Ivtt 1.8L4. „Nugsburger Postzeitung". Dinstag, den 11. Dezember Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarilchen Instituts von Haas >L Grabherr in Augsburg (Vorbesttzer Dr. Mar Huttlcr). Hernward von Hildesheim. Erzählung auS dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt. l,Fortir»ung.) VII. Heriberts Werbung. Herr, der Du alles wohlgemacht, Ich will nichts, was nicht Du willst schenken, Du machst es nicht, w'e wir's gedacht; Du wachst es besser, als wir de ken. Fr. Nückert. Es war im Spätherbst, wenige Tage vor dem Feste des heiligen Martinas. Man schrieb Eintausend und sieben nach der Geburt des Herrn. Auf der Domfreiheit zu Hildesheim führte ein Knappe einen schön gezäumten, mit bunt gewirkter Decke behangenen Streithengst vor. Der Ritter, so selbigen zu besteigen sich anschickte, glitzerte im Waffenrock von Silberstoff, er war gar stattlich anzuschauen. Unter seinem blinkenden Helm quollen blonde Locken hervor, sein edles Angesicht sprach von Muth und Geist. „Grüß Gott, Herr Heribert!" so rief der Bischof Ekkehard von Schleswig dem Ritter zu und kam eilends über den Domhof herbei: „Euer Anblick belehrll mich zu meiner Freude, daß auch unser gnädiger Landesherr, Bischof Bernward, wieder vom kaiserlichen Kriegszug aus Flandern heimgekehrt ist. Wann kamt Ihr?" „Gestern Abend spät," sagte der Ritter. „Und wollt schon wieder weg?" fragte Ekkehard. „Nur bis zur Sommerschenburg," gab Heribert zur Antwort, und sein jugendschönes Antlitz strahlte vor Freude. „Ich soll dem edlen Grafen Tammo vermelden, daß sein Bruder, unser bischöflicher Herr, glücklich heimgekehrt sei." Er schwang sich in den Sattel. Mit Wohlgefallen schaute Herr Ekkehard ihn an. „Was, Ihr tragt die goldenen Sporen? Glück zu, Herr RitterI" Und in aufrichtiger Freude reichte der Bischof dem jungen Herrn die Rechte. „Wo habt Ihr Euch die verdient?" fügte er die Frage hinzu. Heribert erröthete. „Das war von Gent. 's ist nicht der Rede werth, was ich that; doch der Kaiser meinte, ich habe mich tapfer benommen, er schlug mich zum Ritter." Herr Ekkehard dagegen meinte: „Wenn des Kaisers Schwert Eucre Schulter berührte, so habt Jhr's verdient, denn Herr Heinrich thu nichts ohne Ueberlegung. Doch sprecht, des Kaisers Feldzug ist längst beendet, der Empörer Balduin von Flandern wurde ja schon im Erntemonat unterworfen — warum kehrte Bischof Bernward nicht zugleich mit den Vasallen und Kriegsmannen zurück, so er dem Kaiser zugeführt hatte? Wo blieb er so lange, und wo weiltet Ihr mit ihm?" Heribert zog die Schultern hoch und lachte. „Dort kommt Herr Thangmar aus dem Dom; der war dabei, er wird's Euch besser erklären, als ich das könnte." Sprach's, grüßte mit gesenkter Lanze und sprengte von dannen. Ekkehard schaute schier verblüfft dem schmucken Reiter nach. „Uebermüthiger!" rief er halb lachend hinter ihm her. Mit freudigem Gruß: „Willkommen in der Hei- math!" wandte er alsdann sich Herrn Thangmar zu. Das war ein frohes Umarmen nach langer Zeit. „Hätte wahrlich nicht gedacht, daß ich Euch erst heute wiedersehen sollte, als wir gemeinsam am Feste der Erscheinung des Herrn in Gandersheim die Einweihung der Kirche feierten!" rief Ekkehard, und seine Augen leuchteten beim Gedenken der Feier. „Ein herrliches glanzvolles Fest, ein Siegesfest für unsern Herrn Bernward war's, da er endlich erreichte, was er so lange vergeblich erstrebt hatte!" Auch der Domdecan versenkte sich gar gerne in die ihm besonders liebe Erinnerung, sein Antlitz strahlte. Er ergriff Ekkehards Arm. „Kommt, Herr Bischof, wir wollen in dieser schönen Morgenfrühe ein wenig auf und nieder wandeln. Die Sache, über die wir noch nicht mit einander reden konnten, ist zu schön, als daß wir nicht in der Erinnerung daran uns gemeinsam erfreuen sollten." Herr Ekkehard willfahrte gerne. Thangmar berichtete lebhaft: „Ich war dazumal mit unserm Bischöflichen Herrn zugegen, als unser verehrungswürdiger Kaiser mit vielen Fürsten und Bischöfen zu Pölde das Weihnachtsfest feierte." Begeistert fuhr er f„rt: „Wohin dieser von Gott begnadete Herrscher sein Angesicht wendet, da versöhnt er die Zwieträchtigen. Herr Heinrich hat eine ungewohnte Gabe der Rede, so die widerstrebendsten Gemüther gewinnt. Auch Herr Willegis vermochte dem sanften und eindringlichen Zureden des 778 Kaisers endlich nicht mehr zu widerstehen und unterwarf die Sache Gandersheims dessen Urtheil. Herr Heinrich aber verlegte die so oft vereitelte Weihe der Ganders- heimischen Kirche auf die Vigilie vor