äL 19. IreiLag, den 6. März 1896. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Die Astrologen. Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Max Benno. (Fortsetzung.) 13. Kaum vierundzwanzig Stunden vor der folgenschweren Vereinbarung in Eger erging Georg sich auf den gewundenen Kieswegen des Schloßgartens zu Pilsen. Die seit einigen Tagen herrschende warme Witterung hatte fast allenthalben mit dem Schnee aufgeräumt; nur die Höhen des Böhmerwaldes schauten noch in ihrem weißen Wintergewande in's Thal. Georg war gealtert und viel männlicher geworden. Der übermüthig-spöttische Zug, welcher sich früher so oft gezeigt hatte, war völlig aus seinem Antlitz verschwunden und hatte einem tiefen Ernst Platz gemacht. Das Schicksal des Herzogs, das, wie er wußte, unaufhaltsam seiner traurigen Erfüllung entgegenging, bereitete ihm bitteren Schmerz. Er hatte nach seiner letzten Unterredung mit Piccolomini, der eine fast väterliche Zuneigung für ihn gefaßt zu haben schien, zu wiederholten Malen den Versuch gemacht, bei diesem etwas für die Abwendung des Schlages zu thun, durch welchen sein Wohlthäter, der stolze, hochstrebende Mann, von der Sonnenhöhe des Glücks und der Erfolge in die Nacht des Elends oder doch der Bedeutungslosigkeit hinabgestürzt werden mußte; allein der Graf hatte ihm jedesmal die Undurchführbarkeit einer solchen Absicht so bestimmt entgegengehalten, daß auch die letzte Spur von Hoffnung aus seiner Seele verschwunden war. Der Inhalt des Absetzungs-DecreteS war beim Heere schon seit mehreren Tagen allgemein bekannt, und vielfach wurde die Frage erörtert, was wohl der Kaiser mit dem ungetreuen Feldherrn anfangen werde. Wallenstein hatte sich zwar, wenn man für alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen den Beweis liefern konnte, unbestreitbar des Hochverraths schuldig gemacht und dadurch nach dem Gesetze das Leben verwirkt; gleichwohl dachte aber Niemand daran, daß Ferdinand II. bei seiner Güte und Versöhnlichkeit mit dem Manne, der ihm in so schwierigen Lagen Rettung gebracht hatte, allzustreng in's Gericht gehen werde. Diese Hoffnung hielt auch Georg aufrecht. „Vielleicht", tröstete er sich „erträgt der Herzog, durch Erfahrung klug geworden, die Demüthigung mit mehr Ergebung, als man erwartet; er versöhnt sich mit dem Kaiser und macht durch doppelten Eifer für dessen Sache wieder gut, was er verschuldet, oder er tritt völlig vom Schauplatz der großen Welt ab und zieht sich auf seine Güter zurück." Die letztere Lösung gab den Gedanken des jungen Mannes eine freundlichere Richtung. Vor einigen Tagen hatte ihm ein Bote aus Großmeseritsch ein Schreiben gebracht mit der Nachricht, daß der Umbau des Schlosses vollzogen sei und alles bereit stehe, die herzogliche Familie aufzunehmen. Dem offiziellen Bericht lag auch ein Brteflein von Magdalenens Hand bei, in welchem sie Georg ihre Grüße zusandte und ihn zum recht baldigen Einzug in die liebe Heimath einlud. Er kannte die Bedeutung des bräutlichen Wunsches, und sein Herz pochte freudig. Ein Diener rief ihn zum Grafen Piccolomini. In unverkennbarer Aufregung kam der General, als Georg dessen Zimmer betrat, auf ihn zu. Er hielt in der Hand ein offenes Schreiben. „Was ich vorausgesagt habe, ist eingetroffen", sagte er. „Wallenstein gibt die letzte Karte in seinem verzweifelten Spiel aus und wird sie verlieren! Oberst Butler schreibt mir, daß er morgen mit dem Herzog, der nur noch über wenige Compagnieen verfügt, in Eger einziehen werde. Es ist der Anfang vom Ende. Ich habe bereits dafür gesorgt, daß er nur, um dem Kaiser Rechenschaft über seine Thaten zu geben, die Festung verläßt. Wallenstein baut auf die Schweden; er rechnet, bis zu deren Ankunft sich in Eger halten zu können, aber er täuscht sich; dem General Holk wie Bernhard von Weimar sind alle Wege nach der Festung verlegt." „General", wagte Georg ihn zu unterbrechen. „Ich weiß nicht, wie mir ist; eine innere Stimme flüstert mir zu, der Herzog schwebe in großer Gefahr." „Wo denkst Du hin?" fiel Piccolomini dem Haupt- mann in's Wort. „Die Verhältnisse sind derart, daß es gar nicht zum Kampfe kommen wird. Oberst Butler, der mich durch einen besondern Boten seiner unverbrüchlichen Treue versichert, hat den Auftrag, den verblendeten Mann gefangen zu nehmen. Der Festungs-Com- mandant Gordon, sowie der Befehlshaber der Besatzung von Eger, Oberstwachtmeister Leßlie, halten zum Kaiser; es wäre somit Wahnsinn, wenn Wallenstein mit seinem Häuflein an Widerstand denken würde." Ein namenloser Schrecken hatte sich bei des Generals letzten Worten Georg's bemächtigt. Mit Blitzesschnelle zogen die Ereignisse der Vergangenheit an ihm 142 vorüber. Er gedachte der versteckten Drohungen, die Leßlie im Capucinerkloster zu LeipziS ausgestoßen, sowie der Erzählung und Warnung Magdalenens. Unwillkürlich drängte sich ihm die Ueberzeugung auf, daß man auf das Aenßerste gefaßt sein müsse, wenn das Schicksal Wallenstein's auch nur für Minuten in die Hand dieses Mannes gelegt war. „Leßlie?" rief er (erbleichend. „Dann ist der Herzog verloren!" Nun erzählte er in gedrängter Kürze die Vorkommnisse in Großmeseritsch, schilderte den glühenden Haß, von welchem Leßlie seit jener Zeit gegen den Herzog erfüllt war, wiederholte die Drohungen des Oberstwacht- meisters, sowie Magdalenens Worte. Piccolomini wurde aufmerksam. Schweigend durch- maß er den Raum. „Ich theile Deine Befürchtungen nicht", sagte er endlich, vor Georg stehen bleibend; „mit seinem Einzüge in Eger ist der Herzog schon so gut wie gefangen; es bedarf keiner wettern Vorsichtsmaßregeln, dls ihn dort festzuhalten, bis die Stadt von uns besetzt ist. Dies werden Leßlie, Gordon und Butler begreifen, selbst wenn man ihnen", fügte er mit gedämpfter Stimme, halb zu sich sprechend, hinzu, „für gewisse Fälle eine weiter gehende Vollmacht ertheilt hätte." „Ich bitte Euch, General", drängte Georg, „gebt wir einen ausdrücklichen schriftlichen Befehl für Butler, daß Wallenstein's Leben unter allen Umständen geschont werden muß. Ich reite nach Eger, lege Euer Schreiben in die Hände des Obersten, dann ist für alle Möglichkeiten vorgesorgt." Piccolomini besann