^L40. 18942 „Augsburger Postzeitung". Ireitag, den 18 . Mai Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Litcrarischen Znstituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesiher vr. Max Huttler). Tante Kamm's Geheimniß. Original-Roman von E. von Linden. (Fortsetzung.) Sie wußte das beklemmende Gefühl nicht zu deuten, das sie zu ihm hindrängte und dann wieder in Furcht und Widerstreben abstieß. Schwer athmend, wollte sie sprechen, ihn bitten, sie in's Haus zurückzuführen, — und vermochte doch keinen Laut hervorzubringen, da ihr die Kehle wie zugeschnürt war. Sie fühlte sich in ihrer Schwäche so willenlos, daß sie hätte aufschreien mögen vor Zorn über die eigene Hülflosigkeit. Unwillkürlich drängte sich in. diesem Augenblick das ernste, offene Gesicht des jetzigen Besitzers von Rotenhof vor ihren inneren Blick, und es war ihr, als müsse sie sich zu ihm flüchten oder auch vor Scham in die Erde versinken. Da tönte die melodisch-schöne Stimme des Mannes, den sie einst so leidenschaftlich geliebt, dicht an ihrem Ohr, der wehmüthig verschleierte Klang derselben, durch welchen eine tiefe Trauer sich hörbar machte, drang unwiderstehlich in ihr Herz, der berauschende Zauber seiner unmittelbaren Nähe schien sie mit einem unentrinnbaren Netz zu umgeben, und entsetzt fühlte sie ihr Loos besiegelt. Wie er ihren hilflosen Zustand geschickt benutzte, sich zärtlich vor den Augen der Gutsangehörigen zu ihr niederbeugte und sie dann in den Park führte, um das letzte bindende Wort ihr abzuschmeicheln! Sie war jetzt, jedem fremden Blick entzogen, allein mit ihm und zitterte an seinem Arme wie ein gefangenes Wägelchen. Dort stand noch eine der alten Bänke wie einst vor zehn Jahren. Steindorf führte sie mit raffinirter Ueberlegung nach derselben hin, und nöthigte sie, sich hier auszuruhen. Er wußte genau, was er that, war dies doch dieselbe Holzbank, auf der er dem Kinde als Primaner eine Liebeserklärung gemacht und sich vermessen hatte, um ihretwillen mit der ganzen Welt sich zu duelliren. Diese Bank war nie erneuert, doch stets in ihrer alten Form und Farbe erhalten, während überall sonst eiserne Bänke angebrckcht worden waren. Der schlaue Steindorf hatte dies längst bemerkt und als stille Pflege der Erinnerung auch ganz richtig gedeutet, — er kannte das Frauenherz genau und lächelte spöttisch, wenn man von einer consequenten Festigkeit und männlichen Kraft desselben sprach. „Das echte Frauenherz hält selbst die unwürdigste Liebe noch fest und ist derselben für immer verfallen, darin ist es konsequent," pflegte er dazu zu sagen, „Ausnahmen giebt es nicht." Und hier schien sein frivoler Ausspruch wieder recht zu behalten, wie er triumphirend überzeugt sein durfte. — „Der Weg hat Sie angestrengt, theure Armgard," sagte er, ihr besorgt in die Augen blickend, „Sie sehen angegriffen aus. — Ach, diese BankI" setzte er plötzlich erregt hinzu, „ist es wirklich noch dieselbe, wo wir als Kinder so — glücklich waren?" „Es ist dieselbe," erwiderte Armgard mühsam, „Sie haben recht, wir waren glückliche, aber recht unerfahrene Kinder." „Die Erfahrung pflegt keine strenge Lehrmeistern: zu sein, mir ist sie es nie in der That gewesen. O, Armgard, kennen Sie Neue? — Nein, Sie haben ja kein verlorenes Glück zu beweinen, kein Unrecht zu bereuen. Jene Episode meines Lebens, an welche diese Bank mich gerade jetzt recht grausam erinnert, war für Sie nur eine kindische Thorheit und zog um Ihr Leben keinen verhängnißvollen Kreis. Wie hätten Sie mich sonst kampflos aufgeben können?" Armgard blickte ihn mit stillem Vorwurf an und wollte sich erheben. Sie fühlte, daß er sie mit Vorbedacht nach diesem Platz geleitet hatte, und ihr Stolz bäumte sich noch einmal gegen diesen Mann auf, der sie mit jenen Künsten noch einmal umstrickte, an denen einst ihr Lebensglück zu Grunde gegangen war. Der Warnruf des alten Reinhardt drang ihr höhnend in's Ohr, aber es war zu spät, die Todtenhand seines Kindes hatte gewaltsam das Band wieder geknüpft, gegen daS ihr Stolz sich ohnmächtig erwies. Steindorf ließ sie nicht mehr frei. Schmeichelnd zog er die Widerstrebende auf die Bank zurück und glitt auf seine Kniee nieder, sie mit den süßesten Tönen der Liebe anflehend, die furchtbaren zehn Jahre aus ihrem Leben zu tilgen und dort wieder anzuknüpfen, wovon diese Bank so stumm und doch so beredt zu erzählen wußte. „O Geliebte, stoße mich nicht von Dir," schloß er im Tone tiefsten und wahrsten Schmerzes. „Lasse mich nicht trostlos hinausziehen, nachdem der Tod mir Alles geraubt. Lotta kniet neben mir und bittet für ihren unglücklichen Vater. Glaube an meine Liebe, Theuerste, 302 welche den Weg wieder zurückgefunden hat zu ihrem ursprünglichen Heim." Armgard war so völlig verwirrt und betäubt, daß sie halb ohnmächtig sich ihrem Geschick ergab und, von Schwäche übermannt, Lotta im Sterbehemd mit der Wunde in der Stirn zu sehen vermeinte. Sie hörte, wie von einem peinlichen Traum umfangen, die Versicherungen seiner Liebe und Dankbarkeit, duldete mit jenem seltsam körperlichen Schmerz im Herzen seine Küsse und erhob sich endlich mechanisch, um sich von ihm in's Haus zurückgeleiten zu lassen. Ob und was sie ihm geantwortet, das wußte sie nicht zu sagen, konnte sich dessen auch niemals wieder erinnern, nur so viel empfand sie, daß ihre Leute sie scheu und besorgt anblickten, als ob man sie eines Verbrechens beschuldige, und daß Mamsell EverS sich mit der weißen Schürze über die Augen fuhr, als ob sie über sie weine. „Darf ich Karten drucken lassen und unsere Verlobung bekannt wachen?" fragte Steindorf, als sie in ihrem Wohnzimmer an seiner Seite erst zum rechten Bewußtsein dessen gelangte, was soeben geschehen war. Erschreckt blickte sie ihn an. „Jetzt schon? — Ruht Ihre Lotta ein Jahr im Grabe? — Nein, lassen Sie mir noch Zeit, ich fühle mich so schwach, — die Welt würde uns Beide verurteilen, und sie hätte ein Recht dazu." „Die Welt ist grausam, Geliebte, und nur die Liebe vermag ihr Trotz zu bieten. Lotta würde für mich bitten, ja, sie würde Dir sagen: laß ihn nicht von