3 . 1894 . „Augsburger Postzeitung". Dienstag, den 9. Januar Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Znstirnts von Haas L Grabherr in Augsburg lVorbesitzer Dr. Max Huttler). Auf verwegener ZZahn. Kriminalnovelle von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) Elegant möblirt, aber durchaus nicht mit Luxus überladen, war das Zimmer, in welchem eine junge 20 jährige Dame vor dem Trumeauspiegel stand. Zum Ausgehen angekleidet, warf sie eben einen letzten prüfenden Blick hinein. Ihr Wuchs war hoch und schlank, aber von einem solch wunderbaren Ebenmaße, daß sich die Größe ihrer Figur nur bestimmen ließ, wenn andere, neben ihr stehende Personen Gelegenheit zu einem Vergleiche boten. Ihr reiches Haar schimmerte wie Gold, ohne dazu erst der Mithilfe der Sonnenstrahlen zu bedürfen; es fiel in kleinen natürlichen Löckchen auf die Stirn und war im Nacken einfach zu einem griechischen Knoten verschlungen. In dem schönen, milden Antlitz strahlten ein Paar große, tiefblaue Augen, wie zwei Sterne. Ihr beabsichtigter Ausgang sollte einem Einkaufe für den heutigen Nachtisch gelten, und eben stand sie im Begriff, sich für diesen Zweck mit einem zierlich geflochtenen Körbchen zu versehen, als Martha, das Dienstmädchen, eintrat. „Ihr Herr Vater läßt Sie bitten," meldete diese ihrer Herrin, „heute Vormittag zu Hause zu bleiben; er habe mit Ihnen zu sprechen. „Gut", sagte Siglinde kaum hörbar, während sich das Mädchen wieder entfernte. Sie war betroffen. Daß der Vater, dieser mit pedantischer Strenge sich an die Geschäftsstunden bindende Kaufmann, während der Comptoirzeit seine Fa- milienwohnung betrat, war etwas ganz Ungewöhnliches, ja Unerhörtes. Siglinde erinnerte sich nur eines einzigen derartigen Ausnahmefalles; als er bei dem Tode der Mutter heraufgeholt worden war. Sie machte sich daher auf etwas sehr Ernstes gefaßt. Schon seit Jahr und Tag hatte sie ihm einen schweren Kummer angemerkt, jein Haar war in dieser Zeit gebleicht, sein Gesicht sehr gealtert. Aber sie hatte nicht gewagt eine Frage an ihn zu richten, denn sie glaubte, ihre Schwester Erika sei die Ursache seines Kummers, und dieser Name durfte in Gegenwart des Vaters nie ausgesprochen werden. Erika, acht Jahre älter als Siglinde, war von bodenlosem Leichtsinn gewesen. Alle auf ihre Erziehung verwenvete Sorgfalt hatte nichts genützt. Als größeres Schulmädchen bereits eine Schönheit und vollendete Coquette, gab sie sich Rendezvous mit verliebten milch- bärtigen Gymnasiasten und machte dem makellosen Rufe der Familie Unehre. Nachdem sie der Schule entwachsen, brachte der Vater sie in einem strengen Erziehungsinstitute in Brüffel unter. Von dort entfloh sie, und bald erfuhr man, daß sie sich einer wandernden Sängergesellschaft angeschlossen hatte. Ihre schöne Stimme bahnte ihr später den Weg zur Bühne; dann war sie nach Amerika gegangen, und seitdem hatte man bis zum heutigen Tage nichts mehr über sie gehört. Den Leichtsinn hätte der Vater ihr vielleicht noch verziehen, daß sie damit .aber zugleich eine herzlose Gleichgiltigkeit gegen ihre Familie verband, nach welcher sie nie wieder gefragt hatte, und daß darüber das zärtlich liebende Herz der Mutter brach —, das vermochte ihr der Vater niemals zu verzeihen. Er hatte sich gänzlich von der entarteten Tochter losgesagt, hatte ihren Namen aus seinem Gedächtniß gestrichen, als ob er sie niemals besessen, und mit der Zeit war über dem Grabe in seinem Herzen Gras gewachsen. Und nun? Hatte dieses Grab sich vielleicht wieder geöffnet? Hatten sich im Vater bei seinem zunehmenden Alter Regungen der Sehnsucht nach dem verlorenen Kinde eingestellt? Waren harte Schicksalsprüfungen über Erika hereingebrochen, vor deren erschütternder Tragik die Eisrinde um das väterliche Herz zu schmelzen begann? War wohl gar eine jähe Katastrophe eingetreten, welche den schleichenden Gram des alten Mannes bis zu jener fieberhaften Aufregung, die Siglinde seit einigen Tagen an ihm wahrgenommen, gesteigert hatte? Während Siglinde, den Kopf in die Hand gestützt, noch mit diesen Gedanken beschäftigt war, trat Schönaich, ihr Vater, selbst ein. Kummer und Sorge hatten tiefe Falten in sein Antlitz gegraben, sein Haar war ergraut und sein Kinnbart schneeweiß, aber in seiner aufrechten Haltung und in seinen Bewegungen verrieth sich noch ungebrochene Kraft. „Ich sehe Dir's an, Siglinde", begann