M 3«. Freitag, den 1. Mai 189b. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg. Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler). Judas Wasrkaöäns. Historischer Roman von A. L. O. E. Frei nach dem Englischen von D. ColoniuS. (Fortsetzung.) 26. Kapitel. Müde Wanderer. Hadassah hatte geglaubt, daß sie bereits bis an die äußersten Grenzen menschlichen Ertragens gelitten, daß es keine Tiefe wehr geben könne, in die sie noch hinabsteigen müsse; aber die Nachricht, die ihr Salathiel in jener verhängnißvollen Nacht gebracht, zeigte ihr, daß sie sich geirrt habe. Der Gedanke, daß Sarah, ihre heißgeliebte Sarah, sich in den Händen der Syrer befinde, verursachte ihr beinahe unerträgliches Herzeleid. So sorgfältig war das Mädchen gepflegt und vor allem Schaden behütet und beschützt worden, wie ein unge- fiederter Vogel unter dem warmen, weichen, schützenden Flügel, daß die Verlassenheit seiner gegenwärtigen Lage Hadassah mit Schrecken erfüllte. Und wie — die Wittwe konnte nicht umhin, sich diese Frage vorzulegen — vermochte ein so schüchternes, empfindliches Geschöpf der Probe der Verfolgung Stand zu halten, vor welcher oft die Wüthigsten znrückbebten? Sarah weinte bei Erzählungen von Leiden anderer und wurde beinahe ohnmächtig, wenn sie Blut sah. Sie war nicht im Geringsten beherzt, und ihre jungen Vettern, Salome's Söhne, pflegten ihren Scherz bei dem Entsetzen Sarah's zu haben, wenn ein Tausendfuß sich unter einem Kissen in ihrer Nähe eingenistet hatte. Vermochte ein so weicher Seidenfaden einen Windstoß auszuhalten, welcher das stärkste Tau zerreißen konnte? Hadassah zitterte für ihren Liebling und würde gern eingewilligt haben, die größten Martern zu ertragen, für Sarah, die sie so wenig fähig glaubte, die Probe auszuhalten. Der Glaube der hebräischen Frau wurde hart geprüft. Wie Hütte sie auch ahnen sollen, daß die Gebete vieler Jahre gerade vermittelst desselben Unglücks, das jetzt ihr Herz zerriß, erhört werden würden! In ihrer Scelenangst schien Hadassah ihre körperlichen Leiden zu vergessen. Vor Tagesanbruch schleppte sie ihre müden Schritte zu dem Thor des Gefängnisses, welches ihr Kind festhielt, in Begleitung der treuen Hannah. Vergebens flehte Hadassah um Einlaß, vergebens erbot sie sich, die Gefangenschaft Sarah's zu theilen, wenn es ihr nur erlaubt würde, sie zu sehen. Sie wurde von den Wächtern mit Hohn fortgetrieben, um nur immer wieder und wieder zu kommen, wie ein Vogel zu seinem geplünderten Nest. Aber keine Klage, kein Murren wurde von Hadassah wider den, der dieses Leid verhängt hatte, gehört, nur jener erhabene Ausdruck unerschütterlichen Glaubens: „Ob er mich schlägt, so will ich ihm vertrauen." Dann dachte die Wittwe an den Griechen Lycidas. Sie hatte Anspruch auf seine Dankbarkeit und wußte, daß er Sarah liebte. Konnte er nicht mit seinem Reichthum, seinen Talenten und seiner Beredsamkeit ihr Kind retten helfen? „Hannah," sagte die Wittwe, „könnten wir nur den Griechen finden, er würde uns Rath und Hilfe gewähren in dieser unserer großen Noth, aber ich weiß nicht, wo er wohnt." „Joab weiß es," bemerkte die Dienerin, „und ich weiß das Stadtviertel, in welchem dieser mit seiner Mutterschwester Hephzibah wohnt; denn ich habe Oliven, Melonen und andere Früchte von ihr erhandelt. Aber Herrin," fuhr sie fort, „Du bist müde, die Hitze der Sonne ist jetzt so groß, suche einen geschützten Platz und ruhe, während ich gehe, Joab aufzusuchen." „Für mich," entgegnete Hadassah bestimmt, „gibt es keine Ruhe, bis ich meine Sarah finde, und warum soll ich für mich Schutz suchen, während sie nur den des Gefängnisses über sich hatt" - - Die beiden Frauen machten sich auf den Weg und kamen in ein Viertel Jerusalems, welches nur von den Aermsten des Volkes bewohnt wurde. Obgleich das Gewand der Hadassah nur einfach war, trug sie doch so unverkennbar den Stempel ihres hohen Standes an sich, daß ihr Erscheinen unter den halbbekleideten und halbverhungernden Kindern, die ihr beim Vorübergehen nachstarrten, Staunen erregte. Die Straße war so eng, daß die Frauen, als sie einem beladcnen Kameel begegneten, sich dicht an die Mauer drückten mußten, um das schwerfällige Thier vorüber zu lassen. Hungrige, abgemagerte Hunde knurrten über abgenagten Knochen, die auf der Straße umherlagen. Pestartige Gerüchte machten die erstickende Luft noch drückender. Aber Hadassah eilte, unempfindlich für jede äußere Plage, vorwärts. Hephzibah, ein erbärmlich aussehendes altes Weib, mit halb blinden, von Entzündung entstellten Augen, stand im Thorwege und warf gerade den Ausschuß von Gemüse, mit welchem sie handelte, fort. Hannah hatte 27V sie schon oft gesehen und es bedurfte daher keiner Vorstellung. „Wo ist Joab?" fragte die Magd auf Geheiß der Hadassah. Das alte Weib schielte mit ihren triefenden Augen nach Hadassah, während sie der Magd antwortete: „Joab ist, wie immer, beim Hahnenschrei fortgegangen, um sein Maulthier mit Früchten und Gemüsen zu beladen, er wird vor Einbruch der Nacht nicht zurückkehren." Hadassah legte die Hand an die brennende Stirn und wandte sich nun selbst an die Alte: „Hast Du vielleicht von Joab gehört, wo ein Grieche, ein Athener wohnt, Lycidas mit Namen?" „Lycidas? Nein, in unserm Viertel wohnt niemand, der diesen Namen trägt," war die leise gemurmelte Antwort. „Hat Joab niemals zu Dir von einem sehr gut aussehenden Fremden gesprochen, schön von Gestalt," beharrte Hadassah in ihren Fragen, indem sie hoffte, daß die Schönheit deS Lycidas es vielleicht weniger schwieriger machen würde, ihn aufzufinden. Hephzibah schüttelte den Kopf und zeigte ihre wenigen Zähne mit einem Grinsen, wobei sie sagte: „Und wäre er schön wie David, ich habe weder von ihm gehört, noch mich um ihn bekümmert." „Der Fremde hat eine offene Hand, er gibt reichlich," bemerkte Hannah. Diese Worte übten eine erstaunliche Wirkung auf das Gedächtniß der alten Jüdin. „Ach ja," sagte sie, „ich erinnere mich eines Fremde«, der dem Joab Gold gab, wo ein Anderer Silber gegeben hätte. Hil hi! hil unser Maulthier ist ein starkes Vieh, aber niemals