-8 21. Irettag, den 13. März 189k. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbefitzer vr. Max Huttler). Die Astrologen. Historischer Roman aus der Zeit deö dreißigjährigen Krieges. Don Max Benno. (Schluß.) Als er in's Freie trat, wurde auf einer Bahre der Körper Donald-Devereux' fortgetragen. Er trat näher und erkannte den Todten sofort. Eine Ahnung stieg in ihm auf. Er gedachte der grimmigen Eifersucht dieses Mannes, des durch ihn vereitelten Entführungsoersuchs bei Pilsen, und auf einmal war für ihn das Abenteuer erklärt. Leßlie schickte sich eben an, den Unglücksplatz zu verlassen, da gewahrte er Georg. Er schritt auf ihn zu. „Herr Hauptmann", sagte er mit erzwungener Ruhe. „Ihr habt mir einst das Leben gerettet. Ich wurde dadurch Euer Schuldner. Nun sind wir quitt. Mein eigenes Schwert hat mir eine schwerere Wunde geschlagen, als eS je ein Schwedenhieb zu thun vermocht hätte. Der arme Fritz! So rücksichtslos er sonst seinen Weg gehen mochte, für den Onkel trug er ein treues Herz in der Brust. Ich kann mir denken, was ihn zu einem Angriff auf Euch bewog. Ich kannte seine Leidenschaft und seinen Groll; sie rissen ihn fort, und mein Arm mußte es sein, der eine so furchtbare Strafe an dem eigenen Fleische vollzog." Georg maß den Oberstwachtmeister mit einem drohenden Blick. „Der Dienst, welchen ich Euch einst geleistet", ent- gegnete er, „hätte keiner Vergeltung bedurft. Schaut in Euer Gewissen, denkt an die letzten vierundzwanzig Stunden, und Ihr werdet mehr als genug die Ursache dafür finden, daß die Rache des Himmels Euch traf." „DeS Himmels Rache?" wiederholte Leßlie. „Vielleicht habt Ihr Recht. Ich haßte den Friedländer mit allen Fasern meines Herzens, so glühend und grenzenlos, wie nur ein menschliches Gemüth Haffen kann — warum, brauche ich Euch nicht zu sagen; Ihr selbst habt die Qualen jener Stunde gefühlt. Ich konnte nicht offen mit dem Schwert in der Hand vor ihn treten, weil er ein Gewaltiger war und ich ein Knecht; deshalb habe ich es mit andern Waffen versucht. Ich siegte, er unterlag — fast in jedem Stück das ganz gleiche Verhältniß, wie bei dem Spiele, das er mit dem Kaiser, seinem Herrn gewagt hat, nur mit anderm Erfolg. Ihr habt den Herzog gekannt, Hauptmann; legt die Hand auf's Herz und nennt mich einen Lügner, wen« ich behaupte: Wallenstein hätte an meiner Stelle das Gleiche gethan- Ich habe mir viele Feinde gemacht", fuhr Leßlie fort,' als Georg schwieg, „doch ich frage nicht viel danach." Auch Ihr zürnt mir, was ich Euch nicht verdenke. Ihr seid noch jung, Ihr habt die Welt noch nicht auf der häßlichsten Seite geschaut und messet mit einem andern Maße, als ich. Aber tief schmerze» würde es mich, wenn Zhr im Groll von mir ginget. Ich gewann Euch lieb, Haupimann, aufrichtig lieb. Mein schwer geprüftes Herz ist noch der Liebe fähig, wenn es auch für hart und menschenfeindlich gilt. Unsere Wege trennen sich jetzt: vor Euch liegt der Tag mit Glück und Sonnenschein, meiner wartet die Nacht. Reicht mir zum Abschied in Frieden die Hand; eS wird für dieses Leben wohl das letztem«! sein." Ohne die dargebotene Rechte zu ergreifen, starrte Georg vor sich hin. Daß Leßlie's Augen mit flehende« Ausdruck auf ihm ruhten, beachtete er nicht. Aber ein anderes Bild tauchte vor seinem Geiste empor. Er glaubte die