UnttxMmigsßiütt „Augsburger Postzeitung". 9V. Dinstag, den 6. November 1894. Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas >L Grabherr in Augsburg lVorbesitzer Dr. Max Huttler). Bernward von Mdesherrrr. Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt. (Fortsetzung.) Willegis hielt dem Erwählten das offene Evangelienbuch vor. Dieser legte seine Hände auf den Text und sprach: „So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien Gottes I" Willegis sagte alsdann mit verständlicher Stimme: „Eine alte Satzung der heiligen Väter lehrt und befiehlt, daß derjenige, welcher zum bischöflichen Amt erwählt ist, zuvor auf das Gewissenhafteste, aber mit aller Liebe geprüft werde nach dem Ausspruche des Apostels: „Lege Niemand zu voreilig die Hände aufl" Mit diesen Worten leitete er die vorgeschriebenen neun Fragen über des Erkorenen Lebenswandel und die weiteren neun Fragen über dessen Glaubensbekenntniß ein. Nach bestandener Prüfung geleiteten die Bischöfe von Trier und Worms den Erwählten zu dem Con- secrator. Bernward beugte das Knie und küßte in Ehrfurcht des Erzbischofs Hand. Der legte hierauf die Jnful ab und begann das Staffelgebet. Der Erwählte wurde von den assistirenden Bischöfen nach dem Nebenaltare geführt, allwo er den Chormantel ablegte und wo ihm die bischöflichen Schuhe, die Sandalen, angezogen wurden mit den Worten des Propheten Jsaias: „Wie schön sind die Füße dessen, welcher den Frieden verkündet, vom Heile predigt und zu Sion sagt: Dein Gott wird herrschen." Hierauf empfing Bernward das Brustkreuz, wobei er selber die Worte des Apostels sprach: „Es sei ferne von mir, daß ich mich in etwas anderem rühme, als in dem Kreuze unseres Herrn Jesu Christi." Es wurden dem zu Weihenden dann die Tunika, die Dalmatika, das Meßgewand und der Manipel angethan. So geschmückt trat er in der Mitte der assistirenden Bischöfe zu seinem Altare, wo er die heilige Messe las bis zu der Sequenz, worauf er wieder zu dem auf dem Throne vor dem Hochaltar sitzenden Erzbischof geleitet wurde. Der sprach ein Segensgebet über ihn. Danach legte Bernward sich in Demuth zur Erde nieder, während Alle sich auf die Knie warfen und in heißem Flehen die Litanei von allen Heiligen anstimmten, auf daß den heiligen Aposteln ein würdiger Nachfolger gegeben werde. „Herr, wir bitten Dich, erhöre uns, segne, weihe, heilige Deinen Auserwählten I" Das war das Schlußwort, das einstimmige Herzensgebet, das innige Flehen, welches zum Himmel stieg. Nun erhoben sich Alle, und der Consecrator legte das Evangelienbuch offen auf Nacken und Schulter des vor ihm Knienden. Ein unbeschreiblich feierlicher und erhabener Augenblick war es, als in hoher, geheimnißvoller Bedeutung zu gleicher Zeit die drei Bischöfe mit beiden Händen das Haupt des zu Weihenden berührten und einstimmig sprachen: „Empfange den heiligen Geist l" Diese Händeauflegung sinnbildete den Schutz der allerheiligsten Dreifaltigkeit und vorzüglich die Gnaden- gaben des heiligen Geistes, so auf den Neugewählten in reichem Maße niederströmen sollten. Durch die Händeauflegung der Bischöfe wurde die heilige Weihe ertheilt. Nach vielen Gebeten und nach der allgemeinen feierlichen Anrufung des heiligen Geistes salbte der Erzbischof das Haupt und die Hände Bernwards mit heiligem Oele und Chrisma im Namen des dreicinigen Gottes, in Form eines Kreuzes. Dann überreichte er dem Knieenden den Hirtenstab und sagte: „Nimm hin den Stab des Hirtenamtes, damit Du bei Ahndungen der Fehler mit Liebe züchtigest, ohne Zürnen Urtheile fällst und durch Pflege der Tugenden die Gemüther der Zuhörer sänftigest und mit ruhigem Ernst Zucht und Strafe übest." Nach kurzem Gebet steckte er dem Geweihten den Bischofsring an den Finger mit den Worten: „Empfange den Ring, das Sinnbild der Treue, auf daß Du geschmückt