jM „Nugsburger Postzeitung". 102 Dinstag, den 18. Dezember 1894 . Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabderr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttlcr). Netter Dingo. Nach dem Englischen erzählt von Alice Salzbrunn. (Fortsetzung.) 2. Kapitel. Cyprian Hays Rückkehr nach England war durch seinen Besitzantritt der vortrefflichen Geschäftsfirma in der Londoner Altstadt verursacht worden. Er hatte ein reichliches Einkommen, deshalb fehlte seiner Wohnung in der Vorstadt keine Behaglichkeit oder Pracht, welche für Geld zu beschaffen war. Alles, was das Herz der Frau Margarethe nur begehren konnte, wurde ihr von ihrem Gatten mit Freuden gewährt. Die langen Jahre der Armuth hatten ihren Schönheitssinn unterdrückt, derselbe erwachte jetzt wieder, und ihr gütiger Mann war stolz, ihn zu befriedigen. Ein begeisterter Besucher nannte ihren Gesellschaftssaal „poesievoll"; denn er enthielt nickt die nach einem Katalog bestellten Möbel, sondern jeder einzelne Gegenstand war von ihr mit Bedacht gewählt, von den weichen dunklen Sommerpolstcrn bis zu den kleinsten Zierathen an den Wänden. Ihr kleines Boudoir war noch theurer ausgestattet, weil Herr Hat) darauf bestand, sie mit jeder Kostbarkeit zu umgeben, welche sie zufällig bewunderte. Die ihr bewilligten Summen für die Kleidung, für Vergnügungen und wohlthätige Zwecke erschienen ihr unbegrenzt gegen früher, wo ihr manchmal ein Schilling gefehlt hatte. Blieb ihr ein Wunsch unbefriedigt, so geschah es nicht durch die Schuld ihres ergebenen Gatten. Gewiß hätte sie sich ganz glücklich fühlen müssen. Jedoch wie eine listige Schlange ihren Weg in's Paradies fand, drang auch ein böser Kobold in dieses reizende Daheim! Der Augenblick seiner ver- hängnißvollen Ankunft war schwer festzustellen. Wochenlang schien er ungewiß die Luft zu durchdringen, anstatt eine bestimmte Gestalt anzunehmen. Aber sein Einfluß war hier und da und überall. Ganz unerwartet machte er sich immer geltend. Zum Beispiel — Keine Frau in den weiten Vorstädten von ganz London war anfänglich pünktlicher als Margarethe im Warten auf die Rückkehr ihres Herrn und Gemahls mit dem Nachmittagszuge. Stets begrüßte sie ihn froh, und er fand alles bereit, wie es sein sollte, bis jetzt eine Aenderung eintrat. Anstatt ihm am Bogenfenster wartend entgegen zu sehen, kam sie erst eilig aus ihrem kleinen Heiligthum, wenn sie seinen Drücker in der Hausthüre hörte. Ein paar Mal kam sie sogar nicht, bis Herr Hay laut nach ihr rief. Dann eilte sie verwirrt und erröthend zu ihm. Das war seltsam! Einmal war er leise in das Haus gekommen — kein Gesicht war an diesem Tage am Fenster — und hatte deutlich die Stimme seiner Frau laut sprechend in ihrem Zimmer gehört. Er fand die Thüre desselben von innen verriegelt. Ehe sie auf sein Klopfen öffnete, hätte er beschwören können, daß er die nach dem Garten führende Glasthüre schließen hörte. Das war noch seltsamer! Scherzend fragte er sie, ob sie eine Unterredung mit Geistern gehalten habe; sie neigte ihren schöngeformten Kopf, welchen er stets stolz betrachtete, über die Orchidee in seinem Knopfloch — er brachte ihr immer eine Blume im Knopfloch mit, und sie trug dieselbe beim Abcndbrod; dann antwortete sie, daß sie „nur — nur laut gelesen habe." Natürlich war sein Gretchen ganz wahrheitsliebend, aber — es klang sonderbar! Dann wurde sie zerstreut. Während der zu Hause zugebrachten Stunden sah Cyprian Hay gern, daß seine Frau sich und ihre Gedanken nur ihm widmete. Jetzt schien sie oft an etwas anderes oder — verwünschter Argwohn! — an jemand anders zu denken. Sie saß träumend da, wenn er ihr Neuigkeiten erzählte. Sie gab