^L76. 1894. „Augsburger Post;ritung". Dinstag, den 18. September Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas H, Grabherr in Augsburg (Borbesttzer Dr. Max Huttler). Der Organist. Novelle von C. Borges. (Fortsetzung.) 8. Kapitel. „Es wundert mich", bemerkte Jda Willford, als sie prüfend ihre Blicke auf das Antlitz ihrer Schwester heftete, „weshalb der junge Agent jetzt so häufig zu uns kommt. Ich fürchte, er hat keinen großen Wirkungskreis, und es ist doch schade, daß er so viele Stunden des Tages müßig zubringt. Was denkst Du davon, Helene?" Dunkles Roth färbte die Wangen der Schwester, als sie mit anscheinender Gleichgültigkeit versetzte: „Es ist wirklich traurig, Jda, ich fürchte, der arme Mann führt ein trostloses Leben. Er kennt doch eigentlich gar keine Häuslichkeit; seine Mutter ist todt, er hat weder Geschwister noch Freunde, und sein Vater ist ein finsterer, ungeselliger Mann. Ich bin früher nur einmal mit ihm zusammengetroffen; aber bei seinem Anblick überlief mich ein Frösteln, und ich konnte den schlechten Eindruck, den er auf mich gemacht hatte, lange nicht vergessen." „Hältst Du es denn für richtig, den jungen Mann zu seinen häufigen Besuchen zu ermuthigen?" ermähnte die Schwester. „Bedenke, er ist eben so arm, wie wir es sind." „Ich fürchte, er ist noch ärmer, denn er hat Schulden, die wir nicht haben. Er selbst trügt zwar nicht die Schuld, wohl aber sein Vater, der — wie gesagt wird — jeden Erwerb leichtsinnig verspielt. Er soll ganz nahe vor dem Bankerott stehen." Helene seufzte schwer bei diesen letzten Worten. Sie kannte aus eigener trauriger Erfahrung zu gut, wie eine Schuldenlast drückt. Hatte doch ihr eigener Vater seine Familie in Noth und Mangel zurückgelassen. „Helene! Helene! komm schnell zu mir", rief in diesem Augenblick die Mutter aus dem anstoßenden Zimmer, und eilig folgte das junge Mädchen dem Rufe. „Sage mir schnell, Helene, ist dieses ein rothes Tuch?!" „Ja, Mutter, es ist roth", versetzte Helene vor Erregung zitternd. „Gott sei gedankt!" kam es feierlich von den Lippen der alten Frau, „ich kann wieder sehen!" Einen Augenblick standen Mutter und Tochter schweigend da; ihre Herzen richteten sich dankerfüllt zum Geber alles Guten, der jetzt so gnädig das harte Schicksal der schwergeprüften Frau gewendet hatte. Dann gingen Beide ins Wohnzimmer zurück, um Jda die glückliche Botschaft zu verkündigen. Frau Willford konnte wieder sehen, wenn auch nur sehr wenig. Von ihren Töchtern und von den Gegenständen im Zimmer sah sie nur undeutliche Umrisse, und nur bei ganz genauer Betrachtung und mit Anstrengung sah sie deutlicher. „Ich will sofort zum Augenarzt gehen; er soll Deine Augen untersuchen", entschied Helene, als die erste Freude j vorüber war, und Mutter und Schwester stimmten diesem j Vorschlage bei. Als der berühmte Augenarzt längere Zeit die Augen der Patientin untersucht hatte, lautete sein Ausspruch dahin: „Große Ruhe, Bewegung in der frischen Luft und kräftige Nahrung würden bald'das Augenlicht dermaßen kräftigen, daß es stärker werden würde, wie in vergangenen Zeiten. Die längere Blindheit sei eine übergroße Schwäche des Sehnervs gewesen, der sich in der letzten Ruhezeit erholt und gestärkt habe." Es waren glückliche Menschen, die an jenem Abend beisammen saßen, denn Jda hatte erklärt, die gute Neuigkeit übe die beste Wirkung auf ihr Leiden aus, und nach langer Zeit erhob sie sich zum ersten Male von ihrem Lager. Selbst das Eintreten des jungen Agenten störte die Glücklichen nicht, denn Herr Schellenberg nahm so innigen Antheil an dem Geschick der befreundeten Familie, daß die Freude dadurch nur verdoppelt wurde. „Wie geht es denn Ihrer Freundin Martha?" fragte Herr Schellenberg leise. „Seit dem letzten Sonntag habe ich nichts mehr von ihr gehört", entgegnete Helene. „Sie schrieb mir, daß Franz außer aller Gefahr sei; seine Tante ist gestorben, und leider ist auch wenig Hoffnung für das Leben seines Onkels vorhanden. Er war anfänglich auf dem besten Wege zur Besserung, da erkrankte der Neffe, und der alte Herr bestand darauf, ihn zu Pflegen. Da bekam er einen Nückfall, und nach der Aussage der Aerzte geht er seinem Ende rasch entgegen." „Wie traurig", gab Herr Schellenberg zu. „Wir betrauern auch den Verlust eines Freundes", fuhr Helene fort. „Herr Rock aus Canada ist der heimtückischen Seuche zum Opfer gefallen. Es ist besonders für seinen Avoptivsohn sehr hart, den er wie ein Vater liebte." Herr Sch'llcnberg hatte heute längere Zeit wie 586 gewöhnlich