zm „Rugsburger Postxritung". M 61. Ireitag, den 27. Juli 1894. Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer Dr. Max Huttler). Zin Sänne alter Schuld. Roman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) XXV. Den Kopf auf die Hand gestützt, lauschte Maitland eine geraume Weile jedem Geräusch, wobei ihm die Minuten zu Ewigkeiten wurden. Um ganz sicher zu sein, wartete er noch immer, als sich im Hause längst nichts mehr regte. Da war es ihm plötzlich, als ob ein Ton wie ein leiser Schrei oder Ruf an sein Ohr schlüge. Er richtete sich empor und horchte lange mit angehaltenem Athem. Aber nicht der leiseste Laut ließ sich mehr hören. Es mochte wohl nur die Vorspiegelung seiner geschäftigen Einbildungskraft gewesen sein, vielleicht auch hatte er sich bereits in dem Halbzustande zwischen Wachen und Traum befunden; er wußte es selbst nicht genau, jedenfalls aber war es nun Zeit, das Terrain zu recoguosciren. Maitland schlich zur Thüre und öffnete diese leise. Kaum war er hinausgetreten, als ihm vom Corridore gedämpfte Schritte ent- gegentönten. Er hatte die Thür hinter sich weit aufstehen lassen, und da vom Fenster seines Zimmers her das Licht des Mondes, der höher am Himmel heraufgestiegen war, hereindrang, so stand er, vom Gange aus gesehen, im Hellen und zog sich rasch in's Zimmer zurück. Noch ehe er hinter sich die Thüre andrücken konnte, erhielt er einen schweren Schlag auf den Kopf, der ihn zu Boden streckte und ihn einige Minuten lang aller Besinnung beraubte. Als er die Augen wieder öffnete, war das auf dem Tische stehende Licht angezündet, und er erblickte zwei Männer, deren Gesichter durch schwarzen Krepp verhüllt waren. Maitland war ein Mann von unbeugsamem Muthe, und obgleich er zwei gegen sich hatte und der eine von ihnen eine wahre Riesengestalt war, so versuchte er dennoch aufzustehen, in der Zuversicht, er werde den Einbrechern so lange Stand zu halten vermögen, bis weitere Hilfe komme. Aber beim ersten Versuche, sich zu bewegen, fühlte er, daß ihm die Hände auf den Rücken gebunden und seine Füße ebenfalls gefesselt waren. Er faßte daher den Entschluß, regungslos, wie ein Todter, liegen zu bleiben und mit halbgeschlossenen Augen die Räuber zu beobachten. „Manchmal ist der Mondschein auch zu etwas gut," sagte der kleinere der beiden Männer, „hätte er nicht diesen ungebetenen Gast beleuchtet, so hätte unsere ganze Rechnung schief gehen können. Hast Du ihm den Nest gegeben?" „Nein, das hab' ich nicht!" gab der Riese zur Antwort. „Er ist nur betäubt; sieh', wie er athmet." Mit diesen Worten nahm der Sprechende das Licht und beugte sich auf Maitland herab, der rasch die Augen geschlossen hatte. „Zum Teufel!" rief der Riese mit gedämpfter Stimme, „ich will mich hängen lassen, wenn das nicht der Kerl ist, der den armen Assessor wegen Wechselfälschung in's Zuchthaus bringen will, wenn dieser ihm nicht die Schwester ausliefert. Was hat der Bursche hier in ihrer Nähe zu schaffen? Wenn er mit ihrem Willen hier ist, so will ich —" Er unterbrach sich, denn er hatte, während er sprach, sich nach seinem Genossen umgewendet und bemerkt, wie derselbe aus Maitlands Kleidern eine Brieftasche hervorzog. „Laß sehen!" rief er, hastig die Hand danach ausstreckend, „Himmel und Hölle! das ist wahrhaftig das Ding mit der Schlangenhaut." Der „bunte Karl" war also noch nicht an der Arbeit. Her mit der Brieftasche; wir wollen sie später untersuchen. Jetzt an unser Hauptgeschäft." Der Niese steckte die Brieftasche zu sich, während sein Begleiter Maitlands Uhr, Brillantnadel und Ringe an sich nahm und diesem selbst einen Knebel in den Mund schob. Nachdem die Einbrecher das Licht ausgelöscht hatten, entfernten sie sich leise und ließen den Gefesselten in der Finsterniß und im Zustande qualvollster Hilflosigkeit zurück. Unfähig sich zu bewegen, machte er verzweifelte, aber ohnmächtige Kraftanstrengungen, sich von den Fesseln zu befreien, die seine Glieder zusammenschnürten. Indem er sich die Worte, die er den Niesen hatte sprechen hören, in's Gedächtniß zurückrief, gewann er die Ueberzeugung, daß Nettberg zu den Einbrechern in gewissen Beziehungen stehen mußte. Die körperlichen Qualen, die Wuth über seine Hilflosigkeit und über den Verlust der Brieftasche, wodurch er sich alle Machtmittel über die Geschwister Nettberg aus der Hand gerungen sah, erschöpften Maitland's Lebensgeister, und er verfiel in einen bewußtlosen Zustand. Als er die Augen wieder aufschlug, dämmerte der Morgen zum Fenster herein; er fühlte seine Glieder frei 466 von den Fesseln und sah zwei Personen mit sich beschäftigt. Maitland's Befreier waren das Dienstmädchen und der Kutscher. Das Mädchen hatte in ihrer Bodenkammer oben von den Vorgängen, die sich während der Nacht im Hause zugetragen, nichts bemerkt. Als sie mit dem ersten Morgengrauen ihre Kammer verlassen wollte, war dieselbe von außen verschlossen. Mit aller Leibesmacht stemmte sich das Mädchen gegen die Thür, bis diese aufsprang. Zu ihrem großen Erstaunen entdeckte sie nun, daß ein von außen in die Thürbekleidung getriebener Bohrer die Thür bis jetzt zugehalten hatte. Aber ihr Erstaunen sollte noch wachsen, als sie in den Hausflur hinabkam und die der Küche gegenüberliegende Thür, welche in die unteren Wohnräume führte und über Nacht stets verriegelt war, nur angelehnt fand. In die Thürfüllung war ein Loch gebrochen, groß genug, daß jemand von außen mit der Hand hindurchgreifen und den massiven Riegel hatte zurückschieben können. Jetzt ging selbst dem schlichten Verstände des Bauernmädchens eine Ahnung auf, daß Diebe im Hause gewesen sein mußten. Als sie nun auch Jammertöne aus dem Schlafzimmer ihres Herru vernahm, welches an den Salon stieß, schloß sie die Hinterthür auf und stürzte auf den Hof hinaus, um den Kutscher zu Hülfe zu rufen, der über dem Pferdestalle schlief. Beide fanden ihren Herrn im kläglichsten Zustande an den Bettpfosten angebunden, an Händen und Füßen gefesselt