« 12 1896. „Augsburger PostMung". Dinstag, den 11. Februar Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Berlag des üiterarii'chen Instituts von Haas L Grabderr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Die Astrologen. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Max Venno. (Fortsetzung.) Wie von einer Viper gebissen, sprang Leßlie empor. Seine Augen funkelten gleich denen eines gereizten Raubthieres, und der Gefichtsausdruck wurde so wild und drohend, daß Georg erschrak. „Glaubt Ihr", rief er mit dröhnender Stimme, „ich habe sie jemals vergessen? Vergessen, als unschuldiges Opfer der Eitelkeit eines Menschen wie ein gemeiner Verbrecher in Ketten gelegt uno von Henkershand zur Richtstätte geführt zu werden? Tausend Jahre vermöchten den Eindruck jener entsetzlichen Pein in meiner Seele nicht zu verwischen, doch . . ." Er brach plötzlich ab, wie aus Furcht, etwas zu verrathen, was nicht für eines Andern Ohr bestimmt war. „Ich begreife Euere Unversöhniichkeit nicht", ent- gegnete Georg. Er drängte das beängstigende Gefühl, welches Leßlie's maßlose Heftigkeit in ihm geweckt hatte, gewaltsam zuruück. „Der Herzog beabsichtigte ja, wie er selbst sagte, von Anfang an unsere Hinrichtung keineswegs, sondern wollte uns nur eine heilsame Lehre geben, die wir wahrlich genugsam verdient hatten." „Das könnt Ihr glauben, ich nicht", fiel ihm der Hauptmann bitter lachend in's Wort; „ich kenne den Herzog von Friedland besser als Ihr! Ich sage Euch, unsere Häupter wären gefallen, hätte nicht der Blitzschlag seine abergläubische Seele erschreckt." Georg's Mtenenspiel drückte deutlich sein peinliches Empfinden ob dieser Wendung des Gespräches aus. Er suchte dasselbe auf einen andern Gegenstand abzulenken. „Eigenthümlich war es", sagte er mit einem scharfen Blick in Leßlie's Gesicht, „daß gerade in jenem Augenblick die Documenten-Kiste zum Vorschein kam, nach der wir so lange vergeblich gesucht hatten." Wieder brach der Hauptmann in ein grimmiges Lachen aus. „Eigenthümlich, meint Ihr", grollte er; „warum denn? Die Großmuth mußte ja durch eine höhere Macht belohnt werden und wurde belohnt! Oder nicht? Ihr scheint an des Herzogs Worte wie an das Evangelium zu glauben und werdet Euch erinnern, daß er auch das gesagt hat. Daß dadurch eine arme, verstoßene Waise um ihr Erbtheil gebracht wurde, fiel bei dieser „Schickung" nicht in's Gewicht!" Den Argwohn, welchen Georg niemals ganz zu verdrängen vermocht hatte, stieg auf's neue in seinem Gemüthe empor, „hört, Leßlie", nahm er das Wort, „ich will nur gestehen, daß ich Euch damals ollen Ernstes für den Documentendieb hielt. Auch heute nock kommt es mir vor, als ob Ihr die beste Auskunft darüber geben könntet, wer das Kästchen hinter die Wand versteckt hatte. Seid so gut und schenkt mir reinen Wein ein. Ich verrathe Euch nicht!" Der Hauptmann gab nicht sofort eine Antwort. In unverkennbarer Aufregung durchmaß er eine Zeit lang den Raum. Dann blieb er vor Georg stehen, und ein nicht zu erklärendes Lächeln spielte um seinen Mund. „Euere Offenheit", sagte er, „ist der meinigen werth. Ihr wäret mir von Anfang an ein Dorn im Auge, und wenn ich zugebe, daß ich Euch wohl hundertmal in's Pfefferland oder an ein ähnliches hübsches Plätzchen gewünscht habe, so wird es nicht weit gefehlt sein. Es geschah nicht ohne Grund, denn Ihr triebet, mit Verlaub, Euern Muthwillen mit mir etwas zu stark. — Das ist jetzt anders geworden. Ihr hieltet den Schwedenhieb, der mich unfehlbar zu einem todten Mann gemacht hätte, mit eigener Lebensgefahr auf und habt dadurch ein Herz gezeigt, dem man nicht zürnen kann. Damit Ihr nun seht, daß ich auch kein schlechter Kerl bin und wohl zu ermessen weiß, was ich Euch schulde, sollt Ihr eine Erzählung hören, die Euch gewiß inzer- essirt. Vorher aber müßt Ihr mir bei Euerer Solda- ten-Ehre geloben, von dem, was ich Euch sage, an keinen Menschen auch nur ein Wort zu verrathen, bis von mir selbst Euch hierzu die Erlaubniß ertheilt wird." Georg gab das verlangte Versprechen, und der Hauptmann begann: „Die traurige Geschichte des Herzogs mit seiner ersten Gemahlin ist Euch bekannt. Eines aber wußtet Ihr und Alle außer mir auf Großmeseritsch nicht: daß die Gräfin ein Töchterchen aus erster Ehe besaß. Der Herzog hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen das unschuldige Wesen gefaßt. Er verhehlte sie der Mutter nicht und machte die Entfernung des Kindes zur Bedingung seiner Verbindung mit ihr. Die verblendete, leidenschaftlich liebende Frau brachte das furchtbare Opfer. Die Kleine wurde unter die Obhut fremder Leute gebracht. Ja noch mehr: auf Betreiben des ehrgeizigen Gemahls errichtete die Gräfin ein Testament, welches ihr ungeheures Vermögen dem Herzog völlig preisgab. Nach ihrem Tode sollte er die Besitztitel erhalten. Für ihr Kind, die rechtmäßige Erbin, 86 wurde nur eine Summe von ungefähr hunderttausend Thaler hinterlegt mit der Bestimmung, sie dem Mädchen auszubezahlen, wenn es sich verheirathe oder in das zweiundzwanzigste Lebensjahr trete. Trotz alledem hatte die Gräfin sich vergebliche Hoffnung auf Erfüllung ihrer Wünsche gemacht. Die Liebe des Herzogs hielt nur so lange an, bis sein Zweck erreicht war. Mit jedem Tage wurde er dann kälter und rücksichtsloser gegen die Gemahlin und änderte sein Benehmen auch dann nicht, als er diese aus Gram dem frühen Grabe zuweilen sah. In ihrer Verlassenheit empfand die arme Frau das am eigenen Fleisch und Blut begangene Unrecht doppelt bitter, und eine heiße Sehnsucht nach dem verstoßenen Kinde erwachte in ihrem Gemüth. Von dem Anblick desselben, und konnte sie ihn auch nur heimlicherweise genießen, versprach sie sich für die grausame Enttäuschung einigen Ersatz. Unter erborgtem Namen brachte ich das Mädchen aus dem Hause meiner Schwester, welcher man dessen Erziehung anvertraut hatte, nach Großmese- ritsch zu dem damaligen Schloßhauptmann Lobau, der von da an Vaterstelle an der armen Waise vertrat. — Er allein, die Gräfin und ich wußten, daß Magdalene die Stieftochter Wallenstein's ist!" Der Hauptmann hatte die letzten Worte langsam und mit Nachdruck gesprochen; nun machte er eine Pause und beobachtete den Eindruck seiner Worte auf Georg's erglühtem Gesichte. Dieser war beim Schluß der überraschenden Enthüllung in die Höhe gesprungen. Eine ungeheuere Aufregung arbeitete in seiner Brust. „Was sagt Ihr, Hauptmann", rief er, „Magdalene, meine Braut, die Tochter des Herrn?" „Ich bin noch nicht zu Ende", unterbrach Leßlie den Aufgeregten und drängte ihn wieder auf seinen Platz. „Das Mädchen wuchs heran. Es wußte nichts über den Ursprung seines Daseins und von seinen Rechten für die Zukunft. Aber auch Wollenstem hatte keine Ahnung von seinen Beziehungen zu der Pflegetochter Lobau's. Die Gräfin wollte, daß man ihr Kind über seine hohe Abkunft so lange als möglich vollständig in Unkenntniß lasse. Nicht Glanz und Reichthum, welche der schwer geprüften Frau die bittersten Lebenserfahrungen nicht erspart hatten, sollten einst im entscheidenden Augenblick das Schicksal Magdalenens bestimmen, sondern ihr Herz. -— Lobau starb, und ich wurde an seine Stelle gesetzt. Unter meinen Augen erweiterte sich die Kluft zwischen dem Herzog und dessen Gemahlin in einer Weise, daß ein vollständiger Bruch unvermeidlich erschien. Ohne Zweifel wäre es auch so weit gekommen, hätte nicht das herannahende Ende die Gräfin zu wettern Schritten unfähig gemacht. Wenige Tage vor ihrer Auflösung rief sie mich an ihr Bett. Sie sprach mit mir von ihren Hoffnungen, von ihren Enttäuschungen und Leiden und übergab mir ein Ebenholzkästchen, in dem sie ein Codicill, welches das erste Testament umstieß, und die Bcsitztitel ihres Vermögens aufbewahrt hielt, mit dem Auftrag, dasselbe sofort nach ihrem Hinscheiden an einen sichern Ort zu verstecken, und zwar so lange, bis ihre großjährige Tochter mit Erfolg ihre Rechte gegen den Herzog geltend machen könne. Ich mußte eidlich geloben, alles genau so zu besorgen, wie es von ihr bestimmt worden war. Ich leistete den Schwur und vollzog den Befehl in einer Weise, daß eine vorzeitige Entdeckung mir geradezu unmöglich schien. Doch es kam anders. Wie Ihr wißt, wurde all' meine Vorsicht und Mühe durch höhere Gewalt zu nichte gemacht I" Leßlie schwieg und bekümmerte sich nicht weiter darum, wie Georg mit dem durch das Vernommene in seinem Innern heraufbeschworenen Sturm sich zureicht fand. Diesem war es in der That seltsam genug um das Herz. Er, der arme Kriegsmann, Eidam des mächtigen Herrn! Ob nicht Magdalene, wenn sie ihren wahren Namen und ihre Herkunft