brachte es uns bisher eine so starke Miethe!" „Wann war das?" fragte Hadassah. „Zwei Tage, nachdem Joab den Jüngling nach Hause gebracht hatte." „Kannst Du mir sagen, wo jenes Heimath ist?" fragte Hadassah eifrig. „Warte, lass' mich denken," murmelte Hephzibah. Hadassah warf eine Münze in die Hand der Fruchtverkäuferin. Hephzibah drehte sich um und um, indem sie dieselbe ansah, als ob sie glaubte, daß das Betrachten des Geldes ihr helfen würde, eine Antwort zu geben. Endlich sagte sie langsam: „Ach, ich erinnere mich, daß Joab sagte, er hätte den Fremden nach dem großen Hause mit einem Hofe an der linken Seite des westlichen Thores gebracht, welches Apollonius — sie stieß einen Fluch aus — niederriß." Dies war genügende Auskunft, und Hadassah verließ, dankbar, so viel gewonnen zu haben, mit ihrer Begleiterin die- erstickende Umgebung von Hephzibah's Wohnung, um diejenige des Griechen aufzusuchen. Schrecklich war der Glanz und die Hitze der Sonne an jenem Nachmittage, und groß schien die Entfernung, die noch zurückgelegt werden sollte. Doch gönnte sich Hadassah keine Nutze, bis sie sich dem Gymnasium Näherten, welches der abtrünnige Priester Jason errichtet hatte. Mit Mühe bahnten sie sich einen Weg durch Haufen von Syrern und anderen, die nach Vergnügungsplätzen eilten. Hadassah seufzte, aber nicht vor Müdigkeit; sie wandte ihre Augen von dem Gebäude ab, welches für so viele ihres Volkes eine Pforte des Verderbens geworden war, und die lustigen Stimmen 6ex" Herbeieilenden tönten trauriger in ihr Ohr, als die Wehklagen über einen Todten. Kostbare Seelen wurden in jenem Gymnasium gemordet, die hebräische Mutter dachte unwillkürlich an ihren Sohn. Beinahe vor Mattigkeit umsinkend, erreichte Hadassah endlich den Ort, welchen Hephzibah beschrieben hatte. Es machte der Hadassah keine Schwierigkeit, eine Zusammenkunft mit dem Wirth zu erlangen, der sie mit der Höflichkeit empfing, die sich für den Bürger einer der cultivirtesten Siädte der Welt ziemte. Cimon bot der Hadassah einen Sitz unter dem Schatten des Thorweges, der in feinen Hof führte. „Wohnt der Herr Lycidas hier?" fragte Hadassah schwach. Sie konnte kaum sprechen, ihre Zunge schien ihr am Gaumen vor Hitze, Anstrengung und Aufreguug zu kleben. „Der Herr Lycidas verließ diesen Ort gestern," antwortete der Grieche. „Wohin ist er gegangen?" keuchte Hadassah. „Ich weiß es nicht, er sagte nicht wohin," antwortete Cimon, indem er seinen Gast voll Mitleid und Neugierde betrachtete. „Monate sind vergangen, seit der athenische Herr plötzlich verschwand, nachdem er dieses Haus eine Zeitlang mit seiner Anwesenheit beehrt hatte. Gesucht wurde er vergebens. Ich fürchtete, daß meinem Gast Uebles begegnet sei, und da Zeit verrann, ohne daß eine Nachricht von ihm kam, schrieb ich an seine Freunde in Athen und fragte an, was mit dem unter meiner Obhut befindlichen Eigenthum dessen geschehen solle, der, wie ich vermuthete, ein frühzeitiges Ende genommen. Bevor die Antwort kam, erschien Lycidas selbst vor meiner Thür, aber in einem schlimmen Zustande, mit elendem Körper und unruhigem Gemüth. Er wollte nicht über das Vorgefallene berichten und sagte nicht, wo er gewesen. Und gestern Morgen bestieg er, obgleich er kaum stark genug war, um sich im Sattel zu halten, sein Pferd und ritt fort, ich weiß nicht, wohin; auch sagte er nicht, wann er wiederkäme. Wenn Du eine Freundin des Lycidas bist," fuhr der Athener, dessen Neugierde stark erregt war, fort, „so kannst Du mir vielleicht die Gunst erweisen und auf das Geheimniß, welches seine Bewegungen begleitet, ein Licht werfen." Aber Hadassah war gekommen, um Auskunft zu gewinnen, und nicht zu geben. „Ich kann hier nicht länger weilen," sagte sie, „aber wenn Lycidas zurückkehrt, sage ihm, ich bitte Dich ernstlich darum, daß das Kind einer Frau, die ihn in Krankheit gepflegt hat, jetzt eine Gefangene des syrischen Königs ist." Bekümmert, enttäuscht und verzagt über das Fehlschlagen ihrer Hoffnungen, wandte sich Hadassah von der Wohnung des Griechen weg. „O Herrin, ruhe aus, oder Du sinkst um vor Mattigkeit!" rief Hannah, deren eigene, rüstige Gestalt schon unter der Anstrengung litt, deren Hälfte zu ertragen sie einen Tag vorher ihre Herrin für unfähig gehalten haben würde. Hadassah antwortete nicht; sie sank mehr, als sie sich setzte, unter einen kleinen Schatten, den eine zerfallene Mauer gewährte. Darauf bedeckte sie ihr Antlitz, und Hannah bemerkte an der leichten Bewegung ihres Kopfes, daß Hadassah betete. Dann erhob diese ihr Haupt. Sie war todtenblaß, aber ruhig. 271 «Ich kann hier nicht bleiben," muMelte sie. „Ich muß das Schicksal meines Kindes wissen. Hannah, lass' uns zn dem Gefängniß umkehren." Selbst mit Hilfe der Magd war Hadassah kaum fähig, aufzustehen. Die Beiden erreichten das Thor des Gefängnisses. Eine Gruppe syrischer Krieger hielt dort Wache. Die Erscheinung der ehrwürdigen, von solcher Last der Betrübniß gebeugten Dulderin bewegte einen der Krieger zum Mitleid. „Du kommst vergebens, Weib," sagte er, «das Mädchen, das Du suchest, ist nicht hier." „Todt?" stieß Hadassah schwach hervor. „Nein, nein, nicht todt," antwortete der Krieger schnell. „Ich weiß nicht alles, was sich begeben hat, aber sicher ist das junge Mädchen vor den König gebracht worden." „Vor den, der Salowe und ihre Söhne mordete — den unbarmherzigen Feind," war der vernichtende Gedanke, der Hadassah in's Herz schnitt. „Und was folgte?" Sie fragte mit den Augen, denn ihre Lippen konnten die Frage nicht hervorbringen. „Vielleicht dachte der König, es sei schade, einen so schönen Vogel zu tödten, und ließ ihn am Leben, damit er ihm Musik in seinen Lustgärten mache," sagte die Wache. „Alles, was ich sagen kann, ist, daß das Mädchen nicht in das Gefängniß zurückgebracht worden ist, sondern im Palaste blieb." „Im Palast l" rief Hadassah, mehr betrübt als beruhigt durch diese Nachricht. „Natürlich!" sagte ein anderer Krieger mit einem rohen Scherz. „Das Mädchen beging nicht die Thorheit, für ihren Aberglauben zu sterben, wie ein frömmelndes, fanatisches altes