34 . Ireitag, den 23. März 1894 . Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Vorbesttzer vr. Max Huttler). C h a v f Le r t a g. Hier hangest Du, auch meine Sünden Trägt Gottes Sohn am Kreuzesholz, Der Leiden Tiefen zu ergründen Vermagst Du nimmer, Menschenstolz! Die Welt erbebt, in seinen Grüften Ist schauernd selbst der Tod erwacht, Es geht der Schmerz durch Fels und Klüften, Und auf der Erde wird es Nacht. Um Golgatha ist's still geworden. Der grimme Feind schlich scheu davon. „Der ist ein Gott am Kreuze dorten!" Ruft zeugend auch des Heiden Sohn. Dräut nun ein ewiges Verderben, Bleibt immer diese Todesnacht? Mein Heiland neigt das Haupt zum Sterben, Alleluja, er hat's vollbracht! Adolph Müller. Die Tochter des Hauses. Erzählung von C. Borges. (Fortsetzung.) Viertes Capitel. Tage waren vergangen. Barbara hatte weder den jungen Osficier, noch Fräulein Rosen gesehen, denn wenn Gesellschaft im Schlosse war, mußte die Gouvernante im Schulzimmer bleiben. Da pochte es an die Thür. „Ich bin's, darf ich hereinkommen?" fragte leise eine geheimnihvolle Flüsterstimme. „Es ist Onkel Arthur," erklärte Eveline. Die drei Kleinen saßen wie gewöhnlich um Barbara v geschaart, die aus einem Märchenbuche vorlas. Wieder ertönte das Klopfen. „Herein!" rief Barbara. „Habt Ihr hier ein Plätzchen für mich, Kinder?" fragte scherzend der Oberst. „Ja — ja!" ertönte es aus drei hellen Kehlen, und jauchzend sprangen die Kinder auf, den geliebten Onkel in ihre Mitte ziehend. „Fräulein Morden", begann er, als er das Buch in Barbaras Hand sah, „lesen Sie weiter, bitte. Ich höre gern Geschichten und wollte mich hier amüsiren. Unten ist's entsetzlich langweilig. Herr von Garkau sieht kaum von seiner Zeitung auf, und Fräulein Rosen unterrichtet meine gute Cousine über die neueste Mode. Das konnte ich nicht länger ertragen und flüchtete mich hierher zu Ihnen." „Erzähle uns eine Gespenstergeschichte, aber so schrecklich, wie Du sie nur weißt. Fräulein Morden fürchtet sich nicht so, wie früher Fräulein Müller", baten die Kinder. „Wirklich nicht?" scherzte er mit einem bedeutungsvollen Blick auf Barbara. „Dann kann ich ja wohl die schaurigsten erzählen, die ich weiß. — Für diese kleinen Trabanten ist nichts haarsträubend genug, das weiß ich aus Erfahrung." Er setzte sich in einen Sessel, gerade Barbara gegenüber, die beiden Knaben auf seinen Knieen schaukelnd. Er war ein vorzüglicher Erzähler, der es wohl verstand, seine Zuhörer in Spannung zu halten. Die Kinder lauschten athemlos seiner sclbsterdachten Gespenstergeschichte, die er in den grellsten Farben ausmalte. Doch lange konnte die kleine Schaar nicht still sitzen, und Onkel Arthur, der der Anstifter aller erdenklichen Spiele war, freute sich, wenn es recht lustig und toll im Schulzimmer herging. Die Zeit war ihm hier so schnell verflogen, daß er momentan erschrak, als plötzlich die Thür sich öffnete und seine Cousine mit Fräulein Rosen aus der Schwelle erschien. „Nun, hat man je in der Welt einen solchen Lärm gehört!" schalt die Freifrau mit finstern Blicken, doch unwillkürlich flog ein Lächeln über ihr Antlitz, als sie die Situation überschaute. Die Kleinen spielten ein ganz neues Spiel; Onkel Arthurs höchsteigene Erfindung, auf die er nicht wenig stolz war. — Der Tisch war bei Seite geschoben. Onkel Arthur kauerte auf Händen und Füßen darunter; er stellte einen bissigen Hund dar, der am Tischfuß angebunden war. Knurrend und bellend versuchte er die Kinder zu erhäschen, die sich in wilden Sprüngen dem Tische näherten und jedesmal laut aufjauchzten, wenn sie glücklich entwischt waren. Barbara hatte sich entschieden geweigert, an diesem wilden Spiel theilzunehmen, aber sie freute sich über das Vergnügen der Kleinen und lachte herzlich mit. 174 „Fräulein Morden I wie können Sie einen solchen Spektakel hier dulden!" Es lag etwas in dem Tone der Stiefmutter, was Barbara sogleich wieder an ihre untergebene Stellung erinnerte. Sie hatte in diesem Augenblick ganz vergessen, daß sie ja nur die arme Gouvernante war, die nicht in harmloser Weiss mit dem jungen Ossicier lachen und scherzen durfte. Fräulein Rosen, ein zierliches, junges Mädchen mit hellblonden, krausen Haaren und unschuldig blickenden Wasserblauen Augen, stand in sprachlosem Erstaunen wie angewurzelt da. Sie hatte selbst keine kleineren Geschwister und zweifellos seit ihrer Kindheit nicht mehr mit Kindern gespielt, daher konnte sie sich auch in daS Spiel der Kinder nicht hineindenken. Sie hatten so behaglich plaudernd im Salon gesessen, daß es ihr unbegreiflich schien, als der Oberst aufstand und die Gesellschaft der kleinen, unruhigen Kinder vorzog. Sie warf einen langen, prüfenden Blick auf Barbara, die sich errathend erhoben hatte. „Ah! rothes Haart sie kann mir nicht schaden", dachte sie bei sich selbst. Der Oberst war blitzesschnell unter seinem Tisch hervorgekommen, und ehe die Freifrau wußte, wie ihr geschah, drückte er sie mit sanfter Gewalt in einen bequemen Sessel am Ofen, rückte einen anderen für Fräulein Rosen herbei, und auf einen Win? waren Barbara und die Kinder im Halbkreis umher gruppirt. „Na, Du bist wirklich erfindungsreich, Arthur," sagte sie, jetzt schon ein wenig besänftigt, „aber begreifen kann ich es doch nicht, daß Du das Schulzimmer unserem behaglichen Salon vorziehst." „Und die lärmenden Kinder Deiner und Fräulein Rosen's liebenswürdiger Gesellschaft", ergänzte Arthur erheitert. „Ich gestehe, Eveline, es zeugt von meinem unverzeihlich schlechten Geschmack. Aber ich dachte, Ihr hättet heule genug von mir gehabt, und — verzeihet meine Einbildung, es ist eben meine schwache Seite — die Kinder sollen von meinem Hiersein doch auch Profitiren. Sieh' doch nur an, habe ich sie nicht gut amüsirt?" Die Freifrau blickte in die vom Spiel hoch ge- röthcten Wangen und in die freudestrahlenden Augen ihrer Lieblinge, die den stets zum heiteren Spiel bereiten Onkel wie einen verzauberten Prinzen aus dem Märchen- Luche betrachteten. „Ihr Alle verwöhnt mir die