HL 103 Augsburger Postzeitung^. Ireitag, den 21. Dezember L894. " ' ??ür die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg. Aruck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesitzer vr. Max Huttler). Netter Dago. Ngch dem Englischen erzählt von Alice Salzbrunv. (Schluß.) 8. Kapitel. Cyprian Hay stand schwankend auf. Er fühlte eine starre Kälte. Die Rosen, die Lilien, die Ranken am Glasdach, die Schlingpflanzen auf dem Fußboden vermengten sich alle zu einer farblosen Masse. Er schien die Sehkraft verloren zu haben. Wollte Gott, er hätte soeben kein Gehör gehabt! Selbst nicht wissend wie, wahrscheinlich gewohnheitsmäßig, kam er aus der Orangerie, ohne eine Scheibe zu zerbrechen. In der frischen Luft besserte sich das krankhafte Schwindelgefühl. Er suchte seine Fassung wieder zu gewinnen. Sehr langsam ging er nach dem Bahnhof zurück Ein Bahnwärter griff grüßend an die Mütze, öffnete einen Wagen erster Classe und fragte: „Herr Hay befinden sich heute hoffentlich wohl?" „Sehr schönes Wetter," antwortete Herr Hay, stolperte in eine Ecke, ohne zu wissen, was er gesagt hatte, und saß dort, wie betäubt, bis der Zug an seinem Ziel hielt und er noch in träumerischer, mechanischer Weise sein Comptoir erreichte. „Ich bin für Niemand zu sprechen," sagte er zu seinem Hauptbuchhalter, „nehmen Sie Briefe und Aufträge an, als wenn ich abwesend wäre. Ich — ich habe Kopfschmerzen." Dann schloß er sich in sein Privatzimmer ein, stützte die Ellbogen auf die Lederdecke deS Tisches, seinen schmerzenden Kopf in die zitternde Hände und wollte nachdenken. Während der unglücklichsten Stunden seines Lebens ordnete er die Thatsachen, welche ihn elend machten. Er erkannte sie in logischer — nein, in verdammender Reihenfolge. Seine Frau hatte diesen Menschen vor Jahren geliebt — diesen Kapitän Dagobert Greaves, den entfernten Verwandten oder „Vetter Dago", wie sie ihn jetzt nannte. DaS Zartgefühl hatte ihn verhindert, den Namen dieses Mannes vor Margarethe zu erwähnen, seitdem sie mit ihm vereinigt war. O Himmel! Wie zeigte sie sich des Zartgefühls würdig! Zunächst sah er, daß sie mit diesem Vetter Dago durch Vermittelung der schändlichen Frau Holland im Briefwechsel stand. Was er in ihrem Gespräch nicht gehört hatte, konnte er leicht ergänzen. Der Mann war vielleicht aus dem Auslande zurückgekehrt und mit ihr, der verheiratheten Frau, zusammen gekommen. Die alte Liebe flammte wieder auf. Die Tollheit war die Folge! Zunächst kam der Schurke in sein, Cyprian Hays, eigenes Hans. Sogar das Stubenmädchen wußte es und lachte verstohlen über ihren Herrn! Vorbereitungen zur Flucht aus dem Hause, welches er, der arme Thor, für ein Paradies gehalten hatte, waren in seiner Abwesenheit stündlich gemacht worden. Das schnöde Geld, das Mittel zu dieser Flucht, hatte seine Frau fast in seiner Gegenwart erhalten. Der Brief voll Entzücken über den abscheulichen Plan war vor seinen eigenen Ohren wiederholt worden. Sein Gleichen, seines Lebens Glück, sein Weib ersehnte den Donnerstag, die Stunde, wo — o, ergriff ihn der Wahnsinn? — hatte er gelegentlich zu viel getrunken? oder war dies ein Alpdrücken? — wo sie ihm für immer entfliehen konnte! Der unglückliche Mann glaubte wahnsinnig zu werden, als diese Ereignisse sich vor ihm aufreihten; gleichzeitig erinnerte er sich an Geringfügigkeiten, welche fast unmerklich waren, aber im Zusammenhang eine schreckliche Bestätigung seiner schlimmsten Befürchtung gaben. Margarethe hatte in der letzten Zeit nicht am Fenster auf ihn gewartet. O nein, sie hatte andere Beschäftigung gehabt. Sie hatte seine freundliche Begrüßung nicht immer freundlich erwiedert. Aus welchem Grunde? O er konnte den grausamen Gedanken nicht ertragen! Weil sie ihre Falschheit fühlte! Cyprian Hay war ganz unfähig zum ruhigen, leidenschaftlosen Nachdenken. Seine schwache Seite hatte in den letzten glücklichen Monaten geschlummert, aber sich jetzt trotzig aufgerichtet und neu belebt. Margarethens Geduld, Treue, zarte Hingabe und langgehegte Liebe, ihre schönen Eigenschaften und Tugenden, für welche er sich vor kurzem mit Leib und Seele verbürgt hätte, fielen vergeblich zu ihren Gunsten in die Waagschale. Seine wüthende Eifersucht überwog alles, und der erprobte Werth seiner Frau galt nichts mehr. Fast sinnverwirrt und ganz elend ließ Cyprian Hay den Vor- und Nachmittag vergehen. Um vier Uhr fragte der Hauptbuchhalter durch das Sprachrohr nach seinen Befehlen. „Schließen Sie wie gewöhnlich, lautete die Antwort, „und sagen Sie gefälligst der Frau Cook, daß ich heute hier übernachten werde." Frau Cook war die Haushälterin des Geschäftshauses. Eine Schlafstube hatte er während der wenigen Wochen, welche er nach seiner Heimkehr als Junggeselle 802 verlebt, zuweilen benutzt, und sie stand für ihn bereit, obgleich er sie seit seiner Verheiratung nie bewohnt hatte. Jetzt wollte er wieder einmal hier bleiben. Er konnte nicht nach dem Berghause zurückkehren. Er durfte sich selbst noch nicht trauen. Frau Coor klopfte an die Thüre, um zu hören, was er zu essen wünsche. „Nichts," antwortete er kurz. Dann fiel ihm ein, daß nicht alle Welt sein Leid zu wissen brauche. „Irgend etwas!" rief er, und während dieses „etwas" bereitet wurde, trat die Dämmerung ein. Im Halbdunkel ging er schwerfällig die Treppe hinunter, nach dem Telegraphenamt und schickte seiner Frau folgende Nachricht: „Geschäftlich heute Abend hier aufgehalten." Mit wankendem Schritt kam er zurück auf die fast leere Straße — wie sonderbar sah sie aus ohne das Gedränge des Tages, wie hohl klang der Ruf der Zeitungsjungen, welche an der Ecke den neuesten Mordbericht ansschrieen. Er aß die ihm vorgesetzten Speisen, ohne zu wissen was er genoß, und ging hinauf in das düstere, häßliche Zimmer — wie ganz anders war im Berghause die große angenehme Schlafstube mit den geschmackvollen Draperien» schönen Spiegeln, zierlichen Toilettengeräthen und mit Margarethe! Ein Spiegel wor hier genug, fast zu viel. Er betrachtete sein Gesicht und wunderte sich nicht, daß Frau Cook ihn erschrocken angestarrt, als sie ihm das Essen gebracht hatte. Er sah elender aus, wie