er, nachdem er eine Weile schweigend auf- und abgegangen war, „daß Du auf eine ernste Nachricht vorbereitet bist." „Mir ahnt, daß sich etwas mit Erika —" Sie hatte den Muth gefunden, diesen Namen übn ihre Lippen zu bringen. Aus dem Kopfschüttcln des Vaters und mehr noch aus dem eisigen Lächeln, wovon jenes begleitet war, merkte sie sogleich, daß ihre Vermuthungen sich auf einer falschen Fährte bewegt hatten. Er rückte sich einen Stuhl zurecht, ließ sich darauf nieder und begann von Neuem: „Du hast einen starken Geist, Siglinde. Ich kann mir daher alle weitläufigen Auseinandersetzungen ersparen. Heute noch, und zwar so bald wie möglich, mußt Du Deine Sachen packen. Ich begleite Dich nach dem Gute Nottenbach, zu Deiner Freundin Helene Steinau, und kehre dann wieder zurück. Du bleibst bis auf Weiteres dort. Von diesen trauten Räumen hier, wo Du geboren und aufgewachsen bist, nimm Abschied, Du wirst sie wahrscheinlich nie wiedersehen." — Siglinde fühlte sich von dieser Eröffnung wie von einem Donnerschlage berührt, denn Schreckliches mußte sich im Hintergründe derselben bergen. Aber sie faßte sich, um das berechtigte Vertrauen des Vaters in ihre starkgeistige Natur nicht zu täuschen. „Du kennst die Einschränkungen," fuhr Schönaich fort, „die ich allmählich in unserem Haushalte eintreten ließ, und hast mich darin in opferwilliger Weise unterstützt, Du hast auf die meisten der gewohnten Vergnügungen verzichtet, hast Dich schon seit langem mit nur einem Dienstmädchen behalfen und die Hauptlast des Haushaltes auf Dich genommen, ohne nur zu fragen, weßhalb. Du hast vielleicht geglaubt, es sei eine plötzliche grillenhafte Laune Deines reichen Vaters, sich einer engherzigen Sparsamkeit zu befleißigen. Das war es aber nicht, sondern es war ein eiserner Zwang. Ich habe ohne mein Verschulden schwere geschäftliche Verluste erlitten, ein Schlag traf mich nach dem andern. Ich habe Dir's bis zur letzten Stunde verheimlicht, jetzt aber mußt Du es erfahren, daß ich unmittelbar vor dem Bankerott stehe. Meine Hauptgläubiger haben mir eine Gnadenfrist von wenigen Tagen gegeben, weil ich mich noch an eine schwache Hoffnung auf Rettung klammerte. Die Hoffnung hat getrogen, die Frist ist verstrichen. Zu jeder Stunde kann dieses Haus unter Siegel gelegt werden. Du sollst nicht Augenzcu- gin von dem kläglichen Zusammenbruche werden, deßhalb bringe ich Dich heute noch mit einem der nächsten Eiscn- bahnzüge zu Deiner Freundin, die von unserer Ankunft bereits unterrichtet ist." Von allen Empfindungen, welche diese ganz unerwartete Hiobsnachricht in dem jungen Mädchen wachrief, war keine so stark, als das schmerzliche Mitleid mit dem geliebten Vater, den nach den harten Schicksalsprüfungen, die sein Familienleben heimgesucht, nun, da sein Haupt ergraut war, auch noch das bittere Loos der Verarmung treffen sollte, und das sogar unter Umständen, die ihn bei seinem strengen Ehrbegriff und seinem Nedlichkeits- gefühl sein Unglück nur um so tiefer empfinden lassen mußten. Siglindes nächster Gedanke war, ob wirklich keine Hilfe, keine Rettung möglich sei? Und da tauchte unwillkürlich eine lebhafte Erinnerung an ihre Kinderzeit in ihr auf. Sie sah sich mit ihrer älteren Schwester Erika in einem großen, schönen Garten, der weit draußen in einer Vorstadt lag. Dort hatte sie sich oft umherge- tummelt unter den Augen einer Frau, die an einem Krückstock ging. Diese Frau, welcher der Garten gehörte, war ihre Tante, die Schwester der verstorbenen Mutter. Seit ihrem achten Jahre etwa hatte Siglinde den Garten nicht wieder betreten und die Tante nicht mehr gesehen; es war zwischen sie und dem Vater ein dunkles Zer- würfniß getreten und hatte die Familie entzweit, aber nie war sich Siglinde darüber klar geworden. Doch wußte sie, daß die Tante reich, steinreich war und noch lebte. Wenn Jemand helfen konnte, so war sie es. „Vater", begann Siglinde, wie aus einem Traum erwachend, „verzeihe mir, wenn ich Dir in meiner Unwissenheit einen Rath zu geben wage, den vielleicht Dein Stolz verwerfen muß. Ich weiß nicht, was zwischen Dir und Tante Rollenstein einst vorgegangen ist, aber in einer Lage, wie die Deinige, würde die Schwester meiner Mutter Dir vielleicht ihre Hilfe nicht versagen." Schönaich zuckte zusammen, wie von etwas Giftigem berührt, und seine Stirn legte sich in finstere Falten. „Es wäre ein