sich. „Du kannst Recht haben, Georg; unwillkommene Möglichkeiten schließt die von mir gegebene Weisung nicht aus. Ich muß vorsichtig sein; denn welche geheimen Privat-Rünke bei einem allen- fallsigen Unglück auch mitgespielt haben möchten — die Welt würde den ersten Stein auf den Kaiser und mich werfen!" Er trat an den Tisch, warf einige Zeilen auf ein Blatt Papier und gab dieses, mit seinem Siegel versehen, dem Hauptmann mit der Mahnung, keine Zeit zu verlieren. Einer solchen bedurfte es nicht. Dem jungen Mann brannte der Boden unter den Sohlen. Hoch aufathmend und mit einem dankbaren Blicke entfernte er sich. Piccolomini schaute ihm nach. „Du hast mir eine Lehre gegeben, mein Freund", murmelte er, „die ich nicht außer Acht lassen darf. Deine Sendung dürfte für alle Fälle auch dem Kaiser gegenüber ein wesentlicher Beitrag zu meiner spätern Rechtfertigung sein." Georg hatte zu seiner Ausrüstung kaum eine Viertelstunde gebraucht. Mit verhängten Zügeln sprengte er zum Thore hinaus. Die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel herab, und die prächtige Witterung versetzte ihn in eine fast heitere Stimmung. Im Geiste sah er sich an der Seite seiner treuen Magdalena auf Großmese- ritsch als sorgsam waltenden Schloßhauptmann des geliebten Herrn. Welche Genugthuung mußte es für ihn noch in spätester Zeit sein, wenn er sich sagen konnte, du hast deinen Frevel am Herzog wieder gut gemacht. Im Fluge ging es durch Mies, wo das freundliche Schlößchen des Feldmarschalls Jllo den rastlosen Reiter zu noch gröberer Eile zu mahnen schien, nach Plan, wo er sich und dem abgehetzten Thier die nöthige Ruhe gönnte. Mit Anbruch des zweiten Tages saß er schon wieder im Sattel und flog seinem Ziele entgegen. Auf den Abend hoffte er in Eger zu sein. Da ging sein Pferd auf einmal langsamer, und mit Schrecken gewahrte er, daß es zu ermatten begann. Rathlos schaute Georg um sich. Sollte er wieder nach Plan zurückkehren s Dann verlor er mehrere Stunden, von denen vielleicht das Schicksal des Herzogs abhing. Also vorwärts! Es mußte sein, es galt einen Ritt um Leben und Tod! Die Flanken des gequälten Thieres färbten sich roth unter den Sporenschlägen, und mit einem wilden Satz flog es von der Stelle, doch nur, um bald kraftlos in die Kniee zu brechen. Georg versuchte es wieder auf die Beine zu bringen, aber umsonst. Um nicht nutzlos die kostbare Zeit zu verlieren, machte er zu Fuß sich auf den Weg. Es war ja möglich, daß er im nächsten Dorf ein frisches Roß bekam. Seine Geduld wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt. Eine Viertelstunde um die andere verstrich, und immer noch hatte keine menschliche Wohnung sich gezeigt. Da gewahrte er ein aus mehreren stattlichen Gebäuden bestehendes Gehöft, das nur wenig abseits der Landstraße lag. Er eilte darauf zu und brachte sein Anliegen vor, sah sich aber bitter getäuscht. Die Wallenstein'schen Schaaren hatten längst dafür gesorgt, daß man auf dem flachen Lands oft im Umkreis von vielen Stunden keinen Huf mehr fand. Mit wachsender Unruhe und Angst eilte er fort. Es wurde Nacht, ehe die Umrisse der ersten Häuser von Marienbad auftauchten; aber kein Lichtschein diente ihm als freundlicher Führer. Die Einwohner hatten bereits die Ruhe gesucht. Georg rüttelte einen Nachtwächter, der an einen Pfeiler gelehnt schnarchte, aus seinem Schlafe und wurde zum Amtshause geführt. Erst nach längerem Pochen und einer noch länger» Auseinandersetzung mit dem schlaftrunkenen Bürgermeister setzte er es mit Bitten und Drohungen durch, daß er ein Pferd bekam. Ohne zu rasten oder sich eine Erfrischung zu gönnen, schwang er sich in den Sattel und jagte in der Richtung nach Eger davon. Dort wurde indessen fast zu gleicher Zeit bereits der letzte Act des Drama's, welches der Hauptmann verhindern wollte, in Scene gesetzt. Leßlie und Gordon hatten am Morgen nach ihrer Unterredung heimlich die Thore geöffnet, wie es vorher bestimmt worden war. Mehrere Offiziere und eine größere Anzahl Soldaten des Butler'schen Regiments wurden in die Stadt eingeschmuggelt und versteckt. Der Oberstwachtmeister Geraldino befand sich an der Spitze der zum unmittelbaren Eingreifen bestimmten Abtheilung; diesem war auf sein ausdrückliches Verlangen der neu ernannte Hauptmann Donald-Defereux zugetheilt. Leßlie brachte es in der teuflischen Freude über die bevorstehende Befriedigung seiner Rachegelüste nicht über's Herz, gegen den Neffen von seinem Plan zu schweigen, und dieser, einmal in das Geheimniß eingeweiht, war so lange in den Onkel gedrungen, bis er schließlich eine Hauptrolle erhielt. Im Laufe des Tages bereitete man sorgfältig alles vor. Leßlie wußte, daß Wallenstein's Freunde Terzky, Zllo, Ktnsky und Neumann die Genüsse einer guten Tafel selten verschmähten, und baute darauf seinen Plan. Bei einem Mittagsmahl sollten zuerst die Generale gemordet und dann Wallenstein dem gleichen Schicksal geweiht werden. Man befand sich in der Zeit des Carne- 143 vals. Aus diesem Grunde nahmen die Verblendeten Leßlie'L Einladung in die Wohnung Gordon'8 ohne weiteres an, zumal da sie in Ersterm nach den Andeutungen deS Herzogs schon einen im Nang gleichstehenden Kameraden erblicken durften; nur baten sie, das Mahl erst Abends zu halten. Dieser Wunsch wurde um so bereitwilliger erfüllt, als das Dunkel der Nacht die That zu fördern versprach. Abends um sechs Uhr begaben sich die Geladenen in einer Kutsche nach der Citadelle, wo Gordon mit Leßlie sie empfing. Die Herren befanden sich in fröhlicher Stimmung. Ein Bote, erzählten sie, habe die Nachricht gebracht, daß die Schweden am folgenden Tage in Eger einrücken würden. Ein bedeutungsvoller Blick flog von Leßlie zu den Freunden hinüber und besiegelte daS Schicksal der Gäste. Nach der Einfahrt der Letzter» durch den Thorweg hatten sich alsbald Patrouillen in Bewegung gesetzt. Ein Butler'scher Offizier besetzte mit seinen Leuten den Eingang zu Gordon's Wohnung und befahl ohne ausdrücklichen Befehl Niemanden pasfiren zu lassen. Oberst Butler hatte schon vorher in einem der Seitenzimmer deS Saales den Oberstwachtmeister Geraldino mit sechs Dragonern untergebracht, in einem andern stand