen Räumen gcwirth- schaftet. Doch ist im wesentlichen der Bau so erhalten, wie ihn das Mittelaltcr geschaffen. Das Kloster Kastl ist eine Stiftung der Nachkommen des Herzogs Ernst II. von Schwaben: des Grafen Verengen: von Sulzbach, des Grafen Friedrich von Kastl und der Enkelin des Herzogs Ernst, der Gräfin Luitgard. Luitgards Bruder war Bischof Gebhard III. von Konstanz. Gebhard war ohne Zweifel bei der Kastler Kloster- gründung betheiligt. Die ersten Mönche, die das Kloster zu Kastl bevölkerten, kamen nämlich aus Petershausen bei Constanz. Ihr Abt hieß Theodorich. Die Veranlassung zu dieser Berufung ist jedenfalls bei Bischof Gebhard zu suchen. Die Gründung des Klosters beginnt mit dem Jahre 1098. 1103 schritt man zum Bau der Kirche, 1129 wurde sie geweiht. Die Peterskirche zu Kastl ist eine im Chor fünf- schiffige, im Langhaus dreischiffige romanische Pfeilerbasilika. Qnerschiff besitzt sie keines. Den fünf Schiffen des Chores eusprechen fünf Apsiden, von denen die Hauptapsis und die Apsiden der inneren Nebenschiffe in gleicher Linie liegen. Die Apsiden der äußeren Nebenschiffe dagegen sind in die Westwand der beiden Thürme eingelassen. Die Thürme befinden sich nämlich östlich neben den zwei vorderen Jochen der inneren Nebenschiffe: sind also den äußeren Nebenschiffe» östlich vorgelegt. Im Westen besaß die Basilika eine dreischiffige Vorhalle. Die Länge von St. Peter beträgt mit Einschluß der Vorhalle 65 m (im Lichten), die Breite der drei Schiffe 19 in. Die Höhe des Mittelschiffes ist im Chor 12 IN, im Schiff 15 na; die Nebenschiffe haben eine durchlaufende Höhe von 8 m. Betreten wir die Kirche durch die Vorhalle im Westen — sie wird Paradies genannt! In ihrer jetzigen Gestalt ist dieselbe ein Werk der Gothik, wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das schöne Gewölbe entwickelt sich aus einem achtseitigen Ccntral- pfeiler, wie das Geästs eines Baumes. Jedenfalls waren symbolische Absichten bei dieser Anlage maßgebend; man mag an den Baum des Lebens in der Mitte des Paradieses gedacht haben. Die heutige Vorhalle nimmt den Raum ein, den ehemals das Mittelschiff des romanischen Vestibüls inne hatte; sie mißt 12 ra in der Länge und 8'/^ m in der Breite wie das Mittelschiff der Kirche. . Die ursprüngliche romanische Vorhalle war aber dreischiffig. Diese Thatsache ist außer allem Zweifel: an der Nord- und Südwand der jetzigen Vorhalle sieht mau uoch die drei Arcadenbögen, durch welche das ehemalige Mittelschiff mit den Seitenhallen in Verbindung stand, sowie Fragmente der tragenden Säulen. Die mittlere Halle des ehemaligen Vestibüls war überdies doppelgeschossig. Eine derartige Anlage ist, wenn ich nicht irre, in Bayern ein llnicum; verwandte Beispiele finden sich zu Limburg a. d. Hardt, am Dom zu Spcyer, zu Gurk in Kärnten. Zwei nischcuartige Oeffmmgen gewährten von dem Obergeschoß der Vorhalle den Einblick in die Kirche. Diese Nischen sind rnndbogig überwölbt und haben eine gedrückte Gestalt: ihre Höhe ist 1,6 w, die Breite 1,7 w. Zwischen beiden Nischen sieht man noch eine etwas verstümmelte Console mit Ansätzen von Gcw'ölb- rippcn. Es geht daraus hervor, daß dieser obere Raum gewölbt war, und Zwar scheint es ähnlich der Wölbung des Paradieses ein Centralgewölbe gewesen zn sein. Die Lage des eben erwähnten Gewölbeansatzes ist wenigstens nicht erklärbar, wenn man nicht ein Centralgewölbe annimmt. Eine andere Möglichkeit wäre nur noch die, daß dieses Obergeschoß zweischiffig gewölbt war, entsprechend den zwei Nischen, die den Einblick in die Kirche gewährten; vielleicht erhob sich über dem sehr kräftigen Achleckspfciler im Paradies ein Gewölbeträger für die obere Halle. Den Profilen der erwähnten Console nach zu schließen, geschah die Wölbung des Obergeschosses gleichzeitig mit der jetzt noch vorhandenen Wölbung des Paradieses. Ursprünglich scheinen demnach die beiden Geschosse mit flacher Decke versehen gewesen zu sein öderes war die ursprüngliche Wölbung schadhaft geworden. Wie der Zugang zu der oberen Halle vermittelt war, läßt sich ohne Nachgrabungen nicht bestimmt feststellen. Die mit der Kastler Anlage verwandten Cluniacenserbauten lassen vermuthen, daß im Westen zwei Treppenthürme angelegt waren. Es ist möglich, daß dieselben neben den beiden Seitenschiffen der Vorhalle standen wie zu Limburg a. d. Hardt, oder aber daß sie westlich den Seitenschiffen vorlagen, und dann ergab sich zwischen den beiden Treppenihürmen eine zweite, kleinere Vorhalle, durch die man in das Paradies eintrat: das in großem Maßstab ausgeführte Vorbild für letztere Gestaltung bot die gewaltige Klosterkirche zu Cluny. Diese in Deutschland verhältnißmäßig seltene Vor- hallenanlage, wie sie die Basilika zu Kastl besaß, hat zwar nicht den ästhetischen Reiz, wie er der herrlichen, krcnz- gangähnlichen Vorhalle zu Maria-Laach eigen ist, aber bei der Frage nach dem Baumeister, der die Kastler Kirche gebaut, ist sie von großer Bedeutung. Das Portal, das von der Vorhalle in die Kirche führte, ist nicht erhalten: die Kirche selber präscntirt sich dem Besucher in glücklichen Raumverhältnissen. Weite und Höhe verhalten sich im Mittelschiff des Chores wie 2:3, im Langhaus wie 2:1; desgleichen ist das Verhältniß der Höhen im Mittelschiff und in den Seitenschiffen wie 2 : 3, bczw. wie 2 :4. Die Kirche hat also nicht das Beengende, was mancher gewölbten romanischen Kirche, auch großen Domen eigen ist; doch fehlt ihr auch keineswegs ein Zug von dem schweren, trotzigen Eindruck, den so mancher Ban aus jener Zeit hervorruft. Einst muß es ein prächtiges Interniern: gewesen sein, als die Wandgemälde noch nicht übertüncht und die Glasgemülde noch nicht zertrümmert waren, und die mittelalterliche Kircheneinrichtung noch bestand, die, nach den überkommenen Nachrichten zn schließen, eine ganz malerische Disposition auswies. (Fortsetzung folgt.) Ueber Dp. Sefl)/s „Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Pnlästinafghrt" gaben wir in Nr. 2, 3 und 4 der Beilage eine eingehende kritisch-literarische Anzeige, gegen welche Herr- Professor Dr. Scpp uns eine längere „Rechtfertigung" sendet. Er hofft damit „auch seinen jüngsten Widersacher auf seine Seite zn bringen". Wir stellen es diesenr anheim, zum Ende der Scpp'schen „Rechtfertigung" sich zu äußern, ob er bekehrt ist, müssen aber dann die Discussion hierüber in diesen Blättern für beendet erklären. I. Bekanntlich liegt ein Hauptdifferenzpunkt in der Frage über