bet dem drohenden Schiffbruch der „Java" auf seiner Heimreise. Ach, jetzt wünschte er im tiefsten Herzen, er wäre damals beim Schtffbruch umgekommen! Er hätte lieber sein Leben verloren, als seine Margarethe auf solche Art verlieren zu müssen! Vor Erschöpfung schlief der arme Mann ein, aber während der ganzen Nacht ging „Dago", „Vetter Dag", „Hauptmann Dago" durch seine Träume. Zwanzigmal wachte er auf, indem er den verhaßten Namen ausrief: „Dago, Dago!" Ungestärkt stand er auf, frühstückte mechanisch und zwang sich, seine Briefe durchzusehen und Anordnungen für seine Comptoiristen aufzuschreiben, aber überall schwebte ihm in großen Buchstaben „Dago" vor; nichts konnte der: Namen auslöschen. Er bekam ein Briefchen von seiner Frau — ein kleines duftiges, cremefarbenes Couvert lag zwischen dem Stoß Geschäftsbriefe. Sie redete ihn „Theuerster Cyprian!" an und schrieb, sein Telegramm habe sie erschreckt, und wenn er morgen — also heute Abend — nicht pünktlich zu Hanse sei, so werde sie zu ihm kommen. Sie sehne sich sehr nach ihm. „Um mich das letzte Mal zu sehen!" stöhnte der unglückliche Mann, zerknitterte das parsümirte Blättchen und warf eS entrüstet weg. „Gut, sie soll mich haben." ' Den ganzen trüben Tag hindurch bereitete er sich auf seine Rede und Handlungsweise bet dem Zusammenkommen mit ihr vor; er wollte sich aussprechen, ihr Vorwürfe machen und — Gott steh' ihm bei — von ihr scheiden! Das war sein Vorsatz. Die kleinen Kobolde, die Zeitungsjungen schrieen den Schlnßbericht eines Scheidungsprozesses aus, als er um fünf Uhr zum Bahnhof ging. Sein Herzeleid, sein Name sollte nir in solcher Weise kundgemacht werden. Er wollte ihr sagen, sie möge gehen, glücklich sein und nie wiederkehren. Er würde zurückbleiben, und — sein Herz würde brechen. An diese Möglichkeit glaubte er trotz seiner vierzig Jahre. Beim Anbruch der Dämmerung des milden September- abends erreichte er sein Haus. Oben waren einige Fenster erleuchtet. Unten brannte keine Lampe. An dem vorderen Bogenfenster sah er, ja, wirklich, das Gesicht, welches seine Schritte zu beschleunigen Pflegte. Daß Margarethe so verschmitzt war! Ach, ach! Sie nickte mit anscheinender Freude, als er die Thürstufen heraufkam. Er wendete den Kopf zur Seiee und that, als sähe er es nicht. Walpurga öffnete lächelnd die Hausthüre. Es war ihm, als könne er sie niederschlagen. Seine Selbstbeherrschung verschwand plötzlich. „Wer ist heute hier gewesen?" fragte er barsch. „Heute, Herr? Hier gewesen?" stammelte sie erschrocken über die heftige Frage. „Ja, heute, Herr? Hier gewesen?" So ganz hatte er den Kopf verloren, daß er dem Dienstmädchen nachahmte. Er war jetzt auf der Spur der pflichtvergessenen Handlungen und konnte ebenso gut an dem einen als an dem anderen Ende beginnen. „Antworte mir ohne ränkevolle Ausreden!" „Herr Hay," sagte Walpurga tief beleidigt, „Niemand ist hier gewesen; wenigstens," sie zögerte, „keine erwähnenswerthe Person." „Nein, keine erwähnenswerthe Person," wiederholte der Hausherr bitter. Er konnte das wohl glauben. „Sage Deiner Herrin, daß ich sie sprechen will." „Ja, Herr Hay, Madame wartet im Gesellschaftssaal auf Sie." Es war ihm unerträglich, daß der Bruch im Salon, welchen er ihr zu Liebe so schön eingerichtet hatte, stattfinden sollte. „Ich will sie in meinem Zimmer sprechen," sagte er kurz und ging die ersten Stufen der Treppe hinauf zu dem selten benutzten Zimmer, welches dem Namen nach „des Herrn Arbeitsstube" hieß. Walpurga wechselte jäh die Farbe. Behend schlüpfte sie an ihm vorüber und eilte voraus. „Nein, bitte, Herr Hay. Ihre Arbeitsstube ist — unsauber," augenscheinlich erfand sie eine Ausflucht. „Ich habe gestern und heute nicht abgestaubt. Wollen Sie nicht in Ma- dame's Cabinet gehen?" „Nein, das will ich nicht," entgegnete Herr Hay. „Ich verlange, daß meine Frau hierher kommt." Langsamer erreichte er den Treppenflur, schob einen neuangebrachten Vorhang bei Seite und wollte die Thüre öffnen. Sie war verschlossen! Er wendete sich mit dem Tone des höchsten Zornes zu dem Dienstmädchen. „Was bedeutet das?" fragte eine Stimme, nämlich Frau Hay, welche heraufgeeilt kam. „Warum kommst Du nicht zum Thee, mein Lieber? O, Walpurga" — sie hielt inne — „mein Mann ist doch nicht —" „Nein, Madame," antwortete das Mädchen flüsternd, „er wollte hineingehen, aber ich schloß zu und habe den Schlüssel in der Tasche." „Gieb ihn mir augenblicklich!" sagte der Hausherr gebieterisch. „Nein, Walpurga, gieb ihn mir," unterbrach ihn seine Frau eifrig mit ausgestreckter Hand; „laufe hinunter und wache die Butterbrode zurecht," Als- das Mädchen verschwand, fuhr sie fort: „Lieber Cyprian, Du mußt etwas genießen. Wie müde und angegriffen Du aussiehst!" Und sie umarmte ihn zärtlich. Er hatte diesen Willkomm früher seinen „Taglohn" genannt. Auf dem Treppenflur war eine Wandnische mit einem gepolsterten Sitz. Trotz aller Willenskraft konnte 803 Cyprian sich nicht länger aufrecht halten; er setzte sich plötzlich, räusperte sich und sagte mit sehr leiser Stimme: „Margarethe, ich bedarf keiner Speise und keiner — Liebkosung. Komm her. Du sollst mir einige Fragen beantworten." Sie kam dicht zu ihm und sah etwas ängstlich aus. „Wie lange," flüsterte er, „wie lange dauert es schon mit — mit dem Better Dago?" „Ach!" Sie stieß einen unterdrückten Schrei aus. Er fuhr fort: „Ich muß sogleich alles erfahren. Sage es mir. Ich bestehe darauf." „Cyprian" — sie senkte den Kopf, die Nöthe stieg bis auf ihre Stirn — „ich bin schrecklich betrübt, daß Du es entdeckt hast. Ich sehe, daß Du zürnst. Aber, bitte," sie schmiegte sich an ihn und kniete sogar an seiner Seite nieder, „bitte, tadle mich nicht so streng, bis Du alles weißt." „Alles!" wiederholte er bitter. „Was bleibt mir noch zu erfahren übrig? Ich habe mit meinen eigenen Ohren gehört, daß meine Frau ihren Better Dago nie vergessen hat, daß die Gedanken an ihn ihren Kopf monatelang beschäftigten; daß sie mich, den armen Betrogenen, um ihren kleinen Finger wickeln kann; daß der Liebhaber ihr glühende Briefe schreibt. Ich Thor soll endlich ihr Geständniß erfahren — der Geliebte will sie