« 3 . Ireilag, den 10. Januar 188 «. Kür die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Are Astrologen. Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen KriegeS. Von Max Benno. (Fortsetzung.) „Ein sonderbarer Kauz," murmelte Georg, als die Schritte des Schloßhauptmanns verhallt waren. „Man wird aus feinem finstern Wesen nicht klug. Fast will mir scheinen, als ob eS um sein Gewissen nicht sehr gut bestellt sei." ^ „ES ist ihm schon viel Böses nachgesagt worden", nahm Pater Vincenz daS Wort, „denn durch seinen abstoßenden Charakter hat er sich viele Feinde gemacht. So soll er namentlich einen großen Theil der Schuld an dem traurigen Zerwürfniß des Herzogs mit seiner ersten Frau tragen. / Sie war eine schon ziemlich betagte Wittwe, als der damalige Graf sie heimführte. Das Glück hatte seinen Sitz in dieser Ehe nicht aufgeschlagen, denn der Herr dachte damals schon mehr an Kriegsrnhm, als an seine Frau. Die Gräfin, welche ihren Albrecht mit Leidenschaft liebte, fühlte sich durch die Zurücksetzung allmälig verletzt. Allein ihre Neigung erkaltete nicht, sie schien vielmehr trotz aller Vernachlässigung noch zu wachsen. Der Himmel mag wissen, wer ihr weiß gemacht hatte, daß die Kälte des Gemahls nur durch Geheimmittel besiegt werden könne; kurz, sie kam auf den Gedanken, ihm einen Liebestrank beibringen zu lassen. Wer diesen bereitete, blieb unbekannt; nur so viel ist sicher, daß er dem Herrn in einer Morgensuppe gereicht wurde und daß dieser in Folge davon heftig erkrankte, ja dem Tod nahe kam. Die weitere Folge war, daß er sich von dieser Zeit an noch geflissentlicher von seiner Gemahlin fern hielt. So verwandelte sich denn deren Liebe schließlich in das Gegentheil, in tiefsten Haß. Sie ging darin so weit, daß sie eine Menge der wichtigsten Döcumcnte, die Besitztitel für den größten Theil ihres Vermögens, vor ihrem Tode auf die Seite schaffte, wie man sagt, da das Testament selbst nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Sowohl mit dem Liebestrank, als der Beseitigung der Papiere hat man damals den Namen Leßlie's in Verbindung zu bringen versucht, ohne daß aber irgend ein Beweis für die Anschuldigungen erbracht worden ist. Ich bin überzeugt, daß ihm Unrecht geschah, und auch der Herr selbst hat offenbar nicht an eine Schuld des Schloßhauptmanns geglaubt; denn schon auf einen halbwegs gegründeten Verdacht hin hätte er ihn mit Schimpf und Schande aus dem Dienste gejagt." „Ich traue dem unheimlichen Menschen trotz allem nur halb", sagte Georg, doch nicht so laut, daß der Pater, den er nicht abermals gegen sich aufbringen wollte, es vernahm; „ich werde ein scharfes Auge auf ihn haben, und zeigt sich nur eine Spur, dann spreche ich ein ernstes Wörtlein mit ihm!" Der Priester hatte sich abgewandt. Mit freundlichem Gutenachtgruß reichte er Anna und den jungen Leuten die Hand. Dann ging er. Georg setzte sich neben Magdalene und schaute ihr treuherzig ins Gesicht. „Höre", begann er, „die Heiraths- geschichte ist mir noch nicht recht klar. Sei so gut und sage mir, wie es sich eigentlich damit verhält." Das Mädchen erröthete bis an die Stirne. „Du hörtest ja",' erwiderte sie ausweichend, „daß nichts daraus wird." „Ganz Recht", drängte Georg, „so weit bin ich im Reinen; aber den Zusammenhang verstehe ich nicht. Ich bitte Dich, verhehle mir nichts." „Nun ja", hub Lenchen in sichtbarer Verlegenheit an, „Du sollst Alles wissen. Es ist in der That nicht ganz unmöglich, daß Pater Vincenz mit seiner Vermuthung Recht hat; denn es wurde mir von Leßlie kein Antrag gemacht. Nur begreife ich dann nicht, auf welches Endziel sein auffallendes Benehmen hinauslief. Schon seit einiger Zeit wurde ich von der Frau des Schloßvogts mit dem Hauptmann geneckt. Ich nahm von dem Geschwätz kaum eine Notiz, bis die Frau mir vor acht Tagen ganz unverblümt sagte, der Hauptmann gehe mit dem Plane um, mir einen Heirathsantrag zu machen. Das Gleiche wiederholte sie der Base gegenüber mit allem Ernst. Ich merkte auch wirklich an dem veränderten Benehmen Leßlie's gegen mich, daß er etwas im Schild führte. Ich wich ihm aber überall aus, so daß er zur Ausführung seines Vorhabens keine Gelegenheit fand. Da kam der fremde Herr. Jetzt fing der Hauptmann an, zudringlich zu werden. Ja, es kam so wett, daß er mich um eine Unterredung in einer wichtigen Angelegenheit bat. Nun glaubte ich, nicht mehr zweifeln zu dürfen, um so weniger, als er meinen Bescheid gar nicht abwartete, -sondern dem Boten auf dem Fuße nachfolgte. Ich beschloß, der Sache ein rasches Ende zu machen und zog mich in eine Kammer zurück, die ich verschloß. Der Herr Hauptmann mußte sich mit der Base begnügen, durch deren Vermittelung er meine Antwort erhielt. Ich hatte ihr hiczu die bestimmteste Anweisung gegeben und bin fest überzeugt, daß Leßlie von der alten Frau, die in Folge meiner entschiedenen Weigerung in sehr schlechter Laune sich befand, nicht viel Angenehmes zu hören bekam; wenigstens verließ er das Gemach in voller Wuth, und fast hätte die Zurückweisung, wie Du ja weißt, für uns recht schlimme Folgen gehabt." Schon vorher — bei den Andeutungen des Pater Viucenz — war in Georg eine Vermuthung erwacht; diese wurde durch Magdalenens Mittheilung bestärkt. Er dachte an die Verstimmung des Wachtmeisters Donald und dessen Umgehen aller Personen und Verhältnisse, die mit seinem Besuch auf Großmeseritsch in Beziehung standen. Was lag näher, als die Annahme, daß dessen fast ängstliches Ausweichen dem Aerger über getäuschte Hoffnungen entsprang, und daß der Schloßhauptmann nicht für sich selbst, sondern für seinen Neffen den Frei- werber gemacht hatte? Wit diesem Schluß war das Räthsel auf die einfachste Weise gelöst. Der junge Mann zweifelte an der Richtigkeit dieser Vermuthung nicht, hütete sich aber wohl, etwas davon zu verrathen und dankte im Stille» dem Zufall, durch welchen die Angelegenheit zu einem so beruhigenden Ende geführt worden war. „Du hast Deine Sache klug gemacht", lobte er, als Lene schwieg, und drückte die Hand des Mädchens. „Der Alte ist für seine Frechheit bestraft, und Du hast fürderhin Ruhe vor ihm." Die hölzerne Wanduhr verkündete die zehnte Stunde Die Base erhob sich und tastete nach dem Wandschrank, der ihr Gebetbuch enthielt. „Es ist spät", wandte