„Augsburgrr Postzeitung". 97. Ireitag, den 30. November 1894. Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instiiurs von HaaS L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttler). Sernumrü von Httdesheim. Erzählung aus dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt. (Fortsetzung.) Klaus drängte ungeduldig: „Du, meine Julia, Du liebst den deutschen Künstler ohne Rang, ohne Haus und Hof; Du willst als seine Gattin ihm folgen?" „Gewiß, mein Klaus", antwortete Julia. Da machte der lebhafte Rheinländer einen Freudensprung und rief: „Dann wirst Du meine Hausfrau werden! Sei versichert, Graf Otto von Lomello giebt mir seine Tochter." Julia schüttelte bedenklich das Köpfchen. Eine geringfügige Sache hatte der Römerin mißfallen. „Warum, lieber Freund," so fragte sie ernst, „warum stelltest Du Deine Streitkraft bei der Belagerung von Tivoli Deinem Kaiser nicht zur Verfügung?" „Warum?" Er schaute sie vorwurfsvoll an. „O Julia, Du kannst fragen, warum, und weißt doch, welch ein Magnet mich hier zurückhielt. Doch" — er starrte qualvoll sinnend, mit sich selber kämpfend, vor sich nieder — „Julia, Herzgeliebte, einmal mußt Du es doch erfahren, ehe Dn mir angetraut bist," sagte er mit plötzlichem Entschlüsse. „Julia — Du weißt es nicht — ich konnte ja nicht kämpfen, gleich den Sachscnhelden — ich bin — ein Krüppel — ich habe nur den einen, den rechten Arm." Die Wirkung dieses Bekenntnisses war für den armen Klaus eine furchtbare: Bleich, taumelnd vor Entsetzen wankte die schöne Julia zurück; wie ein Marmorbild lehnte sie sich an den nächsten Pfeiler. „Du, Klaus, hast nur einen Arm — Du bist ein Krüppel? Entsetzlich! Wie konntest Du Dich mir nähern? Gehe und komme niemals wieder!" Es war, als ob ein Fieberfrost die zarte Gestalt schüttelte, als ob Julia, völlig entnervt, mit ausgestreckten Händen ein gespenstig drohendes Grausen, die Gefahr einer Berührung von sich abwehren wolle. Klaus sprach keinen Laut. Einen großen erstaunten Blick warf er auf die Erregte, dann wandte er sich um und ging. In seiner Brust aber war etwas erstürben. Ja, es war, als ob er selber zu Eis erstarrt sei. Betäubt ging er. Wohin? Er wußte eS nicht. Nur eins kam ihm dumpf zum Bewußtsein: Fort, fort aus diesem Hause, aus ihrer Nähe. .So gelangte er, ohne zu wissen wie, hinab in die ewige Stadt. Hier unter den großen Trümmern, hier,wo die Thaten der Helden zu ihm sprachen, löste sich seine Erstarrung in stürmischen Schmerz auf. Er schaute an den halbzerstörten Tempeln und Palästen des alten Forums empor und lachte bitter. „Hier ist mein Platz. Zwischen Deine Ruinen, Du hehre Noma, Du Niobe unter den Städten, gehöre ich. Du stehst da wie erstarrt und versteinert, im Uebermaß des Schmerzes über den Untergang Deiner ehemaligen Größe. Auch mir ist alles Glück in Trümmer gesunken." Und während er das Forum auf und ab stürmte zwischen den Bogen des Titus und des Severus, da wurde er allmählig ruhiger. Er schaute empor. „Wo ist das große freie Volk, der Senat, der Prunk auf dem Capital? Wo sind die großen römischen Helden, die hier gelebt und gelitten? Begraben, begraben unter dem Scherbenberg, wie auch ich es bald sein werde." Fast scheu wandte sein Blick sich nach der Gegend, wo er das Kolosseum wußte. Der Mond stand schon zu einem großen Goldschild gewachsen darüber. „Wer die Märtyrer, welche Sprache reden sie zn mir!" Er erröthete heftig. „Unmännlicher Schwächling!" so schalt er sich selber. „Wie kannst Du um eine verlorene Geliebte eine einzige Thräne vergießen, wenn Dn hier stehst vor diesem großen Ehrenfelde, wo glaubensstarke Helden ihr Blut und Leben in heiliger Liebe für Gott hingegeben haben! Wie erbärmlich klein ist doch mein eigenes Leid gegen die Seelenkämpfe dieser christlichen Heroen! Nein, nein, ich darf nicht thatlos trauern, ich muß schaffen und wirken zu Gottes Ehre in begeisterter Ausübung frommer Kunst." So ward in dieser großen Umgebung das todes- wunde Herz des Armen gestärkt und sein Geist neu belebt zu künstlerischer Schaffenskraft. Wie aus einem schweren Traume erwachend, blickte er um sich her. Was war das? Die Menschen rannten so aufgeregt durcheinander. Ja, sie rotteten sich zusammen mit drohenden Gebärden. „Das ist auch einer der Anhänger des deutschen Knaben, der sich Kaiser der Römer nennt!" rief eine rauhe Stimme. 754 „Ergreift und bindet ihn! Schlagt ihn nieder!" wurden andere Rufe laut. Ehe Klaus ahnte, daß die Rufe ihm selber galten, fühlte er sich gepackt, zu Boden gerissen und als ein dem Tode verfallenes Opfer fortgeschleift, bis ihm die Besinnung verging. Daß Otto von Lomello mit seiner Unheilprophezeiung Recht gehabt, das sollte Kaiser Otto am selben Abend erfahren. Er wollte noch zur späten Stunde sich in den Lateran zur Berathung mit dem Papste begeben, fand aber die Straßen von Rom verrammelt, ja fast die Wege zur Rückkehr auf den Aventin versperrt. In schwerer Sorge brachte Otto die Nacht hin. Es litt ihn nicht auf dem Lager, und beim Morgengrauen erkannte er, daß die Römer in großer Menge bewaffnet den Aventin umringten. Just in dem Augenblick, als er Befehl gab, die Zugbrücke aufzuziehen und die Burgthore zu verschließen, da kam Herr Thangmar keuchend an. In seinen Armen trug er eimn Leblosen. Das war Klaus. Er legte ihn sanft auf die Erde. „Dal Habt Sorge für ihn. Vielleicht ist er noch zu retten," sprach er zu den Burgleuten. Dann wandte er sich zum Kaiser: „Hoher Herr, die Römer wollen Euch gefangen nehmen. Das soll ihnen nicht gelingen. Es ist gut, daß Ihr Euch verschanzt und Eure Mannen bewaffnet. Auch sollen die Dienstleute ein großes Feuer anzünden und Pech sieden. Wir wollen uns wehren, daß sie Eurer nicht habhaft werden. Schlimm genug ist's freilich, daß Ihr Euere Kriegsmannen alle zurück in's Lager nach der Campagna geschickt habt. Die wenigen Euerer Mannen, die da drinnen sind", er deutete hinunter auf die Stadt, „läßt das Römervolk nicht mehr heraus. Hingegen war ich Zeuge, wie sie mehrere aus Euerem vornehmen Gefolge, mit Namen kenne ich sie nicht, erschlugen. In Sanct Peter hatte ich mich mit dem Gebete verspätet. Da kam ich gerade zur rechten Zeit, um