HL 81 . 1894 . M „Augsburger Postzeitung". Areilag, den S. October Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer Dr. Max Huttler). Die Werte des Kaufes. Erzählung von C. Borges. (Fortsetzung.) Es war noch dunkel, als Melitta nach einer schlaflosen Nacht heimlich das Haus ihrer Tante verließ und unruhig die Abfahrt des Zuges auf dem Bahnsteig erwartete. — Sie kannte ihre Tante noch gar nicht, und was sie von den Cousinen von ihr gehört hatte, trug gewiß nicht dazu bei, sie mit den besten Hoffnungen zu erfüllen. Würde dieselbe sie aufnehmen, da sie heimlich entflohen war? Was sollte dann aus ihr werden? Frau von Reinberg würde sie niemals wieder in ihrem Hause dulden, und selbst im schlimmsten Falle würde sie nie wieder um ihren Beistand bitten. Endlich brauste der Zug heran. Die Coupös waren sämmtlich überfüllt, nur ein Wagen schien noch ganz leer. Melitta freute sich ein Plätzchen gefunden zu haben, denn schon setzte sich der Zug in Bewegung. Nur ein Herr, in einen langen Neisemantel gehüllt, saß in der Ecke, sein Antlitz hinter einer Zeitnng bergend. Doch kaum ließ er dieselbe einen Augenblick sinken, so erschrak Melitta so heftig, als habe sie einen Geist gesehen. „Oberst Wellinghoft" kam es bestürzt von ihren Lippen. „Fräulein von Reck!" rief er nicht minder überrascht, „dieses ist wirklich ein unerwartetes Vergnügen. Ich hatte gestern noch keine Ahnung, daß wir diese kleine Reise gemeinschaftlich machen würben." „Melitta erröthete verlegen. „Ich ebenso wenig," gestand sie offen, „aber ich reise jetzt nach Helmstedt, um dort meine Tante zu besuchen." „Das ist herrlich! Ich mache die gleiche Tour und reise zu meinem Onkel. Sie wissen doch, daß mein Onkel ganz in der Nähe von Helmstedt wohnt?" Melitta wußte es nicht. „Kennen Sie meine Tante?" fragte sie dann gespannt. „Oh, ja! sehr genau," versicherte er. „Ist sie liebenswürdig im Umgang?" forschte Melitta ängstlich weiter. „Ja, aber sie hat auch ihre Eigenheiten." „Ich habe sie niemals gesehen, und fürchte ein Zusammenleben mit ihr," gestand Melitta bebend. Der Oberst wunderte sich immer mehr über seine Begleiterin. Noch gestern Abend auf dem Balle hatte Edith ihm erzählt, daß Melitta eine ganz untergeordnete Stellung in ihrem Hause einnähme, daß sie ihnen aber sehr nützlich, sogar unentbehrlich sei, weil sie viele Arbeiten verrichte, die selbst die Dienstboten zu thun sich weigerten. Aber er war zu höflich, um nach dem Grunde ihrer plötzlichen Abreise zu forschen, und hoffte, daß ihm freiwillig Mittheilung darüber gemacht würde. «Ist Fräulein von Reck sehr alt?" fragte Melitta weiter, „und ist sie sehr reich?" „Nicht gerade alt, Mitte der sechziger, sollte ich meinen, lautete die Antwort, „und sie steht in dem Rufe großen Reichthums. Aber in ihrer äußeren Erscheinung zeigt sie denselben keineswegs. Als ich sie das letzte Mal im vorigen Sommer besuchte, war sie in ihrem Gemüsegarten beschäftigt, und sie trug ein Kostüm, das vielleicht noch aus Noah's Zeiten stammte. Jedenfalls bemerkte sie mein Lächeln darüber, denn sie sagte in ihrer derben, offenen Weise: „Warum stierst Du mich so an, Richard? Siehst Du mich denn heute zum ersten Male? Was meine Kleidung anbetrifft, so ist mir diese bequem, und das ist mir lieber wie die Kleider der fein geputzten Damen, die mit ihren engen Stiefelchen und hohen Absätzen in Deinen Augen gewiß den Inbegriff aller Schönheit ausmachen. So machen es die jungen Herren aber heut zu Tage alle; sie haben nur Augen für schön geputzte Püppchen, die sich nach jeder neuen Mode kleiden; das sind nur Narren in meinen Augen." Zu dieser Sorte zählte sie auch mich, wie ich wohl voraussetzen konnte," fügte er lächelnd hinzu. Melitta konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, doch bald flüsterte sie seufzend: „Ich werde es gewiß nicht bei Ihr aushalten können; fast wünsche ich wieder umzukehren; aber wohin soll ich gehen-und es ist heute so kalt," flüsterte sie leise. „Hier ist mein Plaid — nehmen Sie ihn, ich bitte darum: ich kann ihn wirklich entbehren. Aber sehen Sie," fuhr er dann fort, als Melitta sich standhaft weigerte, „ich setze mich Ihnen gerade gegenüber, dann reicht er für uns beide aus," und ehe sie etwas dagegen einwenden konnte, war sie schon in den warmen Plaid eingehüllt. Dann plauderte er in heiterer Weise von seinem Soldatenleben, erzählte selbsterlebte oder erdachte An» nekdoten, bis Melitta herzlich über manchen lustigen 626 Einfall lachte und mit ihm scherzte, als ob sie die besten Freunde wären. „Dies ist Helmstedt", sagte plötzlich der Offizier, als der Zug in einem ländlichen Bahnhöfe einlief. „Das Haus Ihrer Tante ist vielleicht eine halbe Stunde von hier entfernt. Werden Sie erwartet?" „Nein! sie weiß wenigstens nicht, daß ich schon so bald komme," versetzte Melitta zögernd. „Das trifft sich herrlich; denn da ich auch nicht mit diesem Zuge erwartet werde, kann ich Sie begleiten." Melitta's Muth sank mehr und mehr, je näher sie zum Ziele ihrer Reise gelangte. „Ich will meiner Tante erzählen, daß ich das Leben nicht mehr ertragen konnte," dachte sie bet sich selbst, „es ist mir doch ein Trost, daß ich hier fortgehen kann, sobald sich eine Stelle für mich findet." Auch der Oberst wunderte sich, daß plötzlich seine schöne Begleiterin so schweigsam wurde und alle Fragen nur einsilbig beantwortete, und er glaubte nicht anders, als daß sein Irrthum von gestern Abend Schuld an dieser Sinnesänderung sei. Es hatte wirklich anfänglich in seiner Absicht gelegen, sich mit Cecilie von Reinberg zu verloben; nicht so sehr aus Liebe, sondern vielmehr aus dem sicheren Gefühl, daß Tochter und Mutter es dringend wünschten. Er glaubte sie allein im Ballsaal zu treffen, und um sie zu Anfang der Festlichkeit seinen Kameraden als Braut vorzustellen, trat er rasch hinzu und legte seinen Arm um ihre Schulter. Jedoch als er seinen Irrthum gewahrte und Cecilien's erregte Worte an sein Ohr schlugen, überzeugte er sich, daß er mit ihr kein Glück für's Leben gefunden haben würde, und daß sie für ihn verloren sei. Hätte sie dieser