83. Freitag, den 12. October 1894. Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas & Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer Dr. Max Huttler). Bernward von Hildesheim. Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt. (Nachdruck verboten.) Ertön' in schlichten Weisen, Du, mein Bernwarduslied, Das in des Herzens Tiefen mir lange schon geglüht. In ernsten Pfeilerhallen ertöne, wo das Licht Durch buntgemalte Fenster in sanften Scheinen bricht; Wo zwischen Traum und Wahrheit die Seele staunend schwebt Und ein geahntes Leben in süßen Schauern lebt. — Dort auf der letzten Stufe des Altars setze Dich, Du Schwester der Geschichte, Legende, neben mich, Und öffne mir die Bücher, drin Gold, Ultramarin Und alle Farben schmelzend das Pergament durchzieh'», Drin ewig grüne Wälder in blauen Lüften weh'n, Und Burg und fromme Klöster auf heitern Bergen steh'n. Dann, — wie mit Blumenranken van seltsam fremder Art Der Anfangsbuchstab' Menschen und helle Engel paart, — So führe diese-Zeilen auf unversuchter Bahn, Daß Erde sie und Himmel in reiner Luft umfah'n. Eröffne dann vertraulich Du selber Deinen Mund, Und thu' die frommen Sagen von Sanct Bernwardus kund. G. I. Auf der Domschule. Auf den braunen Eichenbänken Saß die Brüt der Sachsenrecken. W eber. „Nimmt der wilde Wald kein Ende? Vorwärts, Fuchs! Wünsche freilich, mein Thier, daß ich Deinem Eigenwillen nachgegeben hätte. Mit weisem Bedacht wolltest Du dem holperigen Heerwege folgen, statt auf dem weichen Moose zu traben. So stecken wir nun durch Deines Herrn Schuld mitten im Urwald, und Dein Spürsinn muß uns wieder Hinausbringen." Fast schien es, als ob der also angeredete prächtige Goldfuchs verstanden habe, was sein Herr rede. Er neigte wie zur Bestätigung den feinen Kopf, spitzte dann die Ohren, schnupperte in die Luft, wieherte laut und setzte sich plötzlich in so entschiedenen Trab, als das verschlungene Geäst des wilden Forstes, als Brombeer- und Epheurauken es nur gestatteten. Der Reiter lachte. „Du witterst Cultur in dieser Wildniß. Nur zu, mein Fuchs! Trag' mich, wohin es Dir gut dünkt." Die Sonne, welche zuweilen heimlich und auf Umwegen durch Lücken des bewegten Laubdachcs sich hinab- stahl in die unentweihte Waldeseinsamkeit, um die blaß- rothen Erikaglöckchen zu grüßen und den freigebig gespendeten Thau aus den zierlichen Moosblüthen zu saugen, warf freundlich zuckende Lichtblicke auf Roß und Reiter. Wie aus einem Gusse geformt und wie von einem Willen bewegt drangen die durch das Dickicht. Ein herzerfreu- licher Anblick war's. Der blonde, hochragende Jüngling mit dem kühn- fröhlichen Blauauge und dem röthlich sprossenden Lippen- bärtchen unter steiler Nase gehörte unverkennbar dem stolzen Stamme der Sachsen an. Unter dem Stahlhelm hervor quollen blonde Locken ihm um Stirne und Nacken. Ein kurzes Eisenkleid, hohe Lederstrümpfe, Schild, Speer und Wurfspieß sollten die markigen Glieder vor den Gefahren der Reise beschirmen. Dazumal, man schrieb Anno 977, begab sich so leicht kein Edler auf Reisen, ohne sein Kriegskleid anzulegen. Hell schillerte plötzlich im Sonnenschein das glänzende Panzerhemd des Reiters, denn das zusammenhängende Laub vielhundertjähriger Eichen theilte sich, um eine Lichtung frei zu lassen. In deren Mitte erhob sich unter einzeln flehender Rieseneiche ein roh zusammengefügtes Granitgestein, welches wohl heidnischen Opfern gedient hatte. Wiederum wieherte der Goldfuchs. „Was witterst Du?" Der Gewappnete hielt das Roß an. Die Beiden sahen aus, als wären sie ein fürstliches Standbild. Der Jüngling hob den Kopf und lauschte zur hohen majestätischen Eiche empor. Feierliches Rauschen zog durch deren Krone; es stimmte recht wohl zu der tiefen Ruhe ringsumher. Da störte plötzlich der fröhliche Ton eines Jagdhorns die Kirchenstille des Waldes. Leichter Hufschlag klang ganz nahe. Nun brach jenseits aus dem Dickicht ein jugendlicher Reiter in Waidmannstracht hervor. Der Stoff seines kurzen, um die Hüften von einem Schwertgurt gehaltenen Oberkleides war von feinem Tuche und zeigte kostbare Verbrämung. Das blanke Schwert hing an sein Seite, ein mit Silber gefaßtes Jagdhorn an grünseidener Schnur ihm um die Schulter. In der Hand trug er einen zum Schleudern bestimmten Speer. Lederne Beinkleider schützten ihn gegen Dornen und Gestrüpp. Auf dem Kopfe saß dem Jäger eine leichte Mütze, woran keck ein Falkenflügel steckte. Sonnengebräunt schaute sein einnehmendes junges Antlitz mit den dunkeln Augen in die Welt. Scharf spähte er zu dem Gewaffneten hinüber, und ein Leuchten drang aus seinem Blick. „Graf Tammo von Sommerschenburg, ja wahr- — 642 hastig, Du btst's selber t« rief er mit stürmischem Jubellaut. Und dann gab'S ein freudiges Händeschütteln. „Graf Altman von Olesburg, Gott zum Gruß!" klang es dagegen. „Wie hätte ich hier im Walde an ein Wiedersehen gedacht! Dein Erscheinen lehrt mich, daß wir nicht gar weit vom Ziele meiner Fahrt, von der Bisthumshauptstadt, jenem geistigen Brennpunkte des Nordens, entfernt sind." „Freund Tammo, da sprichst Du wahr!« rief der Waidmann lebhaft, nur den Schluß der Rede beachtend. „Unsere Domschule vereinigt heute Lernbegierige aus allen Gauen Deutschlands. Selbst fremde Fürstensöhne kommen der Wissenschaft halber nach unserm Hildesheim.« Tammo ergänzte lächelnd: „Wo wir selber Latein studirten und heute noch den Wissenschaften oblägen, wenn die Vorsehung eL nicht anders mit uns beschlossen hätte." „Gleiche Freunde, gleiches Schicksal!« sprach Altman. „Uns beide traf durch vorzeitigen Tod der Väter das Loos, allzufrüh die Würde des Stammherrn antreten zu müssen.« Tammo senkte bestätigend das blonde Haupt. „In der gleichen Eigenschaft trieb's wich, so Du Dir denken kannst, hierher." „Aha, die Fürsorge des Erbgrafen gilt Deinem Bruder Bernward an unserer Domschule,« errieth der Jäger. „Was zögern wir? Ich kenne die Pfade und werde Dich binnen einer Stunde nach unserm Mittelpunkt der Wissenschaft und Künste bringen. Meine Speergenossen mögen fertig werden ohne mich. Folge mir.