„Augsburger Poſtzeitung“. №. 2. Freitag, den 5. Januar 1894 Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literariſchen Inſtituts von Haas & Grabherr in Augsburg (Vorbeſitzer Dr. Max Huttler). Auf verwegener Bahn. Kriminalnovelle von Guſtav Höcker. (Fortſetzung.) In einer der am Stromufer gelegenen Vorſtädte ſtand in noch wenig angebauter Gegend ein ſchmuckes einſtöckiges Gebäude, hinter welchem ſich eine weite Gartenanlage mit Gewächshäuſern ausdehnte. Neben den Häuſern führte eine Gitterpforte in den Garten und über derſelben erhob ſich in einem Halbbogen ein blechernes Schild mit der Aufſchrift: „Kunſtund Handelsgärtnerei von Eduard Ritter.“ Etwa eine Stunde vor der eben erzahlten Begebenheit ſaß in einem Parterrezimmer des Hauſes der ſogenannte Gärtner an einem einfachen hölzernen Tiſche beim Scheine der Lampe und las mit lauter, eintöniger Stimme aus einem methodiſtiſchen Andachtsbuche vor. Der Zuhörer war ſeine im Bett liegende Frau, welche ſeit einigen Tagen an Magenkrämpfen litt, einem alten, von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Uebel. Schlicht wie das ganze Zimmer, deſſen einziger Schmuck das lithographirte Bildniß John Wesleh's, des Gründers der Methodiſtengemeinde, bildete, war auch die äußere Erſcheinung des in den vierziger Jahres ſtehenden Ehepaares. Während der Gärtner in ſeiner Vorleſung eine Pauſe eintreten ließ, ſchlug die alte Schwarzwälder Uhr neun, was in ihrer Sprache ſo viel wie viertelzehn hieß, da ſie mit großer Punktlichkeit ſtels eine Viertelſtunde nachging und in dieſer berechtigten Eigenthümlichkeit von ihren Beſitzern auch nicht verkümmert wurde. „Wo nur Anna heute mit Frau Rollenſtein bleibt!“ ſagte Frau Ritter.„Die Abendgottesdienſte gehen lange vor neun zu Ende und von unſerer Kapelle bis hierher braucht man keine Viertelſtunde.“ „Anna freilich nicht und wir beide auch nicht!“ entgegnete der Mann, „aber die alte Dame, die am Krückſtock gehen muß.“ „Man ſoll nicht über die Gebrechen anderer ſpotten!“ uuterbrach ihn die Frau ſtreng. „Das iſt Sünde!“ „Aber, Sophie, das habe ich ja gar nicht gethan,“ verwahrte ſich Ritter in ſauft beſchwichtigendem Tone, „ich habe nur —“ „Wenn wir in unſer Inneres ſchauen,“ eiferte ſie weiter,„ſo finden wir da viel ſchlimmere Gebrechen, die des Krückſtocks bedürfen. Leider ſehe ich Jemand ſeit einigen Tagen auch an ſolch' einem inneren Krückſtocke gehen.“ „Meine Schweſter Anna?“ frug der Gärtner. „Wen könnte ich denn ſonſt meinen? Du freilich merkſt nichts, denn Du ſiehſt das Mädchen mit andern Augen an, als ich.“ Das war allerdings der Fall. Unſer Gärtner, der jüngſte unter ſechs Brüdern, war eben der Schule entwachſen geweſen, als ihm das einzige Schweſterchen beſcheert worden war. Er hatte ſie gepflegt, gewartet, ihre erſten Schritte geleitet, und als in ſpäteren Jahren ihm ſeine Verhältniſſe geſtatteten, ſie bei ſich aufzunehmen, räumte er ihr in ſeinem Herzen neben dem Platze einer Schweſter zugleich denjenigen einer Tochter ein, zumal er ſelbſt keine Kinder beſaß. Seine Frau empfand es mit Bitterkeit, daß ihr das Mutterglück verſagt war, ſie konnte in der erwachſenen Schwägerin keinen Erſatz erblicken; die Selbſtſtändigkeit und Energie des Charakters, die ſich in Anna herausgebildet hatten, während ſie draußen in der Welt ſich ihr eigenes Brod erworben, ſtießen Frau Ritter ab; ſie ſchätzte Demuth und Unterwürfigkeit höher, beſonders bei einer Perſon, die das Brod ihres Mannes aß. Daß Anna ſich im Geſchäfte ſehr nützlich machte, betrachtete die Schwägerin als eine ſelbſtverſtändliche Pflicht; daß das nicht unbegabte Mädchen einen gewiſſen Anſpruch auf „Bildung“ beſitzen wollte, auf welche der Bruder ſtolz war, erregte den Neid der einfachen Frau, die über die Durchſchnittsbildung der Volksſchule nie hinausgeſtrebt hatte. — „Was iſt's denn, Sophie, was Du gegen Anna vorzubringen haſt?“ frug Ritter. „Was ſoll ich denn nicht merken?“ „Daß ſie ſeit einigen Tagen vergeßlich, zerſtreut und geiſtesabweſend iſt,“ antwortete die Frau.„Sie träumt mit offenen Augen am helllichten Tage. Ich, die ich jetzt an's Bett gefeſſelt bin und Anna nur während der Mahlzeiten und abends ſehe, habe das bereits herausgefunden, — und Du, der Du ſie täglich im Geſchäft um Dich haſt, ſcheinſt wie mit Blindheit geſchlagen.“ „Ich habe nicht darauf acht gegeben,“ entſchuldigte ſich Ritter achſelzuckend. „Dann iſt es Dir wohl noch gar nicht aufgefallen,“ frug die Frau ſpöttiſch, „daß ſie plötzlich ihr Haar anders trägt und den ſchlichten glatten Scheitel mit der neueſten Modethorheit vertauſcht hat?“ „O ja, das habe ich wohl bemerkt,“ ſagte der Gärtner.„Sie hat ſich vorn über die Stirn das Haar — 10 — kurz abgeſchnitten und nach dem Geſicht herabgekämmt, was man, glaub' ich, Ponyfranſen nennt. Mir gefällt das ſehr. Es ſteht ihr ſo gut zu Geſicht. Ich hab' mich darüber gefreut und hätte ſie beinahe nicht wiedererkaunt.“ Eben wollte die Frau erwidern, da hörte man draußen das Gitterthor auf⸗ und wieder zuſchließen. „Das iſt Anna!“ ſagte Frau Ritter auflauſchend. „Aber allein? Wenn ſie Frau Rollenſtein mitgebracht hätte, müßte man doch auch die Hausthür ſchließen und in dem Flur das Aufſetzen ihres Krückſtocks hören. Man hat es doch bisher ſtets durch die dünne Ziegelwand hindurch gehört.“ Der Eintritt in die Gärtnerwohnung geſchah nämlich, wie wir hier erläutern müſſen, durch die Gartenpforte und eine Seitenthür des Hauſes, während der Treppenflur, welche zu der im erſten Stock befindlichen Wohnung Frau Rolleuſteins, der Beſitzerin des Hauſes und des Gartengrundſtücks, führte, von dem Parterregeſchoß durch eine Mauer geſchieden und nur durch die vordere Hausthür zugänglich war, durch welche außer der alten Dame Niemand ein⸗ und ausging. Auna trat in's Zimmer, ein Gebetbuch in der Hand, und bot Bruder und Schwägerin den üblichen Gruß. Der Lenz der Jugend war auf ihrem Antlitz bereits verblüht, aber ſie beſaß jene intereſſanten, frauenhaften Züge, die bei manchen Brünetten von geſetztem Alter noch immer feſſeln, und jenes große ſchwarze, feurige Auge, deſſen Glanz ſich belebend dem Antlitz mitgelheilt. Dazu kam die üppige dunkle Haarfülle, die ſie ſeit neueſter Zeit ſo kokett zu tragen wußte, und die volle und dabei doch ſchlank gewachſene Geſtalt. „Haſt Du denn Frau Rollenſtein nicht mitgebracht?