^L68. 1894 „Augsburger Post;eitung". Dinstag, den 21. August Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag deS Literarischen Instituts von Haas L Gradherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttlcr). Lin Ganne alter Schuld. Roman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) Die Nacht war klar, und die Luft war mit balsamischen Düften beladen. Am anderen Ende hob sich das gewölbte Dach des Casino's gegen den mondhellen Himmel ab, und schattenhafte Gestalten begegneten sich auf der Freitreppe. Unzählige Gasflammen glänzten wie Sterne im dunklen Raume und beleuchteten die Marmorbalustraden und die spielenden Wässer der Fontäne, indessen der bläulich blasse Schimmer einer elektrischen Lampe der Scene etwas Geisterhaftes verlieh. „Felicitas," begann Wolfgang, „lassen Sie mich hoffen, daß die Verzweiflung nicht länger dauern wird, die mich treiben könnte, aus trüben Quellen Erleichterung zu schöpfen." „Ach, Wolfgang," seufzte sie bang, „ich kann Ihnen leider nichts zu Ihrem Troste sagen. Lassen Sie die Erinnerung an vergangene Tage schwinden — ich sage nicht, daß Sie mich vergessen sollen, denn ich glaube, Sie werden dieß nicht können, aber erinnern Sie sich meiner nur als einer Todten. Wolfgang schüttelte unmuthig den Kopf. „Aber warum denn, Felicitas? Welches Hinderniß steht uns jetzt noch entgegen? Können Sie keinen Beweggrund angeben, so fordere ich Sie als die Meinige, die mir durch jedes Band nach allem Rechte angehört." „Nein, nein, sprechen Sie nicht soi" flehte Felicitas. „Niemals, niemals kann ich die Ihrige werden, Wolfgang, — der Tod meines Vaters ändert nichts daran." „Felicitas," erwiderte Wolfgang in einem Tone, in welchem die Ruhe der Verzweiflung lag, „ich dachte mir einst, Sie würden mein Schutzengel sein, Sie würden meine Schritte leiten, mich von allem heilen, was an mir schwach oder verkehrt ist. Ach, wie sehr habe ich mich getäuscht! Sie haben mir meine Ruhe genommen, Sie haben mir meine Hoffnung geraubt, Sie ziehen mich von der Tugend ab, Sie stürzen mich in Herabwürdigung und Laster!" „O, WolfgangI" rief Felicitas, indem sie seine Hand erfaßte und sie beschwörend drückte, „wenn Sie mich je geliebt haben, so fügen Sie zu der bittern Täuschung meiner ersten und einzigen Neigung nicht noch den unsäglichen Schmerz hinzu, daß der Mann, der mir das Theuerste in der Welt ist, seinen reinen fleckenlosen Ruf weggeworfen, sein Herz auf bösen Wegen verderbt hat um meinetwillen. Versprechen Sie mir, daß Sie mit solchen Gedanken und Vorsätzen, wie Sie eben ausgesprochen, nicht von mir scheiden wollen." „Versprechen will ich es Ihnen," erwiderte Wolfgang. „Und nun leben Sie wohl." „O, gehen Sie nicht!" bat Wolfgang. „Ich kann nicht länger weilen," entgegnete sie, „man erwartet mich." Sie riß sich sanft los, wandte sich nach einigen Schritten noch einmal nach Wolfgang um, ihm noch einen letzten Gruß mit der Hand zuwinkend, und eilte nach dem Casino zurück. So plötzlich, so unerwartet schnell war sie entschwunden, daß Wolfgang nicht einmal Zeit gefunden hatte, sie zu fragen, welchen Umständen er diese überraschende Begegnung überhaupt zu verdanken habe. Einige Augenblicke lang fühlte er sich versucht ihr nachzueilen, aber er gab den Gedanken wieder auf und bog in einen der Gänge des Gartens ein, die auf dem Platze mündeten. — So lange er Felicitas' Stimme gehört, hatten ihre Worte ihn nur in tiefe Traurigkeit versetzen können; jetzt aber, wo er sich wieder allein sah, kam eine unsägliche Bitterkeit über ihn. Warum verschwieg sie das Hinderniß, welches auch jetzt noch zwischen ihnen stand? Die Festigkeit, welche in Felicitas' Resignation lag, ließ ihn an ihrer Liebe, das Geheimnißvolle an ihrer Aufrichtigkeit zweifeln. Wie kam sie hierher nach Monte Carlo? fragte er sich. Warum riß sie sich so schnell wieder von ihm los, und wer erwartete sie? Wolfgang fühlte sich plötzlich von einem unbestimmten Argwohn erfaßt. Er wollte wissen, in wessen Begleitung Felicitas sich hier befand. Er kehrte um und eilte nach dem Casino. Aber es war elf Uhr, die Stunde, wo das Spiel geschlossen wird, und die Säle waren bereits leer. Um diese Zeit pflegte der Nachtzug die Tagesgäste von Monte Carlo nach Nizza zu führen. Gehörte Felicitas mit ihrer unbekannten Begleitung vielleicht zu diesen? Wolfgang eilte die Terrassenstufen hinab. Auf dem Perron der Haltestelle unten drängten sich die Passagiere