^L19. 1894. „Augsburger Postzeitung". Dimstag, den 6. März Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Berlag des Literariichen Instituts von Haas >L Grabhcrr in Augsburg (Vorbesitzcr vr. Max Huttler). Wohlthnn trägt Zinsen. Nach dem Amerikanischen der Mary Cecil Hay, erzählt von Alice Salzbrunn. (Fortsetzung.) III. Ich wartete mit dem Essen auf Martin. Es hatte schon acht geschlagen, und er war noch nicht gekommen. Ich konnte mich nicht erinnern, daß er sich je vorher so verspätet hatte. Und gerade heute abends? Auch hatte er gesagt, er werde früh zurückkommen, und ich war gewohnt, mich auf jedes seiner Worte unbedingt zu verlassen. Die Kinderfrau hatte die Kinder geholt, um sie zu Bette zu bringen; sie kamen ungern von ihrem Warteposten am Gartenthore. „Warum kommt er denn nicht, Mama?" fragte Käthchen, indem sie ihre Wange an die meine schmiegte. „Ist etwas geschehen?" „Ach nein, Kind," antwortete ich. Ihre Worte verletzten mich mehr, als ich sagen konnte. „Geh in das Schlafzimmer und sei nicht unartig. Papa wird bald hier sein." Ich wußte, daß meine Stimme hart klang, aber mein Kuß war dafür doppelt zärtlich, und ich würde die Kleinen bei mir behalten haben, aber die Kinderfrau wollte es nicht zugeben. Sie sagte, die Ruhe würde mir wohlthun; ich glaubte das auch, aber ich hatte keine Ruhe. Ich ging hinunter bis zum Parkthor, saß dort und suchte zu verbergen, wie ängstlich und unruhig ich war. Endlich kam der alte Haushälter mir nach, und die unzufriedenen Thränen traten mir in die Augen. Warum wollte er mir sagen, daß das Essen bereit stehe oder verdorben sei, oder was sonst? Was lag mir daran, solange Martin nicht da war? „Wenn Sie es mir erlauben wollen, gnädige Frau," sagte er leise, wie zu einer Kranken, „so will ich in das Comptoir gehen und den Herrn bitten, sich zu beeilen." Ich blickte ihn an und nickte lächelnd, aber ich traute mir nicht zu sprechen. Ich war Morris für den Vorschlag dankbar, obgleich ich fühlte, es könnte Martin vielleicht nicht recht sein, dort aufgesucht zu werden — wenn alles gut war. Ich sah dem alten Morris nach, als er sich durch die breite Allee des Parkes entfernte; dann wartete ich wieder mit einiger Erleichterung. Die gütige alte Kinderfrau kam mehrmals und suchte mich zur Rückkehr in das Haus zu bewegen, aber ich wollte davon nichts hören. Meine Dienstmädchen brachten mir ein Tnch und ein Fußkissen und ich sah ihnen an, daß sie sich über mein Aussehen entsetzten. Endlich kehrte Morris zurück; ich erinnere mich, daß die Hofuhr eilf schlug, als die Gärtnersfrau ihm das Parkthor schon, ehe er es erreichte, öffnete. „Nun?" rief ich ihm entgegen und blickte mit starren bangen Augen in die seinen. „Was ist's?" Und ich hob meine gefalteten Hände. „Herr Drummond war nicht in seinem Comptoir, gnädige Frau, ich fand es verschlossen; aber ich ging in die Wohnung zweier Comp- toiristen. Sie sagten, der Herr müsse schlimme Nachrichten erhalten haben, denn er sei mit dem Schnellzuge nach London gefahren; es blieb ihm keine Zeit zum Schreiben und er verbot, die erschreckende Nachricht hie- her zu schicken. Sie sagten, dem Bankhause Graham u. C. sei ein Unglück zugestoßen, gnädige Frau, und der Herr wolle Herrn Graham in London sprechen; .aber ich konnte nichts Bestimmtes erfahren. Der Hauptbuchhalter fuhr mit dem Herrn und sagte den Comptoiristen, er könne ihn nicht allein reisen lassen, weil er so leidend aussah." Das waren die letzten Worte welche ich hörte. Ich weiß, daß noch viele Worte der Theilnahme und Er- muthigung gesprochen wurden, aber ich hörte keines derselben. Daß Martin plötzlich wegen Geschäftsangelegeuheiten nach London reiste, war nichts Wichtiges; daß uns ein großer Verlust drohte, war ebenfalls nichts Wichtiges; aber die Worte: „weil er so leidend aussah", hatten das Schlagen meines Herzens gehemmt. Martin leidend und ich nicht bei ihm! Martin krank in weiter Ferne von mir! Martin hatte Kummer und verbarg diesen Kummer vor mir, um mein Glück nicht zu stören! Eine plötzliche starre Kälte kam in meine Glieder. Einige Augenblicke kämpfte ich gegen eine Ohnmacht, dann sank ich in die Bewußtlosigkeit, welche viele Wochen dauerte. Sogar jetzt noch zittert meine Feder beim Schreiben von jener Zeit und von dem Leide, welches sie gebracht hatte. In der Angst und Trübsal jener ersten Nacht wurde mein Söhnchen geboren, und während das,Kind an Lebensschwäche hinsiechte, lag die Mutter bewußtlos von diesem und allem anderen Leid; ich empfand nur