und durch einen in den Mund gestopften Knebel am Schreien verhindert. Die dicke Thür des eisernen Geldschranks, welcher seinen Platz im Schlafzimmer hatte, stand weit offen; der Silberschrcmk im Salon war vollständig ausgeleert. Wie die Einbrecher in das wohlverwahrte Haus gelangt sein mochten, war räthselhaft; nur soviel stand fest, daß sie dasselbe durch die vordere Hausthür verlassen hatten, denn der schwere innere Riegel war zurückgeschoben. Das war der Bericht, den das Mädchen und der Kutscher, einander ergänzend, in athemloser Hast dem fremden Gaste erstatteten. „Was ist aus Fräulein Nettberg geworden s" lautete Maitland's erste Frage. Darüber wußten sie noch nichts. Maitland wollte sich rasch erheben, aber er vermochte nicht zu stehen; noch versagten ihm die kaum frei gewordenen Glieder den Dienst. „Eilen Sie, eilen Sie!" rief er dem Mädchen zu, Mit einer Kopfbewcgung nach dem Corridore, „und bringen Sie mir sofort Nachricht, wie Sie das Fräulein gefunden haben." Das Mädchen stürzte fort und kehrte sehr rasch wieder zurück. „Das junge Fräulein ist fort!" rief sie mit Augen so groß wie ein Teller. „Die Einbrecher müssen durch ihr Zimmer in's Haus gekommen sein; die Balkonthür steht offen. Das Fräulein ist nirgends zu finden." Maitland ward blaß wie der Tod. Er erinnerte sich des leisen Schreies, den er vernommen und für eine Täuschung seiner Einbildungskraft gehalten hatte. Er ließ das ganze Haus durchsuchen, aber nirgends fand sich eine Spur von dem unglücklichen Mädchen, welches die Räuber wahrscheinlich aus Furcht vor Verrath mit sich genommen hatten. Sein jugendlicher Körper erholte sich bald von den lähmenden Einwirkungen dieser Nacht, und die wilde Energie der seelischen Erregung, in welcher er sich befand, kam ihm dabei zu Hülfe. Nachdem er sich vollständig angekleidet, suchte er seinen Gastgeber auf, den er knieend vor seinem beraubten Geldschranke traf. Bald jammernd, bald in wilde Flüche ausbrechend, hatte er nur Sinn für den eigenen Verlust. Zwölftausend Mark in Gold und Neichsbanknoten waren den Schurken zur Beute gefallen, und dabei hatte er ihnen auch noch eigenhändig den Schlüssel zum Geldschranke ausliefern müssen, weil sie gedroht, ihn todtschlagen zu wollen, wenn er sich weigere. „Geben Sie Befehl, Herr Teßner, daß mir sofort ein Pferd gesattelt werde," drängte Maitland. „Ich will nach der Kreisstadt hinüberreiten und sofort Polizei und Gericht in Bewegung setzen. Nur durch schnelles Handeln läßt sich ein Erfolg erreichen." Fünf Minuten später bestieg Maitland das Reitpferd des Gutsherrn und sprengte davon. XXVI. Als Melanie Retiberg die Zeilen Maitland's überlas, worin er ihr die Rückkehr ihres Bruders meldete, war sie sehr bestürzt, und der Wunsch, sobald wie möglich Aufklärung zu erhalten, diktirte ihr die unter Maitland's Anfrage hastig hingeworfenen Worte. Melanie löschte das Licht, legte sich zu Bett und ahnungslos, daß das Verbrechen sie in doppelter Gestalt umschwebte, sank sie in Schlummer. Wie lange derselbe gedauert, wußte sie nicht, aber ihr Erwachen war von Schrecken begleitet. Es war ein Licht im Zimmer und sie unterschied zwei Männer, deren Gesichter unter einer schwarzen Florhülle verborgen waren. Der eine von ihnen, eine hünenhafte Gestalt, streifte die Florhülle zurück, um in durstigen Zügen ein Glas Wasser hinunterzustürzen, welches auf dem Nachttische stand. Melanie war regungslos dagelegen, die Angst hatte ihre Kehle zugeschnürt. In dem Augenblick aber, wo sie die Gesichtszüge des Trinkenden deutlicher unterschied, richtete sie sich mit einem leisen Schrei der Ueberraschung empor, und ihren Lippen entfuhr der Ausruf: „Herr Nöllingl" Der Angerufene, welcher ebensowenig wie sein Begleiter darauf gefaßt war, das Zimmer bewohnt zu finden, zuckte zusammen. Hastig den Flor wieder über sein Gesicht ziehend, stürzte er lautlos auf das Bett zu und erhob unter einem leisen Fluche die mit einem Brecheisen bewaffnete Hand zum tödtlichen Schlage. Melanie faltete die Hände mit flehender Geberde. Sie bot in ihrer Schönheit und unschuldsvollen Jugend ein so rührendes Bild, daß ein Herz von Stein dazu gehört hätte, sie in diesem Augenblicke" erbarmungslos hinzumorden. „Sie kennen mich?" zischte der Mann. „Ja, ich kenne Sie," stammelte sie, „ich bin Melanie Rettbekg." „Edmund's Schwester!" murmelte Nölling und ließ die bewaffnete Hand langsam Herabfinken. Wohl kannte er Melanie, welche er bei ihrem Bruder ein paar Mal gesehen, aber er hatte sie hier so wenig gesucht und in ihrem Nachtgewand und mit dem aufgelösten Haar erschien sie ihm so ganz anders, daß erst ihr Name ihm den Schlüssel zum Wiedererkennen ihrer Züge lieferte. „Das fügt sich unglücklich!" flüsterte er. „Die Schwester meines Freundes wäre die letzte, der ich etwas 467 zu Leide thun würde. Wenn ich aber Ihres Lebens schone, und Sie verhelfen mir dafür hinter Schlotz und Riegel, Fräulein, so wären Sie, bei meiner armen Seele! noch schlimmer als ich!" „Ich will nie ein Wort gegen Sie aussagen, so wahr Gott mir helfe!" betheuerte Melanie leise. „Aber — was Sie auch in diesem Hause vorhaben mögen — versprechen Sie mir, daß Sie auch das Leben Anderer schonen wollen." „Ich habe meine Hand noch nie mit einem Morde befleckt," erwiderte Nölling, „und hoffentlich wird's auch hier ohne solche traurige Nothwendigkeit abgehen. Was nun Ihr Versprechen anlangt, so will ich der Schwester meines Freudes Glauben schenken." Er trat vom Bette zurück und besprach sich eine Weile flüsternd mit seinem Genossen, welcher Einwendungen zu erheben schien. „Bleiben Sie ruhig, Fräulein, es geschieht Ihnen nichts," wandte sich Nölling wieder an das zitternde Mädchen, worauf er durch die Balkonthür verschwand und nach einiger Zeit mit einem dritten Manne zurückkehrte, dessen Gesicht ebenfalls von schwarzem Krepp um- schleiert war. „Und nun, Fräulein, stehen Sie auf und kleiden Sie sich an," flüsterte Nölling. „Meine Begleiter sind