Verbrechen, wenn ein Mann in meiner Lage auch noch stolz sein wollte," entgegnete er. „Eben die Tante war jene letzte schwache Hoffnung, an der ich mich festzuhalten versuchte. Ich machte den bitteren Gang zu ihr, aber sie nahm meinen Besuch gar nicht an. Dennoch ließ ich mich durch diese Zurückweisung nicht abschrecken, sondern wußte sie außerhalb ihres Hauses zu treffen. Sie mußte mich anhören; ich gestand ihr meine verzweifelte Lage, nannte ihr die Summe, mit der ich mein leckgewordenes Schiff wieder flott machen könne, und bat sie um ihre Hilfe, nicht meinetwegen, sondern um der Ehre des Namens wegen, den ihre todte Schwester getragen hatte. Mit Hohngelächter wies sie mich abl" „O, welche Härte des Herzens I" rief Siglinde, das Gesicht in den Händen bergend." — „Ich will", versetzte Schönaich bitter, „Dir erzählen, was es zwischen ihr und mir einst gegeben hat, — und darnach wirst Du bemessen können, welche Ueberwindung dazu gehörte, mich ihr jetzt als Bittender zu nahen . . . Sie hatte in ihrer Jugend ein Verhältniß mit einem Leutnant v. Harnisch. Aber Beide waren arm, und ein Leutnant, der selbst nichts besitzt, kann kein Mädchen ohne Vermögen zur Gattin nehmen. Die Tante war es, welche die Hoffnungslosigkeit dieser Liebe zuerst einsah, denn als ein alternder Junggeselle, ein Millionär, von ihrer blendenden Schönheit bestochen, ihr seine Hand anbot, griff sie zu, ohne sich lange zu besinnen. Auch der Leutnant wußte sich zu trösten; er heirathete ein Mädchen, deren Vermögen zu einem standesgemäßen Leben ausreichte. Bei Beiden hatte also die Vernunft gesiegt, aber die Herzen schien dies nicht getrennt zu haben, wenigstens ging Harnisch im Hause seiner ersten Geliebten aus und ein, bis er mit seinem Regiment nach Elsaß versetzt wurde. Als vor zwölf Jahren der alte Rollenstein starb, wollte Harnisch, der inzwischen Wittwer geworden war, die Tante heirathen, und er kam hierher, um die Sache persönlich zu betreiben. Seine Bewerbung fand bei der ehemal'gen Geliebten eine sehr willige Aufnahme. „Alte Liebe rostet nicht," sagt das Sprichwort, er durfte noch immer als ein schöner Mann gelten, war auch inzwischen zum Major avanciert und der Titel „Frau Majorin v. Harnisch" mochte dem Ohre der Tante nicht wenig schmeicheln. Als die Heirath eine beschlossene Sache war, warnte ich die Tante ernstlich vor diesem Schritte. Sie hatte damals bereits die Mitte der Vierzig überschritten, von ihrer ehemaligen Schönheit war längst die letzte Spur verweht, und seit sie in Folge eines Hüft- leidens operirt worden war, hatte sie einen hinkenden Gang und mußte am Stocke gehen. In der besten und wohlmeinenvsten Absicht von der Welt und in der schallendsten Weise stellte ich ihr dies vor und versuchte sie zu überzeugen, daß der Major v. Harnisch bei seinem Eheantrage gewiß von ganz anderen Beweggründen geleitet werde, als das Ideal seiner Jugend als Gattin heimzuführen. Dunkle Gerüchte, die mir über seinen Straßburger Aufenthalt schon früher zu Ohren gekommen waren, hatten mich veranlaßt, an zuverlässiger Quelle Erkundigungen einzuziehen, und da hatte ich denn erfahren, daß er schlimmen Leidenschaften huldigte und daß er das ganze Vermögen seiner verstorbenen Frau im Hazardspiel vergeudet hatte. Nichts konnte klarer sein, als daß er sich nun in die Arme der früheren Geliebten retten wollte, um sich an ihrem Reichthum zu erholen. Meine Offenheit in Bezug auf ihre geschwundenen Jugendreize nahm mir die Tante sehr übel; meine Mittheilungen über das sittenlose Leben des Majors glaubte sie mir einfach nicht. Sie warf mir vor, daß ich mich nur durch die schmutzigste Selbstsucht zu solchen Verleumdungen habe hinreißen lassen, um die Heirath zu hintertreiben. Die Tante muß den Inhalt dieser Unterredung dem Major mitgetheilt und dabei mein abfälliges Urtheil über seinen Lebenswandel in dem gehässigsten Lichte dargestellt haben. Er suchte mich am nächsten Abend in einer öffentlichen Gesellschaft auf und schlug mir Mit der Reitpeitsche ins Gesicht, daß ich blutüberströmt und bewußtlos zu Boden stürzte. Ich konnte mich mit den Striemen in meinem Gesicht mit Ehren nicht mehr auf der Straße, nicht mehr in meinem Comptoir sehen lassen, wenn ich nichts als ein gerichtliches Strafurtheil gegen meinen Beleidiger als Sühne auszuweisen gehabt hätte. Als ehemaliger Reserveoffizier wußte ich, was ich