M 30. AreiLag, den 10. April 1896. Für die Redaction verantwortlich: Vr. Theodor Müller in Augsburg. ^ . Druck und Verlag des Literarischen Instituts von HaaS L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer Dr. Max Huttler). Audas Makkaöäns, Historischer Noman von A. L. O. E. Frei nach dem Englischen von D. Colonius. (Fortsetzung.) „Ich habe eine vollständige Abschrift der Psalmen und Propheten und bin dabei, noch eine davon zu nehmen," entgegnete Hadassah, indem sie unwillkürlich den Ton ihrer Stimme dämpfte und dabei einen unruhigen Blick nach der Thür warf. „Ein edles, aber gefährliches Werk!" rief Abifchai. „Geh' und steh', mein Sohn, den Weg entlang, rechts und links, ob etwa ein Heide in der Nähe sei," gebot Hadassah, indem sie nach der Thüre wies. „Wenn kein Feind zu sehen ist, will ich Dir den heiligen Schatz, den ich hier mit Gefahr meines eigenen Lebens verborgen halte, zeigen." Abischai verließ sogleich das Gemach, die Thür halb hinter sich schließend. „Nun, Lycidas! o beeile Dich!" rief Sarah mit ängstlichem Flüstern. Sie fürchtete, daß die Gelegenheit znm Rückzüge, welche Hadassah gegeben hatte, durch die Verzögerung eines Augenblickes verloren gehen könne. ES war nicht nöthig, diese Aufforderung zu wiederholen, denn LycidaS zog sich augenblicklich hinter seinen Vorhang, zurück und die ebräischen Frauen konnten wieder frei aufathmen. Sarah warf einen vor Freude glänzenden Blick auf Hadassah, bekam aber kein Lächeln zur Antwort. Die Züge der Wittwe trugen einen traurigen, fast unwilligen Ausdruck, dessen Anblick Sarah's sanftes Herz mit banger Qual erfüllte. Was hatte sie gethan, daß ihre ehrwürdige Verwandte sie in dieser Weise ansah? Hatte sie sich in irgend einer Weise unschicklich benommen? Sie hatte den Heiden bei seinem Namen genannt, sollte sie sich etwa dadurch Hadassah's Mißfallen zugezogen haben? Als sie sich diese Fragen vorlegte, überzog Purpurröthe ihre Wangen. Sie wußte kaum, was diese peinliche Verlegenheit, die sie empfand, verursacht hatte. Sie erschien sich selbst wie jemand, der auf etwas Bösem ertappt worden ist, und doch machte ihr Gewissen ihr nicht den leisesten Vorwnrf hinsichtlich ihres Betragens gegen den Gast ihrer Großmutter. Sie fühlte sich so unbehaglich, daß sie bei Abischais Rückkehr nicht blieb, um die Unterhaltung zwischen ihm und Hadassah mit anzuhören, sondern lieber die Außentreppe znm Dache des Hauses hinaufstieg, wo sie, auf dem flachen Dache sitzend, mit dem schönen blauen Himmel über sich, über das gefährliche Interesse, welches sie für den fremden Heiden empfand, nachdenken konnte. 11. Kapitel. Tiefe Dinge. Als Abischai in Hadassahs Wohnung zurückkehrte, fand er sie beschäftigt, aus einem Behältniß der Wand eine lange Rolle Pergament zu ziehen, welche mit hebräischer Schrift von innen und außen bedeckt war. Die Matrone drückte sie ehrfurchtsvoll an ihre Lippen und setzte sich dann, indem sie die heilige Rolle auf ihren Knieen ausbreitete. Abischai betrachtete mit Hochachtung, ja mit tiefer Ehrfurcht eine Frau, der die Gabe der Weisheit und des Muthes verliehen war, einen so großen Theil der Verheißungen Gottes abzuschreiben. Er fühlte, was Barock für Deborah gefühlt haben mußte, als er an die Wand gelehnt stand und mit ehrfurchtsvoller Aufmerksamkeit den Worten dieser Mutter von Israel lauschte. „Diese Schriften, mein Sohn, sind mein Studium bei Tag und mein Nachdenken bei Nacht gewesen, und sehr ernstlich habe ich gesucht, durch Fasten und Beten ihren tiefen Sinn hinsichtlich dessen, der da kommen soll, zu erhäschen, was die Erkenntniß anbetrifft, noch ein Kind, doch kann es ja dem Allweisen gefallen, auch einem Kinde etwas zu offenbaren. In dieser letzten Zeit habe ich oft ein Wort gefunden, welches in riesengroßen Buchstaben in der Natur, in der Geschichte, in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben stand. Dieses eine Wort heißt „Opfer". Wohin ich blicke, sehe ich eL, und es erscheint mir, wie das Gesetz des Seins, ja, wie das Wesen der Religion selbst." „Ich verstehe Dich nicht", warf Abischai ein, „wie ist das Wort „Opfer" in der Natur geschrieben?" „Sehen wir es nicht in allen Dingen um uns her?" versetzte Hadassah. „Stirbt nicht der Same, damit das Korn auflaufe? Ernährt nicht das verwesende Blatt die lebende Pflanze? Es ist da ein geheimes Leiden in dieser schönen Welt, welches uns böse erscheint, obwohl ein allgütiger Gott es immer zum Guten führt. Diese Dinge bekümmerten und verwirrten mich, bis ich durch Gottes Finger das Wort „Opfer" matt und dunkel auf seinen Werken geschrieben fand. Tod ist der Vater des Lebens, der Sorge, des Kummers und der Freude." 222 „Dunkel und umhüllt", murmelte Abischat, dem Hadassahs Ansichten über diesen Gegenstand phantastisch und unbestimmt erschienen. „Ja, in der Natur und in der Geschichte", fuhr die hebräische Frau fort, „aber die Linien sind klar und bestimmt in unserem heiligen Gesetz. Warum haben seit der Zeit des Sündenfalles zahllose Opfer fallen müssen? Warum war das sterbende Lamm dem Herrn angenehmer als das blutlose Opfer des Kain? Warum haben Tausende von schuldlosen Creaturen auf dem Altar Gottes hingeschlachtet werden - müssen? Nein, nicht auf dem seinen allein, selbst auf den Altären der Heiden, die niemals feinen Namen gehört haben, wird geopfert, als ob der Seele des Menschen ein tiefer Instinkt eingepflanzt worden, daß es ohne Blutvergießen keine Erlösung gibt. Können wir glauben, daß der Allmächtige am Tode der Ochsen oder der Ziegen Gefallen finde? Und dennoch hat er es befohlen, zu opfern und zu leiden, sich zu unterwerfen und ihm ein Leben für ein anderes als Lösegeld zu geben. Diese Idee durchdringt das ganze Gesetz, das Moses gegeben, und auch schon lange vor Moses' Zeiten erschien Gott dem Abraham, Noah, Abel als ein Opfer verlangender Gott." „Ich gebe zu", antwortete Abischai, „wenn ein Mensch in dem Auge seines Schöpfers schuldig ist, muß ein Opfer für seine Sünden gebracht werden, so lange die Welt steht." Das Licht einer heiligen Eingebung