nicht so vertrauende Leute wie ich; sie wollen Sie hier nicht zurücklassen, sondern bestehen darauf, daß Sie mit uns gehen, sobald wir unser Geschäft besorgt haben. Beeilen Sie sich und seien Sie ohne Furcht, denn es wird Ihnen kein Leid geschehen." Das Licht auslöschend, schlich er mit seinen beiden Genossen auf den Corridor hinaus. Der Zuletztge- kommene mit dem Namen „Don Carlos" blieb draußen vor Melanie's Thür als Wache zurück. Noch immer wie halb gelähmt von dem ausgestandenen Schrecken, stand Melanie auf, um sich anzukleiden, so gut es im Finstern ging; in ihrer seltsamen Situation, wo sie wußte, daß es sich um ein Verbrechen handle, welches sie schweigend geschehen lassen mußte, kam sie sich vor, als habe sie selbst Antheil daran, obgleich sie es nicht zu hindern vermocht hätte; ein einziger lauter Schrei würde ihr das Leben gekostet haben, ohne die Einbrecher von ihrem Vorhaben zurückzuhalten. Noch war sie mit dem Ankleiden nicht fertig, da öffnete sich auch leise die Thür, und ihr Wächter trat ein. „Vorwärts jetzt, es ist Zeit!" raunte er ihr zu. „Treten Sie leise auf und verhalten Sie sich still, sonst — Er ergriff sie am Arme und führte sie geräuschlos die Treppe hinab und durch die geöffnete Hausthür ins Freie. Am Ende der Pappclallee wartete ein mit zwei Pferden bespannter Wagen; daneben stand ein Mann, welcher auf die Pferde Acht gab. Nachdem Melanie den Wagen bestiegen, begab sich ihr Begleiter, wieder nach dem Hause und kehrte nach einer Weile mit Nölling und dessen Genossen zurück. Alle drei waren mit Säcken beladen, deren Inhalt einen metallenen Klang von sich gab, als die Säcke im Wagen untergebracht wurden. Die vier Männer stiegen ein, Nölling nahm auf dem vorderen Sitze seinen Platz neben Melanie, ergriff Zügel und Peitsche, und — fort ging es in scharfem Trabe. Kein Wort ward unterwegs gesprochen. Als Nölling bemerkte, daß Melanie ohne Mantel war, hüllte er sie zum Schutze gegen die Nachtkühle schweigend in eine Decke. Nach längerer Fahrt traten die Thürme und die Häuserumriffe der Kreisstadt aus der Dunkelheit hervor. Nölling umfuhr die Stadt in den verschiedensten Richtungen, bis der Wagen endlich vor einem Gehöfte Halt machte, dessen Einfahrtsthor sogleich wie von unsichtbaren Händen geöffnet wurde. Im Hofe stiegen Melanie's Begleiter ab und verschwanden mit ihren Lasten im Hause. Nölling half ihr vom Wagen und führte sie in ein Zimmer, in welchem ein Licht brannte. „Ich habe also Ihr Wort, Fräulein," begann er, „daß Sie nichts zu meinen Ungunsten aussagen werden." „Keine Silbe, womit ich einen Verrath an Ihnen begehen könnte, soll über meine Lippen kommen, wenn es sich nur um das Eigenthum und nicht um das Leben Anderer handelt, das versichere ich auf meine Ehre!" „Gut, gut, damit bin ich zufrieden," nickte Nölling. „Und nun sehen Sie, was ich da habe." „Dies hier ist der Wechsel, den Ihr Bruder gefälscht hat. Der feine Herr, der sich diese Nacht im Göllnitzer Herrenhause einquartiert hatte, bewahrte ihn sorgfältig auf, um Ihren Bruder in's Zuchthaus zu bringen, falls er nicht an Ihnen zum Verrüther werden wollte." Lächelnd drehte er den Wechsel zusammen und hielt ihn wie einen Fidibus an's Licht. Im Nu ging der Hauptbeweis von Edmund's Verbrechen in Flammen auf. „Da ist noch ein kleiner Zettel," fuhr Nölling fort, „auf welchem Ihr eigener Name steht. Wahrscheinlich sollte er auch bei irgend einer Schurkerei mitspielen." Ehe er auch dieses Papier der Flamme überlieferte, zeigte er es Melanie, und diese erkannte anf dem abgeschnittenen Streifen die Zeilen wieder, die sie gestern Abend an Maitland geschrieben hatte. „Und dieses Stück Papier," schloß Nölling, auf ein drittes Blatt weisend, „ist eine Art Sündenbekeunt- niß, das Maitland Ihren Bruder unterzeichnen ließ. Auch das geschah, um Sie in seine Gewalt zu bekommen. Es möge den Weg seiner beiden Vorgänger wandeln." Im gleichen Augenblick flackerte auch dieses letzte Zeugniß von Edmund's Schuld auf, und nur schwarze Flocken schwebten noch davon umher. „So!" lachte der Necke, „nun ist der ganze böse Zauber gebrochen." In der ihr eigenen heftigen Aufwallung von Dankbarkeit stürzte das junge Mädchen auf ihn zu, ergriff seine rauhe Hand und drückte sie an ihre Lippen. „Unsinn! Unsinn!" rief er, sie sanft abwehrend. „Aber lassen Sie sich vor diesem verdammten Schurken, dem Maitland, warnen, Fräulein. Er ist schlimmer als Unsereiner. Er hatte Ihren Bruder vollständig in der Schlinge, und durch ihn wollte er Sie in seine Gewalt bekommen!" „Wissen Sie etwas über meinen Bruder?" fragte Melanie. „Er hat seine Reise nach Amerika in England unterbrochen Und befindet sich wieder in Berlin in seiner alten Wohnung," gab Nölling zur Antwort und erklärte hierauf dem erstaunt zuhörenden Mädchen das ganze Manöver, welches von Maitland zur Entdeckung ihres Aufenthaltes in's Werk gesetzt worden war. „Nun muß ich fort," sagte er am Ende seines kurzen Berichtes; „es ist nöthig, daß Sie noch einige Zeit hier bleiben; noch vor Tagesanbruch wird Sie jemand nach der inneren 468 Stadt führen, dann sind Sie frei. Bis dahin lassen Sie sich nicht bange sein; ich habe Ihnen gesagt, daß Ihnen nichts geschehen wird, und ich halte mein Versprechen — " „Und ich das meinige!« ergänzte Melanie, ihr Wort mit einem Händedruck besiegelnd, worauf der Niese sich verabschiedete, die Thür hinter sich abschließend. XXVII. Es war noch völlig dunkel, als Melanie aus ihrem Gefängniß erlöst wurde. Ihr Befreier war ein bäuerisch gekleidetes weibliches Wesen mit einem bunten, unter dem Kinn zugebundenen Kopftuche, welches von dem Gesicht seiner Besitzerin so wenig frei ließ, daß sich Aussehen und Alter derselben schwer hätten bestimmen lassen. Die Frau winkte Melanie mit der Hand, ihr zu folgen, und führte sie stumm durch ein solches Gewirr von Hinter- und Ncbengüßchen, daß es Melanie unmöglich gewesen wäre, den Weg nach dem eben verlassenen Gehöft zurückzufinden. Der Tag dämmerte bereits, als eine lang sich hin- dehnende, meist von hohen Häusern gebildete Straße erreicht war; hier machte die schweigsame Führerin Melanie ein Zeichen, daß sie dieser Straße folgen solle, und wandte sich zurück, um an der nächsten Ecke zu verschwinden. Der ihr angedeuteten Richtung folgend, gelangte Melanie auf den Marktplatz, auf welchem sich mehrere Gasthöfe befanden. Aus einem derselben kam eben ein vierspänniger Postwagen herausgerollt. Ueber dem Thore prangte die Inschrift: „Gasthaus zur Post.