einen großen schmerzenden Mangel und einen großen überwältigenden Durst. Als des Kindes schwacher, keuchender Athem still stand und sein Gesichtchen zum erstenmale ruhig und schmerzlos dalag, trug man den kleinen Martin an die Seite seines Vaters in das soeben erst geschlossene Grabgewölbe. Monatelang dachten meine Pfleger, es müsse zum drittenmale geöffnet werden. Die beiden kleinen Mädchen wurden schon als Waisen angesehen und von gütigen, mitleidigen Freunden liebevoll aufgenommen. Alex wollte nicht weggehen. Damals wußte ich nicht, daß der Knabe fast immer bei mir war. Er betrauerte den Tod seines Vaters so sehr, wie Kinder selten trauern; aber er dachte stets an des Vaters letzte Worte und erfüllte die ihm ahnungslos ertheilte Aufgabe so brav und zärtlich, wie er konnte. Endlich im Frühlingsanfang brachte Alex meine Töchterchen zu mir zurück und führte sie und mich mit leisen Schritten und thränen- trüben Augen zu der neuen Grabstätte neben der Kirche, in welcher Martin und ich getraut worden waren. In der Kirche sah ich über Martins Sitz eine marmorne Gedenktafel, errichtet von einem Nachbar, welcher gleich vielen anderen guten Grund zur Dankbarkeit und Liebe hatte. Ich konnte die Buchstaben durch meine Thränen nicht lesen, deshalb verbarg ich mein Gesicht und ließ ihnen freien Lauf. Dann versuchte ich es wieder. Zwei Zeilen standen unter dem Namen, und endlich las ich die Worte: „Besser ist mir das Gesetz Deines Mundes, als tausend Stück Goldes und Silbers." Ps. 118, 72. Ich glaubte die traute Stimme zu hören, welche so wahrhaft und ernst diese Worte aussprechen könnte. Ich dachte, wie er in Wahrheit den Verlust der „viel tausend Stück Gold und Silber" edel ertragen und Gottes Gesetz rein und mit Geduld gehalten haben würde, wenn Gott es nicht anders beschlossen gehabt hätte. Außer diesem Bibelspruch konnte ich keine anderen Worte mehr lesen. Ich wußte, daß das Datum des Todestages darunter stand — das Datum unseres Hochzeitstages. An jenem Abende war mein Gatte in einem Londoner Hotel plötzlich am Gehirnschlag gestorben; niemand war bei ihm gewesen, außer dem ruinirten Banquier, welcher ihm die erschütternde Mittheilung gemacht hatte und nach Afrika entflohen war. Als ich den geliebten Namen zu lesen versuchte, während meine Kleinen in der wiederhabenden Kirche laut schluchzten, verlor ich wieder das Bewußtsein. Die gutherzige Kinderfrau nahm mich in ihre Arme und trug mich wie ein Kind nach Hause, wohin ich zum letztenmale zurückkehrte. Ich verließ das Haus nicht wieder, bis ich für immer wegzog. Jetzt hielt ich mich für stark und hatte den ernsten Willen, das vor mir liegende Leben der Armuth zu beginnen. Ich will möglichst wenig von den folgenden drei Jahren sagen. Es war ein langer harter Kampf um die nothwendigsten Lebensbedürfnisse. Wir arbeiteten gemeinschaftlich, die Kinderfrau und ich — jetzt nicht mehr Herrin und Dienerin, obwohl sie sich noch immer so zu mir verhielt, sondern Genossinnen in jeder Weise. Unsere Nadeln wurden von früh bis spät gebraucht, wenn wir Näharbeit hatten. Die treue Hanne stand sehr früh auf und besorgte alle Hausarbeit, ehe sie mich und die Kinder weckte. Ich bat sie, daß ich ihr auch dabei helfen dürfe, aber sie antwortete: „Fast die halbe Nacht liegen Sie schlaflos, und Ihre müden Finger sind heiß und unruhig; deshalb müssen Sie den Schlaf in den Morgenstunden genießen. Wenn Sie, wie ich, abends gleich einschlafen könnten, so wäre es etwas anderes. Aber Sie dürfen sich nicht krank machen, was sollte sonst aus ; uns werden? Ihre kleinen Finger sind die schnellsten und geschicktesten und arbeiten sich ohnehin müde. Also reden Sie nicht mehr davon." Da ich sah, daß sie ihren Willen in dieser Beziehung behauptete, blieb ich mit noch größerem Fleiße bei den Arbeiten, welche ich besser verstand als sie. Während ich an der Näherei saß, unterrichtete ich meine kleinen Mädchen. Alex machte seine Schularbeiten gewöhnlich allein in seiner Schlafkammer und bat mich nur manchmal um eine Erklärung. Er fürchtete immer, mir eine Mühe zu machen, wenn er sie mir möglicherweise ersparen konnte. Manchmal dachte ich, es wäre besser gewesen, wenn wir in Edinburg geblieben wären, wo ich als wissenschaftliche Lehrerin Geld hätte verdienen können, wie es ein Jahr vor meiner Verheirathung so leicht und angenehm geschehen war. Jedoch dieser Gedanke verschwand immer schnell und kam nur, wenn ich mich sehr ermüdet fühlte. Ich wußte, daß ich es nicht ertragen hätte, in den