mit dem unverfälschten Glauben die Braut Gottes, die heilige Kirche, unversehrt bewahrest." Nun erst nahm Willegis das Evangelienbuch von den Schultern Bernwards, überreichte es ihm geschlossen und sprach mit erhobener Stimme: „Nimm hin das Evangelium, ziehe aus und predige dem Dir anvertrauten Volke; denn Gott ist mächtig, daß Er in Dir Seine Gnade vermehre. Er, Der da lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit." Nachdem er das „Amen" gesprochen, umfing der Erzbischof den Neugeweihten zum heiligen FriedenSkuffe: „Der Friede sei mit Dir!" Bernward antwortete: „Und mit Deinem Geiste." Auch Egbert und Hildewald gaben ihm den Friedenskuß zur Versicherung wechselseitiger Liebe, Eintracht und Freundschaft, worin sie als Bischöfe der einen heiligen Kirche Gottes mit einander stehen und wirken wollten. Sodann feierte der ebengeweihte Bischof mit dem Erzbischof, der ihn geweiht, zusammen die heilige Messe. Ein rührendes Bild: Zwei Bischöfe an einem Altare, die wie zwei Bruder von einem Brode aßen, aus einem Kelche tranken! Nach vollbrachter Messe und nach feierlicher Segnung des Volkes nahm der Confecrator wieder seinen Thron ein. Der Neugeweihte kniete vcr ihm nieder, und Willegis setzte mit Beihilfe der assistirenden Bischöfe unter Segnungen, Gebeten und Gesängen die Mitra, „den Helm der Stärke und des Heils, den Kopfschmuck des Hohenpriesters", auf das Haupt des Knieenden. Mit gleicher Feierlichkeit wurden Bernward die bischöflichen Handschuhe angezogen, auf daß er seine geweihten Hände vor jeglicher Befleckung bewahre. Nachdem auch diese Ceremonie vollzogen war, erhob sich Willegis, faßte Bernward, den Bischof von Hildesheim, an seiner Rechten, Erzbischof Egbert nahm ihn an der Linken, so führten sie ihn auf den Bischofsthron, welchen der Con- secrator selber soeben verlassen hatte, ein Zeichen, daß er nun wirklich zum Oberhirten gesetzt sei und die oberste Leitung seiner Kirche anjetzo übernehme. — Willegis stimmte den Lobgesang an: „Dich Gott loben wir, Dich Herr bekennen wir!" Brausend fiel das Volk ein. Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Während des Tedeums wurde Reichskanzler. Bernward im ganzen hohenpriefter- lichenSchmuck mit Mitra und Stab von den assistirenden Bischöfen in Procession durch dieKirche geführt. Zum Schlüsse ertheilte er dem Volke den ersten feierlichen Segen als Bischof. Das war Bernwards Bischofsweihe. Das Ehrenmahl, welches der junge Kaiser seinem geliebten Lehrmeister prunkvoll und prächtig in der Königsburg hatte bereiten lassen, war für Otto selber kein Freudenmahl. Nur mit Mühe gelang es dem kaiserlichen Knaben, den Ausbruch seines Schmerzes zu bezwingen in Gegenwart der fremden Bischöfe, der Fürsten und des ganzen Hofstaats. Als er dann aber am Abende zum letzten Male mit dem väterlichen Freunde im trauten Gemach allein war, da brach Ottos gewaltsame Fassung zusammen, und seine Thränen flössen rückhaltlos. „Ohne Halt, ohne Stütze! Was beginne ich?" rief er verzweiflungsvoll. Auch Bernwards edles Antlitz wurde bleich. Er neigte sich in Liebe zu dem Knaben und flüsterte sanfte Bernhigungsworte, ja er legte seine Hände segnend auf das Haupt des Trauernden. „Mein Otto, Gott, der Allwissende, welcher mich von Dir trennt, daß ich meinem stammverwandten Volke ein treuer Hirt, ein Hoherpriester werde, läßt Dich nicht ohne Stütze. Hundertfachen Ersatz für meine schwache Kraft findest Du in dem frommen und weisen Prälaten Gerbert, dem gelehrten Leiter der Rheimser Domschule, so Du selber an Deine Seite gerufen hast. Gerbert, der ob seines Wissensschatzes von Abergläubischen sogar als Zauberer gepriesen wird, ist, das sage ich unbedenklich, der hervorragendste Geist unseres Jahrhunderts. Ihm schmiege Dich an, er wird Dich zum Guten lenken", also redete er auf Otto ein. Der