Kinder," schalt sie lachend. „Erzähle uns noch eine Gespenstergeschichte." rief Edmund. „Mama, er weiß so viele schaurig schöne Geschichten, die alle wahr sind." „So, wirklich? Weißt Du denn nicht, daß Ge- spenster-Eeschichten nur erdacht sind, Edmund? Aber zuerst wollte ich mit Dir über einen Brief sprechen, Arthur, den ich soeben bekommen habe. Olga und ich kamen gerade deshalb hierher. Da fällt mir ein, Olga, daß ich Dir unsere neue Gouvernante noch nicht vorgestellt habe. Fräulein Morden — Fräulein Rosen!" Die beiden jungen Damen verneigten sich. — Die elegante Haltung, überhaupt das ganze unleugbar hübsche Aeußere Olgas verfehlte nicht den günstigsten Eindruck auf Barbara und dennoch lag etwas in ihrem Wesen, in ihrem Antlitz, was ihr nicht gefiel. — Sie warf einen flüchtigen Seitenblick auf den Oberst, der den Brief seiner Cousine las und dachte bei sich selbst: „Wird er die Wünsche und Hoffnungen erfüllen, die meine Stiefmutter in ihn setzt, und Fräulein Rosen zur Gattin wählen?" „Nun, Eveline, was wünschst Du denn, daß ich thun soll?" fragte er, den Brief zurückreichend. „Du weißt, ich bin kein Spielverderber und komme immer in der Absicht hierher, mich den verschiedensten Situationen anzupassen. Befiehl also über mich; ich, Dein ganz gehorsamer Diener, will jedem Deiner Winke Folge leisten." „Fräulein Morden könnte uns gut helfen, wenn sie wollte," sagte die Freifrau, einen vielsagenden Blick auf Barbara werfend. „Gewiß will ich helfen, — von Herzen gern. Um was handelt es sich, Frau von Garkau?" „Lesen Sie diesen Brief!" Es war eine Bitte von Gräfin Wertfeldt, zur bevorstehenden Verlobungsfeierlichkeit der ältesten Tochter ein altdeutsches Quartett aufzuführen. „Die Gräfin ist mir eng befreundet und ich mag ihr diese Bitte nicht gern absagen, denn es wird von allen Gasten erwartet, daß sie nach Kräften zur Unterhaltung beitragen," erklärte die Freifrau. „Es werden Tableaux gestellt, kleine Lustspiele aufgeführt und viel musicirt. — Zum Glück kommt morgen Graf Udo von Eckernstein; er singt Baß; — Du, Arthur, hast einen vorzüglichen Tenor. Ich finge Sopran, es fehlt uns also nur der Alt. Wollen Sie diese Stimme übernehmen, Fräulein Morden?" „O ja! Von Herzen gern. Ich bin Ihnen sogar aufrichtig dankbar, daß Sie mich auffordern." „Das ist gut und wäre also zur Zufriedenheit abgemacht. Kommen Sie nach dem Abendessen — um neun Uhr — in den Salon, dann können wir ein wenig üben. Olga, ich fürchte, Du wirst zuhören müssen, — es ist doch schade, daß Du nicht musikalisch bist, — hoffentlich wird es Dir nicht allzu langweilig." Fräulein Rosen lächelte und versicherte, daß es ihr Freude mache, zuzuhören, jedoch der mißmuthige Blick strafte ihre Worte Lügen. Als der Oberst am Abend in den Salon trat, fand er seine Cousine bei der Durchsuchung der Noten. „Warum lächelst Du, Arthur?" fragte sie ihn, „hast Du etwas Belustigendes gehört?" „Gerade nichts Besonderes, Eveline. Aber ich will's nur gestehen; — ich lachte über Dich. — Du hast mich verschiedentlich gewarnt, Fräulein Mordens Gesellschaft zu meiden, und jetzt arrangirst Du selbst eine ganz allerliebste Zusammenkunft. Wenn ich mich jetzt in sie verliebe, so trägst Du allein die Schuld, nur oköra oorwinv!" Die Freifrau lächelte gezwungen; es schien ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen zu fallen, daß sie übereilt gehandelt habe. „Ich kann mir nicht denken, daß Dir Fräulein Morden gefährlich werden könnte, so lange Olga hier ist. Vergleiche doch die Beiden miteinander." „Das habe ich ja bereits gethan und dabei die Entdeckung gemacht, daß die gute Olga recht reizbar und herrschsüctig sein kann. Das sind nun eben Eigenschaften, die für einen so demüthigen, geduldigen Mann, wie ich einer bin, höchst gefährlich, zum Mindesten unerträglich werden können." „Rothhaarige Menschen sind häufig hitzig und streitsüchtig!" „Wird von Fräulein Morden gesprochen?" lispelte 175 hämisch Olga Rosen, die soeben das Zimmer betrat und die letzten Worte gehört hatte. „Nothhaarige Menschen sind in der Regel höchst unangenehm und oft hinterlistig." Dann erzählte sie eine Menge kleine Anecdoten, die ihren Ausspruch beweisen sollten. Inzwischen war Barbara in ihrem Zimmer. Sie sang fröhlich eine Opernarie und ließ es ruhig geschehen, daß Eveline ihr an der Toilette behülflich war. „So, nun kannst Du mir mein Armband zumachen; nimm Dich aber in Acht, daß Du das Schlößchen nicht zerbrichst!" Es war ein einfacher, goldener Reif, der in großen Buchstaben ihren Namen eingravirt trug. „Bar—ba—ra," buchstabirte die Kleine, den Reif langsam herumdrehend. „Heißen Sie so, Fräulein Morden?" „Ja, mein Kind, das ist mein Name." „Sonderbar! das ist auch der Name meiner ältesten Schwester; Sie wissen doch, sie ist so weit von hier fort, und ich habe sie noch gar nicht gesehen." „Ja, ich weiß es!" Dann schloß sie das Kind in die Arme und flüsterte ihr leise zu: „Möchtest Du Deine Schwester gern sehen, Eveline?" „O ja, sehr gern. Mama sagt, sie soll im nächsten Jahre zu uns kommen. Ach! ich möchte, sie würde uns dann so lieb haben, wie Sie uns haben, liebes Fräulein Morden." Die Kleine hatte bei diesen letzten Worten ihre Aermchen um den Hals der Gouvernante geschmiegt und küßte sie herzlich. Barbaras Augen füllten sich mit Thränen. „So, das ist genug, Du kleiner Liebling," lächelte sie, sich aus den Armen des Kindes befreiend. „Jetzt ist es Zeit für mich, es hat 9 Uhr geschlagen und Mama wird böse, wenn ich nicht pünktlich bin. Du mußt auch jetzt zu Bette gehen." Die Kleine gehorchte augenblicklich; Barbara trat in den Salon. Die Freifrau, die die letzten neckischen Worte ihres Vetters nicht vergessen hatte, begrüßte sie mit kühler Zurückhaltung. Doch kaum hatte sie einige Lieder mit ihr gesungen, so vergaß sie selbst, daß es ja nur die arme Gouvernante war, und plauderte mit ihr in ihrer ungezwungenen, herzgewinnenden Weise. — Der Schloßherr saß schweigend in seinem Armstuhl; das Buch war längst seinen Händen entfallen; seine Augen hingen unverwandt an den jugendlich frischen Zügen der Gouvernante, zu der er sich unwiderstehlich hingezogen fühlte. Nur Olga Rosen blickte finster drein. Anfänglich hatte sie dem Gesänge geduldig zugehört, jedoch, da sie wenig Verständniß dafür hatte, gähnte sie bald und zog sich schmollend anit einem Buche zurück. Barbara sang, begleitete die Lieder der Freifrau, plauderte, lachte und scherzte so heiter und unbefangen, daß sie selbst ihre Stellung wieder vergaß und auch von Niemanvem daran erinnert wurde. Als der Oberst sich am Abend zur Ruhe legte, spiegelte ihm ein neckischer Traum immer wieder die dunkelbraunen Augensterne vor, die ihn in eine neue Welt, — eine Welt voll Glück und Liebe, versetzten.