edle Gestalt des Pater Vincenz zu sehen, und die Lehren, welche der ehrwürdige Greis ihm eingepflanzt hatte, zogen als Friedensboten in sein grollendes Herz. Eine wohlbekannte Stimme flüsterte ihm zu: „Die Liebe sei Dein höchstes Gebot; mein ist die Rache, spricht der Herr; greife der Hand des Ewigen nicht vor!" Sein gutes, versöhnliches Herz gewann den Steg. „Lebt wohl, Leßlie", rief er, „ich will vergeben und vergessen, und wünsche auch Euch, daß Ihr zu vergessen vermögt." Rasch wandte er sich ab und verschwand im Dunkel der Nacht. In Gedanken über die bedeutungsvollen Ereignisse der letzten Tage vertieft, durchmaß der Hauptmann am folgenden Morgen sein Zimmer. Er fragte sich, ob er bei Marion einen Krankenbesuch machen solle; doch in der Voraussetzung, daß sie ihn zu gelegener Zeit selbst rufen werde, stand er davon ab. Da kam der FestungsCommandant Gordon zu ihm. Derselbe bedauerte die Vorkommnisse des vergangenen Abends, setzte sich aber, als er Georg's Zurückhaltung bet seinen Fragen über die Angelegenheit sah, mit unverkennbarer Befriedigung möglichst schnell über die leidige Sache hinweg, so daß des Hauptmanns Donald-Devereux kaum Erwähnung geschah. Diese Wahrnehmung gereichte Georg zu großer Befriedigung. Er glaubte daraus den Schluß ziehen zu dürfen, daß der Zwischenfall abgethan sei. War doch der Tod Donald's, in dessen Kopf zweifellos der Plan zu dem Attentate entstanden und der den Lieutenant nur als Handlanger benutzt hatte, ohnehin eine schwere Sühne für die aus Leidenschaft und Verblendung entsprungene ,That. Umsomehr mußte es ihn befremden, als er erfuhr, daß der gefangene Genosse des Erster» zum Tode durch den Strang verurtheilt worden sei und der Vollzug dieser Strafe unmittelbar bevorstehe. Man ging dabei mit der größten Heimlichkeit und Eile zu Werk. In weitem Kreisen, aus welchen Georg zufällig die Nachricht geschöpft hatte, war nicht einmal der Name des Opfers bekannt. Georg begriff nicht, warum ihm durch Gordon von alledem gar nichts gesagt worden war. Schnell entschlossen eilte er zu dem Commandanten, um kein Mittel unversucht zu lassen, das die Aufhebung des Urtheils versprach. Mit verlegenem Achselzucken hörte Gordon ihn an. „Ich habe gern bemerkt", erklärte er, „daß Ihr keine Genugthuung für die erlittene Unbill verlangt. Aber es mußte ein Exempel statutrt werden; denn es handelte sich nicht nur um den Angriff auf Euch, vielmehr wurden durch die Hand des Lieutenants Kametsch zwei Soldaten getödtet und einer gefährlich verletzt; ich habe ihn weder zu schonen noch zu retten vermocht, und jetzt ist's zu spät: soeben ging die Ordonnanz von mir, welche die Meldung vom Vollzug des Urtheils brachte. Tief erschüttert kehrte Georg in seine Wohnung zurück. — Georg befand sich noch keine Stunde in seiner Wohnung, als ein Bote von Elsbeth erschien mit der Bitte, Georg möchte ohne Verzug in die Herberge kommen. Er wurde durch die Alte vor der Thüre empfangen. Unter Thränen theilte diese ihm mit, daß der Zustand Marion's fast hoffnungslos sei. Er eilte die Treppe hinauf, und ein einziger Blick in das Antlitz der Kranken gab ihm die Ueberzeugung, daß die Befürchtung gerechtfertigt war. Mit einem matten Lächeln reichte Marion ihm die Hand. „Wie danke ich Euch", flüsterte sie, „daß Ihr kommt! Nun sterbe ich gern." Georg