“ frug Frau Ritter unruhig. „Frau Rollenſtein? Ach je, Frau Rollenſtein!“ entfuhr es den Lippen des Mädchens, als beſänne ſie ſich jetzt erſt, wobei ſie die Hand vor die Stirn hielt und, wie aus einem Traume erwachend, rings um ſich blickte. Die Gärtnersfrau warf ihrem Manne einen bedeutſamen Blick zu, als wollte ſie ſagen: „Da haſt Du nun ſelbſt eine Probe von ihrer Vergeßlichkeit und Träumerei.“ „Frau Rollenſtein hat den Weg ja ſchon oft allein gemacht, wenn ihr, wie heute, abgehalten waret, die Abendandacht zu beſuchen, und ich bei einem meiner Oheime zu Beſuch weilte,“ ſagte Anna ſich raſch tröſtend. Aber gerade jetzt, wo ſie von ſchwerer Krankheit geneſen iſt, hätteſt Du die alte Dame unter keinen Umſtänden allein gehen laſſen ſollen,“ warf ihr die Schwägerin vor, „und nun gar heute, wo es draußen ſo finſter iſt! Und dazu der einſame Weg am Stromufer, wo die Laternen ſo dünn ſtehen, daß es eine wahre Schaude für die Stadt iſt, die ſo große Summen für Luxusanlagen zum Fenſter hinauswirft, für die Beleuchtung eines Wegs aber, der zu einer Methodiſtenkapelle führt, kein Geld hat. Wenn der alten Dame nun unterwegs irgend ein Strolch begegnete?“ „Warum ſollte ihr denn Jemand etwas anhaben?“ wandte Anna ein. „Warum? Trägt ſie nicht koſtbare Ringe? Kann nicht die ſchwere goldene Erbstette, an der ſich das Medaillon befindet, das Auge irgend eines Gauners lüſtern machen? So etwas funkelt auch im Dunkeln. O Gott, wenn der Frau etwas geſchehen wäre! Es gefiel mir ſchon nicht, als ſie letzthin das Medaillon verloren hatte. Wenn das nur kein ſchlimmes Vorzeichen iſt! dachte ich bei mir. Ich hatte eine Baſe, die verlor auch ihr Medaillon mit dem Bilde ihres verſtorbenen Mannes, das ſie ſonſt ſo ängſtlich hütete. Wenige Tage ſpäter gerieth ſie unter die Hufe durchgehender Pferde und blieb auf der Stelle todt. Ihr Seliger hatte ſie nachgezogen.“ „Wenn's der ſelige Herr Rollenſtein damit ſo eilig gehabt hätte,“ verſetzte Anna lächelnd,„ſo würde er ſich nicht ſchon ein Dutzend Jahre oder noch länger Zeit damit genommen haben. Als ich übrigens ſo glücklich war, das verlorene Medaillon im Garten zu finden, konnte ich der Verſuchung nicht widerſtehen, es zu öffnen. Das Bild darin iſt gar nicht dasjenige ihres verſtorbenen Gemahls, den das große Oelgemälde oben in Frau Rollenſteins Wohnung mit ſo ſprechender Aehnlichkeit darſtellen ſoll, ſondern es iſt die Photographie eines Offiziers.“ „So?“ ſagte Frau Ritter, ihre Ueberraſchung über einen ſo lange mit ſich herumgetragenen Irrthum verbergend, während der Gärtner ſeine Schweſter mit offenem Munde anſah. „Du mußt aber doch wiſſen, wo Du unſere alte Dame gelaſſen haſt?“ inquirirte Sophie weiter, deren Unruhe fortwährend wuchs. „Als die Andacht zu Ende war und ich mich mit Frau Rollenſtein noch nicht weit von der Kapelle entfernt hatte, wurde ſie von einem älteren Herrn angeredet, welcher der Andacht ebenfalls beigewohnt hatte,“ erzählte Anna.„Liebes Kind,“ ſagte der Herr zu mir, „bitte, laſſen Sie uns ein paar Augenblicke allein, ich habe etwas mit der Dame zu beſprechen.“ Ich ging voraus, blieb mitunter ſtehen, um zu warten, und da ſie nicht kam, ging ich langſam nach Hauſe —“ „Ohne wieder an Frau Rollenſtein zu denken!“ ergäuzte Sophie ſchnippiſch. „Haſt Du den alten Herrn ſchon früher in unſeren Gottkesdienſten geſehen?“ „Nein, aber er war derſelbe,“ antwortete Anna, „der ſchon vorgeſtern hier war und mit Frau Rollenſlein ſprechen wollte. Du haſt ihn ja auch geſehen,“ wandte ſie ſich an ihren Bruder. „Ich erinnere mich genau,“ nickte dieſer, „als wir ihm ſagten, daß die alte Dame keine Beſuche annehme, übergab er Dir ſeine Viſitenkarte und bat Dich, ſie Frau Rollenſtein zu überbringen und ihr zu ſagen, er laſſe ſie in einer ſehr dringenden Angelegenheit um eine kurze Unterredung erſuchen.“ „Wie heißt der Herr?“ frug Sophie neugierig ihre Schwägerin. „Ich weiß es nicht,“ verſetzte Anna. „Haſt Du denn ſeinen Namen nicht auf der Viſiten„ karte geleſen?“ „O ja, aber ich habe ihn mir nicht gemerkt.“ Natürlich — vergeſſen, verträumt!“ höhnte Sophie und warf ihrem Manne wieder, wie vorhin, einen bedeutſamen Blick zu. „Gabſt Du die Karte ab, Anna?“ „Ja.“ „Und nahm Frau Rollenſtein den Beſuch des alten Herrn an? „Nein,“ verſetzte Anna kurz. „Sie wurde ſogar ſehr aufgebracht,“ ergänzte der Gärtner,„als ſie den Namen las, er ſei von allen 11 Menschen unter der Sonne der letzte, dem sie ihre Thür öffnen werde, ließ sie ihm sagen, er solle sich zum Kuckuck scheeren und sich nicht einfallen lassen, ein zweites Mal zu kommen. Und noch viel stärkere Ausdrücke gebrauchte sie, nicht wahr, Annas" Es war dem Mädchen offenbar nicht lieb, daß ihr harmloser Bruder die unwilligen Worte der alten Frau wiederholte, denn sie ward sich jetzt erst bewußt, einen Fehler begangen zu haben, dem so schroff Abgewiesenen nun doch zu der früher vergebens erstrebten Unterredung behilflich gewesen zu sein. Von dieser Seite faßte denn auch Sophie die Sache sogleich auf. „O, Du unvorsichtiges Mädchen!" rief sie in bitterem Vorwurf, „das begreift ja ein Kind, daß sich der alte Herr nur in die Abendandacht eingeschlichen hat, nm Frau Nollenstein dort aufzusuchen und sich auf dem Nachhauseweg an sie heranzumachen. Du wußtest, daß sie sich den zudringlichen Menschen durchaus vom Halse halten wollte, und läßt ihn dennoch mit ihr allein!" „Ei! was gehen mich schließlich Frau Nollensteins Angelegenheiten an!" entgegnete Anna mürrisch, indem sie ihren Hut auf den Tisch warf. „Glaubst Du, sie wird es ruhig hinnehmen, daß Du ihr diesen Streich gespielt hast?" schalt Sophie weiter. „Du kennst ihren nachtragenden Charakter, Du weißt, wie schwer sie etwas verzeiht." „Ich fürchte mich vor ihrem Strafgericht nicht im mindesten," lachte Anna verächtlich, heftig an ihren Handschuhen zerrend. „Du nicht, nein," rief Frau Ritter, „aber wir. Dein Bruder und ich, wir werden dafür zu büßen haben. Sie wird den demnächst ablaufenden Pachtkontrakt nicht wieder erneuern, und dafür dürfen wir uns dann bei