M 13 Kreilag, den 14. Februar Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Die Kstrokogen. Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Max Benno. (Fortsetzung.) Monate gingen indessen vorüber, ohne daß auf dem Kriegstheater etwas Nennenswerthes geschah. Während ein großer Theil deS Heeres sich längs der sächsischen Grenze aufgestellt hatte, befand sich das Hauptquartier des Herzogs in Prag. Die schwedisch-sächsische Streitmacht stand weiter südlich, nur wenige Meilen entfernt. Man erwartete von Tag zu Tag eine entscheidende Schlacht. Die beiden Gegner beschränkten sich jedoch auf gegenseitige Beobachtung und wichen jeder ernster« Verwicklung fast geflissentlich aus. Das Terzky'sche Regiment war für die Dauer des Aufenthaltes in der Moldau-Stadt zu des Herzogs persönlichem Dienst comman- dirt. In Folge dessen befand Georg Selkow sich in der Nähe seines Herrn. Wiederholt hatte der Dienst ihn sogar in unmittelbare Berührung mit diesem gebracht, und jedesmal erhielt er von dem hohen Gönner ein freundliches Wort; aber gerade das, was er so sehnlich wünschte: die Wiederholung jenes verschobenen Auftrages, schien von Wallenstein ganz vergessen zu sein. Da beschied man den Hauptmann — Anfang Juni — wieder in den Hradschin. Die Art der Botschaft weckte eine frohe Ahnung in ihm. Eine freudige Zuversicht durchglühte sein Herz, als er die breiten Marmorstufen der alten Königsburg hinanschritt. Sie täuschte ihn nicht. Wieder erhielt er ein versiegeltes Schreiben, und wieder gab ihm der Herzog die fast ganz gleichlautenden Anweisungen wie das erstemal mit aus den Weg. Eine Wiederholung der Aufträge der Herzogin bedurfte es, wie diese ihm des öftern versichert hatte, nicht. Diesesmal hielt Niemand ihn zurück. Noch am Abend des gleichen Tages ritt ex wohlgemuth zum Thore hinaus. Für einen einzelnen, wenn auch gut bewaffneten Mann war es in jenen KriegSzeiten keine Kleinigkeit, allein durch's Land zu ziehen, und erforderte keinen geringen Muth. Allenthalben wimmelte es von Marodeuren und zersprengten Soldaten, die in größer» und kleinern Banden das arme Landvolk brandschatzten und sich auch nicht scheuten, friedlich des Weges ziehende Reisende zu überfallen und auszuplündern, wobei es selten ohne Mord und Todtschlag abging. Georg's Herz kannte keine Furcht, und überdieß war es noch von der Sehnsucht nach dem Wiedersehen der Geliebten geschwellt.' — Wider alles Erwarten wurde er auf dem ganzen weiten Wege nicht belästigt, und am Abend des sechsten Tages ritt er die gleiche Waldstraße hinauf, wie ehedem, da er die Nachricht von der Ankunft des Herrn nach Großmeseritsch gebracht hatte. Der Anblick des einsam stehenden Wirthshauses rief ihm unwillkürlich jenen kleinen Unfall in's Gedächtniß, durch den er zum erstenmale mit dem Wachtmeister Fritz Donald in Berührung gebracht worden war. Der Wunsch desselben war in Erfüllung gegangen; sie hatten sich wieder getroffen, aber unter Umständen, daß Georg ein noch viel geringeres Verlangen nach einer Erneuerung ihrer Bekanntschaft als damals empfand. Doch wollte es ihn jetzt fast bedünken, als ob dessen Persönlichkeit bestimmt sei, in seiner eigenen Zukunft noch eine Rolle zu spielen, obgleich Donald durch die entehrende Strafe für immer aus der Nähe des Herzogs und dem kaiserlichen Heere verbannt war. Diese Ahnung mochte auf Täuschung beruhen, er glaubte selbst nicht daran; allein sie war eben da, und er wurde ihrer mit dem besten Willen nicht los. Ein feiner Regen fiel schon seit länger denn einer Stunde von dem graubewölkten Himmel herab, und eS dunkelte bereits, als er das verwitterte Gemäuer des Schlosses vor sich auftauchen sah. Aus dem wohlbekannten Zimmer der alten Leibdienerin Anna schimmerte ein Lichtstrahl: er brachte den Willkommgruß von ihr, deren Bild ihm auf der ganzen Reise vor der Seele geschwebt hatte. Ein kurzer Ritt noch, und Georg passirte das offene Thor. Eine Minute später lag er in den Armen der Braut, die ihn mit lautem Jubelrufe empfing. Der junge Mann war anfangs befangen. Das Bewußtsein der hohen Abkunft Magdalenens hielt für einige Augenblicke den vollen Ausbruch seiner Gefühle zurück. Als er jedoch in ihr reines, von hingebender Liebe verklärtes Auge blickte, als er sah, wie vertrauensvoll sie sich an ihn schmiegte, da fielen die Bedenken, und in überwallendem Gefühl feines Glückes schloß er die lang Entbehrte stürmisch an's Herz. Da Frau Anna wegen Unpäßlichkeit schon die Ruhe gesucht hatte, wurde sie von den Glücklichen nicht mehr gestört, aber Hand in Hand eilten sie zu Pater Vincenz, dessen freudige Ueberraschuug bei dem Anblick des schmucken Kriegsmannes fast derjenigen Magdalenens gleichkam. Plaudernd saßen die Drei noch lange beisammen. 94 Georg erzählte von seinen Erlebnissen, von der blutigen Schlacht bei Lätzen, von dem Hauptmann Leßlie Md der glücklichen Fügung, die es ihm vergönnt habe, den anscheinend unversöhnlichen Widersacher in einen wohlwollenden Freund zu verwandeln. Ein Schwede hatte schon zum Streich wider Leßlie's entblößtes Haupt, da dieser vom Pserde gestürzt war, ausgeholt, als Georg dessen gefährliche Lage bemerkte und den Hieb parirte. Von der Begegnung mit Fritz Donald, deren er sich bei dem Gedanken an Marion nicht ohne eine kleine Verlegenheit erinnerte, sowie von dessen schwerer Bestrafung schwieg er. Ebenso sagte er von den Enthüllungen des Hauptmannes seinem Versprechen gemäß nichts. Eine wachsende Sorge drückte sich während seiner Schilderungen in Magdalenens Mienenspiel aus. Als Georg geendet, schmiegte Magdalene sich fester an ihn und schaute mit einem Blick voll ängstlicher Zärtlichkeit in sein Gesicht. „Ich beschwöre Dich, Georg", bat sie, „nimm. Dich vor Leßlie in Acht! Laß Dich durch das veränderte Benehmen dieses Mannes nicht täuschen, da es ganz sicher mit dessen wahren Empfindungen im Widerspruch steht! Durch einen Zufall wurde ich am Tage vor seinem Wegziehen von hier zur unfreiwilligen Zeugin eines Selbstgespräches Leßlie's gemacht, dessen Inhalt mich heute noch mit Angst und Schrecken erfüllt. Ich mußte so gräßliche Ausbrüche der Wuth und Rachsucht anhören, daß mir das Blut fast in den Adern gerann. Er hat dem Herzog blutige Vergeltung geschworen und diesen selbst sowie dessen ganze Familie verflucht!" Georg gedachte jener Stunde, wo der nunmehrige Oberstwachtmeister sich in leidenschaftlicher