- Für Olga Rosen war die Bitte der Gräfin Wert- feldt zur unerträglichen Qual geworden. Selbst wenig Sinn für Gesang und Musik, wollte sie wohl geduldig ein einzelnes Lied anhören, aber mehrere Abende hintereinander den verschiedensten Uebungen beiwohnen zu müssen, war doch mehr, als sie ertragen konnte. — Als Graf Udo von Eckernstein erschien, wurde die Sache noch schlimmer. Er war ein leidenschaftlicher Musikfreund, der über einen ganzen Schatz von Balladen, Liedern und Arien zu verfügen hatte. Zwar versuchte Olga, ihn durch feurige Unterhaltung zu fesseln. Sie redete von Politik, von Jagden, Hunden und Pferden, — alles vergeblich! Sobald Barbara kam, griff er zu den Noten, wählte die schönsten Lieder, da seine Stimme mit der ihrigen so gut harmonirte. Nach kaum drei Tagen war der stolze Graf Fräulein Mordens ganz ergebener Sclave. Die Freifrau erzitterte bei dieser Entdeckung. Was würden die hochgeborenen, gräflichen Eltern sagen, wenn der einzige Sohn Udo die schlichte Erzieherin als Gattin heimzuführen gedachte! Es gereichte ihr daher zur großen Beruhigung, daß Barbara ihn in keiner Weise zu seinen Huldigungen er- muthigte und gleichmäßig kühl und zurückhaltend gegen ihn blieb. Aber sie beobachtete ihn scharf. Kein Wort, welches er an die Erzieherin richtete, kein Blick entging ihr, ja, sie verfolgte jede seiner Bewegungen mit gespannter, ungetheilter Aufmerksamkeit, daß sie sogar ihren Vetter Arthur darüber vergaß, dessen Blicke leidenschaftlich und bewundernd an dem jungen Mädchen hingen. Es war ihr eine Erleichterung, als Olga ihr plötzlich erklärte, zurückkehren zu müssen. Die junge Dame fühlte sich zu wenig heimisch in diesem musikalischen Kreise, und es war so schwer gewesen, für ihre Unterhaltung zu sorgen. Endlich war der lang erwartete Festtag herbeigekommen. Barbara stand allein in ihrem Zimmer; die kleine Eveline, die sonst so gern bei der Toilette geholfen hatte, lag in glühender Fieberhitze in ihrem Bettchen. „Eine heftige Erkältung — sie leidet häufig daran —- die bei ihrer schwächlichen Gesundheit oft ungewöhnlich stark auftritt", erklärte die Freifrau und beunruhigte sich durchaus nicht. Auch der sonst so muntere kleine Alex war heute ungewöhnlich still gewesen, klagte über Müdigkeit und schlief bereits fest und ruhig. Barbara vermißte ihr Schwesterchen und konnte sich nicht so leicht über deren Zustand beruhigen. Noch vor wenigen Minuten hatte sie vor dem Bettchen gestanden, doch halb wachend, halb schlafend hatte sich das glühende Köpfchen in den weichen Kissen nmhergcwälzt und dann über Kopf- und Halsschmerz geklagt. „Ich will sofort zurückkehren, wie der Gesang beendet ist, und nicht bis zum Abendessen bleiben," dachte sie, als sie in ihr Zimmer zurückkehrte. Auch die Freifrau betrat das Schlafzimmer. „Sie hat sich erkältet — sie ist dann immer sehr unruhig," dachte sie, dann ging sie zu Alex, der ruhig, zwar mit fieberhaft glühenden Wangen, in seinem Bettchen lag und schlief. Gerade als Barbara ihr Zimmer verlassen wollte, kam Gleichen und brachte einen prachtvollen Zweig frischer, weißer Rosenknospen mit dunkelgrünen Blättern und Orangenblüthen. „Herr Oberst Dornburg schickt diese Blumen mit der Bitte, sie an diesem Festabend Zu tragen. Die gnädige Frau hat ganz dieselben bekommen," berichtete sie. Eine freudige Nöthe färbte Barbara's Wangen. „O, wie schön, wie herrlich, Gleichen. Gewiß, ich will sie gern tragen; woher hat er sie bekommen? Sie sind doch nicht von hier, aus dem Treibhaus?" „O nein! Sie sind soeben mit einem reitenden Boten von der Station gebracht; er hat sie aus der Residenz kommen lassen," versicherte das Mädchen. „Darf ich Ihnen helfen? Die gnädige Frau ist schon fertig, und der Wagen steht schon vor der Thür." Mit geschickten Fingern waren die Blumen bald geordnet und Barbara eilte die Treppe hinunter. In der Halle stand Graf Eckernstein. Seine Augen hingen voll Bewunderung an der lieblichen Gestalt, die flüchtig und leicht wie eine Gazelle an ihm vorbeihuschte, ohne den dargebotenen Arm zu bemerken. — Oberst Dornburg, dem der Blick nicht entgangen war, konnte sich eines spöttischen Lächelns nicht erwehren, doch Barbara kam auf ihn zu und reichte ihm mit leuchtenden Augen die Hand. „O, Oberst Dornburg, wie danke ich Ihnen für die schönen Blumen; ich freute mich, daß Sie meiner gedachten." Es lag so viel bezaubernde Anmuth in diesen wenigen Worten, daß Arthurs Herz höher schlug. „Ich freue mich, daß sie Ihnen gefallen. Meine Cousine ist auch mit den ihrigen zufrieden und das macht mich stolz auf meine Wahl. — Da Sie und Eveliue die einzigen Damen sind, die heute singen, so glaubte ich auch, dieselben Blumen geben zu dürfen." Ein dankerfüllter Blick lohnte ihn tausendfach; er führte Barbara zu dem Wagen, in dem die Freifrau bereits wartete. Selbst der finstere Schloßherr hatte sich überwunden und sein Arbeitszimmer verlassen, um an der bevorstehenden Festlichkeit theilzunehmen Der Empfangsaal der Gräfin Wertfeld war dicht gedrängt von Gästen. Von Nah und Fern waren Freunde und Verwandte herbeigeeilt, um dem jungen Brautpaare ihre Glück- und Segenswünsche darzubringen. Barbara schien zerstreut. Die Gedanken jagten sich in ihrem Hirn, und schmerzlich zuckte es um ihre Mundwinkel, als sie der kleinen