HL 28. Freitag, den 3. April 1896. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Golgother. Joh. 19 , SS ff. Nach einem stillen Hügel Zieht's heut' die Herzen hin, Auf des Gebetes Flügel Sollst du mit ihnen zieh'n. Er steht in fernen Landen Und ist doch allen nah', Wo Jesu Kreuz gestanden. Der Hügel Golgatha. Dort weinet Magdalene Ob der geheimen Schuld, Es nennt mit frommer Thräne Joseph des Herren Huld, Mit seinem Salbenkruge Ist Nikodewus da Und schließt sich an dem Zuge Zum Hügel Golgatha. Was sie dem edlen Meister Im Leben nicht gethan, Sie thun es um so dreister Auf seiner letzten Bahn, Sie kommen und sie spenden Viel Aromatika Und tragen auf den Händen Ihn dann vom Golgatha. Im nahen Garten bergen Sie d'rauf die theure Last, Bei eines Reichen Särgen Soll ruh'n der stumme Gast. Für seiner Seele Wunden Er niemals Freunde sah. Nun hat er sie gefunden Im Tod auf Golgatha. Was dortmals einst geschehen, Erneut sich immerdar: -Du kannst im Leid vergehen, lFern bleibt der Freunde Schqar. fAm Ende deiner Tage ^Vielleicht sind manche da Und singen dir die Klage, Wie dort auf Golgatha. " " Adolph Müller. —- ... —ch- H Artdas Maklraöäns. Historischer Roman von A. L. O. E. Frei nach dem Englischen von D. ColoniuS. (Fortsetzung.) 7. Kapitel. Der erste Kampf. Die Ankunft des Apelles, eines Kundschafters des Antiochns Epiphanes, hatte die Stadt Modin in große Aufregung versetzt. Durch eine Proklamation war am Morgen des folgenden Tages verkündet worden, daß alle Einwohner, Männer, Weiber und Kinder, sich um die Mittagszeit auf dem Marktplatz versammeln sollten, um dem Befehl des Königs zu gehorchen und vor dem Altar des Bacchus, welcher an jener Stelle errichtet worden war, zu beten. Flüche wurden zwar nicht laut, aber heftig in manchem hebräischen Hause ausgestoßen. Viele syrische Krieger waren für die Nacht in Modin einquartiert worden. Das gemästete Kalb mußte geschlachtet und der beste Wein für die heidnischen Gäste ausgegossen werden, deren bloße Gegenwart ein Mahl schon verunreinigte. Die Syrer belohnten die zurückhaltende Gastfreundschaft durch Berichte aller in Jerusalem verübten Verfolgungsschrecken. Sie erzählten von den Grausamkeiten, die an Salome und ihren Söhnen > vollstreckt worden waren. Schaudernde Frauen preßten : ihre Kleinen fester an sich, als sie hörten, wie zwei Mütte j von der Südseite des Tempels gestürzt worden waren,' ihre Kinder fest in ihren Armen haltend, nachdem sie die weinenden Kleinen nach der von Mose vorgeschriebenen Weise Gott geweiht hatten. Solche Beweise von Grausamkeit erfüllten mit Schrecken die Herzen derjenigen, deren Muth noch nicht im Glauben stark war. Es war erwiesen, daß Antiochus fürchterlich war, wenn er Ernst machte, und daß sich, wenn sein Zorn durch Widerstand erregt wurde, die Schrecken von Jerusalem in Modin wiederholen würden. Ein hoher Altar, auf welchem sich das Bildniß des Weingottes befand, war in der Mitte des Marktplatzes errichtet worden. Die Schläfe des Gottes, in dessen sämmtlichen Zügen sich Sinnlichkeit ausprägte, war mit Epheu bekränzt, während die Hand ein Bündel Weintrauben trug. Vor diesem war der Opferaltar, und um diesen versammelte sich, als die Mittagsstunde nahte, eine bunte Menge. ' Da waren die weiß gekleideten Priester des Bacchus 20k M den erwählten Opfern. Krieger zu Fuß und zu Pferde bildeten um den Altar einen Halbkreis, um, wenn eS nöthig werden sollte, mit blanker Waffe dem syrischen Monarchen Gehorsam zu erzwingen. ApelleS selbst, prächtig gekleidet, mit einer Tunika von lyrischem Purpur, und an seinen Füßen Sandalen mit Edelsteinen und goldenen Fransen besetzt, saß auf einem erhöhten Platz zur Rechten des Altars und wartete die festgesetzte Zeit, wenn die Sonne im Zenith stehen würde, ab. Eine zahlreiche Menge beider Geschlechter und jedes Alters füllte den Marktplatz; denn die Soldaten hatten Modin durchstreift und alle Einwohner gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, um auf dem Altar des Bacchus zu opfern. Gerade dem Altar gegenüber stand eine Gruppe von Hebräern, die alle übrigen überragte und auf welche die Augen des versammelten Volkes gerichtet waren. Da stand Mattathias mit weißem bis auf den Gürtel herabhängendem Bart — ein ehrwürdiger Patriarch, umgeben von seinen fünf Söhnen. "Da stand Jonathan, der Erstgeborene, Simon mit der ruhigen, geistvollen Stirn, Eleazar mit dem schnellen, feurigen Blick, Johannes, Judas, der dritte, aber unter den berühmten Brudern der erste. Mit ernstem Stillschweigen beobachtete die hasmo- näische Familie die Vorbereitungen, die von den Priestern gemacht worden, um ihre feierliche Handlung zu begehen. Nicht ein Wort entschlüpfte den Lippen der Hebräer, nur durch Blicke verriethen sie ihren gerechten Zorn. Mattathias, welcher in gerader Linie durch Phi- neaS von Aaron abstammte und ein Mann von großer Weisheit und fleckenloser Nechtschaffenheit war, besaß in seiner Vaterstadt Modin bedeutenden Einfluß. Streitigkeiten wurden seiner Entscheidung vorgelegt, sein Urtheil in den schwierigsten Fällen erbeten, und sein Beispiel hatte größeres Gewicht, als das irgend eines anderen Mannes in Judäa. ApelleS war mit dieser Thatsache vollkommen vertraut. »Ist Mattathias gewonnen, so ist alles gewonnen", hatte der syrische Höfling zu seinem Könige gesagt, bevor er seine Reise nach Modin antrat. „Die Söhne dieses alten Mannes kennen kein anderes Gesetz, als das seines Willens, und wenn die Hasmonäer ihre Häupter beugen, um Deinen Gott anzubeten, so wird ganz Judäa einstimmen, um demselben zu opfern." „Ehrwürdiger Mattathias", sagte ApelleS, indem er den alten Mann mit stattlicher Höflichkeit begrüßte. „Dein hoher Stand und Dein weit verbreiteter Ruhm berechtigen Dich, den Platz eines obersten LeiterS bet der heiligen Handlung einzunehmen, durch welche Modin zugleich seine Huldigungen unserm mächtigen Monarchen Antiochus Epiphanes darbringt und bei der Anbetung des Bacchus ihre Ehrfurcht bezeigt. Daher komme Du nun zuerst und erfülle den Befehl des Königs, gleich wie es andere vor Dir gethan haben, die Männer von Juda und auch