Selbstvergessenheit ihm gegenüber zu ähnlichen Aeußerungen hatte hinreißen lassen, und ein Verdacht stieg in ihm auf. Leßlie's plötzlicher Eintritt in's active Heer hatte bei seinem Alter allgemeines Staunen erregt. Es war damals schon die Rede davon gewesen, derselbe müsse durch ganz besondere Gründe zu diesem Schritte veranlaßt worden sein. Was lag näher als die Annahme, der entlassene Schloßhauptmann sei nur zum Heere gegangen, um in der Nähe des Herzogs zu sein und bei der nächsten günstigen Gelegenheit für die erlittene Schmach Vergeltung zu üben: eine Absicht, deren Leßlie bei seinem ohnehin schon verbitterten Gemüthe zweifellos fähig war. Die schimpfliche Ahndung der That des Neffen, durch welche nach Georg's eigener Beobachtung ein so niederschmetternder Eindruck auf den Onkel gemacht worden war, hatte die entfesselten Geister des Hasses und der Nachsucht schwerlich zu bannen vermocht. Dies waren in Verbindung mit den Wahrnehmungen Magdalenens so schwerwiegende Verdachtsgründe, daß die gute Meinung, welche Georg in Folge der letzten Unterredung mit Leßlie von dessen Charakter gefaßt hatte, schnell wieder verschwand und er allen Ernstes für den Herzog zu fürchten begann. Er beschloß, ein wachsames Auge auf den Oberstwachtmeister zu haben und den Herzog zu warnen, sobald irgend eins Handlung des Erstern ihm hierzu die Berechtigung gab. Eine freudige Ueberraschnng rief die Nachricht Georg's von der beabsichtigten Uebersiedelung der hohen Familie nach Großmeseritsch und der Wahl dieser Burg zum ständigen Wohnsitz bei seinen Zuhörern hervor. Magdalene malte sich im Geiste schon die schöne Zeit aus, welche die Verwirklichung dieses Planes ihr im Umgang mit der lieben kleinen Freundin Maria versprach. Es gab gar Vieles zu fragen, um so mehr, als nach dem abgelegenen Waldschlosss von dem Kriegstheater nur selten eine sichere Kunde sich verlor; Mitternacht nahte, ehe man sich zur Ruhe begab. Den folgenden Morgen benutzte Georg zur Begrüßung der Base, des Schloßvogts und anderer Bekannten. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch eine bittere Erfahrung schmerzlich berührt. Er fand bei den Eltern Martin's, dessen feindselige Stimmung er früher schon erkannt hatte, eine so zurückhaltende und frostige Aufnahme, daß er über die vollständig veränderte Gesinnung derselben gegen ihn nicht in Zweifel bleiben konnte. Und doch war er sich keiner Schuld an dem peinlichen Verhältniß bewußt. Auch nur ein Versuch von seiner Seite, durch Verzichtleistnng auf die übertragene Schloßhaupt- mannsstells den Hoffnungen Martin's Rechnung zu tragen, hätte bei den bekannten Grundsätzen Wallenstein's die Sache voraussichtlich nur noch viel schlimmer gemacht. Das muhte der Schloßvogt so gut wissen als Georg, und wenn er dennoch zürnte, so bewies dies nur, daß sein Aerger über die erfahrene Enttäuschung größer als sein Sinn für Gerechtigkeit war. Der Hauptmann schüttelte deshalb auch die unangenehme Empfindung kurz- wrg von sich und hielt sich an seine Braut und Pater Vincenz. Nur zu schnell verflog die gestattete Frist. In der Frühe des fünften Tages stand Georg's Pferd gesattelt im Hof. Pater Vincenz und Magdalene begleiteten den Scheidenden bis an das Thor. Der alte Herr war tief bewegt, und aus den Augen des Mädchens brachen die Thränen gewaltsam hervor, als sie die Arme zum Ab- schiedSkuß um den Hals des Bräutigams schlang. „Georg, Georg", schluchzte sie, „mir ist das Herz heute so schwer, als müßte es unter einem namenlosen Weh brechen, als gälte es eine Trennung für dieses Leben, als sähe ich Dich nimmermehr! Ich habe gekämpft und gerungen, um die gräßlichen Gedanken und Bilder von mir zu drängen: es war alles umsonst; nur um so hartnäckiger und drohender verfolgen sie mich! 3ch hatte einen Traum, den ich fast keinen Traum nennen kann; denn jede Scene, jedes Gesicht stand wirklich und lebendig vor mir! Ich sah den Boden mit blutigen Leichen besäet; Dn standest weinend daneben, und hinter Dir grinste Leßlie trium- phirend und hohnlachend auf das gräßliche Bild! Noch einmal bitte ich Dich, Georg, nimm Dich vor diesem Menschen in Acht! Er brütet Böses!" Sanft wand Georg sich aus den Armen des Mädchens. „Rege Dich nicht unuöthig auf", mahnte er. „Ich weiß wohl, daß die Gefahr allenthalben lauert; aber so schlimm, wie Du fürchtest, wird es hoffentlich nicht. Was sind Träume? Spiele unserer aufgeregten Einbildungskraft! Die Vorsehung wacht über uns. Auf sie vertraue und bete, bete recht viel . . . auch für mich!" Georg schwang sich, nachdem er Beiden die Hände gereicht, in den Sattel. „Der Herr sei mit Dir, mein Sohn", rief Pater Vincenz und machte über den Scheidenden das Zeichen des Kreuzes. Dieser winkte noch einmal stumm, dann sprengte er zum Thore hinaus. rsr H (Fortsetzung folgt.) 85 — Bsr fmrfmrLMuzV Z ah reu. Vsn Friedrich Koch-Breuberg. (Schluß.) Wir haben das Corps v. d. Taun verlassen, als ihm nach schweren Tagen für einige Zeit wohlverdiente Ruhe zu theil wurde. Schon vor Neujahr 1871 hatte man gehört, daß die Franzosen neue Heereskräfte in der Gegend von NeverS vereinigten. In Folge dessen sollte das in der Cernirungslinie stehende II. preußische Corps gegen Montargis entsendet werden und das I. bayerische Corps zur Ablösung desselben vor Paris Heranmarschiren. Die Frontausdehnung für unsere Vorposten war eine recht stattliche. Sie reichte von Ormesson bis Choisyle Roi und trafen bei ungefähr 10,000 Schritten und 17,000 Mann Truppenstärke auf einen Schritt nicht einmal 2 Mann zur Vertheidigung. Unsere Nachbarn zur Rechten waren die Württemberger, zur Linken schlössen wir an das VI. preußische Corps an. Die Ablösung der Pommern erfolgte am 3. Januar, indem die 4. preußische Division bei Boissy St. Leger sammelte und unsere 3. Brigade bei Limeil zur Uebernahme deS Vorpostendienstes aufmarschirte. Unsere Wedelten standen jenen des Feindes auf wenige hundert Schritt gegenüber und begannen an der Mündung des MorbraSbaches in die Marne. Bei La Folie Ferme an der Seine war der linke Flügel. Fast in der Mitte lag der Mont Mesly, eine wichtige Höhe, welche, weil etwas vorgeschoben, starker NepliS bedurfte. Hinter der vorderen Linie zog von der Marne nach der Seine hin eine dominirende Höhe, welche für den Fall eines Angriffes eine sehr günstige Stellung bot. In den Ortschaften auf dieser Höhe lagen die ruhenden Truppen des Corps im