in die Coupes. Der Perron war hell erleuchtet. Wolfgang täuschte sich nicht: jene Dame dort, welche etwa zehn Schritte von ihm soeben in ein Coupe verschwand, war Felicitas. Ein Diener, der hinter ihr gestanden, 522 reichte ihr einen Shawl hinein, welcher über seinem Arme gehangen hatte, und eilte dann den Zug entlang, um denselben ebenfalls zu besteigen. Er mußte an Wolfgang vorbei. Dieser ergriff ihn am Arme. „Wer war die Dame," fragte er, „der Sie eben den Shawl in's Coups gereicht haben?" „Frau Justizrath Carus von Berlin." antwortete der Gefragte höflich, den Hut in der Hand. „Ich meine," sagte Wolfgang, indem er mit aller Kraft seine Fassung aufrecht zu erhalten suchte, „ich meine, der Herr Justizrath kann noch nicht lange verheiratet sein." „Erst seit zwei Wochen. Er befindet sich eben auf der Hochzeitsreise." Mit bitterem Lächeln zog Wolfgang eine Visitenkarte hervor und gab sie dem Diener mit den Worten: „Für Frau Justizrath Carus mit meinem Glückwünsche!" . . . Das also war das Hinderniß I . . . XXXVIII. Wolfgang hatte eine schlaflose Nacht verbracht. Sein Kopf schwindelte, als er sich am andern Morgen Bewegung in der freien Luft machte und mit dem hastigen, unsicheren Gang eines Mannes dahinschritt, welcher der Spielball furchtbarer seelischer Bewegungen ist. Sein Auge erkannte die Gegenstände nicht, auf welche es sich richtete, sein Geist schien sich von allen sinnlichen Wahrnehmungen abgeschlossen zu haben. Plötzlich faßte Jemand seinen Arm. „Was ist Ihnen, Baron? Ich folge Ihnen seit einer halben Stunde und glaube zu bemerken, daß Sie nicht wissen, wohin Sie gehen oder was Sie thun." „So ist es, Maitland," antwortete der Baron, nachdem er sich eine Weile besonnen, „ich bin das Opfer einer unerhörten Täuschung geworden." „Sagen Sie mir alles, Baron. Vielleicht kann ich Ihnen rathen." Wolfgang erlag fast unter der Last seines Schmerzes, er fühlte sich außer Stande, das Schreckliche allein zu tragen. Nichts war ihm daher willkommener als diese Gelegenheit, sein Leid dem theilnehmenden Freunde anzuvertrauen. Er bedeckte einige Minuten das Gesicht mit beiden Händen, um seine Gedanken zu sammeln, und erzählte dann seinem Begleiter rückhaltlos die Geschichte seiner Neigung zu seiner ehemaligen Jugendgespielin, von jener ersten Wiederbegegnung zu Pferde an der Parkgrenze des „Villenhofs" bis zu dem Augenblicke, wo sie sich gestern Abend so rasch von ihm verabschiedet hatte. Was dann unten an der Haltestation geschehen war, welche unerwartete niederschmetternde Aufklärung über das rüthselhafte Verhalten der Geliebten ihm durch eine einfache Auskunft aus dem Munde des Dieners geworden war, — darüber schwieg er vorläufig noch. „Ich wußte nicht, daß Ihre Liebe eine so leidenschaftliche war," sagte Maitland, „wenn Sie wahrhaft lieben, so dürfen Sie sich nicht durch thörichte Gelübde abschrecken lassen, denn in der Leidenschaft liegt eine Macht, welche alle Hindernisse besiegt und der ein Weib auf die Dauer nicht zu widerstehen vermag. Sie müssen ihr beweisen, daß Sie fest entschlossen sind, sie zu besitzen oder zu sterben." „Dazu ist es zu spät!" versetzte der Baron bitter, „ich vermuthe, ihr Vater hat ihr irgend ein Versprechen abgepreßt — gestern Abend noch erfuhr ich, daß sie jetzt die Gattin eines andern ist, eines Mannes, der mindestens das Doppelte ihrer Jahre zählt." Maitland blickte ihn überrascht an. Dann aber faßte er seine Hand, heftete sein dunkles flammendes Auge auf ihn und entgegnete: „Wenn sie die Gattin eines andern ist, so müssen Sie sie diesem andern nehmen. Mit welchem Rechte darf ein anderer sie besitzen? Gehört sie nicht Ihnen durch das unauflösliche Band der Herzensneigung, welches über das Grab hinausreicht? Kommen Sie mir nicht mit menschlichen Gesetzen und Anordnungen, wo nur Seele und Seele einander Gesetz sein können. Welche leeren Worte, gedankenlos an einem Altar gesprochen, werden aus ihrem Herzen den Geliebten ihres Jugendtraumes reißen können? Sehen Sie nicht ein, daß ihre ganze Zukunft nur eine endlose Kette des Elends, des Grams sein muß? Baron! wenn Sie wahrhaft lieben, so werden Sie dieses holde bethörte Wesen von der höllischen Pein befreien, welche ihr die Zärtlichkeit eines ungeliebten Gatten bereiten muß. Sie müssen ihr das vom Blitz der Leidenschaft getroffene Gesicht eines Mannes zeigen, dem sie den Himmel versprach und den nun das Höllenfeuer betrogener Zuneigung