011. Areitag, den 7. Februar 1896. Kür die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag deS Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbefitzer vr, Max Huttler). Die Astrotogen. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Max Benno. (Fortsetzung.) Kaum waren einige Secunden vergangen, da kam der Page schon wieder. „Die Herren geben keine Ruhe", meldete er; „sie behaupten, eS sei die höchste Gefahr im Verzug." Gleichzeitig drang durch die halb offen gebliebene Thüre ein verworrenes Stimmengesumm in das astrologische Zimmer herein. „Gustav Adolf", „die Schweden", unterschied man deutlich zwischen andern unverständlichen Worten. Wallenstein hob betroffen das Haupt. Er legte das Papier weg und trat einen Schritt vor. „So sollen sie kommen", befahl er. Der Page verschwand, und drei Offiziere, von denen zwei der Piccolominischen Abtheilung und einer dem Terzky'schen Corps angehörten, traten herein. Ihre erhitzten Wangen und die bestaubten Kleider thaten kund, daß sie einen scharfen Ritt gemacht hatten. „Hoheit", nahm einer derselben das Wort, „die Schweden ziehen in hellen Haufen an der Saale herauf. Ihre Vorhut hat Nanmburg schon heute Mittag passirt und dürfte jetzt in WeißenfelS sein. Bis morgen früh steht Gustav Adolf vor uns!" Wallenstein erschien über diese Nachricht im ersten Moment ernstlich verblüfft, sofort aber kehrte seine Fassung zurück. Er stand im Begriff, den Offizieren Befehle zu geben, da wandte sich Seni, der längere Zeit aufmerksam durch ein Fernrohr geschaut hatte, in augenfälliger Hast an ihn. „Der Stern, Herr, der Stern", jubelte er und drängte den Herzog an'S Fenster, „er ist wieder da und strahlt wie gestern in majestätischer Pracht l" Wallenstein bewaffnete sein Auge mit einem Instrument und blickte in fieberhafter Spannung zum Himmel hinauf. Nach einer Weile drehte er sich um, und ein tiefer Athemzug rang sich aus seiner Brust. Das sonst immer so ernste Antlitz strahlte, wie von einem überirdischen Entzücken verklärt. „Ja, es ist der Stern, «ein Stern!" rief er begeistert. „Die himmlischen Mächte selbst haben mir dieses Zeichen gesandt, nun bin ich gefeit! Mag der Schwede kommen, er rennt in sein Verderben l" Schnell traf der Herzog nun die umfassendsten Anstalten, um zum Empfang des heranziehenden Feindes gerüstet zu fein. Courriere, Staffelten und Leibjäger flogen mit dem Befehl, sich bei Lützen zu sammeln, nach allen Richtungen zu den Commandanten der verschiedenen Abtheilungen fort. Pappenheim, der sich auf dem Wege nach Westfalen befand, um daselbst die Winterquartiere zu beziehen, wurde durch den Obsrfeldherrn schriftlich von dem unerwarteten Zwischenfall in Kenntniß gesetzt und aufgefordert, sofort umzukehren und mit seiner ganzen Mannschaft zum Hauptheer zu stoßen. Mit der Ueberbring- ung dieser wichtigen Botschaft wurde der Wachtmeister Donald betraut. „Schont Euch und Euern Gaul nicht", schärfte Wallenstein diesem ein, „damit Pappenheim, den Ihr in Halle einholen werdet, noch rechtzeitg zu dem bevorstehenden Kampfe erscheint. Ich mache Euch mit Euerm Kopfe verantwortlich dafür!" Donald nahm den Brief in Empfang und machte sich auf den Weg. Er sprengte mit verhängtem Zügel zum Thore hinaus. Bald jedoch ließ er sein Pferd im Trab gehen, und nach einer Weile ritt er bloß noch im Schritt. Ohne Rücksicht auf die Dringlichkeit des ihm ertheilten Auftrags hing er seinen Gedanken nach und fand wachsendes Wohlgefallen an den verführerischen Bildern, welche seine Phantasie ihm so verlockend vorgaukelte. Die kurz vorher mit Leferrier gepflogene Unterhaltung und alles, was sich daran knüpfte, stellte sich lebhaft vor ihn. „Wenn sich dir eine Gelegenheit zum selbst- ständigen Handeln darbietet, dann greife zu", hatte der Franzose gesagt — hielt er diese Gelegenheit nicht in der Hand? Eine große Schlacht stand bevor. Wallenstein, der, mit den Bayern und der Pappenheim'schen Abtheilung verstärkt, den Schwedenkönig nicht anzugreifen gewagt hatte, konnte nach dem Wegzug dieser Truppen noch viel weniger auf einen Erfolg hoffen, der seinen Wünschen entsprach. Wie, wenn Pappenheim zu spät kam und der Herzog eine tüchtige Schlappe erlitt? Dann war ja Nichelieu's Absicht erreicht. In Donald'S Hand lag das Mittel dazu! Er brauchte nur den erhaltenen Auftrag nicht zu besorgen, und er hatte den Preis seiner geheimen Verbindung mit dem Agenten verdient! Aber was dann? Der Gedanke an die möglichen Folgen und seine eigene furchtbare Verantwortlichkeit ängstigte