den Klaus zu retten. Ich erkannte ihn an seinem langen Haar. Sie hatten ihn vor eine Taberne geschleift und schlugen mit Knütteln auf ihn los. Wie ein Ungewitter fuhr ich dazwischen, nahm ihn auf meinen Arm und ging. Stumm sahen die Leute mir nach, sie waren verblüfft." „Habt Dank!" sprach Bischof Bernward. Der war inzwischen nahe gekommen und reichte seinem Freunde die Hand. Die Thore waren geschloffen. Die Mannen eilten, sich zu bewaffnen, und schleppten Haufen von Bogen und Pfeilen, von Aexten und Speeren herbei. Für ein bis zwei Tage wird unser Mundvorrath reichen," meinte der Burgwart; „dann aber müssen unsere deutschen Helven zur Stelle sein, wenn wir nicht der Gefangenschaft oder dem Hungertode verfallen sollen." Otto rief außer sich vor Schmerz: „O, welch' ein Vorgehen meiner Römer gegen ihren Kaiser! Welch' eine Verblendung von mir, eine Wiederherstellung des römischen Kaiserthums zu erhoffen! Durch meine hochfliegenden Pläne habe ich die Strafe verdient." Er barg sein Antlitz in den Händen. Bernward legte seine Rechte beruhigend auf dessen Schulter. ^ „Klage Dich nicht an, mein Otto. Du bist ein Sohn Deiner Zeit. Unsere Chronisten schreiben in lateinischer Sprache unsere Dichter gießen den deutschen Heldengesang in die Form, welche wir an Virgil bewundern. Noswitha von Gandersbeim verfaßte ihre Schauspiele nach dem Vorbilde des Terenz, und ich selber — nun, ich will meine christlichen Gedanken in die Form der römischen Kunstwerke kleiden, welche ich hier anstaune. Wer kann es Dir verdenken, daß Du, was wir alle auf dem Gebiete geistigen und künstlerischen Schaffens erstreben, mit kühnem Griff auf das wirkliche Leben übertragen, daß Du auf christlichem Boden den Glanz des alten römischen Kaiserreiches wieder beleben willst!" Da flog zischend ein Pfeil zwischen ihnen durch. „Hoho, der erste Gruß! Ihr Herren, da heißt's, die Kriegskleider anlegen!" rief Thangmar. Bernward schlang seinen Arm um den geliebten Kaiser. „Mein Otto, setze Dich nicht ohne Noth dem Undank des römischen Volkes aus. Wir wollen Dich schützen", so sprach er und zog den Niedergeschlagenen mit sich zu den festen Mauern der Pfalz. Das wurden schlimme Tage für die Eingeschlossenen auf der avcntinischen Burg, nicht weil die Römer allzusehr mit Wurfgeschossen und mit Waffengewalt dräuten, sondern weil es geschah, wie der Burgwart vorhergesagt, weil schon am zweiten Tage der Mundvorrath zu Ende wart und das Gespenst des Hungers nahte. Jeden Sturm der in so kurzer Zeit noch nicht zum Angriff vorbereiteten Römer hätte die kleine Besatzung hinter solch festen Mauern zurückgeschlagen. Das wußten die Belagerer. Ihre Absicht war, den Kaiser und seine Treuen durch Hunger zu bezwingen. In der Morgenfrühe des vierten Tages stand Otto mit Bernward auf der Warte. Gemeinsam spähten sie nach dem Lager in der Campagna aus, aber keine Hilfe ließ sich blicken. Die deutschen Freunde wußten ja nichts von ihrer Noth. „Wir müssen einen Ausfall machen", sprach Bernward. „Laß' zur Kapelle läuten, ich will zu unsern Mannen reden." Auf den silberhellen Ruf der Glocke Hamen Alle zum Kirchlein. Da stand Bernward, sprach von der zwingenden Noth und von Buße und Sündenvergebung. Und es war Keiner, der auf seine ergreifende Rede vom Beichtstuhl zurückblieb. Bischof Bernward feierte dann festlich die heilige Messe, reichte dem Kaiser und allen Andern die heilige Wegzehrung, auf daß sie gekräftigt dem Tode in's Auge schauen konnten und tapfer auf die Feinde einzudringen vermochten. Noch einmal nach langem inbrünstigem Gebet bestieg er im Kriegskleide die Kanzel. Sein Antlitz strahlte. In der Rechten hielt er die heilige Lanze, darin waren Nägel vom Kreuze Christi verschmolzen. Hoch hob er das heilige Kleinod und gab den Segen in Form des lebendig machenden Kreuzes. „Mir nach, es wird gelingen!" so rief der fromme Streiter und stürmte vor. Unverzagt folgte die Schaar der Belagerten. Die heilige Lanze entsandte Blitze, aber der Träger derselben erflehte mit Inbrunst Frieden von Gott. Und siehe, der Friedensfürst, Gott selber, segnete Bernwards Gebet und seinen Muth: Als das Thor der avcntinischen Burg aufflog und der Bischof, mit der heiligen Lanze gerüstet, „schrecklich 755 blitzend" vor der ersten Kampfreihe der Kaiserlichen sichtbar ward, da brach's mit Macht auch von der Seite her in den Feind. Herr Heinrich von Bayern hatte in seinem Lager durch Dedi, einen kleinen Hildeshcimer Kunstschüler, so überall still durchzuschlüpfen gewußt hatte, Kunde erhalten von der Bedrängniß des Kaiserlichen Vetters. Er fuhr mit seinen Mannen wie ein Sturmwetter zwischen die Reihen der aufrührerischen Römer. Diese legten sehr rasch besänftigt die Waffen nieder, baten demüthig um Frieden und versprachen dem Kaiser unerschütterliche Treue. So schien Aufruhr und Zwietracht beschwichtigt. Unterdessen bestieg Otto aber einen Thurm der Pfalz und rief die Aufrührer folgendermaßen an: „Höret die Worte Eures Vaters. Seid Ihr meine Römer? Um Euretwillen habe ich mein sächsisches Vaterland und meine Verwandten verlassen, aus Liebe zu Euch die Sachsen und alle Deutschen, ja mein eigen Fleisch und Blut hintangesetzt. Habe ich Euch nicht in die entferntesten Theile der Welt geführt, wohin Euere Väter, als sie den Erdkreis beherrschten, niemals den Fuß gesetzt haben? Euern Ruhm und Euern Namen habe ich bis zu den Grenzen der Erde verbreitet. Euch habe ich Allen vorgezogen, um dadurch den Haß Aller auf mich zu laden. Und nun wolltet Ihr zum Dank dafür von mir abfallen. Nachdem Ihr meine lieben Freunde grausam erschlagen habt, wolltet Ihr mich aus der Stadt verjagen. Wie konntet Ihr mich ausschließen wollen, mich, der mit väterlicher Liebe Euch umfasset und niemals Euch aus seinem Herzen verbannen wird?!" In tadellosem Latein hatte der Kaiser die Worte gesprochen. Wie ein schönes bleiches Marmorbild aus Meisterhand geschaffen stand er vor den schönheitsempfäng- lichen Römern. Zu Thränen wurden die Empörer gerührt, ja sie schleppten die Häupter des Aufstandes halbtodt in den Thurm dem Kaiser zu Füßen. So war diese Empörung niedergekämpft. In der Seele des Kaisers aber war ein