erfuhr, das Jawort bereute? Ob sie nicht das Verlöbniß rückgängig machte, welches unter ganz andern Voraussetzungen und Verhältnissen entstanden? Dieser Gedanke hielt jedoch nur einen Augenblick Stand. Dann trat das Bild der Geliebten vor seine Seele mit ihrem unschuldigen, frommen und demüthigen Sinn, und jeder Zweifel wurde durch die feste Ueberzeugung, durch das glückliche Bewußtsein verscheucht, daß das edle Herz seiner Braut um schnöden Mammons willen eines Verrathes nicht fähig war. Die Wogen seines Wonnegefühles gingen so hoch, daß er gedankenlos zu dem so oft gerügten Muthwillen gegen den Hauptmann sich abermals hinreißen ließ. „Ihr seid ein Schlau- kopf", rief er, „der seinen Vortheil versteht! Das alles wußtet Ihr? Nun wundert's mich nicht mehr, daß Ihr Euch um den Besitz Magdalenens oder vielmehr deren gute Thaler so abgeplagt habt!" Leßlie maß den jungen Mann mit einem finstern Blick. „Euch mag dieser schlecht angebrachte Spott hingehen", entgegnete er rauh, „ein Anderer möchte sich hüten! Was ich gewollt und gethan habe, kann ich vor Jedermann verantworten, da es in der besten Absicht geschah. Ich achtete und liebte das Mädchen I Warum auch nicht? Sie hatte es nicht nur als Tochter meiner Herrin, sondern auch wegen ihrer Häuslichkeit und Tugend verdient. Gleichwohl befindet Ihr euch Alle in großem Irrthum, wenn ihr meint, ich sei willens gewesen, für mich alten Mann um die liebliche Magdalene zu freien. Das fiel mir nicht ein. Dagegen wollte ich ihr eine Zukunft verschaffen, die mit ihren Anschauungen, ihrer Erziehung und ihrem ganzen Wesen in nicht allzu großem Widerspruch gestanden und sie doch in eine bevorzugte Stellung gebracht hätte. Zugleich wäre dadurch meine Schwester für die vielen Mühen und Sorgen belohnt worden, die man ihr durch die Erziehung des Mädchens auferlegt hatte. Ihr einziger Sohn, Fritz Donald, mein Neffe, war von mir zum Gemahl Magdalenens bestimmt. Er ist ein wackerer Bursche", fuhr Leßlie fort, und seine Stimme wurde fast weich, „die einzige Freude, welche mir das Geschick übrig ließ, der Stolz meines Alters und einstens der Erbe meiner kleinen Ersparnisse, wenn ich von dieser Welt scheiden werde. Durch die Verbindung mit dem mir anvertrauten braven Mädchen hätte ich ihm einen neuen Beweis meiner Liebe zu geben vermocht — es sollte nicht sein, ich habe mich vergeblich gefreut I" Der Hauptmann machte eine Pause, dann fügte er, in seinen alten trockenen Ton fallend, hinzu: „Ich will nicht in Abrede stellen, daß mein Vorgehen damals etwas hitzig und selbstsüchtig war; doch meinte ich jene Drohung, die Euch so sehr in Harnisch gebracht hat, nicht ernst. Einen Jahre lang verfolgten Plan gibt man nicht gern auf. Ich that, was ich konnte, um mein Ziel zu erreichen, zog mich jedoch, als ich fand, daß das Herz Magdalenens schon einem Andern gehörte, zurück. Fritz, der das Mädchen kaum zu sehen bekam, machte 87 ^rL'-. .. ^ ^ - -/ ^ - 7 . ' sich aus der Abweisung nicht viel, und auch ich habe mich indessen mit der nicht mehr zu ändernden Thatsache versöhnt. Möget Ihr glücklich sein! Ich gönne Euch die liebliche Braut!" Georg hatte mit halb abgewandtem Gesicht zugehört. Sein Mtenensptel drückte unverkennbare Verlegenheit aus. Die boshafte Bemerkung von vorhin that ihm aufrichtig leid. „Nehmt mir meine Unart nicht übel", wandte er sich an Leßlie und bot diesem die Hand; „ich meinte es nicht so böse, und ..." „Ich zürne Euch nicht", fiel ihm der Hauptmann in's Wort. „Ihr seid eben ein Schalk! Doch nehmt Euch in Acht! Ihr wißt wohl, Eure Scherze laufen nicht immer gut ab I Und noch einmal: seid Eueres Gelöbnisses eingedenk und saget von dem, was ich Euch anvertraute, zu keinem Menschen, auch nicht zu Magda- lenen, ein Wort!" Damit wandte er sich ab und verließ das Gemach. Georg blieb in einer seltsamen Stimmung zurück. Er zweifelte an der Richtigkeit des Vernommenen nicht, und doch kam ihm alles vor wie ein Traum. Welch' schweres Unrecht hatte er dem ehemaligen Schloßhauptmann, der nur dem gegebenen Worte gemäß und im guten Glauben an das Recht seiner verstorbenen Herrin gehandelt, mit seiner Verfolgungssucht und seinem Argwohn gethan! Wie hatte er sich in dem Charakter dieses Mannes geirrt! Die Erklärung des Hauptmannes bezüglich des Heiraths-Projectes dagegen