Weib, das nicht mehr Verstand besitzt, als der Stab, auf den sie sich stützt. Natürlich that das Mädchen, was jedes vernünftige Weib auch gethan haben würde: sie betete alles an, was der König ihr befahl, anzubeten, die Musen, Grazien oder Furien. Bekehrungen sind leicht bei ihrem Alter gemacht, mit jeder Art von Qualen auf der einen Seite und aller Herrlichkeit der Welt auf der anderen." Hadassah wandte sich ab von dieser Stelle. Konnten die Worte des Kriegers wahr sein? Hatte Sarah ihrem Glauben abgeschworen, wie ihr Vater gethan, obgleich unter so anderen Umständen? „O, Gott wird ihr vergeben — er wird meinem armen, verlorenen Kinde vergeben, wenn es einer so schrecklichen Versuchung erlegen ist!" murmelte die hebräische Frau, indem sie die Hand auf das Herz preßte, das ihr zu brechen drohte. Aber Hadassah glaubte keinen Augenblick, daß Sarah's Stand- haftigkeit sie verlassen haben könne. Sie beschloß, trotz aller Gefahr, sie auf jeden Fall zu sehen und steuerte, indem sie alle Kräfte zusammennahm, sogleich nach dem Palast. Das unglückliche Weib hatte sich freilich wohl denken können, daß es vor der Hand ein hoffnungsloser Versuch sein würde, in jenes prachtvolle Gebäude voll Luxus, Grausamkeit und Verbrechen Eintritt zu gewinnen. Ueber ihr dringendes Flehen um Einlaß zn dem gefangenen hebräischen Mädchen wurde seitens der Wache nur gespottet. „Dann muß ich den König selber sprechen!" rief Hadassah, „ich will warten, bis er das Thor verläßt." „Der König geht heute nicht aus," sagte ein syrischer Edler, der soeben den Palast verließ, und der bei dem Anblick der alten Frau von dem Ernst und der Angst in den edlen Zügen derselben ergriffen war. „Aber Antiochus reitet Morgens bald nach Sonnenaufgang fort," bemerkte er. „Dann," dachte Hadassah, „soll der Tagesanbruch Mich hier finden. Ich will den Antiochus bei seine« Aufbruch erwarten. Ich will den Tyrannen zwingen, mich zu hören. Gott wird mir eingeben, was ich sagen muß. Er wird das Herz des Königs rühren. Vielleicht läßt sich der Tyrann erbitten, ein Leben für ein anderes zu nehmen. O, meine Sarah, Kind meines Herzens, es wäre Seligkeit, für Dich zu leiden!" Im Vertrauen auf die letzte verlorene Hoffnung willigte Hadassah endlich auf die Bitten Hannah's ein, die Wohnung einer hebräischen Familie aufzusuchen, mit welcher sie ein wenig bekannt war, um dort etwas Speise zu sich zu nehmen und sich zur Nutze niederzulegen. Endlich kam ihr der Schlummer, aber mit Träumen; Hadassah glaubte ihren Sohn, ihren Abner zu sehen, heiter und sorgenlos wie in seiner Jugend. Dann änderte sich die Scene. Hadassah träumte, Sarah wäre unerwartet zurückgekehrt. Entzückt schloß sie das gerettete Mädchen in ihre Arme; dann sah sie zu ihrem Erstaunen, daß es nicht Sarah, sondern Sarah's Vater war, den sie in den Armen hielt. Es war sonderbar, daß sie inmitten so vieler Angst so wonnige Träume hatte, infolge deren ein Lächeln die gramerfüllten Züge der alten Wittwe überflog. Flüsterte da vielleicht ein guter Geist ihr in's Ohr: „Während Du schläfst, betet Dein Sohn, Deine Gebete für ihn sind nun endlich erhört." Aber Hadassah verlor mit Schlafen nicht viel Zeit. Als die Sterne noch am Himmel flimmerten, weckte sie ihre Dienerin, die zu ihren Füßen in tiefem Schlummer lag. Hanuah stand auf und Hadassah verließ mit ihr, ohne die Hausbewohner zu wecken, geräuschlos die gastliche Wohnung, die ihnen Schutz gewährt hatte, und wandte ihre Schritte zu dem Palast des Antiochus Epiphanes. Als die beiden Frauen durch die stillen, engen, leeren Gassen schritten, stießen sie plötzlich in einem Winkel, der durch eine Querstraße gebildet wurde, auf einen jungen Mann, dessen schneller Schritt Ungeduld und Angst bekundete. Er eilte mit solcher Hast vorwärts, daß er Hadassah beinahe anlief, bevor er stillstehen konnte. „Ha, Hadassah!" „Lycidas! Gott sei gepriesen!" riefen in einem Athem der Grieche und die Hebräerin. „Ist es — kaun es wahr sein — Sarah — gefangen — in Gefahr?" rief der junge Mann, den die Nachricht von dem Angriff auf Salaihiel's Wohnung und der Gefangennahme eines Mädchens erreicht hatte. Und zwar traf ihn dieselbe zu Bethlehem, wo er sich in jener Nacht aufhielt, und er eilte nun sofort nach Jerusalem. Lycidas war zuerst nach dem Hause des Cimon geritten, wo die von Hadassah hinterlassene Botschaft seine schlimmsten Befürchtungen bestätigte. Indem er sein Pferd, welches auf der felsigen Straße lahm geworden war, zurückließ, eilte er zn Fuß nach dem Palast mit keiner geringeren Absicht, als um jeden Preis eine Zusammenkunft mit dem Könige zu erlangen. „Sarah ist in jenem Palaste eine Gefangene," sagte Hadassah. „Du würdest alles thun, waS in Deiner Macht steht, um sie zu retten?" 272 — „Ich würde für sie sterben," war die Antwort deS Griechen. Hadassah machte nun in wenigen Worten den jungen Athener mit ihrer Absicht, den Austritt des Antiochus am Thor des Palastes abzuwarten und von ihm Leben und Freiheit Sarah's zu erflehen, bekannt. Gern nahm sie das Anerbieten des Lycidas, an ihrer Seite zu bleiben und ihre Bitten mit dem Gewicht feines Einflusses, den er vielleicht auf den Tyrannen hatte, zu unterstützen, an, wenn dieser Einfluß auch noch so gering sei. Hadassah, welche dankbar war, in ihrer Noth einen so eifrigen Freund gefunden zu haben, stützte sich auf den Arm des Lycidas, wie sie sich auf den Arm eines Sohnes gestützt haben würde. Verschiedenheit der Nation und des Glaubens waren für eine Weile vergessen. Beide waren durch eine große Liebe und einen großen Schmerz vereinigt, und der Heide konnte aus tiefstem Herzen zu dem Gebet der Wittwe „Amen" sagen. (Fortsetzung folgt.) --sr-k-rs—- ?. Julian Edelmann, Conventual deS ehemaligen Benedictiner- Neichsstiftes Ober-Elchingen. (Schluß.) Am 30. August 1802 wurde daS herrliche NeichS- stift, das Jahrhunderte hindurch in der weiten Umgebung viel Segen und Wohlfahrt verbreitet hatte, ein Opfer der unglückseligen Säcularisation; es wurde nach dem Grundsätze: Gewalt geht vor Recht — aufgehoben. Der Abt wurde peusionirt, während 3 Convcntualen