die in Jerusalem wohnen; dann sollst Du und Dein Haus in die Zahl der Freunde des Königs aufgenommen werden, und Du und Deine Kinder sollen mit Silber und Gold geehrt werden." Als der Syrer zu sprechen aufgehört hatte, entstand eine so tiefe Stille, daß man das Rollen der Wogen am Strande und den Schrei des weißgeflügelten Seevogels deutlich unterscheiden konnte. Der alte Mann hatte den Appelles bis zum Ende ernst angehört, dann aber heftete er seine durchdringenden Augen, die unter den überhängenden Brauen wie vulkanisches Feuer unter einem schneebedeckten Berge hervorblttzten, auf ihn und antwortete mit so lauter Stimme, daß jedes Wort über den ganzen Marktplatz schallte: „Und wenn alle Länder dem Antiochus gehorsam wären und jedermann von dem Gesetz seiner Väter abfiele und in des KönigS Gebot willigte, so wollen ich and meine Söhne und Brüder doch nicht von dem Gesetz unserer Väter abfallen. Da sei Gott für! Es wäre uns nicht gut, daß wir von Gottes Wort und GotteS Gesetz abfielen. Wir wollen nicht in das Gebot Antiocht willigen und wollen nicht opfern und von unserem Gesetz abweichen und eine andere Weise annehmen." Kaum waren diese Worte verhallt, als in grellem Contrast zu dieser erhabenen Scene zu Ehren des Bacchus eine Hymne ertönte und ein geputzter, mit Epheu bekränzter Jude sich beeiferte,- des Königs Gunst zu gewinnen, indem er singend an den Altar trat. Alles Blut des PhineaS kochte in den Adern seines Abkömmlings. Hierdurch wurde der Herr der Heerschaaren öffentlich beschimpft und seinem Gesetz öffentlich Trotz geboten. Vorwärts sprang der alte Hasmonäer, als ob er plötzlich Jugendkraft erhalten hätte; einen Augenblick blitzte sein Dolch im Sonnenlichte, und im nächsten hauchte der Abtrünnige am Altar des Bacchus mit dem letzten Athem die Seele aus. Die Ausübung der Justiz in so abgekürzter Weise und vor allem Volk war in der That ein Signal, das Schwert zu ziehen und die Degenscheide fortzuwerfen. Ein wilder Racheschrei entfuhr den syrischen Kriegern, sie umringten Mattathias, aber nicht ihn allein. Nicht eine Minute waren seine Söhne von seiner Seite gewichen, und wie Löwen zum Sprunge bereit, vereinigten sie sich, ihren Vater zu vertheidigen. Sie blieben aber nicht ohne Beistand in ihrem Kampfe. Unter der versammelten Menge befanden sich Hebräer, denen die Stimme des Mattathias gewesen war, was der Trom- petenrnf dem Kriegsroß. Da waren Männer, die ihren heiligen Glauben theurer achteten als ihr Leben. Diese stürzten mit wilden Rufen zur Hilfe herbei, und bald bot der Marktplatz von Modin die Scene eines verzweifelten Kampfes, wo Disziplin und Uebermacht aus der einen Seite, und Ergebung, Heldcnmuth und Vertrauen auf die gute Sache auf der andern einen gefährlichen Kampf unterhielten. Es war ein harter Kampf. Das Gefecht wurde am dichtesten in der Nähe des Altars, um ihn floß das Blut der menschlichen Opfer. Dort legte der mächtige Arm des Judas den ApelleS leblos in den Staub. Dies war der Höhepunkt des Kampfes; denn bei dem Fall ihres Führers wurden die Syrer von panischem Schrecken ergriffen. Die Rosse in ihrem glänzenden Schmuck wurden von ihren Reitern zu rasender Eile angetrieben oder stürzten mit entleerten Satteln durch das Gedränge, um die Kunde von dieser Niederlage weithin zu tragen. Flucht war alles, was den Truppen des Antiochus und den Priestern des Bacchus übrig blieb; nur wenigen gelang es zu entkommen; denn viele Juden, die bisher dem Kampfe fern geblieben waren, schloffen sich den Verfolgern an. Weiber hoben Steine auf und warfen sie auf den fliehenden Feind. Kinder stimmten ein in das Triumphgeschrei. Der Altar des Bacchus wurde mit wildem Geschrei nieder- geworfen, der Götze in Stücke gebrochen «nd auf den im Staube rollenden Stücken herumgetreten. Diejenigen Juden, die vorher noch Furcht gezeigt hatten, suchten jetzt durch wüthenden Eifer die Erinnerung an ihre Unterwerfung aus ihrem und anderer Gedächtniß auszulöschen. Ein Geist schien alle zu beleben, der Geist der Freiheit. Modin war aufgestanden wie Simson, als er daher kam zum Kampf mit der Kraft eines Riesen. Aber diese Aufwallung des Eifers war weit mehr feurig als andauernd. MattathiaS traute jenem Muthe nicht, der nur da sich zeigt, wo Erfolg ist. Der alte Mann wußte, daß der Kampf mit der Macht Syriens erst anfing, daß er wahrscheinlich lange Zeit dauern würde, und daß e§ unpraktisch sei, Modin gegen Schaarcn, welche bald gesandt werden würden, um eS zu unterwerfen, zu vertheidigen. Der Patriarch stand in der Mitte des Marktplatzes mit dem Fuß auf dem zerbrochenen Altar, und noch einmal erschallte seine Stimme weithin! „Wer um daS Gesetz eifert und den Bund halten will, der ziehe mit mir aus der Stabil" Wie viele Einwohner ModinS gehorchten dem Ruf? Viele beschlossen, Stadt und Hcimath- zu verlassen, um mit den Thieren in den Höhlen der Berge zu wohnen. Die Geschichte erzählt, daß nur zehn, einschließlich der Hasmonäer, den Kern der Brüderschaft bildeten, die den syrischen Schaaren einen Sieg nach dem andern abrangen und so jenen fleckenlosen Ruhm erwarben, der nur denen gebührt, die feste Ausdauer und sich selbst verleugnenden Heldenmuth in einer gerechten und heiligen Sache entwickeln. 