verzehrt. Sie müssen mit der gewaltigen Sprache der Liebe sie drängen, Sie von Verzweiflung, Vernichtung und Tod zu retten und Ihnen die Seligkeit zurückzugeben, die sie Ihnen geraubt hat." So sprach Maitland, und dabei kam ihm die überwältigende Beredsamkeit der Blicke, der Gcberden und des Tones zu Hilfe, die mehr noch als seine Worte wirkten. Wolfgang wußte wohl, daß die Worte, die er vernahm, böse waren, aber Maitland's schlimme Lehren wandten sich in einem Augenblicke an ihn, wo seine moralische Kraft durch den erlittenen Schmerz erschüttert war. Beide gingen lange Zeit schweigend nebeneinander her. Sie waren an einen Punkt gekommen, der sich unmittelbar über der Bucht befand. In dieser schaukelten sich die vor Anker liegenden kleinen, graziösen Pri- vat-Iachten, welche reichen Engländern oder Amerikanern gehörten und deren Nationalflaggen trugen; einzelne Fischerboote, von denen die rothe genuesische Mütze her- aufschimmerte, kamen über die blaue, leicht gekräuselte Fläche des Mittelmeeres herangesegelt. Maitland's Schritte waren langsamer geworden, und in eifriges Sinnen verloren, blieb er endlich stehen und blickte in die Bucht hinab. „Wie wäre es, Baron," unterbracher das Schweigen, „wenn wir eine Entführung mittelst einer schnellen Dampf-Jacht in Scene setzten? Sie brauchen sich um nichts zu kümmern und haben bei der Sache nichts zu thun, als zu bestimmen, an welcher Küste Europa's oder Afrika's Sie mit Ihrer schönen Beute landen wollen." Der Baron verstand seinen Begleiter. Es lag etwas in Maitland's Einflüsterungen, das den Eingebungen des Teufels glich, und vergebens kämpfte Wolfgang gegen die Versuchung. „Was ich auch thun werde," erwiderte er nach einer bedeutungsvollen Pause, „ich muß Zeit zur Ueber- legung haben. Für jetzt verlasse ich Sie, Maitland, denn ich fühle das Bedürfniß, mit meinen Gedanken allein zu sein " Er verabschiedete sich von seinem Freunde, der seinen Spaziergang fortsetzte, und begab sich geradeswegs nach einem der hinter dem Casino gelegenen Hotels, in welchem er mit Maitland wohnte. Als er in sein Zimmer trat, erwartete ihn dort ein altes, bekanntes Gesicht aus der Heimath: sein alter Diener Hartwig war angekommen. Wolfgang hatte ihn kommen lassen, weil er hier einen längeren Aufenthalt zu nehmen gedachte und eine zuverlässige Person um sich zu haben wünschte. Hartwig brachte einige Briefe mit; unter den letzteren befand sich auch ein sehr volu- minösesSchrei- ben,welches das Siegel des Landgerichts trug. Anhängliche Diener haben, wietreueHunde eineWitterung, wenn ihrem Herrn Gefahr droht. So war es denn eine recht sorgenvoll frngendeMiene mit welcher Hartwig dem Baron das dicke Amtsschreiben einhändigte. Das Schriftstück war in der That eine Klageschrift. Wolfgangs Nachgiebigkeit und Gerechtigkeitssinn hatte sei- nemGegnernur dieHandhabezu einer weiteren Forderung dargeboten, die aus der älteren hervorging. Edmund und Melanie NUt- bcrg verlangten die Herausgabe aller Einkünfte, welche Wolf- gang's Vater und er selbst während des unrechtmäßigen Besitzes des Villcnhofes aus diesem gezogen hatten. Es war ein vernichtender Schlag! (Fortsetzung wlgt.) -- Leitershofen und k. Leonor Franz v. Tourucly's Gesellschaft des heiligen Herzens. Geschichtliche Erinnerungen zum Centenarium der Gründung genannter Gesellschaft 1791. (Nach dem Pfnrurbarium und Dr. Speil, ?. L. Fr. v. Tournely, zusammengestellt von L. Bosch, Psarrer.) Hübsch an die westlich von Augsburg sich lang hinziehende, schön bewaldete Hügelkette hingelehnt, liegt das kleine Pfarrdorf Leitershofen (Einwohnerzahl 335). Rechts ragt hoch darüber hinaus die schloßartige ,Waldkuralpe' Nervenheil, ihr zur Seite links in einem Wäldchen die ältere „Alpe"; beides vielbesuchte Ausflugsorte wegen des nah- gelegenen herrlichen Hochwaldes mit seinen weitverzweigten, zum Theil romantischen Spaziergängen — wegen prächtiger Aussicht auf Stadt und Land, und oft entzückender Aussicht auf die Alpenkette. Auch die sehr hübsche, freundliche Kirche (1732 neu erbaut, 1751 con- sccrirt, 1882 u. ff. rcstau- rirt), zu Ehren des hl. Königs und Märtyrers Oswald und der Unbefleckten Empfängnis; Maria geweiht, zu deren Verehrung seit dem Jahre 1735 (also längst vor Verkündigung des betreffenden Dogmas s1854f) eine Bruderschaft besteht, deren Mitglieder sich auf 112 Ortschaften vertheilen, beherrscht — auf die Anhöhe gebaut — die meist von schönen