feurige Knabe aber rief begeistert: „Als kostbares Vermächtniß nehme ich Gerbert zu meinem Lehrer an Eurer Stelle an. Der Prälat wird mir theuer sein, weil Ihr, mein Geliebter, ihn mir gleichsam als hohes Gut hinterlassen habt." „Mein Otto, ich werde immer an Dich denken, immer für Dich sorgen, immer zu Deinem Rath bereit sein, wenn Du es verlangst," erklärte Bernward innig. Der junge Kaiser aber warf sich in leidenschaftlichem Schmerz an des scheidenden Lehrers Brust: „Ja, Ihr sollt immer an mich denken, immer für mich beten, und damit Ihr das thut, so theile ich mit Euch — ja ich Selbstsüchtiger theile mit Euch das Beste, was ich habe." Der Kaiser löste eine an seiner Schnur getragene elfenbeinerne Kapsel von seinem Halse, öffnete dieselbe, und inmitten von Edelsteinen und köstlichen Perlen zeigte sich Bernwards Blicken ein schlichtes Kreuz. „Seht, das ist ein Stück vom wahren Kreuzesholze, daran unser Heiland sein Leben hingab. Meine Mutter Theophano brachte das Heiligthum von Palästina zu uns." Bernward sank auf die Knie und küßte in tiefster Ehrerbietung die Reliquie vom heiligen Kreuze. „0 orux uv6, sxes uniou! O, heiliges Kreuz, sei gegrüßt! Du meine Hoffnung, Du meine Stärke, Du meine Hilfe, sei gegrüßt! Mögest Du mir immer bleiben das Siegeszeichen wider den bösen Feind, die Quelle meines Trostes und meine Ruhe in Trübsalen! Ja, möge das heilige Kreuz mir sein der Stab meines Alters, die Zuflucht meines Lebens, die Waffe wider alle Feinde!" Mit rascher Hand trennte Otto einen Theil der heiligen Reliquie los, legte den Splitter auf eine goldene Schale und überreichte ihn dem Knieenden. Der rief feurig: „Mit solchem Gnadengeschenk willst Du mich, willst Du die Hildesheimer Kirche auszeichnen? O, habe tausendfachen Dank, mein Ottto! Nimm Dank auch im Namen meines Volkes! Ich werde dem kostbaren Schatz Allerseelen MsW MM W 700 mit allen Kräften meiner Kunst eine würdige Umhüllung schaffen." Otto sprach schwärmerisch: „Ich bin beglückt, wenn ich Euch eine Freude bereiten konnte. O, ich möchte die ganze Welt zu Euren Füßen legen!" Noch einmal zog der Bischof von Hildesheim den liebenswürdigen Knaben an sein Herz, noch einmal legte er ihm segnend die Hände auf, dann schied er. (Fortsetzung folgt.) -- Der Aöend-Segen. Eine Episode aus dem Leben des Bischofs f Pancratius von Dinkel. Pancratius, der Bischof, er hält nun lange Rast Im hohen Dom zu Augsburg als müder Gottesgast. Pancratius der Gute einst hielt er kurze Rast Auf einem Edelsitze als hochgeehrter Gast. Der Graf mit all' den Seinen im hohen Speisesaal Sie saßen mit dem Gaste lang nach dem Abendmahl. Da schlägt's vom nahen Thurme, die Gräfin winket sacht: „Nun ist es Zeit, ihr Kinder, sagt alle schön „Gut Nacht!"" In pünktlichem Gehorsam erheben sie sich leis Und nah'n die Hand zu küssen dem edlen Priestergreis. Nur eines steht noch zaudernd, das Jüngste, und es spricht« „Mama, den Abendsegen, den haben wir noch nicht." „Mein Kind, den Abendsegen vergaß ich heute fast, Den gibt uns heute allen gewiß der hohe Gast!?" Der Bischof nickt Gewährung, sie sinken auf das Knie, Und er erhebt die Rechte und segnet liebreich sie. Mit Dank sie sich erheben, das Jüngste aber spricht: „Das ist kein Abendsegen, so macht man ihn gar nicht." Verlegen steh'n die andern, der Bischof aber lacht: „So zeig' 'mal Deinem Bischof, wie man den Segen macht!" „Bring mir, Mama, ich bitte, geweihtes Wasser her!"' Die Gräfin thuet lächelnd nach kindlichem Begehr. Eintaucht die liebe Unschuld das Fingerlein ganz sacht, Worauf es dann dem Bischof drei Kreuzlein zögernd macht: „Im Namen Gott' des Vaters", so spricht es wohlbedacht, „Des Sohnes und des Geistes— so wird's bei uns gemacht!" Der Bischof spricht gerühret: „Herr, Gott, ich danke Dir Für diesen Abendsegen, er sei zum Zeichen