« Melanie ging auf das alterthümliche Haus zu und erreichte dasselbe eben, als ein Mädchen in schneeweißer Schürze- mit Brustlatz und gekreuzten Achselbändern, welches dem Postwagen nachgeblickt hatte, sich von dem Thorweg wieder in den Durchfahrtsflur zurückziehen wollte. „Können Sie mir vielleicht sagen,« wandte Melanie sich an das Mädchen, „wann die Post abgeht, die durch Göllnitz fährt?« „Da haben Sie noch bis zehn Uhr Zeit, Fräulein,« antwortete das Mädchen zuvorkommend, „wollen Sie nicht in die Gaststube eintreten? Oder wünschen Sie einstweilen ein Zimmer?« Melanie nahm den letzteren Vorschlag sehr gern an und ließ sich von dem Mädchen ein in den höheren Stockwerken gelegenes Zimmer anweisen. „Ist Ihnen vielleicht Kaffee gefällig?« fragte das Mädchen. Melanie bat um eine Tasse Kaffee mit etwas Gebäck und begann nach der Entfernung des Mädchens vor dem Spiegel ihr Haar zu ordnen. Nach einer Viertelstunde kam das bestellte Frühstück, welches sie sich trefflich schmecken ließ. Wahrend sie noch dem Gebäck zusprach, griff sie in die Tasche ihres Kleides — und da quoll ihr plötzlich der Bissen im Munde, denn sie hatte eben entdeckt, daß sie ohne Geld war. Sie erinnerte sich, daß sie auf ihrer Reise nach Göllnitz das Portemonnaie in ihrem Regenmantel getragen und es herauszunehmen vergessen hatte. Der Gedanke, sich durch die Annahme des Zimmers und des Frühstücks eine Schuld aufgeladen zu haben, die sie nicht bezahlen konnte, und auch nicht die Mittel zur Rückkehr nach Göllnitz zu besitzen, machte sie siedend heiß. Bei ihrer Gewohnheit, ihre Ringe vor dem Schlafengehen abzulegen, sah sie sich nicht einmal im Stande, wenigstens ein Pfandobjekt zu hinterlassen, wenn sie auch den weiten Weg hätte zu Fuß zurücklegen wollen. Melanie zog die Klingel und fragte das eintretende Mädchen, ob sie mit der Frau des Hauses ein paar Worte reden könne. „Die Madame schläft noch," erwiderte das Mädchen, „es gab gestern Abend ein Abschiedsessen und da ist sie spät zu Bett gekommen, aber der Herr ist schon wach.« „Ich möchte lieber mit der Frau sprechen,« ent- gegnete Melanie nach kurzem Bedenken. „Gut; ich werde eS ihr sagen, sobald sie aufgestanden ist.« . . . Viertelstunde auf Viertelstunde schlich dahin. Endlich erschien die so sehnlich und doch so angstvoll Erwartete. Sie war eine große, überaus korpulente, sehr gut gekleidete Fünfzigerin, deren mit einem Doppelkinn gesegnetes Gesicht den Eindruck herber Ehrbarkeit machte. „Womit kann ich Ihnen dienen?" fragte die Wirthin, indem sie die junge Dame neugierig von Kopf bis zu Fuß betrachtete. Melanie hatte sich vorgenommen, frei und unbefangen vom Herzen weg zu sprechen, aber trotzdem sank ihr Ton zur Schüchternheit herab, während sie erzählte, daß sie wider ihren Willen in diese Stadt gekommen sei und unglücklicher Weise ihr Portemonnaie zurückgelassen habe. „Ich befinde mich nun in doppelter Verlegenheit,« schloß sie, „denn ich möchte mit der nächsten Post nach dem Gute Göllnitz zurückkehren, wo ich bei Herrn Teßner zu Besuch weile. Wollen Sie mir das unbedeutende Fahrgeld nicht vorstrecken, so bitte ich Sie, mir wenigstens meine kleine Zeche zu creditiren; ich werde Ihnen das Geld gleich nach meiner Heimkunft schicken. Leider habe ich nichts bei mir, was ich Ihnen einstweilen als Pfand zurücklassen könnte.« Die Wirthin hatte, während sie zuhörte, den Mund fest zusammengezogen und stieß jetzt ein ominöses: „So, so!« aus. „Ich leihe grundsätzlich Niemandem Geld, Fräulein.« sagte sie, „übrigens pflegt man, wenn man auf Reisen geht, zu allererst Geld zu sich zu stecken.« Es blieb nun Melanie nichts anderes übrig, als zu berichten, daß diese Nacht bei Herrn Teßner eingebrochen worden sei und daß die Einbrecher sie aus Furcht, von ihr verrathen zu werden, mit sich genommen und an einem Orte, den sie nicht anzugeben wisse, abgesetzt Hütten. „So, so!« lautete sehr frostig wieder die Antwort der Wirthin, welche der abenteuerlichen Geschichte mit mißtrauischer Miene zugehört hatte. „Nun, ich will einmal mit meinem Manne über die Sache reden.« Es lag etwas im Tone dieser Worte, was eher einer Drohung als einer Vertröstung ähnelte. Als die Wirthin in die Gaststube hinabkam, fand sie ihren Gatten in eifrigem Gespräch mit einem vornehm aussehenden Herrn, welcher stehend eine Tasse Kaffee zu sich nahm. „Vor 8 Uhr finden Sie den Polizeicommissar nicht auf seinem Bureau,« sagte der Wirth. „Solangewerden Sie sich also gedulden müssen. — Du, Frau," wandte er sich an seine Gattin, „denke Dir nur, diese Nacht ist auf dem Gute Göllnitz eingebrochen worden; die Diebe haben dem alten Teßner zwölftausend Mark aus dem 469 Kassenschranke gestohlen, sämmtliches Silberzeug mitgenommen —" „Daß Gott erbarm'!" rief die Wirthin. „Dann ist die Geschichte doch wohl wahr, die mir eben das junge Frauenzimmer in Nr. 27 erzählt hat. Sie sagt, die Spitzbuben hätten sie mit fortgeschleppt —" „Fortgeschleppt?" unterbrach sie hastig der fremde Herr. „Ein junges Frauenzimmer? Wo ist sie? Wie sieht sie aus?" „Sie ist hier im Hause," antwortete die Wirthin, „ich wollte ihr die Sache nicht glauben. Sie sieht zwar sehr unschuldig aus mit ihrem feinen Gesichtchen und mit dem goldblonden Haare, aber —" „Kein Zweifel, es ist Fräulein Nettberg I" rtef der Fremde. „Ich muß das Fräulein sogleich sprechen. Führen Sie mich zu ihr." Die junge Dame in Nr. 27 hatte durch diesen Zwischenfall im den Augen der Wirthin