glänzte in Hadassahs Augen, und die Worte, die ihren Lippen entströmten, schienen nicht ihre eigenen zusein: „Wenn nun alle diese Opfer auf ein großes hindeuten, wenn das tiefe Geheimniß des Leidenmüssens nur auf ein tieferes der Liebe hinzielte, wenn Gott selbst für den Stellvertreter sorgte und auf einem Altar Blut vergossen würde, wilches für vergangene und kommende Sünden genügte? Kann es, ja muß es nicht so sein, wenn wir die Schrift recht verstehen?" „Ich kann Deine Meinung nicht errathen", sagte Abischai. „Was steht hier von dem kommenden Messias geschrieben?" fragte Hadassah, indem sie mit ihrem ernsten, forschenden Blick ihren Neffen ansah, während ihre Hand auf die Rolle der Prophezeiung hinwies. „Daß er regieren wird die Völker mit eisernem Stäbe und sie zerschmeißen wie eines Töpfers Gefäß!" rief Abischai frohlockend. „Wird er nicht Messias, der Fürst, genannt?" „Der geopfert wird, aber nicht für sich selbst", antwortete Hadassah in leisem, eindringlichem Ton, der Abischai stutzen und mit Erstaunen aufblicken ließ. „Du", fuhr sie fort, „siehst in dieser Prophezeiung mit hellen Buchstaben den Fürsten geschrieben, ich erblicke in den Schatten der Buchstaben vertieft das Opfer heraus. Sieh' hier!" — bei diesen Worten öffnete die Wittwe die Rolle, bis ihr Finger auf den zweiundzwanzigsten Psalm deuten konnte, „was meint dieser Ausruf tiefen, geheimnißvollen Kummers: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?" „Es ist Davids Angstruf", sagte Abischai. „Siehe weiter, mein Sohn, dringe tiefer ein in den Gegenstand!" rief Hadassah, indem sie fortfuhr, die Worte der Verheißung zu lesen. „Der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht, sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Alle meine Gebeine sind zertrennt. Sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir. Sie theilen meine Kleider unter sich und werfen das Loos um mein Gewand." Diese Dinge sind dem David nie begegnet, der Psalmist spricht hier nicht von sich selbst." „Von wem sollte er denn sprechen?" fragte Abischai verwirrt hineinschauend, „doch sicherlich nicht von dem Messias, nicht von dem Weibessamen, der der Schlange den Kopf zertreten soll." „Warum nicht?" entgegnete Hadassah, „wenn er sieht, daß er selbst im Kampf vernichtet wird. Wenn da geschrieben steht: „Mein Knecht wird weislich thun und wird erhöhet und sehr hoch erhoben sein;" so liegt der Schatten dicht unter dem Licht; es ist ferner geschrieben: „Seine Gestalt ist häßlicher, denn anderer Leute, und sein Ansehen denn der Menschen Kinder." Und warum? „Denn also wird er viele Heiden besprengen." Es mag sein mit seinem eigenen Blut!" „Deine Gedanken sind sonderbar", murmelte der Sohn des Nathan. „Es sind nicht meine Gedanken", versetzte Hadassah. „Sieh weiter in der Rolle, was dem Jesaia offenbart wurde. Klingt dies etwa wie ein Triumph? „Es war der allerverachtetste und unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit; er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg. Darum haben wir ihn nicht geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethaten willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg, aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volkes geplagt war." Haben wir hier nicht das Opferlamm, gebunden auf dem Altar, blutend, verwundet, sterbend, und das alles nicht für seine eigenen Sünden leidend?" „Es kann nicht sein, es ist unmöglich, daß der Messias, wenn er kommt, verachtet und verstoßen sein soll", rief Abischai, dem diese Auslegung der Weissagung ebenso neu als unwillkommen war. „Wenn er kommt, soll ganz Israel sich freuen und seinen König, den Beherrscher der Welt, willkommen heißen!" Hadassah rollte das Pergament weiter auf, bis sie an das dreizehnte Kapitel des Sacharin kam.*) „Höre auch dieses, Sohn des Nathan", sagte sie: „Schwert, mache dich auf über meinen Hirten und über den, der mir der Nächste ist, spricht der Herr Zebaoth." „Wer ist sein Nächster?" warf Abischai mit Erstaunen ein, chenn von diesem Theil der Schrift hatte er nie gehört. „Stände das nicht in Gottes Wort, so wäre es Lästerung, auch nur zu denken, daß der Herr Zebaoth einen Nächsten haben sollte." „Es ist ein Geheimniß in jedem Wort, das ein Mensch nicht fassen kann!" rief Hadassah. „Das göttliche Wesen ist eins. Der Grund unseres Glaubens ist die feierliche Erklärung: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr." Und doch liegt in dieser nämlichen Erklärung der Gedanke der Einigkeit mit Unterscheidung von Personen." > *) Natürlich war damals die hebräische Rolle noch nicht in Kavitel eingetheilt. 223 „Hadassah, Hadassah, in welcher Wildniß von Ketzerei wanderst Du!" rief Abischai. Die Wittwe schien ihn nicht zu hören, sondern fuhr, wie laut denkend, fort: „Niemand hat Gott je gesehen; er selbst hat erklärt: „Kein Mensch soll mich sehen." Aber wer erschien denn sichtbar dem Abraham? Wer war es, der mit Jakob rang? Wer sprach mit Gideon? Und wessen Glanz wurde Jesaia beschieden zu schauen? Wer wurde wandernd im feurigen Ofen gesehen? Wer war es, der da kam in des Himmels Wolken, gleich eines Menschen Sohn bis zu dem Alten?" „In einem Augenblick betrachtest Du den Messias als Opfer, im nächsten als Gott!" rief der Ebräer. „Wenn Gott Willens wäre, menschliche Gestalt anzunehmen, menschliche Schuld zu tragen, menschlichen Tod zu erdulden, müßte er dann nicht beides sein?" fragte Hadassah. Als sie sah, daß Abischai bei dieser Frage stutzte, deutete sie aus den Theil der Rolle, welche die Weissagung des Jesaia enthielt, und las laut: „Uns ist ein Kind geboren." — „Hier ist klar eine Anzeige menschlicher Geburt, doch wird dieses Kind uns offenbart als der Mächtige Gott, Ewigvater, Friedefürst." „Solche Gedanken sind zu wunderbar und zu hoch, als daß ein Mensch sie fassen könnte", rief Abischai stirnrunzelnd. „Das schwache Gefäß muß zerspringen, wenn solch heißes, geschmolzenes Gold hineingeworfen wird", fuhr er erregt fort. „Alles, was ich auf das, was du gesagt hast, antworten kann, ist