ihn doch. Er war aber schon zu weit gegangen; sollte er jetzt noch zurück s Dieser eine Schachzug brachte ihn vielleicht an das Ziel, während anderseits ein Zufall sein Treiben an's Tageslicht bringen konnte und er dann mit einem Schlag alles verlor! — Unschlüssig schaute er zu dem gestirnten Himmel hinauf, als erwarte auch er eine Auskunft von dort. Dann zog er den Brief aus dem Koller und betrachtete ihn. Es war ein unschein- bares Stück Papier, und doch hing so viel davon ab. Ein plötzlich daherbrausender Windstoß riß es ihm aus der Hand. Bestürzt griff Donald danach, aber er kam zu spät. Doch vernahm sein scharfes Ohr den knisternden Ton, mit dem es im Grase auffiel. Er stieg vorn Pferde und suchte das Verlorene. Der Vollmondschein begünstigte ihn. Dabei sprach er halblaut vor sich hin, und ein spöttisches Lächeln spielte um seinen Mund. „Der Herzog thut nichts ohne die Winke einer höhern Macht; ich will mein Glück auch versuchen. Der Zufall mag entscheiden, was ich thun soll. Liegt die Adresse nach oben, so wird das Schreiben bestellt, im umgekehrten Fall aber kämpft Pnppenheim schwerlich in der morgigen Schlacht." Am Straßeurain schimmerte das weiße Papier. Er oückte sich und sah, wie der Brief mit der Kopfseite aufrecht zwischen schmalblättrigen Wallgräsern lag. Verblüfft hob er ihn auf. „Da haben wir's", brummte er; „selbst auf den Zufall hat, wie es scheint, ein armer Teufel kein Recht. Nun bin ich so klug wie zuvor! Doch", fügte er nach einigem Besinnen hinzu, „ich vergesse, daß es auch einen Mittelweg gibt, der bei geringerer Gefahr ebenfalls die Erreichung des Zieles verspricht." Er schwang sich wieder in den Sattel und ritt im gemüthlichsten Tempo davon. In Merseburg sah er in einem Gasthause noch Licht. Ohne Bedenken stieg er vom Pferde, trank in Ruhe eine Kanne Wein und setzte erst dann den Weg wieder fort. Der Morgen graute, als er in Halle vor dem Hause ankam, in welchem, wie er von dem Thorwart erfuhr, der General Pappeuheim sich einquartiert hatte. Er gab den Brief ab und machte sofort die Wahrnehmung, daß dessen Inhalt in der friedlichen Stadt ungefähr die gleiche Wirkung hervorbrachte, wie der zündende Funke, wenn er in ein Pulverfaß füllt. Die vorher stillen Straßen wurden plötzlich belebt. Trommeln wirbelten, Trompetensignale schmetterten und das Pflaster erdröhnte von dem Hufschlag der galoppirenden Pferde. Donald hatte sich nach Ablieferung des Schreibens in eine Schenke begeben und schaute von da in keineswegs behaglicher Stimmung zum Fenster hinaus. Es war ihm bei der Sache doch nicht ganz wohl. Da erfuhr er, daß von einem großen Theil der Offiziere, welche an die Möglichkeit eines nochmaligen ernstlichen Zusammenstoßes mit dem Feinde nicht gedacht hatten, ein Ausflug nach Landsberg gemacht worden sei. Erleichtert athmete er auf. Dieser Zufall war geeignet, seinem Schurkenstreich als Deckung zu dienen, wenn man ihn je wegen des verspäteten Eintreffens der zu Hilfe gerufenen Truppen zur Verantwortung zog. Pappeuheim, der die Größe der Gefahr, in welcher Wallenstein dem kühnen Schwedenkönig gegenüber schwebte, nur zu gut begriff, wartete die Rückkehr der abwesenden Offiziere nicht ab. Er gab den Befehl, daß daS Fußvolk so schnell als möglich nachkommen solle, und jagte Mit seinen Reitern auf dem Wege nach Lützen davon. Dem Nachtrab schloß sich der Wachtmeister an, der trotz seiner Keckheit der vollendeten Thatsache gegenüber bezüglich seines fernern Verhaltens in nicht geringer Verlegenheit war. Er beschloß in erster Linie, ein Zusammentreffen mit dem Oberfeldherrn zu vermeiden und sich so schnell als möglich jenes Hinterhaltes zu versichern, der ihm durch Leferrier bei einer drohenden Gefahr in Aussicht gestellt worden war. In der Nähe von Merseburg vernahm man schon deutlich den Donner der weiter südwärts tobenden Schlacht. Es dauerte nicht mehr lange, da kamen den Pappenheimern versprengte Theile des friedländischen Heeres entgegen. Sie befanden sich in wilder Flucht. „Alles sei verloren", berichteten sie, „der Schwedenkönig habe gesiegt." Pappeuheim verlor den Muth nicht. Er zwang die Feiglinge zur Umkehr und stürmte mit seinen Getreuen nur noch ungestümer gegen den Feind. Der Abend brach herein, als er endlich auf dem Schlachtfelds ankam. Es war die höchste Zeit. Die Herzoglichen hielten fast nirgends «ehr Stand. Eine allgemeine Panik hatte um sich gegriffen — da brausten die Pappenheimer wie der Sturmwind heran. Sie warfen die siegestrunkenen Schweden zurück