mir. Für meinen Lebensabend sei er ein Zeichen hold; Hab' Dank, mein Kind, Dein Segen gilt mehr als schweres Gold!" Und steh, den Gott gesegnet durch eine Kindeshand, Gesegnet ist sein Name bis über'n Grabesrand. Pancratius, der Bischof, nun hält er lange Rast Im hohen Dom zu Augsburg als stiller Gottesgast. Doch sieht sein Auge nieder vom Himmel jede Nacht Und fragt Dich, Kind und Mutter: „Wie wird's bei Euch gemacht?!" Gerhauser M. -—1-^ -I—-- Goldkörner. Zwei Menschen, die einen Tag lang auf einander angewiesen sind, lernen sich besser kennen, als wenn sie sich Jahre lang in der Gesellschaft begegnen. Herbert. Wenn Jemand sich selbst tadelt, büte dich wobl ihm beizustimmen. Mann und Frau mögen sich zanken, sie ergreifen aber sofort Partei gegen Jeden, der sich hineinmischt. K. So hart ist kein Tyrann, Zu fordern von einem Mann, Was mancher aus freien Stücken Sich ladet auf seinen Rücken. I. Trojan. Den Esel kenn' ich an seinen Ohren, An seiner Zunge kenn' ich den Thoren. K. Man steht dem Alles nach, von dem man keine Besserung mehr erwartet. So macht es Gott auch oft mit dem Sünder — er sucht ihn nicht mehr heim. K. Das 150jahrige Jubiläum des kgl. bayer. 4. Chevauleger-Kegiments „König". Als im Jahre 1800 Bayern mit Frankreich sich verbunden hatte, war dem Regimente neuerdings Gelegenheit gegeben, diesmal im Kampfe gegen Oesterreich, seine Bravour zu beweisen. Von den besonders glänzenden Waffenthaten seien erwähnt: die Ueberrumpeluug der Stadt Jglau unter Major Graf Anton von Nechberg und Nothenlöwen, der Todesritt des Regiments am 25. Dez. 1805 gegen die österreichischen Ulanen bei Stecken, wobei Graf Nechberg mit Säbelwunden und Lanzenstichen bedeckt in die feindliche Gefangenschaft fiel, das Gefecht von Strehlen, 24. Dez. 1806 , in welchem Rittmeister v. Zandt die schwerbedrängte württembergische Reiterei herausriß. Ein keckes Bravourstück lieferte Rittmeister Kraus, indem er bei Kosel mit einem Häuflein von 60 Reitern ein Bataillon in der Stärke von 800 Mann überfiel, dasselbe zersprengte und ihm die beiden Kanonen abnahm. Leider fiel Hiebei der tapfere Oberlieutenant Wilhelm Freiherr v. Kleudgen. Gleiche Bravour zeigten unsere Chevaulegers in dem Treffen von Niederhandorf bei Glatz, wo sich Major v. Hertling den Max-Joseph- Orden erkämpfte. Im Feldzuge von 1809 war es dem Regimente leider nicht gegönnt, an den Ruhmestagen von Abens- berg, Eckmühl und Landshut theilzunehmen. Der Hauptmoment dieses Feldzuges gipfelte für das Regiment in dem Treffen von Staatz in Mähren am 9. Juli 1809, in welchem sein tapferer Oberst August v. Florett an der Spitze des Regiments den Heldentod starb. Er wurde von einem Pistolenschuß mitten in das Herz getroffen. Wohl war Friede zwischen Oesterreich, Frankreich und Bayern geschlossen, aber für das Heer gab es keine Ruhe; es galt, den grausamen Aufstand in Tirol niederzuwerfen, wobei das Regiment mit Auszeichnung bei Innsbruck und am Jselberge kämpfte. Erst am 15. Januar 1810 konnte es wieder in seine Friedensgarnison nach Augsburg zurückkehren. Am 17. März 1812 marschirte das Regiment unter dem Kommando des Grafen Seyssel d'Aix ab; der ruf- 701 fische Feldzug hatte begonnen. Der Marsch ging durch Sachsen und Schlesien nach Posen. Auf den litauischen Feldern hielt Napoleon I. Heerschau über seine bunten Völker. Unser Regiment, welches am 12. Juli in Wilna eingerückt war, sowie alle übrigen Abtheilungen der Division Preysing ernteten ob ihrer Strammheit und ihres trefflichen Aussehens hohes Lob von Napoleon. Diese Division, in Gemeinschaft mit der leichten Batterie Wied- mann, bildete laut der napoleonischen Schlachteintheilung viant und die Fourage mit Ausnahme des eisernen Bestandes zurücklassen und die Verpflegung direkt vom Hauptquartier stattfinden sollte. Alle Operationen der kaiserlichen Garde machte im Verlaufe des Feldzuges die Division Preysing mit, und erst in den Ausgangsstadien der Campagne wurden unsere Grünröcke mit dem Kavalleriecorps Montbrunns und dann späterhin mit dem Corps des Vicekönigs von Italien derart verschmolzen, daß es schwer hielt, die einzelnen Bewegungen dieser Elitetruppe gehörig MMMZ M«» SMM MWM M» GWN !lMW Die Uniformen des kgl. kaycr. 