dies: Ich glaube nicht — und werde niemals glauben, daß, wenn der Messias, die Hoffnung Israels, kommt, er von unserem Volke verworfen wird. Wäre es so, so würde auf Israel ein entsetzlicher Fluch fallen, daß die ägyptische Geißel, die babylonische Gefangenschaft, die syrische Verfolgung nichts wären gegen die Schrecken, die Gottes gerechte Rache über unser Volk bringen würde. Wir würden zerstreut werden in alle Länder wie Spreu vor dem Winde, bis —" Abischat hielt inne, ballte die Faust, biß die Zähne zusammen, als ob die Sprache ihm fehlte, die äußerste Verlassenheit und das Elend zu beschreiben, welches ein so furchtbares Verbrechen, wie die Verwerfung des Messias, über die Nachkommen Abrahams bringen müßte. Da Abischai seinen Ausspruch nicht beendete, so that Hadassah dies für ihn. „Bis", sagte sie mit verklärtem Angesicht — „bis Juda seine Missethat bereut und wieder umkehrt zu dem, der es nicht verleugnete. Höre, Sohn des Nathan, noch diese eine Weissagung aus der Heiligen Schrift: Also spricht der Herr: Ueber das Haus Davids und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets, denn sie werden mich ansehen, welchen jene zerstochen haben; und werden ihn klagen, wie man klaget ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübet um ein erstes Kind. Und der Herr wird König sein über alle Lande." Abischai verließ die Wohnung der Hadassah mit ganz verstörtem Gemüth, nicht willens, zuzugeben, daß die Ansichten, die so ganz verschieden von seinen eigenen waren, auf Wahrheit beruhen sollten. Die Idee eines verachteten, leidenden, sterbenden Messias war über alle Maßen den inneren Gefühlen des Hebräers widerstreitend. „Sehet da ein Weib, welches ihre ganze Seele in ein dunkles Studium versenkt hat", murmelte Abischai, als er den Hügel hinabstieg. „Hadassah ist närrisch, ihr Verstand hat sie verlassen." 12. Kapitel. Prüfungen des Herzens. Zum ersten Male in ihrem Leben fürchtete Sarak eine Begegnung mit Hadassah. Obgleich die Jahreszei- soweit vorgerückt war, daß alles sich vor den Sonnenstrahlen zu verbergen suchte, weilte das Mädchen immer noch auf dem schattenlosen Dache. Während sie ihre Stirn an die Brustwehr gelehnt hatte, blickten ihre Augen bekümmert nach Jerusalem. Doch ihre Seele verweilte kaum bet den Gegenständen, auf welche ihr Blick gerichtet war. War es eine Vorahnung kommenden Leides oder ein Gefühl von Selbstvorwurf, worüber das Mädchen in ihrem Innern nachdachte? Sarah fürchtete, sich ihre Gefühle klar zu machen, sie wußte nur, daß ihr das Herz sehr schwer war. Beinahe zwei Stunden waren so vergangen; die Sonne hatte den Horizont erreicht und die Hitze war weniger drückend. Sarah hörte Hadassah mit leisen Schritten die Treppe heraufkommen und stand auf, um ihr entgegen zu gehen, während sie sich einer gewissen Empfindung von Furcht nicht enthalten konnte. Die Erinnerung an jenen Blick trauriger Unzufriedenheit hatte das Gemüth des gewissenhaften Mädchens beschwert. War Hadassah böse auf ihre Enkelin? War sie gekommen, um ein Herz zu prüfen, das seit ihrer Kindheit niemals ein Geheimniß vor ihr gehabt, und welches so voll kindlicher Achtung und Liebe vor der Großmutter war? Sarah wagte nicht, ihre Augen zu denen Hadassah's, als sie derselben gegenüberstand, zu erheben, da sie fürchtete, wiederum jenem ernsten Blicke zu begegnen. Aber niemals hatte das Antlitz der alten Frau einen Ausdruck größerer Zärtlichkeit gezeigt, wie an jenem Abend, als sie ihre Enkelin auf dem Dach des Hauses traf. „Hast Du hier in der Sonnenhitze gesessen, mein Täubchen, und Dein Haupt unverschleiert den glühenden Sonnenstrahlen ausgesetzt?" sagte Hadassah zärtlich, nachdem sie einen Kuß auf die Stirn des Mädchens gedrückt hatte. „Ich muß Dich ernstlich schelten, meine Sarah; setze Dich dort in den Schatten jener großen Palme, ich will mich neben Dich setzen; wir wollen von den Siegesnachrichten sprechen, welche Abischai uns heute gebracht hat." Es war ein großer Trost für Sarah, das dies der Gegenstand der bevorstehenden Unterhaltung sein sollte. Sie blickte schüchtern zu dem Gesicht der Hadassah auf und nahm, über das, was sie in den Zügen ihrer Großmutter sah, vollständig beruhigt, ihren Lieblingsplatz zu den Füßen derselben ein. „Ist es nicht augenscheinlich," nahm Hadassah das Wort, „daß der Arm des Herrn über Juda ausgestreckt ist, daß sein Segen mit Judas Makkabäns geht? Freust Du Dich nicht, Sarah, über den Sieg, welchen unsere Helden erfochten haben?" „Ich freue mich und danke Gott dafür," antwortete das Mädchen. „Ich hoffe, es kommt die Zeit, daß wir hinausgehen, gleich den Frauen Jsrael's in alten Zeiten, welche dem David und Saul nach dem Siege über die Philister singend und tanzend entgegengingen." „David machte sich, als er die Philister schlug und die Hand der Königstochter gewann, um sein Vaterland 2L4 nicht verdienter als Judas Makkabäus," bemerkte Hadassah. „Bist Du nicht stolz auf Deinen Verwandten, mein Kind?" „Ganz Judäa ist stolz auf seine Helden," antwortete Sarah. „Glücklich das Weib, welches er zu seiner Braut erwählen wird," bemerkte Hadassah. Das Mädchen gab keine Antwort. „Sarah, warum soll ich Dir länger verhehlen, was meine Gedanken schon so lange beschäftigt?" fuhr Hadassah nach einer Pause fort. „Warum sollst Du nicht Kenntniß erhalten von der hohen Ehre, welche meine Tochter erwartet? Von Deiner frühesten Kindheit an haben wir beide, Mattathias, unser ehrwürdiger Verwandter, über dessen Grab Friede walten möge, und ich gewünscht, in Zukunft Euch Beide, Dich, meine geliebte Sarah, und Judas, zu vereinigen." „Judas! o nein, nein!" rief Sarah, indem sie plötzlich ihre zitternde Hand aus derjenigen ihrer Großmutter, in welcher sie so lange gelegen hatte, zog. „Er ist seinem Vaterlande verlobt, er wird niemals daran denken, ein Weib zu nehmen." Diese Worte waren schnell und mit einiger Erregung gesprochen. „Seine Arbeiten und Triumphe werden, wie ich fest glaube, zu künftigem Frieden führen," begann Hadassah von neuem. „Dann mag er sich an dem Glück, das er so