der Erscheinung Tiefathmend sprach Bischof Ekkehard: „Das war ein großer Augenblick, als nach geschehener Einweihung durch Herrn Bernward der Kaiser mit dem Erzbischof Willegis und den zwölf Bischöfen, wozu ich selber gehörte, zum Volke Hinausschritt und feierlich die Worte sprach: „Meine Geliebten, den langen Streit heute beizulegen haben wir für angemessen gehalten. Ich erkenne an und weiß, daß die Kirche und die umliegenden Ortschaften immer den Hildesheimischen Bischöfen zugehört und von ihnen sonder Widerspruch besessen wurden." Thangmar neigte zustimmend das Haupt und erklärte: „Ich gestehe, es gehört mehr Selbstverleugnung dazu, als ich mir zutraue, und ich bewundere Herrn Willegis, daß er alsdann in Gegenwart aller Bischöfe und Fürsten vor dem Volke freimüthig bekannte, er habe geirrt und entsage feierlich allen Ansprüchen auf das Stift Gandersheim. Es ist mir so frisch in der Erinnerung, als ob es gestern geschehen sei, als der Stattliche sprach: „Theuerster Bruder und Mitbischof, ich entsage dem Rechte auf diese Kirche und übergebe Dir diesen Hirtenstab, den ich in der Hand habe, vor Christus, unserm königlichen Herrn, zur Bewahrheitung, daß weder ich, noch einer meiner Nachfolger irgend Anspruch oder Rückforderungsrecht in dieser Sache haben könne." Herr Ekkehard bestätigte: „Der Streit ist schöner und friedlicher geschlichtet worden aks irgend einer es ahnen konnte. Vor dem Erzbischofe Willegis, der sich unserm Herrn Bernward gegenüber ehrenvoll und liebevoll benimmt, hege ich die größte Hochachtung. Gott segne ihnl" „Dazu sage ich Amen!" fügte Herr Thangmar hinzu. Seine Augen glänzten in freudiger Rührung: „Herr Ekkehard, als ich unsern erlauchten Kaiser in seiner Majestät inmitten der zwölf Bischöfe da stehen sah, als ich mir sagte, dieser fromme und gerechte Herrscher des Deutschen Reiches und vier dieser hohen kirchlichen Würdenträger: Herr Bernward von Hildesheim, Herr Ekkehard von Schleswig, Herr Benno von Oldenburg, Herr Meinwerk von Paderborn, diese ausgezeichneten Männer alle sind aus unserer Hildesheimer Domschule hervorgegangen, da schwoll mir das Herz in freudigem Stolz, in innigem Dank gegen Gott." Bischof Ekkehard sprach warm: „Nächst Gott danken mir Euch, die wir als Schüler zu Eueren Füßen gesessen haben, daß wir zum Guten erzogen und in den Wissenschaften gebildet wurden." Die Frage aber, so ihm von Heribert nicht beantwortet war, hatte er nicht vergessen: „Wo blieb unser Herr, wo bliebt Ihr solange nach dem glücklich beendeten Feldzuge?" forschte er nun. Thangmar zögerte eine Weile mit der Antwort. Dann entgegnete er bedächtig: "Ich darf Euch wohl sagen, da Herr Bernward glücklich heimgekehrt ist, er verheimlichte den Seinigen das Vorhaben aus Furcht, er möge ihre Thränen nicht ertragen können. — Nach den Gebeinen des heiligen Martinus zu Tours unternahm Herr Bernward mit uns, seinen Begleitern, eine Wallfahrt, so er lange schon gelobt hatte. Zu Parts blieben wir einige Tage beim Grabe des hl. Dionysius. Wir besuchten die heiligen Orte, und mein Bischof opferte sich mit großer Zerknirschung des Herzens ganz dem Herrn. Von da ritten wir nach Tours. Wir hatten auf dem Wege uns von Seiten des Frankenkönigs Robert vielfacher Aufmerksamkeit zu erfreuen. In der Stadt Tours verblieben wir eine Woche. Es war rührend zu sehen, wie unser Herr vor seinem treuen Schutzheiligen täglich viele Thränen für seine und der Seinen Sünden vergoß. König Robert und die Bischöfe ehrten ihn durch die kostbaren Reliquien von des heiligen Martinus Körper, obgleich es sonst schon für etwas Großes erachtet wurde, das kleinste Stückchen von der Kleidung des heiligen Bekenners zu erlangen. „Unter den Segnungen Aller traten wir die Rückreise an. Wir verweilten wiederum einige Tage zu Paris, allwo Herr Bernward streng den gewohnten Uebungen des Gebetes oblag. Hier empfing er abermals von dem König Robert und den Bischöfen heilige Pfänder von Sanct Dionys und seinen Genossen. Dann setzten wir, von Segenswünschen begleitet, unsere Reise fort in die deutsche Heimath. In Aachen endlich machten wir Rast. Dortselbst erwartete der Kaiser sehnlichst unsere Heere; er empfing uns auf das liebevollste. „Hier am Grabe seines so früh dahingeschiedenen Otto betete Bischof Bernward lange und inbrünstig für dessen Seelenruhe. „Kaiser Heinrich wünschte, daß unser Herr ihn nach Frankfurt begleite, wohin er eine Synode beschieden hatte, weil er nämlich mit dem Plane umging, in seiner Stadt Bamberg einen neuen