Quartier. Such hatten uns die Pommern nicht im besten Zustande hinterlassen. Im ganzen Dorfe befand sich keine ganze Fensterscheibe, und es war doch bitterkalt. Es wurde damals ein Befehl ausgegeben, Glaserdiamantcn in Brie anzukaufen, aber das Städtchen des berühmten Käses scheint nicht viele solche Edelsteine besessen zu haben. Einstweilen verklebten wir die Fenster mit Papier, und um nicht zu frieren, heizten wir mit allem ein, waS noch übrig war — ein Klavier, Mahagonimöbel und dergleichen mehr. Da man immer einen letzten Gewaltausbruch der Franzosen erwartete, geschah alles, um ihm gehörig entgegentreten zu können. Ich erinnere mich noch, wie wir Zehner nachts 1 Uhr lautlos nach dem Mont Mesly marschirten, um unter Leitung des Genichauptmanncs Körbling Erdarbeiten auszuführen. Man grub bei der Gelegenheit ein Paar gefallene Franzosen aus und mußte sie neu beerdigen. Unsere Artillerie war genau über die einzunehmenden Stellungen und über die Distanzen in- formirt worden und überhaupt waren alle Anordnungen so getroffen, daß beim Vordringen der Franzosen jeder Mann selbst bei Nacht seinen Platz gefunden hätte. Bei einen! Nccognoscirungsritt sagte mir ein älterer Herr, als ich mein Pferd etwas gegen die Marne hin getummelt hatte, ich möchte dies, weil entschieden gefährlich, in Zukunft unterlassen. Auf weitere Fragen hin wurde mir erklärt, man erzähle sich, daß am jenseitigen Ufer der Menschsnjäger seinen Anstand habe. Es sollte nämlich, so ging die Sage, ein Amerikaner von den Parisern die Erlaubniß erhalten haben, auf Deutsche zu jagen. Am anderen Tage ritt ich derselben Stelle zu, denn ich glaubte nicht an die Geschichte. Kein Nebel trübte die Aussicht, und die von der Marne in weitem Bogen umflossene Halbinsel interessirte mich durch ihre hübschen Villen und Dörfer ungemein. Jenseits des Flusses lag ein Gebäude mit kleinem Kuppelthürmchen, das einem maurischen Schlößchen glich. Während ich das alles betrachte, pfeift plötzlich ein Geschoß au meinem Ohr vorbei. Mein Pferd herumwerfend, reite ich im Galopp der Höhe zu und verliere meinen Neitstock. Das war zwar nur ein abgebrochener Peitschenstiel von Orlöans herüber er war mir, denn auch im Kriege wird man abergläubisch, kostbar wie ein Amulett. Ihn missen — nimmermehr! Links und rechts schlagen die Geschosse ein, trotzdem springe ich vom Pferd und rette das lächerliche Heiligthum, dann erreiche ich unverletzt die schützende Höhe, und einige Tage darauf geht der Peitschenstiel wirklich auf Nimmerwiedersehen verloren. Mein Piket lag am Fuße des Mont Mesly. Man zog bei einbrechender Dunkelheit auf Vorposten, schickt- die Feldwachen, welche in fast ganz zerschossenen Häusern im Keller campirteu, hinaus, und diese wieder die Ve- dettcn in ihre Erdlöcher. Als ich meinen Dienst beendet hatte, sah ich mir den Uuterkunftsort der NepliS genauer an und fand zwei Strohhütten, eine für mich und die andere für die Mannschaft. Kleemann hatte Stuhl und Tisch herausgcschleift, zündete eine Lampe an und ich begann in meinem Wigwam zu lesen. Aber alle zehn Minuten theilte sich sausend das Stroh der Wände, und Geschosse, die mir gar nicht galten, durchsausten den Raum. Zornig eilte ich hinaus und befahl, daß keine Patrouille, geschehe was immer, schießen dürfe; dann hatte ich Ruhe. Unsere Leute mußten sich eben in diesem Dienst auch erst zurechtfinden. Nach der langweiligsten Nacht brach ein nebeliger Morgen an, aber kaum war es sonnenklar geworden, so sauste eine Granate von unglaublichem Kaliber daher und wühlte den Boden einige Schritte vom Piket auf. Dieser ersten folgten genau elf Schwestern, und nach dem vollen Dutzend war wieder Ruhe. Auch an das gewöhnten wir uns, und ein Tag glich dem andern. Die Beschießung von Paris sollte am 4. Januar beginnen, aber dichter Nebel hinderte jede Fernsicht. Die Pariser hatten wohl keine Ahnung davon, denn sie machten weder einen Ausfall, noch verstärkten sie ihr Feuer. Bei unserem II. Corps hatte man vor der Beschießung Cla- mart, welches den Oberst von Trcnberg als ständigen Commandanten erhielt, besetzt. Auch die Vertheidigungslinie war vom Plateau von Chutillon nach vorwärts gelegt worden, denn nach Armirung der Batterien sollte die Infanterie den Feind im Vorterrain abhalten können. Hinter dem II. Corps befand sich in Villaconblay der Velagerungspark. Morgens 8 Uhr am 5. Januar donnerten zum ersten Male die deutschen Geschütze gegen die Riesenstadt, und es war ein recht angenehmes Gefühl zu wissen, daß nun nicht allein heraus-, sondern auch hinein- geschossen wurde. Unser Erfolg war vorerst freilich kein zu großer. Die Pariser besserten eben Nachts die unter Tags von uns demolirten Batterien aus. Später aber bewährte sich die Ueberlsgenheit unserer Artillerie, und das Feuer des Feindes nahm nach und nach an Heftigkeit ab. Noch einmal, in der Nacht vom 13/14. Januar, wurden in Clamart die Vorposten der Fünfzehner angegriffen. Oberst Dortu ging mit 2 Bataillons Mobil- gardru und Marincsoldaten gegen die Feldwache III mit großer Entschiedenheit vor, wurde aber von unseren Bayer» 96 mit glänzender Bravour empfangen. Während sich ein hartnäckiger Kampf entwickelt hatte, führte Oberst von Trenberg die Reserven persönlich in die Feuerltnie, und nach einstündtgem Gefecht ließ der Commandant den Haupimann Meindl mit seiner Compagnie die Offensive ergreifen. Mit eingelegtem Bajonnet brachen unsere Fünfzehner vor und warfen die Franzosen so energisch zurück, daß die ihnen nachgesendeten Patrouillen außer den Todten auch keinen Mann mehr vorfanden. Dieser letzte Ausfall gegen die Bayern hatte nicht einmal Verluste gebracht, es waren trotz des tollen Schnellfeuers nur 7 Mann leicht verwundet worden. Und während die deutschen Feuerschlünde Verderben nach Paris sandten, vollzog sich in Versailles in den Prunkgemächern des roi soloil die Proclamation deS Königs von Preußen zum Deutschen Kaiser. Am 18. Januar hatten sich, nachdem vorher der denkwürdige Brief unseres Königs übergeben worden war, die deutschen Fürsten versammelt und hatten den krimus inter xares, unter dessen glorreicher Führung von Sieg zu Sieg geschritten worden war, unter unglaublichem Jubel zur Annahme des Kaisertitels bewogen. So hatten sich die ge- sammten deutschen Stämme geeinigt, um mit vereinter Kraft äußere Feinde für alle Zukunft fernzuhalten. Der brausende Zuruf hallte von