Dir bedanken." „Das wird sie bleiben lassen," versetzte Anna, „denn so gutmüthige Pächter, die für ihr schweres Geld sich von ihr auch zu allerlei und unterthänigcn Diensten gebrauchen lassen, findet sie gewiß nicht wieder. Höchstens wird sie Euch im Pachte steigern; das hat sie aber bisher bei jedem neuen Pachtabschlusse gethan, denn ihre Habsucht und ihr Geiz —" „Bst!" zischte Sophie mit erhobenem Finger, als könnte die Abwesende es hören. „Ja wohl, ihre Habsucht und ihr Geiz schreien zum Himmel," fuhr Anna, durch die Reden ihrer Schwägerin schon längst gereizt, nur noch lauter und heftiger fort. „Es ist eine Sünde und Schande! Auf eine Million schätzt man das Vermögen dieser Fran, sie könnte in einem Vierspänner fahren, statt an ihrem Stock einher- zuhinken, hält sich aber nicht einmal ein Dienstmädchen, ißt sich nicht ordentlich satt, gönnt Anderen kgum —" „Bst!" wiederholte Sophie mit aus den Höhlen quellenden Augen und beugte sich wüthend gegen die Schwägerin vor. „Bst!" sekundirte ihr jetzt auch Ritter, von der Furcht seiner Frau angesteckt. Aber schwerlich würde Anna sich dadurch im Fluß ihrer Rede haben aufhalten lassen, wenn nicht ein von draußen wahrnehmbares Geräusch, welchem Bruder und Schwägerin plötzlich lauschten, auch ihre Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hätte. An der vorderen Hausthür, die zu Frau Rollen- stein's Wohnung führte, ließ sich nämlich das bekanute Knarren des Schlüssels hören. Es wurde auf- und wieder zugeschlossen, dann vernahm man in dem Hausflur schlürfende Schritte und unterschied bei jedem zweiten Schritt deutlich das Aufsetzen des Krückstocks. „Tapp! tapp!" schleppte es darauf langsam die hölzerne Treppe hinauf und endlich hinkte es, gerade über den Köpfen der Lauschenden, im oberen Zimmer herum. „Gott sei Dank, sie ist da!" unterbrach Fran Ritter, wie von einem schweren Alp befreit, das herrschende Schweigen, worauf Anna, ebenfalls erleichtert anfathmend, mit einem sehr kurzen „Gute Nacht" sich in ihr anstoßendes Gemach zurückzog und auch der Gärtner, nachdem er die Lampe ausgelöscht, die nächtliche Ruhe aufsuchte. „Gebe nur Gott," flüsterte Sophie, „daß sie im Vorübergehen die Schimpfreden Deiner Schwester nicht gehört hat, die Fensterläden sind gar so dünn!" „Und ihr Gehör ist gar fein!" dachte Ritter, sagte aber nichts. Hierüber hätte sich das Ehepaar beruhigen können, wohl klang es um diese Zeit in den Ohren der alten Dame, aber es waren die Wellen, die darin flüsterten, die Ohren waren für immer taub und das ungeschmeichclte Charakterbild, welches Anna mit harten Strichen von ihr entwarf, war ihr Nekrolog gewesen. * » * (Fortsetzung folgt.) Die Hand. Von Maximilian Dursch. lNachdruck vnroiM'l Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der Hand. Was wir sind, was wir besitzen, verdanken wir ihr. Was ist aller menschliche Scharfsinn, aller Erfindungsgeist, was der mächtigste Wille ohne die Hand s Sie ist das vollkommenste Glied unseres Körpers, das, ausgerüstet mit mannigfachen, vorzüglichen Eigenschaften, ebenso leicht die gewaltigsten Aufgaben menschlichen Strebens, wie die geringsten Verrichtungen kunstreicher Geschicklichkeit vollbringt. Mit Recht nennt sie Herder daS „Werkzeug eines immerwährenden Tastend nach neuen, klaren Ideen". Die Hände entsprechen durchaus den Geistesgaben, der Intelligenz des Menschen, und darauf hat bereits Aristoteles, der größte Gelehrte und Beobachter aller Zeiten, hingewiesen, indem er sagte: „Der Mensch hat Hände, weil ex das weiseste Geschöpf ist." Wie viele vorzügliche Eigenschaften vereinigt die Hand in sich I Welche Kraft, welche Gewandtheit, welche Zartheit wiederum vermag sie in ihren Handlungen zu entwickeln! Reizbar und feinfühlig, leitet sie ihre Bewegungen mit der größten Sicherheit, mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit, Mannigfaltigkeit und Eleganz. Und wie schön und zweckentsprechend ist sie gebildet, wie kunstvoll das Gefüge ihrer Knochen und Sehnen, wie verwickelt und doch dem Willen stets dienstbar der Mechanismus der Muskeln, und wie reich vertheilt in ihr sind die nahrungspendeuden Blutgefäße und die tastenden Nerven! Was wir sind, waS wir haben, das erwarb uns die Hand. Seht ihr jene Kornfelder, wie sie, wind- bewegt, ihre goldenen Wellen schlagen? Der Hand des 12 Landmannes verdanken wir sie. Jene Heerden auf grüner Trift — was wären sie uns, könnten wir ihr Fleisch und ihre Milch nicht zur Nahrung, ihre Haut nicht zum Schutze unserer Füße, ihre Knochen nicht zu Werkzeugen aller Art verwenden? Aber das vermögen wir nur durch die Hand. Unsere Kleidung ist ihr Werk. Sie schuf aus dem Flachs das blendende Linnen, sie wob aus der Wolle das warme Tuch, aus dem Gespinst der Raupe die schimmernde Seide. Die Hütten der Armen und die Paläste der Fürsten, die prachtvollen Dome und himmelanstrebenden Thürme — wer baut sie denn anders als der Fleiß geschickter Hände? Auf eisernen Pfaden braust das Dampfroß einher, die volkreichsten Städte, die einsamsten Dörfer verbindend; hoch durch die Lüfte von Land zu Land trägt der Zauberdraht unser Wort. Das sind die Werke der Hand. Selbst das Meer macht sie uns Unterthan. Stolze Schiffe mit werthvollen Ladungen führt sie durch seine Wasscrwüste und aus seinen Tiefen holt sie die kostbarsten Schätze. Und was wären Kunst und Wissenschaft ohne sie? Großes danken wir ihr. Zum Götterbilde gestaltet die Hand des Meisters den Marmorblock. Auf die todte Leinwand zaubert der Pinsel in der Hand des Malers das blühende Leben, die Schönheit, die prangende Welt. Eine Fülle stnnberauschender Melodien entlockt des Künstlers Hand jenem Gebilde, das so seelenvoll weint und klagt, jubelt und jauchzt. Und welches Wissen, welche Gelehrsamkeit ist in unzähligen Büchern niedergelegt von der Hand geistreicher Männer! Aber allerdings, „was Hände bauen, können Hände stürzen". Verwirrung, Verderben, Unheil, Noth und Tod — zwei winzige Hände können sie schaffen, wenn sie sich ausstrecken nach dem Hab und Gut des Andern, wenn sie sich mit Blut beflecken. Die furchtbarste Geißel der Menschheit, der Krieg, ist ein Werk der Hand. Unbarmherzig mordet sie das blühende, kraftvolle