AnleWltimgs M „Augsburger Postzeitung". « 27. Dinstag, den 31. März 1896 . Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Berlag des litterarischen Instituts von Haas Ag.); jede dieser iwci Abtheilungen wird von einer anderen Person und in einem anderen Ton gesungen. Uralt ist die Procession dieses Tages, sie fand schon statt, bevor die Benediction der Palme eingeführt war. So berichtet die dem vierten Jahrhundert angehörende „?sr6Ariii3.tio Lrlvias", die Beschreibung der Pilgerfahrt einer vornehmen Dame aus Gallien ins Heilige Land, die sich sehr genau über alle Einzelheiten der jerusalemischen Liturgie verbreitet, nichts von einer Weihe der Palme, wohl aber von der Procession mit der- 198 selben in Jerusalem. Alle Kinder, erzählt Silvio, selbst diejenigen, die ob ihres zarten Alters noch von ihren Müttern getragen werden mußten, trugen Palm- und Oel- zweige in den Händen; der Bischof ritt als Repräsentant des Heilandes, wie dieser, auf einem Esel vom Oelberge zur Auferstehungskirche; die vornehmeren Leute, Männer und Frauen, saßen ebenfalls auf Eseln; das übrige Volk ging zu Fuß einher; der Zug bewegte sich sehr langsam, damit die Leute nicht ermüdet wurden. Die Kirche will in der Procession dem Heilande dieselbe Ehrfurcht bezeigen, die ihm die Einwohner von Jerusalem erwiesen. Diese nahmen nach dem Berichte des Evangeliums Palmzweige, gingen ihm entgegen und riefen: „Hosanna! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!" So nahmen denn auch die Gläubigen schon in der alten Kirche an diesem Tage Palmzweige in die Hand, zogen in Procession einher und huldigten Christo in Gebet und Gesang als ihrem Könige. Nach dem heiligen Bernhard sollen wir in der Procession am Palmsonntage eine Vorbedeutung jenes glorreichen Triumphzuges sehen, in dem wir einst, nach einem guten Leben, mit allen Heiligen und Auserwählten in den Himmel einziehen werden. Bis dahin wird es noch manchen harten Kampf kosten, daran erinnert die Kirche, indem sie bei der alsbald auf die Procession folgenden Messe, wie erwähnt, die Passion lesen oder singen läßt. Es liegt hierin für den Christen die ernste Mahnung: Willst Du einst in das Reich des ewigen Friedens eingehen und Antheil haben an der Glorie Deines Heilandes, so mußt Du mit Ihm in Deinem Leben den königlichen Weg des Kreuzes gehen. In Gegenden, wo keine Palmen zu haben sind, vertreten die Zweige anderer Bäume deren Stelle, wie denn das römische Missale ausdrücklich sagt: „Laosräoz... proesclib nä chansäioslläum ruinös palvauruin sivs olivurnin st uliaruin arkoruin;" also Zweige von Palmen, von Oelbäumen oder von anderen Bäumen können geweiht werden. In Italien ist um diese Jahreszeit die Vegetation schon weiter vorgeschritten, die Zeit der Blumen ist bereits angebrochen, daher der Palmsonntag dort auch gerne xusguu äsi Lori genannt wird. In Spanien wird an diesem Tage der Boden der Kirche mit Blumen bestreut, und als Spanier gerade am Palmsonntag in Nordamerika eine Halbinsel entdeckten, nannten sie diese deshalb Florida, welcher Name dem Lande bis aus den heutigen Tag geblieben ist. Die Palmweihe ist wie gesagt jüngeren Ursprungs als die Palwprocession, reicht aber im Abendlande jedenfalls ins siebente Jahrhundert zurück. Die Weihe der grünenden Zweige bringt den Palmsonntag in Verbindung mit dem wiederkehrenden Frühling und veranlaßt manche Volksgebräuche, die zunächst den Sieg der grünen Vegetation über den unfruchtbaren Winter, im höheren Sinne aber einen geistigen Sieg bedeuten. In manchen Gegenden werden die gesegneten Palmzweige an den Marksteinen in die Felder gesteckt und über den Thüren der Wohnhäuser angebracht: eine Bitte um Gottes Segen. In Niederbayern ziehen die „Pueri-Buben" (eine sonderbare Tautologie!) herum; sie haben den Namen von einer Stelle, die in dem bei der Rückkehr der Procession in die Kirche zu singenden Responsorium vorkommt! Hslirusornin pnsri rssurrsotionsin vitss xronunoiuntss sto. Sie singen bei ihrem Umzug den „Pueri-Gesang", schlichte, volks- thümliche Lieder frommen Inhalts; z. B.: . Jesus in das Haus reitet ein Demüthig auf einem Eselein. Schämt Euch, Ihr stolzen Weltkinder I Ihr richtet Alles auf den Schein; Geprangt, gespitzt muß Alles sein — Das gefällt Gott nicht, o Sünder! Wieder in anderen Gegenden, z. B. am Niederrhein, werden die geweihten Palmen auf die Gräber gesteckt, jedenfalls im Hinblicke auf die Seile