Donald- Devereux mit vierundzwanzig Reitern znm Hervorbrechen bereit. Als der Nachtisch aufgetragen war, kreiste der Becher noch rascher als vorher. Die Herren tranken auf das Wohl des Herzogs, der neuen Armee und brachten dem wortbrüchigen Kaiser ein Pereat um's andere. Da erschienen plötzlich Geraldino und Devereux mit ihren Leuten aus den Seitenzimmern im Saale. „Vivat Austria!" rief Geraldino und „Wer ist gut kaiserlich?" Devereux. Butler, Leßlie und Gordon sprangen auf, ergriffen je einen Leuchter und zogen mit dem Ausruf: „Es lebe das Haus Oesterreich!" die Degen. Dies war das verabredete Signal. Die Dragoner stürzten sich auf die verrathenen Gäste, ehe diese noch recht begriffen, was vor ihren Augen geschah. Kinsky wurde wehrlos niedergemacht. Jllo griff nach seinem Degen, den er an die Wand gehängt hatte, wurde jedoch im selben Auuenblick durch den Rücken gestoßen und fiel. Dem Grafen Terzky gelang eS, seine Waffe zu ergreifen. Er stellte sich in eine Ecke, um sich gegen die Uebermacht zu decken. Längere Zeit vermochte er unter dem Schutze seines Kollers von Elennhaut die Soldaten von sich abzuwehren und schleuderte dabei Leßlie wegen seines feigen Verrathes die heftigsten Vorwürfe in's Angesicht, bis ein Partisanenstoß das Koller durchlöcherte und ihm den Tod brachte. Der Rittmeister Neumann war glücklich aus dem Saale entkommen. Er hatte schon die Treppe erreicht und hoffte, bei der Verwirrung seine Flucht durch den Hof bewerkstelligen zu können. Da trat ihm an der Spitze mehrerer Dragoner der Hauptmann Devereux in den Weg. „Hölle und Teufel", fluchte dieser und schwang die Partisane zum Stoß, „eine hübsche Belohnung für Mühe und Schweiß! Da fliegt uns am Ende der beste Vogel davon! Drauf, Bursche, des Herzogs Schooßkind muß auch bei der Himmelfahrt sein l" Im Augenblick waren ein halbes Dutzend Partisanenspitzen auf die Brust des Rittmeisters gezückt. Eine Blntwelle spritzte empor — der Nachsucht und Leidenschaft war ein weiteres Opfer gebracht. „Nun habe ich Ruhe vor Euch, schöner Herr", zischte Devereux. „Ihr kommt mir bei Marion nicht mehr in den Weg l" Er wandte sich höhnisch lachend ab und verließ mit seinen Leuten den Platz. Ungeachtet des so fest gefaßten Entschlusses warfen Gordon und Butler, als die Offiziere bereits in ihre« Blute schwammen, noch einmal die Frage auf, ob es nicht räthlicher wäre den Herzog nur gefangen zu nehmen. Ein versöhnliches Wort Leßlie'S hätte diesen sicher gerettet; doch der unerbittliche Mann sprach es nicht auS, und seine glühende Nachsucht errang schließlich die Oberhand. Durch den Hinweis auf die Nähe der Schweden und die große Gefahr für die Sache deS Kaisers, wenn Wallenstetn die Freiheit erlange, wurden die mildern Regungen allmälig erstickt, — das Urtheil lautete auch für den Herzog von Friedland auf Tod. Zur größeren Vorsicht wurde der Marktplatz mit einer starken Mannschaft besetzt, und in den Straßen machte eine neuerdings eingelassene Abtheilung Dragoner die Runde. Leßlie nahm die Hauptwache vorn Terzky'- schen Regiment auf's neue für den Kaiser in Pflicht und begleitete bann seinen Neffen mit sechs Dragonern zu der Wohnung des Herzogs. Die Wache ließ ihn ein, da er eine wichtige Botschaft zu bringen vorgab. Im Vorzimmer aber wies der Kammerdiener ihn ab, well Wallenstetn sich schon zur Ruhe gelegt hatte. Ohne von dem, waS draußen geschah, auch nur das Geringste zu ahnen, wälzte sich dieser unruhig im Bett. Kurz vorher war Sem bei ihm gewesen und hatte ihn vor einem Unheil gewarnt, das der drohende Stand der Gestirne anzeige. Der Herzog war anscheinend leicht über die Besorgnisse des Astrologen hinweggegangen und hatte diesen, als er sich nicht beruhigen wollte, fast unwillig aus dem Zimmer geschickt. Jetzt brach die gewaltsam niedergekämpfte Erregung des Herzogs hervor. Die Andeutungen Seni's erschienen ihm anf einmal nicht mehr bedeutungslos; er empfand etwas wie Furcht vor einer unbestimmten Gefahr und stand im Begriff, den Astrolonen durch den Kammerdiener noch einmal rufen zu lassen, als er den Wortwechsel vor der Thüre seines Zimmers vernahm. Er erhob sich und machte einige Schritte vorwärts. Da trafen die verzweiflungSvollen Klagen der Gräfin Terzky, welche auf die Kunde von der Ermordung ihres Gatten herbeigeeilt war, aus dem Nebengebäude sein Ohr, und eine furchtbare Ahnung stieg in ihm auf. Er öffnete ein Fenster und fragte die Wache, was vorgehe. In diesem Augenblick hatte Devereux die Thüre des Schlafraumes gesprengt und stand mit seinen Leuten im Gemach. Wallenstetn blickte den Eindringlingen bleich, aber mit erhobenem Haupte entgegen; seine Haltung verrieth keine Furcht. Die Gewißheit des Schicksals, das ihm, wie er nun wohl begriff, bestimmt war, gab ihm mit einemSchlag scineKaltblütigkeit und Todesverachtung zurück. Der Hanptmann trat vor und stellte die Frage: „Bist Du der Schelm, welcher den Kaiser um Krone und Land bringen will?" Beim Klang dieser Stimme schaute Wollenster» überrascht auf und erkannte den Mörder. Einer Antwort würdigte er den Ehrlosen nicht. Die Arme ausbreitend, empfing er, ohne einen Laut von sich zn geben? den tödilichen Stoß. — 144 — Tiefe Stille herrschte in dem nur matt erleuchteten Zimmer, auf dessen Boden, mit Blut übergössen, im letzten Todesröcheln Albrecht von Wallenstein lag. Ueber den Sterbenden beugte sich eine dunkle Gestalt: Leßlie, dessen glühender Blick mit dem Ausdruck gesättigter Rache an den bleichen Zügen des Gemordeten hing. „Herzog von Friedland, herzloser Tyrann", murmelte er. „Hast Du nun auch empfunden, was Todesangst ist? Jetzt sind wir quitt!" Langsam entfernte er sich und gab den Wachen den Befehl, die Leichname Wallenstein's und der gemordeten Offiziere in die Citadelle zu bringen, wo ein geräumiges Gewölbe zu deren vorläufiger Aufnahme bestimmt worden war. (Fortsetzung folgt.) -SS8WS" Quellen und Brunnen in Beziehung zur Kunst und Geschichte. Von Max Fürst. (Fortsetzung.) Schlichter und anspruchsloser als die Plastiker der Barockzeit wußten die Meister der gothischen Periode dem Wasser zu huldigen. Die besten Brunnenzierden dieser Epoche wissen sich in architektonischer Hinsicht von