Stachel zurückgeblieben. Tiefe Verstimmung und Enttäuschung über das Mißlingen seiner Pläne, über den Undank der Römer hatte sich seiner bemächtigt. Er beschloß, zugleich mit dem geliebten Bischof Bernward die ewige Stadt zu verlassen und ^draußen ein Lager aufzuschlagen. Bernward, den nichts mehr in Rom zurückhielt, war nun auf seine Heimkehr bedacht. Südlich von Sanct Peters Basilika, außerhalb der Stadt, aber mit ihr durch einen Säulengang verbunden, prangte über dem Grabe des Apostelfürsten Paulus die ihm geweihte Basilika, ein wunderbar herrlicher Bau. Ehe Bernward von der heiligen Stadt Abschied nahm, lenkte er noch einmal zu diesem weihevollen Gotteshause seine Schritte. Hier wollte er seinen heißen Dank aus- sprechen für die Gnade, so der Allgütige ihm auf der Reise gewährt hatte, wollte er Schutz für die Heimfahtt erflehen. Aber auch reiche Geschenke des Kaisers, kostbare Reliquien, sollte er daselbst in Empfang nehmen. Herr Thangmar nur und seine Schüler Heribert und Klaus durften ihn begleiten. Letzterer, halb genesen, wollte um keinen Preis auf seinem Lager bleiben, als Heribert ihm mittheilte, welches Glück ihm geboten werde. So betrat Bischof Bernward und sein kleines Gefolge eine Vorhalle mit vierfachen Säulengängen und einem rauschenden Springbrunnen. Durch daS mittlere der sieben Thore, welche in das Innere führten, gelangten sie in das Heiligthum. Welch ein Anblicks Vom hehren Eindruck überwältigt blieben sie bewundernd stehen: Viermal zwanzig gewaltige Marmorsäulen schreiten in langen Zeilen durch die Basilika, theilen den Raum in fünf Schiffe und tragen die schönen, reich gezierten Bogen. Aus Cedern vom Libanon ist die Decke gebaut, sonnenähnlich überkleidet, mit goldenem Schimmer. Darstellungen aus der heiligen Geschichte des alten und neuen Testaments zieren die hohen Wände. Beim Abschluß des Mittelschiffes erhebt sich ein goldstrahlender Triumphbogen über dem mit prächtigem Baldachin überschatteten Hochaltar. Ueber den von Niescnsäulen gestützten, mit goldglänzender Mosaik besetzten Triumphbogen erscheint das Brustbild Christi, neun Strahlen gehen vom göttlichen Haupte aus, und ein in allen Farben spielender Lichtkreis umfließt es. Bei den Ansätzen des Bogens stehen die beiden Apostelfinsten. Heiliger Ernst, himmlische Majestät und Erhabenheit spricht aus deren Zügen. Die Besucher sinken in Andacht nieder. Dann folgen sie dem Führer, den der Kaiser dorthin geschickt hat, zur Gruft des heiligen Timotheus. Der Sarg öffnet sich auf Vernwards Wunsch, und der Bischof nimmt unter brünstigen Gebeten den rechten Arm des Märtyrers für seine Kirche in Empfang. Auch Herr Thangmar, nicht zaghaft, nimmt einen erklecklichen Antheil von Reliquien für die Hildesheimische Kirche mit, und der Kaiser schenkt dem thatkräftigen Herrn mit Freuden alles das, was er nach seinem Hildesheim zu bringen wünscht. Dann werden die Reliquien in weiße Seide gelegt und die Umhüllung sorglich versiegelt. — Wenige Tage später, es war am Sonntage Lx- 8ur§s yuura, dem 16. Tage des Thaumonats, da verließ Kaiser Otto zugleich mit Herrn Bernward die Stadt Rom. Zu Paterno am Berg Soracte ließ Otto halten, ließ er das Lager für seine Truppen aufschlagen. Er selbst nahm seinen Wohnsitz dort in der festen Burg. Diese Pfalz lag auf einem durch eine tiefe Schlucht von dem Soracte getrennten Hügel; hochstämmige Eichen umgaben sie und erinnerten an den deutschen Wald. Hier in der stillen Einsamkeit vertraute Kaiser Otto alle Sorgen und Kümmernisse, so ihm bisher bedenklich erschienen, auszusprechen, dem verschwiegenen Herzen seines treuen Lehrers an, und weiser Rath wurde ihm zu Theil. Der Bischof redete jetzt dem Kaiser, wie dereinst dem Knaben, mit zärtlichen Worten und lehrreichen Ermahnungen freundlich zu. Er rief ihm seine Pflichten in'S Gedächtniß, mahnte ihn, alle Laster zu fliehen, und rieth ihm, alle Widersacher mit Geduld und Freundlichkeit zu beurtheilen und vornehmlich nicht zu hartnäckig auf seinem Sinne zu bestehen. Darauf beschenkte der Kaiser den innig Geliebten zum Abschied mit auserlesenen Gaben: Für seinen blühenden Diöcesanort Goslar gab er ihm die Ueberreste des heiligen Märtyrers Exsuperantius, auf daß sie dort in der volkreichen Stadt beigesetzt würden. Aber auch eine Menge Aufträge an Bischöfe und an Neichsfürsten legte Otto bei der Heimreise seines geliebten Lehrers in dessen Hände. Die schwere Trennungsstunde war gekommen. „Mir ahnt es, ich sehe Euch zum letzten Mall" rief Otto und warf sich in leidenschaftlichem Schmerz an des Bischofs Brust. Auch dieser fühlte sich bewegt, wie nie im Leben, und dennoch vermochte er beruhigende Worte zu seinem Liebling zu sprechen. Ihm selber war es ein Trost, das; sein ritterlicher tapferer Bruder Tammo zum Schutze des Kaiserlichen Jünglings auf der Burg zu Paterno zurückblicb. Der Kaiser sendete dagegen Mannen seines eigenen Gefolges als Neisegefäbrtcn mit Bernward, auf das; sie bei ihrer Rückkehr von dem Wohlergehen des geliebten Lehrers ihm Kunde bringen sollten. (Fortsetzung folgt.) -- AussterLrilde Menschen. *) Als Ideal eines der nächsten Jahrhunderte wird die vollkommene Glcichbeit aller Menschen heute schon bezeichnet. Die Dampfwalzen des neunzehnten Jahrhunderts sind eifrig an der Arbeit, den Boden für diese Gleichheit zu glätten. Berg und Thal zwischen den einzelnen Gescllschaftsschichtcn sollen verschwinden, die Sonne der Gleichheit scheint auf alle Menschen, es darf keinen Schatten mehr geben. Die Menschheit wird ein großes Heer, in Armcecorps und Regimenter eingetheilt, alle morschsten in strenger Ordnung in den einzelnen Sectionen, keiner darf gehen wie er will, sondern wie die Allgemeinheit geht. Es wird keinen Individualismus mehr geben, sondern nur Menschen nach einem Muster, geprägt in der Staatsbeglückungsanstalt. Das wird die Freiheit der Allocmeinbeit, die Freiheit der Mittelmäßigkeit, was darüber hinaussieht, wird abgeschnitten. Noch vor nicht gar langer Zeit hätte man un solches Gleichheitsideal als den Triumvh der Ty'an- nei bezeichnet, weil es damols noch mehr Menschen gab, die ihre eigenen Wege gehen wollten und, ihrem inneren