M „Augsburger Post;eitung7. M 16. Ireitag, den 23. Februar 1894» ??ür die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbefitzer Vr. Max Huttler). Auf verwegener Mahn, Kriminalnovelle von Gustav Höcker. (Schluß.) Zu der schwurgerichtlichen Verhandlung gegen Jm- hoff waren von auswärts mehrere Zeugen herbeigezogen worden: der Hospitalarzt und eine Krankenwärterin aus Calais, der Zimmerkellner aus dem Kölner Hotel, in welchem Harnisch übernachtet hatte, und Frau Webster aus London. Aus den Fremdenlisten war leicht das hiesige Gasthaus zu ermitteln gewesen, in welchem Harnisch abgestiegen war und zwei Tage verweilt hatte. Es war der „Europäische Hof". Von dem Personal desselben waren der Hausknecht und das Zimmermädchen als Zeugen geladen. Der französische Arzt aus Calais, welcher Harnisch im Hospital behandelt hatte, konstatirte, daß dessen beim Sprunge in's Boot entstandene Wunde nach Lage und Beschaffenheit genau mit dem Befunde des Protokolls übereinstimme, welches über die gerichtsärztliche Obduktion der im Kastanienwätdchen gefundenen Leiche aufgenommen worden war. In Uebereinstimmung mit der Krankenwärterin, welche den Schiffbrüchigen gepflegt hatte, erklärte der Arzt auf's Bestimmteste, daß der Angeklagte, Jmhoff, nicht der Patient gewesen sei, sondern nur eine oberflächliche Ähnlichkeit mit demselben besitze. Auch dem Zimmerkellner aus Köln sowie dem Hausknecht und dem Zimmermädchen des „Europäischen Hofes" war Jmhoff fremd, dagegen wurde er von Frau Webster aus London mit aller Bestimmtheit als der Vater Jenny's wiedererkannt, der in Begleitung seiner Frau gekommen war, um ihr das Kind in Pflege zu geben, und sich selbst unter dem Namen Jmhoff vorgestellt hatte. Ein sehr verhängnißvolles Jndicium gegen den Angeklagten bildete auch der Ritterharnisch auf dem Messingschilde des in seinem Besitz gefundenen Handkoffers, welches den letzteren leicht kenntlich machte. Die französische Krankenpflegerin hatte diesen, von seinem Eigenthümer mit in's Boot geretteten Koffer selbst in Verwahrung gehabt; der Hausknecht des Europäischen Hofes hatte ihn bei Harnisch's Ankunft und Abreise in der Hand getragen; das Zimmermädchen hatte ihn beim Aufräumen gesehen und sich das Wappen sogar näher betrachtet. Aber noch ein weiteres, schwer belastendes Moment sollte sich an den Koffer knüpfen. Die Verhandlung kam am ersten Tage nicht zum Abschluß; die am andern Morgen erscheinenden Blätter brachten über den Verlauf dieses Kriminalprozesses bereits sehr ausführliche Berichte, welche von allen Schichten der Bevölkerung heißhungrig verschlungen wurden. Der darin beschriebene Handkoffer führte einen neuen Zeugen herbei. Es war der Portier des Nordbahnhofs, welchem sich der Koffer mit dem Ritterharnisch lebhaft in's Gedächtniß geprägt hatte, denn er war wegen dieses Gepäckstücks vor einigen Wochen mit einem Fremden in Streit gerathen. Ein Herr, welcher mit dem nachmittags 6 Uhr abgehenden Zuge reisen wollte, aber zu spät gekommen war, hatte ihm diesen Koffer mit der Weisung übergeben, denselben bis zum nächsten Zuge, der um Mitternacht abging, aufzubewahren. Um diese Stunde war aber, statt des Eigen- thümers, ein anderer Herr gekommen, um den Koffer in Empfang zu nehmen. Der Portier pflegte sich seine Leute gut zu merken, und da er etwas argwöhnisch war und zu jenen Beamten gehörte, die dem Publikum gern kleine Schwierigkeiten machen, so wollte er den Koffer nicht abliefern, mußte sich aber zuletzt doch fügen, denn der Herr legitimierte seine Berechtigung zur Empfangnahme des Gepäckstücks durch Vorzeigung der numerierten Contremarke, welche der Portier dem zuerst Gekommenen eingehändigt hatte. Bei der Gereiztheit des Fremden und der Grobheit des Portiers war es zu einer sehr erregten Szene gekommen, und dem Letzteren stand daher das Aussehen seines Gegners um so frischer in der Erinnerung. Er erkannte ihn jetzt in Jmhoff sofort mit der größten Bestimmtheit wieder. Auch der Tag, an welchem sich jener Vorfall ereignete, ließ sich feststellen: Der Portier hatte an diesem Abende nicht den Dienst gehabt, sondern war für seinen Kollegen eingetreten, dessen Frau im Sterben lag. Das war am 23. August gewesen. An diesem Nachmittage war, wie die Nechnungsbücher des „Europäischen Hofes" nachwiesen, Harnisch wieder abgereist; der Hausknecht, welcher die Droschke besorgt und den Handkoffer hinabgetragen hatte, wußte sich zu erinn»rn, den Hotelgast in seinem Zimmer im Gespräch mit einem fremden Herrn gefunden zu haben, welcher dann ebenfalls mit in die Droschke gestiegen war. Er hatte diesen Fremden nicht besonders beachtet, doch erinnerte er sich, daß derselbe ebenso schwarzes Haar und schwarzen Vollbart gehabt hatte, wie Harnisch. Sehr wahrscheinlich war es Jmhoff gewesen. Von dem im Kastanienwäldchen gefundenen Leichnam hatte das Gericht mehrere Photographien aufnehmen lassen: eine derselben war ein fast in Lebensgröße ausgeführtes Brustbild, welches deutlich alle Züge deS Gesichtes wiedergab, und in dem letzteren erkannten alle mit Harnisch in Berührung gekommenen Zeugen denselben wieder. Am 23. August hatte Harnisch bei Schönaich vorgesprochen und war von Martha, in Abwesenheit ihrer Herrschaft, empfangen worden. Seine genaue Erkundigung, wo sich die Letztere aushalte und wo Gut Rottenbach liege, deutete darauf hin, daß er Schönaich und seiner Tochter hatte nachreisen wollen. Dorf und Gut Rottenbach waren mit der Eisenbahn nur vom Nordbahnhofe aus zu erreichen, sodaß Ziel und Zweck der beabsichtigten Reise ziemlich klar erschienen. In der sechsten Abendstunde hatte Harnisch, zu spät zum Zuge kommend, dem Portier des Nordbahnhofes den Koffer übergeben; um Mitternacht war der letztere durch Jmhoff, der sich im Besitze der Marke befand, zurückgefordert worden. In der Zwischenzeit, und zwar nach gerichtsärztlichem Gutachten zwischen 10 und 11 Uhr, war Harnisch in dem auf dem Wege zum Nordbahnhofe liegenden Kastanien- wäldchen erdrosselt worden. Der Jndicienbeweis stellte unzweifelhaft fest, daß Jmhoff sein Mörder war. Gestützt auf die im Koffer seines Opfers vorgefundenen Legitimationspapiere und begünstigt durch eine gewisse Ähnlichkeit mit der Person des Erdrosselten, hatte Jmhoff sich für Harnisch ausgegeben, und da er sich unter