nach Paris entführen. Sage mir" — seine Stimme klang jammervoll — „bleibt mir noch mehr zu erfahren übrig? O Margarethe! Margarethe!" Während er sprach, war seine Frau immer weiter von ihm zurückgewichen. Verwirrung, schmerzliches Erstaunen malte sich in ihren Zügen. Sie konnte nicht sprechen, als er schwieg. Sie versuchte es mit über der Brust gefalteten Händen, aber die Stimme versagte ihr. Er sprach wieder zu ihr. „Vielleicht erfahre ich noch mehr. Vielleicht muß ich jetzt darauf bestehen, den — den Vetter Dago zu sprechen, welchen. Du dort verborgen hast," er zeigte mit verzweifelnder Geberde nach seiner Stube. „Ist er dort?" „Ja—a," ächzte sie schwach. Er wußte es, aber es gab ihm einen neuen Dolchstich. Er sprach in abgebrochenen Sätzen: „Dann will ich sie aufgeben — da ich ihr nichts mehr bin — mein Kleinod — soll dem Mann gehören, den sie vorzieht — dem Manne," fuhr er mit einem wahnsinnigen Versuch zu lachen fort, „in der blau und goldenen Uniform, wie Deine schamlose Freundin Frau Holland gestern sagte." „Gestern!" „Ja. weil ich den Zug verfehlte, kam ich zurück, wartete im Gewächshause und hörte dort die Untreue, wegen welcher ich den Tag meiner Geburt verwünschte!" Margarethe Hay sprang empor, schloß die Stuben- thüre auf und sperrte sie weit auf. „Cyprian!" rief sie in wildem Tone, wie sie nicht anders konnte, „sieh' her, sieh', was ich vor Dir verborgen habe!" Er stand auf, ging langsam hinein und schaute sich um. Kein Offizier, kein Mann war dort, dennoch blieb er bei dem Anblick überrascht stehen. Er fand die einfache Stube in ein herrliches Herrenzimmer verwandelt: autike geschnitzte Eichenmöbel — der kostspielige Wunsch, dessen Erfüllung er sich versagt, bis Gretchens Verlangen ln jeder Beziehung befriedigt sein würde; seine Lieblingsbücher ; dieses Tisch aus der Zeit Jakobs I. hatte er bet einem jüdischen Antiquitätenhändler das ganze Jahr begehrlich betrachtet; die in seiner Junggefellenzeit ge sammelten Sachen, Meerschanmpfeifen, Singhalesen-Götzen, Theebrelter und dergleichen, waren auf Eckstündern hübsch geordnet; der Kaminsims war ein zweihundert Jahre altes Prachtstück, und über demselben hing das Bild der Frau, welche die Veränderung geschaffen. Sie selbst stand vor ihm mit thrünenüberströmtem Gesicht und doch freudestrahlend, als sie sagte: „O, Cyprian, daß Du an mir zweifeln konntest! Wie hart bin ich gestraft, weil ich ein einziges Geheimniß vor Dir hatte! Durch meine Schuld wurde das Mißverständniß hervorgerufen; deshalb will ich Dir verzeihen, lieber Mann. Vielleicht war es unrecht von mir, daß ich eine kleine Dankesschuld an Dich abtragen wollte. Ich wünschte so sehr, Dir etwas zu schenken, da Du mich immer mit schönen Gaben überhäuftest. Ich selbst besaß kein Geld; deßhalb schrieb ich — ein Buch, einen Noman; ich nannte ihn „Vetter Dago", weil Ereignisse aus Dagoberts Greaves' Jugendleben mir den Stoff lieferten; obgleich ich Dago seit dem Tode meines Vaters nicht mehr gesehen habe und nur weiß, daß er verheirathet ist und sieben Kinder hat. Außer der Fanny Holland sagte ich Niemand etwas von meinem Werke. Gestern erzählte ich ihr das Ende. Ich habe ihr das Manuskript bruchstückweise vorgelesen, einmal überraschtest Du uns, und sie eilte durch die Gartenthüre, aus Furcht, Du würdest sie ausfragen. Ihr Bruder ist der Verlagsbuchhändler Lightou, wie Du weißt. Er wollte das Buch in Verlag nehmen und verlangte, daß ich das Manuskript möglichst rasch beenden sollte. Es gelang mir, und Herr Lighton brachte mir am Montag Nachmittag die ersten Exemplare. Gestern schickte er mir durch Fanny das Honorar. Ach, Cyprian, ich arbeitete einzig und allein, um dieses Zimmer für Dich auszustatten. Es ist ein Geburtstagsgeschenk, trautester Mann. Ich hatte viele Mühe, die Sachen unbemerkt herschaffen zu lassen und sie vor Dir verborgen zu halten. Es war mein Herzenswunsch, Dich morgen damit zu beschenken; deßhalb wollte ich nicht nach Paris reisen. O Mann, wie konntest Du nur so schlecht von mir denken?" Er konnte ihr darauf keine Antwort geben. Sie sah durch Thränen lächelnd zu ihm auf; er drückte sie mit tiefer Reue an sein Herz und war froh, seine weinenden Augen in ihrem Haar zu verbergen. Nachdem sie sich beruhigt hatten, lasen sie den „Vetter Dago" zusammen, und Cyprian war sehr stolz auf das geistreiche Werk seiner Frau. ES hatte großen Erfolg, wurde aber durch ein Geschenk des Himmels ganz verdunkelt. Ein Jahr nach diesem Ereignisse erschien im Berghause ein kleiner lebendiger Dago — sein Vater wollte ihm diesen Namen geben, um sich vor toller Eifersucht zu warnen, sagte er. Dieses entzückende neue Familienglied nimmt so sehr die Zeit seiner zärtlichen, klugen Mutter in Anspruch, daß sie voraussichtlich keinen dreibändigen Roman mehr schreiben kann, obgleich daS bewundernde Publikum ihn freudig begrüßen würde. Ende. -»SKWSS-- Goldkösner. Wer auf die Welt konimt, baut ein neues Haus, Er geht und läßt es einem zweiten; Der wird sich's anders zubereiten. Und Niemand baut eö aus. -—SS-XttS-«-- Die Münchener Geiseln in schwedischer Gefangenschaft. Von I. M. Förster. An der Wand der Epistelseite der Wallfahrtskirche zu Namersdorf bei München befindet sich ein Bild, welches eines der wichtigsten Kapitel der Stadtgcmeinde zum Gegenstände hat: die „Münchener Schwedengeiseln", und welches an eine der trübsten Zeiten erinnert, welche unsere liebe Vaterstadt je durchgemacht hat. Wir sehen im Vordergründe 40 Männer auf der Erde knien, welche dankerfüllten Herzens den Blick nach Oben richten, wo über einer perspektivischen Ansicht der Stadt, vor welcher sich ein Heerlager dehnt, die Himmelskönigin mit dem Jesukinde thront, neben welchen rechts und links Engelgestalten schweben, welche Tafeln mit Namen halten. Unterhalb des BildeS befindet sich eine lateinische Inschrift, welche zu deutsch lautet: „Sieh an, o Mutter der Barmherzigkeit, der Welt Hoffnung, Beschützerin der Unschuldigen, aller Betrübten Nothhelferin, Deine verpflichteten Diener und Pflegekinder! Vierzig Geiseln fallen Dir zu Füßen, die aus Erbarmniß des leidigen Unterganges, so Gustav Adolf, der