^L56. „Augsburgrr Postzeitung". Dinstag, den 10. Juli 1894 : Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg (Vorbesitzer Dr. Max Huttlcr). Zm Laune alter Schuld. Roman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) XV. Trotzdem die Besprechung mit Maitland mit einem versöhnenden Accord ausgeklungen war, fühlte Wolfgang die Nothwendigkeit, die Entfernung Melanie Rettbergs aus ihrer bisherigen Wohnung zu beschleunigen, um sie aus dem Bereiche eines noch gefährlicheren Verfolgers als Quinna war, zu bringen. Um ihr einen warnenden Wink zu geben, begab er sich nach ihrer Wohnung. Eben als er im Begriff stand, den großen Kasernen- bau zu betreten, kam ihm Melanie aus der Hausthüre entgegen. Sie trug ein einfaches graues Beigekleid und in der Hand ein ledernes Handtäschchen; das goldblonde Haar war von einem Weißen Strohhütchen mit dunkelrothen Rosen bedeckt, der ihr wunderhübsch zu Gesicht stand. „Herr Baron I" rief sie überrascht und wollte umkehren, um ihren Besucher hinaufzuführen. „Nein, bitte, Fräulein Nettberg, ich will Sie nicht erst die Treppen wieder Hinaufbemühen," erwiderte Wolfgang. „Gewiß sind Sie auf dem Wege, um Einkäufe zu machen. Wenn Sie mir gestatten wollen, begleite ich Sie ein Stück." Was war es, das ihm an ihrem Benehmen auffiel? Er bemerkte eine eigenthümliche Schüchternheit an ihr; ihre Stimme hatte gebebt, als sie ihn anredete, ihr Blick senkte sich zu Boden. Die Offenheit ihres Wesens, mit welcher sie ihn stets empfing, war verschwunden. Wolfgang fand für diese Veränderung keine Erklärung, doch würde sie ihm begreiflich erschienen sein, wenn er gewußt hätte, daß Melanie nach dem Besuche der beiden Damen in ihr Herz geblickt und sich die Frage vorgelegt hatte, welches eigentlich ihre Gefühle für den Mann waren, der jetzt vor ihr stand. Ihre Aufregung bei dem Anblicke Felicitas' hatte ihr zuerst verrathen, daß etwas Seltsames in ihrem Inneren vorging, und seitdem hatte sie nur immer an den Baron denken müssen. Sie reichte ihm indessen ihre Hand — eine Hand, die gewöhnlich so kalt wie Marmor war, aus welchem sie, der Farbe nach zu schließen, gebildet schien; doch diese Hand war jetzt glühend heiß und ihre Wange so bleich. „Sie sind krank, Fräulein Rettberg!" rief Wolfgang, als er die fieberhafte Berührung fühlte. „AchI es ist heute so vieles auf mich eingestürmt, was mich aufgeregt hat," seufzte sie. „Ich hatte Sie und Ihre Lage nicht vergessen, Fräulein Rettberg," erwiderte er mit freundlichem Ernst, „thu Sie für den Fall meines Todes nach Möglichkeit zu schützen, schrieb ich meine letztwilligen Wünsche nieder, damit Sie auf Lebenszeit vor Gefahr und Mangel gesichert seien." „O, ich weiß, Sie sind edel und gut, ich weiß es sehr wohl!" flüsterte Melanie, und unfähig, ihre tiefe Bewegung zu bemeistern, mußte sie das Taschentuch an die Augen bringen, um rasch ihre Thränen zu trocknen. Während Wolfgang ihr beruhigend zusprach, hatten beide eine kleine Promenadenanlage erreicht, wie es deren auch in den ärmeren Stadttheilen Berlins giebt. Hier wandelten sie ziemlich ungestört auf und ab. „Ich darf wohl annehmen," sagte Wolfgang, „daß es Ihnen nicht gelungen ist, von ihrem Bruder in der Wechselangelegenheit den gewünschten Aufschluß zu erhalten." „So oft ich davon anfange, weist er mich brutal zurück," gab Melanie bekümmert zur Antwort. „Haben Sie ihn vielleicht im Verkehr mit einem Manne von riesenhaftem Wüchse gesehen," fiel der Baron plötzlich ein, „einem Manne in mittleren Jahren, der den Beinamen „der Ulan" trägt?" „Ihre Beschreibung paßt allerdings auf einen Bekannten meines Bruders, der ihn zuweilen besucht. Ich kenne ihn aber unter dem Namen Nölltng. Er trägt das dunkle Haupt- und Barthaar stets kurz abgeschoren —" Wolfgang nickte. „Und das hat mich zuweilen auf den Gedanken gebracht, ob er das nicht thut, um beliebige Metamorphosen mit seinem Gesicht vornehmen zu können." „Es liegt allerdings etwas in seinem Wesen, als ginge er auf krummen Wegen," stimmte Wolfgang bei. „Doch habe ich diesen Gegenstand nur nebenher berührt, Fräulein Rettberg. Was den Wechsel betrifft, so dürfen Sie unbesorgt sein. Der gefälschte Name ist ermittelt; das seltsame Spiel des Zufalls hat es sogar gefügt, daß ich mit diesem Manne, der Maitland heißt, nahe