zur Leitung der Seelsorge verbleiben durften. Unter diesen befand sich auch der hochverehrte Pfarrer von Oberelchingen, k. Julian. Schweren Herzens mag er die Schwelle der Klausur verlassen haben. „Doch der Pensionsstand hinderte den frommen und eifrigen Ordensmann keineswegs, auch fortan mit zartester Gewissenhaftigkeit soweit als möglich seine Ordensgelübde zu beobachten und für das Heil der Seelen, besonders zur Lehre und zum Troste der zahlreichen Wallfahrer, thätig zu sein, den Armen und Kranken nach Kräften beizustehen." Seine volle Kraft widmete)?. Julian seiner pfarramtlichen Thätigkeit, bis er in derselben durch Ift Peter Martin am 21. März 1805 abgelöst wurde. Damit begann für k. Julian eine neue LebersPeriode; was er zuvor amtshalber thun mußte, that er jetzr mit eben so großem Eifer aus freiem Willen. Er wurde nun allgemeiner Aushilfspriester; wo man ihn verlangte (in Unterelchingen, Falheim, Bnrlafingen, Straß, Thalfingen, Westerstetten), überallhin folgte er mit freudiger Bereitwilligkeit und Uneigennützigkeit. Sein ständiger Wohnsitz jedoch blieb Oberelchingen, woselbst er ein äußerst bescheidenes Stübchen bewohnte. Sein OrdenS- kletd legte er nicht ab und wollte in demselben auch begraben werden. Da er 36 Jahre laug an einem Fußübel litt, führte er beständig einen Stock bei sich. Die Leute nannten ihn nach seiner Resignation immer den „alten Herrn Pfarrer" und bezeigten ihm stets die größte Verehrung und Hochachtung. Da er ein besonderer Verehrer der schmerzhaften Gottesmutter war, suchte er die zu Elchingen bestehende Bruderschaft zur schmerzhaften Mutter GstteS möglichst zu fördern und verfaßte i. I. 1826 ein eigenes Lehr- und Gebetbuch dieser Bruderschaft. Zu Anfang dieses Jahrhunderts war im weiteren, wie auch im engeren Vaterlande viel Wandel, Unzufriedenheit und falsche Aufklärung im Volke rege. Auch in dieser Beziehung suchte der edle ?. Julian durch Wort und Schrift die Achtung vor den Obrigkeiten, vor den Gesetzen und staatlichen Einrichtungen zu erhalten, zu befestigen. Es fehlte eben damals selbst in den untersten Volksklassen nicht an harten Urtheilen über verschiedene Neuerungen und Verordnungen, k. Julian suchte diese Urtheile möglichst zu mildern und erwarb sich somit auch durch Loyalität bedeutende Verdienste. Als am 29. November 1802 zwei bayerische Commissäre erschienen, um allen Bewohnern von Elchingen den Eid auf den neuen kurfürstlichen Landesherrn von Bayern abzunehmen, ging k. Julian den ehemaligen Unterthanen des NeichL- stiftes mit dem guten Beispiel voran. Während der leidigen Kriegsjahre zu Ende des vorigen und zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts beherbergte Elchingen und dessen Umgebung nicht selten verwundete Krieger des eigenen und des feindlichen Landes, besonders nach der am 14. Oktober 1805 stattgesnndenen Schlacht von Elchingen. k. Julian suchte die verwundeten und sterbenden Krieger auf und spendete ihnen ohne Rücksicht auf Nationalität leibliche und geistliche Hilfe, wie ein echter barmherziger Samaritan. Er that dies vor den Augen des französischen Kaisers Napoleon I., welcher im Kloster sein Hauptquartier genommen hatte. k. Julian Edelmann hat unendlich viel Gutes gethan. Er war die verkörperte Selbstlosigkeit und Uu- eigennützigkeit. Wohlthätigkeit zu üben, war ihm Genuß. Er entzog sich an Speise und Trank, an Kleidung und Ergötzung alles, was nur ein wenig über das Nothwendige ging. Seine Einfachheit und Genügsamkeit war geradezu erstaunlich, erregte in der ganzen Umgegend Verwunderung und wurde vielfach unter dem Volks besprochen. Die unzähligen Wohlthaten, welche der selige Julian Armen und Bedrängten verschiedener Art im Stillen erwiesen hat, sind wohl einzig nur im goldenen Buche des Lebens aufgezeichnet, wo man seinen Namen ewig lesen wird. Durch seine erstaunliche Sparsamkeit gewann er aus feiner, wenn auch geringen Pension die Mittel für Stiftungen und Vermächtnisse, welche seinen edlen Sinn und seine Opferwilligkett großartig dokumentieren. k. Julian stiftete zur Anschaffung von sogenannten Preisebüchern und zur Bezahlung des Schulgeldes für arme Schulkinder für 5 Schulorte je 100 fl. — 500 fl. Für die Kirche in Oberelchingen spendete er nach und nach die Summe von 1500 fl. Zur Errichtung der Herz-Jesu-Bruderschaft in seinem Geburtsorte Unterelchingen leistete er 500 fl. Dem Orte seiner ersten pfarramtlichen Wirksamkeit, dem nahen Thalfingen, wendete er ein Vermächtnis; von 537 fl. zu, und vier anderen Orten, in denen er seel- sorgerisch thätig war, ein solches von 600 fl. Außerdem existiren heute noch verschiedene Jahr» tags-Stiftungen von ihm. Die einzige nennenswerthe Ausgabe für seine Person verursachte ihm ein Fußübel (es mußten ihm 2 Zehen amputirt werden), an welchem er lange Jahre litt. k. Julian Edelmann war im Umgänge mit Andern sehr entgegenkommend und gefällig; stets bekundete er ein heiteres, freundliches Wesen; im Ausdruck war er kern- haft und klar; er war durch und durch religiös und edel gesinnt. In Ausübung seines Berufes war er unermüdlich; er war seinem Gotte treu ergeben in allen Verhältnissen des Lebens. Es sollten daher an ihm die Worte in Erfüllung gehen, welche der Selige früher beim feierlichen Chorgebet und später beim stillen Breviergebet so oft beim 90. Psalm gebetet: „Ich will ihn segnen mit langem Leben und ihn schauen lassen mein Heil." k. Julian hatte bereits das 75. Lebensjahr erreicht. Der Abend seines edlen Lebens war genaht. Da sollte ihm durch Gottes Gnade noch eine gar seltene Freude zu Theil werden. Mit dem 18. Sept. 1834 nahte der 50. Gedächtnißtag seiner Weihe zum Priester. Es sollte ihm das große Glück beschieden sein, seine Sekundiz feiern zu können. Der demüthige Jubelgreis wollte zwar diesen so wichtigen, festlichen Tag in stiller Andacht und innigstem Danke feiern; allein seine Freunde hatten einen andern Beschluß gefaßt. Ohne dem hochw. Jubilar und dem Publikum Kenntniß zu geben, bereiteten dieselben eine gar würdige Jubiläums- Feier vor. Obwohl nur spärliche Mittheilungen hierüber laut