4. Thevaulegers-Uegimenls. (Aurfürst-Chevaulegers 1799.) den Flügel der kaiserlichen Garde. Graf Preysing hatte die Verständigung erhalten, daß seine Division und folglich auch unser Regiment von dem übrigen bayerischen Corps abgetrennt werden und nur einzig und allein von der kaiserlichen Garde abhängig sein solle. Diese Norm sollte für die Dauer des ganzen Feldzuges gelten. Man verlangte von diesem Corps, gleich den anderen Truppen, das Maximum leichter Beweglichkeit, und deßhalb war im Einverständnisse mit dem Generalstabschef Berthier die Verfügung getroffen worden, daß die Bayern ihren Pro- zu verfolgen. Jedenfalls haben sich die Königs-Chevau- legers wacker gehalten, selbst in den ungünstigsten Verhältnissen, und es waren nur wenige Offiziere, die sich nicht vor dem Feinde einige bayerische und französische Ehrenzeichen mit dem blanken Pallasch erkämpft haben. In der That hatten bei dem Einmarsch in Rußland, in steter Fühlung mit einem immer unfaßbaren, jeden Zusammenstoß meidenden Gegner, unsere Chevaulegers das denkbar Möglichste geleistet, und der ritterliche Vicekönig, Prinz Eugen, der Stiefsohn Napoleons, hatte dem Obersten Graf von Seyssel d'Aix sein Lob über unser Regiment in den ehrenden Satz zusammengefaßt: „Die Chevaulegers des Königs von Bayern kennen nichts, was für sie unmöglich wäre, es gibt keinen Lobspruch, den ick ihnen nicht zutheilen dürfte." Insbesondere waren es die Offiziere ten, wacker die erzürnten Wogen theilten und, obwohl abwärts getrieben, sich dennoch rasch jenseits des Ufers wieder sammelten, aufsaßen, die Säbel zogen und die verblüfften Russen in die tiefe Nacht ihrer Wälder jagten. Es hieße den Rahmen dieser Schilderung um ein Be- MB Es- LhlH.: unseres Regimentes, Westcrnach, Zandt, Besserer und Hertling, welche, ihrem edlen Obersten nacheifernd, gar manche wackere Neiterthat vollbrachten und selbst den Graubärten der alten Garde, den „6lroZnon8", die höchste Bewunderung abrangen, als sie sich in die Fluthen der in ihrem Felsenbette rasch dahinrauschenden Düna stürz- deutendes überschreiten, wollten wir all' der Reiterstückchen gedenken, die theils von unserem ganzen Regimente, theils von einzelnen Abtheilungen dieser Heldenschaar vollbracht wurden. (Fortsetzung solgt.) -S-8Ü8-4«- Clieuc» uleserrs Hier»i»irr»» 1» <1792—1799). 703 — 703 Durch Kabinetkordre. Von Adolph Müller. - (Nachdruck verboten.? Gerade vor 100 Jahren, am Morgen des 4. Nov. 1794, waren dw Bänke der akademischen Kirche in Dillingen ganz voll von Studenten und Hörern an der Universität. Das neue Schuljahr wurde durch einen feierlichen Anfangsgottesdienst eingeleitet. Aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes waren die Jünglinge wieder herbeigeeilt, um für Wissenschaft und Tugend sich begeistern zu lassen. Nahe dem Hochaltare konnte man die bischöflichen und päpstlichen Alumnen bemerken im schwarzen Talare und mit weitfaltigem, von den Schultern herabhängendem Mantel. Im Schiffe der Kirche hatten sich die Studenten und Hörer versammelt, welche in der Stadt wohnten; darunter viele Söhne aus bekannten, hochadeligen Häusern. Vorne aber waren mehrere roth behangene Bänke noch leer; hier hatten der Rektor und die Professoren der Universität ihre Plätze. In früheren Zeiten sah die Universität selten so viele Studierende um ihre Katheder. Seit dem Jahre 1784 aber war deren Zahl mit jedem neuen Schulbeginns gewachsen, und