in der Apokalypse des heiligen Johannes 7, 9: „Ich sah eine große Schaar, die Niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Völkern und Stämmen und Sprachen; sie standen vor dem Lamme, angethan mit weißen Kleidern, und hatten Palmen in den Händen." Die Palme galt schon in der vorchristlichen Zeit als Sinnbild des Sieges; mit Palmzweigen wurde der heimkehrende Sieger empfangen und begleitet. Wie der Vogel Phönix, soll nach der Ansicht der Alten die Palme wieder aus ihrer Asche erstehen; sie bedeutete darum den Ruhm des Siegers, der sich einen unsterblichen Namen erworben. Darum kommen — in die christliche Symbolik übertragen — auf christlichen Bildern unzählige Male Palmen in den Händen der Engel und Märtyrer vor, um den Sieg über das Irdische auszudrücken. Zwei kreuzweise übereinandergelegte Palmzweige bezeichnen das heilige Kreuz als das große Siegeszeichen Christi und des Christen über Hölle und Welt. Als Sinnbilder auf Grabdenkmälern zeigen die Palmen an, daß der Verstorbene den guten Kampf gekämpft, den Steg errungen und die Krone der Gerechtigkeit erlangt hat. Auf den Grabdenkmälern der Katakomben ist die Palme oft mit dem Phönix verbunden, um anzudeuten, daß die Märtyrer durch das Opfer des zeitlichen Lebens den Sieg über den Tod errungen und das ewige Leben gewonnen haben. Der Palmbaum erscheint auf Katakombenbildern auch als Attribut Christi, und der heilige Augustin nennt den Heiland in einem Hhmus „xulrnu dsllatoruin", die Palme der Streiter, das heißt der Mitglieder der hier auf Erden weilenden streitenden Kirche. Wie der als Homilet berühmte Bischof Eberhard ausführt, paßt die Palme, die dem Palmsonntag den Namen gibt, besonders gut dazu, um das demüthige, ringende und kämpfende Leben des Christen und das siegende und glorreich vollendete Leben der Heiligen zu bezeichnen. Die Palme ist der schönste und edelste Baum des Morgenlandes, die herrlichste Zierde der Pflanzenwelt, die „Fürstin der Bäume", wie Linns sagt. Sie wächst in sandigem, wenig versprechendem Boden. Wo im Flugsande der glühenden Wüste nur ein wenig Wasser sich sammelt und den Boden befruchtet, da steht der Wanderer die Palme gegen Himmel streben. Die Palme ringt sich aus dürrem Erdreich empor; von der Erde bedarf sie wenig, vom Himmel aber Sonnenschein und Wärme. Sie steigt zu einer Höhe hinan, die andere Bäume, welche stärker angelegt zu sein scheinen, nicht erreichen. Ihre Krone welkt nicht, sie grünt im Regenschauer und Sonnenbrand, sie grünt Sommer und Winter und erinnert so trefflich an die unverwelklichen Kronen der Heiligen. Die Palme ist, wie der höchste Schmuck, so die reichste Segenspenderin des Morgenlandes; das Leben ganzer Völkerschaften knüpft sich an das Dasein der Palme. So ist die Palme das von Gott gewählte treue Bild des geistigen Wachsthums und der Vollendung seiner Heiligen, ein Bild der Liebe, die wenig nimmt und viel gibt, mit Allem dient und Alles opfert. Eine solche Palme ist auch das Kreuz Christi, der lebendige, weltüberschattende 199 Baum des Lebens, dessen Betrachtung die mit dem Palmsonntag beginnende stille Woche sich zur Aufgabe stellt. Es sei noch daran erinnert, daß am Aschermittwoch die Palmen, die am vorjährigen Palmsonntag gebraucht wurden, verbrannt werden und der Christ das Zeichen der gesegneten Asche als Erinnerungszeichen an den Tod und als Siegel seiner Verpflichtung zur Buße empfängt. So wird aus dem Symbole des Sieges und der Ehre das Symbol der Buße und der Treue gewannen. --»S-iNS-S- - Judas Wakkabäus. Historischer Roman von A. L. O. E. (Fortsetzung.) Es war im Monat Schcbat, unserem Januar entsprechend, und Palästina prangte schon im ersten Grün des jungen Frühlings. Die purpurfarbene Wolfskirsche stand in Blüthe, die Krokus, Tulpen und Hyacinthen bedeckten die Felder, der blaue Flieder contrastirte mit Tausenden von scharlachrothen Anemonen. Der Mandelbaum stand in Blüthe, und ein duftender Hauch wehte über die Blüthen der Ltmonen und Citronen. Der Winter war in diesem Jahre mild gewesen, und einige Feigen aus dem vergangenen Herbst hingen an den noch unbelaubten Zweigen. Der Wein an den Hügeln bekam schon Laub, und in den Feldern zeigte das aufgehende Korn seine ersten jungen Blüthen. Aber Judas war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um der Landschaft, die ihn umgab, viel Aufmerksamkeit zu schenken. Für Israel war der geistige Winter noch