diesem Namen bei Siglinden einführte und in alle jene Beziehungen eintrat, in welche Harnisch selbst durch Frau Rollenstein's Testament zu der eventuellen Erbin der Million gestellt war, so war hiemit auch das Motiv zu Harnisch's Beseitigung klar genug gegeben. Der Angeklagte, welcher zwar hartnäckig leugnete, sich aber dadurch nur in um so größere Widersprüche verwickelte, wurde von den Geschworenen für schuldig befunden und von dem Gerichtshöfe zum Tode verurtheilt. Die Argumente, welche Jmhoff's Vertheidiger geltend gemacht hatte, um seinen Clienten des gleichen Verbrechens an Frau Rollenstein zu entlasten und dasselbe an Schönaich haften zu lassen, wußte Volkmar, als die Anklage gegen diesen zur Verhandlung kam, zu entkräften. Er wies mit unangreifbarer logischer Schärfe nach, wie die beiden Verbrechen unter sich im engsten Zusammenhange standen und wie die gleiche Hand, welche die mörderische That an Harnisch begangen, zuvor schon ihr Würgerwerk an Frau Rollenstein vollbracht hatte. Das ganze Arsenal seiner Beweisgründe gegen Jmhoff, welche er ebenso unermüdlich wie schlau gesammelt hatte, führte er in so scharfer Beleuchtung vor, daß kein wesentlicher Punkt im Dunkeln blieb und ein Motiv sich naturgemäß an das andere reihte, wie die Glieder einer Kette. Mit der ganzen überzeugenden und packenden Gewalt seiner Rede trat er für Schvnaich's Unschuld ein. Dieser war nicht der Mann, der die Ehre seiner wankenden Firma durch einen Mord an der Schwester seiner verstorbenen. Gattin zu retten suchte. Nur das verhängnißvolle Spiel des Zufalles hatte ihn gerade um dieselbe Stunde an denselben Ort geführt, wo ein anderer bereits der Gelegenheit wartete, nm den wohlvor- bereiteten Mord an Frau Nollenstein zur Ausführung zu bringen, und sicher werde es Niemand mit ruhigem Gewissen auf sich nehmen, auf diesen Zufall jetzt noch alle die Verdachtsmomente zu begründen, die gegen Schönaich vorgebracht waren, — jetzt noch auf das Haupt des greisen Mannes, der wohl durch unverschuldete Unglücksfülle um sein Vermögen gekommen war, aber niemals eine ehrlose Handlung begangen hatte, die furchtbare Blutthat zu wälzen, wo sich mit erdrückender Schwere die Schuldbeweise gegen einen ehemaligen kalifornischen Spielhöllenpächter, einen entlarvten Betrüger und zum Tode verurteilten Mörder wendeten. Unter lautlosem Schweigen der überfüllten Tribünen verkündete am Schluß der Verhandlung der Vorsitzende des Gerichtshofes Schönaich'S Freisprechung, und Volk- mar selbst führte seinen greisen Clienten in die Arme seiner Tochter. . . . * * » Am Abende vor der Vollstreckung des Todesurtheils bekannte sich Jmhoff freiwillig zu beiden Mordthaten. Sein Geständniß über die Ermordung Frau Rollenstein's enthielt nichts Neues, sondern deckte sich vollständig mit jener Selbstdenunziatton, durch welche er Sigltndens Vater hatte entlasten wollen. Auch Alles, was er damals nur in die Form von Vermuthungen gekleidet hatte, war thatsächliche Wahrheit gewesen. Was seine Beziehungen zu Harnisch betraf, so war er mit diesem während der Seereise allerdings in vertrauten Verkehr getreten und hatte dabei dessen Lebens- verhältniffe ziemlich genau kennen gelernt. Ueber ihre beiderseitigen Neisezwecke war es jedoch zu keinem vertraulichen Austausch gekommen. Harnisch hatte nur Andeutungen gegeben, daß er hierher reise, um sich zu ver- heirathen; seine künftige Gattin kenne er eben so wenig, wie sie ihn; die Heirath gründe sich auf eine Testamentsbestimmung: schlage das Mädchen seine Hand aus, so würde ihr eine reiche Erbschaft verloren gehen. Das war Alles, was Jmhoff über Harnisch's Chancen wußte. Als Jmhoff nach der Ermordung Frau Rollenstein's in deren Wohnung vergebens nach Geld gesucht hatte und deren Papiere durchwühlte, theils in der Hoffnung, auf leicht umsetzbare Geldwerthe zu stoßen, theils um Erika's Briefe wieder in seine Hand zu bekommen, fand er das Testament, welches ihm in Harnisch's Heiraths- Angelegenheit einen überraschenden Einblick eröffnete. Irgend ein Gedanke, sich die erlangte Kenntniß zu Nutze zu machen, kam bei ihm zwar nicht zur Reife, doch trat bei dieser Gelegenheit seine Reisebekanntschaft wieder in den Vordergrund, und da er nur noch über wenig Geldmittel verfügte, so wollte er versuchen, von Harnisch ein Darlehen zu erlangen. Er wußte, daß derselbe in Calais ein Hospital aufgesucht hatte, ohne jedoch die Natur seines Leidens zu kennen. Auf Harnisch's Ankunft wartend, kontrollierte er die täglich in der Zeitung erscheinende Fremdenliste der hiesigen Hotels und las schon wenige Tage nach der Ermordung Frau Rollenstein's Harnisch's Namen in dem Fremdenverzeichniß des „Europäischen Hofes." Als er ihn dort aufsuchte, fand er ihn eben im Begriff, wieder abzureisen. Er war sehr eilig, den Zug noch zu erreichen, und die Droschke wartete bereits unten. Jmhoff begleitete ihn daher zum Bahnhöfe, um unterwegs sein Anliegen anzubringen. Harnisch schlug es unter lebhaftem Bedauern ab; er sei selbst sehr knapp bei Kasse und müsse erst nach New-Uork um neue Wechsel schreiben. Als Beide am Bahnhöfe ankamen, war der Zug bereits abgegangen. Harnisch wollte nicht noch ein Mal hier übernachten, sondern beschloß, mit dem 12 Uhr-Zuge zu reisen, und übergab dem Portier seinen Handkoffer. In der Zwischenzeit 111 i < >- i wollte Jmhoff ihm Gesellschaft leisten, und auf seinen Vorschlag verbrachten Beide die Stunden in einem nahe gelegenen Concertgarten. Dort erzählte Harnisch ihm, daß er erst gestern Abend hier angekommen sei, daß er vorgestern in Köln übernachtet habe, wobei er ausführlich von dem Zimmerbrand berichtete, daß er sich heute seiner künftigen Braut und deren Vater habe vorstellen wollen, dieselben aber nicht mehr angetroffen habe und ihnen nun nachreisen wolle, da ihm das Dienstmädchen gesagt habe, der Tag ihrer Rückkunft sei sehr ungewiß. Von Frau Rollenstein's Ermordung schien er nichts zu wissen; wahrscheinlich wollte er sich erst Gewißheit verschaffen, ob die ihm bestimmte Braut, deren Vater er von London aus seinen Besuch angekündigt hatte, seine Bewerbung annehmen werde, ehe er sich um etwas anderes kümmerte. Daher hatte er es wohl auch mit seiner Reise so eilig. Während dieses Gespräches war eS, wo Jmhoff den plötzlichen Entschluß