kleinen, unbedeutenden Täuschung keinen Werth beigelegt oder wenigstens ihr aufgeregtes Temperament zügeln können, so wäre für sie noch alles gut gewesen. Aber jetzt hatte sie gewaltsam ihr eigenes Glück zerstört und für immer die Hoffnung verloren, als Herrin auf dem großen Edelhof einziehen zu können. So geschieht es oft in der Welt. Wie viele verscherzen ihr Glück durch ein unbesonnenes Wort, und verderben oder zerstören dadurch die schönsten Zukunftsträume. Melitta ging schweigend an der Seite ihres Begleiters; Jedes schien jetzt mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein; endlich fragte sie schüchtern: „Weiß meine Tante — Frau von Neinberg — daß Ihr Onkel hier ganz in der Nähe von Helmstedt wohnt?" „Ich vermuthe es, aber ich weiß es nicht mit Bestimmtheit; ich habe nie mit ihr darüber gesprochen. Sie wissen, ich bin nicht oft hier, höchstens 2—3 mal im Jahre und dann nur einen Tag. Auch heute bleibe ich nur zwei Tage." „Wirklich? Bleiben Sie nicht länger?" Wieder trat eine Pause ein. „Sehen Sie, dort ist das Haus Ihrer Tante," bemerkte endlich der Offizier, „gehen Sie hier durch den großen Garten, das Thor ist nur angelehnt; ich will Sie bis zur Thür geleiten." „ Oh, nein! gehen Sie nicht weiter; ich bin ja hier am Ziele;" dann reichte sie ihm die Hand zum Abschied. „Ich bin Ihnen immer zu Dank verpflichtet, Sie haben mir schon manchen Dienst erwiesen," fügte sie leise hinzu. Er hielt ihre zitternde Hand fest in der seinen. „Reden Sie nicht davon," bat er, was müssen Sie gestern wohl von mir gedacht haben!" Ihre Wangen färbten sich purpurn, und sie versuchte ihre Hand zu befreien, doch er hielt sie fest umschlossen. „Sie erwarten wohl, daß ich mein Bedauern über weine Täuschung ausdrücken soll," fuhr er fort, „aber sie fiel zu meinem Glück aus, denn ich lernte, daß ich vor einem Abgrund stand. Ich bedaure nur, daß Sie mir zürnen; denn ich merke, Sie haben mir noch nicht vergeben." Sie heftete die Blicke zu Boden und wagte nicht ihn anzusehen oder ihm zu antworten. „Wir werden uns jetzt häufiger sehen," fuhr er unbeirrt fort, „wenigstens werde ich den Versuch machen, mit Ihnen zusammen zu treffen, so oft ich meinen Onkel besuche." „Ich bleibe nicht immer hier," versetzte Melitta leise, „ich will mich in der Welt nützlich machen, und meine Tante wird mir zu einer Stelle verhelfen." „Hm," lächelte der Offizier, „so wie ich Ihre Tante kenne, wird Sie nicht daran denken, das zu thun." Dann öffnete er das Gartenthor und schaute ihr nach, bis sie in dem kleinen Häuschen verschwunden war, und die Thür ihrer neuen Heimath sich hinter ihr geschlossen hatte. 2. Kapitel. „Also Du bist meine Nichte Melitta?" Die alte Dame trippelte in nervöser Hast in ihr Wohnzimmer und drückte das ängstlich zitternde Mädchen stürmisch an ihr Herz, nachdem sie ihr diese Worte ent- gegengerufen hatte. „Du siehst Deinem Vater aber sehr wenig ähnlich," fuhr sie eifrig fort, „Du siehst weit besser aus. Entschlossenheit, Wahrheit und Aufrichtigkeit sind in Deinen Zügen geschrieben, und diese Tugenden besaß Dein Vater nicht. Nun — nun — ich will ja nichts gegen Deinen Vater sagen, mein Kind, Dü brauchst nicht so heftig zu erröthen. In Deinen Augen war er zweifellos ein Muster aller Vollkommenheit, und Du thust Recht daran, nur das Beste von ihm zu denken. Aber nichtsdestoweniger war er ein leichtsinniger Mensch! Ich freue mich aber, daß Du die feinen Züge, die schönen blauen Augen und das wellige Haar Deiner Mütter geerbt hast, denn ich liebte sie sehr. Sie war meine beste Freundin, ehe sie sich verheirathete, und wenn ich geahnt hätte, daß Du ihr liebliches Gesicht und ihr anspruchloseS, bescheidenes Wesen geerbt hättest, so hättest Du schon vor Monaten zu mir kommen sollen. So, mein Kind, nun setze Dich und erzähle mir, warum Du so eilig das Haus meiner Schwester verlassen hast, und dann wollen wir zu Mittag essen. Ich esse gewöhnlich zeitig, denn ich verlange nach meinem Mittagsschläfchen. Du mußt Dich schon an meine Lebensweise gewöhnen und das Zusammenleben mit mir ertragen um Deiner Mutter willen." „Nein, um Deinetwillen, denn ich will Dich lieb haben," rief Melitta aus, dann schlang sie ihre Arme um den Hals der alten Dame und brach dann in Thränen aus. „Ich war so elend, einsam und unglücklich," fuhr sie dann fort, „und wünschte oft zu sterben, besonders gestern Abend konnte ich das Leben nicht länger ertragen." „Still, still, mein Kind, sprich nicht solche Worte; es werden noch glückliche Tage kommen für Dich. So, trockne Deine Thränen und erzähle mir, warum Du schon heute gekommen bist, ohne mir Deine Ankunft zu melden." »Ich konnte die Behandlung nicht länger ertragen," schluchzte sie, „und — da bin ich fortgelaufen." „Heimlich? Hm, das war thöricht. Aber erzähle mir alles ausführlich." Melitta gehorchte. Sie verschwieg nichts, selbst nicht die Begegnung mit Oberst Wellinghof und seine Begleitung bis hierher. Vielleicht war es ein Glück, daß Melitta das schelmische Lächeln der alten Dame nicht bemerkte, sie würde sonst an ihrer Theilnahme gezweifelt haben. Doch als sie ihre kurze, traurige Geschichte beendet hatte, konnte sie wohl merken, daß die alte Dame entrüstet über das Verhalten ihrer Schwester war. „Ich werde noch heute meiner Schwester einen Brief schreiben und ihr sagen, daß ich Dich lieber an Kindesstatt annehmen will, da es mir scheint, daß Du bei ihr und ihren Töchtern niemals glücklich werden kannst. Auch soll sie uns sofort Deine Sachen schicken," sagte die Tante, als Melitta sich beruhigt hatte und sogar ein Lächeln um ihre Lippen bei der Aussicht spielte, daß ihr Leben sich jetzt angenehmer für sie gestalten werde. „Doch jetzt komm' mit mir, Elisabeth wird Dein Zimmer in Ordnung haben, Du mußt es Dir ansehen, ehe wir essen, Du mußt halb verhungert fein!" Es war ein Helles, freundliches Gemach, zwar altmodisch, aber bequem und geschmackvoll eingerichtet. Ein lustiges Feuer knisterte im Ofen, und im Vergleich mit der armseligen Kammer, die sie in den letzten Monaten benutzt hatte, schien dieses Zimmer fürstlich eingerichtet. Die