8. Kapitel. HadassahS Gast. An keinem Orte war die Kunde von dem Aufstande in Modin mit größerem Frohlocken aufgenommen worden, als in der einsamen Wohnung der Hadassah. Sie konnte sich kaum enthalten, die Zimbel von der Wand zu nehmen und wie Mirjam ein Lied anzustimmen: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er thut Wunder; er sieget mit seiner Rechten und mit feinem heiligen Arm!" Beständige Nachricht über alles, waS vorging, wahr oder falsch, ob Sieg oder Niederlage, wurde der Hadassah von ihrem Schwiegersohn Abischai überbracht, der nicht ahnte, daß jedes seiner Worte von dem verwundeten Athener, welcher nur durch den Vorhang von ihm getrennt war, gehört wurde. Bei einem seiner Besuche in HadassahS Hause erzählte Abischai, daß Judas in den Bergen eine Standarte errichtet hätte mit der Inschrift: „Wer ist Dir gleich unter den Göttern, Jehova?" „Es wird gesagt", bemerkte Abischai, „daß aus den Anfangsbuchstaben dieser Inschrift das Wort „MakkabänS" gebildet worden ist, unv daß Judas allgemein bet diesem benannt wird. ES ist dies ein Name, den der Syrer bald Ursache haben wird, zu fürchten." „Es ist ein gut gewählter Name!" rief Hadassah. „Lasse ihn genannt werden: „Macce baiah", ein Sieger in dem Herrn, denn sicherlich wird der Gott, dem er dient, den Sieg verleihen." Dieser triumphirenden Freude der Hadassah wurde bald Einhalt geboten, als sie einige Zeit darauf durch Abischai von dem schrecklichen Hinschlachten Lausender von gläubigen Hebräern hörte, die nicht weit von Jerusalem in einer Höhle Zuflucht gesucht hatten. Von den Syrern am Sabathtage angegriffen, hatten sich diese Hebräer im wahren Sinne des Wortes hinschlachten lassen, ohne Widerstand zu leisten, und zwar nur, um nicht, wie sie wähnten, daS dritte Gebot zu übertreten. Bekümmert über den Verlust so vieler Menschenleben, war es für Hadassah ein Trost, daß ein solches Opfer irrthümlichen Pflichtgefühls nicht wiederholt werden sollte; denn als die Nachricht davon MattathiaS und seine Söhne erreicht, hatten sie, tief betrübt über das Hinschlachten ihrer Landsleute, zu einander gesagt: „Wenn wir thun, wie unsere Brüder gethan haben, und fechten nicht gegen die Heiden für unser Leben und Gesetz, so werden wir bald von der Erde vertilgt werden." Es wurde daher von dem Lager aus ein Dekret in die Berge gesandt, daß fortan die Selbst- vertheidigung angegriffener Hebräer auch am Sabbathtage gesetzlich recht sei. Mittlerweile heilten unter der Pflege HadassahS die Wunden des LycidaS. Miemals ist einem Menschen Einsamkeit und Leiden mehr versüßt worden. Denn war er nicht in Sarahs Nähe, hörte er nicht die sanfte Musik ihrer Stimme, athmete er nicht dieselbe Lust, sah er nicht ihre leichte Gestalt an seinem Versteckplatz vor- übergleiten, obgleich das Mädchen denselben niemals betrat? Die Nothwendigkeit, die Anwesenheit des LycidaS, namentlich vor dem blutdürstigen Abischai, zu verheimlichen, gebot, die nach dem Hinteren Theile deS HanseS, welcher nach dem kleinen Gärtchen zu lag, führende Thür bei Tag zu schließen. Bauern und Reisende pflegten gelegentlich, wenn auch selten, dorthin zu kommen, um ihre Krüge zu füllen und ihren Durst in der dem Hügel entströmenden Quelle zu stillen. Hätte die Thür zu dem Gemach, welches LycidaS scherzhafter Weise seine kleine Höhle nannte, offen gestanden, so würde nichts die Fremden verhindert haben, einzutreten. Der ganze Zufluß belebender Luft hing daher von der Gemeinschaft mit dem Vorderzimmer ab, welches das öffentliche Gemach genannt werden konnte. In diesem wurden nicht nur Speisen bereitet und eingenommen, und gelegentlich Gäste empfangen, sondern auch von den Frauen die täglichen häuslichen Geschäfte vorgenommen. Hier pflegte Sarah zu spinnen, während Hadassah auf Rollen von Pergament aus dem Gesetz und den Propheten abschrieb. Diese letztere Beschäftigung war mit großer Gefahr verknüpft; denn wäre Hadassah beim Abschreiben der heiligen Schrift betroffen worden, so hätte cs ihr das Leben kosten können. Antiochus hatte mit Eifer alle Abschriften zu zerstören oder durch häßliche, an den Rand gemalte Bilder zu entweihen gesucht. Gottes heiliges Wort zu besitzen oder gar abzuschreiben, wurde als ein Verbrechen angesehen. Aber der Glaube schien Hadassah über alle persönliche Furcht zu erheben. Die mit dieser Arbeit verbundene Gefahr trieb sie um so mehr an, dieselbe zu verfolgen. Die Anwesenheit des jungen Heiden war für die Wittwe eine viel größere Quelle der Unruhe, als irgend eine ihrer Person selbst drohende Gefahr. Wäre Hadassah imstande gewesen, ihren Patienten ganz abzuschließen, so würde sie viel lieber die Pflichten der Gastfreundschaft gegen ihn erfüllt haben, aber solche Abgeschlossenheit würde die beschränkte Räumlichkeit ihrer Wohnung unmöglich gemacht haben, selbst wenn LycidaS in diese Absonderung gewilligt hätte. Dies war jedoch keineswegs der Fall. Er verlangte nicht nur oft, daß der Vorhang zurückgezogen würde, damit er freier athmen L09 könne, sondern er war auch, als seine Kräfte zunahmen, begierig zu sehen und gesehen zu werden, und ebenso gern zu sprechen als zu hören. Auch die ängstlichen Warnungen vor dem plötzlichen Eintritt Abischais konnten den Griechen nicht abhalten, seine müden Glieder auch außerhalb der durch den Vorhang gezogenen Grenzen auszustrecken und in die Unterhaltung einzustimmen. Lycidas schloß absichtlich seine Augen vor der Thatsache, daß seiner Wirthin wenigstens seine Anwesenheit sehr unwillkommen war. Er täuschte sich in dem Glauben, daß er sich für die Freundlichkeiten, welche er empfing, dankbar beweise, wenn er die Eintönigkeit des abgeschlossenen Lebens, welches die hebräischen Frauen führten, durch sein unterhaltendes Wesen belebte. Der junge Athener ließ den reichen Schatz seines Wissens hervorleuchten. Bald erzählte er wunderbare Dinge aus fremden Ländern, bald machte er ihnen lebhafte Beschreibungen seiner eigenen Abenteuer. Poesie floß von seinen Lippen wie ein Strom, der sich durch glänzende Phantasie in feierliche, erhabene, tiefernste Gedanken vertiefte. Lyeidas war in Athen, sowohl seiner geistigen Gaben als auch seiner körperlichen Schönheit wegen, mit Apollo verglichen worden. Sarah lauschte seiner glänzenden Unterhaltung, die so verschieden war von allem, was sie je gehört, mit unschuldigem Vergnügen. Sie war ihrer alten Verwandten stets gehorsam, selbst wenn sie in die oberen Räume des Hauses mit Aufträgen geschickt wurde, die nach ihrer Ansicht nutzlos waren; aber sie erschien immer wieder in dem unteren Gemach, in welches sie stets eine neue, mächtige Anziehungskraft zog. Wenn Hadassah zuweilen dem schönen, jungen Wesen, das sie liebte, reizbar und gebieterisch erschien, so kam dies dadurch, daß ihr Gemüth beunruhigt und ihre Ruhe durch Befürchtungen gestört wurde, die sie niemand mittheilen konnte. Hadassah wußte kaum, welches Uebel sie am meisten fürchtete, die Entdeckung des Lycidas durch Abischai — ein Umstand, der unvermeidlich ihre Schwelle mit Blut beflecken würde, oder den langen Aufenthalt des Fremden unter ihrem Dach, den sie mit Rücksicht auf die damit verbundene Gefahr ungern eingelassen^ und noch weniger gern in ihrem Heim zurückhielt. 