faßte, Harnisch aus dem Wege zu räumen und sich unter dessen Namen selbst bei Sig- linde und deren Vater einzuführen. Das „Kastanienwäldchen", durch welches er mit Harnisch, der Concertmusik nachgehend, hierher gelangt war, schien ihm ganz der geeignete Ort zur Ausführung feines Vorhabens. Als er auf Befragen von Harnisch erfuhr, daß derselbe bei Schönaich's weder eine Karte zurückgelassen, noch dem Dienstmädchen seinen Namen genannt hatte, schwand sein letztes Bedenken. Das Uebrige mußte er seinem guten Glück überlassen. Das Wagniß war gefährlich, — aber der Preis war eine Million! Auf dem Rückwege zum Bahnhof fiel er in dem einsamen Kastanienwäldchen plötzlich über seinen ahnungslosen Begleiter her, dem er an Körperkraft weit überlegen war, erwürgte ihn, wie er Frau Nollenstein erwürgt hatte, schleppte ihn in ein dichtes Gebüsch, entkleidete dort die Leiche gänzlich, um jede Nachforschung nach der Persönlichkeit des Ermordeten abzuschneiden, entleerte alle Taschen und trug die in ein Bündel zusammengeschnürten Kleider nach dem nahen Strome, wo er sie mit einem daran befestigten schweren Steine versenkte. Dann ging er nach dem Bahnhöfe und erzwäng sich mittelst der Kontremarke, die er in Harnisch's Portemonnaie gefunden, die Herausgabe des Handkoffers, welcher zwar nur wenig Geld, aber alle wichtigen Papiere enthielt, deren er bedürfte, um sich aller Orten als Jesco von Harnisch legitimieren zu können. Das war das Geständniß des Doppelmörders, welcher angesichts des unvermeidlichen Todes das Bedürfniß gefühlt hatte, sein Gewissen zu erleichtern. Als er am nächsten Morgen zur Richtstätte abgeführt werden sollte, fand man ihn erhängt in seinem Kerker. * Selten hat ein Vater sein Kind mit dankbareren Gefühlen und heißeren Segenswünschen dem erwählten Gatten vereint, als Schönaich, indem er die Hand seiner Tochter in diejenige Volkmar's legte, der ihm Ehre und Leben gerettet; selten verband sich in solchem Maße im Herzen eines Weibes mit den zarten Regungen für den Geliebten zugleich die Hochachtung vor dem Manne, wie im Herzen Siglindens . . . Da in Frau Rollenstein's Testamente Siglindens Enterbung nur für den Fall ausgesprochen war, daß sie sich der Heirath mit Herrn von Harnisch widersetzte, diese Verbindung aber an Ereignissen scheiterte, an denen sie keine Schuld trug, so wurde ihr die Erbschaft vom Gerichte zugesprochen. Sie folgte nicht nur der Stimme ihres eigenen Herzens, sondern auch dem Wunsche ihres mit äußeren Glücksgütern schon reichlich gesegneten Gatten, indem sie die ihr zugefallene Million mit ihrer kleinen Nichte Jenny theilte und aus ihrem eigenen Antheil die Gläubiger ihres Vaters befriedigte. Volkmar adoptierte Jenny und löschte damit den gebrandmarkten Namen, den sie trug, aus ihrem Leben. Skglinde dachte oft über das Loos nach, welches ihrer Schwester Erika an der Seite eines Mannes geblüht haben konnte, der die Fähigkeit zu dem furchtbarsten aller Verbrechen in sich getragen hatte. Wie schwer mochte sie in solcher Ehe die Verirrungen ihrer Jugend gebüßt haben? Seitdem Siglinde auf der Zeugenbank der Gerichtsverhandlung gegen Jmhoff beigewohnt und mit eigenen Augen gesehen hatte, welche unverdiente Theilnahme die zahlreich erschienene Damenwelt dem schönen Mörder entgegenbrachte, wußte sie sich zu erklären, wie auch ihre Schwester sich durch das blendende Aeußere dieses Mannes über dessen Charakter hatte hinwegtäuschen lassen können. Was aber wäre wohl Anna Ritters Schicksal gewesen, wenn Jmhoff es an der Zeit gefunden hätte, sich ihrer zu entledigen, da er doch fürchten mußte, daß die Rache des getäuschten Mädchens ihm gefährlich werden konnte. In solchem Falle würde die Würgerhand sicher auch vor einem dritten Opfer nicht zurückgeschreckt sein! Von Siglinden erhielt Anna das kleine Kapital zurückerstattet, das ihr nach und nach von Jmhoff abgelockt worden war, und Volkmar gründete ihr ein Ladengeschäft, welches ihr eine selbstständige Existenz sicherte und sie der Machtsphäre ihrer unduldsamen Schwägerin entrückte. — Martha fand für die treue Anhänglichkeit, die sie ihrer jungen Herrin im Unglück bewiesen, den besten Lohn in der Stellung im Hause des jungen Ehepaares, wo sie wie ein Glied der Familie gehalten und behandelt wurde . . . „Als ich rathlos und von der Welt verlassen zum erstenmale zu Dir kam," sagte Sigliude am Hochzeitstage zu ihrem Gatten, während sie zärtlich ihre Hände um seinen Hals faltete, „und aus Deinem Munde den Ruf: Siglinde! vernahm, da war mir's plötzlich wieder wie damals, wo dieser Ruf durch Nacht und Nebel, Rettung verheißend, an mein Ohr tönte. Ich nahm es wieder für ein gutes Vorzeichen und habe mich nicht getäuscht." -- Das Tagebuch der Prinzessin Therese im Teuchle. Skizze von E. Vely. (Schluß.) Am 9. Mai 1794, als die beiden Prinzessinnen sich eben niederlegen wollten, rasselten die Schlösser an ihrer Thür und man klopfte: „Bürgerin, komm' herunter! Und meine Nichte? Damit wird man sich später beschäftigen! Meine Tante umarmte mich und sagte, sie käme wieder herauf. Nein Bürgerin, du kommst nicht wieder herauf, nimm deine Mütze und folge uns! 112 Sie überhäuften meine Tante mit Beschimpfungen, sie erlitt sie mit Geduld, nahm ihre Mütze, umarmte mich und empfahl mir Muth und Gottvertrauen." Am folgenden Tage wurde Madame Elisabeth hingerichtet; sie war 30 Jahre alt; mild und fromm und ergeben, glich sie in ihrem Aeußern ihrem unglücklichen Bruder. Der allein gebliebenen Prinzessin Therese wurde ebenfalls nichts über das Schicksal ihrer Tante mitgetheilt, vergebens fragte sie nach ihr und nach ihrer Mutter. Einmal trat ein Mann in ihr Zimmer, den sie für Robes- pierre hielt; er betrachtete sie frech, sah die Bücher an und ging wieder. Nachdem Madame Elisabeth als letztes Opfer auf dem Schaffst gefallen war, schienen die „Kinder Frankreichs" im Temple ganz vergessen zu sein — weder Paris, noch Frankreich, noch die Verwandten in Oesterreich wollten wissen, daß hinter den grauen Mauern zwei junge Geschöpfe elternlos und heimathlos schmachteten. Eine kleine Schrift machte endlich darauf aufmerksam: „Ein Wort für zwei Individuen, an die Niemand denkt und an die doch einmal gedacht werden muß." Wohl in Folge dessen erschienen Barras und Del- Mas, die Machthaber nach