Bischofssitz zu errichten. „Obgleich Herr Bernward selber, wie wir Alle, eine schnelle Heimkehr wünschte, so weigerte er sich nicht, durch unverzüglichen Gehorsam den Kaiser zu ehren. Wir fuhren nach Frankfurt, und Herr Bernward gab allda gleich den übrigen Bischöfen seine Zustimmung zur Errichtung des neuen Bisthums. „Nun endlich heimgekehrt, liegt uns nichts weiteres ob, als die mitgebrachten Reliquien an einem Orte beizusetzen, wo sie würdig verehrt werden können," also schloß Herr Thangmar seinen Bericht. Inzwischen war Heribert freudigen Gemüthes nach der Sommerschenburg geritten und war dortselbst mit großer Herzlichkeit vom stattlichen Herrn Tammo und seiner immer noch unmuthigen Hausfrau Hildeswitha aufgenommen worden. Graf Tammo hatte selber den kaiserlichen Feldzug gegen Balduin von Flandern mitgemacht, ja sich darin ausgezeichnet. Er war der einzige der heimkehrenden Hildesheimer, so von der frommen Wallfahrt des Bischofes Kenntniß hatte. Wie frohbewegt lauschte er anjetzo der Reiseschilderung Hcriberts von den Abenteuern und den Gefahren, sowie von den frommen Freuden und Tröstungen. „Sieh', Hildeswitha", sprach er wohlgelaunt, als Heribert geendet, „sieh', dieser junge Hildesheimer Künstler, der nach dem Vorbilde meines geistvollen Bruders alle Künste, sogar die Kriegskunst betreibt, rettete unserm Kaiser, der sich bei Gent allzuweit vorgewagt hatte, durch Umsicht und Tapferkeit das Leben. Dafür aber schlug Herr Heinrich ihn, wie es sich geziemte, zum Ritter." Frau Hildeswitha streckte Heribert die Hand entgegen: „Meinen Glückwunsch, Herr Ritter!" 779 Dieser dankte und berichtete strahlend: „In Aachen belehnte Kaiser Heinrich mich mit der Bullenburg und schenkte mir zehn Hufen Landes dazu." Graf Tammo nickte befriedigt: „Das heißt kaiserlich gedankt! Wollte, ich könnte Euch meinen Dank ebenso geziemend darthun, meinen Dank dafür, daß Ihr freiwillig mit uns Hildesheimern in den Kampf zogt, und daß Ihr meinen theueren Bruder auf seiner gefahrvollen Wallfahrt begleitetet, liebster Heribert." Da leuchtete hell des jungen Ritters Auge auf: „Dank, Graf Tammo, habe ich keinen von Euch zu begehren. Doch, gnädiger Herr, — ich komme zu Euch als Bittsteller, Ja, ich flehe Euch an um das Beste und Theuerste, was Ihr habt: Gebt mir Euere Herzliebe Hathumod zum Weibe. — Als einfacher Künstler . hätte ich diese Gunst nimmer von Euch zu heischen gewagt. ! Um Hathumod zu erwerben, die ich liebe, seit ich sie als > holdes Kind zum ersten Male sah, zog ich in den Kampf, aus dem ich als Ritter zurückkehre." Tammo sah bewegt auf den Bittsteller. „Heribert, ich hätte Euch mein Kind gegeben, auch wenn Ihr nur ein einfacher Künstler ohne Namen und ohne Rang geblieben, so Hathumod Euch zugethan wäre", entgeg- nete er und fügte hinzu: „Es geht ein ernster Zug durch unsere Zeit. Die einzige Tochter meines treuen Freundes und Schwagers, des Grafen Altmann vonOles- burg, die ehedem so lebenslustige Frederunde, hat sich in Folge eines Traumgesichts entschlossen, der Welt zu entsagen und ein Kloster auf der mütterlichen Burg Steterburg zu begründen. Auch meine Hathnmod schaut keinen Ritter an und weist alle Bewerber zurück. Ich sorge, daß sie dem Beispiele ihrer jungen Schwester Rothgardis folgen will, so vor Kurzem den Schleier im Konvent zu Gandersheim genommen hat. Doch mein Kind spricht sich nicht aus. Fragt Hathumod selber. Will sie Euch, so nehmt sie mit Gott. Sie weilt droben auf dem Thurmstüblein, dem Lwblings-Aufenhalt meiner seligen Mutter. Dort- selbst übt sie sich emsig in der Malerei, welche Kunst, seit Ihr sie darin unterrichtet habt, ihre Lieblings-Be- schäfligung geworden ist." Heribert folgte der Weisung. Beklommen stieg er die Wendeltreppe hinan. Bangen Herzens pochte er an die Pforte des Thurmstübleins. Als ihm keine Aufforderung zum Eintreten ward, öffnete er leise die Thüre. Da saß Hathumod auf erhöhtem Sitz am Fensterlein; ihr Goldhaar schimmerte in der Sonne. Wie andere Edelfräulein den Stickrahmen, so hatte sie die Staffelei vor sich. In diesem Augenblick aber ruhten Pinsel und Palette; ihre großen, blauen Augen, so blau wie der Himmel selber, schweiften sehnsüchtig hinaus in die Ferne. Heriberts Kommen hatte sie überhört. Er schaute die Wonnesame eine Weile an. Dann sprach er mit bebender Stimme: „Gott zum Gruß, Jungfrau Hathumod!" Da sprang sie auf und that einen Freudenschrei: „Heribert, liebster Heribert! Gott sei gelobt, daß Ihr wieder da seid! Wie habe ich für Euch gebetet," so rief