kirchlichen Kanzelbauten und Sacramcntshäuschen oft wenig zu unterscheiden. Bekanntlich sind es vielfach Heilige oder doch biblische Gestalten, welche an gothischen Brunnen ihre Aufstellung gefunden. In Windberg im bayerischen Wald sah ich vor mehreren Jahren einen gar schlichten, aber reizenden Brunnen, der in sinniger Weise die Sama- riterin am Jakobsbrunnen vorführte. An anderen Orten kamen — vermuthlich unter dem Eindruck der Meinung, daß das Wasser recht helle Augen mache — mit Vorliebe die Seher des alten Bundes an den Brunnen zur Aufstellung. Warum auf dem berühmten Brunnen der Karthause zu Dijon gerade der Prophet Jeremias, dessen Zeit- und Volksgenossen bekanntlich an den Wassern zu Babel weinend gesessen, mit einer mächtigen Brille über der Nase ausgestattet ist, bleibt uns daher doppelt räthst!» haft und unerklärlich. — Andere Brunnen zeigen hinwieder eine bunte Mischung von geistlichen und weltlichen Herren, wie z. B. der bekannte „schöne Brunnen" in Nürnberg, an dem heidnische und christliche Helden, heilige und unheilige Personen, nachbarlich beisammenstehen und ill xuvoto Verträglichkeit den heutigen Nürnberger« ein gar gutes Beispiel zu geben vermögen. Häufig sind es auch Heldengestalten allein, die in deutschen Städten von den Brunnen niedergrüßen. Wer möchte sie alle zählen, die gestrengen, gewappneten Herren, die in unverwüstlicher Ausdauer große und kleine Brunnen unter ihren besonderen Schutz genommen? Solch' steinerne oder eherne Wachtposten hatten wohl immer als Mahnung zu gelten, daß es niemals gebilligt werden kann, schmutzige Wäsche auf öffentlichen Plätzen zu waschen! Die drei prächtig geharnischten Ritter von Jörg Syrlin, die seit dem Jahre 1482 in Ulm den sogen. Fischkasten- Brunnen bewachen, lassen deutlich erkennen, daß der hochlöbliche Magistrat von Ulm im 15. Jahrhundert es wohl zu hindern suchte, falls etwa Jemand im Trüben fischen wollte. — Es war für die drei hübschen Syrlin'schen Ritter ein großes Glück, daß sie von ihrem Fischkasten nicht abkommen konnten, als man etliche Dezennien nach ihrer Aufstellung im nahen Münster „fürchterliche Musterung" hielt und die strengsten Ausweisungsbefehle gegen eine nicht geringe Zahl herrlicher Statuen erließ. Hätten die drei Geharnischten dort Wache zu halten gehabt, sie wären sicher in den Verdacht gekommen, Gesinnungsgenossen der Heiligen Georg und Mauritius zu sein, und sie wären — wenn nicht gerade gevierttheilt — so doch sonst arg geschunden und verstümmelt worden. In Nürnberg, wo man auch in den erregtesten Zeiten sich nie so weit vergaß, stürmende Hand an die edlen Werke vaterländischer Kunst zu legen, war man außerdem auch einmal so human und tolerant, einem Bäuerlein zur Ehre zu verhelfen, auf einem Brunnen Posto fassen zu dürfen. Allbekannt ist ja das sogenannte „Gänsemännchen". Vielleicht wollte man in der köstlichen Darstellung eine Anspielung an das alte Scherzwort „Gänsewein" geben, indem hier die zwei vom Bauern gehaltenen Kapitolsretterinnen Wasser spenden. Daß übrigens hin und wieder schon wirklicher Wein aus Brunnen geflossen ist, erzählen freudig mehrere alte Städte- Chronisten. Um dem gewöhnlichen Volke ein Vergnügen zu machen, vielleicht auch, um von Zeit zu Zeit die Brunnenröhren von Kalksinter zu reinigen, erlaubte man sich im immerdurstigen Mittelalter bei besonderen Festlichkeiten solchen Luxus. Ueber die Güte des auf diese Weise verzapften Rebensaftes hüllen sich die Herren Chronisten allerdings in ein auffälliges, vielsagendes Schweigen. — Das schöne Nürnberg, das so viele werthvolle Sachen besitzt, ist so glücklich, außer den bisher erwähnten zwei Brunnen auch noch einen „Tugendbrunnen" aus alter Zeit ausweisen zu können. Da derselbe aber im Verlaufe der Jahre schon mehrmals recht schadhaft geworden ist, so hat der dortige Magistrat wohlweislich stets Sorge für die nöthige Reparatur getragen. Sollten wir da nicht auch mit dem bekannten Reichstagsabgeordneten Sabor pathetisch ausrufen dürfen: „Das läßt tief blicken!" Lassen wir die Nürnberger in Ruhe, um, nachdem wir so viel in der Ferne geschweift, nun ein wenig vor der eigenen Thüre zu kehren. Bekanntlich haben Brunnen u. A. auch die nützliche Ausgabe, eine gute, reine Luft schaffen zu helfen. Diesem Zweck sehr entgegen, haben nun die meisten neueren Brunnen in unserer lieben Stadt München gleich in der ersten Zeit ihres Bestandes meist riesig viel Staub aufgewirbelt, und statt Kühlung zu bringen, haben sie Manchen, besonders den bei ihrer Herstellung Betheiligten, oft sehr, sehr warm gemacht. Ich erinnere zunächst an den Erhardt-Brunncn in der Nähe der Moximiliansbrücke. Wie fatal war es nicht, als man dort die erste Büste des gefeierten Bürgermeisters wieder verschwinden lassen mußte, weil sie vom Brunnen-Architekten nur als das Tüpfelchen eines i gedacht und gestaltet worden war. — „Oou xiü tsota!" (Mit mehr Kopf!) verlangte einst unter humorvollem Lächeln PiuS IX. die Wiederholung einer ehernen Statue, bei deren Guß durch Unachtsamkeit der Arbeiter das halbe Haupt weggeblieben war. Mit gleichem Rechte konnten unsere Stadtväter die Forderung: „Mit mehr Kopf!" auch vor der zu winzig gerathenen Erhardt-Büste erheben, um so mehr, als doch von jeher ein Bürgermeister als das Haupt der Stadt zu betrachten ist und sehr viele Leute nach dem Volumen eines Bürgermeisterkopscs nicht nur den Geist eines hochlöblichen Magistrates, sondern nicht selten auch die Intelligenz einer ganzen Stadt zu bemessen belieben. Und doch war jenes Vorkommniß beim Erhardt- Brunnen nur ein Sturm im Glas Wasser, im Vergleich zu der Erregung, welche im verflossenen Jahre der am Maximiliansplatz zur Errichtung gelangte Wittelsbacher- Brnnnen heraufzubeschwören vermocht hat. (Fortsetzung folgt.) ----SSSMS-- Eliizug in Paris am 1. März 1871. Nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen von vr. H. NobolSkp. (Schluß.) Hier trennten wir uns, mein Landswann hatte sich auf der preußischen Kommandantur zu melden. Ich blieb, um mich schauend und mit den Augen meinen Gefährten suchend, von dem ich im Gewühl auSeinandergerissen war, auf der Seite des Triumphbogens stehen, die nach