suchte vergeblich die Kranke auf andere Gedanken zu bringen. Sie bewegte in stiller Ergebung das Haupt. „Ich fühle es", sagte sie, „wieder Tod zu meinem Herzen heraufzieht. Doch es ist gut so; ich lasse Euch froh und glücklich zurück!" Sie schaute mit einem Blick voll Liebe auf ihn. „Vernehmet das Bekenntniß einer Sterbenden", fuhr sie dann, sich ein wenig emporrichtend, fort, „der Euere Gegenwart die letzte Stunde versüßt. Was unter andern Verhältnissen wohl nie über meine Lippen gekommen wäre, erfahret Ihr heute: ich liebte Euch fast vom ersten Augenblick an, und dieses Gefühl hat meinem Leben den Stempel eines, wenn auch nur kurzen Glückes aufgedrückt. Ich kann Euch nicht alles so sagen, wie ich gern möchte; die Kraft fehlt mir dazu. Doch das sollt Ihr wissen: durch die Liebe zu Euch bekam mein Dasein erst einen Zweck. Um meinem armen Vater ein hartes Loos zu ersparen, habe ich mich gleichsam in die Gewalt meines Onkels verkauft. Ich war ihm, da er nichts Böses verlangte, anfangs zu Pillen, ohne mich um sein Thun zu bekümmern. Wir hielten uns eine Zeit lang in München und Wien auf, nachher an mehreren protestantischen Höfen und zuletzt in Dresden, von wo wir nach Großmeseritsch kamen. Mein Onkel unterhielt überall einen regen Verkehr. In Großmeseritsch bemerkte ich, daß er Euch für seine Pläne zu gewinnen versuchte. Nun bekamen diese ein Interesse für mich. Ich forschte nach und erfuhr gerade genug, um ihm zu erklären, daß er dabei auf meine Unterstützung nicht zählen dürfe. Er stand davon ab. Später hat er seine Absicht mit einem Andern, den er in die unmittelbare Umgebung des Herzogs zu bringen wußte, erreicht: mit Fritz Donald, welchem eine hervorragende Rolle in den geheimen Umtrieben zugetheilt war. Mein Oheim ist französischer Agent. Er wußte sich einen umfassenden Einblick in die Geheimnisse aller Parteien zu verschaffen und beutete diese, den Einen gegen den Andern benutzend, zu seinem Zweck aus. Kaiserliche Räthe, schwedische und sächsische Befehlshaber, ja der Astrologe Seni selbst haben mit ihm in Verbindung gestanden und in der Akrobatenbude verkehrt. Kein Wunder, wenn man in Paris über die wahre Sachlage in Deutschland stets viel besser unterrichtet war als in München, DreSden und Wien. Dazwischen spielten sich jedoch auch Privatränke ab. Donald erwartete als Lohn für seine Dienste meine Hand, und mein Onkel hatte sie ihm zugesagt, während ich ihn verabscheute. Aus Rücksicht für meinen Vater, dessen Existenz in dem Belieben Leferrier's lag, mußte ich jedoch vorsichtig sein. Ich that das Möglichste, verstand mich aber auf die Verstellungskunst nicht gut genug, um zu verhindern, daß Donald errieth, wie es in meinem Herzen aussah. Deßhalb haßte er Euch. Er verbündete sich mit einem andern Offizier, der ebenfalls einen bittern Groll gegen Euch hegte, zu einem Kampf auf Leben und Tod. Ein Zufall machte mich mit ihren Anschlägen bekannt. Mein Herz gebot mir, über Euch zu wachen. Ich habe es nach Kräften gethan. Ihr solltet aber Euere Feinde auch selbst kennen lernen. Um dies zu bewirken, bat ich Euch in Pilsen zu mir. Ihr kamt nicht, und ich konnte nicht auf Euch warten; denn mein Onkel kehrte plötzlich zurück und führte uns weiter nach Prag. Die Sorge um Euch rieb mich fast auf. Da traf ich Euch hier, und nun ist