Eveline gedachte, die sie in glühender Fieberhitze verlassen hatte. Das wohl einstudirte Quartett war eine der ersten Aufführungen und der Erfolg ein großartiger. Die wohl- geschulten Stimmen harmonirten so vortrefflich, daß selbst der Freiherr laut seinen Beifall äußerte — eine Anerkennung, die seitens des finsteren Sonderlings noch nicht gezollt war. Nach Schluß des Quartetts schlich Barbara unbemerkt durch eine Seitenthür, und ohne die weiteren Aufführungen abzuwarten, eilte sie davon, erreichte flüchtigen Fußes den Adlerhorst und stand bald am Lager ihres erkrankten Schwesterchens. Fünftes Capitel. „Wollen gnädige Frau in Eoeline's Schlafzimmer kommen? Fräulein Morden läßt darum bitten." „Eveline? was ist mit ihr, Gleichen?" „Sie scheint sehr krank zu sein. Fräulein Morden sagt, der Arzt müsse geholt werden, gnädige Frau." Gleichen sah sehr bleich und angsterfüllt aus, als sie diese Bestellung ausrichtete. „Ich k^mme sogleich," versetzte die Freifrau. — Erst seit kurzer Zeit war sie zurückgekehrt; die Aufführungen und später das Souper hatten lange gedauert. An Eveline hatte sie kaum gedacht; sie hatte nicht einmal das Zimmer des Kindes betreten, die Gouvernante war ja bei ihr und die Kleine war also in guten Händen. Trotzdem konnte sie ihr Gewissen nicht zum Schweigen bringen. Schnell kleidete sie sich an und eilte in das Krankenzimmer, in dem Barbara sie auf der Schwelle erwartete. „ DerZustand hat sich Verschlimmert, Frau von Garkau." Beide näherten sich dem Bette. Dort lag das arme Kind und wälzte sich stöhnend umher. Die Wangen waren hoch geröthet; die Augen glänzten im Fieber. Als die Mutter sich über sie beugte, jammerte sie: „Oh, mein Hals — mein Hals." „Warum hat man mich nicht eher gerufen?" fragte die Mutter streng und blickte vorwurfsvoll bald Barbara, bald Gretchen an. „Hat sie die ganze Nacht in diesem Zustande gelegen? „Oh, nein, gnädige Frau," versicherte die alte, treue Magd, „ich war so oft hier, und das Kind schlief. Fräulein Morden hat sie erst vor einigen Minuten in diesem Zustande gefunden." Frau von Earkau blickte Barbara an. „Ja," beantwortete diese die unausgesprochene Frage, „ich war oft hier, aber Eveline schlief, und wiewohl unruhig, hoffte ich doch auf Besserung, wenn sie erwachte. Kaum vor zehn Minuten traf ich sie in diesem Zustande." Frau von Garkau kniete neben dem Bettchen und preßte ihre kalte Hand auf die brennende Stirn des kranken Kindes. „Gvi, mein Liebling, sage Mama, was Dir fehlt," flüsterte sie ihr so liebevoll zu, wie es das Kind wohl noch nie von der Mutter gehört haben mochte. Das Kind öffnete seine Augen und lächelte matt. Barbaras Augen füllten sich unwillkürlich mit Thränen, sie verstand, wie sehr das Herz des Kindes sich nach der Liebe der Mutter sehnte. „Mein Kopf, — mein Hals," stöhnte das Kind. „Was mag ihr nur fehlen, Gleichen?" Frau von Garkau hatte in der Krankenpflege wenig Erfahrung. Die Kinder waren bis jetzt immer kräftig und gesund gewesen. — Gleichen stand sprachlos; sie war alt, hatte die Kinder stets gewissenhaft beaufsichtigt, aber sie war keine gute Krankenwärterin. Barbaras scharfer Blick erkannte sogleich die Ursache des heftigen Fiebers. Schnell entblößte sie die Brust der Kleinen und fand, was sie befürchtete: das Kind war über und über mit feurig rothen Flecken bedeckt. — Sie zeigte dieselben ihrer Stiefmutter. „Ich halte es für gut, wenn der Arzt'so bald wie möglich gerufen wird, Frau von Garkau," sagte sie ganz bestimmt, „Eveline scheint Scharlachfieber zu haben. — Ich hatte es selbst in meinen Kinderjahren, fürchte daher keine Ansteckung — Gleichen sagt mir, die Krankheit soll unten im Dorfe herrschen; viele Kinder sind schon davon befallen." „Scharlach?!" ächzte die Freifrau und wurde leichenblaß, „und Alex — — ist er auch krank? Ich muß sofort zu ihm!" Sie erhob sich, und vor Schreck gelähmt, würde sie ohnmächtig zusammengebrochen sein, wenn Barbara sie nicht mit starken Armen aufgefangen und sanft auf ein Ruhebett niedergelegt hätte. Gleichen eilte mit kaltem Wasser herbei. „Laß nur, Gleichen, kümmere Dich nicht um mich, gehe nach den Kindern," hauchte die Freifrau matt. Gretchen blickte erst Fräulein Morden an, die gerade einem reitenden Boten den Befehl gab, schnell den Arzt zu holen; auf ihren Wink entfernte sie sich und ging nach Eveline, die jetzt ruhiger geworden war. — Jetzt war Barbara fest entschlossen, die Stellung als älteste Tochter des Hauses einzunehmen, die ihr rechtmäßig zukam. L77 „Liebe Frau von Garkau," sagte sie daher besänftigend, „beruhigen Sie sich. Vielleicht tritt die Krankheit nicht heftig auf, und die Kinder sind ja kräftig und gesund, sie werden sie schon überstehen." " Sie hatte leise ihren Arm um den Hals der Stiefmutter gelegt, und diese Berührung schien wohlthuend auf sie einzuwirken. Sie trocknete ihre Thränen, trank das dargereichte Wasser und richtete sich wieder auf. Als Barbara sah, daß sie sich erholt hatte, wollte sie zu Eveline zurückkehren, doch die Freifrau hielt sie fest, und — zum ersten Male in ihrem Leben — drückte sie ihre Stieftochter fest an sich und küßte sie. Barbara erwiderte die Liebkosung und: „Gewonnen — wieder ein Herz gewonnen!" jubelte sie in ihrem Inneren. (Fortsetzung folgt.) --SS88NS—- Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg. Vaterländisches Trauerspiel von Martin Greif?) Eine moderne Dichtcrrichtung hatte in ihrer dramatischen Behandlung in der Weise des klassischen Heidenthums dem Weibe Unehre angethan und es von dem erhöhten Podium wieder herabgestoßen, den ihm das Christenthum angewiesen. Denn wie durch Eva der Sündenfall geschah, der die Erbsünde brachte, so kam die Erlösung aus derselben durch die heilige Jungfrau, die den Gottessohn gebar. Der zweite Akt des göttlichen Weltschöpfungsplanes war vollbracht, wonach das Universum eine Kirche Christi werden soll. Das Reich Gottes, nämlich die Gnade und die Wahrheit, waren zur Welt gekommen, die sündige, abgefallene Menschheit mit ihrem Schöpfer