die Holde in der Freude des Wiedersehens und eilte ihm entgegen. Er legte den Arm um die Jungfrau und sah ihr tief in die blauen Augensterne: „Ihr habt für mich gebetet?" Sie nickte freudig: „Immer, immer!" Da zog er sie fest an sein Herz, was sie auch geschehen ließ, und fragte kühn: „Seid Ihr mir gut? Wollt Ihr meine liebe Hausfrau werden?" Sie schlang die Arme um seinen Hals und flüsterte: „Ach Liebster, wenn der Vater es nur erlaubt." „Er hat schon Ja gesagt!" rief Heribert außer sich vor Glück und drückte einen Kuß auf ihre rothen Lippen. Graf Tammo und Frau Hildes- witha waren freudig überrascht, als die Glückstrahlenden vor sie hintraten, um ihren elterlichen Segen baten und ihnen gestanden, wie lange sie einander schon heimlich geliebt. Der Segen ward den Kindern nicht vorenthalten. VIII. Bernwards Heimgang. Ihn hat nun als den Seinen Der Herr dem L-io entrück:. Und während wir hier weinen, Ist er so hoch beglückt. Er trägt die Lebenskrone Und hebt die Palm' empor Und singt vor Gottes Throne Ein Lied im höhern Chor. Spitta. Die schönste und bedeutendste Schöpfung Bischof Bernwards, die herrliche,SanctMichael geweihte drei- schiffige Basilika, stand vollendet da in eigenartiger Schönheit. — Auf einem Hügel erbaut, bob sie ihr sechsthürmiges Haupt majestätisch empor. Das Innere dieses Tempels drückte große und tiefsinnige Gedanken aus. Seine mit Bildwerken geschmückte Decke, Wände und Getäfel, sowie die prachtvoll errichteten Altäre, alles ordnete sich dem großartigen Gedanken unter, der den Erbauer beseelt hatte. Von dem Hochaltare herab strahlte das von Bernward eigenhändig geformte Kreuz mit der kostbaren Reliquie. Nachdem Maurer, Steinmetzen, Maler, Erzgießer, ja Kunstbefliffene jeglicher Art unter Bernwards Leitung während einundzwanzig Jahren an der Vollendung des herrlichen Baues ihre Kräfte geübt und bethätigt hatten, wurde die Kirche zur Ehre d^s Erlösers, seiner erhabenen Mutter und des heilbringenden Kreuzes eingeweiht, sie wurde unter den besonderen Schutz des heiligen Erzengels Michael und aller himmlischen Heerschaaren gestellt. Das geschah am Feste des heiligen Michael im Eintausend und zwei und zwanzigsten Jahre nach der Menschwerdung Uegirrungspriistdriit Dr. v. Aiegter. 780 Christi, im dreißigsten der bischöflichen Amtsführung BernwardS. Herr Bernward selber weihte die Kirche in Gegenwart des Cardinals Friedrich, als apostolischen Gesandten, sowie der Erzbischöfe von Mainz, Magdeburg und Bremen, der Bischöfe von Meißen, Schleswig, Oldenburg, Padcr- born, Halberstadt, Naumburg Merseburg und Werden, desgleichen von siebenundsechzig Prälaten und Aebten, sowie einer großen Volksmenge aus verschiedenen Gegenden. Neben diesem schönsten Bau des großen Bernward erhob sich das neuerrichtete Kloster, den Söhnen des heiligen Bencdictus aufgebaut. Nach vollbrachier Kirch- weihe setzte der Bischof den Abt Goderam und dessen geistliche Brüder in den Besitz des neuen Klosters ein und begab sich sodann all seiner Habe zu Gunsten dieser Stiftung. Nach erlangter Zustimmung seines geliebten Bruders, des Grafen Tammo, bestätigte er feierlich sein Vermächt- niß durch eine Stiflungsurkunde, wonach die dem Kloster St. Michael geschenkten Güter in nicht weniger bestanden, als in „Vierhundertsechsundsechzig Hufen Landes, zehn Zehnten und zehn Mühlen, neunzehn Landgütern, dreizehn Kirchen und einigen Gütern in und um Hildesheim belegen," überhaupt in allem, was er nach Erbrecht besaß oder durch Kauf erworben hatte, mit Ausnahme dessen, was er dem Altare der heiligen Maria im Dome an goldenen Kronen, Kelchen, Leuchtern, Gewändern und anderen kirchlichen Zierathen übertragen hatte. Gegen Schluß der Urkunde hieß es: „Da aber die Grundlage des neuen Werkes gelegt war und schon die einzelnen Räumlichkeiten hervortraten, da wurde ich, damit nicht etwa durch mein Umherschweifen in der Fremde das angefangene Werk verschoben würde — Ruhm sei Dir, Christus I — vom Fieber ergriffen und war siech fünf Jahre lang. Weil aber nichts auf Erden ohne Ursache geschieht, glaube und vertraue ich zum Herrn, daß er mich züchtigte, aber dem Tode mich nicht übergab, auf daß nicht durch meine Abwesenheit die Erfüllung meiner Hoffnung verzögert werde." Die schweren Körperleiden nahm der fromme Bischof voll Dank als ein Zeichen der göttlichen Güte, als ein willkommenes Läuterungsmittel an. Er wußte ja, daß Gott denjenigen züchtiget, welchen er liebet. So waren unter Leiden und Mühen die letzten Jahre Bernwards dahingeflossen. Als