meine Absicht erreicht: Ihr seid außer Gefahr, und die Ruchlosen hat, wie mir Elsbeth sagte, das Schicksal ereilt!" „Ja", erwiderte er, „sie wurden Beide furchtbar gestraft, und bei dem Einen ist überdies noch die Prophezeiung mit grauenvoller Ironie in Erfüllung gegangen, die er von Euch einst bezüglich seiner Zukunft bekam: vor wenigen Stunden wurde er zum Galgen geführt." „Möge der Unglückliche einen gnädigen Richter finden", flüsterte daS Mädchen und fügte dann mit wehmüthigem Ernste hinzu: „Der Scherz, welchen ich wir damals in Großmeseritsch mit den ohne Wahl und Absicht aus einem französischen Buche entnommenen VerS- chen erlaubte, trug jedenfalls keine Schuld, weder an Euerm Glück noch an des Andern Schmach. Es gibt eine gerechte Vergeltung." Eine fahle Blässe überzog plötzlich ihr Antlitz. Mit einem Seufzer sank sie in die Kissen zurück. Die Aufregung hatte die Katastrophe beschleunigt. Noch einen letzten langen Blick warf sie auf Georg, dann schloffen sich die schönen Augen für immer. Die langsam verglühenden Strahlen der Abendsonne fielen durch die bleigefaßten Scheiben auf Marion'S noch im Tode liebliche Züge. 159 Als der Hauptmann in das Quartier zurückkam, fand er ein Schreiben von Piccolomini, worin dieser ihm mittheilte, daß eine wichtige Angelegenheit ihn schleunigst nach Wien gerufen habe. Er beklagte das erschütternde Drama in Eger, welches, trotz der Absicht es zu verhindern, nun wohl ihm von der Welt zur Last gelegt werde. Gleichzeitig wurde dem jungen Manne ein unbeschränkter Urlaub ertheilt. Die letztere Vergünstigung war Balsam für Georg's wundes Gemüth. Keinen Tag länger mochte er innerhalb der Mauern Eger'S mit ihren blutigen Erinnerungen bleiben. Selbst die bevorstehende Bestattung Marion's hielt ihn nicht auf. „Fort, fort in die Het- math", riefen tausend Stimmen in ihm, und er folgte ihrer Mahnung ohne Verzug, um, wenn auch nicht zu vergessen, so doch vielleicht zu verwinden, was ihm hier so weh gethan. Als er am folgenden Morgen die Thore der Stadt passirt hatte, begegnete ihm ein halb geschlossener Wagen, in dem sich neben dem Akrobaten Leferrier der Astrologe Seni befand. Wenn er je noch an Marion's Mittheilungen gezweifelt, durch diesen Anblick wurde der letzte Nest des Zweifels zerstört. Der Vertraute des Herzogs von Frtedland hatte für seine Kunst schnell einen neuen Wirkungskreis zu finden gewußt. 15. Der Frühling hielt seinen Einzug tn's Land. Schon seit Wochen schallte das tausendstimmige Concert der gefiederten Sänger durch den Buchenwald, der früher als sonst sein Auferstehungsfest feierte und sich über den lustig zu Thal rauschenden Wtldbächen mit duftendem Grün zu schmücken begann. In Stadt und Burg Groß- meseritsch herrschte ein reges Leben. Das vollständig erneuerte Schloß prangte im Festschmuck, und vom Thorweg bis hinunter zur Kirche war die ganze Straße mit Blumen bestreut. Heute, nachdem etwas über ein Jahr seit dem Tode des Herzogs verflossen, gedachte der Schloßhauptmann Georg Selkow die Braut heimzuführen. Jsabella, die Wittwe Wallenstein's, hatte schon seit einiger Zeit Großmeseritsch zum bleibenden Wohnsitz gewählt, den sie jährlich nur einmal zum Besuch ihrer Tochter Maria, die in Wien beim Großvater erzogen wurde, auf einige Wochen verließ. Die alte Leibdienerin war vor