Dränge folgend, gehen mußten. Die Ordnung gefährdeten diese Menschen nicht. Sie pflanzten sich nicht auf der großen Heerstraße auf und hinderten die Daher- trottcnden am Wciiermarsckircn, sondern sie gingen auf Nib-'iipfaden, die so bald kein anderer betrat, oder sie lebten in stillen Winkeln, in die die Welt nicht so leicht eindrang. Sie störten niwt die Menschheit. Heute aber stört der Fortschritt sie und rwiugt sie, sich in den großen Strom zu mengen, dem sie sich anpassen müssen oder ui tergchcn. Das Praktische, das Alltägliche »rurd mit Lärm erzeugt, das Poet che und Originale im Stillen. Die Originale der „gubn alten Zett" haben alle einen' Stich in's Poetische; prall sch waren sie nicht, sonst wären sie eben keine Originale geworden. Gleiche Lebensbedingiingen schaffen gleiche Menschen, und da durch den Verkehr nach und nach auch die stillsten Winkel in's Weltgetriebe gezogen werden, so gleichen sich auch die Lebensbedingnngen, die Gewohnheiten, die Trachten und die Ansichten immer mehr aus. Ueber das Originelle geht die städtische Culturwalze. Ich bin erst im Mannesalter, aber aus meiner Kindheit stehen mir noch in lebhafter Erinnerung eine Reihe von Originalen, die in meiner Vaterstadt — einer damals schon bedeutenden Residenzstadt — ihr harmloses, nicht selten *) „Schneebällen vom Bodensee". Von Heinrich Hansjacob. (Heidelberg, bei Georg Weiß.) auch geniales Wesen trieben. Und wie war eS früher auf dem Lande! Fast ein jedes Dorf hatte seinen eigenen Anstrich, und unter den selbst originellen Dorfleuten war mindestens ein Haupt-Original. Heutzutage kann man lange wandeln, bis man auf solche trifft. Ein Slüä urwüchsiger Kraft lag in den Eigenheiten, das man schmerzlich unter den immer allgemeiner werdenden Stadt- kleidern verdorren sieht. Man hat Vereine gegründet zur Erbal'ung der Volkstrachten, und meint dadurch den Volksgeist erhalten zu können. Das Verschwinden der Trachten aber bat seinen Grund in dem allgemein werdenden verflachenden Zeitgeist — wer kann ihn eindämmen? Der neue Geist steckt auch in den Landleuten, die noch ihre Tracht auftragen oder Sonntags solche anlegen, weil sie von einem derartigen Vereine unterstützt werden. Es ist das keine Tracht mehr, sondern Maskerade. Je mehr die alten Zeiten schwinden und die alte Gattung Mensch ansstirbt, desto verdienstvoller ist es, die Vergangenheit mit dem Stifte festzuhalten und ihr Bild in die Zukunft hinüberzuretten. Spätere Geschlechter möchten sonst meinen, nichts sei vor ihnen gewesen, als Dämmerung, und sie erst hätten das Licht gebracht. Von solchen aussterbenden Menschen erzählt uns in den „Schneebällen vom Bodensee" (Der Schneebällen dritte Reihe, Heidelberg, Verlag von Georg Weiß) der katholische Pfarrer Heinrich Hansjacob, ein echter Volksschriftsteller, von dessen köstlicher Schilderung von Land und Leuten schon manche Probe mitgetheilt wurde. In dem erwähnten Bande schildert er die Leute am badischen Seestrich bei ihrer schweren Arbeit in den Neben und auf dem See. Hansjacob schreibt keine gewöhnlichen Dorfgeschichten, er ist der Philosoph des Landlebens, und so bietet er uns eine Reihe von Typen von ungemein psychologischer Schärfe und Treue. Leicht mag sich der Verfasser bei seiner Arbeit thun; er ist selbst ein Original, ein Mensch, dessen Ansichten und Gedanken nicht in den ausgefahrenen Geleisen der Alltäglichkeit dahinjchlen- dern, sondern einer, der frei und unbeirrt denkt, handelt und spricht. Ein Naturkind mit scharfem Verstände und mit warmem Herzen, kommt ihm alles natürlich, ungezwungen von den Lippen. Er ist kein welllcheuer Mann, er kennt die Stadt und das Land, die Großen der Erde und die Kleinen, macht sich über alles seine Gedanken und spricht sie ohne Zagen aus. Wem sie gefallen, ist ihm gleich; man gewinnt aus seinen Schriften die Meinung, als erzähle er sich die Geschichten oder etwa beim Glase Wein einem recht guten Freunde. Wäre er kein katholischer Psa rer und hätte er Kinder, so würden wir sagen, er erzählte seine Lebensweisheit seinen erwachsenen Söhnen und Töchtern. Diese Schlichtheit und Absichts- lösigkeit der Darstellung macht seine Schriften so anziehend und so belehrend. Hansjacob kam als Pfarrer nach Hagnau am Bodensee, wo er 15 Jahre wirkte. Dabin führt uns heute der Verfasser, und dort lebten „Die zwei Fürsten", „Mein Sacristan", „Unser Dorfschneider" und „Der Franzos", welche uns hier geschildert werden. Prächtige Gestalten sind die „Zwei Fürsten", gutmüthige, leichtlebige und leichtsinnige, aber sonnige Menschenkinder, wie die Natur sie nur in Frühlingslaune hervorbringt. Mau begegnet solchen Gestalten öfters, besonders im bayerischen Hochlande und in Tirol, wo sie bekannt sind als „Loder" oder „Hallodri". Ihr verzerrtes Gegenstück sind die Wiener „Pülcher", der Münchener „Strizzi", in der 757 Weltsprache „Nowdies" genannt. Das ist überhaupt eine Merkwürdigkeit, daß das Original solcher Art, vom Lande in die Stadt verpflanzt, verroht, zum Schlechteren ausschlägt, verderbt. Die Halbcultur treibt die wildesten Schößlinge. Eine Hauptstelle in den „Schneebällen" nimmt die Schilderung „Mein Sacristan" ein. Der große Kübele, ein armer Teufel, ein Riese an Körperkraft und an Durst, ein alter Revolutionär, dabei eine Perle von einem Menschen, war Hansjacob's Sacristan. Weil er die für den Meßmer erforderliche Caution nicht aufbringen konnte, mußte der Pfarrer ihn in das Amt „einschmuggeln"; so blieb er Zeit seines Lcbms „provisorischer Meßmer". „Und doch, sagt sein Pfarrherr, zeigte mein geschmuggelter Sacristan morgens, ehe er Betzeit läutete, mehr Esprit, als ich in dem ganzen Viertcljahrhundert, da ich Pfarrverweser und Pfarrer bin, in den Nevisionsbemerkungen des katholischen Oberstiftungsraths gefunden habe. Es ist etwas Schreckliches um die Bureaukratie, aber auch etwas Schreckliches um die Armuth, die keinen Dorf-Meßmer-Posten, der kaum 80 M. trägt, erhalten kann — ohne Caution, während man Generäle und Minister, die Land und Leute ruiniren und Milliarden schaden können, ohne einen Pfennig Caution anstellt." Ein richtiger Meßmer war der „groß' Kübele" nicht, aber nach dem