Obstgärten umgebenen Häuser. Die ältere Kirche soll noch aus der Hcidenzeit gestammt haben, wie die unter dem (16.) Pfarrer Joh. Biechele (11. Juli 1713 instituirt, ff 25. November 1730 im Kloster St. Georg in Augs- Krttitirnschlag. Nach dcm Gemälde von K. Raupp 524 bürg) noch auf dem „Freythof" gelegenen Trümmer eines heidnischen steinernen Altartisches, der früher hinter dem einzigen Altare der Kirche war, zu beweisen schienen. Den sehr schön nächst der Kirche gelegenen Pfarrhof baute Christoph Lautier, Vierherr im Domstift Augsburg, im Jahre 1736, wie die Inschrift über dem Eingang besagt. (kluo N6 vuäs via., nisi äixario iilariu NV60XXXVI.) Sein Bild ist noch im Pfarrhof. Ueber die meist niederen Häuser erheben sich noch zwei besonders in die Augen fallende Gebäude: das „obere" und „untere Schloß"; beide durch den großen Wechsel, wie zum großen Theil durch das Ansehen ihrer Bewohner und Besitzer merkwürdig, das „untere" sogar von kirchengeschichtlicher Bedeutung. Die Namen der berühmtesten und edelsten Geschlechter Augsburgs tragen mehrere ihrer Besitzer: Fugger und Weiser. Die ältesten Notizen über Leitershofen und besonders diese beiden „Schlösser" lauten nach dem Pfarrurbarium daselbst wie folgt: „Anno 1265 schenkte Conradinus, der zweyte König in Sicilien und Jerusalem, der letzte Herzog in Schwaben, des Bischofs zu Augsburg Neichslandvogt, „zu Heil und Trost seiner und seiner Erben seel der Kirche zu st. georgen in augsburg, in welchem stift damahls Ulrich Spannagl der Erste probst Ware, die Vogtey und Feldgüter der „Einöde" Leitershofen, so geschehen uo. 1265 den 19 aprilis auf dem schloß Fridberg nägst augsburg." „Anno 1597 Er Kaufte Jacob Fugger der 4. und letzte Sohn des antonii Fuggers von Freiherrn von Sonnenberg David ungnad (so des berühmten Matthaei lang Erzbischofen zu Salzburg Schwester Eva zur Ehe gehabt) das Schloß Wellenburg samt allen demselbigen zue- und ungehörigen Gütter um 60,000 fl., worunter auch das Dorf leitershofen gehörte." — Im „oberen Schlößle" war damals Friedrich Weiser. Nach dem Tode Jacob Fuggers 1598 (56 Jahre alt) erbte Leitershofen mit Schloß Wellenburg und zugehörigen Dörfern sein dritter Sohn Hieronymus. Maximilian Fugger kaufte das sog. „welserische schlößl" mit den „sölden und Zu- gehörung" um 17,000 fl. und „hat mithin im Dorfe leitershofen die völlige Jurisdiction bekommen". Dem Conrad Peuttinger (1635 Stadtpfleger in Augsburg) gehörte damals der sog. „Sizinger-Hof" durch Kauf um 2200 fl. 9. Juni 1626 unter Hrn. Hieronymus Fugger (1355 war Hans Langenmantel von Augsburg Besitzer; jetzt Mich. Sattelmair). Der sogenannte „Stiefelhof" (von den ehemaligen Besitzerinnen, den „Stiefelnonnen" in Augsburg, so genannt (jetzt Schnellj) war 1636 mit dem „oberen Schlößle", zu dem ehemals auch der Sizinger- Hof gehörte, im Besitz einer Edelfrau „anna Maria Jnchhlin von Höhenwald". 16. Juni 1629 kaufte ihn H. Hieronymus Fugger um 18,000 fl. (1468—1531 hatten dies Gut theilweise die Herren Patres Karmeliter zu St. Anna in Augsburg („welche zu luthers zeiten sammt Ihrem Prior Frosch fast alle apostasirt und ihr Kloster der Statt überlassen"j). Herr Duile, ehem. Ulrikanischer Kellerverwalter, ließ als späterer Besitzer des „obern Schlößle" die inneren zweiThürme abbrechen und daraus einen Stadel bauen. Derselbe baute die Kapelle im „obern Schlößle" 1769. 1772 starb und verdarb er in der „theuren Zeit". Das „Schlößle" fiel dem St. Georgs- Kloster in Augsburg anheim. Dann fiel es durch Kauf an Madame Sauttier, „augsburgische Handelsfrau", um 9500 fl. „baargelts"; nach ihrem Tode 10. Dez. 1794 an Hofmedicus vr. Paul um 12,000 fl. 1. Dez. 1831 verkaufte es Kaufmann und Wechselgerichtsassessor Seebacher in Augsburg an H. Wilhelm von Langenmantel um 7450 fl.; dieser 1833 1. Febr. mit Vieh, Futter, Getreide und Einrichtung an Herrn Zeitungsverleger Moy um 8000 fl.; letzterer 1837 an einen Güterzertrümmerer. Im Sommer 1844 und 1848 bewohnte es General- lieutenant und Divisionsgeneral Graf Albert Pappenheim mit Gemahlin und Tochter. Von der Frau Gräfin heißt es im Pfarrurbarium: „Die Frau Gräfin, eine Liebhaberin des Landlebens, that den hiesigen Armen sehr viel Gutes, besuchte ihre Hütten und wohnte an Sonn- und Werktagen dahier dem Gottesdienste sehr fleißig bei zur Erbauung der Gemeinde. Sie that auch Manches zur Verschönerung der Kirche." Giulini und seine Schwester besaßen es