Dir, den armen, einsamen Vater, sondern schließe sofort das Band, welches ihm eine Heimath und ein liebendes Herz giebt." „Nein, nein, nicht so bald schon," wehrte sie angstvoll ab, „sei barmherzig, Julius, gönne mir Zeit, gesund zu werden." „Weßhalb sollen wir noch warten, mein Lieb?" schmeichelte er, den Arm um sie schlingend, mit zärtlicher Stimme, „jeder Tag nutzlosen Harrens und Bangens beraubt unser Glück. Sind wir nicht Beide frei und unabhängig? — Brauchen wir uns dem Urtheil der Welt zu beugen? — O, gieb mir das öffentliche Recht, Dein natürlicher Beschützer und Berather -u sein. Nicht wahr, Du willst es, ich darf laut mein Glück verkünden, o, sage es, Geliebte, daß es Dein Wille ist." Weßhalb sollte sie sich noch länger gegen das Unabänderliche sträuben? Zischelte die Verleumdung nicht längst und hatte ihren Namen mit ihm in Verbindung gebracht? Konnte sie jetzt noch denselben anders reinigen als durch eine Heirath mit dem Manne, den sie einst geliebt hatte? — Sie neigte deshalb müde und resignirt das Haupt und bat ihn leise, sie nun allein zn lassen. Steindorf küßte sie zärtlich, drückte ihre Hände an sein Herz und ging mit triumphirender Miene hinaus. ES hätte ihn vielleicht doch unangenhm berührt, wenn er gesehen, wie verzweiflungsvoll sie die Hände rang und wie starr und unheimlich ihre Augen auf die Thür sich richteten, als diese sich öffnete und Mamsell Evers eintrat. „Haben Sie Befehle für mich, Fräulein?" fragte die Alte, sich langsam dem Tische nähernd. Armgard schüttelte den Kopf und öffnete die Lippen, brachte aber keinen Laut hervor. „Ach, lieber Himmel, wenn ich's mir nicht gedacht habet" rief die Mamsell in einem bei ihr ganz ungewöhnlich weinerlichen Tons, „nun sind Sie richtig wieder krank geworden, und der letzte Betrug kann ärger werden als der erste." Armgard starrte sie mit weit geöffneten Augen, als sähe sie etwas Furchtbares, an, und hauchte leise, mit sichtlicher Anstrengung: „Welcher Betrug?" „Ach Gott, ich meine nur so, von wegen Ihrem Nückfall. Kommen Sie nur rasch in's Bett, liebes Fräulein, ich will die Medicin und auch den Doctor holen lassen. Er war vorhin erst hier." „Ja, ich fühle mich krank, gute Evers!" erwiderte Armgard leise, „nur eins möchte ich noch sagen, daß ich — daß ich — mich verlobt habe." Sie hatte bei diesen Worten ihr Gesicht abgewandt und bebte wie im Fieber. Dann suchte sie sich zu erheben, wobei die Mamsell sie schweigend unterstützte. Auch ihr schien der Schreck über diese Mittheilung in alle Glieder gefahren zu sein, da sie auffällig zitterte. Als sie ihre Herrin entkleidete, da diese schwach und willenlos wie ein Kind war und durchaus nicht den Eindruck einer glücklichen Braut machte, hielt sie sich als ihre alte Dienerin, welche sie schon als Kind gepflegt und geliebt hatte, für verpflichtet, sie zu fragen, ob Herr Steindorf, welcher doch jedenfalls der Verlobte sei, nach wie vor auch jetzt noch täglich nach Edenheim kommen werde. „Ich meinte, es dürfte sich für den Bräutigam des Fräuleins doch nun nicht mehr schicken," setzte sie resolut hinzu. Armgard sah sie mit dem Ausdruck tiefer Müdigkeit und Nathlosigkeit an. „Ich weiß es nicht, gute Evers," sagte sie matt, „er wird es schon wissen. Erzürnt ihn nicht, denn ich" — sie seufzte tief auf — „ich kann Euch nicht beistehen." Plötzlich schlang sie beide Arme um den Hals der alten, tief erschütterten Mamsell und brach in ein unaufhaltsames Weinen aus. Die Alte hielt ganz still, aus ihren Augen rannen ebenfalls die Thränen, und sie dann wie ein Kind streichelnd und beruhigend, meinte sie, daß diese ganze Verlobungsgeschichte ihr wie ein Traum vorkomme, aus welchem sie vor der Hochzeit wohl wieder zur rechten Zeit erwachen werde. „Nein, nein!" fuhr Armgard empor, „sage das nicht, gute Evers, es ist mein freier Wille, hörst Du? — und nun will ich schlafen, meine Nerven sind noch so schwach, das ist alles. Ich bin sehr glücklich, und — und —" Sie brach ab und strich sich über die Stirn, als müsse sie ihre Gedanken zusammenhalten. „Ach ja, das war's, — wir werden bald Hochzeit machen, weißt Du, in aller Stille, und dann eine Reise, — ich muß fort, andere Luft athmen, hier ersticke ich. Geh' jetzt, meine Liebe, laß den Doctor nur fortbleiben, ich will schlafen." Sie hatte sich niedergelegt und das Gesicht abgewendet. Mamsell Evers ging leise hinaus. Draußen ballte sie beide Hände vor Schmerz und Zorn. Sie sollte ihr Fräulein nicht kennen? — O, 303 eine Komödie konnte die arme Seele ihr nicht vormachen. Unglücklich war sie, ganz elend in ihrem Herzen, weil der Schurke, der falsche Abenteurer, ihre Schwäche benutzt und sie überrumpelt, ihr das Jawort abgezwungen hatte. Sein Kind, diese kleine dressirte Comödiantin, hatte noch im Grabe ihm geholfen, das reiche Erbe an sich zu reißen. Und sie, die alte Ebers, konnte nichts dabei thun, das Spinnennetz zu zerreißen und die giftige Kreuzspinne zu zertreten. Es war schrecklich, aber die alte, treue Dienerin wünschte jetzt, daß ihre Herrin wieder erkranken möge, um hinter ärztlichen Befehl sich verschanzen und den verhaßten Bräutigam an der Schwelle des Krankenzimmers abfertigen zu können. -i- * Die Operation der alten Tante Hanna war trotz mehrfacher Bedenken der Aerzte, welche noch immer in der Mehrzahl gegen die Ansicht Doctor Peters' gestimmt hatten, endlich doch beschlossen und durch letzteren ausgeführt worden. Dieselbe war vollständig geglückt, die Diagnose des alten erfahrenen Arztes also für richtig befunden worden. Es hatte sich durch den furchtbaren Schlag, welcher die Kopfwunde verursacht, eine Verletzung des großen Gehirns herausgestellt. Die Denk- und Willensthätigkeit war gehemmt und wie die Störung eines elektrischen Stromes jäh unterbrochen worden. Ein winziger Knochensplitter hatte dies bewirkt und genau den Sitz jener geheimnißvollen Gehirnthätigkeit getroffen. Die ganze Stadt nahm lebhaften Antheil an dem Erfolg der Operation, obgleich die Aerzte nach derselben noch durchaus nicht für einen Erfolg oder gar für das Leben der Greisin sich verbürgen