Leben; Städte sinken durch sie in den Staub und Paläste zertrümmert sie. Nicht Tugend schont sie und Recht; an das Schöne und Edle, an das Hohe und Heilige wagt sie sich frevelnd heran. — Die Bedeutung der Hand ist ausgedrückt in vielen Sprichwörtern alten, zum Theil biblischen Ursprungs, und die geflügelten Worte, die sich aus die Hand beziehen, lassen die Hochschätzung dieses Gliedes erkennen. „Eine Hand wäscht die andere", — „Hand muß Hand wahren" — „In Hand und Halter geben" — „Um die Hand anhalten" — „Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte thut" — „Aergert dich deine Hand, so haue sie ab!" — Ja, wir übertragen sogar die Eigenschaften einer Person auf ihre Hand und sprechen von einer milden, barmherzigen, von einer grausamen und mächtigen, von einer lieben Hand. Wir sagen, „die Hände sind ihm gebunden", oder „seine Hand reicht weit". — Die Hand hat auch eine eigene, sehr verständliche Sprache, durch die sie alle Regungen der Seele, alle Gefühle des Herzens auszudrücken vermag. Vor Freude oder Staunen schlägt man die Hände zusammen; in banger Furcht, in Schmerz und Verzweiflung ringt man sie; im Zorne ballt man sie zur Faust; drohend, warnend erhebt man ihren Finger. Beim Gruße wie beim Abschied reicht man sich die Hand; Freunden winken wir mit ihr, lästige Menschen weisen wir ab. Und welch bekedte Spräche führt die Liebe durch sie! Ein sanfter Druck von ihr, ja schon die leiseste Berührung verräth uns die Gefühle im fremden Busen. „Was die Lippe nicht zu sagen wagt, die Hand bringt es zum Ausdruck." Gedenken wir des Händedrucks der Liebe, des zarten Spieles geheimen Drucks und Gegendrucks! — Wer hat nicht schon in Stunden der Leiden die Wohlthat eines teilnehmenden Händedrucks empfunden? Und wie vermag der warme Händedruck der Mitfreude ein Herzensglück noch zu erhöhen! — Ja, eine liebe Hand kann gar Vieles ausdrücken, — sie kann mit uns weinen, uns trösten, mit uns glücklich sein! Nach der Art seines Händedrucks kann man auf das Innere des Menschen schließen, denn wie wir die Hand geben, so denken, fühlen, so sind wir. Liegt es doch so nahe, daß der volle, warme Händedruck ein warmfühlendes Herz, ein feuriges, heißes Temperament kennzeichnet, daß ein schwacher, lauer oder kalter auf das Gegentheil hinweist. Man achte einmal darauf, wie leicht und lose manche Menschen ihre kühlen Finger in unsere Hand legen, — nein, das bekundet kein herzliches „Willkommen", kein warmes „Lebewohl", kein hoffnungsfrohes „Auf Wiedersehen!"*) Nicht unerwähnt bleiben darf die Gelberden- und Zeichensprache. Auch sie ist das Verdienst der Hand. Aber durch sie spricht nicht das Herz, sondern der Verstand, sprechen nicht Gefühle, sondern Gedanken. Bei der Geberdensprache ist die Hand für den Taubstummen Zunge und Gehör. Wie viele Unglückliche sind durch sie einem Zustande entzogen, der an die Natur des Thieres grenzt! — Bei allem Hohen und Heiligen, das uns bewegt und erfüllt, gebrauchen wir die Hand. Zum feierlichen Eidschwur erheben wir sie, und mit einem Handschlag verpfänden wir unsere Ehre. In Liebe, Dankbarkeit und Verehrung küssen wir die Hand, die uns Gutes erweist. Innig und warm drücken wir die Freundeshand, wenn wir den heiligen Bund der Treue schließen, und das Zusammenlegen der Hände einigt zwei Menschen für Leben und Ewigkeit. Sanft ruht die Hand auf unserm Haupte, wenn ein liebreicher Mund Worte des Segens, Worte des Trostes spricht. Im tiefsten Weh sind es die Hände, die wir flehend zum Himmel emporheben, und wiederum im höchsten Glück, da falten wir sie zu inbrünstigem Gebet. — Aus dem Baue, dem ganzen organischen Gefüge der Hand geht ihre größte Zweckmäßigkeit für alle nur möglichen Verrichtungen hervor. Die geringfügigste Thätigkeit der Hand, das kleinste Zeichen mit dem Finger läßt eine große Menge von Muskeln in Wirksamkeit, ebenso viele aber wieder außer Wirksamkeit treten. Die Einen spannen an, die Andern erschlaffen, immer aber werden sie mit der größten Sicherheit und Genauigkeit geleitet, und geradezu bewunderungswürdig ist die Thätigkeit der kleineren Muskeln in der Handfläche und zwischen den Knochen der Mittelhand, welche an die nahen Enden der Fingerknochen angefügt sind. Mit diesem feinen Muskelapparate erhalten die Finger eine erstaunliche Beweglichkeit, die auch in Bezug auf Zartheit und Feinheit in der Ausführung nichts zu wünschen übrig läßt. Es sind dies vorzugsweise die Organe, denen die Musiker ihre Fertigkeit im Spielen musikalischer Instrumente zu danken haben. Die Hand würde aber ihre Verrichtungen in dem ihr angewiesenen großen L *) M. Polchau. 13 -<.1 L i Umfange nicht auszuführen vermögen, das Gefüge der Knochen, Bänder, Muskeln, Gefäße und Nerven würde den Einflüssen äußerer Gewalt bald unterliegen, wenn die Handflächen, die inneren Seiten der Finger und ihre Spitzen nicht durch fleischige Kissen, durch nachgiebige starke Wülste, die zugleich die Apparate zur Ausübung des Tastsinnes bilden, vor Gefahren geschützt würden. Diese Kissen bilden in der Hohlhand mit Hilfe eines quer über die Hand gehenden, kräftig wirkenden Muskels nicht nur eine natürliche Vorrichtung zum Wasserschöpfen, den Becher des Diogenes, sondern an den Enden der Finger auch die vorzüglichste Einrichtung zum Tasten. Mittels dieser prallen, elastischen Wulst des Fingers ist der Mensch befähigt, bewunderungswürdig fein zu fühlen. Mit ihm fühlt der Arzt den Arterienpuls. Kein anderes Organ ist dazu so vollkommen geeignet, wie der Finger, und selbst die feinfühlige Zunge vermag wegen der Weichheit ihres Gefüges den Pulsschlag im Handgelenk nicht zu erfassen. Gleichsam als zweite Hand oder mindestens als Gehilfe der größern kann der Daumen angesehen werden. Denn vermöge einer Anhäufung von Muskeln, welche den Ballen des Daumens bilden, besitzt er eine Beweglichkeit, eine Geschicklichkeit und Kraft, die ihn nicht nur zum unentbehrlichen Mithelfer der Hand, zu ihrem wichtigsten Gliede macht, sondern ihn auch zu zahllosen selbst- ständigen Leistungen befähigt. Am Ende der zehn Finger befinden sich, schildartig, die Nägel. Sie sind nicht nur der unentbehrliche Schutz der Fingerspitzen, sondern auch eine herrliche