« 18 . „Augsburger Postzeitung". Vivstag, den 3. März 1896 . Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS >L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Die Astrologen. Historischer Noman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Max Benno. (Fortsetzung.) Albrecht von Wallenstein war indessen von Plan aufgebrochen. Während des Marsches beschied er Butler an seine Sänfte. „Herr Oberst", wandte er sich an diesen, „ich muß mir den Vorwurf machen, daß ich Euch bisher nicht so belohnt habe, wie Ihr es verdient. An dieser Ungerechtigkeit trage jedoch nicht ich die Schuld, sondern der Kaiser, welcher bezüglich der Dotationen an verdienstvolle Offiziere seine Versprechungen nicht hielt. Es soll anders werden. Damit Ihr sehet, wie sehr ich Euch schätze, sollt Ihr zwei Regimenter erhalten, und zudem werde ich Euch zu neuen Werbungen in England, Schottland und Irland zweimalhunderttausend Thaler durch meinen Gesandten in England anweisen lassen und einen Musterungsplatz in Hamburg verschaffen." „Hoheit", erwiderte Butler, „Dero Gunstbezeigungen erfüllen mich mit dem innigsten Dank. Ich bin kein Unterthan des Kaisers und nur durch die freiwillig übernommene Militärpflicht für die Dauer meiner Dienst- zeit gebunden. Nach Emledigung von dieser Pflicht kann ich dienen, wo mtr's gefällt. Doch die Ehre, das höchste Gut des Soldaten, verbietet mir, aus einer ältern Kapitulation in neue Dienste zu treten, ehe jene erfüllt ist. Ich will bei dem Kaiser um Entlassung aus dem Heere nachsuchen. Ist dies geschehen, so bin ich zum Eintritt in Euere Dienste bereit. Ich weiß ja, daß es keinen größern Feldherrn gibt als Euere fürstliche Gnaden!" Das Mienenspiel Wallenstein's bekundete, daß die ausweichende Antwort nicht seiner Erwartung entsprach. Er behielt jedoch seine Gedanken für sich. „Es ist gut", „darüber sprechen wir später noch mehr." Gleichzeitig reichte er dem Oberst mit einem freundlichen Nicken die Hand, und dieser ritt an die Spitze seiner Dragoner zurück. Gegen Abend wurde Eger erreicht. Wie auf dem ganzen Marsche, mußten die Butler'schen Reiter auch hier wieder auf freiem Felde campiren. Beim Einzug durch das Festungsthor hatte Wallenstein, düster und starr vor sich hinbrütend, in eine Ecke der Sänfte sich gedrückt. Plötzlich kam Leben in sein Gesicht, das für einige Secunden noch bleicher wurde, als es schon war. Er sah ein Antlitz vor sich, das Erinnerungen der unangenehmsten Art in seiner Seele wachrief: Leßlie, der ehemalige Schloßhauptmann auf Großmeseritsch, stand vor dem Thor-Eingang und schaute in Gesellschaft eines andern Offiziers auf den Prunklosen Aufzug des ehemals so stolzen Feldherrn. Gleichwohl faßte sich der Herzog sofort, ließ halten und winkte den nunmehrigen Oberstwachtmeister zu sich. „AHI" rief er und reichte Leßlie durch das Fenster die Hand. „Ihr seid's, Oberstwachtmeister? Wie freut es mich, hier alte Bekannte zu treffen. Commandant der Besatzung, nicht wahr? Ich habe mit Euch zu sprechen. Besuchet mich heute noch, sobald als möglich, in meinem Quartier." Leßlie versprach unterwürfig, den hohen Wunsch zu erfüllen, und der Zug bewegte sich fort. Der Oberstwachtmeister blieb nach der Entfernung des Herzogs noch eine Zeit lang auf seinem Platze. Die sonst so düstern Augen funkelten in wildem Triumph. „Ha, Herzog von Friedland", murmelte er, „nun bist Du in meiner Gewalt! Nun ist der Tag unserer Abrechnung, die Stunde der Vergeltung gekommen, nach welcher meine Seele schon