befreundet bin. Ich habe sein Versprechen erhalten, gegen Ihren Bruder nichts zu unternehmen. Der Wechsel dürfte jetzt bereits eingelöst sein." Melanie blieb stehen, und ihr Busen hob sich unter 426 einem tiefen Athemzuge, als fühle sie sich von einer erdrückenden Bürde befreit. „So ist also alle Gefahr für meinen Bruder vorüber?" fragte sie, dem Baron mit inniger Dankbarkeit die Hand drückend. „Sie haben nichts mehr für ihn zu fürchten; doch ist auf seine Besserung kaum zu hoffen, wenn er nicht seinem bisherigen Umgänge entzogen wird." „Ich fürchte, Sie haben nur zu sehr recht." „Mein Freund Maitland und ich sind daher übereingekommen, ihn mit der nächsten Gelegenheit nach Amerika zu schicken und dort für sein weiteres Fortkommen zu sorgen." Melanie schwieg, und als Wolfgang Thränen in ihrem Auge sah, kam er sich fast grausam vor, ihr diese Eröffnung gemacht zu haben. „Ich werde ihn wohl niemals wiedersehen," sagte sie unter einem schmerzlichen Seufzer, „denn ich glaube, er hat ein Brustleiden und wird nicht alt werden. Aber auch ich erwarte einen heilsamen Einfluß auf seinen künftigen Lebenswandel nur von einer gänzlichen Veränderung seiner Umgebung und seiner Verhältnisse. Da ihm aber nun Herr von Quinna nicht mehr schaden kann, so habe auch ich diesen nicht mehr zu fürchten und brauche sonach Frau von Prachwitz und Fräulein Teßner nicht erst zur Last zu fallen." Dem Baron kam diese Schlußfolgerung sehr unerwartet, sie stand im geraden Gegensatze zu dem Zwecke, der ihn zu Melanie geführt hatte. „Im Gegentheil," erwiderte er, „Sie bedürfen einer solchen Zufluchtsstätte dringender denn je." „Ihr Rath ist stets gut und ich müßte sehr undankbar sein, wenn ich ihn nicht befolgen wollte," sagte sie resignirt. „Frau von Prachwitz will mich heute gegen Abend abholen und wird mich bereit finden, mit ihr zu gehen." „Noch muß ich Sie um etwas bitten," bemerkte der Baron zögernd. „Wollen Sie es mir gewähren, ohne zu fragen warum?" „Sie dürfen es nur nennen," antwortete sie. „O, es wird Ihnen nicht schwer werden, Fräulein Rettberg. Ich verlange nichts von Ihnen, als daß Sie mir Ihr Wort geben, niemandem Ihren künftigen Aufenthalt zu verrathen." „Ich gebe es Ihnen, Herr Baron. Ich werde niemandem sagen, wohin ich gehe, weder meinem Bruder, noch meiner Wirthin, noch sonst jemandem in der Welt." „Selbst meinem besten Freunde nicht," fügte Wolfgang hinzu. Er betonte die letzten Worte so stark, daß Melanie ihn fragend anblickte. Doch erwiderte sie: „Ich werde mein Versprechen unter keinen Umstünden brechen." „Ich danke Ihnen, und nun leben Sie wohl," sagte er, ihre Hand ergreifend. „Ich hoffe, Sie heute Abend noch bei Frau von Prachwitz zu sehen." Er schnitt ihr die Dankcsworte, die ihr auf den Lippen schwebten, ab, indem er mit einem leisen Drucke ihre Hand losließ und mit ehrfurchtsvollem Gruße sich entfernte. Als er sie nicht mehr sehen konnte, drückte sie ihre Hand an die Stirne. „Ich darf nicht mehr an ihn denken," waren ihre Gedanken, „es wäre Wahnsinn!" XVI. Von ihrem Ausgange nach Hause zurückgekehrt, packte Melanie in ihrem Schlafzimmer ihre Sachen ein. Sie war zerstreut und unruhig. .Zuweilen hielt sie in ihrer Arbeit inne, ging in das vordere Zimmer, setzte sich auf einen Stuhl und verfiel in Nachsinnen; dann griff sie nach einem auf dem Tische vor ihr liegenden Blatt Papier, begann zu zeichnen, um ihre Gedanken von dem Gegenstände, der diese beschäftigte, abzulenken, und sprang plötzlich, als habe sie etwas versäumt, wieder auf, um hastiger als zuvor mit dem Einpacken fortzufahren. So hatte sie in seltsamer Unruhe ein paar Stunden zugebracht, als sie ein Klopfen an der Thür des vorderen Zimmers zu Vernehmen glaubte. Vorsichtig schloß sie die Thür des Schlafgemachs, worin ihr geöffneter Koffer stand, ehe sie „Herein" rief. Die Wirthin erschien, eine Visitenkarte in der Hand. „Sie empfangen ja lauter vornehme Besuche," sagte sie wichtig, „erst waren die beiden feinen Damen da und nun wünscht Ihnen ein sehr eleganter Herr seine Aufwartung zu machen. Ich hielt ihn im ersten Augenblicke für — " „Bitte, sagen Sie dem Herrn, ich würde mich sehr freuen, ihn zu sehen," fiel ihr Melanie hoch erröthend ins Wort, als sie auf der Karte den Namen „Otto Maitland" gelesen hatte, denn sie