9. Kapitel. Der Tod des Mattathias. Mattathias und sein Gefolge führten in den Bergen ein wildes Leben, ein Leben voller Gefahren und Mühseligkeiten. Den Gefahren wurde aber männlich entgegengetreten und die Mühseligkeiten fröhlich ertragen. Inmitten wilder Felsen, die, einst auseinaudergerissen durch irgend eine gewaltige Erschütterung der Natur, mit ihren riesenhaften Bruchstücken tiefe Höhlen und Schluchten bildeten, fand diese kleine Heldcnschaar ihre Heimath. Wo die Hyäne ihren Schlupfwinkel und der Leopard sein Lager hat, wo die Gemse ihre Zuflucht sucht und das Kaninchen in den Steinklüften sich verbirgt, da lauerten die Hebräer in ihrem Versteck und vertheidigten die gewaltigen Festungen, die nicht von Menschenhänden errichtet waren, und aus denen sie zu vertreiben für den Feind eine schwere Aufgabe war. Der kleinen Schaar, die sich um Mattathias bei dem Rückzüge aus Modin gesammelt hatte, hatten sich bald andere kühne und eifrige Söhne Abrahams angeschlossen, und die Berge wurden bald ein Zufluchtsort vieler, welche vor der Verfolgung flohen. Als ihre Zahl anwuchs, vergrößerten sich auch die Schwierigkeiten, Lebensmittel herbeizuschaffen. Die Hasmonäer und ihre Gefährten lebten hauptsächlich von Wurzeln. Die weniger Abgehärteten litten sehr unter der Kälte und der schneidenden, scharfen Bergluft, die über die schneebedeckten Höhen wehte. Häufige Ausfälle wurden in die Ebene gemacht, Götzen-Altäre niedergeworfen, Festungen verbrannt und Abtheilungen von Syrern abgeschickten. Kein Feind im Umkreise einiger Meilen legte sich sicher vor den Ueber- fällen in der Finsterniß zur Ruhe nieder, und oftmals deutete am Morgen ein Haufe von Trümmern an, wo am Abend vorher von den Wällen einer wohlbesetzten Festung das syrische Banner geweht hatte. Der kühne Geist des Makkabäus war wohl mit dieser abenteuerlichen Lebensweise vertraut, obgleich er nicht derjenige war, der ein Banditenlebeu gewählt haben würde. Wie selbst in der harten, felsigen Wüste Stellen sind, wo eine reiche Vegetation die unten verborgene Quelle verräth, und diejenigen, welche tief genug graben, einen Strahl glänzenden, frischen Wassers finden, so tief war in dem Herzen des Haswonäers eine Quelle von Zartheit verborgen, die nicht verhärtet werden konnte durch die ernste Nothwendigkeit des Kriegslebens. Dieser geheime Gemüthszustand macht den Krieger ritterlicher gegen die Frauen, nachsichtiger gegen die Schwachen und mitleidiger gegen alle Leidenden. Wenn er einen Triumph feierte, war der Gedanke, der den Sieg noch süßer machte: „Wird Sarah sich darüber freuen?" War er aus großer Gefahr errettet, meinte er: „Sarah hat für mich gebetet." Und die Errettung war ihm daher doppelt willkommen. Wenn der Abendstern am Himmel glänzte, so erschien ihm dieser reine, schöne Himmelskörper wie ein Sinnbild der Sarah; wenn er ihn erblickte, gab sich der Krieger entzückenden Träumen hin. Dieses Kriegsleben würde doch nicht ewig währen! Wenn der Herr Zebaoth die Waffen seiner Knechte segnete, konnte wohl eine Zeit kommen, da die Schwerter zu Pflugscharen gemacht würden, die Kinder sorglos auf der Weide spielten, die keines Feindes Fuß wieder betreten durfte, und Freude wieder einziehen würde in das Land der Freien. Beseligende Hoffnungen schlichen sich so in die Seele deS Hasmonäers, bis er plötzlich wie eine Schildwache stutzte, die auf ihrem Posten eingeschlafen ist. Wie durfte er, der Führer von Israels verlorenen Hoffnungen, sich Träumereien hingeben, die ihn fühlen ließen, wie köstlich das Leben für ihn durch den Besitz eines Herzens werden könnte, während er dieses Leben dem Dienste Gottes und dem Vaterlands gewidmet hatte! Stand David still, um die Lilien des Feldes zu pflücken, als er sich genöthigt sah, seine Heerden vor den Klauen des Löwen und Bären zu schützen? „Es ist gut," dachte Judas Makkabäus, „daß ich Sarah niemals zu verstehen gegeben habe, was in meinem Herzen vorgeht. Wenn ich falle, wie ich wahrscheinlich auf dem Schlacht- felde fallen werde, möchte ich sie nicht dem Kummer- einer Wittwe preisgeben." Ein Ereigniß nahte heran, das von allen, denen Judas Sache theuer war, als ein schwerer Schlag gefühlt wurde, besonders aber von den hasmonäischen Brüdern, welche seit ihrer Kindheit ihren Vater mit Ehrerbietung und Liebe betrachtet hatten. Mattathias war ein alter Mann, und obwohl sein Geist niemals der Arbeit erlag, so mußte sein Körper doch endlich ihrer Einwirkung zum Opfer fallen. Der Patriarch 209 fühlte, daß seine Tage, ja, seine Stunden gezählt seien, und versammelte daher seine Söhne um sich, damit sie seinen letzten Willen höxen und zum Abschied seinen Segen empfangen möchten. In einer Höhle, nahe am Fuße eines Berges, lag ausgestreckt auf Kissen von Thierfellen der ehrwürdige Mann. Auf seinem Gesicht lag schon die Blässe des Todes, aber sein Antlitz war ruhig. Der alte Pilger sah aus wie einer, der wirklich fühlt, daß er Gottes Stecken und Stab bei seinem Weg durch das Thal des Todes zur Stütze hat. Draußen war es helle Mittagszeit, aber dennoch fiel nur ein matter Schein in die Höhle auf die Gestalt des sterbenden Greises und seiner fünf stattlichen Söhne, welche in stummem Gram um ihren verehrten Vater knieten. Mattathias bat seine Söhne, ihn ein wenig zu erheben, damit er besser sprechen könne. Jonathan und Eleazar hielten ihn kniecnd mit ihren Armen, während die drei übrigen Brüder in derselben ehrfurchtsvollen Stellung schweigend die letzten Worte des Patriarchen hörten. Ich wage nicht, meine eigenen Worte denjenigen hinzuzufügen, welche der Historiker als die sterbenden Aeußerungen dieses edlen, alten Mannes, eines Helden und Vaters von Helden, aufbewahrt hat. Ich gebe sie, wie sie in die Ohren des Judas Makkabäus und seiner Brüder fielen, welche sie empfingen, wie Joseph den Abschiedssegen Israels empfing. „Es ist eine große Tyrannei und Verfolgung und