HL34. Areitag, den 27. April 1894. Kür die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttler). Tanke Sanna's Geheimniß. Original-Roman von E. von Linden. (Fortsetzung.) „Wie geht's mit Ihrer kleinen Patientin, Fräulein Holten? fragte der Doctor rasch. „Muß ich hinauskommen?" „Wenn Sie können, bitte ich darum, lieber Doctor. Ich möchte überhaupt eine Wärterin für die Kleine haben, da ich sie nun einmal —" „Am Halse habe," ergänzte der Arzt, als sie zögerte. „Ich besorge Ihnen eine barmherzige Schwester, mein liebes Fräulein l — werde sie Ihnen selber bringen." „Herzlichen Dank!" Der Doctor ging zu der Kranken zurück, die beiden Damen verabschiedeten sich im Hause und gingen dann fort, um nach der furchtbaren Erschütterung sich durch einen Spaziergang erst wieder zu beruhigen. Ohne Verabredung, wie unter einem gemeinschaftlichen Zwange schlugen sie den Weg ein, welcher aus dem Thore nach der Brandstätte führte. Dieselbe wurde von einer Feuerwehrwache behütet, da mit der Ausräumung des Schuttes des zweiten Feiertags halber erst am nächsten Lage begonnen werden konnte. Stumm wanderten die beiden Damen, welche von der Wache die Erlaubniß dazu erhalten hatten, durch den Garten, welcher überall die Spuren jenes nächtlichen Ereignisses trug. Sie wagten kein Wort zu sprechen vor tiefer schmerzlicher Erregung, und setzten sich einen Augenblick in die Laube, welche sich am Ende des Obst- und Gemüsegartens befand. „Nun wird Ihnen das kranke Kind auch recht lästig werden, Fräulein Armgard I" begann die Doctorin nach einer Weile. DaS junge Mädchen starrte sie, wie aus einem Traume erwachend, fast erschreckt an. „Lieber Gott! werden Sie nur nicht krank von dieser furchtbaren Aufregung, mein Kindl" fuhr die alte Dame, ihre Hand ergreifend, bekümmert fort. „Wir müssen uns Alle in das Unabänderliche fügen. — Ich sprach von dem kranken Kinde, das Herr Steindorf Ihnen aufgedrängt hat —" „Es war nicht krank, als er mich darum ersuchte," fiel Armgard hastig ein. „Mag sein, Kind, — wenn er Ihnen nun die Kleind läßt und ohne den Ballast nach Amerika Zurückkehrt?" Armgard sah sie erstaunt an und schüttelte dann den Kopf. „Weßhalb halten Sie Herrn Steindorf für schlecht» Frau Doctorin?" fragte sie langsam. „Hat er diese Meinung nicht schon vor Jahren gerechtfertigt?" „Nein, er konnte nichts dafür, daß seine Liebe einer Andern gehörte. Das Herz läßt sich nicht zwingen." „Nun, vielleicht ist sein Herz gefügiger geworden und läßt sich vom Verstände leiten. — Lassen wir ihn, Fräulein Armgard, und kommen Sie rasch mit mir hinweg von dieser Stätte jammervoller Verwüstung." Sie wollten die Laube verlassen, als Armgard, deren Blick am Boden wurzelte, sich rasch bückte, um einen in die vom Regen aufgeweichte Erde tief eingetretenen glänzenden Gegenstand zu betrachten. Sie nahm ein Stückchen, um denselben an die Oberfläche zu bringen» und hob ihn dann auf. Es war ein großer goldener Manschcttenknopf mit einem Monogramm. „W. P." las Armgard. „Hm, der ist in voriger Nacht im Gedränge verloren worden," bemerkte die Doctorin, „mein Mann kann den Knopf der Polizei einliefern, dann wird sich wohl der Eigenthümer dazu finden." In diesem Augenblick näherten sich Schritte. „Ach, Herr Marbach!" rief Armgard, „und auch Sie, Herr Warneck, guten Morgen! — Wollen Sie sich die Unglücksstätte ansehen?" Die Herren grüßten und wurden von ihr der Doctorin vorgestellt. „Es sieht sehr traurig aus," sagte Marbach, „und greift einem odentlich an's Herz, wenn man sich das kleine reizende, so überaus poetische Heim der alten Dame in's Gedächtniß zurückruft." „Sie scheinen da etwas gefunden zu haben, mein Fräulein," schaltete Warneck ein, der als Amerikaner nur auf das Praktische sein Auge gerichtet und sofort den Manschettenknopf in Armgard's Hand gesehen hatte. »Ja, sehen Sie, der Knopf ist von einem Herrn hier verloren und in den weichen Erdboden getreten worden," sagte sie, ihm denselben hinreichend. Warneck betrachtete ihn von allen Seiten, zog dann sein Taschentuch heraus, um die Erdspnren zu tilgen und den Stempel zu erforschen. „Was wollen Sie mit diesem Funde beginnen, mein gnädiges Fräulein?" fragte er zögernd. 254 „Mein Mann soll den Knopf der Polizei einliefern," bemerkte die Doctorin, den Amerikaner etwas verwundert betrachtend, „der Eigenthümer wird ihn dann wohl zurückerhalten." „Gewiß," sagte Warncck, „aber versäumen Sie es nicht, meine Damen." „Nun, wenn Sie so besorgt darum sind," erwiderte Armgard, „dann übernehmen Sie es selber, Herr Warneck." „Ich gehe doch zur Polizei, meine Gnädige," nahm Marbach, welcher einen Blick seines Freundes aufgefangen, rasch das Wort, „wenn Sie mir den Fund anvertrauen wollen —" „Mit Vergnügen," fiel Armgard ebenfalls verwundert ein, „wäre dieser traurige Ort zum Scherzen geeignet, dann könnte man beinahe fürchten, als ob Sie uns vor der Aneignung fremden Eigenthums bewahren möchten." „Ja," meinte Warneck trocken, „es sieht beinahe so aus, mein Fräulein! — Dieses Monogramm hier interessirt mich indeß nur ein wenig, und da ich, wie Sie wissen, mich so wie so mit der Polizei hier befreunden muß, so bin ich in der That auf den Eigenthümer des Knopfes neugierig." „Ach, wegen jenes Herrn, der —" -Ja, mein Fräulein, jenes Herrn William Prien, meines lieben Freundes, den ich wie eine Stecknadel suche," fiel Warneck ruhig ein. „Es kann ja auch ein Anderer sein, wie viele Menschen mit dem Monogramm W. P. giebts nicht in der Welt." „Es giebt hier in unserer Stadt sogar einen mir sehr nahestehenden Herrn mit diesen beiden Buchstaben," sagte die Doctorin, „meinen eigenen Mann, welcher den Namen Walter Peters führt, dem dieser Knopf aber nicht gehört. Sie sehen nur daran, wie leicht die Anfangsbuchstaben irre führen." „O gewiß, Frau Doctorin, gebe ich das zu," versetzte Warneck, „gönnen Sie mir deßungeachtet die kleine Hoffnung, meinen lieben Flüchtling hier wieder zu finden." Die Damen ließen ihm gern die Hoffnung und damit den Knopf, worauf sie gemeinschaftlich in die Stadt