wohl verdient hat, erfreuen. Willst Du ihm dieses Glück nicht geben, meine Sarah, Du, deren Name „Klarheit" bedeutet?" „Ich ehre Makkabäus als einen Helden, ich verehre ihn als meinen Fürsten, ich könnte vor ihm knieen und den Staub von seinen Füßen waschen oder mein langes Haar abschneiden, um seinen Bogen damit zu spannen, aber ich kann nicht seine Braut werden!" rief Sarah, „ich bin so unbedeutend und unwürdig. Es wäre gleich, als ob man den Adler mit dem Sperling, der dort auf der Hausspitze sitzt, verbinden wollte. Makkabäus ist der edelste der Menschen." „Gesegnet das Weib, welches seinen Herrn so ehren kann," sagte Hadassah. „Ich ehre Makkabäus aus der Tiefe meiner Seele, aber ich fürchte ihn," stammelte Sarah. „Wärest Du eine Syrerin, so hättest Du alle Ursache dazu," bemerkte Hadassah mit einem Versuche, zu lächeln, „aber nicht als eine Tochter von Juda. Ist er auch den Feinden seines Vaterlandes gegenüber schrecklich und grausam gegen die bewaffneten Tyrannen, so hatte doch nie ein Mädchen Grund, Judas Makkabäus zu fürchten. Den Kaktus machen seine scharfen Dornen zu einer so dichten Umzäunung, daß sie der stärkste Feind nicht durchbrechen kann, und doch trägt er herrliche Blumen und erfrischende Früchte. Das starke Schl 'chiroß tritt die Feinde in der Schlacht nieder, aber ein Kind kann ruhig mit seiner Mähne spielen. Die Tapfersten sind immer die sanftesten. Judas ist keine Ausnahme von dieser Regel. Mit seinem reinen und aufrichtigen Herzen ist er ganz der Mann, eine Frau glücklich zu machen." Sarah seufzte und ließ den Kopf hängen. „War es nicht ein stolzer Augenblick für Achsa, als Athniel nach dem Siege von Kirgathsepher als Steges- prcis um ihre Hand bat?" fragte Hadassah. „Aber Achsa war die Tochter eines Kaleb," sagte Sarah. Dann fragte sie, plötzlich ihr Haupt erhebend: „Bestimmte mein Vater mich auch zum Weibe des Judas?" Hadassah fuhr bei dieser Frage zusammen, als ob eine schmerzhafte Wunde durch dieselbe berührt worden wäre. „O, mein Kind, habe Mitleid mit mir," murmelte sie leise, „und sprich nicht von ihm!" Sarah wußte schon lange, daß es einen Punkt gab, den sie niemals berühren durfte. Ihre Großmutter trug einen verschlossenen Kummer in ihrem Herzen, den niemand wagen durfte, zu enträthseln. Ob Sarah's Vater todt war oder nicht, Sarah wußte es nicht. Sie erinnerte sich schwach aus ihrer früheren Heimath Beth- surah eines großen, schönen Mannes, der mit ihren Flechten gespielt und sie in seinen Armen hatte tanzen lassen. Aber seitdem hatte sie in Gesellschaft ihrer Großmutter Bethsurah verlassen und diesen Mann nie wieder gesehen oder jemals von ihm gehört. Die leiseste Anspielung Sarah's auf ihre Abkunft hatte bei Hadassah stets solchen Kummer verursacht, daß das Kind, wenn auch diese Frage es oft beschäftigte, bald zu schweigen gelernt hatte. Hadassah sprach oft von Mirjam, ihrer einzigen Tochter, und von Sarah's sanfter Mutter — Zwillingsrosen — wie sie die Beiden stets nannte, welche beide früh, im ersten Jahre nach ihrer Heirath, für den Himmel gepflückt waren. Aber von ihrem Sohne sprach sie nie. Ein Geheimniß schwebte über dem Schicksal Abner's, welches seine Tochter vergebens zu enthüllen sich sehnte. Ihr Herz machte ihr Vorwürfe über ihre unüberlegte Frage. „O, vergib mir, Mutter!" rief Sarah, indem sie die Hand der Hadassah küßte, welche zitterte und kalt war. „Dein Wort, Dein Wille soll mir in allen Dingen genug sein bis auf eins: o, befiehl mir nicht, daß ich meinen Verwandten heirathel" „Ist es — kann es sein, weil ein Anderer einen näheren Platz in Deinem Herzen hat?" fragte Hadassah forschend. Bei dieser Frage wurde das schöne Antlitz Sarah's plötzlich so rosig wie die Morgenröthe, darauf so weiß wie der Schnee des Libanon. „O, dann sind meine Befürchtungen nur zu wahr gewesen!" rief Hadassah in einem nicht zornigen, aber ängstlichen Tone. „Müssen denn stets die Sünden der Väter an den unschuldigen Kindern heimgesucht werden! Ein Heide! — ein Götzenanbeter l O, wäre ich an diesem Tage gestorben!" „Zürne mir nicht, Mutter," stammelte Sarah, Hadassah's Hand mit ihren Thränen benetzend. „Ich bin nicht böse, meine Taube, es macht mir nur Schmerz, daß ich die grausamen Schlingen aussetzen mußte. Aber Du," fuhr die Wittwe mit erhobener Stimme fort, „Du wirst sie zerreißen, und befreit wird mein Vogel, rein und unbefleckt, seine silbernen Schwingen über der Erde erheben. Verschieden sind die Versuchungen, deren sich der Feind der Seele bedient, um Gottes Diener von der Treue abzuziehen. Einige lenkt er durch ihre Feigheit, andere durch ihre Liebe zur Welt, ihren Reichthum und ihre Vergnügungen, wieder andere gewinnt er durch Herzensfesseln. Aber der Herr gibt seinem Volke Kraft zu widerstehen, ob die Versuchung von Furcht oder von Liebe herrührt. Du bist die würdige Verwandte der Salome, welche ihr Leben für ihren Glauben hingab." 225 „Vielleicht ist das Opfer des Lebens nicht daS schwerste, welches man bringen kann," antwortete Sarah träumend. „Salame gab ihre sieben Söhne", sagte Hadassah. „O, welch eine Gnade war es, daß sie zuletzt ihnen folgen durfte," rief Sarah, „hätte sie alle ihre Söhne, die sie so sehr liebte, überleben müssen, so wäre Salame das elendeste Weib auf Erden gewesen!" „Nein, nicht das elendeste," entgegnete Hadassah, „denn sie starben alle im Glauben. Besser, o, viel besser, sieben durch den Tod verlieren, als den einen durch — den Abfall von Gott!" Und mit beinahe un- hörbarer Stimme fügte die alte Frau, die Augen schließend, hinzu: „Muß ich dieses Elend nun zum zweiten Male durchmachen?" „Meine Mutter, meine einzig geliebte Mutter, Du sollst niemals Elend durch mich erfahren!" rief Sarah mit Lebhaftigkeit. „Ich will beten, ich will streben, ich will versuchen, aus meinen Gedanken alles, was zwischen mich und den Glauben einer Tochter Abra- ham's kommen will, selbst fortzudrängen, nur führe mich, hilf mir, sage Deinem Kinde, was es thun soll!" Und das Mädchen küßte wieder und wieder leidenschaftlich die Hand der Hadassah und legte