erinnerte sich sogleich, daß des Barons Freund so hieß, welcher eine so großmüthige Schonung gegen ihren Bruder übte. Beinahe wäre ein Ausruf der Ueberraschung Me- laniens Lippen entschlüpft, als der Besucher eintrat, denn sie glaubte im ersten Augenblicke den Baron von Sturen wieder vor sich zu sehen. Aber als sie die Täuschung gewahr wurde, fühlte sie, wie trotz der Ähnlichkeit Mait- land's mit dem ihr so theuern Baron, trotz der Dankbarkeit, die sie für den Ankömmling hegte, ein Etwas wie ein leiser Schauder sie berührte. Melanie überwand den seltsamen Eindruck wenigstens so weit, daß er sich nicht in ihrem äußeren Benehmen verrieth. Sie trat Maitland mit ihrer gewohnten Anmuth entgegen und sagte, ihm die Hand reichend: „Herr Baron von Sturen hat mir mitgetheilt, wie edel und gütig Sie gegen meinen Bruder zu handeln geneigt sind. Ich kann nur Gott aufrichtig bitten, Sie zu belohnen, wie Sie es verdienen." Ein seltsamer dunkler Schatten flog über Maitland's Gesicht. Doch er erwiderte sogleich, indem er Melanie's Hand sanft drückte: „So ist mir mein Freund also zuvorgekommen? Ich glaubte, der erste Ueberbringer jener Nachricht zu sein, welche Sie, wie ich gewiß wußte, erfreuen würde." Maitland hatte sich in Melanicns Nähe auf einem Stuhle niedergelassen und fuhr fort: „Sie haben in der letzten Zeit viel Trübsal erlebt, mein liebes Fräulein, und was mir mein Freund davon erzählte, hat den lebhaften Wunsch in mir erregt, etwas für Ihr Glück zu thun, wenn Sie es mir erlauben wollen." „Sie haben durch Ihre hochherzige Handlungsweise an meinem Bruder für mein Glück bereits mehr gethan, als ich Ihnen je zu vergelten vermöchte," versetzte Melanie Nettberg, „und nun mir diese schwerste aller Sorgen vom Herzen ist, hoffe ich mit Hülfe der Freunde, die ich so unerwartet gefunden habe, nichts weiter zu bedürfen. Meine Lage wäre allerdings mehr als verzweifelt gewesen, hätte mir nicht der Herr Baron Hülfe und Trost gewährt." 427 „Mein Freund ist in der That sehr liebenswürdig," sagte Maitland lächelnd. Eine dunkle Nöthe flammte über Melanie's Gesicht und Hals. Es waren weniger Maitland's Worte, als der Ton, in welchem er sie gesprochen, und das Lächeln, womit er sie begleitet hatte, worüber sie erglüht war. In ihrer Empfindung lag indessen auch ein Anflug von Unwillen, und obgleich die Nöthe von ihrem Antlitz noch nicht gewichen war, hob sie doch den Kopf hoch und entgegnen: „Er ist nicht allein liebenswürdig, sondern auch edel und großmüthig. Er zählt zu den wenigen Menschen, die einen erlangten Vortheil niemals in selbstsüchtiger Weise ausbeuten." „Da haben Sie vollständig Recht," pflichtete Maitland bei, „seine Beweggründe sind stets edel, vielleicht sogar etwas zu edel. Es giebt Fälle im Leben, mein liebes Fräulein, wo unser eigener Genuß das Mittel wird, anderen Genuß zu verschaffen, und unter solchen Verhältnissen ist die Selbstverleugnung kaum angebracht." Melanie war von zu großer Herzensreinheit, um diese Rede zu verstehen, und der men- schenkundigeMaitland,welcher mit jedem Augenblicke ihrenCharakter tiefer durchschaute, lenkte das Gespräch auf andere Gegenstände, wobei er seine ganze glänzende Unterhaltungsgabe insTreffen führte. Melanie hörte mit Vergnügen zu, und es gelang ihrem Besucher, sogar ihre Bewunderung zu erregen, womit ihr Herz freilich nichts zu thun hatte. Der Eindruck, welchen sie selbst auf Maitland machte, übertraf weit dessen Erwartungen. Oft schlug er mitten imBrillant- feuerwerk seiner Unterhaltung auf eine Secunde die Augen nieder und erhob sie dann wieder gedankenvoll zu Melanie's Antlitz, um ihre Schönheit förmlich ein- zuschlürfen. „Ich will mich jetzt von Ihnen verabschieden, Fräulein Nettberg," schloß er die Unterhaltung, „aber ich darf wohl die Hoffnung mitnehmen, daß Sie mich für die Zukunft nicht von Ihrer Gesellschaft ausschließen werden, die ich hoch schätzen gelernt habe. Es ist dies wohl die geeignetste Stunde," setzte er hinzu, nach der Uhr sehend, „die ich wählen kann, Sie zu treffen?" Schon war Melanie im Begriff zu antworten, sie werde von morgen an nur bei Frau von Prachwitz zu treffen sein, als sie sich plötzlich des Versprechens erinnerte, welches sie dem Baron gegeben hatte. Dann dachte sie wieder, dem Netter ihres Bruders, dem