zurückkehrten. Bei dem Hause der Doctorin trennten sie sich mit der Verabredung, sobald als möglich nach Hause zn fahren, worauf die beiden Herren langsam weiterschritten. „Glaubst Du wirklich an dieses Monogramm?" fragte Marbach nach einer Weile. „Ich möchte darauf schwören, daß der Knopf meinem theuren Prien gehört, dieser also in jener Laube anwesend war." Marbach blieb überrascht stehen. „Woher hast Du diese Ueberzeugung so rasch gewonnen?" Warneck schritt langsam weiter. „Nur kein unuöthiges Aufsehen machen, alter Junge," erwiderte er ruhig. „Warten wir damit bis zum Gasthof." Sie kehrten rasch dorthin zurück. Als sie sich in einem Zimmer unter vier Augen befanden, zog Warneck den Knopf hervor. „Besieh' ihn Dir genau," sagte er, Marbach denselben hinreichend. „Untersuche jede Fläche und merke Dir den Stempel. Hast Du?" „Es scheint ein englischer Stempel zu sein," bemerkte Marbach. Warneck nahm den Knopf, um ihn noch einmal zu untersuchen. „Natürlich," sagte er dann, „besieh' ihn, bitte, recht genau." „Ist bereits geschehen, — eS ist ein Stern mit der englischen Umschrift: Ao1ä-rvü§Irt: — also Goldge- gewicht — und dem Namen Finch." „Gut, das Monogramm auch gesehen?" „Versteht sich, es sind doch die Buchstaben —" Er hatte den Knopf umgewandt und starrte darauf hin. „Zum Henker," brummte er, „hier stehen ja die Buchstaben O. W." „H.11 ri^stt:, olä bo^! — Otto Warneck, mein Monogramm, und hier ist der gefundene ganz gleiche Knopf, nur mit anderen Buchstaben versehen. Der Goldschmied Finch, von welchem ich meine Knöpfe gekauft habe, hat unzweifelhaft auch diesen Knopf mit W. P. in seinem Laden gehabt, weil sein Name und Stempel auf demselben sich befindet. Dieser Finch aber wohnt in Chicago." Marbach blickte den Freund erregt an, er war ganz blaß geworden. „Das läßt allerdings darauf schließen —" „Daß William Prien auf der Brandstätte gewesen ist und diesen Knopf verloren hat," ergänzte Warneck. Leide blickten sich an, wie von dem gleichen Gedanken erfaßt. „Hältst Du diesen Menschen eines blutigen Verbrechens fähig?" fragte Marbach leise. „Wenn er durch die Umstände dazu gezwungen wird, — ja!" erwiderte Warncck fest. „Sollte er es gewußt haben, daß die alte Dame vom Hause abwesend war?" „Weßhalb nicht, vielleicht hat er sie wegfahren sehen und sich dann näher nach ihr erkundigt. Jedenfalls glaubte er mit der alten Person leicht fertig zu werden. Das Gewitter kam feinern Plane mächtig zu Hülfe und ohne diesen Knopf wäre jeder Verdacht gegen ihn unmöglich gewesen." „Woher aber sollte dieser fremde Mensch es erfahren haben, daß die Tante Hanna just eine bedeutende Summe im Hause hatte?" fragte Marbach kopfschüttelnd. „Wie es auch sehr leichtsinnig erscheinen könnte, weßhalb sie dieselbe nicht mit hinaus nach Edenheim genommen." „Ja, das sind Fragen, welche uns die Alte leider niemals wird beantworten können," versetzte Marbach. „Vielleicht ist sie just um des Geldes willen in ihr Haus zurückgekehrt, wer kann's wissen. Was die Kenntniß unseres W. P. anbetrifft so kann derselbe ganz zufällig davon erfahren haben. Das wird oft von Dienern und Boten ganz arglos erzählt, fei es im Wirthshause, sei es auf der Straße. Ein solcher Geselle hat seine Ohren und eine rasche Auffassung." „Seine Frau soll also aus dieser Gegend stammen?" „Sie hat es mir oft erzählt und dabei den Namen des Fräuleins Holten als den ihrer Freundin genannt." „Und sie ist erst kürzlich gestorben?" fragte Marbach nachdenklich. „Im Dezember vorigen Jahres; die Sorgen mögen sie umgebracht haben, da Mr. Prien sein Gehalt zu verspielen pflegte." 255 „Die unglückliche Frau; sie hinterließ doch keine Kinder?" »Ich glaube, es muß noch ein Kind vorhanden gewesen sein," erwiderte Warneck, „ob Knabe oder Mädchen, weiß ich nicht, da es irgendwo in einer Pension war. Ich erinnere mich, daß sie mir einmal von ihren todten Kindern erzählte, welche sie glücklich pries, da dieselben mit einem solchen Vater doch elend geworden wären." „Das klingt von einer Mutter entsetzlich." „Mag sein, lieber Freund, aber recht hatte sie doch, die arme Frau. Ich denke mir, daß die Zukunft und das Glück der Kinder von der Lebensstellung und dem Charakter des Vaters hauptsächlich abhängen, daß der Mann die Familie hebt oder herabzieht, und eine Hei- rath in solchen Fällen, die leider nur allzu häufig sind, allemal den Kindern zum Fluch wird. An Bildung waren diese beiden Menschen sich ja gleich, denn sonst ist die Kluft noch tiefer. Es ist eine Schmach, daß die meisten Menschen so kopflos in die Ehe springen, ohne sich klar zu machen, daß eine solche Kette an Gewicht zunimmt und zur unerträglichen Folter werden kann. — Doch zum Henker mit dem Philosophiren," unterbrach er sich lachend, „bin ja ganz vom Wege abgewichen. Wird wohl das Beste sein, jetzt gleich mit einem gewiegten Crimiualbeamten in Verbindung zu treten." „Laß uns doch zu dem Commissar gehen, welcher das Möbel auf der Brandstätte untersuchte," meinte Marbach. „Gut, ihm werde ich die ganze Sache übertragen, — er wird den Fingerzeig freudig begrüßen." „Und dann?" fragte Marbach zögernd, „willst Du mit mir zurückfahren nach Notenhof?" „Nein, mein Junge, Du hast schon die nöthige Fracht. — Ich fuhr, wie Du weißt, mit einem Landmann hierher, weil ich die Unthätigkeit nicht ertragen kann, und werde heute Abend oder morgen früh, wie es paßt, mit ihm zurückfahren. Mach' Dir um mich keine Sorge, mein Junge." Er klingelte, um ein Frühstück zu bestellen, worauf sich beide Herren, nachdem sie dasselbe eingenommen, zur Polizei begaben, um Rücksprache mit jenem Commissar zu halten. Der Beamte hörte aufmerksam die Geschichte des Amerikaners an. „Und Sie haben die Ueberzeugung, daß dieser Mr. Prien, welcher mit Ihrem Vermögen durchgegangen ist, sich hierher gewandt hat?" fragte er, als Warneck geendet. „Die Ueberzeugung habe ich allerdings, Herr Commissar," versetzte Warneck, „ja sogar die Gewißheit, daß derselbe im Garten des vom Blitze eingeäscherten Hauses gewesen ist." Das Gesicht des