einem halben Jahre gestorben, und seitdem befand sich Magdalena bei ihr. Sie hatte auch, als wäre das Mädchen ihre eigene Tochter gewesen, für eine reiche Aussteuer gesorgt. In dem Gemüthe Georg's waren die peinlichen Bilder der Vergangenheit allmülig verblaßt. Auch ein Zusammentreffen mit dem Schloßvogt und dessen Frau blieb ihm erspart. Martin's Vater hatte wenige Tage vor seiner Ankunft in Großmeseritsch das Zeitliche gesegnet und sein Weib bei einer in Prag lebenden Schwester eine Heimath für den Lebensabend gesucht. Nur Eines beunruhigte Georg noch: das Geheimniß, welches ihm von Leßlie bezüglich Magdalenens anvertraut worden war. Mehr als einmal schon hatte er sich gefragt, ob er nicht wenigstens den Pater Vincenz einweihen solle; allein er erinnerte sich des gegebenen Wortes, an dessen Zurücknahme er bei der letzten Begegnung mit dem Oberstwachtmeister in seiner Aufregung nicht gedacht hatte, und schwieg. Ob auch Leßlie den übernommene» Verpflicht ungen nachkam? Er hoffte es, wenn auch der Charakter jenes Mannes keine sichere Gewähr hierfür gab. Am Morgen der Hochzeitstages befanden sich in dem zum prächtigen Gemach umgeschaffenen ehemaligen Zimmer der verstorbenen Base Georg Selkow und dessen Braut, Pater Vincenz und die Herzogin Jsabella. Eine besondere Veranlassung hatte sie zusammengeführt. Es war ein Bote von Wien mit einem versiegelten Schreiben gekommen, das nach einer ausdrücklichen Bestimmung auf dem Couvert vor den genannten Personen geöffnet und allen vollinhaltlich bekannt gemacht werden sollte. In gespannter Erwartung blickte man auf den Pater Vincenz, der es erbrach. Außer Georg, welcher die Bedeutung der Botschaft errieth, besaß Niemand auch nur eine Ahnung von dem Inhalt. Pater Vincenz hatte das Siegel gelöst, und zwei zusammengefaltete Schriftstücke fielen auf den Tisch; das eine war der Taufschein Magdalenens mit einem angehefteten Schreiben der verstorbenen Gräfin, welches den Enthüllungen Leßlie's in Allem die vollste Bestätigung gab; das andere ein Brief des Oberstwachtmeisters, worin Jener mittheilte, daß er seiner Aufgabe nicht mehr in ihrem ganzen Umfange gerecht werden könne; denn der Vertrauensmann, bei welchem Magdalenens Erbe hinterlegt worden sei, habe seitdem fallirt und das Weite gesucht. Diese Einbuße fiel für die Brautleute in ihrer Freude über den wettern Inhalt des Briefes kaum in's Gewicht. Sie fühlten sich so glücklich, daß ihnen daS verlorene Vermögen geradezu als ein willkommenes Opfer erschien. Ueberdies war für ihr Auskommen durch Georg's Stellung und die Güte der Herrin mehr als genügend gesorgt. Die Herzogin wurde durch die unerwartete Enthüllung mit hoher Freude erfüllt. Sie zog das Mädchen zärtlich an die Brust. „Seit ich Dich kenne", sagte sie, „hast Du meinem Herzen nahe gestanden; nun begrüße ich Dich als meine Tochter. Fürderhin sollen meine Liebe und Sorgfalt zwischen Maria und Dtr getheilt sein." Dann führte sie die Jungfrau dem Bräutigam zu. „Die Mittheilung", fuhr sie fort, „welche uns heute zukam, kommt mir vor wie ein Gruß aus dem Jenseits von der Heimgegangenen Mutter, die an dem bedeutungsvollen Feste ihres Kindes gedacht hat. Es ist ihr Segen, und der Segen einer Mutter ist einHochzettsgeschenk, wie ich kein besseres zu nennen vermag. Möge der Himmel Euch jenes Glück