Freunde des Barons dürfe sie es ja wohl sagen; aber da sielen ihr Wolfgang's seltsam betonte Worte ein: „selbst meinem besten Freunde nicht I" „Ich gehe sehr selten aus," erwiderte sie ausweichend. „AHI Sie sind auch Künstlerin?" rief Maitland, soeben das Blatt mit der Zeichnung auf dem Tische bemerkend und dasselbe in die Hand nehmend. „In der That, köstlich und von sprechender Aehnlichkeit. So kurz und vorübergehend auch meine Bekanntschaft mit dem Originale war, so erkenne ich es doch sofort wieder, Zug für Zug!" Melanie hatte ihre Wirthin in ganzer Figur auf's Papier gezeichnet, um diese charakteristische Erscheinung zu fixiren, ehe sie in ihrem Gedächtniß verblaßte. „Wissen Sie auch, mein talentvolles Fräulein," fuhr Maitland fort, „daß Sie dieser Figur nur noch ein mittelalterliches Gewand anzuziehen brauchen, um aus ihr eine so prächtige Frau Martha Schwerstem zu machen, wie sie dem Altmeister Goethe nicht besser vorgeschwebt haben kann? Wenn es Ihnen dann noch gelingt, ein glückliches Modell für den Mephisto zu finden, so wird das geradezu ein Kabinetsstück geben." Er legte die Zeichnung wieder auf den Tisch und beendete seinen Besuch, indem er sich in ebenso warmer als respektvoller Weise der jungen Dame empfahl. „Ein schönes Kind!" murmelte er, unterwegs fortwährend an Melanie Nettberg zurückdenkend, „ein wahrhaft bestrickendes Wesen! Dieser gnädige Herr Baron" — er sprach den Titel sehr langsam und mit einem sehr gehässigen Accent aus — „ist ein ungeheurer Thor, eine solch' kostbare Perle wegzuwerfen!" (Forts, f.) Casimir pericr. -.AAS- GoldkSrner. Keiner ist so glücklich, so vernünftig und liebenswürdig wie ein wahrer Christ. Pascal. Gut sein, ist Pflicht, sein, Jämmerlichkeit. sehr gut sein, Tugend — halb gut Der, dessen Glaube echt und klar, D>n kann kein Leid bezwingen, Der mag wohl, aller Güter bar, Noch wie ein Vogel singen! Schaut doch d-e Lilien in dem Feld, Wie sind sie frisch und wohlbestellt, Wie grün und guter Dingen! Annette v. Troste. Kommt der Dieb zum Eide Und der Wolf zur Haide, So gewinnen Beide. - 428 Reise-Skizze deS bayerischen Pilgerzuges nach Lourdes 1894. (Fortsetzung.) Während des ganzen Nachmittags war Beichtgelegenheit für die Pilger; die Missionäre wie die Geistlichen der Karawane hatten sich in der Rosenkranzkirche und in der Krypta hiefür zur Verfügung gestellt, nachdem zuvor der Rosenkranz gebetet worden war, ebenso abends nach 7 Uhr, wobei auch das Salve Regina u. a. gesungen wurde. Die anwesenden Franzosen sind voll Lob über die Schönheit und Kraft unseres deutschen Volksgesanges und betheiligen sich fleißig an unsern Andachtsübungen. Einige wünschten den Text zu besitzen; sie sagten: „wir sehen, daß Ihr auch gute Christen seid!" Niemand verließ vor 9 Uhr abends die heilige Stätte, welche im Vorraum 20,000 Andächtigen Platz gewährt. Manche blieben bis 10 oder 11 Uhr abends, bis sie in ihre Quartiere zur Stadt zurückkehrten. Samstag, 14. April, celebrirten die priesterlichen Pilger von morgens 5 Uhr an, meist in der Basilika oder Rosenkranzkirche, heilige Messen unter fleißiger An- wohnung der Mitpilger. Von 7—8 Uhr waren 2 heilige Messen in der Grotte, während deren die heilige General- Communion stattfand und deutsche Meßlieder gesungen wurden. Dann wurden die Kranken, welche sich vor der Grotte in Reihen aufgestellt hatten, mit dem Sanctissimum benedicirt, unter Vorbeten ergreifender Gebetsanmuthungen zur Erweckung des gläubigen Vertrauens, worauf die Pilgerschaft in Procession betend zur oberen Basilika sich bewegte, das Sanctissimum dorthin begleitend. Um halb 10 Uhr predigte der blinde Herr Pfarrer G. Hackl von Steindorf über Maria die Unbefleckte und diese ausgezeichnete Gnadenstätte, wobei Alle tief gerührt wurden. Während des folgenden leoitirten Hochamtes würde vom Pilger-Sängerchor eine 4stimmige Festmesse von Stehle recht gut vorgetragen, unter Direction des Herrn Beneficiaten von Wertingen. Nachmittags 3 Uhr wurde Kreuzweg-Andacht auf dem Calvaricnberge gehalten, wo an den 14 Stationen große Kreuze aufgestellt waren. Die Sonnenstrahlen brannten ziemlich heiß hernieder, so daß wir viel Schweiß vergossen bei dem Herumwandern auf dem ziemlich steilen und hohen Vorberge der Pyrenäen. Auf dem Rückwege besuchten wir die