Häusern von Martins Freunden zu unterrichten. Dagegen hatte ich hier zwar schwerere Arbeit, aber niemand kannte uns, niemand konnte uns bemitleiden oder verachten oder herablassend beschützen (das letztere erschien mir ebenso fürchterlich, obgleich es unrecht von mir war); hier, in Londons Volksmenge, hatten unsere schottischen Freunde uns aus den Augen verloren. (Schluß folgt.) -—- Der Traum. Von Adolph Müller. (Fortsetzung.) Wir sind fast überrascht über diese blumenreiche, poetische Sprache eines Philosophen. Aber das sind die Worte der nämlichen Seelenkraft, die im Traume auch ihre höchste Gewalt entfaltet, es sind die Worte des Vorstellungsvermögens, der Phantasie. Diese Seelenkraft nehmen wir in uns schon im Wachen wahr. Wie trägt sie den von der Heimath Fernen mit Windeseile zu Vater und Mutter,. welche Luftgespinnste zaubert sie uns vor bei Verrichtungen, welche wenig Denken erfordern, auf einsamen Wegen, in stillen Stunden. Aber aus diesen wachen Träumen schreckt uns immer wieder die unerbittlich auftretende Vernunft, selbst Dichter und Künstler müssen die Gebilde ihrer leichtbeschwingten Phantasie den Gesetzen des Verstandes unterwerfen und den Edelfalken zähmen durch scharfe Zucht. Aber im Schlafe wird die Phantasie zur freien, alles besiegenden und beherrschenden Göttin, Denkkraft, Vernunft, Willen, die Empfindung durch die äußeren Sinne, mit einem Worte, das „Jchbewußtseiu" verfällt. Der Schlafende kommt sich vor, als sehe er sich wie auf einer Schaubühne thätig, er kann sagen: das bin ich, und doch widerspricht diesem Urtheile seine ganze innere Stimmung. Im Traume sind mir willenlos und müssen die verschiedentlichsten Wandlungen durchmachen, daher wir stets besser sagen: es hat mir geträumt, statt: ich habe geträumt. All' unsere geistige Stärke verschmilzt gleichsam mit der allein regsamen Phantasie; ihr dienen die Nervenreize und Gemüthsstimmungen; Gedächtniß und Zukunftsbeurtheilung lassen sich von ihr Gesetze geben. Das erhebt sie zu einer eminenten Kraft, und sie ist es nun, welche über alle Bilder der Traumwelt ihren Lebenshauch ausgießt und zauberisch das als lebendige Gestalt erblicken läßt, was in Wirklichkeit nur als flüchtiger Bilderschatten an uns vorbeizieht. Die Phantasie, dieser im Leibesinncrn während des Schlafes wache Künstler 135 und versteckte Poet, ist im Traume schon aus sich selbst leicht im Stande, ein Gebilde uns vorzumalen. Mehrentheils aber empfängt die Phantasie vom bestimmten, auf sie einwirkenden Einflüssen ihren Stoff, den sie dann, wie der Künstler den rohen Marmor, nach ihrer Art umbildet und verarbeitet. Die Phantasie symbolisirt vor Allem im Traume, d. h. sie zeigt alles in Bildern, Gestalten, Handlungen. Sie verfährt so auch vielfach im wachen Zustande. Wenn wir das Wort „Baum" aussprechen, da tritt vor unser Geistesauge sogleich das Bild eines Baumes, entweder eines frei erdachten oder eines uns schon bekannten, vor dem Hause, im Garten u. s. w. stehenden Baumes. Sagen wir aber z. B. „ich habe Angst", so stellen wir uns dabei nichts weiter vor. Das Tagesdenken kann Begriffe bilden, die Nachtphantasie kann nur in der Bildersprache zu uns reden, d. h. der Traum symbolisirt. Aus denTraum- symbolen läßt sich daher im Allgemeinen ein Rückschluß machen aufdas „Woher" der Träume. In ein festes, geordnetes Gefüge, in eine auch noch so vervielfältigte Schablone können die Träume nicht gebracht werden. DieFac- toren der Traumbildung sind zu mannichfache. Vor Allem wäre auf das Geschlecht Rücksicht zu nehmen. Das weibliche Geschlecht hat vermöge seiner größeren Reizbarkeit und seiner rascher verlaufenden Einbildungskraft öfter Träume als das männliche. Frauen verstehen es darum auch besser, etwaigeTraumbildcr durch die eigene Phantasie zu ergänzen, weßhalb ihre Traum-Erzählungen mit Vorsicht zu hören sind. Aber außerdem haben auch Alter, Beruf, Religionsbekenntniß, Nationalität einen großen Einfluß auf die Traumgestaltung. Es sei aber doch versucht, wenigstens im großen Ganzen die Entstehung der Träume zu erklären. Die Phantasie kann zum Träumen angeregt werden durch Vorgänge innerhalb unser selbst. Wir haben uns beim oder vor dem Einschlafen mit irgend einem Gegenstände beschäftigt, der in uns eine Denkbewegung verursachte. Diese wirkt noch fort im Schlafe, ist aber gleichsam um- woben von den Gespinnsten der schöpferischen Phantasie. Wir halten lange Reden, die Worte entströmen wie ein Gießbach dem Munde; wir schwätzen ganz unsinnige Dinge, freuen