geworden waren, nahm dennoch eine große Volksmenge an der herrlichen Feier theil. In feierlicher Procession, unter Absingung der Psalmen ConLteinini (117) und Imatatus (121) wurde der hochwürdige Jubelgreis (auf einen eigens vorher geweihten Stab sich stützend) zur Klosterkirche geleitet. Mit kräftiger Stimme sang der bejahrte Jubilar das Hochamt und hielt am Kreuzaltare eine ergreifende Rede über die Worte: „Nun, o Herr, entlassest Du Deinen Diener in Frieden!" Dabei äußerte er auch den Wunsch, sein geliebtes Elchingen möge einst wieder aufleben und dem Benediktiner-Orden zurückgegeben werden. Als auch der hochwürdigste Bischof Jgnaz Albert von Riegg von der in Oberelchingen stattgefundcnen Jubelfeier Kenntniß erhalten hatte, sandte Hochderselbe unterm 7. November 1834 ein äußerst anerkennendes längeres Schreiben an den hochverehrten, verdienstvollen Jubel-Priester. Ein gleiches erhielt derselbe unterm 10. Dezember 1834 vom Bischöflichen Ordinariate Augsburg. Lange noch erzählte man sich von dem schönen, zu Elchingen gefeierten goldenen Priester-Jubiläum. Auch nach demselben änderte ?. Julian nichts an feiner gewohnten Lebensweise. Er diente als Hilfspriester, wo immer man ihn erwünschte und so lange es seine Kräfte erlaubten. Endlich erging der Ruf des Herrn: „Du guter und getreuer Knecht, geh' ein in die Freude deines Herrn!" Die morsche Hülle der edlen Priesterseele brach. Julian wurde von einer Lungenentzündung ergriffen, und nach einem kurzen, nur viertägigen Krankenlager nahte das Ende seines heiligmäßigen Lebens. Mit allen heil. Sterbsakramenten versehen, vollkommen in Gottes heiligen Willen ergeben, sprach er noch: „Sucht mir meinen Stecken her — ich will fort!" Auf die Frage, wohin er wolle, antwortete er: „Ich will heim; ich will zu Gott!" Mit diesen Worten entschlief er sanft im Herrn, früh */z7 Uhr, am 16. Januar 1835, am Feste des heiligsten Namens Jesu. Eine wahrhaft edle Seele war zu ihrem Schöpfer zurückgekehrt, um jedoch unzweifelhaft nur ewigen Lohn zu empfangen. Kaum hatte die Sterbeglocke verkündet, daß der fromme k. Julian gestorben sei, da eilten Schaaren von Verehrern herbei, um ihn noch einmal zu sehen, um für ihn zu beten. Große und aufrichtige Trauer herrschte unter allen, welche den heiligmäßigen Pater gekannt hatten. Ein altes Mütterlein, welches den sel. k. Julian noch gekannt und wie einen Heiligen verehrt hat, erzählte dem Schreiber dieser Zeilen auf dem Wege von Nersiugen nach Oberelchingen einmal, daß nach dem Tode deS sel. l?. Julian viele eifrig bestrebt waren, irgend einen im Gebrauch des Seligen gestandenen Gegenstand oder wenigstens einen Theil desselben zu erhäschen, als gelte es in den Besitz einer Heiligen-Neliquie zu gelangen. Am 21. Januar wurde der Leichnam des auch im Tode noch hochverehrten Paters auf dem nordseitig an die Klosterkirche anstoßenden Friedhofe der geweihten Erde übergeben. Trotz des stürmischen Wetters hatten sich außer sehr vielen Geistlichen außerordentlich viele Laien aus nah und fern zur Leichenfeier in Oberelchingen einge- funden. ' Der gleichfalls pensionirte ehemalige Elchinger Benedikttner-Conventual k. Peter Martin — damals Pfarrer von Oberelchingen — nahm die Einsegnung der Leiche vor. In seiner Leichenrede über die Schriftstclle: „Und ein Edelmann reiste in ein weit entlegenes Land, um von seinem Reiche Besitz zu nehmen", Luc. XIX. 12, führte der hochw. Ofstziator aus, daß?. Julian Edelmann nicht nur ein Edelmann dem Namen nach, sondern in der That ein solcher gewesen sei, und pries denselben als Kinder- und Kirchenfreund, als Sünder- und Armen- freund. Der edle Gottesmann ist nun seit mehr als einem halben Jahrhundert schon aus diesem Leben geschieden. Wenn man gewöhnlich sagt: „Aus den Augen, aus dem Sinn", so gilt diese Regel bei k. Julian keineswegs. Obschon derselbe bereits im Jahre 1835 gestorben ist, so steht sein Andenken dennoch immer noch in hohen Ehren, und sein Grab ist heute noch Gegenstand besonderer Pflege und Verehrung. Dasselbe ziert ein einfacher Gedenkstein mit einem hohen, vergoldeten, eisernen Kreuze. Im Jahre 1882 wurde das Grabmonument einer gründlichen Renovation unterzogen; desgleichen die auf demselben angebrachte große Inschrift, welche lautet: „Hier ruht der hochwürdige k. Julian Edelmann. Er war ein echter Diener Christi; in ihm war kein Falsch; für das Haus Gottes und die Armen spendete er Alles und starb im Rufe der Heiligkeit, 76 Jahre alt, am 15. Januar 1835. R. I. Möge diese ehrwürdige Ruhestätte immerfort erhalten und pietätvollst (besonders von den Bewohnern der beiden Elchingen) stets besucht und gepflegt werden. Möge aber auch sich erfüllen, was ?. Melchior, 0.8. B. — Sankt Bonifaz — München, schreibt: „Möge der selige, wir dürfen ohne Zweifel sagen — der heilige k. Julian am Throne Gottes bitten, daß das herrliche Gotteshaus Obcrelchingen und dessen Wallfahrt erhalten, bleibt!" (Es sei hiemit an dieser Stelle dem vorgenannten hochw. Herrn ?. Melchior der beste Dank erstattet für die mündlich und concessiv gegebenen Mittheilungen.) Das Andenken an den edlen I?. Julian wird nie erlöschen, denn: ia msrnorirr astornu erit jrrstusl — Julius Editus. —--»4SWAS-.