Zierde der Hand; nichts verunstaltet letztere mehr als bis auf das Fleisch kurz abgebissene Nägel; pfui! Betrachtet man Größe, Form und Farbe der Hände eines jeden Einzelnen, erinnert man sich des Gefühles bei der Berührung einer fremden Hand, so muß man gestehen, daß die Verschiedenheit sehr groß ist. Da findet man breite und plumpe, schmale und schlanke, feste und zarte Hände; es gibt weiche und rauhe, schwache, aber auch kraftvolle Hände; Alabasterhände gibt es, deren Marmorkühle uns durchschauert, und Hände, weiß wie Blüthenschnee, deren Berührung wohlthut, bis ins innerste Herz. Unangenehm weiche Hände findet man, und solche, denen wir es ansehen und anfühlen, daß sie niederen Leidenschaften fröhnen. Jedem verständlich, tragen die Einen das Merkmal körperlicher Gesundheit zur Schau, während Andere, bleich und durchsichtig, verrathen, wie oft sie auf einem kranken Herzen geruht. Es gibt endlich Hände, die von Fleiß und emsiger Wirthschaftlichkeit sprechen, während uns andere schließen lassen, daß sie wohl mit Rosen zu tändeln und anmuthig den Fächer zu bewegen wissen, aber niemals des Hauses Leitung sicher zu führen und segensreich zu walten. Die Schönheit der Hand schätzen manche Leute höher, als die des Gesichtes, und Viele beurtheilen den Menschen nach seiner Hand. Und vielleicht nicht mit Unrecht. Eine Gabe aus schöner Hand — ist sie uns nicht doppelt angeuehm, und wird sie uns nicht zum Ekel, wenn sie aus einer häßlichen Hand kommt? Darum sollen die Hände immer sorgfältig gehalten werden; verständige Pflege läßt selbst Unvollkommenheiten in Form oder Größe minder bemerkbar werden. Eine schöne Hand ist um so höher zu schätzen, als ihre Schönheit bis in's hohe Alter sich erhält. Für den Künstler ist es eine der schwersten Aufgaben, eine Hand bis in alle ihre feinsten Nuancen und Linien wahrheitsgetreu darzustellen. Ein berühmter Maler äußerte einst, es sei leichter für ihn, eine vollständige Landschaft auf die Leinwand zu schaffen, als eine einzige tadellos ausgeführte Menschenhand. Manches Gemälde wäre ein Meisterwerk zu nennen, wenn nicht die Unnatürlichkeit der Form oder Haltung der Hände, die Häßlichkeit der Finger oder der Nägel zu störend wirkte. Auch die gebildeten Völker des Alterthums wußten die hohe Bedeutung der Hände nicht nur wegen ihrer Eigenschaft als unumgänglich nothwendige Kunstgehilfen der Seele zu schätzen, sondern sie bewunderten auch an ihnen die Schönheit der Formen und bemühten sich in Folge dessen, den Händen die größte Pflege angedeihen zu lassen. Alle Völker des Orients, namentlich aber die in den Harem eingeschlossenen Schönen, welchen der Putz und die Schmückung des Körpers als die alleinige Lebensaufgabe galt, waren eifrig darauf bedacht, die Hand sorgfältig zu Pflegen und ihre natürliche Schönheit zu erhalten und zu erhöhen. Wir wissen dies z. B. von den Indern, die sich überhaupt ein feines Gefühl für Schönheit und Ebenmaß angeeignet hatten. Sie hielten eine kleine, schlanke Hand für eine Bedingung jeder Schönheit, und man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die Ringe von den Indern ursprünglich zu dem Zwecke erfunden worden waren, um die Finger durch fortgesetzten sanften Druck, durch eine schützende Decke schlank und zart zu erhalten. Die Sorgfalt, die Schönheit der Hände zu bewahren und die Finger mit Ringen zu schmücken, lebt auch bei den Orientalen der Gegenwart noch fort, und namentlich sind es die Hindu, welche im Ebenmaß und in der Niedlichkeit der Hände ihr höchstes Ideal sehen. „Die Hände der Hindu", sagt ein berühmter Orientreisender, „sind zart gebaut und gleichen einer feinen Weiberhand, daher auch die Griffe der indischen Säbel für die meisten europäischen Fäuste zu klein sind." Bei den schönheitsliebenden und hochgebildeten Griechen wurden solche Hände für vollkommen gehalten, die mäßig voll waren und bei denen sich über den Knöcheln der Finger kaum merklich gesenkte Grübchen, die mehr wie sanfte Beschattungen bemerkbar waren, vorfanden. Die Finger mußten lang und zart sein und sich unvermerkt abrunden. Die Römer kamen in diesem Geschmack mit den Griechen überein und theilten der Minerva die schönste Hand, der jugendlichsten aller schönen Göttinnen aber, der Diana, die schönsten Finger zu. Auch unsere Vorfahren stellten dieselben Forderungen an die Hand. Sie fanden das Ideal derselben in der Weiße und Weichheit der Haut, in der Kleinheit und der länglichen schmalen Form, sowie in laugen, geraden Fingern mit spitzem Ende und glänzenden, rosenfarbenen Nägeln. — Wie die Pflege der Hand überhaupt, so fand insbesondere die Pflege der Fingernägel bei den Römern die höchste Beachtung. Namentlich hielten sich die vornehmen Damen, welche in ihren Toilettenzimmern ein Heer von Dienerinnen um sich versammelten, zur Pflege der Nägel kunstgeübte Sklavinnen, die sich zum Putzen und Glätten derselben statt einer Scheere kleiner silberner Zangen und feiner Messerchen bedienten, aber auch häufig Gebrauch von allerlei Säften, Kräutern und mineralischen Pulvern machten, um die rauhen Unebenheiten und Neben- 14 auswüchse der Nägel abzuglätten und zu entfernen. Erst dann hatte der Nagel unter der geschickten Hand der Sklavin seine vollkommene Schönheit erreicht, wenn er, regelmäßig beschnitten und rein abgeglättet, in sanfter Fleischfärbung erglänzte. Vielleicht noch mehr als heutzutage beachtete man vor zwei Jahrtausenden schon, daß zu den Bewegungen der Hand, wodurch sich der Mensch klar und verständlich machen, seine Empfindungen so schön und ausdrucksvoll darlegen kann, auch schöne Finger und ein wohlgepflegter Nagel erforderlich seien. Und in der That, zu keiner Zeit hat man es besser verstanden, die Hand als ein Werkzeug des Ausdrucks zu gebrauchen, wie im Alterthum. Namentlich waren es die Nömer, welche beim Sprechen lebhaft gestikulirten und das Verständniß der Rede durch häufige und geschickte Bewegungen mit Händen und Füßen vermittelten. Diese Geberdensprache gewann noch an Bedeutung, als man anfing, die Haud- bewegnugen in bestimmte Regeln der Kunst zu bringen. Es entstand so die Cheironomie oder die Kunst, mit den Armen, Händen und Fingern regelmäßige