in der Rosenvilla verbracht. Er erschrak sichtlich, als er einen Blick auf die Uhr warf, und beeilte sich, den Rückweg anzutreten. -l- q- Ungefähr zwei Monate waren seit dem plötzlichen Verschwinden Martha's aus ihrem Elternhause vergangen. Der alte Doktor saß wie gewöhnlich mit seiner Gattin und seinen Töchtern im Wohnzimmer, doch die kurze Zeit hatte den alten Herrn traurig verändert. Sein Haar war jetzt vollständig gebleicht, sein Antlitz gefurcht, seine Haltung gebeugt, und seine müden, tiefliegenden Augen zeugten von schlaflosen Nächten. Die heimliche Flucht seiner Lieblingstochter aus dem Elternhause hatte den sonst so rüstigen Mann in einen lebensmüden Greis verwandelt. Zwar wußte er, daß Martha im Hause ihrer Tante lebte, also guten Händen anvertraut war, aber daß sie ihn heimlich verlassen, sich ohne sein Wissen heimlich verlobt hatte, kränkte ihn tief. Martha hatte sechsmal geschrieben, aber auf den ausdrücklichen, strengen Befehl des Vaters waren sämmtliche Briefe uneröffnet zurückgesandt. Der schwergekränkte Vater wollte nicht einmal einen Blick auf die Aufschrift werfen. Aber ach! wie schmerzlich er den Flüchtling vermißte, ahnte Niemand. Marie war zu hart, zu schroff in ihrem Urtheil; Hedwig oberflächlich und vergnügungssüchtig; keine von Beiden bot ihm einen Ersatz für die heitere, lebensfrohe Martha, und der gebeugte Vater ließ oft seine Blicke nach der Fensternische hinüber schweifen, wo der leere Platz seines Lieblings war. Jetzt wurde leise die Thüre geöffnet, und das Hausmädchen betrat in freudiger Erregung das Gemach. Es mußte eine ganz besondere Neuigkeit fein, die sie überbringen wollte', denn sie ließ die Thür offen stehen, und gcheimnißvoll lächelnd schaute sie zurück. „Unser gutes Fräulein Martha und Lord Merlin!" meldete sie jetzt laut und vernehmlich, und ehe der Doktor Zeit hatte, sich von seinem Sessel zu erheben, oder die Mutter ihre Näharbeit bei Seite legen konnte, eilte Martha in das Zimmer und warf sich ihrem Vater zu Füßen, während der junge Mann kleich und von der beschwerlichen Reise angegriffen auf der Thürschwelle stehen blieb. „Vater, Vater, vergib mir oder Du brichst mir das Herz", flehte Martha unter Thränen. „Sieh doch nicht so finster auf Dein Kind herab, mein geliebter Vater. Ich bin ja schon hart genug gestraft; als alle meine Briefe uneröffnet zurückkamen, wäre ich fast gestorben!" Sie umschlang fester die Kniee ihres Vaters und blickte dann wie hülfesuchcnd die weinende Mutter an. Eine Zeit lang blieb der Vater unbeweglich, doch plötzlich schmolz die feste Eisrinde von seinem Herzen, und er barg das Haupt seines Lieblings an seiner Brust. „Ich muß auch um Verzeihung bitten", begann jetzt der junge Mann, langsam in das Zimmer tretend, „denn ich trage allein die Schuld, daß Martha das Haus ihrer Eltern verließ. Aber ich liebte sie zu sehr, wagte aber nicht, um ihre Hand anzuhalten, da ich nur ein Herz voll Liebe bieten konnte. Als Sühne bringe ich sie ihnen selbst wieder zurück; glauben Sie mir", fügte er hinzu, bittend vom Vater auf die Mutter sehend, „mein ganzes Leben soll dazu dienen, das geschehene Unrecht wieder gut zu machen. Jetzt komme ich zu Ihnen, um aus Ihrer Hand das Glück meines Lebens zu nehmen, und um Ihren Segen für unfern Bund zu erbitten." Es lag nicht in Frau Hartungs Natur, irgend einem Menschen die Bitte um Vergebung abzuschlagen, am wenigsten dem Verlobten ihrer Tochter, dem sie im Grunde ihrer Seele doch innig zugethan war. Sie nahm daher ohne Zögern die dargereichte Hand, und der Gatte folgte bald ihrem Beispiele. Als die erste Freude des Wiedersehens vorüber war, wurde beschlossen, daß die Hochzeit in kurzer Zeit und in aller Stille gefeiert werden sollte, und nach derselben wollte das junge Paar nach England zurück, wo der junge Lord die umfangreichen Güter seines Onkels übernehmen mußte, die ihm als dem einzigen, rechtmäßigen Erben zugefallen waren. Das Wiedersehen der beiden Freundinnen Martha und Helene Willford war aufrichtig und herzlich. Martha fühlte sich häufiger denn je nach der Rosenvilla hingezogen, aber sonderbar, die Bewohner der einsamen Hütte schienen eine Zusammenkunft mit dem jungen Lord Merlin ängstlich zu meiden. Die heimliche Verlobung konnte gewiß nicht der Grund sein, denn Helene war schon seit längerer Zeit in das Geheimniß eingeweiht. Auch hatte der junge Agent ganz richtig geahnt, in welchem Verhältniß die beiden Liebenden zu einander standen, denn er hatte häufig Gelegenheit gehabt, ihre Zusammenkünfte