zu thun hatte. Ich forderte den Major auf Pistolen. Er zielte nach meiner Stirn und streifte mir nur das Haar, ich zielte nach seinem linken Arm und traf sein Herz." Das also war es, was die beiden Familien entzweit hatte, und jetzt konnte sich Siglinde erklären, weß- halb der Vater einst viele Monate lang abwesend war und weßhalb sie aus der Schule genommen und lange Zeit hindurch zu Hause durch Privat- lehrer unterrichtet worden war. „Vater!" sagte Siglinde, „ich verstehe jetzt die Demüthigung, welcher Du Dich als Hilfesuchender bei der Tante ausgesetzt hast. Ich habe keinen Antheil an dem, was ihre Rachsucht gegen Dich erweckt hat, ich bin an jenen Ereignissen unschuldig und ich weiß, daß sie mich in den Tagen meiner Kindheit gern gehabt hat. Vielleicht gelingt mir, was Dir nicht gelang. Ich will zu ihr eilen, ich will sie auf meinen Knieen anflehen, Dich zu retten." „Ich danke Dir, geliebtes Kind," entgegnete Schön- aich mit einem warmen Blick auf seine Tochter. „Aber Du kennst das steinerne Herz dieser Frau schlecht, Du selbst bist ein Werkzeug ihrer Rache an mir." „Ich?" frug Siglinde mit ungläubigem Erstaunen. „Höre nur, Du wirst mich gleich verstehen. Der alte Rollenstein hat ein Testament hinterlassen, wonach sein Vermögen nach dem Tode seiner Wittwe entweder nur an die nächsten Blutsverwandten übergehen darf oder der Stadt zu gemeinnützigen Zwecken anheimfällt. Fremde Personen können nichts erben, wobei der Testa- tor jedenfalls an Harnisch gedacht hat, auf den er eifersüchtig war und dessen Besuch in seinem Hause er sehr ungern sah. Da Nollenstein keine näheren Verwandten mehr besaß, so waren unter den nächsten Blutsverwandten nur Du und Erika zu verstehen, und in diesem Sinne hatte denn auch die Tante in ihrem eigenen Testamente verfügt. Als Erika aus dem Pensionat entfloh und zum Theater ging, wurde sie natürlich aus der Erbfolge ausgeschlossen. Du wurdest nun Universal- Erbin und — Du bist es noch bis zu dieser Stunde." „Wie?" rief Siglinde, „selbst nach jenem Familien- zerwürfniß sollte diese Bestimmung unverändert aufrecht geblieben sein?" „Unverändert allerdings nicht," erwiderte Schönaich mit einem sarkastischen Lächeln, „sondern Du bist an gewisse Bedingungen gebunden, durch welche sie die von ihrem Gemahl ihr auferlegte Beschränkung, daß Fremde nichts erben dürfen, geschickt zu umgehen versucht. Der Major v. Harnisch hat nämlich einen Sohn hinterlassen, und nur unter der Bedingung, daß Du diesen Sohn heirathest —" Er hielt inne. Warum war Siglinde plötzlich so bleich geworden? Es war wohl nur ein täuschendes Spiel des Sonnenlichtes auf ihrem Antlitze, hervorgerufen durch die veränderte Haltung ihres Hauptes. „Nur unter der Bedingung, daß Du den jungen Harnisch heirathest, wirst Du Erbin; weigerst Du Dich, so tritt die andere Bestimmung in Kraft, wonach das ganze Vermögen der Stadt zufällt. Der Hauptzweck, den die Tante dabei verfolgt, ist offenbar der, durch diese Heirath dereinst dem jungen Harnisch ihren Reichthum in die Hand zu spielen, welchen mit ihr selbst zu genießen dem Vater nicht vergönnt war. Dabei schlägt sie uns zugleich ein Schnippchen, indem sie Deiner freien Selbstbestimmung Fesseln anzulegen und Dir als Gatten den Sohn eines Mannes aufzudrängen versucht, der mich thäilich mißhandelt hat. Ich habe Dir von dieser Erbschaftsaugelcgenhcit nie etwas gesagt, um Dich nicht unnütz aufzuregen." „Wo ist dieser Sohn des Majors?" frug das junge Mädchen. „Kennst Du ihn?" „Ich habe ihn nie gesehen," antwortete Schönaich. „Er ist in Straßburg aufgewachsen. Beim Tode seines Vaters mag er etwa dreizehn Jahre alt gewesen sein, folglich wäre .er jctz fünfundzwanzig. Ich hörte, die Tante habe ihn zu sich nehmen wollen, doch kam ihr ein in New-Zjork lebender Bruder des Majors zuvor." „So lebt er also in New-Iork?" „Bis vor Kurzem, ja", nickte der Vater, und zog aus der Tasche einen Brief, den er entfaltete, während Frnnz Lonn. 20 Siglinde ihm dabei mit einer gewissen scheuen Spannung zusah. „Es ist noch keine vierzehn Tage her, da erhielt ich von ihm diese Zeilen, die er mir von London aus unterm 10. August schreibt. Der Brief hat jetzt kein thatsächliches Interesse mehr, doch will ich Dir ihn vorlesen." Siglinde verfügt habe, wenn dieselbe mir ihre Hand zum Ehebund reiche. Eine kürzlich von Frau Rollenstein empfangene Depesche, worin sie mir