schenken, das die unglückliche Frau vergeblich suchte!" Drei Stunden später legte Pater Vincenz die Hände Georg's und Magdalenen's zusammen und flehte die Gnade des Himmels auf ihren Lebensweg herab. Lange schaltete Georg Selkow an der Seite seiner treuen Magdalene als Schloßhauptmann auf Großmeseritsch. Das Glück und der Friede hatten endlich daselbst ihr Heim aufgeschlagen. Geliebt und verehrt bewegte sich die schwergeprüfte Herzogin in ihrer Mitte und setzte sich in den Herzen der Armen und Kranken der ganzen Gegend ein bleibendes Denkmal. Pater Vincenz erlebte noch daS Ende des dreißigjährigen Krieges. Nur wenige Wochen nach Veröffentlichung der FricdenSbestimmungen schloffen sich die Augen des fast neunzigjährigen Greises. Er starb, wie er gelebt hatte, als ein Apostel der Liebe. Ein Lächeln schwebte um den welken Mund, und das bleiche Antlitz war von dem Hauche jenes heiligen Friedens verklärt, den der Herr über Leben und Tod auch den sterblichen Hüllen der Gerechten verleiht. ALLe^Lsr. Was ein Pfund Kohle thut. „Die Zeit ist nicht mehr fern, wo wir Hitze und Arbeitsleistung ohne Hilfe von Feuer erhalten können," sagt der Civil-Jn- genieur Marston Mc. Grath im St. Louis „Globe- Democrat". „Das wird möglich sein, sobald wir Elektricität direkt von der Kohle erzielen können, ohne etwas von der wunderbaren Kraft zu verlieren, welche in derselben steckt. Ich habe den ganzen Werth der Kohle als Krafterzeuger erst dann erkannt, als ich dieselbe auf einer Fahrt über den Ocean auf dem Dampfer „Maje- stic" beobachtete. DaS Schiff führt 2400 Tonnen Kohlen, fast genug um jeder Familie in St. Louis einen halben Bushel zu geben, und eS verbraucht 290 Tonnen täglich, um seine Geschwindigkeit von ungefähr dreiundzwanzig Meilen die Stunde zu erhalten. Das sieht wie ein kolossaler Kohlenverbrauch aus, doch die „Majestic" ist ein großes Schiff, 682 Fuß lang, und es gehören 18 000 Pferdestärken dazu, um es mit Volldampf über die Wellen zu führen. Rechnet man es aber im einzelnen aus, so findet man, daß anderthalb Pfund, also weniger als eine gute Hand voll, eine Pferdestärke für eine Stunde liefert. Eine Pferdestärke ist gleich der Arbeit, mit der man 300 Pfund einen Fuß hoch heben kann, so daß anderthalb Pfund Kohle 300 Pfund einen Fuß hoch eine Stunde laug zu heben im Stande sind. Oder man nehme einen anderen Vergleich. Es würden 100 000 Galeerensklaven Tag und Nacht rudern müssen, um der „Majestic" eine Geschwindigkeit von dreiundzwanzig Meilen zu geben. Dividiert man 18 000 Pferdestärken durch 100 000, so findet man, daß anderthalb Pfund Kohle ungefähr die einstündige Arbeit von sechs Ruderern leisten. Freilich würde man auf der „Majestic" nicht mehr als 480 Ruderer plazieren können und zehn Bushel Kohlen würden dieselbe Arbeit leisten, während 100 000 Galeerensklaven, jeder im Durchschnitte 150 Pfund schwer, fünfmal soviel wiegen würden als die 1740 Tonnen Kohlen, welche die „Majestic" für eine sechstägige Fahrt braucht." Die Macht der Musik. Im Jahre 1809, einige Jahre vor dem Tode des greisen Tonsetzers Haydn, schloß die Dilettantengesellschaft in Wien ihre Winterkonzerte mit einer glänzenden Aufführung der Schöpfung, zu welcher Haydn eingeladen ward. Er erschien, und schon der ausgezeichnete Empfang, der ihm zu theil ward, machte