Schweden König, der kurfürstlichen Hauptstadt München anno 1632 angedroht, sich für das Vaterland aufgeopfert, die liebe Freiheit in die Schanz geschlagen, in das Elend hinausgezogen und drei ganze Jahre weniger 2 Monate als arme Gefangene darin versaßen; haben zu Augsburg, Donauwörth und Nördlingen, gleich als in einen Nothstall eingepfercht, unzählbare Drangsale ausgestanden, der dreifachen Ruthe Gottes: Pest, Kriegsund Hungersnoth stets unterworfen; sind trotzdem über Alles durch Deinen Schutz und Schirm hinweggekommen. Du hast sie im Gefängniß und eisernen Banden gestärkt, im Hunger gespeist, in äußerster Gefahr ihre Hoffnung, in Verschmachtnng ihre Beständigkeit aufgemuntert, in Abwesenheit menschlicher Hilfe ihnen Deine Hand geboten und die Schooß Deiner Barmherzigkeit geöffnet. Schreiben es also nach Gott einzig Dir zu, daß sie dem Tod entronnen und aus der ganzen Schaar nur vier verloren. Daß sie leben und athmen und des Vaterlandes wieder ansichtig wurden, ist eine offenbare Gnade von Dir. Ach, erhalte sie bet so unverhofftem Wohlstände, laß sie vor aller Welt aufstehen und bezeugen, daß in Deinen Diensten und Gnaden Niemand verloren sei. Die Münchener Geiseln, jetzt Marianische Gnadcnkinder 1635." Beredter als ganze Bände spricht diese kurze Inschrift von dem Elende, das der „Befreier Deutschlands" — als welcher sich Gustav Adolf in seinem nach seiner Landung auf Usedom im Jahre 1630 erlassenen Manifeste ankündigte — über Deutschland brachte-ein Elend, das auch in dem bekannten Volksltede mit den Worten zum Ausdrucke gelangt: Der Schweb' ist 'kommen, Hat 'S Blei auS den Fenpcrn g'nommen, Hat Kugeln drauS 'gössen, Vater und Mutter erschossen. Im April 1632 stand Gustav Adolf an den Grenzen Bayerns. Donauwörth war bereits erobert, da machte ihm Tilly den Lechübergang bei Nain streitig, wurde jedoch am 15. April tödtlich verwundet und rieth dem Kurfürsten Maximilian I., wenigstens Regeusburg unter allen Umständen zu halten, wodurch das Land, von allen Truppen entblößt, dem Feinde offen stand, der sich zunächst nach Augsburg wandte, das ihm nicht nur den Eid der Treue leistete, sondern in aller Unterwürfigkeit auf einer Denkmünze den alten Namen H.u§ri8ta, in 6ustava umänderte. Von Augsburg aus betrieb Gustav Adolf sodann die Eroberung Bayerns in recht gründlicher Weise: am 10. Mai 1632 zog er in Landshut ein, dem er eine Brand- schatzung von 100,000 Thalern auferlegte und welches, da diese Summe nicht ganz aufgebracht werden konnte, für den Rest 6 Geiseln stellen mußte. Bereits am 12. Mai zog er von der rasch ausgesogenen Stadt wieder ab und wandte sich nach Freising, daS 30,000 fl. Brand- schatzung erlegen mußte, was aber den Feind nicht hinderte, außerdem noch allen vorhandenen Wein — an 4000 Eimer (über 2700 Hektoliter) — alles Bier, sowie etliche Tausend Schüssel Getreide mitzunehmen und nebenbei die fürstbischöfliche Residenz zu plündern, sowie die in bayerischem Gebiete gelegenen hochstiftlichen Besitzungen heimzusuchen. In Freising war es auch, wo auf Ersuchen des Kurfürsten der am Münchener Hof accreditirte französische Gesandte Saint Etienne bei Gustav Adolf erschien, ihn im Auftrage des Kurfürsten um Schonung Münchens zu bitten. Allein der Schwedenkönig war von einem zu tiefen Hasse gegen Maximilian erfüllt, stand zu sehr unter dem Einflüsse des in seinem Gefolge befindlichen Ex-Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, des bekannten „böhmischen Winterkönigs" — der getreu bei ihm ausharrte, obwohl ihm der Schwedenkönig die Pfalz nicht zurückgegeben, sondern für seine zu erwartende Wahl zum Kaiser als „Kammcrgut" rcservirt hatte — als daß er den Vorschlägen des Gesandten ein geneigtes Ohr geschenkt hätte; ja er polterte wider denselben, daß ihm die Münchener nicht einmal eine Unterwerfungs-Depu- tation entgegengeschickt hatten, die er doch schon in Moosburg erwartet habe; man scheine einen Anschlag gegen ihn zu planen, wofür er die Stadt büßen lassen werde. St. Etienne schickte hierauf unverzüglich eine Estafette an seinen Geschäftsträger in München, de Bering- han, mit dem Auftrage, eine Deputation des Rathes nach Freistng zu veranlassen, welche auch, bestehend aus dem kurfürstlichen Rathe Büttner, den beiden Bürgermeistern Ligsalz und Barth und dem Rathsmitgltede Paul Partorfer, am 15. Mai vor dem Könige erschien, der sie hart anfuhr, so däß die Deputirten ihn schließlich auf den Knien um Schonung der Stadt baten. Gustav Adolf sagte ihnen auch in der That Schonung der Stadt vor Brand und Plünderung, Sicherung des Privateigenthums und der Personen, sowie Achtung der Religion und politischen Verfassung zu — stellte aber auch gleichzeitig die Erhebung einer Brandschatzung in Aussicht, deren Höhe erst nach seiner Ankunft in München festgestellt werden sollte. Bereits am 16. Mai erschien die Vorhut des schwedischen Heeres vor München, welches der Ankunft des Gros der Armee mit umso größerem Schrecken entgegensah, als der Feind mehrere benachbarte Dörfer niederbrannte, aus denen das Jammergeschrei der Besitzer bis in die Stadt drang. Dem Kommandeur der Vorhut mußte noch in der Nacht vor das Neuhauserthor hinaus Wein und Brod geliefert werden. Am 17. Mai endlich, am Montag in der Kreuzwoche, näherte sich Gustav Adolf mit seinem Heer über 605 i Jsmanning, Bogenhausen und Ha-dhansen, welche Ortschaften dabei in Flammen aufgingen, der Stadt und sandte, da er wahrscheinlich einen Hinterhalt oder Angriff befürchtete, zunächst eine Abtheilung in die Stadt, welche die hauptsächlichsten Gebäude besetzte. Alsdann hielt er, am Gasteig von dem Rathe empfangen, der hiebet kniefällig die Schlüssel der Stadtthore übergab, mit dem ehemaligen Kurfürsten von der Pfalz, des: Pfalzgrafen August von Neuburg, den Herzigen Bernhard und Wilhelm von Weimar, dem Herzog von Holstein, seiner berittenen Leibgarde und dem Hooronischen Infanterie-Regiment — die übrige Armee narschirte um. die Stadt und bezog vor dem Schwabmger Thore (der Gegend zwischen Brienner- und Leopoldstraße) ein Lager, das in der Folge vor das Neuharser Thor verlvgt wurde — durch das Jsarthor, das Thal, den Markt (jetzt Maricn- platz), die Wein- und obere Schwabingcrgass» seinen Einzug in die Stadt, nahm mit seinen fürstlichen Begleitern Quartier in der Residenz, während Gener al Horn den Albertini'schen Palast bezog, andere Generale in Privatquartier kamen und das genannte Neg'.ment auf dem Markte bivouakirte. — Scfort nach dem Einzüge besetzten schwedische Trupper die Stadtthore und hielten „also starke Wacht, daß Nemand ohne, schwedischen Paß- zettel aus- oder eingelassen wurde. Die bewaffnete Bürgerschaft, welche vorher Wache gehalten, mußte auf Befehl des Königs nicht nur ihre Waffen, sondern auch „ein „Schizenröckhel" aus das Nathhaus abliefern. Jedes Kloster erhielt eine Sicherheitswache von 4 Mann, welche jedoch so übertriebene Forderungen in Betreff ihrer Verpflegung stellten, daß dia Klagen der also „Beschützten" tagtäglich einliefen. DaS städtische Zeughaus erhielt eine Wache von 15 Mann. Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt, am 19. Mai, wurde die gesammte Geistlichkeit in das Jesuitenkolleginm, die Bürger aber auf den Anger berufen und ihnen allda mitgetheilt, daß „ihr khinigliche Maystätt für Mordt, Prandt und Blinderung 3 mal hunderttausend Rcichs- daler bcgere." Nach dem Grundsätze: „gern sagt der Bauer, wenn er muß," gab die Bürgerschaft ihre Zustimmung zu der Forderung, kam aber alsbald zu der Einsicht, daß — namentlich in Anbetracht des Umstandcs, daß die Vermöglicheren aus ihr, auf die Nachricht daß in Bayern ein Einbruch der Schweden drohe, bereits im April Leib, Hab und Gut nach Oesterreich in Sicherheit gebracht hatten, wofür man sie bei Austheilung der Kontribution höher belegte und sogar mit Sperrung ihrer Gewerbe bedrohte — „sie nit also vermöglich war, doch hat jeder nach seinem vermögen geben, hat mancher seinen lang zusammengesammelt schaz hersürgesucht, es seind auch von denen khirchen bei 200 khölch, von denen bürgern silberne weibcrgnrtl, silberne, wol güldene Becher und Pokal neben gelt in des Burgermaisters Haus zugetragen worden, ist nichtsdestoweniger die Bürgerschaft nach diesem geben noch offt ermähnt und der statt starkh getrohet worden, wo nit die begörte summa erlögt werde, daß ebenmäßig dieser Statt wie Magdenbnrg ergehen solle, hat derohalben off ein Bürger 3 oder 4 mal noch gelt zugetragen, also das ihnen öffentlich an dem Anger von ihrer Obrigkheit ist angezaigt worden, daß st alsoviel auf die Bürgerschaft nit vertrauet haten, so haben auch nach langen bitten sogar die armen Wittiben, khnecht und Hauß Magd Gellt gebracht, damit man nur des feindes los würd."') Wenig bekannt ist auch, daß der Stadt trotz der Versicherung Gustav Adolf's Brandlegung drohte: Die Feinde ließen nämlich alles Holz von der Lände nach der Stadt bringen und im Zwinger aufrichten; es wurde mit Pulver und Stroh vermengt, und Kriegsknechte mit brennenden Lunten erwarteten den Befehl zum Anzünden.^) Auch was von der vielgerühmten schwedischen Manens- zucht geschrieben wird, dürfte, soweit München in Betracht kommt, nicht allzu wörtlich zu nehmen sein. Ist ja schon der Umstand charakteristisch, daß Gustav Adolf für seine „Glaubenskümpfer" auf dem Markte zwei Galgen zur Warnung errichten ließ, was aber nicht viel geholfen zu haben scheint, denn „zwei tapfere schwedische Soldaten griffen in des Bicrbräuers Moser Behausung den leithenambt von Wolfratshausen nächtlicherweile in seiner Kammer an und nahmen ihm seine Kleider," ein „Regiments Drummelschlager" setzte dem Lebzelter Pfringer in der Dienersgasse den Degen an das Herz, damit er sich mit etlichen Neichsthalern ran- zionire; am 21. Mai zog ein anderer Soldat im Thal einen Jungen aus?) Zwar wissen wir, daß mehrere einzelne Soldaten wegen unrichtiger Begriffe vom Eigenthum mit dem Tode bestraft wurden, wie z. B. das Stadtkammer-Memorial eines enthaupteten und vier gehenkter Soldaten erwähnt — allein was die Einzelnen büßen mußten, das übte der große Haufe der Feinde ungestört aus, — König Gustav Adolf an der Spitze, unter dessen Augen die Residenz nicht geschont, sondern geplündert wurde: die prachtvoll ausgeschmückten Gemächer wurden verwüstet, die kostbaren (Gobelin-) Tapeten von den Wänden gerissen, die Möbel zerschlagen, die Bilder und werthvollen Gegenstände weggenommen, worüber Kurfürst Maximilian I. in verschiedenen Briefen aus dem Jahre 1633 bittere Klage führte. In der Residenzkapelle wurde das Pflaster aufgerissen, um nach Schätzen zu graben, bei welcher Gelegenheit Gewaltthätigkeiten vorfielen und ein Mann erschlagen wurde. Wäre es möglich gewesen, so hätte Gustav Adolf sogar die ganze Residenz nach Stockholm versetzt.') Das Zeughaus — in welchem der Schwedenkönig auf die ver- rätherische Mittheilung eines seinerzeit entlassenen Hofbediensteten hin 140 Geschütze, von denen eines mit 30,000 Dukaten „geladen" war, wie er spöttisch sagte, „die Auferstehung feiern ließ," — sowie die nahegelegenen Lustschlösser, so namentlich Schleißheim, wurden trotz schriftlicher und lebendiger Lalva Zunräia,, vielleicht sogar von der letzteren selbst, geplündert. Das nämliche widerfuhr noch so manchem anderen oder Privatgcbäude, dessen, was gerade keine Plünderung zu nennen war, im Grunde aber doch auf das Gleiche hinausging, z. B. daß die Feinde das Holz an der Lände, das Salz in den Städeln und Anderes, was der Bürgerschaft gehörte, sich von dieser freiwillig gezwungen wieder „abkaufen" ließen, nicht zu erwähnen. Es war eben in den Augen der schwedischen Soldaten nichts zu gering, was sie, um Geld daraus zu ') Aus dcr Chronik eines unbekannten Franziskaners in Westcnricdcr's Beiträgen VII, 307. -) Obcrbaver. Archiv IV, 17. °) Aus der erwähnten Franziskanerchronik in Westen- rieder'S Beiträgen VII. 31-t r. «I Qbcrbaver. Archiv X, 17. r 80S machen, nicht ihrer „Aufmerksamkeit" gewürdigt hätten. So heißt es in den magistratischen Rechnungen einmal: „Demnach in dem Schwedischen Ueberfalle allhin des Feinds Soldaten Alles was Sie vmb die Statt angetroffen, außgeblindert vnd davongetragen vnd dahero auch bei gemainer Statt Zimmerstädten viel eifern Werk hin- weckh genommen, welches Sie hernach hin vnd