alte Tante war ganz entzückt, sogar Elisabeth, die anfänglich den Gast als unwillkommenen Eindringling befrachtet hatte, war glücklich über die Dankesbezeugungen und mühte sich in kleinen Dienstleistungen. Erst spät gegen Abend erzählte die Tante von ihrem Freunde, dem alten Herrn Wellinghof, und schlug Melitta vor, ihm einige Stunden Gesellschaft zu leisten. „Du weißt, Melitta," fuhr sie in ihrem Gespräche fort, „daß Du mich anfänglich batest, Dir zu einer S ellung behülflich zu sein, um Dich in der Welt nützlich zu machen. Aber es war gleich meine Absicht, Dich bei mir zu behalten, und Du sollst Deine Zeit ausnutzen, wie Du willst. Doch jetzt, nachdem ich Dich gesehen habe, will ich Dich wie meine eigene Tochter halten, und nach meinem Tode erbst Du das Häuschen und mein ganzes Vermögen." „Wie gut bist Du," flüsterte Melitta dankbar, als sie die welke Hand an ihre Lippen drückte. „Aber gib mir nur Arbeit, damit ich Dir nicht zur Last bin. Ich will gern jeden Tag nach dem Rittergut gehen und für Herrn Wellinghof thun, was ich kann. Wirklich, ich thue es gern." „Ja, Du sollst es thun, selbst wenn Du mein eigenes .Kind wärst, solltest Du hingehen. Denn Herr Wellinghof ist alt, einsam und ein treuer Freund, dem ich gern sein ödes Leben erheitern möchte. Morgen wollen wir Beide zu ihm gehen, dann kannst Du mit ihm das Nähere besprechen. Wenn er Dir ein Gehalt anbietet, so nimm es, Du kannst es verwenden wie Du willst, denn was Du an Taschengeld oder für Deine Kleidung gebrauchst, dafür sorge ich. So, nun möchte ich Deine Stimme hören, Du spielst und singst doch gern?" Die alte Dame war eine enthusiastische Musikfreundin, sie verstand die Talente wohl zu beurtheilen und liebte alles Schöne und Harmonische. So hatte» denn auch wenige Tacte genügt, sie zu überzeuge,» daß Melitta in dieser Kunst weit vorangeschritten war, und als jetzt die volle, silberhelle Stimme durchs Zimmer hallte, rieb sie sich vergnügt die Hände und flüsterte leise: „Eine meiner Nichten wird vielleicht noch seine Gattin, und hoffentlich diese." Am nächsten Morgen ging Melitta mit der Tante den weiten Weg nach dem Edelhofs. Der alte Herr saß mit seinem Neffen in seinem Arbeitszimmer; er betrachtete die junge Dame aufmerksam, dann fragte er mit unverkennbarem Wohlwollen, das dem Alter so wohl ansteht, ob sie die junge Dame sei, die die Stelle als Privatsekretär in seinem Hause einnehmen wolle. „Ja, ich will gern alles thun, mir Ihre Zufriedenheit zu erwerben," versetzte Melitta bescheiden. „Ich las häufig meinem Vater vor und schrieb seine Briefe, bin also an eine solche Thätigkeit gewöhnt." „Gut, wir wollen es einrichten, mein Kind, nur fürchte ich, Sie werden nicht gern Ihre besten Stunden im Tage bei einem alten, verdrießlichen Kranken zubringen, wie ich einer bin. — Sie sind jung und schön; Sie sollten wie ein Schmetterling im Sonnenschein umherflattern." „Ich habe Zeit genug, mich des Sonnenscheins zu freuen", lautete die schnelle Entgegnung, „und jetzt erst kann ich anfangen, mich meines Lebens zu freuen; ich habe mich nie so glücklich gefühlt, wie jetzt bei meiner Taute." „Nun, das freut mich, und wenn Sie einen Son- nenblick in das Dasein eines einsamen Mannes bringen wollen, so sind Sie der größten Dankbarkeit sicher. — Kommen Sie täglich zu mir, ich gebe Ihnen ein Gehalt von tausend Mark; nein, nein, mein Kind, wehren Sie nicht ab", als Melittas Antlitz Ueberraschung und Freude ausdrückte, „ich habe mehr Geld, wie ich gebrauchen kann, und wenn Ihre Tante es für zu wenig hält, gut, dann verdoppeln wir die Summe, das ist einfach genug." Diese Unterhaltung wurde im leisen Flüsterton geführt, während sich die Tant^ mit dem jungen Offizier im eifrigen Gespräch über die Veränderungen im Regiment und über die Aussichten über Krieg und Frieden befand. Doch jetzt, als die wichtige Unterhaltung beendet war, winkte der alte Herr seinen Neffen zu sich und bat ihn, Melitta zu unterhalten, da er mit seiner Freundin zu reden habe. WaS würde jetzt wohl Fran von Reinberg gesagt haben, wenn sie gewußt hätte, daß Melitta jetzt im großen Hause umhergeführt wurde, in dem Cecilie so gerne Herrin geworden wäre! Der Offizier führte sie in die Bildergallerie, zeigte und erklärte die seltsamen Gemälde und erzählte die Legende, die sich daran knüpfte, dann in den Ahnensaal und zuletzt in das Treibhaus, und mit Blumen reich beschenkt kehrte sie zu ihrer Tante zurück. Melitta hatte in ihrem Leben bis jetzt nur sehr wenig Aufmerksamkeiten erfahren. Die Freunde ihres Vaters hatten sie wie ein hübsches Kind, Reinbergs sie wie eine Untergebene behandelt. Dieses war heute der erste wirklich glückliche Tag ihres Lebens, und sie war ganz traurig, als die Tante sich zur Heimkehr rüstete, und, wichtige Briefe zu schreiben vorschiebend, die Einladung zum Mittagessen anSschlug. 628 So waren Wochen vergangen; der Frühling mit seiner glänzenden Blüthenpracht, war noch nie so herrlich erschienen, wie in diesem Jahre, und der Herr Oberst, der seinen alten Onkel häufiger denn früher besuchte, bemerkte mit Stolz und Freude, daß Melitta sich zur vollkommenen Schönheit entwickelte, wie eine Blume im Sonnenschein. Die Tante hatte nur einmal einen kurzen, sehr unfreundlichen Brief von ihrer Schwester erhalten. Am Schlüsse derselben schrieb sie: „Hoffentlich bereust Du nicht, das heuchlerische und „undankbare Geschöpf in Deinem Hause aufgenommen „zu haben. Sie ist so hinterlistig und falsch, daß ich „bedauere, sie in meinem Hause mit meinen unschuldigen „Töchtern vereint aufgenommen zu haben. Erwähne „ihren Namen nicht mehr in Deinem Briefe." Die alte Dame runzelte mißmuthig die Stirn, dann zerriß sie den Brief, ohne ihn ihrem Schützling zu zeigen oder von dem Inhalt zu sprechen. Melitta war ja glücklich; sie schien die schweren Monate wie einen bösen Traum vergessen zu haben. Auch der alte Wellinghof hatte alle Ursache, sich über den Wechsel in seinem einsamen Leben zu freuen. „Sie soll Richard Heimchen," dachte er oft bei sich selbst, sich vergnüglich die Hände reibend, „dann habe ich sie immer bei