ein großer Grimm und harte Strafe über uns gekommen. Darum, liebe Söhne, eifert um das Gesetz und waget Euer Leben für den Bund unserer Väter; und gedenket, welche Thaten unsere Väter zu ihren Zeiten gethan haben: so werdet Ihr rechte Ehre und einen ewigen Namen erlangen. Abraham ward versucht und blieb fest im Glauben, das ist ihm gerechnet worden zur Gerechtigkeit. Elias eiferte um das Gesetz und ward gen Himmel geführet. Sadrach, Mesach und Abed-Nego glaubten und wurden aus dem Feuer errettet. Daniel ward wegen seiner Unschuld errettet von den Löwen. Also bedenket, was zu jener Zeit geschehen ist, so werdet Ihr finden, daß alle, die auf Gott vertrauen, erhalten werden. Derohalben, liebe Kinder, seid unerschrocken und haltet ob dem Gesetz, so wird Euch Gott wiederum herrlich machen." Der alte Mann hielt, wie um neue Kraft zu sammeln, inne, dann streckte er seine ermattende Hand gegen Simon, seinen zweiten Sohn, aus und fuhr fort: „Euer Bruder Simon ist weise, dem gehorchet als einem Vater." Dann streckte sich die Hand von neuem aus, sie lag diesmal auf dem gebeugten Haupt des Judas: „Judas Makkabäus ist stark und ein Held, der soll Hauptmann sein und den Krieg führen." Da war in dem Auge des edelmüthigen Johannes kein murrender Blick der Eifersucht, wie seine Brüder als erhabener in solchen Eigenschaften, mit denen Führer begabt sein müssen, ihm vorgezogen wurden. Johannes wußte, daß die Weisheit des Simon und die kriegerischen Talente des Judas seine eigenen bei weitem übertrafen; er wollte mit und unter ihnen dienen und sich gern dem Willen seines Gottes und den Rathschlägen seines Vaters unterwerfen. Wir finden nicht den leisesten Zug von eifersüchtiger Nebenbuhlerschaft unter jenen glorreichen fünf Brudern, welche alle den Vorzug theilten, für ihr Vaterland zu leiden. Drei von ihnen starben sogar für dasselbe. Darauf schied Mattathias, nachdem er seine Söhne feierlich gesegnet hatte, dahin wie einer, der einen guten Kampf gekämpft und fest am Glauben gehalten hat bis an sein Ende. Großes Wehklagen erhob sich in Judäa über den Tod dessen, der dem Volke ein Führer war. Die Söhne des Mattathias brachten seinen Leichnam nach Modin und begruben ihn im Grabe seiner Väter. In späteren Friedenszeiten errichtete Simon ein schönes Denkmal von Marmor in Form von sieben hohen Pfeilern, welche weithin von den auf den Fluthen des Mittelländischen Meeres segelnden Schiffen gesehen werden konnten. Der hasmonäische Fürst baute dieses Denkmal zu Ehren seiner Eltern und ihrer fünf Söhne, nachdem Jonathan, Eleazar und Judas Makkabäus das Bekenntniß ihres Glaubens mit dem Tode besiegelt hatten. (Fortsetzung folgt.) -- Richter Lynch. Lynchhinrichtungen, d. h. Fälle, wo zornige, erregte Volksmengen an Stelle dcZ Strafrichtcrs das Gesetz selbst in die Hand nahmen, sind nirgendwo in so großer Zahl wie in den Vereinigten Staaten beobachtet worden. Keine Woche vergeht hier, ohne daß in den Zeitungen eine Lynchhinrichtung besprochen würde. Im 19. Jahrhundert sind innerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten wenigstens 20—25,000 Menschen dem Richter Lynch verfallen. Eine genauere Zahlung hat man für den Zeitraum von 1890 bis Ende 1895, in welchem an nicht weniger als 1118 Personen von der Volksjustiz, aber nur an 723 Personen von den ordentlichen Gerichten die Todesstrafe vollzogen wurde. Die Geschichte des „Richters Lynch" hat noch kein Historiker zu schreiben versucht. Wie lange er schon im Lande haust und wie er zu seinem eigenthümlichen Namen gekommen ist, weiß Niemand recht zu sagen. In Vir- ginien erzählt man, sein Name sei auf denjenigen eines Farmers Lynch zurückzuführen, der zu AnSgang des 17. Jahrhunderts lebte und an allen Ucbelthätcrn, die auf seinen Grundstücken Unfug anstifteten, eigenhändig Justiz ausübte, indem er sie an einen Baum fesselte und gehörig peitschte. Lynchhinrichtungen ereigneten sich während des 17. und 18. Jahrhunderts in den englischen Colo- niecn Nordamerikas nicht eben selten; ganz besonders aber kamen sie um die Mitte dieses Jahrhunderts in Flor, als in Folge der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder Schaarcu von Auswanderern und Abenteurern aus allen Theilen der Welt nach dem Westen strömten und jene bis dahin noch fast ganz unbekannten Wildnisse zu besiedeln begannen. Inmitten jener Wildnisse, wo die einsamen Blockhütten der Culturpiouiere häufig viele hundert Meilen von der nächsten größeren Niederlassung entfernt lagen, gab cS natürlich keine Richter und Gerichtshöfe; man kannte nur das eine, in allen Steppen und Einöden gleichlautende Gesetz: „Auge um Auge, Zahn um Zahn!" Besonders zwei Verbrechen wurden stets mit dem Tode bestraft: der Pserdediebstahl und Verbrechen gegen Frauen und Mädchenl^Die Pferde waren der kostbarste Bestandtheil der Habe der Ansiedler, denn nicht nur boten sie die einzige Möglichkeit dar, die endlosen Prärieen und Wildnisse zu durchkreuzen, sondern von ihrem Vorhandensein, von ihrer Schnelligkeit und 210 Ausdauer hing in Fällen der Gefahr, die in Gestalt von Prärie- und Waldbrändcn oder Angriffen seitens der Indianer die Ansiedler stets bedrohten, das Leben ab. Es konnte demnach die Ansiedler kaum ein verhänguiß- vollerer Verlust treffen, als wenn ihnen die Pferde gestohlen wurden, was die Pferdediebe verhältnißmäßig leicht auszuführen vermochten, da man Ställe kaum kannte, sondern die Pferde frei im Walde oder auf den Prärieen umherlaufen ließ. Auch die weiblichen Angehörigen der Ansiedler blieben nicht selten ohne genügenden Schutz, besonders dann, wenn die Männer der Jagd oder den Feldarbeiten oblagen. In solchen Augenblicken war beständig zu befürchten, daß umherstreifende Strolche, an denen im fernen Westen wie im Süden der Union kein Mangel ist, die Gelegenheit sich zunutze machen würden, um die schutzlosen Frauen und Mädchen anzufallen. Dieser Gefahr sind besonders die auf vereinsamten Plantagen und Farmen wohnenden weißen Frauen und Mädchen des Südens ausgesetzt, da die hier vorherrschende Neger- und Mischlingsbevölkerung reich an sinnlichen Elementen ist. Die weißen