nacheinander 1852—1854. Im Februar 1854 kaufte es von letzterer die Doctorswittwe Frau Hoffmann aus Augsburg, deren Familie es noch besitzt. Genannte wollte — wie das Pfarrurbarium berichtet — (Protestantin) aus der Schloßkapelle eine Wagenremise machen. Auf oberhirtliche Anordnung wurde der Altar herausgenommen und der Leib des hl. Märtyrers Optatus am 30. April 1854 früh 6 Uhr in aller Stille auf den Kreuzaltar der Pfarrkirche übertragen. Der Bruder der Doctorswittwe Hoffmann, Excellenz Carl v. Heilbronner, Commandant der 3. Armeedivision in Nürnberg, war seiner Zeit einer der tüchtigsten bayerischen Generale. Der dahier verstorbene, als Historiker für Augsburg wohlbekannte Herr Dr. Hoffmann wurde zum Wohlthäter für die Armen Leitershofens durch Mildthätigkeit im Leben und eine Armenfonds- Stiftung (1000 M.) im Tode. Besonderes Interesse kann (wegen seiner kirchen- geschichtlichen Bedeutung) das sog. „kleine Schloß" oder „untere Schlößle" beanspruchen. Im Jahre 1575 soll das „untere Schlößl" zu hl. Kreuz in Augsburg gehört haben. „Das angebaute Haus an dem untern Schlößl solle Ehmahls vor altem den Juden für eine Synagog gedient haben. 1582 waren sie noch da. Dieses untere Schlößl erkaufte unter Pfarrer Biechele auf dessen Einrathen (damit es nämlich den lutheranern nicht mehr zur Wohnung dienen solle) Ttl. Herr xrolat zu St. Georg in Augsburg Melchior Vötter uo. 1722 von der Vormundschaft des minderjährigen Fuggers Joseph Maria sr. Excellenz Frau Theresia Fuggerin, geb. gräfin v. Zeil, abgedachten Fuggers Frau Mutter, und Herrn general grasen Eustach Fugger von Norndorf per 1700 fl." 160?—1677 gehörte es einem Augsburger Kaufmann Marcus Hueber, der „augsbur- gischen Konfession zugethan", 1676 Bürgermeister in Augsburg. 1718 besaß dieses Schlößl laut vorhandenem Kaufbrief ein protestantischer „Capitain Herr Winchhler von Poleitz"; von ihm lösten es die Fugger wieder ein. Im Jahre 1766 kaufte es Herr Joseph Benedikt Wolf, „Buchführer" (— Buchhändler) in Augsburg, vom Kloster „St. Georgen" um 4000 fl., renovirtc es gänzlich, „ließ die ,vicr Echhthürme' (Eöthnrme) abwerfen", baute unten ein neues Gartenhaus darzu, das er im ganzen daran soll 12000 fl. verbaut haben; benutzte es bis anno 1783." Nach dem Tod seiner Gattin „solcher Ergötzung verdrüßlich", bot er es feil, konnte um 7000 fl. keinen Käufer finden und beschloß, „es zum guten zu verwenden" durch eine Lotterie um 6500 fl., wovon 3000 fl. zum „Kathol. schuel lunäo in augsburg", („welcher da- W 526 mahls nur für alle deütsche schuelen in augsburg sich auf 2800 fl. belaufete"), 3000 fl. zur „armenanstalt in augsburg", 500 fl. aber „in die arme Häuser utriu8c;us istiAionis falte verwendet werden". „Diese Lotterie wurde noch mit 4500 fl. gewinnsten vermehrt." Herr Johannes Zorn, „apotheker und Senator in derNeichsstatt Kembten", bekam bei der Ziehung am 22. Februar 1790 als ersten Preis das „schlößl samt angehörr". Derselbe behielt es ungefähr ein Halbjahr, konnte dann nicht einmal 400 Louisdor lösen ; überdrüssig desselben, verkaufte er es um 1000 Conventionsthaler, das ist zu 2400 fl, an Herrn Martin v. Binder, Domherrn in Augsburg. In dieseZeit fällt das denkwürdigste Er- eigniß in der Geschichte Leitershofens. Die französische Revolution zwang Hunderte von Adeligen und Priestern zur Emigration. Belgien, die Nheinlande, die Schweiz und besonders auch Schwaben boten vielen französischen Priestern und andern Flüchtlingen Zuflucht. Unter allen emigrirten französischen Priestern jener Schreckenszeit beansprucht entschieden Ist Leonor Frz. v. Tour- ncly das meiste Interesse. Geboren zu Laval im heutigen Departement Mayenne am 20. Jan. 1767 als Sohn des Herrn Chevalier Leonor Franz v. Tournely, Herrn von Bois-Thibault, Hazay, St. Marie du Bois, Chuboeuf und Courberie, und der edlen frommen Johanna Mathurine Duplessis, zum Priester geweiht am 19. März 1791 zu St. Sulpice in Paris, wandte sich Abbs (Leonor Franz) v. Tournely mit Prinz Carl von Broglte, dem Sohne des berühmten Marschalls gleichen Namens, auf Rath des Seminar-Directois Abbe Emery nach Deutschland. „Gott hat große Absichten mit Ihnen, reisen Sie!" „Dort wird Gott Sie erkennen lassen, zu welchem Werke er Sie bestimmt hat"; dies waren Emery's prophetische Worte an Tournely, von dem seine Mutter, die ihr Seelsorger di: „Heilige' nannte, schon vorhersagte, er sei berufen, die Wiederherstellung der Gesellschaft