- Dn Ackerbau im heutigen Palästina, Von vr. Seb. Enringer, Pfarrer. (Fortsetzung und Schluß.) Kehren wir zu den Ernteerträgnissen zurück, so bemerken wir, daß große Schwankungen im Ertrage herrschen. Ueber die Bedingungen, welche die Ernte günstig resp. ungünstig beeinflussen, gibt uns die AvkV 1886, S. 46 folgende Aufschlüsse: „Zunächst ist zu bemerken, daß überall da, wo man nicht bewässern kann, also fast überall in Palästina, nur mittelmäßige Erträgnisse zu verzeichnen sind. Geringe Ernten, ja völlige Mißernten können stattfinden, wenn während der Regenzeit die Negenhöhe hinter der normalen beträchtlich zurückbleibt, wenn beim Keimen des Weizens und der Gerste die Regenzeit durch einen ansehnlichen regcnlosen Zeitraum unterbrochen wird, wenn der Spätregen gar nicht, nicht reichlich genug oder zu spat eintritt, wenn während des Wachsthums der cnls Osten, Südosten, Süden und Südwesten über die Wüsten kommende, den Boden rasch austrocknende Chamsinwind ( Sirokko) tagelang weht, und wenn große Heuschrccken- schwürme sich einstellen oder Mäuse, Ameisen, Engerlinge u. s. w. große Verbreitung erlangen. Sind die äußeren Verhältnisse nicht ungünstig, so gibt es namentlich in den Ebenen oft sehr ergiebige Ernten." Ueber das Betriebskapital, dessen ein Fellache bedarf, um einen FeddLn zu bebauen, gibt uns Schumacher 2l)kV 1889, S. 164 folgende Zusammenstellung, welche sich zunächst auf die Verhältnisse in Galiläa bezieht, aber mit geringen Modifikationen auch für das übrige Palästina gilt. Unter leääLv versteht man in Galiläa stets die Arbeit eines Paars Ochsen, die es während der Pflug- zeit je eines Jahres, in der Regel während eines Monats zu leisten im Stande ist. Bei Nazareth ackert der Fellach mit einem Paar Ochsen mittleren Schlages 30 Württembergische Morgen — 9,45 Hektar im Jahre. Nach diesem Maß rechnet auch die Regierung, indem der gesetzliche teclciäll — 9 Hektar ist. Zum Betrieb eines solchen IsäckLn braucht der Fellach: 1 eichenes Pfluggestell 46 Piaster^) — 6 M. 90 Pf. 1 Pflugschar (siklri) 30 „ — 4 M. 50 Pf. 1 Ochsenstachel (ininsao) 8 „ ---1 M. 20 Pf. 1 Joch und Zubehör 18 „ — 2 M. 70 Pf. Macht für einen Pflug 102 Piaster — L5M. 30 Pf. Die übrigen Gerüche kosten: 1 blecherne Röhre zum Säen "" ' (link) . ..... 4 Piaster--0 M. 60 Pf. 1 Sichel (inancksalral) .12 „ —IM. 80 Pf. 1 Dreschschlitten (nanracksoli) 46 „ ^6 M. 90 Pf. 1 Wnrfgabel mit 2 Zinken (soliaüst) .... 3 „ — 0M. 45Pf. 1 Wurfgabel mit 5 Zinken (miclrn).12 „ — 1 M. 80 Pf. Holzhaken und sostbLIr, Geflecht (für EctreidetranS- port auf Lastthicren) nebst Sieb werden vom Fellachen selbst gefertigt. . 0 ^ 0 M. 00 Pf. Somit kosten alle Ackergeräthe zusammen 179 Piaster — 26 M. 85 Pf. Dazu kommen: Saatfrucht für einen FeddLn (Weizen, Gerste, Lura) sammt Weizen zum Hausgebrauch bis zur Ernte 800 Piaster — 120 M. Ein Paar Ochsen kräftigen Schlages L 600 Piaster — 1200 Piaster — 180 M. Also braucht der Fellache ein Betriebskapital von 2179 Piaster oder 326 M. 85 Pf., um einen FeddLn — 30 württembergische Morgen — 9,45 Hektar zu bebauen. Diese Summe ist auch für jeden Grundbesitzer maßgebend; für jeden neu eintretenden Pflüger hat der arabische Grundbesitzer diese Summe beizubringen, die dem Fellachen bis zur Ernte mit Zins und Ziuses- zins aufgeschrieben und ihm auf der Tenne von seinem Antheil am Ertrag (dem Fünften) abgezogen wird. Da der Fellach ein schlechter Rechner, der Grundbesitzer aber Mein und Dein gerne verwechselt, so ist nicht zu verwundern, daß der Bauer trotz aller Arbeit stets ein Deficit macht, das ihn Zwingt, jedes andere Jahr das Dorf zu verlassen und seine Lehmhütte in einem andern aufzurichten. Wachsen aber seine Schulden ihm über den Kopf, so packt er seine paar Decken, seinen Kochkessel, seinen Wasserschlauch und, wenn es hoch kommt, seinen Wasserkrug (ibmlr) und seine Schuhe zusammen, bepackt den einzigen Esel, wenn ihm dieser noch gelassen wurde, und seine Frau damit und wandert bei Nacht und Nebel durchs Jordanthal in den Hanran und nach "Adschlün, wo er vor seinen Gläubigern sicher ist. (2I)?V 1889, S. 165.) Da ich gerade daran bin, das Klagelied des Fellachen zu singen, so möge noch ein Passus aus der Rede des Herrn Pfarrers Künzer aus Haifa folgen, welcher in der Generalversammlung des Palästinavsreins der Katholiken Deutschlands am 27. Nov. 1893 sich vernehmen ließ: „Nicht der einzelne Mensch ist besteuert, sondern der Bezirk. Die etwas haben, müssen beitragen; die nichts haben, können eben nicht. Es arbeitet also jeder nur so viel, als nöthig zum Leben; die fleißig sind, müssen für die Faulen mitbezahlen. Das System ist gleichsam eine Prämie auf den Müßiggang. Ein anderer Uebelstand ist der Naturalzehnt. Von jedem durch die Ernte Erzielten muß der Zehnt abgegeben werden. Nun gefällt es dem Steuer-Einnehmer oft nicht, zu kommen, um die Ernte zu schätzen. Diese muß also liegen bleiben, und oft, um die ganze Ernte nicht verderben zu lassen, muß der Eigenthümer noch einen „Backschisch" geben, damit der Einnehmer die Gnade hat, zu kommen. Also die Art und Weise der Besteuerung ist mit schuld an dem Niedergang des Landes .... und so wird das Sprichwort: „Unter dem Fuße des Islam kann nur die Wüste blühen!" ein wahres Wort. In unserer Nähe passirte kürzlich Folgendes: Der Kommandeur der Garnison hörte, daß auf einem Dorfe noch ein ziemlicher Wohlstand herrscht. Sofort rückte er mit einer Abtheilung Soldaten hin und sagte dem Vorsteher, es hätten sich Militärpflichtige aus dem Dorfe der Gestellung entzogen. Alles Widersprechen und Beweisen half nichts; er blieb da, so lange noch eine _ 77 Piaster —11M. 55 Pf. ,") 1 Piaster selmrülr (solche sind gemeint) ist — ca. 15 Pfennig. ") So scheint eS nach Schumacher in Haifa, Nazareth und Umgebung zu sein. Gewöhnlich aber (nach Konsul Wetzstein) werben die Siebe von den narnvar verfertigt. Siehe oben. Wetzstein gibt aber keinen Preis an. ") Der Zinsfuß ist meist 20°/„. 275 Kuh und ein Hammel da war. Dann zog er wieder ab, um das Experiment an einem anderen Ort zu wiederholen. Natürlich hat man da keine Lust, sich zu Plagen, damit cS ein Anderer wegnimmt." Die Fellachen, welche nahe bei den Bedninengebieten ihre Aecker bebauen, haben noch eine weitere Plage. Es geschieht nämlich gewöhnlich, daß die Beduinen meistens des Nachts über die anstehenden Feldfrüchte einer Gemeinde herfallen nnd nicht selten Hunderte von Kamelen auf einmal beladen. Da sie keine Sicheln haben, so schneiden sie die obere Hälfte der Halme mit Säbeln ab, weßhalb dieser Diebstahl karä, d. i. Aösäbelung, genannt wird. (Wetzstein bei Schegg, Archäologie, S. 147.) Daher zahlen die Bauern ihren räuberischen Nachbarn die „Bruderschaft" (okrnvrvo), einen Tribut an Getreide, und kaufen sich dadurch von den Räubereien der Beduinen los. Ich weiß nicht, ob es einen härteren Kampf um's Dasein gibt, als den eines palästinensischen Fellachen. Der Boden Syriens ist fruchtbar. Bibel und