zu beobachten. Aber Martha konnte sich nicht erklären, weshalb die Freunde so ängstlich eine Begegnung mit ihrem Verlobten mieden, und sie beschloß, ruhig zu warten, bis sie die Lösung des Räthsels gefunden habe. So waren Wochen vergangen. Der alte Pfarrer Härtung hatte an hl. Stätte das junge Paar zum treuen Bunde für's Leben vereint. Er hatte den jungen Mann immer geliebt und es schmerzlich empfunden, daß ihm die Fähigkeiten zum tüchtigen Organisten mangelten, desto mehr freute er sich über den Wechsel, der so plötzlich in seinem Leben eingetreten war. Am Arm ihres Gatten ging Martha eines Tages spazieren. An einer Biegung des Weges stand Helene ihnen plötzlich gegenüber; sie wollte ausweichen, doch Martha hielt sie mit sanfter Gemalt zurück. „Helene!" rief sie in gekränktem Tone, „wolltest Du wirklich vorübereilen, ohne mit uns zu sprechen? Franz" — zu ihrem Gatten gewendet — „hier ist Fräulein Willford, der wir großen Dank schulden." Der junge Lord stutzte. Mit unverhohlenem Erstaunen blickte er die Freundin seiner Gattin an, murmelte einige Worte der Begrüßung, während Helene verwirrt die Augen zu Boden schlug. „Jda!" rief die jüngere Schwester, als sie die Rosenvilla erreicht hatte, „ich habe heute Franz Merlin gesehen. Er hat mich erkannt; was sollen wir jetzt thun?" Jda seufzte schwer. „ArmeS Kind," flüsterte sie leise, „Du opferst Dich umsonst für uns auf. Die Wahrheit muß doch an den Tag kommen; die Welt ist nicht groß genug, um uns zu verbergen." „Aber, Jda, ich bin fest überzeugt, daß Martha und ihr Gatte schweigen würden, wenn ich darum bitte. Sie müßten wenigsteus meine Gründe achten, die mich zu dieser Täuschung veranlaßten; Mutter war ja nie damit einverstanden." „Ja es war ihr immer sehr schwer, ganz besonders jetzt, da ihr Augenlicht sich langsam kräftigt. Was wird sie erst sagen, wenn sie soviel wieder sehen kann, um die Täuschung zu bemerken, in der wir sie absichtlich in Hinsicht dieser elenden Hütte gelassen haben!" „Wir dürfen hier nicht viel länger mehr bleiben. Mutter sieht ohnehin blaß und angegriffen aus; eine Luftveränderung würde ihr sehr gut thun. Oh! wie traurig ist es doch, daß wir so arm sind." Helene brach bei diesen letzten Worten in Thränen aus; die Anstrengungen der letzten Zeit waren für ihre überreizten Nerven zu viel gewesen. Jda tröstete die Schwester und suchte sie nach Kräften zu beruhigen. Bald trocknete Helene ihre Thränen und bettete wie ein müdes Kind ihr Haupt an die Schulter der kranken Schwester. 9. Kapitel. Fräulein Willford hatte ihre Stunden im Hause der Kaufmannsfamilie Grüner beendet. Mit raschen Schritten eilte sie ihrem Heim zu, denn es dunkelte bereits, und der Weg war noch weit. Doch kaum hatte sie eine kurze Strecke zurückgelegt, als sie an einer Biegung des Weges mit Herrn Schellenberg zusammentraf, dessen Antlitz bei ihrem Anblick sich erhellte. „Herr Schellenberg! wie oft habe ich schon darum gebeten, nicht meine Wege zu kreuzen", sagte die junge Dame mit gerechtem Vorwurf. „Oh, Helene — ich bitte um Verzeihung — Fräulein Willford wollte ich sagen, seien Sie nicht hart gegen mich. Wie soll ich es denn anders anfangen, um Sie allein zu sprechen? In Ihrem Hause ist Ihre Mutter und Ihre Schwester beständig zugegen, darum sagen Sie mir, Helene, ist es Ihnen nicht lieb, wenn wir uns gelegentlich treffen?" Helene schwieg. Sie wollte den jungen Mann nicht zu einer Wiederholung dieserBegegnungen ermuthigen. „Wenn Sie wüßten, wie elend und unglücklich ich mich oft fühle, so würden Sie Mitleid mit mir haben", fuhr der junge Mann f^rt, als er vergebens auf Antwort gewartet hatte. „Ich weiß wohl, daß ich in dieser Weise nicht zu Ihnen sprechen dürfte; denn ich bin ein armer Mann, der täglich den Kampf mit dem Leben aufnehmen muß. Aber ich liebe Sie, Helene, ich verzweifle fast, wenn ich nicht die Gewißheit habe, wieder geliebt zu werden. Antworten Sie mir ehrlich, lieben Sie mich, oder ist keine Stimme in Ihrem Herzen, die für mich spricht?" Endlich war's gesagt, und obgleich Herr Schellenberg weder die richtige Zeit noch einen passenden Ort zu dem Geständniß seiner Liebe gewühlt hatte, schien Helene doch überglücklich zu sein, denn ihre Augen leuchteten freudig, als sie ihm ganz leise zuflüsterte: „Ich liebe Sie!" Es waren nur drei kleine Worte, aber sie genügten, zwei Menschen überaus glücklich zu machen. „Geliebte!" sagte der junge Mann, ich weiß, ich bin Deiner nicht würdig; aber ich will vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten, und