Südländer behaupten ganz offen, daß diese Leute die weißen Frauen denen ihrer eigenen Rasse vorziehen und ihnen häufig Fallen stellen. Um die Leidenschaften der Schwarzen und Mulatten niederzuhalten, gebe es kein anderes Mittel, als die Strafen für die gegen Frauen und Mädchen begangenen Verbrechen so abschreckend als möglich zu gestalten. In der That bezeigen die Ansiedler des Südens bei der Vornahme derartiger Lynchhinrichtuugen zuweilen eine Grausamkeit, die geradezu barbarisch genannt und nur dadurch erklärt werden kann, daß das Beispiel, wie die in denselben Ländern hausenden Indianer mit ihren Gefangenen verfuhren, nicht ohne Einfluß auf die Anschauungen der Ansiedler blieb. Daß dies thatsächlich der Fall, beweisen mehrere Lynchhinrichtuugen, die während der letzten Jahre im Staate Texas an Negern vollzogen wurden, welche Attentate auf weiße Frauen unternommen hatten. Besonders eine im Jahre 1891 in Texas vollzogene Hinrichtung eines Negers war eine so grauenhafte Handlung, daß, als die That in ihrer ganzen Schrcck- lichkeit bekannt wurde, ein Schrei des Entsetzens die Vereinigten Staaten durchfuhr. Nicht minder schrecklich war die am 30. Oktober 1895 erfolgte Hinrichtung des Negers Henry Hilliard, der die Frau eines Farmers vergewaltigt und ermordet hatte, dafür aber von seinen Vcrsolgem auf offenem Marktplatz des Ortes Tyler in Texas im Beisein einer nach Tausenden zählenden Volksmenge langsam zu Tode geröstet wurde. Die Rechtspflege ist in vielen Theilen der Vereinigten Staaten noch heutzutage äußerst mangelhaft. Gestaltet sich in den wenig besiedelten Gegenden das Zusammenbringen eines geordneten Gerichtshofes vielfach zu einem schwierigen Unternehmen, so ist es fernerhin eine offenkundige Thatsache, daß viele Richter käuflich sind, und daß zahlreiche Verbrecher der verdienten Strafe entgehen, wenn sie Mittel besitzen, die Richter oder die Geschworenen zn bestechen oder sonstwie zu beeinflussen. Diese Fälle ereigneten sich in manchen Gegenden so häufig, daß das Volk alles Vertrauen zu der Rechtspflege verlor und sogenannte „Vigilanz-Comitos" oder „Negulatoren-Ver- bindungen" bildete, deren Streben dahin ging, die bestehenden Zustände zu verbessern, vornehmlich da, wo die Gesetzlosigkeit überhand nahm und die Rechtspflege der Lage nicht gewachsen war. Der Antheil, den diese Regulatoren und UeberwachungsauSschüsse an dem Fortschritt der Civilisation im Westen der Vereinigten Staaten haben, ist nicht gering; ohne sie wäre ein großer Theil des amerikanischen Westens noch heute eine für gesittete Menschen unnahbare Wildniß. Die Ortschaften und Städte, die mit der Zeit an den Stromläufeu und Eisenbahnen entstanden, waren in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens meist Sammelpunkte des verworfensten Gesindels, das nicht die geringste Achtung vor dem Gesetze kannte und Zustände schuf, die jeder Beschreibung spotten. Manche dieser Ortschaften erlangten in Folge der zahllosen Verbrechen und Mordthaten, die sich daselbst ereigneten, eine geradezu traurige Berühmtheit, wie z. B. Dodge City in Kansas, Virginia City in Montana, Julesburg in Colorado, Tombstone in Arizona u. a. Jahrelang schalteten hier die verrufensten Banditen unumschränkt, bis endlich die nach Ordnung und Sicherheit verlangenden besseren Elemente der Umgegend sich zu UeberwachungS- ausschüssen zusammenthaten und den Kampf gegen daS Gesinde! aufnahmen. Daß dieser in der Regel mit der Vertreibung des Gesindels endende Kampf nicht ohne Gefahren für die Femrichter selber war, beweist der Umstand, daß in Dodge City während eines Jahrzehnts über 30 Personen ihr Lcben verloren, welche geordnete Zustände schaffen wollten, ä,' Es darf nicht verschwiegen bleiben, daß die geheimen Femrichter in dem Bestreben, die Moral zu verbessern, nicht selten im Namen der Gerechtigkeit und Moral selber Gewaltthaten aller Art begehen. Es wird keineswegs immer untersucht, ob die Verdächtigen auch wirklich die Schuldigen sind; haben die Femrichter es sich in den Kopf gesetzt, daß der oder jener Urheber des Verbrechens sei, so genügt dies, um sich des Betreffenden zu bemächtigen und ihn je nach Laune zu hängen oder zu erschießen. So geschieht es nicht selten, daß Personen dem Lynch« gericht verfallen, die, wie sich hinterher herausstellt, dcS ihnen vorgeworfenen Verbrechens vollkommen unschuldig waren. In den 80er Jahren wurde in Colorado ein deutscher Gelehrter, der Studien halber die Felsengebirge durchzog und arglos von zwei des Weges kommenden Pferdedieben ein kurz zuvor gestohlenes Maulthicr gekauft hatte, von den Verfolgern der Gauner erreicht und als der vermeintliche Pferdedieb erbarmungslos aufgeknüpft. Ganz besonderes Aufsehen erregte auch die Nieder- metzelung von 11 Sicilianern, die im Jahre 1891 zu New-Orleans einer Mordthat wegen vor die Urthcils- jury verwiesen wurden. Einige der 19 Angeklagten waren freigesprochen worden; betreffs mehrerer anderer konnte die Jury sich nicht einigen. Die Bevölkerung von New- OrleanS zog daraus den Schluß, daß die Geschworenen bestochen seien, weshalb sie sich zusammenrottete, das städtische Gefängniß stürmte und die in demselben noch befindlichen 11 Sicilianer erbarmungslos niederschoß. Dadurch entstanden bekanntlich die diplomatischen Verwicklungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien, die erst beigelegt wurden, nachdem den Hinterbliebenen der Gctödtetcn eine angemessene Entschädigung ausbezahlt worden war. Manche der vielfach im geheimen wirkenden Negu- latoren-Verbindungen, wie z. B. die seit längerer Zeit im Süden und Westen verbreiteten „Wcißkappsn", treten als Tugendwächter und Sittenrichter auf und haben es vorzugsweise darauf abgesehen, die Reinheit und Heiligkeit des Familienlebens zn schützen und Trunkenheit und andere Laster zu bestrafen. Nicht selten werden Personen beiderlei Geschlechts, die sich einem unmoralischen Lebenswandel ergaben, zur Nachtzeit aus den Betten geholt und barbarisch gepeitscht. In den südlichen Staaten, wo in Bezug auf die Rasscnfrage noch strenge Ansichten herrschen, gegen die niemand ungestraft