der Avenue de la Reine Hortense gerichtet ist. Auf der anderen Seite, in der Avenue de ChampS ElysseS bemerkte ich, kaum 60 Schritt von mir, innerhalb deS Menschengedränges eine Kompagnie des genannten Bataillons aus Jauer in Schlesien aufgestellt. Ich wollte darauf zugehen, als ein Kerl, ein echter Repräsentant der Kulturstufe des Pariser Volks, mich mit der Frage anredete: „Vous Zto8 krrmsisn?" Ich antwortete: „Wozu diese Frage?" — „O, Ihr seid ein Preuße, kein Zweifel mehr, folgt mir." In demselben Augenblicke hatte ich zehn Leute desselben Schlages um mich, im nächsten zwanzig und dann fünfzig. „Ihr seid mein Gefangener", wiederholte der Kerl, der zuerst mich angeredet. Der Hanfe brüllte: „Fort mit ihm, fort mit dem Prussien, es ist ein Spion!" Meine Einreden trug der Wind fort; meine Versuche, mich dem Haufen zu entziehen und Hülfe bei der Fourier-Kompagnie zu suchen, scheiterten an dem Widerstand des Pöbels, der mich schnell in entgegengesetzte Richtung drängte, nämlich in die Avenue de la Reine Hortense hinein. Ich unterhandelte weiter, wandte mich an solche Gesichter neben mir, in denen der Halunke weniger widrig ausgedrückt war, erhielt aber als Antwort Fausischläge, und am Hemde wie am Rockkragen setzten sich mehrere Krallen fest, um mich festzuhalten. Jetzt kam ein preußischer Offizier vorbeigesprrngt. Derselbe hatte in jener Straße mitEinquartieruugsangelcgenheiten zu thun gehabt. „Herr Lieutenant", rief ich, „retten Sie einen Landsmann, ich bin der und der!" Mit äußerster Anstrengung hatte ich einen Arm frei gemacht, um meinen Paß von Pod- biclski aus der Tasche zu ziehen und so hoch zu halten, als es möglich war. Der Offizier fragte die Leute, was sie von mir wollten. „Er ist unser Gefangener, er geht Euch nichts an, macht, daß Ihr fortkommt!" und dergl. mehr rief man ihm zu. „Ich werde ihn arretieren, gebt ihn heraus!" sagte der Offizier. ES folgte Höhnen und Schreien. „Wir sind selber Polizei, -wir find hier Herren; schert Euch fort!" Meine einzige Hilfe in der sonst menschenleeren Straße verschwand, das gespornte Pferd trug sie sturmschnell davon. Jetzt hieß es: la. lantorns, L la lantsroal — Schnell — schnell — ein Strick — ein Strick!" Ich wurde gegen einen Laternenpfahl gedrängt, versuchte noch einmal eine Anrede; ein vierzehnjähriger Bengel, die Zukunft des Zuchthauses schon im Gesicht tragend, drängte sich durch und hielt dem Rottenführer, der mich am festesten hielt, einen ziemlich kurzen Bindfaden ausgespannt vor, als wenn er ihn seiner Prüfung empfehlen wollte. Man begann, mich in die Höhe zu ziehen. In demselben Augenblick hörte ich ein Getrampel hinter mir, als wenn eine Schwadron Kürassiere im Galopp angesprengt käme. So tönte es vor meinen Ohren. Der Haufe drehte sich um, ich auch. Es war keine Schwadron, sondern nur ein Zug Infanterie, geführt von einem Offizier. Die Sturmeseile, in der sie über den Macadam wie geflogen ankamen, hatte das Geräusch der Schritte so laut gemacht. Es war fast nur ein Moment, daß die Leute aus der Entfernung bis dicht unmittelbar vor uns standen. Der Offizier examinirte mich, ließ sich meine Legitimation geben, überschlug sie schnell, und Kommando: „Fällt 's Gewehr!", Weigerung des Pöbels, mich herauszugeben, Schimpfwörter, ein anderes Kommando, worauf das Knattern des Ladens erfolgte, Sprengung des HaufenS nach allen Seiten hin, meine Umringung durch die wackeren Soldaten aus Jauer, daS verging mir alles wie daS Werk eines Augenblicks. Die außerordentliche Schnelligkeit, mit der der erste Offizier, den ich um Hilfe angerufen, nach dem Triumphbogen gesprengt war, und die kurze Entschlossenheit des Premierlieutenants, der die Kompagnie am Triumphbogen kommandirte, bewirkte meine Rettung. Ich wurde mitten in die Kompagnie am Triumphbogen gesteckt, denn der Pöbel hatte nun erst recht Lust, seine Revanche auszuüben. War die Kompagnie vorher von Hunderten umringt gewesen, so stieg jetzt die Zahl bis in die Tausende. Und alles daS schrie, heulte, pfiff, höhnte. Alle Schimpfrcden der gemeinsten Art, meist mir bis dahin unbekannt, doch aus den Zusammensetzungen mir einigermaßen verständlich, dazwischen Ableitungen von Bismarck und Trochu (die der Pöbel in gleiche Linie stellte, den Namen Trochu durch ein schmutziges Wortspiel entstellt), dann eine Fluth von Anspielungen auf das „Stehlen" der Preußen; alles das hagelte auf die Soldaten, freilich ohne Wirkung, denn diese verstanden das Französisch der tonangebenden Bevölkerung von Paris nicht. Zwei entgegengesetzte Eigenschaften traten hier an den Tag: die Feigheit der Franzosen, so oft der Offizier einen Zug der Kompagnie schwärmen ließ, um die Umzingelung sich vom Halse zu schaffen, und die intensive und schnell cxplodirende Kraft der deutschen Soldaten, von der der Haufen sich culbntiren ließ. Und eben diese Poltrous riefen noch immer: „L Lsrlin, L Lsrlin!" waS auf uns alle einen höchst komischen Eindruck machte. Endlich wurde unsere Ungeduld gestillt. Der Kom» pagnieführer wie wir alle hatten fortwährend den Blick nach der Gegend gewandt, wo die Truppen erscheinen, und das Ohr nach der Richtung gewandt, von wo die Musik erschallen mußte. Unsere Situation war keine unkritische. Die Geschütze sämmtlicher Forts waren auf Paris gerichtet, das Geschick der Hauptstadt wie des Landes hing an einem Faden. Fiel ein einziger Schuß, so nahm der ganze Krieg eine andere Wendung, und diese Verantwortung hatte ich. Plötzlich ertönte: „Lieb' Vaterland, kannst ruhig sein." Es war bayerische Musik. Es mochte 2 Uhr sein. Wir athmeten auf. Ueberraschend war die eben so schnelle als tiefe Wirkung deS Erscheinens unserer Truppen auf die Pariser. Man erkannte den heulenden Haufen nicht wieder. Nur in den ersten Augenblicken ver« suchte dieser es, Hohn und Gelächter fortzusetzen. „Voilü 1g. masgnsruäs gui oomLusneo! Lst, lös arlsguins I" Dtesr Sprache aber verstummte ganz, je weiter die Truppen vordrangen. Bald machte sich auch das bessere Publikum bemerkbar, das statt des Pöbels Spalier bildete. Unsere Musik wirkte wunderbar. So oft die Mustkkorps vorbeikamen und ihre klangvollen Märsche spielten, theilte sich der Menge eine