« Seite an Seite ritten die ehemaligen Mitschüler und geistesverwandten Freunde fürbaß. Freudig berichtete Altman: „Thangmar, der Vorsteher unserer Domschule, ein Priester von hervorragender Gelehrsamkeit, sagte mir, daß Dein Bruder Bernward seine Altersgenossen an Einsicht zehnfach übertreffe. Durch Anlagen, Wißbegierde und Fleiß zeichne er sich aus in allen Fächern. Ich selber hatte nicht selten Gelegenheit, seine Fertigkeit in mechanischen Künsten zu bewundern. Ja staune: Um Mutter und Schwester während meiner Kriegsfahrten bessern Schutz zu gewähren, als unsere Olesburg sie bieten kann, baute ich mit Erlaubniß des Bischofs, Herrn Othwins, in der Umfriedung des festen Hildesheim ein Haus aus Stein und Holz. Unsere Wohnstätte haben wir dort aufgeschlagen und befinden uns wohl dabei. Während des Baues befolgte ich manchen klugen Wink des staunenswerth künstlerisch veranlagten Knaben. Aus dem wird eine Leuchte der Wissenschaft.« „Ungefragt giebst Du mir erfreulichere Kunde, als ich nur hoffen durfte. Ich sorge freilich, daß Dein Stift allzu schmeichelhaft gezeichnet hat," sagte Tammo froh bewegt und fügte rasch die Frage hinzu: „Wie befindet sich Fräu Frederunde, Deine Mutter? Ich sah die edle Matrone nicht seit meinem Weggang von der Domschule. Und was macht Dein kleines Schwesterlein Hildeswitha?" „Dank für Deine Theilnahme! Erstere weilt, wie ich schon angab, in unserem neuen Burghaus zu Hildesheim, und mein kleines Schwesterlein haben die weisen Frauen des Klosters Gandersheim unter Obhut genommen.« „So ist sie mit meiner Schwester Judith zusammen. Wie mich das freut!« rief Tammo. „Aebtisstn Ger- berga, des Kaisers gelehrte Base, leitet selber die Erziehung der jungen Edelfräulein in sothanem Stift, und die fromme Dichterin Roswitha, eine Seele voll Andacht, voll Gluth, begeistert ihre Zöglinge für Kunst und Wissen. Wir dürfen uns glücklich preisen, daß unsere Schwestern so gute Aufnahme gefunden haben. Meines kleinen Bernward in Hildeshcim nahm sich bisher, wie Du wohl weißt, unser Oheim Volkmar, der Domdiacon, väterlich an. Doch folgt der edle Mann, so hinterbrachte mau mir, einem Rufe auf den Utrechter Bischofsstuhl. Mir liegt es daher ob, einen neuen Beschützer für den Knaben zu suchen.« „Und darum erlebte ich so unverhoffte Freude, Dir mitten im HtldeSwald zu begegnen," sagte Graf Altman. Der Andere lachte. „Meiner Feindschaft gegen die Allerwelts-Heerstraße bin ich treu verblieben. Heute aber ritt ich darum im Kreise, oder dieses Waldgebiet ist schier ohn' Ende.« „Lang ist der Hildeswald zwar, doch wirst Du sogleich sein Ende sehen«, verhieß der junge Watdmann und deutete auf eine lichtere Stelle, durch die man einen mächtigen Münsterthurm gewahren konnte. Bald war der Ausgang erreicht, und ein weites, von waldigen Hügeln und Bergen umfriedetes Thal that sich gar lieblich vor dem Blicke auf. Aus wogenden Saatfeldern und grünen Wiesenmatten, von stlberklarem, munterm Flusse umschlängelt erhob sich eine leichte Anhöhe. Auf ihr stieg der stolze Dom zum Blau des Himmels empor; sein Thurm glänzte im Sonnengolde. Und rings um das Gotteshaus stand eine große Zahl von hohen Giebeln, mächtige Wohnstätten von Stein, deren graue Holzdächer wie Silber in der Sonne schillerten. Dann kam eine feste Ringmauer mit vielen Zinnen und Thürmchen bekrönt; die mochte zwar mehr des Nutzens halber, als des Zieraths wegen errichtet sein, doch übte sie malerische Wirkung aus, und sie konnte auch beim feindlichen Ueberfalle nur mehr die innere, hart um daS Dommünster angesiedelte Stadt beschirmen. Außerhalb dieser die Domfreiheit umzingelnden Vertheidigungsmauer war eine neue Stadt erstanden, Giebel an Giebel. Wie Silber und Gold blinkten zahlreiche Holz- und Strohdächer in der Sonne. „Hildesia, geliebte Stadt, ich grüße Dich!« rief Graf Tammo von Sommerschenburg bei diesem Anblicke entzückt. Und in jugendlichem Ungestüm ging's mit verhängtem Zügel der vor anderthalb Jahrhunderten von Kaiser Ludwig dem Frommen gegründeten Bischofsstadt zu. Nur Pfahlwerk und leichte Umzäunung trennte das äußere Htldesheim vom weiten Lande. Durch ein ungefüges Holzthor ritten die jungen Grafen in die Stadt hinein. Hölzern, mit Schnitzwerk und Malereien verziert waren die Häuser. Daneben gewährte meist ein Thor freien Blick auf den Hofraum und auf die Ställe. In den ungepstasterten Straßen wanderte Feder- und Borstenvieh vergnügt zwischen den Bürgern umher. Auf- und abwärts, krumm und gerade führten die buntbelebten Gassen bis zur festen Ringmauer. Die Zugbrücke über den tiefen Graben, welcher die innere Stadt abschloß, war niedergelassen. Durch das schwerfällige, gewölbte, mit einer Kapelle bekrönte St. Petersthor ritten die Herren, nicht ohne vom Wächter angerufen zu werden, in die eigentliche Domfreiheit ein. Dicht neben dem mächtigen Münster ragte stattlich die festungsartige thurm- reiche Btschofsburg über die Dächer empor. Alles, was dazu gehörte, Wohnungen der Domgeistlichen, Häuser adeliger Schirmherren, Klostergebäude, Schulen, ja auch Kornspeicher, Scheunen und Mühlen waren daran gebaut. Es war dort ein frohes geistiges und körperliches Miteinanderarbeiten. Eines Jeden Fähigkeit kam da zur Geltung, wurde ganz hervorgelockt und zu voller Entfaltung gebracht. Mit dem Rufe: „Auf Wiedersehen I" trennten sich die Freunde. Graf Tammo stand gar bald in dem Gemach, wo sein Oheim, Herr Volkmar, zu weilen pflegte. Dort sah man zwischen den Säulen und Rundbogen der kleinen Fenster in das liebliche Waldthal mit der brausenden Innerste hinab. Volkmar war ein hoher breitschultriger Herr in gereiftem Mannesalter, gemessen in seinen Geberden und bedächtig in seinen Mienen. Aus feinen liefen blauen Augen leuchtete ein warmer Strahl, als er den jugend- frtschcn, ritterlichen Neffen vor sich sah; doch gab er seiner inneren Herzensfreude keinen lebhaften Ausdruck. „Mein Oheim, ich komme, um dem neu erwählten Bischof von Utrecht Heil und Segen zu wünschen", sagte Tammo innig. Volkmar bot dem Sohne seiner Schwester die Hand und sprach mit tiefer, gewaltiger Stimme: „Auf dem Grabe des heiligen Bischofs Athanasius