sich vergehen darf, ereignet es sich zuweilen, daß eine Negerin oder Mulattin, die Gelüste hat, sich mit einem Weißen ehelich zu verbinden, vor der Hochzeit eine „vkits wasvinA" erhält, das heißt mit Pinsel und Tünche bearbeitet wird, damit sie ihrem weißen Liebhaber wenigstens äußerlich ähnlich sehe. Das früher sehr beliebte „Theeren und Federn" kommt jetzt nur noch selten zur Anwendung, ereignete sich aber noch im Jahre 1894 in Colorado, wo der Politiker Tarsney von politischen Gegnern überfallen, nach einer einsamen Stelle geschleppt und daselbst getheert und gefedert wurde. Ein anderer Fall, der einen unsittlich lebenden Schulmeister betraf, ereignete sich im Februar dieses Jahres in Tennessee. Diese Strafe gilt nicht nur als äußerst schimpflich, sondern ist für den also Mißhandelten auch mit den größten Schmerzen verbunden, da cS dem mit Theer und Federn Ucberzogcnen ungeheure Mühe kostet, seines Fedcrkleides ledig zu werden. Der dicke Theerbelag, der die Thätigkeit der Hautporen völlig unterdrückt, verursacht zunächst einen Zustand furchtbarer Beängstigung dazu kommt, daß die feinen, den Körper bedeckenden Haare von dem Theer so fest gehalten werden, daß die geringste Aenderung der Stellung das Gefühl verursacht, als ob ein jedes Haar einzeln ansgerissen würde. Nicht minder schmerzhaft ist die mit Oel und Bürsten zu bewirkende Entfernung des Teers, was geraume Zeit beansprucht und, wenn auch mit größter Behutsamkeit durchgeführt, den Körper in einem Zustande der Blutrünstigkcit zurückläßt, der erst nach Wochen eine völlig schmerzlose freie Bewegung der Glieder wieder gestattet. Wer mit der Vertheilung der Nassen in den Vereinigten Staaten einigermaßen bekannt ist, weiß, daß die Staaten, in denen keine Lynchhinrichtungen stattfanden, nur eine ganz geringe Negerbcvölkcruug besitzen und auch in der allgemeinen Civilisation am weitesten vorgeschritten sind. Die Staaten mit vereinzelten Lynchhinrichtungen bilden mit ihren größer» Proccntsätzcn einer Negerbe- völkeruug die Uebergangsgebiete zu den Südstaaten, in denen die schwarze Rasse besonders stark vertreten ist und wo die meisten Lynchmorde sich ereignen. Verglichen mit den hochcivilisirten Nordstaaten stehen die Südstaatcn noch auf einer Stufe der Halbcultur, die, wie sie in manchen andern Dingen zum Ausdruck kommt, sich am schärfsten in dem Vorkommen der zahlreichen Lynch- binrichtnngen kennzeichnet. ---SWWVS-«-- Verßrechendentisikatiorr. Von Otto Opet. Zu den schwierigsten Problemen, mit deren Lösung sich die Strafrcchtspflege seit Jahrtausenden beschäftigt, gehört die Ermittelung eines Verfahrens, das die rasche und zweifellose Wiedererkennung von Verbrechern ermöglicht. Die Nothwendigkeit eines solchen Verfahrens stellt sich namentlich dem rückfälligen Verbrecher gegenüber heraus, dessen Bestrafung mit Rücksicht auf die durch wiederholte Begehung von Strafthaten offenbarte an sich verbrecherische Willensrichtung nach den meisten Gesetzgebungen härter als die deS bloßen Gelegenheitsverbrechers normirt ist, deren Verhängung jedoch nur unter dem Nachweis, daß man eS thatsächlich mit einem bereits bestraften Verbrecher zu thun habe, erfolgen kann. Das älteste Mittel, das zwar nicht das Erkennen einer bestimmten Persönlichkeit, immerhin aber die Feststellung ermöglichte, daß ein Verbrecher bereits früher eine gerichtliche Bestrafung erlitten, war die Brandmarkung. Ihrer gedenkt bereits die Genesis in der Erzählung vom Kainszeichen, das freilich an jener Stelle einen abweichenden Zweck, die Sicherung des Brudermörders vor feindlichen Angriffen, verfolgt. Die europäischen Kulturvölker des Alterthums, die Griechen und Römer, machten in früherer Zeit von der Brandmarkung nur gegenüber bestraften oder wiederholt entflohenen Sklaven Gebrauch, denen auf Finger oder Hand mit glühendem Eisen ein Zeichen eingebrannt wurde. Mildere Herren begnügten sich damit, um den Hals des eingesungenen Flüchtlings eine, unseren Hundehalsbändern vergleichbare, eiserne Kette schmieden zu lassen, deren Inschrift die Aufforderung enthielt, den Träger der Kette gegen Empfang einer Belohnung seinem namentlich bezeichneten Eigenthümer zurückzubringen. Eine Anwendung der Brandmarkung auf freie Personen erfolgte erst in der durchweg durch grausame Verschärfung des Strafrechts berüchtigt gewordenen Gesetzgebung der römischen Kaiserzeit. Die Bezeichnung mit dem Stigma, wie die Römer mit einem dem Griechischen entlehnten Ausdruck das Brandmal bezeichneten, wurde zur Nebenstrafe, als unzertrennliche Begleiterin jeder auf Aberkennung der Freiheit lautenden Hauptstrafe. Allerdings kannte das antike Strafrecht nur lebenslängliche Freiheitsstrafen; die deßhalb an sich überflüssige Brandmarkung sollte jedoch die Flucht aus den Bergwerken oder der Arena, in denen der Verurtheilte als Bergarbeiter oder Gladiator den Drang der Römer nach Brod und Spielen befriedigen mußte, verhindern oder ihn auch im Fall der Begnadigung als einstigen schweren Verbrecher kennzeichnen. Für die Anbringung des Brandmals hatte die Gesetzgebung ursprünglich keine Vorschriften enthalten, so daß jeder beliebige Körpertheil damit versehen werden konnte. Eine Aenderung erfolgte durch ein ungemcin mildes Dekret Kaiser Konstantins, der die Brandmarkung des Gesichts, „als des Ebenbildes göttlicher Schönheit", verbot und dafür die Handfläche oder das Schienbein zu verwenden befahl. Vervollkommnung hatte auch das Brandzeichen selbst erfahren. An die Stelle des rohen Mals war durch die gesteigerte Kunst der Tütowirung eine förmliche Inschrift getreten, die in tironischen Noten, der Stenographie des Alterthums, am eigenen Leibe des Thäters in unauslöschlichen Zügen seine Verbrecherlaufbahn schilderte. Die germanischen Stamme, die nach dem Zusammen» bruch des römischen Reichs auf dessen Boden die Begründer der modernen Staatenbildungen wurden, nahmen neben sonstigen Resten antiker Kultur auch zahlreiche Bestandtheile des römischen Strafrechts in ihr Nechtsleben auf. So begegnet uns denn auch die Brandmarkung bei Langobarden, Angelsachsen und Nordgermanen, jedoch nicht