und verliehen auf's neue den Verzagenden Muth. Wild tobte die Schlacht. Hin und her schwankte der Sieg — bis endlich das hereinbrechende Dunkel die Ringenden schied. Donald hatte beim ersten Anprall einen Streifschuß bekommen. Er zog sich hinter die Gefcchtslinie zurück, wo er im Pulver dampf und dem aufsteigenden Nebel verschwand. Der blutige Kampf war vorüber. Die Schweden behaupteten die Wahlstatt, Wallenstein zog sich nach Leipzig zurück. Tausende und Abertausende hatten die zweifelhaften Lorbeeren des heißen Tages mit dem Leben bezahlt. Ueberdieß war hüben und drüben durch den Fall hervorragender Männer eine Lücke gerissen worden, die sich nicht mehr ausfüllen ließ. General Pappenheim, dem Wallenstein die Rettung aus der schweren Bedrängnis; verdankte, fand im wildesten Handgemenge an der Spitze seiner Reiter den Tod. Mit ihm ging der tapferste Offizier, der ehrlichste und gewissenhafteste Streiter für Glauben und Ueberzeugung im kaiserlichen Heere dahin! Durch einen noch härteren Verlust sahen die Schweden sich in Trauer und Schrecken versetzt. Das Schicksal hatte Gustav Adolph, ihren König und Feldherrn, mitten in seiner Siegeslaufbahn ereilt! DaS Donnern der Kanonen auf dem Lützener Schlachtfelde wurde zum Grabgeläute für ihn und seine hochfligenden Pläne, deren Verwirklichung ihm nach den großartigen Erfolgen bereits in verheißungsvoller Nähe vorgeschwebt hatte. Der Herzog von Friedland beschloß, um seine zerstreuten Regimenter zu sammeln, eine Zeit lang in Leipzig zu bleiben. Für die Winterquartiere hatte er Böhmen bestimmt. In Folge dessen war die ganze Stadt mit Soldaten gefüllt. Hoch und Nieder war in mehr als unangenehmer Weise mit den unruhigen Gästen bedacht. In einem kleinen Zimmer des Capuziuerklosters saßen zwei verwundete Offiziere bei einer Flasche Wein, die der ihnen befreundete Bruder Kellermeister über die gewöhnliche Nation aus der unter strenger Clausur gehaltenen Separat-Abtheilung des gestrengen Herrn Abtes herbeigebracht hatte: Hauptmann Leßlie und Georg Sel- kow. Der Erstere trug eine Binde um den Kopf und Georg den Arm in der Schlinge. Im Uebrigen nahm man an den Beiden keine auffallende Veränderung wahr. Leßlie blickte noch eben so ernst und finster wie früher um sich, und dos Antlitz des Leibjägers war stark gebräunt, hatte aber an seiner Frische und Offenheit nichts eingebüßt. Nachdem dem köstlichen Nektar sein Recht angethan war, nahm der Hauptmann das Wort. „Also morgen geht's los! Wahrlich ein lustiges Schauspiel für unsere Officiere, von denen keiner auch nur einen Tag sicher ist, ob es ihm nicht ebenso geht!" „Wie, morgen schon?" fragte Georg, und seine heitere Miene wurde sofort durch einen düstern Schatten verdrängt. „Ja, morgen", bejahte Leßlie, „so hat der unversöhnliche Zorn des Herzogs bestimmt. Oberstlieutenant von Hagen und von Hofkirchen, die Hauptleute von Burg und Kleeblatt, der Kapitän-Lieutenant Graf von Gandendom, der Rittmeister von Wornstein, die Lieutenants Walden- burg und Tortel, sowie der Cornet Kaschering werden enthauptet und etwa hundert gemeine Soldaten gehenkt. Mit den Namen der entwichenen Offiziere wird der Galgen verziert. ES ist unerhört, aber ebenso unwiderruflich beschlossen; denn der Herzog nimmt bekanntlich sein Wort niemals zurück. Ich bin jedoch fest überzeugt, daß die grausame Maßregel ihm mehr schaden wird, als die verlorene Schlacht. Es befinden sich zahlreiche Verwandte und Freunde der Verurtheilten im Heer, welche dadurch tödtlich verletzt werden. Zudem weiß Jedermann, daß die nicht geflohenen Offiziere an dem Mißerfolg bei Lätzen unschuldig sind. Wer vermöchte auch bei dem theilweise aus der Hefe des Volkes zusammengewürfelten Heere die Massen in Ordnung zu halten, wenn einmal der Schrecken sie ergreift. Das persönliche Interesse und die Furcht vor dem Stock des Profoßen reichen nicht hin, um tüchtige Soldaten zu schaffen; allein dem Stolze des Herzogs wurde eine tiefe Wunde geschlagen, das ist ein Verbrechen, welches natürlich nicht streng genug bestraft werden kann. Wallenstein ist sich recht gut bewußt, daß er eine schwere Niederlage erlitt, wenn er es auch nicht gesteht. Nur der Erschöpfung der Schweden hat er eS zu danken, daß das Mißgeschick nicht einen noch größer» Umfang bekam. In seiner Wuth darüber läßt er nun die armen Offiziere dafür entgelten, ganz einerlei, ob er Schuldige oder Unschuldige trifft. Er zeigt sich auch in diesem Fall wie immer: kaltherzig, grausam, ohne Erbarmen!" Georg hatte, während der Gefährte sprach, sich erhoben und war an'S Fenster getreten. Er war durch das harte Urtheil Leßlie's über den Oberfeldherrn sichtlich verletzt. „Ihr seid unverbesserlich", rügte er, als jener schwieg, „und ungerecht. Gerade Ihr habt am wenigsten Ursache, den Herzog grausam zu nennen! Denkt an jene schwere Stunde in Großmeseritsch!" (Fortsetzung folgt.) -- Ein noch wenig bekanntes Holbein-Vild.