dem 9. Thermidor, im Temple und sahen sich die Königswaisen an; Laurent, der Com- missar des Konvents, befahl, daß man den kleinen Louis Charles besser behandle. Er ließ ihm ein anderes Bett und Bäder geben. Aber die heißerbetenen Nachrichten über ihre Angehörigen wurden der Prinzessin Therese verweigert. Das Comite der „Allgemeinen Sicherheit" beschloß, der „Tochter Louis Capets" eine Frau zur Gesellschaft zu geben. Eine Freiwillige meldete sich zu diesem Posten, die Bürgerin Chanterenne, Madeleine Hilaire la Rochette. Die Erkundigungen, die über sie eingezogen wurden, ergaben, daß „sie ein sanftes Wesen habe, französisch, italienisch und deutsch spräche, und daß man nicht an ihrem Biirgersinn zweifle". Sie zählte 30 Jahre und trat am 16. Juni 1795 bei der vereinsamten Prinzessin ein. Natürlich hatte das innigste Mitleid mit der Waise des Temple Frau v. Chanterenne bewogen, den Schritt zu thun — die Prinzessin Therese schloß sich sofort in inniger Zuneigung an die Gefährtin an. Der Dauphin erkrankte ernstlich, und nun wurden ihm Aerzte geschickt, aber keine Kunst konnte ihn mehr retten. „Er verging wie ein Greis aus Lebensschwäche." Am 9. Juni 1795 um 3 Uhr starb er ohne Todeskampf, zehn Jahre und zwei Monate alt. Die Prinzessin Therese schreibt über seinen Tod: „Es ist nicht wahr, daß er durch die Commune vergiftet worden ist; das Gift, das seine Tage verkürzt hat, war einzig die Unsauberkeit, in der er ein Jahr lang gelebt hat, und die Härte, die man gegen ihn angewandt hat." Und sie schließt: „So war das Leben meiner tugendhaften und unglücklichen Verwandten während der letzten Jahre ihres erlauchten Daseins. Ich bezeuge, daß dieses Memorandum die Wahrheit enthält. Marie Therese Charlotte. Geschrieben im Thurm des Temple am 14. Oct." Im Herbst desselben Jahres wurden mit Oesterreich Verhandlungen angeknüpft über die Auslieferung von französischen Gefangenen gegen die Prinzessin, und am 18. Dezember verließ sie nach schwerem Abschied von Frau M Chgnterenne den Temple am Arme des Ministers Benezech. Sie drückte dabei ihr Memorandum heimlich in die Hände der Freundin — der Kaiser von Oesterreich hatte zur Bedingung gemacht, daß Niemand seine Verwandte begleite, der im Temple bei ihr gewesen war. In ausführlichen Briefen schildert die Prinzessin ihre Reise bis nach Basel, wo am 26. Dezember 1795 die Auslieferung stattfand, ihrer „theuren Renate, der Vielgeliebten einer unglücklichen Verbannten". Nach all den Erlebnissen der Schreckenszeit fühlt sie sich wieder glücklich, als Prinzessin unterwegs erkannt und behandelt zu werden. Der Prinz von Gavre und Baron von Degel- mann kamen als Abgesandte des Kaisers, und mit der Unterzeichnung eines Schriftstücks war dieses Kapitel der Leidensgeschichte der Tochter Marie Antoinettens geschlossen. Die Acte heißt: „Ich Unterzeichneter erkläre, gehorsam den Befehlen Sr. Majestät des Kaisers, von Herrn Bacher, dem zu diesem Zwecke abgeordneten französischen Gesandten, die Prinzessin Marie Therese Charlotte (Naäams 1a krin- 0688 S), Tochter Sr. Majestät des Königs Louis XVI., empfangen zu haben." Das Memorandum aus dem Temple ging noch einmal in die Hände der Prinzessin zurück, als sie nach ihrer Vermählung mit ihrem Vetter, dem Herzog von Angoulsme, in Mitau lebte. Sie ließ eine Abschrift davon nehmen, die durch eine Jndiscretion der Fran von Soucy in die Oeffentlichkeit drang; mit vielen Entstellungen und Zusätzen ist die einfache Erzählung von Zeitgenossen benutzt. Das Original kam wieder in den Besitz der Frau von Chanterenne und blieb in ihrer Familie, bis ihr Enkel es dem Herzog von Chambord, dem Erben der ehemaligen Madame Noyale, zustellte. , Nur eine Station ist allerdings der Temple für Therese, die spätere Herzogin von AngoulZme, auf dem Leidenswege ihres Lebens gewesen. Die auf Anlaß der Herzogin von Madrid von Gabriel de Saint-Victor dem Tagebuch beigegebenen Erläuterungen sagen von der Waise aus dem Temple: „Im Schissbruch ihres Lebens wird sie bis zum Ende die traurige Gestalt in's Gedächtniß rufen, die sich an die Barke Dante's klammerte und ihm antwortete, als er nach ihrem Namen fragte: Veäi, osto soo uu vsts xiau§6." -- Plauderei über Kunst und Kunstgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Architektur und Plastik.*) Von Max Fürst. War es mir schon einmal gegönnt, als Maler über Malerei aus der Schule zu schwätzen, so erkühne ich mich heute, einige geschliffene und auch ungeschliffene Steine zu bieten, die ich aus kunstgeschichtlichen Betrachtungen mir gebrochen habe. Dieselben stilvoll zusammenzufügen, wird mir freilich nicht gelingen, doch hoffe ich immerhin jene Baulinie einzuhalten, welche den üblichen gesellschaftlichen Vorschriften entspricht und keine Behörde veranlassen wird, mir mein — freilich ohne jeden Befähigungsnachweis geübtes — Handwerk zu legen. Wenn zunächst meine Grundlegung etwas breit und feierlich sich gestaltet, so bedingt dieses ja die Sitte, die beim Beginne aller *) Vertrag, gehalten in München in der Abendversammlung des Historischen BereinS von Oberbayern am 19. Januar (Car- ncvalSmonat) 1894. I 113 < 7 >. baulichen Unternehmungen allerorts mehr oder minder beobachtet wird. DaS Großartigste und Gewaltigste von allem Sichtbaren ist bekanntlich das Weltgebäude selbst. Die architektonischen Theile dieses Ganzen läßt uns der Welten- baumeister über und um uns schauen. Am nächtlichen Himmels-Gewölbe erkennen wir die erste und älteste Chaussee, die Milchstraße, in deren voraussichtlich normalspurigen Geleisen der Fuhrmann, das bekannte Sternbild, seit ungezählten Jahren sich bewegt. Unser Planet selbst weist auf grandiose Architekturzeugen, die schon bestanden, ehe eine Menschenhand zum Richtscheit, zu Kelle und Mörtel griff. Ich erinnere nur an die vielen naturgewaltigen Labyrinthe, an die am Eingang in den atlantischen Ocean aufragenden Säulen des Herkules, sowie an das eiserne Thor an der Donau. Lange vor.dem Menschen entwickelten bereits andere Geschöpfe rege Baulust und Thätigkeit. Als die ersten luftigen Hochbauten erschienen die Nester der Böge!, den Wasserbau pflegte in sorgfältiger Weise der Biber, den Bergbau eine gewisse Wespenart; die kleine, emsige Künstlerin, welche den klösterlichen Zellen- bau übte, die