stehen die Worte; „„Des Bischofs Ring und Stab sind gar ein schönes Ding, jedoch am jüngsten Tag seh'n wir, wie schwer sie sind."" Im Bewußtsein meiner Schwäche und meines Unwerthes habe ich mich geweigert, die mir zugedachte Würde anzunehmen. Sie ließen meine Einwendungen nicht gelten. So beuge ich mich in Demuth dem Willen der Höhern." „Herr Oheim, die Bischofsmitra wird Eurem würdigen Haupte gar stattlich stehen," meinte Tammo lächelnd. Volkmar senhte sorgenschwer: „Wohl dem, den ihr Gewicht nicht zur Erde drückt. Mein Vorgänger auf dem Utrechter Bischofsstuhl, Bal- derich, hat nicht weniger denn achtundfünfzig Jahre dazu gebraucht, jenem Hochstift zu Ansehen zu verhelfen. Vier Kaisern diente er in deutscher Treue. Unter Konrad, dem letzten Karolingersproß, trat er die Regierung an, sah unter den hochsinnigen Sachsenkönigen, Heinrich und den heldenmüthigen und gelehrten Ottonen, Deutschland zu neuer Macht und Größe steigen, brachte aber auch sein Hochstift, das er von den Normannen verwüstet, in Trümmern gefunden hatte, durch Weisheit und Umsicht zu hohem GlSnz und Ruhm. In Utrecht schlägt der kaiserliche Hof nicht selten sein Lager auf, und der Handel steht daselbst in hoher Blüthe. Ich selber aber, der ich mich bis heute nur dem himmlischen Reiche Gottes widmete, sorge, daß ich dem nicht gewachsen sei, weltliches Gedeihen im Bisthum nur aufrecht zu erhalten." „Seid guten Muthes, Herr Oheim, ein deutsches Sprüchwort sagt: Wem Gott giebt ein Amt, dem giebt er auch Verstand", warf Tammo lachend hin. Nun glitt auch ein stilles Lächeln über Volkmars Antlitz. „Der muß mir freilich noch zu Theil werden", versicherte er. Dann reichte ex dem jungen Ritter nochmals die Hand: „Verzeih, daß ich inmitten meiner Sorgen fast vergaß, Dich als Gastfreund willkommen zu heißen. Gesegnet sei Dein Eingang! Lege Deine Rüstung ab, lieb- werther Neffe, und nimm einen Imbiß in meiner Zelle." Dazu ließ Graf Tammo sich nicht nöthigen. Wahrend des Vespermahles erhob sich ein lebhaftes Gespräch zwischen den Männern. Der Stammherr von Sommerschen- burg hatte gar viel zu fragen wegen seines jungen Bruders Bernward, und Herr Volkmar wußte viel Löbliches zu berichten. Tammos Augen glänzten, während Volkmar das Loblied des jungen Schülers sang; doch plötzlich zog eine ernste Wolke über seine Stirne. „Ihr, theuerster Herr Oheim, nahmt Euch bis heute so väterlich des Knaben an. Wer wird hinfüro dessen Beschützer sein?" Der Domherr schaute sinnend vor sich hin. „Am liebsten möchte ich den begabten Jüngling allsogleich mit mir nach Utrecht nehmen, doch soll er seine Studien allhier in der klösterlichen Zucht und Ordnung unserer der heiligen Maria gewidmeten Hildes- heimer Domschule vollenden und auf die geistliche Weihe vorbereitet werden. Bernward ist just in Jahren, wo der Geist am bereitwilligsten Eindrücke aufnimmt, die alsdann dem ganzen ferneren Leben gebieten; und darum muß er hier bleiben in der Umgebung unserer bedeutenden Männer. Ein Beschützer ist dem geistig weit über sein Alter gereiften Jüngling nicht eigentlich von Nöthen; doch dürfte vielleicht Herr Osdag, ein schlichter Mann, der großen Ernst mit demüthiger Frömmigkeit verbindet, ein geeigneter Führer für Bernwards allzu regen Geist sein. Der Genannte ist unsers Herrn Bischofs Othwin rechte Hand und, wie die Mär geht, zu dessen Nachfolger ausersehen. Allein, was zögern wir, zu dem hochw. Herrn Othwin selber zu schreiten und seiner Fürsorge den Knaben zu empfehlen! Unser gelehrter Herr Othwin, der schon mit dem großen Kaiser Otto I. nach Italien zog, hat geistige Umsicht, und ihm ist von Gott gegeben, Jeden auf die für ihn passende Stelle zu setzen. Er wird den besten Leiter für unsern Schüler finden. Komm, daß ich Dich zu ihm hinführe." Der zukünftige Bischof von Utrecht ging voraus und der Erbgraf von Sommerschenbnrg folgte durch lange schier endlose gewölbte Gänge zu einer gewundenen Steintreppe hin. Sie stiegen hinab und traten jetzt durch ein kleines Pförtlein in die von Säulen getragene Vorhalle. Hier aber führte ein gewölbtes Thor in des Bischofs Lieblingsaufenthalt, in die Bücherei. Herr Othwin hatte, als er vor vielen Jahren mit Kaiser Otto dem Großen nach Italien gezogen war, die Reliquien des heiligen Epiphanias mitgebracht. Auf die zu Ehren desselben Heiligen erbaute Kapelle schaute er oft gedankenvoll durch die rundbogigen Fenster hin, wenn die zur Rüste gehende Sonne die schönen Formen des KirchleinL im Purpurschein erglühen ließ. Auch die ringsum alle Wände bedeckenden Bücherschätze — es waren Pergamentrollen und kunstvoll ausgemalte Folianten — hatte der Bischof zum großen Theil von jenseits der Alpen, von Rom, von Verona und von Pavia mit herübergebracht; auch sie gemahnten ihn a» vergangene Zeiten. Hier in diesem Gewölbe, wo der Oberhirte manche Tage und auch gar manche Nächte lesend und schreibet» zugebracht, saß er anjetzo in ernster Zwiesprache mit seinem Freund und Vertrauten, mit dem Domherrn Osdag. Dessen erprobten Rath heischte er in zweifelhaftenFällen. 644 Den Bischof verrieth das verbrämte violette Falten- kletd und das goldene mit leuchtenden Edelsteinen geschmückte Brustkreuz. Herr Othwin war von gedrungenem Wüchse bet mittlerer Größe. In seinen Bewegungen lag viel Würde und Manneskraft. Das ungedämpfte Feuer seiner dunklen Augen, der rasch wechselnde Ausdruck des noch frischen Antlitzes überraschte bei dem grauen Haar, welches unter dem violetten Sammtmützchen hervorquoll. Sothanes Sammtmützchen war bei der lebhaften Gemiithsart des Prälaten auf fortwährender Wanderung von der Stirne zum Nacken und vom Nacken zur Stirne begriffen. Ebenso hatte besagtes Brustkreuz selten Ruhe; der bis in die Fingerspitzen ausgeprägte Thütigkeitstrieb des Kirchenfürsten litt daS nicht. Herr Osdag, so ihm gegenüber saß, war ein unscheinbares, schmächtiges Männlein, grau in grau. Sein kleines, faltenreiches Gcsichtchen hätte wohl Keiner beachtet, wenn nicht zwei sternartige Augen daraus her- vorgesprüht und ihm Bedeutung gegeben hätten. Den beiden Würdenträgern war der