Jesu vorzubereiten. Osterst, im damals österr. Luxemburg, nahm die Freunde zuerst auf, dann Antwerpen, das auch in österreichischen Händen war, wo Tournely mährend lOtägiger geistlicher liebungen im dortigen Kapuzinerkloster im Gebet vor einem Herz-Jesu-Bilde die Eingebung empfing, die zum Ersatz des seit 21. Juli 1773 aufgehobenen Jesuitenordens zu gründende Gesellschaft nach dem hl. Herzen Jesu zu benennen. Ein ehedem den Jesuiten gehöriges Landhaus bei Löwen nahm die ersten zwei Glieder dieser im April 1794 entstandenen Gesellschaft auf. Bald gesellten sich Tournely und Broglie des Ersteren Bruder Fr. Xaver v. Tournely und Carl Leblanc zu. Als sie vor den nachrückenden siegreichen Revolutionären weiterflüchten mußten (nach deren Sieg bei Fleurus am 26. Juni 1794), führte ihnen die göttliche Vorsehung Joseph Varin in Venloo zu, der das von Tournely ber. Leonor Franz v. Tournely. gründete Werk zu vollenden berufen war. Derselbe war wie C. Leblanc vorher Offizier. Unterdessen feierte die Revolution ihre gräulichen Orgien in Frankreich. In den Tagen des 2. und 3. September 1791 fielen bei 400 Priester in Paris einem Blutbade zum Opfer. Am 21. Januar 1793 fiel Ludwigs XVI. Haupt unter dem Beile der Guillotine. Die sogen, „höllischen Colonnen" zogen mordend durch Frankreich. Die edle Mutter Tour- nely's wurde 1793 und 94 gefangen gehalten. Die Mutter Joseph Varin's opferte freudig ihr Leben für die Sache der hl. Religion auf dem Schaffst am 19. Juli 1794. Ihr Opfer erkaufte wohl das Opfer ihres Sohnes, das derselbe Tags zuvor durch den Eintritt in die Gesellschaft des hl. Herzens Jesu brachte. Von Venloo kamen die Emigranten über Aachen, Köln, Koblenz, Frankfurt nach Augsburg, wohin ihnen ihr Gönner in Antwerpen, Abbs Pey, eine Empfehlung an Domherrn Beck gegeben hatte, der seine Verwendung bei Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Trier, zugleich Bischof von Augsburg, versprach. Einstweilen wurde die Gesellschaft des heil. Herzens Jesu im Benediktiner stifte St. Ulrich (22. August 1794) aufgenommen. EndeAugust zog sie in das eben leerstehende „kleine Schloß" zu Leitershofe n ein, das ihr der Besitzer, Domherr Martin v. Binder, überließ. Hier — in einer Laube — war es, wo Ist v. Tournely am 2. Oktober 1794 seine auf sechs Mitglieder angewachsene Gesellschaft versammelte und ihr eröffnete, sie sollten wahre Ordensleute, wahre Kinder des hl. Jgnatius sein, und darum wollten sie das Gelübde dieses heiligen Ordensstiftcrs nachahmen, sich dem Papste zur Verfügung zu stellen — wenn möglich — innerhalb 18 Monaten persönlich — andernfalls schriftlich. Am Ib.Okt. 1794 weihten sich die fünf genannten Mitglieder dieser Gesellschaft mit Fidelis von Grivcl durch ein besonderes Gelübde den heil. Herzen Jesu und Mariä und übernahmen die Verpflichiung, das begonnene Werk fortzuführen. Dies geschah am Grabe des hl. Ulrich zu Augsburg, des Schutzheiligen der Diözese, die sie so freundlich aufgenommen hatte. Hier in Leitershofen war es auch, wo Tournely im Gebete der Gedanke sich aufdrängte, auch eine Gesellschaft von Frauen dem heil. Herzen Jesu zu apostolischer Lehrthätigkeit zu weihen, wozu die Bruder ihm ihr Einverständnis) erklärten (Mai 1795?). Tournely veranlaßte hier die regelrechte Wahl eines Obern, wozu er einstimmig, trotz alles Widerstreben?, per Acclamation wie durch Abgabe von Stimmzetteln gewählt ward. Studium und Gebet zur Vorbereitung auf den gewählten Beruf heiligten die Räume des „kleinen Schlosses". Die Bewohner desselben waren, wie Varin erzählt: ein Herz und eine Seele. Die 527 des Deutschen kundigen Glieder riefen mit einem Glöcklein die Bewohner Leitershofens zu Katechesen zusammen. Ueberaus ärmlich war ihr Leben im „Schlößle". Was konnte das „leere Schlößle" und das „arme Lettershofen" ihnen bieten? Sie schliefen auf dem Boden auf Stroh mit Holz zu Häupten und Füßen. Eine gute alte Jungfrau aus der Nachbarschaft brachte ihnen manchmal „laues Wasser mit Kohl und andern: Gemüse". Kartoffeln und Brod waren meist ihre Nahrung — und davon brachen sie sich noch ab. Dabei waren sie, wie Bärin erzählt, so fröhlich, daß sie den Ausbruch der Heiterkeit in den Stunden der Erholung oft kaum zurückzuhalten vermochten. In der Pfarrkirche erbauten sie das Volk durch Gebet und Gesang — besonders in der Fastenzeit 1795 vor dem Bild der schmerzhaften Muttergottes. Während deS außergewöhnlich strengen