versöhnt worden und dieses geheimnißvolle Wunder wurde nach dem uncrforschlichen, von Ewigkeit an vorgesehenen Nathschluß Gottes durch eine aus dem Geist des Glaubens empfangene und wiederempfangende unbefleckte Gottesmagd bewirkt. Aus der Menschenmutter war eine Gottesmutter geworden; der Name Eva war durch Umstellung des Sinnes und der Buchstaben nun in Ave verwandelt worden, und Ave Maria! stimmte die erlöste Menschheit an, die durch die Fleischwerdung des Wortes, das von Anbeginn bei Gott und das Gott selbst war, nun aus Kindern ihres Vaters im Himmel bestehen sollte. So kam es, das; die christliche Weltanschauung aus Dankbarkeit für die „Mutter voller Gnaden" dem reinen Weib überhaupt eine Ehrenstellung anwies, und im Volksund Meistergesang ertönten zu seinem Preise die kindlichen, frommen und inbrünstigen symbolischen Lyraklänge. Erst der naturalistischen Weltanschauung in ihrer ganzen Stufenleiter vom verschwommenen Deismus, Pantheismus, Nationalismus rc> bis herab zum nackten Atheismus und materialistischen Positivismus war es vorbehalten, das Weib in der DarstcllungSwciss zu entweihen und zu einem Instrument des Sinnenrausches und der Lüstefröhnung herabzusetzen. Das gefallene Grcthchen, die sentimentale, mit dem Feuer spielende Lotte oder Emilia fingen an, typische deutsche Frauengestalten zu werden, die durch die Hauptmann und Ibsen und ihre Vorgänger zahlreiche, bis zur Karikatur verzerrte Nachahmungen fanden. Nicht als ob einzelnen dieser Figuren die Berechtigung zur dichterischen Bildung abgesprochen werden sollte — sie stammen aus dem profanen Haufen und ergötzen ihn wieder — aber sie bleiben die Symptome cin.es sittlichen und künstlerischen Verfalls. Es leben auch noch edle Urbilder in der Frauenwelt, und wenn sie in erhebender Weise durch die Muse unsern Augen und unsern Herzen menschlich näher gebracht werden, so wird damit ein Wiederaufblühen des guten Geschmacks und der reinen Empfindung geboren. Einen solchen Markstein der Umkehr und gleichzeitigen Erhebung hat Martin Greif wiederum mit seinem neuesten, obengenannten Werk gesetzt. Auf dem dunklen Grund der Geschichte hebt sich, umwoben von der weihenden Sage, wie eine Engelsgestalt oder Lichterscheinung das Bild der schönen und frommen Agnes Bernauer, der Baderstochter und Gemahlin des Herzogs Albrecht III., ab und tritt uns hier, durch Thalia's Kunst zum Leben erweckt, in realistischer Naturtreue entgegen; denn der Eindruck des Ueberirdischen, den es hervorruft, kommt nur von den Strahlen des Glaubens und der Vergeistigung, von denen es umleuchtet ist und die, einen Anklang und Widerschein findend in verwandten Seelen, diese zur Theilnahme, zum Mitempfinden mit dem traurigen Schicksal fortreißen, das, in diesem Falle des Dichters Wort zur Wahrheit machend, den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt. Die architektonische Ausgestaltung des Trauerspiels ist mustergültig und könnte selbst von den Stagiriten nicht bemängelt werden. Im ersten Akt wird zusammengedrängt und durch die Handlung selbst ohne viele Deklamation die Exposition gegeben, die uns rasch aufklärt über die Gründe des Zusammenstoßes, den das Verhängntß brütet. Georg von Gundelfingen, der Hofmeister des regierenden Herzogs Ernst, ist auf dem Schlosse in Straubing angelangt und verkündet auf der Galerie daselbst dem Vice- dom und dem Rath Aichstätter, daß sein Herr seinen Sohn, den Herzog Albrecht, zu seiner Vertretung eingesetzt habe. Der erste Redner hat die Handlung eingeleitet, die beiden andern fühlen sich durch die Mittheilung verletzt und beeinträchtigt; persönliche Beweggründe einer alten Feindschaft treten hinzu und so wird durch sie nach dem Abtreten des Hofmeisters sofort das Gegenspiel angesponnen. Wir erfahren noch, daß der junge Herzog, der nun in Straubing Hof halten soll, mit einer Tochter des Grafen von Württemberg durch seine Schwester Beatrix versprochen war, daß er, obgleich schon seit Jahren mündig, stets bedacht aus seinen Ruf blieb, in ernstem Kampfe wie auf Turnieren, jedoch im Uebrigen sich wenig Sorge und Arbeit machte und sich meistens auf seinem Schlosse Vohbnrg dem Waidwerk und der Sangcskunst ergab, und daß er, ein Fraucnlob seiner Zeit, von Blume zu Blume schwärmte. Die zweite Szene führt uns auf den Perlachplatz in Augsburg in ein Volksgedräuge, wie wir es aus dem Coriolau oder Kaufmann von Venedig kennen. Die entzückende Gestalt der holdseligen Agnes, begleitet von ihrer Wärterin Afra, tritt auf und wird überall mit dem Rufe „der Engel von Augsburg" begrüßt. Ein kurzer Dialog mit dem Patrizierssohn Rem findet statt, aus dem wir ersehen, daß sein zudringliches Werben von Agnes energisch abgewiesen wurde, weßhalb er im Hasse gegen sie auflodert und auf Rache sinnend die alte Wahrsagerin, Mutter Lintrud, zu ihrer Ausführung anspornt. Dann beginnt das eigentliche Drama in einer überaus anmnthig dargestellten ersten Begegnung der beiden Hauptpersonen Agnes und Albrecht. Sie hatten sich schon früher einmal auf einem Turnier gesehen. Der erste Eindruck war beiderseitig ein zündender gewesen, wie er nur hervorgerufen werden kann, wenn in der verhängnißvollen Stunde des Gestirnes Macht den Menschen ereilt. Nun kommt es zu 2 ) Leipzig. C. F. AinclaugS Verlag. 