Beamten zeigte den Ausdruck höchster Ueberraschung und Spannung. „Dieser goldene Manschettenknopf ist heute von Fräulein Holten dort im Garten gesunden worden," fuhr Warneck rasch fort, „bitte Monogramm und Stempel genau zu betrachten." „Sie glauben, daß diese Buchstaben den Beweis für Ihre Behauptung liefern?" fragte der Commissar achselzuckend. „Zum Theil allerdings, William Prien, das stimmt, und der Stempel erst recht. Vergleichen Sie denselben gefälligst mit meinen Knöpfen, Herr Commissar! — Habe ich die Dinger bei Finch in Chicago gekauft und von ihm stammt auch dieser gefundene Knopf, oder ich will verdammt sein zur — zur —" Er konnte nicht gleich das schlimmste Loos finden, im Stillen aber meinte er — zur Heirath. Der Commissar verglich die Knöpfe und nickte erregt. „Das sieht allerdings so aus," sagte er dann, „bitte, Herr Warneck, geben Sie mir gefälligst eine genaue Personalbeschreibung jenes Menschen." „Na, ex ist groß und schön gewachsen, Hände und Füße klein, meiner Ansicht nach viel zu klein für die Figur —" „Aber doch groß genug, um Dein Geld zu packen und damit durchzugehen," bemerkte Marbach, vor dessen innerem Auge sich seltsamerweise eine bestimmte Gestalt entwickelte. „^.11 riecht, olci ioo^l —Haare blond, dito Bart, Augen — meiner Treu, weiß nicht genau, welche Farbe sie haben, nehmen wir grau an, — Blick scharf, braucht keine Brille, — Nase fein gebogen, mit einem Wort, ein verdammt hübscher Kerl, in den alle Weiber vernarrt waren." „Besondere Kennzeichen?" fragte der Beamte, ohne eine Miene zu verziehen. „Denken Sie recht scharf darüber nach, weil hierauf besonders vigilirt werde» muß." — Warneck dachte nach. „Der ganze Kerl steht leibhaftig vor mir," sagte er endlich, „aber ich wüßte wirklich nicht, seinem äußeren Menschen einen Makel anzuhängen. Eines hat er freilich, was aber der Bart verdeckt: zwischen Kinn und Unterlippe eine rothe Linie, als ob er einen scharfen Peitschenhieb erhalten hätte. Er zeigte mir dieselbe einmal und sagte, daß sie von dem Mesferschnitt eines Indianers, in dessen Hände er gerathen, herrühre. Der Kerl habe ihn scalpiren wollen, wogegen er sich so übermenschlich gewehrt, daß er nur diesen Schnitt, dessen feine Narbe gar nicht verblassen wolle, davongetragen habe. In seiner grenzenlosen Eitelkeit hat er alles Mögliche angestellt, um das rothe Merkmal zu vertilgen, weil der Kinnbart viel älter mache, wie er behauptete." „Wollen hoffen, daß es ihm bis heute noch nicht gelungen ist," versetzte der Commissar zufrieden lächelnd. „Da wir den Mann UW also mit der Katastrophe in voriger Nacht direct in Verbindung bringen müssen," fuhr der Commissar fort, „so habe ich unter allen Umständen auf strikte Verschwiegenheit Ihrerseits, meine Herren, zu rechnen, indem wir es jedenfalls mit einem geriebenen Burschen zu thun haben. Ihre erste Aufgabe, Herr Warneck, besteht nun darin, auf einige Zeit aus dieser Gegend zu verschwinden, denn wenn er sich hier aufgehalten hat, weiß er auch bestimmt Ihre Anwesenheit sowie den Zweck Ihres Hierseins." „Und wird jetzt schon eben deßhalb über alle Berge sein!" rief Warneck. „Vielleicht, — vielleicht auch nicht, — es ist eben in dieser Geschichte noch Vieles dunkel." «Zum Exempel, weßhalb dieser Mensch mit einem Vermögen in der Tasche einen neuen Diebstahl begehen sollte?" schaltete Marbach ein. „O, das läßt sich ja leicht erklären," sagte der Beamte, „hat ihn doch Herr Warneck als Spieler be- 256 zeichnet. Ein solcher geht keiner derartigen Gelegenheit aus dem Wege, um das Seine los zu werden." „Den Henker auch!" rief Warneck erschreckt, „wie konnte ich das nur vergessen. Sie haben recht, Herr Commissar, mein Geld ist längst zum Teufel, hätte mir die Reise ersparen und drüben bleiben können." „Bah, Dir ist doch auch an der Bestrafung des Schurken gelegen, alter Freund," meinte Marbach, den Arm um seine Schulter legend. „Und dann — schlägst Du unser Wiedersehen so gering an?" „Nein, nein, — er wäre ja ohne mich auch unerkannt und frei aus diesem schandvollen Verbrechen entkommen." „Ja, meine Herren, so ist es, und nun lassen Sie uns ohne Abschweifung bei der Sache bleiben. Ich wiederhole also, Herr Warneck, daß Sie unbedingt auf eine Weile verschwinden müssen." „Meinetwegen, vielleicht treffe ich ihn unterwegs, will die Augen schon offen halten." »Ihr Freund muß über Ihre Reise stets auf dem Laufenden erhalten werden." „Das ist selbstverständlich, mittlerweile thun Sie das Ihrige, Herr Commissar." „Versteht sich, werde ihm meine besten Kräfte auf die Fährte setzen." Die beiden Herren schüttelten dem Beamten die Hand und gingen. „Willst Du lieber sofort mit nach Notenhof zurück?" fragte Marbach den Freund. „Wenn Du mich placiren kannst —" „Gewiß, es geht ganz gut. Du willst doch erst morgen reisen?" „Ja, ich gehe in die Berge und telegraphire von Station zu Station. — Will deßhalb heute noch mit Dir beisammen bleiben." Nach einer halben Stunde fuhren sie bet dem Doc- tor vor, um Fräulein Holten abzuholen. » ^ -i- (Fortsetzung folgt.) . — . - Unter den Palmen der Sahara. (Vortrug, gehalten im kath. kaufmännischen Verein „Lätitia" von Theodor Habich er.) (Schluß.) Als wir die freundliche Oase Figuig betraten, war es finstere Nacht. Nur wenige Menschen waren zu sehen, während die spärlich erleuchteten Kaffeehäuser von Besuchern wimmelten. Nachdem wir im Hauptksor „Snaga" Besitz von den uns durch den Kalifen angewiesenen Hallen genommen, die Feldbetten aufgeschlagen, sowie die auf der Reise gesammelten Mineralien und Pflanzen ausgebreitet hatten, traten wir in das am Hammau-arbi gelegene, reputirlichst aussehende maurische Kaffeehaus und ließen uns zwischen Hunderten von Süd-Marokkanern in einer wahrhaft betäubenden Atmosphäre nieder. Die Menschen, die Lichter, die Kasseetöpfe, die Becken mit den Kohlen zum Pfeifenanzünden, die Teppiche und die Kleider der Figuiganer, kurz alles, jedes strömte einen solchen Qualm aus, daß wir auf die Märchen eines Roman- erzählers im wahrsten Sinne des Wortes „athcmlos" lauschen mußten. Hätten wir nicht selbst geraucht, so würden wir es nicht fünf Minuten lang in dieser Räucherkammer ausgehalten haben. Die Geschichte des Roman- erzählers war derartig, daß ich dieselbe unmöglich nacherzählen kann. Als drei Frauenzimmer der verworfensten Art das Kaffeehaus betraten, um die Gäste mit einer Tanzvorstellung zu unterhalten, verließen wir das Lokal, und auf dem Heimwege athmeten wir mit wahrem Entzücken die reine Nachtluft. Als wir am folgenden Morgen — ziemlich spät — aus sanftem Schlummer erwachten, hatte der Kalif schon für unser leibliches Wohlsein gesorgt. Es erschien eine Ordonnanz — ein echter und unverfälschter Sohn der Sahara — und meldete, daß das Frühstück bereit sei. Die französischen Offiziere, äußerst joviale Herren, erlaubten auch uns, das Frühstück gemeinsam zu verzehren, das aus Scharba oder arabischer Suppe (ein kräftiges Hammel-ConsommZ mit Brocken von Leber, Fleisch, trockenen Früchten und Rosinen), zweitens aus einem Eierkuchen, einer Anzahl gebratener Hühner und endlich dem Nationalgericht, dem Kuskus oder Gerstenbrei, bestand, dem wir alle Ehre anthaten. Der Kalif hatte Platz neben uns genommen; zu unserem Erstaunen weigerte er sich aber, irgend etwas zu genießen, wiewohl es nicht Freitag, sondern Montag war. Unser Wirth war nämlich ein Puritaner aus der echten Secte der Wüste, und als solcher fastete er nicht allein den Freitag, sondern auch den Montag. Wie ich nachher ans guter Quelle erfuhr, soll er sogar recht aufrichtig in seinen religiösen Handlungen sein und nicht bloß dem Scheine zulieb heilig thun, wie dies zuweilen in Afrika geschieht. Der echte mohammedanische Puritaner hingegen ißt und trinkt nicht nur nichts, sondern raucht auch nicht am Festtage. Ueberhaupt soll ihm nichts über die Lippen kommen, von Sonnen-Auf- bis Sonnenuntergang. Nach Tisch besuchten wir den Stadtplatz, wo gerade großer Araber-Jahrmarkt stattfand. Der Platz ist groß, jedoch sandig, und wird von regelmäßig gepflanzten, schattigen Palmenalleen eingefaßt, durch deren Fächerwedel maurische Bauten aus gelbem Sandstein schimmern. Dichtes Strauchwerk umrahmt den Hauptplatz in buntem Schmuck, und eine Niesenpalme, dergleichen ich nie wieder gesehen habe, überragt die Dächer der höchsten Bauten. Auf diesem Platze wogt ein so buntes Treiben, baß man sich stundenlang mit bloßem Zuschauen vortrefflich unterhalten kann. Neben dem in Hellem Anzüge flankenden Süd-Oranesen wandelt ein gravitätischer, buntgekletdeter Maure. Diesem folgen ein Paar Tafileter Kaufleute, deren scharf beobachtende Augen und listige Züge sie als Abkömmlinge Israels auf den ersten Blick verrathen. Neben diesen „Vätern des Handels" schlendert ein reicher Araber, welcher an jedem Arme eine Haremsdame mit langen, schwarzblauen Locken führt und sich weigert, mehreren marokkanischen Offizieren Platz zu machen, die sich auf dem Marktplatze in mehr bequemer als regelmäßiger Uniform ergehen. Nicht uninteressant war auch der Verkanss- platz für die Kameele. Wir sahen dort schönes Vieh, unter anderem kolossale Kameelstiere in vortrefflichem Zustande und zu verhältnismäßig hohen Preisen, bis zu 500 Franken. Die Weibchen sind zur Hälfte billiger. Auch Esel wurden angeboten von jener kleinen, hellgrauen, aber nicht sehr ausdauernden Rasse, wie sie in den Oasen einheimisch ist. In den Buden war inländisches, meist wollenes, theils grobes, theils auch sehr feines Gewebe ausgestellt, auch Getreide, besonders Gerste, und mancher- 257 lei Gewürze wurden feilgeboten, sowie auch Tabak und Massen von Dattelkörnern, die als Heilmittel für die Kameele verwendet werden. In diesem bunten Getriebe spielen die Eselsjungen mit ihren flinken Grauthierchen, die Kameeltreiber und Ausrufer eine große Rolle. Das Geschrei der letzteren klingt ohrenzerreißend und ist dennoch, wenn man den Inhalt desselben versteht, voll von jener Poesie, welche die Gottheit diesem Wolke zum Ersatz für die meisten anderen Güter des Lebens als unverwüstliches Eigenthum beschert hat. Da hört man statt: „Kauft Datteln!" „Die Datteln von Figuig sind besser als Mandeln!", oder: „O wie süß ist das kleine Söhnchen der schlanken Palme!" Der Citronenhändler schreit: „Gott mache sie leicht (zu verkaufen), o Citronen!" Die wohlfeilen Kerne der Wassermelonen werden ausgeboten mit dem Rufe: „O Tröster der Nothleidenden, o Kerne!" Der Orangenverkäufer schreit: „Honig, o Orangen, Honig!" Die schönste Anpreisung seiner Waare braucht wohl der Nosenhändler, denn derselbe ruft: „Die Rose war ein Dorn, der Schweiß des Propheten benetzte ihn, und ihm entwuchs die Rose!" Die Wasserträger preisen die Billigkeit ihrer Waare mit dem Rufe: „O, möge Gott Ersatz geben!" In der That bedürfen diese armen Menschen gar sehr eines Ersatzes von oben, denn sie bekommen für einen Ziegenschlauch voll Wasser, den sie auf den Eseln, Kameelen oder den eigenen Schultern oft sehr weit herbeiholen müssen, nicht mehr als nach deutschem Gelde höchstens 5 Pfennige. Bei den meisten öffentlichen Brunnen wird gleich bei Grabung eines solchen eine Schule gestiftet, in der die mohammedanischen Kinder für wöchentlich 10 Pfennige im Koran lesen, Schreiben und ein wenig Rechnen lernen. Gedenke ich jetzt meines Besuches in derselben, so ersteht vor meinem geistigen Auge ein überaus anmnthigcs Bild, und ich bedaure dann, kein Maler zu sein. Wie gerne würde ich die Gruppe, die so lebhaft sich meiner Erinnerung eingeprägt hat, auf die Leinwand zaubern. Eine der Treppen, die in die Medressa führen, hinansteigend, blieben wir auf der letzten Stufe derselben stehen. Dieser Theil des alten, von Ephen umrankten Gebäudes diente als Schnlranm; aus Schilf geflochtene Matten bedeckten den Fußboden, auf einem Polster ruhte in bequemer Stellung ein silberbärtiger Schcch-Msid, d. h. Lehrer, dessen ehrwürdiges Haupt ein blüthenweißer Turban zierte. Dieses Haupt war tief auf die Brust geneigt, und schwere, regelmäßige Athemzüge verriethen den ruhigen Schlummer, welcher den Greis