Jahre lang gelechzt." Langsam kehrte er zu seinem Gefährten zurück, welcher, den Hut tief in's Antlitz gedrückt, der Unterredung aus der Ferne zugeschaut hatte. „Hast Du die Herrlichkeit des großen Friedländers gesehen, Fritz?" fragte er höhnisch. „Ich denke, jetzt helfen ihm Sonne, Mond und alle Gestirne am Himmel nichts mehr: jetzt kommt die Reihe an uns." Donald stieß einen Fluch aus. „Er soll mir den Schimpf büßen", knirschte er; „ich will ..." „Du?" fiel Leßlie dem Neffen mit finsterer Miene in's Wort; „Du wirst nichts thun, als Dich vorerst hübsch verborgen halten, damit Wallenstein Dich nicht erkennt. Später thust Du nur, was man Dich heißt. Sonst wehe Dir! Denn noch ist er der Herr, wenn auch nicht mehr . lange. Was Dir geschah, hast Du verdient. Ich habe mit ihm abzurechnen und brauche weder Dich, noch einen Andern dazu!" Leßlie schritt zu der hochgelegenen Citadelle hinauf, Donald neben ihm her. Vor dem Eingang trennten sie sich. Donald verschwand durch das Thor, und Leßlie nahm den Weg nach der Stadt. Die Dämmerung brach schon herein, als er vor der Wohnung des Bürgermeisters Pachhälbl ankam, bei welchem Wallenstein sich einquartiert hatte. Um sein aufgeregtes Blut abzuküh- 134 len, betrat er das Haus nicht sofort, sondern ging, seinen Gedanken nachhängend, langsam im Hof auf und ab. Zur gleichen Zeit befanden sich in einem nach der Westseite dieses Gebäudes gelegenen Zimmer der Herzog van Frtedland und Seni. Letzterer saß anscheinend in eifrigen Berechnungen vertieft an dem Tische, während Wallenstein, nach seiner Gewohnheit die Hände auf dem Rücken kreuzend, das Zimmer durchmaß. Auf dem Tische lag ein beschriebener Bogen Papier, dem ein großes Siegel aufgedrückt war. „Nun, was sagt Ihr dazu, Meister?" fragte der Herzog nach einer Weile, mit der rechten Hand auf das Schreiben deutend, mit finsterm Stirnrunzeln; „glaubt Ihr, daß dieses sinnlose Machwerk auch unter dem Zeichen des Erzhauses entstand?" Ein heiseres Hüsteln kam aus der Brust des Astrologen hervor. Verzeiht, hoher Herr", begann er, „wenn ich etwas vorzubringen wage, das Euch möglicherweise mißfällt. Ihr habt in letzter Zeit viel zu sehr auf fremde Einflüsterungen gehört, statt auf meinen wohlmeinenden Rath, der sich immer auf bestimmte Zeichen und Berechnungen stützt. Auch Kepler's Andeutungen haben, trotz meiner Warnung, in Eucrn Entschlüssen und Handlungen wieder eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Habe ich Euch nicht schon früher gesagt, daß jener Mann uns niemals freundlich gesinnt war? Er hat mit seiner unbestimmten Drohung Euere klaren Begriffe verwirrt." „Demnach glaubt Ihr", unterbrach ihn der Herzog, „daß der von mir eingeschlagene Weg nicht zum Licht führen wird?" „Wer kann es sagen?" entgegnete Seni ausweichend; „der Himmel war in den letzten Tagen fortwährend trübe. Ich habe die Gestirne noch nicht befragt. Auch Euer Stern war beharrlich durch Wolken verdeckt." Der Herzog trat dicht an den Alten heran. Seine Augen hefteten sich durchdringend auf ihn. „Nicht den Bescheid des Astrologen möchte ich hören", sagte er, „sondern die Meinung des Mannes, der von mir bis zu dieser Stunde unter die treuesten Freunde gezählt worden ist, dessen Wort ich immer hoch hielt, wenn er auch", fügte Wallenstein bitter hinzu, „im vorliegenden Falle nicht, wie unsere Feinde behaupten, die Schuld an meinem Eigensinn trägt!" Seni erhob sich. Er kreuzte demüthig die Arme auf der Brust und schlug die Augen nieder, in welchen