uns aber doch über unsere Redegewandtheit. Die meiste Anregung und den ihr passendsten Stoff empfängt jedoch die Traum-Phantasie durch die verschiedenen Nervenreize. In diesen Träumen zeigt sich auch die Macht des Traumes, in das verborgene Innere des Körpers, z. B. in den Magen, hineinzuschauen und seine Entdeckungen dann durch Sinnbilder zu offenbaren. Wir athmen z. B. "im Schlafe und die Lungenflügel heben sich langsam auf und nieder. Das zeigt nun die Traum-Phantasie dadurch an, daß sie uns fliegen läßt über Thal und Hügel, daß sie uns auf schnellen Rossen dahinträgt. Das Fliegen ist äußerliches Symbol für das langsamere oder kürzere Auf- und Niedergehen der Lungenflügel. Der Mund ist im Schlafe trocken geworden und es entstehet in uns der Durstreiz. Die Traum-Phantasie wird alsbald durststillende Getränke vor uns herzaubern, fast nie Wasser, meistens feurigen Wein, den wir im lustigen Gelage trinken, oder schäumendes Bier im kühlen Schatten. „Es legt sich," sagt Scherner, „die Seele gleichsam wohlig in die ganze innere Plastik des Leibes, und die Phantasie spiegelt dann in ihren Symbolen das wieder, was die Seele als Abnormität, Unregelmäßigkeit dort bemerkt." Vielfach sind die Sinnesträume. Schon Eingangs war erwähnt, daß die äußeren Sinne kurze Zeit nach dem Einschlafen schon wieder empfindlich werden für die Außenwelt und ihre Eindrücke dem Gehirne mittheilen. Hier aber ruht noch die Vernunftthätigkeit, die Phantasie jedoch versteht es, die Sinneswahrnehmungen in ihren Dienst zu bringen. Merkwürdige Träume weiß sie insbesondere aus den vom Ohre herrührendenEmpfin- dungen zu gestalten. Das Regengeplätscher an unsern Fensterläden vermag die Phantasie in uns zur Vorstellung einer großenlleber- schwemmung zu machen; die Morgenglocke kann in uns das Bild einer großen Pro- cession malen, welche unter mächtig erschallendem Geläute an dem Hause vorbeizieht. Ebenso eigenthümlich ist die Symbolik bei Träumen, die durch Haut- gefühls-Empfindungen erregt wurden. Jemand hatte zum Beispiel während des Traumes einen Strohhalm zwischen den Zehen des Fußes; hiedurch empfand der Fuß einen widrigen Kitzel. Das alles symbolisirte nun der Traum folgendermaßen: der Halm ward zum spitzen Pfahle, der widrige Kitzel wurde in wilden Räubern zur Darstellung gebracht, welche auf den Schlafenden zusprangen. Das ganz natürliche Hautgefühl, das der Strohhalm verursachte, begründete folgenden Traum: dem Schlafenden träumt, er sei von Räubern überfallen worden (widriger Kitzel), welche ihn auf den Rücken legen (Lage im Schlafe) und ihm zwischen die Zehen einen Pfahl schlagen (Halm). Es ist selbstverständlich, daß auch die Stimmungen, mit denen wir einschlafen, und sie Affecte, die sich mit uns zur Ruhe legen, stark die Phantasie im Träumen beeinflussen. Eine heitere Gemüthsstimmung kann die Ursache werden zu den lieblichsten Bildern: General Hans Herzog. 136 wir »windeln dann durch blühende Gärten, überall sehen wir festlich gekleidete Menschen, sanfte Musik ertönet. Solche Träume trifft der Seelsorger am Krankenbette frommer oder mit ihrem Gott ausgesöhnter Menschen, die das Sterben als eine freundliche Einladung in die oberen Hütten mit Sehnsucht erwarten. Eine trübe Nachricht oder üble Laune verwebt die Symbolik des Traumes zu einem Leichenzuge, zu schwarzem Gewölke; schlafen mir mit einem Zorne oder Grolle ein, namentlich mußte er unterdrückt werden, dann befinden wir uns mit Dolch und Gewehr bewaffnet im Traume den Urhebern unseres Grolles gegenüber. Die auffallendsten Träume sind die sog. Ahnungsträume, d. h. jene Träume, in denen der Mensch entweder krankhafte Zustände seines Leibes vorauserkennt oder Ereignisse sieht, die an geliebten Personen sich in der Ferne vollziehen, oder es schaut die Seele zukünftige Dinge in Bildern. Solche Träume begegnen zwar gerne einem skeptischen Lächeln, sind aber doch zu häufig im Menschenleben schon dagewesen, als daß sie einfach sich wegläugnen lassen. Wohl jeder kann darüber aus eigener Erfahrung reden. Erst jüngst erzählte mir ein junger Herr, ihm habe kurz vor Ausbruch einer schweren Krankheit geträumt, sein Bruder gehe mit einem Messer auf ihn zu, um ihn zu erstechen. Der Traum hat dadurch den kranken Zustand symbolisirt, den die Seele im Innern des Leibes schon wochenlang wahrnahm. Dieser Fall führt uns gleich zur Besprechung des sogen. Heiltraumes. Im ganzen Alterthum gab es gewisse Tempel, wo Kranke eine Nacht schliefen, um sich von der Gottheit im Traume das