Biene, soll nicht vergessen sein. Rhythmus und Harmonie wird in der edleren Baukunst vor Allem gefordert, deßhalb konnte Professor M. Carriere, den ich in meiner Jugend zu hören die Ehre hatte, einmal in wonnig warmer Begeisterung die Architektur nicht ganz mit Unrecht als „gefrorene Musik" bezeichnen. Wir Hörer, damals etwas unverfrorene Jungen, zogen aus dieser Bezeichnung die nöthige Logik und glaubten, die das Leben versüßende Musik sofort als „geschmolzene Architektur" bezeichnen zu dürfen. Daß in der Plastik hin und wieder etwas von eingefrorener Musik sich befindet, bezeugten im Alterthume jene im Nillande aufragenden Memnonskolosse, welche nach den Aussagen feinhöriger alter Touristen beim erwärmenden Strahl der Morgensonne wirklich liebliche Töne von sich gegeben haben sollen. Doch weg vom Ungewissen! Gar keinen Zweifel gibt es, wenn wir sagen, daß wohl zur frühesten menschlichen Thätigkeit der Ackerbau gezählt werden muß. Und um nun die Früchte dieses Baues mit Behagen und Dank genießen zu können, erwies es sich alsbald nöthig, ein gar einfach schlichtes Ding zu bauen, welches für alle Zeiten unzertrennlich und unentbehrlich der Menschheit werden mußte. Ich meine: den Herd. Leibliche und geistige Bedürfnisse sind es gewesen, welche diesen Bau hervorriefen, denn in der Frühgeschichte aller Völker ist ja Herd und Altar dasselbe. So tief ist die Begeisterung, das Verlangen nach solchem Banwerk in die Menschenbrust gelegt, daß wohl in den fernsten Tagen noch, zunächst die jungen Leute, mag ihnen auch sonst jedes Interesse und Verständniß für Architektur mangeln, stets rührig bestrebt sein werden, einen eigenen Herd sich zu bauen. Die Wichtigkeit der Baukunst dürfte durch diesen Hinweis wohl am besten nachgewiesen sein. Betrachten wir nun Architektur und Plastik nach den Entwicklungsstufen der Nationen. — Selbst auf die Gefahr hin, einigen pyramidalen Unsinn zu reden, will ich bei den Aegyptern anfangen. Die Verdienste der alten ägyptischen Flußbauämter sind bekanntlich so groß, daß sie heute noch nicht «uf's Trockene gesetzt erscheinen. Wenn die Aegypter die Arbeit des Suez-Kanales den Kindern des 19. Jahrhunderts überlassen haben, so war wohl der Umstand schuld, daß dieselben damals die technische Einrichtung von Actien noch nicht kannten, obwohl ihnen der stete Anblick des Stekgens und Fallens des Nilwassers Anregung genug geboten hätte, auch nach dieser Seite hin erfinderisch sich zu erweisen. In Folge solch' tadelnswerther Nichtbeachtung ist es daher leicht erklärlich, daß die großartigen Ziegeleien des Pharaonenlandes, trotzdem Hebräer in riesiger Zahl daran betheiligt waren, niemals zur Höhe heutiger Actienziegeleien sich aufschwingen konnten. Als Jsarmoränenschlamm und Haidekraut noch die Stelle deckte, auf der heute der Münchener Karolinenplatz zu schauen ist, da galten als ausschließlich ägyptische Specialität die bekannten Obelisken. Einer der berühmtesten darunter, der nach seinem Falle zu Alexandrien einen gar weiten Transport sich gefallen lassen mußte, ist, wie männiglich bekannt, die „Nadel der Kleo- patra" benannt worden. Ob diese „Nadel" schon Dienste geleistet, als es der üppigen Kleopatra gelang, die Herren Julius Cäsar und Antonius einzufädeln, wissen wir nicht zu sagen. Wir wollen uns darüber auch nicht den Kopf zerbrechen, denn Aegypten ist ja bekanntlich das Land der Räthsel und der Sphinxe, und nicht Jedermanns Sache ist es, ein Oedipus zu sein. Die alte Welt und ihre Werke kennen gleich mir die meisten Menschen nur aus Bildern. Da haben wir denn erst vor einigen Jahren hier im Glaspalaste aus dem Gemälde von Nochcgrosse „Das Ende Babels" in Erfahrung bringen können, daß in Babylon ganz besonders die Fleisch buden von einem kolossalen Umfange gewesen sein müssen. Waren die Dinge wirklich so, dann dürfte es uns nicht wundern, wenn es einem kommenden Forscher und Archäologen noch gelingen sollte, die Ur- paragraphen einer „I-sxHeinze" in Keilschrift aus dem wüsten Schütte — den wir wohlweislich nicht weiter berühren — herauszuwühlen. Die Erben ägyptischer Kunst waren bekanntlich Pe- lasger, dann Griechen. Die Kunst der letzteren wird allgemein so gelobt und gefeiert, daß ich mir hier schon erlauben darf, als Unikum eine entgegengesetzte Stimme zu Worte kommen zu lassen. Ein leider früh verstorbener, hochbegabter, nur etwas leidenschaftlich angelegter Archäo- lvge, Julius Braun, der, nebenbei bemerkt, schon 35 Jahre vor Schliemann den Spaten zur Hand nahm, den Hügel Hissarlik als Stätte von Troja bezeichnete, sprach nie in Hieroglyphen, wenn es galt, den Griechen eines zu versetzen. Seiner Meinung nach haben eben jonische Sardellenfischer und dorische Sauhirten das seltene Schwein (vul^o Glück) gehabt, die ägyptischen Architekturerfolge vollständig ausnützen zu können. Schlau wie immer, so meinte Braun, hätten die Griechen u. a. das ägyptische Lotoskapitäl einfach um ein gutes Stück oben abgekappt und wären so höchst billig zu dem Ruhme gekommen, Erfinder des gerühmten dorischen Säulensystems. zu sein. Es dürfte nicht Wunder nehmen, wenn ob solcher Verdächtigung des hellenischen Kunstvermögens der bekannten Diana vonEphesus die Milch der frommen Denkungsart sauer, oder wenn Hephästos, der Vater der Bildhauer, dem boshaften Nörgler etwas unsanft auf die Finger klopfen würde. Was Dr. Braun so hämisch von den Griechen sagte, könnte mit ungleich größerem Rechte von den Römern behauptet werden, denn die rauhen Söhne des Romulus sind — soweit sie noch ohne 114 hellenische Knnsteinflüsse bauten — über die mamer- tinischen Gefängnisse und die Oloaoa Nuximu nicht weit hinausgekommen. Ein Hineinfallen in die letztere konnte im späteren Norn übrigens mit Leichtigkeit quitt gemacht werden, da ja die vielen Bäder und Thermen, welche in allen Stadttheilen entstanden, es ermöglichten, alsbald wieder makel- und fleckenlos unter den Mitbürgern zu erscheinen. Man wird leicht begreifen, warum auch in den großen Städten der Gegenwart die Dringlichkeit der Errichtung von Bädern und Waschanstalten so häufig Betonung findet. Der übernommene künstlerische Nachlaß Griechenlands zeigt sich in Rom am deutlichsten in der immensen Zahl antiker Statuen, welche die vielen Museen bergen. Bekanntlich hat Schiller