namentlich der Zuzug von auswärts wurde immer größer. Im genannten Jahre berief der Churfürst von Trier und Bischof von Augsburg, Clemens Wen- zeslaus, den schon aus mehreren Schriften bekannten Professor Johann Michael Sailer nach Dillingen, und zwar (wie es im Anstellungsdecret hieß) als Lehrer der Pastoral- und Volks-Theologie und Ethik. Zugleich mußte er für alle Akademiker Religionsvorlesungen halten. Dieser nun wurde bald der Magnet, welcher die Studierenden aus Nah und Ferne anzog. SeineLehrmethode war eine neue und ungewohnte. Er trug in deutscher, gut gewählter Sprache seinen Gegenstand vor und verstand es, selbst voll innerer Wärme, auch die Herzen seiner Schiller zu begeistern. Gerne verweilte er auch außerhalb seines Hör- saalcs im Kreise derselben. Während sich aber Viele des Mannes freuten und seine Schriften mit Eifer lasen, sahen Manche, besonders die Lehrer bei St. Salvator in Augsburg, mit scheelen Augen nach Dillingen. Allerlei Verdächtigungen wurden laut, als wäre Sailer nicht mehr zu trauen. Sein Einfluß auf die Jugend, hieß es, könne die verderblichsten Folgen haben. Einige hielten ihn für einen verkappten Freimaurer oder, wie es damals hieß, Jlluminaten, andern kam dessen reger Verkehr mit seinen Schülern in der Schweiz, deren viele dort Pfarrer waren, höchst bedenklich vor. Die Schweiz galt damals als einSam- melort der französischen Republikaner. Sailer hörte zwar von den verschiedenen Ausstreuungen gegen ihn, aber er that ruhig seine Pflicht und begnügte sich mit dem Vertrauen, das Clemens Wenzeslaus, der Augsburger Bischof, in ihn setzte. Endlich aber war es seinen Gegnern und Feinden doch gelungen, dieses zu erschüttern. Ein Gewitter zog sich über Sailer zusammen, ehe er es ahnte. DaS erste Wetterleuchten zeigte sich schon im Jahre 1793. Es erschien plötzlich eine Commission in Dillingen, um gegen Sailer und seine Kollegen und Freunde Zimmer und Weber eine Untersuchung einzuleiten und nach „den hier herrschenden verderblichen Principien und Plänen, nach den f Verbindungen und Zusammenkünften der Professoren, nach i den schädlichen Maximen mit einigen Jlluminaten* zu > fragen. Noch einmal ging die Gefahr der Entlassung I Sailers glücklich vorüber. Aber im Jahre darauf traf ihn doch der Blitz aus der Wolke, die längst über seinem Haupte hing. Am 4. November 1794 begab sich Sailer, mit demDoc- tor-Ornat bekleidet, in das feierliche Hochamt zur Eröffnung des Schuljahres. Er stand noch auf der Stiege, welche von seiner Wohnung zur akademischen Kirche führte, da überreichte ihm der Professor der Logik, Joseph Wanner, sein Ent- laffungsdecret. Bedrängt vom Bankhause Obwexer in Augsburg, welches dem Churfürsten von Trier sonst keine Darlehen mehr zu geben erklärte, hatte dieser das Schreiben unterzeichnet. Das Wort „Entlassung' war darin vermieden. „Unter Vorbehalt der Allerhöchsten Gnade,* hieß es, „wird Professor Sailer seines Amtes enthoben, weil der akademische Fonds für so viele Professoren nicht mehr zureicht." Es läßt sich errathen, was hinter dem Bankhause gegen Sailer für Umtriebe spielten. * Sailer war erstaunt noch auf der Stiege stehen geblieben, da schmetterten aus der nahen Kirche die Trompeten, wirbelten die Pauken. Die Professoren der Universität haben die Kirche betreten und das Hochamt beginnt. Der entlassene Professor aber schrieb selbigen Tages noch in sein Tagebuch an sich selbst die schönen Worte: Ruhe sanfter noch im Vorsichimutterschoße *) Eingewiegt vom scharfen Neidgeblök, Blühe schöner noch, wie Gottes schönste Rose, Scharf bewacht vom spitzen Dorngeheck, Wurzle tiefer noch, wie in dem Sturmgedränge Sich die Ceder gräbt auf Libanon, Schwing' dich höher noch, aus heißer Leiden Menge Schwang sich Jesus auf zum höchsten Thron. F ^ 4 Hans Sachs. *) d. i. im Schoße der hl. Vorsehung. 