sehr gewonnen. „Jedenfalls muß ich erst fragen," erwiderte sie, „ob das Fräulein Sie zu so früher Stunde empfangen will, und mir Ihren werthen Namen auskitten." „Mein Name ist Maitland," war die ungeduldige Antwort. „Einen Zweifel darüber, ob das Fräulein mich zu sehen wünscht, gibt es nicht." Er folgte der Wirthin die Treppe hinauf. Diese öffnete die Thür von Nr. 27 so weit, daß gerade ihre stattliche Person hindurch konnte, Maitland aber draußen bleiben mußte. „Wenn Sie Fräulein Äettberg sind," redete sie die schüchterne Zimmerbewohnerin an, „so ist hier ein Herr, der Sie zu sprechen wünscht. Er nennt sich Maitland." Melanies Miene verrieth deutlich, daß ihr dieser Besuch sehr unwillkommen sei, aber noch ehe sie antworten konnte, riß Maitland der Wirthin ungestüm die Thür aus der Hand und schritt, sich an ihr vorüber- drängend, auf das junge Mädchen zu. „Wie preise ich den glücklichen Zufall, der mich Sie hier finden ließ!" rief er, und es lag so viel wirkliche Freude in seiner Miene, daß Melanie ihm ihre Hand nicht zu verweigern vermochte. Da die Wirthin inzwischen verschwunden war, so drückte er seine Lippen darauf. Melanie wollte ihre Hand augenblicklich zurückziehen, aber er hielt sie fest in der seinigen. „O, Melanie," sagte er, sie nach dem Sopha führend, „was habe ich seit heute Nacht Ihretwegen gelitten!" Die junge Dame erröthete und zitterte, denn sie fühlte, daß ein Augenblick der Prüfung nahte. „Melanie, theure Melanie, es kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein, daß ich Sie liebe, mit einer Leidenschaft und Innigkeit liebe, wie ich sie vorher noch nie für ein Weib empfunden habe. Sie sollen über mich gebieten, ich will der Sclave Ihrer Wünsche sein. Lassen Sie uns vereint durch's Leben gehen, Melanie, durch keines der kalten gesetzlichen Bande gebunden, sondern durch den edleren, stärkeren Impuls überwältigender Leidenschaft, die sich über die eitlen Ceremonien der sog. Gesellschaft hinwegsetzt, unzertrennlich aneinander gefesselt! — Ich lege Ihnen mein Vermögen, mein Leben, mich selbst zu Füßen. Lassen Sie nur den leisesten Wunsch vernehmen, und er soll im Augenblick erfüllt werden! Nein, Geliebte, bebe nicht aus meinen Armen zurück; einmal doch laß mich Dich an mein Herz pressen, das für Dich, nur für Dich flammt und glüht!" Aber während er mit wachsender Leidenschaft zu ihr sprach, wich Melanie vor ihm zurück. Wie sehr er auch unter unbestimmten, aber glühenden Worten seinen Antrag verschleierte, so verstand sie, gewarnt wie sie war, ihn nur zu gut und erkannte, daß alles wahr sei, was man ihr über ihn gesagt hatte. Sie stand vor ihm und betrachtete ihn mit einer Miene der Verachtung und des Abscheus. (Fortsetzung folgt.) -—8S88NS--- Irernde Klänge. »Mir ist die Welt gekreuzigt und ich der Welt.' Paulus. Der müde Tag geht nun zur Ruh', Im Garten schlafen die Rosen, Verirrte Töne trägt mir zu Der Wind mit Flüstern und Kosen. AuS lichtern Räumen kommen sie her, Flüchtlinge sind sie im Dunkel, Mir schimmert die kleine Lampe nur mehr Und oben der Sterne Gesunkel. Und denen sie rauschten, haben sie Die Sorgen wohl alle vertrieben, Oder sind bei ihrer Melodie Die Herzen verstimmt geblieben? Vor'm Hause der Springguell steigt ohne Rast Und fallet plätschernd nieder, Ich lausche gern, sein einziger Gast, Auf seine geheimen Lieder. Er hat zum Dank in der Einsamkeit Manch' stilles Wort mir vertrauet, Dann hat die Seele auS dieser Zeit Jn'S Reich des FricdenS geschauet. Adolph Müller. --SMNS--- Reise-Skizze des bayerischen Pisgerznges nach Lonrdes 1894. (Schluß.) Und nun hinein eiligen Schrittes zur Stadt; es war 10 Uhr Nachts geworden. Jeder eilte, der Eine zu Wagen, Andere zu Fuß, mit dem Gepäcke auf den Bahnhof. 11 Uhr Nachts fuhren wir in Lourdcs ab — in unserm rasch dahinsausenden Extrazng. Wir durch- flogen die vom Mondschein beleuchteten Landschaften — einige Zeit längs den Pyrenäen, deren schneebedeckte Ntesenberge sichtbar waren; — es wurde still in den Waggons, die Meisten waren in Schlaf versunken; wir passirten Toulouse, wo nur wenige Minuten Aufenthalt war, Carcassonne, Narbonne, Beziers. Inzwischen war es Tag geworden. Von Beziers fuhren wir nach Cette, kamen dort an Mittags um 12 Uhr; Aufenthalt eine Stunde 50 Min. Da konnte man sich restauriren mit Wein oder Speisen, Stadt und Umgebung beschauen; Andere gingen anS Meer, um dort Muscheln u. A. zu suchen! Der Anblick des Meeres fesselt immer wieder anf's Neue. Mit Andacht preiset man gleich dem königlichen Psalmisten die Allmacht Gottes. „Ihr Meere und Flüsse, preiset den Herrn! Ihr Walfische und Alles, was sich in den Wassern regt, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über Alles in Ewigkeit!" Wie feierlich ertönen auf dem Meere die Worte der hl. Schrift: „Es erheben die Ströme, o Herr, ihre Stimme; die Ström- ungcn erheben ihre Wellen im Brausen vieler Wasser. Wunderbar ist der Aufruhr des Wassers, wunderbar der Herr in der Höhe." Dieses Mittelmeer haben wir überquert im Jahre 1880 auf einer Palästinareisei Seltsame, erhebende Gedanken erfassen den denkenden Menschen auf dem Meere; man fühlt sich angeweht vom Odem der Ewigkeit, für welche das Meer, das unermeßliche, ein Gleichnis; ist, da sie nie aufhört, auch nicht, wenn so viele Jahrtausende verflossen sind, als das Meer Wassertropfen enthält; hier lernt man von Herzensgrund beten zum Allmächtigen, dessen Hand das Schiff und seine Bewohner führt über die sturmbewegtcn Wellen zum sicheren Hafen und vor Unglück bewahrt (Sturm, Blitz, Brand, Klippen, Sandbänke rc.). Jenseits des Mittelmeeres liegt Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis), Aegyptcn, sodann Asien mit dem heiligen Lande Palästina. Ueber Montpellier nach Avignon. Hier benutzten Mehrere den Aufenthalt von 1 Stunde 40 Min., um sich die Stadt zu besehen. Die Stadt zählt 33,000 Einwohner, ist am linken Ufer der hier mit einer prächtigen Drahtbrücke überspannten Rhone, liegt