dann muß es mir gelingen, Dir ein sorgenfreies Dasein zu verschaffen. Mit unserm Geschäft steht es freilich schlecht, aber es soll bald besser werden, denn jetzt weiß ich, für wen ich wirken und schaffen soll. Helene, ist es denn wirklich wahr, daß Du mich liebst? Ist es nur Mitleid, was Dich bewegt, meine Hand anzunehmen?" „Ich liebe Dich mit der ganzen Kraft meines Herzens", erklärte Helene feierlich. Von diesem Augenblicke an verstand sie erst recht die Bedeutung des Wortes Liebe, und ohne dieselbe hätte sie sich keine Ehe denken können. Freudig würde sie an der Seite eines geliebten Gatten Armuth und Noth ertragen, aber ein Leben im Ueberfluß ohne Liebe hätte sie sich nicht denken können. Am Eingang der Rosenvilla trennten sich die Liebenden. Schellenberg versprach, noch am selben Tage wiederzukommen, um die Mutter um die Hand der Tochter zu bitten, und vor Freude strahlend betrat Helene die Hütte. „Ein Brief für Dich! er ist aus England", begrüßteJda die Schwester, und sie wunderte sich im Stillen über das veränderte Aussehen; denn wenn Liebe im Stande ist, ein Antlitz zu verschönern, so war das Resultat schon bei Helene sichtbar. Nur wenige Minuten vertiefte sich Helene in den Inhalt des Briefes, dann ließ sie ihn mit einem lauten AusrufdesErstaunens zur Erde fallen. „Mutter", rief sie, vor Freude an allen Gliedern zitternd, „wir bekommen unser väterliches Gut in England wieder zurück!" Frau Willford war aufgesprungen; auch Jda richtete sich bei dieser unerwarteten Nachricht vom Lager auf. „Wie meinst Du das, Helene, was bedeuten Deine Worte? von wem ist der Brief, sage mir es schnell!" „Von dem Anwalt des guten Herrn Rock. Esscheint, man hat schonseitMo- naten nach unserm Aufenthaltsorte geforscht. Er hat uns" — sie sagte ab- sichtlichnichtmir— „das ganze Besitz- thum hinterlassen, und auch die Hälfte seines Vermögens. Denke Mutter, wir können wieder nach England zurück! Freust Du Dich nicht, Jda? Wir beziehen wieder unser altes, liebes Haus; oh! der Gedanke ist mir fast wie ein schöner Traum." - (Schluß folgt.) -- St. Ottilien. (Hiezu die Bilder auf Seite 590 und 59 l.) Die geschriebene Zeile vermag zwar, wenn der Schreiber zn schildern versteht, von einer Sache ein anschauliches Bild zu entwerfen, aber eine Zeichnung spricht zum Auge oft noch lebendiger. Man kann aus Bildern nicht selten noch mehr lesen, als „zwischen den Zeilen." Daher bringen wir dem lieben Leser diesmal ein paar Bilder, welche ihm von St. Ottilien ein treues Bild gewähren. Aber zum Bilde gehört wiederum ein erklärendes Wort, welches das aussprechen soll, was das stumme Bild verschweigen würde. Albert Graf üe Man. 588 Wir fügen zunächst eine Beschreibung bei, welche Herr Hauptmann a. D. Hugo Arnold schrieb, und worin er das, was er bei einem Besuche daselbst beobachtet und gesehen hat, mit interessanten geschichtlichen Notizen verknüpft. (Herr Arnold ist als vaterländischer Alterthumsforscher eine rühmlich bekannte Autorität.) Er leitet den Bericht zuerst mit einigen Sätzen von allgemeinem Interesse ein: „Den Söhnen St. Benedikts habe ich immerdar eine warme Anhänglichkeit bewahrt, seitdem ich in Volksschule und Gymnasium ihr Zögling gewesen war, und namentlich ist von der Einweihung der Basilika des hl. Bonifazius an, bei welcher wir Schulknaben selbstverständlich unser angemessen Theil hatten, niemals der Eindruck des Gemäldes von mir gewichen, welches die Mönche als Verkünder der Heilslehre und Be- kehrer unserer Vorfahren darstellt. Als ich später beim ernsten Studium der Geschichte ihre Bedeutung nicht blos als Boten des christlichen Glaubens, sondern auch als Begründer und Träger einer höheren Kultur voll würdigen lernte, habe ich nach einer besonderen Seite hin die ältesten Spuren ihres Wirkens verfolgt, welche als unverwischbare, sprechende Urkunden Jahrhunderte hindurch davon zeugen: die Ortsnamen auf -zell und -Münster, welche die Kunde von den ältesten mönchischen Niederlassungen in unseren Landen erhalten haben. München selbst trägt ja den Namen und das Wappen von den Mönchen des Stifts Tegernsee, und in seiner Umgebung, wenn auch nicht gerade in seiner unmittelbaren Nähe, haben wir drei solche Ansiedelungen von ursprünglich mönchischem Charakter: Münster, ein Filialdorf der Pfarrei Egmattng, unweit der römischen Heerstaße von Augsburg nach Salzburg, wo auf einem herrlich gelegenen Punkte eine jetzt etwas herabgekommene Kirche mit ziemlich großem gothischen Chöre steht; ferner Zell bei Ebenhausen, welches