Lenchen sich, ebenfalls aufstehend, an Georg, dessen Blicke deutlich erkennen ließen, daß er gern noch etwas gesagt hätte; „die Base ist müde und gibt mir das Zeichen, daß sie die Vorlesung des Nachtgebets wünscht." Der junge Mann folgte dem Wink. Er verabschiedete sich und schritt dem ihm angewiesenen Schlafgewach zu. 2 . Trotz dem weiten Ritte fühlte Georg Selkow noch keinen Schlaf. Die anregende Unterhaltung hatte Müdigkeit und Abspannung verscheucht. Er öffnete ein Fenster und schaute, ehe er sich ins Bett legte, wohl eine Stunde lang gedankenvoll in das Thal, wo die Umrisse der Häuser des Städtchens gespensterhaft von dem dunkeln Nachthimmel sich abhoben. Nach siebenjähriger Abwesenheit war er heute zum ersten Mal wieder in die Heimath gekommen, wo er die goldenen Tage der Kindheit verlebt hatte. Mit stiller Wonne dachte er an jene Zeit, obgleich das Glück, seine Eltern zu kennen, ihm versagt worden war. Die Mutter starb bei seiner Geburt, und der Vater, ein kaiserlicher Rittmeister, fiel ein halbes Jahr später in der Schlacht. Ein Verwandter der Mutter, Schloßhauptmann Lobau, nahm den verwaisten Knaben zu sich. So wuchs derselbe bis zu seinem zwölften Jahre unter der strengen aber liebevollen Zucht des Paters Vincenz mit Magdalenen, der Pflegetochter seines Wohlthäters, welche dieser einige Jahre später ebenfalls in seinen Schutz genommen, auf Schloß Groß- mxseritsch heran. Schon damals hatte der kleine Georg für das zutrauliche Kind eine herzliche Neigung empfunden und bet den harmlosen Spielen stets dessen aufmerksamen Ritter gemacht. Das Bild der Kleinen hatte ihn in die Ferne begleitet und die Erinnerung daran ihn vor mancher 18 — jugendlichen Thorheit bewahrt — kein Wunder, wenn nun bei dem Wiedersehen die lieblich heraugeblühte Jungfrau fast im Fluge einen hervorragenden Platz in seinem Herzen gewann. Zum Besuch der hohem Schulen kam Georg nach Prag. Im zweiten Jahre seines dortigen Aufenthalts erlitt er einen schweren Verlust: sein Wohlthäter hatte sich durch einen Sturz vom Pferdr eine schwere Erkrankung zugezogen, welcher er nach Verlauf einiger Wochen erlag. Auf Georg's Lebensgang übte der Trauerfall vorerst keinen Einfluß. Die unbedeutenden Erziehungskosten in der Klosterschule wurden von den Ersparnissen des Paters Vincenz bestritten, so daß das jugendliche Gemüth des aufgeweckten Studenten die Wirkungen der veränderten Verhältnisse nur wenig empfand. Dem Pater gelang es auch, die Aufmerksamkeit Wallen- steins auf seinen talentvollen Schützling zu lenken. Nach Absolvirung seiner Studien wurde der kräftig herangewachsene Jüngling, ohne vorher die üblichen Pagen- dienste gethan zu haben, sofort in daS Leibjäger-Corps eingereiht. Bei dieser Gelegenheit hatte er, achtzehn Jahre alt, zum letzten Male die Heimath gesehen, obgleich er sich im unmittelbaren Gefolge des nachmaligen Herzogs befand, der wiederholt auf längere oder kürzere Zeit nach Großmeseritsch kam. So oft dies jedoch geschah, hatte der Zufall den jungen Leibjäger nach einer andern Richtung geführt. Um so größer war seine Freude gewesen, als er dies Mal den hochwillkommenen Dienst eines Boten des Gebieters erhielt. Der schon seit mehr als einem Jahrzehnt Deutschland verheerende Krieg war damals an einem seiner Hauptwendepunkte angekommen. Am 24. Juni 1630 war der schwedische König Gustav Adolph, ohne eine Kriegserklärung vorausgeschickt zu haben, in Pommern gelandet und hatte sich rasch durch die in Deutschland für ihn geworbenen Schaaren verstärkt, welche, vom Kaiser entlassen, in ganzen Haufen den geheimen Werbe- Bureaux zugeströmt waren. Bald zeigte es sich, daß er den Truppen des Kaisers weit überlegen war. Er errang von Tag zu Tag größere Erfolge und forderte auch die entmuthigten Feinde des Kaisers in Deutschland zu erneutem Widerstand auf. Er predigte keinen tauben Ohren. So kam es, daß Kaiser Ferdinand schon nach kurzer Zeit fast in der gleichen Lage wie bei seinem Regierungsantritt sich befand, und den Herzog von Friedland, der ihn schon ein Mal gerettet hatte, als seine letzte Hoffnung betrachtete. Er sandte den Fürsten Eggenberg nach Znaim, wo der Herzog sich befand, und ließ ihn ausforschen, ob er nicht geneigt wäre, abermals ein Heer aufzustellen und als General-Commandant an dessen Spitze zu treten. Mit berechnetem Zögern sagte der Herzog seine Dienste zu, aber nur theilweise, um sie desto theuerer verkaufen zu können. Bis künftigen März, erklärte er dem Fürsten, werde ein schlagfertiges Heer dastehen; die Befehlshaberstelle aber verbitte er sich. Zum Erstaunen von ganz Europa war in der That bis zu der bestimmten Zeit ein Heer von vierzigiausend Mann auf die Beine gebracht. Gustav Adolf selbst hatte gelächelt, als er von Wallenstein's Versprechungen hörte. Als er jedoch das Versprechen erfüllt sah, rief der König voll Verwunderung aus: „Das kann nur Oesterreich und Meilenstein l" Der Name des Herzogs und sein bei den Soldaten 19 erworbenes Zutrauen bewirkten, daß Osficiere und Gemeine, die bereits unter ihm gedient hatten, in Schaaren sich wieder einfande», als die Werbetrommel für den fast vergötterten Feldherrn erscholl. Die von ihm ausschließlich ernannten Obersten, Rittmeister und Hauptleute schössen sogar gegen Anweisung auf gewisse Quartier- bezirke noch Gelder vor. Von Gemeinen war der Zulauf um so größer, als jedem Mann täglich zwei Pfund Brod, zwei Maß Bier oder eine Maß Wein, dazu dem Fußgänger vier Gulden monatlich, dem Reiter neun Gulden nebst dem Futter für die Pferde gereicht werden mußten. Wie viele Bauern geriethen da nicht in Versuchung, lieber von ihren Nachbarn sich auf diese Art verpflegen zu lassen, als selbst einen Soldaten zur vorgeschriebenen Bedienung im Hause zu haben! Am Hofe sah man recht gut ein, daß ein solches Heer nur von seinem Schöpfer regiert werden konnte, und hatte von Anfang an keinen Andern, als den Herzog als Commandanten im Auge gehabt. Kaiser Ferdinand zweifelte auch nicht, den Widerstand desselben durch weitgehende Zugeständnisse hesiegen zu können. Er erklärte sich bereit, zu den bezüglichen Verhandlungen Bevollmächtigte an den Herzog zu schicken, und dieser schlug als Zusammenkuuftsort das böhmische Schloß Groß- meseritsch vor. Am Tage nach der Ankunft Georg Selkow's in der