*) L?r 3n dem Häuserverzeichniffe der Stadt Augsburg vom Jahre 1801 sind die Häuser L 7—9 unter der Bezeichnung „Kaysersheimer Hof" eingetragen. Dieser Häufer- Complex, in welchem sich jetzt die Eisenhaudlung des Hrn. *) Skizze aus einem Vertrag deS Herrn Stadtvfarrcrs Fricsencggcr im kathcl. kaufmännischen Verein „Lätitia" in Augsburg. Stumpf (vormals Gastcigrr) befindet, war damals im Besitz des berühmten Klosters Kaisheim, nach dessen Säkularisation er in den Besitz der Bnchhändlersamtlie Wolfs und später in Cotta'sches Eigenthum zum Betrieb der „Allgemeinen Zeitung" überging. In den Chroniken Kais- hcims wird schon sehr frühe dieses „Kastenhanses" gedacht. Im Jahre 1488 baute Abt Georg das Haus von Grund aus wieder neu auf und verschönerte die St. Elisabethen-Kapelle, welche noch steht. Bei dieser Gelegenheit wohl ward auch der herrliche Flügelaltar erbaut, der bei der Uebersiedelung der „Allgemeinen Zeitung" nach München vom Bildhauer Gedon an ein Kölner Museum verkauft worden sein soll. Die Altarflügel waren schon vorher entfernt und durch Sägschnitt in 4 Theile: zwei Werktags- und zwei Feiertagsbilder, getrennt worden. Die letzteren stellten den Tod Mariens und die Krönung Mariens dar, während die ersteren, wenn der Altar geschloffen wurde, gemeinsam nur eine Darstellung, „das Begräbniß der hl. Afra", bildeten. Der Tod Mariens ist im Baseler Museum^ die Krönung Mariens im Besitz des hochwürdigsten Herrn Bischofs Leonrod von Eichstütt, der auch einen Flügel der Werktagsseite besaß, während der andere im Besitz der Frau Amalia Finsterlin in München sich befand. Schon im Jahre 1886 in der schwäbischen Kreisairsstellung dahier (Kat.-Nr. 15, 16) vorübergehend vereinigt, sind sie seit kurzer Zeit durch die erfolgreichen Bemühungen des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Eichstäit für immer zu einem einzigen Bilde verbunden worden. Unser Mitbürger, Herr Gemälde- Restaurateur Sesar, dem diese nicht leichte Aufgabe zugefallen war, hat sie so vortrefflich gelöst, daß es selbst dem Kennerauge kaum möglich sein wird, die Stelle zu erkennen, wo die Flügel zusammengefügt wurden, ja nicht einmal, wo früher Abgesägtes ergänzt werden mußte. Das Altargemäloe ist ein Werk unseres großen Augsburger Meisters Holbein des Aelteren (14 65—1524); auf dem Weihwasserkesscl steht die Inschrift: Holbain. I^eo. 0. Da es einen Leo Holbein nicht gibt, auch die Nachstellung des Taufnameus zu jener Zeit gänzlich ungebräuchlich war, es damals auch keinen Augsburger Bildschnitzer mit dem Namen Leo gab, wie Woltmann meinte, so dürfte es wahrscheinlich sein, daß I-eo. 0. den Anfang eines Psalmverses bedeutet, der um den Weihwasser- Kessel herumlaufend gedacht ist; auch am oberen Rande des Leuchters stehen die Worte Xvö Llaria und sind auf der Rückseite fortlaufend gedacht. WaS die Darstellung selbst betrifft, so ist sie echt holbeinisch und meisterhaft durchgeführt: Während die hl. Afra im offenen Sarkophag liegt, steht zu ihren Füßen ihre Mutter Hilaria mit einer der Mägde (Digna, Eunomia, Eutropia), während auf der Kopfseite der hl. Bischof Dionysius, Afra's Oheim, sich betend niedergelassen hat an der Seite einer andern Magd. Oben erscheinen bereits die Schergen des römischen Statthalters Gajus, Feuer anzulegen an das Grab, das die Angehörigen der hl. Martyrin trotz des Verbotes betend umstehen. Auf der rechten Seite des Sarkophags, steht eine später hinzugefügte Inschrift in drei Distichen, welche besagt, daß eine von einem schwedischen Soldaten beabsichtigte Zerstörung des Bildes wunderbarerweise verhindert wurde; aus dieser Inschrift geht auch hervor, daß man damals die Darstellung für den Tod Mariens hielt, es müßte denn sein, daß der Inhalt der Verse sich auf die Rückseite des Bildes bezog, die ja den Tod Mariens darstellt. Herr Hofphotograph Höfle von hier, der bekanntlich keine Mühe und keine Opfer scheute, die bedeutendsten Kunstschätze der Augsburger Gemäldegallerie, sowie des Germanischen Museums in Nürnberg durch prächtig gelungene Photographieen dem kunstliebenden Publikum zugänglich zu