die Lage des biblischen Kapharnaum. Die italienischen Patres, welche Telum am Nordwestend des Sees Gennezarcth für 40,000 Francs angekauft und dort ein Hospiz gebaut haben, hielten und halten Telum für Kapharnaum. Diese Annahme läßt Dr. Scpp nicht gelten. Er will „aus der Natur und Geschichte, vor allem aus den Evangelien selbst, nachweisen, daß die Lage von Kapharnaum zu Telum oder Telhum eine Unmöglichkeit ist", und schreibt: „Als Graf Burkhard von Magdeburg, Guardian vorn Berge Sion, 1283 von der Bergstadt Safed Herabstieg, erreichte er den See bei Telonium. Ich habe 1874 mit meinem Sohn denselben Weg gemacht, und wir stießen zn Telum aus Ufer. Die Gleichung ist einfach: wie z. B. aus Posidonium mundartlich Pästum geworden ist, hat sich Telonium zu Telum abgekürzt. In den Diplomen der Kreuzritter heißt die Stätte noch l'kroloroum oder Mreoloirium. Der Name taucht erst in neuerer Zeit wieder auf, bei Burckhardt von Basel 1812 Tellhewu, bei Buckingham Talhown — diese Form paßt zu der Zollstatt des Matthäus (XI. 9.). Ich habe diese Stelle zuerst bestimmt; wenn aber unser Freund hier Kapharnaum vertritt, so macht er sich's leicht, indem er meine Hauptbcweise dagegen nicht anführt. Es gibt im ganzen Umkreise des Sees keine Ocrtlichkeit, die ungeschickter für einen Schiffplatz wäre, und das war doch der dreijährige Wohnsitz Christi. Telum (woraus die Araber zwei Worte: Dell — Hügel? und stura? machten) hat nicht einmal einen Läudplatz, geschweige Hafen, und es fällt selbst den Laien auf, daß die Bootsknechte ihre Fahrgäste auf den: Rücken hinaustragen müssen, wenn diese nicht vorziehen, ihr Gewand bis an die Hüfte aufzilschürzeu und hinauszuwaten. Soll Petrus den Herrn jedesmal auf dem Arm oder Rücken am Ufer abgesetzt haben? Kapharnaum lag in der Ebene Gen- nczareth, und zwar an einem Berge, Telum liegt anderthalb Stunden nördlich ganz flach. Und wenn Johannes die Entfernung von Bethsaida auf 25 bis 30 Stadien zur See angibt, so paßt hiezu einzig die Stadt am Nordende der gesegneten Ebene, aber nicht am Ende des Sees. Nach Telum brauchten die Jünger gar nicht zu Schiffe zu gehen, sondern kamen direkt von Bethsaida über die damalige Jordanbrücke in einer guten Stunde dahin. Ist denn aber mein Mesadieh auch gleich Bethsaida? Ich antworte: Ganz gewiß im otrrtus aoiwlruetus, wie Masphat gleich Safad, Cabatieh — Memcthat ist und Muslam zu Islam sich stellt. Vor zwei Jahrhunderten ist der grundgelehrte Orientalist Reland in den Irrthum verfallen, zwei Bethsaida anzunehmen, weil die Hcimath dreier Apostel: Philippns, Andreas und Petrus (Joh. 1, 44. 12, 21), in Galiläa gelegen. Aber auch Judas von Gamala heißt der Gnliläer. Jesus fuhr von Tibcrias nach der Einöde bei Bethsaida (Joh. 6, 1, Luk. 9, 10) und heißt von da seine Jünger nach Bethsaida vorcmsfahren (Mark. 6, 45. 63). Darauf kamen sie unter fürchterlichem Sturm nach Kaperuanm in der 71 Landschaft Gennezaret. Dies ist aber ein und dasselbe Bethsaida (Mark. 6, 22), das bald Dorf, bald Stadt heißt, weil erst der Vierfürst Philippus ihm den Stadtnamen beigelegt hatte. Mein Recensent will die Unterscheidung damit begründen, daß das eine den Beinamen Julias führte; aber die Herodier tauften so die Hälfte der Städte um, Bctharon in Livias, Megiddo in Legio, Kapharsaba in Antipatras u. s. w., ohne das; es ein zweites Betharon gab. Kurz: wir haben kein Bethsaida am Westnfer zu suchen. Der Seesturm bringt uns zur Ueberzeugung, daß Telmn nicht Kapbarnanms Lage bezeichnen kann, weil diese Küste den heftigsten Winden aus dem Hanron ausgesetzt ist. Auch die deutschen Pilger, welche man noch immer an der deutschen Station Chan Minieh vorüber da hinauf transporlirt, haben dies erfahren, und mancher rief, besorgt, aus der großen Schale trinken zu müssen: „Herr, rette uns, wir gehen zu Grunde!" Mein Kapharnanm zu Kefr Minieh dagegen hat einen einzigen, runden.Hafen als sichern Zufluchtsort für Schiffer und Wohnort für zahlreiche Fischer. Es empfiehlt sich wohl öfter, daß der Gelehrte das Beispiel des Sokrates nachahme, welcher sich gern auf den Dreistuhl des Schusters Simon setzte, um zu erfahren, ob der anstudirte Verstand bei der gesunden Vernunft Gnade finde. Nahum hätte wohl in Num, aber nie in Hnm sich wandeln können. Der jüdische Geschichtschreiber nennt es Kapharnome und den Fluß dabei Kapharnanm — Telhnm hat rechts und links auf Stunden weit kein anderes Wasser als das aus dem See. Dies meinte ich nnwiderlegltch ausgeführt zu haben, und doch bin ich heute der einzige, der das wahre einstige Kapharnanm vertritt. Während Tclum, oder mit arabischem Hiatus Tcl- hnm, erst in neuerer Zeit durch falsche Gelehrsamkeit zu so unverdienten Ehren gelangte, sprach für Minieh bis vor zwei Jahrhunderten die Tradition. Die Hanpt- antorität des Franzikaner-Ordcns, wofür ihn auch mein Censor und schwer zu überzeugender Kritiker anerkennt, der Guardian Quaresmins, schreibt in seiner I)686r1ptic> lerrns aanetno II, 854 1620: „Ich halte die alte Ueberlieferung sehr hoch, ich folge ihr, erkläre und vertheidige sie, die heiligen Orte bedürfen keines Lügen- schmnckes. Ich habe fast alle Bibclgelchrtcn und in der Geschichte der heiligen Stätten bewanderten Männer durchgesprochen" — und wie lautet die anderthalb Jahrtausende festgestellte Thatsache? „An der Stelle von Kapharnaum sieht man viele Rnincn und einen kümmerlichen Khan (ciivarsoriuin). Derselbe liegt sechs Million vom Jordaneinfluß und heißt Menieh." Schon wer die Stadt Christi (Matth. 