war für ihn keine Ueberraschung gewesen; er hatte längst die Ueberzeugung gewonnen, daß er durch seine eigene Combinationsgabe auf die richtige Fährte gelenkt worden war. Bei dem Gedanken an die innige Zuneigung und Opferwilligkeit, welche sich in den Worten Leßlie's gegen seinen Neffen aussprach, wollte fast ein Gefühl des Mitleids ihn be- schleichen. Der Wachtmeister Donald sah nicht danach aus, als ob er tm Stande wäre, viel Freude und Glück auf den Weg Derer zu streuen, die ihn liebten und von denen er Gutes empfing. Noch eine andere peinliche Empfindung drängte sich, trotz aller Bemühungen, sie zu verscheuchen, stets wieder in Georg's Seele hervor. Nach der Darstellung Leßlie's mußte der Herzog in der Documentenkiste das Codicill entdeckt haben, durch welches das erste Testament ungültig gemacht worden war. Und doch hatte er, wie allbekannt, gleich sämmtliche Güter seiner verstorbenen Gemahlin, die bis zu diesem Zeitpunkt unter gerichtlicher Verwaltung gestanden, in vollen Besitz genommen. Georg konnte unmöglich glauben, daß Leßlie's Mittheilung auch in dieser Hinsicht der Wahrheit entsprach; denn dann hätte Wallen- stein eine große Ungerechtigkeit, ja geradezu ein Verbrechen begangen, und die Fähigkeit zur Verübung eines solchen traute der junge Mann dem Herzog von Friedland nicht zu. Während er noch diesen Gedanken nachhing, ertönte ein Signal vom Hofraum herauf, und er eilte hinab. Heinrich Hansjakod Auf dem freien, ringsum von hohen Gebäulichkeiten eingeschlossenen Platz gewahrte er den größten Theil der Offiziere des Terzky'schen Regiments, welches man in dem Capucinerkloster einquartiert hatte. Auch Haupt- mann Leßlie befand sich unter denselben und kam auf ihn zu. „Gut, daß Ihr kommt", sagte er mit hämischem Lachen, „die Komödie beginnt! Heute seht Ihr seine fürstliche Hoheit Ehren und Gnaden austheilen, und morgen wird geköpft und gehängt. Der Herzog weiß in der That, wie man in die Langeweile des Lebens eine hübsche Abwechselung bringt. Folgt mir an jene Mauer hinüber, wo Ihr die großen Plakate erblickt; dort könnt Ihr die Namen der Opfer des fürstlichen Zornes selbst lesen, sie wurden soeben durch öffentlichen Anschlag zur allgemeinen Kenntniß gebracht." Damit wandte er sich nach der bezeichneten Seite, und auch Georg lenkte seine Schritte dahin. Leßlie blieb vor dem improvisirten Pranger stehen und las anfangs ohne besonderes Interesse. War ihm doch, was er durch die entehrende Maßregel erfuhr, in der Hauptsache schon vorher bekannt. Auf einmal aber wich alles Blut aus seinem Gesicht, die Kniee wankten, und er mußte sich auf den Degen stützen, damit er den Halt nicht verlor. Diese Schwäcke- Anwandlung ging jedoch fast eben so schnell vorüber, wie sie sich eingestellt hatte. In jähem Wechsel erschien das Antlitz des Hauptmanns von einer unnatürlichen Nöthe gefärbt. Die Augen sprühten Flammen, die Zähne knirschten, und drohend hielt er die geballte Faust gegen die Mauer empor. Dann verließ er, mit einem gräßlichen Fluche sich abwendend, den Platz. Georg hatte die ungeheuere Aufregung Leßlie's, ohne sich dieselbe erklären zu können, bemerkt. Er trat ebenfalls vor das Placat. Da fand er das Räthsel nach einem kurzen Blick auf das Schriftstück gelöst: als Letzter in der Reihe derjenigen, welche man zum Brandmarken am Galgen bestimmt hatte, war — Fritz Donald genannt. Bei dieser Entdeckung füblte der junge Mann sein Gemüth durch eine Fluth der verschiedenartigsten Gedanken und Empfindungen in Aufruhr versetzt. Zum Anstellen von wettern Betrachtungen über diesen traurigen Zwffchenfall blieb ihm jedoch keine Zeit, da im gleichen Augenblick ein Trupp Reiter mit dem Herzog von Friedland an der Spitze im Hofe erschien. Der gewaltige Mann, dessen Angesicht deutlich die Spuren heftiger Aufregung trug, stieg vom Pferde und schritt die Reihen der Offiziere entlang, welche sich in einem weiten Halbkreis aufgestellt halten. Nach einer Weile blieb er stehen und begann mit volltönender Stimme: „Dem Verdienste den Lohn! Dem Verrath und der Feigheit die Strafe! Das ist der Grundsatz, durch welchen ich von jeher als Feldherr zu meinem Thun und Lassen bestimmt worden bin! Auch heute handele ich wieder nacb ihm. Die letzte Schlacht wurde zwar nickt verloren, aber trotzdem wurde in Folge