machen, hat auch dieses Bild in ganz vorzüglicher Weise wiedergegeben. - —- Vor fünfundzwanzig Zähren. Von Friedrich Koch-Breuberg. (Fortsetzung statt Schluß.) Es ist nur zu natürlich, daß die beiderseitigen Patrouillen zusammenstießen, sich herumschössen, daß resultat- lose Alarmirungen und dergleichen vorkamen. Die meisten kleinen Zusammenstöße gab es anfangs in dem wetnkeller- reichen Clamart, das zuerst unbesetzt geblieben war. Das war ein Krieg für sich um Weinflaschen. Später war der Ort in den Kreis der Vorposten bezogen worden, und als am 7. Januar 1871 Oberst v. Treuberg sein Quartier m der Mairie nahm, fand er noch die ganze Bibliothek, wie auch in der Kirche die Paramente vor. Um dergleichen hatte sich Niemand gestritten, aber sämmtliche Weinkeller und Speisekammern waren leer und verwüstet. Schon am 30. September 1870 machten die Pariser einen Ausfall in der Richtung Chevilly. Es ist erwähnt, daß das preußische VI. Corps rechts von den Bayern stand, also hatten diese Truppen die Vordringenden aufzuhalten. Bei l'Hay stand aber unter Oberlieutenant v. Baur-Breitenfeld vom 5. Regiment ein Piket, in dessen Schußbereich der französische rechte Flügel gerieth. Vor Allem ließ der umsichtige Offizier zwei feindliche Feld- Geschütze beschießen und zwang sie zum Abfahren, wodurch den Preußen ein guter Dienst geleistet wurde. Der erste wirkliche Ausfall gegen die Bayern fand am 13. Oktober statt und hatte den Zweck, die Geheimnisse des Plateaus von CHLtillon zu erforschen. Der „Ganlois" schrieb: »Ostis stautsur ävvait: norm äirs sou ssorab." Die am 19. September verlorene Höhe reizte die Neugierde der Pariser sehr und trotz Luftballons, trotz elektrischer Beleuchtung vermochten sie es nicht, Einsicht zu gewinnen. Also versuchte man es mit Gewalt. Auf Vorposten stand das 15. Regiment mit seinen 3 Bataillons, und zwei Compagnien des 14. Regiments hatten die Bayernschanze besetzt. Bei der Division Bothmer befanden sich das 3. Bataillon des Regiments „König" in CHLlillon, das 5. Jäger-Bataillon in Bagneux, das 3. Bataillon des 5. Regiments auf Neplis in Fontenay und das 9. Regiment in Bourg la Reine. Gegen 8 Uhr meldeten die Vorposten der Division Bothmer, daß sich am rechten Biövre-Ufer hinter den Verschanzungen Truppen ansammelten. Die hierauf entsendeten Patrouillen brachten auch Nachricht über stärkere Abtheilungen bei Maison Ptchon. Schon nach einer Stunde begann der Tanz, indem die gegenüberliegenden Forts unsere Deckungen mit Granaten überschütteten und auch theil- weise zerstörten. Gegen Bagneux und Chatillon traten aber zwei Feld-Batterien auf. Am Bahndamm an der Straße nach Orlsans hatten sich französische Infanteristen eingenistet, führten mit unseren Vortruppen ein Feuergefecht und wurden darin von den Geschützen der Judenschanze unterstützt. Gegen Bagneux gingen aber drei Bataillone direct vor, während ein viertes den Ort von Südosten her anzugreifen suchte. Rückwärts bei La Grange Ory entwickelte sich zugleich das 35. Regiment der Brigade Mariouse. Als die Franzosen vorzurücken begannen, waren natürlich die Unterstützungstruppen der Division in die Vertheidigungslinie geeilt. Unterdessen war auch der linke Flügel der Division von Abtheilungen der Brigade Sus- bielle angegriffen worden. Zwei Marsch-Bataillone mit einer Jäger-Compagnie in der Mitte hatten sich Chütillon genähert und Besitz von den nördlich vor dem Dorfe liegenden Häusern genommen. Das 3. Bataillon des Regiments „König", welches den Nordrand des Dorfes besetzt hielt, wurde sohin in ein lebhaftes Vertheidtgnngs- gefecht verwickelt. Eine Compagnie Fünfer eilte herbei und unterstützte das Bataillon. Das war der Beginn des Ausfalls am rechten Flügel. Drüben vor der Division Walther waren zwei Bataillone des 13. Marsch-Regiments nach Clamart gerückt und suchten von hier aus den nördlichen Hang des Plateau's zu gewinnen. Obwohl die Forts Jssy, Vanves und Montrouge den Angriff durch einen Hagel von Granaten unterstützten, gelang es nur, sich vor der Stellung der Fünfzehner einzunisten. Zwei Bataillone dieses Regiments hielten die Höhe besetzt, und hatte Hauptmann Sigl mit seiner Compagnie, welche einen Jägergraben an der Nordostecke zu vertheidigen hatte, drei Angriffe des Feindes zurückgewiesen. Das 3. Bataillon hatte Oberst v. Treuberg an den Verhau in das Bois de Meudon entsendet. Später verstärkten weitere Bataillone des 7. Regiments die wichtige Stellung am Plateau, auf welchem sich dann auch das Gros der 6. Brigade und