Zeugniß Hansjacob's ein durch und durch geistreicher Mensch, der das Zeug zu einem Cardinal gehabt hätte, es aber durch des Geschickes oft unerklärliche Mächte nur zum Sacristan einer armen Dorfkirche brachte. Mit ihm saß der Pfarrer oft auf einer Bank vor der Kirche, den Blick auf die Weite gerichtet, während ihnen die Weisheit des Lebens von den Lippen triefte. Aus dem Leben des Kübele sei noch erzählt, wie er Revolutionär wurde, weil ein Stück Socialpolitik darin liegt und beweist, daß die „sociale Frage" in erster Linie eine „Magcrnrage" ist und bleibt. Ideale Bewegungen haben in den Massen nie Wurzeln geschlagen, nie nachhaltige Wirkungen ausgeübt. Wäre die Neformationsidee nicht zugleich auch eine wirthschaftliche Ncsormidee gewesen, nie hätte sie sich so fruchtbar gezeigt und wäre wohl ebenso im Sande verlaufen, wie die dogmatische Streitigkeit über die Unfehlbarkeit des Papstes. Unser Kübele nun, der eine arme Person gehettathet und das väterliche kleine Erbe mit Schulden übernommen hatte, barg ein Ideal: er wollte ein „Süle" mästen und schlachten. Aber er kam aus den Schulden nicht heraus, und wenn der Herbst kam, mußte er das „Tüte" verkaufen. „Es ging ibm wie tausend anderen, sagt Hansjacob. Er war (mit seiner LiebeSheirath) am Ziel seiner Wünsche angelangt, aber auch bald Märtyrer seiner Schulden, wie die meisten Rebleute am Bodcnfee. Kommt der Herbst und ist das Weingelb bezahlt, dann wandert der geplagte Nebmann zunächst auf die Domänenkanzlei nach Meersburg, zahlt Pachtgelder für seine Kartcffel- und Frncht- äcker und Schulden für Gras und Holz, so er das Jahr über ersteigert. Dann kommt „der Jud" und will seine Zinsen und Termine für die Reben, welche man ihm abgekauft. Wenn das alles bezahlt ist — aber gar oft muß der Jud warten, da er mehr Geduld hat, als die Staatskasse —, so bleiben noch ein paar Mark für Haushaltung und Kleider der Familie und für den Sonntagstrunk des Rebmanncs. Während des Jahres wird ein Kalb verkauft oder Kitschen, aber das „schlupft" in die Haushaltung und vergeht wie der Schnee in der Frühlingssonne. Dem Konrad war es doppelt schmerzlich, daß die Schulden alles fraßen, was er erarbeitete, denn er hatte, wenn er am Sonntag in's Wirthshaus ging, zu seinem angeborenen Rebmannsdurst noch den großen Hunger von anno 1817 her. (1817 war eine große Hungersnoth, von der her Kübele seinen Riesenhunger zu haben behauptete.) Dieser Umstand und dieser Schmerz hat den Konrad später in die Arme der Revolution getrieben. Und in der That, es ist hart, sehr hart, unmenschlich hart, wenn ein armer Bauers- oder Ncbmann an Martini, wenn der Herbst- und Erntcertrag schlecht ausfiel, noch das einzige Schwein verkaufen muß, um den Zins oder Pacht- und Holzgeld aufzubringen. Mit Weib und Kind hat er sich den ganzen Sommer über gefreut, im Winter ein Schwein schlachten und bisweilen auch ein Stück Fleisch aus dem „Rauch" genießen zu können. Da kommt die harte Noth, die Angst vor Pfändung und holt auch noch die letzte freudige Lebeushoffnung. Thränenden Auges schaut das arme Weib, welches das Thier mit hoffnungsvoller Sorgfalt gepflegt hat, schauen die Kinder, welche das Thierchen gehütet und gehätschelt haben, dem Metzger nach, der um Geld, das anderen gehört, die Winterfreude wegführt." Wir müssen es uns versagen, auf das schöne Buch noch weiter einzugehen, auf die rührenden Gestalten „Unser Dorfschneider" und der „Franzos". Es sind zu köstliche Studien, als daß man sie nicht selbst lesen wollte. Hansjacob's Buch klingt aus in der wehmüthigen Klage über das Verschwinden der markigen Gestalten. „Es sind keine Dorfmenschen mehr in den Neborten am See. Es sind Städtle-Dörfer, Zwitterdinger am schwäbischen Meer." Der Verfasser schließt mit den traurigen und philosophischen Worten: ! „Von Jahr zu Jahr machen die Bewohner mehr und mehr die Moden und Sitten unserer blasirten Städtecultur mit. Die Kleidung wird nachgeäfft, Ver- lobungs-, Hochzeits- und Neujahrskarten werden versandt, bei Todesfällen gedruckte Anzeigen verschickt und zu Leichenbegängnissen Beileidskränze dedicirt. Wo aber diese Kränze grassiern, hört der katholische Rosenkranz, das schönste Gebet für Verstorbene, gar bald auf. „In den zehn Jahren, da ich vom See weg bin, hat diese Unnatur mit Macht zugenommen zum Nachtheil für Familie, Staat, Kirche und Gesellschaft. „Nur eins noch kann, gottlob, nickt cultivirt werden. Das schwäbische Meer. schlägt seine mächtigen Wogen noch Tag und Nacht an die Ufer, die Stürme brausen noch wie ehedem über seinen Wassern, die eisigen Firnen der Gebirgswelt glühen noch im Abendsonnenschcin in seine Flutben hinab, die Tannen im „Wigarle" flüstern noch im Morgenwind, und die Büchlein eilen noch dem See zu. „Die Menschen mögen sich ändern: Bauern und Neb- leute in Cylindern und Landmädchcn in Staubmänteln und mit „Sonnendächle" am See hin- und herziehen, kein Pfarrer mehr mit feinem Sacristan im Winkel hinter der Kirche sitzen und von alten Zeiten reden, eines wird bleiben — die große, herrliche Schöpfung Gottes, die Natur. Erfüllen wird sich des Dichters Wunsch: „Doch was die Zeit uns auch verspricht, Natur! versiege vu nur nicht! Du mächtige, mannigfache, reiche, Versinke nicht in's flache Gleiche!" „Und recht hat der gleiche Dichter, wenn er unserer 1 Zeit und ihrer Cultur- und Modesucht zuruft: „Erzieht nur, bildet unverdossen, Es spielt Natur euch allen einen Possen! Doch wird ein Eiel euch geboren, So cnltivirt ihm ja die Ohren!" --o-k8S-r—- Die Sahara, obwohl zum größten Theil eine waffenlose Wüste und wegen der Trockenheit ihres Klimas ohne die geringste Spur von Pflanzenwuchs, entwickelt an Stellen, wo sich Wasser findet, die wundervollste Vegetation. Dort bildet die Dattelpalme förmliche Wälder, in deren Schatten wiederum eine ganze Reihe kleinerer Kulturpflanzen, Sorghum, Henna, Mais, Bohnen, Melonen, Oliven, Feigen, Granatbäume u. s. w. prächtig gedeihen können, deren saftiges Grün lebhaft gegen den gelben Wüstensand absticht. Diese Oasen, wie sie ja gemeinhin genannt werden, liegen nun zum Theil an wirklichen Flußläufen oder wenigstens in den Betten sogenannter