ihre schwere Erkrankung meldet und die Befürchtung ihres nahen Todes ausspricht, mahnte mich, daß die Entscheidung § über meine Zukunft vielleicht nahe sei und meine per- Ein gefährliches Kpiel — „Ich bitte Dich darum," sagte Siglinde. ^ sönliche Anwesenheit dort wünschenswerth erscheinen lassen „Geehrter Herri" las Schönaich, während Siglinde > könne. In Folge dessen benutzte ich den ersten von mit vorgebeugtem Antlitz an seiner Lippe hing. „Schon ! New-Iork abgehenden Dampfer, und hier, in London vor Jahren hat Ihre Schwägerin, Frau Nollenstein, ^ angelangt, erlaube ich mir, Sie und Ihre Fräulein mir die Mittheilung zukommen lassen, daß sie über ihre § Tochter auf meinen '.Besuch vorzubereiten. Wenn Sie Hinterlassenschaft zu Gunsten Ihrer Fräuleins Tochter > das Vergangene vergessen können, so kann ich es auch. 21 Die Kinder stehen außerhalb der Ereignisse, die ihre Vater verfeindeten. Ueber das Berechtigte oder Unberechtigte einer Beleidigung, wie mein Vater sie Ihnen zufügte, maße ich mir kein Urtheil an und für seinen Tod kann ich Sie nicht verantwortlich machen, denn Sie thaten nur, was die Vertheidigung Ihrer Ehre erfor- hätte ich ihm nur antworten können: Meine Schwägerin befindet sich, wie ich zufällig durch meinen Hausarzt erfuhr, bereits wieder auf dem Wege der Genesung." „Aber angenommen, sie wäre ihrer Krankheit erlegen?" forschte Siglinde. „Wie würde dann Deine Antwort gelautet haben?" MDWW Die Katastrophe. derte und was ich im ähnlichen Falle selbst thun würde. Genehmigen Sie u. s. w. Jesko v. Harnisch." „Was hast Du auf diesen Brief geantwortet, Vater?" frug Siglinde. „Hätte sHarnisch mir seine Adresse angegeben, so Schönaich seufzte tief auf. „Das stand bei Dir, Siglinde, nicht bei mir." „So will ich Dir sagen, Vater, was Du ihm mit meinem vollen Einverständnisse hättest zur Antwort geben können: Es ist mein Wunsch, daß meine Tochter Siglinde sich der testamentarischen Bestimmung ihrer Tante 22 unterwirft, und da meine Wünsche stets auch die ihrigen gewesen sind, so kann ich mich für ihren kindlichen Gehorsam verbürgen." Marmorblässe bedeckte das Antlitz des jungen Mädchens, während sie diese Worte sprach, und ihre bebende Stimme stockte zuweilen, aber um ihren Mund lag der Zug fester Entschlossenheil. (Fortsetzung folgt.) -»-sSSWi-S-- In allerliebster Gesellschaft. Eine Humoreske von Element Kleeberger. - - (Nachdruck verboten.) i. Erst vor einigen Tagen ist meine liebe Base nach München gezogen. Ihr war's drauß' auf dem abgelegenen Schlosse, seit der Gatte das Zeitliche gesegnet, nicht mehr heimisch. Auch ein Hauptgrund des Abzuges war die Sorge für die Fortbildung ihres Söhnchens. Es ist ja das Einzige. Zwar hatte bis jetzt eine treffliche Gouvernante die Erziehung übernommen und der kleine Karl war auch, wie die Mama im. verzeihlichen mütterlichen Stolze mir öfters versicherte, wohlerzogen, sittig, wie kaum ein Stadtbube, doch er streifte das neunte Jahr, da dürfte am Ende eine weibliche Erziehung nicht vollständig mehr genügen und einen Hofmeister für den „Schloßprinzen", wie ihn scherzweise lieb Mütterchen auch nannte, konnte die Base auf die Dauer nicht finden. Schon den ersten Sonntag kam sie mit ihrem Herzensjungen zu uns. Ich schlug einen Spazierweg zum Klein- hesseloher See und durch den prächtigen Wald zum Au- meister vor. Einverstanden. Aber als wir durch das Hofgartenthor schritten und meine Base die Menge Cafs-Güste sah, stieß ich auf ein unüberwindliches Hinderniß. „Ei, wie ist's so schön hier, Vetter, wollenem nicht auch ein Schälchen trinken," sagte sie und meine Frau, eben auch keine Freundin langgedehnter F-ußpartieen, ac- compagnirte. Also überstimmt. Meiner Fremden gefiel hier das Leben. Die elegante ! Welt, die ringsherum an den kleinen Tischchen im neuesten Frühlingsprunke saß oder durch die Baumreihe wallte, war ein ungewohntes Augenspiel, das ihr angenehm die Zeit vertändelte. Indeß wie ich litt. Nach einer langen, mürrischnassen Woche der erste lachende Maientag, so inbrünstig erwartet, so ausfluglockend. Mir brannte es unter der Sohle — und ich bin angeschmiedet, ein anderer Prometheus, wenn auch nicht am kaukasischen Felsen, so doch am durchlöcherten Buchs meines Sessels. Von den Theatinern schlug es fünf Uhr. Netto drei Stunden Sitzung. Länger hielt ich's nimmer aus. 