die Grundlage für das spätere Stift Schäftlarn am Peipinbach bildete, hart an der Römerstraße von Tölz über Wolfrathshausen nach Augsburg und nach Freising gelegen, und endlich Zell, j etzt Zellhof genannt, bei Schöngeising (die Station ^.ci ^.rnsti'6 der Peutinger'schen Tafel), wo die Augs- burg-Salzburger Römerstraße die grüne Amper überschreitet. Das waren die Vorposten der Bekeh- rer, von welchen aus das Christenthum in der Umgebung verbreitet und anfänglich auch die Seelsorge geübt wurde. Doch nicht blos als Missionäre kamen die Benediktiner, sie gingen, für ihren Unterhalt auf die Arbeit der eigenen Hände angewiesen, dem Volke mit dem Beispiele emsiger Bodenarbeit voran. Sie rodeten den Wald, trockneten Sümpfe und Moräste und wandelten das Land in fruchttragende Gefilde um, pflegten das nützliche Handwerk und die edlen Künste in ihren Zellen und unterwiesen darin die Sippe der Gläubigen, welche sich um sie gesammelt hatten. So galten die Mansen, Höfe und Weiler der Stifte und Klöster als die bestbe- bauten, und frühzeitig bildete sich das Sprichwort: „Unter'« Krummstab ist gut wohnen." Auf St. Ottilien übergehend schreibt der Herr Berichterstatter: „Solcher Erinnerungen voll, wanderte ich hinaus nach Emming oder, wie der Ort nach der Patronin des Kirchleins jetzt lieber genannt wird, nach St. Ottilien. Lieblichere Reize schmücken die Moränen-Land- schaft am anderen, am rechten Gestade des idyllischen Ammersees; aber auch hier unterbrechen den tiefen Ernst der über die Hügelwellen sich dehnenden Forsten an- muthige Bilder; uralte Vergangenheit schwebt mit Däm- merschatten über verfallenen Wohnstätten und verlassenen Straßen, und die Sage plaudert von manchem früheren Ereigniß. Der ehrengeachtete Hr. Emmo, der vor etwa 13 Jahrhunderten für sich und die Seinen in Emming die Hütten baute, hat sich gar kein übles Plätzlein erkoren: auf der hochragenden Kuppe einer sonnigen Hügelwelle, deren Hänge fruchtbare Felder und Wiesen bekleiden, während aus den Niederungen die hellen Spiegel größerer und kleinerer- Weiher blinken, die Höhen schwarzgrüne Wälder säumen und hier am südlichen Horizont die blauende Alpenkette im duftigen Nebel verschwimmt. Im Mittclalter gehörte das Dörfchen als Schwaige zur benachbarten Herrschaft Greifenberg; aus den Händen der dort gebietenden Herren v. Perfall kam es an einen Hrn. v. Haunenhofen, welcher an die bereits stehende Kirche ein Schlößlein anbaute. Dann gelangte es in vielfachem Wechsel wieder an die Herren von Perfall, Gemmingen, Mändl v. Deutenhofen, Füll v. Windach und Kammerberg (1674), aus welchem Geschlecht Hr. Johann Ulrich dem Schlosse feine jetzige Gestalt gab, dann an die Freiherren v. Jngenheim. Später kam die Hofmark Emming an die Herren von Krempelhuber und schließlich sank es vom Adelssitze zum bäuerlichen Gut herab. „Während die Neuzeit aus einstigen Klöstern glänzende Prunkschlösser der Fürsten und des Adels schuf, geschah vor zwei Lustrum (10 Jahre) zu Emming eine Umwandlung, welche sonst nur das fromme Mittelalter gesehen hatte, als mächtige Grafen und Herren die trutzi- gen Burgen ihrer Ahnen verließen und sie in gottgeweihte Abteien und Stifte umgestalteten. Ein frommer Mann, der ehrwürdige ?. Andreas Amrhein, ein Benediktiner aus Beuron, erwarb den früheren Edelmannsitz und siedelte dahin mit seiner ganzen Schaar von Getreuen, wie ein germanischer Häuptling mit seiner Gefolgschaft, von Reichenbach am Regen im Bayerischen Walde um, wo er an die Ausführung des als selbstgestelltes Lebensziel begonnenen Werkes geschritten war, aber unter der Ungunst der Verhältnisse keine gedeihliche Entwicklung der jungen Congregation erwarten konnte. „Schon seit langen Jahren hatte sich nämlich der Benediktiner-Pater mit dem Gedanken getragen, eine alte Aufgabe seines Ordens wieder aufzunehmen und in heidnischen Landen eine Misston nach dem Vorbilde der alten englischen, deutschen und nordischen Missionsklöster St. Benedikts mit einem Mutterhaus und Noviziat in Europa zu gründen. Die Anregung dazu gab ihm das Wort des Papstes Pins IX. in einem Breve an Bischof Freppel und in dem von Livingstone an die anglikanischen Missionäre in Afrika ertheilten Rathe, die Klöster der alten Zeiten sich zum Muster zu nehmen und ihre Anstalten durch Nachahmung des dort gegebenen Beispieles lebensfähig zu machen. Den gefaßten Plan führte er in offenbar richtiger und darum so herrlich gelingender Weise aus, indem er trachtete, nicht blos recht viele Missionspriester, sondern auch Hilfsmissionäre aus dem Laienstande in möglichst großer Zahl zu gewinnen, wie es bereits der hl. Franz Raver gethan hatte. Und zur vollkommenen Durchführung seines Vorhabens zog er auch das weibliche Geschlecht heran, denn Frauen sollten gleichfalls den Unterricht und die Unterweisung der Weiber übernehmen. Die Pläne, welche k. Amrhein seinen . .! ZV 8 LU^M G'MPK- DMZL1 L'L MM ?