konnten. Einstweilen war sie im Krankenhause unter sorgsamster Pflege und ärztlicher Aufsicht am besten aufgehoben. Doctor Peters brachte die Nachricht hinaus nach Edenheim. Er war erschreckt über das Aussehen der Gutsherrin, welche durchaus nicht leidender als vorher sein wollte und seine Mittheilung über Tante Hanna mit stiller Freude vernahm. „Wird sie ihre alte Denkkraft wieder erlangen?" fragte sie mit sichtlicher Spannung. „Das ist freilich nicht mit Bestimmtheit zu beantworten, liebes Fräulein! — Ebensowenig die Frage, ob wir sie überhaupt am Leben erhalten. Einstweilen jedoch hoffen wir es stark, und wenn sich auch nicht sofort die Spuren eines geistigen Verständnisses zeigen, da wir das wunderbar geheimnißvolle Uhrwerk in seinem geistigen Räderwerk wohl niemals ganz ergründen werden, und ein einziges Stiftchen — um bei dem Gleichniß zu bleiben — vielleicht just fehlt oder verschoben worden ist, so halten wir doch die Hoffnung fest, die alte Tante Hanna wieder zu einem, wenn auch nur halbwegs menschenwürdigen Dasein zurückzuführen. Armgard seufzte, und der freudige Schimmer in ihren Augen erlosch wieder, was der alte Arzt sehr wohl bemerkte. „Ich werde Ihnen wieder etwas verschreiben, Fräulein Holten," fuhr Doctor Peters nach einer Pause fort, „Sie sind kränker, als Sie glauben, und mit der Genesung hat's leider Gottes auch wieder gute Wege. Was haben Sie denn um Alles in der Welt nur angestellt, um wieder so jämmerlich auszusehen und meiner ärztlichen Kunst ein Schnippchen zu schlagen?" Armgard's bleiche Wangen rötheten sich leicht. Sie rang sichtlich mit einem Entschlüsse und sagte endlich in einem halb schamvollen, halb trotzigen Tone: „Ach, Doctor, schelten Sie nicht, ich habe mich verlobt." „So, so, nun, das war ja vorherzusehen," erwiderte der Arzt mit einem Lächeln, welches sie mehr peinigte, als ein hartes Wort. „Na, ich gratnlire, mein Fräulein! — Die Verlobungsanzeige wird übrigens Wenige überraschen, da sich Herr Julius Steindorf ja bereits als Herr und Gebieter hier während Ihrer Krankheit installirt hatte." „Es geschah auf meine Bitte, Herr Doctor!" sprach Armgard, sich jäh aufrichtend. Sie erröthete bei dieser Unwahrheit und sank wie gebrochen an Geist und Körper zurück. „Schon gut, liebes Fräulein, geht mich wie auch die übrige Welt nichts an. Bin freilich ein alter Freund Ihres Hauses und darf mir schon ein Wörtchen herausnehmen, zumal auch als Ihr Arzt. Als solcher kann ich die seelischen Aufregungen, in welche Ihr Verlobter Sie zu früh hineingezogen hat, durchaus nicht billigen, er hätte so große Eile nicht damit zu haben brauchen, kam nach Ihrer völligen Genesung immer früh genug. Soll ich Ihr Arzt noch weiter bleiben?" „O, Herr Doctor!" rief Armgard, ihm tiefbewegt die Hand entgegenstreckend. „Gut, dann müssen Sie hübsch gehorsam sein und sich ganz ruhig verhalten. Am liebsten wieder in'S Bett mit einer Wache vor dem Schlafzimmer." Sie nickte mit einer Art Erleichterung. „Es ist selbstverständlich, daß Ihr Verlobter sich jetzt fern hält," fuhr Doctor Peters ruhig fort. „Möchte in Ihrem Interesse auch rathen, ihm bis zur Hochzeit, an welche bei Ihrem leidenden Zustande doch vorerst nicht zu denken ist, die Ober-Aufsicht wieder abzunehmen; vielleicht hat Herr Steindorf in dieser Hinsicht amerikanische Begriffe, welche für unsere Welt hier Anstoß erregen würden. Die Freundschaft, welche mich mit Ihren seligen Eltern verband, legt mir die doppelte Pflicht auf, Ihnen diesen Rath zu geben." „Ich danke Ihnen, lieber Doctor, versetzte Arm- gard leise, „seien Sie überzeugt, daß ich nach dieser Seite hin die Ehre meines Hauses aufrecht halten werde." „Gut, ich schicke Ihnen jetzt gleich Mamsell Ebers, der ich meine Vorschriften ertheilen werde." Der Doctor ging, und Armgard drückte sich, fieberhaft zusammenschauernd, in die Ecke des Sophas. Alle möglichen Gedanken und Erinnerungen durchflogen ihr Gehirn, und mitten in diesen Wirrwarr hinein drang die Stimme der alten Tante Hanna, welche dicht neben ihr zu sitzen schien und ihr ihre Geschichte wieder erzählte. — Lasse Dich nicht von der Schönheit umgarnen, sie ist nicht echt, sondern nur eine Maske. — Verkaufe Dich auch nicht, vergiß es nie, daß Du ein reiches Mädchen und deßhalb eine begehrte Waare bist. — O, der schlaue Herr Julius kann Dein Geld gebrauchen, es ist ihm drüben nicht geglückt, und nun will er die Närrin mit dem vielen Gelde heirathen, die reiche Erbin, welche zehn lange Jahre auf ihn gewartet hat. Sie ist nicht schön, diese Närrin, aber vergoldet, und das genügt. Der liebe, schöne Papa konnte drüben stolze Ladies heirathen, aber er liebte nun einmal nur die gute Tante Armgard, die so reich und eine gutmüthige Närrin war.- 804 Entsetzt fuhr Armgard empor und starrte wild um sich. Hatte sie nicht erst Tante Hanna gesprochen und zuletzt gar die todte Lotta? — „O, mein Gott, behüte mich vor Wahnsinn!" flüsterte sie angstvoll, „errette mich vor meinen eigenen Gedanken." Dann horchte sie plötzlich auf. Draußen im Corri- dor erklang es wie ein Wortwechsel. Sie konnte jetzt deutlich die Stimmen unterscheiden, — es waren der Docror und Steindorf. Gewiß verlangte der letztere in seiner gebieterischen Weise, zu ihr gelassen zu werden, wogegen der Arzt kalt und energisch protestirte. Sie erhob sich geräuschlos, trotz ihrer Schwäche wie von einer Feder emporgeschnellt, und begab sich in das daranstoßende Cabinet, von wo sie ungesehen und angehört ihr Schlafzimmer erreichte. Mit bebender Hand den Riegel vorschiebend, da die Mamsell durch ihr An- kleidecabinet zu ihr gelangen konnte, schwankte sie nach ihrem Bett und sank halb ohnmächtig darauf nieder. Sie fühlte sich hier wie geborgen und dankte im Innern dem alten Doctor, der sie mit seinem lauten Protest rechtzeitig gewarnt hatte, daß sie sich zurückziehen konnte. Als in diesem Augenblick die Evers athemlos durch die Thür des Cabinets eintrat, sah sie, daß diese bei ihrem Anblick wie erlöst aufathmete. „Wer lärmt so ungebührlich im Korridor?" fragte sie matt. „Herr Steindorf behauptet, Sie wären nicht