nur für eine Secunde ein fast drohender Blick entflammt war. „Wenn der Herr befiehlt", flüsterte er, „muß der Diener gehorchen. Ich will gestehen, daß es mich geschmerzt hat, als ich die Sonne mit Mars immer mehr in Opposition kommen und Euere Entschließungen meine Berechnung durchkreuzen sah; doch ich hoffe, daß auch das gegenwärtige Beginnen, welches ja aus dem unerschöpflichen Weisheitsborne Euerer Hoheit entsprang, wenn auch auf Umwegen zu einem Ende geführt wird, das Euerer Erwartung entspricht." Wallenstein's Augen funkelten, Der wenig verdeckte Rückzug des verwöhnten Rathgebers erbitterte ihn. „Ich weiß", grollte er, „daß Ihr mein Thun mißbilligt, weil Ihr es im Gegensatze zu dem Wohle des Erzhauscs glaubt. Ich selbst bin mir auch recht wohl bewußt, daß es ein gewagtes Spiel ist, ohne Rücksicht auf das Urtheil der Welt nach einem Ziele zu streben, das den Einen als eine Thorheit, den Andern als ein Frevel erscheint. Doch der Herzog von Friedland weiß, was er will; er weiß, daß Europa ihm zujauchzen wird, wenn er's erreicht. Deshalb wankt er auch nicht, und stünde er allein!" Er wandte sich ab und trat an's Fenster. „Wir bekommen eine mondhelle Nacht", bemerkte er nach einer Pause. „Setzt alles in Bereitschaft, Meister; ein freundlicher Wink der höhern Mächte war mir noch nie so nöthig, wie heute." Der Astrologe verließ das Gemach, und Wallenstein nahm seinen Gang wieder auf. Da wurde ihm der Oberstwachtmeister Leßlie gemeldet. Er befahl, diesen sofort vor ihn zu bescheiden. Der Herzog empfing den ehemaligen Schloßhauptmann mit einer Freundlichkeit, wie dieser sie niemals an dem Herrn beobachtet hatte. „Ein unerwartetes Wiedersehen", sagte Wallenstein mit einem Tone, durch welchen eine bittere Ironie klang. „Ihr habt wohl vorhin auch gefunden, daß das bescheidene Gefolge den Gewohnheiten des Herzogs von Friedland wenig entsprach. Aber wer war der Offizier, welcher sich während unseres Einzugs an Euerer Seite befand? Figur und Haltung erschienen mir bekannt, doch der Name fiel mir nicht ein." Für einen Augenblick wich alle Farbe aus Leßlie's Gesicht. Schnell jedoch faßte er sich. „Capitain-Lieu- tenant Devereux", erklärte er, „ein protestantischer Schotte, ein zuverlässiger und tapferer Mann!" „Devereux?" wiederholte der Herzog, „der Name ist mir nicht unbekannt! Wohl ein Verwandter des Obersten, der am weißen Berg fiel? Zum voraus schon eine Empfehlung für ihn. Er scheint Euch nahe zu stehen. Das freut mich. Damit Ihr seht, wie ich brave Männer zu schätzen weiß, bringt ihm das Hauptmanns-Patem. Erinnert mich gelegentlich wieder an ihn. Es soll sein und Euer Schade nicht sein." Wallenstein hatte in Folge seiner eigenen Aufregung der Verwirrung Leßlie's gar keine Beachtung geschenkt. „Seht, das ist der Lohn eines Kaisers", nahm er wieder das Wort, indem er nach dem auf dem Tische liegenden Papier griff und es dem Oberstwachtmeister darreichte, „eines Kaisers, der mir nun schon zum zweitenmal« seine Krone verdankt! Doch es ist zugleich die Grube für die Herren in Wien, die mich bei Ferdinand angeschwärzt haben und nicht ruhten, bis es zum Aeu- ßersten kam. Ein Trompetenstoß, und der Klang meines Namens ruft Tausende der tapfersten Streiter herbei I Sie wissen, daß der Herzog von Friedland mit seinen Getreuen noch immer seinen Ruhm und die Früchte seiner Siege getheilt hat. Das soll fürder in noch ausgiebigerer Weise geschehen. Alle Diejenigen, welche bei meiner Fahne ausharren, will ich mit Ehren und