nicht vorüber und lastete schwer auf dem Gemüth des Pilgers. Der Reisende eilte ohne zu rasten weiter, bis er am Nachmittag das Thal von Askalon erreichte. An einem Brunnen, der sich an der Seite der Straße befand, stillte der müde Wanderer feinen Durst und setzte sich für eine Weile unter dem Schatten einiger Dattelpalmen zur Ruhe nieder. Der Hasmonäer zog aus der Tasche, welche er bet sich trug, seine einfache Mahlzeit von getrockneten Feigen, wusch in dem kühlen Wasser Gesicht und Hände und fing an zu essen. Bevor einige Minuten verstrichen waren, kam ein Weib in den Trauerkleidern einer Wittwe, ein ungefähr sechs Jahre altes Kind auf dem Rücken tragend, mit müdem Schritt auf den Brunnen zu, neben welchem der Reisende saß. Sie legte ihren Knaben auf den Boden, trank von dem Wasser und gab ihrem Sohne auch zu trinken. Ihre Erscheinung zeugte von der äußersten Armuth, und das Kind litt augenscheinlich sehr unter der Krankheit. Judas theilte seine geringe Mahlzeit in drei Theile, und mit dem freundlichen Gruß: „Friede sei mit Dir!" bot er einen Theil der Wittwe und einen dem Knaben an. „Der Segen des Gottes Abraham sei mit Dir!" rief das arme Weib, „Deine Magd hat seit Sonnenaufgang keine Speise geschmeckt." Und die Wittwe und ihr Sohn nahmen, nicht weit von Judas auf dem Rasen sitzend, von den getrockneten Feigen mit der Hast solcher, die dem Hungertode nahe sind. „Dein Kind sieht krank aus", bemerkte der Hasmonäer, indem er voll Mitleid auf die verkommene, zusammengesunkene Gestalt des Knaben blickte. „Er wird nicht lange mehr leiden", erwiderte die Wittwe mit der ruhigen Apathie der Verzweiflung, „seines Vaters Haupt legte ich im vergangenen Monat in's Grab, und in diesem Monat werde ich Theras Haupt an seine Seite legen. Das Siegel des Todes ist ihm aufgedrückt; ich werde bald allein sein in der Welt." „Nein, verzweifle nicht. — Gott ist gut, Dein Kind kann ja noch leben", sagte Judas. „Warum sollte ich wünschen, daß es lebe? Sein Vater wurde hinweggcnommen, es wird auch hinwegge- nommen werden. Jerusalem ist beschmutzt und das Land ist in Gefangenschaft, Israel ist ein Raub der Heiden geworden. Der Gläubigen sind wenige im Lande, und die Verfolgung wird auch diese bald hinwegraffen. Es gibt keinen Ruheplatz als unter dem Rasen und keine Freiheit als im Grabe. Der Name Juda's wird bald aus den Völkern getilgt sein." „Niemals!" rief Judas mit Nachdruck, „so lange der Gott der Wahrheit lebt und regiert. Judäa kann niemals untergehen. Der Weinstock, der aus Aegypten gebracht wurde, kann abgebrochen werden, seine Zweige abgerissen, seine Frucht zerstreut, der Bär des Waldes kann ihn verwüsten, das wilde Thier des Feldes ihn verschlingen; aber dennoch wird Israel grünen und blühen und wird den Erdboden mit Früchten füllen. Bliebe nur ein Mensch von dem auserwählten Volke Gottes, so würde von diesem einen Menschen der Erlöser kommen, der den Völkern Frieden verkünden und herrschen wird immerdar." „Könnte ich nur hoffen", stammelte die Wittwe. „Kannst Du nicht glauben?" rief der Hasmonäer. „Sieh hinunter, blicke nach Westen, da ist Gibeon, über welchem die Sonne auf die Stimme Josuas stillstand; über diesem Thale von Askalon stand der Mond still an dem Tage, an welchem die Amoniter vor Israel flohen. Er, der einen Moses, Josua und Gideon erhoben hat, kann durch menschliche Werkzeuge oder ohne dieselben die Wunder aller Zeiten wiederholen und sein Volk wieder erlösen." Und als der Hasmonäer diese Worte gesprochen, erhob er sich, um seine Reise fortzusetzen. Er konnte seinen müden Gliedern nur wenig Ruhe gönnen; denn der Weg, den er vor sich hatte, war noch lang. „Meine Heimath ist nicht mehr weit", sagte die Wittwe, sich ebenfalls erhebend, „und ich habe nun wieder Kraft, vorwärts zu gehen." Sie wollte ihren Knaben aufnehmen, aber Judas kam ihr zuvor. „Ich kann Dir die Last abnehmen", sagte er und nahm das Kind auf seine Schultern. Sie halten ein Stück Weges im Stillschweigen zurückgelegt, und die Wittwe dachte über die Worte des reisenden Mannes nach, als hinter ihnen Pferdegetrappel und Waffengeklirr hörbar wurde. Das Kind, welches der Hasmonäer trug, sah sich um und rief, indem es die Locken seines Beschützers ergriff: „Sieh, Reiter in glänzenden Waffen mit Bannern und Speeren! Flieht, flieht, die Syrer kommen!" Judas wandte sich weder um, noch änderte er seinen Schritt. Er ging nur ein wemg