zm „Augsburger Postzeitung". 98 . Dinstag, den 4. Dezember 1894. Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas e. einem schrecklichen ^Rheumatismus gequält wird . . . nein ... in Wahrheit, meine Herren, Sie spielen mit meines Güte, ... ich werde die Thüre nicht öffnen." Und alle zugleich riefen: „O bester Ruys! o lieber Ruysl geh', laß Dich erweichen! — Komm, ein Packet Cigarren gegen den Schlüssel! Komm, meine schöne Meerschaumpfeife gegen den Schlüssel!" Und dann vernahm man nur mehr den einzigen Ruf: „Den Schlüssel! Den Schlüssel! Den Schlüssel!" Während Ruys sich, in die Enge getrieben, dieOhren verstopfte, bemerkten dieZöglinge den Bart eines Schlüssels aus des Dieners Tasche hervor- lugen; sie entwendeten ihn und öffneten die Thüre des Ateliers; dies war so schnell geschehen, daß Ruys noch den Riegel knarren hörte, als die Hälfte der Zöglinge schon eingetreten war. „Meine werthen Herren," sagte dann der arme Diener, der Reihe nach bald auf den einen, bald auf den anderen blickend, „aus Mitleid mit mir achten Sie hier jedes Ding, betrachten Sie, aber berühren Sie nichts, .... Heim, Sie versprechen mir es, nicht wahr?" Aber keiner antwortete; der eine besah ein Gemälde, der andere einen Entwurf, wieder ein anderer prüfte die noch frischen Farben auf der Palette; mehrere standen grup- pirt vor einer Staffelei und bewunderten ein angefangenes Bild, das die heilige Magda- lena und die heilige Jungfrau, am Fuße des Kreuzes stehend, vorstellte. Während dieser Betrachtung herrschte die feierlichste Stille. Die jungen Leute so ruhig, so ernst sehend, hörte Ruys zu sprechen auf; er wandte sich gegen die Thüre, um hinauszugehen, als plötzlich ein Gedanke ihn seine Schritte zurücklenken ließ und er sich einem der jungen Leute näherte, dessen Gesichtszüge das Feuer der Jugend und des Genies zugleich ausdrückten. „Herr van Dyck," sagte er ihm in's Ohr, „ich baue auf Sie, Sie sind der rechtschaffenste der fleißigste, der Schule, haben Sie ein Auge auf diese jungen Ueber- müthigen, versprechen Sie mir das?" Und nachdem van Dyck mit freundlichem Lächeln das Jawort gegeben hatte, entschloß sich der alte Diener, — 7b(> zu gehen. Für einige Augenblicke war die Aufführung, welche sie pflogen, thatsächlich eine musterhafte: vertieft in das, was sie sahen, nur an die Kunst denkend, die sie pflegten, besprachen sie sich ruhig miteinander, sei es über die Farbentöne oder die Darstellungsweise. „Welch' grober Meister ist Rubens!" sagte der eine. „Und eine so glänzende Laufbahn!" fügte ein anderer hinzu. „Wißt Ihr, meine Freunde," versetzte ein dritter, „daß es selten ist, sich den Künstler in dem großen Herrn und den großen Herrn in dem Künstler auf einmal vorzustellen, wie es bei Rubens der Fall ist?" „Mein Vater," sagte van Dyck, „erzählte mir einmal, daß, als Rubens Gesandter in Wien war, bei Tisch des Fürsten Kaunitz, Ministers des österreichischen Reiches, ein Herr, die Gemälde Rubens' rühmen hörend, zu seinem Tischnachbarn sagte: „Dieser Rubens ist also ein Gesandter, dem es gefällt, Malereien zu machen?" Casa- wo sie sich befanden, und ohne Rücksicht auf die vorhandenen Meisterwerke warfen sie mit dem Ball aufeinander, rannten hin und wieder, balgten einander ab, umschlangen sich gegenseitig mit den Armen und rangen; kurz, keiner konnte sagen, wie es kam, daß Diepenbecke, von einem angestoßen — man wußte nicht, von welchem —, plötzlich stolperte und fiel — gegen was? gegen die Staffelei Rubens'! Die Staffelei stürzte um, die Leinwand mit, und Diepenbecke kam seiner ganzen Länge nach auf die Leinwand zu liegen. Er stand wieder auf, ein Schrei des Entsetzens entschlüpfte Aller Lippen; die schöne Magdalena war am Arme verwischt, und die Muttergottes hatte die Wange und das Kinn nicht mehr. Eine Stille der