704 In Dillingen verweilte Sailer nicht mehr länger. Ohne jegliche Exiftenzmittcl — als Dillinger Professor erhielt Sailer keine Pension — stand er znm zweiten Male in seinem Leben auf der Landstraße. Am Morgen des 6. November treffen wir ihn bei seinem bewährten Freunde, dem Hofprediger Winkelhofer in München. Als Sailer an dessen Thürschwelle erschien, fragte ihn Winkelhofer: „Was thust Du da?" — „Sie haben mich entlassen," antwortet Sailer. — „Nun, so komm'I" ruft jetzt der Freund, „und ruhe aus in meinen Armen. Meine Stube, mein Tisch, mein Bett, meine Habe, mein Herz, alles das Meine ist Dein." Sailer hat uns dieses Zwiegespräch selbst erzählt, und in überquellendem Gefühle setzte er hinzu: „Mensch, wer Du immer bist, thue recht und fürchte nichts, thue recht und hoffe auf den Herrn. Wenn es an einem Orte zwei Hände gibt, die Dir wehe thun, so bereitet Dir Dein Gott an einem andern hundert Hände, die Dir wohl thun, und diese hundert Hände alle in einem Freunde." Weil Sailer auch in München von einer ihm einmal aufsässigen Partei verfolgt und verdächtigt wurde, so mußte er diese Stadt bald verlassen. Dem Münchener päpstlichen Nuntius Zoglio ward er genannt „als ein zu Dillingen im Verdachte des Jlluminatismus Entlassener". Auch verbot man ihm, in den Kirchen Münchens zu predigen, und der Stantskanzler v. Härtling erklärte zuletzt: „Seine churfürstliche Durchlaucht wünschen, daß er München und ganz Bayern verlasse." Sailer ging. In dem ungefähr 7 Stunden von München entfernten Ebersberg kannte er den Pfleger Beck, einen ihm sehr gewogenen Beamten. Der nahm ihn auf und beherbergte den Edlen 5 Jahre. Die ländliche Stille und der Verkehr mit einfachen, redlichen und guten Menschen thaten ihm wohl, und die schmerzlichsten Wunden sind dort vernarbt. Der Churfürst Clemens Wenzeslaus hat später seine Kabinetsordre selbst bereut. Als er bei einem Pfarrer im Allgäu einmal einige Werke Sailer's bemerkte, sprach er mit gerührtem Herzen: „Diesem Manne ist groß Unrecht geschehen." — Der entlassene Professor wurde später einer der berühmtesten Lehrer an der Universität Landshut und ist im Jahre 1832 als Bischof von Regensburg gestorben. Zu unseren Bildern Fürst v. Hohenlohe, der neue Reichskanzler. Fürst Chlodwig Cail Viktor zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinz von Rattbor und Korvey, ist geboren am 31. März 1819 als Sohn des Fürsten Fran, Joseph und der Fürstin Konstanze, gebornen Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg. Er studirte in Göttingen, Heidelberg und Bonn die Rechte, trat 1842 als Auskulwtor in Ehrenbreitstein in den preußischen Staatsdienst, wurde dann Referendar in Potsdnn und über- nahm 1815 die Verwaltung der Standesherrschaft Sänllings- fürst. 1846 trat er in die bayerische Kammer der Reichsräthe und machte sich durch seine freisinnige, demokratische Richtung bemerkbar. 1849 ging er als Reichsgesandter nach London. Im Jahre 1866 übernahm er von dem Frhrn. v. d. Pfordten die bayerische Ministerpräsidentschaft. Er ergänzte das bayerische Ministerium im liberalen Sinne durch Berufung der Herren von Hörmann und Gresser, und diesen Berufungen folgte alsbald ein „Revirement" etlicher RegierungsprLsidentenstellen in demselben Sinne. Die innere und äußere Politik des Ministeriums Hohenlohe entsprach weder den religiösen noch den politischen Gefühlen des bayerischen Volkes. Die Wahlen des Jahres 1869 gaben jdiesen Gefühlen Ausdruck, und zwar so kräftig, daß Fürst Hohenlohe sammt den Herren v. Hörmann und Gresser zurücktreten mußte. Es ist bekannt, daß sich das Mißtrauensvotum der ReichSrathSkammer auf das G esamm t- ministerium erstreckte und daß sich an der Votirung desselben die Prinzen des königlichen Hauses, der jetzige König und der nunmehrige Prinz-Regent an der