er erkannte, daß sein Lebensende nahe, so verlangte er, der all seine Habe hingegeben hatte, dem Heilande noch mehr zu gleichen in Armuth und Entsagung. Darum wollte er sein bischöfliches Gewand mit dem demüthigen Ordens- kleide des heiligen Bcnedictus vertauschen. Zwischen der Kapelle des heiligen Kr.uzes und der großen Klosterkirche St. Michael hatte Bernward zu Ehren des heiligen Martinus, dessen Grab er ja zu Tours besucht und von dessen Reliquien er einen Arm erhalten hatte, eine Kapelle errichtet. Am Feste des heiligen Martinus ließ er selbige durch Herrn Bischof Ekkehard von Schleswig einweihen, da er selber sich zu schwach fühlte. Nach geschehener Weihe ließ er sich in die seinem erwählten Schutzpatron zu Ehren errichtete Kapelle geleiten. Allhier nahm er im Beisein aller Mönche und in Gegenwart seines Bruders Tammo und des Bischofs Ekkehard aus den Händen des Abtes Goderam das Ordenskleid des heiligen Bcnedictus. Nicht lange trug er das Kleid der Weltentsagung. Er wurde von Gott berufen, den Lohn seiner Werke zu empfangen. ES war an einem trüben Morgen des Windmonats am neunten Tage nach Herrn Bernwards Aufnahme in das Kloster St. Michael, da trat der junge Domschüler Benno in die weltferne Zelle seines verehrten Großoheims ein. Er that das allmorgendlich vor dem Besuch der Schule. Benno war der älteste Sproß Heriberts und Hathumods von der Bullenburg. Wie ehedem Heribert der Lieblingsschüler des Bischofs gewesen war. so hegte Bernward nun für dessen Sohn die innigste Neigung. Seit fünf Jahren war Benno der Trost und die Freude des Greises, dem er alle Wünsche an den Augen ablas, ja von dem er schier unzertrennlich war. Als heute der Knabe dem Bischof seinen Morgengruß bot, da erschrak er. Eine große Veränderung war mit dem geliebten Oheim vorgegangen: wie durchsichtiges Wachs erschienen dessen durchgeistigte Züge, ein stiller verklärender Friede lag darüber ausgegossen. „Mein Benno, wenn Du mir den letzten Dienst erweisen willst," also hub der Bischof nach dem Gegen- gruß an, „so eile und entbiete Deinen Großvater, meinen geliebten Tammo, hierher; ich weiß, er weilt in Hildesheim. Rufe auch meine geistigen Brüder, die Söhne des heiligen Benedictus, auf meine Zelle und bringe Deine eigenen liebsten Freunde, die Edelknaben Udo von Hammerstein, Bruno von Jsenburg und Hermann von der Mundburg, zu mir. Ich fühle den nahen Tod und will vor meinem Ende noch zu Allen reden." Von tiefem Schmerz erschüttert, willfahrte Benno allsogleich, und gar bald umstanden die Gerufenen den Lehnstuhl des Scheidenden. Mit schwacher Stimme redete Bernward sie also an: „Meine liebsten Brüder! Die Zeit ist gekommen, da meine Glieder der Erde sollen befohlen werden. Ich fühle es. Mein Leichnam beginnt schon zu erkalten. „„Gib Rechnung von Deinem Haushalt; denn Du wirst hinfüro nicht mehr haushalten können!"" spricht der Herr zu mir. So befehle ich Euch dem Kaiser Heinrich an, meinem gnädigsten Herrn. Diesen gebe ich Euch zum Obersten. Er wird für Euch sorgen nicht minder, als ob ich persönlich zugegen wäre. „Meine Brüder! Liebet Gott den Herrn! Seid demjenigen dankbar, der Euch von den Eitelkeiten der Welt gezogen hat. Ihr wisset nicht, wie lange Euer Leben dauert. Selbst das Lieblichste unter der Sonne muß der Vergänglichkeit unterliegen. Ich habe reiche Tage besessen, aber wozu sind sie mir nützlich gewesen? Jetzt muß ich alles verlassen. Ich war Staub, und Staub muß ich wieder werden. Da freue ich mich, daß ich meine Güter nicht unnützlich verschwendet habe, sondern sie durch die Hände der Armen zu den ewigen Schätzen überbringen ließ. Auch ich habe große Gebäude und Steinwerke aufgerichtet, um die guten und gläubigen Christen im göttlichen Dienste zu bestärken, nicht aber, um eitele Ehre zu erwerben. Gott, der das Innere meines Herzens einsieht, ist mein Zeuge. Die heilige Schrift erklärt: „„Wann ihr alles gethan habet, was Euch befohlen ist, alsdann rufet, wir sind unnütze Knechte!" " Und dies wird zu den Auserwählten gesagt. Wo sollen denn die Trägen, die Unnützen bleiben? — Darum, liebe Brüder, dienet Gott dem Herrn in Furcht; denn die Gottesfurcht giebt viel Stärke. Wahrlich, Brüder, kein Mensch weiß, ob er der Liebe oder des Hasses-" 781 Des Bischofs Stimme war leiser geworden; er vollendete den begonnenen Satz nicht, sondern sank von Schwäche übermannt mit geschlossenen Lidern rückwärts in den Lehnstuhl. Große Bewegung überkam die geistlichen Brüder. Da schlug Bernward die Augen auf und sprach