Talmud, FlaviusJosephns und Ammianus Marcellinus (14,6), ja selbst der klassische Antisemit Tacitus (bist. 5, 6) bezeugen uns dieses für das Alterthum. Aber auch jetzt noch ist er fruchtbar oder könnte reichen Ertrag liefern. „Selbst die syrische Wüste besteht nicht aus Sand, sondern aus gutem Boden, der nach dem ersten Regen eine Unzahl von Blumen und Kräutern, die fetteste Weide hervorsprießen läßt." (Bädeker I.VI.) Raubbau, Entwaldung und nach Fraas eine Aenderung des Niveaus haben Palästina um den Ruhm gebracht, das Land zu sein, wo Milch nnd Honig fließt. Charakteristisch für das heilige Land ist der Mangel an Humus. „Selbst die grüne Ebene zwischen Meer und Gebirge, die Ebene von Saron und Esdrelon, bietet wohl den lieblichsten Anblick und gewährt namentlich dem Wüstenreisenden doppeltes Entzücken — aber von Rasenvegetation ist keine Rede. ES ist vielmehr eine kräuterreiche Steppenvegetation, üppig zwar in der Niederung, entzückend durch hundertfache Farbennüancen — aber immer tritt der Fuß auf nackten Boden, auf Sand in allen Farben, auf rothen und braunen Lehm, der über den Kalken liegt, auf lichte Mengungen von Kalk und Kreide — nur nicht auf europäischen Grasboden." (Fraas, Aus d. Orient, 1867, S. 196 u. ff.) Während Conder den Unterschied zwischen einst und jetzt nur einen Unterschied des Grades und nicht der Art nennt (Pds Lnivs^ ok "lV. kniest. 4. Band x. 495), schließt Fraas a. a. O. aus dem einstigen Hnmusreich- thum, worauf die Wiesen und Wälder, an welchen nach den alten Berichten Palästina so reich war, hinweisen, und aus der jetzigen Abwesenheit von Humus, daß eine Niveauänderung der Oberfläche des heiligen Landes eingetreten >ein muß. Wie dem auch sei, der Raubbau und die Entwaldung haben sicher viel beigetragen, den Ackerbau weniger lohnend zu machen. Das geht schon daraus hervor, daß da, wo der Ackerbau rationell betrieben wird, z. B. in den deutschen Kolonien, sich ganz günstige Resultate ergeben. Eine Aufforstung im großen Stile würde sicher nicht ohne bedeutenden Einfluß auf die hydrographischen Verhältnisse und dadurch aufKlima undFruchtbarkeit bleiben. Der unermüdliche Dr. Anderlind hat auch hierüber Forschungen angestellt, von welchen er2vkV 1885, S. 101 u. ff. in dem Artikel „Der Einfluß der Gebirgswald- ungen im nördlichen Palästina auf die Vermehrung der wässerigen Niederschlüge daselbst" Rechenschaft gibt. Anderlind vergleicht die meteorologischen Beobachtungen von Jerusalem mit denen von Nazareth. Jerusalem liegt nämlich in einer nahezu waldlosen Gegend, erst im Norden 75 Kilometer in der Luftlinie und 45 Kilometer nach Osten bei eS Salt trifft man größere Wälder; westlich von Jerusalem befinden sich nur zwei kleine Wäldchen (ca. 16 Kilometer entfernt) bei Bet Mahsir, welche zusammen 6'/z Hektar ausmachen. Dagegen ist Nazareth von Wälder» umgeben. Allerdings sind diese Wälder nicht so dicht wie bet uns und sehr oft nur Niederwald. „Es umfassen die Waldgebiete um Nazareth herum einschließlich der darin enthaltenen »»bewaldeten Flächen 1580 Quadratkilometer---158,000 Hektar; die darin vorkommenden wirklichen Waldflächen, das heißt die mit vollkommenen oder unvollkommenen Waldbeständen bedeckten Flächen, 580 Quadratkilometer oder 58,000 Hektar; die Vollwalduugen, das heißt die Flächen, welche sich ergeben, wenn man die zu einem großen Theile nicht vollbestandenen wirklichen Waldflächen sich auf vollbestandenen Niederwald resp. Hochwald zurückgeführt denkt, 258 Quadratkilometer oder 25,800 Hektar, wovon 194 Quadratkilometer (19,400 Hektar) alsVollniederwaldungen und 64 Quadratkilometer (6400 Hektar) als Voll-Hoch- waldungen gelten können. Ich habe bei dieser Schätzung angenommen, daß die Niederwaldungen durchschnittlich zur Hälfte voll bestockt seien, daß ein Hutewald nur ein Drittel von der Stammzahl eines Hochwaldes gleicher Flüchen- größe enthalte und daß daher die Dichtheit der Bestock« ung erst 3 Flächeneinheiten Hutewald gleich zu erachten seien einer Flächeneinheit vollen Hochwaldes" (1. v.S.112). Wie diese Niederwaldungen aussehen, davon gibt Hr. Pfarrer Künzer in seiner bereits citirten Rede folgende, auch nach meinen Erfahrungen treffende Schilderung: „Wenn man zuweilen Reiseschilderungen liest, z. B. über den Karmel, dann denkt man, es muß eine Pracht sein, dieser Berg. Aber wie wird man enttäuscht bei dem Anblick. Kein Wald, nur Gestrüpp, nicht einmal Gras; nur einige dürftige Kräuter sprossen hier und da hervor." Von den 5 großen Waldgebieten um Nazareth, welche, wie gesagt, mit den 2 kleinen Wäldchen bei Jerusalem die einzigen Wälder diesseits deS Jordans sind, kenne ich 3 aus eigener Anschauung: den Karmel, den Tabor und den großen Wald zwischen Haifa, Akko und Nazareth ; dagegen die 2 übrigen, den Wald bet Umm el fahm ") und den zwischen Tyrus-Safed-Nazareth liegenden, habe ich nicht besucht. Wenn ich mein Urtheil über die von mir durchrittenen Wälder abgeben soll, so kann ich nur sagen, daß selbst die Hochwälder nie und nimmer das sind, was wir Deutsche einen Wald nennen. Denn die Bäume stehen zu weit auseinander; es machen diese «Wälder" den gleichen Eindruck wie der Münchener Hofgarten. Dort stehen auch eine Menge Bäume, aber jeder in respektabler Entfernung von dem andern. Die Niederwälder machen den Eindruck wie die Auen an unseren Flüssen. Erst der Cedernwald auf dem Libanon ist das, was man im Deutschen einen Wald nennt. Anderlind gelangt nach Vergleichung der meteorologischen Beobachtungen der beiden Orte zu dem Resultate, daß die GebirgSwalduugen Nordpalästiua's die Regenmenge daselbst wahrscheinlich nicht unerheblich vermehren. „Aeußern sonach", schließt Auderlind S. 114, „wahrscheinlich schon Wälder von der Ausdehnung und Beschaffenheit der im nördlichen Palästina vorkommenden ") Das ist der Wald Ephraim der Bibel. 