malerisch am steilen Abhang eines 60 rn hohen Kalkfelscns, der das mächtige Schloß der Päpste und die Kathedrale Notre Dame trägt. Die .Stadt selbst hat noch die alten, thurmbewehrten Mauern ihrer Glanzzeit und die schmalen Straßen des Mittelalters; aber vom Bahnhöfe zieht die schöne breite Straße de la Republique schnurgerade durch sie hindurch über den Nathhausplatz bis zum Felsen mit der Papsiburg. Zu Wagen gelangt man in etlichen Minuten vom Bahnhof aus hinauf. Dieser Palast ist ein weithin das Land beherrschender, majestätisch aufragender Bau, 1336—64 von den damaligen Päpsten errichtet, breit und verschlossen mit wenigen und schmalen Spitzbogen- fenstern, großen Blendbogen, ernsten, bräunlichrothen Mauerflächen, sechs massigen, viereckigen Thürmen; zur Zeit ist die Burg Kaserne, soll aber eine andere Bestimmung erhalten. Die Erlaubniß zum Besuch hat man im Nathhaus, Hotel de Wille, zu holen; wir hatten hiezu keine Zeit. Der Consistoriumssaal soll sehr berühmte Fresken enthalten; außer vielen Nebensälen sei beachtens- werth der Nathssaal, die Galerie des Conclave, der nördliche Flügel mit mehreren Kapellen, die päpstliche Kapelle, die Kapelle des hl. Officiums und die Tour de Trouillas. Nördlich von der Papstburg ist die Kathedrale Notre Dame mit prachtvollem romanischem Portal; das Schiff zeigt das System der romanischen Kirchen Südfrankreichs, die schmalen Seitenschiffe sind in Kapellen umgewandelt; neben der Sakristei das Mausoleum Johanns XLII., ein Prachtwerk von Marmor in gothischem Stil, von graziöser Leichtigkeit, aus dem 16. Jahrhundert. Von den Päpsten, welche hier residirten, nennen wir Benedikt XII., Clemens VI., Jnnocenz VI., Urban V. u. A. Aus der Kirche auf die Promenade mit Gartenanlagen, Springbrunnen, herrlicher Aussicht. Zurück in die Stadt, dessen Museum Calvet sammt dem nahen botanischen Garten Andere besuchen, denen mehr Zeit gegönnt ist. Die Straßen sind sehr belebt, wir gewahren sehr viele Officiere und Soldaten. Wir kommen noch rechtzeitig auf dem Bahnhof an; ein Oberst fragt uns, ob wir Preußen seien? Wir antworten: äs Lrrvisro, ^utrissis, aus Bayern und Oesterreich I trss Uion, sagt er, und unterhält sich mit uns noch kurze Zeit, bis es heißt: „en voitures", in die Wagen; der Zug geht ab über Valence nach Lyon, wo wir Nachts 11 Uhr 26 Min. ankommen. In Lyon kamen ein paar Herren wieder zu uns, die von Lourdes aus einen Abstecher nach Marseille gemacht hatten. Nach eiuem Aufenthalte von 25 Minuten dampfte der Expreßzug weiter; seit Cette hatten wir wieder die wohnlichen Lyoner Wagen, in denen wir eS uns bequem machen konnten; Alle überließen.sich dem Schlafe bis zur Greuz-Station Bellegarde, wo wir die Schweizer Waggons besteigen mußten. Eiligst fuhren wir weiter nach Genf, vorbei an gewaltigen Bergriesen (Montblanc), die blaue Flnth des See's bewundernd, die schmucken Landhäuser wie die ausgedehnten Weinberge und Gärten mit Vergnügen betrachtend. Nach 4 Uhr waren wir in Genf angekommen, verließen es nach dreiviertelstündigem Aufenthalte; die Landschaft am See bietet ein unvergleichlich schönes Bild; wir sehen das hübsch gelegene schöne Lausanne; später entschwindet der See unseren Blicken; in Freiburg erreichen wir die deutsche Sprachgrenze. Es war nicht möglich, länger anzuhalten, sonst wären wir gerne wie die Pilger von 1880 betend zum Grabe des seligen Petrus Canisius in Prozession gezogen, der ja auch ein Apostel Deutschlands war, in Bayern den Irrlehren entgegenwirkte und zuletzt, am Ende seines thatcnreichen Lebens, auch den Kanton Freiburg zum katholischen Glauben zurückgeführt hat. Sein Andenken lebt besonders in der Stadt Augsburg und in der ganzen Diözese fort, wo er so viel gewirkt hat für den kathol. Glauben, ebenso in Jngolstadt, Landshut. Wir fahren sodann durch fruchtbare Gefilde, eilen vorbei an Bern, der Bundeshauptstadt, Vorm. 9 Uhr 48 M., erreichen den lieblichen Vierwaldstütter-See und verweilen eine Viertelstunde im schönen Luzern. Einige Herren wollen den See befahren und uns bis Einsiedeln nachfahren. Die Fahrt führte an den Ufern des See's hin, den viele Fahrzeuge belebten; von dem diesseitigen langgestreckten Ufer winkten eine Reihe freundlicher Ortschaften herüber; sodann ging es in sanfter Steigung aufwärts, mit dem Ausblick nach dem Nigi, vorbei an Station Goldau; — welcher Unterschied in der Vegetation hier, im Vergleich zu Frankreich! — wir sahen Tausende von Kirschbäumen! Endlich gelangen wir nach vierund- dreißigstündiger ununterbrochener Fahrt, während der wir zwei Nächte in dem stets rollenden Zuge verbracht hatten, nach Einsiedeln, Nachmittags vor 4 Uhr. Es ist ein lieblicher, an einen Hügel malerisch hingestreckter Ort, gekrönt von der großen Wallfahrtskirche, vor welcher ein großer freier Platz sich erstreckt, der durch einen hübschen monumentalen Brunnen geschmückt ist. Hier sind die Geschäftshäuser der großen Firma Benziger, in der ganzen katholischen Welt bekannt. Nachdem die Pilger in verschiedenen Quartieren gut untergebracht waren, eilten Alle, um ihre Begrüßuugs-Audacht vor dem Gnadenbilde zu verrichten. Abends 6 Uhr beteten wir gemeinsam den Rosenkranz. Jeder suchte zeitig nach eingenommenem Abend-Imbiß die Lagerstätte auf, um von der langen Fahrt auszuruhen. Morgens 5 Uhr eilten die Pilger wieder zu der großartigen Kirche, wo an vielen Altären heilige Messen celebrirt wurden. Alle waren erstaunt über die Größe und Schönheit dieses prächtigen Tempels, in dessen Mitte die Kapelle mit dem gold- strahlenden Gnadenbilde der Himmelskönigin Maria mit dem Jesukinde sich befindet, stets umlagert von Andächtigen. Wir Lourdes-Pilger hatten gewiß Grund, eine herzinnige Danksagung hier abzustatten für den glücklichen Verlauf unserer großen Wallfahrt, während welcher wir den Schutz Mariens so reichlich erfahren hatten. Auch hier, au dieser marianischen Gnadenstätte, sind schon Tausende in ihren Gebeten erhört worden und haben wunderbare