9, 1) in anderthalbstiindiger Entfernung von der Ebene Gemiezaret sucht, hat die Bibel gegen sich. Wie kam aber die Stadt zu diesem Namen? Die Einen rathen durch arab. minkrü, der Hafen. Gildemeister in Bonn, der auch für Telhnm eingenommene, angeblich erste Arabolog, zieht einfach rniu.ss herbei, welches, vom koptischen abgeleitet, vom Nilstrande bis Hispanien Dorf bezeichnet. Also Kefr Minjeh wäre Dorfdörfel? Aber wir brauchen deßhalb so wenig wie vor dem Orientalisten Rcland die Waffen zu strecken. Die Araber selbst behandeln das Wort als ein fremdes. Der Beduine spricht nicht rainss sondern inairss, ja in Saladins Tagen hieß der Punkt irmuag'u und überragte selbst Tiberias an Bedeutung. Ist es doch das einstige Cinnereth! Meine Erklärung gibt sich aus dem Talmud und ist schon im Leben Christi tvie noch mehr im ersten Palästinawcrke beigebracht. Die Rabbinen von der Akademie zu Tiberias untersagten den Juden, nach Ka- pharnachum zu den Minim oder Ketzern zu gehen, wo sie sich heilen lassen konnten, aber leicht abtrünnig wurden. Minim bezeichnet die Renegaten oder Rekusantcn, es erhielt sich als Benennung für das Christendorf. Wir katholische Deutsche haben aus dem Streite über die wahre Lage Nutzen gezogen und seit 1887 durch den Ankauf von Tabiga (mit Tahal Kapharnaum, der sagenhaften Nilqnelle), von Khan und Chörbet Minieh den bedeutsamsten Strich am gepriesenen See, ein Terrain von 200 Morgen Landes, für 20,000 Franken erworben. Ich meinerseits stehe dem nun einzigen Verein für das gelobte Land in Aachen und Köln mit ebensoviel Mark gut, daß hier Kapharnanm gelegen, als das Besitzthum Franken gekostet hat. Ja soeben schreibt unser dortiger Vertreter mir von dem Anerbieten der in Gcldnoth befindlichen Araber von Name, noch so viel Hektar Landes für 18,000 Franken uns abzutreten, daß unsere deutsche Kolonie 600 Morgen des wasserreichsten und darum fruchtbarsten Landes am galiläischcn Meere umfaßte. Aber es hat Eile, damit nicht Russen und Franzosen uns zuvorkommen, oder noch eher die Juden, die überall ankaufen, unsere Nachbarn werden. Wir Deutschen gehen nur zu langweilig vor; mich erfaßt die Ungeduld! Der Schreiber dieser Zeilen hat schon auf der Generalversammlung der katholischen Vereine zu München 1861 im GlaSpalaste den Antrag gestellt und die nngetheilte Zustimmung der gewiß 7000 Theil- nehmer erhalten, am See Gennezareth eine deutsche Niederlassung zu begründen. Abt Haneberg, sel. Andenkens, wollte die Missionsvriester von Porto Farina bei Tunis deßhalb nach Tiberias ziehen, wo die Peterskirche mit unserem Zuthun neu eingerichtet wurde — aber die Eifersucht der Italiener vereitelte das Vorhaben. Der Neid verzehrt sie noch heute, und wir erhalten keine Zuschrift aus Palästina, ohne daß von neuen Anfechtungen die Rede ist. Ich bin darum wahrhaft erstaunt, daß mein gestrenger Recensent für den verlorenen Posten Telhnm eintritt, doch will ich ihm deßhalb nicht gram sein. Ich helfe auch unsern abgeneigten Nachbarn hinaus, indem ich ihre Station Lau lEatkeo in tslonio benenne und durch Christi Gegenwart geheiligt erkläre. Es wäre doch unverantwortlich und ist eine schwere Anklage gegen den Münchener Professor, wenn er den deutschen Episkopat und all die Genossen des Pnlästinavcreiues zu dem immer noch erweiterten Ankauf in und um Kefr Minieh veranlaßte, ohne seiner Sache. gewiß zu sein, soweit es überhaupt noch eine historische Gewißheit gibt. Verräth es nicht doch eine Voreingenommenheit für die seit letzter Zeit veränderte klösterliche Tradition und ihre Träger, wenn man einen Klosterbruder Liövin und den (inzwischen zu mir bekehrten) Pfarrer Furrcr von Zürich aus gleiche Linie mit Quaresmins und meiner Wenigkeit stellt, als ob die Vorgenannten nur auch über die litcrarischen Mittel verfügten, die Unsereinem zu Gebote stehen? Es ist möglich, meint unser Freund, das; Kapharnanm mit Kephar Minim und Minieh eine Gleichung bilde, aber erwiesen sei es nicht. Wir erwidern: Erwiesen ist jedenfalls und nach der Natur der Dinge unwidcrsprechlich, daß die Stadt Christi nicht in Telhnm gelegen haben kann, und wenn 72 nicht in Ehörbet Miilieh, dem Hafcnpunkte, wo lag es dann? Es hing doch nicht in der Luft! Einzig fehlt noch, daß man von Kefr Lam bei Dora am Mittelmeer» welches die Krcuzpilger auch für Kapharnanm nahmen, einen Einwurf gegen mein Kefr Minieh, das Christendorf ableite — wie taktvoll wäre dies, und welch papierne Erudition! Doch darum keine Feindschaft, im Gegentheil jedem strebsamen Doctor der Theologie freundlichst von mir die Hand gedrückt. Lichtmesse, 1897. Pros. Dr. Sepp. (Schluß folgt.) Stilln von Abenberg. Von Adam Hirsch mann. (Fortsetzung.) Besagter Urkunde zufolge hatte der Vater des Grafen Napoto von Abenberg in der Vorstadt dieses Ortes ein Klöstcrlei» gegründet, und zwar an einem unpassenden Platze; znr Sustentation waren auch die nothwendigen Güter bcigegeben worden. Da jedoch der erbberechtigte Sohn nicht um seine Einwilligung befragt worden war, so bestritt er vor dem bischöflichen Gerichte die Rechts- giltigkeit der Gütervergabung. Die aufgebrachten Zeugen bestätigten die Angaben Napoto's, so daß der Bischof, wenn auch nur nngcrne, ihm das Eigenthnmsrccht an den zu klösterlichen Zwecken bestimmten Gütern Zuerkennen mußte. Jedoch die Bischöfe von Wllrzburg und Bamberg bestimmten den Grafen Napoto, daß er jene Güter der Kirche in Hcilsbronn am Tage ihrer Ein- »veihnng zuwendete."') Gegen die Aechtheit dieser Urkunde konnte zunächst eingewendet werden, daß sich Bischof Burkhard nur üu- milis Provisor s. Dzwtettonsis eoolasiao nennt. Aber kann denn „Provisor" nicht identisch sein mit snpor- mtenciens? kann es nicht die genaue, wörtliche lateinische Wiedergabe des griechischen episoopns sein? Nannte sich doch auch Gebhard II. noch gegen das Jahr 1132: Provisor der Kirche Eichstätt (Lefflad, Regesten nr. 215), obwohl an eine interimistische Verwaltung der Diöcese gar nicht mehr gedacht werden konnte. Auch Sigfrid nannte sich mehrfach: äivina cooxsrants olsmentia wirbeln,rgonsis Irurnilis wivistsr (Euglert, Geschichte der Grafen von Truhendiugen, Regest nr. 135, wo indessen der Druckfehler äamentia stehen geblieben ist, nr. 142; cool. p. 142).°^) Auch die später erfolgte Einweihung der Hcilsbronner Kirche, welche von Fuchs gegen das Jahr 1150 hinanfgcrückt wird (25. Jahresbericht d. Histor. Vereins in Mittelst'. 1857, 17), spricht nicht gegen die Aechtheit der Urkunde, welche das Datum 1136 trägt. Denn die Jahreszahl 1136 zeigt, da sie sich für kein Fertignngsdatnm ausgibt, nach Snttncrs Meinung das Jahr an, in welchem Graf Napoto die Abenberger Klause mit ihren Gütern einzog und so den kirchlichen Besitz unterbrach. Um die Hotam sit iZitur uoiversis eeelesiae üdelillus, qoaUter eomes Ralllloto eelllckaio guandam in sullurllio Xlieulle/Kias a patrs suo loeo ineomxotouti mivns dis- ercts inelloataar eum prediis silli appeiideutillus in pras- seutia rroslrs et totiuL eeelesiae aostras iv possessiouem suas xroprietatis aollis reuitentibus et pro passe uostro deilluclentillus, ordin« judiciario olltinnit, eomprollans te^ Obus le^itiinis siue assensu suo rem psrpetratam irritam 0880 ckobero. Hocker, Heilsbr. Zlntia.-Schatz 8 upxl. I, 71. Lcsslad, Regesten in. 218. °) 1197 nennt sich Hartwig, welcher 1195—1223 die Di .iccse Eichstätt regierte, Listetensis eeelesiae minister, Lcsslad, Regesten ur. 327. (laut'. Hocker l. o. supxl. 