's war gewiß artig, charmant, und mein Lehrer Knigge, der strengste Lebensumgang-Pädagog, hätte mir ein Compliment gemacht, weil ich bislang nicht zum Gehen drängte. Nun probirte ich's, erst durch die Blume: „Am wunderschönen Maientag, Wo Baum und Blumen treiben, Das wären Leut' vom seltenen Schlag, Die trotzdem sitzen bleiben." Die Frauen achteten kaum darauf, also die Blume war zu versteckt, zu veilchenartig bescheiden, zu wenig penetrant, eine andere Gattung: Jasmini — „Der wundervolle Maientag wird es uns sicher," fuhr ich fort, „wenn wir ihn einmal per Sonntagslokomotiv drauß' auf dem Lande aufsuchen, tüchtig eintränken, weil wir seine erste Einladung so on nehmen und lieber aus der kleinen Tasse das alltägliche Bohnenbouguet schlürfen, als aus seiner weitkreisenden Bowle den duftenden Frühlingstrank. Die Base lächelte — das war Alles. Nun aber griff ich nach einem Büschen von Aller- mannsharnisch und Knoblauch, bestaubte ihn noch mit Patschuli; um die Wirkung zu erhöhen, band ich noch eine Stechpalme bei, prosiatuiu 68t; „die Todsünde," sprach ich, „so der hinübernimmt zu den Pforten Sankt Peters, der nicht wenigstens den Abend noch andächtig durch die neuerstandene Natur pilgert, möchte ich nicht auf mein Gewissen laden." Dieser Odem drang zu vehement durch die Nasenflügel. „Nun denn," sagte die Base zu ihrem Prinzen, der schon lange ungeduldig auf dem Stuhle hin- und hcr- schaukelte, „hör' mal, Karlchen, Du kannst ja dem Vetter- Gesellschaft leisten. Wir bleiben noch ein Stündchen und gehen dann nach Hause. Es ist so heiß und schwül unter der Sonne. Karlchen hörte wohl, jedoch plötzlich blieb er wie festgeriegelt auf seinem Sessel haften. „Hast Du mich verstanden, Karl, Du sollst dem Vetter Gesellschaft leisten." „Aber ich mag nicht dem Vetter Gesellschaft leisten, ich möcht' mit Euch aus der Trambahn fahren," erwiderte der Prinz. „Junge, nicht doch, wir fahren ja gar nicht. Wir gehen. Sei gut, Junge, und geh' mit dem Vetter." „Nein, und ich weiß schon, Ihr fahrt, hab's vorhin gehört, wie Du's der Base zugeflüstert hast. Ich weiß, Du fahrst immer und ich möcht' auch fahren, und ich geh' einmal nicht mit dem Vetter — und ich mag einmal nicht sein Gesellschafter sein — und nein, ich mag nicht." Ich muß gestehen, ich hatte mir von dem gepriesenen Schloßprinzchen eine andere Redensart erwartet. Uebrigens ist es ohnehin wunderlich, mir den Herzensjungen förmlich als Gesellschafter aufzudrängen, wußte denn meine Base, ob mir damit ein Gefallen erwiesen? Jedenfalls meinte sie das, denn sie bat, ja nicht in Uebel zu nehmen, daß ich allein gehen müßte. „Nicht im Geringsten," entgegnete ich, innigst froh, ohne ihren durch vorige Reminiscenz mir ganz unsympathisch gewordenen Prinzen meine Wanderung beginnen zu können. Ich war noch nicht bis zum Tempel des Hofgartens gekommen, hörte ich hinter mir rufen: „Halt, Vetter, halt, ich geh' mit." „So, das ist schön, Karl, was verschafft mir das überraschende Vergnügen?" „Mama hat gesagt, Du führst mich in den Paradies- Garten und dort gibt's Schaukel und Karoussel und türkische Musik und feine Pavcsen und —" Ich unterbrach ihn, das Vergnügungs-Menü hatte mir zu viel Gänge: „Ei, was Deine Mama nicht alles weiß." „Ja, die Base hat ihr's gesagt." „Nun, wir werden ja sehen." Schweigsam gingen wir dann nebeneinander. Ich wählte beflissentlich nicht den Weg nächst des Kanals, der uns rectement in's Paradies gebracht hätte, drückte mich vielmehr in einen der Labyrinth-Gänge und schon 23 sind wir in einer ziemlichen Entfernung glücklich an den tzimmelspforten vorbeigesteuert. Mir ist's wahrlich nicht zu thun, bei einer Pavesenpartie, und hingen die goldenen Giselafransen noch so einladend herab, meinen Abend hinzuschlachten. Leider erscholl auf einmal schmetterndes Tschindaradada und hui! — einem hungernden Reh gleich brach mein Freund durch Gebüsch querfeldein der Sirenenfanfare zu. Jetzt ist er im Paradies verschwunden. Mir war das höchst peinlich. Mußte natürlich dem Wilde nach und da ich mir die Freiheit des kürzesten Weges, wie mein lieber Freund, für den das Betretungs- verbot ein überwundener Polizeiparagraph war, nicht erlauben durfte, ging's eine erkleckliche Zeit her, bis ich im irdischen Eden des englischen Gartens eintreten konnte. „Siehst so weit vornehm aus, Vetterchen," bemerkte ich. „Dort, — dort," und er deutete auf die Schaukel, „die bösen . . . bösen — es