auf der andern Bergseite gelegene große St. Magdalenen-Grotte mit dem lebensgroßen Bilde der Heiligen und der schmerzhaften Mutter Maria. Später war Rosenkranz, während besten sich die Pilger vor der Piscina aufstellten, in welcher die Kranken der Reihe nach badeten im Wasser der wunderbaren Heilquelle. Heule, Samstag, abends halb 8 Uhr hielten wir eine Lichter - Procession, procession aux tiaindsaux. Alle hatten sich mit Kerzen versehen, und nun setzte sich von der Grolle aus bei der Dämmerung der Zug in wohlgeordneten Reihen in Bewegung, den Felsen hinauf in Serpentinen sich bewegend, jeder die brennende Kerze in der Hand. Während der Sängerchor das schöne Lourdes- lied sang, wurde der Schlußrefrain „Ave Maria" von allen Pilgern gesungen, so daß die Felsenwände ein freudiges Echo wiedergaben. So nitl der Zug hinaus in die Nacht, über uns Das Firmament mit seinen funkelnden Sternen, — lange Reihen wandelnder Lichtträger haben sich gebildet ; den 506 Pilgern der bayerischen Karawane haben sich auch Hwndene von Pilgern aus andern Ländern angeschlossen, «vd so ziehen wir singend in langsamer, feierlicher Bewegung an der Basilika vorbei, dem Platze zu, auf dem sich die gekrönte Statue der heiligsten Jungfrau befindet. Auch diese und der sie tragende Marmorsockel ist von einer Unzahl Lichtlein beleuchtet; um sie herum zieht die Procession laut singend der Kirche zu, wo sich der Zug auflöst. Die meisten Pilger gehen wieder zur Grotte, dort noch eine Zeit lang zu beten; bei 50 Pilger sollen die ganze Nacht bis früh Morgens dort ausgehalten haben. Am Sonntag, 15. April, waren unsere Gottesdienste und Andachten auch von den Einwohnern und vielen fremden Pilgern besucht, besonders das Hochamt in der Rosenkranzkirche, unter welchem unser wackerer Sängerchor eine für gemischte Stimmen componirte cäcilianische Messe, mit Harmoniumbegleitung, wirkungsvoll gesungen hat, auch zur großen Erbauung der französischen Zuhörer, die fast nur Choral zu hören gewöhnt sind; vorher hatte ein Augustiner-Pater, N. Heim, unseres Pilgerzuges gepredigt über Maria, die Helferin der Christen. Jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr celebrirten zwei Priester aus unserer Genossenschaft nach einander die heilige Messe in der Grotte, worauf, wie jeden Tag, Kranken-Benediction und feierliche Uebertragung des Allerheiligsten in der Basilika stattfand. Heute besichtigten Viele das berühmte Panorama: Darstellung des Massabielle-Felsens im ursprünglichen Zustande mit der begnadeten Visionärin Bernadette in der Ekstase in Gegenwart von Tausenden bewundernder Zuschauer aus Stadt und Umgebung, wovon Viele noch leben. Auch besuchten wir das elterliche Wohnhaus der Bernadette Soubirous, z. Z. im Besitze eines verheiratheten Vetters derselben; Bett und Möbel im alten Zustande in ihrem Zimmer, darin die Portraits der Familie und 2 Briefe in französischer Sprache, die sie später als Klosterfrau an ihre Geschwister in Lourdes geschrieben; sie waren unter Rahmen und Glas an der Wand aufgehängt. Nach Tisch suchten wir die eigentliche Pfarrkirche von Lourdes auf, eine ziemlich große Kirche ohne besondere Kunstwerke; dort wurde um 1 Uhr Nachm. Katechese gehalten vor wenigstens 300 Christenlehrpflichtigen vom 9. bis 17. Lebensjahr; meist wurde examinirt und die Knaben mit Monsieur, die Mädchen mit Mademoiselle angesprochen; in der Nähe der Friedhof, worin sich auch das Grab Peyramalcs befindet, des Seelsorgers von Bernadette ; daran anstoßend die halbfertige neue Pfarrkirche, deren Weiterbau seit Jahren wegen fehlender Geldmittel sistirt ist. (Fortsetzung folgt.) -—i-W-I—- Casimir Perier, Präsident der französischen Republik. (Mit Porträt.) Präsident Carnot ist am 24. Juni 1894 dem Dolche eines italienischen Anarchisten zum Opfer gefallen. Bereits am 27. Juni hatte Carnot einen Nachfolger gefunden : Im Congreß wurde der bisherige Präsident der Abgeordnetenkammer, Jean Paul Pierre Casimir Perier im ersten Wahlgange mit 451 Stimmen zum Präsidenten der Republik gewählt. Der neue Präsident der Republik ist geboren am 8. November 1847 zu Paris, er ist also 46 Jahre alt. Er ist ein Enkel des berühmten Ministers der Juli-Monarchie und ein Sohn des 1876 gestorbenen Ministers des Innern, der gegen den Staatsstreich