dann ihren schmerzenden Kopf an die Brust ihrer Mutter. Letztere umfing sie dann in einer langen und zärtlichen Umarmung. „Ich möchte Dich nach Bethsura zu meiner alten Base Rahe! senden," sagte die Wittwe, „nur —" „O, schicke mich nicht fort, laß mich bei Dir bleiben! Deine Gesundheit ist schwach, ich würde fern von Dir keine Ruhe haben," schluchzte Sarah in flehendem Tone. „Nun freilich, ich darf mein Kind nicht ohne sichere Begleitung nach Jdomea senden, während die Syrer, die Männer des Belial, das Land besitzen. Es ist besser, sie hier in der sicheren Abgeschiedenheit meines Hauses unter meinem schützenden Flügel zu behalten. Aber, ach, mein Kind, höre die Stimme Deiner Mutter. Du mußt fortan vermeiden, dem fremden Heiden zu begegnen. Du mußt Dich weniger in den unteren Räumen aufhalten, Sarah, und niemals, außer wenn ich dort bin. Deine Versuchung wird nicht mehr lange währen. Die Wunden des Atheners heilen. Nach dem Passah- fest wird Abischai Jerusalem verlassen, um sich mit der Patriotenschaar zu vereinigen. Wenn Lycidas erst vor der Nähe des Feindes sicher ist, so will ich ihn nicht länger beherbergen. Er ist schon zu lange unter meinem Dache gewesen. Dein schmerzlicher Kampf wird also nur noch eine kurze Zeit währen, meine Sarah." Sarah dachte, obwohl sie es nicht äußerte, daß dieser Herzenskampf so lange dauern würde, wie ihr Leben auf Erden. „Wirst Du mir gehorchen, meine Tochter? Wirst Du fernerhin die zu anziehende Gesellschaft des Fremden meiden?" Das Mädchen neigte zustimmend ihr Haupt und murmelte: „Bete für mich, Mutter, ich bin so schwach." „Mein Leben soll ein Gebet sein," sagte Hadassah. „Meines — ein Opfer," dachte das arme Mädchen, „o, möge dieses Opfer angenommen werden!" (Fortsetzung folgt.) -- VerKrerherideutifikation. Von Otto Opet. (Schluß.) Allein die Zeitrichtung wurde der Grausamkeit, welche den Vollzug der verstümmelnden Strafe verlangte, von Jahrhundert zu Jahrhundert abgeneigter. In den Ländern des gemeinen Rechts, in denen die Carolina Gesetzeskraft behielt, suchte man durch gekünstelte Auslegung ihrer Bestimmungen die Anwendung der verstümmelnden Strafen zu beseitigen; neuere Gesetzbücher nahmen sie überhaupt nicht mehr unter die Strafmittel auf; selbst die Brand- markung, die noch im Bayerischen Strafgesetzbuch von 1813, der ersten in modernem Geist verfaßten Straf« rechtskodifikation, eine Stelle gefunden hatte, ist seitdem aus der Strafrechtspflege verschwunden. Damit war das letzte der bisherigen Jbentifikations« Mittel beseitigt; für die Gewohnheitsverbrecher, die in immer geringerem Maße der Gefahr einer Wiedererken- nung ausgesetzt waren, schien ein goldenes Zeitalter anzuheben, das auch bald zur Ausbildung eines internationalen Gaunerthums führte, das keine frühere Periode ingleicher Weise gekannt hatte. Immer stärker stellte sich daher die Nothwendigkeit eines neuen, die Jdentifizirung ermöglichenden Verfahrens heraus. Zunächst suchte man die entstandene Lücke durch Aufnahme genauer Personalbeschreibungen der Delinquenten auszufüllen. Allein Angaben, wie sie noch heute auf Passen und Jagdscheinen üblich, erweisen sich im konkreten Fall als völlig unzureichend, da der Sprachgebrauch nur ungenaue Bezeichnungen liefert. Daß beispielsweise eine Schilderung der Körpergröße durch Ausdrücke wie „Mittel, gewöhnlich", eine die Uebergänge gänzlich ignorirende Kennzeichnung der Augenfarbe durch Worte wie „blau, schwarz" für eine überzeugende Jdentifizirung ohne jeden Werth, leuchtet ohne weiteres ein. Größere Garantie bot das Photographiren der Verbrecher, das seit den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts bei den europäischen Sicherheitsbehörden zur Einführung gelangte, sich indeß in den meisten Fällen, in denen es sich nicht um die Feststellung einer vermutheten gegenwärtigen, sondern um die Ermittelung einer verfolgten abwesenden Person handelte, als unzulänglich erwies. Die Ursache lag in der mangelnden Fähigkeit der Beamten, sich das Photographische Bild stets gegenwärtig zu halten, was nur durch besondere Beobachtung seiner charakteristischen Eigenthümlichkeiten erreichbar. Die Photographie kann aber auch deßhalb keine genügenden Ergebnisse liefern, weil die Anzahl der bei den Polizeiverwnltungen in den Verbrecheralbums aufgestapelten Porträts im Laufe der Zeit so angewachsen ist, daß es häufig faktisch unmöglich wird, die Photographie einer ihren Namen verheimlichenden Person herauszufinden und damit ihre Identifikation vorzunehmen. Einen anderen Weg schlug der englische Arzt Or. Francis Galion ein, indem er für die Jdentitätsfeststcllung die Benutzung von Fingerabdrücken empfahl. Es veranlaßte ihn hiezu die in Bengalen bestehende Sitte, Quittungen und sonstige Dokumente statt mit dem Namen der Unterschriftpflichtigen mit deren Fingerabdruck unterzeichnen zu lassen, ein Verfahren, das nach andern Nachrichten in China schon längst für polizeiliche Zwecke verwendet wird. Daß auch im deutschen Mittelalter der Fingerabdruck häufig die Unterschrift vertrat, ergibt sich aus der alten, für wichtige Dokumente üblichen Bezeichnung „Hand- — 226 feste", die noch heute in dem Namen der Bremer Nenten- briefe fortlebt. Wie die seit 1888 an über 3000 Personen vorgenommenen Versuche Galions darthun, lassen zwei in allen Punkten zusammenfallende Fingerabdrücke den sicheren Schluß zu, daß die Abdrücke vom Finger ein und derselben Person herrühren, während die Nichtübereinstimmung ein eben so sicheres Zeichen dafür bildet, daß eS sich um die Fingerabdrücke von zwei verschiedenen Personen handelt. Das unterscheidende Merkmal bilden die Hautzetchnungen der inneren Daumenseite, die während der ganzen Lebenszeit des Menschen unverändert bleiben, von den entsprechenden Hautzeichnungen anderer Personen jedoch völlig abweichen. Theoretisch entspricht daher das Galton'sche Verfahren allen an eine Jd entifi- kationsmethode zu stellenden Forderungen; seiner praktischen Anwendbarkeit steht indeß das schwere Bedenken gegenüber, daß die Abdrücke häufig nicht