krank, liebes Fräulein, der Doctor wolle Sie nur dazu machen." „Geh, und '.sage, daß ich sehr leidend und nicht im Stande fei, ihn zu empfangen," flüsterte Armgard mühsam. Mamsell Evers ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie ging wieder denselben Weg zurück nach dem Corri- dor und sah den Doctor dort mit sehr finsterm Gesicht allein stehen. „Ist er fort?" fragte sie ihn leise. Der alte Herr lachte grimmig in sich hinein und deutete hohnvoll auf die Thür des Wohnzimmers. „Der läßt sich nicht abspeisen und zeigt ihr schon jetzt, wer He'r im Hause ist. -- Thörichtes Frauenzimmer l" Doctor Peters ging nach diesen halblaut gesprochenen Worten rasch fort, während Mamsell Evers die Lippen energisch zusammenpreßte, und dann ohne Zögern jene Thür öffnete. Mit unwilligem Erstaunen sah sie, daß Steindorf das Schreibcabinet ihrer Herrin geöffnet hatte und ohne Weiteres bis zum zweiten Zimmer vorgedrungen war. Sie ging ihm nach und richtete ihre Botschaft unerschrocken aus. Steindorf blickte sie stirnrnnzelnd an. „Hat meine Braut, Ihre Gebieterin, Ihnen dieß persönlich aufgetragen?" fragte er kurz. „Ich würde den Befehl sonst nicht ausgerichtet haben," lautete die Antwort. „Das Fräulein ist sehr leidend, und hat sich zu Bett begeben müssen." Er schritt in's Cabinet zurück und warf einige Zeilen in französischer Sprache auf ein Blatt Papier, das er in ein Couvert schob und mit der Aufschrift versah. „Geben Sie dieß dem gnädigen Fräulein!" befahl er, auf das Briefchen deutend. Ohne Gruß schritt er dann hinaus, und Mamsell Evers hörte, wie er das Haus verließ. „Gott gnade uns Allen, wenn der die Gewalt hier erst hat," seufzte die Alte kummervoll, indem sie mechanisch die elegante Handschrift ansah und dann mit dem Brief zu ihrer Herrin sich begab. „Der Doctor hat einen langen Disput mit dem jungen Herrn gehabt," sagte sie, den Brief übergebend, „er setzte doch feinen Willen durch." „Wer? Der Doctor?" „Gott bewahre, nicht er, sondern der künftige Herr von Edenheim, dessen Brief ich dem Fräulein gebracht und der schon durch alle Zimmer drang, um Sie zu sehen und zu sprechen. Meine Botschaft von Ihnen erreichte es nur mit Mühe, ihn zu veranlassen, sich zu entfernen." Armgard sah auf den Brief und dann auf die alte Wirthschafterin. Ihr Stolz bäumte sich bei den Worten derselben auf und sie fühlte die Erniedrigung, welche für sie in der Respektlosigkeit lag, mit welcher man ihres Verlobten erwähnte. Durfte sie das dulden, da sie doch einmal den verhängnißvollen Schritt gethan und es kein „Zurück" mehr für sie geben konnte? Und war sie es ihm nicht schuldig, unbeirrt bei ihm auszuharren, nachdem ihm das Liebste entrissen war und alle Welt sich urplötzlich veranlaßt sah, Steine auf ihn zu werfen? War er nicht seines Erbes beraubt, ein unglücklicher Mann, zu welchem sie allein, kraft der Vergangenheit, gehörte? Sie richtete sich mühsam auf und sagte in einem so scharfen Tone, wie Mamsell Evers ihn nie von ihr vernommen: „Sie scheinen ganz zu vergessen, daß Sie von meinem Verlobten sprechen, Evers, ich dulde einen solchen Ton nicht, und ersuche Sie, der übrigen Dienerschaft es einzuprägen, daß man in Herrn Steindorf den künftigen Gebieter zu ehren hat. Wem das nicht zusagt, der möge sich bei Zeiten nach einem anderen Dienst umsehen." Das ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, und Mamsell Evers war auch eine Weile ganz sprachlos. Wenn Armgard so redete, dann mußte sie den Verlobten ja wirklich lieben, Zumal sie die alte, treue Dienerin zum ersten Male wie eine Fremde, wie jede andere beliebige Magd behandelte. Nun gut, das durfte sie sich nicht schon jetzt gefallen lassen, da ihres Bleibens in Edenheim nach der Hochzeit doch nicht länger sein konnte. „Da ist es wohl besser, daß ich gleich heute mein Bündel schnüre, Fräulein," sagte sie mit einer Stimme, als sei ihr die Kehle zugeschnürt. „Herr Steindorf, das fühle ich, kann mich nicht leiden, und würde mir nachher doch gleich den Laufpaß geben. Da ist's besser, ich gehe freiwillig." Armgard antwortete nicht, sondern wandte ihr Gesicht nach der andern Seite. „Ich darf Ihnen hier wohl gleich Adieu sagen, Fräulein!" fuhr die Mamsell zögernd fort. „Kannst Du's über Dein Herz bringen, Evers, dann geh'!" Mehr sagte sie nicht, aber es war übergenug für die alte, treue Seele, die schluchzend auf die Kniee sank und Armgards Hand mit Thränen benetzte. „Du närrische Alte!" fuhr Armgard, mit ihrer tiefen Bewegung kämpfcnd, fort, „kannst Du denn überhaupt fern von Edenheim und Deiner verhätschelten Armgard leben?" 305 „Nein, ach nein," meinte die Mamsell, „ich würde bald genug daran sterben. Fürchte ja auch nur, daß wein Herzblatt nicht so glücklich wird, wie ich's wünsche, und wie sie es verdient. Mag der junge Herr mich behandeln wie er will, es soll mir gleich sein, wenn er nur seine Frau recht lieb haben wird." „Das wird er ganz bestimmt, und mir zu Liebe wird er auch Dich gut behandeln, EverS!" „Nun, dann bin ich zufrieden, wenn nur Sie ganz glücklich sind, meine liebe, liebe Herrin." „Steh' auf, Evers, und setze Dich hier dicht her zu mir. — So, Du bist die Einzige, der ich vertrauen kann, ich muß mit Dir plaudern, wenn mir's im Gehirn nicht wirr werden soll. Sieh', Liebe, der arme Steindorf ist im Grunde schlimm behandelt worden, man hat ihn seines Erbes beraubt —" „Nein, Fräulein, das ist nicht so —" „Schon gut, Evers, unterbrich mich nicht, ich weiß, was Du sagen willst, die Sache an und für sich bleibt doch dieselbe. Wenn sein Vater vernünftig gewesen wäre, dann hätte er ihn hier behalten, und das schöne Gut wäre nicht verschleudert worden. Es war nicht recht von meinem Vater, daß er dieses zugelassen, er mußte einschreiten, es war seine Pflicht als Freund und Nachbar, und weil er solches versäumt, ist jene Pflicht auf mich übergegangen." Die Wirtschafterin sah sie hier so erstaunt und verständnißlos an, daß Armgard einen Augenblick verstummte. „Nun freilich," fuhr sie dann langsam fort, „kann man bei Leuten Deines Schlages, liebe Evers, ein so feines Gefühl für