mir; sie ist der Sonnenschein meines Hauses." Aber so oft und viel er auch Melitta von seinem Neffe» erzählte, sie schien kein Interesse für ihn zu haben, und selbst als er dem Neffen einst anvertraute, daß es ihm gelungen sei, eine paffende Gattin für ihn zu finden, schüttelte der junge Mann unwillig sein Haupt mit der Versicherung, daß nur er allein sich die Gattin wählen würde. „Du irrst Dich, Richard," rief der Onkel erschreckt, „ich vertrete Vaterstelle an Dir und als solcher steht es mir zu, für Deine Zukunft zu sorgen. Fräulein Lydia hat noch viele Nichten-" „Ich werde nie eine derselben heirathen, verlaß Dich darauf," lautete die eilige Antwort, dann verließ er raschen Schrittes das Zimmer, den alten Herrn erstaunt und ärgerlich zurücklassend. * H * „Haben sie kürzlich unsere Cousine Melitta gesehen, wie geht es ihr?" „Ja, ich sehe sie häufig, auch noch vor einigen Tagen, als ich in Helmstedt war." Monate waren vergangen, der Herbst mit seinen goldenen Aehren, den reichen Früchten und den buntfarbigen Blättern war ins Land gezogen. In der kleinen Garnisonstadt herrschte ungewöhnliches Leben und Treiben, denn das Gerücht von der Versetzung des Regiments nach einer entlegenen größeren Stadt war im Umlauf und hatte sich mit Windesschnelle verbreitet. Ob das Gerücht auf Wahrheit beruhte oder nicht, wußte man nicht; aber ein Jeder bemühte sich, den gern gesehenen Offizieren zum Abschied noch alle erdenkliche Ehre zu erweisen. Natürlich nahm auch jetzt Frau von Neinberg mit ihren Töchtern an jener Festlichkeit theil, und Cecilie war fest entschlossen, endlich den Preis zu gewinnen, den sie leichtfertig vor vielen Monaten selbst verscherzt hatte. Sie ließ keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen, den Oberst in der Unterhaltung zu fesseln, und da sie zu ihrem Aerger bemerkt hatte, daß er häufiger denn jemals nach Helmstedt fuhr, hatte sie die obige Frage an ihn gerichtet. Bitter bereuten Mutter und Töchter, durch allzu schroffe Behandlung Melitta vertrieben zu haben, die jetzt Aufnahme in Helmstedt gefunden und daher häufig Gelegenheit zum Verkehr mit dem alten Oheim und dem jungen Offizier hatte. „Wir haben gar nicht daran gedacht, daß der alte Wellinghof ganz in der Nähe von Helmstedt wohnt, und daß er Tante Lydia's Freund ist," dachten sie oft in leidenschaftlicher Erregung. „Es wäre uns doch nur eine Kleinigkeit gewesen, dorthin zu reisen und die Gunst des alten Mannes für uns zu gewinnen. Tante Lydia schrieb uns früher, daß sie sich über den Verkehr des jungen Neffen in unserm Hause freute, und daß sie hoffte, er würde eine von uns als Gattin heimführen! Und nun zerstört Melitta unsere schönsten Hoffnungen!" So lauteten die beständigen Klagen der Schwestern, eine gab der anderen die Schuld, zur Flucht der armen Melitta beigetragen zu haben, und die Streitigkeiten darüber wurden täglich heftiger und anhaltender. Sie wußten, daß der Oberst keine Gelegenheit unbenutzt vorüber gehen ließ, nach Helmstedt zu reisen, und schien bei seiner Rückkehr so glücklich und heiter zu sein, als verlebte er nie vergnügtere Stunden, wie gerade dort. Aber Cecilie von Reinberg wollte nicht ohne einen letzten Versuch jede Hoffnung schwinden lassen. Sie war fest entschlossen, als Herrin auf dem großen Gute zu schalten, und ungeachtet Edith's Warnungen, sich der Lächerlichkeit nicht auszusetzen, kleidete sie sich zu der bevorstehenden Festlichkeit mit der größten Sorgfalt, um einen letzten Angriff auf das Herz ihres Geliebten zu machen. „Wir haben seit langer Zeit nichts von meiner Tante in Helmstedt gehört", begann sie nach einer längeren Pause, als beide während eines Gartenkonzertes in einer schattigen Allee ein stilles Plätzchen gesucht und gefunden hatten, „aber dennoch sind wir mit allen Neuigkeiten vertraut, die sich dort zutragen. Es muß sehr angenehm für Ihren Onkel sein, Melitta beständig um sich zu haben, aber es ist hart für Sie, da Sie doch wissen, wie viel Sie dabei verlieren." „Was bedeuten Ihre Worte," rief der Offizier unwillig, „ich verstehe nicht, was Sie meinen, Fräulein von Neinberg." „Oh l — nun — ich würde ja nichts gesagt haben," Cecilie heuchelte ein ganz verlegenes Gesicht, „aber ich glaubte, es sei Ihnen gar kein Geheimniß, daß Melitta mit der Absicht umginge, den alten Herrn zu heirathen. — Tante Lydia wünscht es ebenfalls, sie spielte in ihrem ganzen Briefe darauf an. — Meine Cousine Melitta ist ein Glückskind — wenigstens hält sie sich selbst dafür. Was mich anbetrifft, so denke ich anders; ich könnte niemals einen Mann heirathen, der alt genug wäre, um mein Großvater zu sein, selbst wenn er ein Millionär wäre. Aber so viele Mädchen denken nur an Gold und Reichthum." Cecilie machte bei diesen Worten ein so unschuldiges, harmloses Gesicht, daß der Offizier ihr Glauben schenkte. Er hielt die Leute für so offen und ehrlich, wie er es selbst war, und der Gedanke lag ihm fern, 629 daß seine Begleiterin nur seinen Verdacht erregen und ihre eigenen Zwecke verfolgen wollte. Melitta wollte seinen alten Onkel heirathenl Dieser Gedanke schien ihm fast lächerlich, unerhört; aber dennoch — —" „Darf ich wissen," fragte er sarkastisch, „ob die Verlobung zwischen ihm und Fräulein Melitta schon eine öffentliche ist? Sie scheinen doch so gut und genau in die Verhältnisse meines Onkels eingeweiht zu fein." „Oh, denken Sie nicht, daß es nur ein leeres Geschwätz ist; ich würde es Ihnen nicht gesagt haben, wenn ich es nicht mit Bestimmtheit wüßte. Wie konnte ich auch nur ahnen, daß Sie noch nichts davon gehört hatten; Sie sind doch so häufig dort und gehören zu den nächsten Verwandten, dies muß also eine ganz unerwartete Nachricht sein. „Ganz recht. Die nächsten Verwandten sind oft die letzten, die Familien-Neuigketten hören. Beantworten Sie mir aber meine erste Frage; ist die Verlobung schon öffentlich?" Cecilte schlug verwirrt die Augen zu Boden; sie war zu wett gegangen und bereute ihre vorschnellen Worte. „Ich-ich habe noch nicht davon gehört," stammelte sie verlegen, „wir hörten nur von der Verlobung und daß die Hochzeit