Oueds, das sind Thäler der Sahara, alte Wasserlüufe, deren Bett gegenwärtig trocken ist, die aber wenige Fuß unter dem Sande noch eine wasserführende Schicht haben. Diese Wasseradern kommen meist von weit her, aus den Gebirgen des Nordens, und zeigen auch dementsprechend ein periodisches Steigen und Fallen. In der übrigen Zeit verschwinden sie und sind nur noch an dem feuchten Sande zu erkennen, der unter dem Flußbette steht. Diese Oasen sind aber keineswegs die üppigsten; die unregelmäßige Bewässerung hindert ihre Entwicklung. Die blühendsten Oasen der Sahara sind vielmehr jene, welche ihr Wasser künstlichen Brunnen entnehmen. Seit 1856 haben französische Ingenieure südlich von Biskra im Oued Nhir artesische Brunnen zu bohren angefangen, deren Zahl allmälig soweit gestiegen ist, daß jetzt sich tagtäglich Hunderttausende von Raummetern Wasser (jeder Brunnen liefert etwa 4 Raummeter in der Minute im Durchschnitt) über den Boden ergießen, und wo sonst in dem dürren Wüstensande kein Hälmchen gedieh, stehen jetzt Palmenwälder. Und die Dattelpalme ist ja in der That für die Sahara das, was das Getreide für Europa und der Reis für Indien ist. Wenn sie die Füße im Wasser und den Kopf in der Sonuengluth hat, dann gedeiht sie noch dem arabischen Sprichwort am besten. An manchen dieser Brunnen, namentlich jenen in der mittleren Gegend von Ourlana, hat man nun eine merkwürdige Beobachtung gemacht, deren Richtigkeit vielfach angezweifelt worden ist, daß nämlich mit dem Wasser aus einer Tiefe von 60 und mehr Metern auch lebende Fische, Krabben und Mollusken ausgeworfen werden. So wunderlich die Thatsache auf den ersten Blick erscheint, so ist sie doch unbestreitbar und findet vielleicht auch an anderen Punkten der Erde noch ihresgleichen. Diese Erscheinung wurde schon gleich an dem ersten Brunnen beobachtet, den französische Ingenieure 1856 zu Tamerna Djedida erbohrten. 1858, zwei Jahre nach seiner Vollendung, beförderte dieser Brunnen eines Tages kleine Fische aus der Familie der Zahnkarpfen an die Oberfläche und im Laufe der. Zeit noch verschiedene andere Fische (Chromis), Mollusken und schließlich auch Krabben. Man hat diese merkwürdige Erscheinung anfangs damit erklären wollen, daß diese Thiere in Wirklichkeit nicht aus der Liefe des artesischen Brunnens käuien, sondern aus den oberirdischen Bewässerungskanälen und -Gräben, wo dieselben Arten leben, durch irgend einen Instinkt getrieben stromaufwärts wandern und schließlich in die Wasserbehälter gelangen, welche das Wasser der Brunnen auffangen. Mögen die Verhältnisse an manchen Brunnen einer solchen Erklärung nicht entgegenstehen; bei anderen ist sie einfach unmöglich, wie z. B. bei einem Brunnen in Mazer, der in einer völlig wasserlosen und jedes PflanzenwuchseS baren Gegend liegt und anfangs ohne weitläufige Bewässerungsanlagen war; außerdem liegt die Ausmündung seines Rohrs 1 Meter über dem Erdboden, und das Rohr selbst ist mit Beton gegen das umgebende Erdreich abgedeckt. Dieser Brunnen kommt aus 80^/z Meter Tiefe, und doch fand man eines Tages in seinem Sammelbecken eine lebende Krabbe, die nach Lage der Sache nur aus dem Brunnen selbst gekommen sein konnte. Um jeden Zweifel an dem unterirdischen Ursprung der Thiere zu beseitigen, überspannte man den ausgeworfenen Wasserstrahl mit einem feinmaschigen Drahtnetz und fing ihn, ehe er in das Becken zurückfiel, wieder mit einem solchen Drahtnetz auf, so daß er also zweimal gehörig durchgesiebt wurde. Innerhalb fünf bis sechs Wochen machte man diesem Netz den wunderbarsten Fischzug an Krabben, Fischen (Herni- olrromrs Lalraras und lZsnaiadroiuiZ Rolianäi) und Verschiedenen Mollusken, alle lebten und waren von außergewöhnlicher Lebendigkeit und Kraft. Ein noch entscheidenderes Beispiel ereignete sich bei der Erbohrung des Brunnens von Sidi Amrau, der 81 Meter tief ist. Er liegt an dem einen Ende einer Oase, wo keine Spur von Wasser mehr an der Oberfläche zu finden ist. Als sein 12 Centimeter starkes Rohr auf 61,73 Meter niedergebracht war, stieß man auf kalkhaltigen Mergel, welcher die wasserhaltigen Schichten dieser Gegend überlagert. Aus dem darunter liegenden wasserführenden Sand sprudelte nun eines Tages das Wasser unter großem Druck in Strömen empor, und zwischen dem ausgeworfenen Sand und Geröll kamen auch kleine Fische (Zahnkarpfen und Chromis), sowie Mollusken zum Vorschein. Inzwischen haben sich diese Beobachtungen so gehäuft, daß man auch von wissenschaftlicher Seite der Frage nach dem Herkommen dieser Thiere näher trat. Wie kommen diese lebenden Thiere 60 bis 80 Meter tief unter die Erde? Die Erklärungen, die versucht worden und durch den bekannten französischen Geologen Georges Rolland, der die Geologie der Sahara eingehend studirt hat, neuerdings noch um eine vermehrt sind, gehen davon aus, daß diese Thiere ursprünglich aus oberirdischen Gewässern, Flüssen oder Seen kommen müssen. Denn einmal leben alle die Thiere, die die Brunnen bisher ausgeworfen haben, auch in den oberirdischen Gewässern der niederen Sahara, andererseits sind die Thiere weder blind, noch farblos, wie es doch nach aller biologischen Erfahrung über Anpassung der Fall sein müßte, wenn sie dauernd unter der Erde bei Lichtabschluß gelebt hätten. Diese eigenthümliche Erscheinung hat Jus, der leitende Ingenieur der Brunnen- gesellschaft, damit zu erklären gesucht, daß einmal das Oued Rhir in seiner unterirdischen Bewässerung vom Zab abhängt, weil dieselben Thiere auch in ihm vorkommen und namentlich, weil Krabben nur im Zab allein vorkommen; daß ferner also zwischen dem westlichen Zab und den nördlichen und mittleren Gegenden des Oued Nhir ein System unterirdischer Wasserläufe bestehen müsse, welche von Nordnordwest nach Südsüdost verlaufen, und zwar als wirkliche Flüsse, die unter der Erde wie in einem Hohlkanal dahinfließen, der vom westlichen Zab 759 nach dem Oued Nhir und noch unter ihm wegzieht. Und in diesen Flußläufen bewegen sich die Fische usw. ebenso leicht wie in den Gewässern an der Erdoberfläche. Auf diese Weise würden sich ja die Wanderungen der Fische und Krabben sehr leicht erklären. Und solche unterirdischen