1,72. spätere Restitution zu einer rostitntio in iviegrum rechtlich zu machen, wurde dann der Schenknngs- bczw. Einwilligungsakt des Grafen Rapoto auf 1136 zurückversetzt: aokum anno 1136 (Past.-Bl. 1862, 146). Untersuchen wir nun an der Hand dieser Urkunde die Skilla-Legende. Napoto's Vater (der Name wird in der Urkunde nicht genannt) hatte ein Klösterlein in susturbio tlksn- borZae looo inooinpokonli minus äisoreko einzurichten begonnen. Was bedeutet hier sulmrdium? In der klassischen Latiuität kommt dieses Wort nur einmal vor: 6io. stliil. XII, 10; Schellcr (latcin.-dentsches Lexikon 1788, III» 6648) übersetzt es: vielleicht Vorstadt; in der mittelalterlichen Sprache bedeutet es: die nächste Umgebung einer Stadt oder Umgebung, auch den unter einem Schlosse gelegenen Flecken (Past.-Bl. 1856, 125). Betrachtet man nnn die Lage von Abenberg, so kaun die an das Schloß sich anschmiegende Hänsergruppe vom Standpunkte der Burg aus sehr wohl mit sud- urlüum bezeichnet werden, wie denn auch Hocker es mit „Vorstadt" wiedergegeben hat. In dieser Auffassung werden wir bestärkt durch die weitere Angabe, daß das Klösterlein an einem ungeeigneten Platze mit wenig Verständniß angelegt worden sei. Die Bodenbeschaffenheit der nächsten Umgebung des Abenberger Schlosses, dessen Maucrwerke heute noch Ucberreste des früheren Mittelalters ausweisen, ist sehr steinig, steil ansteigend und in Folge dessen wasserarm. Wenn nun die späteren Aufzeichnungen zu berichten wissen, daß Stilla's Klosterüan hauptsächlich wegen der Sprödigleit des Bodens und wegen Mangels an Wasser aufgegeben worden sei, so treffen diese Umstände viel weniger bei dem tiefer gelegenen, von der Burg ungefähr 1 Kilometer entfernten Terrain der Petcrskirche, als bei jenem der Jakobskapelle zu. Hier konnte der nöthige Raum für ein Kloster und für ein Gotteshaus nur mit Ueberwindung großer Tcrrainschwierigkeiten gewonnen werden. Daß die Mönche in Abenberg sich wirklich bei der Jakobskapellc niedergelassen, letztere wohl auch erst gebaut haben, dürfte aus der oben berührten Gebietsrcgelung des Grafen Rapoto mit dem Kloster Heilsbroun erschlossen werden, wornach ein halber Mansns des von den Klosterlenten urbar gemachten Bodens bei der Kapelle des hl. Jakobus zu verbleiben hatte. Napoto's Vater hatte einige Güter dem Dienste Gottes bestimmt, wie die Urkunde besagt, aber nach deutschem Rechte konnten ohne Einwilligung des erbberechtigten Sohnes keine Familiengntcr veräußert werden: On der Erben gelop undc ohne echte Ding mag kein man fei eigen gut (altockium) vergeben. (Past.-Bl. 1856, 126.) Ueber dieses Recht äußert sich Wolfram von Eschcnbach in seinem Parzival mißmnthig: Lie pkeKeot's noll als wau's do ptlae sva lit und vmllisell Korillte lav. des xiliZ'st voll tintseller erde ein ort: das Nächst ir aus mioll Kellert. swer ie da ptlae der lande der Ksbot vvol ane sellands (dar ist ein warllelt swrder rvLu) das der aldsst llruoder solde llan s!os vatsr Kaoseu erbeteil. das vas der jauKeru aullsil das in der tät die pkillte llraoll als in ir vatsr lelleu verjaell. dL vor rvas es Zemeiue: sus llat's der alter eins. .... llüneLv, Kravsv, llersoZen 73 (ckL2 LLZ' iek iu für UNK6lOK6ll) ÜL 2 ckis ckä Iiuobe enterbst sint uns an ckas eltssts Lint, ist ein fremäiu Lsobs. (Bartsch. Parzival I, 117—141.) Auf Grund dieser „sonderbaren Einrichtung" forderte Rapoto nach seines Vaters Abscheiden die Güter zurück, zu deren Vergabung an ein Kloster er nicht um seine Einwilligung angegangen worden war. Er nimmt keine Rücksicht auf seine Schwester Stilla, zu deren Gunsten der Vater das Klösterlein gegründet hatte, sondern er beschreitet den Klageweg vor dem bischöflichen Gerichte, das hier wegen des religiösen Charakters der Kloster- güter zuständig ist. Bischof Burkhard sucht zwar den Willen des Vaters anstecht zu erhalten und die Existenz des Abenberger Klosters zu retten, allein angesichts der zeugschaftlichen Aussagen muß er die Berechtigung der Klage Rapoto's anerkennen und demselben das Eigenthumsrecht auf die in Frage stehenden Allodialgüter zusprechen. Bei der Einweihung der Kirche zu Heilsbronn bringt jedoch auf vielfältiges Zureden Rapoto es über sich, diese Güter dem Kloster der Cistercienser zu schenken. Anwesend waren hiebet außer dem consecrirenden Bischöfe von Eichstätt der Bischof von Würzbnrg und Bamberg nebst den Aebten Marquard von Fnlda, Adam von Ebrach, Rabboto von Heilsbronn, Wignand von Theres, Ortlieb von Neresheim, Adelbert von Ahansen und anderen Adeligen beiderlei Geschlechtes. Aber Niemand legt ein Wort für Rapoto's Schwester ein, ja sie wird in der Urkunde gar nicht genannt, obwohl der Bischof von Würzbnrg, Sigfrid, dem Hause der Grafen von Truhendingcn entstammte, dem auch Stilla's Mutter nach der legendären Voraussetzung angehörte; aber er achtet die verwandtschaftlichen Beziehungen zu Stilla so wenig, daß er für die Vergabung jener Güter, welche der Vater zur Gründung eines Klosters in Abenberg nach dem Herzenswünsche seiner einzigen Tochter bestimmt hatte, an Heilsbronn eintritt! Oder ist vielleicht Stilla im Jahre 1149 — 1150 nicht mehr unter den Lebenden ge- lvesen? Aber Rapoto's Schwester Hcdwig, mit welcher Stilla vielfach identisizirt wird, lebte noch 1152?") Vor ihrem Hinscheiden soll Stilla in die Zukunft geschaut und vorausgesagt haben, daß etwa nach 350 Jahren doch noch ein Kloster in Abenberg entstehen würde: sicherlich ein sehr unzureichender Trost nach einem Verlornen Prozesse! ") Mütter (I. o. S. 47) hält es für wahrscheinlich, daß Stilla um das Jahr 1160 gestorben sei. Damit fällt aber auch die Berechtigung des Satzes: „Doch ihr frühzeitiger Tod hinderte die Ausführung ihres heiligen Planes" (Müller t. o. S. 7), nämlich neben dem Pctcrskirchlein ein Nonnenkloster zu erbauen. Denn wenn schon im Jahre 1136 gelegentlich der Kircheneinmcihuug zu Abenberg Stilla aus der Hand des Bischofes Otto vom Bamberg den Schleier als Zeichen klösterlichen Lebens empfangen hat, wie Müller S. 6 zuversichtlich behauptet, so war doch von 1136—1160 für die Grafeutochter Zeit genug gegeben, ein Klösterlein bei der Pcterskirche zu erbauen. Dann aber erscheint es noch unerklärlicher, warum in der Urkunde des Bischofes Burkhard Stilla's Name gar nicht genannt wird, warum nicht einmal ihr naher Verwandter, Bischof Sigfrid von Würzbnrg, zu ihren Gunsten sich aus- sprach, sondern die bestrittenen Allodialgüter nach