im Hinblick auf die Antiken einmal gesagt, daß dieselben den Wandalen Stein seien. Zu gewissen Zeiten find sie übrigens auch den Römern nichts anderes gewesen. Man denke doch an jenen Hagel prächtiger Statuen, den im Jahre 537 die bedrängten Römer und Byzantiner von der Höhe des Hadrianeums auf die stürmenden Gothen niedergleiten ließen. Damals flog ja auch unser werthvoller „Barberinischer Faun" gar unsanft auf die Köpfe der Stürmenden, um einige von diesen zu unfreiwilligen Genossen seines immerdauernden Schlafes zu erküren. Daß die Antiken bei solcher Verwerthung und Behandlung selbst oft Köpfe, Arme und Beine einbüßten, ist sehr erklärlich, und es hatte daher In der Renaissance, als man förmlich nach Antiken schürfte, mancher Bildhauer vollauf zu thun, dieser oder jener antiken Gottheit wieder auf die Beine zu helfen. Die ehrenwerthen Olympier konnten sich wirklich gratuliren zu den chirurgischen und orthopädischen Erfolgen, die da an ihren ewig jungen Leibern von geschickten Menschenhänden nicht selten erzielt worden sind. Manchmal fielen die neugeschaffenen Glieder so gediegen aus, daß auch der ursprüngliche Schöpfer des Werkes dieselben wohl kaum besser hätte herstellen können. Hat man sich z. B. doch sehr lange besonnen, ob man nach verspäteter Auffindung der wirklichen Beine des Farnesischen Herkules diesem dieselben zustellen solle oder nicht. Waren ja die von Guglielmo della Porta inzwischen gefertigten Ersatzfüße so ausgezeichnet gerathen, daß, wenn Herkules selbst zu bestimmen gehabt, er hinsichtlich der Wahl vor einen neuen schwierigen Scheideweg sich gestellt gesehen hätte. (Fortsetzung folgt.) -— - Die Kapuziner in Lindan. Es war vor etwas mehr als einem Jahre, da wurde mir einmal in Bregenz ein Marienbild gezeigt, das sich auf ein Kapuzinerkloster in Lindau bezog. Derjenige, der mir das gar nicht üble Bild zeigte, fragte mich, ob ich denn etwas darüber wüßte. Ihm sei die Sache ziemlich neu. Ich wußte damals nur, daß an der Achbrücke ein Kapuzinerklösterchen gestanden war, das gelegentlich der Belagerung Lindaus durch die Schweden zerstört worden war. Was ich nun weiters fand, ist der Inhalt der folgenden Abhandlung, wobei ich gleich anfüge, daß meine Hauptquelle die von Pater Romuald bearbeitete und in Kempten 1747 herausgekommene Geschichte der Kapuzinerprovinz von Vorder-Oesterreich ist. Benützt ist weiter „Lindau vor Altem und Jetzt" von Boulan. In Lindau hatte mit dem Jahre 1524 die Reformation begonnen und sich rasch immer weiter ausgebreitet. Schon 1530 hatte Lindau mit Constanz, Straßburg und Memmingen beim Reichstag zu Augsburg eine besondere Confession: die 4 Städte-Confesfion, übergeben. Katholisch blieb nur das Stift und seine Angehörigen. WaS Wunder, wenn Stift und Stadt gar häufig in allerhand Streitigkeiten verwickelt wurden. Da gab es auf einmal im Jahr 1626 Streit bei der Bürgerschaft. Der protestantische Bürgermeister Müller wollte sein Haus an den katholischen Grafen Fugger verkaufen, was ihm vom Magistratus nicht zugelassen wurde, ebenso wollte der ehrsame Rath die Privatbeichte einführen — das führte zu argen Händeln selbst in der Kirche. Die Sachs ging für die Stadt schlimm aus, denn 1628 wurden Graf Hugo v. Montfort u. der Bischof von Constanz nach Lindau als Exekutions-Commission geschickt mit allerhand Aufträgen, von denen uns zwei zunächst in» teressiren. Einmal wurde eine kaiserl. Strafgarnison in die Stadt gelegt, und dann sollte die Commission weiters allen möglichen Fleiß anwenden, daß die §rntrs3 rainores Orä.L.krauoisoi wieder zu dem Gotteshaus u.Einkommen gelangen, so ihnen anno 1528 entzogen worden sein solle, sie in ihrem Ordensberuf und katholischen Exerzitiis unturbirt zulassen. Der kaiserliche Erlaß datierte vom 16. Febr. 1628. Schon 1624 war eine kaiserl. Commission erschienen und hatte Ansprüche auf das alte Barfüßer-Kloster erhoben, um dasselbe den Kapuzinern zu übergeben. I« selben Jahre hatte nämlich die Fürstäbtissin Maria Christina beschlossen, geistliche Männer in die Stadt einzuführen, damit dadurch das Stift und seine Diener, sowie andere Katholiken in der Stadt der hl. Dienste derselben genießen könnten. Die Väter der Kapuzinerprovinz, denen die Sache einleuchtete, brachten im Verein mit anderen einflußreichen Männern die Angelegenheit vor den Kaiser und berief die Kommandantschaft der oben erwähnten Strafgarnison eine Kapuzinerkolonie nach Lindau als nothwendig für die Ausübung der Dienste der Religion. Obigem nach scheint man dabei zuerst an das alte Barfüßer-Kloster gedacht zu haben. Pater Romuald erzählt indessen, daß ein Lindauer Bürger, der vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten war und deswegen viel zu leiden hatte, sein Haus den Katholiken zum Kauf angeboten habe, um fortzuziehen. Indessen ging es hier wie bei dem Müller'schen Verkauf. Man wollte denselben von gemeiner Stadt Satzung wegen nicht zulassen und suchte sich mit Aufbietung aller Kräfte zu widersetzen. Beiderseits wurde die Sache vor den Kaiser Ferdinand II. gebracht, welcher den Deutschherrn-Erz-Komthur von Altshansen Joh. Jakob Freiherrn v. Stein als Commissär beorderte. Dieser wickelte die Sache zu Gunsten der Kapuziner ab und gab dem Rath davon Bescheid, der sofort neuerdings protestirte. Der Kaiser, sehr aufgebracht, instruirte den Cowmiffär noch knapper unter Androhung kaiserlicher Strenge und stellte zudem den Freiherr von Raitnan zu Höfen als Sachwalter im erwähnten Anwesenskauf auf. Da bewilligten die Lindauer den Verkauf, und nach Romuald 1630, nach Boulan schon 1629 und zwar am 28. April mußten sie den „Spectacul" erleben, daß die kaiserliche Commission von Bregenz her mit großer Anzahl Volks, geistlichen und weltlichen Personen, zum Stadtthor herein und durch die Stadt in die „Jn- r- L15 sul" zog. Ein großes Kreuz wurde von 32 Mann in weißen Hemden — werden wohl Alben und Chorröcke gewesen sein — getragen und in der Jnsul bei Andreas Eggers Torckel mit großer Feierlichkeit aufgerichtet. Es wurde der Grundstein gelegt, eine Kapelle gebaut, nach weiteren Vereinbarungen mit den Lindauern das aufgeführte Haus bezogen und mit den geistlichen Exercitien begonnen. Unterm 20. Oktober 1630 nahm der Kaiser das Kloster und seine Insassen in seinen speziellen