verkehrte Antworten auf seine Fragen und manchmal gar keine. Das war ärgerlich! „Auf mein Wort, Margarethe!" rief er eines Abends und warf unwillig die Zeitung hin, nachdem er ihr den begeisterten Bericht über eine neue Oper vorgelesen und sie ihn darauf träumerisch angesehen und langsam erwidert hatte: „Es ist eine unangenehme Lage" — „Auf mein Wort, Margarethe! Ich möchte wissen, wo Deine Gedanken weilen! Ich glaube, Du bist meiner überdrüssig!" Aber es that ihm leid, so barsch gesprochen zu haben, als seine Frau mit Schmerz in ihrem Blick an seine Seite kam, sich dumm nannte und sagte, sie habe etwas Kopfweh. „Seiner überdrüssig! Wie konnte er so grausam sein! Er war ja ihr alles!" Das war befriedigend, und für etwa vierzehn Tage verschwand das Element des Unbehagens auf den niedrigsten Grad. Dann stieg es wieder höher. Herr Hay hatte Billete für eines der letzten gulen Concerte der Saison besorgt. Er wünschte seine Frau sollte ihn um drei Uhr am Bahnhof in der Stadt treffen; anstatt sich darüber zu freuen, machte Margarethe Ein- 794 1 i- ! i ^ r! Wendungen mit der sonderbaren Miene der Verwirrung oder Furcht, welche er in letzter Zeit oft an ihr bemerkt hatte. »Ich — ich fürchte, mein Lieber," stotterte sie, „ich werde nicht kommen können; ich habe keine Zeit." „Was?" rief Cyprian Hay halb lachend, halb ärgerlich. „So viel ich weiß, hast Du auf der Welt Gottes nichts zu thun, als das Essen anzuordnen und Dir die Zeit angenehm zu vertreiben. Ich sollte meinen, diese Pflichten lassen Dir Muße genug, um in das Concert zu kommen." „Natürlich möchte ich gern," sagte Frau Hay hastig, „und wenn ich es vorher gewußt hätte, konnte ich — ich meine — nun ja, da Du so freundlich die Billcte besorgt hast, muß ich kommen; aber jetzt Adieu, lieber Cyprian! Halte mich nicht auf! Ich bin beschäftigt." Beschäftigt! Womit denn? wunderte er sich. Das verständige und sehr gewandte Stubenmädchen ging durch den Hausflur, als er Hut und Handschuhe nahm. Er hatte vier gut bezahlte Dienstboten; dieselben sollten der Hausherrin nicht so viel zu thun lassen. „Ich hoffe, Walpurga," sagte er, „Du überlässest meiner Frau keine Arbeit, bei welcher sie sich während meiner Abwesenheit ermüdet." „O nein, gewiß nicht, Herr Hay," antwortete Walpurga, „ich besorge alles, was Madame befiehlt. Sie braucht gar nicht nachzusehen, sobald ich weiß, daß etwas zu thun ist." Wunderlich! Das stimmte nicht mit den Worten seiner Frau überein. Der Widerspruch in den beiden Angaben quälte Herrn Hay den ganzen Morgen in seinem Comptoir; derselbe quälte ihn auch Nachmittags im Concert, obgleich sein Gleichen zur rechten Zeit und in heiterer Laune ihm zusammentraf und mit sich über die Mustkaufführungfreute. Jedoch während des folgenden ganzen Abends war sie die liebenswürdigste Hausfrau; ihr Mann dachte, alles, was sie sage oder thue, müsse richtig sein, und seine Unruhe wurde eingeschläfert. Nach einigen Tagen wurde er heftig aufgeschreckt. Margarethens Kopfschmerzen waren wieder zurückgekehrt oder aus einem anderen Grunde sah sie eines Abends sehr angegriffen aus. Cyprian konnte nicht schlafen, weil er über ihre Blässe nachdachte." „Ich glaube, meine Liebe," sagte er am nächsten Morgen, einem schönen Septembertage, „Du gehst nicht genug aus, während ich in der Stadt beschäftigt bin. Du siehst aus, als sei Dir mehr Bewegung in der Luft nöthig. Hast Du gestern einen Spaziergang gemacht?" „Ja, Cyprian, danke. Darf ich Dir noch Kaffee eingießen?" „Nur eine halbe Tasse. Ich meine einen weiten Spaziergang. Sage mir, wohin Du gestern gegangen bist?" „Zu einer — ich besuchte — ich machte einen ganz hübschen langen Ausgang." „Ah, aber