bald folgen werde." „Ah! nun, es war mir wirklich eine interessante Neuigkeit. Mag mein guter Onkel heirathen wann und wenn er will, er geht mir dann mit einem guten Beispiel voran. „Wollen Sie denn auch heirathen?" Cecilie sah ihn bei diesen Worten mit herzgewinnender Lieblichkeit an und lehnte sich fester auf seinen Arm. „Wahrscheinlich!" „Oh, wie schade! gerade jetzt wenn das Regiment versetzt wird. Es muß entsetzlich hart für das Mädchen sein, allein als Braut hier zurückzubleiben." „Für welches Mädchen?" fragte der Oberst erstaunt. „Natürlich für das glückliche Mädchen, daS Sie zu heirathen gedenken. Weiß sie denn noch nichts von der Versetzung des Regimentes?" „Die Dame, die ich mir als zukünftige Gattin auserkoren habe, wohnt gar nicht hier in der Stadt", erwiederte er mit fester Entschiedenheit, und an dem eisigen Ton seiner Stimme merkte Cecilie, daß auch für sie die letzte Hoffnung geschwunden sei. „Aber er soll doch wenigstens Melitta nicht heirathen; das ist mir schon ein Trost," dachte sie bei sich selbst, dann erhob sie sich von ihrem Sitze und fugte laut hinzu: „Lassen Sie uns zu der Gesellschaft zurückkehren: man wird uns vermissen." (Schluß folgt.) -- Goldkörner. So wie die Flamme des Lichtes, auch wenn umgewendet, nach auswärts strebt, Ebenso ringt das Gute, wenn auch vom Unglück tkf gebeugt, doch immer empor. Es sprechen, die da sind begraben, Zum Greise also, wie zum Knaben: „Was Ihr da seid, das waren wir; Was wir nun sind, das werdet Jhrl" Eine Entführung aus Augsburg 1748. (Schluß.) „Nachdem ich — gab Jordan an — mit dem Amtsdiener vor des Herrn von Langenmantel Behausung, wo eine Kutsche mit drei Pferden stand, gekommen war, rief man mich in die Schreibstube, und Seine Gnaden fragte nur, wie ich heiße. Ich nannte den Namen und bat gehorsamst um Auskunft, was man mit mir vorhabe. Der Herr Bürgermeister entgegnete, er habe damit nichts zu schaffen, ich werde alles in Landsberg hören, wohin auf Anordnung des Landrichters ich jetzt gebracht werde. Darüber erschrak ich so sehr, daß ich nimmer weiß, wie ich in die Kutsche kam und der Felix neben mir saß. Wir fuhren durch das Stefingerthor, und beim rothen Eisenhammer (gegenüber dem Blatternwall) stieg der Amtsdiener aus, und des Burggrafen Schreiber Aymont, mit einer Flinte bewaffnet, nahm seinen Platz ein. Ungeachtet der Fuhrmann die Pferde so antrieb, als wollte er sie umbringen, sah ich doch am Vogelthor die Schloffertn Volk, der ich rief: „sag' sie's meiner Frau", aber der Schreiber hielt mir das Maul zu und drohte Feuer zu geben, wenn ich nochmals schreie. So kamen wir an den „Stadel" auf dem Lechfeld, und dort erwarteten uns die Landsberger Schergen und einige Bauern mit Stecken, aber der Stadelwirth duldete nicht, daß sie auf ihren Karren mich setzten, denn wir seien noch auf augsbur- gischer Jurisdiction. Der Schreiber führte mich deßhalb an den Grenzstein, und ich mußte jetzt den Wagen besteigen. Ein Fuß wurde an denselben gekettet, die Henkersknechte hielten meine Arme, und wir fuhren ab; der Schreiber folgte uns in der Kutsche. Wie wir Landsberg erreichten, lief die halbe Stadt zusammen, um mich als die ärgste Verbrecherin zu sehen. Man legte mich in den Thurm, und nach 8 Tagen sprach mich der Landrichter zum ersten Male an, indem er verlangte, ich solle gestehen, daß ich von meinem Glauben abfallen wolle und noch 14 katholische Weiber dazu verleite, was ich jedoch als eine schändliche Lüge erklärte. Nach einer Woche übergab man mich dem Eisenvater, bei dem ich eingesperrt bis zum letzten September blieb. An diesem Tage kam ich zum zweiten Mal vor den Landrichter, und nachdem ich ihm die geforderten 18 fl. hinterlegt hatte, gab er mir diese zwei Schreiben mit den Worten, ich könne jetzt fortgehen, wohin ich wolle." Das eine Schriftstück, aus dem churfürstlichen Hofrathe an das Landgericht Landsberg gerichtet, lautete: „Max Joseph. Wir haben Deinen Weegen der bei dem Dir gnädigst anvertrauten Landgericht iu xuueto 8U8p6ota.6 f?6rv6i'8ioni8 (Verleitung) inhaftirten Katharina Jordanin 8ud äato 9. xra,68. 14. August abhin unter- thänigst erstatteten Bericht samt denen Beilagen empfangen und Uns hierüber im gesehenen Rath umständig xropo- niren lassen. Bevelchen Dir hierauf gndgst., die zur Verhaft genommene Jordanin sogleich ohnentgeldltch des Ver- haffts zu entlaßen, doch aber derselben den Vortrag zu machen, daß sie sich längstens bis künftig Lichtmeß in einen kath. Dienst begeben oder bei solchen ihre ander- wärtige Versorgung suchen solle, welches Dir dieselbe auch ordentlich anzugeloben hat. Du aber wirst von solch Unser gndgsten. Resolution Unserm Religions Agenten in Augsburg Nachricht geben, anbei auch die possierlichen Unkosten behörigen Orts verrechnen. München, 20. Septb. 1748." Das zweite Schreiben liquidirt die Auslagen des Edlen von Behr gurr Nel.-Agenten: t-*-I 630 „für den eigens abgeschickten NauäLlariuva Philipp Ignatz d'Aymont zwei Reisen und Bemühungen 3 fl. — kr., wobei demselben wegen glücklicher der Sache Verrichtung und Ausgang zu einem weiteren äoussrir als zumalen einem armen Convertiten, welcher kaum mit seiner Instruktion der französischen Sprache eine tägliche Kost vielmehr ein konsttss Kleid den Winter anschaffen kann 1 st. 30 kr., für dkk Fuhrmann Rauschmayer mit 3Pferden 4 fl. 30 kr., für Amtsbemühung in tali easu extra- orclinario 3 fl. 50 kr. 12 fl. 50 kr., wozu noch die bürgermeisteramtlichen Gebühren zu schlagen sind.« Diese Akten übergab Bürgermeister Herwart am 2. Oktober mit einem Anheimstellungsberichte, dessen heftige, unfreundlich collegialische Sprache befremdete. „Helene Lottcrin — schreibt er — hat vor etlichen Monaten klagbar angezeigt, welcher Gestalt ihre Dienstmagd unverhört mit Gewalt zur Stadt hinaus entführt worden sei. Aus den Beilagen belieben Ew. Herrlichkeit und Großgünstige zu ersehen, wie es diesem Mensch ergangen ist. Das Kurfürstlich bayerische Lorlxtum gibt selbst zu erkennen, daß sie blos in Verdacht gerathen, als ob sie zu der evangcl. Religion übertreten wollen. Ob aber dieses ein Verbrechen gewest wäre, welchem zu begegnen man also hinterlistig und so äußerst gewaltthätig zu Werke gehen dürfe und wohin es in kurzem kommen werde, wenn ein solches nur den spanischen Jnguisitionsregeln gemäßes Verfahren erlaubt wäre, wodurch die allgemeinen Reichs- als hiesige paritätische Grundgesetze gänzlich verachtet und schnöder Weise gebrochen werden, stelle ich Ew. Ew. anheim.