Wasserläufe finden ja noch an manchen anderen Stellen der Erde ihr Gegenstück und konnten hier durch allmälige Auslaugnng von Gips, welcher stellenweise in ziemlich dicken Schichten die tieferen Lagen durchsetzt, entstanden fein. Nach Ins sollen die unterirdischen Gewässer des Oued Nhir etwa 120 Kilometer weit in einer durchschnittlichen Tiefe von 65 Metern unter der Erdoberfläche dahinfließen. Sie machen ihre Biegungen und Windungen wie jeder oberirdische Fluß, der sich durch ein Thal hin- durchschlängelt. Es ist dies ein unterirdischer Nil, dessen Breite von 4 bis zu 14 Kilometern wechselt, dessen Gewässer sich unter der Erde spalten und verzweigen und so gleichsam Inseln bilden. Freilich darf man sich dieses unterirdische Flußgebiet nicht mit festen Ufern begrenzt denken, sondern wasserführende Sandschichten, sozusagen Sümpfe und kleinere Wasseradern und Wasserbecken bilden seitwärts eine mehr oder weniger deutliche Grenze. Wie die Adern im menschlichen Körper sich immer mehr und mehr verzweigen, bis schließlich das Blut das ganze Gewebe in feinsten Gefäßen durchtränkt, so verliert auch diese mächtige unterirdische Wasserader sich allmälig in durchlässige Erdschichten als feinste Gerinnsel, aus denen sie ja auch entstand, und verdunstet, wo sie sich der Oberfläche nähert. Manche Reisende haben schon die Ansicht geäußert, daß dieses mächtige unterirdische Gewässer der alte Fluß Jgharghar sei, der nach dtzr Ueberlieferung der Berber in weit zurückliegenden Zeiten diese Ebene durchstoß, aber schließlich im Sande verschwunden ist. Neuere Untersuchungen haben nun gezeigt, daß die aus den artesischen Brunnen ausgeworfenen Wässer nicht frei von Sand sind; es kann sich also nicht um Wasserläufe handeln, die allein durch Auflösen von Gipsschichten entstanden sind, sondern um wasserhaltige Sandschichten, durch die das Wasser hindurch filtrirt. Große Strecken solcher Sandschichten würden aber schließlich auch die kleinsten organischen Lebewesen zurückhalten, viel weniger also große Fische durchlassen. Da nun aber die unterirdischen Thiere denselben Arten angehören, die jetzt noch in den oberirdischen Wasseransammlungen leben, so muß doch ein Zusammenhang, sei es in Gestalt von Röhren oder Kanülen, mit den Gewässern der Oberfläche angenommen werden. Der französische Geologe Georges Rolland hat diesen Widerspruch in folgender Weise zu klären versucht. Dieselben unterirdischen Gewässer, welche, in den artesischen Brunnen angebohrt» ihre Gewässer unter Druck nach oben pressen, speisen auch die natürlichen Quellen, deren Gewässer zu Seen und Teichen an der Oberfläche sich aufgestaut haben, indem die unterirdischen Gewässer sich vermöge des Druckes, unter dem sie stehen, durch geeignete Erdschichten selbst einen Weg nach oben bahnten und natürliche Quellen bildeten oder Erdsenkungen so lange anfüllten, bis das Wasser als See oder Teich dem unterirdischen Druck das Gleichgewicht hielt. Auf ihren Wanderungen gelangen nun die Thiere durch die Qucllkanüle, die die Bchour, wie der Berber die oberirdischen Seen nennt» mit dem unterirdischen Wasserbecken verbinden, in letzteres selbst, das mehr oder weniger große Kammern bildet, die als natürliche Hohlrüuwe vorgebildet gewesen oder später durch Auslaugung oder Strömungen entstanden sein mögen. Durch Vermittlung dieses Systems unterirdischer Kanäle wandern nun die Fische von einem Vehr (Mehrzahl Bchour) oder Chria-Nest, das ist Teich, in den anderen. Gerathen sie dabei in die Strömung eines artesischen Brunnens, so werden sie nach oben gerissen. -- „Das finstere Miitelalter." Mit besonderer Vorliebe wird unsere Zeit die Zeit der Aufklärung, die Hochburg der Wissenschaft, das Zeitalter großer Erfindungen genannt, und nicht ganz mit Unrecht. Wenn man dann nur nicht im gleichen Augenblicke mit Verachtung auf das „finstere Mittelalter" zurückzuweisen und mit dem w ssenschaftlichen Glanz unserer Tage die Bildung und Wissenschaft des Mittelalters zu verdunkeln bestrebt wäre, dann wäre ja alles recht. Allein in blinder Selbstsucht und Ueberhebung der jetzigen Zeit und mit stolzer Aufblähung nennt man die Männer früherer Jahrhunderte kleine, beschränkte Geister im Vergleiche zu den „Lichtern" unserer Tage, und das ist ein schweres Unrecht, hervorgehend aus Unkenntniß, oder eine Folge leidenschaftlicher Voreingenommenheit. Im gegenwärtigen Jahre feiert z. B. der vielgcrühmte und gepriesene Phonograph in seiner Idee ein 600jähriges Jubiläum. — „Unmöglich!" wird ein verbissener Kulturkämpfer ausrufen; denn er merkt, daß eine Mönchskutte im Spiele ist. Und er hat richtig vermuthet. Im Jahre 1294 schloß ein Franziskanermönch die Augen, der wegen seiner außerordentlichen Wissenschaft, namentlich in Hinsicht auf Alchymie und Physik, „vootor mirudilis" (wunderbarer Lehrer) genannt wurde. Nach langem unermüdlichen Studium war es ihm gelungen, eine Sprcch- maschine oder einen sprechenden Automaten zu konstruiren, weswegen er für einen Magier ausgeschrteen wurde. Noger Baco ist der Name dieses Mönches, Jlchester in England ist seine Heimath. Noger wurde wegen seiner Sprechmaschine 10 Jahre inS Gefängniß gesetzt, und der Papst hatte viele Mühe, dem Mönche seine Freiheit wieder zu verschaffen. Noger Baco war auch mit der Brechung der Lichtstrahlen in dichteren Materien bekannt, erfand die Vergrößerungsgläser und schrieb Abhandlungen über das Schießpulver. Vor 600 Jahren also wußte man schon von den Dingen, die heutzutage als eine ausschließliche Erfindung unserer Zeit prahlerisch verkündet werden. Von 999—1003 hatte Sylvester II. den päpstlichen Stuhl inne. Wegen seiner außerordentlichen Kenntnisse in der Mechanik, Mathematik rc. rc. galt er vielen, die seine Erfindungen (z. B. Sonnenuhren, Erd- undHimmels- kugcln rc. rc.) nicht zu begreifen vermochten, als Zauberer Hauptsächlich aber war es ein „sprechender Kopf" aus Bronze, der ihm diesen Beinamen eintrug und ungeheures Aufsehen bei seinen Zeitgenossen erregte. Silvester (früher Gerbert, Erzbischof von Reims und Navenna) hatte auf der muhamedanischen Hochschule zu Cordova studiert Auch die herrliche Donaustadt Ncgensburg barg ums Jahr 1280 einen Bischof, dessen hohe Wissenschaft ihm den Titel ^Doetor universalis" (Lehrer aller Wissenschaft) eintrug. Es war Albert von Bollstädt, später Dominikanermönch Albertus Magnus. Er bildete aus Thonerde einen „sprechenden Kopf" zur Zeit, als er in Köln lehrte und der spätere große Kirchenlehrer, der hl. Thomas von Aquin über den sprechenden Automaten so entsetzt wurde, daß er ihn mit einem Stocke zermalmte. 