den goldstrotzenden Wänden wieder, und die in heißen Schlachten zerfetzten deutschen Fahnen senkten sich vor dem pflichtgetreuen königlichen Greis Wilhelm dem Siegreichen! TagS darauf entspann sich bei Buzenval nochmals ein blutiger Kampf; aber das Bemühen der Pariser, den eisernen Ring zu durchbrechen, scheiterte wieder, und mit ungeheuren Verlusten wurden sie zurückgeschleudert. Unsere 6. Brigade war zur allensallsigen Verwendung im Gefechte nach Versailles beordert worden, von wo sie am 21. zurückkehrte. Jetzt wirkten auch die deutschen Granaten. Im Fort Jssy waren die Kasernen in Brand geschossen, in den anderen Forts waren Gebäude demolirt worden, und in der Stadt selbst verbreitete sich die Panik. Zu ihr gesellten sich aber die Qualen des Hungers und mehr und mehr wuchs bei uns die Hoffnung auf Sieg über die stolze Riesenstadt. Die feindlichen Vorposten benahmen sich schon seit einigen Tagen auffallend friedlich. In unseren Reihen verbreitete sich die Kunde, die Belagerungs- Batterien, welche im Rayon der Württemberger lagen, hätten Befehl erhalten, das Feuer einzustellen. Dann wurde wieder strengste Aufmerksamkeit im Vorpostendienst befohlen, und unsere Hoffnungen verringerten sich. So war der 29. Januar angebrochen und am Morgen war die Weisung eingetroffen, mit der 2. Division bei Mont Mcsly, mit der 1. bei Limeil aufzumarschiren. Das konnte nur Gutes bedeuten, wenn auch die Vorposten stehen zu bleiben hatten, wenn auch unsere Artillerie mit 5 Batterien verstärkt worden war. Endlich nach langem Warten erschien der französische Offizier, der die Räumung des Forts Charenton anzuzeigen hatte, und nun rückte Oberstlieutenant v.Maffenbach mit dem 1. Bataillon der Zwölfer zur Besetzung des Bollwerks vor. Ah, da flatterte die deutsche Fahne auf französischem Walle, und in allen Gemüthern jauchzte es auf! Noch rangen entfernt von Paris andere deutsche Truppen um die volle Siegespalwe, für uns aber waren die Strapazen des großen Krieges zu Ende. Von jetzt ab gab es nur mehr Interessantes und sogar Amüsantes, denn an der Demarkationslinie um Paris entwickelte sich ein Leben, das selbst den Diensthabenden die Zeit verkürzte. Am 26. Februar waren endlich die Friedenspräliminarien unterzeichnet worden, und nun durfte weder requirirt noch eine Contribution eingeleitet werden. Der Friedensengcl schwebte über den Gefilden, und der rauhe Krieger wurde wieder zahm. Die Stadt Paris zahlte jedem Lieutenant täglich 15 neugeprägte Francs aus, mich ärgerte aber das Gesicht der Republik derart, daß ich sie alle verspielte. Große Truppenmassen rückten am 7. März auf dem Plateau von Villiers zusammen. Kaiser Wilhelm hielt auf den im November blutgetränkten Gefilden Heerschau über Sachsen, Württemberger und Bayern. Der Feldherr Kronprinz Albert von Sachsen kommandirte die Parade, und der Kronprinz von Preußen führte das I. Corps v. d. Tann vor. Aber noch einmal, als der Frühling über die Lande kam, vernahmen wir das Donnern der Geschütze. Die Brüder eines bethörten Volkes zerfleischten sich nun selbst. Die im 19. Jahrhundert so aufgeklärte Menge hatte neue Märtyrer geschaffen, an deren Spitze der arme Erzbischof von Paris stand. Nun bekriegte Versailles die Pariser, und das Plateau von Chütillon kam noch einmal zu Ehren, nur richteten sich jetzt französische Kanonen gegen die Stadt, in der die entfesselten Elemente der berühmten Freiheit ihre Orgien feierten. Noch sehe ich die schwarze Rauchsäule, die der moderne Herostratus gegen den Himmel steigen ließ — eine vieltausendköpfige Hydra — bar aller Ehrfurcht vor Gott und vor der Obrigkeit. So benimmt sich die Masse, wenn ihr das Gefühl für Autorität abhanden gekommen ist — aberzogen wurde! Wir aber von der Augsburger Division sollten dle Heimath noch lange nicht sehen, da wir, als Alles nach Deutschland zu festlichem Empfange zog, den Occupations- truppen zugetheilt wurden. Nachdem wir dann genau volle drei Jahre auf französischem Boden verblieben waren, kehrten auch wir in die liebe Heimath zurück. 25 Jahre sind seitdem verflossen und mit freudigem, stolzem Gefühl hat man der glorreichen, der strapazenreichen Tage gedacht. Heil dir, mein Bayern! Heil dir, Deutschland! so möchte ich schließen, aber ich kann es nicht, ohne der 9842 Gefallenen — gleichviel ob Offizier ob Mann — in allzeit wacher Erinnerung gedacht zu haben. --LAS-- Schillers Landesherr im Kloster Oberelchingen. Von Loren; Werner. -- ^Nachdruck vrrbs!!».; Wenn es von dein Unterhaltuugsblatt einer Zeitung überhaupt ein löbliches Beginnen ist, das Interesse der Leser in Wort und Bild auf heimische Stätten zu lenken, so darf es nicht weniger mit Freude begrüßt werden, wenn — allerdings in gedrängter Uebersicht — die ganze Vergangenheit einer solchen Stätte uns vor Augen geführt wird. In einer der letzten Nummern des „Unterhaltungsblattes" nun ist uns eine solche Ausschau in die Geschichte eines denkwürdigen Ortes aus der Heimath verstattet worden. Es ist dies die reichsun- mittelbare Abtei Oberelchingen, welche sich einst stattlich aus einem Donauhügel bei Ulm erhob. Wohl kein Leser, der von der Schilderung Kenntniß nahm, ist glcichgillig geblieben, als er über die oft grauenvollen Heimsuchungen unterrichtet würbe, welche das genannte Kloster im Laufe der Jahrhunderte erfahren mußte. Wenn wir es heute unternehmen, auf die Geschichte desselben zurückzukommen, so geschieht es nur, um der vielleicht hie und da auftauchenden Ansicht zu begegnen, als ob das Geschichtsbild Oberelchiugens bloß mit den dunkeln Tinten des Unglücks und der Heimsuchungen zu malen sei. Insbesondere möchten wir den historischen Ueberblick, der an sich ja eine sehr daukeuswerthe Arbeit ist, dahin ergänzen, daß in den ruhigeren Zeiten sich Partien in jener Geschichte finden, welche die Phantasie des Beobachters geradezu mit Behagen erfüllen. Hiezu scheint uns die Friedeus-Aera, welche nach dem spanischen Erbfolge-Krieg für das Neichsgotteshaus eintrat, ganz außerordentlich angethan zn sein. Diese Epoche enthält Züge, welche nicht nur das Stillleben des Klosters charakterisieren, sondern interessante Streiflichter auf die allgemeinen Culturzustände an der Neige des 18. Jahrhunderts zu werfen geeignet sind. Deßhalb, und weil die darin eine Hauptrolle spielende Persönlichkeit durch ihre Stellung in der Literaturgeschichte, sowie zu der ganzen damaligen