Heimath war in Stadt und Burg Großmeseritsch alles in der größten Bewegung. Ueberall wurde geweißt, gekehrt und gescheuert und namentlich Jagd auf die Hähne gemacht, die man insgesammt ohne Gnade umbrachte. Die Mütter ermähnten ihre Kinder, in der Nähe des Schlosses ja nicht zu schreien, und die Säuglinge wurden in die abgelegensten Kammern versteckt. Die Furcht blickte aus allen Gesichtern. Selbst der Schloßhauptmann schien seiner Sache nichts weniger als sicher zu sein. Wiederholt fragte er bei Georg an, welche Zimmer er für den Herzog, welche für dessen Gemahlin, besonders aber, welchen Raum er für den Astrologen Scni und dessen Zauberapparat bereit halten sollte. Der junge Mann ging Leßlie zwar bereitwillig mit Rath und That an die Hand, konnte sich jedoch nicht versagen, jede dieser Gelegenheiten für seinen übermüthigen Spott auszunutzen. Alles ging drunter und drüber. Man schien mehr auf einen gefürchteten feindlichen Heerführer, als auf den Herrn des Hauses zu warten. Der dritte Tag, an welchem der Herzog auf dem Schloß eintreffen sollte, kam endlich heran. An der Grenze des Weichbildes, im Hof und am Burgthore waren Ehrenpforten errichtet mit Inschriften, welche die Verdienste und Heldenthaten Wallenstein's priesen. Der Weg war bis zum Städtchen hinunter mit frisch gemähtem Gras und theilweise sogar mit Blumen bestreut. Eine Menge Packpferde und Saumthiere waren schon seit frühem Morgen gekommen, und immer noch rückten neue Colonnen heran. Ein paar Stunden vor der Ankunft des Fürsten hatten sich die Geistlichen, die Schuljugend, sowie die Einwohnerschaft der Stadt festlich gekleidet im Hof angefunden und in einer langen Doppelreihe vom Burgthor bis zum Eingang in das Schloß aufgestellt. Leßlie und Pater Vincenz befanden sich an der Spitze des Zuges. Die Thurmuhr des Städtchens verkündete die erste Nachmtttagsstunde, als zwei Staffettenreiter mit ihren blitzenden Sternen an blausetdener Schleife auf schaumbedeckten Rossen in den Burghof sprengten. Sofort begann die Glocke der Schloßkapelle zu läuten. „Der Herr! Der Herzog!" ging es in der versammelten Menge von Mund zu Mund. Die Hüte und Mützen flogen von den Köpfen, und Alles blickte erwartungsvoll nach dem Thore. Endlich erschien der Zug. Zwölf Trompeter und sechs Pauker eröffneten ihn, ohne jedoch ihr Spiel ertönen zu lassen. Ihnen folgten paarweise vier Stallmeister und sechs Leibjäger. Hinter diesen erschien hoch zu Pferd ein mittelgroßer Mann mit braunem Haar und durchdringenden Augen, dessen strenge Miene kund that, daß er in der Schule des Lebens manch ernste Erfahrung gemacht hatte. Dennoch konnte man den GestchtsauSdruck, welchem der starke Schurr- und Knebelbart einen kriegerischen Zug verliehen, nicht unangenehm nennen, und die ganze Erscheinung rief unwillkürlich das Gefühl einer mit Scheu verbundenen Ehrfurcht hervor. Ein großer Spitzenkragen umrahmte den Hals, und ein Büffelkoller, über welches eine rothe Schärpe herabhing, war durch eine breite Schwertkoppel zusammengehalten, während man die von ungeheuern Lederstiefeln fast verdeckten Unterkleider kaum zu sehen bekam. DaS war Albrecht Eusebius Wenzel von Wallenstetn, der Herzog von Friedland. (Fortsetzung folgt.) ^ > l >> - - - Vor fnlisuit-Mnzig Jahren. Von Friedrich Koch-Breuberg. (Fortsetzung.) Während dieser Vorkommnisse hatte das Gros der 1. Brigade das Vorrücken fortgesetzt und erreichte, obwohl mehrfach in der Flanke belästigt, den Rand deS Plateaus, auf welchem die Gehöfte Grande- und Petit- Chartre liegen. Ein dichter Nebel hatte das Eintreten der Dunkelheit beschleunigt, und Freund und Feind geriethen sich unfreiwillig nahe. Das 1. Bataillon des Regiments „König" war zuletzt noch in die erste Linie am rechten Flügel der Zweierjäger vorgezogen worden und war auf ein französisches Bataillon geprallt, das so in Unordnung gerathen war, daß man glaubte, es wolle sich ergeben. Unterlieutenant Krieger vom Leibregiment, der sich hier befand, war mit nur einem Mann in die rathlosen Reihen eingedrungen und machte allein 17 Gefangene. Aber auch die beherzteren Franzosen glaubten, die Bayern zum- Niederlegen der Waffen auffordern zu müssen. Es. wurde hin- und hergeschrteen, dann krachte eine Salve — die Franzosen hatten sie abgegeben und zogen sich zurück. Leider war der Commandeur Hofmann des Bataillons tödtlich verwundet worden. Um 5 Uhr war auch die Brigade Orff am linken Flügel angelangt, aber es war zu dunkel, um mit Erfolg noch einzugreifen. Die 2. Division war von General v. d. Tann bet Baccon zur allenfallsigen Unterstützung der Division Wittich zurückgehalten worden. Patrouillen der Königs- Chevaulegers hatten dann gemeldet, Poisioux und Schloß Le Coudray seien besetzt. Von Norden her hörte man nicht mehr schießen, und so wurde die 3. Brigade gegen Villccry, wo sich ebenfalls der Feind gezeigt hatte, gesendet. Um 3 Uhr war die Avantgarde dort eingetroffen und hatte die Batterie Neu das Feuer eröffnet- LO das von den Franzosen erwidert wurde. Das 1. Jäger- Bataillon und die Zwölfer waren noch nicht in's Gefecht getreten, als der Befehl eintraf, das Feuer einzustellen und nördlich zu marschiren. Bald darauf zurückgeholt — war es auch hier Nacht geworden. Dieser 7. Dez. ist meinen Erinnerungen nach einer der unsympathischsten Tage des ganzen Feldzuges. Wir hatten die Haupt- kräfte der Franzosen vor uns, und obwohl sie geschwächt schienen, waren wir doch selbst zu sehr in der Minderzahl, um ihnen gehörig auf den Leib zu rücken. Die deutschen Hecresihcile waren aber auf Meilen ausetnander- gezogen; hätten sie zusammenwirken können, so wäre der folgende Tag nicht mehr so blutig geworden. Wir Bayern verloren an diesem Tage 8 Officiere und 94 Mann. Müde und frierend bezog man engste Quartiere, die keine Erholung gewährten. Das Armee-Corps v. d. Tann concentrirte sich am 6. Dezember bei Grande-Chartre und stand nach 10 Uhr in Bereitschaft. Schon während des Anmarsches hatte man von Villermain her Kanonendonner vernommen, auch war von unseren Chevaulegers-Patrouillen gemeldet worden, daß der Feind in ziemlicher Stärke in südwestlicher Richtung stehe. Der Großherzog war persönlich anwesend und beabsichtigte auf der ganzen Linie offensiv vorzugehen. Wir Bayern bildeten das Centrum, die Division