ritterliche Sproß von Sommerschenburg gar wohl bekannt. Und daß er als Zögling der Domschule noch von ehedem in gutem Ansehen bei ihnen stand, das bewies die Wärme, mit der sie ihn willkommen hießen. Der feurige Bischof Othwin ging selber ihm entgegen und umschloß die Rechte des Grafen mit beiden Händen. „Mein junger Freund, die Sorgen, so Euch Hertrieben, sind uns vertraut, und ich verrathe Euch, wir theilen sie. Es handelt sich ja um die Blüthe unserer Domschule, um Bernward, der seinen Wegweiser in unserm Herrn Volkmar verliert. Der Hervorragende darf nicht nach der allgemeinen Richtschnur erzogen werden. Seinem regen Geist muß wieder ein hervorragender Lenker mit besonderer Sorgfalt zur Seite stehen." Rasch fiel Herr Volkmar ein: „Einen solchen glaube ich allhier in unserm Freunde Osdag gefunden zu haben." „Was meint Ihr dazu, vielgelehrter Herr?" fragte der Oberhirt und lächelte schalkhaft. Der Dompriester antwortete bedächtig, aber ohne Verzug: „Mit Freuden würde ich das Gärtneramt bei dem jungen Eichbaum übernehmen, so Ihr mich damit betrauen wolltet." Der Bischof schüttelte den Kopf. „Mit Nichten, mein Preiswerther Freund. Ihr wäret gleichermaßen allzu demüthig und allzu strenge, währenddessen entfaltete Euer trieb kräftiger Eickenbaum sich mächtig nach allen Seiten. Zudem, Herr Osdag, sollt Ihr Eure ungctheilte Kraft der Leitung des Bis- thums erhalten, wenn Euer Bischof, wie das nicht selten sich ereignet, auf Reisen gehen muß. Es ist meine Meinung, daß Bernward unserem Bibliothekar und Notarius, dem treuen, jugendkrästigen Vorsteher unserer Domschule, ganz übergeben werden soll. Wenn schon dieser stürmische Sachse Thaugmar nicht mehr als siebenundzwanzig Lenze zählt, so hat sein beherrschender Einfluß die Hildesheimer Schule zu hoher Blüthe gebracht. Thangmar liebt den wißbegierigen, den hervorragenden Knaben, er ist ihm geistesverwandt, er steht in täglichem Verkehr mit ihm. Nimmt er doch, wie uns bekannt, selbigen Lieblingsschüler auf Reisen mit, wenn er für uns in juristischen Obliegenheiten bet der Verwaltung unserer Kirchengüter sich nach auswärts begeben muß. Die beiden jungen Weltweisen verlieren sich dabei, also berichtet Thangmar, nicht selten in die tiefsten Geheimnisse der Philosophie." „Herr Bischof, Ihr habt den Rechten getroffen. Laßt ihn hierher entbieten", entschied Herr Osdag freudig. Volkmar nickte zustimmend. Herr Othwin willfahrte gerne. Bald darauf gab das Echo des langen Ganges schallend die schnellkräftigen Schritte des herbeigerufenen Lehrmeisters wieder, und dann erschien Thangmar im Thorbogen. Mit einer hochstrebenden, ernst-prächtigen Edeltanne verglichen ihn die Schüler, und wahrlich, nicht mit Unrecht. Groß, schlank und breitschultrig stand der Recke im dunklen Priesterkleide da. Hochblondes Haupthaar umwallte frei das gedankenbewegte sinnige Antlitz. In diesen stahlgrauen Augen lag feste Willenskraft, ja blitzte auch noch etwas vom alten, leidenschaftlichen Sachsentrotz. „Thangmar, eS ist eine Verfügung über Euch ergangen. Ihr sollet an Herrn Volkmars, des zukünftigen Bischofs von Utrecht, Stelle den Knaben Bernward ganz in Euere Obhut nehmen," also redete Othwin den Eintretenden an. Thangmars Auge leuchtete bei solcher Eröffnung freudig aus, seine Wangen rötheten sich. Zur Ausführung des Herzenswunsches läßt der Mensch sich allzugerne sonder Zagen und Zaudern befehligen. Ich danke Euch, mein hoher Herr, für das Vertrauen," entgegnete er rasch und beugte demüthig fein Knie vor dem Oberhirten. Der machte das Kreuzzeichen über ihn und sprach feierlich: „Im Namen des dreieinigen Gottes empfanget meinen Segen zu dem engelhaften Schützeramt." In leichterem Tone fügte er alsdann hinzu: „Und nun berichtet uns und besonders Herrn Tammo, dem Bruder Eueres Lieblingsschülers, von den Fortschritten des Knaben." Dazu ließ der Gelehrte sich nicht zweimal auffordern. Feurig unaufhaltsam floß die Rede von seinen Lippen zum Lobe des jungen Schützlings. „Wie man vom Propheten Daniel liest, ist Bernward seinen Altersgenossen an jeglicher Einsicht überlegen. Denn von himmlischem Lichte überstrahlt, erforscht er schon jetzt in wunderbar scharfsinniger Betrachtung und unermüdlichem Fleiß das Innere der göttlichen Lehre. Theils beim gemeinschaftlichen Unterrichte mit allen übrigen, theils mit denen, die er als die eifrigsten in heiligster Betrachtung erkannt und vertraulich bei Seite genommen, prüft er durch aufgeworfene Fragen alles, was ihm Zweifel erregt, bis auf den Grund. Stets finde ich ihn mit buntem Farbenschmuck der Tugenden über seine Jahre bekleidet. Fast keine, nicht einmal die Erhslungsstunde, kann ihn der Un- thätigkeit beschuldigen. Und obgleich sein Geist von lebhaftem Feuer für jede höhere Wissenschaft entzündet ist, verwendet er nichtsdestoweniger auch Fleiß auf die leichteren Künste, welche wir die mechanischen nennen. Im Schreiben glänzt er besonders hervor, und die Malerei übt er mit Geschick und Feinheit. Ich sage nicht zuviel, wenn ich Bernward den Stolz und die Zierde unserer weit berühmten Domschule nenne." „Herr Thangmar, Euere Schilderung ruft fast daS Begehren in mir wach, meinen Bruder heimlich zu be- 645 lauschen, ehe denn, ich ihn begrüße", also unterbrach Tammo leise den begeisterten Vortrag des Lehrmeisters. „Euerm Wunsche soll willfahrt werden, Herr Graf, und allsogleich. Die Zöglinge der Domschule vergnügen sich freilich in dieser Stunde nach des Tages Mühen draußen im Hofe; aber gerade in solchen Freistunden prägt sich die Eigenart der Schüler deutlicher aus, als während des Unterrichtes. Kommt mit mir auf meine Zelle." Dieser Aufforderung Thangmars folgte nicht allein der junge Graf von Sommerschenburg, sondern mit erregter und erhöhter Theilnahme auch der Bischof und die beiden Prälaten. Aus vergitterten Bogenfenstern schauten die Herren alsdann in den großen Burghof; der war allerseits von hohen Gebäuden umschlossen. Die Baulichkeiten mochten wohl verschiedenerlei Bestimmung haben; sie entstammten auch zum Theil noch dem vergangenen Jahrhundert. Einheitlich aber zog sich