« Bürgermeister von Langenmantel, alsbald von dem unterrichtet, was auf dem Nathhause gegen ihn sich vorbereitete, beeilte sich jetzt, den Senats-Auftrag vom 30. Juli, über die Klage der Buchhändlerin Lotter sich zu äußern, zu erledigen, und er führte aus: „Burggraf von Behr besuchte mich am Annatag Abends und unter Berufung auf das mir vorgelegte Schreiben des Landrichters Josef Ignatz Mändl in Landsberg ging er mich an, die hiesige Dienstmagd Jordanin, eine churbayerische Unterthanin, morgen ob psrioulum in mors. nach Landsberg führen zu lassen, maßen alle Anstalten dazu schon getroffen seien. Ich hatte demnach nicht so viel Zeit übrig, wegen eines äslioti die legale Erkundigung einzuziehen, sondern mußte, um nichts anstößiges gegen churfürstliche Nachbarschaft zu begehen, dem Antrage äekorirsn. Später stellte sich allerdings heraus, daß Edler von Behr vermöge seiner unbegründeten äsnunoiation wie den Landrichter, so auch mich schändlicherweis hintergangen hatte, und ich werde äata osoasions gar nicht ermangeln, den gespielten Betrug ihm empfindlich zu machen, aber die bedauerlich rsgnirirte Ablieferung der Person kann mir nicht zur Last gelegt werden." Die Freiheit hatte Katharina Jordan zwar erlangt, allein aus den spitzigen Reden der Leute blieb ihr nicht verborgen, daß ihrem guten Rufe ein Makel anklebe, sagte man ihr doch in's Gesicht: „den Schimpf werde sie ihrer Lebtag nimmer los«. Und die bösen Zungen machten sich auch an ihren Bräutigam, den katholischen Färbermeister Paul Heichele, der schon vor dem Unglück sie zur Ehe begehrte, denn sein Zunftgenosse Kohlbauer warf ihm. weil für das Handwerk schädlich, vor, wie er ein Mensch heirathen möge, das unter den Schergen gestanden sei. So sahen die beiden Personen sich genöthigt, nochmals den Rath um ein attssiutuoa ivnosontias (Unschulds- zeugniß) xsr Lsorstuva zu bitten und zugleich ihnen zum Rückersatz der abgenommenen 18 fl. zu verhelfen. Es mußte jetzt etwas geschehen, doch glaubten die hohen Herren, von einer Vernehmung aller Betheiligten nicht absehen zu sollen. Die bezügliche Anordnung des Senats vom 12. November vollzogen andern Tags die Bürgermeister Herwart und Zimmermann, ohne daß dadurch wesentlich Neues gewonnen wurde. Begreiflicher Weise bestritt Peter Ph. Jg. Karl d'Aymont aus Frei- bnrg in der Schweiz, Schreiber auf der bischöflichen Kanzlei des Burggrafen, daß er der Jordan den Mund verstopft und sie geängstigt habe, er werde schießen, er habe sogar das Anlegen der Schellen und Anschmieden an den Wagen den Bütteln verwehrt, woran sie sich jedoch unter Berufung aus einen landgerichtlichen Befehl nicht kehrten, und schließlich fragte er spöttisch, ob man von einem mit der Umgegend der Stadt nicht vertrauten Manne erwarte, er wisse genau die bayerische Grenze. Dagegen verbreiteten die Angaben des Färbers Heichele einiges Licht über die durch den Burggrafen ohne Wissen seiner Vorgesetzten eingeleitete Verhaftung der Magd und über die günstige Wendung des Prozesses in München. „Als ich mich über das Schicksal meiner Verlobten bei dem Herrn von Behr erkundigte, — sagte Heichele — so zankte er mich wie einen Buben, was ich mir nicht gefallen lassen konnte. Ich beschwerte mich deßhalb bei Seiner Gnaden dem Herrn Kanzleipräsidenten und Dom- eapiiular Baron von Bettendorf, der ihm in meiner Gegenwart wegen verübter Ungerechtigkeit einen derben Verweis gab und noch sagte, er hätte gute Lust, ihn gar abzusetzen. Dann rieth er mir, eine Bittschrift an den Kurfürstlichen Hofrath aufsetzen zu lassen und dieselbe ihm zu bringen, er wolle sie mit einem guten Wort nach München schicken.« Daß diese Verwendung von gutem Erfolge sein werde, war vorauszusehen, dennLi-anoiLeusllokarmssVVrllisImug lidsr Laro äs Lsttsnäori war nicht nur Oanonious Oaxitularig, sondern auch Lsrsnissimi Lleotoris Lavarias Oonsiliarius Intimus aotualis Oonsilii Lo- olssiastioi Lraesss, und als solchem mußte die thörichte Handlung des ihm unterstellten Religions - Agenten für Seine Churfürstliche Durchlaucht von Bayern sehr unangenehm gewesen sein. Gleichzeitig kam das Protokoll und eine geharnischte, für die Unabhängigkeit der Reichsstadt nicht schmeichelhafte Protestation des Herrn von Langenmantel zu Handen des Magistrats. Der in seiner Ehre gekränkt sich fühlende Patrizier gab seinem Unmuthe ungeschminkten Ausdruck. „Obgleich ich noch ohne Oeoretuua ö saucsllaria bin, so höre ich, daß meine amtliche Thätigkeit mit einer spanischen Inquisition olauäioants similituäius verglichen werde. Wenn mich eine fünfjährige Amtsführung vor einem so unerhörten Vorwurf nicht schützt, so begreife ich auch die gegen mich getroffene, unlängst beliebte Maßregel, daß ich vor der Abstimmung abzutreten hatte. Aber ich beharre darauf, nicht das Geschwätz des Burggrafen, sondern die in Form Rechtens gestellte Requisition des Landrichters veranlaßte meine angefochtene Handlung und ich frage, wenn Churbayern seine Unterthanen auch ohne vorhergegangenes Lslivb simxliviter zurückberuft und 631 ihre Lxtraäition beansprucht, ob Augsburg im Stande wäre, dagegen zu sein? Würden daher die Herwartschen imxutatiL nicht zurückgewiesen, so bin ich neaessitirt sä salvancka st tuonäa zürn kartis oatstolieas mit eben demjenigen Eifer bet Gelegenheit zu verfahren, mit welchem auf der anderen Seite bei bekannten Vorgängen ohne Rücksicht auf die hiesige paritätische Verfassung der Anfang und die Bahn gemacht worden ist. Entschieden verwahre ich mich dahero durch die Unbesonnenheit des Edlen von Behr oder wegen der Brutalität dessen besoldeten Subjectes in eine schiefe Lage gerückt zu werden." Besänftigend wirkte die Erklärung des Bürgermeisters Herwart, es sei von ihm nicht beabsichtigt gewesen, den Herrn von Langenmantel zu beleidigen, dessen sehr rühmliche Eigenschaften er hochachte und dessen Freundschaft ihm allzeit höchst schätzbar gewesen. Demungeochtet vermochten die Nathsconsulenten ihr Gutachten in keine müdere Form zu kleiden. „Es mußte—setzten sie voraus — dem Bürgermeister der blinde Neligionseifer und die zu übereilten Urtheilen geneigte Gemüthsart des Burggrafen bekannt sein, daher das Mißfallen über den Amtsmißbrauch sowohl in Ansehung der gehinderten freien Religionsänderung, als fürnehmlich in Betracht der verfügten Auslieferung, ohne darüber bei dem Magistrate anzufragen, sich nicht unterdrücken lasse." Endlich am 19. Dezember 1748 erging in8snatn das vaoretum: 1. Dem Herrn Bürgermeister v. Langenmantel das Mißfallen, wie beantragt worden, auszu- sprechen. 