Winters 1794/95 gefror ihnen der Athem nachts an den Mund, und der liebenswürdige Obere Tournelh wärmte den Genossen mit heißen Ziegelsteinen die Füße. Sie öffneten die Fenster, um die fanden die Pilger hier Prinzessin Louise Condß, welche nachmals in Wien mit vier französischen Barmherzigen Schwestern und einer Ursulinerin die erste Niederlassung von Frauen des hl. Herzens bildete, die jedoch schon vor dem Tode Tournely's auseinandcrging. Im Juli 1796 mußte die Gesellschaft von Göggingen nach Wien flüchten. Von da siedelte Tournelh am 18. April (Osterdinstag) 1797 mit seinen Genossen nach Schloß Hagenbrunn bei Wien über, da Wien aus Furcht vor einer Belagerung durch die Franzosen keine Fremden mehr duldete. Am gleichen Tage erwies sich diese Furcht jedoch als eitel, denn der Friede von Leoben hob die Feindseligkeiten auf. Das Stift Klosterneuburg überließ der Gesellschaft des hl. Herzens genanntes Schloß als willkommenes Asyl. Doch Tournelh sollte der Ruhe darin nicht lange mehr genießen. Am 2. Juli (Fest Mariä Heimsuchung) 1797 schon erkrankte er schwer und starb nach wiederholter Vorhersage seines Todes Sonntag den 9. Juli 1797 früh 4-/2 Uhr. Keilershofen bei Augsburg. draußen wärmere Luft in den Schlafraum zu lassen, den Kohlenbecken nicht genügend erwärmten. Auch hier war ihnen nicht lange Ruhe gegönnt. Domherr v. Binder starb im August 1795. Mitte November 1795 mußten sie ausziehen, da die Erben das „Schloß" an den letzten Propst von Hl. Kreuz in Augsburg, Ludwig Zöschinger von Burtenbach, verkauften und dieser ihnen die Wohnung kündigte. Kurfürst Clemens Wenzeslaus (Trier) bot ihnen einen Zufluchtsort im Demeriten-(Priester-)Hause im nahen Göggingen an (später Landgericht, jetzt dem berühmten Herrn Hessing forthopädische Kuranstalt^ gehörig). Ein einziger Raum war ihnen alles. Joseph Varin wurde in Augsburg am 12. März 1796 zum Priester geweiht. Hier in Göggingen trat der Gesellschaft der junge Priester Anton Kohlmann aus Elsaß bei, nachdem sie sich schon in Lettershofen allmälig auf 13 eigentliche Mitglieder vermehrt hatte, während drei treffliaie Laienbrüder (lauter Emigranten) die häuslichen Geschäfte verrichteten. Die Nomfahrt Tournely's, Broglie's und Grivel's im April 1796 wurde in Frciburg unterbrochen. Die Franzosen standen in Piemont und Lombardei. Doch Ost hörte man ihn — heimwehkrank nach dem Himmel — sehnsüchtig rufen: „Ruhe des Himmels, Ruhe des Himmels I" Kurz vor seinem Scheiden sagte er seinen Brüdern: „Es ist nothwendig, daß ich hingehe." Prophetisch sprach er zu Varin von der „Gesellschaft der Frauen des hl. Herzens Jesu": „Sie wird sein, sie wird sein, glauben Sie esl" Und sie besteht heute noch! — Aus der Gesellschaft des hl. Herzens wurden bald „Väter des Glaubens" unter Leitung Paccanaris. Dieser und Prinz C. v. Broglie, der in England ein Pensionat begründete, wurden ungehorsam gegen die Kirche — bekehrten sich jedoch am Ende. Franz L'aver v. Tournelh blieb als Cooperator an seines Bruders Grab in Kleinengersdorf. Joseph Varin aber hatte die Freude, zu Paris im Jahre 1800 den passenden Grundstein zum Gebäude des Ordens der „Frauen des hl. Herzens" (Harnes cku 80 , 01-6 6 c»ur-) zu finden in der kleinen, gelehrten und ebenso frommen Magdalena Sophia Barat, die sich vor ihm mit noch zwei Jungfrauen am 21. November 1800 den hl. Herzen Jesu und Mariä, dem von Tournelh, ihrem geistigen Vater, geplanten Werke weihte. Erzieh- 528 ung und Unterricht weiblicher Jugend im Pensionate, unentgeltlicher Unterricht an arme auswärtige Mädchen, geistliche Uebungen für Wcltleute ist der Zweck dieses Ordens. Fast 60 Jahre stand die bereits vom hl. Stuhle „ehrwürdig" gesprochene M. Magdalena Sophia Barat dem Orden als Generaloberin vor. Die dritte Generaloberin starb vor kurzem. Frankreich, Belgien, Oesterreich, selbst Amerika zählten zusammen schon 89 Niederlassungen, als am 23. Mai 1868 Frauen des hl. Herzens Jesu von Niedenburg bei Bregenz in Wien das neu erbaute Kloster am Rennweg bezogen. Am 23. September 1868 wurde oer Leichnam Tournely's in Kleinengersdorf exhumirt und nach Wien übertragen, wo er ehrenvoll in der für seine Gruft hergestellten Krypta im Kloster der Frauen des hl. Herzens am 20. November 1868 beigesetzt wurde. Den Schluß dieser Notizen über k. Leonor Franz v. Tournely und seine Gesellschaft des hl. Herzens Jesu mögen ein paar bedeutsame Zeugnisse über den „kleinen Diener des guten Meisters" (so nannte er sich selbst) bilden. Abbe Emery, Seminardirektor von St. Sulpice, schrieb nach dem Tode Tournely's*): „Ich habe viele durch Tugend ausgezeichnete Menschen gekannt; ich habe viele heilige Seelen gekannt; ich habe die Lebensbeschreibung einer großen Anzahl von Heiligen gelesen und ich kann bezeugen, daß ich niemals eine Seele gefunden, die mehr von dem hl. Feuer der Liebe Gottes entzündet gewesen wäre, als die meines lieben Tournely." Bischof de la Fare von Nancy sagte beim Tode Tournely's: „Das ist ein unersetzlicher Verlust für die Sache der Religion." Das Volk nannte ihn den „liebenswürdigen Heiligen."