Ehre und Pflicht nicht erwarten; ich aber besitze dasselbe in einem besonders peinlich ausgebildeten Grade, weßhalb ich nach reiflicher Ueberlegnng den besten Ausweg in einer Verbindung gewählt, die unsere Eltern ja vorher schon bestimmt hatten." „Ja," sprach die Evers ruhig, „und nun wischen Sie Alles, was dazwischen liegt, wie mit einem Schwämme weg." „Ganz recht, mit dem Schwämme der Vergessenheit," bestätigte Armgard, wehmüthig lächelnd. „Das wäre also der eine Grund meiner Verlobung, gute Evers! — Der zweite und nicht der geringste ist das schreckliche Schicksal, welches den armen Steindorf durch den Tod seines letzten Kindes so jäh getroffen. — Es hat mich tiefer bewegt, als die Welt es geahnt, da er die Kleine meinem Schutze übergeben, und ich es war, welche gegen Deinen Einspruch, gute Evers, die ver- hängnißvolle Spazierfahrt mit derselben unternahm." „Aber Sie hätten ja auch selber dabei verunglücken können, mein liebes Fräulein," wandte die Mamsell kopfschüttelnd ein. „Allerdings, doch kaun diese Möglichkeit meine Schuld nicht verringern, fuhr Armgard seufzend fort, „es war auch mein Verhängniß, da ohne diesen grauenhaften Zufall —" Sie brach ab und wandte die Augen seitwärts, weil sie die alte Evers nicht noch tiefer in ihr von Angst, Scham, Zweifel und Unwillen gemartertes Herz blicken lassen mochte. „Steindorf ist durch meine Schuld ein einsamer, verlassener Mann geworden," setzte sie nach einer Weile mühsam hinzu, „deßhalb, liebe Evers, bin ich verpflichtet, ihm durch meine Hand einen Ersatz zu geben —" „Auch durch ihr Herz?" unterbrach die Alte sie ernst. — „Ja, Du neugierige Person, auch durch mein Herz, weil ihm das gehört hat, so lange ich denken kann. Und nun geh', Evers, sprich mir aber nicht wieder davon, mich zu verlassen. Ich bin müde und will versuchen einzuschlafen." Die Mamsell ging, im Innern überzeugt, daß ihr Herzblatt sich um einiger wunderlicher Grillen halber für ihr ganzes Leben unglücklich zu machen im Begriff stehe. — Wenn doch die Tante Hanna erst wieder gesund wäre und ihr noch bei Zeiten den Kopf zurecht setzen könnte! — Armgard öffnete das Briefchen des Bräutigams und las: „Theuerste! Man will mich nicht zu Dir lassen, und ich bin ganz kopflos vor Sehnsucht nach Dir. Hast Du befohlen, mich abzuweisen? Ich kann und mag es nicht glauben, daß Du auf's Neue krank geworden bist, daß wieder fremde Menschen sich zwischen uns drängen, unsere Herzen von einander entfernen sollen. Morgen Vormittag bin ich wieder hier und flehe Dich an, mir Deinen Anblick zu gönnen. Sei nicht grausam gegen den Verlassenen, der nichts aus Erden mehr fürchtet, als Dich zu verlieren. O wärest Du erst mein, ganz mein, um mit mir hinauszufliegen in die weite, weite Welt, wo Neid und Mißgunst uns nichts mehr anhaben können. Werde gesund, o, werde gesund, Geliebte, für Deinen Julius." Ein seltsames Gefühl durchzog beim Lesen dieser Zeilen ihr Herz. So hatte noch niemals ein Mann zu ihr geredet, und sie hätte kein Weib und jener Mann nicht der Traum ihrer ersten Jugend sein müssen, wenn dieser glühende Erguß sie nicht berauscht haben würde wie starker Wein. Sie las die Zeilen noch einmal und verbarg dieselben dann, als ob ihr Besitz ein Verbrechen für sie sei. War dieses berauschende Gefühl, das ihre Pulse rascher schlagen, ihr Blut wie einen Feuerstrom zum Herzen jagen ließ, wirklich jene Liebe, von welcher sie damals geträumt hatte? — Sie barg das erglühende Antlitz in die Kissen und weinte dann plötzlich im heißen Schmerze, daß ihr die stolze Energie, das Selbstbewußtsein und die Kraft der muthig errungenen Herzensruhe durch die Macht der Umstände und ihre körperliche wie seelische Schwäche so unheilvoll abhanden gekommen waren, daß sie sich dem Verhängniß unrettbar überliefert hatte. Liebte sie diesen Mann, der eine unheimliche Macht über sie gewonnen, wirklich noch immer? — Sie wußte sich selber keine Antwort darauf zu geben, da sie abwechselnd von unbezwinglichem Widerwillen und von Sehnsucht erfüllt sich von ihm abgestoßen und wieder zu ihm hingezogen fühlte. Es war die Gewalt der sinnlichen Schönheit, vor welcher Tante Hanna sie in ihrer Liebes - und Lebensgeschichte so eindringlich gewarnt hatte. (Fortsetzung folgt.) —--- Die Warrmdi und die Moridberge der Alten?) Von Dr. Oskar Vaumann. In den letzten Augusttagen 1892 stand ich mit meiner Expedition an der äußersten Grenze von Ussui, *) Wir entnehmen diese hochinteressanten Mittheilungen dein soeben erschienenen Werke von Dr. Oskar Baumann: einer Landschaft, die sich westlich vorn Victoria-Nyansa ausdehnt. Bisher hatten Stanleys und Spekcs Aufnahmen, sowie die Erkundigungen, die wir bei Eingeborenen einzogen, uns Anhaltspunkte für unsere Reiseroute geboten. Ueber Ussui hinaus lag jedoch Urundi, ein Land, mit dem keinerlei Verkehr bestand und über das nur dunkle Gerüchte ins Ausland drangen. Dieselben meldeten von blutgierigen, kriegerischen Völkern, die allen Fremden bitter abgeneigt seien, und von ihrem Könige Mwesi, der irgendwo an unbekanntem Orte throne. Ueber das Land selbst war jedoch so gut wie nichts zu erfahren. Selbst im Massailand, wo wir ebenfalls wochenlang gänzlich unerforschte Striche durchzogen, konnten wir von Nomaden Nachrichten über den Weg erhalten; diesmal tappten wir völlig im Dunkeln, betraten eine terra, inoo§inta, im buchstäblichen Sinne des Wortes, ein Land, in dem der Kompaß uns als einziger Leitstern diente. In den Morgenstunden des 5. September erreichten wir das Ufer eines breiten Flusses, der seine graubraunen Wogen zwischen hohen, von üppiger Vegetation gekrönten Ufern dahin wälzte. Mit Bewegung blickte ich in die Fluthen dieses Stromes, aus welchen steile Granitriffe hervorragten; war es doch der Quellfluß des Nil, hier Nuvuvu, später Kagera genannt, bildete er doch die Westgrenze von Ussui gegen jenes rüthselhafte Urundi, in welches wir nun eindringen sollten! Doch das Leben des Reisenden gewährt keine Frist zu langen Betrachtungen; schon hatte mein Karawanen- führer Mkamba den primitiven Einbaum, der als Fähre dient, in