Heilmittel für ihre Krankheit sagen zu lassen. Die alten Aerzte hielten viel auf die Träume, und Hippokrates rathet in einer Schrift den Aerzten an, ihre Kranken nicht bloß nach dem Allgemeinbefinden, nach dem Pulsschlag, nach dem Appetit, sondern auch nach ihren Träumen zu fragen. Da man wahrgenommen hatte, daß gewisse Kräuter, Dämpfe u. s. w. auf die Traumgestaltung besonders einwirkten, so stellten die Priester geradezu eine Traum-Apotheke her, eine Aufzeichnung von pflanzlichen Stoffen, welche bei bestimmten Krankheiten vor dem Schlafe einzunehmen waren. Auch schrieb man die im Traume gemachten Heilerfahrungen auf. Dies ist vielleicht der Anfang der späteren Traum-Bücher. Den Heilschlaf kannte auch der mittelalterliche, mit Unrecht als Quacksalber verschrieene Bombastus Paracelsus. Im vorigen Jahrhundert erlebte er durch Mesmer in Paris eine neue Auflage, und gegenwärtig ist der Somnambulismus, der künstliche Schlaf und künstliche Traum zu Heilzwecken, ein Gegenstand des Studiums sehr ernster und wissenschaftlicher Männer. Ihren Höhepunkt erreichen aber die Träume in der schon erwähnten Traumahnung. Ehe wir ihre Erklärung versuchen, 'will ich, von den vielen in Büchern und Zeitschriften erzählten Traum-Erscheinungen absehend, nur solche Beispiele anführen, welche ich gelegentlich bei der Lectüre aus eigener Kenntniß in Erfahrung brachte. Der bekannte Jugendschriftsteller Christoph Schund erzählt in seinen „Erinnerungen aus meinem Leben" Folgendes: „Um das Fest der heil. drei Könige 1734 träumte mir (Schund befand sich zu dieser Zeit auf dem Gymnasium zu Dillingen), ich wandle durch eine der düstersten Straßen meiner Vaterstadt Dinkelsbühl. Einer meiner liebsten Jugendfreunde begegnete mir im Traume und sprach zu mir: „Dein Vater ist sehr krank." Ich erwachte und war sehr betrübt. — Ich schlief wieder ein. Da sah ich im Traume zwei Geistliche, die mir als unsere Hausfreunde wohl bekannt waren, in schwarzen Mänteln, die sie bei gewöhnlichen Besuchen nicht trugen, in unser Haus hineingehen. Ich erwachte wieder — noch bekümmerter. — Ich schlief nochmal ein. Da sah ich im Traume eine Todtenbahre aus dem Hause hinaustragen. Geistliche und angesehene Herren begleiteten sie, eine Menge Volkes erfüllte die Straße. Trauergesänge und Posaunen erschollen. Ich erwachte noch betrübter und blieb es den ganzen Tag. Nach ein paar Tagen kam einer meiner Mitstudirenden und sagte: „Der Herr Professor läßt Sie rufen." — „Nun," rief ich, „ist es gewiß, mein Vater ist gestorben." Der Professor fragte: „Haben Sie schon lange keinen Brief mehr von Hause erhalten? Der Herr Pfarrer von Thannhausen i. 3k. hat mir geschrieben, Ihr Vater sei sehr krank geworden." — Ich sprach: „Sagen Sie es nur gerade heraus — mein Vater ist gestorben." Nach einigem Zögern sprach er endlich: „Er ist gestorben." — Ich brach in Thränen aus, er aber tröstete mich sehr liebreich." — Ein ganz ähnlicher Traumfall ereignete sich Mitte unseres Jahrhunderts im Clerikal-Seminar zu Eichstätt unter dem Regens Dr. Ernst. Herrn St. in Augsburg träumte es einst, er habe von dem berühmten Arzte Dr. N. in München einen Geldbrief erhalten. Andern Morgens wird ihm wirklich von seiner Hausfrau ein solcher von jenem Arzte überbrückst. Besonders der Traum Christoph Schmid's ist eine wirkliche, äußerlich - nicht beeinflußte Traumahnung. Wie können solche entstehen? Die Ahnungen im Traume beruhen auf der Fähigkeit des Geistes, sich in Raum und Zeit auszuspannen und auszustrahlen. Jeder Liebestrahl aus dem Mutterherzen folgt unzerrisfen dem Sohne in ferne Welttheile, in Schlachten und auf Reisen, und der lebendige Einstrahl des Muttergemüths in das des fernen Sohnes thut sich mitten durch alle Tagesanstrengung und Geschäfte im Gemüthe des Sohnes selber kund, indem er in ihm Sehnsucht, wehmüthige Erinnerung, Vorwürfe oft ganz plötzlich erweckt. Wenn aber schon im wachen Zustande die Bewegungen des Gemüthes solche Macht, haben, dann ist das im Schlafe noch eher der Fall, wo alle Kräfte der Seele und Empfindungen der Sinne nicht nach außen zerstreut, sondern nach innen concentrirt und verdichtet sind. In den Ahnungsträumen spannt und weitet und dehnt sich das Gemüth nach dem geliebten Objecte: nach dem Kinde, der Mutter, aus und wird zugleich angezogen von dem geliebten Objecte selbst. Das Hinstreben auf der einen, das Angezogenwerden von der andern Seite erzeugt nun einen die Seelen verbindenden Gemüthsstrom. Wird dieser Strom von Seiten des anziehenden