**) Das denkwürdige „untere Schlößchen" besaßen in der Folgezeit nach der Sücularisation des Klosters zu heil. Kreuz, mit dem auch das Schlößchen 1803 dem bayer. Staate anheimfiel, Popp 1809—14; etwa 40 Jahre H. Kümmich, Kaufmann von Augsburg, der Lcitershofen mit einer Armenfond-Stistung bedachte (100 fl.); die Englischen Fräulein 1858—63; Privatier Sendlinger 1863-1880; Nagel 1881; Cresc. Altheimer 1881 bis 1882; v. Egloffstein 1882—1893; jetzt Herr Eber, Kaufmann aus Augsburg. Der jetzige Besitzer, Herr Eber aus Augsburg, hat in dankenswerthester Hochherzigkeit die Kosten für eine Marmorgedenktafel am „unteren Schlößchen" (bereits innen mit viel Liebe restaurirt) zur Erinnerung an die genannten, geschichtlich merkwürdigen Bewohner übernommen. — Am 26. August 1894 (der muthmaßlichen Zeit des Einzugs Tournely's und seiner Genossen) wird Lcitershofen ihr Gedächtniß in einer Centenarfeier (Sonntag, Herz-Mariä-Fest) begehen. Sein Andenken sei in Ehren l (Unsere Illustrationen zu diesem Aufsätze sind nach Photographien aus dem Atelier von Peter Schmid, vorm. Gebr. Martin, in Augsburg.) *) Ouiäso, Vis (tu U, ?. Vortu p. 65. **) Dr. Speit: U. L. Fr. v. Tournely, S. 247 u. 248. Breslau 1874. -- Goldköruer. Was klagt, was tobt man doch? Sein Unglück und sein Glück Ist sich ein jeder selbst. Schau alle Sachen an. Dies alles ist in dir, laß deinen eitlen Wahn. .- Zu unseren Bildern. Brückenschlag. Hans und Gretel haben neulich am Flußufer den Pioniren zugeschaut, wie döse vor ihren Augen über den Fluß eine große Brücke geschlagen, auf der Roß und Reiter sicher an's andere Ufer gelangten, ohne daß sie erst dem Fäbrmann ein lautes: „Hol über!" hätten zurufen müssen. Die Brücke war so nett und herrlich, Alles hatte so schön geklappt, daß sie unwillkürlich ihre Sinne gefangen hält. Besonders Hans träumt die halbe Nacht vom Erbauen von Brücken. Heute ist gerade ein glücklicher Tag für ihn. Die Mutter ist in den Wald gegangen, um für das Ziegenpaar Futter zu suchen, und der Vater mutz in seinem Segelboot einen Fremden über den Fluß fetzen. Da ist Hans eiligst zum Holzvorrath gesprungen, hat sich das entsprechende Scheit ausgesucht, das die Grundlage werden soll zu einer Brücke, die er über das am Häuschen vorbeisließende Büchlein zu erbauen gedenkt. Gretchen will auch nicht müßig sein und unterstützt den kleinen Baumeister nach Kräften. Ob das Werk wohl gelingen wird? „Dergelt's Gott, Du gutes Kind l" Wir haben es hier mit einem der gelungensten Bilder des 1839 in Stuttgart geborenen und 1869 nach München übergesiedelten Genremalers Friedrich Ortlieb zu thun. Eine ganze Geschichte ließe sich zu dieser Darstellung schreiben, so beredt tritt sie uns entgegen, und besonders der greise Bettler scheint den Mund öffnen und uns aus rergangcnen besseren Tagen ei zählen zu wollen, wo auch ihn Kinder umringten und er entfernt nicht dachte, je sein Brod vor fremden Thüren sich erbitten zu müssen. --SÄ8Ü8LS- Allerlei. Unerwarteter Erfolg. „ . . Den jungen Doktor möchte ich Keinem als Vertheidiger empfehlen!" — „Aber er soll doch ein vorzüglicher Redner sein!" — „Gerade deßhalb! Kürzlich hat er beim Schwurgerichte die Unschuld eines Raubmörders so glänzend geschildert, daß dieser vor lauter Erschütterung gleich nachher ein Geständniß ablegte!" -X- In der Schonzeit. Baron: „Sagen Sie'mal, weßhalb verbieten Sie dem Herrn aus der Stadt nicht das Jagen? Es ist doch Schonzeit!" — Förster: „Das geschieht in unserem eigenen Interesse; der macht uns nämlich bis zum Anfang der Jagd das Wild etwas zutraulich." Nilder-Näthsel. Auflösung des BildenRärhsels in Nr. 66: Wer tadelt, will kaufen. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 67: Weiß. Schwan. 1. L 63-24 V5-U4 2. K. Ll V2 K. II! U2 3. D. 22 118 -j- Matt. X