genügend mar- kirte Abstufungen zeigen, daß ein Urtheil über die Abdrücke eine ganz spezielle Ausbildung und Erfahrung verlangt, wie sie der Beamte durchschnittlich nicht erwerben kann, daß endlich der Fingerabdruck für die Ermittelung einer auf freiem Fuß befindlichen verfolgten Person keinerlei Anhalt bietet. Alle Schwierigkeiten vermeidet das von Dr. Alfons Vertillon aufgestellte System des anthropomctrischen Signalements, das der bisher fast ausschließlich vom Zufall geleiteten Ermittelungsthätigkeit der. polizeilichen und gerichtlichen Behörden eine wissenschaftliche Grundlage gibt, den Beamten in einen praktischen Anthropologen verwandelt. Beriillons Theorie geht von der Erwägung aus, daß, so wenig sich in der ganzen Pflanzenwelt jemals zwei gleiche Blätter finden, eben so wenig sich auch bei zwei Menschen ganz gleiche Organe finden; für die Identifikation handelt es sich deshalb nur darum, diejenigen körperlichen Verhältnisse, die bei den verschiedenen Menschen selbst möglichst verschieden, beim einzelnen Menschen dagegen einen möglichst gleich bleibenden Charakter tragen, zu ermitteln. In erster Reihe bietet sich für diescnZweck die Körpermessung, da das menschliche Knochengerüst vom 20. Jahr ab fast absolute Unveränderltchkeit besitzt, der Knochenbau der verschiedenen Menschen ein durchaus abweichender, die Maße auf der lebenden Person mittelst sehr einfacher Instrumente von jedem Beamten genau und leicht festgestellt werden können. Dem entsprechend läßt Bertillon von jedem Verbrecher das Körpermaß in Körpergröße, Spannweite und Sitzhöhe, das Kopfmaß in Länge und Breite des Kopses, Länge und Breite des rechten Ohres und das Gltedermaß in Länge des linken Fußes, des linken Mittelfingers, des linken kleinen Fingers und des linken Vorderarmes feststellen. Die gefundenen Maße, die für jede einzelne Person auf einer Signalementskarte verzeichnet sind, werden dann unter Hinzunahme der durch Geschlecht, Alter und Farbe des Auges gebildeten Verschiedenheiten in Abtheilungen zerlegt, die es ermöglichen, bei Neuver- messung eines Verbrechers in kürzester Zeit festzustellen, ob die sich hierbei ergebenden Maße bereits in jenen Abtheilungen vorhanden, ob es sich also um einen rückfälligen Verbrecher handelt. An die Messung schließt sich die Aufnahme einer genauen Personenbeschreibung, die sich namentlich auf die Gestaltung der Stirn, Nase und Ohr bezieht und durch eine scharfe Klassirung der im Sprachgebrauch unklar bleibenden Abweichungen genaue Resultate ergibt, die wiederum auf der Signalementskarte Aufnahme finden. Eine dritte Rubrik für besondere Kennzeichen zählt die am Körper des Untersuchten befindlichen Schönheitsflecke, Schnittwunden, Narben und Tätowirungen auf, unter genauer Angabe ihrer Lage und Ausdehnung, da auch hier Erscheinungen vorliegen, die sich entweder während des ganzen Lebens nicht verändern oder doch bei künstlicher Beseitigung, wie sie jetzt bei Tätowirungen üblich, mindestens unzweideutige Spuren ihres früheren Vorhandenseins zurücklassen. Um die rasche Fixirung dieser häufig sehr zahlreich auftretenden besonderen Kennzeichen zn ermöglichen, verwendet Bertillon eine von ihm ersonnene Kurzschrift, deren Bezeichnung mit Rücksicht auf die internationale Bedeutung des Verfahrens in den Anfangsbuchstaben mit den entsprechenden lateinischen, französischen und englischen Ausdrücken übereinstimmen. Gewöhnlich werden der Signalements- karte noch zwei Photographien des Gemessenen eir laos und 6N xroül beigefügt, deren Aufnahme unter Verwendung eines mit besonderen Vorkehrungen versehenen Aufnahmestuhles erfolgt, dessen Konstruktion die aufzunehmende Person zwingt, während des Aktes dieselbe Haltung zu beobachten. Die Photographirnng ist jedoch nicht obligatorisch; wichtiger sind die auf der Signale- mentSkarte verzeichneten Maße und Merkmale, deren charakteristische Partien, von dem mit der Ermittelung betrauten Beamten als Gedächtnißbild, xortrait xarls, auswendig gelernt, bereits regelmäßig die Identifikation ermöglichen. Die Bertillon'sche Methode hat sich seit ihrer im Dezember 1882 in Frankreich erfolgten Einführung als eine mächtige Waffe im Kampf gegen das Verbrecher- thum erwiesen. Die Zahl der durch sie ermittelten, ihren wahren Namen verheimlichenden Verbrecher betrug allein in Paris, wo Bertillon selbst an der Polizeipräfektur als Chef du Service de l'Jdentits judiciaire fungirt, 1883 bereits 49, um allmählich anwachsend 1892 auf 680 zu steigen. Die Gesammtzisfer der in den letzten zehn Jahren in Paris derart ermittelten Personen be- läuft sich auf nicht weniger als 4564 — und das ohne den großen Kosten- und Zeitaufwand, den die Ermittelung des wahren Namens sonst durch die lange Untersuchungshaft zu verursachen pflegt. Auch die Verbrecherkreise haben bereits die Konsequenzen aus dem neuen Verfahren gezogen, indem sie den ihnen zu heiß gewordenen französischen Boden mit dem des sprachverwandten, aber noch nicht zur Einführung des anthropometrischen Systems gelangten Belgien vertauschten. In augenfälligster Weise hat sich z. B. die Zahl der Pariser Taschendiebe vermindert; während sich 1885 bei den Messungen noch 65 Taschendiebe als rückfällig erwiesen, fanden sich 1890 nur noch 14 Personen dieser Kategorie. Die offensichtlichen Erfolge, deren sich das Bertillon'sche System in immer steigendem Maße rühmen darf, haben ihm auch schon weite Anerkennung über sein Ursprungsland hinaus verschafft. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Belgien, Rußland, die Schweizer Kantone Bern und Genf, zahlreiche südamerikanische Staaten, Tunis, das englische Indien, Rumänien haben seine Einführung entweder bereits vollzogen oder prinzipiell beschlossen. Der Aufnahme der Vertillon'schen Jdenti- fikationsmethode im deutschen Polizeidienst stand bis jetzt der Mangel einer Anleitung für das Messungsverfahren in deutscher Sprache entgegen, dem jedoch nunmehr durch 2S7 die von Professor von Sury besorgte deutsche Ausgabe des Bertillon'schen Werkes abgeholfen ist, die das System in klarer, allgemein faßlicher Sprache erörtert, jedes Messungsstadium in zahlreichen Zeichnungen erläutert und durch ein weit über dreihundert Abbildungen enthaltendes Album zur Aufnahme der Personalbeschreibung und der besondern Kennzeichen anleitet. Hoffentlich zögert jetzt auch Deutschland nicht länger, sich des Ber- tillon'schen Verfahrens zu bedienen, da eS sonst der Gefahr ausgesetzt wäre, der Sammelplatz all derer zu werden, die eine Identifikation zu fürchten hätten. -«W8»-o-- Ein Brsirch Lei Capitain-General Wehler, dem Höchstcommandirenden auf Cnba. Von Karl Böttcher.*) Nachdruck verboten. Havana (Cuba), 22. Februar. Hoch zum wolkenlosen Himmel loht der Feuerbrand. Zucker- und Tabakplantagen stehen in Flammen, deren weißes Nauchgewölk kerzengerade emporqualmt. Dies ein Widerschein der Revolution, den ich von Bord unserer „Columbia" aus beobachtete, während das stolze Schiff in Mittagsgluth an den Gestaden Cuba's entlang- zieht und bald in Havana landet. Kaum, daß ich einige Zeit in der Stadt herumschlendere, ihre Paläste, ihre Dome, ihre langen Boulevards, ihre kühlen Arcaden bewundere — überall ist sie fühlbar, diese Revolution .... Das Volk in dumpfer Lethargie; kein Geschäft in flottem Gang; viele Läden und Werkstätten geschlossen.... Und erst, wenn man ein wenig in öffentlichen Localen herumhorcht!... Die letzten Reste von Credit im Wanken. Dafür Schulden in Massen. Und doch draußen auf den Plantagen die Zucker- und Tabakernte in üppigster Fülle. Aber vom Hereinbringen keine Rede; sie verfällt den Verheerungen der Scharmützel und Schlachten. Arbeitslose Menschen in großen Massen. Dazu schickt sich bereits wieder eine Tabakfabrik an, ihr aus fünfzehnhundert Mann bestehendes Personal zu entlassen. Was sie dann thun, diese Armen? Sie vermehren die Bataillone der Insurgenten. So wird der Kampf der regulären Armee gegen die Aufrührer schwieriger. Hunderttausend Mann spanischer Soldaten füllen jetzt die Insel, und weitere fünfundzwanzigtauscnd sollen in den nächsten Tagen eintreffen. Trotzdem — der Aufruhr tobt weiter. Dazu schwirren in der Bevölkerung die widersprechendsten Gerüchte über Schlachten, Einäscherungen verschiedener Provinzstädtchen, nächtliches Erschießen gefangener Insurgenten.... Aber man hofft, der neue Höchstcommandirenve, der neue Allgewaltige, Capitain-General Valeriana Weyler, wird die alte Ordnung wieder herstellen. Schon seine erste, vor einigen Tagen an die Einwohner Havana's erlassene Proklamation, welche zugleich über die ganze Insel den Belagerungszustand verhängt, ist streng wie mit Blut geschrieben. *) Dieses interessante Interview hatte der bekannte Schriftsteller gelegentlich seiner soeben beendeten Westindienfahrt. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir unsere Leser auf Karl Böttcher's zuletzt erschienenes Buch „Von sonnigen Küsten" (Leipzig, Verlag von B. Elischer Nachfolger) besonders aufmerksam machen, welches in stimmungsvollen, zumeist humoristischen Schilderungen alle Hanptstationen am Mittelmeer behandelt. Die Redaction. Eine Idee! Wie wärs, wenn ich den Allgewaltige» aufsuchte, ihn interviewte! . . . Ich gehe nach dem an der Plaza de Armas gelegenen Negierungsgebäude. Am eisenverzitterten Portale mehrere Soldaten auf Posten. Alle mit aufgepflanzten Bajonetten und in seldmäßiger Ausrüstung. Alle sixiren mich scharf, lassen mich jedoch passiren. Man geleitet mich in einen weiten, mit Marmorplatten belegten Saal. Vor mir Soldaten jeder Waffengattung und jeder Rangstufe, vom goldstrotzenden General bis herab zum Gemeinen. Buntes Durcheinander, große Verwirrung. Ich reiche dem dienstthuenden Adjutanten meine Karte, kläre ihn auf über den Zweck meines Besuchs. Er verschwindet im Audienzsaal des Allgewaltigen, kommt bald zurück und bedeutet mir, ich möge ein wenig warten. Dann setzt er sich neben mich; eine lebhafte Unterhaltung über Politik beginnt. Ich fühle, wie er mich dabei sondirt in meinen Ansichten. Sie muß zur Zufriedenheit ausgefallen sein, diese Sondirung; als er abermals aus dem Audienzsaal zurückkehrt, theilt er mit, daß mich Se. Excellenz empfangen werde; nur müsse ich mich noch etwas gedulden, die Generäle, die Adjutanten, die Ordonnanzen, die Depeschen — Ach, ich warte gern. Ist es doch ein interessantes Bild, das sich dem Beobachter zur Audienzstunde im Vorzimmer eines Commandanten bietet, der eine Revolution bekämpft — ein Stück Kriegsleben hinter den Coulissen.... Hier ein Auf und ein Nieder, ein Kommen und Gehen, begleitet von Säbelrasseln. Debattirende Officiere stehen in Gruppen zusammen. Verstaubte Ordonnanzen, deren ganze Haltung Mühsal und Ermüdung eines beschwerlichen Ritts direct vom Kriegsschauplatz zeigt, treten hastig ein. Sofort wird ihr Führer dem Capitain-General gemeldet, sofort vorgelassen. Neugierig umdrängt man die Zurückgebliebenen, führt mit halber Stimme eine erregte Unterhaltung.... Ich komme dahinter, was los ist. Fünf Stunden von Havana entfernt fand diesen Morgen ein blutiges Gefecht statt. Die Insurgenten wurden zurückgeschlagen. „Bravo! Bravo!" ruft ein alter graubärtiger Officier, der mit seinem dicken Gesicht und spitzen-Knebclbart an Bazaine erinnert. Jetzt wird diese Scene von einer anderen verdrängt. Ein zerlumptes, abgehärmtes Weib, vier gleich zerlumpte, ausgehungerte Kinder wanken herein. Der Adjutant scheint sie bereits zn kennen. Er weist sie nach einer Bank in der Ecke. „Dies sind die Angehörigen eines gefangenen Insurgenten, der vielleicht morgen früh erschossen wird", flüstert er mir zu; „sie wollen bei Sr. Excellenz um Gnade bitten." Eben, als ich noch die Armen theilnahmsvoll betrachte, öffnet sich die Thür des Audienzsaales. Stramm pflanzt sich ein Officier vor mir auf, legt die Hand an das Käppi: „Se. Excellenz lassen bitten." Wenige Augenblicke — dann stehe ich einem auffallend kleinen Herrn im schwarzen Salonanzug mit breitem, rothem Gurt um den Leib gegenüber — einem mittleren Fünfziger. So mag Altmeister Adolph Menzrl ausgesehen haben vor etwa zwanzig Jahren.... Auf