Heilsbronn vergabt werden ließ. Wenn Rapoto die väterlicherseits für ein Kloster bestimmten Güter doch herausgab, obwohl ihm das kirchliche Gericht das Eigenthumsrecht an denselben zuerkannte, so wäre es wohl dem menschlichen Kerzen entsprechender gewesen, wenn dieselben der eigenen Schwester überwiesen worden wären. Uebrigens währte es nicht solange, bis in Abenberg abermals eine Klostergründung versucht wurde. Bischof Reimboto von Eichstätt hatte durch Urkunde vom 7. März 1296 Stadt und Beste Abenberg um 4000 Pfd. Heller von dem Burggrafen Konrad dem Frommen und seiner Gemahlin Agnes von Nürnberg erkauft. (Nounmouta, Aollarurm II, 241 nr. 411.) Dorthin nun verlegte Reimboto das von dem Nürnberger Burggrafen am 22. Juli 1294 gegründete Stift von Säkular- klerikcrn zum hl. Nikolaus in Spalt?") (LIom Kolter. II, 224 nr. 391.) Zugleich gründete er am 11. Febr. 1297 bei dem neuen Stift „von werutlichen Chorherr», der angchaben ist zu Spalt und von gcsprcchens wegen gen Abenberg gelegt ward," der besseren Regierung wegen ein Propstamt, das der Magister Ulrich nur vorläufig ausgeübt hatte, und dotirtc dasselbe mit einer Pfründe zu Abenberg, durch Jnkorporiruug der Pfarrei Meuig (Möniug bei Freistadt), durch eine Pfründe zu Herrieden und durch eine Schankung von jährlich 10 Pfd. Heller, weiche der Bischof selbst bisher von Häusern und Bauern zu Altcuvelden bezogen hatte. (Lefflad, Regestcn nr. 791.) Am 7. Mai 1300 inkorporirte Bischof Mauegold von Würzbnrg die Kirche in Weiler bei Schwabach ganz dein Stifte bei der Kirche des hl. Jakobus in Abenberg; indessen schon am 19. August 1300 installirte Bischof Konrad das St. Nikolaistift wiederum in Spalt, wo es, 1619 mit dem älteren, seit 1037 bestehenden St. Emmerausstifte vereiniget, geblieben ist bis zur Klosteraufhebung am Anfange des 19. Jahrhunderts. (Non. 2oIIsr. II, 269 vr. 438; Lefflad, Regesten nr. 794.) "°) Nach Ried, oockox ebronoloKieo-ckipIomatious epis- seopatus Ratisbonensis (1816) I, 10 vr. 15, schenkte 810 Graf Ekkebcrt dem Bischöfe Ädalwin von Regensbnrg als Abt des Klosters St. Salvator Güter im Rangan, wo die Flüsse Piparodi zusammenfließen. Das Cönobmm 8. 8alvatoris lag im Sualafelde. I'avta gutem est, sagt der Schlußsatz der sehr umfangreichen Urkunde, anno ck. ine. 910 in ipso loeo, gv äieitur kixmrocki. Während Suttner (Past.-Bl. 1862. 136) mit Jänner, Geschichte der Bischöfe von Rcgcnsburg 1.154, das Kloster St. Salvator nach Spalt verlegt, glaubt Haas (Der Rangan S. 21,24) dasselbe in Rauhenzell bei Herrieden suchen zu müssen, wo allerdings bis 1808 eine gerne aufgesuchte St. Salvators- kapelle stand. In dem Güterverzeichnisse Arnolds wird die Verehrung des hl. Emmeran bewiesen durch die zahlreichen Güter, welche dem nach ihm benannten Kloster in Regensburg allenthalben zuerkannt wurden: g<1 orisntem provlnciae lluins ttunsetaeus optimo pisee vivickus (Mondsee, 831 nach Regensbnrg von Ludwig dem Deutschen und seiner Gemahlin Hcmma vergabt), nulle rsxsius eibus; all oeeillentein vero vinit'cr eespss 8pgtticus, e gno reZius potus. (21. O. 88. IV, 550.) Sollte in dem gegenwärtig durch Hopfcnbau berühmten Spalt früher Weinbau gepflegt worden sein? Jänner (I. v.) bezieht diese Stelle auf den Spalter Hopfen. 1272 belehnte Bischof .Leo von Regensbnrg die Burggrafen Friedrich und Konrad 'von Nürnberg mit Spalt und drei Theilen von Ornbau. (Ried I. o. I, 526.) Am 28. Juni 1295 verkaufte Konrad Spalt und Sandeskron an den Bischof Reimboto von Eichstätt um 1000 Pfd. Heller. (Lefflad vr. 764.) Nach Fuchs (25. Jahresbcr. des Hist. Vereins iu Mittelfrauken 1857 S. 19—20) wurde Spalt mit Sandskron (Nagelhof an der Rezat) erst 1297 von Reimboto erkauft und das Kollegiatstift von Abenberg nach Spalt zurückverlegt. Bergt. 2Ion. Toller. II, 245 nr. 414. Die banales Haies» brunnenses melden zum Jahre 1295: llurKKigvins junior (Oonrgllus) tres silios suos maueipat orllrni Dbeutoni- vorum vuin eustro in VirnspsrZ; lunckavit iurnWer canonias jnxtra eastrum ^benberA, translatas posteg in 8palto. Oestrmn vero et formn in 8pslt et esstrum in Lauser venllillit exiseopo Keimbotoni bFststtensi. (21. 6. 88. XXIV, 45.) 74 Von Bischof Reimboto berichtet Müller (I. o. p. 27), , daß er im Jahre 1290 einen Altar in der Ehre der hl. Stilla zu Abenberg errichtet habe, mit Berufung auf das Eichstätter Pastoralblatt (1856, 119), welches schreibt: -Diese Angabe hat eine Einwendung nicht zu befahren, indem aus Greiser gewiß ist, daß eine Angabe über die frühe Errichtung eines Altares vorhanden war, auch wenn dieser Geschichtsschrciüer in der Handschrift von 1594 den Namen Gnndekar II. gelesen hat, der im Jahre 1290 längst todt war. Der Nebdorfer Chorherr Maximilian Münch dagegen huldigte der Anschauung, daß schon Bischof Hartwig aus dem Hause der Grafen von Hirschberg (1195—1223) den Altar errichtet habe, weil nach der Legende noch 1594 ein portraitähnliches Bild Stilla's in der Pcterskirche vorhanden war, welches im Uuglücks- jahre 1675 durch Feuer vernichtet wurde. Dagegen ist zu bemerken, die ältesten Aufzeichnungen, denen Greiser und Koch gefolgt sind, ebenso die noch im Pfarrarchive zu Abenberg vorhandenen Ausschreibungen der Jahre 1593 und 1594, welche dermalen die ältesten Dokumente bilden, lassen durch Bischof Gundakar II., dessen Heiligkeit und Frömmigkeit besonders hervorgehoben wird/') die Peterskirche eingeweiht werden, wie wir schon oben angaben. Daß aber Bischof Hartwig. oder Reimboto einen Altar in der Ehre Stilla's erbaut haben, ist zwar vielfach behauptet, aber. noch niemals erwiesen worden. Weder das Pontifikale Gnudekars 11.^) noch die Eich- stätler Historiographen, wie Greiser (tom. X, 855, 857), Faläenstein (Jntiig. Xorci§. I, 141, 158—161), Lefflad (Regesten nr. 325—395 zu Hartwig, nr. 607—797 zu Reimboto), noch andere Urkunden gedenken dieses Um- standes. Da aber gleichzeitige Quellen und urkundliche Belege fehlen, so müssen wir die widersprechenden Angaben späterer Jahrhunderte als unhistorisch abweisen. Auch die Urkunde des Bischofes Burkhard steht zu Stilla in keinerlei Beziehung. Die Legende erzählt ferner, daß Stilla von der Höhe des Schlosses zu Abenberg ihren Handschuh in die Lüfte geworfen mit den Worten: „Wo man diesen findet, da will ich begraben werden." Wunderbar traf es sich, daß der Handschuh in der Peterskirche aufgefunden ward, gerade an der Stelle, wo Stilla späterhin begraben wurde. Aehuliche Ueberlieferungen finden sich zahlreich vor. Auf dem Schwanberger Hofe bei Kitziugcn soll der König Pipin Hof gehalten haben. Da geschah es eines ") Bei der Erhebung der Religuien Gundakars im Jahre 1309 durch Bischof Philipp von Natsamshausen floß aus den Gebeinen reichlich Oel, und feist noch bemerkt man am Grabsteine Gundakars besondere Oeffnungen für die Röhren, durch welche das Oel herausgeleitet wurde. (Past.