Gold überschütten. Sie sollen werden, was sie zu sein verdienen: die reichsten und glücklichsten Soldaten der Welt." Er trat nahe an Leßlie heran. „Ich habe Euch einmal in einer bösen Stunde Unrecht gethan", sagte er mit treuherzigem Tone; „denkt nicht mehr daran! Es soll hundertfach wieder gut gemacht werden. Ehe des Mondes Rund sich füllt, marschirt Ihr als General gegen den Feind." Ein Dlener erschien und übergab ein Schreiben, das soeben durch einen Courrier gebracht worden war. Hastig riß Wallenstein dasselbe auf. Diesen Augenblick 135 benutzte Leßlie, den Inhalt des Schriftstückes kennen zu lernen, das er immer noch in der Hand hielt. Es war das Decret der Absetzung des Herzogs von Friedland. Dieser hatte sich mit dem erhaltenen Briefe an das Fenster gestellt. Seine Brust hob und senkte sich mächtig, während er las. „Ha", rief er plötzlich und nahm seinen vorigen Platz wieder ein, „nun gönne ich den Wiener Herren das Vergnügen, ihre wirkungslosen Blitze zu schleudern, nun ist mein Spiel gewonnen!" Leßlie, der lauernd zur Seite stand, warf einen raschen Blick auf das Papier. Seine Augen blitzten. Der Brief kam aus dem schwedischen Lager und trug die Unterschrift Bernhard's von Weimar. Wollenstem gab Leßlie noch verschiedene Verhaltungsmaßregeln. Auf die Terzky'schen, meinte er, könne man unbedingt rechnen. Der Oberst Butler aber scheine an der Gerechtigkeit seiner Sache zu zweifeln. Der Oberstwachtmeister möge dem alten Kameraden das Vortheilhafte seines Verbleibens beim Herzog auseinandersetzen. Damit wurde Leßlie entlassen. Wallenstein blieb in der zuversichtlichsten Stimmung zurück. Die Besatzung von Eger bestand großentheils aus protestantischen Schotten. Daran, daß auch nur einer derselben ihm untreu werden könnte, nachdem er im Begriffe stand, auf die Seite ihrer Glaubensbrüder zu treten, dachte er nicht. Sein Glaube wäre wahrscheinlich wankend geworden, wenn er den haßerfüllten Blick Leßlie's bemerkt hätte, als dieser über die breite Marmortreppe in den Hof hinabschritt. Der Oberstwachtmeister fand bei seiner Ankunft zu Hause ein Billet des Obersten Butler mit einer Einladung in dessen Quartier. Dies kam Leßlie erwünscht. Bis jetzt war er entschlossen gewesen, allein und auf eigene Gefahr seine Rache an dem Herzog zu üben; während des Aufenthalts bei demselben aber hatte ein anderer Plan in ihm Wurzel gefaßt. „Wer sich in Gefahr begibt", überlegte er, „kommt darin um. Unter den nunmehr geschaffenen Verhältnissen läßt sich mein Vorhaben vielleicht auf eine Weise ausführen, daß es, ohne das Ziel zu verfehlen, den Charakter persönlicher Rache verliert. Der Herzog ist abgesetzt, geächtet, ihn unschädlich zu machen — eine verdienstvolle That; wehr brauche ich nicht. Doch will ich vorher noch Butler's Meinung anhören, ich erhalte wahrscheinlich einen Bundesgenossen oder gar ein Werkzeug in ihm." Ohne Verzug machte er sich auf den Weg. Als Leßlie die Wohnung Butler's betrat, fand er daselbst auch den Festungs-Commandanten, seinen Vetter Gordon, den ehemaligen Schloßhauptmnnn von Fried- land, den Wallenstein vor zwei Jahren auf einen bloßen Verdacht hin plötzlich entlassen, später aber wieder zum Offizier im Heere ernannt hatte. Die Beiden saßen in der heitersten Stimmung beim Wein. Auch Leßlie ließ sich nieder und trank. Man sprach anfangs von diesem und jenem, meist Kriegserlebnissen und Erinnerungen aus vergangener Zeit. Als aber der Wein die Herzen zu öffnen begann, fiel auch über die Gegenwart manches