Beschlag genommen, und mit kräftigen Stößen und Nuderschlägen beförderten-die Wassui-Fährleute die ersten Soldaten aus linke Ufer. Hinter der Karawane, die sich am Ufer niederließ und allmählich übergeführt wurde, sammelten sich Hunderte von Wassui und bedeckten, dicht gedrängt, als schwarze bewegliche Masse mit blitzenden Speeren die Hügelhänge und das Ufer. Auf der Felsinsel im Flusse hockten zahlreiche Eingeborene, gleich Affen saßen sie auf Baumstämmen, die in den Fluß hinausragten, ja sie schwammen trotz der vielen Krokodile darin herum, um das Schauspiel unseres Uebergangcs zu genießen. Mit dieser Bewegung am rechten stand die Ruhe am linken Ufer in grellem Widersprüche. Wußten die Warundi etwa nicht, daß wir kamen, oder brüteten sie abseits Arges? Sollten die vielen Tage des Friedens, die wir genossen, nun wirklich ein Ende haben und wir wieder den blutigen Kämpfen entgegengehen? Die Askari am linken Ufer schienen Aehnliches zu vermuthen, sie hatten Wachen ausgestellt, und Mkambas hohe Gestalt tauchte auf dem Gipfel eines Termitenhügels auf, unbeweglich in die Ferne spähend. Plötzlich — ich befand mich gerade im Kanu — ertönte aus dem Dickicht des Ufers von Urundi ein langgezogenes Jauchzen, und wie durch Zauberschlag tauchten zahlreiche dunkle Gestalten mit langen Stäben, aber ohne „Durch Ma ssailand zur Nilquelle. Reisen und Forschungen dcrMassai-Expedition des Deutschen Antisklaverei-ComitSs in den Jahren 1891 bis 1893." 386 S. mit 27 Vollbildern und 101 Text-Illustrationen in Heliogravüre, Lichtdruck und Autotypie nach Photographiern und Skizzen des Verfassers von Rud. Bacher und Ludwig Hans Fischer in Wien und einer Originalkarte in 1: 1,800,000. Preis geheftet 14 Mark, eleg. geb. mit Lederrücken 16 Mark. Berlin, Verlag von Dietrich Reimer (Hoefer und Vohsen). Waffen auf. Im Gänsemarsch kamen sie, Laub und ihre Stäbe schwingend, an, kräftige Gestalten mit originellen Haartouren und braun und grau gemusterten zipfeiförmigen Ueberwürfen aus Nindenzeug, das von nun an das einzige Bekleidungsmaterial bildete. Auf der Höhe der Rampe stellten sie sich in zwei oder drei Reihen an und führten jenen merkwürdigen Tanz auf, den ich dann noch unzähligcmale sehen sollte, ohne daß er seinen Reiz für mich verlor. Derselbe wird weder von Trommeln, noch von Gesang, noch von irgend einem Instrument begleitet. Den Takt giebt einfach der Tanzschritt, der durch mehr oder weniger kräftige Tritte bezeichnet ist. Unter Leitung eines Vortänzers führen die Massen mit unglaublicher Gleichmäßigkeit und Geschick- lichkeit diese Täuze auf, daß der Boden dröhnt und mächtige Staubwolken die Tänzer umhüllen. Mit hocherhobenen Armen schwingen sie zierlich ihre Stäbe und Laub, schreiten vor- und rückwärts, führen hohe gleichzeitige Sprünge aus und fallen dabei niemals aus dem Takt, der durch die Fußsohle gegeben wird. Dabei verleugnet der Tanz keineswegs das Gepräge einer kraftvollen Anmuth, besonders die Vortänzer könnten es i» kühnen und doch eleganten Sprüngen mit jedem Ballettänzer aufnehmen. Für einen alten Unteroffizier müßte der Tanz der Warundi geradezu ein Labsal sein, denn was ist der schneidigste Parademarsch gegen diese kompli- zirten, fortwährend wechselnden und doch unglaublich taktfest ausgeführten Tanzschritte! Zum Schlüsse stimmten Alle wieder das eigenthümliche Jauchzen oder, besser gesagt, Jodeln in der Fistel an, rissen Blätter von den Bäumen und streuten dieselben kniend vor mir aus. Während die Karawane übersetzte und wir am Ufer Lager schlugen, kamen immer neue Schaaren von Tänzern, und die früheren lagerten in malerischen Gruppen auf der Uferrampe. Es war ein großartiges Schauspiel. Am rechten Ufer standen Kopf an Kopf die Wassui, in dicht gedrängten Massen die Hügel bedeckend, am linken trampelten, jauchzten und klatschten Hunderte von Tänzern in der grellen Sonne, einer Bande Wahnsinniger gleichend. Bei den Wassui sah man noch einzelne Fetzen Baumwollzeug, einige Glasperlen, die äußersten Vorposten der Alles umfassenden europäischen Industrie, hier nichts dergleichen; Kleidung und Schmuck war echtes, unverfälschtes Afrika. Erst gegen Abend verzogen sich die Menschenmengen, und eS erschienen die Aeltesten der Gegend, um mir ein laub- bckränztcs Schaf und eine Sorghum-Aehre als Friedcns- zeichen zu überbringen. Am 6. September verließen wir den von leichten Morgennebeln überlagerten Nil und traten in welliges Grasland ein, dessen zahlreiche kleine Thäler von Papyrus erfüllt und von felsigen Thalstufen unterbrochen sind, über welche das klare Wasser der Bäche rieselt. Fast kein Baum oder Strauch ist auf den thcilweise verbrannten Grasseldern sichtbar, und die Dörfer mit ihren Bananen- hainen und den glänzendblättrigen Ficusbäumen, die Rindenstoff, theilweise auch Brennholz liefern, heben sich gleich dunkelgrünen Inseln von den gelbbraunen Flächen ab. Dieses Alpenland, welches unter gewöhnlichen Umstünden Wohl recht ruhig dalag, glich nun einem gestörten Ameisenhaufen. Von allen Seiten eilten dunkle Gestalten auf den schmalen Pfaden der Hänge oder querfeldein auf uns zu, während von den entfernten Dörfern Horn- stöße ertönten, unser Kommen anzeigend. 