Napoleons opponirte, weßhalb er damals auf einige Tage verhaftet wurde, später nach dem 1870er Kriege ein her- 429 vorragendes Mitglied der Nationalversammlung war und ^ Präsident an Stelle des zurückgetretenen Dupuy. Im Mai am 12. Oktober 1871 das Ministerium des Innern über- > dieses Jahres trat er unerwartet, als die Kammer ihm nahm. Der jetzige Präsident ver Republik, der die Rechte j in der Frage der Betheiligung der staatlichen Eisenbahn- studirt und an dem Kriege von 1870—71 als Haupt- i Angestellten an dem Arbeitersyndicat nicht Recht gab, zu- mann der Mobilgarde des Departements Aube theilge- ! rück. Die Kammer gab ihm ein Vertrauensvotum, indem nommen hat, war Kabinets-Chef seines Vaters. 1876 ! sie ihn auf's Neue zum ersten Präsidenten'wühlte. — WM »»USW Mein Kahn kouimll Nach dem Memälde von Frz. Schmid-Breitenbach. > ' > wurde er in die Kammer gewählt. 1877 begann er seine politische Laufbahn als Unterstaatssecretär im Nnterrichts- Ministerium, 1883 wurde er Unterstaatssecretär im Kricgs- Ministerium, 1885 Vicepräsident des Staatshaushalt- Ausschusses der Kammer, dem er lange Jahre angehörte, 1893 am 14. November Präsident der Kammer, gewählt mit 333 von 418 Stimmen, am 1. Dezember Minister- Castmir Perier ist ein Vertreter der strengen Aufrechthaltung der staatlichen Autorität gegenüber den Bestrebungen, welche die Staatsgewalt atomisiren und an deren Stelle die Willkürherrschaft der Blassen, repräsen- tirt durch die Abgeordneten in der Kammer, setzen möchten. -- 430 Dieffen am Ammersee. (Mit Illustrationen.) Es war ein frischer, sonniger Septembermorgen. Wohl hatte das Laub der Bäume und Sträucher in den hübschen See-Anlagen zunächst des Dampfschiff-Steges be- verstorbenen k. Landrichter Hrn. Frdr. Boxler aus dem Moorgrunde und Seeschlamm hervorgezauberten englischen Anlagen auf einer Bank. Mein Blick schweift über die weite Seefläche. Dort drüben über waldiger Höhe grüßt mich mein liebes Kloster Andechs mit seiner besuchten Wallfahrtskirche und dem gemüthlichen Bräustübchen. Weiter Diessrn am Ammersee. reils seine malerische Herbstfarbe angenommen, ja, manche der sich früh belaubenden Bäume hallen ihr Laub bereits auf die Fußpfade geslreul. Doch vermißte ich das Schallen gewährende Dach heute nicht, da es mir den Ausblick auf den See und auf die Berg- kelle ermöglichte. Eine leichte Sstbrise bewegte die weile Seefläche und schaukelte das Schilf mit den laugenBlatteru und schwarzen Srengelkol- ben, und rastlos verfolgten sich die leichten Wellen an das Ufer. Stiller ist's geworden in dem ohnehin stillen Markte. R«r wenige der zahlreichen Sommerfrischler harren noch aws, bis die Dampfschiffe ihre letzte Rundfahrt in wenigen TaMw machen, um im sicheren Hafen zu Stegen auszu- rUcheN vsu mancher stürmischen Fahrt während des Sommers. Ich fitze a« Südende der von dem leider zu früh ! Johauniskraste in Messen. nördlich hinter dem Sommerfrischdorfe und der Dampfschiffsstation Hersching ragen die Thürme und Zinnen des reichsgräflich Törring'- schenSchlossesSeefeld am Pilsensee hervor; links davon spiegelt sich das stille Schlößchen Ried im See und weit imNorden schaue ich noch das neue Bräuhaus von Stegen. Hinter den nahenSchiffhütten beim Dampfschiftsstege liegt malerisch das friedliche St. Alb an, ein Juwel des Ammersee's. Und wenn ich den BlicknachSüden wende, dann steigt vor demselben die majestätische Bergkette auf, vom Tegernsee'r Wallberg über dem Römerthurm von Pähl bis zum Wettersteingebirge, ein herrlicher Anblick! Neben meinem Nuheplatzchen fließt der sonst so wüthige Tiefenbach, unwillig über sein kurzes Jugendglück, in den Ammersee. Nichts störte mich, von der Vergangenheit zu träumen: An den wenigen, vom Urwalde entblößten Stellen um den See schaue ich hölzerne, mit Schilf gedeckte Hütten der vindelicischen Hirten, Fischer und Jäger; dort, auf sonniger Halde, weidet das kleine Rindvieh und auf dem See schaukelt der eichene Einbaum, aus welchem der Fischer sein Netz auswirft, oder in dem der Jäger an das jenseitige Ufer rudert, um, mit Bogen, Pfeil und Speer ausdienste eingestellt, während die Zurückgebliebenen den Unterjochen Knechtesdienste leisten mußten. Bald erhoben sich auf den Höhen diesseits und jenseits des See's Kastelle und Signalthürme, zu