Bestürzung war an Stelle der lärmenden Fröhlichkeit der Zöglinge getreten. „O meine Freunde, was haben wir gethan!" riefen sie, indem einer den andern mit Schrecken ansah. I)> . N»ux. nova antwortete: „Excellenz täuschen sich, Rubens ist ein Maler, dem es gefällt, Gesandter zu sein." Während dieses Gespräches entfernte sich Richard von der Gruppe und bemerkte in einem Winkel einen elastischen Ball, der ohne Zweifel von einem von ihnen am Abende vorher vergessen worden war; er hob ihn auf, und ohne an etwas anderes zu denken, als Bewegungen mit seinen Armen zu machen, welche die Arbeit am Morgen schlaff gemacht hatte, schleuderte er den Ball in die Luft, indem er ihn geschickt wieder auffing, je nachdem er fiel. Einmal fiel er zu Boden. „Du bist ungeschickt!" rief derjenige, dem er zu Füßen gefallen war, indem er den Ball aufhob und ihn auf Richard warf, der jedoch dem Wurfe auswich, den Ball ergriff und wieder antwortete. Das Spiel kam in Gang. Jeder wollte daran theilnehmen, und vornehmlich Diepenbecke, der hierbei eine ungewöhnliche Fertigkeit entfaltete. Schließlich kam es so weit, daß sie vergaßen, ve. Krhring. UM WWW M» „Wir sind verloren," sagte Richard. „Ohne Zweifel jagt uns der Meister morgen Alle aus der Schule." „Das wird sicher geschehen," sagte ein Anderer; „ich werde indessen auf die Kündigung nicht warten, ich gehe im voraus." „Und ich auch!" fügte ein Weiterer hinzu. „Und wohin gehen die Herren," fragte van Dyck, „einen zweiten Meister wie Rubens zu finden? Nein, es gibt keine Wahl, wir müssen uns gänzlich seinem Zorn aussetzen, wir müssen bleiben." „Zumal er so weichherzig ist," sagte Diepenbecke. „Er ist nicht von großer Sanftmuth," warf ein Anderer ein. „Mich macht sein Blick allein zittern," sagte Richard. „Und der Klang seiner Stimme, wenn sie zorniger als gewöhnlich, erstarrt mich," bemerkte van Dyck traurig. „Mein Gott, waS thun, was thun?" sagten Alle mit bestürzter Miene. „Stellt jedes Ding an seinen Platz," sprach Richard, „und wir begeben uns, ohne etwas zu sagen, fort." 767 „Pfui doch!" rief van Dyck; „dadurch würden wir den armen Ruys beschuldigen, er würde vielleicht davongejagt werden, und wir hätten uns die Verschuldung des Unglückes eines Greises vorzuwerfen." „Aber was thun wir dann?" fragte Dieperbecke mit trostloser Stimme. „Erwarten wir unser Schicksal und tragen wir es, denn wir haben es verdient," antwortete van Dyck. „Meine Freunde, ein Vorschlag!" rief der Jüngere der Gesellschaft. „Wir haben das Uebel verursacht, wir müssen es auch wieder gut machen: Einer von uns setze sich an's Werk und arbeite; ich wage es, wenn ihr wollt." „Du, Cohen?" sagte sein Nachbar mit Ueber- raschung; „Du kannst ja kaum einen Pinsel halten, mein armer Bursche." „Der gute Wille wird das Uebrige machen,James," antwortete Cohen. „Wie wenn der gute Wille das Talent vertreten könnte!" versetzte Diepenbecke. — „Dennoch ist der Vorschlag Cohen's nicht zu verwerfen. Einer von uns, und zwar der Tüchtigste, soll sich an'sWerk machen und die Verbesserung vornehmen." „Und wer ist der Tüchtigste?" fragten sich Alle, einander betrachtend. Einstimmig nannten Alle Antonio van Dyck. „Ich?" sagte van Dyck, erstaunt über die Aufgabe, die ihm seine Kameraden auferlegten. „Ja Dul" wiederholten sie Alle; „Du bist der Tüchtigste. Du hast drei Stunden vor Dir; Muth, Freund, rette unsl" Bestürzt ergriff van Dyck mit der einen zitternden Hand die Palette, welche man ihm reichte, setzte sich vor das Gemälde, wühlte die entsprechenden Pinsel, und in dem Augenblick, ein so schönes Werk zu berühren, hielt er noch inne. „Welche Vermessenheit I" sprach er, das Auge zweifelnd auf seine Kameraden geheftet, die ihn umstanden. „Vorwärts, vorwärts, van DyckI" erwiderten sie ihm, indem sie ihn mit den Händen stießen; „alle