ÄKW-^ MW Klara Freibach: Kauft Ueilchen! geistlichen Oberen unterbreitete, fanden die Genehmigung der Kongregation der Propaganda, an deren Berathungen eine größere Anzahl von Kardinälen theilnahm, darunter auch Kardinal Lavigerie, der hochverdiente Gründer der Missionsgesellschaft für Algier und Centralafrika, sowie die des Papstes. Besonders warm befürworteten die Gründung Kardinal Franzelini und Erzbischof Jakobini, der hochverdiente Sekretär der Propaganda. Die betreffenden Erlasse rühren aus dem Juni und Juli 1884 her und in Bayern vermochte I>. Amrhein sein Vorhaben auszuführen; er preist darum als Fügung der göttlichen Vorsehung dieses Zusammentreffen, daß gerade damals das Deutsche Reich ernstliche Schritte zum Erwerb größerer Länderstriche in Afrika that. Als Arbeitsfeld wurde daher Deutsch-Ostafrika gewählt, dessen südlicher Theil vom hl. Stuhl 1887 zur „Apostolischen Präfektur !>0 - führen und durch diese sie für das Christentum empfänglich machen. Das ist ein äußerst wichtiger Grundsatz, der das St. Benedikt-Missionshaus wesentlich und sehr günstig von anderen Misstonen unterscheidet. Darum üben sich auch die Priester und Katecheten neben dem Studium täglich im Handwerk oder Feldbau und die Kandidaten der dritten Kategorie, die Arbeiter-Hilfs- missionäre, werden in den Werkstätten, im Hausdienste, im Felde, Stall und Garten beschäftigt, die Frauen entsprechend im Haushalt, im Zarten und bei der Milchwirtschaft. Die Grundlage der Hausordnung bildet die Regel des hl. Benedikt und eine unerschütterliche strenge Disciplin. Weil alle Gattungen des Handwerkes für die Mission und das Missionshaus von ersprießlichem Nutzen sind, finden Handwerker jeder Art willkommene Aufnahme: Buchdrucker, Mechaniker, Schreiner, Missionshaus und Kirche Zil. Gtlitten bei Emming. (Herrerikloster.) Original-Aufnahme von Max Merz, Photograph in Diessen am Ammersee. fVervielsältigungsrecht vorbehalten.) Süd-Sansibar" eingerichtet und der St. Benediktus- Missionsgesellschaft übertragen wurde. Die Missionäre von St. Ottilien gliedern sich in drei Kategorien: in Priester, Katecheten, welche als Lehrer in den Missionsschulen eine wirksame Stütze der ersteren sein sollen, und Arbeiter; die weibliche Abteilung in letztere zwei. Dazu treten die entsprechenden Kandidaten- und Vorbereitungsklassen. Die gesamte Ausbildung der Insassen des Hauses ist auf die Missions- thütigkeit berechnet, die Studien erstrecken sich somit auf das dem Priester nötige wissenschaftliche Gebiet in Sprachen, namentlich auch auf das Französische, Englische und Suaheli. Wo die Kräfte der Anstalt nicht ausreichen, treten weltliche Lehrer ein. Neben der geistigen Thätigkeit fällt aber der körperlichen Arbeit eine große, vielleicht noch eine höhere Aufgabe zu, denn die Gewöhnung an die Arbeit soll die Heiden zur Gesittung Schuster, Schneider, Schmiede, Schlosser, Spengler, Zimmerleute, Wagner, Maler, Buchbinder, Gärtner, Oekonomen, die sich auf die Bodenkultur, die Pferde- und Viehzucht verstehen. Aber wie es der äußerst schwierige, entbehrurgsvolle Beruf erfordert, ist weder das Leben im Hause ein behagliches noch die Zulassung eine leichte, im Gegenteil herrscht eiserne Zucht; Abhärtung und Entsagung, pünktlichster Gehorsam dienen als Richtschnur und der Eintritt unterliegt vorsorglich den schärfsten Bedingungen, um abenteuersüchtige oder spekulationslustige Leute und Personen zweifelhaften Charakters fern zu halten. Ja, die Kandidaten müssen wahrhaft „Beruf" in sich fühlen und in harter langer Probe bewähren, um zum Lohn dafür ein Leben einzutauschen voll Mühen, Beschwerden und Aufopferung! In unsern fast nur dem materiellen Streben ergebenen Tagen klingt es fast wie ein tröstendes Wunder, daß in den ersten sieben Monaten nach Gründung des Missionshauses (1885) schon 150 Kandidaten sich um Aufnahme meldeten; zur Zeit, nachdem erst vor ein paar Monaten sechs Missionäre und neun Missionsschwestcrn sich nach Afrika einschifften, zählt der Personalstand in St. Ottilien 93 Frauen und 106 Männer und 35 Zöglinge, deren Zahl mit Beginn des neuen Schuljahres sich mehr als verdoppeln