-Bl. 1836, 135, 158.) Das Pontificale Gundekars widmet in seiner Fortsetzung dem Bischöfe Reimboto, welcher Los olori, äsous orbis, rsßnUa vow genannt wird, eine ziemlich ausführliche Biographie, erwähnt den Ankauf von Abenberg, Werdenfels und Spalt, schweigt aber vollständig über Stilla und ihren Altar. Wenn Sar (Die Bischöfe von Eichstätt S. 147) gleichwohl durch Reimboto einen Altar zu Ehren Stilla's im Jahre 1290 eingeweiht werden läßt, so ist er leider für seine Behauptung den urkundlichen Beweis schuldig geblieben. In der Goldbnlle des Königs Philipp zu Gunsten des Eichstätter Bischofes Hartwig über die Theilung der Kinder aus Heirathen zwischen erbeigenen Dienstleuten des Reiches oder des Königs einerseits und Dienstmannen der Eichstätter Kirche anderseits vom 14. September 1199 erscheint als Zeuge: Graf Heinrich von Abenberg. (Lefflgd, Regesten ur. 336.) Tages, daß ihn seine Tochter Hadeloga bat, ihr eil Stück Landes in der Gegend zu schenken, um ein Kloster zu bauen. Pipin erfüllte ihren Wunsch. Da zog Hadeloga ihren Handschuh aus, um dem Könige die Hand zum Danke zu reichen. So ergriff der Wind den Handschuh und führte ihn durch die Lüfte über den Main hinüber. An dem Ufer des Flusses weidete Kitz, ein Hirte des Königs, seine Heerde. Dieser hob den Handschuh auf und brachte ihn der Königstochter. Hadeloga erkannte dieses für einen Wink des Himmels, an der Stelle, wo der Handschuh niedergefallen war, ein Kloster zu bauen, wie solches denn geschehen im Jahre des Herrn 745. (Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande I, 226.) Albcrada, die Gemahlin des Markgrafen Hermann, eines Vohburgers oder eines Abenbergers, warf ihren Handschuh in die Luft und stiftete mit ihren Eigcngütern im Bauzgau das Benediktinerkloster Bauz zwischen 1058 und 1069. (Kirchenlex. I, 1967.) Von der hl. Kuni- guudis geht die Sage, daß sie drei Kirchen an jenen Stellen zu bauen sich vornahm, wo die drei Schleier gefunden würden, die sie vom hohen Söller des Schlosses zu Bamberg fliegen ließ. Als sie einst zum Altare ging, um das übliche Opfer zu entrichten, zog sie den Handschuh aus und warf ihn sorglos von sich. Ein Sonnenstrahl jedoch habe denselben getragen, bis die fromme Fürstin vom Altare zurückgekehrt sei. (Greifer X, 558; Schöppner, a. a. O. III, 98.) Im Gegenbilde zu diesem Handschuh- oder Schleier- werfen warf Graf Arnold von Scheyern, da seine Vettern ihr Erbgut einem Kloster schenkten, zornig seinen Handschuh in die Luft mit den Worten: „Seinen Antheil soll der Teufel haben"; der Handschuh verschwand und kam nicht wieder. (Past.-Bl. 1856, 126.)--») Aus diesen Sagen läßt sich erkennen, wie der Handschuh im deutschen Volksleben des Mittelalters als Rcchts- symbol der Uebertraguug einer Gewalt über Personen oder Sachen diente. Daher findet sich die Uebergabe eines Handschuhes als äußeres Dokument bei Verlobungen, bei Uebcrwcisnng von Besitzthum und bei Er- theilnug von Vollmacht. „Hut und Handschuh, sagt Grupp (Cnlturgcsch. des Mittelalters II, 117), wies auf eine Gewalt hin, welche über den Besitz hinausgeht. Der Handschuh bedeutet den Zwang und Bann, den der Grundherr über seine Leute ausübt." Wenn demnach Stilla ihren Handschuh nach der Peterskirche wirft, so soll damit gesagt sein, daß sie ihr Vermögen zu Gunsten dieser Kirche und des beabsichtigten Klosterbaues verwendet wissen wollte. (Fortsetzung folgt.) Santiago de Compostela im Jubeljahr 1897. (Schluß.) Indem nun unser Heiliger Vater Leo XIII. in derselben Bulle die Sentenz Sr. Eminenz des Cardinals Bei Schöppner (l. v. III» 331) wird die Sage etwas anders erzählt: Als Graf Arnold einst auf der Brücke zu Scheyern stand, entbrannte er in unsinniger Wuth, riß seinen Handschuh aus, warf ihn hoch in die Luft, indem er sprach: „Da, Teufel, nimm den Handschuh zum Unterpfand, daß ich mich selbst und meinen Antheil an Bayern Dir zum Eigenthums gebe!" Kaum hatte er die Worte aus den. Munde, als der Landschuh verschwand. Der Böse faßte aber auch den Pfandgeber beim Kopfe und führte ihn mit sich weg vor Vieler Allgen; nachdem er 75 » » Papä y Rico. sowie das Dekret der päpstlichen Special- conqrcgation bestätige und die Echtheit der neu aufgefundenen Reliquien des hl. Jakobns und seiner beiden Schüler aussprach, sagt er wörtlich: „Wir kündigen an und befehlen allen Unseren ehrwürdigen Vrüdern, den Patriarchen, Erzbischöfcn und Bischöfen, sowie den übrigen Prälaten der Kirche, daß sie feierlich und in der ihnen geeignet scheinenden Form gegenwärtiges Schreiben in ihren Provinzen, Bisthümern und Städten zn dem Zwecke veröffentlichen, daß dieses glückliche Ereigniß allenthalben bekannt und von allen Gläubigen mit verdoppelter Frömmigkeit gefeiert werde, sowie daß aufs neue nach der Gewohnheit Unserer Vorgänger Pigerfahrten zu jenem hl. Grabe unternommen werden. Und da die edle spanische Nation durch den wunderbaren Beistand des hl. Jakobus ihren katholischen Glauben unverfälscht bewahrt hat, und in der Absicht, es möge ihr der barmherzige Gott die Gnade verleihen, mitten in der Fluth von Irrthümern durch Fürsprache ihres himmlischen Schützers sich in der Heiligkeit der Religion ihrer Väter und in der Gluth der Frömmigkeit zu befestigen: so bewilligen Wir das ausgedehnte, von Unserem Vorgänger Alexander III. gegebene Privileg d. h. einen vollkommenen Jubelablaß in dem Jahre, in dem das Fest des hl. Jakobus (25. Juki) aus einen Sonntag fällt, auch für das nächste Jahr, in welchem die Auffindung und Erhebung des Leibes des hl. Apostels gefeiert wird; es seien die nämlichen Privilegien ertheilt, die in der Constitution des nämlichen höchsten Oberhauptes vorn 25. Juni 1179 enthalten sind." Unsere vielgeliebten Mitbrüder Unserer Provinz bitten Wir zärtlich, sie möchten in ihren Diöcesen zahlreiche Pilgerfahrten veranstalten, für dieselben die ihnen passend scheinende Gelegenheit auswählen und nach Belieben festsetzen. — Alle Unsere geliebten Diöcesanen ermähnen und beauftragen Wir dringend, im nächsten Jahre von neuem die bisher bewiesene lautere Andacht zu den: hl. Apostel zu zeigen, zur Gewinnung des Jubelablasses sich würdig vorzubereiten und den reichen Schatz geistiger Güter nach Derniögen sich zu Nutzen zu machen. Man vergesse nicht, wie leicht die Bedingungen sind, da die päpstliche Bulle nur den Empfang der hl. Sakramente der Buße und des Altars verlangt nebst dem Besuch der Basilika, in der man nach Meinung des Heiligen Vaters beten soll: man ist nicht etwa verpflichtet zn besonderen Fasten, zu Almosen oder anderweitigen Kirchenbesuchen, wie das für Gewinnung des Jubiläumsablasses im „heiligen Jahre" zu Rom vorgeschrieben ist. Wollten wir die Bedeutung der Wallfahrten nach Compostela besonders hervorheben, so bräuchten Wir nur auf die schwierigen Verhältnisse hinzuweisen, in welchen die Kirche Christi und ihr Statthalter sich befinden, der als Gefangener im Vatikan der Freiheit und Unabhängigkeit beraubt ist, die ihm nach göttlichem Rechte gebührt : ferner auf die traurige Lage Unseres Spanien, das sich gleichzeitig zur Führung zweier kostspieliger Kriege genöthigt sieht, um den Aufstand undankbarer Söhne und rebellischer Unterthanen zu unterdrücken, welche durch die Freimaurer gegen Thron und Altar aufgestachelt werden, jene Sekte, deren teuflische Arbeit von Uns, als Wir noch Erzbischof von Santiago auf Cnba waren, gezeichnet worden ist und die sich jetzt in ihrer ganzen abschreckenden Häßlichkeit auch den Blicken derjenigen nicht verbirgt, die Uns im Verdacht der Uebertreibung hatten. Und da die großen Opfer, die Spanien zur Aufrechterhaltung seiner gesetzlichen Rechte bringt, sowie die vaterländischen Kundgebungen, welche die ganze Nation veranstaltet» leider nicht hinreichen, um den Sieg und langer: ehnten Frieden zn erringen, so bleibt kein anderes Mittet übrig, als zum Herrn der Heerschaaren Zuflucht zu nehmen, der da waltet über die Reiche und nach seinem Gefallen Sieg verleiht, auf daß er durch die mächtige Fürsprache unserer lieben Frau von Pilar'") und unseres Apostels, des hl. Jakobus. uns die Wiederherstellung der vollständigen Ordnung, des ihm das Genick gebrochen, warf er den Leichnam in das Ried der Weiher zu Scheuern. Ueber das Alter dieses Klosters s. Götz I. o. I. 371. "h blneärs Sonors, ckel Uilar (Unsere liebe Frau von der Säule) zu Zaragoza, der alten Hauptstadt Arragoniens am Ebrostraude, zählt neben dem Montserrat zu den berühmtesten marianischen Gnadenortcn Spaniens. Vcrgl. den „Sendboten für katholische Vereine und Freunde der reinen Glaubens und der sicheren Ruhe in allen spanischen Gebieten gewähre. Wir erwarten von Unserem geliebten Diöcesanklerus» daß er im kommenden Jahre mit Eifer sich der Pilgerfahrten nach Compostela annehme, und verordnen, daß alle Pfarrer Unserer Erzdiöcese an mindestens zwei Festtagen beim Offertorium der Pfarrmesse dieses Unser Hirtenschreiben vorlesen und ihre Pfarrkinder zu entsprechender Vorbereitung für Gewinnung der Gnaden des vollkommenen Ablasses ermähnen sollen. Gegeben in Unserm crzbischöflichcn Palaste zu Sau- tiago de Compostela, unterzeichnet von Uns, versehen mit dem Siegel Unserer Würde, und gegengezeichnet von dem unterfertigten Kammer- und Regierungssekretär am Tage der unbefleckten Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria, der Patronin Spaniens und feiner indischen Besitzungen, am 8. Dezember 1896. v Joseph, Erzbischof von Santiago de Compostela. Im Auftrag Sr. Eminenz, meines Herrn Ludwig Eugen del Blanco Alvarcz, Sekretär. * » » Bei der bekannten, durch Jahrhunderte erprobten Verehrung des spanischen Volkes zu seinem hl. Patron, dem Apostel Jakobus, wird in den spanischen Landen der Einladung des Erzbischofcs, zur Gewinnung des Jubel- ablasses Pilaerzüge zum Grabe des Apostels zu unternehmen, ohW Zweifel in großartigster Weise entsprochen werden. Hoffentlich bleibt die Einladung auch im Aus- land nicht wirkungslos. Ob wohl von Deutschland, speciell von München aus unter der bewährten Anordnung des hochw. Canonicus und päpstl. Geheimkämmerers, Msgr. Hermann Geiger, sich eine Pilgerkärawane zum Grabe des hl. Apostels in Bewegung setzen wird? Ohne Zweifel, sobald sich genügend Theilnehmer melden werden. Bereits viermal gingen von München aus Pilgerzüge Santiago, in den Jahren 1887, 1891, 1894, 1896. Daß deutschen Pilgern in Santiago, wie auch sonst überall in Spanien, die freundlichste Aufnahme zu Heil wird, davon können Alle mit dankbarer Rührung erzählen, die aus Erfahrung sprechen, so auch der Schreiber dieser Zeilen, welcher 1894 und 1896 die Karawane führte. In Santiago selbst, einer alten Universitätsstadt, leben zwei Professoren der Hochschule, welchen es die größte Freude bereitet, katholischen Pilgern aus Deutschland in jeder Weise gefällig zn sein. Der eine dieser Herren ist Don Jose Fernändez Sänchez, ein ebenso frommer tote gelehrter Mann, der den Lehrstnhl für Geschichte an der Universität innehat; derselbe gab vor einigen Jahren einen unübertrefflichen „Führer von Santiago und seiner Umgebung" (Onia cka LantmZo x mm wirocksciores) heraus, den er in echt spanischer Liebenswürdigkeit sämmtlichen Mitgliedern unserer Reisegesellschaft zum Andenken mit in die Hcimath gab. Ein anderer Freund der deutschen Pilger ist Don Candido Rios h Rial, ein Gelehrter mit großen Sprachkcnntnisscn, der besonders als Kenner der deutschen Sprache sich um die Pilgcrkarawane von 1896 die größten Verdienste erwarb. Seiner Güte verdanken wir auch, wie schon Eingangs erwähnt, die Zusendung des von uns übersetzten Hirtenbriefes. Es wird diesen Herrn, der sich der Deutschen so liebevoll erinnert und so hoch für sie intcressirt, gewiß freuen, zu vernehmen, daß aus seiner Veranlassung die Einladung des Oberhirten von Santiago zn Pilgerfahrten bei den Deutschen bekannt geworden und in einer bayerischen Kirche" 1896 Nr. 4, 5, 6, 7. Die Spanier führen den Gnadenort auf den hl. Apostel Jakobns selbst zurück! 