Zeitströmung von Bedeutung ist, greifen wir aus ihr eine Episode heraus. Es war im Jahre 1786. Siebenzig Fricdcusjahre waren vorübergegangen, seitdem das Haus schwere Drangsale erlitten hatte. Dank der Umsicht in der Leitung und dem Fleiße seiner frommen Insassen hatte sich das Reichsstift unverhältnißmähig rasch erholt, wenn es auch nicht mehr zu dem früheren Glänze oder dem der damals noch blühenden Stifter Tttobeuren, Weingarten oder Salmanusweiler gelaugte. Die Gefalle liefen wieder regelmäßig ein, der Boden gab seine Erzeugnisse her, ehe die Sense der Kriegsfurie über die grünen Halme hiuwegfuhr. Die Zahl der Capituiare hatte wieder ihre normale Höhe inne. Die Mönche oblagen ihren Pflichten als Priester, leiteten ihre Klosterschule, lehrten Sprachen, Physik und Mathematik, vergnügten sich an den harmlosen Freuden des Landlebens und hörten zuweilen von Welthändeln, zuweilen von großen Herren und gewaltigen Fürsten. Jetzt sollten sie einen solchen von Angesicht zn Angesicht erblicken. „Heute (15. Dezember 1786) um 3 Uhr bekamen wir von Or. Heuucnberger aus Ulm (Hausarzt des Klosters) eine Privatrelation, daß Seine herzogliche Durchlaucht (von Württemberg) zu uns kommen werde." Also schreibt I'. Benedict Baadcr, der Prior und damalige Archivarius der Abtei, in sein Tagebuch. Doch ehe wir von jenem Besuche handeln, der die ganze Bewohnerschaft des Neichsstiftes in eine Aufregung wie in die eines gestörten Bienenvolkes versetzte, wollen wir einen Blick in das Tagebuch selbst werfen, dem wir den Bericht über das Ereignis) verdanken. Der Prior begann seine Aufzeichnungen, die in einen starken Foliobaud eingetragen sind, im Jahre 1785. Zn langer Vorrede verbreitet er sich über den Werth, den Nutzen und die Nothwendigkeit eines Diariums für ein Kloster. Am Schlüsse derselben sagt er: „Docu- meute, Instrumente, Authentica gehen oft verloren. Wenn baun noch ein Diarium im Archiv liegt, findet es wohl keinen Glauben pro probatiouo; allein wenn man nach 100 Jahren gesinnt ist, eine vollständige llistoriam von einem Kloster herauszugeben, kann man unmöglich alle Schriften so genau durchgehen. Wie hilft man sich aber, oder, wie kann man sich anders helfen, als eben durch ein Diarium?" Es sind mehr als 100 Jahre dahingegangen, seitdem der fleißige Archivar diese Worte niederschrieb. Und wenn auch aus dem Tagebuch, das jetzt in der Bibliothek des historischen Vereins in Augsburg aufbewahrt ist, keine Geschichte des Klosters geschrieben werden soll, so erweist sich dasselbe doch als eine recht verdienstliche Quelle für das Studium der Culturzustände jener Zeit, und nicht nur im Hinblick auf den engbegrenzten Raum, dem das Buch bestimmt war. Abgesehen von den Schilderungen der Kirchen- und Hausfeste in Lberelchingen, der kleinen und großen Fastnacht — die kleine ging dem Advent voraus —, den ersten Spaziergängen im Frühling und dem Scheibenschießen bei verschiedenen Ehrungen, bringen sie daukeswerthe Angaben über das Schulwesen und das wissenschaftliche Streben der Hausgenossen, sowie sie Reflexionen über die Erscheinungen in der zeitgenössischen Welt enthalten. Jedenfalls zeichnet sich der Verfasser des Tagebuches, das mit ebenso großem Recht eine Chronik jener Tage genannt werden kann, durch Nechtsinn und Freimuth aus. Ohne jede Bitterkeit und Tadelsucht, mit feinem Beobachtungssinu und zuweilen nicht ohne Jovialität und Humor bespricht er die Vorkommnisse, von denen uns manche kleinlich erscheinen mögen, die aber in jener Welt für sich doch von Bedeutung waren. Wir müssen uns ausführliche Proben daraus versagen und uns darauf beschränken, unter den Personen der klösterlichen Genossenschaft eine Umschau zu halten. Abt war der im Jahre 1736 zn Deggingen geborene RobertI., der im Jahre 1766 erwählt worden war. Der Prior und Archivar schildert ihn in seinem Tagebuch folgendermaßen: „Robertus I., mit dem Zunahmen Kolb, ein Müllcrs- sohn aus dem Wieseusteigischen Thäle, Studierte theils hier im Closter, theils zu Cllwaugeu. Vor dem Antritt seines Amtes war er Ollori ro^eus einige Jahr und auch Urokessor pllilosoplliao, überhaupts ein gelehrter Kops und auch ästimiert, wizig, aufgeweckt, geschickt und beliebt: eifrig in seinen geistlichen Funktionen, ein großer Oekouom; sehr besorgt für das wohl seiner untergebenen und von Allen gefürchtet lind geliebt." Der Conveut bestand im Jahre 1785 aus zwanzig Patres, fünf Novizen und einem Laienbruder, welche alle sich in die geistlichen und weltlichen Geschäfte theilten. Unter den letzteren, den rein materiellen, waren die des Kasten-, Speise- und Kellermeisters von der Bedeutung einer Lebensfrage; die Novizen oblagen den Studien und bereiteten sich für das Lehramt vor, oder studierten, wenn sie sich hiezu nicht eigneten, bloß Theologie und Philosophie; nebenbei betrieb ein jeder Musik und lernte irgend ein Instrument; der Laienbruder war Schneider. Diese sämnttlichcn Mitglieder des Convents werden nun von dem I?. Prior in seinem viario nach Fähigkeiten und Charakter geschildert; und wir unsrerseits können es uns nicht erlassen, einige köstliche Abschnitte daraus mitzutheilen. So heißt es z. B. von 1?. Gregorius Zieglauer: „Gebürtig zu Bozen in Tyrol, eines Wechsclherrn Sohn, 30 Jahre alt, hat hier und in Freysing schon 4 mahl das jns cauonisniw dociert, ouin applaumi, wie er solches auch wirklich bei uns dociert: ein excellentes Talent, guonck inFsnium st msinciriLm, welches unser Closter uit bald gehabt: sonst in oouver8ations sehr aüastsl, liebreich, charitativ und eines guten Herzens." Nicht alle Confratres kommen bei der Schilderung 98 so gut weg wie dieser; doch besteht die ungünstige Quälisicatiou mehr in dem, was nicht gesagt wird, als in positivem Tadel. Nur über Meinrad läßt sich der Tagebnchschrcibcr etwas bestimmter uns: „Ist 55 Jahr alt, zu Cring gebürtig, ein Schulmeisters Sohn, hat die iutsrioro, zu Miudelheim gestudiert, in welchen er ein sehr trefflichen krog'ress gemacht: Stand in Aemtern eines Moderators und Professors bei den Knaben, krüsieiis bei der Bruderschaft, Kuchelmeistcrs und Großkellerers .... Hat einige Büchlein von der „Aufklärung" in Trnck gegeben .... so eines: Freimütige Anmerkung zu der Frage „Was sind Aufklärer? Von einem steifen Wahrheitsfrcund". Dessen erstes Werk hat viel Beifall gefunden, ist von Bihlen andern aber auch gescholten worden; überhaupts hat