ein weiter, bedachter Säulen- gang den vier Seiten entlang, damit die Schüler auch bet schlechtem Wetter lustwandeln konnten, wie es ihnen gefiel. Das war, wie es sich vorausdenken ließ, ein reges, ein vielgestaltiges Leben dort unten, und es kostete Mühe, die Einzelnen aus dem Wirrsal herauszufinden. Wohl fünfzig Knaben und Jünglinge von sechs bis zu zwanzig Lebensjahren tummelten sich in dem von Lin- denbäumen beschatteten Hofe umher, froh, den gebräunten Eichenholzbänken auf einige Stunden entronnen zu sein. Schon an dem Aeußern der Schüler sah man, daß die verschiedensten deutschen Volksstämme ihre Vertreter nach der weitbekannten Hildesheimer Domschule gesandt hatten. Die meisten freilich trugen sächsisches Gepräge; aber auch der lebhaften Franken, der braungelockten Thüringer, der brettkrüftig gebauten Bayern konnte man manche gewahren. In einer entfernten Ecke hinter dem altenBrunnen, welcher den Mittelpunkt des weitschichtigen Hofes bildete, lagen die jüngeren Schüler unter Hellem Jubel dem Ballspiele ob, wobei es ohne etwelche Balgereien nicht abging. Einige der älteren ergingen sich unter den stillen Säulenhallen in ersprießlichem Gedankenaustausch. Auch unter dem Bogenfenster von Thangmars Zelle hatte sich eine ernste Gruppe von gereifteren Schülern gebildet. Ein winziges Knäblein von zartem Gliederbau, schlichtem, braunem Haar und klugen, beredten Augen hatte sich in deren Kreis gemischt. Gar wunderlich stand das braune bis an die Knöchel reichende Monchsröcklein, die Bekleidung aller Schüler, dem Kinde zu Gesicht. „Wer ist das Bürschchen?" fragte Tammo lächelnd. „Das ist ein Reis vom sächsischen Kaiserstamme, des Baycrnherzogs Heinrich gleichnamiges Söhnlein, welches uns vor wenig Wochen zur Erziehung übergeben wurde", erläuterte Thangmar bereitwillig. „Hier aber muß auch Bernward nicht weit entfernt sein, denn der kleine zukünftige Bayernherzog sucht, wie von innerer Eingebung getrieben, stets des klugen, freundlichen Bernward Nähe auf." Er reckte den Hals. „Ja, wahrlich, ich hatte Recht. Hier sehen wir gerade auf des Gesuchten blonden Scheitel." Auch die Prälaten schauten hinab. „Der Jüngling von Sommerschenburg ritzt mit seinem Stäbe geometrische Figuren in den Sand", äußerte darauf der Bischof erstaunt. „Ja, darin ist er groß. Schaut nur zu", sprach Thangmar stolz. Die andern Knaben aber ließen dem Stillbeschäftigten keine Ruhe. „Bernward, Bernward, jetzt soll unsere Frage Dich in Verlegenheit bringen", also redete der blonde Ekke- hard, eines Freilings Sohn aus Harsum, ihn an. »Ja, fragt nur. Der Vielgelehrte weiß zu antworten", lachte Benno von der Elbe Mittelläufe und fügte ernster hinzu: „Wenn wir an diesen heißen Sommernachmittagen nur halb im Schlafe die vorgetragene Kathederweisheit hören, so erfaßt Bernwards nimmermüder Geist mit gespanntester Aufmerksamkeit Alles gründlich. Wenn wir dann vor dem Nachtgebet noch eine Weile der Abendkühle genießen dürfen, so ist es Bernward, der unserer nunmehr frischeren Auffassungsgabe aufs Neue die Lehre nahe bringt, die Nachmittags vergebens in unser verdorrtes Hirn zu dringen suchte." (Fortsetzung folgt.) -—ttWi-- Nord-Ostsee-Kanal mit der Schleusenanlage in Holtenau bei Kiel. Nachdruck nur mit Gkirehmigung did VcrsassrrS gestatlck. Von einem unserer Berichterstatter, welcher kürzlich den Nordostseekanal, speciell die Schleusenanlagen in Holtenau besuchte, geht uns eine sehr interessante Beschreibung dieses Riesenwerkes der Neuzeit zu, welche wir unseren Lesern im Nachfolegnden nicht vorenthalten wollen. — Der Nord-Ostsee-Kanal stellt eine direkte Verbindung zwischen der Ost- und Nordsee her, um auch größeren und sogar großen Schiffen die Durchfahrt in stürmischen Jahreszeiten zu gestatten, wodurch die Reise um Jütland, Kap Skagen, für die Schifffahrt ganz besonders gefährlich, umgangen wird. Außerdem tritt auch durch die Benutzung des Kanals für die betreffenden Fahrzeuge eine Zeitersparniß ein, weil die Reisedauer durch denselben eine kürzere ist, was für die Schiffe der Handelsmarine immer, für die Kriegsmarine im Falles eines Krieges von Bedeutung ist. Die ganze Länge des Kanals betrügt ca. 98 lrm (seine Endstationen find Holtenau und Brunsbüttelhafen bei Brunsbüttel), die Breite im Wasserspiegel ist 66 und die Tiefe 9 m. Auf der ganzen Länge befinden sich 6 Ausweichestellen, d. h. Verbreiterungen, gewissermaßen Nischen, in denen sich zwei große Schiffe, z. B. Kriegsschiffe oder große Handelsschiffe, ausweichen können. Von zwei sich entgegenkommenden Schiffen legt sich eins in die Weiche, während das andere vorbeifährt. Kleinere Fahrzeuge fahren an jeder Stelle des Kanals an einander vorüber. Eine direkte Verbindung beider Meere war schon früher vorhanden durch die Eider und den Eiderkanal, der bei Holtenau und Tönning mündete. Diese Wasserstraße war aber nur für kleine Fahrzeuge berechnet, da der Lauf der Eider unzählige kurze Krümmungen auswies, in denen lange Fahrzeuge schlecht oder gar nicht drehen konnten und auch die Tiefe nicht genügend groß war. Der Uebelstand ist bei dem neuen Kanal dadurch beseitigt, daß er fast durchweg geraden Lauf hat, wodurch auch den längsten Schiffen das Durchführen ermöglicht ist. Die beiden Endschleusen (außer diesen sind 648 keine weiteren vorhanden) waren dnrch die Fluth- und Ebbcverhältnisse der Nordsee bedingt, um den Wasserspiegel im Kanal immer auf gleicher Höhe zu erhalten, und in zweiter Linie, um Strömungen im Kanal zu verhüten. Wären die Schleusen nicht vorhanden, so würde stellenweise bei Fluthzeit der Nordsee das anliegende, niedrige Gelände des Kanals überschwemmt werden, und durch den Wechsel von Fluth und Ebbe würden im Kanal so starke Strömungen entstehen, daß die durchführenden Schiffe entweder ihrem Steuer nicht mehr gehorchten, oder aber sie würden die Strömung nicht überwinden können. Bei Grünenthal und Levcnsau führt über den Kanal je eine Hochbrücke für Eisenbahn- und Wagenverkchr bezw. Fußgänger. Die Brücken haben eine Spannweite von 156,5 m und liegen 42 ra über dem Wasserspiegel. Eisenbahndrehbrückeu