wider ver- chaufft. Vnd weilen der Martin Dirth Hammerschmid am zimbliche Porzion von denen Soldaten erhandelt, als hat mans Ihm wieder gelöst, wie ers bekhommen, als: 750 Wallernögl, 24 Pikhl, 170 Deichenpixen, 12 Wagen- khötten, 2 Sagen, 1 mössinger Stampf zu 96 Pfund, etliche Gaisfüs, Schanfl v. a. m., item ein kupfern Kössl, so in des Lendhüters Thurn herausgenommen worden, item ain Glockhen, ain Tischl, 4 bar eiserne Pänder, 1 eiserne Hebdazen, aine Stange zum Schleifstein, 4 bar Wafferstift vnd mehrerer." ^) So war also in der That nicht einmal der Nagel an der Wand vor den Schweden sicher! Und wie die Truppen in der Stadt, hausten auch jene vor ihr im Lager. So berichtet der mehrerwähnte Franziskaner, daß die Soldaten aus ihrem Lager vor dem Neuhauserthore unter Tags allerlei Sachen zum Verkauf in die Stadt brachten: zahlreiche Rinder, viele Pferde, noch mehr Schweine, Weiberschleier, allerlei Leinwand, Flachs und Garn, Hollhäfen, Kupfer- und Zinngeschirr, gestohlene Kelche und anderes dergleichen Kirchensach, Weibergürtel, Röcke, Mäntel, Pelze, Betten, Schmalz und Butter — Alles zu wahren Spottpreisen, denn „damals war aine Zeit, daß ain Rind ainen Gulden, ebensovil ain Pfund Schmalz gestanden hat". Ueber Gustav Adolfs persönliche Aufführung sprechen sich die überlieferten Berichte nicht ungünstig aus. Wenn er auf der einen Seite auch hart und streng in seinen Forderungen war, so besaß er auf der anderen doch wieder so viel Klugheit, dasjenige, wovon er wußte, daß eS die Münchener vor Allem hoch in Ehren gehalten wissen wollten, die Ausübung der katholischen Religion, unangetastet zu lassen. Man schlug es nicht gering an, daß der Schwedenkönig die Gotteshäuser der Stadt besuchte, ja sogar dem Himmelfahrtsfeste in der (damaligen) Stifts- (jetzt Dom-) Kirche zu U. L. Frau anwohnte. Im Alten Hof ließ er einmal öffentliche Fechtfchule halten, bei der die Münchener mit den Schweden ihre Geschicklichkeit versuchten und die schwedischen Generale zur größeren Aneiferung Goldstücke als Preise auswarfen. — Zu öfteren Malen, wenn er durch die Stadt ritt und das Volk neugierig um ihn drängte, warf er Geld unter die Menge, die ihm dann, gedankenlos wie immer, zujubelte, vielleicht ohne zu erwägen, daß das von demselben Gelde sei, um das er sie selbst kurz zuvor ge- brandschatzt hatte. Mit der Brandschatzung sah es nämlich höchst bedenklich aus. Schon ihr Betrag war ein außerordentlich hoher, denn bei dem Umstände, daß man für einen Thaler baar um 10 kr. Werthes erhielt und Baargeld sehr rar war, darf man die begehrte Summe wohl auf 10,000,000 Mk. heutiger Währung veranschlagen, wobei noch der weitere Umstand zu berücksichtigen ist, daß München damals höchstens 20,000 Einwohner hatte. Man strengte zur Aufbringung der Brandschatzung die äußersten Kräfte an, ging von Haus zu Haus, von °) Obcrbayer. Archiv IV. 68-89. Wohnung zu Wohnung und suchte an Geld und an verarbeitetem Silber und Gold so viel zu erholen, als man vermochte, und in wenigen Tagen war doch an baarem Gelde die Summe von 104,340 st. und an Geschmeide aller Art bei 40,500 fl. beisammen. Allein selbst diese Summe konnte nicht in ihrem vollen Betrage zur Ranzion verwendet werden, vielmehr mußten hievon auch noch den schwedischen Generalen „Geschenke" im Anschlage von ca. 50,000 fl. gemacht werden, und so groß die Summe in Anbetracht der damaligen Verhältnisse war, war sie doch eigentlich unbedeutend. Man suchte nun anderwärts ein Anlehen aufzunehmen und schickte deshalb eine aus Hofbeamten und Deputirten der Stadt bestehende Commission nach Augsburg, allein alle Mühe zur Erhaltung eines Darlehens war vergeblich, ungeachtet man selbst einen offenen Creditbrief von dem Landesherrn hatte. Die kurfürstlichen Räthe, der Magistrat und die Bürgerschaft stellten dem Schwedenkönig diese Lage auch in einem Bericht vom 3. Juni ausführlich dar und eröffneten ihm, daß alle Kräfte bereits völlig erschöpft seien, so zwar, daß, wie sie sagten „sie mit Wahrheitsgrund behaupten dürfen, daß leider in gar vielen Häusern nit ein einziger Heller, wohl auch nit ein Bissen Brod mehr zu finden sei, daß also bey allhiesiger Stadt anderes nit übrig, als daß nach und nach die unschuldigen Bürger vor Hunger verschmachten und sterben müßten." Das einzige noch übrige Mittel bestände darin, jene Bürger, welche bei Annäherung der Schweden sich entfernt hätten, wieder zur Stadt zu bringen, welche dann wohl in kurzer Zeit 60,000 bis 100,000 Thaler (ü nominell 1 fl. 30 kr.) erlegen könnten. Allein darauf ließ Gustav Adolf °) sich nicht ein, sondern verlangte bis zur fälligen Abtragung der Ranzion die Stellung von 44 Personen sowohl geistlichen als weltlichen Standes, welche mit der Armee wegzuführen seien. Blutenden Herzens kam die Stadt diesem Befehle nach und erwählte 44 solche Personen, von denen mit Rücksicht darauf, daß zwei weltliche krank waren, nur folgende 42 als Geiseln fortgeführt wurden: Geistlicher lnton Mandt, vr. tbso!., CanonicnS und Stistspfarrer bei U. L. Frau. Neorg Bauer, regukirter Chorherr vom Kloster JnderSdorf. Zeorgb GttstE ) Eistercienser vom Kloster Fürstenfeld. Wann Lang Joachim Gorthard Andreas Brmmer Christes Clezlin Christes Widmann Adam Schiffer! Benedict Hagn Vincenz Getzler chberat Härter Fulgenz Kirchinaicr ßaul Albl Kaspar Mair Franz SigN) Jesuiten. j 17. April IS34, Augustiner. Franziskaner. ») Derselbe hatte vom 26. Mai bis 2. Juni einen Abstecher nach Augsburg gemacht, von zvo er auf dir Nachricht, daß im Lager wegen feiner Abwesenheit eine Revolte ausgebrochen sei, zurückkehrte, jedoch nicht mehr in der Residenz — wohl ein Beweis für ihre Verwüstung — sondern beim Wirth Freihammer am Markte (jetzt Maricnplatz Nr. 5) Quartier nahm. ») Franz Sigl schrieb eine „Geschichte der Münch'ner Geiseln in schwedischer Gefangenschaft", welcher wir die oben folgenden Daten entnehmen. k. BlasiuS Rechpacher, apostasirt 4. Mai 1634. Kapuziner. Claudius Keller Eusebius Sahner Geminian Ronpeck Wbilibert Mein! D. Weltliche: Wolfgang Jakob Pronner von Prandthause» deS inneren Raths, Paul Parstorser 1 Johann Rapp I Harlmann Reibt! ^ des