Hr. Aulhor eine bissige Schreibart: wie dies werk angesehen werde, wird die Zeit lehren. — Hr. Author hat sehr Vihl Erudition, aber nit Bihl D-Doch fügt der Archivarins und Prior mit wohlthuender Milde bei: „ssounäum lneuLU iuäioium, guock et ipsum kallilnlo est." Das Muster eines Benediktiners aber scheint dem Verfasser des Tagebuchs 1'. Jnlianus Edelmann gewesen zu sein. „Gebühren 1758 zu unter Elching als Sohn eines wohlbemittclteu, gar frommen Bauers, hat k. Julian seine Studien hier und zu Dillingen mit Vihlein Lob absolviert; ist dermahlen Pfarrer zu Thalfingcn, ein Mann ohne alle Passion und Leidenschaft zu unser größten Verwunderung. Ganz allein in Gott und das Geistliche vertieft, sucht er Alle zum Himmel anzutreiben; er gibt ganz sonderliche Beispihle der Frömmigkeith und Abtödtnng, die ihm nit so bald einer nachmachen wird. Beym Gebet immer der Erste. Er beleidigt kein Thürleiu; ich glaube schwehrlich, daß er einen floh todten könnte. Er liebt Alle und wird auch von allen geliebt; er mischet sich in gar nichts Zeitlichs, ist ihm Alles recht. So kene ich ihn von Jugend auf, noch als Kuab von 10 Jahr — immer sich gleich — fromm und heilig. — Wahrlich, wenn Elching dismahl keinen Heiligen bekommt, so wird es spät werden, etwas Dergleichen mehr zu erhalten." Außer den geistlichen Herren bestand der „Staat" Elchingen in seinen Herrschern und Bemmen aus 1 Ober- Amtmann, einem Nechtsconsulenten, 2 Pflegern, 1 Oootor meclioiuas und — für das Kontingent zur Ncichsarmee — aus 1 Lieutenant, einem Herrn Philipp von Stotz aus Augsburg. Von Letzterem merkt der Chronist u. A. an: „Er weiß einen Diskurs fortzuführen; doch hat er als Soldat noch nit Vihl Pulver geschmeckt." Ueber die wissenschaftlichen Vorzüge des Hausarztes, des bereits oben erwähnten Dr. Heunenhofer, schweigt er sich aus; dessen ganze Charakteristik lautet: „Herkules Henncn- hofer, ein Lutheraner von Ulm, ist unser oräiuariuo Arzt und Doktor; er ist auch Hofrat zu Baden-Baden. Ein guter Mann, etwa 60 Jahre alt, der die Kranken fleißig besucht :c. rc." Weiter nichts. Nchnlich heißt es vom Herrn Oöcramtmann: „Michael Hummel, 70 Jahre alt, ist ein sehr guter Mann, nur gar zu gut und recht fromm und christlich; ist zuvor lange Zeit Pfleger in Stoffeuricd gewest und wegen seinem aufrichtigen Lebenswandel (sio!) zur Oberamtmann-Stelle promoviert worden." Demgemäß berichtet der Prior a. a. O., wo es von Polizei und Justiz handelt: „Unser Obcramtmann ist zu gut, und sonst nimmt sich niemand um die Sach an. Im Kloster freilich wird kein Exceß ungestraft gelassen." Uebrigcns fügt er bei dieser Gelegenheit die lobende Bemerkung über den Gesammtzustand des Oberelchingcuschen Gemeinwesens au: „Wegen der Trak- ticrnng der Gastfreundschaft, so gewiß kostbar ist, itwm wegen litterarischer Kultur, auch wegen der Musik und roxularum ollsorvautia ist unser Kloster in gutem Ruf und macht sich Ehre." Pünktlich und gewissenhaft, wie der Verfasser des Tagebuches ist, unterläßt er es nicht, auch von sich selbst zu sprechen, aber bloß der Vollständigkeit halber. Von seinen Verdiensten und Kenntnissen schweigt er, und er beschränkt sich auf die Angabe der nothwendigen Personalien. Die Charakteristik, welche wir wohl wiedergeben müssen, und die den Schluß der Qualifikationen bilden soll, hat den Wortlaut: „1?. Veuediktus Baader, Prior, ein Mann von (damals) 36 Jahren, gebühren zu Nottenburg am Neckar bei Tübingen, ein Lebzeltners- sohn, studierte theils in Nottenburg, theils in Elching, versähe das Amt eines Katecheten, Pfarrers in Icwo, Präsidis bei der 7 Schmcrzen-Brnderschast, ki-okosooris iukorioruiu (an der Lat inschule) und i?rot6L8oris tlroo- loFiao, dermahlen eines Priors. Ist auch Musikant und schlagt die Orgel; auch besorgt pro ckioeiplinas oouL6rva.kiou6, immer occupiert, ist dermahlen auch ^.riollivariuo u. s. w." — Gerade die bescheidene Form, in welcher diese Angaben erscheinen, ist charakteristisch für die Person des Schreibenden, den wir in seinem ganzen Werke als einen schlichten und verständigen Mann kennen lernen- (Schluß folgt.) --S-LWL?«-"- B§uezml6 mrLer der Familie Wrlsrr?) Von Professor Dr. Arthur Kleiuschmidt (Heidelberg). Die weit ausgreifenden Ansprüche Großbritanniens hinsichtlich seiner Grenze mit Venezuela lenken gegenwärtig wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf dies goldreichs ungeheure Land. Keine Episode seiner bewegten Geschichte hat aber das dauernde Interesse wie die, von der ich erzählen will. ColumbuS hatte 1498 das Festland von Südamerika entdeckt, Alonzo de Hojeda, Juan de la Cosa und Amerigo Vespucci entdeckten im folgenden Jahre die Küste Venezuelas vom Efsequibo-Fluß bis zum Vorgebirge de la Vela, und sofort machte sich die spanische Krone daran, dies neue Gebiet in ihrer Weise zu kolonisiren, die Eingeborenen gegen die Sklavenräuber zu schützen und finanzielle Erfolge zu erbeuten, während durch die Welt Gerüchte liefen, man habe ein Wunderland, ein Arsenal des Goldes und der Juwelen, ein zweites Colchis, L1 Ooraäo gefunden. Auch die Weiser in Augsburg hörten davon. Venedig hatte aufgehört, der Hauptmarkt für der, indischen Handel zu sein; mit der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien war Lissabon an seine Stelle eingerückt, und die findigen deutschen Kaufherren, zumal die Augsburger, Nürnberger und Ulmer, nahmen seitdem den Weg über Lissabon und bctheiligten sich bei den indischen Ladungen portugiesischer Schiffe. Die Weiser hatten Faktoreien in Lyon, Genf, Bern, Freiburg, Antwerpen, Venedig, Mailand, Genua und Nom, wie in Lissabon, Sevilla, auf Madeira usw., Plantagen auf den V Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz dem Feuilleton der „Franks. Zeitung". D. Ned. 99 kanarischen Inseln, sie beherrschten Mit den Jmhof den ganzen Safranhandel und von Bari in Apnlien aus den Levantehandel. Anton Weiser gründete mit feinem Schwager aus Memmingen, Konrad Voehlin, das Weltgeschäft „Anton Weiser, Konrad Voehlin und Gesellschaft"; sie und andere Handelsgesellschafter erwirkten bei König Manuel dem Glücklichen, unter dem Portugal sein goldenes Zeitalter durchlebte, vortheilhafte Handelsbedingungen, direkten Bezug von Spezereien, Brasilien- holz usw. Mit Voehlin, Fugger, Gossembrot, Hvchstetter und Im Hof aus Augsburg und Hirschvogel aus Nürnberg rüstete Weiser drei große Schiffe für 66,000 