wird. Im Schatten mächtiger Linden krönen das Kirchlein mit wälscher Kuvpel und das einfache Schlößlein mit Giebel- und Seitenbau den Hügel, um dessen Futz sich die kleinen Söldnerhäuser des Weilers gruppieren. Das Schlößlein ist jetzt Seminar und soll nächstens umgebaut werden, da die Räume unzureichend sind. Im neuen Klostergebäude befinden sich die Wohnungen der Priester und Kleriker und die gemeinschaftlichen Räume I freundlicher Genossenschaft, gern schaut man die kräftigen, sehnigen Gestalten und die zufriedenen Mienen der mit höflichem Anstaube Grüßenden, worunter drei zur Ausbildung hier befindliche Ncgerjünglinge die muntersten Gesellen sind. „Es sind hübsche Bursche von dolichokcphalem Typus, das Deutsche in Sprache und Schrift vollkommen beherrschend; der eine, ein Sudanese, weiß viel aus seiner bewegten Jugend zu erzählen, da er als dreijähriger Knabe auf einer Sklavenjagd geraubt wurde und dasselbe Schicksal ihn später mehrmals nach einander traf." „Mit wehmütiger und doch stolzgehobener Erinnerung Pflegen die Brüder das Gedächtnis der Märtyrer, welche in der Mission zu Pugu am 13. Januar 1889 als erste Opfer aus dem Stande des Mutterhauses die Treue ! mit ihrem Blute besiegelten, und als lebenslängliches ,,, k INI! ,"ii!>«« 1 sb ^ ß ö S« >i i i« P 8 . 18 lL WWW Missionshaus und Kirche K1. Ottilien bei Ennning. (Frouenklrst r) Original-Aufnahme von Max Merz, Photograph in Diefscn am Ammerfee. lVcrvielfältigungsrccht vorbehalten ) der Brüder. Nebenan sind Ochsen- und Pferdestall, die Oekonomiegebäude und Werkstätten untergebracht. Im Ganzen zählt die Anstalt 26 Giebel. Wohlthätig treten überall Sauberkeit und Ordnung vor Augen, die > einst ziemlich herabgckommencn Gebäude befinden sich in bestem Stande und das Gotteshaus ziert farbenprächtiger Schmuck. Trotz des modernen Anstriches erwacht unwillkürlich die Erinnerung an das alte Kloster des frühen Mittelalters, wozu auch das Nebeneinanderbestehen von Mannes- und Frauenkloster viel beitrügt. In emsigem Treiben und in geschäftiger Arbeit tummeln sich im Hofe, in den Werkstätten und auf den Fluren die Kleriker im schwarzen, die Brüder im grauen Habit, sämtlich den blutroten Gürtel der Propaganda und den Vollbart tragend, soweit er eben sprossen will. Mit stillem Behagen fühlt der Soldat die überall bemerk- lichen, anheimelnden Zeichen strammer Disciplin und Andenken trägt Frater Nupert die rote Narbe der damals empfangenen Wunde über die ganze Gesichtsscite. „Mächtig empfindet man die kräftige Hand des Schöpfers und Leiters der -Anstalt, des IN Amrhein, eines Mannes von umfassender Bildung, imponierendem Wesen und hoher Gestalt, eines Schweizers von Geburt; man fühlt, daß ein höherer, über ihm waltender Geist ihn berief, die Pflanzstätte zu schaffen für die Schulung in edelster Gesittung, die ihre Wurzel senkt in das Zeichen des Christenglaubens: das Kreuz!" Beherrscht wird der ganze Klosterkomplcx vom neuen Vaterhause der Missionäre, einem großen 65 in langen und 20 in breiten dreistöckigen Bau im gothischen Style, ebenso praktisch in seiner Anlage als architektonisch schön und einfach. Die Pläne und Bauleitung wurden von IN Amrhein selbst besorgt, der in Architektur und Malkunst tüchtig ist. Weitaus die meisten Bauarbeiten 592 wurden von den Laienbrüdern, die gegenwärtig schon 20 Gewerbe betreiben, selbst hergestellt, wobei die Bewohner der Umgegend in liebevoller Weise freiwillige Aushilfe mit Gratisfuhrwerken leisteten. Die Umgebung des Klosters ist bereits auf einem Komplex von 20 Tagwerk mit einer Mauer umfriedigt und in Gemüsegärten verwandelt. — Zwei Jahre zuvor legte man den Grundstein zu einem Mutterhaus der Missionsschwestern. Unermüdete Arbeit und kräftiges Zusammenwirken aller Kräfte gepaart mit weiser Sparsamkeit haben auch hier gezeigt, wie mit geringen Mitteln Großes und Zweckmäßiges geschafft werden kann. Im letzten Sommer hat der Herr Generalsuperior endlich auch das Wirtsanwesen erworben, dessen Enteignung sowohl im Interesse der Arrondirung als auch des stetig wachsenden Fremdenverkehrs dringend geboten war. Die Besucher St. Ottiliens finden jetzt an Stelle der ehemaligen Wirtschaft ein einfaches, sauberes Hospiz, wo den zahlreichen, meist priesterlichen Gästen ein angenehmes Plätzchen zu einigen Tagen geistiger Ruhe geboten werden kann. Wollen wir noch kurz der Thätigkeit der St. Bene- diktus-Missions-Genossenschaft in Afrika gedenken, so dürfte es nicht überflüssig sein vorauszuschicken, daß der Gründer besonders