Wittich war rechter Flügel, jetzt aber bei Villermain engagiert, und die Mecklenburger hatten sich gar bei dem langen Dorfe La Bruöre verschanzt. Hielt der Feind den Flügel-Divisionen gegenüber gehörig Stand, konnte es Abend werden — kurz, wir Bayern waren heute vorderhand auf uns selbst angewiesen. Als Nachricht über die Fortschritte der 22. Division eintraf, wurde die 2. Division R. v. d. Tann — General Schumacher war in die Heimath zurückgekehrt — in eine Gefechtsstellung nördlich von Beaumont befohlen. Die ganze Stärke der Division betrug nur 4400 Feuer- ewehre. Es war mühselig zu marschiren auf dem hartgefrorenen Boden, den eine dünne Schneedecke noch ungangbarer machte. Vor uns lag Beaumont, ein Dorf aus schönen Bauernhöfen bestehend. Zur Linken in dem Gelände gegen die Loire hin war alles mit Weinbergen übersät, die rothbräunlich aus dem monotonen Weiß sich abhoben. Von Nordwesten kommend, zog sich endlos eine Chaussee dahin. Bald lag sie höher, dann verschwand sie wieder und machte südlich zwei Kniee. Jenseits der Straße eine kahle Anhöhe mit langgestrecktem Mücken, und die gehörte jedenfalls dem Feind. Das Generalstabswerk spricht sich über diesen schwersten Tag der Bayern, dessen Erinnerung die .Söhne der Bavaria mit höchstem Stolz erfüllen muß, leider recht kurz aus. Es hätte die aufopfernde Thätigkeit von Hunderten unbedeutender Unterführer erwähnen Müssen, und das kann man nicht fordern. Auch der genaue Helvig, der mir vorliegt, vermag kein übersichtliches Bild des blutigen Ringens zu geben. So will ich es denn versuchen, an der Hand des Letzteren als Augenzeuge zu sprechen. Wir waren aufmarschtrt, und vorwärts unseres rechten Flügels hatten die Batterien Kriebel, Zöhnle und Barth Stellung genommen. Jetzt sah «an, wie an der jenseitigen Höhe feindliche Plänkler herabeilten. Schon hatten sie die Straße überschritten und näherten sich Beaumont. Rasch wurde das Bataillon Endreß der Dreizehn» im Dorfe vertheilt, und es gelang, den Franzosen Halt zu gebieten. Beaumont war ausgedehnt, wrßhalb noch das Bataillon Schönhueb dahin entsendet wurde. Bisher hatte man keine feindliche Artillerie gesehen, aber am Höhenrand stiegen die Dampfwolken auf, und hinter demselben stand sie gegen unser Infanterie- Feuer wohlgedeckt. Die Brigade Roth war anfänglich südöstlich mar- schirt, hatte dann geschwenkt und rückte jetzt auch in die Gefechtslinie ein. Ihre Batterie Neu war aufgefahren und hatte das Feuer eröffnet. Das 1. Jäger-Bataillon und das Bataillon Schleich deS 3. Regiments gingen gegen die Straße vor, während daS 3. Bataillon Veith sich Le Mae näherte und sich dort festsetzte. Unterdessen hatte das Feuer der Dreizehner die Franzosen veranlaßt, an die Straße zurückzugehen und dann auch diese zu verlassen. Von nun bildet die 4. Brigade den rechten, die 3. Brigade den linken Flügel der Stellung der Bayern an der Straße, denn es waren die Bataillone Schönhueb und Leythäuser durch den Ort entsendet worden, um sie zu besetzen. Auch die 11. und 10. Compagnie der Zehner waren an den linken Flügel der 4. Brigade vorgeschickt worden. Als ich die Letztere zum Orte hinausführte, schlug eine Granate mitten in sie hinein. Trotzdem kamen wir geschlossen bis an das erste Haus von Beaumont, von wo ich den Lieutenant List! mit 2 Zügen in den Chaussse- graben schickte. Lieutenant Erber lag schon im freien Felde hinter seinen Leuten, und dessen Compagnie-Führer Daser stand mit mir am Ausgange des Dorfes. Wir ließen nicht schießen, denn die Franzosen verschwanden nach und nach auf der Höhe. Vor uns war der Hang ganz freies Ackerland, nach rechts und links aber war er mit Weinbergen bewachsen. Die Straße hatte gegen Beaumont hin eine dichtere Besatzung aus Zehnern und Dreizehnern, wir dagegen konnten die ziemlich lange Strecke bis zur Brigade Noth nicht ausfüllen, sahen überhaupt Niemand von ihr, weil die Chaussee hier sich senkte. Wir schickten eben Patrouillen und hofften, daß die Franzosen die Lücke gar nicht bemerkten. Hatte doch die 3. Brigade an ihrem linken Flügel eine noch viel längere Lücke, denn jetzt um Mittag begannen die Mecklenburger erst die Vorbewegung gegen Beaugency. Das feindliche Artillerie-Feuer, welches wir unthätig auszuhalten hatten, war unglaublich heftig und richtete sich sogar gegen unsere dünne Plänklerlinie. So schlugen hart an den Füßen des Lieutenants Erber mehrere Granaten in dasselbe Loch ein. Mit 5 schwachen Bataillonen hatten die Bayern eine 2000 Schritte lange Stellung genommen, aus der einzelne Abtheilungen sogar gegen die Weinberge vordrangen und sich dort mit den Franzosen herumschössen. Es war sehr fraglich, ob wir uns gegen einen Angriff halten konnten, zumal das ganz wahnsinnige Feuer des Gegners auf Uebermacht schließen ließ. Deßhalb wurde um ^1 Uhr die Brigade Orff gegen Beaumont vorgeholt und es machte sich recht gut, daß sie in dem Granatenhagel mit klingendem Spiel ausmarschirte. Im Uebereifer hatte man versucht, von der Straße aus Vorzugelangen. Wir auf freiem Feld gaben es bald auf, denn jeder Schritt war sicherer Tod, aber wir hatten uns doch schon vor 1 Uhr in eine solche Schießerei eingelassen, daß es, wie auf der ganzen Linie, viele leere Patrontaschen gab. Zu allem Ueberfluß verdichteten sich gerade jetzt die feindlichen Plänklerkctten, Colonnen er» schienen und die rothett Hosen karüen in Menge die Höhe herab. Lieutenant Lüftl zerrte Leute nach links gegen die Lücke, Feldwebel Eckenweber und Tambour Unger rissen anderen die Brodsäcke herunter und liefen nach Beauwont, um Patronen zu holen. Jeder in der schwachen Compagnie that in hervorragender Weise seine Pflicht und die Franzosen kamen nicht bis an die gefährliche Lücke heran. Von Unterstützung keine Spur und auch Helvig bezeichnet diesen Moment für die ganze Linie als sehr kritisch. In diesem Augenblick griff am rechten Flügel die Brigade Orff ein. Zuerst fuhren die Batterien Prinz Leopold, Grundherr, Söldner auf und die Neunerjäger gingen gegen Cravant, wo die Diviston Wittich eintreffen mußte. Die Elfer unter Oberstlieutenant v. Schmidt nahmen mit den Viererjägern südlich an der Straße Stellung, und das Regiment Kronprinz, das die Brigade Roth verstärken sollte, wurde vorn General v. d. Tann persönlich unter die Dreizehner