Biegungen, Wendungen und Geberden hervorzubringen. Sie wurde gleichsam als eine Vorbereitungslehre zur nachahmenden Tanzkunst angesehen, bei der es im Alterthum weniger auf die Gelenkigkeit der Füße, als auf die ausdrucksvolle Beweglichkeit der Hände und Finger ankam, so daß der sachverständige Ovid nicht die Füße, sondern nur biegsame Hände als Erforderniß zum guten Tanze angibt. Wie der Taubstumme die Hand zur Dolmetscherin seiner Empfindungen macht, so verstanden es namentlich auch die orientalischen Haremsdamen, nicht minder aber die Römerinnen, durch die Sprache der Finger Mittheilungen irgend welcher Art an die richtige Adresse zu bringen. Die Finger aber, welche eine so beredte Sprache führten, mußten sich selbstverständlich auch durch Schönheit und Ebenmaß, durch Zierlichkeit und glänzende Fleischfärbung der Nägel auszeichnen. Unsere Schauspieler, ja auch die Kanzclredner verdanken ihre Erfolge wesentlich den maßvollen, schönen und ausdrucksvollen Bewegungen der Hände, und auch die Maler haben es verstanden, auf ihren Bildern die Sprache der Hände zum Ausdruck gelangen zu lassen. Dem Alterthume entstammt auch die Kußhand. Sie ist religiösen Ursprungs und diente anfangs nur als Ausdruck der Gottesverchrung. Später, zumal in der römischen Kaiserzeit, ward ihr Gebrauch allgemeiner. Otho wendete als Kaiserkaudidat Kußhändchen dem Volke gegenüber an, um ihm zu schmeicheln; Nero lehnte einen Ehrenkranz für sein Zitherspiel ab, indem er dem versammelten Publikum eine Verbeugung machte und Kußhündchen zuwarf. Ueberhaupt dankte der Schauspieler, wenn man ihm Beifall klatschte, durch Kußhändchen, und der Bettler suchte dadurch die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden zu erwecken. — Wenden wir uns nun zum Schlüsse der Chirognomie zu, der Lehre von der Beschaffenheit der Hand und ihrer Gestalt als ein Ganzes, die besonders von dem Kapitän d'Arpentigny in den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts in ein System gebracht wurde. Henri Delaage weist in seiner „kerksotionnemsut xl^sigus äs Irr raes IrurnLivs« nach, daß die Körpergestalt das Nelicfbild des moralischen und geistigen Wesens des Menschen sei; die Gedanken und Empfindungen verleihen der Gesichtsbildung ihren Ausdruck, bringen ihn entweder dem Thiere näher oder verschönern ihn durch poetischen Hauch. Die Hand ist ebenso eine Physiognomie wie das Gesicht; eine schöne Hand ist ein von der Natur mitgegebener Empfehlungsbrief, aber während Gesicht und Gehirn unter den gestaltenden Einflüssen der Vergangenheit und Gegenwart sich heransformen, soll die Hand das Buch der Zukunft sein. Die Hände sind das lebende Wappen, das ein Kind wie eine Erbschaft in die Welt mitbringt; sie sind daS Kennzeichen der Nasse. Die Hände aristokratischer Familien sind wesentlich verschieden von denen der Bürger oder der unteren Volksklassen; schöne Hände, die durch edle Form, durch wunderbar feines, bläulich und scharf durch die elfenbeinfarbene Haut hindurchleuchtendcs Geäder, sowie durch rosige, gewölbte, lange Nägel entzücken, sind wie Adelsbriefe, die von einer Reihe edler Vorfahren Zeugniß ablegen. — Thackeray hebt hervor, daß es vor allen anderen Gliedmaßen die Hände seien, welche durch die Art der Beschäftigung am meisten in ihrer Formation beeinflußt und bestimmt werden. Eduard Reich bemerkt, daß die Bedeutung der Hände für das Seelenleben immer größer wird, je höher die Stufe organischer und socialer Entwicklung des Menschen ist. Merkwürdig aber sei es, daß die Intelligenz nicht so großen Einfluß auf die Verfeinerung der Hände ausübt, als das Gefühlsleben, und je höher dieses in guter oder böser Richtung potenziert ist, desto feiner organisirt sehen wir die Hände. Viele der größten Geister besaßen Hände, die einem Landsknechte des Mittelalters Ehre gemacht hätten, während Menschen mit höchst entwickeltem Gefühlsleben meistens vergeistigte, ätherisch schöne Hände auszuweisen haben. d'Arpentigny theilt die Handformen in sieben Kategorien: elementare, schanfelähnliche, künstlerische, nützliche, philosophische, seelische und gemischte. Die elementare Hand zeigt eine sehr niedrige Stufe der Civilisation an; ihr Handteller ist mächtig groß, dick und hart, die Finger klotzig, ungelenk; „eL ist die Hand der gröbsten Arbeit, ihr Inhaber kann sein Glück namentlich im Kriege als tüchtiger Dreinschlägcr machen." Die schanfelförmige Hand zeigt einem Grabscheit ähnliche erste Fingerglieder. Leute mit solchen Händen sind außerordentlich thätig, in steter Bewegung, im Frieden tüchtige Handwerker oder Anhänger leichter Liebhabereien, im Kriege muntere Soldaten; Billardspieler von Profession; die Tanzbodenkönige, Fechtmeister und dergleichen haben fast immer Schaufelhände. — Die künstlerische Hand hat im ersten Gliede ziemlich starke Finger, die mehr oder minder kegelförmig spitz zulaufen; der Daumen ist klein, der Handteller gut entwickelt. Menschen mit solchen Händen suchen alles Schöne nur in der Gestalt, ziehen das Schöne dem Nützlichen, die Form dem inneren Wesen vor. Enthusiastische Schwärmgeister, auch Abenteurer, Glücksjäger, von ihrer Verschmitztheit lebende Personen besitzen fast ausnahmslos derartige Hände. — Die nützliche Hand ist von mittlerer Größe, hat plumps- Finger mit vierkantigem Endgliede, großen Daumen mit stark entwickelter Wurzel. „Dies ist die Hand der Mehrzahl der Industriellen und Bourgeois", die das Bequeme an Stelle des Schönen setzen, — der Menschheit nützliche Leute, die Eisen- und Pferdebahnen anlegen, sich mehr bequem als elegant kleiden, für welche Liebe und Ehe häufig nur ein materielles Geschäft sind. — Die philosophische Hand hat einen ziemlich großen, elastischen Handteller, starke Fingergelenke, einen großen Daumen. Eine solche, 4 L/- - 0 15 von allen anderen am leichtesten zu unterscheidende Hand besitzen die Grübler in wissenschaftlichen Dingen, die Forscher. Die seelische Hand ist ohne Zweifel die schönste und auch seltenste: die aristokratische Hand. Sie ist im Verhältnisse zur Körpergröße klein und fein, der Handteller mittlerer Größe, die Finger gelenkig, die Fingergelenke wellig und schlank. Sie ist das Anzeichen elegant