307 Vor den Hüttenkomplexen standen die alten Leute, knieten bei unserem Herannahen nieder, klatschten und reichten mir Grasbündel unter allerlei schönen Redensarten, die ich noch unzähligemale hören sollte. In langen Reihen, mit Stäben und ausgebreiteten Armen kamen die Krieger laufend herbei, traten längs unseres Pfades an und führten ihren Tanz auf, worauf sie uns mit jubelndem Geschrei vorliefen und von neuem zu tanzen begannen. Einige Leute hatten sich als eine Art Festordner aufgeworfen und hieben tüchtig in die nachdrängende Masse ein. Denn alle diese Menschen blieben keineswegs bei ihren Dörfern zurück, sondern zogen lachend und jubelnd hinter uns her. Von einer Anhöhe zurückblickend, sah ich bald Tausende von braunen, wildbewegten, in der Sonnengluth glänzenden Leibern mit geschwungenen Stäben und Laubzweigen, einer Bacchantenschaar gleichend. Den ungeheuren Lärm übertönten Rufe wie „Nrvsoi Ilrunäi!" (Beherrscher Urundis) „Vilielco visirnu!" (Großer König) und „lull IVustutu" (Wir sind Sklaven), die mein Dolmetsch mir übersetzte und die mich schließen ließen, daß die Begeisterung der Warundi einen besonderen Grund haben müsse. Bei der allgemeinen Raserei war es nicht so leicht, diesen zu erfahren, und erst nach einigen Tagen brachten meine Leute das Richtige heraus. Die Warundi waren nämlich sonst von einem Herrschergeschlecht regiert worden, welches seine Abkunft vom Mond (mvvssi) herleitete und dessen Königstitel „Al-rveoi" war. Der letzte Mwesi, Namens Makisavo (das Bleichgesicht), war seit Langem verschollen, lebte aber der Tradition nach im Monde fort und wurde vom Norden her erwartet. Als nun plötzlich ein weißer Mensch vom Norden ins Land kam, sahen sie in ihm den ersehnten Herrscher, den Mwest Makisavo. Dagegen war nichts zu machen; eine Schaar wahnsinniger Fanatiker ist bekanntlich Vernunftgründen nicht zugänglich, ich war und blieb für sie der Mwesi, und derart zum König von Urundi befördert, blieb mir nichts Anderes übrig, als meine Würde mit möglichem Anstand zu tragen. Anfangs machte mir die Sache übrigens viel Spaß, die topographische Aufnahme war allerdings durch den unaufhörlichen ohrenzerreißenden Lärm erschwert, aber das Schauspiel dieses großartigen afrikanischen Volkslebens bot doch das höchste Interesse. Besonders im Lager entwickelten sich förmliche Tauzfcste. In weitem Kreise kauerten und standen die Volksmengen um einen freien Platz, auf welchem die Tänze stattfanden. In der Rechten den langen Stab, in der Linken Laub haltend, führten die Krieger der einzelnen Gegenden nach einander die schwierigsten „Pas" auf. Ost hatten sich die jungen Leute desselben Ortes mit gleichartigem Nindenzeug bekleidet, ja eine Gruppe, die mir dnrch besondere Geschicklichkeit auffiel und von einem jungen, prachtvoll gebauten Krieger geführt wurde, trug schneeweiß bemalte Lederschürze. Komisch war eine Anzahl nackter Knaben, die jedesmal mitzutanzen versuchten, darunter oft kleine Bengel, die kaum die Beine heben konu- E ten. Diese durften Fehler im Tanze machen; doch wehe dem erwachsenen Tänzer, der nur den geringsten für Nicht-Warundi kaum wahrnehmbaren Fehltritt machte; er wurde mit Hohngeschrei verjagt und konnte froh sein, wenn er ohne Prügel davonkam. ^ Nach den Männern traten die Weiber an, die ver- heiratheten mit aschgrauer Kleidung, die Kinder auf dem Rücken, die ledigen mit Lendenschürzen, kleine Mädchen nackt. Sie stellten sich im Halbkreise auf, dessen Mitte zwei schön gewachsene Mädchen einnahmen, die mit ausgebreiteten Armen, begleitet von Händeklatschen und angenehm weichem Gesang, einen reizenden Tanz im spanischen Fandango-Stil aufführten. Nichts als die unmuthigen Bewegungen der Arme erinnert hier an den obscönen „Bauchtanz" der Orientalen und vieler Negerstämme, bei welchem die Tänzerin fast unbeweglich steht. Hier wird jedoch regelrecht mit den Beinen, und zwar mit einer Kühnheit und Anmuth getanzt, um welche jede Ballerina die schwarzbraune Kollegin beneiden' könnte. Der wohlklingende wechselvolle Gesang der sanften Frauenstimmen und der Anblick dieser schlanken Wesen, welche mit ständigem Lächeln jene kunstvollen Tänze aufführten, gaben ein Schauspiel von eigenthümlichem Zauber. Auf das Schöne folgte das Groteske in Gestalt einiger alten Weiber, die mit „süßem" Grinsen zum Halloh der Träger ihre runzeligen Glieder verrenkten. Um Nahrungsmittel brauchten wir hier nicht zn sorgen; der Wunsch, etwas zu kaufen, wurde gar nicht begriffen, denn dem Mwesi gehört eben Alles, was im Lande ist, er nimmt sich, was ihm beliebt, und was er nicht nehmen kann, wird ihm lastenweise von allen Seiten angebracht. Großhörnige Rinder, Ziegen und Schafe, Unmengen von Bananen und Hülscnfrüchten, zahlreiche Krüge mit Hirsebier kamen fortwährend, ohne daß irgend Jemand etwas dafür verlangte oder erbat. Selbst die unvermeidliche Bettelei der Neger verstummte dem Mwest gegenüber. Das Land behielt stets den Charakter eines grasigen, von engen Papyrusthälchen durchzogenen Berglaudes. Manchmal hat man eine breite Senkung zu überschreiten, die stets versumpft und mit verfilzter, schwimmender Grasvegetation bedeckt ist, in welche man leicht einsinkt. Die Warundi häuften hier Bündel von Gras auf, um uns das Ucberschreiten zu erleichtern. In dieser Gegend lebt auch ein den Pygmäen verwandter Stamm der Watwa, der in ärmlichen Grashütten wohnt. Wir durchzogen die reichbewohnten Distrikte von Gntaha und Mukivuye und erreichten am 10. September Jntaganda, eine Landschaft am rechten Ufer des breiten Thales, welches der Papyrusreiche Akanyaru-Fluß durchströmt. Dieser gab Veranlassung zur Entstehung der Sage vom Nyansa ya Akanyaxu, dem Alexandra-See Stanleys. Jenseits tauchten hohe grasige Berge mit den dunklen Punkten der Siedlungen auf; es war Ruanda, das rüth- selhafte Königreich, in welchem weiße Neger vermuthet wurden, jenes Fabelland, von dem viele Reisende gehört, das aber noch keiner betreten hatte. Mein Wunsch, die Nilqucllfrage endgültig zu lösen, hielt mich davon ab, eine nähere Erforschung dieses Landes vorzunehmen, jedenfalls wollte ich es jedoch besuchen und beschloß daher, am nächsten Tage den Akanyaru zu übersetzen. In Ruanda fanden wir gute, wenn auch weniger begeisterte Aufnahme als in Urundi und durchzogen den südlichen Theil des bergigen Landes, daS reich bebaut und von künstlichen Bewässerungskanälen durchzogen ist. Wir sahen zwar keine weißen Neger, aber äußerst lichtfarbige hamitische Watusfi, die fast europäische Gesichtsbildung besitzen. 