die Ulanen einfanden. Gleich beim Anrücken der Franzosen war die Batterie Weigand durch den Major Celsus Girl vom Generalstab in der Weise an den Höhenrand dirigirt worden, daß ihre getrennt auftretenden Züge hauptsächlich gegen die anstürmende Infanterie wirken konnte. Der 1. Zug veranlaßte auch eine feindliche Batterie zum Abfahren und ein Bataillon zur Umkehr. In Bagneux waren die Franzosen unterdessen bis in's Innere des Ortes vorgedrungen. Nur mühsam konnten sich hier die Bayern behaupten, und als um 11 Uhr das 35. Regiment ebenfalls in den Kampf eingriff, mußten sie das Dorf verlassen. Es hatte jedoch ein Bataillon unseres 14. Regiments eine Aufnahmestellung zu beiden Seiten der Straße nach Fontenay genommen, nach welcher sich die Zurückgehenden wendeten. Mit weiters einge- troffener Hilfe vom 10. Jäger-Bataillon gelang es hier, dem Feinde Halt zu gebieten, der sich jedoch gleich in Bagneux, hinter welchem noch die Brigaden Dumoulin und Charriere auftauchten, zur Vertheidigung einrichtete. Auch in CHLttllon waren die Bayern zurückgeworfen worden. Bei der Kirche hatte Oberst v. Mühlbaur die zersprengten Abtheilungen gesammelt und behauptete sich, bis Unterstützungen eintrafen. Dann entbrannte der Kampf von Neuem, und mit großer Bravour eroberten die Bayern das Verlorene zurück. Man hatte unterdessen auch Anstalten zur Wieder- bssetzung von Bagneux getroffen. So hatte General v. Bothmer um l'/z Uhr ein Bataillon des 5. Regiments an den Bahnhof von Sceaux entsendet, das im Verein mit dem 2. Bataillon von Südosten her den Ort angreifen sollte. Während einige Compagnien sich längs des Bahndammes vorarbeiteten und die Brigade Charriöre beschossen, erstieg das 1. Bataillon die Höhe und begann den Angriff. An der Straße Fontenay-Bagneux brach aber jetzt Oberstlieutenant v. Hecke! gegen das Dorf vor und — von Haus zu Haus kämpfend — wurde es zurückerobert. Um 8 Uhr gab General Vinoh, der einsehen mutzte, daß ihm die Bayern überall mit genügenden Kräften entgegenzutreten vermochten, den Befehl zum Rückzug. Noch einmal brüllten die schweren Geschütze der Forts, um den Abzug der Franzosen zu decken, dann mit Einbruch der Dunkelheit nahmen auch die Bayern wieder die alten Stellungen ein. Die Letzteren hatten Oberlieutenant Prand, die Unterlieutenants Thanner, Noth und Wild und 356 Mann verloren. Die französischen Berichte erwähnten, daß von den 59 gefangenen Bayern absolut nichts zu erfahren sei — ein großes Lob für unsere Leute, die nur leider in Paris etwas hungern mußten. Am folgenden Tage begehrten die Franzosen einen Waffenstillstand zur Beerdigung ihrer Gefallenen, welche die Zahl 400 betragen haben mögen. Der Ausfall vom 30. November richtete sich hauptsächlich gegen das VI. preußische Corps. Da das eigentliche Gefechtsfeld bei l'Hay war, alarmirte unsere Division Bothmer. Das am bayerischen rechten Flügel im Biövre- grund stehende Piket unter Lieutenant Mörschell vom 9. Regiment hatte Gelegenheit, in das Gefecht einzugreifen und ließ sich trotz feindlicher Uebermacht nicht vertreiben. Einer erfolgreichen Thätigkeit begegnen wir auch bei unserer Artillerie. Auf der Straße von Sceaux nach Bourg la Reine befand sich die Batterie Ebner in guten EmplacementS, und sie beschoß Arceuil und feindliche Co- lonneu. Als sie um 9 Uhr aus der Schanze am Aquä- duct selbst Fcuer erhielt, unterstützten sie die Batterien Herold und Jamin. Die Thätigkeit unserer Artillerie kam hauptsächlich den bet l'Hay fechtenden Preußen zu gut, indem sie das Frner von der Infanterie ab und auf sich lenkte. Gegen 10 Uhr waren die Franzosen schon wieder in ihre Verschauzungen zurückgeworfen. Der Verlust der Division Bothmer betrug 11 Mann und 5 Pferde.- (Schluß folgt.) Dem Meere lierschrieven. —— lNaHdruü «erröten., Eine Pause war eingetreten in der animirten Unterhaltung unseres kleinen Kreises. Der erste Officier, unser liebenswürdiger Wirth, hatte soeben seine farbenprächtigen Schitdernngen, die wie ein Hymnus auf die See-Fahrt klangen, mit langsamer werdender Stimme geendet, gleichsam, um deren nachhaltige Wirkung zu erhöben. Während er die grünen Gläser von neuem füllte und die zuletzt geleerte Flasche in kühnem Bogen durch das runde Fenster der Kajüte fliegen ließ, betrachtete er mit Befriedigung und Nengier den Eindruck, den seine Worte auf meinen ihm gegenübersitzenden Freund H. zu machen schienen. Dieser, ein geborener Binnenländer, war auf seiner ersten See-Neise begriffen und seit deren Beginn von einem wahrhaft