äußeren Raths u. Handelsmänner. Martin Volpichler") I Georg Perhawmer ^ Albrecht Jndersdorfer, Gallgeber. Johann GeierSberger, Gastgeber. Georg Egetter, Lebzelter. Mathias Btcher, Rotbgerber. Georg Voith, Barettmachcr. Melchior Cammerlohcr, Lebzelter. Jobann Jakob Kock'. Krämer. Johann Amdorfer, Eisenbändler, ^ 20. November 163t. Georg Starnberger, Bierbrauer. Jobann Haber, Rotbgerber» -j- 3. Mai 1633. Jobann Stöbrrl, Eisenfaltor, f 17. November 1634 ">). Ludwig Rentier» Methschenk. Michael Neutter, Lebzelter. Wilhelm Mayer, Handelsmann. Am 7. Juni Morgens *^8 Uhr fanden sich die Geiseln auftragsmäßig im Jesuiten-Colleginm zusammen, wo ihrer sechs bespannte Wägen harrten, ein; zwei Stunden später ging es unter Escorte von zwei Compagnien Dragoner fort. „Was es," schreibt Pater Franz Sigl, „dabei für nasse Augen und schwere Herzen, sowohl von Jungen als Alten, bis wir zu München durch die Stadt sein hinauskommen, abgeben, das wird ein jeder gering Verständiger, so nit selbst gesehen, leicht zu Gemüth führen können; denn manches Weib beweinte ihren Mann, der unbewußter Weise gählig ist aufgezuckt und bei Androhung höchster Gefahr weggeschickt worden." Bei der Fahrt durch das Lager der Schweden, welche von hier nach Nürnberg aufbrachen, bot sich den Geiseln der traurigste Anblick: „wie viel wir da der todten Pferde und anderes Vieh und Unrath gesehen, wäre unzählbarlich zu sagen. Auch ging hinter und vor uns der Rauch von den angezündeten Schlössern und Dörfern stark auf. Je weiter wir aber kommen, je mehr schon ganz verbrannte Häuser und Dörfer müssen wir sehen. Nit eine einzige haushebige Person, außer der armen Leute und verlassenen Kinder, die den Kutschen zuliefen und um Gottes Willen das liebe Almosen bettelten, wurden getroffen." Als sie Nachts zwischen 6—7 Uhr nach Mering kamen, wurden sie im dortigen Schlosse einguartiert, bekamen jedoch weder Essen und Trinken, noch Lagerstatt; als sie dann andern Morgens die Fahrt nach Augsburg fortsetzten, „hatten die todten Pferde und Kühe noch kein Ende, doch die Dörfer waren nit so übel verbrennt". — Um 9 Uhr Vormittags kamen sie zu Augsburg bei der Lechbrücke an, mußten aber wegen Mangels an jeglicher Vorbereitung bis Nachmittags 3 Uhr warten, was die Augsburger zur Begrüßung der Geiseln mit den Worten: „Schelme, Diebe, Mausköpfe, Galgenvogel, auf den Scheiterhaufen und Galgen mit ihnen!" an die Brücke führte. Volp'chler wurde 7. Juni 1633 als einer der Dcpu- tirtcn der Geiseln nach München geschickt, kehrte aber, wortbrüchig, nicht mehr in die Gefangenschaft zurück, wodurch er natürlich nur das Schicksal seiner bisherigen LeidenSgenossen erschwerte. Die sämmtlichen hi-r angeführten Todesfälle ereigneten sich während der 2 Jahre 9 Monate 26 Tage währende» Gefangenschaft der Geiseln. In Augsburg endlich eingefahren, wurden die Geiseln zunächst in ein Wirthshaus einlogirt, doch durften die Geistlichen am 9. sich in Klöster zurückziehen, was aber nur bis zum 14. währte, an welchem Tage sie in die bischöfliche Pfalz überführt wurden, von wo man sämmtliche Geiseln aus München, Freising, Landshut u. s. w., 64 an der Zahl, in das sogenannte Tanzhaus über-, am 21. aber wieder in die Pfalz zurückführte, was der süße Pöbel aber nicht vorübergehen lassen konnte, ohne die armen Gefangenen „anzukrähen". Das Hängen, Köpfen und der Scheiterhaufen lag ihnen noch immer im Maul. Am 21. Juni endlich thaten die Geiseln ein Gelübde, „daß, wofern Gott ihnen durch die Mütterliche Fürbitte U. L. F. wieder glücklich nach München helfen werde, sie ihrzu Ehren entweder in Thalkirchen oderNamcrS- dorf einen löblichen Gottesdienst mit Predigt und Prozession halten wollten, so allda alle geistlichen Geiseln ihre allerheiligsten Meßopfer neben der weltlichen Herren guter Andacht müßten aufopfern; auch eine ewige Lobtafel als einer Mutter und Patronin dieser unserer Münchener Geiselschaft sollte aufgerichtet und in ernanntes Gotteshaus gemacht werden, welche Tafel dann gleich und ehe wir heimkommen, bei dem Kistler und Maler angesriemt und ins Werk gericht worden ist? Die armen wackeren Männer waren aber auch deS Trostes von oben um so bedürftiger, als ihre Leiden nun erst recht eigentlich begannen. Da ihre wenige Tage nach ihrer Ankunft in Augsburg von da nach München geschickte Deputation resultatlos heimkehrte, wurden sie von ihren Wächtern stark bedroht, und selbst die am 2. August erfolgte Ankunft von 68,000 Thalern Brand- fäiatzung vermochte wenig an ihrem Geschicke zu ändern, trotzdem sie sich die Mittel vom Mund abdarbten, ihren Peinigern Geschenke zu machen. Dafür wurden sie dann von jenen mit steten Drohungen theils für ihre Person, theils für München rc. trakttrt, in üble Löcher gesteckt und nach dem Tode Gustav Adolfs bei Lützen gar dahin bedroht, daß „man sie, wenn das Geld nit bald anlange, unter die Regimenter austheilen und die Obersten mit ihrer Person bezahlt machen werde." Ja der Oberst Walfteiner stellte ihnen sogar Vergiftung in Aussicht. Ein Jahr dauerten die Verhandlungen bereits, da wmden die armen Geiseln, welche nur mit Mühe ihre Knebelung hintertrieben, am 16. Juni 1633 nach Donau- wörth abgeführt, für einige Zeit mit den gemeinsten Verbrechern zusammengesperrt und am 25. Juni — und zwar die Hälfte, 17 Geistliche und 4 Weltliche, in Ketten — nach Nördlingen weiter transportirt, wo sie am 27. ankamen und vom Stadtfähnrich mit der Frage empfangen wurden, „ob man denn die ehrliche Reichsstadt Nördlingen zu einem Schergenhaus machen wolle und ob man anderswo keine Henkersknechte hätte, sondern die dortigen Bürger an ihnen zu Henkern werden müßten 2" Zum Glück dauerte ihr Aufenthalt in Nördlingen, wo ihr Logement aus einer Stube und vier Kammern bestand, doch bloß bis 27. August, an welchem Tage ihr — wenigstens etwas rücksichtsvollerer — Rücktransport nach Augsburg begann, wo sie am 28. Aug. ankamen. Da sich inzwischen die strategische Lage der in Bayern und an dessen Grenzen stehenden schwedischen Trupperr- theile bedeutend verschlimmert hatte, zog der in Braunau weilende Kurfürst die Unterhandlungen so lange hin, bis die'Belagerung