Objectes durch gewaltige Veränderung dieses selbst irritirt, aufgeregt, so können im verbundenen Gemüthe symbolische Traume bilder den Grund der Jrritirung, der Erschütterung des Lebensstromes anzeigen. In dem Traume Christoph Schmid's wurde der zwischen Vater und Kind hin- und herschwingende Gemüthsstrom durch die Krankheit und den Tod des Vaters, als des anziehenden Objectes, irritirt und dies durch die Aussage des Jugendfreundes: „Dein Vater ist krank," durch die beiden Geistlichen in schwarzen Mänteln, durch die Todtenbahre vom Traume symbolisch dargestellt. (Schluß folgt.) — 138 — Die Exhumirung Napoleons I. auf St. Helena. (Hiczu das Bild Seite 139.) Die Vergeltung in der Geschichte oder sagen wir besser die Versöhnung geschichtlicher Kontraste bleibt im Schicksale großer Persönlichkeiten nicht lange aus: Na- Dampfer „Northumberland" nach dem unwirthlichen St. Helena zu strenger, nicht gerade immer anständiger Gefangenschaft. Das ist die Aversseiie des Schicksals eines Napoleon. Und die Reversseite s Im Jahre 1840 holte dasselbe „königliche" Frankreich die Leiche des anno 1821 gestorbenen geächteten Kaisers aus dem armseligen Grabe Im Garten Gethsemane. "SE MW Mir, WWW MM WWD Am Ufer des Jordan. Poleon I. wich dem Ansturm der Alliirten, die den Frieden Europas auf ihre Fahnen geschrieben, er wollte dem wieder „königlich" gewordenen Frankreich den Rücken kehren und fliehen, auf seinen Kopf setzte der neue Bourbon einen hohenAPreis, da nahm ihn das angerufene groß- I wüthige England in sichere Hut und führte ihn auf dem j und geleitete sie mit unermeßlichem Pompe wie die Hülle eines Nationalheros in den hohen Dom der Invaliden zu Paris, in eine wahrhaft kaiserliche Gruft. Und englische Kanonen donnerten Beifall von den schwarzen Felsen St. Helenas. So wie unser Bild es zeigt, sahen um Mittag des 139 15. Oktober 1840 die französischen und englischen Offi- fiziere und Kommissare, die mit hierher gekommenen einstigen Getreuen des verbannten Kaisers, welche bis zum Tode ihres vergötterten Herrn alle Bitterkeiten des Lebens auf der Insel getheilt, das wohlcrhaltene Antlitz dessen wieder, vor dem einst der Erdkreis gezittert und der gleich Attila und gleich Alexander dem Großen eine Schicksalsmission erfüllt hatte, die ihn und sein Gedächtniß theils der glühendsten Begeisterung, theils dem Haß und gerechten Tadel anheimgab. Man hatte, als Napoleon gestorben, nicht die zu einer regelrechten Ein- balsamirung nöthigen Mittel zur Hand gehabt. Es ist viel zu wenig bekannt, wie schauerlich damals die Lebensverhältnisse auf dem unwirthlichen Eiland waren, wo Napoleon seine Tage beschloß, viel zu wenig auch kennt und verachtet man die ausgesucht kleinliche Art, mit der Hudson Löwe, der ungebildete englische Gouverneur, sein „Opfer" behandelte, entgegen der nobleren Bestimmung der Alliirten. Napoleon wollte nach den Ufern der Seine überführt werden: daß dies nicht gleich geschehen konnte, machen die politischen Verhältnisse Frankreichs begreiflich. Aber daß man es seinen Leidensgefährten verbot, sein Herz mit nach Europa zu nehmen und es seiner Wittwe zu bringen, das war schnöde und herzlos, weil gehässig und widernatürlich. - Um dreiviertel auf ein Uhr Mittags am 15. Oktober 1840 schritt man unter feierlicher Sprnnung aller Anwesenden zur Oeffnung des nächtlich erhobenen, in einem Holzsarg ruhenden bleiernen Sarges. In demselben fand man einen dritten Sarg von Acajouholz, vollkommen erhalten. Als auch dieser ausgeschraubt war, erblickte man einen Sarg von Weißblech. Es war der letzte. Man hob den Deckel: eine formlose Masse bot sich den Augen dar, nur die Stiefel ragten hervor und aus ihnen, da die Nähte gesprungen, die völlig erhaltenen Zehen. Jene Masse war die Seiden- watte, womit der Deckel ausgeschlagen gewesen, und die auf den Leichnam gesunken war. Doctor Guillard rollte sie langsam auf — und „da lag der große Mann, vollkommen unverwest, auf den ersten Blick erkenntlich". So lautet kurz der Bericht. Napoleon trug die Oberstennniform der Gardejägcr. Der Körper war ganz so gestreckt, wie man ihn vor neunzehn Jahren in den Sarg gelegt. Das etwas erhobene Haupt ruhte auf einem Kissen; die Kopfhaut war hart und fest; die Augäpfel hatten wenig von ihrem Umfang verloren und an den geschlossenen Augenlidern sah man noch die Wimpern. Nur die Nasenflügel hatten, jedoch unmerklich, gelitten. Die Wangen fühtlcn sich weich und geschmeidig an und zeigten eine weiße Farbe. Das Kinn war etwas bläulich, da der