fieberhaften Enthusiasmus für das See-Leben ergriffen worden. Nn» hatte in den Worten des interessanten Erzählers ein in scinemJnnern glimmender Funke eines gewissen phantastischen Zuges vollends das richtige Material gefunden, um in hellen Flammen aufzulodern. Mit einer Art Ehrfurcht beobachtete auch ich diese mächtige Erregung meines Freundes, zumal sie sich in so, ich möchte sagen, edler und jedenfalls in sehr vom Gewöhnlichen abstehender Weise kundgab. Während Andere in solcher Exkase gleich mit überschwenglichen Worten losbrechen, war H. verstummt und saß unbeweglich da; aber der lächelnde und wie entrückte Ausdruck seines dem Meere zugewandten Gesichtes — er erinnerte mich an den Blick, den der fromme Pilger zu seinem Heiligthum erhebt —, der Glanz seiner Augen, die all' das Erhabene und Reizvolle bis zur Neige schlürfen und auch den intimsten der zuströmenden Eindrücke genießen zu wollen schienen, ließ uns die Tiefe seiner Ergriffenheit erkennen. Ich wußte, wie unangenehm meln Freund werben konnte, wenn man ihn in solchem Versunkensein störte, und wagte deßhalb in Rücksicht auf unseren Wirth nicht, die Unterhaltung fortzuführen. Dieser mochte ähnlich denken und lehnte sich behaglich in seinem Feldstuhle zurück. Während dieses Schweigens bemerkten wir erst den feierlichen Zauber, der uns umsponnen hatte. Ohne daß wir uns eigentlich dessen in der lebhaften Conversation bewußt geworden waren, hatte sich die Juli-Nacht mit ihrem sammetweichen, dunkelvioletten Schleier hernicder- gesenkt. Der laue, angenehm abkühlende See-Wind strömte durch die geöffneten Fenster des Steamers herein und verband sich mit dein etwas muffigen Gerüche des rothen Plüsch-Cophas und den Ausdünstungen des dunklen Getäfels der Wände zu einem eigenthümlich berauschenden Dufte. Dazu mischte sich das von Zeit zu Zeit durch ein keckes Lüftchen aufgewirbelte Aroma der Orangen, die, ihres dereinstigen Heimganges als Punsch-Ingredienzien harrend, die Mitte des Klapptisches einnahmen und sich prächtig von dessen dunkel polirter Fläche abhoben. Die große Moderateur-Lampe verbreitete durch ihren auf rothem, transparentem Seidenpapier gestickten Schirm — wahrscheinlich das Geschenk einer hübschen Passagierin — ein gedämpftes Licht, eine zartfarbige, blaßrothe Dämmerung auf die Umgebung. Die grünen Gläser, die blanken Messing-Schrauben am Tische bekamen dadurch einen seltsam weichen Schimmer, die Orangen, direct unter der Lampe geschaart, erglühten in sattstem Purpur — kurz, es umwebte uns in der kleinen, anheimelnden Kajüte eine beinahe exotische Stimmung. Ich trat an's Fenster und sah bald in's Zimmer, bald anf's Meer. In der Ferne tauchten die Lichter an der englischen Küste bei Dover aus und projicirten schmale, zitternde Silberstrcifchen auf die Flnthen. Die See ging ruhig; das Leben auf Deck des Steamers klang nur gedämpft herunter. Aus einer Passagier-Kajüte ertönte leise in abgebrochenen Sätzen Flötenspiel. Bei einem Crescendo erkannte ich bald Melodien aus der herrlichen „Traviata", Germonts: I7u äi, gnanclo lcr vonsri terupo avrä. kuAackv —, dann das ergreifende Adagio der Oboe aus der nennten Scene, das er fortwährend mit wachsendem Gefühl wiederholte. Der Spieler besaß keine sonderliche Fertigkeit, aber ich mußte seinen Geschmack loben. Denn diese Klänge verschmolzen sich wunderbar mit der fremdartigen Stimmung, die uns gefangen hielt. Sie strömten uvie aus den Wogen heraus, herb und doch so berauschend duftend — gleich einem lockenden Sirenengesang. Mein Freund trat ebenfalls an's Fenster und lauschte. 84 kommen des Goldes im Transvaal selbst weiter als vier Jahrzehnte zurückreicht. Die Regierung der Boers erließ sogar in den Fünfziger-Jahren ein Verbot der Eoldschürfung, aus Furcht, die übergroße Einwanderung könne die Unabhängigkeit gefährden. Obwohl die Furcht vor dem Fluch des Goldes heute, allerdings in anderer Gestalt, sich als begründet zu zeigen erscheint, waren die späteren Regierungen anderer Ansicht, und als der Oesterreicher Karl Manch 1867 am Limpopo- und am Tatiflusse im Matabcleland reiche Goldlager entdeckte, bildete sich in London die erste Minenkompagnie für Südafrika. Die Unternehmung scheiterte, aber nun schlug Präsident Pretorius eine andere Politik ein, setzte Belohnungen für die Entdeckung von Goldlagern aus und jetzt mehrten sich die Funde und damit begann auch das schon so oft beobachtete Zusammenströmen von Einwanderern. Aber — Bergrath Schmeisser hebt das hervor — der typische, einfache, rohe