Schutz und bedrohte Zuwiderhandelnde mit der schweren Geldstrafe von 30 Gulden. Bald aber fanden die Kapuziner den Platz selbst nicht mehr geeignet, hauptsächlich mit Rücksicht auf die andersgläubige Nachbarschaft, weshalb sie beschlossen, sich außerhalb der Stadt anzukaufen d. h. ihr bisheriges Anwesen gegen ein außerhalb der Stadt gelegenes zu vertauschen. Diesem Haustansch, dem der Erzkomthur beigestimmt hatte, widersetzte sich der Magistrat sofort wieder mit ganzer Kraft. Erst dem an Stelle des Erzkomthurs zugezogenen Juristen Albert Eberhard gelang es, die Liudauer durch Vorführung aller Gründe umzustimmen. Jetzt errichteten die Kapuziner vor der Stadt im sog. heil. Gut ein neues Gotteshaus und nahmen den Bau eines Wohnhauses ernstlich in Angriff. Als die Arbeit schon ihrer Vollendung entgegen sah, wurden sie durch die Ankunft einer schwedischen Heeresabtheilung auf die unangenehmste Weise gestört. Als Gustav Horn mit seinem Heer heranmar- schirte, erschienen plötzlich im Oktober 1633 schwedische Reiter vor der Stadt, machten die erste Schildwacht nieder und hätten den damaligen Kommandanten Oberst König, der bei den Kapuzinern die Messe hörte, beinahe gefangen. Er wurde aber rechtzeitig von dem damaligen Gastwirth zur Taube Namens Graf gewarnt und entkam glücklich nach Lindau. In Folge davon ließ der Kommandant, auch von der Erwägung ausgehend, der Feind möchte zur Eroberung der Stadt hier einen Stützpunkt finden, — wie richtig seine Ansicht war, werden wir später noch bewiesen sehen,—dieKirche untergraben und alle nächstgelegenen Häuser verbrennen. Die Stadt mußte den Kapuzinern eine Wohnung innerhalb ihrer Mauern einräumen. Nachdem die Schweden aber wieder abgezogen und die Gefahr beseitigt war, verlangten die Kapuziner ihr altes Eigenthum wieder und wandten zur Wiederherstellung des Gotteshauses alle Mühe auf. Nun war gerade eine furchtbare Theuerung, derartig, daß die Menschen Gras aßen, aus Eicheln, gemengt mit Staub u.Grüsch auch Linsenmehl wurde Brod gemacht; Hunde, die beim Wasenmeister geholt und als Delikatessen verspeist wurden, und Katzen galten als Wildpret. Seuchen und Krankheiten rafften aus dem Stadtgebiet an 800 Menschen weg. Dazu kamen fortwährende Kriegsstenern, so daß die Patres der Provinz zur Wiederherstellung von Küche und Kloster Zuschuß gewähren mußten. Dabei dachten sie aber schon an einen dritten größeren Platz und bezeichneten hiefür die Nähe des kaiserl. od. städt. Zeughauses als passend. Zu dem Zweck sandten sie 2 Patres der Provinz zu Kaiser Ferdinand III. als Vertreter, die mit Empfehlungs-undVefürwortungsschreiben einiger hoher Herren versehen waren. Sie entledigten sich ihres Auftrages mit großer Geschicklichkeit. Der Kaiser gewährte in seinem Eifer für den Katholizismus ihren Wunsch und stellte mittels kaiserlichen Diploms den schon erwähnten Freiherr« von Stein als Commissär auf. Er hatte den Auftrag, die Stadt dafür zu gewinnen, einen in jeder Beziehung geeigneten Platz in der Stadt zur Errichtung eines Kapuziner-Klosters abzugeben. Die Kapuziner seien Willens, Niemand lästig zu fallen. In einem Schreiben vom 4. November 1638 suchte er dies mittels eines in den schmeichelhaftesten Worten abgefaßten Schreibens beim Lindauer Magistrat durchzusetzen. Der Commissär verwandte alle Sorgfalt auf die Durchführung der kaiserlichen Absicht und zog noch den Obersten eines schwäb. Kreis-Negiments, Ferdinand von Handel, bei. Der Lindauer Rath ging aber hierauf nicht ein, suchte vielmehr die Sache ohne Rücksicht auf den Kaiser zu verhindern, so daß schließlich der Erzkomthur jede Hoffnung auf günstigen Ausgang aufgab und den Patres hievon Mittheilung machte. Diese sahen ein, daß sie nichts ausrichten, am Ende nur das bisher Besessene auch noch verlieren würden, und verwandten wieder alles auf Wiederherstellung von Kloster und Kirche außerhalb der Stadt. Da legte sich die Fürfläbtissin in's Mittel und wünschte, daß die Kapuziner in die Stadt übersiedeln möchten, aber die Lindauer protestierten wieder und wollten die Kapuziner aus der Stadt ausgeschlossen wissen. (22. Mai 1640.) Nun wandte sich die Aebtissin an den Kaiser, und dieser beauftragte jetzt den neuernannten Gouverneur Max Willibald Truchseß Grafen von Wolf- egg, Sorge zutragen, daß den Kapuzinern innerhalb der Stadt ein Haus fundiert würde und die Patres in ruhigem Besitz desselben bleiben könnten. Die Kapuziner selbst aber vertrauten auf das kaiserliche Reskrjpt und den Schutz des Gouverneurs und führten den Ausbau ihres angefangenen Klosters fast seiner Vollendung entgegen. Da ertönte neuerdings Waffeulärm. Da und dort herumschweifende Truppenabtheilungen der Schweden ließen sich sehen und die Patres mußten 1647 von ihrem Werke abstehen, da Wrangel am 4. Jan. dieses Jahres die Belagerung Lindaus in der Hoffnung, die Lindauer würden aus Freundschaft wegen der gemeinsamen Religion keine, so hartnäckige Vertheidigung leisten, begann. Der sehr rührige und heldenhafte Gouverneur machte, unterstützt von dem ihm beigegebenen Oberstlieutenant Baron von Crivelli, diese Hoffnung glänzend z' Schanden. Er zwang durch seine Autorität die Bürger zu ihrer Pflicht und vereitelte durch seine Kriegsfertigkeit die Eroberung. Zweifelsohne war Graf Wolfegg dazu bestimmt, der Siegeslausbahn Wrangels ein Ziel zu setzen, und sein seltenes Glück bewirkte, daß sowohl der Anfang als der weitere Verlauf des Wrangel voraussichtlich günstigen Jahres sich ungünstig gestaltete, so daß der ^Schwede mit Schimpf und Schande abziehen und dem Feinde Stadt und Siegcspalme lassen mußte. Wrangel hatte 3 Batterien aufgeworfen und das Schänzlin an der Brücke vergeblich gestürmt. Eine Batterie von 9 schweren und leichten Geschützen und 1 schweren Mörser war im Kapuziner-Kloster etabliert worden. Das Klösterlcin war wiederum auf Befehl des Kommandanten gänzlich zerstört und verbrannt worden, k. Romuald weiß zwar, daß ein Lindauer Bürger in die Kirche die Brandfackel warf, ohne daß er hiezu Befehl erhalten hatte. Ueber die Wirkung der Geschosse erzählt k. Romuald, daß die Kugeln hauptsächlich dem Stift gegolten, trotz Correktur aber ihr Ziel nicht erreicht hätten. Sie schlugen in die 116 Kirche (Stefanskirche) und Häuser der Lutheraner und richteten dort