276 — einen Einfluß auf die Vermehrung der Siegenmenge, so müßte dies in noch bedeutenderem Maße der Fall sein, wenn Waldflächen vorhanden wären, die einen größeren Theil, etwa 25 bis 30 Prozent, von der Landfläche ausmachten, die ferner voll und statt mit den wenig zweckmäßigen Nieder- und Hntewüldern mit Doppelwäldern bestanden wären, das heißt Hochwäldern, welche außer einem geschlossenen Oberbestande noch einen aus schattenertragen- den Holzarten bestehenden Unterbestand enthielten." In seinem Aufsatz „Ackerbau und Thierzucht in Syrien" kommt Anderlind noch einmal auf die Waldungen zu sprechen (2vkV 1886, S. 47) und führt dabei aus: „Bet Anlage und Erhaltung umfänglicher dichter Hochwaldungen auf den Gebirgen würde eine Verbesserung der Ernten wohl kaum ausbleiben. Denn der Thaufall nähme dann zu, mindestens in der Nähe von Waldungen; ferner würden nicht nur die wässerigen Niederschlüge durch Mineralerde, Humus und Streudccke des Waldes längere Zeit, als dies auf unbewaldeten Flächen geschieht, festgehalten, sowie an der Versickerung in's Erdinnere verhindert und zum allmäligen Abfließen gebracht, sondern auch die Negenfülle wahrscheinlich vermehrt werden. Manche Bäche und Flüsse, welche jetzt während des Sommers vollständig austrocknen, dürften dann beständig Wasser führen." Die Aufforstung der Gebirge müßte aber in großem Maßstabe ausgeführt werden, das wäre die Aufgabe des Staates; aber der türkische Staat ist zu so etwas kaum fähig. — Würde fernerhin eine Bewässerung der Felder auf künstliche Weise ausgeführt werden, wie es im Norden von Syrien der Fall ist, so könnte man einmal eine doppelte Ernte alle Jahre erzielen, dann könnte man den ausbleibenden Regen ersetzen, die Wirkung des austrocknenden Gluthwindes paralysiren und das schädliche Ungeziefer, Mäuse, Ameisen, Engerlinge rc., vernichten. Aber dazu gehören imwerfließende Bache. Solange die Aufforstung nicht in Angriff genommen wird, ist auch keine Hoffnung auf künstliche Bewässerung im großen Stile. Da den Kolonisten kein Einfluß auf die Regierung zusteht, so sucht man durch Wort und Beispiel auf die Eingeborenen zu wirken, damit wenigstens das, was geschehen kann, geschieht. Dazu ist bereits eine blühende Ackerbauschule eingerichtet. Der Kanonikus Antonio Belloni, ein Schüler Dom Bosco's, hat in Beth-Dschimsl bei Jerusalem eine Ackerbauschule und Kolonie gegründet. Das Kolonialgebiet, das theils von katholischen Familien, theils von den 50 Zöglingen der Anstalt bebaut wird, beträgt 12 Kilometer im Umfangs oder 900 Hektar Fläche, welcher Grundkomplcx um eine ganz unbedeutende Summe von den arabischen Bauern erstanden wurde. Kultivirt waren davon 1884: 200 Hektar, nämlich 157 Getreide, 30 Oliven, 7 Fruchtbäume, 3 Gemüse, 1 Wein. Die Kolonie und Schule werden von zwei Weltpriestern, einigen Laienbrudern, fünf Oekonomen und vier Laienschwestern geleitet. Ferner besitzen die Lcsura äs Notrs Ilams äs Lisa in St. Johann (Ain Karim) ein Kloster mit ausgedehntem Grundbesitz, bestehend in Olivenpflanzungen, Wein- und Gemüsegärten, welche unter der Leitung zweier tüchtiger europäischer Oekonomen von mehreren Eingeborenen, für welche diese Arbeit als Bodenkulturschule dient, bearbeitet werden. (Schnabel: Die römisch-katholische Kirche in Palästina, 2vkV 1884, S. 279 u. ff.) Der Palästinaverein der Katholiken Deutschlands hat in Tabra (auch Tabgha geschrieben) am See Genesareth große Grundstücke angekauft, welche unter der Leitung von?. Bisver bearbeitet werden. Die Franziskaner sind durch ihre Ordensregel verhindert, Ackergründe und Weinberge zu erwerben und können daher keine Ackerbauschulen errichten. Die deutschen und die jüdischen Kolonien geben den Fellachen das beste Beispiel; aber so lange das Aus- saugungssystem nicht aufhört, werden die Bauern nur in geringem Maße etwas von den Kolonisten annehmen. Der Fluch, welcher über dem hl. Lande liegt, ist verkörpert durch die türkische Regierung, und es ist keine Hoffnung, daß es anders wird, denn wenn nicht alle Zeichen trügen, folgt auf den Sultan der Zar. Abgesehen vorn Klima, das dem Deutschen nicht zuträglich ist (Malaria, unter welcher übrigens die Eingeborenen ebenso, wenn nicht mehr leiden), ist eS Niemand zu rathen, als Kolonist in Palästina sich anzusiedeln. Socin in Tübingen schreibt 2V?V 1881, S. 134: „Der Umstand, daß europäische Kolonisten in Palästina mehr oder weniger von den Eingeborenen abhängig sind und, falls sie geschädigt und beleidigt werden, bei den türkischen Gerichten nur mit Mühe ihr Recht erlangen können, muß die Anhänger von weiteren KolonisationsProjekten immer wieder stutzig machen ..... wir sind der Ansicht, daß erst Manches noch gründlich gebessert werden mühte, bevor europäische Ansiedler sich in Palästina sicher und geborgen fühlen können." Ich schließe mit dem guten Rath: „Bleibe im Lande und nähre Dich redlich!" ----s-Hk-sc-- A ü 5 § x L e ß. 139 Jahre alt. Dieser Tage erschien bei einem Arzte in Moskau ein Greis und bat, seine verletzte Hand zu verbinden. Der Arzt legte den nöthigen Verband an und fragte nach dem Alter des Greises. Es erwies sich, daß derselbe im Jahre 1757 geboren war, somit also im Patriarchenalter von 139 Jahren steht. Der Alte wurde in der Negierungszeit der Kaiserin Elisabeth geboren und lebte unter den Herrschern Peter III., Katharina II., Paul, Alexander I., Nikolai I., Alexander II., Alexander III. und jetzt unter der Regierung des Kaisers Nikolai II. Der Greis ist Moskauer Kleinbürger und war bis zu seinem 86. Lebensjahre Kutscher; als er einst unglücklicherweise die Kalesche mit einer Verwandten seiner Herrschaft umwarf, wurde er nach Sibirien verschickt. In Sibirien lebte der Alte bis zum Jahre 1891. In diesem Jahre beschloß er, die Heimath aufzusuchen. Vorher jedoch machte er mehrere Wallfahrten und gelangte erst 1894 nach Moskau. Hier blieb er nur kurze Zeit und wallfahrte nach Kiew, von wo er in diesen Tagen nach Moskau zurückkehrte. Der Alte, Kusmin mit Namen, besitzt ein ungetrübtes Sehvermögen, hört gut und ist vorzüglich zu Fuß. Kusmin hat bis zum Jahre 1891 niemals Branntwein getrunken, „auf meine alten Tage erlaube ich mir jetzt aber mitunter ein Gläschen", erklärte der Greis. Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 34: Weiß. Schwarz. 1. L. L2-61 beliebig. D,, T. oder Sp. Matt. —»AZUW"-