der kleinen Figur ein energischer Kops mit graninelirtem Backenbart und glatt- rasirtem Kinn. Ich will mich eben im großen Saal nach dem Capitän-General, dem Allgewaltigen Cuba's, umsehen; aber nein, er ist es selbst, der kleine Herr da vor mir 228 Mit den energischen Zügen und den sprühenden Augen. — Ich stelle mich als deutscher Schriftsteller, als Vertreter einer Reihe deutscher und amerikanischer Zeitungen für die Wcstindienfahrt der „Columbia" vor, bemerke, daß man in Deutschland der kubanischen Angelegenheit mit größter Aufmerksamkeit folgt. Er: Ich weiß es, die Elite der Völker ist es, die mit uns sympathisirt. Und dann hat Deutschland gerade auf Cuba ausgedehnte Handelsbeziehungen. Ich: Hiesige Deutsche sagen mir, daß diese Beziehungen jetzt arg zerstört sind. Er: Alles ist gestört in diesem Lande. Aber Sie werden sehen, es kommt bald alles wieder in's alte Geleis. Ich: Wie steht es auf dem Kriegsschauplatz? Er: Ganz ausgezeichnet. (Er ergreift eine vor ihm liegende Depesche.) Das ist eine wunderbare Nachricht! Ich hoffe, in anderthalb Jahren wird der Krieg beendet sein. Ich: Verzeihen Sie, habe ich recht verstanden? In anderthalb Jahren? Er: In anderthalb Jahren! Ist das zu lange? Ich: So lange dauerte nicht einmal der ganze deutsch- französische Krieg. Er: Das war etwas anderes. Dort war es der Kampf einer regelrechten Armee gegen eine regelrechte Armee. Aber gegen wen kämpfe ich! Gegen hundert Armeen und gegen keine. Ich: Wieso? Er: Da taucht draußen auf dem Land plötzlich ein größerer Trupp dieser Banden auf, dann noch einer. Wir ziehen unsere Soldaten zusammen. Es sieht aus, als sollte eine Schlacht zu Stande kommen. Bei den ersten Schüssen stiebt die Horde auseinander und ergreift die Flucht. Ich: Aber die Verfolgung! E r: Ah, Verfolgung! Die FelSgründe, die Schluchten, die Gebirgsregionen Cubas bieten so viel Schlupfwinkel. Ich: Wie war es möglich, daß der Aufstand solche Ausdehnung gewinnen konnte? Er: Die Hauptschuld trägt ein größerer Theil unserer Bevölkerung. Die Leute sind gleichgiltig. Sie sind sich auch darüber unklar, zu wem sie halten sollen, ob zur Regierung oder zu,den Revolutionshorden. So konnten die Insurgenten eine Zeit lang im Trüben fischen. Jetzt ist diese Periode vorbei. Haben Sie meine Proklamation gelesen? Ich: Jawohl. In der „Gaceta de la Havana". Er: Dann wissen Sie, daß ich mit eiserner, wenn nöthig, mit blutiger Strenge vorgehen werde, um diesem Lande den Frieden wiederzugeben. Ich: Besten Dank für Ihre Mittheilungen, Excellenz! Er: Gern zu Ihren Diensten. Darf ich Ihnen meinen Palast zeigen? Ich: Zu liebenswürdig .... Er führt mich in eine Reihe prunkvoller Gemächer, dann in den Thronsaal, den das lebensgroße, glänzend uniformirte Knabenbild des Königs Alfons XIII. schmückt. Er führt mich sogar in seine anstoßende Privatwohnung, in den pompösen Speisesaal, in das luxuriöse Schlaf- gemach. Dabei ist er in seiner eigenartigen französischen Ausdrucksweise immer gleich höflich und gleich liebenswürdig .... Beim Abschied drückt er mir fest die Hand und wünscht mir glückliche Weiterfahrt. Ein Adjutant geleitet mich bis an die Treppe. Wie ich die Stufen hinabsteige, denke ich att die abgehärmte Frau mit ihren vier hungrigen Kindern. In diesem Moment wird sie vor den Allgewaltigen geführt, wird sie flehen: „Gnade! Barmherzigkeit!" Er war in bester Stimmung. Ich hoffe er begnadigt. . . . . Aber sagte er nicht, daß er mit eiserner Strenge verfahren müsse? — Zwei Stunden später, bei meiner Wanderung durch das große gelbe Staatsgefängniß, sehe ich in einem besonderen Raum einige zwanzig gefangene Officiere der Insurgenten — schöne, kräftige Gestalten mit intelligenten Gesichtern. Sie erheben sich, als ich mit dem Schließer eintrete. Ach, jeden Morgen krachen jetzt im Hof der Citadelle Gcwehrsalven auf gefangene Aufrührer, die aus diesem Gefängniß abgeholt werden. Möglich, daß schon in den nächsten Tagen diesen Armen das Cvmmando- wort „Feuer!" in die Ohren schauert und sie zusammenbrechen vor dem Aufblitzen der Gewehrläufe . . . Nicht mitleidige Neugierde ist es, mit der ich sie jetzt betrachte, sondern innige Theilnahme für Menscheuschicksale, die im Pulvergewölk auf dem Sandhaufen enden sollen. Tief ziehe ich meinen Hut beim Abschied. Wehmüthig dankbares Lächeln flimmert über die ernsten Gesichter .... Lebt wohl denn auf ewig! ALLeVLeß. Die Kraft, welche wir mit unseren Kinnbacken und Kaumuskeln auszuüben im Stande sind, ist bekanntlich eine sehr große, wie wir z. B. Nüsse, Knochen und andere harte Gegenstände ohne Schwierigkeiten mit den Kinnbacken zu zertrümmern vermögen, während die gleiche Leistung auf anderem Wege nur unter Zuhilfenahme kräftiger Hebelwerke, wie sie die Nußknacker z. B. darstellen, möglich ist. Ein amerikanischer Zahnarzt in Jacksonville, vr. Block, welcher sich für diese Frage ganz besonders zu interessiern scheint, hat nun durch Versuche die Kraftleistung in verschiedenen Füllen festgestellt, indem er die Kiefer von etwa fünfzig Personen verschiedensten Alters auf ein diesem Zwecke angepaßtes Dynamometer einwirken ließ. Die schwächste, bei einem siebenjährigen Mädchen festgestellte Kraftleistung war 13,5 Kilo Druck mit den Schneidezähnen, 30 Kilo mit den Backenzähnen; das kräftigste Gebiß ergab sich bei einem Arzte von 35 Jahren, welcher 122 Kilo Druck auf das Dynamometer ausübte. Die meisten Personen leisteten eine Kraft von 45 Kilo mit den Backenzähnen, die doppelte mit den Schneidezähnen, wobei jedoch auffälliger Weise die sonstige Körperconstttution durchaus nicht als maßgebend sich erwies, da sonst kräftige Personen oft wenig, schwach gebaute dagegen große Leistungen am Dynamometer ergaben. Im Uebrigen bemerkt Dr. Block, daß die Kraft, wie sie zum Zermalmen der Speisen durch die Zähne ausgeübt wird, eine für diesen Zweck viel zu große sei und die Sache sich gerade so verhielte, als wenn man etwa weiches Wachs in einem Steinbrecher verarbeitete. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reichest« Berlin LlW. 6.j