1894. Erklärungen und stillen Geständnissen, aus denen man die Herzen schlagen hört und die emporflammende Liebe zu einander aufsteigen sieht. Agnes hat aber schon beim Turnier den Prinzen in Albrecht erkannt an den lichten Farben, die er trug, die an's Himmelszelt gemahnen. Jetzt erblickt sie den Verlobungsring an seinem Finger und stellt dem ungestümen Flehen die entschiedenen Worte gegenüber: „Nie anders würd' ich je die Eure werden, Denn als vor Gott Euch angetraute Gattin." Schweren Herzens scheiden sie von einander, indem er fühlt, daß er ihr, die ihm keine Hoffnung gewähren kann, gehorchen muß, weil ihr Geschick ihm höher steht als seines. „Ob's glücklich oder leidvoll enden werde," — das will ihr die Zauberin sagen, die sich hinzugedrängt hat und ihr diese Worte in's Ohr flüstert. Der zweite Akt führt uns zuerst nach Vohburg, wo Albrecht vom Fieber heftig ergriffen worden war und nach jeder neuen Kunde von der Holden schmachtet. Einen Trost bringt ihm die Nachricht, daß Agnes in ihrem Kämmerlein allabendlich das Lied gesungen, das er gedichtet und ihr gegeben hat. Auch er greift zur Laute und stimmt die erste Strophe an: „Ich grüße Dich, Maria, Dich, Du Magd des Herrn, O Mutter voller Gnaden! Du gleichst im Thau dem Morgenstern, Wenn Thränen mich beladen. Ich grüße Dich herzinniglich, Maria dort, ich grüße Dich!" Dieses Weihelied des Glaubens und der Andacht wird nun zum leitenden Faden des Hauptspicls, der trotz aller Ränke des Gegenspiels sich durch die ganze Handlung zieht, bis er schließlich in einer versöhnenden und erhebenden Weise den tragischen Conflict löst, der durch die tragische Schuld geschürzt werden sollte. Der Oheim Albrechts, der Herzog Wilhelm, erscheint in Vohburg und bringt Albrecht die Nachricht, daß seine Braut mit einem Liebhaber entflohen und das Gelöbniß damit gelöst sei. Nun ist die ganze Situation mit einem Schlage geändert, und der Oheim, sowie der Rathgeber Albrechts, der Dechant Johann Prunner vom Kloster Jndersdorf, werden bewogen, nach Augsburg zu gehen, um die Badertochter, deren Ruf von Schönheit und Ziichtigkeit auch zu ihnen gedrungen war, zu prüfen. Inzwischen hatte Agnes dem Verlangen nicht widerstehen können, bevor sie ihren Entschluß, in ein Kloster zu gehen, ausführt, ihr mögliches Schicksal zu erfahren. Wie einst Lconora von Gloster durch die Hexe Grete Jordan die Geister beschwören ließ, um den Schleier der Zukunft zu lüften, wie sie dabei vom Gegenspiel der Jork und Buckingham, die sie dazu hatten verleiten lassen, belauscht ward und wie sie dadurch in ihr Verderben ihren Gemahl, den Herzog Humphrei, den Neichsprotcctor unter Heinrich VI., mit hinabzog, so läßt nun auch Agnes von der Mutter Lintrud die Zauberkugel enthüllen, auf der die Dämonen der Finsterniß eine Vision erscheinen lassen, welche zum Orakelspruch wird: „Ein junges Weib mit langem, gold'nem Haar, Im Staat der Fürstin, den Geinahl zur Seite, Von vielem Volk umringt und froh umjubelt- Das bist Du selbst! . . .." und später: „Nach kurzer Frist wirb Euer Glück zu Wasser —" Auch hier hatte ein Führer des Gegenspiels, Nein, der ihr zuerst die Hexe auf den Hals geschickt, um sie zu verderben, die Beschwörung belauscht. Es kommt in der Wohnung des Baders zu einer stürmischen Scene; nachdem die Werbung Nems noch einmal zurückgewiesen wird, droht er, sie wegen Zauberei anzuklagen. Agnes gesteht ihrem entsetzten Vater den begangenen Fehltritt. Denn das Befragen und Sicheinlassen mit der Hexerei war nach der allgemeinen damals herrschenden sittlichen Auffassung eine Todsünde, die mit dem peinlichen Verfahren verfolgt wurde. Die Schuld war da; der unabwendbare Zusammenstoß wurde vorläufig noch hingehalten, indem die dramatische Entwicklung weiter geführt wird, um in wechselnden Aspekten zu ihrem Höhepunkt zu gelangen. Der Herzog Wilhelm und der Dechant erscheinen, haben zuvor ein Zwiegespräch mit dem Vater der Agnes, dem biedern Bader Caspar Bernauer, dann mit dieser selbst. Beide sind entzückt über die Sittsamkeit und Anmuth, wie über die bescheidene Festigkeit der Agnes. Albrecht folgt mit Jörg, dem Ziehbruder der Agnes, und wirbt nun selbst beim Bader um die Hand seiner Tochter. Der Ohm mahnt nur Albrecht, die Zustimmung vom Vater zuvor einzuholen, aber der treue Dechant willigt ein, den Ehebund alsbald einzusegnen, damit Albrecht seine von Gefahren umgebene Braut schützen könne. Der Vater der Agnes gibt seine Einwilligung und segnet das Paar. Der dritte Akt führt uns nach Vohburg zn dem Augenblicke, da die Trauung stattgefunden. Das junge Paar steht auf dem Gipfel seines Glückes, dem AgneS noch dadurch eine besondere Weihe verleiht, indem sie ihrer Gewohnheit gemäß eine Gruppe von Siechen und Armen labt und tröstet und mit demüthigen Gebcrden Speise und Trank austheilt. Der Dechant hat ihr vorher mit seinem Segen ein elfenbeinernes Kruzifix als Gabe deS Oheims Wilhelm übergeben: „ES möge lehren Euch, Geduldig jede Schickung zu kesteh'n, Im Glück gelassen, herzhaft in der Noth, Getreu dein Herrn im Leben und im Tod." Plötzlich ertönt ein Hornruf von der Zinne herab. Der Vicedom von Straubing erscheint vor Albrecht, auf dessen Wink rasch ein Vorhang vor dem Armendienst seiner Gemahlin niedergelassen und das Orgelspiel verstummt war, und verkündet diesem, daß sein Vater beschlossen habe, ihn mit einer Tochter aus dem reichen Hause Braunschweig zu vermählen. Als Albrecht ihm die Antwort ertheilt, dem Herzog seine entschiedene Weigerung zu melden, poltert der Vicedom mit der Anzeige hervor, daß zum Hofe die Kunde gedrungen sei, Albrecht wohne nicht mehr allein in Vohburg, und tritt mit einer förmlichen Verbeugung, aber inneren Drohung ab. — Das war der Hochzeitstag! Vor Agnes wird diese neue Wendung verborgen gehalten. „Der Sturm zieht auf und sendet seine Boten . . Die zweite Scene spielt sich in München ab. Der Herzog Ernst ist tief entrüstet über die Vorgänge in Vohburg, die ihm der Vicedom in gehässiger Uebertreibung mittheilt. Alle seine Vorurtheile empören sich in ihm und alle Hoffnungen einer direkten Erbsolgeschaft seines Stammes werden erschüttert. Er folgt allen Eingebungen in bester Absicht, um seinen Sohn aus den vermeintlich unwürdigen Banden des Weibes zu erlösen, und willigt endlich in einen schändlichen Plan, den der Vicedom erdacht hat. Ein Preisturnier in Regensburg wird ausgeschrieben, und Albrecht, der dem langvermißten Schall der schmetternden Drommete folgen wird, soll nach dem Turniergesetz dann ausgeschlossen werden, weil er „schimpflich in Unehe lebt". Um diesen Makel zu tilgen, werde er ge- zwungen, so kalkulirt Man, das Verhältniß zu lösen. — Die dritte Scene spielt auf dem Turnierplatz in Regensburg und bringt eine Reihe von handelnden Vorgängen