Hilfe gefunden durch Mariens Fürbitte in leiblichen und geistlichen Nöthen; Tausende wallfahrten alljährlich hierher aus der Schweiz, Süddeutschland, Oesterreich, Italien und Südfrankreich; Tausende empfangen alljährlich hier die hl.Sakramente. Wir erwähnen noch die einzelnenAltäre. Beim Eintritt in die Kirche links ist der Nosenkranzaltar, aus Marmor, vorzüglich für den Pfarrgotkesdienst bestimmt, hier ist das Allerheiligste aufbewahrt; ferner der St. Josephsaltnr mit dem Neliquienschrein des hl. Blutzeugen Dionys; der St. Konrads-Altar; der hl. Bischof ward im Jahre 948 berufen, die Kirche zu weihen, was in Folge einer Vision unterblieb; der Altar St. Meinrads, des Stifters von Einsiedeln, mit trefflichen Statuen; ein anderer Altar ist Kaiser Heinrich II., dem Heiligen, geweiht; der folgende ist der Altar des Kirchenpatrons, des hl. Mauritius, neben demselben führt ein Flügelthor in eine geräumige Settenkirche mit 29 Beichtstühlen; der hl. Kreuzaltar mit Reliquien. Imposant ist der herrliche Hochaltar, aus feinen Marmorarten gefertigt, im Tabernakel das Sauctissimum, im Hintergründe das Altarbild „Maria Himmelfahrt"; neben demselben der Oelbergaltar; der zehnte Altar ist dem hl. Burgunderköuig Sigismund geweiht, -j- 530, mit dem Leibe der hl. M. Candida; es folgen der Herz Jesu- Altar, der St. Benedictus-Altar, der Herz Maria-Altar, St. Anna-Altar, der Schutz-Altar zu Ehren der Beschützerin der Christen, Maria. Diese 15 Altäre umgeben die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbilde, vor welchem schon St. Meinrad so viel gebetet hat. Am Sigismund- Altare werden täglich die Devotionalicn geweiht. Die Wallfahrtskirche erfreut sich des Privilegiums der 7 Kirchen. Nach kurzer, herzlicher Abschiedsandacht mußten die Pilger eilen, um rechtzeitig zum Bahnhof zu gelangen. Viele waren ja schon früher in Einsiedeln gewesen. Freitag den 20. April fuhren wir in Einsiedeln ab um 7 Uhr 33 M. und gelangten über Wädensweil um den Züricher See herum, den Ausblick auf dessen reizende Gestade mit zahlreichen Ortschaften und blühenden Obstbaumgärten genießend. Ankunft in Zürich um 9 U. 45 M. Vorm. Hier gesellten sich zu uns ein paar zurückgelassene Pilger, die in Genf das Abfahrtssignal überhört hatten in der Restauration. Im hiesigen Bahnhof war Gelegenheit gegeben, sich zu restauriren. Von Zürich fuhren wir ab um 10 Uhr 18 Min. Weiter ging die Fahrt auf derselben Linie, wie herwärts, durch schöne, im Frühlingsschmucke prangende Landschaften, vorbei an Städten, Dörfern und Stationen, viel schneller und mit weniger Anhalten, als bei der Herfahrt, bei günstiger Witterung. Nach 2 Stunden, um 12 Uhr 35 Min., erreichte der Zug Nomaushoru. Freudig begrüßten wir den Bodensee und seine schöne Umgebung. Zwei geräumige Dampfer nahmen uns auf, um uns bei lieblichem Sonnenschein ins deutsche Vaterland hinüber- zuführen. Während der ruhigen Ueberfahrt wurden von vielen Pilgern nochmals Wallfahrtslieder gesungen, mit weithin tönendem Schalle. Alle erfreuten sich an der herrlichen, erquickenden Seefahrt, die nur 100 Minuten dauerte. In Lindau angekommen, begrüßten wir mit Hochgefühl die weiß-blaue bayerische Fahne. Weiß-blau ist die Farbe des Himmels, weiß-blau ist die Farbe der Muttergottes, die in weißem Gewände mit hellblauem Gürtel geschmückt erschienen ist zu Lourdes! Weiß-blau ist die Farbe unseres engern, lieben Vaterlands Bayern! Nach geschehener, gütiger Zollrevision bestiegen wir, von Bekannten und vielen Zuschauern empfangen und zum Bahnhof begleitet, voll Zufriedenheit die bequemen bayerischen Wagen; manche Pilger aus den Seegegenden und ' aus Vorarlberg, Württemberg verließen uns. Der Zug eilte durch's liebliche Allgäu mit seinen schönen landschaftlichen Scenerien, nach kurzem Aufenthalt in Jmmcn- stadt und Kempten, wo wieder Viele den Pilgerzug verließen. An den Stationen und aus manchen Häuser» der angrenzenden Ortschaften waren wir freundlich begrüßt worden mit Tücherschwenken und Zurufen. Verfasser dies hatte in 5 Correspondenzartikeln an die katholischen Augsburger Zeitungen — aus Lyon und Lourdes — unsern bayerischen Landsleuten, und speciell den Angehörigen der Pilger, Kunde gegeben von dem Verlaufe der Pilgerreise, von unserer Rückreise und Ankunftszeit an den bayerischen Hauptstationen, so daß man allerorten genau orientirt war. So war auch kurze Rast in Bieffenhofen und Kaufbeuren. Endlich um 8 Uhr 15 Min. abends (20. April) erreichten wir gottlob wieder den Ausgangspunkt, — nunmehr die Endstation Buchloe —; die Pilger trennten sich mit kurzem und herzlichem Abschiede. Von hier begaben sich die Theilnehmer wieder in ihre Heimath, mit Benützung der Abendzüge. Viele konnten aber erst andern Tags heimkommen und mußten in München oder Augsburg übernachten. Dem hochw. Herrn Director Beyrer und dem ganzen Comitö, den Herren Hackl, Sibold, Sontheim, Präg, Chordirector Preinfalk rc., gebührt in hohem Grade Dank und Anerkennung für so viele Mühe und Aufopferung. Der Geist des Pilgerzuges war ein recht guter, ein allgemeines friedliches Zusammenleben; man fühlte sich wie eine Familie, obgleich wir verschiedenen Ländern an» gehörten. Dank auch der kaiserlich deutschen Botschaft in Paris; dieselbe hatten wir vor der Abreise von dem beabsichtigten Pilgerzug (10.