von Augsburg dahin gediehe« war, daß daselbst historisch verbürgte Fälle von Menschenfresser: vorkamen, worauf endlich die Geiseln nach unsäglichen Leiden — worunter der Hunger keine geringe Rolle spielte — am 1. April 1635 ledig gesprochen wurden. Sie traten am 2. April die Reise in ihre Vaterstadt an, in welcher sie Tags darauf ankamen. Hier war ihr erster Schritt zur Stiftskirche U. L. Frau, um der Himmelskönigin für die Erhaltung des Lebens und die Rettung aus so vielen Fährlichkeiten und Drangsalen zu danken. Aus dem jährlichen Bittgänge nach Ramersdorf aber, wo die am 21. Juni 1632 gelobte Tafel aufgehängt wurde, entstand durch die Bemühungen des damaligen Spitalpfarrers zu hl. Geist, Michael. Hermann, das „Ramersdorfer Verbündniß zi/heilig Geist", welches seine Gottesdienste theils zu Ramersdorf, theils in der hl. Geistpfarrkirche hat und gerade in diesen Tagen so recht zum Beitritte einladet, damit wieder, wie einst in früheren, besseren Tagen, jährlich wenigstens eine Prozession wallen kann zu dem Gnadenbilde der heil. Maria in Ramersdorf. ALLsrLei. Wer in den Münchener Bahnhof einfährt, ist überrascht durch die große Anzahl von Bierwagen, welche zum Einrangiren in die Güierzüge auf den freien Geleisen stehen. Nach einer Zusammenstellung der „Neuest. Nachr." beträgt die Zahl der in Bayern befindlichen, zum Theil den Brauereien selbst, theils der bayerischen Staatsbahn gehörigen Biertransportwagen jetzt 1190. Hievon besitzen Münchner Brauereien 765, nach diesen kommt die zweitgrößte Exportstation Kulmbach mit 157 Bierwagen, dann Nürnberg mit 106, Erlangen mit 47, Würzburg mit 27, Bamberg mit 18, Fürth mit 12, Augsburg mit 11, Planegg mit 9, Weihenstephan mit 8 Bierwagen. Außerdem exportiren noch die Orte Kitz- ingen, Aibling, Ansbach, Aschaffenburg, Aschau, Markt- leuthen, Breitengüßbach, Münchberg, Negensburg, Reuth, Nosenheim, Spalt, Staltach, Tutzing, Straubing und Zirndorf, jedoch nur in geringerem Maße; die Ictztbe- nannten 16 Orte besitzen zusammen 30 Bierwagen. Man erkennt aus dieser Zusammenstellung, wie das Münchener Bier unter allen bayerischen Bieren hervorragt. Nach allen Großstädten Europas versenden die hiesigen Brauereien ihre Erzeugnisse, insbesondere ist das Münchener Bier in Berlin, ebenso in Paris, Hamburg, Bremen, Danzig, Königsberg, Frankfurt, Brüssel, Marseille, Lyon, Nancy, Mailand, Genf, Rom, Florenz, Venedig, Turin, Luzern, Zürich, Bern, Basel, Straßburg, Köln, Dresden, Leipzig, Mannheim, Mainz, Amsterdam und Rotterdam, in allen kleineren norddeutschen und sächsischen Städten, in Galizien, Serbien, Rumänien, Rußland, Polen und auch in Wien und sonstigen durch gutes Bier selbst ausgezeichneten Städten zu finden, natürlich auch in allen Städten Bayerns. Den größten Export hat die Münchener Spatenbranerei; dieselbe benutzt zur Verfrachtung ihr« Bieres 145 Bierspezialwageu mit je 300 Centner Tragkraft; nach dieser Großbrauerei kommt die Löwenbrauerei mit 121, hierauf die Firma Pschorr mit 87, dann Leisi- bräu mit ebenfalls 87, das Bürgerliche Brauhaus mit 66, Augustiner mit 64, Hackerbräu mit 52, Münchner Kindlbräu mit 34, Schmederer mit 25, k. Hofbräuhaus mit 17 Wagen; die übrigen kleineren Brauereibetriebe, wie Bergbräu, St. Anna, Eber!, Petuel, Mathäfer, Tho- maß, Union, Kc4osseum besitzen zusammen 67 Bierwagen. Man kann hieraus ungefähr entnehmen, welche großartige Entwickelung die Biercrzeugung und der Export in München und den übrigen bayerischen Städten und Orten erfahren hat, welche Menge Geldes hiermit verdient wird, wie viele Arbeiter und Beamte hierbei beschäftigt sind, welche Menge von Gerste und Hopfen, aber auch von theueren Maschinen erforderlich ist, und welchen Nutzen hiervon der bayerische Staat und das Deutsche Reich durch Frachten und Steuern hat. Die Bierwagen haben sämmtlich gleiche Construction, sind weiß angestrichen und tragen in blauer und schwarzer Farbe die Namen der einzelnen Bter- brauereifirmen. Im Zusammenhange mit der Bierversendung steht der immer steigende großartige Verbrauch von natürlichem und künstlichem Eis. Mehr als 20 Centner Eis sind im Sommer durchschnittlick, nach der Angabe der „M. Neuest. Nachr.", für jeden Waggon erforderlich. Täglich gehen direkte Bier-Extrazügevon München nach Berlin und an den Rhein mit durchschnittlich 30 bis 40 Waggons; Hunderte von beladenen Bierwagen werden mit den beschleunigten sogenannten Verbandszügen nach der Schweiz, nach Italien, Frankreich usw. täglich befördert. In 30 Stunden läuft jetzt der Bierwagen in geschlossenem Extrabierzug nach Berlin, wahrlich ein großer Vortheil bei strenger Kälte oder großer Hitze. Um das Bier noch weiter vor den Einwirkungen des Frostes zu schützen, wurden in neuerer Zeit sehr viele Bierwagen für Dampfheizung eingerichtet, auch Versuche mit Gasheizung mit gutem Erfolge gemacht. Auch besitzen schon ziemlich viele Bierexportwagen die Einrichtung für die Westinghouse- und Charpenterbremse, so daß sie auch mit Postzügen Beförderung finden können. --- Himmelöschau im Monat Januar. Ek —Merkur wird gegen Ende Abcndstern, geht jedoch schon um 6 Uhr unter. Venus K obwohl fast voll erleuchtet ist als Abendstern kaum mehr sichtbar. Mars F rechtläufig im Widder ist bei eintretender Dunkelheit schon hoch in SO. zu finden; er steht anfangs bis 2 U. 30 M., zuletzt bis 1 U. 45 M. früh am Himmel; sein Licht wird wegen zunehmender Entfernung von der Erde und Sonne immer schwächer. Jupiter H bewegt sich gegen die Ordnung der Zeichen und tritt schon nach Aufhören der Dämmerung abds. im Stiere hervor. Er ist sehr hell, hat seinen höchsten Stand nachts 11 U. und ist die ganze Nacht über dem Horizont. - Saturn H, am Fuße der Jungfrau, erscheint anfangs 2 U. 30 M., zuletzt 12 U. 30 M. nachts am östl. Horizont. Am 2. und 3. erscheinen Sternschnuppen mit dem Ausgangspunkte im Herkules. In der Nähe des Mondes befinden sich am 5. MarS, am 9. Jupiter, am 18. Saturn. Am 7. findet eine Bedeckung zahlreicher Sterne in den Plejaden durch den Mond statt, besonders von 6 U. bis 8 U. abds. Vom 14. bis 26. läßt sich das Zodiakallicht im W von 6 U. bis 8 U. beobachten. -