und Zehner geworfen, weil man hier weichen mußte. So kam es, daß für den linken Flügel nichts übrig blieb, daß nicht einmal die Lücke zwischen meiner Compagnie und der 3. Brigade ausgefüllt wurde. Allerdings hatten die Zwölfer und die Batterie Stadelmann Befehl, gegen Le Mae zu rücken, aber sie waren noch nicht da, und als sie kamen, verstärkten sie die Feuerlinie des 3. Regiments, das in dem tiefer liegenden Gelände focht. Um die gefährliche Lage der Infanterie zu erleichtern, ließ General v. d. Tann die Artillerie-Reserve eingreifen. Durch das Auftreten weiterer fünf Batterien entwickeltste sich nun auch auf unserer Seite eine mächtige Geschützlinie und auf dem schmalen Fleck Erde, auf dem der Kampf fortwährend hin- und herwogte, vermehrte sich der Höllenlärm. Das Auffahren der Batterien geschah im heftigsten Feuer. Menschengebrüll, Nädergerassel, stürzende Pferde, fallende Menschen, dazwischen platzende oder in Ricochete-Sprüngen einhertanzende Granaten, die schon durch den Luftdruck umwerfen — das war das Bild, wenn man umsah. Und vor uns — eine Höhe ununterbrochen in Pulverdampf gehüllt. Auf den Ackerfurchen des Abhanges liegen da- hingestreckte Franzosen, deren Gltedmaßen Todtenstarre und Winterkälte verzerrt haben. Im Straßengraben bet meiner Compagnie gab es, Dank der dünnen Linie, vorderhand nur wenig Todte, aber wenn man nach rechts zu den Dreizehnern hinüberblickte, sah man sie in Menge liegen. An die Stämme der laublosen Chansseebäume prasselt fortwährend das Blei der ChassepotS oder es spritzt uns von den Steinhaufen entgegen. Nun kommt unsere nenaufgefahrene Artillerie zum Schuß — aber sie sieht ja heute ihre Gegnerin nicht einmal — und richtig saust die erste Granate zwischen meine Plänkler hinein. Eine zweite folgt nicht mehr, und aus den Bleimänteln, obwohl sie auch nicht angenehm sind, machen wir uns nichts. Das brave Eingreifen der Batterien hatte hauptsächlich den Franzosen die Lust zu weiterem Vordringen genommen. Es war aber auch jetzt die 22. Division eingetroffen und die Regimenter Nr. 83 und 94 waren gleichzeitig mit dem Feinde in Cravant eingedrungen. Rasch wurden die Franzosen zum Dorfe hinausgedrängt und nun stand es besser um unseren rechten Flügel. Der Großherzog, welcher einen Offensivstoß plante, hatte die Division Stolberg und unsere Kürassier-Brigade an den linken Flügel entsendet, weil Messas noch immer 21 — * von den Franzosen besetzt wär, die 3. Brigade sohin den Feind in der Flanke hatte. Die Mecklenburger waren aber noch immer nicht da, denn auch sie hatten eine» starken Gegner zu vertreiben. Um ^3 Uhr war unsere Brigade Täuffenbach zur Verstärkung der Feuerlinte vor- gesandt worden. Dann sollte der Angriff beginnen. DaS Bataillon Nuösch und das Jäger-Bataillon Wirthmann traten bet der 3. Brigade in'L Gefecht, die anderen Bataillone verstärkten die Plänklerlinte der 2. und 4. Brigade. Hinter meiner Compagnie war das Bataillon Bauer des Leib-Regiments erschienen, hatte, im Eifer in das Gefecht einzutreten, uns gänzlich übersehen und das Feuer eröffnet. Da unser Winken nicht bemerkt wurde, mußte ich zurücklaufen, worauf es sich rechts wandte. Die Lücke zwischen der 3. Brigade war zwar noch nicht ausgefüllt, aber daran lag uns jetzt nichts, denn es wurde ja angegriffen. Vom Straßenknie heraufkommend, hatte sich ein Jägeroffizier — ich glaube Baumgärtner — mit einigen Leuten der 3. Brigade zu uns gesellt, und das hatten wir freudigst begrüßt. Man darf sich überhaupt die Plänklerlinte — ein zweites Treffen gab es gar nicht — nicht geordnet denken. Was vor mußte, hatte im heftigsten Feuer und total ungedeckt den Weg zu machen. Da gab eS nicht viel Kommando mehr, da packte jeder Offizier die Leute, die er erwischte, und stellte sie unter seinen Befehl. Später im Frieden haben wir das oft eingeübt; da ging eS immer recht gut, aber es fiel mir stets der Nachmittag von Beaumont ein. Der eisgraue Oberst Graf Isenburg war unermüdlich und war die Seele des Centrums. Wie oft hat der kleine, tapfere Herr die lauge Plänklerlinie ungedeckt abgegangen und wie oft hat er den Leuten „Muth, Muth!" zugerufen. Dreimal war er auch bei uns und ich zeigte ihm jedesmal die Lücke und sagte! „Bis da hinunter steht kein Mann!" Man hatte eben keinen mehr, denn zwei Compagnien bildeten jetzt die Reserve des ganzen Armee-Corps. Gegen 3 Uhr griffen die Franzosen von Cernah her Cravant an. Sie gingen flott vor und kamen nahe an die Straße heran. Unsere Artillerie am rechten Flügel mußte weichen. Beinahe wäre ein Geschütz verloren gegangen. Drei Kanoniere stehen bei ihm und Oberlieutenant v. Lamezan liegt mit zerschmettertem Bein daneben. Schon hat er befohlen, das Rohr unbrauchbar zu machen, da eilt der Batterie-Chef Key! mit einer fremden Reserve- Protze herbei und rettet das Geschütz. Was im Augenblick Patronen hat, feuert in der Plänklerlinie, und wieder wird der Angriff abgeschlagen. Nun aber rückten am rechten Flügel die Batterien wieder vor und nun begann dort die Infanterie den Angriff. Er war nicht commandirt, er ergab sich von selbst. Das Bataillon Zech der Elfer eröffnete ihn und dann riß es die Andern fort. Auch wir stürmten den freien Hang hinauf und geriethen in ein furchtbares Feuer. Die Franzosen zogen sich über Villechaumont gegen Ville- vert zurück, also standen sie in Massen vor uns. Daß der Angriff auf der ganzen Linie gelinge, das ahnten wir nicht. Das Nächste, was uns jetzt passiren konnte, war das Gefangenwerden. Am Bauch rutschten wir von Scholle zu Scholle außer Gesichtsweite und schließlich gelang es, mit wenig Verlusten die Straße wieder zu erreichen. Unsere Leute hatten keine Patrone mehr und athemlos und auf's Höchste erregt standen wir an der alten Stellung. Da hörten wir das Schnellfeuer, mit dem die Franzosen zurückgetrieben wurden. Jetzt war die Schlacht entschieden, UNS brauchte man nicht mehr, und ich führte die überangestrengte Compagnie an eine Hecke bei Beaumont. Das Häuflein wurde mit neuer Munition versehen und ich beredete mit Lieutenant Liftl, wie wir die Leute recht ausruhen lassen wollten, denn einen solchen Tag hatten wir im ganzen Feldzug noch nicht erlebt. Die Bayern waren wirklich gegen Villechaumont vorgedrungen und die Front ihrer Stellung hatte sich