zur Aufführung, die an Großartigkeit der Effekte und an Eklat der Erscheinungen von keiner Shakespeare'schen Schöpfung übertroffen wird. Die Motive sind in die Augen springend, die Wirkungen erschütternd; die Spannung wächst bis zur Fieberhitze. Die hohe Gestalt Albrechts in voller Rüstung, umgeben von Rittern und Knappen, jubelnd begrüßt vom Volk, tritt auf; sein Kampfroß wird ihm nachgefühlt. Ihm brennt das Herz vor Eifer, „ . . . . mit vollem Stoß Den Widerpart zu heben aus dem Sattel, Und zu »erstechen manchen guten Speer." Turniervögte verweigern ihm den Eintritt in die Bahn mit vorgehaltenen Stäben. Erstaunt und ihnen seinen Schild entgegen haltend ruft Albrecht aus: „Was kommt Euch an? Kennt Ihr nicht diesen Schild, Den gold'nen Leu im weiß und blauen Feld? . . und als seine Ritter ihm sagen, daß sein Wappen herabgethan ist, das er nach dem Brauch gesandt hatte, und die Schranke sich von innen schließt: „Was geht hier vor? Wer wagt es, diesen Schimpf Mir, einem WiltelSbaSer, anzuthun, Als wär' ich ein um Raub verschmier Ritter, Und nicht ein Fürst, der Kriegeslorbeer pflückte Und Bayerns Namen in die Feinde trug!" Seine Ritter fchaaren sich um ihn, die Schwerter werden entblößt, das Volk durchbricht die Schranken. Der Vice- dom gebietet Ruhe; der Herzog Ernst befiehlt von der Tribüne herab, die Anklage und ihren Beweis zu verlesen. Rcm berichtet, daß die, mit der Albrecht in Unehe lebt, von einer Hexe unterrichtet, sich auf's Bezaubern legte, um durch Liebestränke Albrecht in den Bann zu bekommen. Der Vater klagt: „Entwürdigt hast Du Dick und Deinen Stamm, Indem Du dieser Dirne Dich ergabst —" Albrecht fällt mit gewaltiger Stimme ein: „Und so erklär' ich denn vor Jedermann, Daß, die zu Vohburg mir zur Seite lebt, Mein ehrlich mir vor Gott getrautes Weib." Und als der Vicedom, die Wetterführung des Verfahrens andeutend, zum Herzog Ernst gewandt die Worte spricht: „Ihr seht nun selbst, daß ihn das Weib bezaubcrt —" da schwillt der Unmuth das Herz Albrechts an, und er erklärt, seine Vermählte nach Straubing führen zu wollen, „Wo sie mit mir das Schloß bewohnen wird, Der gleichen Ehren theiihast, wie ich selbst." Das Volk und ein Theil der Ritter rufen: „Hoch lebe Albrecht und sein Eh'gemahl!" Der Herzog Ernst aber bricht in die prophetischen Worte aus: „Weh' ihr, wenn sie es wagt, an seiner Seite als Herzogin in Straubing einzuziehent" — Das Unheil ist im Lauf und nicht mehr aufzuhalten. Der 4. Akt beginnt wirklich mit dem Einzug des Paares in Straubing unter unermeßlichem Volksjubel. Albrecht wird durch einen Boten des Herzogs Heinrich zu dringenden Geschäften abberufen. Wir sehen zitternd, wie die Katastrophe näher rückt. Während des Gottesdienstes bei den Karmelitern erscheint in dem leeren Kreuzgang ein Engel und legt auf eine noch freie Grab- stelle eine Lilie. Agnes kommt mit Afra aus der Kirche, findet die Lilie — „Wie frischgefall'ner Schnee so rein und weiß, Seltsam! Dort liegt sie, wo zu ruh'n ich wünsche." Im Hintergründe wird sie belauscht vom Herzog Ernst, vom Vicedom begleitet, der hervortritt und sie selbst in's Gebet nimmt: „Du hast an meinem Sohn Dich schwer versündigt; er ist behext." Da der Herzog durch ihre unmuthige Erscheinung überrascht wird, fürchtet er nun selbst dem Bann des Zaubers zu erliegen, der den Sohn bethört hat. Auf einen Wink des Vicedoms erscheinen dessen Räthe mit Häschern und Schergen. Der Herzog überantwortet Agnes dem Gericht und verläßt die Scene, um sich zum Begräbniß des über Nacht verstorbenen Herzogs Wilhelm zu begeben. Mit dem Tode des „treuen Ohms" war auch die letzte Aussicht auf Hilfe für AgneS verschwunden. Sie ist den Feinden ausgeliefert; denn ihr Albrecht ist weggelockt, und die treuen Ritter, deren Schutz er sie anvertraut hatte, wurden vom Vicedom niedergemacht. Die 3. Scene führt uns in die Gerichtsverhandlung im Schlosse zu Straubing. Nem erscheint als Ankläger. Ein zu ihren Gunsten aussagender Zeuge wird gewaltsam entfernt. Sie kann es nicht leugnen, daß sie sich in einer schwachen Stunde verleiten ließ, sich wahrsagen zu lassen; alle Zauberei erklärt sie für Verleumdung. Der Vicedom stellt ihr die Frage, ob sie gutwillig den Herzog verlassen und in's Kloster gehen wolle. Sie antwortet: „Ich habe Treue meinem Herrn gelobt Am Traualtar und werde sie ihm halten!" Veim Zählen der Stimmen des Urtheilsspruches ergeben sich sechs schwarze und sechs weiße Kugeln. Der Vtce- dom als Vorsitzender wirft eine schwarze in die Urne; damit ist Agnes schuldig des Todes befunden. Sie wird dem Henker und dessen Schergen übergeben. Im 5. Akt finden wir Agnes im Kerker vor einem Marienbilde knieend. Sie singt das fromme Lied, daS zum Preis der Gottesmutter ihr Albrecht einst geschaffen und das sie zur Zeit ihrer aufkeimenden Liebe so Wonne» voll auf ihrer Kammer gesungen, mit dem Schlußvers: „Ich grüße Dich, Maria, Dich, wo ich auch bin, Du Königin der Milde! Ich weiß, mein Ruf dringt zu Dir hin, Knie ich vor Deinem Bilde. Ich grüße Dich herzinniglich, Maria dort, ich grüße Dich!" Dann naht ein Priester, lind Gott ist nun zugegen. Der treue Dechant von Jndersdorf, der sie getraut, reicht ihr mit dem Kreuz, das ihr einst der Herzog Wilhelm zur Morgengabe sandte und vor dem sie täglich gebetet, die himmlische Tröstung, welche allein Rettung bringt, wenn alle irdische Hilfe verloren ist, und die selbst den Tod überwindet. Das Kreuz küssend, erklärt sie: „In ihm nur leb' ich und ihm nur sterb' ich, Der Herr ist meine einzige Zuversicht." Wer ganz sich seinem Schutze hingegeben, der fürchtet nichts auf dieser Erde mehr. Noch einmal will die irdische Hoffnung aus dem Boden hervorsteigen, indem durch gesprengte Thüren Jörg und Afra herbeieilen, die das Volk aufgewiegelt haben, um einen verzweifelten Rettungsversuch zu wagen. Aber sie widersteht der Versuchung: Gericht Gottes, dir hab' ich mich übergeben! Ihretwegen soll kein Blut fließen. Sie hat mit dem Leben abgeschlossen. Als Afra in sie drängt mit dem Hinweis, daß