Wort, und der Oberstwachtmeister, der nur darauf gewartet hatte, benutzte die erste Gelegenheit, um den entscheidenden Schritt zu thun. Er erzählte, wie er eben beim Herzog gewesen, wie dieser zwar nicht ausdrücklich über den Abfall vom Kaiser gesprochen, aber doch bezüglich seiner Verhältnisse zum obersten Kriegsherrn sich derart geäußert, daß man an einem geplanten Treu- bruch nicht mehr zweifeln könne. Die Beiden zeigten sich über diese Mittheilungen nicht sehr erstaunt; es wurde nur bestätigt, was sie längst geahnt hatten und wofür Butler, wenn er auch seither geschwiegen, schlagende Beweise besaß. Leßlie fuhr fort: „Der Herzog ist abgesetzt und durch den Kaiser die Entbindung aller Offiziere vom Gehorsam gegen seine Befehle verfügt. Wallenstein selbst hat mir das Schriftstück gezeigt. Bet dieser Sachlage verlangt die Pflicht ein entschlossenes Handeln von uns; wir müssen dafür sorgen, daß der Friedländer seine verrätherischen Absichten nicht verwirklichen kann. Wir sind Fremde und besitzen außer unserer Ehre kein Gut. Diese ist in Gefahr. Wenn wir klug und vorsichtig sind, retten wir sie." „Ihr habt Recht, Oberstwachtmeister", fiel ihm Butler in's Wort. „Aber wie? Die Terzky'schen Offiziere und Soldaten sind dem Herzog blindlings ergeben, und meine Reiter dürfen nicht in die Stadt. Wallenstein traut mir nicht. Er hat trotz meinem Bestreben, mich zu verstellen, wahrscheinlich meine wahre Gesinnung erkannt. Ich besinne mich auch schon lange, wie ich dem Auftrag Piccolomini's, den Herzog todt oder lebendig in seine Hände zu liefern, gerecht werden soll; so lange mir die Hände gebunden sind, kann ich nichts thun." Wie ein wildes Thier auf die Beute, so schnellte Leßlie bei der letzten Andeutung Butler's empor. „Was!" rief er, „was sagtet Ihr: todt oder lebendig? Diese Worte hat Piccolomini gebraucht? Seid so gut und berichtet mir alles genau; denn stehen uns solche Waffen zu Gebot, dann wird der Knoten mit einem Schlage gelöst." „Das will ich", erklärte Butler, „und bin begierig, zu hören, was Ihr damit anfangen könnt. Als mir die Sache während unseres Marsches hierher immer bedenklicher vorkam, schickte ich weinen Feldkaplan Patricias Taaffe zu Piccolomini und stellte ihm durch diesen meine Besorgnisse und meine Rathlosigkeit vor. Der General lobte mein seitheriges Verhalten und ließ mich ermähnen, auch fürderhin dem Herzog scheinbar gehorsam zu sein; zugleich aber ertheilte er mir den Befehl, bei der ersten Gelegenheit, die sich biete, mich der Person Wallenstcin's zu versichern und ihn in gutem Gewahrsam zu halten, bis er zur Einleitung weiterer Schritte selbst herbeigeeilt sei und zwar todt oder lebendig! Wie mir Patricius sagte, wurden diese letzten Worte von Piccolomini mehrmals wiederholt." „Nicht weiter!" unterbrach Leßlie den Oberst. „Diese Vollmacht genügt. Der General hat Euch zum Vollstrecker des kaiserlichen Willens erwählt; wir sind auch des Kaisers Freunde und stehen Euch bei. Als Festungscommandant verwahrt Gordon die Schlüssel zur Stadt. Er öffnet morgen Nacht die Thore und läßt Euere Soldaten herein. An ihrer Spitze überfallen wir die Vcrräther und machen sie nieder." „Einverstanden, ganz einverstanden", pflichtete Butler ihm bet, der einen ähnlichen Gedanken wohl schon früher gehabt hatte. Gordon jedoch widersprach. „Der Herzog", brachte er vor, „hat mich einst angehört und angerichtet verdammt. Aber mich an dem Haupte des Feldherrn vergreifen? Nein, so weir geht mein Groll nicht. Hierzu