unsere Hoffnung ist in Dir, Du allein kannst den Schaden wieder gut machen, vorwärts also!" Mit klopfendem Herzen gab endlich van Dyck den dringenden Wünschen seiner Freunde nach. Nach zwei Stunden fieberhafter Arbeit, wo Geist und Herz gleich angestrengt schafften, war das Werk vollendet, und van Dyck erhob sich schweißtriefend von seinem Stuhle. — Eine der größten Schwierigkeiten war besiegt; aber morgen, was wird Rubens sagen, wenn er den Betrug bemerkt? Daß keiner der Zöglinge in dieser Nacht die Süßigkeit des Schlafes kostete, ist wohl leicht denkbar. „Ack, ich bin ganz zufrieden mit Euch," sagte Ruys zu dem Zöglinge, welcher ihm den Schlüssel überreichte; „seit ungefähr zwei Stunden befand ich mich im Nebenzimmer des Ateliers und ich habe von Euch so wenig gehört, als wenn Ihr nicht dort gewesen wäret; das ist musterhaft, Ihr seid brav wie die kleinen Heiligen von Gyps." Keiner lachte über den naiven Ausdruck des alten Dieners, Jeder begab sich sorgenvoll von bannen. Dieselbe trübe Miene war ihnen auch am folgenden Tage eigen, als sie sich an die Arbeit machten. Der Eintritt Rubens' in die Schule machte einen angstvollen Eindruck, aber das Antlitz des Meisters war sonnig. „Er weiß noch nichts," sagte Einer leise zum Andern, und sie beruhigten sich für den Augenblick. Rubens ging von Staffelei zu Staffelei, indem er den Einen ermunterte, dem Andern einen Rath gab, einem Dritten einen Vorwurf machte. Plötzlich richtete er sich an seine sämmtlichen Zöglinge. „Meine Herren," sagte er, „ich will Ihnen mein Gemälde zeigen, ein Kirchen- gemälde, welches ich sür die Kapelle eines Kardinals mache; folgen Sie mir." Ein Schauer durchlief die Adern eines jeden Zöglings, dessen ungeachtet erhoben sie sich und folgten stillschweigend ihrem Meister. (Schluß folgt.) -- Zu unseren Bildern. Graf Hart»,a,in von Fugger, Regierungspräsident der Oberpfalz und von Regensburg. Unsere Leser empfangen beute das Bildniß des neu ernannten Regierungspräsidenten der Oberpfalz und von Real nsburg, Grasen Hartmann von Fugger-Kircbberg-Weißenhorn. Er wurde geboren am 29. Juni t829 zu Schloß Oberkirchberg an der Jller als sechster Sohn des Reichsraihs Grafen Fr. Fugger und dessen Gemahlin Johanna, geb. Freiin v. Freyberg. Graf Hartmann wurde in der kal. Pagerie zu München erzogen und oblag seinen juristischen Studien an den Universitäten von Berlin und München. Er erh elt seine erste Staatsanstellung Reisensbnrg. Original-Ausnahme van Gustav Baader, Photograph in Krumbach. tDervielsältigungörechl vorbehalten.) WM-r. MMS AM 768 für Kusel in der Pfalz und wurde bereits am 21. Juli 1858 zum Regierungsassesfor befördert. Von 1862 bis 1868 wirkte er als Bezirksamtmann in Neuburg a D., um von diesem Jahre ab als Regierunasrath und dann als Direktor abwechselnd in den Kretsregierungen der Rhcinpfalz und Oberbayerns seine Dienste dem Staate zu widmen. Graf Fugger war lange Zeit in hervorragender Weise parlamentarisch thätig. Schon als Bezirksamtmann verirat er den Wahlkreis Donauwörth im Landtage, und bis 1881 finden wir den Grafen Fugger als hervorragendes Mitglied der Rechten in der bayerischen Abgeordnetenkammer; dem deutschen Reichstage von 1877 bis 1881 gehörte er als Zentrumsmitglted an. Bet den Neuwablen von 1881 zog er sich von der parlamentarischen Arena zurück. In den letzten Jahren hatte er vielfach an Stelle des wegen Krankheit oft beurlaubten Freiherrn v.Pfeufer die Prästdialgefchäfte zu führen. Aas Denkmal König Ludwigs II. in Murnau. In Murnau, am Fuße der Berge, ließ die Liebe der bayerischen Obeiländer zu König Ludwig II., dem „ihrigen", ein würdig-s Denkmal erstehen. Die Anregung zur Errichtung eines solchen gab Postdalier Bay rlacher dortselbst. Durch freie Lievesspenden kam das am 26. August 1894 unter dem