harmonischer Bewegungen, der Sitten der besten Gesellschaft, — aber Zur Arbeit ungeeignet, befähigt sie nur zu einem Leben gleich dem der Böge! unter dem Himmel oder der Lilien auf dem Felde. Eine solche Hand ist das Entzücken der Frauen. — Die gemischte Hand, welche überaus häufig vorkommt, läßt sich in keine dieser Kategorien einreihen, sondern zeigt Kennzeichen aus ihnen allen gemischt. Kleine Daumen zeigen einen Gefühlsmenschen an, der mehr dem Impulse als der kalten ruhigen Ueber- legung folgt. Auch die Fingcrnägel haben ihre Bedeutung. Lang geformte Nagel kennzeichnen eine gesunde Natur und einen mißtrauischen Charakter; lange und breite Nägel verrathen Leichtsinn und Verschwendung, ebenso kleine, halbkreisförmige; kleine, runde Nägel bezeichnen einen zornigen verdrießlichen Menschen; kleine, eingebogene Nägel lassen auf Ehrgeiz und Hoffart schließen; flache auf Uu- offenheit und Falschheit; dicke, fleischige auf Trägheit und rohe Sinnlichkeit, während endlich schön gezeichnete, mandelförmige Nägel einen vornehmen Charakter, Stolz und Idealismus kennzeichnen. Um nun zu prüfen, ob und wie viel Wahres in Obigem enthalten sei, ist das einfachste Mittel, an der Hand der Selbsterkenntnis; feine eigene zn studieren oder die Hände von Freunden und Bekannten darauf hin zu untersuchen. Zu einem sicheren Erfolge ist aber Erfahrung und reiche Kenntniß des Lebens erforderlich. Ebenso wie gebildete Leute an Phrenologic glauben, ist dies auch mit der Chirognomie der Fall; oftmals macht mau bei Anwendung ihrer Lehren erstaunliche Entdeckungen, oftmals aber kommt man auch in die Lage, auf sich selbst einen Vergleich aus dem Thierreiche anzuwenden. Wie immer, liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte und thut die Phantasie ein klebriges. -- Münchens Bierbrauereien. München steht in Bezug auf eigenen Vielverbrauch und in Bezug auf Güte und Weltruf seines Gebräues unter allen biererzeugendcn Großstädten der Erde zweifellos in erster Linie. Viele, so schreibt die „K. Z.", unter den dreißig jetzigen Brannbierbrauereien Münchens haben eine mchrhnndertjährige, in ihrer Art nicht uninteressante Geschichte, wie denn z. V. am 27. September 1889 vom kgl. Hofbräuhaus und dieses Jahr von der Eberl - Faber - Brauerei der Jahrestag des 300jährigen Bestehens festlich begangen worden ist. Daran, daß, abgesehen von der eigenen Brauerei im Hause, das Brauwesen bis zum 11. und 12. Jahrhundert fast ausschließlich und auch seitdem noch vielfach in den Klöstern betrieben wurde, erinnern die Augnstincrbrauerei und die die Salvatorbrauerei der alten Paulaner Mönche weiter cnltivirende Zacherlbrauerei, während der Francis- caner- oder Leistbräu blos die Zufälligkeit des Namens mit der Brauthätigkeit der Frait^scanermönche gemeinsam hat. Obwohl nicht alle Brauer dies gelten lasten wollen, ist es doch zweifellos, daß die bayerische Bier- Industrie ihre Blüthe theilweise der mittelalterlich strengen, die Verwendung aller andern Grundstoffe als Malz, Hopfen und Wasser mit hoher Strafe belegenden Gesetzgebung, sowie dem durch das staatliche Hofbräuhaus gegebenen guten Vorbild verdankt. Unter allen biererzeugenden Ländern steht Deutschland in erster Linie (innerhalb Deutschlands wiederum Bayern und innerhalb Bayerns die Stadt München); demnächst kommen in der Reihenfolge England, Nordamerika, Oesterreich-Ungarn, Belgien und Frankreich. Auf dem europäischen Continent galten bis vor Kurzem und gelten noch vielfach heute die beiden Münchener Niesenbraueien „Zum Löwenbräu" (Actiengcscllschaft) und „Zum Spaten" (Privatbesitz der Gebrüder Anton, Johann und Karl Sedlmayr) in Anbetracht ihrer ungeheuren Biererzeugung als die größten. Bei vollem Betrieb geht aus jeder dieser beiden Brauereien täglich eine Viermenge hervor, die für eine halbe Million Seidel Bier ausreicht. Dabei sei bemerkt, daß jedwede das fertige Bier berechnende Statistik auch für Bayern blos auf Schätzung beruhen kann, während wegen der staatlichen Malzbesteuerung die Statistik des von den einzelnen Brauereien verbrauchten Malzes, wie sie in Bayern alljährlich am 1. Juli veröffentlicht wird, sehr genau ist. Bei der Umrechnung des verbrauchten Malzes in fertiges Bier läßt die bayerische Regierung auf je 100 Hektoliter Malz 220 Hektoliter Bier entfallen, während in Wahrheit bei dem jetzt üblichen Münchener Brauverfahren blos etwa 205 bis 206 Hektoliter Bier herauskommen. Nun sind 1892 in München 2,954,798 Hektoliter Braunbier gebraut worden, wovon die größere Hälfte mit 1,586,505 Hektoliter an Ort und Stelle aus- gctrunken, die kleinere dagegen mit 1,372,260 Hektoliter in den eisgekühlten eigenen Waggons der Großbrauereien (Spatenbräu besitzt deren allein gegen 150) nach allen Himmelsrichtungen versandt wurde. Jener vielleicht 1000 Waggons umfassende und ausschließlich der Bier- ansfuhr dienende Wagenpark, wie er sich dem mit der Eisenbahn Ankommenden als das Erste darstellt, waS er von München erblickt, gehört entschieden mit zu den Sehenswürdigkeiten der süddeutschen Großstadt. Von sämmtlichen 30 Brannbierbrauereien Münchens sind im Sndjahre 1892/93 1,346,606 Hektoliter Malz verbraucht worden, wovon auf die beiden größten Anlagen (Löwcubräu und Spatenbräu) je fast eine Viertclmillion Hektoliter, auf die kleinste dagegen blos 68 Hektoliter entfallen. Die Reihenfolge der bekannteren Brauereien ist nach dem Malzverbranch von 1892/93: Löwcubräu, Spatenbräu, Leistbräu (auch Franciscaner-Bräu genannt), Pschorrbräu, Augustinerbräu, Bürgerliches Brauhaus, Hackerbräu, Zacherlbrän, Hofbräu, Kochclbräu, Münchner Kindl, Eberlbrüu u. s. w. Aeußerst feine, für den Nicht- fachmann ganz unwesentliche Unterschiede abgerechnet, wird in allen Münchener Sudhäusern genau nach dem gleichen, von altersher empirisch festgestellten Recept ge- brant.' Die Theorie namentlich deS Gährungsproccsses, die von dem jetzt verstorbenen, um Münchens Brauwesen hochverdienten Commcrcienrath Gabriel Sedlmayr aus England auf bayerischen Boden verpflanzt wurde, hat weniger an der Beschaffenheit des Bieres geändert, als daß sie durch Verbesserung der gewaltigen maschinellen Anlagen den Betrieb im Großen erleichterte und