mühsam: „Liebe Brüder, ich will Euch nicht verlassen. Wenn ich schon meinem Leibe nach von Euch geschieden bin, so werde ich dem Geiste nach stets bei Euch sein." WW WW W8 S8 ! n lI^lA»IIss,!I!W!M!!' WE M WW Ein Duett. Nach dem Gemälde von O. Seitz. ! > ! > l ? Sie vermeinten, ihr Vater würde in diesem Augenblick verscheiden. Abt Goderam kniete vor Bernward nieder und rief fassungslos in herbem Seelenschmerz: „O lieber Vater, warum willst Du uns so bald verlassen?" Der junge Benno aber, welcher vor allen Andern wahrnahm, welche große Veränderung mit dem geliebten Großoheim vorgegangen war, fing bitterlich zu weinen an, und die anderen Edelknaben folgten sogleich seinem Beispiel. rL Da richtete Bernward sich empor, faltete die Hände und betete: „Diesen Kindern gib, o allmächtiger Gott, Deine Gnade, daß sie in Deiner Liebe gestärket werden und zu dem Lichte gelangen, welches ewig ist. Gib ihnen, o Herr, die Kraft, daß sie dermals mit Weisheit und Bescheidenheit ihre Unterthanen im Frieden regieren mögen. Gib ihnen Deinen Geist, also zu leben, daß sie das ewige Reich erlangen." Benno lag fassungslos vor Schmerz auf den Knieen und barg schluchzend sein Gesicht in beiden Händen. MitAnstrengung tasteteBern- ward nach dem Weinenden, löste ihm sanft die Hände und ermähnte ihn: „Du siehst, mein Sohn, daß wir nur durch das Feuer der Trübsal zu Gott gelangen, dero- wegen nimm meine Ermahnung an und beherzige meine letzten Worte. Fliehe und verachte diese Welt wie eine ansteckende und giftige Seuche. Halte Dich allein zu Gott. Damit Du aber dieses leichter ausführen mögest, und damit Dein noch weiches Alter, dem die Laster leicht EinGraf A. Uamagata, Generaloberst. W- ! drücke machen, durch Anderer Bosheit nicht verdorben werde, so weiche nimmer von der Seite dieses Deines Lehrmeisters." Er deutete auf Herrn Wiger, den daneben- stehenden Lehrer der Domschule, und fuhr fort: „Wenn Du mich liebst, so bezeige selbigem, als Deinem Vater, in allen Stücken Gehorsam." Dann ergriff er auch Herrn Wigcrs Hand: „Lieber Freund, Euerer Sorge empfehle ich dringlich das Seelenheil meines Benno." Diese Mahnung ging Beiden tief zu Herzen. Ja, auf Benno machten die Worte des Scheidenden solch nachhaltigen Eindruck, daß er — es sei hier eingeschaltet und vor- bemerkt — später im Kloster St. Michael sich dem geistlichen Leben widmete und seiner Tugenden halber von den Bene- dictinern zum Abt erwählet wurde. Kaiser Heinrich IV. berief ihn alsdann an das Col- legiatstift zu Goslar als Propst, worauf nach einiger Zeit ihm die Bischofs-Mitra zu Meißen aufgesetzt wurde, die er vierzig Jahre lang mit großem Ruhm der Heiligkeit trug. Biscbof Bernward hatte schon in Benno's zarter Jugend die herrlichen Eigenschaften erkannt , welche in dem Knaben schlummerten, und dessen künftige Größe und Heiligkeit mit prophetischem Blicke vorausgesehen. Nach der an den geliebten Knaben mit väterliche Liebe gerichteten Ermahnung wendete er sich noch einmal zu den anwesenden Mönchen Graf H. Ito, Ministerpräsident. von St. Michael, um ihnen in bewegten Worten seine letzten Wünsche vorzutragen. (Schluß folgt.) -^i-^-i-— Goldkörner. Verschwendete Zeit ist Dasein, gebrauchte Zeit ist Leben. Vou"g. -—»- Mulla Kilo, Kaiser von Japan. 783 Der Meßner von Thannstein. Eine obcrpfälzrsche Sage von Adolf Häutzling. .. Eine bedeutende Rolle in den Volkssagen spielt das doppelte Gesicht. Legenden und Erzählungen verschiedenster Art, aber immer düster und schaurig, wissen hiervon zu berichten. Es sei an dieser Stelle nicht unbemerkt, daß auch in den schottischen Sagen das Loppelgesicht eine große Rolle spielt. Im bayerischen Sagenschatze finden wir es bei vielen oberpfälzischen Erzählungen. Als Beispiel hiervon sei die Sage vom Meßner zu Thannstein berichtet. In Thannstein waltete im letzten Jahrhunderte schon lange Zeit seines frommen, stillen Amtes ein alter Meßner. Mit der Pünktlichkeit einer Uhr erschien er jeden Tag zu seinem Dienste, der damit begann, daß er morgens um 4 Uhr den englischen Gruß zu läuten hatte. Es war an einem Herbstmorgen, als noch fast das Dunkel der Nacht diese Stunde umhüllte, da ihn die Gewohnheit des Dienstes und die Zeiger der Uhr mahnten, daß sein Amt beginne. Rasch war er angekleidet, sprang durch die frostige Morgenluft über den Kirchhof hinüber zum Thurme, öffnete dessen > knarrendes Schloß und wollte eben den Strick ^ der Glocke ergreifen, um sie zum Gebete zu . rühren, als er plötzlich zurückfuhr vor Schrecken, fast wie Lots