auf die Seite der durch Kaktus begrenzlen Straße, um den Reitern mehr Raum zum Vorbeikommen zu geben. Die Syrer ritten in guter Ordnung weiter, ihr Stahl glänzte im Sonnenschein, und eine dichte Staubwolke umgab die Hufe ihrer Rosse. In der Mitte des Zuges befand sich ein mit Vorhängen bedeckter Karren, zu welchem die Krieger eine Art Eskorte zu bilden schienen. In dem Dache dieses Karrens war eine Oeffuung, augenscheinlich, um eine darin befindliche Figur, welche zu hoch war, besser foit- schaffen zu können; denn oben aus der Oeff- nung sah der weiße Marmorkopf einer griechischen Statue heraus. Judas und seine Begleiterin betrachteten dieselbe mit Abscheu und Schrecken, den alle fromme Juden bei dem Anblick eines Götzen empfanden. Als die Syrer vorbei waren und das Geklirr ihrer Waffen nicht mehr hörbar war, rang die Wittwe ibre Hände und rief: „Da unten reitet Apelles mit seinen Kriegsleuten nach Modin, um die Befehle des grausamen Tyrannen auszuführen, und sie tragen das verfluchte Ding da mit sich, damit es dort aufgestellt und angebetet werde. Ach, sie werden alle Hebräer zu Modin zwingen, vor ihrem steinernen Götzen niederzuknieenl" „Vielleicht nicht", sagte Judas. „Alle sollen gezwungen werden, dem Götzen zu. opfern, da wird es keinen Weg geben, dieser Schande zu entfliehen." „Salome und ihre Söhne fanden einen Weg", bemerkte der Hasmonäer, „und Gott kann wohl für einen andern sorgen." Der Reisende hatte indessen die Thür von der bescheidenen Wohnung der Wittwe erreicht. Judas setzte seine Last nieder, uno die Wittwe bat den gütigen Fremden, indem sie ihm herzlich dankte, hereinzukommen, um ein wenig zu ruhen. „Ich kann nicht bleiben", lehnte Judas ab, „ich habe noch eine lange Reise vor mir, ich muß heut' Abend noch in Modin sein." „In Modin?" rief das Weib, erstaunt auf das ermüdete Gesicht des Sprechers blickend. „Die Reiter werden kaum Modin heut' Abend erreichen, obgleich sicherlich des Königs Auftrag dringend ist!" „Meines Königs Geschäfte sind ebenfalls dringend," entgegnete der Hasmonäer, indem er seinen Gürtel enger schnallte, und mit ernstem, höflichem Gruß setzte er seinen Weg fort. Die Wittwe betrachtete eine Weile stillschweigend seine fürstliche Gestalt, dann rief sie: „Das kann kein anderer als Judas, der Sohn des Mattathias sein, es gibt keinen zweiten Hebräer wie er ist. Ach, mein Thera, das ist ein Mann, den der Syrer nicht erschrecken wird!" „Eher wird er die Syrer erschrecken", äußerte der Knabe. In späteren Tagen wurde so manchesmal diese letzte Aeußerung Theras wiederholt, als Judäa längst vor seinen Feinden Ruhe hatte, und er längst ein alter Mann war. Wenn er unter seinem Wein- und Feigenbaum saß und niemand zu fürchten brauchte, dann konnte er nicht müde werden, jene fürstliche Gestalt, die einen so tiefen Eindruck auf sein kindliches Gemüth gemacht hatte, daß er dieselbe im Gedächtniß behalten hatte, zu beschreiben. Er sprach mit hoher Begeisterung von dem fürstlichen Manne, der ihn auf seine Arme genommen und auf seinen Schultern getragen hatte, der so sanft war gegen ein krankes Kind, wie er später Israels Feinden schrecklich wurde. Die Sonne war eben untergegangen, als der Fuß des Hasmonäers das Thal von Saron betrat. Es war gut, daß von da ab jeder Schritt des Weges dem Judas bekannt war, denn er hatte bald kein Licht mehr, um auf dem richtigen Wege zu bleiben, als das der Sterne. Der Wind erhob sich und schüttelte die blätterreichenKronen der immergrünen Palmen. Er trug zu dem Ohr des erschöpften Reisenden das wilde Geheul des Schakals, das, immer höher steigend, wie die Wehklage eines mit Betrübnitz erfüllten menschlichen Wesens klang. Der Hasmonäer war müde, und die Füße schmerzten ihn, aber dennoch eilte er tapfer vorwärts, bis er zuletzt das willkommene Rauschen des mittelländischen Meeres hörte, welches die Küste, in deren Nähe Modin lag, bespülte. Es war dies ungefähr eine Meile vonJoppe. Dankbar erblickteJudas endlich sein Vaterhaus, wo er seinen Körper nach den heftigen Anstrengungen ruhen lassen konnte. Er schlief den tiefen und süßen Schlaf des Müden nach einer Reise, welche an einem Tage zu Fuß nur von einem Manne, der starke Energie und physische Kraft besaß, zurückgelegt werden konnte. (Fortsetzung folgt.) - Veilchenzauber und Beilchenkultus. Es schlich sich in wonnigster Frühlingsnacht Der blaue Himmel zur Erde sacht Und hat sie glühend