befinden sich bei Kudensee, Rendsburg und Altwittenbek, Straßendrchbrücken, also für Fuhrwerk rc., bei Rendsburg und Holtcnau (werden noch gebaut). Dann vermitteln außerdem noch 16 Fähren den Kleinverkehr über dem Kanal bei Ostermoor, Burg, Hochdonn, Hohenhörn, Klein-Bornholf, Groß-Bornholf, Fischerhütte, Oldenbüttel, Breiholz, Schülp, Audorf, Schestedt, Königshörde, Landwehr und Levcnsau. Es sind Kanalschleppdampfer vorgesehen, zum Theil auch schon vorhanden, die mit starken Maschinen und elektrischen Scheinwerfern versehen sind, um Scgelfahr- zeuge bei Windstille oder ungünstigem Winde hindurch zu schleppen und um Nachts bei dieser Gelegenheit auch den Kanal vorweg zu erleuchten, damit keine Zusammenstöße und sonstige Unfälle vorkommen, und um auch Nachts den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten. Der ganze Kanal wird electrisch beleuchtet, und zwar von Holtenau bis Rendsburg von Holtenau und von Brunsbüttelhafen bis Rendsburg von Brunsbüttelhafen aus. In den Seen Kudensee, Mechelsee, Saatsee, Andorfersee, Schirnauersee, die der Kanal durchschneidet, wird das Fahrwasser durch schwimmende, verankerte Gasölbojen markirt. Der Abschluß resp. der Anfang des Kanals an der Ostküste wird durch die Schlenscnanlage von Holtenau bei Kiel gebildet. Die besteht aus 3 parallel neben einander liegenden Malierpfeilern von 217 ru Länge, die in einer Entfernung von 25 na zu einander liegen, und zwei Durchfahrten zwischen sich einschließen. Die nutzbare Länge der Schleusen zwischen den äußern und innern Fluththoreu, oder umgekehrt zwischen den innern und äußern Ebbethoreu beträgt 150 m d. h. ein Schiff, welches in der Länge nicht mehr als 150 m mißt, kanu noch durchgeschleust werden. Da aber die größten Ocean- dampfer die Länge von 150m noch nicht erreichen, so dürften die Schleusen wohl allen an sie gestellten Ansprüchen genügen. Vorn Hafen rechts liegend befindet sich die Einfahrt in den Kanal, die nebenliegende ist die Ausfahrt aus demselben in die Ostsee. Die normale Wasserhöhe in den Durchfahrten beträgt 9,5 m. Jede Durchfahrt ist durch 6 Paar Doppelthore absperr- bar; von diesen bilden am Außenende der Schleuse, also dem Hafen zugekehrten, die Fluththore, die Außenthore, sogenannte Ständerthore; hinter diesen liegen die Ebbethore oder Niegelthore. In 75 m Entfernung von diesen liegen die sogenannten Sperrthore (auch zwei Paar hintereinander) und 75 m von diesen entfernt endlich liegen zwei paar Doppelthore, die Jnnenthore, die den Kanal von der Schleuse absperren. Von den sämmtlichen zwölf Doppelthoren heißen nun diejenigen, welche, wenn sie geschlossen sind, dem Hafen zugekehrt sind Fluth-, die andern entgegengesetzt, also nach dem Kanal zeigenden, die Ebbethore, Die Schleusentore sind aus gewalztem Flußeisen hergestellt, die Spurzapfen, Hnlszapfen, Halslager und Halsbänder derselben dagegen aus Flußstahl, da diese Theile eine besonders große Haltbarkeit haben müssen. Der wasserdichte Abschluß der Thorflügel an denSchleusen- mauern (Pfeilern) und der Thorflüge! aneinander in der Mitte ist durch eichene Dichtungsleisten hergestellt. Jeder Fluththorflügel ist 13 m hoch, 14 m breit und 1,3 m dick und hat ein Gewicht von 100 Tonnen oder 2000 Ctr. Jedes Ebbethor dagegen wiegt 90 Tonnen — 1800 Ctr., da diese Thore nicht so stark construirt sind, des geringen Druckes wegen, den sie auszuhalten haben, und auch nicht so hoch sind, als die Fluththore. Das Gesammtgewicht sämmtlicher Thore, welche von der Actiengesellschaft für Eisenindustrie und Brückenbau, vormals I. C. Harkort in Duisburg gebaut sind, beträgt circa 42,000 Ctr. Sämmtliche Thore sind nach dem sogenannten Zellensysiem erbaut und enthalten Vorrichtungen zum Entleeren von Leckwasser aus den einzelnen Abtheilungen und Entlüftungsvorrichtnngen, um aus einzelnen Abtheilungen schlechte Luft zu entfernen und dieselben dadurch bestcigbar zu machen. Sie enthalten Luft- und Wasserkammern, um sie dadurch so zu ballasten, daß sie vorn Wasser so getragen werden, daß keine zu große Beanspruchung der Hals- und Cpurzapfen entsteht. Die Fluththore sind als die Ebbethore erbaut. Jeder Thorflügel erhält seine Bewegung aus dem Innern der Schleusenpfeiler durch eine Zahnstange von ca. 80 Ctr. Gewicht. In jedem der drei parallelen Schleusenpfeiler, von denen der Nord- und Mittelpfeiler die Einfahrt vom Hafen her, der Süd- und Mittelpfeiler dagegen die Ausfahrt aus dem Kanal zwischen sich einschließen, befinden sich drei Maschinenkammern, eine im Außenhanpt jedes Pfeilers, eine im Mittel- und eine im Binnenhaupt. Diese Kammern stehen durch unterirdische Gänge in Verbindung und bergen hydraulische Motoren von 26 bezw. 40 Pferdekrüsten, welche die Thore durch die Zahnstangen auf- und zubewegen, die großen Umlaufschützen heben und senken und die Gangspills auf den Schleusenpfeilerdecken drehen, um die großen Schiffe durch die Schleusen zu ziehen. Die Motoren stehen derart durch Rohrleitung in Verbindung, daß nur ein Oeffnen oder Schließen von Klappen in der Decke des Mittelpfeilers genügt, um 2 gegenüberstehende Thorflügel gleichzeitig auf- und zuzumachen, indem dann die zugehörigen Motoren zu gleicher Zeit angehen, stille stehen, oder rückwärts gehen, wodurch die Thorbewegung bedingt ist. Durch die ganze Länge des Nord- und Südpfeilers erstreckt sich unter Wasser je ein Umlaufkanal von einem Ende des Pfeilers bis zum andern, im Mittelpfeiler deren 2, die den Hafen mit dem Kanal und den Schleusenkammern verbinden. Zwischen den Außenthoren und den Mittel- oder Sperrthoren zweigen sich von den Umlaufkanälen je 6 kleine Kanäle, Stichkanäle ab, die direct in die Schleusenkammern münden, ebenso zwischen den Sperrthoren und den Binnenthoren, die den Kanal sperren. Die Umlaufkanäle sind in den Seitenpfeilern, deren Enden oder Häuptern durch je 2 hintereinander stehende Schützen abgeschlossen, der Mittelpfeiler dagegen hat 4 solcher Schützen an jedem Ende, da er 2 Umlaufkanäle hat. 647 Sind bet Hochwasser im Hafen die Flutthore geschlossen und soll ein Schiff in den Kanal hinein, so muß zunächst