die Zeit entfliehe, antwortet sie mit den erhabenen Worten: „Ich bin — der Zeit voraus — in ihrem Laufe!" — und sinkt zu festem Schlafe wieder auf das Strohlager zurück, während ihre angeblichen Netter in acherontischem Donner eines nahen Gewitters verschwinden. Ja,' sie war der Zeit in ihrem Lauf vorausgeeilt. Sie hatte durch die Kraft des Glaubens und durch die Stärke der Religion das Zeitliche schon auf Erden überwunden, und den heiligen Märtyrer» 180 gleich, stand sie mit geistigem Auge bereits vor der Erfüllung des Glaubens, vor der Seelen Seligkeit. Sie erleidet den Tod wie eine Christin: Tod, wo ist dein Stachel; Hölle, wo ist dein Sieg? — Nach der Anschauung der Antike wäre nun eigentlich die Katastrophe beendet, welche den Knoten des Geschicks gelösct hat. Nem und der Vicedom sind ihr ebenfalls zum Opfer gefallen. Höchstens wäre noch ein Straf- und Racheakt oder ebenfalls ein gewaltsames Ende des Herzogs Albrecht zu erwarten gewesen. Eine solche Lösung aber lag der Absicht des Dichters fern. Mit der Opferung der Helden können zwar im sittlichen Bewußtsein die verwickelten Pfade des Verhängnisses geebnet, die eigene Schuld kann gesühnt werden. Aber für uns folgt nach dem Tode ein neues Leben, und wie die Seele durch den Glauben unsterblich wird, so werden die Handlungen unsterblich durch den Nachruhm und die Nachwirkung. Agnes hat ein Vermächtniß hinterlassen an Albrecht, in dem es zunächst heißt, daß sie die Schickung, die ihr von oben gesandt wurde, standhaft ertragen wird und daß sie dankbar des Glückes eingedenk bleibe, das ihr zugewendet wurde durch seine Liebe. Dieses Bekenntniß entspricht durchaus ihrer Aussage vor Gericht: „Ich folgte Albrecht nur um seinetwillen, Denn daß ich nicht dem Glück entgegenfahre, Das sagte mir die Stimme in der Brust; Doch glaubt, hätt' ich es noch einmal zu thun, Ich würde gleichwohl keinen andern wühlen." Dann legt sie ihm die Bitte an das Herz, daß er seinem Vater nimmermehr entgelten lasse, was er, verführt durch andere, ihr angethan. Er soll denen, die er zu schirmen berufen ist, nicht Unheil anthun durch einen Bürgerkrieg, sondern, der Selbstsucht ledig, dem Volke allein seine Zukunft weihen. Diese Botschaft des Friedens und der Versöhnung wird dem nach Straubing zurückkehrenden Albrecht unmittelbar nach der Trauerbotschaft übergeben: „Die Sonne ist erloschen! Agnes todt! Ertränkt vom mörderischen Vicedom!" Der Nachezug, den die Geschichte nun folgen läßt, wird durch die liosntia. xoötian zusammengezogen in ein rächendes Gelöbniß, das aber der Dechant von Jnders- dorf mit dem Vermächtniß der Agnes in die richtige Bahn lenkt: „Denn war es auch ein himmelschreiend Unrecht, Das sie erlitt, so ward durch ihren Tod Des Krieges Geißel unserm Volk erspart, Für dessen Heil als Opfer sie gestorben." Albrecht blickt verzückt zum Himmel zu der seligen Gestalt, die ihm das Vermächtniß der Versöhnung hinterlassen und nur vom lichten Gewölk umgeben um Gewährung bittet: „Sie winkt mir mit der Palme in der Hand Und weist empor, wo ihren Lohn sie fand! Stets höher auf entschwindet sie dem Blick, Zur Glorie ward ihr irdisch Mißgeschick, Und wie vom Licht die Wolken aufgezehrt, Fühlt sich das Herz der Rache abgekehrt. Wohlan, ich will befolgen ihr Geheiß Und zeigen, daß ich zu vergeben weiß." Die Versöhnung mit dem Vater erfolgt sofort. Albrecht wird ein Wohlthäter seines Volkes und legt den Grund zu seiner späteren Größe. Der nach eigenem Eiugeständ- niß durch falschen Rath und weltliche Vorurtheile be- thörte Herzog Ernst läßt über dem Grabe der Agnes eine Sühnkapelle bauen, die sein ewiges Heil verbürgen soll. Später aber wurde ihre Asche bei den Karmelitern beigesetzt, wo sie ahnungsvoll sich selbst die Ruhestatt ausgesucht hatte. So endet das Leben und Wirken, das Glück, die Schuld, die Buße der blondgelockten Agnes Bernauer, des Engels von Augsburg, der uns durch des Dichters Vermittlung zeigt, wie irdische Liebe zur himmlischen erblühen kaun. Wir aber, ergriffen und erhoben durch die Betrachtung eines solchen Schicksals, sinken in das Knie und stimmen an ihr letzt' Ave Marie! ---S-MSS-- Himmelsschau im Monat April. —X. Merkur 8 entfernt sich am 11. am weitesten westwärts von der Sonne und kann in der Morgendämmerung gesehen werden. Venus tz ist Morgenstern und geht auf zwischen 4 U. 16 M. und 3 U. 30 M. Früh. Mars F im Steinbock ist Morgenstern und geht auf zwischen 3 U. 38 M. und 2 U. 33 M. Jupiter sj. steht am Abendhimmel und geht zwischen 11 U. und 10 U. unter. Saturn H kommt am 12. in Opposition mit der Sonne, in Erdnähe und strahlt in größtem Glänze. Saturn ist die ganze Nacht sichtbar und erreicht gegen Mitternacht seine größte Höhe über dem Horizont. In die Nähe des Mondes kommen am 2. Venus; am 4. Merkur (vom C bedeckt um Mitternacht); am 9. Jupiter; am 19. Saturn; am 29. Mars. -o--- GotdkSrrrer. So Viel in Gott, ebensoviel ist man im Frieden — so viel aber außer Gott, ebensoviel ist man außer dem Frieden. Tauler. Im Kampf mit Gefahr Erhebt sich, wie machtvoll zur Sonne der Aar, Der Geist aus kerkernden Schranken Zu Göttergedaukcn. Matthisson. Kreuztied.^ Heil'ges Kreuz! Sei hochverehrt! Hartes Nuh'bett meines Herrn! Einstmals sch'n wir Dich verkläret, Strahlend gleich dem Morgenstern. Sei mit Mund und Herz verehret, Krcuzstamm Christi, meines Herrn! Heil'ges Kreuz! Sei uns're Fahne In dem Kampf, in jeder Noth! Die uns wecke, die uns mahne. Treu zu sein bis in den Tod! Sei mit Mund und Herz verehret, Kreuzstamm Christi, meines Herrn! Eines sei uns noch gewähret: Ruft uns einst der Ruf des Herrn, Sei im Sterben noch verehret. Leucht uns als ein Morgenstern! Sei mit Mund und Herz verehret, Kreuzstamm Christi, meines Herrn! *) Dieses Lied wird in sehr vielen Gegenden des oberbayerischen Gebirges am Charsreitag Abends in der Kirche mit einer Andacht gesungen, daß der fromme Eindruck dieses einfachen Gesanges manches unserer beliebten modernen sogenannten „Oratorien" in den Schatten stellt. Der Einsender -x-.