auch 16' wohl eine größere Gleichförmigkeit des Fabrikats ermöglichte. DaS Münchener Bier ist gegen frühere Zeiten andauernd etwas stärker geworden. Auch sind, seit der Staat Ende der sechziger Jahre aufgehört hat, je nach dem Marktwerth von Malz und Hopfen den BierpreiS festzustellen, die früheren Unterschiede zwischen leichterem Winter- und schwererem Sommerbier mehr und mehr verwischt worden. Letzteres wird jetzt während des ganzen Jahres verzapft, während zwei untereinander sehr ähnliche, eigentlich blos durch den Namen verschiedene Münchener Specialitäten, nämlich das schwere Salvator- und das süßliche Bockbier, alter Sitte und Geschmacksrichtung entsprechend, blos im Frühjahr zu haben sind. Während die oft gehörte Behauptung, als ob das in Berlin oder Köln znm Ausschank gelangende Münchener Exportbier oder das zum Versandt in die Tropenländer bestimmte pasteurisirte Flaschenbier stärker als das in München verzapfte eingesotten sei, von den Münchener Brauern bestritten wird, verhält sich allerdings der Exiract- gehalt des schweren und süßen Bockbieres zu demjenigen des gewöhnlichen wie 20 zu 14. Wer die Räume dieser oder jener Münchener Groß- braucrei durchwandert, wird zuerst auf die wohlgelüfteten Lagerräume stoßen, wo der zur Bewahrung seines Aromas in luftdichten eisernen Cylindern eingepreßte bayerische oder böhmische Hopfen und die aus dem Boden aufgeschichtete deutsche oder ungarische Gerste, die, damit der sogen, schwarze Wurm (ein Rüsselkäfer) sie nicht frißt, des öfteren umgeschaufelt werden muß, der Verwendung harren. Große Sorgfalt wird der-Noinigung der Gerste und der Entfernung der kleineren, einen gleichförmigen Keimungsproceß verhindernden Körner zugewandt. Ungeheure Bottiche aus Eiseu oder Stein und Cement dienen dem zweitägigen Aufquellen der mit Wasser vermengten Gerste, während eingepumpte Luft durch Hin- und Herschieben des Kornes eine Beseitigung des etwa noch vorhandenen Schmutzes bewirkt. Man glaubt sich in das kühle Labyrinth einer geradezu ungeheuerlichen Anlage von unterirdischen Kirchcugrüften versetzt, wenn man zu jenen weißgetünchten, mit Lithographensteinen belegten endlosen Kellergewölben — bei Spatenbräu umfassen diese Malztennen 12,500 Quadratmeter — her- niedersteigt, wo die etwa alle acht Stunden, unter der Beleuchtung des elektrischen Lichtes, umgeschaufelte Gerste bei niederer Temperatur (während der heißesten Sommerzeit wird kein Malz bereitet) ihren acht- bis neuntägigen Keimproceß durchmacht. Wer brauen will, darf vor schroffen Temperaturwechseln keine Angst haben, denn nun geht es zur zweistöckigen Malzdarre, deren Fußboden aus feinem, von unten her die Hitze durchtastendem Draht besteht, und wo jetzt ein sehr verwickelter Mechanismus das Umwenden der 24 Stunden im obern und ebenso lange im heißern untern Stock verweilenden Gerste besorgt. Früher aber und jetzt noch in kleinen Brauereien mußte Menschenhand bei 70° R (also blos 10 oder hier im hochgelegenen München 9° unter dem Siedepunkt des Wassers) die letztgenannte Arbeit verrichten. Die geröstete Gerste, die nunmehr Malz heißt, wird in fein erdachten Maschinen von den unten im Keller herangekeimten Wurzelfasern befreit, die dem Bier einen unangenehmen Geschmack geben würden, und lagert dann vor der Benutzung, in Säcke verpackt, wenigstens einige Wochen lang, damit aus der Luft wieder etwas Feuchtigkeit aufgesogen werden kaun. Kurz vor dem Sudverfahren wird das Malz in der Weise zerquetscht, daß, während der Kern zu staubigem Mehl zerfällt, die später als Filtrirmittel dienende Hülse des Gerstenkorns möglichst unzerrisscu bleibt. Die Sudwerke sind allerdings während des Winters stärker als im Sommer. In den Gährkellern, wo das Thermometer etwa 6 bis 8° ü, über Null zeigt, wird als weißgelbliche, einem Mehlteig gleichende Masse die Hefe zugesetzt. Acht oder zehu Tage währt es, bis das Einsinken des Schaumes und die Klärung der Masse das Ende der Gührung ankündigt und das Bier seinen Weg zu noch kühleren Kellern (im Sommer zeigt dort das Thermometer gewöhnlich */z Grad über Null) in die je 30—50 Hektoliter enthaltenden Lagerfäffer nimmt. Zwei Monate genügen vollauf zur Ablagerung, und das meiste Münchener Bier dürste etwa in zwei- bis dreimonatlichem Alter getrunken werden. Bei längerem Lagern verliert sich der hier beliebte ganz leicht süßliche Geschmack. Die so überaus ergiebige unter dem Namen „Malzaufschlag" bekannte bayerische Bicrstcuer wird auf eine ebenso einfache wie sinnreiche Weise festgestellt. Bei jenen Maschinen, die das Brechen des Malzes besorgen, befindet sich ein selbstregistrirender, mit amtlichen Siegeln versehener Apparat, an dem die Beamten, sei es täglich, sei es wöchentlich, die Menge des gcschrotencn Rohmaterials ablesen. Während früher in den großen Münchener Brauereien, ähnlich wie dies noch jetzt auf dem Lande der Fall ist, mit Natureis gekühlt wurde, hat die Rücksicht auf Ranmersparniß immer mehr Zur Kälte-Erzeugung durch Dampfmaschinen geführt. --SrNZ-S-.--- ALLesLSll. Bei der Wahrsagerin. „Wenn ich Ihnen die Geheimnisse Ihrer Vergangenheit und Zukunft enthüllen soll, haben Sie fünf Mark zu zahlen, mein Herr." „Hier sind sie. Und damit ich an die Enthüllungen meiner Zukunft glauben kann, erzählen Sie mir etwas aus meiner Vergangenheit." „Nichts leichter als das. Sie sind in Ihrer Ehe unglücklich gewesen." „Ich war nie verheirathet." „Hm. Sie haben von falschen Freunden zu leiden gehabt." „Meine Freunde sind erprobt." „Hm. Man kann sich irren. Sie sind ein Vielgereister." „Mein weitester Ausflug hat sich bis znm nächsten Dorfe erstreckt." „Er, da muß ich doch Ihre Hand genauer ansch'n. So — gleich kann ich besser darin lesen. Nun hab' ich's. Sie haben einen Geldverlust erfahren." — „Ganz recht; die fünf Mark, die Sie mir soeben abgenommen haben." --SW2SS-..- Homonym. Von einem Volk ich mich AlS Gott verehren ließ, Mein Ansch'n längst entwich, Weil mich daS Volk verstieß. Ich bin nicht recht gescheidt, Erdulde Spötterei'», Kommst du zu später Zeit, Lass' ich dich nicht herein. Lr. Auslösung der Schachaufgabe in Nr. 1: Weiß. Schwarz. 1. <14 und 2. 0 entsprechend resp. lli : bü -j-. ---EZH--