308 — An der Grenze von Ruanda stiegen wir über steile Hänge wieder nach dem Akanyaru ab. In den Schluchten rauschten Gewässer, die von Schirm-Akazien und Laubbäumen eingesäumt waren. Solche bezeichneten auch den Lauf des Akanyaru, der hier als vielgewundener, reißender Bergstrom gegen Nordost floß. Während wir den Fluß durchwateten, sammelten sich jenseits riesige Menschenmengen an, das „Oansu rnrvawi" erscholl, Alles jubelte, tanzte, klatschte und tobte wie wahnsinnig im Kreise herum — kurz, wir waren wieder in Urundi. In den nächsten Tagen durchzogen wir die Distrikte Mugitiva und Nustga. Das Land steigt immer höher an und erhebt sich zu bedeutender Seehöhe. Grasige, langgezogene Bergrücken fallen in steilen Hängen zu den meist sumpfigen Thälern ab. Im Südwesten taucht allmählich eine hohe waldige Kette auf, in der ich die Wasserscheide gegen den Tanganyika vermuthete. Die zahlreichen Gewässer bildeten die hintersten Wasser des Nil, dessen Quelle wir uns immer mehr näherten. Die bananen- reichen Dörfer waren von Feldern umgeben, in welchen besonders eine vorzügliche Erbsenart gedieh, auf den Wiesen weideten zahlreiche Rinder mit ungeheurem Gehörn. Der Fanatismus der Waruudi erreichte hier seinen Höhepunkt. Ungeheure Volksmassen kamen von allen Seiten angezogen und wälzten sich gleich einem Strome hinter uns her. Andere Schaaren zogen voraus, gleich einem Heuschreckenschwarme über Alles im Lande herfallend. Sie rissen Vorräthe und Hausgeräth aus den Hütten, die Felder waren in wenig Minuten kahl, ganze Heerden von Rindern wurden mitgetrieben und von meinem rasenden Gefolge oft buchstäblich in Stücke zerrissen. Die ungeheuren Pombemassen, die sich in den Dörfern fanden, trugen ebenfalls nicht zur Beruhigung der Gemüther bei. Die Bewohner der Ortschaften ließen sich nicht immer ruhig ausplündern, es fanden blutige Gefechte vor der Karawane statt, bei welchen Leute schwer verwundet, Mehrere sogar erschlagen wurden. Aber sobald ich mich näherte, legten beide Theile die Waffen nieder, warfen sich buchstäblich unter die Hufe meines Neitesels und riefen ihr „Oausu rrnvami!" Die tollste Raserei entwickelte sich überhaupt in unmittelbarer Nähe meiner Person. Männer, Weiber und Kinder drängten mit fürchterlichem Geschrei und fanatisch verzerrten Zügen auf mich ein, denn einen Mwesi gesehen oder gar berührt zu haben, galt als das höchste Glück. Kurbatschhiebe und selbst Kolbenschläge der Askari waren völlig wirkungslos, mit blutüberströmten Gesichtern kehrten die Gezüchtigten sofort wieder und heulten knieend ihr „6-ansa mrvuini t" Der fortwährende Anblick sieser aneinandergcpreßten schwarzen Leiber, das Getöse, welches die Luft erschüttern machte, und der Wahnsinn, der aus dem ganzen Treiben sprach, machten auf mich den tiefsten Eindruck. Ich rechne es mir zur Ehre an, in jenen Stunden die topographische Aufnahme auch nicht eine Minute unterbrochen zu haben. Wenn mir das überhaupt möglich war, so verdanke ich dies nur meinen braven schwarzen Soldaten, die dieser Volksmasse gegenüber ihr kaltes Blut behielten. Natürlich wendete sich die Wuth der Leute oft gegen sie, wollten sie die Warundi doch von ihrem Mwami abhalten. So kam es, daß am 17. September die Soldaten erst durch Stockhiebe, dann durch Bisse und sogar Messerstiche verwundet wurden. Als einem jungen Ma« Nyema-Ruga-Nuga gar die Unterlippe abgebissen wurde, war es kein Wunder, daß er Feuer gab. Wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, krachten gleich mehrere Schüsse, und bevor mein sofort gegebener Pfiff zum „Feuer einstellen" sich Geltung verschaffte, bedeckten zu meinem tiefen Bedauern etwa dreißig Warundi todt und schwer verwundet den Boden. Eine Todtenstille trat ein, und wir erwarteten nun, den längst gefürchteten Umschlag der Stimmung eintreten zu sehen. Aber nichts dergleichen geschah, ein gellender Freudentriller einer hohen Frauenstimme unterbrach das Schweigen, das „Ounsu rnrvumi" erscholl wieder aus tausend Kehlen, die Krieger tanzten wenige Schritte von den Leichen ihrer Landsleute, und in das Aechzen der Sterbenden mischte sich der Jubelgesang der Weiber. Es war ein schreckliches Bild. Obwohl ich mich selbst und in Anbetracht der Umstände auch die Askari von jeder Schuld freisprechen mußte, rief ich doch im Lager die Aeltesten der Gegend zusammen und erklärte mich bereit, das in Afrika in solchen Fällen übliche Blutgeld zu zahlen. Aber sie hielten das für einen Scherz. „Der Mwesi", sagten sie, „thut und läßt, was er will, schlägt todt, wen er will, ja, ein Mwesi, der keine Leute todtschlügt, wäre gar kein richtiger Mwesi." Im Lager war natürlich lebhafte Bewegung. Die Volksmengen, welche uns begleiteten, lagerten meist etwas abseits und äfften Nachts die Rufe unserer Wachtposten nach. Zu mir kamen fortwährend Leute mit Geschenken, kamen Zauberer mit weiß bemalten Gesichtern, eine Klapper schwingend und mit künstlich heiserer Stimme Beschwörungen murmelnd, ja, es kamen Leute, welche selbst meinem Esel Geschenke an Vieh und Pombe anboten und sich um sein Wasser, als eine kostbare Medizin, schlugen. Einmal brachte man mir einen uralten weißhaarigen Mann und fragte mich, ob ich ihn kenne. Ich bedauerte, nicht die Ehre zu haben, worauf der Alte meinte, ich habe ihn wohl vergessen, er aber erinnere sich noch genau daran, mich schon früher als Mwesi gesehen zu haben. Am 19. September verfolgten wir den Nuvuvu-Nil aufwärts. Nach einigen Stunden erreichten wir eine Stelle, wo das Thal sich gabelt und zwei kleine, kaum einen halben Meter breite Rinnsale sich einen. Wir erstiegen eine grasige Höhe zwischen den beiden Quellschluchten und lagerten im kleinen Watussidorf Uuyange. Unser Gefolge an Warundi hatte stark abgenommen, denn merkwürdigerweise gilt diese Stelle ihnen als heilig und wird mit abergläubischer Scheu betrachtet, da hier einst die verstorbenen Mwesi begraben wurden. In einem dunklen Hain, dem Wuruhukiro, unweit des linken Quellrinnsals, ruhten die Träger der Königsleiche; die Bestattung fand dann auf dem Gipfel des Ganso Kulu, eines hohen Grasberges, statt. In den Bergwäldern irren, nach dem Glauben der Warundi, heute noch die Geister der verstorbenen Mwesi, nach welchen das Gebirge Missosi ya Mwesi genannt wird. Dieser Name, welcher, wörtlich übersetzt, „Mondberge" heißt, überraschte mich aufs höchste, denn wen würde er hier, an der Quelle des Nil, nicht unwillkürlich an die Mondberge der Alten erinnern, welche das räthselhafte Haupt des Nil beschatteten? -EZS--