wohin?" „So weit, als ich gehen wollte, Cyprian," antwortete sie mit wirklicher oder angenommener Schalkhaftigkeit, „also frage mich nicht mehr. Sieh, es ist gleich neun." Mochte es neun sein, Herr Hay hatte keine Lust, mit seiner gewöhnlichen raschen Pünktlichkeit nach der Bahnstation zu gehen. Warum konnte seine Frau ihm nicht einfach sagen, wo sie gewesen war? „Also willst Du es mir nicht erzählen?" fragte er, mit umwölkter Stirn aufstehend. „Cyprian, Du quälst mich," sagte sie ebenfalls aufstehend. „Ach, du meine Güte!" Sie fuhr mit der Hand über ihr Gesicht. „Ich glaube, ich bekomme Neuralgie." „Ich will Dir einen Vorschlag machen," sagte ihr Mann, von plötzlicher Reue ergriffen. „Du brauchst Luftveränderung. Packe heute unsern Koffer, wir werden morgen eine Vergnügungsreise nach Paris machen und werden dort am Donnerstag meinen Geburtstag feiern. Willst Du?" „O, bitte, nein," antwortete sie schnell, „ich möchte viel lieber zu Hause bleiben, ich muß zu Hause sein. Später kannst Du den Ausflug machen, wenn Du es wünschest." „Mein Gleichen, nur um Deinetwillen wünsche ich die Reise." „Dann erwähne es nicht mehr," sagte sie bittend, „es ist mir durchaus nicht nöthig. Warum" — sie spielte unruhig mit einer Gloxenia in der Vase auf dem Frühstückstische — „warum bleibst Du diesen Herbst nicht zu Hause und richtest das kleine Rauchzimmer oben oder sonst etwas mit dem Gelde ein?" „Herzchen, weil ich das Zimmer nicht entbehren kann. Jede Stube ist gut genug für die werthlosen Andenken, welche ich aus Indien mitgebracht. Meine Pläne in Betreff einer geschmackvollen Einrichtung können warten, bis ich Dich wieder frisch und rosig sehe. Deßhalb entschließe Dich wegen Paris." „Nein, Cyprian, ich will nickt," enigegnete sie bestimmt, „und jetzt mußt Du wirklich zum Bahnhof gehen." Es war etwas Ungewöhnliches — ein Schmollen? — in ihrer Stimme. Bis jetzt hatte er ihre Gemüthsart immer vollkommen harmonisch gefunden. Herr Hay redete Walpurga wieder im Hausflur an. „Denke daran, die Leihbibliothekbücher heute Vormittag zu wechseln. Meine Frau könnte sich langweilen, wenn sie keine neue Lektüre hat." „Ich werde die Bücher wechseln, Herr," antwortete Walpurga mit halbunterdrücktem Lächeln, „aber ich glaube nicht, daß Madame sich langweilt." „Das freut mich. Aber," sagte er vertraulich, „natürlich ist sie einsam, während ich in der Stadt bin." „O nein, Herr, nicht immer," antwortete sie, indem sie ihm die Handschuhe reichte, „es kommen viele Besuche her." „Ja, gewiß, an den Montagen; aber ich meinte die anderen Tage." „An den anderen Tagen sind auch oft Leute hier. Gestern kamen viele, die Frau Holland zum Gabelfrühstück, und" — sie reichte ihm den Stock — „Nachmittags war ein Herr hier!" „Nachmittags war ein Herr hier!" Cyprian Hay war jetzt zum Ausgang gerüstet und hatte den Fuß bereits auf die Schwelle gesetzt. Die Ehre verbot ihm, noch länger zu bleiben, um die Mittheilung des Stubenmädchens zu ergründen. Frau Holland, eine nahe Nachbarin, kam oft, das wußte er. Es war nicht ungewöhnlich, daß Margarethe sie zum Essen einlud. Die andern Leute, welche dagewesen waren, konnten Schneiderinnen, Putzmacherinnen und dergleichen sein; aber „Nachmittags war ein Herr da!" Wer war > > I 795 es? Warum hatte Margarethe ihn nicht genannt? Warum hatte Walpurga so sicher behauptet, daß Madame sich nicht langweile? Ja, warum? Herr Hat) verließ sein Haus so gänzlich mit diesen Fragen beschäftigt, daß er wirklich einen falschen Weg einschlug. Plötzlich stand er vor dem Posthause, anstatt vor der Bahnhofstation, und obgleich er sein Versehen in aller Eile wieder gut machte, hatte er das Vergnügen, gerade