—21. April) benachrichtigt, uns unter ihre Protektion gestellt, was auch für künftige Karawanen zu empfehlen ist. Wie das Bayernvolk die Muttergottcs Maria als Landes-Patronin verehrt, so war und ist auch das Königliche Haus Wittelsbach von jeher der heiligsten Jungfrau ergeben. Auch die Allerhöchsten Herrschaften haben Kenntniß genommen von dem bayerischen Pilgerzug nach Lourdes und der in der Basilika dort celebrirten heiligen Messe für daS kgl. Haus, wie die Obersthofmeisterin Gräfin v. Oberndorff dem Celebranten Pfarrer M. zu G. am 8. Mai mittheilte: „Im Auftrage I. K. H. Prinzessin Therese und im Auftrage Sr. K. Hoheit des Prinz- Regenten vielmals für die loyale Kundgebung und die Gebete (heilige Messe) verbindlichsten Dank aussprcchend; daß Ihre Königlichen Hoheiten für Alles hocherfreut und dankbar waren!" Auch von diesem zweiten bayer. Pilgerzuge kehrte jeder Theilnehmer hochbefriedigt heim. Für alle Opfer, alle Anstrengungen und Entbehrungen haben sie reichlichen Segen für sich und die Ihrigen geerntet! Sie haben dort am heiligen Gnadenorte gutes Beispiel gegeben, wie das „Journal de Lourdes" vom 22. April — 472 4 schreibt: „Diese Bayern seien wahre Pilger gewesen; «an habe nicht leicht in Lourdes einen andächtigeren Wallfahrtszng gesehen, als den bayerischen, der ein wahrhaft gutes Beispiel gegeben." Viele Tausende reisen jährlich in Bäder, oder auf Berge zur Luftkur; — wir haben den Pilgerstab in die Pyrenäen getragen, dort hin, zum wunderbaren Gnadenfelsen, dem Heiligthum der Himmelskönigin, hat es uns hingezogen mit magnetischer Gewalt, u. haben himmlische Luft eingenthmet. Jeder Pilger hat durch diese Wallfahrt ein offenes Bekenntniß seines Glaubens an die zwei jüngsten, früher vielfach angestrit- tenen Glaubenssätze abgelegt: das Dogma (1854) von der „Unbefleckten Empfängniß", welche ja auf Massabielle erschienen ist, — und die andere Glaubens-Definition vom 18. Juli 1870 vom „unfehlbarem Lehramt des Papstes, als obersten Lehrers der Kirche". So faßte es Pins IX. auf, der das Bild der „Unbefleckten" krönen ließ; so sieht es Papst Leo XIII. an, der die neue Kirche in Lourdes zur Basilika erhob und nun ein eigenes Officium von der Erscheinung Mariens zu Lourdes sammt Missa genehmigt hat, pro 18. Februar jedes Jahres. Gestärkt im Glauben sind wir heimgekehrt mit dem heiligen Vorsätze, in apostolischer Weise für die Ausbreitung des Marien-Cnltus und dessen intensivere Pflege thätig zu sein, auch zum Danke für den greifbaren Schutz auf der weiten Reise, die bis Lourdes bezw. S.Sebastian hin und zurück 3200 Irin beträgt. Möchten noch Viele den gegen Bernadette ausgesprochenen Wunsch Mariens erfüllen helfen: „Viele Menschen sollen in Procession zur Grotte kommen!" und so der Einladung der Königin des Himmels und der Erde in kindlicher Gesinnung Folge leisten! Die herzerhebende Erinnerung an Lourdes wird unser Leben lang dauern. Der unbefleckten Jungfrau Maria zu Ehren sind diese Zeilen geschrieben! Nankralkus Martin, Pfarrer zu Geltendorf (Oberbayern), Ritter des Heilig Grab-Ordens von Jerusalem. ^ -— Hmunelsschan im Monat August. —Merkur 8 ist als Morgenstern in der ersten Hälfte des Monates sichtbar, am besten gegen 4 U. früh. Venus ? am 28. in der Nähe des MondeS geht auf zwischen 2 und 3 U. früh. Mars F, rcchtläufig im Sternbilde der Fische, wird immer Heller, steht am 21. unter dem Mond und geht auf zwischen 10 U. 25 M. und 8 U. 37 M. abds. Jupiter ?! geht anfangs auf gegen 12 U. 45 M. zuletzt gegen 11 U. 15 M. nachts, bewegt sich rechtläufig vom Stiere zu den Zwillingen und steht am 26. in der Nähe des Mondes. Saturn H geht unter zwischen 10 U. 15 M. und 8 U. 15 M. abds. und verschwindet am Abendhimmel. Am 6. nordw. von der Mondsichel. In diesem Monate kann man den Sternschnuppen- schwarm der Perseiden beobachten, und sind die-Sternschnuppen zwischen 10. und 13. August am häufigsten. - - * >IÄW4 - - Bei der anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des Herrn Stadtpfarrers Kinzel von St. Max in Augsburg am Samstag den 14. Juli stattgefundenen Gratulation der Schulkinder wurde der Herr Jubilar seitens eines Schulknäbleins mit einer allerliebsten Dialektdichtung (Verfasser Herr Stadtkaplan Friedrich Müller) erfreut, die der Veröffentlichung nicht nnwerth sein dürfte. Dieselbe lautet: I bin a Aus! I bin a Bua — Herr Jubilaur, Möcht' au zum Fescht mei Schärfte gea; Ihr sind ja sell — ischt dös nit wauhr? — Z'Kempta dob a' Bua mol g'wca! So bring i von alle Buaba zum Schlueß An lauta, feschta, herzlicha Grueß. An Grueß von de Buaba z' Kriegshaber draußt, Da hand'r ja drui Jauhr als Pfarrer g'haust, Und an Grueß von de Buaba z' Ncarling im Ries, Dia Hand Ui au gera g'het — dös woaß i ganz g'wieß, Und an Grueß von de Buaba z' Lindau im Seea, Wiara fürt sind — dös thuet ihna hcint no weah! Und an Hauptgrueß von alle St. Maxemer Buaba, An Juchzgcr zum Pfand auö d'r Herzensgruabal I bin a Bua, Herr Jubilaur, Möcht' Ui zum Fescht au GeltS Gott sa: Ihr Hand in fünfazwanzig Jauhr De Buaba Guats an Haufa tha. So sag' i, von alle Buaba d'r Bot, An kräftiga, gmoana Vergelts Ui Gott. Dergelts Gott für all' Uire Schualgäng und Plaga, Vergelts Gott für d' Bildla — gnua Hammer hoam traga, Vergelts Gott sür's Lehrn — so oifach und schliacht, Vergelts Gott füc'n Firm- und Communion-Unterriacht, Vergelts Gott für d' Tatz'n mit'n Rohr — daß st's biagt, Vergelts Gott für d' Strix'n — wear's verdeant hat, hat's g'kriagt. Vergelts Gott für d' Liab, für's Loab und für d' Strof, An Vorsatz zum Gelts Gott — mir wer'» ietz recht brov. I bin a Bua, Herr Jubilaur, Möcht' Ui zum Fescht au Wünschla bring»; 's hat fei dia ganze Buabaschaur Wohl beatet, daß's zum Hünm'l dringa. So rucf i, mit alle oin Herz, zum Altanr: Scgn' Gott unser Herrle no fünfazwanz'g Jauhr. Ja fegn' Gott Ui d' G'sundheit no lang, ja no lang, Nau bleibt'r schon bei uns — dau ischt m'r nit bang, Und fegn' Gott Uir Beata und d' Sorg für de Arma, Dia g'winnt Ui beim Richt'r an öbigs Erbarm«, Und fegn' Gott Uir Wirk« in Kauz'l und Schual Und fegn' Gott d'n Eifer im Bueßricht'rschtuahl, Und fegn' Gott Uir Opfer im Leaba und Sterb», Im Himm'l 's bescht Plätzle, dös sollet'r erwcrba. I bin a Bua, Herr Jubilaur, Hau Ui der Buaba Feschtgrueß g'sait, Und ischt'S Gcdichtla ietz au gaur, De Buaba-Liab — dia kennt koi Zeit, Ja die brennt fürt mit doppelt» Glueth, O bleibet au Ihr Uire Buaba recht guet. Aber ietz soll es donn'ra — Ihr verlaub'ns uns doch, Ihr Herr Jubilaur — Ihr sollet leaba hoch! Telegramm-Räthsel. (Die Striche sind durch Vokale, die Punkte durch Konsonanten zu ersetzen.)