Napoleon I. im Sarge. Bart um etwa eine halbe Linie gewachsen. Das Kinn hatte aber die dem Antlitze des Kaisers so eigenthümliche Bildung gewahrt. Die Hände waren biegsam, ohne jede Veränderung, genau wie im Leben. Auch die vom Gewände bedeckten Gliedmaßen schienen im Ganzen ihre Form behalten zu haben. Doctor Guillard drückte den rechten Arm und fand ihn fest, wenig an Umfang geschwunden. Brust und Bauch waren eingesunken. Die Uniform hatte wenig von der Frische der grünen und rothen Farben verloren, die goldeneKrone des Offiziers-Kreuzes der Ehrenlegion hatte ihren vollen Glanz bewahrt. Ueber dem Schenkel lag der so bekannte Hut Napoleons. Die silbernen Vasen mit dem Herzen und den Eingeweiden, welche zwischen beiden Füßen niedergestellt waren, konnten nicht genauer untersucht werden, da sie zu fest mit den angrenzenden Theilen des Körpers zusammenhingen. So waren die sterblichen Ueberreste des großen Todten beschaffen, über alle Erwartung erhalten, allem Anscheine nach mumien- ähnlich ausgetrocknet. Die Festigkeit des Mauerwerks der Gruft und der luftdichte Verschluß der Särge hatten die Verwesung verhindert. Nach einigen Minuten ward der Sarg wieder verschlossen, und tief ergriffen von dem geschauten Bilde geleiteten die Zeugen dieses Schauspiels den Cäsar des neunzehnten Jahrhunderts zum Schiffe des französischen Vaterlandes. „Ich wünsche, daß meine Asche an den Ufern der Seine begraben werde, inmitten des französischen Volkes, das ich so innig geliebt habe!" Nun ging dieses Testament des sterbenden Napoleon in Erfüllung. Der ritterliche Sohn des Franzosenkönigs selber, Prinz Joinville, hatte den großen Kaiser zurückgeholt in die Mitte seines Volkes, und, es ist Thatsache, ganz Europa, das einst Napoleon I. gehaßt, jubelte freudig Beifall dieser That versöhnender Menschlichkeit! Trefflich schilderte der große Historiker Jgnaz von Döllinger einst die Gestalt Napoleons, den er selbst als Gymnasiast gesehen. „In Würz- burg gehörte ich zu den neugierigen Jungen, die Napoleon auf Schritt und Tritt verfolgten, als er die äußeren Befestigungen besichtigte, und noch sehe ich ihn in seinem grünen Rocke, den dreieckigen Hut auf dem Kopfe, sein scharf geschnittenes, dunkelfarbiges Gesicht, er erschien mir — wie ein Mann aus Bronze." Dr. Gustav A. Müller. Goldkörner. Du braucbst nur mit den Wällen zu geh'n, Das Heulen wirst du von selbst versteh'n. —... K. 140 Das Glück. „Im Glück nicht stolz sein Und im Leid nicht klagen." Das Glück des Menschen, was ist es eigentlich? Dem einen ist es Hof und Haus, dem andern Geld und Gut, dem dritten Schönheit; dieser erblickt es in Ruhm und Ehren,jener in stiller, menschenferner Einsamkeit, ein weiterer in Glanz, Kleiderpracht und üppigem Leben, und diesem ist die Gattin, jenem die Mutter oder Kind, Bruder, Schwester der Inbegriff seines Glückes. Und ist eins von all dem Genannten das wahrhaftige Glück? Das irdische Glück — ja! Irdisch — vergänglich; Haus und Hof kann Feuer oder Wasserfluth über Nacht zerstören, Geld und Gut diebische Hand rauben, Schönheit eine tückische Krankheit für immer vernichten, Ruhm und Ehre zerstiebt, und andere tauchen auf, die noch berühmter, noch mehr geehrt werden wie wir. Die Einsamkeit stimmt traurig und weckt Sehnsucht nach Welt, Leben und Menschen; üppiges Nichtsthun macht den Körper siech, den Geist schwach und stumpf, und alle, alle, die wir lieben, kann in einer kurzen Stunde der Tod uns grausam entreißen. Ist das Glück? Nein, denn das wahrhaftige Glück ist ewig, unvergänglich. Der Friede mit sich selbst, das Bewußtsein, Gutes gewollt, gethan zu haben, der Glaube an ein höheres Himmelswalten, an ein Wesen, das gerecht und barmherzig uns alle regiert, der Glaube an Gott und seine Gesetze, die Ueberzeugung, daß nach dem Erdendasein das ewige Leben folgt — das ist das Glück. Die Thränen Armer zu trocknen, Kranke und Unglückliche zu trösten, das Wohlergehen derer, die das Schicksal in unsere Nähe gestellt hat, höher zu halten, als unser eigenes, für andere nur zu schaffen, nur zu leben und zu streben, das ist wahrhaftiges Himmelsglück, das nie vergeht. Denn ewig wird es Nothleidende und Gramerfüllte geben, die wir mit Wort und That emporrichten können; immer werden wir einen Wirkungskreis finden, dem wir selbstlos unsere Kräfte weihen können; oft und oft wird die Versuchung an uns herantreten, um uns die Sünde ins Herz zu pflanzen und den Glauben an Gott und seine Güte zu rauben. Da heißt es stark sein, muthig und tapfer