der Wasserstand des Hafens mit dem der Schleusenkammer ausgeglichen werden. Dies geschieht, indem die äußeren Schützen gehoben werden, dann strömt das Hafenwasser durch die Umläufe und die Stichkanäle in die Schleuse, hebt hier den Wasserspiegel auf die Höhe des Hafenwafferstandes, dann werden die Schützen geschlossen und die Thore geöffnet, das Schiff hereingeholt und die Fluththore wieder geschlossen. Nun wird der Wasserspiegel der Schleuse wieder gesenkt auf die Höhe des Kanalspiegels, indem die inneren Schützen gehoben werden. Dadurch strömt dann das Wasser durch die Stichkanäle in die Umläufe und durch diese in den Kanal so lange, bis sich beide Niveaus ausgeglichen haben, darauf werden die inneren Fluththore geöffnet, nachdem zuvor die Schützen wieder gesenkt werden und das Schiff kann die Schleuse verlassen. Darauf werden die letzteren Thore wieder geschlossen. In umgekehrter Weise wird verfahren, wenn Schiffe durch die Ausfahrt den Kanal verlassen wollen. — 28 hydraulische Motoren, von denen je 8 in jedem Seitenpfeiler und 12 im Mittelpfeiler stehen, bedienen die Thore, die Umlaufschützen und die Spills. Ihren Arbeitsdruck erhalten die Motoren von der Centralanlage her; diese umfaßt ein Maschinenhaus und ein Kesselhaus. In der Maschienhalle liegen 3 Zwillingsmaschinenpreß- pumpen von je 120 Pferdekräften, welche den Wasserdruck für die hydraulischen Motoren erzeugen. Sie saugen das Wasser an, bringen es zunächst in ein Hochreservoir, saugen es aus diesem herunter und pressen es in ein Rohrnetz, welches sich durch die ganze Schleusenanlage verzweigt. Im Maschinenhause sind in dieses Rohrnetz 2 Gewichts-Accuwulatoren eingeschaltet, welche so belastet sind, daß sie erst bei einem Druck der Pumpen im Rohrnetz von 60 Atm. (d. h. 60 Ir§. pro 9 c^om.) gehoben werden. So lange die Preßpumpen arbeiten, schweben die Accumulatoren und erhalten in der gesummten Leitung einen gleichmäßigen Druck. Sind die Accumulatoren hoch und findet auf der Schleuse keine Wasserentnahme statt, weil nirgend ein Motor läuft, so stellen sie sich die betreffende Preßpumpe, die gerade im Betriebe ist, selbstthätig ab durch eine sinnreiche Hebel- und Gestängeverbindung zwischen den Accumulatoren und den Dampfmaschinen. Sobald auf der Schleuse ein Motor in Betrieb genommen wird, der Accumulator, der gerade hoch ist, also sinkt, so läßt er die Dampfmaschine, welche er vorher abgestellt hatte, auch selbstthätig wieder angehen. Neben den 3 Preßpumpen stehen noch 2 Evacuations- maschinen (Kondensatoren), welche den verbrauchten Dampf der Preßpumpen condensiren, und so durch das entstehende Vakuum ein leichteres Arbeiten der Preßpumpen herbeiführen. An die Halle für die Preßpumpen schließt sich eine zweite an, in welcher drei große Dynamomaschinen Aufstellung finden für die gesummte Beleuchtung der ganzen Anlage. Den Dampf für sämmtliche Dampfmaschinen liefern 5 Coouwall-Kessel von einem Arbeitsdruck von 6,5 Atm. Eine durch die gesammte Schleusenanlage verzweigte Dampfheizungsanlage, die ihren Dampf gleichfalls aus vorgenannten Kesseln entnimmt, sorgt im Winter für eine genügend hohe Temperatur, um das Einfrieren des Druckwasserrohrnetzes zu verhüten. Die gesammte maschinelle Anlage ist von der Firma Hoppe-Berlin erbaut, die electrische Beleuchtungsanlage baut die Electricitätsgesellschaft Helios. Ll. ^V. ALLssLei. Ueber die Herrschergeschlechter Europa'S bringt die „Nordd. Allg. Zeitung" folgende Zusammenstellung: Zur Zeit bestehen tu Europa 40 Throne, von denen nicht weniger als 33 von deutschen Dynastieen besetzt sind, 22 innerhalb des Deutschen Reiches, 11 außerhalb desselben (Oesterreich-Ungarn, Rußland, England, Dänemark, Niederlande, Belgien, Portugal, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Liechtenstein). Von den 6 Negentenfamilien romanischer Zunge (Bourbon, Bona- parte, Braganza, Savoyen, Bernadotte und Monaco) sind die drei erstgenannten des Thrones verlustig gegangen; überdies sei mit ziemlicher Bestimmtheit germanischer Ursprung wenigstens der Häuser Bourbon und Savoyen anzunehmen. Indessen, wenn das Haus Mecklenburg, die Nachkommen des wendischen Obotritenfürsten Niclot (-s-1160), den deutschen Dynastieen beigezählt werde, müsse auch Bourbon und Savoyen den Romanen verbleiben. An slavischen Negentenfamilien sind bloß die neuen Häuser der Obrenowitsch in Serbien und der Petrowitsch- Njcgosch in Montenegro zu nennen. Turanischer Abkunft endlich sind die osmanischen Sultane. Wenn oben von 40 Thronen in Europa gesprochen, so betrage die Zahl der Herrschergeschlechter, die sie einnehmen, doch nur 26, worunter 17 deutschen Geblüts. Es sind dies die Häuser Hohenzollern, Habsburg-Lothringen, Wels, Wittelsbach, Wettin, Württemberg, Zähringen, Hessen (eigentlich Brabant), Nassau, Mecklenburg, Holstein, Anhalt, Schwarzburg, Reuß, Lippe und Waldeck. Die Zahl der männlichen Angehörigen aller regierenden Häuser ist derzeit auf 433 zu veranschlagen. „Das blühendste Geschlecht ist das Gesammthaus Holstein mit gegenwärtig 62 Männern, wovon 27 der Linie Sonderburg, die in Dänemark und Griechenland herrscht, und 35 der Linie Gottorp in Rußland und Oldenburg angehören. Es folgt das Haus Wettin, das 8 Kronen trägt und nach dem dereinstigcn Ableben der Königin Viktoria auch den britischen Thron besteigen wird. Ihm gehören an 43 Mitglieder der Ernestinischen Linie (darunter 23 Koburger in Koburg, England, Belgien, Portugal, Bulgarien, 11 Weimarer, 5 Meininger, 4 Altenburger) und 7 der Albert- inischen Linie in Sachsen. Nahe an die Wettiner heran reicht das entthronte Haus Bourbon mit 45 männlichen Sprossen, wovon 26 der Linie Anjou (Spanien, Sizilien und Parma) und 19 Orleans. Das Haus Lippe, einschließlich Schaumburg-Lippe, zählt ebenfalls 45 Männer, von denen 30 den gräflichen Linien angehören. An fünfter Stelle erscheinen die Reuß mit 31 Prinzen, einschließlich der erbberechtigten 4 Grafen von Plauen. Ihnen reiht sich das Haus Lothringen-Habsburg mit 30 Erzherzogen an. Nur drei Prinzen weniger, 27, besitzt das Haus Hohenzollern, die fürstliche