umfangen- Da blieben der jungen Erde am Kleid Verräther seiner Zärtlichkeit — Viel blaue Flöckchen hangen. Und immer noch trägt sie als liebstes Geschmeid Die Veilchen in seliger Frühlingszeit. Diese blauen Flöckchen am Brautkleide der Erde, unsere Veilchen, haben durch ihren Zauber und Liebreiz seit Jahrtausenden wie heller^Krühlingssonncnscheiu räch langer, banger Winternacht der Menschen Gemüth und Herz erheitert und begeistert. Auch das deutsche Volk hat sie in seiner seclcnvollcn Innigkeit tief in das Herz geschlossen. Schon die Germanen, welche trotz unbändiger Kraft und wilden Freiheitsdranges in nahester Beziehung zur Welt der zarten Blüthen standen, haben die duftenden „Tyrsviolen" mit ihren Sitten und heiligen Gebräuchen verflochten. In der Veilchenzeit war es ja, wenn vom Glänze des Frühlings die Natur überquellen wollte, wo sie Ostara in rauschenden Festen feie» ten, Ostara, die holde Göttin des Frühlings, des aufsteigenden Lichtes und der Morgenröthe, die ihnen reichste Segcnsfülle gespendet. 202 Veilchen sind die lieblichste Gabe des jungen Lenzes, der sie bald in den grünen Teppich webt, wenn der letzte Schnee zerronnen und die traumumiangene Flur erwacht. Die Bäume haben sich oft noch nicht in ihre grünen Schleier gehüllt, »nd die blauen Augen blicken schon unter schirmendem Blättergrün zum lochenden Frllhlings- himmel hinaus, ringsum die Luft durchwürzend mit köstlichem Aroma. Die ersten Veilchen! Im Mütelalter war es in ganz Deutschland Sitte, daß man die ersten dieser ersehnten Lenzender, die man fand, an eine Stange band, sie aufrichtete und fröhliche Reigen um sie tanzte. Es war die glühende Sehnsucht nach den Tagen, in denen sich „alles, alles wenden muß*, das Jung und Alt beseelte und sich als lauter Jubel der Menschcnbrust entrang. Und die Zuneigung zu den Veilchen hat sich von Geschlecht zu Geschlecht weiter vererbt, um heute noch fortzuleben im Volke wie ein Denkmal einer untergegangenen Weltanschauung. Die frohe Kinderschaar, die ja vorzugsweise unter dem bestwirkenden Vcilchenzauber steht, bricht in freudiges Jauchzen aus, wenn sie im Hag unter schwellenden Büschen und Hecken die ersten Blauveilchen entdeckt. Aber auch wir großen Leute, denen seltener gegönnt ist, nach des Tages Last und Mühen an den Busen der Natur zu flüchten, verschmähen kein duftend Vcilchensträußchen, das ein armes Kind uns zum Kaufe bietet. Worin nur der wundersame Zauber liegt, dem diese doch unscheinbaren Blumen seit uralten Zeiten eine solch hohe Stelle in der Blüthenwclt verdanken! Ist es die Zeit der Brautfeicr der Erde, die sich „in wonnigster Frühlingsnacht" mit dem blauen Himmel vermählte, jene zaubcrreiche Zeit, die erst ausgesungen sein wird, wenn der letzte Dichtermund verstummt? Ist es ihr heimlich verstohlenes Blühen an lausch'gcn Plätzchen, jenes Vcrborgcnscin und jene stille Innerlichkeit, die sie zum Symbole der Demuth und Bescheidenheit erhoben, die sich in sich zurückzieht, wenn die Außenwelt sie nicht vcist'hen will? Oder ihr dunkles, sattes Blau, das dem Auge so wohlthuend entg-gcristrahlt und den Griechen Sinnbild der Trauer und Treue, den Galliern ein Zeichen der Freude und Unschuld war? Oder endlich ihr c Sittliches, seelenvolles Aroma, das holde Kunde in's Gemüth uns wehr, vaß reicher Scgm herniederträufelt und Licht und Liebe ohne Ende sich auf das Haupt der Menschen häufln? — Wann zuerst im grauen Alterthume das sinnende Menschenauge mit Wohlgefallen auf diesen blauen Lenzkindern geruht haben mag, läßt sich natürlich nicht mehr feststellen. Spuren eines gewissen Veilchcnkultus finden wir aber schon bei den alten Indern und Persern, Griechen und Römern. Wie die Schöpfungsgeschichte der Perser erzählt, vollendete Ormvzd in dreißig Tagen die Pslanzenschöpsung, zu deren Hüter er Armodad bestellte. Dieser nahm Hom, den Keim aller Gewächse, und setzte ihn in das Gewässer Taschters an der Quelle Ardoisur, wo bald das Blumenheer der Erde entsprang, darunter mit den heiligen Kräutern „Guli Peigamber", der Rosenprophet — nnscr Blauveilchen. Noch einer anderen orientalischen Sage entstand es aus Adams Freudenthräncn auf dem höchsten Berge Ceylons, wo er hundert Jahre büßend auf den Knieen lag, ehe er Verzeihung vom Schöpfer erlangte. Eine griechische Sage behauptet, daß Jup ter die ersten Veilchen schuf, um seiner geübten Jo süße Nahrung zu bieten, und eine siciüanische Trakntion