eine Minute nach der Abfahrt des Zuges zu kommen. Es war ärgerlich für einen pünktlichen Mann, jedoch es lag ein Schadenersatz darin. Jetzt konnte er noch eine halbe Stunde zu Hause zubringen. Er konnte Margarethen gegenüber den gestrigen Nachmittag erwähnen. Wahrscheinlich hatte sie ihren Besucher vergessen, sie würde ihn aber bei der geringsten Andeutung nennen. Fröhlich ging er nach dem Berghause zurück, trat durch ein Scitenpförtchen in den Garten und unbemerkt in das mit Glas verdeckte Gewächshaus. Er glaubte, seine Frau bringe die Vormittage meistens bei ihren Blumen zu. Sie war jedoch jetzt nicht da, deßhalb setzte er sich dicht neben die Thür des Gesellschaftssaales, um auf sie zu warten. Unterdessen wollen wir zu Frau Margarethe und ihren Beschäftigungen zurückkehren. Als Cyprian Hay an diesem Morgen das Haus verließ, wendete sie sich unwillkürlich zu dem Spiegel über dem Marmor- Kaminsims, blickte aufmerksam hinein und schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. „Alles um deinetwillen, du elende Frau," sagte sie im Selbstgespräch, ja alles um deinetwillen; o, ich schäme mich!" Darauf trat eine Pause ein; einem flüchtigen Lächeln folgte ein Seufzer. „Der arme Mann! Er wollte mich gerade am Donnerstag von hier entfernt haben. Es ist fast, als hätte er Verdacht; aber es kann ja nicht sein. Ich möchte wissen, was er sagen wird. Ich glaube, er wird nicht zornig werden; er ist jetzt immer so ruhig. Aber ich glaube, er wird es bedauern — ich fürchte fast, er wird es schon bedauern. Ach du unvorsichtiges Geschöpf, du siehst ganz verrätherisch und aufgeregt aus. Wenn du dich nicht zusammennimmst, so wirst du nicht Selbstbeherrschung genug haben, um dein Geheimniß zu bewahren. O Cyprian, du ahnst nicht, was geschehen wirdi" Sie wusch sich das Gesicht mit Lau äs OvIoAus. „Wie wünsche ich, daß Fanny Holland kommt! Ich möchte wissen, ob sie den Brief bringt, welcher meine Kelten löst? O, Margarethe, wie kannst du sagen, deine Ketten! Da kommt Walpurga, ich muß ihr sagen, daß ich heute für Niemand zu sprechen bin, ausgenommen" — Sie eilte aus dem Zimmer. Fünf Minuten später kam Frau Holland aus dem gegenüberliegenden Hause zu ihr. Die beiden Frauen traten in den Gesellschaftssaal und begannen ein lebhaftes Gespräch, als Herr Hay gerade seine Frau suchte. „Unangenehm!" murmelte er außerhalb des Gesichtskreises, aber nicht außerhalb der Hörweite, „jetzt wird diese kleine Frau meine Margarethe eine Stunde mit ihren Kinderstubenberichten aufhalten. Ich will sie nicht stören; am besten bleibe ich noch zehn Minuten hier und gehe ruhig weg, wie ich gekommen bin. Gleichen scheint sehr erfreut über ihren Besuch. Natürlich langweilt sich mein Gleichen ohne mich. Das mußte ich trotz Walpurgas Reden! Hm! Was? Wovon reden sie?" „O, Fanny, ich glaubte, ich würde Cyprian heute Morgen gar nicht los werden. Denke Dir, der Alte setzte es sich in den Kopf, diese Woche mit mir in Paris zu sein, morgen sollten wir abfahren." „Morgen?" wiederholte Frau Holland, „da mußt Du ja Deine letzten Vorbereitungen treffen." („Vorbereitungen? Wozu?" dachte Herr Hay sehr verwirrt.) « „Gewiß, und ich bin so unruhig bei allen." „Unsinn, meine Liebe. Wenn Du Dich krank wachst, wird alles verdorben. Du darfst am Donnerstag keine Neuralgie haben." („Am Donnerstag?" schaltete der Horcher schweigend ein. „Sie schlug es rundweg ab, am Donnerstag in Frankreich zu sein, gab aber keinen Grund an. Was bedeutet das?") „Nein, wenn ich es abwenden kann, Fanny. Glücklicherweise ist jetzt fast alles bereit, und mit diesem" — ein schwaches Geräusch deutete das Bewegen eines Papiers an — „kann ich morgen