stieß ihn, als bearbeiteten seinen Rücken die gebogenen Hörner eines heimathlichen Bockes, „dort . . . die . . . ungezogenen . . . Bu . . . ben . . haben . . . mich" — ein neuer Kataract von Schmerzesnaß und ein abermaliges, gräuliches Plärren erstickten seine Rhapsodien. Wirklich, mir that der Junge leid. Mit einem martialischen Blick maß ich den Schauplatz der Niederlage meines Freundes. Das machte aber auf seine Feinde, die sich lustig fortschaukelten, nicht den geringsten Eindruck. „Recht ist ihm g'scheh'n," riefen einige, als gerade Mtramare. BUM, Ich suchte Karl, und traf ihn, nicht weit weg von dem Kindcrbelustigungsvlatze. Er kam auf mich zu - allein in welchem Zustande? Unsäglich. Von seinem Florentinerhütchen, das er heute zum ersten Male auf seinem Scalp getragen und nun in der zitternden Linken hielt, hing das rothseidene Band in zwei Fetzen herab, der silberne Anker, das Matrosenemblem, war verloren, die Hutscheibe eingetrieben und zeigte gegen die linke Seite hin einen weitklaffenden Leck. Des Prinzen Mähne: er trug streng nach dem Bazar auf der Stirne abgeschnittenes, nach rückwärts aber gerippt niederfallendes Haar, stand jäh, wie die Nadeln der Kleopatra, zu Berg. Aus den Augen quollen Zährenbäche hinab über die Backen, wovon die eine wie in Zinzolin getaucht hochroth schimmerte. die dichtbesetzte Muschel von den Lüften herab auf den Schwerpunkt nieder sich schwang, „warum hat er zuvor die kleinen Maderln hcrausschmeiß'n woll'n". „Was, Karl?" „Ja, damit er 'ncn besser'» Platz 'kriagt hätt'!" „'s ist nicht wahr, Vetter! nein, nein, nicht wahr." „Net wahr? Du Lugenbeut'l, Du verlog'ner, wart', wir sän glei' wieder da und trischak'n Di' no a mal, nachher dagibt's g'wiß, Du Lug'nbeut'l, Du miserabliger." Ich verstand nicht mehr Alles, denn die eigenartige, wie ein großer Perpendikel sich hin und her schwingende Rednerbühne, von der bald vom linken, bald vom rechten Luftschnitt die ^parlamentarischen Ergüsse herabkamen, rranchirte mir immer im unteren Bogenschwung, als wäre ein Gedankenstrich inzwischen — den so wichtigen 24 Zusammenhang unbarmherzig entzwei. Allein fest stand, besser das Feld räumen, als einer zusehends stärker werdenden Allianz von Feinden ohne Noth die Spitze bieten, zumal nicht zu unterschätzende EinmischungsSymptome auch bei größeren Leuten hervortraten. Wenigstens auf einem Seitentische in meiner Nachbarschaft waren mehrere Recken aufgestanden, die offenbar zum Geblüte der Luftredner gehörten und — je nachdem — mich L In Oarolus trischakt hätten. Einer dieser Poly- pheme ging nun auch richtig auf mich los; er klopfte mir ziemlich stark wohlmeinend das Schulterblatt. „Ich rath' Ihnen — nichts für ungut, Herr Nachbar, ich rath' Ihnen —" und dabei wurde sein Fingerspiel auf meiner Epaulette-Fläche immer munterer, „nichts für ungut, nehmen's z'Haus' Ihr g'schmach's Buberl zwischen die Beine und laffen's — no, Sie wissen's schon — wohin ich mein' — den Ochsenfiesel — aber: pfuit, pfuit, ordentlich d'raufpfeifen. Ich hab's g'seh'n, ich sag' Ihnen, der Kerl hat's weidlich verdient. Nichts für ungut, aber wenn er mein thät' g'hör'n, Ihr Bua — maus- — maustodt thät' ich ihn schlag'n." Ich bedankte mich, nicht ohne Verlegenheit, für den gutmeinenden, herzlichen Rath und betheuerte, daß ich gewissenhaft Alles besorgen werde. Kaum hörte mein Junge dieses furchtbare Wort, schrie er gottlästerlich, so zwar, daß ich nolsns volsns ihm bemerken mußte, ich dächte an eine so grausame Zucht nicht, weiß ich ja, daß Hinfür mein kleiner Vetter ein braver Knabe sein werde. Lächelnd durch die feuchten Aeuglein versprach mir's mein Gesellschafter. (Fortsetzung folgt.) Zu unseren Bildern. Franz Dann. Franz Bonn (v. Muis) wurde g«boren in München am 30. Juli 1830 als der Sohn eines Oberrechnungsrathes. Er oblag in seiner Vaterstadt humanistischen und akademischen Studien und trat 1857 in den Dienst der reinen Justiz. Vierzehn Jahre lang hatte er Hiebei in verschiedenen Provinzial- städten Gelegenheit, sich mit dem Pulsschlag des Volkslebens vertraut zu machen, und seine Lieder zeigen, wie aufmerksam er demselben lauschte. Das Jahr 1872 führte ihn als Staatsanwalr an das k. Oberlandesgericht München. Neun Jahre verharrte er in dieser Stellung und trat dann mit 1. Januar 1881 in den Dienst des Fürsten von Thurn und Taxis als Präsident der Tomänenkammer