auf den Schwachen, durch die Last der Jahre Gebeugten einen außerordentlichen Eindruck; aber noch tiefer erschütterte ihn sein eigenes Werk, und bei der ergreifenden Stelle: „Es ward Licht," fühlte er sich dergestalt überwältigt von der Gewalt der Harmonieen, die er selbst geschaffen, daß ihm die Thränen über die Wangen rollten und er mit erhobenen Armen ausrief: »Nicht von mir, von dort kommt allesI" Er unterlag den ihn bestürmenden Gefühlen und mußte hinweggetragen werden. --0-48WU-»-- GoLLKSrrrsr. So viele Blüthen des Lebens fallen ab — später so Viele halbreife Früchte. Ist nun der Herbst davon leer? Der Mensch kann, wie der Baum, nicht alle Blüthen zu Früchten vollenden, die er treibt. Jean Paul. Das Gute wird verschwiegen, ?, DaS Böse sieht man von Mund zu Munde fliegen. ' --—«xv-LS--- Iiir die aögevrarmlen Gauvstnunnen in Kohenrvart. Leutla, gell, ihr mächtet frauga Was ma z' Hoahawart iez mach? Baua halt — mit nasse Auga — Baua unt'; Oh und Ach. 's ischt ja gar so grauseg g'wea Was in scll'r Nacht ischt g'scheah. Nv' kan i dös Sturma heara, Fuirjoh schrei» bei d'r Nacht, 's Fuir hat naufg'schla bis an d' Steara, Fürchteg praschtlet, g'schncllt und kracht: Und dös herrlich Institut Ischt v'rbrennt zue Staub und Schutt. Alls, von oben» bis unda: Dachstuehl, Lada, Käschta, Schränk'; Alles hi, in weanig Stunda, Bctschet, Sessel, Tisch und Bank': Alle Bett'r, alles G'wand, WaS s' net g rad am Leib g'het Hand. O ihr druimal arme Kind'r: Taubstumm, arm und hoimathloast Wäg'r reckt zum Daula sind 'r Und uir Elend riesagroatz: Könnet it a mal bettln gau, That ui ja koi Mensch v'rstaul Sott iez i als alt'r Kerle No für ui gcbeitla gau? In de junge Jauhr, ja währle! Han i's oft und freudig thau: Und wenn halt iez Keiner gaut, Woiß i z'letscht koin andra Rauth. Und d'rum iez, ihr Schwäbala, bitt' i recht schea, O theand deane taubstumme Mädala gea! Sie Hand ja koi Hoimath, koi Bettle, koi HäS, Da mach Dn 'n Vett'r, da mach Du a Bäs, Da mach Du da Vat'r, und d' Muett'r mach au. Dau sei Du gnä' Herr und da sei du gnä' Fraul Von Aub'm hear simmr ja alle v'rwandt, D'rum müeß m'r dau helf», sonscht wär es a Schand, Ma ka doch dia Närrla in Noath it v'rlau. Was seitens denn treiba, wohi sottens gau? Sie wäre ja so scho gar jammerle dra, Wöl koiS ebbes heart und au 's Schwätza it ka; Da kommt no dös Fuir aus und nimmt na ihr Haus, Ihr Bettla, ihr Häswerk, o dös ischt a Grans! Iez sott ma dau baua, und 'S Baua dös loscht. Drum schicket iez Thal'r mit Bota und Post, Und Eirichtung schafsa? o Leut I dös loscht viel, Mit drui und vier Tauscd kommscht lang it an'S Ziel; Drum Hand iez Erbarm», ah kommet! ah gand! Und sind m'r recht brave, mitleidige Mandl D'r Stadtpfarr' von Dillinga nähmS in Empfang, Herr Niedcrmair hoißt 'r, dear wartet scho lang: Und wend 'r a Quitting. ear thätS ui scho gea, Ear hat a nett's Schristle, dös liest si so schea» A Anwcising isch oft a guldiga Kroa, O saget's doch Alle, um dös ka ma's thoa! Fr. Keller. Dechiffrir-Aufgabe. Jede Buchstabengruppe ist zu einem sinmnäßigen Worte zu ordnen-, blovsl rastnen euip üimnvnpek, Ibisse«; Iiiuet rlinumerliAi enis, llvret mnrligibres inse Ulrv uisslivvr Viveenv seuiv verstau nepi. Lgulo. Auflösung des Bilder-Näthsels in Nr. 20: Oie Absicht leiht erst einer That Bedeutung. ——-