sagt, daß Proserpina im Thäte von Enva Veilchen pflückte, als Pluto sie raubte, und daß sie erschrocken die Wüthen fallen ließ, die sich von nun an weit und breit zerstreuten, durch ihr dunkles Gewand Tod und Trauer verkündend. Eine andere Mythe dagegen berichtet, daß Apollo, der leuchtende Sonnengott, einst, mit seinen heißen Strahlen eine der schönen Töchter des Atlas verfolgte, jenes Riesen, der zur Strafe für seine Theilnahme am Sturme der Titanen auf den Olymp das Himmelsgewölbe tragen mußte. Um sich vor ihm zu retten und dem Verderben zu entgehen, flehte die Verfolgte in ihrer Angst zum bimmelbeherrschenden Zeus und bat ihn um Schutz und Rettung. Dieser lieh der Bedrängten willig sem Ohr, verwandelte die unmuthige Jungfrau in das Veilchen und führte es in den lichten Halbschatten des Waldes, wo es im Verborgenen w itcr blühte und dem hohen Götter Vater in seinen heiligen Eichenhainen die Rettung lohnt durch dankbare Opferdüfte. Veilchen waren die Lieblingsblumen der Jonier und Athenienser, welche sie, namentlich um Mika, mit großer Sorgfalt cultivirten, weshalb Pindar singt: »Da verbreiten liebliche Veilchendüste sich über das Land, Das Wunderland, und man flicht sich Rosen in's Haar." Und: „O herrliches, veilchenbekränztes, besungenes Griechenland, Burgseste, hochberühmtes Athen, du himmelbegeisterte Stadt!" Die Stadt Athen, in der sie in großen Mengen zum Verkaufe feil geboten wurden, stellten Maler und Bildhauer als majestätische Frau dar, die auf dem Haupte einen Veilchenkran; trägt. Die Bacchantinnen schmückten die in einen Fichtenzapfen auslaufenden, mit Epheu und Weinlaub umwundenen Thyrsosstäbe mit Veilchen, und ebenso wurden die Statuen der Hausgötter damit geziert. Als Symbol der Unschuld bestreute man, wie bei den Galliern, das Lager der Braut und den Sarg der Jungfrauen mit duft nden Veilchenblüthen. Sie waren überhaupt bei den Griechen die gesuchtesten Blumen zu Prunk und Pomp, weswegen man eigene Veilchengärten anlegte, um den Bedarf zu decken. Der Veilchencultus stand auch bei den Römern in Blüthe, und ihre Dichter besangen sie wie die Rosen, unter denen sie sich entfalteten. Sie benutzten dieselben freilich auch zu einem höchst prosaischen Zwecke: sie würzten mit ihnen den Wein, den sie über Rosenfilter gössen. Horaz tadelt sie daher, weil sie über diesem süß duftenden Unkraute die früchtereichen Olivenhaine vergaßen. Die Germanen glaubten, daß die lieblichen Blumen, die ihren Odem auch mit der rauhen, nebelerfüllten Atmosphäre des Nordens vermischten, unter den Tritten der Frühlingsgöttin erschienen. Sie waren Tyr geweiht und wurden, wie eingangs erwähnt, „Tyrsviolen" genannt. In Sachsen gehl die Mähr, daß Zernebogh, der Wendengott, eine herrliche Burg besaß, die bei der Verbreitung des Christenthums mit ihm in Felsen verwandelt wurde, während seine schöne Tochter zu einem Veilchen wurde, das alle hundert Jahre einmal sich erschließt und jedem, der es findet und pflückt, die hübscheste Maid des Landes zuführt. Die Veilchen besaßen übrigens früher noch einen weiteren Vorzug; sie verhalsen wie Schlüsselblumen, Vcr- 203 gißmeinnicht und Schneeglöckchen armen Leuten zu Reichthum und Ansehen, indem sie dem glücklichen Finder die Bergesschluchten öffneten, worin ungeheure Schätze aufgespeichert lagen. General Daldistera. -MH WMM -WHK Wir belächeln heutzutage freilich diese kindliche Naivität, und die Gegenwart hat die Veilchen, wie ja fast alle Blumen, aller mythischen Reize entkleidet. Wir düifcn jedoch nickt vergessen, daß all' diese lieblichen Sagen Zeugnisse einer sinnigen Naturauffassung unserer Vorfahren sind, die ihre ästhetischen Empfindungen und frommen Gefühle in die Natur hineinverlegtcn. Die Bevorzugung vor vielen anderen Blumen ist den Veilchen jedoch bis heute geblieben, und man wird fast versucht, auch jetzt noch von einem Veilchencultus zu sprechen, wenn man erwägt, daß einzelne Gärtner Norddeutschlands oft bis 200,000 Töpfe besitzen, von denen ein großer Theil fortwährend in Blüthe gehalten wird. Man will die Blumen, deren Wohlgcruch nicht berauscht, in keiner Jahreszeit mehr entbehren, und der Kunst ist es thatsächlich gelungen, ihnen das lange, liebe Jahr hindurch üppigen Blülhen- reichthum zu entlocken. In neuerer Zeit haben es die Veilchen zu historischer Berühmtheit gebracht. Sie waren eine Zeit lang die Nationalblumen der Franzosen und, wie in