liegt auch gar keine Nothwendigkeit vor. Was kann der Herzog mit seiner Hand- 136 voll Soldaten ausrichten? Seine Festnehmung fällt uns nicht schwer. Ich öffne Euern Reitern die Thore, wir bemächtigen uns seiner und halten ihn fest, bis..." „Bis die vereinigten Sachsen und Schweden", fiel Leßlie dem Vetter ungehalten in's Wort, vor der Festung erscheinen und unsere Saumseligkeit alles verdorben hat. Dann sind wir Gefangene, und der Herzog ist frei! Die Person, der Name Wallenstein's allein ist mehr werth als eine ganze Armee. Das weiß er, das wissen die Schweden. Denk' an Deine Pflicht und die ungeheuere Verantwortung, wenn der Herzog entkommt." Durch Leßlie's Argument wurde schließlich auch Gordon'S Widerspruch gegen die blutige Arbeit besiegt. Ein feierlicher Eid, für die Ausführung des Beschlossenen Leib und Leben, Gut und Blut einzusetzen, besiegelte den schrecklichen Bund. Dann trennte man sich. (Fortsetzung folgt.) -- Quellen und Brunnen in Beziehung zur Kunst und Geschichte. Von Max Fürst. (Fortsetzung.) Nicht zu vergessen ist hier als ausgezeichneter Brunnenschöpfer der Hofbildhauer und Erzgießer des Königs Salomon, Meister Hiram von Tyrus. Die Bibel erzählt ja ausführlich, wie kunstreich er sein „ehernes Meer" für den Tempel zu gestalten wußte. An Hiram mag auch der Schöpfer des neuen Münchener Monumcntalbrunnens ein wenig gedacht haben, als er Hiebei einen Ochsen oder Stier zur Verwendung brachte. Wenn Hiram aber gleich volle zwölf Ochsen zur Schmückung seines ehernen Beckens heranzog, so hat Herr Hildebrand gut gethan, mit einem Stück sich zu begnügen; die Münchener hatten, wie man gar leicht merken konnte, an diesem einen schon genug, obwohl dieser nicht einmal in all' seinen Theilen der Rasse treu zu bleiben vermocht hat, denn im Hinblick auf die Hintere Hälfte unseres Münchener Thieres kann selbst der Kurz- und Nachsichtigste nimmermehr singen und sagen: „Ein Kerl als wie ein Rinde." Eben dieser verdächtigen Doppelnatur wegen gehört unser gehörntes Monumental-Vieh nicht zu jenen Ochsen, die allenfalls auch an einem Sonntag aus den Brunnen gezogen werden dürfen. Trotzdem haben einige wohlwollende Landwirthe gemeint, daß ob der seltenen Aufzucht, welche dem Meister Hildebrand hier geglückt ist, beim jüngsten Oktoberfeste noch ein besonderes Diplom hiefür ausgefertiget werden könnte. Diese frohe Erwartung fiel jedoch aus mehrfachen Gründen leider dorthin, wohin die Hintere Hälfte des fraglichen Thieres zunächst gravitirt — in's Wasser. Vergleichsweise könnte man aber immerhin noch die Frage offen halten, ob nicht in Zukunft der hiesige Metzgersprung vom alten Fischbrunnen nach unserem neuen Brunnen verlegt werden solle, denn angesichts des riesigen, wenn auch marmornen Hornviehes müßte das Vergnügen, im Winter in's Wasser springen zu dürfen, unseren Metzgerlehrlingcu doch noch viel zünftiger und verlockender erscheinen. Lenken wir nach dieser Abschweifung, zu der uns unser jüngstes Brunnenthier verleitet hat, wieder in frühere Zeiten zurück. Am meisten künstlerische Vervollkommnung haben die Brunnen in der Renaissance ganz besonders in Italien gefunden. Wir müßten nicht aus der Fontana di Trevi getrunken haben, um nicht mit besonderer Vorliebe immer wieder nach dem sonnigen Lande auszuschauen, das die Wellen der Adria und des Mittelmcercs kosend umspülen. In der ganzen Welt wird kein Zoll und keine Steuer so freudig entrichtet, als wie der bekannte Saldo am Rande des berühmten römischen