Dukaten, um den ersten portugiesischen Vice- könig, Don Francisco D'Almeida, im März 1605 nach Indien zu begleiten; die Schiffe kehrten mit reicher Ladung an Spezereien, Perlen und Baumwolle nach Lissabon zurück, doch machte nun Manuel den Deutschen die Waaren streitig; Lukas Rem, der thatkräftige Agent der Weiser, mußte lange für disHandelsgesellschaftProzeß führen, indeß verglich man sich schließlich und als die Waaren in Antwerpen verkauft wurden, ergab sich für die Gesellschafter ein Reingewinn, der zwischen 150 und 175 pCt. variirtc. Nein bctheiligte sich 1506 an der Expedition des Tristan da Cunha nach Indien, brachte große Vorräthe nach Portugal zurück, und Manuel fixirte den Preis, zu dem die Waaren verkauft werden mußten. Alle Nörgelei und Prellerei der portugiesischen Regierung verleidete den Deutschen den Handel nicht, zugleich aber wendeten sie ihre Blicke auf das spanische Indien. Die Weiser verschafften sich in Madrid die Berechtigung, „auf eigene Kosten und Abenteuer, wann und so oft sie wollten, als wären sie Spanier, aus Spanien nach dem neuen Indien fahren zu dürfen", und Gleichstellung mit den Spaniern im „Jndtcnhause" zu Sevilla; sie waren „die ersten Deutschen, die Jndia suchten". Kaiser Karl V. stand eben zu oft im Schuldbuche der Weiser, um ihnen etwas abschlagen zu können, ihr Guthaben betrug Millionen. So kam 1526 ihr Faktor Ambrosius Ehinger nach Sanio Domingo auf der Insel Espanola (Sän Domingo), dem Hauptorte von Spanisch-Jndien. verbreitete hier alleKultur- und Lebensbedürfnisse, d'e er aus Europa bezog, und schickte reichen Gewinn a.: seine Auftraggeber in Augsburg. Er richtete ihr Auge auf die Caraiben-Küste und auf „Kleiu-Venedig" oder Venezuela; wie tausend Andere glaubte er, einen zweiten Ozean, der mit dem alten irgendwo in Verbindung stehen würde, und dort Reichthümer in Unzahl finden zu müssen. Es war ein Schritt weiter auf der Bahn der Weiser, wenn sie nun, wie bereits mancher Spanier, Land und Leute in der unermeßlichen spanischen Wildniß als eigene Kolonie zu Nutz und Lehen erlangten; die Krone trug natürlich keinerlei Antheil an dem Risiko, das sie auf sich nahmen, sie allein hatten alle Mittel zu bestreiken. Die neuen Forschungen von Konrad Hübler haben ergeben, daß vor der Erwerbung Venezuela's durch die Weiser die Familie Ehiuger in Besitz desselben getreten ist; vielleicht hatte sich auch zu diesem Behufe eine Handelsgesellschaft „Bartholomäus Weiser, Ulrich Ehinger und Mit- verwandte" gebildet. Die Konkurrenz eines reichen Zuckerrohr-Pflanzers von Espanola, Juan de Ampies, wurde durch kluges Vorgehen in Sevilla und Madrid aus dem Felde geschlagen, mit dem Gouverneur von Santa Marta, Earcia de Lerma, ein beiden Theilen günstiger Vertrag abgeschlossen, und nun übertrug Karl V. am 27. März 1528 Lurch Vertrag die zu begründende Statthalterschaft Venezuela Hieronymus Sailcr und Heinr. Ehinger, Welser'schen Agenten, für Zeit ihres Lebens; das Gebiet erstreckte sich von dem Cabo de la Dela bis zum Cabo de Maracapana und von Nord nach Süd von einem Ozean zum andern. Neben Heinrich Ehinger aus Konstanz, der Zweifellos längere Zeit in Welser'schen Diensten gestanden und die Welser'schen Geschäfte in Spanien besorgt hatte, und Sailer wurden Ehingers Brüder Ambrosius und Georg mitbelehnt, der Name Weiser wird gar nicht genannt. Lehensherr war der Kaiser, nicht der König von Spanien (Kastilien), wie Hermann Schumacher in seiner ausgezeichneten Arbeit über die Welser-Episode hervorhebt; hingegen sollten Rang und Titel deS Statthalters die eines kastilischen ^.äolantaäo sein, und die kastilische Krone hatte ihm ein Gehalt von 200,000 MaravediZ zu bezahlen. Die Belehnten hatten selbst den Eeneralkapitän und den obersten Gerichtsvogt, zu deren Gehalt die kastilische Krone je 100,000 MaravediZ beisteuerte, und die Kommandanten der drei Festungen zu ernennen, welche sie nebst zwei Ortschaften binnen zwei Jahren nach der Ankunft anlegen mußten. Die Belehnten sollten mit vier mit Proviant auf 1 Jahr versehenen Schiffen und mit 400 Mann die Fahrt nach Venezuela unternehmen, 50 deutsche Bergknappen anwerben und für Absenkung derselben nach den verschiedenen spanischen Gebieten über der See sorgen (zwei andere Ehinger, HanS und Ulrich, warben alsbald eine große Zahl Bergleute im Erzgebirge au, schafften sie nach Sevilla, und Welser- sche Agenten beförderten sie in die neue Welt, wobei die Handelsgesellschaft „Bartholomäus Weiser, Ulrich Ehinger sammt anderen Milverwandten" betheiligi war; viele von diesen Bergleuten fanden drüben nur Enttäuschung, kehrten erbittert heim und prozessirten nun gegen die Werber; die Akten dieses Prozesses liegen in Dresden, wo Häbler sie benutzte). Die bürgerliche und militärische Leitung der Provinz, die Ausübung aller Hoheitsrechte, stand nur Hch. Ehinger und Sailer zu; konnten sie nicht selbst nach Venezuela gehen, so sollten Ambrosius und Georg Ehinger diese Gewalt ausüben; der Regent der Provinz mußte aus der Reihe der Vier gewählt werden, und wiederum hatten die Werfer weder Vorschlags- noch Bestätigungsrecht. Ehinger und Sailer legten hierauf ganz besonderen Werth, ließen sich ihre ausschließlichen Rechte vom Kaiser am 4. April 1528 und am 8. October 1529 bestätigen und betonten sie in verschiedenen Aktenstücken; von Weiser erwähnen sie nichts. Im Vertrage vom März 1528 wurde Ehinger und Sailer die zollfreie Ein- und AnS- fuhr von Lebensrnitteln zugestanden, vorausgesetzt daß sie keinen Handel damit trieben; sie erhielten in den Magazinen des Jndienhauses zu Sevilla Raum für ihre Einfuhrartikel und am Reinerträge, den die Krone haben würde, 4 pCt.; von den östlichen Antillen durften sie Pferde, Rinder usw. holen; vom eroberten Lande durften sie sich 12 Qnadratmeilcn zu freiem Eigenthum aussuchen. Von ihren Leuten sollte jeder vier Jahre nach der Ankunft zwei große Bauplätze zu privatem Eigenthum empfangen, in den drei ersten Jahren nur den Goldzehnten, erst im neunten den Goldfünften zahlen, acht Jahre lang von der Abgabe auf Lebensrnittel und auf immer von der auf Salz befreit sein; die königlichen Beamten durften aber nach verheimlichten Schützen bei ihnen suchen und die der Verheimlichung Schuldigen bestrafen. Diejenigen Indianer, die sich einer friedlichen Ansiedlung mit Waffen- Gewalt widersetzten und keine Rücksicht auf Bekanntgabe einer Urkunde von 1526 