einer früheren Abhandlung dargethan wurde, mit dem Geschicke der Napoleoniden enge verbunden. Sie bildeten die Lieblingsblumen der Kaiserin Josephine, der ersten Gemahlin Napoleon I., der sie alljährlich an der Wiederkehr ihres Vermählungstages mit einem frischen Veilchenstrauße überraschte und beglückte, bis er die österreichische Kaisertochter freite. Sie sollen auch Eugenicns Licblingsblumen gewesen sein — brachten aber auch ihr kein Glück. Daß Kaiscr Wilhelm I., wie sein königlicher Vater, die Veilchen liebte und jeden Tag im Jahre mit frischen Sträußen umgeben sein wollte, dürfte noch in lebhafter Erinnerung haften. Nach persischer Mythe ebnen die Veilchen der königlichen Rose die Bahnen. Sie erschließen und ebnen aber auch oft den Weg zum Herzen und spielen daher im Liebesleben mit seiner verzehrenden Qual, seinem himmelhohen Jauchzen und Zutodebctrüblsein eine wichtige Rolle. Ebu Abrahmt, ein Araber, vergleicht das weinende blaue Auge der Geliebten mit den im Thau gebadeten Veilchen, und ähnlichen Gedanken begegnen wir öfters auch in deutscher Poesie. So warnt bespiclsweise Neinick vor den blauen Frühlingsaugen, die ein heimlich Sehnen erwecken: „Und am Abend, und am Abend, Wenn in Gärten allerwegen Holde Kinder sich ergehe», Und verstohlen nach dir sehen Aus den grünen Laubgchegen: Hüte dich fein In den Lenzen Vor dem Glänzen der Aeugelein!" Goethe, der stets bei seinen Spaziergängen um Weimar Veilchensamen an den Rändern der Wege ausstreute, stellt in seinem stimmungsvollen Gedichte „Das Veilchen" das Loos der bescheidenen Liebe dar, welche selbst in dem Schmerze, den ihr der geliebte Gegenstand bereitet, eine Quelle des Glückes findet: „Es sank und starb und freut' sich noch: Und Verb' ich denn, so sterb' ich doch Durch sie, durch sie Zu ihren Füßen doch." Ein andermal vergleicht er die schüchternen, jungfräulichen Blumen mit dem in stillem Kreise wirkenden Mädchen: „Viele der Veilchen zusammengeknüpft, das Sträußchen erscheinet Erst als Blume; du bist, häusliches Mädchen, gemeint." General Uateriano Weyler q Nicolau, der neue Commandeur der spanischen Sireitträste aus Cuba. Und Chamisso erzählt von Eisblumen, die am Fenster flimmern, und von dem ahnungslosen Jünglinge, der davor betrachtend steht: „Und hinter den Blumen blühet noch gar Ei» blaues, ein lächelndes Augenpaar. Märzveilchen, wie jener noch keine geseh'n, Der Reif wird angehaucht zergeh'». Eisblumen fangen zu schmelzen an — Und Gott sei gnädig dem jungen Mann!" Allerlei. Heubäder. Wer im Sommer so glücklich ist, das herrliche Südtirol bereisen zu können, der wird in den Städten und Dörfern längs der Etsch, also im deutschen Theile des Landes, häufig der öffentlichen Bekanntmachung begegnen, daß da und dort „das Heubad" eröffnet worden sei. Und diese Ankündigung ist nicht etwa ein Scherz, sondern voller Ernst. Das Heubad besteht in Südtirol als Volksheilmethode schon lange, und zwar darin, daß das von den Bergen hereingebrachte, noch feuchte Heu in irgend einer Halle oder einem Schuppen aufgeschichtet und festgetreten wird. Kommt dann der nach einem Heubade Lüsterne, zieht der „Bademeister" eine tiefe Grube in das dampfend heiße, gährende Heu, und in diese Grube muß sich der Badegast hineinlegen. Nun wird er völlig mit Heu bedeckt, so zwar, daß nur sein Kopf aus der duftigen Masse hervorragt. — Bald umfängt ihn eine wohlthätige Wärme, die sich steigert und zur gewaltigen Hitze wird. Der Schweiß dringt dem Badegaste aus allen Poren, und er schwitzt nun so lange er es eben aushält. — Dann wird er genau so wie in einem Dampfbade behandelt, und wenn sein Rheumatismus oder ein ähnliches Gebreste der ebengeschilderten 14 Tage lang fortgesetzten Kurmethode nicht weicht, dann ist dagegen überhaupt kein Kraut gewachsen. — Doch soll, wie behauptet wird, ein Mißerfolg dieser unbekannt von wem ersonnenen Volkskur nur höchst selten zu verzeichnen sein und das Heubad immer wenigstens den Appetit zu einer ungeahnten Höhe steigern. -- Zu unseren Bildern General Daldissrra. Die Hoffnung der durch den schlimmen Tag von Adua schwer geprüften italienischen Nation ruht jetzt auf dem neuen Oberbefehlshaber in der Erytbräischen Kolonie, General Baldissera, der dem unglücklichen Führer Baratieri im Kommando gefolgt ist. Ein eigenartiger Zufall will es, daß beide Feldherren durch ihre Geburt politisch nicht echte Italiener sind. Während Baratieri