alles klar machen, und Cyprian soll keinen einzigen Schilling zu zahlen übrig behalten." („Cyprian — keinen einzigen Schilling übrig behalten! Unbegreiflich!") „Also denkst Du," fragte Frau Holland, indem sie anscheinend etwas betrachtete, „er hat Dir genug geschickt?" („Er?") „Genug? O, er ist höchst freigebig gewesen. Ich sagte ibm das gestern bei seinem kurzen Besuch —" („O, Frau, o, ol") „Es ist übrigens genug, obgleich die Kosten größer sind, als ich erwartete. Ich mußte Schweigegeld geben. Wenn mein Mann es entdeckt und verhindert hätte, so wäre ich" — sie stampfte mit dem Fuße — „wild geworden." „Du böse Frau," sagte Frau Holland, „wir sind die besten Freundinnen, und ich habe mich verpflichtet, Dir beizustehen, aber ich weiß eigentlich nicht, ob ich Dein Thun billige. Es ist gefährlich. Mein Mann würde wüthen, wenn er entdeckte, daß ich zu solchen Streichen geneigt wäre. Vielleicht ist es gut, daß meine Kinder mich fesseln und ich nicht versuchen kann, Deinem Beispiele zu folgen." Giovanni Kaltista dr Kosst UM I WW ^MÄM '<4EV KN »MMW AM K-^-M K ^WMI k-M>M-.-^ >^P S/kE WI^ÄW MSN MK-LL MM LLWM MK WKM Mp4 MSI MM Nach dem Gemälde von S. Seymour-Thomas 8 W WZL WU? WM S!E 1 WEM KNÄ LMM ÄtzMM tWL Mr 798 („Streiche! Ihr Mann würde wüthen," murmelte der unglückliche Horcher erglühend.) „Ja, wenn er es entdeckte," sagte Frau Hay bedeutsam, „aber bei meinen Veranstaltungen wird der gute Mann nichts entdecken. Schließlich will ich ihm Alles eingestehen, und ich weiß, ich kann meinen armen alten Cyprian um den kleinen Finger wickeln. Du kennst ihn nicht so genau, wie ich." („Vielleicht kennst Du ihn doch nicht genau," dachte der so sorglos Erwähnte zähneknirschend.) „Nun, das überlasse ich Dir," antwortete Frau Holland. „Ich kann nur sagen, daß Du eine kluge Frau bist, Gleichen, weil Du ihn so lange in Unwissenheit hieltest. Offen gestanden, ich möchte gern alles über diese Liebesangelegenheit hören. Wie lange hast Du darüber gebrütet?" „Seit vielen Jahren. Immer seit Vetter Dago so unerwartet auf sein Schiff berufen wurde, gerade als er schon damals heirathen wollte. —" Cyprian mich in dieser Woche dorthin nehmen wollte! Bei diesem zufälligen Zusammentreffen sprang ich auf." (Jemand anders sprang ebenfalls auf.) „Es schien der beste Ort zu diesem Zweck. Du weißt, der liebe Dago entwirft jeden Plan mit der vollkommensten Rücksicht. Endlich erklärt sich ja das gute Recht. Niemand wird zuletzt entsetzt sein. Habe ich Dir seinen letzten Brief schon gezeigt?" „Nein, meine Liebe. Wir wurden neulich unterbrochen, als Du anfingst. Lies ihn mir jetzt vor." „Ich kann ihn auswendig, obgleich Dir das lächerlich klingen wird. Er lautet: „Geliebte!" —" (Cyprian Hay ballte die Fäustel) „Das Herannahen unserer Freude wirkt blendend. Möge das Gelübde, welches ich jetzt niederschreibe, Dein zagendes Herz beruhigen. Niemals bei allem, was heilig ist, sollst Du bereuen, daß Du das fürchterliche Hinderniß, welches uns trennt, überspringst." („Mich!" stöhnte Cyprian.) Tdetstellen. Originlll.Aufnahine von Gusto» Baober, Photograph in Krumbach. sV-rvietfältigungSrecht vorbehalten s („Vetter Dago!" Der Mann, welcher Margarethe den Hos gemacht und den Streit des jungen Brautpaares verursacht hatte! Herrn Hay wurde eiskalt.) „Ich hielt es immer für ein hartes Geschick. Ich habe Dir erzählt, wie schwer mir damals um das Herz war. Damals konnte ich das Ende seiner und meiner Leiden nicht voraussehen. Ich habe die trüben Erfahrungen des armen Dagobert niemals vergessen." „So scheint es," antwortete die Freundin bedeutsam. „Aber weißt Du, ich wünsche, Du hättest ihn dafür besser belohnen können, als durch