übermannt hatte. Das Buch, welches vor dem schlafenden Oasen- Professor lag, mochte eben erst seiner Hand entglitten sein. Um ihn herum hockte die Schuljugend, lauter in zartem Alter stehende Knaben. Wir wußten zuerst nicht, wie wir uns die Ilnbc- weglichkeit, in welcher die Gruppe verharrte, deuten sollten. Fast undenkbar schien es uns, daß die schwarzäugigen kleinen Buben, welche dort so mäuschenstill kauerten, Fletsch und Bein hätten. Eine so schweigsame Schuljugend hätten wir bei diesem lebhaften, heißblütigen Volke nicht vorausgesetzt, es lag etwas ungemein Rührendes im Anblick des schlummernden Greises und der Kinder, die so zartsinnig seinen Schlummer behüteten. Ob nicht vielleicht die Furcht vor einer Strafe dahintersteckte? Doch die Gruppe ward lebendig — bei unserem Erscheinen wandten sich die dunklen, blitzenden Augen uns zu. Jedes Augenpaar hatte den Ausdruck kindlicher Neugierde, das dort aber schaute, den ernsten Charakter des kleinen Buben verkündend, sogleich wieder in das Buch, in welchem es studirte, jenes blickte ängstlich und scheu auf den Lehrer und dann zu uns herüber, gleichsam bittend, wir möchten den Schlummer des Greises nicht stören; die meisten Blicke jedoch funkelten in jugendlichem Uebermuth. Zwei tiefschwarze, mächtige Sterne, die einem allerliebsten kleinen Burschen angehörten, zogen uns besonders an; welch' eine reizende Schelmerei lag in diesem Kinderblick! Wir waren damals noch übermüthige Geschöpfe und konnten dem Dränge nicht widerstehen, dem Araberknaben zuzunicken und blitzschnell ihm ein Knßhändchen zuzuwerfen, ein Manöver, welches von dem kleinen Burschen lächelnd als eine Freundschaftsbezeigung, die es ja auch sein sollte, aufgenommen und mit großer Schlagfertigkeit erwidert wurde. Das kleine Volk kicherte leise, doch gleich darauf lagerte auf's Neue unverwüstlicher, uns mit unwiderstehlicher Komik berührender Ernst über der Gruppe, und die von Afrika's Sonne gebräunten Hündchen winkten uns zu, uns zu entfernen, pantomimisch andeutend, daß unser weiteres Verweilen die Siesta ihres Mentors gefährden könnte. Wir folgten dem Winke, eine herzige, sonnige Erinnerung mit uns nehmend. Und als wir, im Hinabsteigen begriffen, noch einmal umschauten, da gewahrten wir, wie das plötzlich durch die Bogenfenster hereinfluthende Sonnenlicht die Gruppe mit einem goldigen Schleier umwob, Alter und Jugend mit seinen Strahlen umfassend. Wir begaben uns dann zur Feste Snaga zurück auf der mit Palmen bestandenen Chaussee, welche direkt zur größten Moschee der Oase führt. Dort konnten wir etwas bewundern, was man in Europa nicht alle Tage sieht — das mohammedanische Gotteshaus, den Tempel derJsla- miten. Man darf jedoch keinen Prachtbau erwarten. Zur Aufführung eines solchen hatte die arabische Bevölkerung von Stadt und Land kein Geld und — keine Lust. Was braucht der Araber des unstäten Nomadenlebens ein Gotteshaus? Unter freiem Himmel verrichtet er sein Gebet, des Morgens, wenn die Sonne den Horizont purpurn färbt, und des Abends, wenn sie dem Untergang sich neigt. Unter welchem Himmelsstrich er sich auch befindet, stets weiß er, auch ohne Kompaß, sehr genau die Richtung, in welcher die Stadt der Städte, die Stadt des Weltalls, Mekka, liegt, wo wohlbehütet von finsteren Derwischen unter einem schweren Steine die heilige Kaaba ruht, der er täglich einige Dutzend höchst devote Verbeugungen zu machen hat; und geht ihm in der Einsamkeit der Wüste das Wasser aus zu den vorgeschriebenen Waschungen, so gießt er, neben seinem verwunderten Kameele knieend, Körbe glühenden Sandstaubes aus über Haupt und Hand. Mit fünf blinkenden Kuppeln, von einem niedrigen Mauer-Viereck getragen, an das sich vorne ein runder, nicht allzuhoher Thurm anlehnt, tritt die Moschee in die Erscheinung. Der Thurm, einem oben und unten gleich- weiten Fabrikschornstein vergleichbar, dessen Schlot von einem Helm bedeckt wird, trügt an der Krone eine enge Galerie, die mittels einer durch schießschartenähnliche Fensterchen erhellten Wendeltreppe erklommen wird. Auch die Fenster der eigentlichen Kirche, vom Boden aus nicht erreichbar, sind nicht übermäßig groß, doch mit kunstvoller Glasmalerei versehen. Jede Kuppel, sowie der Thurm- helm trügt einen vergoldeten Halbmond. Das einfache, aller Ornamentik entbehrende Mauerwerk ist weiß getüncht und äußerst sauber gehalten. Der Eintritt in das Heilig- 258 thum ist dem „Gianr", d. i. Nicht-Mohammedaner, besonders wenn er noch dazu französischer Fremdenlegionär ist, auf das Strengste verboten. Ein mit einem Geleitsbrief des Mulcy Taieb von Marokko versehener Offizier derselben Truppe aber macht z. B. in diesem Verbot schon eine Ausnahme und darf sich die Geschichte da drinnen ansehen, ohne Gefahr zu laufen, von einer fanatischen Menge in Stücke gerissen zu werden. Ucbrigens ist der religiöse Fanatismus bei den am Nordrand der Sahara lebenden Araberstämmcn nicht nur zu einer Blüthe gestiegen, wie bei den nordalgerischcn Mohammedanern, unter denen ich Jahre lang gelebt, sondern es macht sich auch in ihrem Glaubenseiscr eine allgemeine Lauheit bemerkbar. Gleich wollen wir im Weiterschreiten die Probe für die Wahrheit dieser Behauptung machen. — Genau wie uns Christen, so ist es auch dem Muselmann eine heilige Pflicht, zu gewissen Tageszeiten Herz und Hand zum Himmel zu erheben und dem Vater dort droben, von dem alles Gute ausgeht, zu danken und ihn zu loben. Wenn Christen sich dieser Pflicht entledigen wollen, so nehmen sie meist ängstlich Rücksicht auf die Situation, in welcher sie sich gerade befinden, und gewahren sie, daß die Aufmerksamkeit Anderer auf ihre Handlungen gerichtet ist, so glauben sie, von falscher Scham beredet, durch ein kurzes Stoßgebet für dieses Mal ihre Schuldigkeit gethan zu haben. Anders der strenggläubige Muselmann. Er erläßt sich die für seine Gebetsübungen vorgeschriebenen Ceremonien unter keinen Umständen, mag er nun der Tafel eines Fürsten beiwohnen oder daheim sitzen unter dem Schatten seiner Palmen. Und bei ihm