Spitze, aussprachen. Im Jahre 1871 wurde Fürst Hohenlohe im Wablkreis Forchheim in den Reichstag gewählt, wo er sich der Reichspartei, auch Botschafterpartei, anschloß. Fürst Hohenlohe war es, welcher damals im Reichstag den Antrag auf Austreibung der Jesuiten stellte, nachdem der altkatbolische Konventikel im Münchener Glaspalast auf Antrag des Herrn Mickelis eine dahin lautende Resolution gefaßt hatte. Bei der nächsten Wabl ließen die Forllheinnr den Fürsten fallen, Fürst Bismarck aber berief ihn in den Reichsdienst, in welchem er als Botschafter in PariS und seit 1885 als Statthalter in Elsaß-Lothringen wirkte. Allerseelen. Allerseelentag ist — das Fest der Todten I Die Lieben, die dort unter den Hügeln ruhen rings um das Kircklein, ihnen gellen beute unsere Gebetei Ihnen gelten die Kränze, aus Herbstesblumen gewunden, die ihre Gräber schmücken sollen. In Festgewinden wird der Friedhof prangen, einem weiten Garten gleich! Jung und Alt ziehen zum Kurble n auf luftiger Höhe, um die Gaben der Liebe den theueren Dahingeschiedenen darzubringen. Auch Du, lieber Leser, wirst Dein Allerseelen feiern, wirst jener gedenken, die Dir im Leben einst so nahe gestanden! Und wenn Du am Grab stehst und Deine Gedanken und Deine Liebe hinabsteigen zu jenen, die der Hügel deckt — denkst Du nicht: Hier kannst Du auch bald schlummern? Hans Kochs, dessen 400jäbriges Jubiläum am 5. November l. I. begangen wird, (der hervorragendste und fruchtbarste weltliche deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts), ist 1494 am genannten Tage zu Nürnberg als Sohn eines Schneiders Jörg Sachs geboren. Er besuchte eine der Lateinschulen seiner Vaterstadt. Im Frühjahr 1509 trat er als Lehrling bei einem Schuhmacher ein, begab sich nach Vollendung seiner Lehrz-it auf eine fünfjährige Wanderschaft. die ihn über Regensburg. Passau, Wels nach Innsbruck führte. Bereits als Lehi ling in Nürnberg hatte sich Hans Sachs der Meisterstngerkunst gewidmet; er betrüb dieselbe auf seiner weiteren Wanderschaft mit Eifer, dichtete 1513 sein erstes „Bar" und fuhr ebensowohl fort, sich in den künstlichen Strophen und Tönen des Meistergesanges zu üben, wie vermuthlich schon zu dieser Zeit in freieren, volksthümlicheren Formen zu dichten. 1516 war er wieder nach Nürnberg zurückgekehrt. Im folgenden Jahre wurde er Meister seiner Zunft und verheiratete sich sodann. Neben den Eindrücken, die ihm die Wanderjahre und das reiche Leben Nürnbergs boten, wirkte auch eine ausgebreitete Lektüre auf seine Phantasie und seinen Gestaltungstrieb. Die bl. Schrift, theologische Traktate, die römischen und griechischen Schriftsteller usw. wurden gelesen und benutzt. 1560 starb seine Frau. Bereits nach anderthalb Jahren schloß der greise, aber noch rüstige Sachs eine zweite Ehe. Ueber die Zahl seiner dichterischen Schöpfungen führte Sachs ein eigenes Register. 1567 zählte er 4275 Meisterschulgedichte, 1700Erzählungen. Schwänkerc. und 208 dramatische Dichtungen. Hans Sachs starb am 19. Januar 1576. Innerhalb seiner Welt hat er Unübertreffliches geschaffen. Sind seine poetischen Erzählungen und Schwanke auf epischem, seine Fastnachtsspiele auf dramatischem Felde die Krone seiner Schövfunaen, so darf, was er im didaktischen Ge- dicht und im ernsten Drama geleistet hat, keineswegs gering angeschlagen werden. Naive Frische, Treuherzigkeit, lebendige Beweglichkeit und witzige Schalkhaftigkeit sprechen aus allen seinen Werken; viele seiner Schwanke und poetischen Erzählungen wirken nach 300 Jahren noch mit unverminderter Frische. Aei den Gräbern. Wohl gibt's ohn' bange Klagen Kein Herz und keinen Ort; Doch ach, wie „Grab" und „Sterben" So traurig klingt kein Wort. Allein es klingt auch keines So hell wie „Auferstehen", So schön wie „Ewiges Leben", So süß wie „Wiedersehen". RoUsr. --EZS--