verändert. Sie reichte jetzt vom genannten Orte bis Le Mse. Aber gerade dort brachten die Franzosen neue Batterien gegen die 3. Brigade tn'S Gefecht und auch neue Massen Infanterie rückten an. Was sich da hinaufgearbeitet hatte, mutzte nochmals weichen und nochmals begann der Höllenlärm. Schon waren am linken Flügel die Batterien Stadelmann, Kriebel, Malaisö, Olivier bedroht, schon näherten sich die Franzosen Le Mae und die Mecklenburger waren noch nicht da. Obwohl sie gerade Messas nahmen, konnte Le Mse aus Patronenmangel nicht mehr behauptet werden. Nur am rechten Flügel gelang eS einem Häuflein Elfer, sich in der Nähe von Villechaumont zu halten, alles Andere mußte an die Straße zurück. Während sich dies ereignete, war auch mein Häuflein nochmals in's Feuer gekommen. Als wir die paar Mann geordnet hatten, ritt Oberlieutenant Weinig zu uns. „Könnten Sie nicht noch einmal vorgehen?" — „Unmöglich!" entgegnete ich. — „ProbirenSie es dennoch. Es soll Ihnen nicht vergessen werden. Es ist kein Befehl, es ist eine Bitte." Da commandirten wir wieder „Vorwärts" und überschritten die Straße. Langausgestreckt lagen Major Endreß Hauptmann Römer und andere Bekannte unter einer Menge Todter. Wir hatten nicht Zeit, sie anzusehen, wir eilten den Hang hinauf. Es war dunkel geworden. Andere hatten sich angeschlossen und nun erreichte ich mit den Lieutenants Schollwöck und Karl Mühlbaur einen Weinberg, der leider dem heftigsten Feuer ausgesetzt war. Wir konnten nur erkennen, daß es nicht vorwärts ging. Das Aufblitzen der großen und kleinen Rohre deutete die Linien an. Es war eine ernste, ernste Nachtübung. „Wir sind zu weit vorgekommen", meinte Lieutenant Schollwöck. — „Ach, ich bin getroffen", rief Lieutenant Mühlbaur. — „Wohin?" frugen wir, was nicht gerade genial war, aber das gleiche Schicksal stand uns jede Minute bevor. „In den Kopf", wimmerte er leise, dann war diese Menschenstimme für ewig verstummt. Das war nun der zweite Mühlbaur, der an meiner Seite fiel. Drei Söhne hatte aber der vor Paris stehende Vater im Dienste seines Königs verloren. Plötzlich ließ das Feuer nach. Die Franzosen rückten nicht mehr vor. Sicher waren am linken Flügel die Mecklenburger eingetroffen. So war die bayerische Stellung gerettet und kein Feind war mehr über die Straße gekommen. General v. d. Tann wünschte, daß die Orte Le Möe und Villechaumont gewissermaßen als Siegeszeichen noch besetzt würden. Nach Le Möe ging Oberstlieutenant von Lichtenstern mit einer combinirten Abtheilung der 3. Brigade, nach Villechaumont hatte Oberst Uenburg eine Patrouille der Dreizehner entsendet, und als es unbesetzt befunden war, hatten wir Zehner dahin abzurücken. 3n der Dunkelheit mühselig geordnet kamen wir auf der Höhe an. „Suche doch den Richard Nehlingen! Er muß vor dem Dorfe liegen!" rief mir Lieutenant v. Baldinger zu. Als dies erledigt, betrat ich daS Quartier — einen großen Bauernhof, der daS ganze Bataillon aufgenommen hatte. Wir Offiziere — es waren nicht viele — richteten uns in der großen Stube ein. Milch und saure Gurken — war alles, was die Franzosen übrig gelassen. I« großen Himmelbett mit blauen Vorhängen durften die beiden ältesten Offiziere des Bataillons von den Mühen des Tages ausruhen, also Oberlieutenant Daser und ich. Sehr viele Bataillone wurden an den folgenden Tagen von Ober-, ja Unterlieutenants vor den Feind geführt. Ehe man die Ruhestätte aufsuchte, schmiedete man die Gefechtsrelation auf einem Bogen Papier zusammen, und ich hatte heute eine lange Liste für Auszeichnungen beizulegen. Bald erlebte ich die Freude, daß die von mir Vorgeschlagenen geschmückt erschienen — mich hatte man vergessen, doch daS geht eben so im Kriege, und trotzdem bildete der 8. Dezember den stolzesten Tag in meinem (Fortsetzung folgt.) -—-8WW8'»«—-- Aus der TodLenliste 1895. I. Fürstliche Persönlichkeiten: Januar: 31. Prinz Wolfgang von Bayern, jüngster Sohn des Prinzen Ludwig von Bayern, in München. — Februar: 14. Fürstin Hedwig de Ligne, geb. Prinzessin Lubomirska, Wittwe des ehem. belgischen Gesandten in Paris, daselbst; 18. Erzherzog Albrecht von Oesterreich, Feldmarschall und Generalinspcctor der österr. - ungar. Armee, preuß. und russ. Gencralfeldmarschall, Sieger von Custozza, in Arco. — März: 1. Fürst Richard Metternich, ehem. österr. Botschafter in Paris, ältester Sohn des Ministers der Reaktionszeit, in Wien; 2. Großfürst Alex. Michailowitsch, Sohn des Großfürsten Michael und Enkel des Zaren Nikolaus I., in Sän Nemo; Ismail Pascha, der frühere Khedive von Aegypten, in Konstantinopel; 20. Fürst Woldcmar zu Lippe-Detmold, in Detmold. — April: 22. Jcs. Fürst Colloredo-Manns- feld, erbliches Mitglied des österr. Herrenhauses, wirk!. Geheimrath, ehem. Landmarschall von Niederösterreich, in Wien. — Mai: 9. Erbprinz Franz v. Oettiugen-Spiel» berg, in München. — Juli: 28. Marie Prinzessin von Anhalt, geb. Prinzessin von Hessen-Kassel, Mutter der Großherzogin von Luxemburg und Schwester der Königin von Dänemark, auf Schloß Hohenburg (bei Tölz). — August: 9. Prinz Edmund Radziwill, Benedikttnerpater und päpstlicher Hausprälat, früh. NeichstagSabg. (Centr.), im Kloster Beuron; 17. Prinzessin Viktoria Johanna von Thurn und Taxis, Wittwe des Prinzen Egon von Taxis, auf Schloß Baltavar (Ungarn); 28. Erbgroß- herzogin Elisabeth Anna von Oldenburg, Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, auf Schloß Adolfseck (bei Fulda). - September: 7. Erzherzog Ladislaus von Oesterreich, Sohn des Erzherzogs Joseph, in Budapest, in Folge einer auf der Jagd in Kis-Jenö erhaltenen Wunde. — Dezember: 7. Prinz von Thurn und Taxis, der zweite und jüngste Sohn des Fürsten Albert von Taxis, in Negensburg. II. Geistliche Würdenträger: Januar: 2. Cölestin Brader, Abt des Cisterzienser- stists Stams im Oberinnthal, langjähr. NeichsrathSabg., in Stams; 21. Julien Florien Desprez, Cardinal und Erzbischof von Toulouse, das.; 24. Monsignor Carini, 23 1. Präfect der Vaticanischen Bibliothek, in Nom. —- Februar: 16. Anton Abt, Domkapitular und geistlicher Rath in Limburg, unter dem Pseudonym Wnlther v. Müunich als Schriftsteller bekannt, in Limburg. — März: 11. Domdecau Gg. v. Freund in Passau, das.; 12. Dompropst Andr. Lauscher in Speyer, daselbst. — April: 10. Joh. Gg. Schopper, Bischof