2. Der Katharina Jordan, nunmehr» verehelichten Heichelin, nicht nur von gemeiner Stadtkanzlei ein öffentliches aitestatum iimooovtias bei ihrer kündbaren Unschuld ertheilen, sondern auch inseriren zu lassen, daß ihr niemand, wer er auch sein möge, bei 10 Nthl. Straf keinen Vorwurf mache, sondern sie aller Orten und Enden als eine unverleumnudete ehrliche Person angesehen und geachtet werde. 3. Wegen der ihr in Landsberg abgenommenen 18 st. wird K. Jordan alias Heichelin an den dortigen Landrichter und an den Burggrafen von Behr verwiesen, und Letzterer soll durch das Bürgermeisteramt, das er so schändlich hintergangcn, dazu angehalten werden. 4. Wegen des rc. Behr in dieser ganzen Sache bewießenen Schäbigen und friedensstörischen Ausführung, auch übrigen intoleranten Betragens sowohl an den durchlauchtigen Churfürsten von Bayern, als auch an Seine Hochfürstliche Gnaden den Bischof Joseph in Augsburg ein nachdrückliches Beschwerungsschreiben zu erlaßen und bei dem Hofrath in München höchsten Orts um Abschaffung des rc. Behr von der Neligious-Agentie unterthünigstes Ansuchen zu stellen. 5. Dem Schreiber Aymont die unverantwortliche Violation des allhiesigen tsrritorii zu verweisen und 2 Tage lang in das Gewölble ihn zu legen. Mit der bürgermeisteramtlichen Anzeige vom 6. Jan. 1749, daß der am Perlach ergriffene renitente Aymont die Strafe abgesessen habe, schließen die Akten. --SS2--S--S-"- DeS Himmels Walten. Erzählt von M. Dursch. lNachLrm! verbot!».) Die Winternacht zog herauf, stürmisch und kalt. Noch immer wogten die schweren, feuchten Schleier vom Himmel, noch immer senkten sich die weißen Flocken lautlos zur Erde. Sie schienen nicht eher ruhen zu wollen, als bis sie dem einsamen Reiter und seinem Rosse ein weiches lindes Grab bereitet hätten. Jeder Pfad war verschneit, jeder Weg verdeckt von flimmerndem Schnee. Selbst die Landstraße verlor sich spurlos in der weiten, weißen Ebene. Verzweifelt spähte der Reiter durch die Nacht: da. tauchte plötzlich dicht vor ihm ein schimmerndes Licht auf. Durch das Fenster einer Schenke strahlend, winkte es traulich zur Einkehr. Der Reiter stieg vom Rosse und pochte kräftig an das verschlossene Thor. Wüthendes Hundegebell ertönte, dann kamen schlürfende Schritte, Schlüssel knarrten und das Thor wurde vorsichtig geöffnet. Ein großer, weißbärtiger Mann erschien; er hielt eine Laterne, deren Schein in breiten Strahlen auf den Schnee der Landstraße und die wirbelnden Flocken fiel. Mürrisch fragte er nach dem Begehren des Fremden. „Ein kräftiger Imbiß," war die Antwort, „und ein warmes Lager für Wich und meinen Gaul — das ist Alles, um was ich Euch bitte." Der weißbärtige Alte schien zu überlegen; prüfend erhob er die Laterne und leuchtete dem Ankömmling in's Gesicht. Dann forderte er ihn auf, ihm zu folgen, und ging voraus in die Schenkstube. Hier lagen auf dicken, kostbaren Teppichen zwei jüngere Männer, durch die auffallende Ähnlichkeit ihrer Gesichtsbildung mit der des Wirthes sofort als seine Söhne erkennbar. Sie begrüßten zwar den Gast zuvorkommend und höflich, aber ihr Benehmen hatte etwas Unerklärliches, Verstecktes an sich, und in ihren Augen lag derselbe lauernde Ausdruck wie in denen des Alten. Der Fremde war unangenehm berührt von dieser Beobachtung, und er hatte das Gefühl, die Drei könnten, ohne sich zu besinnen, ihrem Neben- menschen das Lebenslicht ausblasen. Sonderbar erschien es ihm auch, daß in einer gewöhnlichen Schenke so kostbare Teppiche vorhanden waren. Allein er befreite sich rasch von seinen — wie er meinte — grundlosen Befürchtungen. Er ließ sich vom Wirthe den nassen Mantel abnehmen und setzte sich in die behagliche Wärme des OfenS. Bald wurde Wein, Schinken und Hausbrod aufgetragen, und der Gast ließ sich Alles vortrefflich munden. Inzwischen führte der Wirth das Roß in den Stall und fütterte es; Zaum und Sattelzeug aber hängte er in der Stube auf. Dann nahm er mit heuchlerischer Freundlichkeit bei seinem Gaste Platz, um von Diesem und Jenem zu plaudern. „Ihr seid gewiß ein Kaufherr," fragte er im Laufe des Gespräches, „und wollt den Jahrmarkt in der nahen Stadt besuchen?" Der Angeredete nickte. „Ader wie gefährlich ist es doch, so allein, ohne Begleiter, durch Nacht und Nebel zu ziehen! Wie leicht könntet Ihr des vielen Geldes beraubt werden," meinte der Wirth. Dabei blinzelte er verstohlen auf den gefüllten Ledergurt des Kaufherrn. — Lächelnd entgegnete dieser: „Gegen eine solche Gefahr bin ich hinreichend geschützt. Ein Paar kräftige Fäuste, ein gutes Roß und eine ausgezeichnete Pistole, das sind sichere Helfer, die mir schon manchen Dienst erwiesen." Zufällig sah er dabei von der Mahlzeit empor und bemerkte, wie der Alte mit einem seltsamen Blick die Aufmerksamkeit seiner Söhne auf den Geldgurt lenkte und wie ein leises Kopfnicken die Erwiderung war. Von neuem erwachte sein Argwohn, und ein fürchterlicher Gedanke durchzuckte sein Gehirn. Unwillkürlich griff er nach seiner Pistole, aber rasch überlegend ließ er sie stecken und that, als ob er von Allem nichts bemerkt hätte. Der Wirth geleitete ihn auf sein Zimmer, das eine Stiege höher lag und nur ein einziges Fenster nach dem Hofe besaß. Er 632 wünschte »gute Nacht" und entfernte sich. Bald darauf