Goldgräber fand keinen geeigneten Boden. Gesellschaften mit größerem Betriebskapital mußten gebildet werden, um das verhält- nißmäßig arme, fleißigste und kunstvollste Bearbeitung erfordernde Erz nutzbringend zu machen. Nur mit Hilfe tüchtiger Techniker konnte Ersprießliches geleistet werden und erst als diese Einsicht errungen war, begann jener Aufschwung, dank welchem Bocren im Witwatersrand, deren Farmen früher 7000 bis 15,000 Mark werth waren, ihren Besitz um 140,000 bis zu 1,400,000 Mark verkaufen konnten. Aber die ächten Goldgrübergeschichten von Leuten, die den großen „Nugget" finden, kommen im Transvaal nicht vor. Ein Maschineningenieur hat einmal die Sache demoustrirt. Er legte zwei Steine auf den Tisch, einen weißen Quarz mit goldfahlem Geflimmer, durchzogen von einem förmlichen Golbbalken mit einem haselnnßgroßcn „Nugget", einem Klümpchen reinen Goldes daran; daneben einen zweiten, schmutzigen, unansehnlichen Stein, den die Boeren „dankst", Kuchen, die Gelehrten Conglomerat nennen. Der bescheidene „Kuchen" — das ist der wahre Reichthum des Landes. Der Goldquarz hat zwar größeren Gehalt, aber er ist launenhaft, seine Schichten verschwinden plötzlich, und die Mine ist erschöpft, man wird an Goldquarzminen entweder Millionär oder geht daran zu Grunde, wenn nicht ein Zufall die verloren gegangene Goldader bald wieder finden läßt. Die Minen des „Rand" niit ihren geologisch genau konstatirten Schichtungen schließen so unangenehme Ueberraschungen aus; freilich niuß das Erz erst auf alle mögliche Art behandelt werden, aber dafür ist die Gewißheit eines rentablen Fortbestandes des Bergbaues durch Jahrzehnte vorhanden. Bor fünf Jahren, zur Zeit des großen „Ooorrr", glaubte mau, Transvaal werde die Eoldproduktion der Erde verdoppeln; die Enttäuschung ist nicht ausgeblieben, aber der südafrikanische Goldbergbau, der heute ganz wissenschaftlich, mit allen Behelfen der Technik und der Chemie betrieben wird, hat den Minenkrach, den falsche Vorstellungen über die Ergiebigkeit der Goldfelder verschuldeten, überdauert. Dank dem steten Bestreben der Minenkompagnien nach wirklich wissenschaftlichem Bergbaubetriebe nimmt der Ertrag der Transvaal-Minen von Jahr zu Jahr zu. Es herrscht harte Arbeit auf dem Witwatersrand, eine Arbeit, welcher physisch nur die Eingeborenen gewachsen sind, und thatsächlich beschäftigen die Gesellschaften ausschließlich Neger zur Förderung des Erzes. Die Arbeitskraft ist billig und die Ingenieure sind bestrebt, immer neue Verbesserungen einzuführen; von ca. 19 Gulden per Tonne im Jahre 1882 sind die Gewinnungskosten auf ca. 12 Gulden im Jahre 1895 gesunken, die Gesammtproduktion hat sich von 230,000 Unzen im Jahre 1888 auf 2,024,163 Unzen im Jahre 1894 gehoben. Aber der Gewinn ist infolge der stetig abnehmenden Betriebskosten und der technischen Verbesserungen proceutucll noch stärker gehoben, als die Ausbeute an Gold. Bergrath Schmeisser hat eingehende Berechnungen über den voraussichtlichen Ertrag der südafrikanischen Minen angestellt und gefunden, daß — soweit die jetzigen Kenntnisse vom Vorkommen des Goldes im Transvaal reichen — die Erschöpfung der Lagerstätten in Witwatersrand etwa nach Ablauf von 25 Jahren stattfinden dürfte; wird aber eine Tiefe von 1200 statt 800 Metern erreicht, dann ist goldführendes Erz für eine Förderung von 40 Jahren vorhanden. Das Hauptergebnis; aber bleibt, daß die Bergwerke von zwei Lagerstätten in 10 Jahren bei Erreichung von 800 Metern Tiefe für mindestens 4289 Mill. Mark, bei Erreichung von 1200 Meiern für 7187 Mill. Mark Gold liefern werden. Nach Eintritt günstigerer Prodnktionsbedi'ngungen werben auch die übrigen Goldfelder Transvaals aus längere Zeit hinaus zur Erhöhung der Produktionszifsern beitragen, doch ist nach dieser Richtung hin vorläufig eine Berechnung noch nicht möglich. In diesen Ziffern liegt die Bürgschaft der Prosperität für Johannesburg, ob es nun unter englische Herrschaft kommt oder nicht, und es ist begreiflich, daß eine solche Stadt mit allen ihren Lcbeusäußeruugen vornehmlich einem Ziele zustrebt, das für alle Schichten der Bevölkerung das gleiche ist: Gold. Das ist der Saft, dem die Stadt rasches Wachsthum und rasches Altern verdankt. Schkchttufgade. Schwarz. Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt. Auflösung des Ergänznngsräthsels in Nr. 10: Wer glücklich ist, der ist auch gut, Das zeigt auf jedem Schritt sich; Denn wer auf Erden Böses thut, Trägt seine Strafe mit sich. (Bodensiedt.) ---