der Pflichtvergessen- 88 hett einzelner Offiziere nicht erreicht, was hätte erreicht werden können. Durch die Böswilligkeit elender Schurken ist die Gunst der ewigen Mächte gekreuzt worden und einer der schönsten Erfolge verscherzt. Doch die Gefahr ging vorüber, und in ungetrübtem Glänze leuchtet auf's neue mein Stern! — Ihr habt euch Alle brav und wacker gehalten; ich danke Euch und hoffe, daß Ihr auch hinfüro eure Schuldigkeit Ihut!" Darauf verlieh Wallenstein verschiedenen Offizieren höhere Chargen. Leßlie wurde zum Oberstwachtmeister und Georg Selkow zum Hauptmann ernannt. Vor seinem Abgang schritt der Feldherr noch einmal auf Letzteren zu und sagte freundlich zu ihm: „Dich habe ich zu einem besondern Geschäfte bestimmt; komme morgen in der Frühe zu mir." Dann schwang er sich auf das Pferd und sprengte mit seiner Begleitung davon. 9 . Ein dichter Nebel hüllte die Häuser und Straßen Leipzig's in einen blaugrauen Schleier, als der neuernannte Hauptmann Georg Selkow dem Absteigquartier des Herzogs von Friedland zuschritt. Er trug den Arm wieder frei. Die unbedeutende Wunde hemmte dessen Bewegung nicht mehr. Trotz der frühen Morgenstunde und der recht empfindlichen Kälte war alles bereits auf den Beinen. Nicht nur die Einwohner der Stadt, sondern auch zahlreiche Schaaren von Landleuten aus den benachbarten Dörfern durchzogen in ihren charakteristischen Trachten die Straßen und Plätze. Die ungewöhnliche Aufregung war nicht ohne Grund; diesen Tag hatte man für die Hinrichtung der verurteilten Offiziere und Soldaten bestimmt — ein Schauspiel, das ungeachtet seiner Widerlichkeit eine Menge Zuschauer aus nah und fern nach dem geräuschvollen Lager des Friedländers zog. Georg beachtete das Gedränge nicht, sondern eilte seinem Ziele entgegen; dem Magistratsgebäude, welches Wallenstein für sich und seine Familie zur Wohnung erwählt hatte. Sofort nach seinem Eintritt tn's Haus führte ihn ein Leibjäger zum Herzog. Wallenstein stand am Fenster und dictirte seinem zum Rittmeister beförderten Geheimsccretär Neumann, der emsig schrieb. Beim Anblick Georg's hörte er auf. „Du bist pünktlich", sagte er zu diesem, „fast mehr als mir angenehm ist; denn für Deine Abfertigung geschah bis jetzt nichts. Später also! Meine Gemahlin hat ohnehin einen Auftrag für Dich. Folge dem Leibjäger zu ihr! — Du wirst erwartet, vorwärts", fügte er ungeduldig hinzu, als Georg in Anbetracht der frühen Tageszeit zu zögern schien; und dieser gehorchte. Die Herzogin befand sich schon in voller Toilette, als Georg bei ihr eintrat. Sie bot ihm einen Sessel an und setzte sich neben ihn. „Wie mein hoher Gemahl mir gesagt hat", begann sie, „werdet Ihr mit einem Schreiben an den sächsischen Oberfeldherrn Arnim geschickt. Dabei wird man Euch die Erlaubniß zu einem Umweg ertheilen, der über Großmeseritsch führt und Euch zum Besuch Euerer Braut die schwerlich unerwünschte Gelegenheit gibt. Diese Vergünstigung ist von mir ausgewirkt. Ich gedenke nämlich bei dieser Gelegenheit einen geheimen Plan einzuleiten, zu dessen Ausführung Ihr mir die Hand reichen müßt. Ihr seid doch damit einverstanden, nicht wahr, und verrathet mich nicht?" „Euer Wunsch ist mir Befehl", entgegnete Georg bescheiden, dessen Antlitz vor freudiger Ueberraschung erglühte, und die Heizogin fuhr fort: „Ich bitte Euch, Magdalenen und all' den lieben Menschen dort, namentlich Pater Vincenz und der alten Anna, meine Grüße zu bringen. Es hat mir in jener Burg gar sehr gefallen, und ich wünsche, später in ihr meinen bleibenden Wohnsitz zu nehmen. Das kann natürlich nur geschehen, wenn auch mein hoher Gemahl nach Großmeseritsch zieht. Der Herzog wäre jedoch schwerlich für diesen Schritt zu gewinnen, denn er hat einen unerklärlichen Widerwillen gegen den Aufenthalt in jenem Schlosse gefaßt. Das rührt jedoch, wie mir scheinen will, nur daher, daß die Einrichtung und Ausstattung desselben mit seinen Anforderungen im Widerspruch steht. Ihr werdet deshalb als künftiger Schloßhauptmann dafür sorgen, daß das ganze Haus nach innen und außen restaurirt werde. Die Zimmer sind neu auszumalen; die Dächer müssen frisch gedeckt, die alten Möbel und Keräthschaften entfernt und durch neue ersetzt werden, kurz: das ganze Gebäude soll ein Aussehen bekommen, daß mein Gemahl es kaum wieder