wurde daS Licht in der Schenkstube gelöscht, im ganzen Hause war e8 dunkel und Alles schien zur Ruhe gegangen. Der Kaufherr beschloß, auf seiner Hut zu sein. Leise wollte er den Riegel vor die Thüre schieben, aber zu seinem Aerger vermochte er gar keinen zu finden, so viel er auch im Dunkeln umhertastete. Noch größer wurde sein Mißmuth, als er nach der Pistole langte und entdeckte, daß er sie unten habe liegen lassen. Mit vorsichtigen Schritten ging er daher die Stiege hinab, bis er plötzlich durch ein Paar glotzender Augen und ein dumpfes, drohendes Knurren wieder angehalten wurde. Zugleich vernahm er unterdrückte, halblaute Stimmen. Er blieb stehen und lauschte. DaS Blut wogte ihm in heißen Wellen zum Herzen, bei dem, was er vernahm. „Seine Pistole hat er drunten auf der Bank liegen lassen," sagte der Alte. „Es ist also nicht die mindeste Gefahr vorhanden, und Alles geht so glatt und sicher wie sonst. Ich schleiche mich an sein Bett und schlage ihm mit der Axt deu Schädel ein. Indessen grabt Ihr im Hofe ein großes Loch; wenn ich fertig bin, pfeife ich leise und werfe ihn durch das Fenster hinab. Ihr verscharrt ihn dann mitsammt den Kleidern — wir behalten nichts als das Geld — und macht die Grube rasch wieder zu, damit wir nicht überrascht werden." — „Wir werden das Unselige thun," war die Antwort, „sorge Du nur, daß jeder Lärm vermieden wird." Die Flüsternden erhoben sich, und Jener, dem ein gräßlicher Tod so nahe schien, schlich in sein Zimmer zurück. Er befand sich in einer unbeschreiblichen Aufregung, sah er sich doch wehrlos in die Hände dieser Mordgesellen gegeben. „Hätte ich nur irgend eine Waffe bei mir," dachte er, „damit ich mich wenigstens gegen die Uebermacht vertheidigen könnte! Oder soll ich es dennoch wagen? Allerdings — Einer gegen Drei — aber ich habe ja schon manchen Strauß glücklich bestanden. Doch nein, wenn es mir auch den Menschen gegenüber gelänge, freien Weg zu schaffen — die Hunde würden mich in Stücke zerreißen, bevor ich einen Arm gegen sie erheben könnte!" Er verfiel in düsteres Sinnen. Fern von der Heimath sollte er also auf so elende Weise um sein Leben kommen, spurlos verschollen sollte er sein für Gattin, Kinder und Eltern, deren einzige Stütze er war! Mit Anstrengung suchte er nach einer Möglichkeit der Rettung. Endlich war sein Plan gefaßt. Er selbst bebte zwar vor dem Grauenvollen, allein es gab keinen andern Weg, dem fürchterlich drohenden Schicksal zu entgehen. »Himmlischer, verzeihe mir," betete er, „Du weißt, daß mir nichts anderes Möglich ist!" — Entschlossen stellte er sich neben der Thüre auf und wartete. Eine, zwei Stunden vergingen und Alles blieb todten- still. Nur draußen tobte der Schncesturw, und die Bäume ächzten unter seiner Last gleich Sterbenden. Immer schwärzer wurde der Himmel, immer fester ballte sich das Gewölke, immer dichtere Schneewehen jagten zur Erde. Da — es mochte um Mitternacht sein — ließen sich plötzlich gedämpfte Schritte und ein flüchtiges Knacken der Treppenstufen hören. Die Schritte kamen langsam näher. Der Kaufherr hielt, um seine Stellung nicht zu verrathen, den Athem an. Nun tastet es an der Thürklinke, und nun schleicht es leise über die Schwelle. Näher und näher bewegt es sich gegen das Lager — jetzt ein vorsichtiges Tasten auf der Bettdecke — da — ein dumpfer, gurgelnder Laut — ein schwerer Fall, und Alles ist wieder grabeSstill. Leblos, erdrosselt von nervigen Händen, liegt der Verbrecher am Boden. Nun aber gilt es rasch zu handeln, das grauenhafte Werk entschlossen zu vollenden, wenn die Rettung gelingen soll. Hastig kleidet der Kaufherr den entseelten Körper in sein eigenes Lederwams, hebt ihn auf das Fenster und läßt einen leisen Pfiff ertönen. Sofort wurde von unten auf gleiche Weise geantwortet, der Todte fällt in den Hof hinab, vier Hände ergreifen ihn, werfen ihn in eine Grube und schaufeln die Erde wieder darüber. Als der Kaufherr sich von dem Gelingen der Täuschung versichert hatte, eilte er in die Schenkstube, öffnete leise ein Fenster und schwang sich auf die Landstraße hinaus. Es war höchste Zeit, denn schon leuchteten durch das Dunkel die glühenden Augen zweier Rüden, die vorn Hofe aus seine Anwesenheit wahrgenommen hatten. Auf eine wilde, stürmische Nacht folgte ein ruhiger, klarer Morgen. Als die kalte Wintersonne heraufstieg, beleuchtete sie einen Trupp Soldaten, deren Helme und Waffen ihre Strahlen blitzend zurückwarfen. Es waren die Schergen der nahen Stadt, unter Führung des geretteten Kaufherrn nach der Schenke abgesandt. „Wo ist denn Euer Vater?" fragte der Hauptmann die beiden Missethäter, die beim Anblick des todtgeglaubten GasteS gleichsam zu Stein erstarrten. „Wir wissen es nicht," stammelten sie endlich, „er ist noch nicht herabgekommen, er muß noch schlafen." — „Wahrscheinlich," spottete der Hauptmann, „es ist auch gar nicht zu verwundern, wenn er einen so festen Schlaf hat. Nun, wir wollen Euch zeigen, wo Euer Vater ist. Schaufelt einmal die Erde aus dieser Grube, aber rasch!" Zitternd gehorchten die Unseligen. Endlich zeigte sich die Leiche des alten Wirthes mit verzerrtem, blutunterlaufenem Antlitz. — „Seht Ihr nun, Ihr Mordbuben, wo Euer Vater ist?" rief jetzt flammenden Auges der Hauptmann. „Ihn hat das Gericht ereilt, und bevor die Sonne sich neigt, werdet auch Ihr Euren Lohn empfangen!" „Erbarmen, Erbarmen!" winselten die Elenden, während sie auf die Kniee fielen. Kräftige Fäuste rissen sie empor, schnürten ihre Hände zusammen; die Soldaten nahmen sie in ihre Mitte, und eilig bewegte sich der traurige Zug nach der Stadt. Die Wintersonne leuchtete über Thal und Höhen, so strahlend, so herrlich — den Tag verschönend, der endlich eine Reihe grauenvoller Verbrechen sühnte. — Kreuz- und Auer-KäMt. 1 2 verdirbt so manche Speise, In allen 3 4 zeig' dich weise, 1 4- beherrscht dich als Despot, 2 4 bringt Wunden oder Tod. 8 2 umschließet Geld und Tand, S 1 ein Thier im fremden Land. Auflösung des Buchstaben-RSthsels in Nr. 79: Salm. — Salomo. Auflösung des Bilder-Näthsels in Nr. 80: Bei jedem Anfang bedenke das Ende. --WRZS--