Weib zur Säule gewandelt. Seinen Augen bot sich ein Bild, welches dem unerschrockensten Manne den Schlag des Herzens gehemmt hätte. Er selbst, wie er leibte und lebte, stand am Glockenseile; er hatte sein zweites Ich erblickt; die räthselhafte Gestalt blieb sprachlos und ohne Bewegung. Weniger Zeit, als hier die Erzählung beansprucht, vermochte der Meßner auf das grause Bild zu blicken, gesträubten Haares, todtenblassen Antlitzes floh er von dannen; diesen Morgen wurde in Thannstein nicht geläutet. Eisiger Fieberfrost schüttelte die Glieder des Mannes, sein Gehirn war fast dem Wahnsinne nahe über das Entsetzliche, was er gesehen hatte. Die sorgende Hausfrau brachte ihn zu Bette, und ihrem gutmülhigen Zuspruch gelang es, bis gegen Nachmittag seinen Schrecken zu zerstreuen, ihm überhaupt den Glauben an die Erscheinung auszureden, die am Ende nichts als ein übertriebenes Gebilde seiner Schlaftrunkenheit und Furchtsamkeit gewesen sei. Die mächtigste Bundesgenossin des Trostes ist es, daß der Mensch den guten Versprechungen und Behauptungen tausendmal eher Gehör schenkt, als einer Aeußerung der Besorgniß, und als es gegen Abend ging, war unser Meßner wieder guter Dinge und schalt sich selbst einen furchtsamen Hasen. Trotz der späten Herbstzeit hatten sich im Laufe des Nachmittags die finsteren Wolken eines Gewitters geballt, das nun dräuend heraufzog. Der ferne Donner rückte immer näher und erinnerte den pflichtgetreuen Mann, daß es seine Pflicht sei, den Wettersegen zu läuten. Hastigen Schrittes eilte er zum Kirchthurme hinüber, diesmal fand sich in der Glockenkam- mer kein zweites Bild. Rasch greift er nach dem Seile, um zum Gebete zu läuten, doch in dem Augenblicke, da der erste Glockenschlag ertönt, zuckt aus der Wolke ein Blitzstrahl hernieder, > dringt in das Dach der Kirche, schlägt in die ! Glocke und springt von da auf den unglücklichen Meßner herab, der entseelt zu Boden sinkt. So hatte das Räthsel des Doppelgesichts vom Morgen schon am Abend seine Lösung gefunden. (A. d. Wochenschr. „D. Bayerld.") Zu unseren Bildern. Kc. TxceUrn; Ncgierungsprklldcnl v. Ziegler. Se. Excellenz Regierungspräsident von Ober daher n und Staatsrath Dr. Friedrich v. Ziegler, dessen Bildnch wir beute nach einer Phctographie aus oem Atelier des Herrn A. Brockesch, Hofphotozraph. Schindlers Nachfolger in Regensburg, bringen, steht aus früherer Zeit noch, nicht allein in München, sondern in ganz Oberbaycrn, in bestem Andenken. Im Jahre 1871 wurde Herr v. Ziegler Staatsanwaltssubstitur m Augsburg, wo er sich im Jabre 1872 verehelichte. Zu Beginn desselben Jahres wurde er neben Herrn v. Eisenhart von König Ludwig 1l. in das Kabinet berufen. Dort errang er sich das Vertrauen Sr. Majestät in solchem Mähe, daß er nach dem Rücktritte des Herrn v. Eisenhart im Jahre 1876 zum wirklichen Kabinetschef befördert wurde. Im Jahre 1879 legte er dieses unter den damaligen Verhältnissen besonders schwierige Amt zum Erstenmale nieder, um nach einer nochmaligen Berufung zu der hohen Ver- 784 trauensstellunq eines Kabine'sckefs 18^3 definitiv aus dem Kabinet auszuscheiden. Er wurde nach einem längeren Urlaub Ministerialrath im Kultusministerium und Staatsrath im ordentlichen Dienst. Seine Berufung als Präsident der Regierung der Oberpfalz erfolgte am 14. Oktober 1888. Ein Duell. Der alte Bursche in dem eigenthümlichen Costüm auf unserm Bilde hat jedenfalls auch schon gewußt, daß die Musik auf erregte Gemüther mitunter besänftigend wirkt. Baby im Wickelkissen ist ein boshafter Schlmgel, ein wahrhafter Schreihals. Auch heute spielt er wieder das unartige Kind und schreit aus vollem Halse. Da wußte nun der Alte sich nicht mehr zu helfen und griff nach dem Instrumente, um dim Kindlein Eins vorzuspielen. Baby aber läßt sich nicht beschwichtigen und schreit fest d'rauf los. Da auch der Alte nicht auftört zu dudeln, so gibt es ein ganz hübsches Duett — nur gut, daß wir es nicht anhören müssen. Der Kaiser von Japan und seine Deralher. Die seltenen Waffenerfolge der Japaner in Korea und vor Port Arthur sind das Resultat der langjährigen Vorbereitungen, welche Japan getroffen, um für den Kriegsfall gerüstet zu sein und seine Interessen in nachhal'.igiter Weise mit den Waffen in der Hand vertreten zu können. Der dermalige Mikado Mutso Hito hat europäische Offiziere nach Japan berufen, um sich eine kriegstüchtige und wohlgeschulte Armee zu schaffen. Die Japaner waren gelehrige Schüler und haben ihre Lehrer alsvald an Wissen und Können fast