seine Entführung der Geliebten." („Lieber Gott!" Der arme Ehemann fuhr mit der Hand in einen Blumentopf und riß das Farnkraut mit den Wurzeln aus der Erde.") „Ach, ich wünsche, ich hätte es thun können. Ich überlegte hin und her, bis mein Kopf ganz verwirrt war. Wegen der verwickelten Verhältnisse mußte ich mich fügen. Paris ist nicht weit — wie sonderbar, daß „Am Donnerstag erwartet Dich Abends auf dem Dampfboot Dein ewig treuer Dago." („Ihr ewig treuer Dago! Gerechter Himmel!") „Das klingt ernst, nicht wahr? fragte Margarethe. „Gewiß. Bei solch' einem leidenschaftlichen Liebhaber war die Entführung wohl die einzige Möglichkeit. Das Ende krönt alles; und obgleich ich den Herrn noch nicht getroffen habe, — seine Uniform ist blau und gold, nicht wahr? — hege ich die innigsten Wünsche für Vetter Dagos Glück." („Verworfenes Weib! Schlange! Falsche Seele! Dein Mann soll Deine Handlungen erfahren!" dachte Hay, indem er wüthend durch die geraniumbedeckte Scheibe starrte.) „Ich danke Dir tausendmal, Fanny, für Deine treue Hilfe. Ohne Deine freundliche Vermittelung härte ich die Briefe nicht unbemerkt erhalten können. Die 799 Geldanweisung, welche Du mir jetzt gebracht hast, ist das Ende Deiner guten Dienste und meiner Verheimlichung. Juchhei Ich wollte, es wäre vorüber. Ich bin dabei so aufgeregt, wie ein junges Mädchen." „Thörichtes Gretchen," spottete die lebhaftere Dame „man muß keine Nerven haben, wenn man sich zu solchem kühnen Wagniß einschifft. Komm jetzt, zeige mir, was Du zu der großen Enthüllung bereit hast." Leise rauschten die Kleider. Man hörte das Oeffnen und Schließen der Thüre. Die Verbündeten waren verschwunden. (Schluß folgt.) - Edelstetten. Edelstetten, Pfarrdorf im Thale des Haselbaches, 7 Kilometer von Krumbach in Schwaben gelegen, mit drei Sölden zu Wattenweiler und schenkte sie ihrem Gotteshause zu einem ewigen Lichte vor Sl. Leonhard's Altar. Was des Klosters Güterbesitz in jener Zeit betrifft, so fehlen hierüber die Urkunden. Graf Ulrich von Wirtem- berg soll 1276 vier Morgen Weinland zu Mettingen bei Eßlingen, Graf Berchthold von Wirtemberg ein Fischwasser zu Waldstetten an Oetlinstetten geschenkt haben. Die Aebtissin Anna von Weißingen kaufte 1431 von Burkhart von Knöringen das Burgstall und Gut Kirn- berg bei Balzhausen, Agnes von Schwenkungen erwarb 1480 den Flecken Tiefenried bei Kirchheim. Oetlinstetten wurde zum Bereiche der Markgrafschaft Burgau, wenigstens nach ihrer späteren Ausdehnung, gezogen. Die Vogtei über das Stift beanspruchten und übten die Besitzer der Markgrafschaft. Am 20. Dezember 1460 löste die Aebtissin Anna von Weißingen die Schirm- j s Cdclllellrn. kKloster und Kirche.) Original-Aufnahme van Gustav Baader, Photograph in Krumbach. fBervielfültigungsrecht vorbehalten.) einem fürstl. Esterhazh'schen Schlosse und dem vormaligen Damenstiftsgebüude, war ursprünglich ein Kloster, Oetlin- i stetten genannt. Die Tradition nennt eine Gräfin Gisela ! aus dem Grafenhause von Schwabekk und Balzhausen als j Stifterin des Klosters und setzt die Stiftung in das Jahr ! 1126. Die Nonnen von Oetlinstetten waren höchst wahr- ^ scheinlich reguläre Chorfrauen nach der Regel des heil. > Augustin. Historisch sicher ist, daß wenigstens schon im ! 12. Jahrhundert hier ein Nonnenkloster bestand. 