geht's nicht mit einem bloßen Händefalten ab. Geht die Sonne auf oder unter, stets, an jedem Orte, holt er seinen Gebet-Teppich hervor und murmelt die Koransprüche, jetzt leicht vornübergebeugt mit auf der Brust gekreuzten Armen, dann nicder- knicend mit erhobenen Händen, dann wieder das Gesicht bergend in den Staub. Der Muselmann, der echte, kennt keine Scham, wenn es gilt, Zeugniß abzulegen für seinen Glauben. In der Stunde des Gebetes vergißt er die Welt um sich her, vergißt er Glück, und selbst angesichts der drohendsten Gefahr weicht er kein Jota ab von den Geboten, die der große Prophet ihm hinterließ. - Der Araber, soweit er mit den Franzosen in Berührung gekommen und von ihnen gelernt hat, wie's heutzutage die vielgerühmten Christen machen, hat viel von seiner Streng- glänbigkeit verloren. Treten wir ein in jene Boutique, die den hochtönenden Namen „Cafä Maure" trägt. Die beiden Holzbänke längs den Wänden sind dicht besetzt mit bärtigen Arabern, gehüllt in weiße und braune Burnusse, die spitzige Kapuze anf dem Kopfe. Sie waren in eifriges Gespräch verwickelt, ehe sie unsern Eintritt bemerkten; jetzt sind sie urplötzlich stumm geworden. Unbeweglich hält die Rechte das niedliche Kaffeeschälchen, in dem der duftende Mokka erkaltet. Unbeweglich auch ruht die nachlässige Linke unter dem kameelhaarenen Gewände, unbeweglich sind Kopf und Füße. Schössen nicht Zornesblitze aus den schwarzfunkelnden Augen, man sollte glauben, die ganze Gesellschaft dort sei eine aus Stein gemeißelte Koboldenschaar. Unwillig nur reicht uns der Wirth den braunen Göttertrank. Hastig schlürfen wir ihn. Da ertönen plötzlich dumpf die Klänge des Metallbeckens, deutlich vernehmen wir den langgezogenen Ruf des Jmams, der zum Gebete ruft. Werden sie jetzt niederstürzen und, der Anwesenheit der Fremden nicht achtend, die Knie beugen zum Gebet? — Alles bleibt still. Schon verklingt vom Thurme des Priesters dreimaliger Mahnruf, und noch stets hält die Rechte unbeweglich die Porzellanschale — „Reform- Muselmann". — Mag sich aber immerhin der Araber Algiers klassificiren lassen in Reform- und strenggläubige Mohammedaner, ein festes, unlösliches Band umschlingt sie alle gemeinsam: der Haß gegen den fremden Eroberer, den Unterdrücker, und der Haß gegen die Hebräer. In seinem Herzen nährt der Araber die zuversichtliche Hoffnung auf den Tag, an welchem an der Spitze seiner Schaaren der Rache-Engel erscheinen und das fremde weiße Gezücht hinausjagen wird aus dem Lande seiner Väter mit flammendem Schwerte. Der Glaube an das Erscheinen des Tages der Rache sinkt mit ihm in's Grab. Aber ehe er stirbt, pflanzt der Greis ein grünendes Hoffnungsreis in das Herz des Sohnes, und der harrt nun an des Vaters Statt im gläubigen Vertrauen auf Allah, der immer hilft, wenn groß die Noth. Bis dahin führt er schweigend seine Heerde über die magere Trift, ruht aus unter seinem niedrigen Zeltdache und freut sich der Freiheit in der unendlichen Wüste. Nur an den Markttagen zeigt er sich auf feurigem Rosse oder bescheidenem Esclcin in der Franzoscn-Stadt, Mundvorrath umzutauschen gegen ein paar feiste Hammel. Doch noch nie hat der freie Sohn der Wüste sich dazu erniedrigt, Sklavendienste zu verrichten. Er duldet den fremden Herrn, aber er dient ihm nicht. So war der Abend gekommen, wir befanden uns wieder im Castcll „Snaga" und es wurden die Vorbereitungen zum Diner getroffen. Auch der Kalis fand sich wieder ein und nahm neben uns Platz. Das Essen war womöglich noch reichhaltiger als beim Frühstück. Nach der Erfahrung, die ich beim Morgenimbiß gemacht, mußte ich annehmen, daß unser Wirth sich bloß aus Höflichkeit zu uns gesetzt; diesmal sollte ich mich aber getäuscht haben, denn wenn die Nacht noch nicht eingetreten, so war doch die Sonne untergegangen. Dies wußte der Kalif sehr wohl, und da sein Appetit wahrscheinlich nicht gering war, so hatte er es so eingerichtet, daß anf die Minute servirt wurde. Und in der That leistete er diesmal sein Gehöriges, nicht jedoch ohne sein arabisches Experiment gemacht zu haben, welches darin bestand, zwei Fäden von verschiedener Farbe, einen rothen und einen blauen, gegen das Licht zu halten. Erkennt man die Farbe nicht mehr, so ist der Fasttag vorüber, und ebenso beginnt er morgens, wenn man die zwei Farben genau unterscheidet. Nach dem Dessert, welches aus herrlichen Pasteken oder Wassermelonen bestand, wurde uns der Kawna (Kaffee) servirt. Derselbe war von vortrefflicher Qualität. Nach mehrtägigem Aufenthalt in Fignig wurde endlich die Stunde der Abreise bestimmt. Wir schlössen uns einer Karawane an, die demselben Weg folgte. Es war in jeder Beziehung viel interessanter, in solcher Gesellschaft zu reisen, und so zogen wir denn nach einem herzlichen Abschiede vom Kalifen und seinen Leuten mit einer Karawane von ungefähr hundert Kameelen und etwa dreißig Kameelsührern (aoArars) weiter. Schon am ersten Tag verließen wir das Gebiet der Dünen und betraten wieder das Plateau. Für die Kameel- treiber ist dies eine willkommene Abwechslung, indem sie dann der Nothwendigkeit enthoben sind, Futtervorräthe für ihre Lastthiere mitzunehmen, weil sie hier hinlängliches Gesträuch als Ersatz finden. 