Zu- drang von mehr als 10,000 Festtbeilnehmern in dem oberbayeri- fchen Markt Murnau freilich enthüllte Monument zu Stande. Josef Hautmann, d-r jahrzehntelang den heivorragendsten Antheil an der plastischen Ausgestaltung der königlichen Entwüife hatte, ist der Stöpfer der Kolossalbüste aus weißem Marmor, die sich in lebensvoller Aehnlichkeit von dem Hintergrund aus natürl-chem Fels abhebt. Sie ruht auf einem gleichfalls marmornen Sockel, der das bayerische Wappen trägt, nebst den einfachen Worten, mit denen die „getreuen Landeskinder ihrem unvergeßlichen Ludwig" dies bescheidene, aber nicht unwürdige Denkmal widmen. Das neue Drichstagsgebäu-e. Am 5. Dezember wird der Reichstag wieder zusammentreten und zwar diesmal in einem neuen, prachtvollen Palast. Ueber ein Dezenium waren Tausende von Händen unausgesetzt thätig an der Ausführung des Riesenbaues, der bestimmt ist, d>r Volksvertretung des Deutschen Reiches, dem Reichstage, ein würdiges Heim zu bieten. Endlich ist das Prachtgebäude zur Vollendung gediehen und wenn die deutschen Volksboten sich wieder in der Hauptstadt des Reiches vereinigen, werd n sie unter festlichem Gepränge ihren Einzug in den neuen Parla- mentskälen halten und weiter berathen über des Volkes Wobl und Wehe —möge ihre Thätigkeit im neuen Hause dem Reiche zu stetem Segen gereichen. Bereits im Jahre 1873 ließ der Reichstag 24 Millionen Mark aus der französischen Kriegsentschädigung nebst den anwachsenden Zinsen für die Errichtung eines großartigen deutschen Pailamentsgebäudes bereit stellen. Kleichzezng wurde eine Konkurrenz für einen entsprechenden Plan eröffnet, aus Welcher nach schwieriger Entscheidung der Baumeister Paul Wallst, von Geburl ein Rheinländer, als Sieger hervorging. Ihm wurde auch die Bauleitung, sowie die künstlerische Ueber- wachung anvei traut. Der Bau gestaltet sich in seiner Hauptgrundrißlage als ein großes Rechteck, besten Miitelpunckt naturgemäß das Herz des ganzen Haufes der ringsum von weiten Gangen umgebene Sitzungssaal ist. Ueber ibm erhebt sich die Kupvel von Glas zwischen goldschrmmernden Rippen, darüber die gleichfalls go>d- glänzende Laterne, ein von Säulen umstellter Bau und über der Laterne als Abschluß des Ganzen, die goldene Kaiserkrone. Die Hauptfi ont, die >30 Meter lang ist, entwickelt sich palastartig in scharfer Betonung der inneren räumlichen Theilung auch nach außen hin. Die Mitte dieser Fa^ade nimmt die kräftig vertretende Säulenhalle ein, deren Kapitale über Mannshöhe haben. In dem breit gelagerten Feld des mächtigen Glbels treten Skulpturen hervor, die ihre Steigerung bis zur Kuppel hin in den massigen Ecklösungen und ,n der BegaS'schen Germaniagruppe finden. Charakteristisch wirken jedoch die thurmartigen Eckbauten mit offenen Galerien und figurengeschmückter Balustrade. An äußerem Schmuck ist der neue Retchstagsbau überhaupt außerordentlich reich, aber die Maße des Gebäudes so gewaltig, daß die bildnerischen Zierden nirgends als überladen erscheinen. Ein hoher Sockel in schwerer Fügung schließt das Gebäude nach unten ab. In Mitten aller vier Seiten sind die Eingänge angeordnet und zwar ist der, welcher auf unserer Abbildung ersichtlich ist, der mehr repräsentative Eingang, welcher wohl nur bei besonderen Anlässen benutzt wird. Den gewöhnlichen Eingang für Abgeordnete und Publikum bildet das Südportal. Reckts und links vom Mittelbau sind die Erfrstchungs- und Lesesäle der Abaeordneien. An der Ostfront siegen nach Süden die Räume für den Bundesratb, nach Norden die für das Reichstagspräsidmm. Die nördliche Eingangshalle ist als Durchfahrt gestaltet; von hier aus gelangt man über den ersten Hof und eine weitere Durchfahrt unter dem Sitzungssaal bis in den Südhof. Im Untergeschoß befinden sich Post, Telegraphie, Heizung und eine Anzahl