Linie allein hat 9 Prinzen, darunter 3 in Rumänien. Die Wittelsbacher folgen mit 23 männlichen Familiengliedern. Alle übrigen Fürstengeschlcchter zählen unter 20 Prinzen; es sind dies: Liechtenstein (17), Osman (16), Mecklenburg (15), Mrldeck (12), Hessen (10), Württemberg (8), Savoyen (8), Bernadotte (7), Wels (5), Zähringen (5), Anhalt (4), Petrowitsch-Njegosch (4), Nassau (3), Schwarzburg (3), Braganza (3), Monaco (2), Bonaparte (2), Obrenowitsch (2)." Der Religion nach sind von den 26 europäischen Dynastieen neun ganz und sechs weitere theilweise oder ganz überwiegend evangelisch. Letztere sind: Hohenzollern (die fürstliche Linie ist katholisch, ein Prinz derselben in 648 Rumänien griechisch), Wettin (die Albertinische Linie und ein Zweig des Koburger Astes, Cohary, sind katholisch), Holstein (die Holstciner in Rußland und Griechenland griechisch), Württemberg (ein Theil der Nebenlinien kath.), Mecklenburg (Herzog Paul Friedrich und seine zwei Söhne katholisch), sowie Lippe (ein Zweig der gräflichen Linie katholisch). Ganz katholisch sind nur drei deutsche Häuser: Lothringen-HabSburg, Wittelsbach und Liechtenstein; ferner die romanischen Bourbon, Savoyen, Braganza, Bonaparte und Monaco, zusammen also 8. Die Obrenowitsch und Petrowitsch-Njegosch gehören dem griechischen Glauben, das Haus Osman endlich dem Islam an. » Erfinder-Erfolge. Von Zeit zu Zeit findet man in gewissen Blättern Ausführungen über die pecu- niären Erfolge von „Erfindern", besonders amerikanischen. Bei diesen Erfolgen geht es stets hoch in die Hunderttausende. So soll der Erfinder einer Metallfeder, die zu gleicher Zeit Schreiben in mehreren Farben gestattet, dadurch ein Jahreseinkommen von 800,000 M. gewonnen haben. Vergebens zerbricht sich der Uneingeweihte den Kopf darüber, wie es möglich ist, daß ein so einfacher und in seiner Anwendung so beschränkter Gegenstand, nach dem man selbst in größeren Städten vergebens fragt, seinem Erfinder einen so ungeheuren Nutzen abwerfen könne. Da wäre es schon eher glaublich, daß der Patent- Inhaber jenes an einem elastischen Faden befestigten Papierballes, der als Kinderspielzeug dient, jährlich 200,000 M. eingeheimst habe; indeß auch das ist recht fraglich. Jedenfalls aber ist es Thatsache, daß die Berichte über reiche Erfinder-Erfolge meist aus sog. Patent- Bureaus herstammen, welche letztere ihre kleinen Notizen solchen Zeitungen, die dafür empfänglich sind, gratis zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich, um die Leser dieser Blätter anzuspornen, auch eine kleine patentfähige Erfindung zu machen. Die Idee ist an und für sich nicht übel, aber die Sache hat doch ihren Haken. Es gibt nämlich keine mißlichere Sache und kein undankbareres Geschäft als das „Erfinden". Man hat berechnet, daß von 100 patentirten Erfindungen kaum eine oder zwei sich so einträglich erweisen, daß sie dem glücklichen Erfinder einigermaßen die ihm erwachsenen Kosten decken. Wie groß daneben die Zahl derjenigen Erfindungen ist, die nicht einmal als patentfähig erachtet werden, kann sich nur der vorstellen, welcher der Sache etwas näher steht. Ein Mann wie Werner v. Siemens, ein geborener Erfinder und einer der genialsten Männer auf dem Gebiete der angewandten Wissenschaft, sagt in seinen Lebens- Erinnerungen, nachdem er von seinen ersten Erfolgen erzählt hat: „Nach Berlin zurückgekehrt, prüfte ich ernstlich meine bisherige Lebensrichtung und erkannte, daß das Jagen nach Erfindungen, zu dem ich mich durch die Leichtigkeit des ersten Erfolges hatte hinreißen lassen, sowohl mir wie meinem Bruder voraussichtlich zum Verderben gereichen würde. Ich sagte mich deßhalb von allen meinen Erfindungen los, verkaufte auch meinen Antheil an der in Berlin eingerichteten Fabrik und gab mich ganz ernsten, wissenschaftlichen Studien hin." Wie richtig Siemens hiermit gehandelt, haben seine späteren Erfolge bewiesen. Ganz verkehrt ist die bei Vielen herrschende Meinung, daß wichtige, erfolgreiche Erfindungen gewissermaßen plötzlich gekommen seien, sozusagen wie eine Eingebung von oben. Große Erfindungen, bemerkt sehr treffend C. Sitte, sind nur naturgemäße, und wenn es auf dem Monde Menschen gäbe, so mühten sie ebenso darauf kommen wie wir. Die sog. Doppel-Erfindungen liefern den Beweis dafür. Beim deutschen Patent-Amte werden jährlich beiläufig 10,000 Patente eingereicht und davon etwa 4000 als neu approbirt, die übrigen 6000 dagegen als schon dagewesen zurückgewiesen. Aber gerade die unpraktischen Dinge werden immer wieder erfunden, da sie nicht in den Handel kommen und unbekannt bleiben. Der Erfolg entschieden werthvoller Erfindungen läßt sich zudem nur in den wenigsten Fällen einigermaßen voraussagen. DaS Telephon Bells wurde anfangs durchaus nicht nach seinem wahren Werth gewürdigt, während Edison mit seinem Phonographen, unterstützt durch eine ganz ungeheure Reklame, das größte Aufsehen machte; heute ist der Phonograph selbst mit allen seinen Verbesserungen und Verfeinerungen wenig mehr als ein Spielzeug, während daS Telephon zu einem geradezu unentbehrlichen Communi- cationSmittel wurde. Ueber unpraktische Erfindungen heißt es sehr richtig in einem technischen Fachblatte: „Man fragt sich verwundert, ob es der Kritik nicht schon vor Ausführung solcher Pläne möglich gewesen wäre, die vorhandenen Fehler nachzuweisen und dadurch oft kostspielige Ausführungen überflüssig zu machen? Darauf muß erwidert werden, daß dies gewöhnlich Möglich ist und auch gewöhnlich geschieht, daß aber die Erfinder und ihre Verbündeten sich oft in eine so tiefe Selbsttäuschung einwiegen, daß sie jeder Einwendung von vornherein ihr Ohr verschließen. Häufig wird indessen auch das Publikum in betrügerischer Absicht getäuscht." Die gröbste von allen Täuschungen aber ist die, zu glauben, „Erfinden" sei ein einträgliches Geschäft. --SV8S-S-- Schachaufgabe. Schwarz. Weiß zieht an und seht in 4 Zügen matt. Auflösung des Kreuz- und Quer-Räthsels in Nr. 81: Ma » de La I gen Made, Lagen, Magen, Degen, Labe, Lama. Auflösung des LogogriPhS in Nr. 82: Brom, Rom, Romeo. --KZW8-—