erkennt. Da Ihr voraussichtlich nicht lange ausbleiben dürfet, so übertraget Ihr die Leitung des Bauwesens und aller übrigen Arbeiten dem Burgvogt mit der Weisung, keine Mühen und Kosten zu scheuen und das Werk sofort in Angriff zu nehmen, damit man längstens über's Jahr einziehen kann." Georg's Herz pochte fast hörbar vor Freude und Glück. Er gab die Versicherung, daß Alles auf's pünktlichste ausgeführt werden solle, wie die hohe Frau es befahl. Diese ertheilte ihm noch einige Anweisungen und Winke, da erschien der Leibjäger wieder und rief den Hauptmann zum Herzog. Wallenstein befand sich allein in seinem Gemach. Der Geheimsecretär hatte sich beim Eintritt Georg's entfernt. „Meine Gemahlin", begann jener und übergab letz- term ein versiegeltes Schreiben, „hat wahrscheinlich bereits von diesem Briefe gesprochen, zu dessen Beförderung und Uebergabe ich Dich erkor. Es ist Line wichtige Sendung, und Du magst es meiner besondern Gunst und Gnade danken, daß sie Dir anvertraut wird. Höre nun, was ich Dir sage, und beachte es wohl. Du reitest allein, ohne jegliche Deckung, in dieser Stunde noch fort, und zwar vorerst nach Großmeseritsch. Dort wirst Du vier Tage rasten. Dann brichst Du nach Reichender« auf. In dieser Stadt wartet im Gasthof Zu den zwölf Aposteln ein Page auf Dich. Er wird Dich empfangen und zu dem Adressaten des Briefes führen, den ich Dir eben gab. Bewahre und hüte ihn wie ein kostbares Gut. Du haftest mit Leib und Leben dafür, daß er an seine richtige Bestimmung gelangt. Mehr zu sagen brauche ich nicht. Du bist klug und einsichtig genug, um zu begreifen, was man von Dir will. Glück auf den Weg!" Der Herzog winkte, und Georg zog sich zurück. Er eilte nach Hause, sattelte selbst seinen Braunen und hatte sich schon in den Bügel geschwungen, als in größter Eile ein Leibjäger herbeistürmte und ihm befahl, nochmals vor dem Herzog zu erscheinen. Nicht wenig erstaunt, folgte Georg dem Ruf. Er traf den Herrn wieder allein. Dieser verlangte mit der kurzen Erklärung, „er habe sich eines Andern besonnen", das anvertraute Schreiben zurück und entledigte den Hnuptmann des ertheilten Auftrages. Der Ausdruck schmerzlicher Enttäuschung, welcher bei dieser unerwarteten Wendung auf Georg's Antlitz erschien, entging Wallenstein nicht. Der junge Mann hatte sich W Die Sibirische Eisenbahn. so innig auf das Wiedersehen der Geliebten gefreut und sah sich nun mit einem Schlag aus all seinen Himmeln gestürzt. Der Herzog betrachtete ihn schweigend. Der Ernst auf seinem Angesicht wurde durch ein mildes Lächeln verdrängt. Er reichte ihm gütig die Hand. „Nur Geduld", tröstete der hohe Herr, „aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Ich glaube Dir die feste Zusage geben zu dürfen, daß Du die erwünschte Reise bald antreten kannst." (Fortsetzung folgt.) --- Zu unseren Bildern Sladtpfarrer Nr. Heinrich Hansjakod. Hansjakob gehört zu den originellsten Schriftstellern, deren wir Katholiken uns rühmen können; er ist ein literarischer Charakterkopf, wie sie in unserer Zeit nur selten aus dem und Philologie. Im Jahre 1863 wurde er zum Priester geweiht und machte im selben Jahre das philologische Staats- Examen. Von 1863-1874 war er Lehrer am Gymnasium zu Donaueschingen, von 1864—1869 Vorstand der Realschule zu Waldshut. Im letzten Jahre beging er das todeswürdige Verbrechen, eine öffentliche Rede gegen das badische Ministerium zu halten — schnell folgte die Nemesis: er ward abgesetzt und auf einer Festung für einige Zeit unschädlich gemacht. Von 1870—1884 fnngirte er als Pfarrer in Hagnau am Äodensee, dem schönst gelegenen Pfarrdörfchen in Baden; von 1871 bis 1881 wurde er in die badische Kammer der Abgeordneten gesandt und 1873 wiederum wegen einer dem Ministerium wenig gefallenden Volksrede eingesperrt. Seit 1884 ist Hansjakob Stadtpfarrer in Freiburg. Die Sibirische Eisenbahn. Schon in den^Jahren 1857—1869 tauchten verschiedene Projecte auf, um die ungeheuren Gebiete Sibiriens durch eine ÄW LML «MW W-MWWMA WWP Schloß Kchönbrunn bei Wien. Tintenmeere deutscher Schriftsteller auftauchen. Seine Schilderungen aus dem Kleinleben seiner engeren Heimath, dem Kinzig- thal in Baden, sowie aus seiner Jugend- und Studienzeit haben ihm Beifall und warme Anerkennung nicht allein in kathol. Kreisen und nicht