als Nebenstrafe, sondern in selbstständiger Function als Sühne bestimmter Verbrechen, mit dem ausdrücklichen Zweck, neben ihrem Charakter als Hauptstrafe auch das spätere Wiedererkennen deS bereits Bestraften zu ermöglichen, den besonders bei wiederholtem Dtebstahl härtere Bestrafung traf. Dabei erfuhr die Form des Brandmals 212 eine interessante Wandlung, welche die Neigung jugendlicher Völker, rechtliche Vorgänge in sinnlicher Darstellung Zu symbolisiern, zum Ausdruck brachte. Die tätowirte Buchstabenschrift der römischen Brandmarke befriedigte nicht die naive Anschauung des Germanen, der den Beweis einer früheren Unthat sehen, nicht lesen wollte, letzteres meist auch gar nicht konnte. Für die Schrift trat deßhalb wieder die Brandzeichnung ein, diesmal jedoch nicht ein beliebiges Mal, sondern die Darstellung eines Gegen-, standes, der ohne weiteres auf die Natur des verübten Delikts schließen ließ. So wurde dem Diebe auf Wange oder Stirn ein Schlüssel eingebrannt, erhielt der Falschmünzer das Bild eines Geldstücks in das Gesicht geprägt. Das Prinzip, das Verbrechen bereits in Art und Vollzug der Strafe zum Ausdruck zu bringen, beschränkte sich jedoch nicht auf die Brandmarkung. Auch die übrigen Strafen sollten, soweit angängig, nach germanischer Anschauung das Delikt kennzeichnen und durch ihre äußere Erscheinung am Körper i>es Schuldigen bei Nückfall dessen härtere Bestrafung garantiren. An dem sündigenden Glied wird die Strafe genommen: dem Verleumder wurde die Zunge ausgeschnitten, dem Meineidigen die Schwurhaud abgehauen, dem Raufbold ein Messer durch die Hand gestoßen, der Unzüchtige entmannt. Daß die Strafe daS Delikt wiederspiegeln muß, war ein seit grauer Zeit im Volksbewußtsein lebender Gedanke. Schon in der alten Sage vom Zwerg Laurin wird jedem, der den Rosengarten zertritt oder sonst beschädigt, Verlust des linken Fußes und der rechten Hand angedroht; in ähnlicher Weise wurden nach der Schlacht im Teutobnrger Wald den gefangenen römischen Nechtsgelehrten, die schon damals das fremde Recht auf deutschem Boden hatten einführen wollen, von den erbitterten Siegern die Zunge ausgeschnitten und die Lippen vernäht. Eine Wiedererkennung schon bestrafter Verbrecher ermöglichten ferner die übrigen, ohne besondere Beziehung auf das fragliche Verbrechen angedrohten verstümmelnden Strafen, wie Blendung, Abhauen von Gliedmaßen, Abschneiden von Nase und Ohren, Ausbrechen der Zähne. Allerdings kamen diese grausamen Strafen nicht in allen Fällen, in denen sie verhängt waren, auch zur Anwendung; meist durfte der Verurtheilte die Strafe „ledigen", sich durch eine dem Verletzten und dem Gericht geleistete - Geldzahlung von der Verstümmelung loskaufen. Allein auch dann blieb er als Verbrecher gekennzeichnet: als ehr- und rechtlos wurde er aus dem Kreis seiner bisherigen Standesgenossen ausgeschlossen, jeder Mitwirkung in Gericht und Gemeinde enthoben. Bei der Enge der mittelalterlichen Verhältnisse, die sich stets in genossenschaftlichen Verbänden bethätigten, verging daher kein Tag, der nicht durch eine erneute Zurücksetzung des Missethäters sein Verbrechen im Gedächtniß seiner Umgebung wach erhalten hätte. Durch Auswanderung vermochte sich der Verbrecher nur selten diesen Folgen zu entziehen; der Verkehr war schwierig und die Aufnahme in einen neuen Genossenschaftsverband vom Nachweis eines Leumunds abhängig, den ein in seinem Recht Geminderter kaum hätte erbringen können. Die bloße Niederlassung an fremdem. Ort verschaffte dagegen dem neuen Zuzügler keinen An- 'i spruch auf Duldung, sondern setzte ihn steter Gefahr der Vertreibung aus. - Mit dem Anbruch der neueren Zeit, unter dem Eindringen der individualistischen römischen Nechtsanschauung verlor das Genossenschaftswesen seinen starken Zusammenhalt, verminderte sich die Antheilnahme der Volksangehörigen am Gemeinde- und Gerichtsleben. Damit büßte aber auch der Ehrverlust die Garantie ein, die er bisher für die Identifikation der Verbrecher geboten hatte. Unzulässig erschien es nunmehr, sich durch Geldopfer von einer verstümmelnden Strafe zu befreien, eine Möglichkeit, die bei dem allmäligen Verarmen der großen Masse der Bevölkerung ohnehin schon als ein hassenswertheS Privileg eines kleinen, mit Glücksgütern gesegneten Bruchtheils der Nation erschienen sein mochte. Das berühmte Strafgesetzbuch Kaiser Karls V., die Hals- oder Peinliche Gerichtsordnung, abgekürzt Carolina genannt, schließt deßhalb die Ledigung der verstümmelnden Strafen auch vollständig aus. (Schluß folgt.) --»-S-W8S—- Wassiorrs- und Werzeit. L. Gründonnerstag. 's ist nur ein alter Weidenbaum, Der blühend hier vor'm Fenster steht — Und das ist nur der Abendwind, Der frühlingSschancrnd d'rüber weht. Es ist das Abendglühen nur, Das drüben noch im Westen flammt. Und doch, — eS scheint der Sonnenzug Heut, wie ein Nicseuopferbrand l Wie trübe Vorbedeutung zieht's Rings müde dämmernd über'm Hag; Wie ahnuugSschwer erstarb, dies heut. — Es war — Gründonnerstag. 2. Charfreitag. Nebel wallen, Nebel ziehen Und umdunkeln Sounenglühen, Und umdüstern Blüthenpracht Mit gehcimnißvoller Nacht. Vöglcin flattern scheu und schweigen Auf den knospcuweichen Zweigen, Und im blauen Nebeldust Rastet athcmbange Luft. Und doch rieselt Himmelsthauen Nieder rings auf Frühlingsauen, Während an des Kreuzes Stamm Blutend stirbt ein Opferlamm. Welt und Himmel hält umfangen Eines GottcS TodeSbangen; — Liebeswundcr! Durch die Nacht Zitterl's leiö: — „Es ist vollbracht." 3. Ostermorgen. Heller war noch nie ein Morgen Aus der Nächte Schootz gestiegen, Alles Dunkel, alles Bangen Scheint sein Lichtglanz zu besiegen. Und eö brechen alle Knospen, Die ihr Blühen zag geborgen, Jauchzend tönen Vogelstimmen Durch den segcnSvollen Morgen. Und das Menschenherz erzittert In den ungeahnten Wonnen; Endlich ist es Licht geworden! Endlich ist das Heil gekommen! Jubelnd braust es in den Lüften, Jauchzend dringt von Land zu Landen Eine überfrohe Kunde: „Christus ist dem Grab erstanden." Elsa Glas. Auflösung des Bilder-NäthselS in Nr. 27: Kryptogramm: Die Liebe verklärt die Wirklichkeit.