welchen dauerhafte Straßen führten, auf denen mehrere Jahrhunderte die römischen Legionen nach Norden zogen, bis die Germanen sie zurückwarfen und ihre Bauten größten- Kirchr, Pfarrhof, Klosterbrauerei in Niesten. WWUM > « » > > > i gerüstet, den Spürhund an der Seite, in den Urwald einzudringen und dem zottigen Viehräuber, dem Bären, auf den Leib zu gehen. Noch hatdenWeisen aus dem Morgenlande der herrliche Stern nicht den Weg gezeigt zur armseligen Wiege unseres Heilands in Bethlehem; es fehlen noch fünfzehn Jahre bis zurGeburt unseres Erlösers im fernenPa- lästina — aber hier, im Lande der Vinde- licier, tobt schon die Kriegsfurie. Vom Bodensee her und über die rhätischen Alpen stürmen unaufhaltsam die römischen Legionen unter Tiberius und Drusus in das friedliche Land, Alles sich unterwerfend. Verzweifelt ringen die Männer um ihre Freiheit, treu unterstützt von ihren Frauen; doch vergebens! Die waffenfähige jüngere Mannschaft wird gefesselt fortgeschleppt und in fernen Ländern zum KriegsGänsegaste in Niesten. theils zerstörten. Noch finden wir auf beiden Ufern des Ammersee's Spuren von Römerstraßen,Schanzen und Grabhügel. DaßDies- sen das römische va- ivg.8i3. gewesen sei, ist sehr zweifelhaft; mehr der Wirklichkeit entspricht der Name Ne8- 8snumvondenpont63 t6886nii, der Schiffbrücke im jetzigen St. Alban, woselbst sich noch der Wallgraben des befestigten Brückenkopfes und Wächterhauses verfolgen läßt. Im nahen Oekonomiehofe Nonnenthal mag ja ein römischer Cohorten- führer seine Sommervilla mit Oekonomie gehabt haben. An die römischen Wartthürme auf aussichtsreichen Punkten baute schon der älteste bajuvarische Adel hier herum im Housigaue, die Grafen von Liessen, die Burgen an, und auch im sogenannten Burgwalde, südwestlich vom Markte und näher dem Dorfe St. Georgen, soll eine größere 432 Burg dieses berühmten Grafengeschlechtes gestanden sein. Mit dem Jahre 815 beginnt es mit der Geschichte des Ortes und der nächsten Umgebung desselben lichter Tag zu werden, denn im genannten Jahre erbaute ein dem Grafengeschlechte ungehöriger Augsburger Chorherr Namens Radhard ein Kirchlein und Stift zu St. Georgen, doch das Stiftsgebäude wurde noch vor Nadhards Tode (850) von den Ungarn zerstört. Gräfin Kunissa von Diessen stellte die Kirche wieder her und erbaute den Chorherren in der Nähe der jetzigen Klostergebäude ein Klösterlein und eine Kirche zu Ehren des hl. Stephanus. Nach dem Tode ihres Gemahls, des Grafen Friedrich II. von Diessen-Andechs, erbaute Kunissa ein Frauenstift mit einer der hl. Maria geweihten Kirche und trat selbst als Oberin in den Orden der Chorfrauen. Graf Berchtold II. von Diessen ließ die Burg abbrechen und ein größeres Kloster aus dem Baumateriale herstellen, wodurch der abwärts gegen den See sich ausdehnende Ort zu einem ansehnlichen Markte heranwuchs, welchen Berchtold II. dem Kloster mit allen Rechten schenkte. Die Freiheiten des Marktes bestätigte Herzog Ludwig der Strenge, und im 14. Jahrhunderte erwarb Kaiser Ludwig der Bayer den Markt wieder, das Kloster erhielt die Gerichtsbarkeit, und nach dem großen Brande im Jahre 1317 verlieh der Kaiser dem Markte einen Wochenmarkt und alle Rechte und Freiheiten einer Stadt. Dem damaligen Propste Konrad II. verlieh Ludwig das Recht der Landstanderie, sowie das Recht, einen eigenen Magistrat zu wählen; dem Kloster aber ertheilte er die Jurisdiction über alle Orte des Pfarrbezirkes mit Ausnahme der Kriminalgerichtsbarkeit und des Blutbannes. — Sehr hart litten Markt und Kloster im dreißigjährigen Kriege, im spanischen Erbfolgekriege und durch die Franzosen im Jahre 1800. Siebenunddreißig Pröpste standen dem Stifte vor von der Gründung an bis zur Säcularisation im Jahre 1803. Ein Jahr später wurde die herrliche, im Jahre 1739 eingeweihte Stiftskirche zur Pfarrkirche statt jener in St. Georgen erhoben. Leider paßt der in den Jahren 1846—1848 erbaute Thurm durchaus nicht zu der imposanten Kirchen-Fatzade. Diessen hatte früher einen Klosterrichter, dann einen herzoglichen und churfürstlichen Seerichter, später erhielt es ein Landgericht, welches jedoch mit jenem in Landsberg vereiniget wurde. Der Markt Diessen liegt 560 Meter über der Nordsee und hat 1254 Einwohner. Vom Dampfschiffstege aus gelangt man, um