allein in badischen Landen gebracht. Eine solche Naturwüchsigkeit, wie in seinen schon aus eine stattliche Anzahl von Bänden angewachsenen Skizzen, Schilderungen und Erzählungen findet sich nur noch bei Sebastian Brunner und in den Schriften se nes verewigten Lai.dsmanncs Alban Stolz. Zu den vorzüglichsten Werken Hansjakobs, die allen Anspruch darauf haben, in die Litteraturgeschichte eingetragen zu werden, gehören die „Wilden Kirschen" und „Schneebällen", ferner „Dürre Blätter", „Aus meiner Jugendzeit" und „Aus meiner Studienzeit". Daran reihen sich eine Anzahl Reiseschilderungen sowie historische Abhandlungen, und endlich zahlreiche, vortreffliche Predigten. — Hansjakob wurde geboren im Jahre 1837 zu Haslach im Kinzigthal in Baden als Sohn eines Bäckermeisters und Bauernwirths. Er studirte auf dem Gymnasium zu Rastatt und später an der Universität Freiburg Theologie das Land bis znm Stillen Ocean durchziehende Eisenbahn mit deni europäischen Rußland unmittelbar zu verbinden. Diese Projecte behandelten entweder die ganzeiBahn oder Thcilstrecken derselben. Erst in neuerer Zeit wurden diese Pläne verwirklicht. Durch Rescript des Kaisers Alexander III., der sich sür das Riesenwerk sehr interessirte, vom 17. (29.) März 1891 wurde der Bau der Sibirischen Eisenbahn angeordnet und noch im nämlichen Jahre in Angriff genommen. Die S. E. wird eine Gesammtlänge von 7 i 12 Werst erreichen, die Herstellungskosten sind auf 350 Millionen Rubel veranschlagt. Sie bildet die Fortsetzung der noch im europäischen Rußland belegencn Staatsbahn Samara—Ufa—Slatonst—Tscheljabinsk. Von Tscheljabinsk führt die Linie über Kurgan und Petropawlowsk nach Omsk am Jrtysch, wo sie denselben überschreitend in die Barabizische Steppe eintritt, um sodann über Kainsk das Dorf Kriwosch- tschekow am Ob zu erreichen. Hier überschreitet die S. E. den Ob mittelst einer 400 Faden langen Brücke und geht dann über MariinSk, die Stadt Kansk und Nischne-Udinsk nach der Stadt JrkutSk. Von da führt die Linie am Baikalsce entlang 91 ö. 2-r^- rEli^ MW !7LLB>>M iMUrKWU LMWWM «UMedM^ MMM !»WWL MMD -WM Auf dem Markusplatze in Nrnedig 92 bis zur Station Mysowskaja an der Südseite des See's, worauf das Witimplateau übe, schritten wird. Ueber die Distriktsstadt Tschita und dann dem Schilkaflnß folgeud erreicht die S. E. die der Stadt Srjetensk gegenüberliegende Ansiedelung Matakan. Der nächste Abschnitt bis zur Stadt Chabarowka am rechten Ufer des Amur (2000 Werst) ist noch nicht allgemein bearbeitet. Es wird beabsichtigt, die Bahn auf 600 Werst im Thale des Schilka- und Amurflusses zu führen, dann den Amur zur Abkürzung des Weges zn verlassen und erst nach weiteren 1400 Werst an der Mündung des Ussnri auf einer Brücke von 1200 Faden zu überschreiten. Dann geht die Linie 400 Werst am Ussnri entlang, welcher bis zum Cbankasee gleichzeitig die Reichsgrenze gegen China bildet. Unter Ueberschreitnng des Ussuri (6755 We> st) geht die Linie an den Geb rgslehnen des Chankasee's und im Thal des Lefaflüßchens entlang nach der Station Nikolskaja (6982 Werst), von hier aus am Sujfnn- flusse entlang nach Chabarowka, demnächst in der Richtung auf die Stadt Wladiwostok, wo an der Bucht des Solotoj-Rog (goldenes Horn) die Endstation in 7083 Werst liegt. Von der Gesammtstrecke der S. E. waren Ende 1894 gegen 1518 Werst fertig, etwa 100 Werst mehr als der fünfte Theil der ganzen Länge der Hauptlinie. Auf der Ussuri-Eisenbahn war zum 1. (13.) Januar dS. JS. das Schienengeleise bis zn 494 Werst vor Wladiwostok, d. h. bis zum liebe, gang über den Fluß Bikin, einen rechten Nebenfluß des Ussuri, fertiggestellt. Das Legen der Schienen, welches von einer Compagnie des vor Kurzem angekommenen Eisenbahnbataillons ausgeführt wird, wii d im Frühjahr wieder aufgenommen werden; bis zum Herbst des Jahres 1896 soll ChabarowSk erreicht werden, welches von Wladiwostok 785 Werst entfernt ist. In Regierungskreisen ist die Frage neuerdings angeregt, die S. E. mit Turkestan in Verbindung zu bringen, und sind zwei Linien hierfür in Vorschlag gebracht, Tscheljabmsk Turgaj—Turkestan und Petro- pawlowsk—Atbass ar—Turkestan. Schönkrunn. Das berühmte kaiserliche Lustschloß in Wien, im Südosten der Stadt am Wienflüßchen gelegen, wurde unter Kaiser Leopold dem Ersten nach den Plänen