erreicht. Insbesondere gilt das von dem Moltke Japans, dem Generaloberst Mnragata, der den Feldzugsplan entworfen und auch in der Detailarbeit sich als Meister gezeigt hat, indem er bei Pjöng-Jana die ganze chinesische Armee gefangen nahm. Dem Ministerpräsidenten Grafen Jto fällt nun die Aufgabe zu, die Vortheile der Japaner auf dem Schlachtsilde politisch und wnthschaftlich zu verwerthen und zu sichern. Von seiner Geschicklichkert wird es abhängen, ob der Angriff auf China für die Japaner lohnend war oder nicht. -—- Allerlei. Laufende Stiegen. Bisher sind die Menschen über die Stiegen hinausgelaufen oder gestiegen; die Amerikaner machen es sich aber bereits bequemer, sie können stehen bleiben und kommen doch auf einen höher gelegenen Absatz, weil sich die Stiege selbst bewegt. U. a. ist diese neue Art von Personenaufzügen, die sich hauptsächlich für mäßige Förderhöhen und für sehr regen, unausgesetzten Verkehr eignet, bei dem Bahnhöfe Curtland Street der Pennsylvania-Eisenbahn in New-Iork zur Aufstellung ge- kdmmen. Diese Stiege hat wie die gewöhnlichen beiderseits Wangen; zwischen diesen sind aber keine Stufen, sondern ist eine endlose, geneigte, biegsame Ebene angebracht, die durch je eine am unteren und oberen Ende der Wangen in diesen gelagerte Welle bewegt wird. Die Wellen tragen je zwei oder mehr Kettenscheiben, über die endlose Gelenkketten laufen, auf denen die geneigte Ebene befestigt ist. Die geneigte endlose Ebene besteht — ähnlich wie die bekannten hölzernen aufrollbaren Tischunterlagen für Suppenschüsseln und so weiter im kleinen — aus lauter schmalen Riemen, die hier aus Eisen mit Hohlräumen gemacht sind, in die Gummi eingelegt ist, so daß die Personen nicht abgleiten. Die Antritte unten und oben schließen dicht an die endlose Ebene an, so daß kein Zwischenraum zu übersteigen ist. Um auf eine höhere Plattform gehoben zu werden, hat man nur auf diese bewegte Ebene zu treten und stehen zu bleiben, um so mühelos oben anzukommen und weiter gehen zu können. Um einen ganz sicheren Stand zu haben, ist auch das Stiegengeländer eine endlose Kette mit Handleisten, die sich mit der gleichen Geschwindigkeit bewegt wie die Fußebene; an diesem Geländer kann man sich also halten. Die geeignete Geschwindigkeit dieser laufenden Stiege soll 70 Fuß in der Minute sein. Angetrieben kann sie natürlich durch eine beliebige Kraftmaschine werden. U Woher stammt der Name Canada? Der Ursprung des Namens Canada dürfte wohl manchen unserer Leser interesstren. Die Spanier besuchten dieses Land, bevor die Franzosen dasselbe betraten, und machten eingehende Suche nach Gold und Silber. Als sie jedoch nichts fanden, sagten sie oft zu einander: „neu nucka." („da ist nichts"). Die Indianer, welche sie neugierig beobachteten, lernten diesen Satz und seine Bedeutung auswendig. Später kamen die Franzosen in's Land, und die Indianer, welche von ihrer Gesellschaft nichts wissen wollten und gleich der Meinung waren, daß auch diese gleichen Zweckes wie die Spanier gekommen seien, riefen ihnen diese spanischen Worte „aas, nuckn" sofort zu. Die Franzosen, welche ebensowenig von dem Spanisch kannten, als die Indianer, glaubten, daß diese sich fortwährend wiederholenden Töne der Name des Landes seien, und so heißt dieses Land seit dieser Zeit Canada. Eine Weltreise auf dem Zweirad. Zwei Amerikaner, Steven Lingard und W. Hanley, wollen die Reise um die Welt auf dem Zweirade machen, obwohl die Sache ziemlich gefährlich ist. Von dem Radfahrer Lenz, der vor Monaten abgefahren ist, um denselben Plan auszuführen, hat man in letzter Zeit nichts mehr gehört, und man nimmt an, daß er irgendwo verunglückt ist. Lingard und Hanley haben um 10,000 Dollars gewettet, daß sie zur Reise um die Erde nur 40 Wochen brauchen werden. Hier ihr Neiseplan: Nach Durchquerung der Vereinigten Staaten wollen sie mit dem Dampfschiffe nach Zjokohama und von dort quer durch Japan mit ihrem Rade nach Nagasaki fahren; dann geht's über Shanghai nach Hongkong, von dort nach Kalkutta und Bombay. Dann wollen sie Egypten, Arabien und Griechenland durchqueren, Brindist berühren, nach der Schweiz, nach Deutschland und Frankreich fahren, über die Meerenge von Calais nach Liverpool reisen und sich hier nach New-Pork einschiffen. * DieHauptsache. Händler (der eben in den Laden tritt, wie seine Tochter von einem Kunden geküßt wirdj: „Ella, was hat der Herr gekauft?" » t- V - ZLilder-Hläthsel. A «V> Auslö'ung des Delphischen Spruchs in Nr. 99: Nase, Hase, Gase, Vase, Base.