nehmen würden, sollten zu Sklaven gemacht werden, wofür die Krone ein Fünftel des Werthes erhielt; Venezuela versprach Großes als Sklavenmarkt, was den Kaufherren besonders wichtig Max. — In Andalusien ging nun ein lustiges Werben an, man nahm Jeden außer Juden und Ketzern, exerzirte die Geworbenen, vereidigte sie auf Kaiser und Gouverneur und brachte sie in Sän Lucas auf die Welser'schen Schiffe. Bis Sän Domingo führte Garcia de Lerma den Oberbefehl, dort übernahm denselben der erste Regent der neuen Kolonie, AmbrosiusEhinger,der irriger Weise, wie Häbler's Forschungen darthun, meist Alfinger genannt wird. Ambrosius landete mit drei Schiffen und fast 500 Mann am 24. Februar 1529 bei Coro und ließ sich als Gouverneur und Generalkapitän huldigen; Ampies, der Coro gegründet hatte, machte ihm Platz, da es Karl V. so gewollt, seine Leute aber blieben und wurden Ambrosius ungemein nützlich, als es an die Or- ganisirung des neuen Landes ging. Die spanischen Beamten, die Ambrosius mitgebracht, um die Aemter eines königlichen Schatzmeisters, Zahlmeisters, Wirthschöfters (Faktors) und Aufsehers zu bekleiden, geriethen alsbald in Kompetenzstreit mit ihm, störten den Frieden in der neuen Kolonie und trugen wesentlich zu dem Nationali- tätenhasse bei, der ihr kein Glück in Aussicht stellte. Ambrosius kannte die Spanier seit lange, machte sich ihnen gegenüber Anhänger unter den Kolonisten und wußte sich Gehorsam zu verschaffen. Er gab Coro eine Stadtverfassung, unterließ es aber, das befreundete indianische Gebiet unter die Kolonisten zu vertheilen, womit er doch ihr Interesse am Gedeihen der Kolonie am ehesten genährt hätte, während er unter seinen Leuten auch auf ihren Streifzügen eiserne Disziplin handhabte. Die wichtigere von zwei in's Innere unternommenen Expeditionen, welche den in der Sage sich stets steigernden Reichthümern galten, führte Ambrosius selbst im October 1529 nach dem Westen; die zweite im Vertrage von 1528 geforderte Ansiedelung gründete er in Maracaibo, unternahm von da viele Streifereien, vertheilte das indianische Gebiet auch hier nicht und verfeindete sich mehr und mehr mit den Kolonisten; das Gebiet war unfruchtbar, von Perlenbänken im Westen hörte man zwar, und einige Schiffsladungen mit Sklaven konnten auch nach Santa Maria und Cuba verfrachtet werden, aber die großen Erwartungen blieben unerfüllt, Goldlager fand man nicht. (Fortsetzung folgt.) --»-- Eine interessante Anwendung hat die Elektricität schon seit längerer Zeit auf einem Gebiet der Astronomie, der Astrophysik, gefunden. Es ist von vornherein einleuchtend, daß mit dem Lichte, welches uns die am nächtlichen Himmel in so schönem Glänze funkelnden Sterne zusenden, auch Wärme, die stete Begleiterin jener ersten Erscheinung, von ihnen aus zur Erde gelangen muß. Andrerseits ist es unschwer zu erkennen, daß diese Wärmemengen nur außerordentlich klein fein können, so klein, daß erst die letzten Decenuien uns ein Instrument gebracht haben, welches empfindlich genug ist, jene minimalen Bewegungen, welche wir als Wärme bezeichnen, uns deutlich erkennen zu lassen. Die Combination einer Thermosäule mit einem empfindlichen Mnltiplicator ist ein solcher Apparat, dessen sich hauptsächlich Stone und Langley bei ihren difficilen Versuchen über die Wärmestrahlung der Sterne bedient haben. Ersterer beobachtete am großen Nefractor der Greenwicher Stern- Warte; seine Messungen am Arktur, dem Hauptstern im Sternbild des Bootes, ergaben, daß dieser Stern eben so viel Wärme uns zukommen läßt bei einer Höhe von 25 Grad über dem Horizont, wie ein mit siedendem Wasser gefüllter Würfel mit einer Kante von 3 Zoll aus einer Entfernung von etwa 370 Meter. Vega, der hellste Stern am Sonuenhimmel, zeigte bei einer Höhe von 60 Grad nur drei Viertel der Wärme des Arktur, so daß also der Schluß von gleicher Helligkeit zweier Sterne auf gleiche Wärme nicht berechtigt ist. In allerletzter Zeit hat jedoch die Elektricität zur directen Bestimmung der Lichthelligkeit der Sterne, die bisher entweder auf physiologische Art, d. h. durch directes Beobachten, oder aber mittels der Photographie bestimmt wurde, herangezogen werden können. Die Herren Wil- son und Winchin benützten bei ihren Versuchen eine Eigenschaft der amorphen Form des Selens, bei Belichtung elektrisch, und zwar positiv elektrisch, zu werden. Sie construirten sich eine Photoelektrische Zelle, die i« wesentlichen aus einem Aluminiumstreifen, der das lichtempfindliche Stückchen Selen trägt, und einer Flüssigkeit, Oenanthol, die durch das Licht negativ geladen wird, besteht. Mit diesem Apparat sind die Kräfte gemessen worden, in welche sich das Licht einiger Fixsterne und Planeten umsetzt. Hält man eine gewöhnliche Kerze in einer Entfernung von neun Fuß von der Zelle, ohne ihr Licht zu concentriren, so erhält man eine elektromotorische Kraft von 0,03 Volt; das Licht des Arktur gab nur 0,8 dieser Kraft, Saturn 0,56, während sich bei Vega ein größerer Werth zeigte. Die Empfindlichkeit erstreckt sich über alle Theile des sichtbaren und die angrenzenden des unsichtbaren Spektrums, nur muß die ganze Oberfläche des Selenstückchens von dem Lichte des zu untersuchenden Sternes bedeckt sein. Soviel man aus den spärlichen, bisher zur Verfügung stehenden Zahlen- angaben schließen kann, steht die auf photoelektrischem Wege gemessene Helligkeit zu der direkt gemessenen in richtigem Verhältniß, so daß diese neue Methode unS zuverlässigere Zahlen liefern wird, als die bisher theil- weise recht ungenauen, in Anwendung gekommenen. Kombinations-Räthsel. Willst du es rathen, so zertheile es. Der erste Theil ist Folgendem gemeinsam: Er schützt dich gegen Sturm und WettcrbrauS. Er trieb Napoleon von Moskau fort. Es hat's der Tisch, das Geldstück und der Teller. Es ist im Meer und ist auch an dem Meere. Du gehst darauf und ziehst darin umher. Der zweite Theil ist Folgendem gemeinsam: Es füllt des Kaisers und der Fürsten Schlösser, Es zieht dahin behend durch Fluß und Meer, Es führt dich in der Erde dunkle Tiefen, Es lockt gar manchen Mann zu kühnem Streben. Du gibst's, du uennst's im jetzigen Jahrhundert. Das Ganze: Wenn es mild umzieht dein Herz. Bist du entrückt dem niedern Erdenlebeu. Ein reiner Glanz durchleuchtet deine Seele, Es fiel hinein ein Strahl vom Auge Gottes. Auflösung des Bildcr-Näthsels in Nr. 12: Oberbefehlshaber. ----SSW-S---—