aus dem österreichischen Welsch-Tirol stammt, wo ihm anläßlich seiner letzten Anwesenheit im Sommer vorigen Jahres von den romanischen Heißspornen allerhand Ovationen bereitet wurden, ist Baldissera ein Friauler, als solcher aber ebenfalls unter österreichischer Herrschaft geboren. Er erblickte im Jahre 1838, zu einer Zeit, als Venetien noch zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte, zu Udine als Sohn eines Polizeibeamten das Licht der Welt. So konnte er später von der gesetzlichen Erlaubniß, eine Freistelle an der Schule von Cividale anzunehmen, Gebrauch machen. Dann erhielt er durch kaiserliche Verfügung einen Platz im Theresianum, der bekannten Militärakademie in Wiener-Neustadt. Hier zeigte er in allen Fächern eine ganz hervorragende Begabung. Bis zum Jahre 1866 diente er unter dem Doppeladler. Als damals aber Venetien an Italien kam, trat er wie viele andere Offiziere in die italienische Armee über und zwar mit dem Range eines Majors im Generalstab, den er bis dahin bekleidet hatte. Allmählich stieg er von Stufe zu Stufe, ohne jedoch Gelegenheit zu finden, sich im Felde auszuzeichnen. An der Oeffentlichkeit wurde sein Name genannt, als er im Range eines Bersaglieri-Obersten das glänzende fünfzigjährige Jubiläum dieser Truppe anregte und durchführte. Als Oberstlieutenant verheiratete er sich mit der Tochter des ersten StaatSanwstts am Appellhof zu Aquila. Dieser Ehe sind zwei Kinder entsprossen, die heute neun und zwei Jabre zählen. Zum Oberbefehlshaber in Afrika ist er durch Patent vom L. Februar ernannt, die Beförderung wurde aber geheim gehalten, auch die Abreise fand in aller Stille statt. Am 4. März traf er in Massauah ein — wenige Tage vorher war die Armee, die er hatte führen sollen, zersprengt worden. Es ist eine ungemein schwierige Aufgabe, die dem General in den Steinwüsten Abys- stniens cu stellt ist. Um der Uebermacht des Feindes zu begegnen, zieht General Baldissera, unter Preisgabe aller vorgeschobenen Posten, seine Streitkräfte zwischen Massauah, Keren und Asmara zusammen. General Naleriano Weqler y Ntcolau. Aus Cuba telegraphirte General Weyler, daß in den letzten Tagen sieben Gefechte stattfanden, in denen die Aufständischen 16 Todte und 15 Verwundete verloren. Er setzt, seit der Jn- surgentenführer Maceo die doppelte spanische Linie in den Provinzen Pinar del R!o und Habana durchgebrochen hckt, alles daran, den Gegner möglichst rasch aus der Provinz Habana in die Provinz Matanzas und auch aus dieser wieder in östlicher Richtung weiter zu vertreiben, um in dem reichsten und am meisten bevölkerten Theil der Insel bald die Ruhe wiederherzustellen und die Erntearbeiten zu ermöglichen. Die spanischen Eolonnen haben daher den Befehl zu rücksichtsloser Verfolgung des Feindes erhalten, um diesem keine Ruhe zu gönnen und die entsch edene Abspannung und Ermattung der Aufständischen zu erhalten und zu vergrößern. Auf der großen Transport- linie Habana-Jaruco-Colon wurden zahlreiche Truppen nach letzterem Orte geschafft, damit sie i > der Provinz Matanzas mit den Gomez und Maceo verfolgenden Eolonnen concentrisch zusammenwirken können. General Valeriano Weyler y Nicolau, dessen Bildniß wie hier ebenfalls bringen, wird allem Anschein nach entschiedener vorgehen als sein Vorgänger Martine; Campos, der zu sehr mit der autonomist,schen Partei liebäugelte. Er gilt nicht nur als der tüchtigste, sondern auch als der rücksichtsloseste Befehlshaber der spanischen Armee, und man rechnet es ihm als ein besonderes Verdienst an, daß er zwar die Verhältnisse auf Cuba aus eigener langjähriger Erfahrung genau kennt, aber zu dem eiufluß-eichen Theil der Bevölkerung in keinerlei verwandtschaftlicher oder gesellschaftlicher Beziehung steht. Bei dem letzten Aufstand auf Cuba hat seine Cvlonne mehr Aufständische zusammengeschossen als die übrigen zusammengenommen, weshalb er von den Nordamerikanern der „Schlächter genannt wird. General Weyler ist germanischer Abkunft, er wurde am 17. September 1839 zu Palma auf der Insel Mallorca geboren. -—««« 4 -— Goldköruer. Ich begreife nicht, wie ein Mensch, der über sich nachdenkt und doch von Gott nichts weiß oder nichts wissen will, sein Leben vor Verachtung und Langeweile tragen kann. Bismarck. Nikder-Fläthset. Auflösung der L-chach-Aufgabc in Nr. 26: Weiß. Schwarz. 1. D. V1—V2:s- T. L2—V2: 2. T. 63-L3 beliebig. 3. T. oder L. gibt Matt. --8WZS-