259 Wenn man aus einem Dünenzug heraus auf das Plateau tritt, ist es auffallend, wie urplötzlich eine unbegreifliche Aufregung die Thiere erfaßt und sie nach allen Richtungen rennen, die einen nach rechts, die andern nach links. Diese Erscheinung findet sogleich ihre Erklärung: Der Appetit ist es, der sie zu einem beliebigen Strauch, gewöhnlich einem Thymian oder Drynbusch, hinzieht, den sie aus weiter Ferne erblickt haben, und auf den sie nun begierig losrennen. Nach einer Weile wird es ruhiger in der Zunft, und wenn sie dann alle zusammen auf einer Düne entlang ziehen, ihre Führer hinterdrein, und diese ihre Lieder anstimmen, so übt das einen seltsamen, ergreifenden Eindruck. Dieser Gesang lautet äußerst traurig und erinnert, wenn auch ganz verschieden von unseren europäischen Weisen, doch an eine gewisse melodischeOrdnung. Bon nicht geringem Interesse war auch das Nachtlager. Nicht immer traf es sich, daß wir zur rechten Zeit den Brunnen erreichen konnten und so kamen wir mehrmals in den Fall, am ersten besten Platz unser Lager aufzuschlagen. In der Regel sucht man sich einen Ort, wo etwas Gesträuch vorhanden ist, um damit Feuer machen zu können. Sofort luden wir unsere Kameele ab und machten uns an das Improvisiern einer Küche vermittelst einer kleinen Grube in den Sand. Die Beduinen thaten desgleichen, und nachdem sie ihren Kameclen das Knieband an einen Vorderfuß angelegt, überließen sie diese sich selbst. Es sucht sich jede Abtheilung, gewöhnlich aus sechs oder sieben Personen bestehend, ein eigenes Plätzchen zur Bereitung ihres Mahles. Dieses ist natürlich sehr einfach. Außer den Datteln, von denen man auch den Tag über genießt, führt jede Gruppe etwas Mehl mit sich zu den Galetten oder Kuchen, deren Zubereitung höchst pittoresk ist und nach der Tradition schon zu den Zeiten der Mutter Sarah dieselbe gewesen. Man nimmt einen kleinen, gewöhnlich nicht allzu sauberen Teppich, breitet ihn neben dem Feuer aus, schüttet etwas von dem Mehl darauf, knetet es, setzt etwas Schaffett und ein wenig Piment hinzu und drückt es dann zu einem Kuchen breit. Indessen ist das Holz abgebrannt; man macht eine Grube in den Sand, schiebt einen Theil der Kohlen hinein, legt den Kuchen darauf, überdeckt ihn mit den Nest derselben, häuft Sand darüber, steckt einen Zweig oder ein Palmblatt auf das Ganze und läßt so den Kuchen ungefähr eine halbe Stunde backen, während welcher Zeit man seine Andacht verrichtet und nachher sich nach orientalischer Weise Geschichten erzählt. Die Grube wird dann geöffnet, und das Mahl ist bereitet; dazu gibt es als Würze einen Trunk Wasser, das, wenn die Schläuche neu sind, einen nichts weniger als angenehmen Theergcschmack hat. So wenig Ansprüche man in solchen Fällen zu machen geneigt ist, so kann man doch mit dem besten Willen kein Wohlgefallen an dieser Küche finden, wenn alles, Suppe, Fleisch und Kaffee, nach Theer schmeckt. Trotzdem die Reise und der Aufenthalt unter den Palmen der Sahara uns viele genußreiche Stunden verschafft hatte, so war ich doch herzlich froh, besonders aber unsere Offiziere, als am vierten Tage unserer Rückreise die fahle Wintersonne die Minarets von unserer Garnisonsstadt Äm-Sefra im gold'nen Schimmer erblicken ließ und unseren von den Excursionen ziemlich ermüdeten Gliedern nach glücklich vollendeter militärischer Mission wieder mehrere Wochen Ruhe in Aussicht standen. ^ > j » ^ . - >- > Ei» Zagdünsflug nach Amerika. Im vorigen Sommer machten die Herren Premierlieutenants Dietrich und Fritz Freiherr v. Feilitzsch vom 4. Chevaulegers-Ncgiment in Augsburg eine Reise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die neben der Besichtigung der hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten und der Chicagoer Ausstellung namentlich den Zweck hatte, im Herbst in Montana und Wyomiug auf einige Wochen dem Waidwerk obzuliegen. An dieser Partie, die finanziell gegen eine sehr namhafte Beisteuer von einem Münchener Herrn geleitet wurde, nahmen noch einige andere Herren Theil, darunter ein Graf Zeppelin aus Württemberg und der Rittmeister Graf Blücher vom preußischen Garde- Kürassier-Negiment. Wie schon früher über seinen Jagd- Ausflug nach Norwegen, so hielt auch über dieses Unternehmen der inzwischen zum Rittmeister beförderte Herr Baron v. Feilitzsch in der Section Augsburg des Alpen- Vereins einen Vortrag, der dem ungewöhnlich zahlreichen Auditorium eine natnrwahre und lebhafte Vorstellung von dem Jagdleben vermittelte, wie eS die Herren im fernen Westen Nordamerikas führten, und zugleich eine treffliche Schilderung einiger der dortigen Sehenswürdigkeiten wie der allgemeinen Verhältnisse darbot, welche Darstellungen um so unmittelbarer und anziehender wirkten, als der Herr Vortragende augenscheinlich nur Selbst- erlebtes und Selbstempfundenes schilderte. Die „A. Abendztg." berichtet hierüber: Die Augsburger Herren reisten am 20. Juni mit dem Dampfer „Havel" von Bremen nach New-Iork ab und trafen später in Chicago mit der übrigen Jagdgesellschaft zusammen. Nach Besichtigung der Ausstellung, des Niagarafalls und anderer Sehenswürdigkeiten erfolgte die Eisenbahnreise nach dem Westen zunächst bis in das Territorium Arizona, wo den berühmten Colorado-Kannons, den bis 2000 Meter tiefen, geologisch hochinteressanten und ein farbenprächtiges Felsenchaos bildenden Niesen- einschnitten des Coloradostromes ein mehrtägiger Besuch abgestattet wurde. An Ort und Stelle ausgeführte prächtige Aquarelle kamen bei der Schilderung dieser eigenartigen Fclscnlandschaft der Vorstellung der Zuhörer sehr erwünscht zu Hilfe. Die Eisenbahnreise ging dann weiter westwärts bis nach los Angelas, der seit der Eröffnung der Eisenbahn rasch anwachsenden ältesten Stadt Kaliforniens, und hierauf nordwärts nach Sän Francisco, wobei unterwegs ein Abstecher nach dem berühmten Aose- mitethal in der Sierra Nevada gemacht wurde. Der Herr Vortragende fand, daß gegenüber unseren herrlichen Alpen der Eindruck dieser vielgerühmten Landschaft weit hinter den Erwartungen zurückbleibt und es sich eigentlich nicht gelohnt hätte, mit 189 Mark Extrakosten und bei einer Hitze von 126° Fahrenheit (42° Nsaumur) den Ausflug dorthin zu unternehmen. Doch war es immerhin interessant, die wahre Naturwunder bildenden Mammuthbäume (Loquoja, oder WöllinAtoniL §i§ant6L und Le^uoja. somporvirans) im Mariposahain zu sehen, welche mehrere Tausend Jahre alten Baumriescn ihre Kronen bis über 80 Meter hoch in die Lüfte erheben und Stämme bis zu 10 Meter Durchmesser haben. Mehrere dieser Bäume wurden von den Reisenden theils photographirt, theils aquarcllirt. An Wild wurden hauptsächlich kalifornische Schopfmachtclu, Hasen, Prairie-Eulen und Prairie-Hunde beobachtet. In Sän Francisco wurden einige Wochen in deutscher Gesellschaft verbracht, dann ging es mit dreißig- ! ständiger