in Nosenau, in Budapest. — Mai: 29. Cardinal Fürst Ruffo-Scilla, der frühere Nuntius in München, in Rom. — Juni: 22. Amilcare Malagola, Cardinal und Erzbischof von Fermo, daselbst; 23. Lagranges, Bischof von Chartres, Dupanloup's Schüler, in Chartres. — Juli: 1. Consi- storialrath Schrader, ehem. Hofprediger in Berlin, das. — August: 7. Kirchenrath Lyncker, Dekan iu Speyer, Hanptförderer des Baues der Protestationskirche in Speyer, daselbst. — November: 1. Benito Sanz y Forez, Erzbischof von Sevilla und Cardinal, in Sevilla; 19. Cardinal Lucieu Bonaparte, in Rom; 28. Fürstabt Basilius, in Einsiedeln. — Dezember: 7. Cardinal Jgnacio Perstco, in Nom; 15. Cardinal Paul Mclchers, früher Erzbischof von Köln, in Nom. III. Militärs: Januar: 5. Marschall M. Pavia, Generalkapitän der spanischen Armee, einer der bedeutendsten Generale Spaniens, besonders bekannt durch den 1874 gegen den Präsidenten der Republik Castelar ausgeführten Staatsstreich, der den Anlaß zur Wiederherstellung der Monarchie gab, in Madrid; 23. Alb. v. Grimm, bayer. General- audiieur a. D., hochangesehener Militärbeamter, in München; 25. Karl v. Muralt, österreich. Generalmajor a. D., der älteste General der österr.-ungar. Armee, in Wien; 28. Frankois de Canrobert, Marschall von Frankreich, der sich im Krimkrieg und im österr.-italienischen Feldzuge 1859 ausgezeichnet, in Paris; 31. Karl v. Orsf, bayer. General der Infanterie z. D., Inhaber des 17. Jnf.-Regts., früher Commandeur des II. Armeecorps, in Wnrzburg. — Februar: 26. Ritter v. Heinleth, bayer. General der Jnf. z. D., früher Kriegsminister, in München; 28. Leopold Frhr. v. Los, preutz. General der Jnf. z. D. und Generaladjutant Kaiser Wilhelms I., auf Haus Morsbroich (b. Schlebusch); März: 13. General Horpatovitch, früh. serbischer Kriegsminister, in Belgrad; 17. Sefer Pascha (Graf Ladislaus Koszielski), türkischer Divisionsgeneral, auf Schloß Pertlstein (Steiermark). — April: 2. Admiral Lord Alcester (Lord Frederic Bcau- champ Seymour), Leiter des Bombardements von Alexandria, in London; 6. Baron Leo v. d. Osten-Sackcn, preuß. Generallteutenant, bis 1875 Commandant von Stettin, in Dresden. — Mai: 7. Generaloberst v. Pape, früher Commandeur des Gardecorps und in den Marken, in Berlin. — Juni: 17. Baron Bandersmissen, belg. General, einer der hervorragendsten belg. Truppenführer, in Brüssel; Julius Bog!, österr. Feldmarschalllteutenant und Präsident des technischen Militärcomiiös, in Wien; 28. Max Limbach, bayer. Generallieutenant a. D., früher Commandant von Jngolstadt und Germersheim, in München. — Juli: 18. Max Graf O'Donnell, österr. Generalmajor a. D., einst Generaladjutant Kaiser Franz Joseph's, in Salzburg. — August: 26. Heinrich Frhr. v. Pittel, österr. Feldmarschalllieutenant a. D., der sich bei der Niederwerfung des Aufstandes in Süddalmatien und bei der Occupation Bosniens ausgezeichnet, in Weißenbach; 28. v. Osten, württemb. Generallieutenant z. D., früher Commandeur der 27. (württ.) Division, in Berlin. — Oktober: 24. v. Bülow, dänischer General, im Jahre 1864 Oberst und Vertheidiger von Düppel, in Kopenhagen. — November: 13. Heinrich v. Wirth- mann, bayer. General der Jnf. z. D., von 1884—91 Commandant von München, daselbst. — Dezember: 26. v. Meerscheidt-Hüllesew, General der Jnf., früher Commandeur des Gardccorps, in Berlin. IV. Diplomaten, Parlamentarier, Beamte: Januar: 1. Präsident v. Rüdiger, Ministerialdirektor des Innern, in Stuttgart; 6. Eduard Müller, geistl. Rath, lange Jahre Missionsvicar und Gymnastal-Religions- lehrer in Berlin, von 1871—93 Neichstagsabg. (Centr.), in Neiße; 17. I)r. Kutschers, Mitglied des böhmischen Landesausschnsscs, langjähriger Führer der Jungzchechen, in Prag; 19. Friedr. Bötticher, geh. Negierungsraih, Oberbürgermeister von Magdeburg un5 2. Vicepräsident des preuß. Herrenhauses, in Berlin; 24. Lord Nandolph Churchill, bedeutender engl. Staatsmann, früher Staatssekretär für Indien, Schatzkanzler und Führer des Unterhauses, heftiger Gegner der Homerule-Bill Gladstone's, in London; 26. Nikolai Karlowitsch v. Giers, russ. Minister des Aeußern seit 1682, seit 1875 Gehilfe des Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff, in St. Petersburg; 28. Graf Donville Maillefeu, franz. radikaler Deputirter, in Paris; Gutsbesitzer Ferd. Kersting, früh. Reichstags- und preuß. Landtagsabg. (Centr.), in Bölkenförde (bet Lippstadt); 31. Karl Schnorr v. Carolsfeld, Geueral- director der bayer. Staaiseisenbahnen, in München. — Februar: 1. Max Graf v. Holnstein aus Bayern, langjähriger königl. bayerischer Oberststallmeistcr, köntgl. Kämmerer, erbl. Neichsrath, Generalmajor L 1a snits der Armee, auf Schloß Schwarzenfeld (Oberpf.); 2. Georg Graf v. Werihern-Beichlingcn, wirk!. Geheimrath, bis 1888 preuß. Gesandter in München, vorher in Athen, Konstantinopel und Madrid, auf Schloß Weichlingen; 12. Ludwig Heine, Appellationsrath a. D., einer der ältesten bayerischen Staatsdiener, in Nürnberg; Julius Hans v. Thümmel, kgl. sächsischer Finanzminister und Vorsitzender des GesammtministeriumS, in Dresden; 18. Barthe! Haaueu, Kaufmann in Köln, früh. Reichstags- und preutz. Landtagsabg. (Centr.), in Köln; 25. Or. Rud. Schleiden, bekannter Politiker und Schriftsteller, 1846 Vertreter der provisorischen Regierung von Schleswig-Holstein in Berlin, später Ministerresident der Hansastädte in Washington und London, von 1867—73 Neichstagsabg., in Freiburg i. Br. — März: 5. v. Neumayr, bayer. Staatsrath im ao. Dienste, früher Präsident des Obersten Laudesgerichts, in München; 9. Dr. Stübel, langjähriger Oberbürgermeister von Dresden, Mitglied der sächs. 