1153 j oder 1154 wurde Mechthildis, Tochter des Grafen Berch- ! thold II. von Andechs und Diessen, aus dem Kloster ! Diessen als Aebtissin nach Oetlinstetten berufen. Mech- thildts wird als Selige verehrt. Die Kirche zu Edelstetten besitzt von den Reliquien der Seligen eine Armröhre, welche im Jahre 1780 von Diessen, woselbst Mechthildis gestorben und beigesetzt worden, dahin abgegeben wurde. Aebtissin Guta von Gerenberg kaufte am 22. Juni 1355 vogtei für 2200 Gulden ein und zog sie an ihr Kloster. Dieses wählte nun seine Schirmvögte oder Procuratoren selbst und stellte sie auf. In der Zeit des Ueberganges Vom 15. in das 16. Jahrhundert ging mit dem Kloster Oetlinstetten eine wesentliche Aenderung vor, nämlich die Umwandlung desselben in ein freiweltliches adeliges Damenstift. Der Zeitpunkt dieses Vorganges läßt sich nicht genau bestimmen. Das Damenstift Edelstetten blieb zwar eine kirchliche Corporation und behielt geistliche Formen bei; es stand unter der Jurisdiction und Visitation des Diözesan-Bischofs. Die Damen trugen gleichgeformte geistliche Kleidung, doch ohne Nonnenschleier, und beteten die Tagzeiten; aber sie hatten keine Ordensregel zu befolgen und legten kein Gelübde ab, sondern verpflichteten sich nur auf die Beobachtung von Statuten, nach welchen sie verbunden waren, Keuschheit zu halten und der Aebtissin, so lange sie im 800 Stifte blieben, Gehorsam zu leisten. Sie konnten zu jeder Zeit austreten und heirathen. Das freiweltliche Damen- stift Edelstetten hatte htenach den Charakter einer Ver- sorgnngsanstalt für Töchter adeliger Familien. Auch das Damenstift stand unter der Regierung einer Aebstssin, welche von den Kapitularfräulein gewählt, vom Bischöfe confirmirt und vom Weihbischof oder vom Abte von Urs- berg eingesegnet wurde. Im Schwedenkriege wurde das Stift von den Schweden derart verheert und verwüstet, daß die Aebtissin Anna von Werdenstein, welche sich in die Schweiz geflüchtet, nach ihrer Rückkehr weder Nahrung noch Wohnung für sich und die Ihrigen mehr vorfand. Sie mußten zehn Jahre lang theils in einem Häuslein neben dem Stifte, theils im Pfarrhause wohnen. Da ein Pfarrer nicht mehr anwesend war, kam ein Prämonstratenser von Ursberg, welcher in der St. Michaelskapelle auf dem Berge den Gottesdienst hielt, denn die Pfarrkirche war verwüstet. Allmälig gelang ihr aber der Aufbau der zerstörten und zerfallenen Gebäude, wie die Wiederherstellung geordneter Zustände im Innern. Katharina Franziska von Wester- nach, Seniorin des Stiftes, ließ das baufällige Stifts - Gebäude abbrechen und arbeitete an der Neuherstellung desselben, welche sie indeß nicht mehr erlebte. Karolina von Westernach vollendete den Bau, wie er heute noch vor Augen steht; sie ist auch die Erbauerin der Stiftsund Pfarrkirche sammt Thurm zu Edelstetten, welche 1709 vollendet dastand. 1802 folgte die Aufhebung des Stiftes, welches an den Fürsten von Ligne als Reichsgrafschaft Edelstetten kam. Die Aebtissin erhielt eine jährliche Pension von 2000 Gulden, jede Dame 800 Gulden. Als Zeitpunkt, bis zu welchem die Fräulein das Stift zu verlassen hätten, wurde der 8. September 1803 bestimmt. In den Monaten August und September verließen die Damen das Stift und wählten beliebig ihren Aufenthaltsort. 1804 kam die Reichsgrafschaft Edelstetten durch Kauf an den Fürsten Nikolaus von Esterhazy. Das fürstliche Haus Esterhazy von Galantha ist noch heute im Besitze der Damenstifts- güter von Edelstetten. --- u u unseren Bildern. Giovanni Katlista dc Uolsi. der hervorragendste christliche Archäolog?, ist vor einigen Wachen gestorben. Der Gelehrte stand in allen wiffenscbafilichen Kreisen im denkbar höchsten Ansehen. V^r 2 ffz Jahren feierte der bescheidene Mann sein 70. Wiegenfest, und d e hervorragendsten Kreise bekundeten ihre Hochachtung vor dem Forscher de Rossi dadurch, daß ihm eine große goldene Denkmünze überreicht wurde, de Rossi hat die Erschließung der Katakomben, insbesondere jene des hl. Calixtus, in die Wege geleitet und bethätigt und mit dieser