anderer Diensträume nebst den Garderoben und einigen Hallen, die den Abgeordneten für Besuchsempfänge rescrvirt bleiben. Die neue Dehandlung der Diphtherie. Professor Beh ring in Halle hielt kürzlich in einer Versammlung der Naturforscher und Aerzte in Wien einen Vortrag über sein neues Heilverfahren zur Heilung der Diphtherie. Behring injicirt Pferden, welche zu keinem anderen Zwecke ge- b'aucht werden dürfen, steigende Mengen von Dipbtheriegift. Wenn dieselben eine bestimmte Menge Toxin ohne ReaktionsErscheinungen vertragen, wird denselben durch Aderlaß Blut entnommen und aus diesem mit Antitoxin beladenen Blute das Serum, das ist die nach der Gerinnung des Blutes übrig bleibende Flüssigkeit gewonnen, welche sodann keimfrei gemacht wird und nun für den Gebrauch reif ist. Die Heilwirkung des auf diese Weise dargestellten Antitoxins ist unzweifelhaft und in letzter Zeit durch zahlreiche Fälle nachgewiesen. Sehr günstige Resultate sind besonders auch vonvr-Roux in Paris bekannt geworden. Profissor Behring äußerte sich, daß von hundert Kindern, welche innerhalb 48 Stunden nach der Erkrankung mir dem Mittel behandelt werden, keine fünf sterben werden. Reisensburg, Dorf in Schwaben, Bez.-Amts Günzburg, mit circa 640 Seelen, mit einem dem Frhrn. v. Riedheim gehörigen Schlosse. Die Beste Reisensburg wird das erste Mal in der Mitte des 10. Jahrhunderts genannt. Bcrchthold nämlich, Sohn des bayerischen Pfalzgrafen Arnulf, hatte sich dem Aufruhre der bayerischen Lu-tpcldinger gegen König Otto I. angeschlossen; zur Strafe biefür wurde er aus Bayern verwiesen und in die schwäbische Beste Reisensburg verbannt, welche damals den Schyren gehörte. Im Javre 1295 erscheint die Herrschaft Reisensburg als Besttzkhum des Markgrafen von Burgau. Das Geschlecht der Reisensburger erscheint damals nicht mehr in dieser Gegend; aber noch im Jahre 1315 wird unter den Adeligen ein Rudolf von Reisensburg als Z-uge für Kloster Zimmern genannt. Als um das Jahr 1300 die Markgraifchaft Burgau vom Hause Habsburg erworben wurde, fielen auch Schloß und Herrschaft Reisensburg an die neuen Landesherren. Im November 1452 gingen die Herrschaften Günzburg und Reisens- burq mit vielen andern Gütern aus der Hand des Hans von Knöringen, damals Landvogt zu Burgau, in den Pfandbesitz deS reichen Ritters Hans von Stain auf Ronsberg über. 1457 machte Erzherzog Albrecht demselben Hans v. Stain Reisensburg nebst Zugebör um den Preis von 4000 fl. zu einem Lehen. Damit war Reisensburg von Günzburg getrennt und mit seinen Zugehörden zu einer eigenen burgauischen Lehensherrschaft gemacht. Die vonStain blieben im Lehensgenusse von Reisensburg, kamen aber in ihren Vermögensverbältnissen immer mehr zurück. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts steckte die Familie so tief in Schulden, daß Kaiser Rudolf II. befahl, es solle die ganze Herrschaft unter Sequester gestellt werden. Im Jahre 1760 gelangte durch Erbrecht Karl von Ehb zu Neu-Dettelsau in den Besitz von Reisensburg. Der letzte Besitzer von R-isensburg aus der Familie der Fieiberren von Eyb, Friedrich Karl, starb um das Jabr 1852. Reisensburg wurde nun verkauft, und zwar an den Freiheirn Maximilian v. Riedbeim zu Harthausen, dessen Nachkomm n sich heute noch im Besitze des Schlosses befinden. An dem Schlosse eihebt sich der alte Burgihmm, wohl jenes oastrnm, aus welchem der verbannte Schyre Bercbrbold von Bayern im Jahre 955 zu den Ungarn nach Augsburg eilt-, um seinen Verratb an Kaiser Otto auszuüben. Die jetzigen Sckloßgebäude wurden in späterer Zeit um den Thurm angeführt, Reisensburg hat eine dem hl. Papste und Märtyrer Sixtus geweihte Kirche; dieselbe wird schon im Jahre 1162 erwähnt. Das alte Kirchlein wurde 1767 abgebrochen und im folgenden Jahre die gegenwärtige Kirche gebaut. --—