Brunnens; aber auch in keinem Zoll- und Steuer-Amt wird mit den Einkäufen täglich so fein säuberlich ausgeräumt, als dieses die römischen Gassenjungen vermögen, wenn sie allabendlich den Boden des weiten Beckens der Fontana Trevi münzensuchend durchstöbern. Ist gut, daß bei den Eingriffen in diese in ihrer, Art einzig dastehende Opferschale keiner dieser Langfinger eine Strafe zu befürchten hat! Von den vielen italienischen Meistern, welche herrliche Brunnenwerke geschaffen haben, ist hier zunächst derjenige zu nennen, der schon von Geburt aus zum Brunnenmacher prädestinirt erschien, nämlich der Bildhauer Domenico Forllana. So sehr dieser nun auch mit dem feuchten Elemente enge verwandt war, so mußte ihm dennoch, als er im Jahre 1589 bei Aufstellung des mächtigen Obelisken am St. Petersplatze in höchst fataler Patsche saß, bekanntlich ein Unberufener mahnend zurufen: „Wasser auf die Stricke!" — Den auszeichnenden Namen, den Fontana von Haus aus besaß, hat sich ein anderer italienischer Meister, Jakob della Qucrcia, erst durch eigene That zu erringen vermocht. Als Quercia im Jahre 1419 den figurenreichen Hauptbrunnen der Stadt Siena zur Aufstellung brachte, war, wie Vasari berichtet, die Freude an dem kunstreichen Werke so groß und allgemein, daß man in ehrender Weise den Meister nur mehr mit dem Beinamen „della Fontana" kennzeichnete. Vielleicht hätte auch der berühmte Nicolo Pisano eine ähnliche Auszeichnung für seinen in Perugia sich befindenden herrlichen Brunnen erhalten, wenn nicht seine Lebenszeit in dem Momente abgelaufen wäre, in dem die Wasser seines Brunnenwerkes zu laufen begannen. Außerordentlich geschickt erwies sich als Brunnenkünstler Giovanni da Bologna. Im kühnen Arrangement seiner Wasserstrahlen und Figuren kommen bereits alle die mannigfachen Güsse vor, welche in unserer Zeit mit besonderer Vorliebe in Wörishvfen zur Anwendung gebracht werden. Der größte Wasserfreund unter den italienischen Künstlern ist übrigens immer der Bildhauer Bernini gewesen, wie man aus den vielen Brunnen ersehen kann, die er für Rom allein schon zur Ausführung gebracht hat. Die dortige Piazza Novana ist mit Brunnen ähnlich gespickt, wie der Münchener Promenadeplatz mit Denkmälern. Da die Brunnen der Piazza Novana kluger Weise keine eigentliche Vorder- und Rückfront haben, sondern nach allen Seiten gleichartig sich ausnehmen, so sind sie ohne Zweifel ein glücklicherer Schmuck, als die trockenen Monumente unseres Promenadeplatzes, die ja auch, künstlerisch betrachtet, nicht ohne bedenkliche Schattenseiten sich erweisen. In Beziehung auf Kunstbrunnen hat außerdem kein Bildhauer so sehr Schule gemacht, wie der Meister Bernini. Sein Geist spukt — wenn man so sagen darf — aus den meisten der größeren Brunnenwerke, welche in den letzteren Jahrhunderten entstanden sind. Auch in der Gegenwart ist Bernini noch nicht auf's Trockene gesetzt. In der imposanten Brunnengruppe, welche erst kürzlich vor der kaiserlichen Hofburg in Wien Aufstellung gesunden hat. Dange Stunde. Bon Ernst Hildebrand. spiegelt sich besonders auffällig das kühne Formcngcwoge des italienischen Meisters. Wüßte man nicht, daß Rudolph Wehr der Schöpfer dieses neuen prächtigen Wiener Brunnens sei, man wäre wahrlich versucht, alle Marmor-Ecken und -Enden abzusuchen, ob nicht irgendwo eingemeißelt zu lesen: Dsrnivr rsäivivuo. (Fortsetzung folgt.) -- Einzug in Paris am 1. März 1871. Nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen von Dr. H. RobolSky.