in den Markt zu gehen, entweder durch die Fischerei, oder durch die nördliche Birkenallee zur Gänsegasse hinauf. Letztere und die Johannisgasse schließen den mittleren Markt mit dem Naihhause, der Post, vier Gasthäusern und zahlreichen Gewerben ein. Beim Rath- hause zieht sich der obere Markt mit der Hofmarksgasse und vom Tutzingerhofe mit der Judengasse zur ehemaligen Klosteihöhe hinauf. Außerdem führen dahin zwei mit Nußbäumen bepflanzte Fußwege aus der Süd- und Nordseite des Marktes. Die verlängerte Hofmarksgasse, zur Gemeinde St. Georgen gehörig, mündet in die Landsberger Straße ein. Vom ehemaligen Chorherren-Kloster bestehen noch viele Theile, welche theils den Pfarrhof, theils die Brauerei- Gastwirthschaft und Oekonomie des Hrn. Span enthalten. In Mitte derselben befindet sich die schöne große Pfarrkirche mit der Chorherren-Gruft und den Grüften der Diessener und Andechser Grafenfamilien. Die schönen Gemälde sind von Albrecht, de Mare, Gg. Bergmüller und Ticpolo; die Fresken von Bergmüller. Zwei der Altäre enthalten heilige Leiber, nämlich des hl. Nasso und der hl. Mechtildis, beide aus dem Geschlechte der Diessen- Andechser Grafen. Am Südende des Marktes befindet sich der Friedhof mit der 1779 restaurirten St. Johanniskirche, welche Epitaphien von ehem. adeligen Seerichterfämilien enthält. Die Diessener sind ein feucht-fröhliches Völkchen, freundlich und gefällig. Für alle Bedürfnisse des Lebens und Haushaltens sorgen tüchtige Geschäfte und Gewerbe, und großen Ruf haben die Zinnwaaren von Schweizer und Nathgeber. Ein gutes photographisches Atelier von Merz, welches die Photographien zu den vorstehenden autotypischen Bildern geliefert hat, befindet sich in der Fischerei, eine Buchdruckerei und Kunsthandlung in der Johannisgasse. Zwei Lohnkutscher sorgen für Beförderung schlechter Fußgänger. Die Postcxpedition mit Telegraph im Gasthause zur Post befördert durch Postomnibusse nach Landsberg und Wilzhofen täglich Briefe, Zeitungen und Frachtstücke. Dem Patienten helfen zwei Aerzte und eben so viele Chirurgen, wenn es irgend möglich ist, wieder auf die Beine, und auf vier Bierkellern mag er sich an gutem, frischem Biere stärken. Drei Dampfschiffe sorgen für den Verkehr mit den See-Orischaften vom Mai bis Ende September, und der Fußgänger kann sich die schöne Umgebung mit den Bergen von St, Alban, St. Georgen und dem Burgwalde aus besehen, und kein Sommergast wird es bereuen, einige Wochen im freundlichen Diessen zugebracht und sich durch Seebäder gestärkt zu haben. Fritz Schenk. -—»-8Ü84—- Wein Sohn kommt! (Zu unserem Bild Seite 429.) Vor Jahren war's, da zog er hinaus in die Fremde, Müt- terleins Einziger! Die Welt wollte erkennen lernen und durch Schaffen und Mühen sich ein Stück Geld verdienen, um sich selbst einmal ein Heim gründen zu können. Wenn die Sonne ihre letzten Strahlen zum Fensterlein sandte, hinter welchem die Mutter zu sitzen Pflegte beim Spinnrocken, das Kätzchen auf dem Kissen neb.n sich, da war es dem Jungen immer, als lüden die goldenen Strahlen ihn ein, hinzuziehen nach jenem Lande, von welchem die Sonne so oft ihre Abschiedsgrüße gesandt. Und er griff zum Wanderstabe, zog hinaus in die weite, weite Ferne, um bei fremden Menschen jenes Glück zu suchen, von dem er in seiner Jugend geträumt. Wieder sitzt Mütterlein beim Spinnrocken, das Kätzchen am gewohnten Platzei Viele Jahre sind dahin, seitdem ihr Einziger von ihr geschieden I Zum offenen Fenster grüßen auch heute wieder der Abendsonne Strahlen lieb Mütterlein. Und der goldene Strahl, der den Jungen einst hinausgelockt in die Ferne — Mutter herz I — heute bringt er ihn dir zurück, deinen Sohn, glücklich und gesund an Leib und Seele! Ja, es ist dein Liebling, den du kommen siehst I Sein Gruß gilt dir, dir und der trauten Heimath! Freue dich, Mütterlein! — das Glück, von dem er geträumt, er hat es gesunden I Frz. Schmid - Breitenbach, der geniale, liebenswürdige Künstler, bat in diesem „Mein Sohn kommt!" betitelten Gemälde neuerdings seine Meisterschaft bewiesen! Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 55: Weiß. Schwarz. 1. D. L.8-68 T. §6-68 : 2. S. 04—§6 f Matt. Zieht Schwarz anders, etwa K. §4-1)5 : setzt W. T §3-1)3 Matt; zieht Schw. mit Spr., erfolgt Matt wie oben usw. --EsS--