76 Zeitung verbreitet worden ist. Daß endlich auch der Erzbischof von Santiago selbst die katholischen Pilger aus Deutschland in huldvollster Weise empfangen wird, geht nicht bloß aus dem Inhalte seines schönen Hirtenschreibens hervor, dafür bürgen auch die überaus freundlichen Worte, womit derselbe bisher die Mitglieder der Münchener Karawanen auszeichnete, sowie auch die Anordnungen, die er jedesmal treffen ließ, um den Pilgern mit zartester Rücksicht Führung und .Hilfe zukommen zu lassen, namentlich den Priestern, denen er die bei großem Andrang nicht immer leichte Möglichkeit bot, in der Krypta des hl. Apostels zu celcbrircn. Bei der letzten Pilgerfahrt, im Frühjahr 1896, beschenkte der hohe Kirchcufürst jeden der Priester unserer Gesellschaft mit einem von ihm selbst verfaßten Buche „Lraviarium pro meelitationd all usurn olsiiooruni". Wie sehr dieser für den hl. Apostel begeisterte Würdenträger deutsche Wallfahrtszüge zum Grabe des hl. Jakobus wünscht, das erhellt am deutlichsten aus L.u Worten eines Briefes, in dem er am 11. Mai 1891 die Ankunft von zehn Münchener Pilgern in Santiago dem Veranstalter der zweiten Karawane, Msgr. Geiger, anzeigte: „Möchte doch heute das Beispiel dieser zehn Pilger recht viele andere bestimmen, zur Kundgebung ihres katholischen Glaubens dieselbe Pilgerfahrt zu unteruWien, damit Europa auf die Fürbitte des Einen von Mr „Donnersöhnen" von seinen Irrthümern erlöst werde,'und damit das Licht des Evangeliums den ganzen Erdkreis erleuchte, auch jene, „welche in Finsterniß und Todesschatten sitzen". Zu jenen zehn Pilgern selbst aber äußerte er bei der Audienz: „Möge ein frommer Geist wieder deutsche Wallfahrten nach Santiago ins Leben rufen und jeder Priester mindestens zehn Laien mit sich bringen!" Welch herrliche Worte für jeden Verehrer des großen Apostels! Welch liebevolle Einladung aus solchem Munde zur Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela! Welche Freude wäre es für den hochwnrdigsten Kirchenfürsten von Santiago, wenn sich recht viele katholische Pilger aus Deutschland im ,,Mo sunto" am Grabe des „6man chpostol" einfinden würden! Wir Bayern besonders sollen eine Ehre darein setzen, zahlreiche Verehrer zur berühmten Gnadcnstätte Spaniens zu stellen. Vergessen wir nicht, was wir deni ritterlichen Volke Spaniens verdanken. Wenn diese Helden, vertrauend auf die Fürbitte des hl. Jakobus, nicht in blutigen Schlachten die wilden Sarazenen zurückgeworfen hätten, wenn der Halbmond den Sieg über das Kreuz errungen hätte und immer weiter vorgedrungen wäre, welch fürchterliches Schicksal deutscher Christen hätte wohl besonders in süddeutschen Gauen der Griffel der Klio verzeichnet! Grund genug, uns der Andacht des spanischen Heldenvolkes zu seinem himmlischen Beschützer von ganzem Herzen anzuschließen. Auch Deutsche, Bayern haben seiner Zeit in spanischen Diensten gefochten und ihr Blut für den Glauben im hl. Kriege vergossen. Freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen verknüpfen die Fürstenhäuser Spaniens und Bayerns von uralter Zeit bis zur Gegenwart. Unser allbcliebtcr Prinz Ludwig Ferdinand Maria, kgl. Hoheit, Sohn eines bayerischen Prinzen und einer spanischen Prinzessin, ist der Gemahl der edlen, für jede gute Bestrebung begeisterten spanischen Infantil! Maria de la Paz, und selbst auch ein Großwnrdenträger des hohen Ritterordens von Santiago. Gelpiß würde es das erlauchte Prinzeupaar nur mit Freuden vernehmen, wenn recht viele Bayern im „heiligen Jahr" als Santiagopilger am Grabe des Apostels beten würden für die Erhöhung der Kirche und die Erhaltung unseres geliebten, angestammten Herrscherhauses, das auch in düsteren Zeiten stets dein katholischen Glauben treu geblieben ist und dem Bayernvolk, dessen Königstrene sprichwörtlich ist, ein hehres Vorbild gegeben hat. Der katholische Glaube, die treue Anhänglichkeit an die Kirche Christi ist es ja, in dem wir uns eins fühlen mit dem Volk der Spanier, das unter seinen glaubcnsmuthigen Fürsten mit der Waffe in der Hand die heiligsten Güter vertheidigt hat. Wenn ehedem deutsche Pilger in Schaaren auf beschwerlichen Wegen, durch unsichere Gegenden, in mouatelaugen Märschen nach Santiago pilgerten, so dürfen wir uns heute bei den beschleunigten, sicher führenden, bequemen und einfachen Verkehrsmitteln doch nicht von jenen übertreffen lassen! Darum, wenn die Frühlingssonne bei uns das erste Pflanzenlcbcn weckt und die bevorzugtere iberische Halbinsel bereits in einen Zauber- garten verwandelt hat, dann aus nach Spanien, dem Land des Glaubens und des Edelsinnes! Dort erklingt die wohllautendste Sprache*") eines Calderon und Lope de Vega, dort streben die herrlichsten Baudenkmäler, die es gibt, in das Blau des Himmels, dort wohnt gläubige Begeisterung im Herzen eines Volkes, das sich den Idealismus durch vielfache Mißhandlung des Schicksals nicht rauben ließ?") Darum, auf nach Spanien! Auf nach Santiago! 8. 6t. LiLerarisches. „Freunde und Feinde der Arbeiter", oder „Christlichsocial" oder „Socialdemokratisch?" Von vier Freunden' der Wahrheit. Verlag von A. Opitz, Warnsdorf (Nordböhmen) und Wien (VIII, Strozzr- gasse 41). Preis pro Exemplar 10 Psg. (franco 15 Pf.), 50 Stück 5 M., 100 Stück 7 M. 60 Pf. ** Diese 56 Seiten starke Broschüre bildet ihrem Inhalte nach ein eingehendes Anfklärnngsmittel, besonders über das Wesen und den Inhalt der socialdemokratischen Theorien. Bestrebungen uiw Znknnftspläne, und verdient angesichts des billigen Preises die weiteste Verbreitung. ") Daß der Pilger, der die spanische Sprache versteht, doppelten Nutzen und Genuß hat. ist klar. Das Spanische ist leicht zu erlernen, besonders für den, der die Grundlage aller romanischen Sprachen versteht, das Lateinische. Die beste span. Grammatik ist von Schilling (Leipzig, Glöckner, M. 4,00: dazu Schlüssel M. 1,50), in gedrängter Zeit genügt auch die Grammatik in Hart- leben's (Wien-Leipzig) Sammlung „Kunst der Polyglotte" (M. 2 00 geb.). Die Umgangssprache hat viele eigenthümliche Redewendungen; Hilfsmittel sind das „Lollo äs Llaäriä" (Leipzig, Giegler, M. 2Ü0 geb.), der „spanische Sprachführer" (Berlin, Herbig, M. 1,30), der dem letztverstorbenen deutschen Kaiser Friedrich bei seiner span. Reise gute Dienste geleistet hat, sowie das praktische Büchlein „Span. Sprachführer" (Leipzig, Bibliogr. Institut, „Meyer's Sprachführer", M. 3,00 geb.), für die Reise am besten, weil kleinstes Format und alphabet. Anordnung; als Lektüre zu Hanse sehr werthvoll ist Schilling's „von LasiUo" (Leipzig, Glöckner, M. 2,00) in Dialogform. Das beste Wörterbuch ist von Tolhausen (Leipzig, Tauchnitz, 2 Bde., M. 20,00 gebd.), das billigste Taschenwörterbuch in der Reclam-Bibliothek Nr. 3201—5 (Leipzig, M. 1,00), ein anderes bei Steinitz in Berlin (M. 400). Es mögen sich einstweilen nur recht Viele schlüssig machen zur Pilgerfahrt nach Spanien. Näheres wird demnächst in der „Augsburger Postzeitung" bekannt gegeben über Anfang, Kosten usw. der Reise. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.