kämpfen, die Sünde und das Laster verachten, und der Geist der Finsterniß wird uns verlassen. Das Herz aber fühlt süßen Frieden, und das Herz, das sich nicht an irdische Güter hängt und Höherem, Besserem lebt, ist wahrhaft glücklich. -->sv-v-cs—-- Zu unseren Bildern. General Hans Herzog. Die Schweiz beklagt den Verlust des am 27. Januar in seiner Vaterstadt Aarau verstorbenen, hochverdienten und allgemein beliebten Generals Hans Herzog. Im Jahr 1840 war derselbe zum Lieutenant der Artillerie ernannt worden. Nach einigen Jahren Dienst bei seiner Waffe rückte er 1844 zum Oberlieutenant, 1846 zum Hauptmann, 1850 zum Major im Artilleriestab und 1855 zum Oberstlieutenant vor. Als er im Jahre 1860 vom Bundesrathe zum Obersten ernannt wurde, ward mit dieser Ernennung gleichzeitig auch die Wahl als Inspektor der Artillerie verbunden, und noch im gleichen Jahre wurde Oberst Herzog in ehrenvoller Mission nach England entsendet. In dieser Eigenschaft als Inspektor der Artillerie verblieb er bis zum Inkrafttreten der neuen Militärorganisation von 1874, wo Herzog vom Bundesrathe neuerdings als Waffen- chef an die Spitze der Artillerie gestellt wurde, eine Stellung, in der er bis zu seinem Tode verblieb. Als Inspektor und Waffenchef der Artillerie hat er seine Waffe auf eine Höhe gebracht, daß sie den besten Artillerien Europas an die Seite gestellt werden durfte. Welch hohes Vertrauen die Schweizerbehörden in seine Fähigkeiten setzten, beweist seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der schweizerischen Armee bei der Grenz- besetzung im deutsch-französischen Krieg 1870/71, wo General Herzog seiner schwierigen Aufgabe mit großer Umsicht oblag, so daß ihm damals und öfters Auszeichnungen zu theil wurden. General Herzog befand sich auch unter der bundesräthlichen Abordnung, die im letzten Mai das deutsche Kaiserpaar in Luzern begrüßte, bei welchem Anlaß Kaiser Wilhelm sich wiederholt mit ihm unterhielt. Der Kaiser hat denn auch sein herz- licbes Beileid am Verluste des auch in ganz Deutschland hochgeschätzten Schweizer Generals ausgedrückt. Schneewittchen und die 7 Zwerge. Gewiß kennst Du, lieber Leser, das Märchen von Schneewittchen, dem Königstöchterlein, so weiß wie Schnee, so roth wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Das Mägdelein, das die böse Stiefmutter umbringen lassen wollte, hatte sich im Walde verirrt und ist in das Häuschen der 7 Zwerge gerathen. Als diese von ihrer Tagesarbeit heim kamen, da fanden sie Sckneewittchen in dem Bette schlafend. Die Zwerge schrieen vor Bewunderung, holten ihre Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. „Ei Du mein Gottl" riefen sie, „wie ist das Kind so schön!" und hatten so große Freude, daß sie es nicht aufweckten, sondern im Bette fortschlafen ließen. Dildrr aus NalSstina. Gethsemane. — Der Garten von Gethsemane liegt am Fuße des Oelbergs, jenseits des Baches Kidron. Er wird von hohen Mauern umgeben und ist nur klein, aber sein Boden ist reich mit Blumenbeeten geschmückt, denen ein Franziskaner die zärtlichste Pflege angedeihen läßt. Die uralten Olivenbäume, die hier stehen, sollen jene sein, unter deren Laubwerk der Heiland den schwersten Seelenkampf ausgestanden hat. Sie können wohl so alt nicht sein, aber es ist durchaus gestattet, sie für die nächsten Nachfolger derjenigen Bäume zu halten, welche zur Zeit der Kreuzigung Christi hier standen. Die Tradition, welche diese Stätte für den Garten erklärt, in den sich Jesus besonders gern mit seinen Jüngern zurückzog, läßt sich wenigstens bis ins 4. Jahrhundert verfolgen. — AmUferdesJordan. Jordan, („der Herabeilende") ist in jeder Hinsicht einer der interessantesten Flüsse unserer Erde. Seine Quellen liegen am Fuße des Hennon in einer Höhe von 520 Meter über dem Meere. Seine Wassermasse ist nicht unbedeutend, und doch ist der Jordan nirgends schiffbar, sah niemals an seinen Ufern eine Stadt, welche sich in seinen Wellen spiegelt, beschreibt zahllose Windungen, Krümmungen und Wasserfälle und endet, nachdem er einen kleineren und größeren See durchlaufen, im Todten Meere. Der Oberlauf des Jordan bis zum See Merom führt durch wildes Sumpfdickicht von Papyrusstauden, Rohr- und Wasserpflanzen, die festeren Niederungen des Ufers im Westen und Norden dienen den nomadischen Beduinen zu Weidegründen. — -—i-öWi—- Wikder-Wäthser. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 17: Weiß. Schwarz. K. k3-s2 K. ä4-e4 (od. s4) Sp. s8-ä6 K. o4—cl4 K. o2-ä l K. ä4—ä3 T b5-cl5 mat. --