lebhafte Bewegung mit. Ich wurde noch an demselben Tage — zu meinem Schutze — bis nach Sövres tranSportirt, kann also über den weiteren Verlauf der Besetzung nicht als Augenzeuge berichten. Einen besseren Platz, um unsere Truppen in Paris einrücken zu sehen, hat wohl Niemand gehabt als ich. Denn ich blieb mitten in der Kompagnie stehen. Ich habe auch den Grafen Bismarck bis dicht an den ^.ro äs triomxsts herankommen sehen, wo er wieder Kehrt «achte. Einige Tage später war ich in Berlin. Zwei Monate nachher erschien von mir ein Buch: „Paris während der Belagerung", wozu ich mir den Stoff während der Belagerung in Versailles gesammelt hatte. Es waren nach der Veröffentlichung des BucheS vielleicht zwei oder drei Wochen verflossen, als ich aus Paris ein Schreiben erhielt, schwarz gerändert — eS herrschte ja Landestrauer in Frankreich. Ein Graf Filippi ersuchte mich darin, mein Buch in's Französische übersetzen zu dürfen, wogegen ich natürlich nichts hatte, wiewohl ich mich darüber wunderte, denn mein Buch konnte als eine beißende Satire auf die Pariser, insbesondere auf die Nationalgarde, kaum den Appetit eines Franzosen reizen. Die Uebersetzung erschien unter dem Titel: Ll. Rodolsl:^, kaiis xsnäant 1s sis§s, rasontö xur uu krussisn. Der Titel klang etwas denunziatorisch. Der Autor eines Buches, das Paris während der Belagerung beschreibt, muß wohl in der belagerten Stadt selbst geweilt haben, und ist er ein Prussien, so muß er wohl ein Spion gewesen sein — so sagten sich die Pariser, als sie mein Buch lasen, wie ich bald erfahren sollte. An das erinnere ich zum Verständniß eines mir ein Jahr später zugestoßenen Ereignisses. An einem Sommertag des Jahres 1872 fuhr gegen Abend eine Droschke erster Klasse bet mir in der Potsdamer Straße vor. Es stiegen aus derselben zwei Herren, die bald bei mir klingelten und eintraten. Zwei junge Herren, Gentlemen durch und durch, der eine fast blond, der andere brünett. Gerade der Blonde war es, der nur französisch sprach, der Brünette, der mehr romanisch aussah, stotterte auch etwas deutsch. „Mein Herr", hub der Blonde an, „Sie sind mir als Kunde empfohlen worden, und so wollte ich Ihnen — meinen Bordeaux-Wein, insbesondere den Palus empfehlen — ich reise für das Haus G. in Bordeaux." Er überreichte mir bet diesen Worten eine Karte mit Preis- Courant, per Oxhoft und dergleichen. „Aber wo denken Sie hin, meine Herren, Sie irren sich wohl in meinem Namen." „Gewiß nicht, Nonsisur 1s äostsnr, ich habe speziellen Auftrag, Sie zu besuchen... der Palus ..." „Llcwsisur, Sie machen mich lachen ... ich habe eine Zunge für Palus, aber meinen geringen Bedarf beziehe ich von hier oder konsumire ihn gleich an Ort und Stelle, bet Steinert und Hansen, 1,50 Mark." ^ „Mein Herr, ich nehme auch kleine Bestellungen an, vielleicht 60 Flaschen..." Bitte, mein Herr, lassen wir das ... bewilligen Sie etwa auch 12 Monate Ziel, wie meine nachsichtigen Freunde Steinert und Hansen?" „Gewiß auch das, Llonsieur 1s äsotsur." Ich lachte laut auf. Wir sprachen noch über dieses und jenes, aber nicht mehr von Geschäften. Meine Gäste verließen mich bald mit höflichen Komplimenten. Der merkwürdige Besuch beschäftigte mich hinterher noch einige Stunden. Ich begriff den Zweck nicht. Wer konnte sich den Spaß gemacht haben, mich einem französischen Wein- reisenden als guten Kunden zu empfehlen? Schon am nächsten Morgen erhielt ich Aufklärung. Der Briefträger brachte mir ein Billet, auf dem in französischer Sprache geschrieben stand: „Mein Herr! Ich habe mir die Sache überlegt und will Ihnen sogar 2 Jahre Ziel geben. Ich würde mir alsdann erlauben, den Betrag persönlich einzuziehen, nicht als solllnus-vo^aAsur, sondern als Kapitän, ,mit dem dreisitzigen Käppi', der ,in der geschnöikelten Vareuse der Nationalgarde' (Anspielungen auf Ausdrücke in meinem Buche) bei Bougival die Feuertaufe erhalten. Im Uebrigen besten Gruß vom Grafen Filippi. Ihm verdanke ich Ihre Adresse und damit die Gelegenheit, zum ersten Male einem echten preußischen Spion in'S Angesicht geschaut zu haben. Ich hoffe, Sie wiederzusehen, ebenso wie den Lieutenant Jacobs, der unseren ^.rv äs triowpks beschimpfen wollte. Das französische Banner auf dem Brandenburger Thore wird sich besser machen, und die Berliner Laternenpfühle sind gerade so gebaut wie die Pariser. Ziel: zwei Jahre (höchstens). Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung. (Undeutlicher Name und darunter:) Kapitän im 77. Infanterie-Regiment." Dieser Brief befindet sich noch im Auswärtigen Amte. Ich übergab ihn dem Geh.-Rath Hahn. Die Frist deS Anfhängens hat sich bis heute noch verzögert. Ich erfreue mtch einer ausgezeichneten Gesundheit. —-.--ss-r-es-»- Das Vierherz. Von vr. Zehn der, Passau. Nachdem in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Aerzte und Nichtärzte besonders in Deutschland auf das von Professor Bollinger zuerst in seiner Bedeutung erkannte Vierherz gelenkt worden ist, dürfte es gerechtfertigt erscheinen, ein skizziertes Bild von der Entstehung desselben zu entwerfen. Vergegenwärtigen wir uns den Blutkreislauf des menschlichen Körpers, so finden wir, daß das Herz aus zwei Vorhäfen und Höfen (Ventrikeln) rechts und links besteht. In oem rechten Vorhof sammelt sich das aus sämmtlichen Körpergegenden rückfließende und durch den Stoffwechsel mit den Körpergeweben mit Kohlensäure beladene Blut an, tritt in den rechten Herzbauch, von da in die Lungen, um hier die aus den Geweben aufgenommene Kohlensäure an die Lust abzugeben und Sauerstoff aus letzterer aufzunehmen, strömt dann in den linken Vorhof und linken Herzbauch zurück, wird von da in die Körpergcwebe Wettergetrieben, um den Sauerstoff denselben mitzutheilen, Kohlensäure wieder aufzunehmen und die alte Bahn von Neuem zu durchkreisen. Um nun die Entstehung des Bier-, Ochsen- oder Säuferherzens, wie der volle Titel lautet, in seinen Etappen zu ver- folgen, müssen wir die Mengen Flüssigkeit bedenken, welche ein übermäßiger Trinker zu sich nimmt. Ein Münchener Brauknecht trinkt tagsüber seine 8—10 Liter Bier. Bei Berufsarten, welche noch weniger solche Mengen durch starke Arbeit zu verarbeiten im