ungeheueren Schaden an. Wetters erzählt er folgende Episode: Es war im Gasthof z. Krone eine kathol. Köchin, welche einstens ihre Herrin verwundert fragte, warum alle Kugeln, auch diejenigen, welche direkt auf die kath. Kirche gerichtet waren, diese nicht beschädigten, aber umso verderblicher gegen die Kirche und die Häuser der Lutheraner wirkten. Die Dienerin antwortete ihr: Das ist nicht zum Verwundern. Der kathol. Kirche kann aus dem Grunde nichts Widriges zustoßen, weil die Kapuziner und die Katholiken dort vor dem Allerheiligsten Tag und Nacht auf den Knien lägen und in größter Inbrunst zu Gott beteten. Nachdem die Frau dies gehört hatte, beauftragte sie ihre Köchin, den Kapuzinern ein sehr reichliches Almosen zu bringen und dieselben in ihrem Namen zu bitten, auch für sie und ihr Haus das Allerheiligste anzuflehen. Die Kapuziner sandten Gruß und Dank zurück und versprachen nach ihrer Intention zu Gott zu beten. Und siehe da, fürderhin stieß diesen Häusem kein Unheil mehr zu. Nach Aufhebung der Belagerung stellte man die Ruinen und Befestigungen wieder her, und auch die Kapuziner waren nicht müßig, ihr Areal zu reinigen, die verbrannte Kirche wieder aufzubauen und den Garten anzupflanzen. Doch oh weh! im Jahre 1649 wurden im westfälischen Religionsfrieden katholikenfeindliche Bestimmungen veröffentlicht, in Folge deren die religiösen Verhältnisse auf den Standpunkt zurückgeführt wurden, in welchem sie sich am 1. Januar 1624 befunden hatten. Die Lindauer zeigten sich zur Annahme und Danach- handlung dieser Artikel mehr als willfährig und verkündeten den Kapuzinern durch Notar und Zeugen am 17.Nov. 1648 in Uebereinstimmung mit diesen Beschlüssen die Ausweisung. Darüber entstand ein heftiger Streit, ob die Kapuziner diesem Friedens-Artikel unterworfen wären. Wiederum verwenden sich die Landkommentur von Altshausen und die Patres der Provinz beim Kaiser, der am 26. Febr. 1649 schreibt, die Kapuziner auch fernerhin zu belassen. Ebenso protestiert wiederum die Aebtissin, die die Kapuziner wieder als Beichtväters des Stiftes haben will. Hitzig wird hüben und drüben von Rechtskundigen beider Confesfionen gestritten, die Entscheidung des Streites wird katholischen und lutherischen Schiedsrichtern überlassen. ?. Nomuald gibt selbst zu, daß die ersteren ihrer Aufgabe sich nicht gewachsen zeigten und sich die Sache nicht angelegen sein ließen, und so wurde die Sache gegen die Kapuziner entschieden. Diese packten ihre Habe zusammen, nachdem ihnen die Stadt den Kaufpreis für ihre Güter abgelöst hatte, schüttelten den Staub Lindaus von ihren Füßen und verließen die Stadt. Vorher hatten sie sich noch das kaiserliche Dekret erwirkt, ihr Exerzitium beim Stift ausüben zu dürfen, so oft sie von der Fürstäbtissin für geistliche Funktionen begehrt würden. Ihr Abzug war für alle Zukunft merkwürdig. Als die Nachricht von ihrer Ausweisung zu den Ohren der lutherischen Frau des Bürgermeisters Habisreutinger drang, rief diese hochentzückt aus: „Wann und wie bald wird sich diese hocherfreuliche Neuerung vollziehen, daß diese bebarteten Menschen aus der Stadt hinausgeworfen werden. Sobald dies geschehen wird, werde ich im Uebermaß der Freude sterben.* Gesagt, geschehen! Die Rache Gottes machte diese Prophezeiung zur Wahrheit! Sobald die kaiserliche Garnison die Stadt verließ (September 1649), entfernten sich mit ihr die Kapuziner. Unter anderweitigen Zuschauern befand sich auch obenerwähnte Frau, die beim Anblick der in die Verbannung ziehenden Kapuziner in einen Lachkrampf verfiel, durch dessen Heftigkeit sie eine Frühgeburt machte und den Geist aufgab. Dieses traurige Ereigniß überstieg das Uebermaß der Freude, und die Lindauer Bürger hoben sogar das Recht, daß die Kapuziner das Damenstift betreten dürften, so oft sie für geistliche Verrichtungen dort benöthigt seien, auf und wollten sie für immer aus der Stadt verbannt wissen. Ohne jegliche Rücksichtnahme auf den auf eine Beschwerdeschrist der Fürstäbtissin unterm 14. Dezember 1649 erfolgten kaiserlichen Erlaß verboten sie den Eintritt. Die Stadt hatte vorher dem Kaiser durch Dr. Valentin Heider Bericht erstatten müssen. Dieser vertrat auch die Stadt bei einer Zusammenkunft in Nürnberg, -deren Bestimmungen durch die kurfürstl. Mainzische Kanzlei am 31. Jan. 1650 gesetzmäßig veröffentlicht wurden. In Folge dieser Publikation wurde den Kapuzinern das freie Recht, das Damenstift zu besuchen, eingeräumt, aber sofort stemmten sich die Lindauer mit aller Macht dagegen und verboten durch öffentlichen Anschlag an den Thoren der Stadt den Kapuzinern den Eintritt auf das Strengste. Obwohl Heider selbst zu einem Vergleich rieth, ein neues kaiserliches Reskript die Kapuziner nicht zu behelligen und den Beschluß ungiltig zu erklären erschien, legten sie dem allem keinen Werth bei, verharrten in ihrer Hartnäckigkeit und erneuerten vielmehr das Verbot, das sie hätten aufheben sollen. Sogar im Stift beabsichtigten sie durch dies Vorgehen die katholische Religion allmählich auszurotten. Da legte sich das Stift wieder in's Mittel, die Neichs-Nitterschaft verwandte sich beim Kaiser, ersteres appellirte zugleich, und nun sandte der Kaiser ein sehr scharf gehaltenes Mandat und lehrte die Lindauer unter Androhung der kaiserlichen Acht und anderer Strafen, den kaiserlichen Adler fürchten und ihm gehorchen. Seit dieser Zeit ward den Kapuzinern der Zutritt zum Lindauer Damenstift gewährt und bestätigt, und sie bedienten sich dessen bis zur Säkularisation des Stiftes 1802. Von da an pastorierte Stiftsvikar Stäudelin als erster Pfarrer die ehemalige Stiftskirche als Pfarrkirche. LI. L. v. L. Zahlenräthsel. 1 4 8 8 eine deutsche Stadt, 2 8 3 7 8 ein gewaltiges Gebirge, 3 4 8 Fluß in Osteuropa, 4 1 mächtiger Strom, 5 6 2 3 7 Stadt in Hannover, 6 2 8 8 2 eine Insel in fernen Meeren, eine Stadt in Ostindien und in einem kleinen deutschen Fürstenthum, 7 6 4 8 englisches Städtchen, berühmt durch seine Schule, 8 2 1 Nebenfluß eines großen europäischen Stromes, 3 2 8 Fluß in Nordamerika und Stadt in Palästina, 7 5 7 8 5 Stadt in Ostfrieölanv. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen einen beliebten Badeort. Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 15: „Was du thun willst, thue bald.* --EZ8—— i