und Direktor des Civilcollegialgerichts II. Instanz in Regensburg. Unser Dichter gewann durch den i persönlichen Umgang niit Deutiger und Redwitz die entscheidende Bestimmung. Der junge Poet wollte Romantiker sein und klassisch dichten. Aus dieser Zeit stammt die lyrische Dichtung „Wolfrum" (1854) und das kleine Epos „Schott von Grünstein" (1855). Unter dem Pseudonym Frhr. v. Rachwitz veröffentlichte er sodann in den „Fliegenden Blättern" die „Lavagluthen", eine Art ltteratur-historischer Komödie, deren Pointe direkt gegen die Nachzügler Jung-Deutschlands gerichtet war. In der Folgezeit hat Freiherr v. Rachwitz seinen Domino vertauscht und sich in den jovialen Herrn „v. Miris" verwandelt. Dieser Herr „v. Miris" ist seitdem in ganz Deutschland populär geworden, zunächst als Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter" und der „Münchener Bilderbogen", dann aber auch durch eine ganze Reihe höchst launiger Büchlein in Vers und Prosa. Gleichzeitig kultivirte Bonn mit glücklichem Erfolg das Gebiet der Jugendliteratur (hauptsächlich in den Jugendblättern von Jsabella Braun). Von den neueren dramatischen Arbeiten des Dichters erwähnen wir das Singspiel „Mozart", sowie die Schauspiele für die Jugend „Die hl. Cäcilia" und „St. Elisabeth" (1890). Das Beste, was er als Epiker geleistet, ist sein Gedicht „Jacopone" (1889). In den letzten Jahren hat sich Bonn's Neigung wiederum der heiteren Muse zugewandt („Franz der Streber", „Von mir is's"). Aus der allerjüngsten Zeit stammt der bei I. Habbel in Regensburg (1891) erschienene Band Gedichte: „Für Herz und Haus". Ein gefährliche» Spiel — Die Katastrophe. Die Tischdecke hat es ihnen angethan, den kleinen, unerfahrenen Vierfüßlern. Mußte sie doch stets so verführerisch baumeln, wenn sie unter dem Tische sich neckten und mit ihrem Körper das Ende berührten I Wie oft mag es ein einzelner der drei Hunde versucht haben, ein Stück derselben zum eigenen Spielbedarf abzureißen. Aber der solide Stoff hat den Zähnen stets genügend Widerstand geleistet. Endlich versuchen sie es mit v,weinten Kräften, sich in den Besitz der ganzen Decke zu setzen, deren Enden sie so oft angezogen. Und es glückt. Langsam gibt sie nach, und das spornt den Eifer der kleinen Unholde noch mehr an. Da — ein Ruck, und die Gesellschaft liegt auf dem Rücken, bedeckt von den Trümmern des „Theeservices, das eben für den Gebrauch der Familie auf den Tisch gestellt worden war. Die Hündin, die anfänglich sich an den Anstrengungen ihrer Sprößlinge ergötzt, steht mit Schrecken auf diese Szene. Ob sie wohl um die Jungen besorgt ist, da sie aus eigener Erfahrung die klatschenden Folgen solch übermüthigen Gebahrens kennt? Miramare. Unweit Trieft erhebt sich, an der felsigen Meeresküste nahe der Südbahnstation Grignano gelegen, das kaiserliche Lustschloß Miramare. Eine breite Marmortreppe führt vom Meere zum Garten und Schlosse empor. Das Auge wird entzückt durch die herrlichen Park-Anlagen, deren immergrüne Bäume und Büsche den Unterschied zwischen Sommer und Winter fast zur Lüge machen. Weißblühende Laurentius, buntblättertger Anbutus, zartrothes Haidekraut und blaßblauer Rosmarin von Manneshöhe, golden schimmernder Lorbeer, weißknospige Myrten vermischen hier ihre Blätter und Blürhen zu einem dichten, duftigen Dach, während großblüthiges Immergrün den Boden mit einem blauen Teppich bedeckt. Hier finden wir Cedern vom Libanon, Föhren aus Australien, Cacteen vom Atlas. Das Schloß wird nach der Meercsseite von einer Terrasse umgeben, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf den Meeresspiegel hat. Miramare ist Schöpfung und ehemaliger Wohnsitz des Erzherzogs Maximilian, des unglücklichen Kaisers von Mexico. Allerlei. Gemüthlich. Kaufmann (der Nachts heimkehrend, einen Einbrecher an seinem Geldschrank findet): „Sie, verderben Sie mir das Schloß nicht, hier ist der Schlüssel .... d'rin is nischt!" Der Toast des Referendars. „Unbesoldet, wie ich mich habe, ergreife ich das Wort, in der Hoffnung, daß Sie wenigstens meinem Toaste nicht jeden Gehalt absprechen werden. . . ." Jagdglück. Sonntagsjäger fder endlich einmal einen Hasen geschossen hat): „Gott, es wird doch nicht am End' was Anderes sein!" Der Philosoph. Taschendieb (nachdem er das dritte leere Portemonnaie erwischt hat): „Fürwahr, auch ein Zeichen der Zeit!" -—. Nikder-Hlät-sel. i— U/WgM Hm.. /