in den ersten Jahren mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, deren größte die war, daß er Jahre lang fast allein stand, ohne priesterlichen Mitarbeiter, ohne Gründungsfond, außer den allein sicheren der göttlichen Vorsehung. Seine zwei ersten, im Geiste des Hauses erfahrenen Priester ?. Bonifaz Fleschutz und I'. Franziskus Mayr, raffte ein tückisches Fieber dahin. Fünf Jahre nach der Gründung konnte er dann die Erstlinge des Nachwuchses dem H. H. Bischof zur Weihe prüsentiren. Von da an steigerte sich aber die Zahl der Weihekandidaten; im Monat Juli haben wieder vier Fratres die hl. Priesterweihe empfangen, während im kommenden Jahre 6 Kleriker ihre theologischen Studien beendigen werden. .Die Letzteren frequentieren die Vorlesungen des Kgl. Lyceums zu Dillingen. Am 1. Juni dieses Jahres entsandte ?. Amrhein die siebente Expedition nach Afrika. Führer derselben ist k. Maurus Hartmann, ein geborener Oberndorfer und Augsburger Diözesan, der in Dillingen seine Studien machte. Er war bisher die vorzüglichste Stütze seines Obern, ein energischer, umsichtiger Mann von unverwüstlicher Thatkraft. Seine Aufgabe wird zunächst sein, das Männerkloster in Dar-es-Salaam mit seinen Anstalten in das außerhalb genannter Stadt gelegene Misstonsgut Kolozani zu verlegen, wo auch der geeignetste Platz zur Anlage eines eigenen Christenviertels ist. Die dadurch frei werdenden Gebäude des bisherigen Klosters werden in ein katholisches Spital verwandelt und den Missionsschwestern übergeben, deren Erziehungsanstalten in nächster Nähe liegen. Gegen Ende dieses Jahres soll sodann die achte Expedition St. Ottilien verlassen und mit ihr wird Maurus tiefer im Innern unserer ostafrikanischen Kolonie ein Kloster mit Musteranstalten als Centralstation gründen. Möge das Werk, auf dem so augenscheinlich Gottes Segen ruht und das der Kirche schon 3 Märtyrer gegeben hat, blühen und gedeihen und sich allseitiger Unterstützung erfreuen. --SSSWiS— — Zu unseren Bildern. Albert Graf de Man. Graf de Mun, der unter den Vertretern der französischen Katholiken im Parlament unbestritten den ersten Platz einnimmt, ist geboren am 28. Februar 184 t zu Lünigny. Er trat nach Vollendung seiner Studien bei den Kürassieren ein und nahm im Jahre 1876 seinen Abschied, um ungehindert und ohne Rücksicht nehmen zu müssen, für die Rechte der katholischen Kirche eintreten zu können. Er wurde im selben Jahre Mitglied der Kammer der Abgeordneten, wo er durch seine Energie und einzig dastebende Beredsamkeit sofort zu einem der hervorragendsten Parteiführer sich aufschwang. Der sozialen Frage wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu und schuf die wichtigen Oorolss oatdoliguss L'ouvrisrs, die einflußreich zu werden versprechen. Graf de Mun steht in voller Manneskraft; es ist ihin wahrscheinlich vorbehalten, bei der Wiedergeburt Frankreichs aus den jetzigen chaotischen Zuständen noch eine Rolle zu spielen. _ Kauft NeilchrnI „Kauft Veilchens" flehen leis und zaghaft die beiden Kleinen, die selbst wie ein paar schüchterne, sinnige Frühlingsblümlein draußen vor dem Thore im frostigen Winde stehen. Ach, ihnen schadet er nichts, aber Papa desto mehr. Er sollte nach dem Süden, hat der Arzt erklärkt, wenigstens stärkende Weine trinken und nickt die halben Nächte am Reißbrett sitzen über den leidigen Fabrikzeichnungen, zu denen die Sorge um die Seinen den begabten Künstler zwingt. Die Mutter seufzt und schüttelt den Kopf, als man auch ihr mehr Ruhe und Erholung verordnen will. Es reicht ja nicht einmal zu einer Flasche guten Weins für den Kranken. Betty und klein Evchen aber wissen Rath. Hinter der Hecke im Schloßgarten sind die Veilchen schon aufgesproßt und gewiß wehrt es ihnen Niemand, sie zu pflücken. Ohne den Eltern ein Wort zu verrathen, halten sie nun ihre Sträußchen feil und wenn Papa von dem Erlös nicht die Reise macht, kann er doch wohl Wein trinken, so viel er will. Jedenfalls — mag die Rechnung der kleinen Rechenmeisterinnen stimmen oder nicht — haben sie dem Vater unsäglich wohl gethan und vielleicht würde das erträumte Geld die wehmüthige Freude nicht aufwiegen, die ihre Liebe ihm bereitet. Goldkörner. Ob auch die Kunst stets wechselnd sich erweist, So bleibt dock eines fest in Kunst und Leben: Es ist die Seele, der lebend'ge Geist, Der, Gott entstammt, das Göttliche will geben. -—i-»-«-«- Schachaufgabe. Schwarz. Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem 5. Zuge matt. Auflösung des Räthsels in Nr. 75: Moloch, Molch.