760 Hierüber habe sich Albertus mit den Worten beklagt: „Da ist mir die Arbeit von 30 Jahren zerstört." Auch die Dampfmaschine war in ihrer Idee schon vor 700 Jahren bekannt. Der Abt Suger von St. Denis, Minister Ludwigs VII. von Frankreich, erhielt wegen seiner Verdienste um das Reich und wegen seiner hohen Weisheit den Beinamen „kabsr xatrino" (Vater des Vaterlandes). Er konstruierte einen Mechanismus, bei dem die Kraft des Dampfes Verwendung fand, und gilt daher als erster Erfinder der Dampfmaschine. Ein in hohem Rufe stehender Mathematiker und Physiker war sodann der gelehrte Jesuit AthanasinS Kircher, gestorben als Lehrer der Mathematik in Rom 1680. Er ist der Erfinder des Sprachrohrs und der Aeolsharfe. Auch er hatte die Idee einer sprechenden Figur ersonnen, allein wegen Geld- und Zeitmangels kam die Idee nicht zur Verwirklichung. Auch diese wenigen Beispiele, die sicher um viele Dutzende vermehrt werden könnten, beweisen wieder, daß es im Mittelalter durchaus nicht so finster aussah, und daß in den Klöstern die Wissenschaft aufs wärmste und angelegentlichste gepflegt wurde. Warum aber werden das Mittelalter und die Klöster von manchen gar so schnöde und verächtlich behandelt? Weil da der lebenskräftige Geist des Christenthums zum Durchbruch gekommen und auch im öffentlichen Leben Richtschnur und Wegweiser war; und das eben — will man heute vielfach nicht mehr! „Keine übernatürliche Autorität, keine Gebote von Sinai mehr, keine Dogmen, keine Schranken mehr!" — das ist die Losung Vieler heutzutage. Deswegen auch der Kampf gegen die Träger und Verbreiter des übernatürlichen Autoritätsglaubens, die Mönche. Deswegen die Verachtung des Mittelalters, des Glanzpunktes christlicher Bekenntnißtreue. -- hießen die Worte: „Da kommt der verfluchte Kerl, der Ztmmermann, schon wieder zu früh, und diesmal um so viel," des Bahnhofsinspektors nichts Gutes. „Dieses Mal kostet's Euch den Dienst," wurde Zimmermann von seinem Vorgesetzten empfangen. „Macht's mit dem da hinten aus," erwiderte Zimmermann und zeigte mit dem Daumen über die Schulter nach rückwärts, wo soeben der Adjutant und schließlich der baumlange Nikolaus I. selbst aussticgen. Die Beamten hatten vorher keine Ahnung von der Ankunft des russischen Kaisers und erstürben nun ganz in Demuth und Bücklingen. Zimmermann wurde nun vom Zaren belobt und besonders durch die Worte des Kaisers: „Man zahle dem Mann 200 Silberrubel, er hat gut gefahren," erfreut. Er blieb im Dienst, wurde jedoch später auf eine andere Strecke versetzt. » Der älteste jetzt lebende Mensch auf der ganzenWelt dürfte der in Chicago lebende John Lang sein, der im Jahre 1789 geboren, also jetzt über 165 Jahre alt ist. Was aber dem Leben dieses modernen Methusalem einen ganz eigenen abenteuerlichen Reiz verleiht, das ist der Umstand, daß derselbe 125 Jahre seines Lebens in der Sklaverei zugebracht hat. Jetzt wird der Greis in einem öffentlichen Museum in Chicago als ethnologisches Wunder angestaunt. Auch eine Satisfaction. Der Sänger Jncledon hatte einen vornehmen Engländer beleidigt. Dieser forderte Genugthuung. Jncledon erscheint, aber anstatt sich in Kampfstellung zu zeigen, singt er die britische Lieblings- Arie: „Meines Mädchens schöne Augen" und schließt mit den Worten: „Ich hoffe, Mhlord, dieses Favoritlied, welches ganz England befriedigt, werde auch Ihnen Genüge leisten!" Der Vortrag der Arie war so hinreißend, daß der Engländer sich zufrieden gab. Aiierlei. Zar und Lokomotivführer. Im „Leipz. Tageblatt" erzählt ein Einsender folgendes Geschichtchen: Es war, wenn ich nicht irre, im Jahre 1852, als Nikolaus I. zum Besuch seiner Schwester, der Großherzogin von Weimar, nach Deutschland kam. Sei es nun, daß er es sehr eilig hatte, oder war es nur eine Kaprice von ihm, dem „Beherrscher aller Neusten" war die Zeit, welche der fahrplanmäßige Zug zwischen Görlitz und Dresden braucht, zu lang. Er beschied den Lokomotivführer Zimmermann vor sich und ließ ihm die Frage, „wie lange er nach Dresden brauche," vorlegen. „Majestät," antwortete der Führer, „die Zeitdauer ist mir vorgeschrieben; ich kann wohl schneller fahren, würde mir dadurch jedoch Strafe zuziehen." „In der und der Zeit will ich in Dresden sein!" befahl Nikolaus, „ich werde die Sache verantworten!" Ztmmermann, welcher als verwegener Fahrer bekannt und wegen zu schnellen Fahrens schon mehrfach bestraft worden, riskirte es noch einmal; das zu erwartende reichliche Trinkgeld mochte ihn auch willig gestimmt haben. Bald brauste der Zug mit dem Zaren wie die wilde Jagd durchs Land. Nun hatte die Pfeife der Lokomotive, welche Zimmermann gewöhnlich fuhr, einen sehr tiefen Ton. Zimmermann hatte das ,Nohr der Pfeife eigenhändig gefertigt, und die Stimme > derselben war fast allen Bahnbediensteten bekannt. Als nun die Pfeife die Ankunft des Görlitzer Zuges um so und so viel Zeit früher schon von Weitem meldete, »er« Ein Unglücksjahr. Herr fseinem Freund er-> zählendj: „Ach, ich kann mich auf das Frühjahr im Jahre 1868 genau erinnern; am 7. Mai war ein großes Hagelwetter, am 9. Mai ein Brand in unserer Stadt, und am 13. Mai hab' ich geheirathet!" — „Na, da war ja Unglück auf Unglück!" * Un verbessert ch. Fräulein: „Sie wollen nicht heirathen, Herr Doctor — da mißachten Sie wohl daS Weib?" — „Im Gegentheil: allen möglichen Respect hab' ich davor!" Anagrcunm-Ghasel. 1 3 3 4 sei dir gebracht, Hat Weg und Last dich matt gemalt. 2 3 4 1 stieß Bruderhand Dereinstens in des Todes Nacht. 4 13 2 dient' als Exil Einst einem Mann von stolzer Macht, 2 1 3 4 ein kirchlich Kleid, Ein Bauin, geschmückt mit Silberpracht. Lösung der Schachaufgabe in Nr. 96: Weiß. Schwarz. 1. S. §2-81 beliebig. 2. D. oder S. setzt Matt.