Eisenbahnfahrt nordwärts der Sierra Nevada 260 entlang nach der Stadt Portland im Norden des Staates Oregon, und von da nach Newport an der Küste des stillen Ozeans, von wo aus in zwei Gesellschaften getrennt der erste Jagdausflug in richtiges Urwaldgelände erfolgte, der reich an ganz ungewöhnlichen Strapazen, aber gering an Jagdbeute war. Kalte Biwaks an spärlichem Lagerfeuer trugen nicht gerade zur Erhöhung des Vergnügens bei, und wenn die Jäger von dem Ertrag ihrer Büchse hätten leben sollen, wären sie verhungert. Die erwarteten Heerden von Elchs und Virginiahirschen wurden vergeblich gesucht, dagegen boten die Flüsse und Bäche zum Glück zahlreiche und schöne Forellen und Krebse zum Lebensunterhalt. Freiherr v. Fcilitzsch erlegte indessen mit sicherem Kugelschuß einen Seeadler von 205 Ceniimeter Flügel- weite. Nach der Rückkehr nach Portland, wo die Jagdgesellschaft den Sedantng feierte, und auf ihrer Reise nach Wyoming und Montana wurden die Herren in jeder Stadt interviewt und die Zeitungen brachten die ergötzlichsten Berichte über sie. Einige davon gab der Herr Vortragende unter stürmischer Heiterkeit seiner Zuhörer zum Besten. Ein Blatt imponirte seinen Lesern mit der Artikelüberschrift: „Zwei wirkliche, lebendige deutsche Grafen sind in unserer Stadt"; ein anderes wußte zu melden, daß der eine dieser Grafen ein Enkel des berühmten Feldmarschalls Blücher vulZo „Marschall Vorwärts" sei, die „Oregon- Staatszeilung" aber hatte gar herausgebracht, daß die deutschen Herren gekommen seien, den wildgrimmigen Grizly- Bären zu erlegen, „um sein Fell späteren Generationen als Erbstück glorreicher Ahnen zu hinterlassen". Im Territorium Wyoming besuchten die Reisenden zunächst den interessanten Aellowstone-Nationalpark mit seinen zahlreichen heißen Spnngqucllen (Geisern) und eigenartigen landschaftlichen Schönheiten, der, dreimal größer als das Königreich Sachsen, eine dauernde Schonstätte für alles Wild, auch Naubthiere, bildet und daher ungemein wildreich ist. Hier leben auch noch einige Hundert Büffel, die letzten Ueberreste der Hunderttausende, die noch vor 20 Jahren den amerikanischen Westen bevölkerten, außerdem finden sich Tausende von Wapiti- und Virginiahirschen, Antilopen und Moosthieren (amerikanischen Elchen), ferner graue, braune und schwarze Bären, Puma (Silberlöwen), Luchse, Wölfe, aber wenig Füchse, zahlloses Wassergeflügel. Das Wild ist ungemein vertraut, und es gelang Herrn Baron v. Fcilitzsch sogar, einen hinter dem Neisewagen herschnürenden Wolf zu überlisten und auf 6—8 Schritte Entfernung zu Photographiren. Der Wildschutz wird im Jellowstonepark unnachsichtlich streng gehandhabt, und beim Betreten des Parkes werden alle Gewehre, sogar Revolver, versiegelt. Trotzdem aber zwei Eskadrons Kavallerie patrouilliren, wird, namentlich an den Grenzen, doch viel gewildert. Mitte September begann die eigentliche große Jagdpartie, und zwar von der Station Livingstone im Staate Montana aus. Wie in Oregon theilte sich die Jagdgesellschaft in zwei Partien, die vom 20.—25. Oktober in Livingstone wieder zusammentreffen wollten. Jede Partie bestand aus vier Herren mit einem Trapper als Führer, einem Packer und vierzehn Pferden, die theils gekauft, theils gemiethet werden mußten. Die Jagdgebiete lagen zehn bis zwölf Tagereisen auseinander. Von dem nun folgenden mehrwöchentlichen Lagerlcben und der Art der Jagdausübnng entwarf der Herr Vortragende eine Reihe höchst anschaulicher Bilder, aber trotz aller Mühseligkeiten und Strapazen war auch hier seiner Partei das Jagdglück nicht hold, weil es eben an Wild fehlte. Der Unternehmer hatte es augenscheinlich an der richtigen Orientirung fehlen lassen und der führende Trapper war ein fauler Bursche, der nicht das geringste Interesse zeigte, die Herren zum Schuß kommen zu lassen, dafür aber im Zelt beim Essen und Trinken um so leistungsfähiger war. Auch war die Witterung die denkbar ungünstigste, und tagelang konnten die Jäger wegen Schneegestöber ihre Zelte nicht verlassen. Die Jagdpartie wurde deßhalb abgekürzt und Frhr. v. Feilitzsch versuchte sein Glück allein, indem er sich einem Jagdzuge nach Canada anschloß, wo er u. A. einen Deerbock (Virginiahirsch), Puma und Prairie- wolf zur Strecke brachte. Der andere Theil der Jagdgesellschaft hatte bessere Jagdgründe getroffen. Im Vergleich zu seiner früheren Jagdpartie nach Norwegen fand der Herr Vortragende, daß der Wildreichthum dort eben so gering war, wie in Nordamerika, in Norwegen waren aber die eingeborenen Jäger zuvorkommender und eS gab in den vorhandenen Blockhäusern bessere Unterkunft. Die körperlichen Anstrengungen waren in Norwegen fast noch größer. Nach der Rückkehr aus Canada besichtigte Herr Baron v. Feilitzsch noch das berühmte Schlachtfeld von Gettysburg in Pennsylvanien und reiste dann nach Ncw- Aork, wo er auf der deutschen Gesandtschaft die Nachricht von seiner Beförderung zum Rittmeister vorfand. Auf der Rückreise besuchte er noch London und Paris und traf Mitte Dezember v. I. wieder wohlbehalten in der Heimath ein. Der hochinteressante Vortrag fand den lebhaftesten Beifall. --SÄ8W-S--- GotdkSrnev. Wer sich allein für klug hält — Muß allein zu Grunde gehen. Der Tod ist rettende Genesung, — Der finst're Durchgang nur vom Licht zu hellcrm Licht. In And'rer Glück sein etg'neö finden, Ist edler Seelen Seligkeit; Doch selbst der Andern Wohlfahrt gründen, Zu frohem Dank ihr Herz entzünden, Ist göttliche Zufriedenheit. --8SWLS-.-- Kreuz-RätHfek. 1 3 ein altberühmt Geschlecht, Von einer Krone Glanz umflosscn, 2 4 hat oft unö schlecht und recht Der Vorzeit Wunder aufgeschlossen, 3 4 zeigt oft sich als Tyrann, Doch sollst du nicht zu sehr ihm dienen» 1 4 thut gern der kühne Mann Und der Bequeme fährt in ihnen. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 32: Weiß. Schwarz. 1. S. ^.6-67 K. V4-65 : 2. S. 67-85 beliebig 3. V3-V4 (D. - M) Matt oder 1. : : : . l : l §5-L4: 2. D. Ü2-Ü4 : Matt. Auflösung deS Bilder-Näthsels in Nr. 33: Wiener Walzer. ---HZWS--