Stande sind, werden viel geringere Quantitäten dieselben bösen Folgen haben. Gegen einen täglichen Genuß von 3—4 Glas guten BiereS hat die erfahrungsgemäße deutsche Praxis nichts einzuwenden. Das Beste ist allerdings völlige Enthaltung. Solch ein Trinker nimmt also 3—8—10 Liter Flüssigkeit zum größten Theil in die Blutbahn auf. Aber das Herz vermag anfangs eine solche große Last zu tragen und die entsprechend größere Arbeit zu leisten. Der Organismus sucht durch rasche und energische Anregung der Nierenthätigkeit sich des unbequemen Gastes zu entledigen, und dies gelingt auch der Hauptsache nach; der kleinere Theil, namentlich die im Bier enthaltenen Nährsubstanzen, tragen zur Zunahme der Leibesfülle bei, besonders auch deshalb, weil der Alkohol die innere Verbrennung, wie die Gelehrten sagen, oder den Stoffwechsel mindert; der größere Theil wird durch Nieren, Haut und Lungen ausgeschieden. Wie aber, wenn krankhafte Veränderungen im Körper vorhanden sind und worin bestehen diese? Die ersten Veränderungen bietet das Aussehen des unmäßigen Trinkers selbst. . Nach einem von Professor Ebftein in Göttingcn als „beneidenswerthes" bezeichneten Stadium der Körperfülle und Vollsaftigkeit kommt das Stadium des „Schmer- bauchs," bei dem überall, namentlich in der Haut, aber auch in den übrigen Geweben, wie um das Herz herum, sich Fettschwarten ablagern; durch diese Fettschichen dringt das Mut ungleich schwieriger und mühevoller hindurch. Dazu die tägliche, ja meist wachsende große zu bewältigende Flüssigkeitsmenge — Umstände, welche dem Herzen die Schwierigkeiten schon genügend häufen. Nunmehr stellt sich regelmäßig bald die Fettleber ein. Die Leber besteht aus hundert- und aberhundert- taufenden von Mikroskopisch kleinen rundlichen Läppchen, durch deren jedes einzelne feinste Gefäß Verästelungen in reicher Fülle hindurchgehen. In jedem dieser Leberläppchen setzt sich am Rande eine mikroskopische Fettschicht an, durch die also das Blut wiederum nur durch größte Anstrengung des Herzens hindurchgetrieben werden kann. Welch eine Summe neuer Widerstände, neuen Kraftbedarfs für das Herz! Auch die Nieren verändern sich. ES bildet sich durch den chemischen Reiz des Alkohols und der Fluchen passirender Flüssigkeit ein gewisser Grad von Entzündung. Wir haben in den Nieren taufende und abertausende von sogenannten Gefäßknäueln, kleinen kapselartigen Gebilden, in welchen in unendlichen Verschlingungen sich die feinsten Gefäßverästelungen ausbreiten. Diese beantworten den ständigen Reiz wie die Haut den Schlag durch Ausschwitzung von Saft und Blutzellen. Die Nieren vergrößern sich zuerst. Die Blutbahnen werden weniger wegsam, die Abflußkanäle des Urins verlieren ihre schützende Auskleidung, und schließlich schrumpft die Niere, wie die Narbe nach der Wunde, und wir können uns vorstellen, wie schwer es für das Herz sein mag, statt durch weiches, fast- und kanalreiches durch ein hartes, ausgetrocknetes, wenig durchdringlicheS Gewebe das Blut und die Säfte durchzulootsen. Eine neue Quelle des Kraftaufwands für das schon so sehr in Anspruch genommene Herz. Nun kommen oft noch die Lungen an die Reihe. Der Trinker hustet viel, weil er sich häufig in rauchiger Luft aufhält, er raucht und hat viel mit Schleimabsonderung auS Lunge und Nachen zu kämpfen. Der Bronchialkatarrh bleibt schließlich dauernd bestehen. Dadurch schwillt die Luftröhrenschleimhaut an, schließlich wird sie verdichtet, die Röhren unnachgiebig und die Lunge erweitert, da die nämliche Menge Luft wie sonst zum Bestand des Lebens aufgenommen werden muß. Das Herz gelangt an die Grenze seines Könnens, es macht den Versuch, durch eine Verdickung seiner Wände die erhöhte Leistung zu ermöglichen, aber allmählich, erst nach Jahresfrist erlahmt die Kraft, die Wand wird schlaff, die Höhle weit. Auch feine nächsten Anverwandten, die Blutgefäße, entarten durch den Reiz des Alkohols und die größere Arbeit. Zuerst dehnbar wie Gummi, werden sie dicker, härter, es bilden sich an ihrer Innenfläche Geschwüre, in diese fetzt sich Kalk ab, ebenso wie in die übrige Wandung — die Kalkadern treten auf. Die Herzthätigkeit ist ihrer treucsten Stützen beraubt. Es entartet und erschlafft. Der Rest ist Schweigen und sei nur gekennzeichnet durch Athemnoth, Wassersucht, Schlagfluß. Vor mir liegt ein solches Herz; es hat die dreifache Größe des daneben liegenden normalen, ist weitbauchig und schlaff geworden und hat in der Blüthe der Jahre aufhören müssen, zu existieren — das arme, zu Tode gepeitschte Herz! -- Genie und Wahnsinn. Eine Anekdote. Bei Besprechung eines in Paris erschienenen BucheS, worin die Behauptung aufgestellt wird, daß das Talent, das Genie und die hohen Geisteseigenschastcn, durch die sich manche Menschen auszeichnen, nichts weiter als die Folgen eines krankhaften Zustandes oder mit anderen Worten Symptome einer Gristeszerrüttung seien und demzufolge alle großen Monarchen, Schriftsteller, Komponisten, Maler rc. zu den Irren gezählt werden, theilt der Corre- spondcrit eines Pariser Blattes die folgende Anekdote mit: „Mein theurer Herr," bat ich eines Abends den Doktor Esquirol, als wir zusammen speisten, „sagen Sie mir doch, welches sind die pathologischen Kennzeichen der Geistcszerrüttung?" „Zum Kuckuck, mein Lieber," erwiederte er, „Sie stellen da an mich ganz unerwartet eine sehr schwere Frage. Nun, ich muß Ihnen antworten; ich werde es aber erst übermorgen thun, und zwar nur unter der Bedingung, daß Sie mit mir bei dem Direktor des Ge- snndhcitslMi'es in Charenton frühstücken." Zwei Tage später, morgens 9 Uhr, hielt der Wagen des Doktors Esquirol vor meiner Thür. Ich nahm au seiner Seite Platz, und kurz nachher kamen wir in dem berühmten und traurigen Irrenhause an, wo wir von dem damaligen Direktor, Herrn de Maupas, empfangen wurden, der uns in einen Salon sührte, worin sich bereits zwei Gäste befanden. Der erste war ein junger, kleiner, wohlgenährter Mann mit schwarzen, feurigen Augen und einem große» Munde. Er eilte dem Doktor Esquirol freudig und lärmend entgegen. Die zweite Persönlichkeit, reifern Alters und mit einem sehr vornehmet! Aeußern, erwiederte den Gruß, welchen der