von Cisso von Erlach begonnen und unter Maria Theresia 1744-1750 vom Baumeister Val- magini vollendet Das dem Hofe zum theilweisen Sommeraufenthalt dienende Schloß enthält großartige Parkanlagen (mit dem Fasanengarten, der Menagerie usw.), 1441 Zimmer und Gemächer, darunter das blaue Cabinet, ein Lieblingsaufcnthalt der Kaiserin Maria Theresia, das Zimmer, in dem Napoleon der Erste 1809 wohnte und sein Sohn, der Herzog von Reichstadt, 1832 starb, und ein Theater. Zunächst dem Schlosse befindet sich die große Orangerie und andere Gartenanlagen mit Marmorstatuen und Marmorgruppen. Der Park enthält herrliche Alleen, mehrere Bassins, den Kaiserbrunnen oder Schönen Brunnen, welcher dem Schloß den Namen gegeben hat, Fasanerie», Thiergarten, botanischen Garten, auf der Höhe des Schönbrnnner Berges die Gloriette, ein 1775 aufgeführtes Prachtgebäude mit Colonnade, Waldvartieen usw. Auf dem Markusplatz in Nenedig. Mit Ausnahme des von den Kolonnaden umsäumten Platzes vor der Peterskirche in Rom besitzt keine Stadt der Welt einen Platz, der an architektonischer Schönheit dem Markusplatze in Venedig gleichkommen würde. Auf 3 Seiten ist derselbe von Prachtbauten aus Marmor, den sogen. Prokuristen, d. h. Paläste der Prokuratoren von Sän Marco eingeschlossen. An der Ostseiie des Platzes erhebt sich die dem Schutzheiligen der Stadt, dem Evangelisten Markus geweihte Patriarchat oder St. Markuskirche, ein nach byzantinischem Muster aufgeführtes und mit orientalischer Pracht ausgestattetes Bauwerk, in welchem die Gebeine des hl. Markus begraben sind. An den eigentlichen Markusplatz schließt sich die nach der Lagune hin offene Piazzetta an, auf der einen Seite von der ehemaligen Bibliothek, einem der schönsten Gebäude des 16. Jahrhunderis, auf der anderen Seite von dem herrlichen Dogenpaiaste begrenzt. Markusplatz und Piazzetta bilden den Mittelpunkt des Verkehrs von Venedig und gleichzeitig den Sammelplatz aller in der schönen Lagunenstadt sich aufhaltenden Fremden, die sich besonders zu den Stunden, wo die berühmten Tauben von Sän Marco gefüttert werden, in großer Anzahl dort einfinde». Aber auch zu allen andern Tageszeiten bietet der Markusplatz stets eine Fülle von Gelegenheiten zur Beobachtung des venezianischen Volkslebens, zu welchem auch die am unserem Bilde dargestellte hübsche Szene eine vortreffliche Illustration bildet. -- Allerlei. Ausgedient. Student fzu seiner Wäscherin^: „Warum nähen Sie keine Knöpfe mehr an meine Hemden?" — Wäscherin: „Ach, Herr Müller, an Ihre Knöpf' sollt' man Hemden nähen!" -—ssr?««- Äve Maria! Die Brandung schweigt, der rauhe Sturm entwich, Und segnend senkt dcr Hauch des Friedens sich Im Abendschimmer auf das müde Meer. Kein Schmerzensschrei, kein zornig Grollen mehr Steigt aus der Muth; des Tages Glanz verblich, Des Tages Kampf und Wahn, und süß und hehr Breitet sich in milder Pracht Auf das weite, grambcfreite Wogenfeld der See die stille Sternennacht — Ave Maria! Das Schilfrohr bebt wie klagend nur im Wind, Sonst rings kein Laut, — nur leise, leis' und lind Tönt das Geläute an den Meeresstrand Vom Kirchlein her auf jähem Felsenrand Wie Engelsgrnße an ein schuldlos Kind. Und betend zu der Liebe Heimathland Schau' ich auf aus Staub und Schmerz, Und durch Thränen zieht ein Sehnen Zn dem fernen Strand des Lichts mich sternenwärts — Ave Maria! Jetzt zittert übcr's Meer der letzte Klang Des Vcsperglöckleins ernst wie Grabgesang, Nun Stille rings umher! Nur leis und zag, Wie Geisterlant ertönt dcr Wellenschlag; Wie weißer Schaum zerfließt, was sterbensbang Wie eine Schuld mir auf der Seele lag. Und der Geist der Liebe senkt In die Trauer Frühlingsschauer, Wie der Strahl des Lichts die kranke Blume tränkt — Ave Maria! Ein süßes Grau'n schleicht sich in's Herz mir ein. Ich weiß, Gott ist mir nah'; nicht mehr allein Trägt es sein Web, des Lebens schwere Last! D'rum schlag' nicht mehr so laut, so voller Hast! Sieh' doch daS Meer, wie es kann ruhig sein, Wie nach dem Sturm es schläft in sel'ger Rast! — Wie das Meer, so wirst auch du Nach dem bangen Kampf gelangen Durch die Nacht zum Licht und durch den Kampf zur Ruh' — Ave Maria! (R. Ueberly im Luz. Vaterld.) Nilder-Zlathsel. Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 11: Weiß. Schwarz. 1. T. S6-L5 T. bU beliebig