1. Kammer und ehem. Neichstagsabg., in Dresden; 17. Frhr. v. Schorlemer- Alst, Mitglied des preuß. StaatSraths und Herrenhauses, früh. Reichstags- und Landtagsabg., einer der bedeutendsten Führer dcS Centrums, in Münster i. W.; Pfarrer Ad. Haus, Reichstags- und bayer. Landtagsabg. (Centr.), in Wörth a. M.; 18. v. Schalscha, von 1877—93 Reichstags- und preuß. Landtagsabg. (Centr.), in Berlin; 20. Baron v. Ungern-Sternberg, wirk!. Geheimrath, Chef des geh. Cabinets deS Großherzogs von Baden, in Karlsruhe; 23. Panse, früh. Neichstagsabg. (freist), in Halle a. S.; 24. vr. Ludwig v. Müller, bayer. Cultusminister und Staatsrath im o. Dienste, in München. — April: 9. Karl v. Heim, früh. Oberbürgermeister von Ulm und Neichstagsabg. (Neichspartei), in Ulm; 13. Emi! Beruh. Jacobi, Senatspräsident am Oberverwaltungsgericht in Berlin, einer der Herausgeber der Entscheidungen dieses Gerichtshofes, in Berlin; 24. Graf Tauff- kirchen, außerord. bayer. Gesandter und bevollmächtigter Minister in Stuttgart, daselbst. — Mai: 1. Hofrath Th. Mürcker, Bürgermeister von Zweibrücken und langjähriger bayer. Landtagsabg., in Zweibrücken; 28. Peter Hauptmann, Verleger der „Deutschen Reichsztg." und preuß. Landtagsabg. (Centr.), in Bonn; 29. Commercien- rath Nosenberger, ehem. Reichstags- und bayer. Landtagsabg. (Centr.), in Passau; 31. Frhr. v. Linden, württ. Minister deS Innern a. D., Mitglied der Kammer der Standesherren, in Stuttgart. — Juni: 2. vr. Heinr. v. Friedberg, früh. preuß. Justizminister, in Berlin; 4. Sigmund Schott, Justtzprocurator tu Stuttgart, früh. Reichstags- und württ. Landtagsabg. (Dem.), in Stuttgart; 6. Beruh. Frhr. v. Richthofen, Polizeipräsident von Berlin, in Bonn; 10. Graf Luigi Ferrari, ital. radtraler Abg., früh. UnterstaatSfckretär im Ministerium Giolitti, in Folge Attentats, in Nimtni; Kaspar v. Ruppert, Nechtsrath a. D., früh. Reichstags- und bayer. Landtagsabgeordneter (Centr.), in München; 13. Zorrilla, Führer der span. Republikaner, früher verschiedentlich Minister, Präsident der Cortes, Ministerpräsident, wegen Theilnahme an einer Militärrevolte in aontuMULiam zum Tode verurtheilt, in BurgoS; 15. Conrad, Reichstags- und preuß. Landtagsabg. (Centr.), in Buchwald. — Juli: 1. Emil Frhr. v. Richthofen, früh. Gesandter in Stockholm, Hamburg und Mexico, Verfasser eines bedeutsamen Werkes über Mexico, in Baden-Baden; 6. Otto v. Koenen, wirk!, geh. preuß. Obcrregierungs- rath und Präsident des kaiserl. Patentamts, in Berlin; 16. Dr. Aug. Neichensperger, Appell.-Nath a. D., langjähriges hervorragendes Mitglied des Reichstags und preuß. Landtags (Centr.), Mitbegründer des Kölner Dombauvereins, Verfasser zahlreicher Schriften auf dem Gebiete der Kunst, in Köln; 18. Or. Karl Schenk, hervorragender schweiz. Staatsmann, seit 1863 Mitglied des Bundesraths und 6 Mal Bundespräsideut, Leiter der Abtheilung des Innern, in Bern; Stephan Stam- buloff, der bedeutendste Staatsmann Bulgariens, zuerst Kammerpräsident, dann nach der Abdankung des Fürsten Alexander Mitglied der Regentschaft und später 7 Jahre lang Ministerpräsident, in Sofia, in Folge eines Attentats. — August: 7. Graf Chamara, früh. Neichstags- abg. (Centr.), in Salzburg; 19. Dr. Ed. Graf, geh. Sanitätsrath in Elberfeld, 2. Vicepräsident des preuß. Landtags, langjähr. Präsident des Deutschen Acrztevereins, in Konstanz. — September: 3. Friedr. Kiefer, Land- gerichtspräsident in Freiburg i. B., langjähr. Neichstags- und bad. Landtagsabg., Führer der Nationalliberalen Badens, in Freiburg i. B.; 4. Karl v. Wallmenich, Oberlandesger.-Präsident a. D. in Bamberg, daselbst; 26. Dr. Oechsner, pens. Oberbürgermeister von Mainz, ehem. Reichstags- und Hess. Landtagsabg. — Oktober: 22. Nuggiero Bonghi, hervorragender italienischer Gelehrter, Schriftsteller und Politiker, früherer Unterrichtsmtnister, in Torre del Grcco. — November: 20. Rustem Pascha, seit 1885 türk. Botschafter in London, früher in Rom und St. Petersburg, in London; 21. Dr. I. Wernz, ehem. Senatspräsident am Reichsgericht, in Heidelberg; 24. Barthelemy-Satnt-Hilaire, bedeutender franz. Gelehrter und Staatsmann, Senator und ehem. Minister des Aenßern, in Paris; 25. Dr. Busch, wirkl. prenß. Ee- heimrath, deutscher Gesandter in Bern, das.; 26. Graf Laaffe, früh. langjähr. österr. Ministerpräsident, in Ellischau (Mähren). — Dezember: 1. Oberreichsauwalt Tessendorf, in Leipzig; 4. Magistratsrath Biehl, ehem. langjühr. Reichstags- und bayer. Landtagsabg. (Centr.), Führer der Handwerkerbewegung, in München; 5. Challe- mel-Lacour, Präsident des franz. Senats, früher Botschafter in London, in Paris; 8. Ostermann, ehem. bayer. Landtagsabg. (Centr.), in Freising; 22. Ritter und Edler v. Lößl, Rath am Obersten Landesgericht, in München. V. Dichter, Schriftsteller, Journalisten: April: 30. Gustav Freytag, einer der bedeutendsten Romandichter und Dramatiker, in Wiesbaden. — Juni: 1. L. Lawpson, engl. Dichter, besonders bekannt geworden durch seine „I^onäon Lz-rio3", in London. — Juli: 5. Or. jur. Herm. Eberhard, langjähr. Chefredakteur des „Frank. Kur.", in Nürnberg; 21. Hcktor Pessard, Theaterkritiker deS „Ganlois" und früherer Director des Preßbureau's im franz. Ministerium des Innern, geschätzter Piiblicist, in Paris. — Oktober: 31. Franz Hedrich, dessen Enthüllungen über seine Mitarbeiterschaft an Alfred Meißner's Romanen s. Z. sehr großes Aufsehen erregten, in Edinburgh. — November: 1. Ferd. Schifkorn, geschätzter österr. Romanschriftsteller, in Graz; 27. Alex. Dumas der Jüngere, Romancier, in Marly (bei Paris). ALAKVkST- Ein Zukunftsbild. Schauplatz: Eine Schul- stube anno 1900. Lehrer szn einem neu angemeldeten Schülers: „Hans, hast Du einen Impfschein für Pocken?" — «Ja, Herr Lehrer!" — „Bist Du gegen Croup inokulirt?" — Ja, Herr Lehrer!" — „Bist Du mit Cholerabacillus geimpft?" — „Ja, Herr Lehrer!" — „Hast Du eine schriftliche Garantie, daß Du gegen Keuchhusten, Masern und Scharlach immnnisirt bist?" — «Ja, Herr Lehrer!" — „Hast Du Dein eigenes Trinkgefäß?" — „Ja, Herr Lehrer!" — „Gelobst Du, keine Schwämme mit Deinem Nachbar auszutauschen und niemals einen anderen Griffel zu benutzen als Deinen eigenen?" — „Ja, Herr Lehrer!" — „Bist Du damit einverstanden, daß wöchentlich einmal Deine Bücher mit Schwefel ausgeräuchert und Deine Kleider mit Chlorkalk besprengt werden?" — „Ja, Herr Lehrer!" — „Hans, Du besitzest Alles, was die moderne Hygiene verlangt. Jetzt kannst Du über jenen Draht steigen, einen isolirten Alumininmsitz einnehmen und anfangen. Deine Nechenexempel zn machen." Für die Nachwelt. Lieutenant: Donnerwetter, mir ist so thatendurstig zn Muthe, ich muß etwas Großes vollbringen-Photographiren werde ich mich lassen. Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 2: Weiß. 1. D. Lo-VZ-j- 2. T. 68-67-i- 3. T. 07-I17j- und Matt. L. 1. 2. D. VZ-tM-i- 3. D. W-66-i- Matt. Schwarz. S. L6-V8 : K. L7-V6 K. §7-§7 K. §7-6? (M