Doktor an ihn richtete, sehr kalt. Herr von Maupas stellte seine Gäste einander vor. Der ältere Herr hieß Herr de Sanniäres, der jüngere Herr Honorö .. l. ° Den Zunamen des letztem konnte ich nicht verstehen; denn der Dircltor sprach ihn mit leiser Stimme aus und gerade in dem Augenblick, als der Diener die Zimmcrlhür mit Geräusch öffnete und meldete, daß das Frühstück angerichtet sei. Man setzte sich zu Tische. Herr Honorö hörte während des Frühstücks nicht auf zu sprechen und von sich selbst zu erzählen. „Ich habe bis jetzt noch nichts als schlechte Romane geschrieben," sagte er. „Die hundert Bünde, welche meine verschiedenen Pseudonyme führen, sind — ich gestehe es — unförmliche Versuche. Die Berühmtheit, die Akademie und vorzüglich der Reichthum erwarten mich indessen und werden ihre Gunst von dem Tage an über mich ausschütten, wo ich mich stark genug fühlen werde, um meine Werke unter meinem wirklichen Namen erscheinen zu lassen. Nun, dieser Tag steht nahe bevor." Nachdem er diese-Thesis festgesetzt hatte, erging er sich in den glänzendsten und unmöglichsten Träumen, baute Luftschlösser von Gold und Diamanten und überließ sich ebenso belustigenden als abgeschmackten Utopien. Herr de Sauniöres sprach im Gegentheil während des Mahls nur wenige Worte, that dies indessen .aber immer mit so viel Zurückhaltung wie Geist. Während man den Kaffee servierte, neigte sich Es- quirol zu mir und sagte mir ins Ohr: „Mein Lieber, Sie haben eben mit einem Narren und einem Mann von Genie gefrühstückt; welcher ist der Narr?" „Mein Gott, da bedarf es keines langen Nachdenkens, Herr Honorö ist es." ESquirol biß seine Lippen spöttisch zusammen und unterdrückte ein Lächeln. „Und Herr de Sauniöres?" „Ich halte ihn für einen vollendeten Edelmann und, so viel ich nach dem wenigen, was er gesprochen hat, urtheilen kann, für einen sehr hellen, ernsten Geist." „Herr Honorö de Balzac ist ein junger Schriftsteller von einer sehr großen Zukunft. Was Herrn Sauniöres betrifft, so bewohnt derselbe seit fünfzehn Jahren das Irrenhaus zu Charenton als Pensionär, d. h. als Geisteskranker; er hält sich für Gott den Vater." ALLexLeS. „Was kein Verstand der Verständigen sieht." Die Allg. Schweizer-Zeitung berichtet: Ein St. Gallcr Büblein schaute im verwichenen Sommer bei der Kaserne in St. Gallen dem Exerzieren zu und hörte, wie der instruierende Officier eine Fülle von sogenannten Kraftworten über die Mannschaft ausschüttete; das vier- bis fünfjährige Knäblein ging zum Osficier hin, nahm ihn, demokratischen Gefühles voll, am Aermel und sagte: „Sie, Herr Officier, Sie münd nüd e so fluche, sus (sonst) lerned's d'Soldate o (auch)." Der Angeredete mußte zweimal Achtung kommandieren, bis das Gelächter sich legte. — — In dieser Richtung ist auch eine Anekdote interessant, die Graf Leo Tolstoi in einer russischen Zeitung erzählt: Im Jahre 1820 beschlossen die Officiere des Regiments Semenofsky, die Blüthe der damaligen russischen Jugend, die körperlichen Züchtigungen in ihrem Regiment abzuschaffen, und bei aller Strenge des Dienstes zu jener Zeit blieb dasselbe nach wie vor ein Muster-Regiment. Einer seiner Chefs traf eines Tages feinen Kollegen Sergins Jvanovitsch Mura- wieff — einen der besten Männer seiner Zeit — und beklagte sich gegen ihn über einen seiner Soldaten, einen Trunkenbold und Dieb, indem er hinzusetzte, daß für Burschen dieses Schlages es eben doch kein anderes Mittel gebe, als Knutenhiebe. Sergius Jvanovitsch aber wollte dies nicht zugeben und erbot sich, den Soldaten in sein Bataillon zu übernehmen. Der Uebergang fand statt, und schon am andern Tage stahl der fragliche Soldat einem Kameraden ein Paar Stiefel, betrank sich und lärmte. Sergius ließ ihn vor die Front treten und redete ihn so an: „Du weißt, daß man bet mir nicht prügelt, also werde ich auch Dich nicht prügeln lassen. Die Stiefel, die Du gestohlen hast, werde ich aus meiner Tasche bezahlen; aber ich bitte Dich, in Deinem und nicht in meinem Interesse, ein wenig über Deine Lebensweise nachzudenken und sie zu ändern." Nach einigen Tagen betrank sich der Mann wieder und betrug sich lärmend. Und sein Chef strafte ihn wiederum nicht, sondern begnügte sich, ihm zu sagen: „Du thust nur Dir selbst Unrecht mit Deinem Betragen; aber wenn Du versuchst, Dich besser zu führen, so wirst Du die guten Wirkungen sehen. Ich bitte Dich also, in Zukunft keine solchen Dummheiten mehr zu machen." Der Mann aber war so sehr von dieser Behandlungsweise betroffen, daß er in der That sein Betragen vollständig änderte und ein Mnstersoldat wurde. * Der Schlangentödter von Le Puy. In Frankreich lebt, wie man aus Le Puy meldet, ein weithin im Lande bekanntes Original, Namens Courtel, gemeinhin „der Viperntödter" genannt. Gelegentlich des Jahrmarktes von Saint-Andrö hatte er auf dem Platze eine Bude errichtet, wo er sich, mit einem vollständigen Anzug aus Schlangenhaut bekleidet, dem Volke zeigte. Rock, Gilet, Pantalon, Gesichtsmaske, Kravatte und der von vier Natternschwänzen überragte Spitzhut waren ganz aus den Häuten dieser Kricchthiere angefertigt. Wie er erzählte, hat er für die Anfertigung dieses seltsamen Kostüms 900 Bälge verwendet. Seit Beginn des Jahres 1889 bis zum heutigen Tage hat er bei der Präfektur 9175 Köpfe dieser giftigen Thiere hinterlegt. Im Jahre 1883 hat er allein 2502 Ottern getödtet, wofür ihm die Präfektur 60 Centimes (40 Pf.) per Kopf auszahlte. Man scheint indeß gefunden zu haben, daß er zu viel verdiene, und setzte in der Folge den Preis auf die Hälfte herab. * Boshaft. „ ... O, ich kann auch sehr jähzornig sein; sieht man mir das nicht and" — „Ihnen nicht — aber Ihrem Lehrbuben!" -l-v-I—r-- 77 — ßrgäitzrtttgsraMr. or — So — r! — vu — xv — ms — ru — an — k§ Aus vorstehenden neun Buchstabenpaarcn sind 9 Wörter zu bilden durch Hiuzufügung eines Buchstabens vorn und hinten. Diese Wörter haben folgende Bedeutung: Pflauzcntheil, Begriff, griechische Göttin, griechischer Wecker, böhmische Stadt, Ortschaft in Tirol, Falschheit, Kirchcnstrafe, schweizer Berg. Die hinzugefügten Buchstaben ergeben im Zusammenhang ein Sprichwort. Auflösung dcS Räthsels in Nr. 18: Teich — Teppich.