Arbeit die wesentlichsten Merkmale für die christliche Lehre und das hl. Meßopfer in den ersten Jahrhunderten des Christenthums gefunden. Die Funde in den Katakomben bilden eine unwiderlegliche Bestätigung dafür, daß die kaiholische Kirche die Lehre Christi und die Tradition unverfälscht bewahrt hat, > daß die Lehre der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert die ! gleiche ist, wie in den ersten Jahrhunderten. Papst Pius IX. ^ hat denn auch den Forschungen de Rossis das größte Interesse ! entgegengebracht und sie auf jede Weise zu fördern gesucht. Die ^ Hauptwerke des nunmehr Verlebten sind: „Das unterirdische, christliche Rom/ von welchem bisher 3 Bände erschienen sind, und „Christliche Inschriften", gleichfalls in 3 Bänden erschienen. Die Gelehrtenwelt hat von dem Ableben ins Forschers mit großem Bedauern Kenntniß genommen. Ein unschuldiges Opfer. Eine ergreifende Szene aus dem deutsch-französischen Krieg ! ist es, die der Künstler auf unserm Bilde darstellt. Was hat das junge Menschenleben in die Schaar der mildthätigen Schwestern geführt, hinaus in die Gräuel der Schlachten? Gewiß nur aufrichtige, wahre Nächstenliebe, befolgend das Wort des Herrn: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbstl" In Ausübung des Samariterdienstes hat die Schwester die tödtliche Kugel erhalten, die freilich nicht ihr gegolten! Nicht schlägt das Herz mehr, und zwischen den Schauern des Krieges senkt sich das milde Licht des Friedens auf das Antlitz eines Geschöpfes, in dessen Seele nur die Liebe zu Gott und den Mitmenschen war. -«i8»cs- Allerlei. Goldminen in Europa. Die Entdeckung der reichen Goldfelder in Amerika, in Australien und in Südafrika haben es fast vergessen lassen, daß es auch dem europäischen Continent nicht an dem gelben Metall fehlt. An den verschiedensten Stellen in Europa werden Golderze gefunden, aber da sich das Interesse in den letzten Decentsten hauptsächlich den außereuropäischen Goldfeldern zuwandte, so hat man die Exploitation der europäischen Goldminen vernachlässigt. Erst in den jüngsten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der kapitalistischen Kreise wieder mehr den letzteren zugewandt, und namentlich sind es englische Kapitalisten gewesen, welche die Ausschließung von Goldbergwerken in Europa förderten. So existiren in Siebenbürgen mehrere englische und deutsche Goldminen-Gesellschaften, die bisher ziemlich günstige Resultate erzielt haben. Außer in Oesterreich- Ungarn gibt es aber auch in der Schweiz und in Italien weite Strecken, in denen Golderze gefunden werden. Eine englische Gesellschaft exploitirt in Italien unter Anderem das Goldbergwerk in Pestarena, das noch reiche Schätze birgt. Eine schweizerische Gesellschaft, die „Looiöls suisss äe8 Nin68 ä'or äs l'lisivstis" hatte sich zum Zwecke der Ausbeutung der Minen von Gondo (Valais) gebildet, erzielte aber keinen Erfolg, was indeß nicht auf die Unergiebigkeit dieser Mine, sondern auf die schlechte Verwaltung, sowie auf die ungenügenden technischen Einrichtungen zurückzuführen ist. Die schweizerische Gesellschaft, die im Begriff war ihre Arbeiten einzustellen, hat nunmehr ihr Bcsitzthum auf eine französische Gesellschaft übertragen, die sich unter dem Namen „Looists anon^ins 8ui88s äs8 Ninss ä'or äs donäo" gebildet hat und die die für einen rationellen Betrieb des Bergwerks erforderlichen Mittel besitzt. An der Spitze dieser Gesellschaft steht Herr Sally-Silz in Paris. 4K28SLS-.- Arilder-Wätysel. Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 10t: Weiß. Schwärn 1. 64 65 -s- K. 36-65 : 2 D. 37-36 st- K. 65—35 : 3 T. 41-45 st- K. 35-4.5 : 4. D. 36-05 Mast. -EZS--